Nov 302007
 

29112007.jpg Unser erster Familienausflug nach der deutsch-russischen Wiedervereinigung führte uns bei nasskaltem Wetter in den Britzer Park. Die Parkeisenbahn fährt nicht mehr, aber die Schafe, mittlerweile im zottigen Wollkleid, ziehen weiterhin gemächlich ihre Runden in den eingezirkten Gehegen. Emsige Mitarbeiter bohrten Pflanzlöcher für Hyzinthen, rechten Laub, mähten die Langgraswiesen. Zwei Ziegenböcke lieferten ein Schauspiel der Rauflust, als sie wieder und wieder ihre hornbewehrten Schädel aufeinanderprallen ließen. Ich rief ihnen zu: „Ihr müsst mehr miteinander reden, immer mit dem Kopf durch die Wand, das bringt nichts!“ Die Tiere hörten nicht auf mich, aber Wanja und ein paar Spaziergänger lachten. Ich mag den Britzer Garten, weil er eine Art Utopie darstellt: den friedlichen Einklang von Mensch, Tier und Pflanze in einer geschützten Umwelt. Obwohl künstlich geschaffen, gibt es nur wenige Stellen in Berlin, an denen Natur so vielfältig erfahrbar ist. Das Bild hat Wanja nach eigenem Ermessen aufgenommen. Es zeigt seine Eltern – nicht übermächtig im Zentrum des Bildes, sondern eingebettet in eine Landschaft des Friedens. So sieht er uns also.

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Es geht doch: Deutsche Viertklässler sind beim Lesen in der Spitzengruppe

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Nov 292007
 

Die gestern vorgestellte neue IGLU-Studie meldet Erfreuliches. Deutsche Viertklässler liegen nunmehr klar in der Spitzengruppe bei den Lesefertigkeiten. Der Abstand zwischen Jungen und Mädchen hat sich verringert. Wir Jungs sind gar nicht so unbegabt. Ganz vorne liegt – Russland. Also hat meine russische Frau irgendwo doch recht, wenn sie fragt: Wann fangt ihr in Deutschland mit dem Lernen an? Immerhin: Die deutsche Einheitsschule – also der gemeinsame Unterricht für alle Kinder in den Jahrgangsstufen 1 bis 4 – steht mittlerweile im internationalen Vergleich sehr gut da – erstklassige Arbeit, die unsere Grundschullehrer leisten! Sorge bereitet nach wie vor das soziale Ungleichgewicht bei den weiterführenden Schulen. Sobald die Aufspaltung in Hauptschule, Realschule, Gymnasium erfolgt, werden sozial bedingte Ungleichgewichte zementiert, Potenziale der Kinder aus den unteren Einkommensschichten bleiben ungenutzt. Hier können Sie das IGLU-Projekt nachlesen! Lesen Sie auch meinen Antrag zum kommenden Bezirksparteitag der CDU in Friedrichshain-Kreuzberg:

„Die Gruppe der Schüler, die besonders wenig lernen oder die Schule ohne Abschluss verlassen, ist in Friedrichshain-Kreuzberg viel zu groß. Der Schulerfolg hängt in Friedrichshain-Kreuzberg noch stärker von der sozialen und ethnischen Herkunft ab als in anderen Bezirken. Das nehmen wir Christdemokraten in Friedrichshain-Kreuzberg nicht hin, sondern arbeiten daran, möglichst alle Schülerinnen und Schüler zur höchsten ihnen möglichen Leistung zu führen. Dabei setzen wir vom ersten Schultag an neben Ermutigung zum selbstständigen Lernen auch auf bewährte Tugenden wie Fleiß, Pflichtbewusstsein, Höflichkeit und Gehorsam.

Die CDU Friedrichshain-Kreuzberg stellt fest, dass das derzeit vom Senat betriebene Projekt der Gemeinschaftsschule bereits in der jetzigen Pilotphase sowohl von den Schulen selbst wie auch von Eltern und Schülern mehrheitlich abgelehnt wird. Nicht hinreichend bedachte Experimente wie die Gemeinschaftsschule, die von den Beteiligten nicht angenommen werden, bedeuten hinausgeworfenes Geld, das anderswo sinnvoller eingesetzt werden könnte.

Derzeit gilt nämlich unverändert, dass die übergroße Mehrheit aller Berliner Eltern und Schüler die Oberschule bzw. das Gymnasium anstrebt, weil die beiden anderen Schulformen, besonders die Hauptschule, durch eine jahrzehntelange verfehlte Bildungs- und Integrationspolitik ihr Ansehen eingebüsst haben.

Ob das dreigliedrige Schulsystem mit Hauptschule, Realschule und Oberschule/Gymnasium in Berlin noch zu retten ist, wird sich erst am Ende eines ideologiefreien Diskussionsprozesses zeigen. Wir befürworten eine gründliche Debatte über die Zukunft des Berliner Schulwesens ohne vorschnelle Festlegungen.“

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„Wir sind gut angekommen“

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Nov 292007
 

Große Freude!

Um 13.48 Uhr erhielt ich gestern folgende E-mail von meinem Schwiegervater:

Passportnyi kontrol proshli uspeshno
U nas idet sneg
Um 16.27 deutscher Zeit erreicht mich folgende SMS von Ira: „Wir sind gut angekommen.“

Jetzt wird erst einmal gefeiert!

Wanja hat sehr zugelegt, spricht sehr gerne, erzählt längere Geschichten, schreibt gerne in russischer Sprache am Computer.

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Nov 272007
 

O Segnungen der Technik! Was Dieter Althaus kann, kann ich auch – nämlich eine Powerpoint-Präsentation für jedermann abrufbar ins Netz stellen. Hier ist es die Präsentation „Positive Kommunikation“, die ich bei verschiedenen Gelegenheiten vortragen durfte, etwa am 27.10.2007 in der Akademie Schmöckwitz (dieser Blog berichtete).

positive-kommunikation.ppt

Ihr seid alle aufgerufen, ein bisschen herumzuknobeln, die Spiele durchzuspielen und auch die Fragen zu überlegen. Was haltet Ihr davon?

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Es geht doch: Ahmadiyya bindet sich noch weiter in Zivilgesellschaft ein

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Nov 272007
 

Die taz bringt heute auf S. 23 einen guten Hintergrundbericht über die gelungene Beilegung der Konflikte um den Moscheebau in Heinersdorf: Dank eines Vertrages darf die Polizei Sprechstunden in den Räumen der Gemeinde abhalten; die Polizisten erhalten Einführung und Beratung in den Belangen dieser weltoffenen Gemeinde, die ja in einigen islamischen Ländern als verfolgte Minderheit einzustufen ist. Die Vorbeter, die häufig aus anderen Ländern kommen, werden in 32 Wochen mit Kursen über „das politische System Deutschlands, das Bildungssystem, Familie in Deutschland, Sozialsysteme und Altersvorsorge“ fit gemacht. Unsere freiheitliche Grundordnung fährt wieder Punkte ein! In diesem Blog hatten wir bereits am 20.10.2007 über das Wiesbadener Modell – mit wechselseitiger Öffnung auf vertraglicher Grundlage – berichtet und es ausdrücklich auch für Pankow empfohlen. Ein gutes Beispiel!

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Nov 262007
 

Zum Glück bietet der CDU-Kreisparteitag Kinderbetreuung an, alles andere wäre für mich schwierig geworden. Ira hat zwei Auftritte in Görlitz, ich werde also übers Wochenende allein für Wanja zuständig sein. Ich möchte doch unbedingt zu der Versammlung hin! Ich kann doch meine Änderungsanträge zum Kommunalpolitischen Grundsatzprogramm nicht alleine lassen. Vorrang für das Zu-Fuß-Gehen, Verringerung des Autoverkehrs, Friedrichshain-Kreuzberg als Vorreiter beim Klimaschutz und bei der Integration der Migranten, ein klares positives Leitbild für unseren Bezirk, eine Politik der ausgestreckten Hand – dahin müssen wir kommen, ich werde mich zusammen mit anderen dafür ins Zeug legen.

Bin schon ein bisschen aufgeregt. Soll ich mich einmal zu Wort melden oder doch lieber nur zuhören? Bin absolut kein Politik-Profi! Bin ja erst vor ein paar Monaten der Partei beigetreten, was auch Erstaunen hervorgerufen hat bei einigen, die mich länger kennen. Aber ich war immer ein unabhängiger Geist, mit meist antiautoritärer Grundhaltung. Deswegen mag ich die Kleinen. In Kreuzberg hat die CDU zuletzt ein einstelliges Wahlergebnis gehabt. Was für ein riesiges Erfolgspotenzial!

Diese Einladung erreichte mich heute:

Kreisparteitag der CDU Friedrichshain-Kreuzberg
am kommenden Sa, 01.12.2007,
um 10.00 Uhr
in der Falckensteinstr. 6, 10997 Berlin.
Es gilt eine neue Kreissatzung zu verabschieden, der Schwerpunkt liegt jedoch auf der Beratung des ersten und neuen Grundsatzprogramms – zu der natürlich jedes Mitglied eingeladen ist!
Auch Gäste sind gerne gesehen (wie etwa an der Partei interessierte Bürger), der Parteitag findet öffentlich (und mit hoffentlich gutem Medienecho) statt.

Als „Familienpartei“ bieten wir für die Zeit des Kreisparteitags eine Kinderbetreuung an. Für die Kinderbetreuung ist Anmeldung erforderlich.

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Nov 262007
 

Wichtige neuere Bildungsstudien scheinen zu belegen, dass kein nachweisbarer Zusammenhang zwischen der äußeren Organisation des Schulwesens und dem Lernerfolg besteht. Es kommt offenbar nicht so sehr darauf an, ob die Schüler in einer Einheitsschule oder einem gegliederten Schulwesen unterrichtet werden. Sowohl die TIMS-Studie 1997 als auch die Iglu-Studie 2001 und die Pisa-Studie 2003 lassen keine Rückschlüsse darauf zu, welches Schulsystem – das gegliederte oder das Einheitsmodell – grundsätzlich besser ist. Allerdings haben deutsche Schüler in den Vergleichsstudien stets nur im Mittelfeld abgeschnitten. Viel wichtiger als Schulformen sind offenbar Unterrichtsformen. Verschiedene Forscher kritisieren im Tagesspiegel von heute, 26.11.2007, S. 29, die Erkenntnisse der vergleichenden Bildungsforschung seien zwar auch in Deutschland zur Kenntnis genommen worden, doch hapere es an der praktischen Umsetzung, an Geld für Fortbildung, konkreten Plänen und Nachschulungen des lehrenden Personals. Das ständige Analysieren und Messen sei nur ein erster Schritt, aber: „Vom Wiegen wird die Sau nicht fett!“

Wir brauchen also nach Meinung dieser Experten besseren Unterricht, nicht notwendigerweise neue Schulformen.

Ich meine sogar: Ohne Fleiß kein Preis. Man sollte nicht immer alles den Lehrern anlasten. Sie tun viel Gutes, aber zum Lernen gehören auch Schüler – und Eltern.

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Es geht also doch: Berlin belegt Platz 1 im deutschen Städteranking

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Nov 262007
 

Manche haben es gewusst, viele haben es geahnt – und ich habe immer daran geglaubt! Nach einer repräsentativen Erhebung des Münchener (!) Magazins Focus, neueste Ausgabe, belegt Berlin unter allen deutschen Städten den besten Platz – noch vor Düsseldorf, Hamburg, Nürnberg und München. Gewertet wurden harte Faktoren wie Einkommen, Erwerbstätigenanteil, Miete, BIP/Einwohner, BIP-Wachstum, aber auch weiche Faktoren wie Kneipendichte, Kino-Angebot und Wohnheimkapazität. Beurteilt wurde in dieser Erhebung die Attraktivität von 55 deutschen Städten für Studenten. Einziger Wermutstropfen: Greifswald führt die Liste der fahrradfreundlichsten Städte an. Wir haben es nicht einmal unter die besten Zehn geschafft. Daran müssen wir also noch arbeiten. Nachzulesen im Focus Nr. 48/2007, S. 58-76.

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Nov 252007
 

24112007001.jpg Wolfgang Wehrl, der den Kleinen Parteitag der Berliner CDU am Samstag leitete, brachte es gleich zu Beginn auf den Punkt: Solidarisch – Bürger – Geld, das sind alles positiv besetzte Begriffe, denn Solidarität ist uns lieber als Egoismus, Bürger sind alle, Geld sehen wir lieber als Schulden. Vorsprung durch Kommunikation! Was aber ist das Solidarische Bürgergeld? Das Solidarische Bürgergeld ist ein bedingungsloses Grundeinkommen von 800 Euro pro Monat für alle Erwachsenen. Das Bürgergeld sinkt mit wachsenden eigenen Einkünften. Bis zu einem Bruttoeinkommen von 1.600 Euro im Monat fällt keine Einkommensteuer an.

Der Thüringer Ministerpräsident Dieter Althaus hatte überdies in den Medien alles bestens vorbereitet. Von seiner Homepage kann man sogar eine faktenreiche Power-Point-Präsentation herunterladen. Vorteil Althaus!

Was wollen für unsere soziale Sicherheit? Systemwechsel oder Systemumbau? Althaus warb leidenschaftlich für die erste Lösung. Im Publikum saßen Gegner und Befürworter eines solchen Befreiungsschlages und verschafften sich auch in der anschließenden Debatte Gehör. Beide Seiten brachten starke Argumente. Das Match endete unentschieden und geht in die nächste Runde.
Ich nehme für mich mit: Althaus hat sich seine Sache gut überlegt, er hat Rat von allen Seiten eingeholt, er ist mutig und lässt sich durch ein klein bisschen Gegenwind nicht umpusten. Mein Herz hat er als redlicher Anwalt seiner Sache gewonnen. Im Kopf bin ich von seinem Modell – noch? – nicht überzeugt. Ich werde vorerst weiter nach allen Richtungen zuhören. Seine Partei hat sich noch nicht abschließend festgelegt, sondern führt einen intensiven Diskussionsprozess. Gut so, ich kenne keine andere Partei, in der eine solche Bandbreite an Positionen vertreten ist wie die CDU. Es ist eben die wahrhaft bürgerliche Partei – und Bürger dieser Republik sind wir alle: Punks, Studienräte, Assis, Aktien- und Einkommensmillionäre, Hartz-IV-Empfänger, verarmte Adelige, Alkoholiker, Neureiche und Diplomaten, Skinheads und Porschefahrer.

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In Kreuzberg bewegt sich was!

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Nov 242007
 

Bis 2 Uhr, also spät in die Nacht hinein saß ich gestern noch am Computer. Der Entwurf für das Kommunalpolitische Grundsatzprogramm der CDU Friedrichshain-Kreuzberg war allen Mitgliedern zugänglich gemacht worden. Bis heute 10 Uhr durften wir unsere Änderungsvorschläge einreichen. Ich halte diese Frist äußerst knapp ein: auf dem 1. Kleinen Parteitag der Berliner CDU, den ich besuche, überreiche ich dem Kreisvorsitzenden Dr. Wolfgang Wehrl zwei Ausdrucke – um 09.58 Uhr! Ich habe mich besonders der Schulpolitik und des Fahrradverkehrs angenommen – meiner beiden kommunalpolitischen Leib- und Magenthemen. Ich wünsche mir einen Vorrang für das Zu-Fuß-Gehen und das Fahrrad, danach kommen Busse, Bahnen, Taxis; und nur das, was mit diesen vorrangigen Verkehrsmitteln nicht erledigt werden kann, sollte mit dem Privat-PKW gemacht werden.

Lesen Sie hier nachstehend meine persönlichen Forderungen für eine zukunftsweisende Verkehrspolitik im Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg. Den Text habe ich vom ersten bis zum letzten Wort selbst verfasst – er stellt eine Art Summe aus meinen Erfahrungen als Fußgänger, Radfahrer, BVG- und Autofahrer in diesem Bezirk dar. Ja, ich gestehe: ich besitze auch einen PKW. Ich bin schon gespannt, wieviel ich davon bei der CDU durchsetzen kann. Was glauben Sie? Ich freue mich schon auf Ihre/Eure Kommentare.

Antrag von Johannes Hampel zum Entwurf des Kommunalpolitischen Grundsatzprogramms der CDU Friedrichshain-Kreuzberg, eingereicht am 24.11.2007:

„Zu unserem christlichen Menschenbild gehört, dass wir Menschen als zweibeinige Laufwesen geschaffen sind, die von Natur aus mehrere Stunden am Tag in Bewegung sein sollten. Mangel an Bewegung führt zu Herz-Kreislauferkrankungen, Übergewicht und anderen schweren gesundheitlichen Gefahren. Deshalb soll unser Bezirk alle Menschen dazu anregen, neben dem Zu-Fuß-Gehen verstärkt das Fahrrad, also das für den Menschen gesündeste und die Umwelt am wenigsten belastende Verkehrsmittel zu nutzen.

Nur durch eine nicht mit Verboten, sondern mit vernünftigen Anreizen bewirkte Verringerung des PKW-Verkehrs lassen sich die ehrgeizigen Klimaschutzziele unserer unionsgeführten Bundesregierung erreichen.

Wo das Zu-Fuß-Gehen oder das Fahrradfahren nicht ausreichen, greifen Busse und Bahnen der BVG sowie Taxis ein. Nur dort, wo die genannten Fortbewegungsarten nicht ausreichen, soll der motorisierte Individualverkehr weiterhin eine wichtige Rolle spielen. Durch eine Verringerung des PKW-Individualverkehrs werden die Straßen für den unumgänglichen Wirtschaftsverkehr freier, Lieferfahrzeuge und Busse kommen schneller an ihr Ziel.

Das Netz der gekennzeichneten Fahrradwege soll in Friedrichshain-Kreuzberg gepflegt und ausgebaut werden. Die unfallträchtige Verlegung von Fahrradwegen auf den Bürgersteigen soll jedoch zurückgeführt werden, da sich bei der Einmündung dieser Fahrradwege auf die Fahrbahn der PKW und LKW nachweislich viele schwere Unfälle ereignen. Ziel soll es sein, die Fahrradwege – wo immer möglich – als getrennte Fahrspur rechts neben den Autos auf den Straßen zu verlegen.

Fahrraddiebstähle stellen in Berlin ein riesiges Problem dar. Wir Christdemokraten fordern deshalb die verstärkte Aufstellung von Diebstahlschutzvorrichtungen. Dies sind ortsfeste, im Boden verankerte Bügel, an die das Fahrrad bequem mit Rahmen und einem Rad befestigt werden kann. Niedrige Bügel, in die nur das Vorderrad eingestellt werden kann, sogenannte „Felgenkiller“, erfüllen diesen Zweck nicht.

In den Wohnblocks sollen abschließbare, überdachte Fahrradabstellmöglichkeiten geschaffen werden. Hierfür soll der Bezirk Mittel bereitstellen. Die Bestimmungen des Denkmalschutzes bei denkmalgeschützten Häusern müssen bei solchen Vorhaben diesem Zweck angepasst werden.

Rücksichtloses Befahren der Gehwege und sonstige Verstöße, etwa Missachtung des Rotlichts, sollen bei Radfahrern verstärkt geahndet werden, und zwar nicht nur durch Verwarnungen, sondern durch Bußgelder.

Wir christlichen Demokraten wollen ein gedeihliches Miteinander aller Verkehrsteilnehmer. Ruppigkeiten und Aggressionen im Straßenverkehr lehnen wir ab. Bereits in der Schule muss gezielt auf ein derartiges friedliches Miteinander hin erzogen werden.

Unser Ziel ist, dass im Jahr 2012 25% aller Wege in unserem Bezirk mit dem Fahrrad zurückgelegt werden. Der derzeitige Berliner Durchschnitt für diese Zahl liegt bei 13%.

Wir fordern ein flächendeckendes kommunales Fahrradleihsystem für die Bewohner und die zahlreichen Touristen in unserem Bezirk, ähnlich dem höchst erfolgreichen Pariser Vélib-Modell.“

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Wie erfahren wir von den Auftritten Irina Potapenkos?

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Nov 242007
 

So fragen mich immer wieder Fans, Freunde und Verwandte dieser großartigen Altistin. Leider kann ich nicht alle Anfragen selbst beantworten. Ich habe mir vorgenommen, die nächsten Konzerte und Auftritte auf der Homepage von Irina Potapenko anzukündigen. Diese Homepage steht auch hier rechts nebenan unter der Rubrik „Blogroll“. Was Iras Auftritte in Görlitz angeht: es lohnt sich immer, dieses östlichst gelegene deutsche Stadttheater zu besuchen – auch wegen der schmuck herausgeputzten Altstadt, die fast zur Kulturhauptstadt Europas ernannt worden wäre! Alte Gassen, hohe Giebel, hochragende Türme – kaum eine andere deutsche Stadt hat mir so einen nachdrücklichen Eindruck hinterlassen wie eben dieses Görlitz. Die Museen sind bestens ausgeschildert, didaktisch hervorragend aufbereitet, insbesondere das Naturkunde– und das Frühgeschichtsmuseum, wo ich allerlei täuschend echt ausgestopftes Getier fand. Allerdings würde ich davon abraten, sofort nach der Opernaufführung noch nachhause zu fahren, denn die Autobahn zieht und zieht sich! Also bleiben Sie lieber eine Nacht dort und genießen Sie diesen Zeitensprung in die Geschichte!

 Posted by at 19:56
Nov 242007
 

… fragt Achmed Khammas. Wir haben uns entschieden, dass Ira mit ihrem russischen Pass, in den Wanja eingetragen ist, nach Moskau fliegt und Wanja dort abholt. Am kommenden Mittwoch dürft Ihr uns alle die Daumen drücken, dann werden Ira und Wanja, mit Reisepässen, amtlichen Einträgen und ihrem bezaubernden Lächeln versehen, den Flieger nach Berlin-Schönefeld zu besteigen versuchen. Da darf einfach nichts schiefgehen, denn in dieser Besetzung gelang ihnen auch die Einreise nach Russland. Wer rein darf, darf auch mit denselben Dokumenten wieder raus, nehmen wir an. Die deutschen Stellen – Botschaft, Grenzpolizei – haben sich weder geäußert, noch konnten sie eine verlässliche-eindeutige Auskunft geben, noch haben sie sonst irgendetwas für uns unternommen. Eine lehrreiche Erfahrung. Das also ist der schlanke Staat.

 Posted by at 15:31
Nov 232007
 

Zu später Stunde sendet mir ein Leser aus Berlin ein Gedicht Majakowskis mit der Bitte, eine Übersetzung der ersten Zeile zu liefern. Die erste Zeile lautet:

Себе, любимому, посвящает эти строки автор

Wohlan denn – mein Vorschlag zur Übersetzung lautet:

„Dem lieben Selbst widmet diese Zeilen der Autor“

 

Kommentar: Majakowski scheint hier jene typischen Widmungseinträge in Büchern auf die Schippe zu nehmen, etwa: „Dem lieben Wanja widmet diese Zeilen der Autor.“ Lustig, oder? Man könnte auch an die herrlich-ironische Wendung von Sigmund Freud denken: „Seine Majestät – das Selbst“.

Das ganze Gedicht von Majakowski könnt Ihr lesen, wenn ihr auf Kommentar zu diesem Eintrag klickt!

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Jetzt meine ich jedenfalls zu wissen, was ein Blog ist – ein Akronym, nehme ich an, noch mal für was?

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Nov 232007
 

So fragt ein Leser aus Lichterfelde. „Blog“ – dieses Wort stammt vom englischen blog ab – eine Zusammenziehung aus web log. Also eine Art Tagebuch, das im Web geführt wird. Vergleichbar dem Logbuch eines Schiffskapitäns. Auszusprechen nicht wie deutsch Block, sondern mit langem offenem – o – und weichem abschließendem g. Bitte keine Auslautverhärtung, das klänge unschön!

Zur Genusfrage – der oder das Blog? – wurde über Jahre hinweg eine erbitterte, teilweise ideologisch verhärtete Debatte geführt, die in manchem an die Frage erinnerte, ob man Eier köpfen oder behutsam aufklopfen muss. Die selbsternannten echten, frühen Blogger bevorzugten das Blog, die tumbe träge Masse sagte der Blog – gemäß jenen unergründlichen Analogiegesetzen, nach denen Sprachen ihre Regelungen treffen. Ich erinnere mich an das Argument eines bekannten Sprachwissenschaftlers, der behauptete, im Deutschen sei jedes aus anderen Sprachen entlehnte Substantiv durch unverrückbare Regeln eindeutig genusbestimmt. Hierüber entspann sich in den 90er Jahren ein Streit über das Für und Wider einer Grammatik, die mit Tiefenstrukturen arbeitet.

Ich habe mich in diesem Punkte nicht eindeutig festgelegt, sondern eine, wie ich meine, das Für und Wider abwägende Stellungnahme samt statistischer Auswertung der Suchmaschine Google in einem Politiker-Blog hinterlegt.

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Nov 232007
 

Am Abend besuche ich den politischen Stammtisch des Ortsverbandes Oranienplatz der CDU Friedrichshain-Kreuzberg. Jede und jeder darf dort den Mund aufmachen, ich habe noch jedesmal Neues und Interessantes dort erfahren! Vielleicht weil die Meinungen ungefiltert vorgetragen werden, man niemandem nach dem Munde zu reden braucht. Die Bezirkspolitik lässt sich aus der Presse kaum angemessen verfolgen, dazu bedarf es des persönlichen Gesprächs. Aber eben hier, in den Bezirken, wird über das tägliche Miteinander entschieden. Spielplätze, Schulen, Sportplätze, Straßen und Plätze: darum geht es in den Bezirken, und das ist die Bühne, auf der unser Leben tagtäglich abrollt. Politik zum Anfassen und Miterleben.
Aber auch die Bundespolitik wird Thema des Stammtisches – pünktlich zur Halbzeit der großen Koalition. Ortsvorsitzender Michael Schill fragt mich direkt, ob ich eine Erklärung für die hervorragenden Umfragewerte der Kanzlerin Merkel hätte. Meine Antwort lautet: „Angela Merkel verfolgt zunächst inhaltlich einige klare Grundlinien. Sie zeigt sich ferner in vielen Details nicht von vornherein festgelegt, wenngleich sachlich stets gut informiert. Aber für ihren wichtigsten Erfolgsbaustein halte ich ihre überragenden kommunikativen Fähigkeiten: Immer hört sie zu, was die anderen sagen, nie setzt sie ihr Gegenüber herab, stets ist sie bemüht, gemeinsame Lösungen im Einvernehmen zu erarbeiten. Sie haut niemanden in die Pfanne und brüstet sich nicht mit eigenen Erfolgen. Ihr fehlt jedes auftrumpfende Gebaren. Ein neuer Stil der positiven Kommunikation für die deutsche Bundesregierung, dank dessen sie das Koalitionsschiff auch weiterhin erfolgreich steuern wird! Zur Nachahmung empfohlen, die Deutschen wollen das – unabhängig von der bevorzugten Partei.“

Wie zum Beleg dessen kann gelten das Interview der Kanzlerin mit Journalistin Caren Miosga in den Tagesthemen um 22.15 Uhr heute! Sie lässt sich durch Miosga weder zum Triumphalismus noch zum Katzenjammer verlocken. Bezeichnend etwa folgende Äußerung Merkels zum Mindestlohn: „Wir wollen die Tarifautonomie stärken!“ Sie lehnt also nicht noch einmal rundheraus den staatlich aufgenötigten Mindestlohn ab, – eine solche Ablehnung würde zunächst einmal auf viele wie ein rotes Tuch wirken -, sondern formuliert eine positive Aussage, gegen die eigentlich niemand etwas einwenden kann. Dadurch baut sie goldene Brücken für jene, die zunächst einmal entschieden für dieses staatliche Instrument eintreten mochten. Fast immer schafft sie es, eine solche Aussage zu formulieren, die Zustimmung beim Gegenüber herausfordert, auf vielen solchen kleinen und großen Brücken gelangt sie schließlich zum Ergebnis, das meist in ihrem Sinne ausfällt.

 Posted by at 00:39

Immer wieder lese ich Gedrucktes (aktuelle Presseschau)

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Nov 222007
 

Ira, meine belesene, bildungsbeflissene Frau, wirft mir zwar oft vor, ich läse zu viele Zeitungen und Zeitschriften und zu wenige Bücher, dennoch kann ich es nicht lassen und tue es immer wieder – teils auch, um das zu lesen, was ich sowieso zu wissen meinte … oder lesen Sie die Zeitungen Ihres Gegners? (Das sollte man eigentlich!)

Den aktuellen, prall mit Lesenswertem gefüllten Spiegel Nr. 47 vom 19.11.2007 hatte ich zunächst wegen des lustigen Titelbildes erstanden. Auf S. 176 erfahre ich endlich, warum es immer so lange dauerte, wenn wir die Rubljowka entlang fuhren: 2 Stunden für 30 Kilometer waren keine Seltenheit! Filmemacherin Irene Langemann hat einen Film hinter den Kulissen dieser Sünd- und Prachtmeile gedreht – den muss ich gucken, so er denn in die Kinos kommt! Und: Obwohl dies eine Gegend der Reichen und Mächtigen ist – ich habe dort in der Nähe sommers schon mehrfach in der herrlichen Moskwa geschwommen: ein wunderbares Gefühl, das mir niemand nehmen kann!

Unter dem Titel Selbstmitleid macht passiv entwirft Peter Düweke in Psychologie heute compact, Heft 18, 2007, eine herrliche Bestandsaufnahme dieses in Deutschland verbreiteten Lebensgefühls. „Jammern ist an der Tagesordnung. In allen Schichten.“ Es ist ja so bequem, anderen die Schuld für das eigene Unglück zu geben – oder eher die Schuld für das Gefühl unglücklich zu sein! Sehr lesenswert! – Das fiel mir gleich nach meiner Rückkehr aus Moskau auf: Nirgendwo habe ich im letzten Monat mit so vielen zuversichtlichen, aufgeschlossenen, lebensfrohen Menschen gesprochen wie in Russland, nirgendwo fand ich so viele verzagte, missmutige, verdrießliche oder auch laut wehklagende Menschen und Menschengruppen wie in Deutschland. In allen Kasten und Klassen. Oft war mir danach auszurufen: Ihr wisst in Deutschland nicht, wie gut es euch geht! Seid doch endlich die Schmiede eures Glücks! Gut, dass ich diesen Ausruf wenigstens dem Blog anvertrauen darf.

Die FAZ vom 22.11.2007 widmet dem „zweiten Vaterland“ meines Ivan Ivanovitsch, meiner Familie, gleich zwei Artikel: Was vom Zaren übrigbleibt (S. 42) leuchtet die Widersprüche aus, die die ungelösten Nachfolgeprobleme des ersten Mannes im Staate mit sich bringen. Plötzlich ist Putin das Parlament wichtig (S. 6) bespricht mögliche Alternativen für die Zeit, nachdem die zweite Amtszeit abgelaufen ist. Zahlreiche Gruppen scheinen eine neue nationale Führungs- und Einigungsfigur zu fordern. Der Mann dafür ist schon gefunden! Insgesamt teile ich die durch und durch pessimistische Auffassung des Journalisten Michael Ludwig nicht ganz; ich meine, es ist schon ein Fortschritt, dass man heute in Russland so viele verschiedene Stimmen hören kann, nicht nur auf der Straße, sondern auch im Fernsehen und in der Presse.

 Posted by at 17:42

Massima solidarietà!

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Nov 212007
 

Solidaritätsadresse aus Italien:

ciao johannes,

mamma mia che storia assurda con tuo figlio!!!! non ho parole.

si risolvera‘ tutto per il meglio sono sicura, ma e‘ comunque un fatto gravissimo. massima solidarieta‘ da parte mia.

 Posted by at 17:30

Oculis ereptis …

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Nov 212007
 

Furchtbarer Doppelsinn meiner Bezeichnung Karls des Großen als eines „in den Augen seiner Zeitgenossen grausamen“ Herrschers! Las gestern in einer Arbeitspause erneut die Vita Karoli Magni des Einhard. Empfand große Freude, nach mehreren Wochen wieder einmal Latein unter die Finger zu bekommen! Habe ich nicht doch gestern Karl zu hart angegriffen?

Ich stolpere, im caput 28, über die Sätze: … erutis scilicet oculis linguaque amputata … Das war die Strafe, die die Römer dem Papst Leo angedeihen ließen. Wir dürfen annehmen, dass auch Karl der Große die Blendung bei etlichen seiner politischen Gegner anwenden ließ. Pater Europae?

Bemerkenswert, dass die Vertreibung der Sachsen und die Zerschlagung geschlossener Siedlungsgebiete in folgenden Worten bei Einhard beschrieben werdeen: … decem milia hominum ex his qui utrasque ripas Albis fluminis incolebant cum uxoribus et parvulis sublatos transtulit et huc atque illuc per Galliam et Germaniam multimoda divisione distribuit (caput 7). Also dasselbe lateinische Wort, das im Potsdamer Abkommen – in seiner englischen Version – für den Bevölkerungs-„Transfer“ („population transfer“) verwendet wurde!

Ich bleibe also dabei: Karl der Große taugt in keiner Weise als politisch-kulturelles Vorbild für unsere Zeit – im Gegenteil. Er führte seine Eroberungskriege unausgesetzt, er merzte die pagane einheimische Stammeskultur aus, etwa durch die Zerstörung der Irminsul. Er handelte gewissermaßen als christlicher Fundamentalist, indem er geistliche Würdenträger unter Umgehung bestehender regionaler Machtverhältnisse unmittelbar mit der Verwaltung weltlicher Macht beauftragte. Und er zog keine konstitutionellen, personenunabhängigen Machtstrukturen ein, die sein Reich über seinen Tod hinaus zusammengehalten hätten. Es zerfiel definitiv bereits 843 im Vertrag von Verdun, mittelbar entstand aus diesem konstitutionellen Mangel dann das jahrhundertelange, oft feindliche, zu zahllosen Kriegen führende Gegeneinander eines Ost- und eines Westreiches (später: Frankreichs und Deutschlands), das letztlich erst 1945 zu einem Ende kam.

 Posted by at 17:17
Nov 212007
 

Zu den privaten Verwicklungen im Gestrüpp der russisch-deutschen Visapolitik liefern unsere Politiker eine erstklassige, leicht kakophone Orchesterbegleitung! Ich bin begeistert über dieses zeitliche Zusammentreffen: Am selben Tag, an dem unserem Wanja durch die russischen Grenzer die Heimreise in sein Vaterland verweigert wurde, verweigerte Russland erstmals entgegen bisherigen Gepflogenheiten auch den deutschen Militärtransportern die Überflugrechte. Und in Deutschland wird Kanzlerin Merkel angegriffen, weil sie sich gegenüber Russland so zurückhaltend zeige. Lesen wir doch, was Gerhard Schröder bei der Quandt-Stiftung gesagt haben soll:

„Wenn man die Diskussionen der letzten Zeit verfolgt, gewinnt man den Eindruck, dass manche für eine Distanzierung, ja sogar eine Gegnerschaft zu Russland eintreten. Ich halte diesen Weg für falsch, geradezu für gefährlich. Wir dürfen nicht auf diejenigen hören, die wieder Mauern, diesmal rhetorische und ideologische, aufbauen wollen. Manche tun dies mit dem Verweis auf ihre Biografie, die Erfahrung mit Systemen wie der DDR. Ich habe Verständnis für manche Emotionalität. Aber die Frage ist, ob es klug ist, sich in der internationalen Politik davon leiten zu lassen. Ich bin davon überzeugt: Nein.“

Es stimmt: Beim letzten Treffen mit Putin schaute Merkel ausweislich der Pressefotos frostig drein. Es stimmt: Der Kanzlerin Merkel fehlt jener unwiderstehliche, im buchstäblichen Sinne ölige Charme, mit dem andere Männerfreundschaften schmieren und pflegen. Es stimmt: Dank ihrer DDR-Vergangenheit lernte Angela Merkel Russisch, sie ist einfach näher dran an allem, was in der größeren, der östlichen Hälfte Europas geschieht. Sie kennt sich auch in diesem, wie in vielen anderen Gebieten aus. Muss man ihr das vorwerfen? Eine ähnliche Vertrautheit mit den russischen Gegebenheiten konnte Gerhard Schröder bisher nicht unter Beweis stellen. Aufgrund seiner lupenreinen BRD-Vergangenheit darf man auch nicht zu viel von ihm erwarten, ebensowenig wie von einem Erhard Eppler. Dieser häuft Lob auf Putin, der die zerfallene Sowjetunion einigermaßen demokratisch zusammenzuhalten versuche. Daran ist so viel richtig, dass Putin tatsächlich dank des mit aller Härte fortgeführten, die russische Identität fördernden Tschetschenienkriegs, dank üppig sprudelnder Einnahmen aus dem Ölgeschäft, dank harter Hand in der Innenpolitik das russische Reich (grosso modo in den Grenzen des Zarenreiches von 1917) sichern konnte und auch weiter sichern wird. Grundsatz russischer Politik ist es unverändert seit mehreren Jahrhunderten, dass der Zusammenhalt des Reiches und die unumschränkte Anerkennung der Macht des ersten Mannes wichtiger sind als die Einhaltung des Rechts, ganz zu schweigen von der Achtung der Menschenrechte, einer nach russischen Maßstäben recht neumodischen Erfindung.

Muss man ihm dafür ölig zulächeln? Wir bezahlen doch das russische Gas mit gutem Geld, nicht mit Dauerlächeln, mit Kuschen und Anbiedern! Kanzlerin Merkel scheint ihre Außenpolitik auf einigen schlichten Grundsätzen zu begründen:

Sprich mit allen, die du für wichtig hältst! Schließe Bündnisse, aber spiele nicht Freundschaft mit allem und jedem vor! Achte Verträge, zahle deine Rechnungen! Drohe nicht! Vertritt deine Überzeugungen eindeutig, biedere dich nicht an! Die Achtung der Menschenrechte ist wichtiger als gute Laune zu jeder Zeit!

Manches daran mag undiplomatisch erscheinen – ich halte Merkels Auftreten gegenüber dem russischen Staat für goldrichtig.

 Posted by at 15:13