Mrz 302008
 

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Wer dieses Blog liest, weiß, dass ich manchmal recht kritisch zur Außendarstellung von öffentlichen Einrichtungen Stellung nehme, insbesondere, wenn diese unser Steuergeld ausgeben. Aber es geht auch anders, etwa bei Verbänden und Vereinen, die aus Mitgliedsbeiträgen finanziert werden. Jüngstes Beispiel: Die Äußerungen der Berliner ADFC-Vorsitzenden Sarah Stark in der Berliner Zeitung:

„Wir treten für Alltags- und Freizeitradler ein, weil wir Rad fahren gut finden. Es macht Spaß, ist gesund und gut für die Stadt.“ So einfach ist das.

Warum ich das gut finde? Die Aussage ist knapp, kommt zum Punkt, schreitet in einem jener berühmten „Dreisätze“ vom eher hedonistischen Genuss des einzelnen zum Wohl der Allgemeinheit. Die Sätze sind in Wir-Form, auch gut. Dagegen kann man nichts sagen. Serve, Volley, Punkt! Kein Untergangsraunen von der Klimakatastrophe, keine Kampfrhetorik gegen die böse Autolobby. So funktioniert Werbung für die eigene Sache.

Der berühmteste solcher Dreisätze ist übrigens jenes bekannte Dictum, jene unschlagbare Eigenwerbung Veni vidi vici des Heerführers Caesar. Dass es in der politischen Rhetorik und in der Werbung auf knappe, rasch zum Ziele führende Aussagen ankommt, die vorzugsweise als Dreiergruppe erscheinen sollen, ist heute allgemein anerkannt. Selbst die äußerst umstrittene, auch in diesem Blog am 11.03.2008 kritisierte Kampagne des Berliner Senats „be berlin“ setzt ganz auf diese Dreigliedrigkeit, etwa in Mustern wie: „Sei risikobereit, sei aktiv, sei Berlin“. Insoweit ist gegen sie kaum etwas einzuwenden. Allerdings reitet Bibberlin dieses Prinzip der Dreigliedrigkeit doch etwa allzu ausgiebig. Da spürt man dann schon die Absicht, Zweifel an der Ehrlichkeit kommen auf. Der große Caesar hingegen gebot über eine ganze Fülle an anderen Tropen und Figuren. Aber er konnte eben auch schlicht.

Wie zur Bekräftigung des eben Gesagten trafen wir heute am Potsdamer Platz auf ein radelndes … nicht Weltwunder, aber doch Stadtwunder: ein Fahrrad, das eher einer wandelnden Plattform glich, angetrieben von 7 Personen, die fleißig in die Pedale traten. Einer der Pedaleure ragte hervor, er saß am Lenker und erklärte gerade: „… der Tunnel wurde gebaut, damit weniger Autos durch die Innenstadt fahren.“ Aha, dies war also offenbar eine Stadtführung auf einem eher ungewöhnlichen Gefährt. Ich glaube, es heißt Conference-Bike, also „Zusammentrage-Fahrrad“. Das ganze funktioniert offenbar mithilfe eines komplizierten Kardan-Gelenks. Ich möchte das nicht reparieren müssen, aber es ist nett anzusehen!

Macht Spaß. Ist gesund. Ist gut für die Stadt.

So einfach ist das.

 Posted by at 21:34

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