Jun 302009
 

Gestern verfolgte ich das Endspiel der U21-Europameisterschaft am Fernsehen. Klasse herausgespielt, dieser Sieg! Die Verteidigung stand verlässlich, sie war einfach herausragend eingestellt. Sie hielt Özil den Rücken frei, er konnte so seine spielerische Klasse entfalten. Völlig richtig, dass Hrubesch ihn endlich wieder zum echten Stürmer machte und nach links vorne stellte. Das 4-1-4-1-System hat mich überrascht, wahrscheinlich ebenso sehr wie die Engländer!

Wer hätte das gedacht, dass wir Deutschen einen derart klug disponierten Gesamtansatz hinbekommen. Das muss doch auch in der A-Mannschaft möglich sein.

„Er staucht uns zusammen und holt uns gleich danach wieder aus dem Dreck.“ So rühmen die Spieler ihren Trainer. „Wir machen das, was der Trainer sagt, und deshalb haben wir Erfolg.“ Fleiß und Gehorsam in Kombination mit Selbstbewusstsein und Mannschaftsgeist – diese alten Tugenden werden durch Spieler wie Özil, Boateng, Dejagah, Khedira, Castro und Aogo nach Deutschland gebracht. Es sind importierte Werte, oder re-importierte?

Özil, Boateng, Dejagah, Khedira, Castro, Aogo sind unsere Vorzeigedeutschen – sie verkörpern den Willen zum Erfolg. Und dieser Erfolgswille bringt den Erfolg hervor.

Mesut Özil ist der Star der Deutschen. Völlig richtig, dass er zum Spieler des Tages gewählt wurde.

Mein Bruder Muck, langjähriger A-Spieler beim TSV Firnhaberau (Augsburg), kommentierte bei der Geburtstagsfeier am Sonntag, als wir über Migranten in Kreuzberg diskutierten: „Im Fußball klappt Integration schon lange.“ Er hat recht: Der Fußball ist ein Paradebeispiel, dass jeder seine Chance erhält. Fleiß, Disziplin, Einsatzfreude, Teamwork, Einordnung in eine Gruppe, Identifikation mit einem gemeinsamen Ziel: diese Tugenden kann man kaum so gut vermitteln wie im Sport.

„Wir haben Erfolg.“ So betitelte Kerstin Finkelstein ihr Buch über erfolgreiche muslimische Frauen.

Wann kommt ein solches Buch auch über Männer?

Lest hier einiges über unsere bunt zusammengewürfelte Multi-Kulti-Truppe aus der Süddeutschen Zeitung:

U-21-Nationalelf – Multi-Kulti ist normal – Sport – sueddeutsche.de
Andreas Beck wurde in Sibirien geboren, Sebastian Boenisch in Polen, Ashkan Dejagah in Teheran und Marko Marin in Bosnien, Jerome Boateng hat einen ghanaischen Vater, Sami Khedira einen tunesischen und Dennis Aogo einen nigerianischen, Mesut Özil hat türkische Eltern und Gonzalo Castro spanische. Die deutsche Nachwuchsmannschaft ist so international wie noch nie, aber das ist intern nicht mal ein großes Thema. „Wir kennen es aus unseren Klubs nicht anders“, sagt Dennis Aogo.

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Altvergangne Tage wiederauferstanden

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Jun 292009
 

Große Rückschau gestern bei der Feier meines 50. Geburtstages. Ein tolles Ambiente zauberten Heike und Angela in der Kerzenwerkstatt in der Kreuzberger Hagelberger Straße 53!

Am Abend erinnerten mich meine Geschwister, dass ich damals, während der Pubertät in den 70er Jahren, ein ziemlich linker, für katholische Verhältnisse geradezu linksradikaler Schüler war. Das stimmt. Im Alter von 13 bis 15 Jahren erkämpfte ich die Öffnung eines zweiten Schultores, gründete mit anderen zusammen die Schülerzeitung Stachelbeere, die dann auch prompt einen Zensureingriff erleiden musste.

Der Spiegel berichtete hierüber 1976:

 An den Kragen – Artikel – SPIEGEL WISSEN – Lexikon, Wikipedia und SPIEGEL-Archiv
Die „Stachelbeere“ von Augsburgs Stephan-Gymnasium mußte einen Artikel kippen, weil er Forderungen der vom Kultusministerium nicht anerkannten Landesschülervertretung enthielt. Statt dessen imprimierte Schulleiter Peter Johannes Lettner einen Eigenbeitrag über Einwände der Münchner Landesväter gegen die „von außerschulischen Gruppen unterstützte“ Schüler-Organisation: „Das Staatsministerium ist besorgt, auf diese Weise könne eine verfehlte Entwicklung Platz greifen. wie sie im Hochschulbereich durch das bayerische Hochschulgesetz überwunden ist.“

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Jun 262009
 

 

In Kolumbien hat es die kriminelle Szene geschafft, den Staat aus weiten Bereichen der Gesellschaft zu verdrängen. Durch zahlreiche Akte des Ungehorsams, durch gehäufte kleine Rechtsbrüche wurden staatsferne Freiräume geschaffen, in denen die staatlichen Organe nicht mehr respektiert werden. Diese Freiräume werden dann durch kriminelle Banden und durch die rechten Paramilitärs besetzt. Dies berichtet die Tageszeitung junge Welt am 22. Juni 2009 unter dem Titel “Barbarisierter Staat”.

Schwache Staaten werden zur Beute der Extremisten und der organisierten Kriminalität.  Wie aber lassen sich Staaten am besten schwächen? Antwort: Durch kollektiv gedeckte illegale Handlungen, durch Missleitung von Steuergeldern, durch Austrocknen des Bildungswesens, durch offen gezeigte Verhöhnung des Rechtsstaates, durch Unterwanderung der Institutionen. Der Artikel in der jungen Welt verdient deshalb volle Aufmerksamkeit!

Wichtig ist: Die Polizei und die Justiz müssen durch weit gestreute, praktisch nicht mehr beherrschbare Einzelaktionen an der Erfüllung ihrer Kernaufgaben gehindert werden! In die so erkämpften Freiräume sickern Drogenhändler, links- und rechtsextreme bewaffnete Kräfte ein, der Staat zieht sich zurück. Dieses Rezept funktioniert, es hat seine Tauglichkeit wieder und wieder unter Beweis gestellt – in Russland im Jahr 1917 nach der Februarrevolution, in südamerikanischen Staaten heute, und sogar in unserem schnuckligen, kleinen und feinen Kreuzberg. In der Hasenheide ist das so, im Künstlerhaus Bethanien auch. Ist das nicht schön? Wir sind doch Eine Welt!

Etwa 1,8 Millionen Euro hat nach Schätzungen der Polizeigewerkschaft am letzten Wochenende der Polizeieinsatz zum Schutz des gesperrten Flughafens Tempelhof gekostet. Geld, das für die Kreuzberger Schulen und Integrationskurse, die Friedrichshainer Kitas, die Bibliotheken in Prenzlauer Berg fehlt. Aber was soll’s. Die Leute, die diese Kosten verursacht haben, hatten ihren Spaß. Sie haben sich mit der Polizei ein Katz-und-Maus-Spiel geliefert. Viele Polizeibeamte mussten das Wochenende getrennt von ihren Familien verbringen, die Kosten des Polizeieinsatzes trägt der Steuerzahler.

Wieder einmal zeigt sich Hans-Christian Ströbele, einer der 5 Bundestagskandidaten in unserem Wahlkreis, als geschickter Stimmenfänger oder besser: Stimmungsfänger. “Ich möchte auf das Gelände. Und zwar sofort”,  gibt er bei Spiegel online zu Protokoll. Die ganze Schuld an der herrlichen Verballerung von Steuermillionen schiebt er witzigerweise nicht denen, die des langen und breiten ihre Gewaltaktionen angekündigt hatten, sondern der Staatsmacht zu. Die taz berichtet:

“Wenn der Senat ein bisschen mehr Humor hätte, hätte er einfach den Zaun geöffnet”, kritisiert der Bundestagsabgeordnete Hans-Christian Ströbele, umringt von Demonstranten. Die zeigen deutlich mehr Humor: Immer wieder zählen kleine Gruppen einen Countdown, sprinten auf den Zaun zu – um kurz davor abrupt stehen zu bleiben. Einer größeren Gruppe gelingt es, mit einem Wurfanker zwar nicht den Zaun umzureißen, aber den Natodraht auf dem Zaun beiseite zu ziehen.

Versuchte Flughafenbesetzung in Berlin: Zaungäste geblieben – taz.de.

Ströbele ist ehrlich: Er hat immer bekannt, dass er seit dem Prozess gegen den Stasi-Agenten Kurras, in dem er 1967 als Anwalt der Nebenkläger auftrat, diesen Staat ablehnt. Da Ströbele aber gleichzeitig als Bundestagabgeordneter von diesem Staat lebt, und zwar nicht schlecht, kann er den Staat nicht grundlegend bekämpfen. Er entzöge sich dadurch seine Geschäftsgrundlage.

Statt dessen erklärt Ströbele gerne seine Sympathie mit all jenen, die den Staat an den verschiedensten Stellen zur Vergeudung von Ressourcen zwingen. Viele kleine Pfeile können einen Elefanten zu Boden zwingen, viele kleine Akte des Rechtsbruchs schränken die Handlungsfähigkeit des Staates ein. Sie lassen ihn zunehmend angreifbar erscheinen. Die Leute haben ihren Spaß, und sie werden Ströbele erneut gerne wählen, denn er sichert ihnen eine parlamentarische Verankerung. Ströbele greift ein dumpfes, von ihm selbst geschürtes Unbehagen am Staat mit gnadenlosem Opportunismus auf – dient als williger Resonanzraum für all jene Stimmen, die die Schuld an der selbstverursachten Perspektivlosigkeit dem ach so faschistoiden Staat in die Schuhe schieben.

Wer weiß – vielleicht gelingt es ja, den Staatselefanten, diesen gutmütigen Koloss Bundesrepublik Deutschland so weit zu reizen, dass wieder mal ein Schuss fällt – dann könnten all jene, die es immer schon gewusst haben, sagen:  “Seht ihr, dieser Staat verdient unsere Loyalität nicht.” Das wäre doch so lustig! Fast wäre es ja so weit gekommen, denn ein Zivilbeamter sah sich gezwungen, seine Waffe zu zücken, als er bedroht wurde. Damit hätte man erneut seinen Scharfsinn unter Beweis bestellt! Dann hätte die Stasi sogar nach dem Ende der DDR gesiegt, und zwar mit Hilfe von Erfüllungsgehilfen, an die niemand auch nur im Traume zu denken wagte.

Wir können sicher sein: Die Berliner Stadtguerilla wird auch weiter ihren Spaß suchen. Durch Zündeln, durch Klettern, durch Schmieren, durch Abfackeln. Sie wird weiter versuchen, den Staat und uns alle an der Nase herumzuführen. Und sie werden weiter Applaus und Sympathie von humorvollen, phantasiebegabten Abgeordneten wie Franziska Eichstädt-Bohlig und Hans-Christian Ströbele einheimsen. Wie schön!

Wir werden weiter die junge Welt lesen und uns am humorvollen Treiben der Genossinnen und Genossen ergötzen. Sollen sie doch den Rechtsstaat demontieren! Sie wollen den teilbarbarisierten Staat. Schauen wir doch den humorvollen Herren und Damen mit den satten Diäten und dem weiten Herzen weiter in die Karten! Sie sind alle gezinkt.

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Fahrradstadt Wolfsburg

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Jun 262009
 

26062009002.jpg Am 02.01.2008 berichteten wir in diesem Blog über eine vorbildliche Initiative des Landstädtchens Dießen am Ammersee: Dort können Radfahrende ihr Velo vor Wind, Wetter und bösen Händen geschützt in einem Fahrrad-Parkhaus einstellen und dann in den Zug umsteigen.

Etwas ähnliches scheint es hier am ach so neuen, modernen Berliner Hauptbahnhof noch nicht zu geben. Heute schloss ich mein Fahrrad dort schlecht und recht an einem Laternenpfahl am Taxistand ab und stieg in den Zug nach Wolfsburg, wohin mich berufliche Pflichten führten. Angeblich eine Autostadt. Doch was sehe ich da? Schaut selbst:

26062009.jpg

Richtig – ein Parkhaus für Fahrräder! Das ist toll, Wolfsburg erkennt die Zeichen der Zeit. Die umweltfreundliche Bahn und das menschenfreundliche Fahrrad finden zu einem innigen Verbund zusammen. Intermodal nennt man das ja neuerdings. Ich würde sagen: Dieses verkehrsmittelübergreifende Zusammenspiel mehrerer menschenfreundlicher Verkehrsträger weist den Weg in eine bessere, die menschengerechte Stadt. Bravo Wolfsburg! Du hast es besser!

Das kann Berlin doch auch, oder? Wir müssen uns ranhalten! Das richtige Abstellen und das frohe Wiedersehen mit dem am Bahnhof abgestellten Fahrrad ist ein wichtiger Bestandteil eines nachhaltigen städtischen Verkehrskonzepts. Wiedersehen macht Freude!

Herrlich war dann das Zurückradeln heute abend vom Hauptbahnhof: am Kanzleramt vorbei, einen Blick auf den Reichstag werfend, in den üppig-grünen Tiergarten an Standbildern Mozarts, Beethovens und Haydns vorbei, heim zu meinen Lieben.  Da summt mir das Herz!

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Skeptische Kelek

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Jun 252009
 

Recht skeptisch äußert sich die von diesem Blog mehrfach hervorgehobene Necla Kelek zur heute eröffneten Islamkonferenz. In der heutigen FAZ schreibt sie unter anderem:

Erfolgreich gescheitert.

Klargeworden ist bislang vor allem der Unwille des politischen Islam zur
> Integration.
Von Necla Kelek
>
> Nach drei Jahren Islamkonferenz weiß zwar niemand, wofür „der“ Islam in
> Deutschland steht, aber man weiß, was ein Segment von ihm will: Der
> politische Islam will Schritt für Schritt seine Rechte auf ein
> religiöses Leben in Deutschland durchsetzen. Das scheint zu gelingen,
> denn der Wille der politisch Verantwortlichen, sich mit den
> Islamverbänden zu arrangieren, ist überdeutlich. Der Innenminister
> feiert auf dem Plenum der Deutschen Islamkonferenz einen Dialog, der
> nicht wirklich stattfand.
>
> Wir diskutierten in der Arbeitsgruppe „Deutsche Gesellschaftsordnung und
> Wertekonsens“ drei mühselige Jahre lang, bis die meisten Islamverbände
> zumindest auf dem Papier den Wertekonsens des Grundgesetzes
> akzeptierten. Die Verbände wollen Rechte, aber Verantwortung für Dinge,
> die im Namen des Islams stattfinden, ja sogar die Integration lehnen sie
> ab. Trotzdem geben die politisch Verantwortlichen Schritt für Schritt
> der islamischen Mission durch Zuwanderung nach. Dabei findet kein Dialog
> auf Augenhöhe statt, sondern werden Sozialarbeit, Symbolpolitik und eine
> Integration um fast jeden Preis betrieben. Gelegentlich habe ich von
> verantwortlichen Politikern hinter vorgehaltener Hand gehört, „die
> Muslime“ seien noch nicht so weit, dass man mit ihnen Klartext reden
> könne. Für mich ist dieses Nichternstnehmen, dieses therapeutische
> Moderieren eine subtile, wenn auch ungewollte Art der Diskriminierung.
>

Ich enthalte mich eines Kommentars. Wegen Zeitmangels.

Feuilleton – FAZ.NET

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Utopia concreta: la bicicletta

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Jun 252009
 

Gute, fruchtbare Sitzung des ADFC-Bezirksrates gestern abend! Ich erhalte am Rande der Sitzung ein Buch überreicht: „Wir haben Erfolg! 30 muslimische Frauen in Deutschland. Vorwort von Seyran Ates.“ Fackelträger Verlag, Köln 2008. Autorin Kerstin E. Finkelstein überreicht mir das Buch persönlich. Ich bin begeistert, verspreche gleich eine gute Rezension, ohne das Buch gelesen zu haben! Bin ich unehrlich? Nein! Der Gedanke, dass man Erfolgsgeschichten erzählen muss, überzeugt mich auf Anhieb! Möge dieser Gedanke die heute stattfindende Islamkonferenz des Bundesinnenministers beflügeln! Heute habe ich das Buch schon gelesen. Es ist wirklich gut! Ich habe mich nicht getäuscht!

Herrlicher Hymnus auf das Fahrrad im aktuellen italienischen Wochenmagazin L’espresso! Ivan Illich hatte bereits 1973 ein „Lob des Fahrrads“ verfasst.  Der Espresso zitiert daraus: „Um 40.000 Menschen in einer Stunde über eine Brücke zu bringen, braucht man 12 Fahrspuren für PKW, aber nur zwei, wenn die Leute mit dem Fahrrad fahren!“ Na bitte!

Sogar der ehemalige Ministerpräsident und frühere EU-Kommissionspräsident Romano Prodi ist ein begeisterter Radfahrer. Er berichtet brühwarm aus seinen Erfahrungen in Bologna: So wird er angeredet. „Hau ab, du Arschloch!“ hört er immer wieder, wenn er zur Uni radelt. „Die beziehen sich nicht auf den Politiker Prodi, denn von hinten können sie mich nicht erkennen. Wenn mich ein Bus mit 36 cm Abstand überholt, kann man nicht glücklich sein. “

„Il ciclismo offre una dimensione concreta al sogno di un mondo migliore.“  Sagt Marc Augé. Das heißt auf gut Deutsch: „Das Radfahren eröffnet dem Traum einer besseren Welt eine konkrete Dimension.“ Schön!

Quelle: Gigi Riva: Utopia su due ruote. L’espresso. N. 24, 18 giugno 2009, pagina 96-99.

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Jun 242009
 

Eine schlimme Nachricht erreicht mich heute über den Tagesspiegel: Eine Radfahrerin wurde von einem abbiegenden LKW erfasst und getötet. Dies ist schrecklich und stimmt mich traurig. R.I.P.

Radfahrerin bei Unfall getötet

Eine Radfahrerin ist bei einem Verkehrsunfall in Prenzlauer Berg getötet worden. Ein Lkw-Fahrer hatte die Frau am Mittwoch gegen 8:40 Uhr beim Rechtsabbiegen von der Danziger Straße in die Prenzlauer Allee auf dem Radweg übersehen und mit seinem Fahrzeug erfasst. Beide kamen von Osten her, die Radfahrerin wollte die Prenzlauer Allee vor dem Lkw geradeaus überqueren. Die 34-Jährige erlag noch am Unfallort ihren schweren Verletzungen.

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Radler, hört die Signale – haltet an . . . bei rotem Licht!

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Jun 232009
 

21062009007.jpg Der Chefreporter von Berlins größter Zeitung, Gunnar Schupelius, ist leider nicht so gut auf mich und meinesgleichen zu sprechen. Lest selbst (Fettdruck durch dieses Blog):

Verkehrs-Ärger: Warum wird die Innenstadt gesperrt? – B.Z. – Berlins größte Zeitung
Ich fahre auch gerne Fahrrad. Ich fahre jeden Tag. Ich fahre zwar nicht als politische Kulthandlung, wie Hans-Christian Ströbele, oder als angedeutete Kampfhandlung, so wie die ADFC-Radfahrer. Ich fahre einfach so und dabei lasse ich alle anderen auch fahren: Autos, Motorräder, Lastwagen. Ich verlange nicht, dass die Stadt gesperrt wird, wenn ich Fahrrad fahre. Ich sprach gestern mit einem Kollegen. Er sagte mir, er würde gerne tauchen und segeln, deshalb aber nicht erwarten, dass Berlin dafür regelmäßig geflutet wird. Ein ironisches, aber gutes Beispiel. Was wir sagen wollen, ist doch: Wenn hier jeder für seinen Sport oder seine politische Kundgabe beansprucht, dass die Straßen für ihn gesperrt werden, dann kommen alle andern nicht mehr voran.

Ich horche in mich hinein. Ich bin vom ADFC. Huch! Was sagt mein Gewissen? Habe ich mir etwas vorzuwerfen? Mein Gewissen antwortet so an den Herrn Schupelius:

Gunnar Schupelius hat immer wieder in der BZ einigermaßen sachkundige Kommentare zum Thema Radverkehr verfasst – unter anderem bei tödlichen Verkehrsunfällen von Radfahrern, bei rüpelhaften Autofahrern und bei anderen Anlässen. Der BZ-Chefreporter ist selbst ein routinierter Radfahrer.

Die Reporter Berlins sind zwar überwiegend selbst Radfahrer, aber deshalb sind sie uns als ADFC nicht automatisch gewogen. Wenn sie eine schlechte Meinung von uns haben, dann müssen wir daran arbeiten, sie von uns und unseren Anliegen zu überzeugen.

Wir brauchen klare, wiederholte und öffentlichkeitswirksame Bekenntnisse – Bekenntnisse zur Straßenverkehrorsordnung, zur Regeltreue, zu verantwortlichem Verhalten. Ein solches eindeutiges Eintreten für Rücksicht und Umsicht, für Regeltreue und faires Verhalten muss uns als organisierten Radverkehrs-Aktivisten in Fleisch und Blut übergehen, so dass wir jederzeit polemischen Angriffen wie diesem letzten in der BZ (und anderen in den anderen Berliner Lokalzeitungen) entgegentreten können: „Sehr her, wir haben das rücksichtslose, gefährliche Radeln stets bekämpft! Wir werben stets für ein gutes und sicheres Radfahren auf Berlins Straßen.“

Wir brauchen mehr Aufklärung über das richtige Radfahren. Wir brauchen noch engagierteres Eintreten für verkehrsgerechtes, sicheres Radfahren.

Der 1. Nationale Radverkehrskongress 2009, den zu besuchen ich das Vergnügen hatte, erscholl geradezu wider von beredten Klagen aus berufenem Munde über die – so wörtlich – „Radlerplage“, etwa von seiten des führenden Verkehrsrichters Friedrich Denk und des Münsteraner Oberbürgermeisters Dr. Tillmann. Beide sind ausgewiesene Kenner und erfolgreiche Förderer des Radverkehrs.

Hier muss es heißen: Radler, hört die Signale!

Es ist Zeit umzusteuern.

Unser Bild zeigt eine wunderschöne kampfradlerfreie Magerwiese in der Nähe von Kagel, zwischen Baberowsee und Elsensee. Die Landschaft heißt Rotes Luch.  Dorthin fuhren wir am Wochenende, genossen den Frieden und tauchten ins herrliche Wasser des Elsensees. Es war der gedämpfte Sommer, ein Vorbrüten des vollen Hitzeausbruches, der noch aussteht. Ich sah im Luch den Lolch, das Zittergras, die Espen, die Grannen, das krautige aufschießende Gewächs zuhauf.  Über den Weg arbeitete sich im Mittagsglast mühsam ein verirrte Raupe.  Wir halfen ihr hinüber.

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Zum Kinde wird der Mann: „Ich möchte das … und zwar sofort!“

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Jun 212009
 

Einer der für mich wichtigen Philosophen ist – Ludwig Wittgenstein. Von ihm habe ich gelernt, „Sprachspiele“ zu untersuchen. Wie gehen Menschen mit Worten um? Was tun sie damit? Welchen Spielregeln folgen sie? Nehmen wir den Satz:

„Ich möchte x, und zwar sofort!“

Wer so spricht, beschreibt etwas über sich selbst: Er weist darauf hin, dass ihm im jetzigen Zustand etwas fehlt. Er begehrt einen Zustand, den er noch nicht hat. Damit drückt er aber letztlich aus: Gebt mir x, und zwar sofort! Er versucht, unser Verhalten in der von ihm gewünschten Richtung zu beeinflussen.

Beispiel:

„Ich möchte einen Apfel, und zwar sofort!“

„Ich möchte  die Flasche, und zwar sofort!“

„Ich möchte die Brust, und zwar sofort!“

Diesen Satz wird ein Baby kaum aussprechen können. Durch lautes Geschrei und Toben macht der hungrige Säugling aber darauf aufmerksam, dass ihm etwas fehlt.

Die Mutter wird dem Kind üblicherweise die Brust geben, um das mitunter unerträglich laute Schreien zu stillen. Eine sinnvolle Handlung! Die Evolution hat es weise eingerichtet. Denn in der Tat gibt es für das Neugeborene fast nichts wichtigeres als ausreichend das Bestmögliche zu trinken – und das ist nun einmal die Muttermilch. Erst im Laufe vieler Monate wird das Kind lernen, dass es kein Unglück bedeutet, wenn seine dringenden Bedürfnisse nicht sofort erfüllt werden. Das Kind lernt schmerzhaft, seine Wünsche aufzuschieben. Es lernt: Ich kann nicht immer alles sofort haben.

„Ich möchte auf das Gelände. Und zwar sofort!“ Wieder einmal fand unser Wahlkreiskandidat Hans-Christian Ströbele den richtigen Ton. Mit dieser klassischen Formulierung trifft er erneut das Grundgefühl, das die fröhlich-feiernde Truppe am Tempelhofer Zaun beseelt. „Das Gelände gehört uns“, „wir wollen da rein“, diese und andere Sätze drücken unwiderleglich das kindhafte Grundgefühl aus: „Was ich will, müsst ihr machen. Sonst schrei ich laut!“Das ist natürlich emotionale Erpressung, wie sie die Säuglinge in ihren Betten nicht besser hinkriegen könnten.

Man wird das verspielte Treiben nur begreifen, wenn man die sogenannten Autonomen mit den Mitteln der Kinderpsychologie analysiert. Sie haben es nicht gelernt, ihre Wünsche aufzuschieben. Sie haben nicht die Erfahrung gemacht, dass die Welt nicht untergeht, wenn sie nicht das sofort bekommen, was sie sich wünschen. Was sie bei solchen Aktionen durchleben, ist im Grunde eine über Jahre oder Jahrzehnte hinweg aufgeschobene Auseinandersetzung mit dem, was ihnen fehlt: eine neinsagende, klare Grenzen ziehende und dennoch gütige Instanz, wie es gute Eltern sind. Die Auseinandersetzung mit der Staatsmacht ermöglicht es ihnen, nicht ausgetragene infantile Konflikte unter großer Anteilnahme der Öffentlichkeit zu inszenieren. Das klingt wie ein absurdes Theater, das die Chaoten da veranstalten? Richtig, es ist in gewissem Sinne ein absurdes Theater, auch darin ist Ströbele zuzustimmen. Der Applaus für die Darsteller besteht in der medialen Aufmerksamkeit – es ist wie Klatschen.

Das haben mir erfolgreiche, gut verdienende Künstler immer wieder bestätigt: „Der Applaus, die Bewunderung, die ungeteilte Aufmerksamkeit – das ist das Wichtigste – nicht das Geld.“

Kaum ein anderer Akt ist bezeichnender für diese Grundhaltung des „Ich möchte das … und zwar sofort!“ als das Anstecken der Autos, wie es seit Monaten die Stadt Berlin in Atem hält. Besonders hervorzuheben ist, dass diese Anschläge besonders rasch und ohne Vorbereitung erfolgen. Der Täter muss also keinen Wunschaufschub üben, sobald es dunkel geworden ist.  Es sind Verbrechen, die keiner ökonomischen, sehr wohl aber einer psychologischen Gesetzlichkeit folgen – im Gegensatz zu einem Bankraub etwa, der sorgfältiger Planung bedarf und bei bei dem der Täter einen dauerhaften wirtschaftlichen Nutzen davonträgt. Diese scheinbar spontanen Verbrechen wie etwa Brandstiftungen sind allerdings die gefährlichsten, denn sie verschaffen einen nichtmateriellen Gewinn, ein Lustgefühl, das nach Wiederholung schreit wie etwa der Zustand des High-Seins: „Denen habe ich es aber gezeigt!“ Es sind Racheakte unglücklicher Kinder, die sich so ausdrücken.

Wenn junge Erwachsene sich im Grunde wie Kleinkinder benehmen und das Ganze Politik nennen – sollte man sie nicht einfach lassen? Nein, dies wäre nicht nur hochgefährlich. Es ist hochgefährlich. Denn Babys können nur schreien, um uns zu erpressen. Sie können keine Autos anzünden. Sie würden es aber tun, wenn man sie ließe.

Dem Bundestagsabgeordneten Hans-Christian Ströbele gebührt Dank und Anerkennung, dass er die zutiefst infantile Logik, die hinter den Anschlägen, hinter all den pseudo-revolutionären Umtrieben steckt, in eine geradezu klassisch einfache Formel gegossen hat:

„Ich möchte … und zwar sofort.“

Er greift damit den alten Sponti-Spruch auf, wie er (glaube ich) in der Frankfurter Hausbesetzerbewegung der 1970-er Jahre zuerst aufkam: „Wir möchten alles – und zwar sofort.“

Ihnen allen möchte man entgegenrufen:

„Es wird schon gut. Und jetz schlaf schön. Gleich kommt der Sandmann. Mama ist ja da. Sie wird dich vor den bösen Polizisten beschützen.“

Tempelhof-Besetzung: Katz- und Maus-Spiel um den Flughafen – SPIEGEL ONLINE – Nachrichten – Panorama
Viele halten die massive Polizeipräsenz deshalb für übertrieben. So auch der Grünen-Politiker Hans-Christian Ströbele, der mit dem Fahrrad über den Columbiadamm fährt. „Was die Polizei hier veranstaltet, ist ein absurdes Theater“, sagt Ströbele. Und fügt hinzu: „Ich möchte auf das Gelände, und zwar sofort.“

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Essig der Ausnüchterung: Es geht nicht mehr so weiter – denkt um!

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Jun 202009
 

Erfreuliches höre ich vom neuen Berliner Finanzsenator Nußbaum. Die Berliner Zeitung berichtet heute:

Es geht nicht mehr – Berliner Zeitung
Finanzsenator Ulrich Nußbaum (parteilos) hat angesichts von Wirtschaftskrise und Einnahmeausfällen bei den Steuern einen Mentalitätswandel in der Bevölkerung und in der Politik gefordert. „Ich bin der Überzeugung, dass weder die politische Klasse noch die Bevölkerung richtig realisiert hat, was diese Krise wirklich für uns, für unseren Wohlstand bedeutet“, sagte der Senator der Berliner Zeitung.

Nußbaum hat recht. Er könnte sogar noch schärfer formulieren, doch muss er erst einmal versuchen, sich im Senat einen sicheren Stand zu erarbeiten. Ich selbst verlange seit vielen Monaten ein fundamentales Umdenken – und nur ganz wenige vernehme ich, die klare Schlüsse aus der Finanz- und Wirtschaftskrise ziehen. Gefordert ist ein völliges Neubedenken der Aufgabenteilung zwischen Staat und Gesellschaft, zwischen den Hilfesystemen und dem einzelnen. „Papi“, so nennen die jungen Gespielinnen in Italien ihren Ministerpräsidenten. „Papa Staat, hilf uns, sorge für uns“, dieser Klageruf ertönt auch bei uns noch viel zu oft. „Wir werden helfen“, so erbarmte sich – leider! – Kanzlerin Merkel in einer Fernsehsendung mit Anne Will. Und danach sprach sie vom „dritten Weg“ zwischen Planwirtschaft und Marktwirtschaft, sie nannte dies irrigerweise „Soziale Marktwirtschaft“.

Nein, der Staat wird nicht mehr helfen können. Der zusätzliche Finanzbedarf von über 300 Milliarden Euro neuen Schulden bis 2012, wie ihn der Bundestag gestern festgeschrieben hat, ist ein Menetekel, ein klarer Beweis der Parlamente, dass sie das Einmaleins des Marktes vergessen haben.

Wir müssen zur Marktwirtschaft zurück. Die massiven Stützungen und die gigantische Neuverschuldung bringen einen derart erhöhten Steuer- und Regelbedarf mit sich, dass der Begriff einer „schleichenden Planwirtschaft“ gerechtfertigt erscheint. Ich sage: Wir brauchen eine solche schleichende Planwirtschaft nicht. Sie ist Gift für die Freiheit. Der Staat hat über die Jahrzehnte hin viel zu viel vermasselt, beginnend von den Landesbanken über das Heranzüchten neuer Großbanken – wir stehen mit 106 Milliarden Euro Bürgschaften und Beihilfen hinter der Neuzüchtung Dresdner/Commerzbank, bis hin zu dem Opel-Rettungspaket, dank dessen nunmehr russische Großbanken mit am Kabinettstisch in Berlin sitzen und den Ausgang der Bundestagswahlen mit beeinflussen dürfen! Was für ein abgrundtiefer Fehler!

Durch die satten Staatshilfen wird nach und nach jede Fähigkeit der einzelnen erstickt, sich selbst zu helfen. Die Menschen verlieren den Mut, sich ihrer eigenen Kräfte zu bedienen. Hier in Berlin erblicke ich eine zunehmende Versteppung der Selbsthilfekräfte. Ganze Stadtviertel leben fast nur noch davon, die staatliche Hilfe in Anspruch zu nehmen – dazu gehört insbesondere das Gebiet, in dem ich wohne, mein heimisches Kreuzberg.

Als entscheidenden Fehler erachte ich, dass kein Politiker offen die Wahrheit ausspricht, dass wir uns auf eine massive Senkung des Wohlstandes werden einrichten müssen. Ich kenne fast nur den Bundespräsidenten Köhler, die Bundestagskandidatin Vera Lengsfeld, den schwäbischen Politiker Oswald Metzger, den früheren Finanzsenator Sarrazin  und nun eben den Finanzsenator Nußbaum, die mutig genug sind, uns Wählern diesen reinen Wein oder vielmehr Essig der Ausnüchterung in homöopathischen Dosen einzuträufeln. Bitte mehr davon! Wir brauchen solche Ehrlichen in einer Truppe von Opportunisten.

Der Markt bringt eine gewisse Härte mit sich. Es wird uns nicht alles so leicht in den Schoß fallen. Aber genau diese Härte wird dazu führen, dass unsere Kräfte wieder erstarken, dass die allzu leichte Bequemlichkeit vertrieben wird.

Gestern las ich mit meinem Wanja Tom Sawyers Geschichte. Die Tante Polly belohnt den listigen Bengel, diesen Tom, dafür, dass er – vermeintlich – den Zaun gestrichen hat …  mit einem hellen, glänzenden roten Apfel.

Wir müssen dahin zurückkommen, dass selbst ein Apfel uns wieder als Belohnung erscheinen mag. Und „es wird uns besser dabei gehen“. Die Einbuße an Wohlstand wird zu einem Mehr an Lebensqualität führen. Die wiedergewonnene Verantwortung wird uns stärker und glücklicher machen.

 Posted by at 22:39