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Archive für 1.9.2009

Gemeinsame europäische Erinnerung ist noch in Kinderschuhen!

Heute, am1. September, tritt wieder einmal hervor, was ich immer wieder feststelle: Von einer gemeinsamen europäischen Erinnerungskultur kann noch keine Rede sein. Seit Tagen tobt beispielsweise in Polen und Russland ein Kampf um das rechte Erinnern an das Jahr 1939. Die Polen sehen den Beginn des zweiten Weltkriegs als abgekartetes Spiel der beiden totalitären Großmächte Deutschland und Sowjetunion. Durch seinen Einmarsch am 17. September habe Stalins Sowjetunion der polnischen Nation den Dolchstoß versetzt. Die Russen wiesen das bisher mehrheitlich zurück. Heute hat Putin immerhin einen Brief an das polnische Volk abdrucken lassen, in dem er den verwerflichen Charakter des Molotov-Ribbentrop-Paktes einräumt:

List Putina do Polaków - pełna wersja
Moim zdaniem szczególnie ważny jest etyczny aspekt polityki. W związku z tym chciałbym przypomnieć, że w naszym kraju niemoralny charakter paktu Mołotow-Ribbentrop został jednoznacznie oceniony przez parlament [24 grudnia 1989 r. Zjazd Deputowanych Ludowych ZSRR przyjął oświadczenie potępiające pakt z 1939 r.]. Czego na razie nie możemy powiedzieć o szeregu innych państw, chociaż one w latach 30. też podejmowały bynajmniej niejednoznaczne decyzje.

Ansonsten kann aber von Einigkeit in der europäischen Erinnerung nicht die Rede sein. Wir Deutsche und unsere westlichen Nachbarn kreisen fast ausschließlich um uns selbst - um die Westhälfte Europas.  Der verheerende verbrecherische Charakter des NS-Regimes wird häufig dazu verwendet, um den falschen Eindruck zu erwecken, “vorher” und “drumherum” sei alles im Wesentlichen in Ordnung gewesen. Ein grober Fehler - und was die Sowjetunion und ihre Verbrechensmaschinerie angeht, ein unverzeihlicher Irrtum. Nicht nur die Deutschen, sondern auch die Sowjets haben nach ihrem Einmarsch Polen mit einer erbarmungslosen Terrorherrschaft überzogen, die hunderttausende Opfer gekostet hat - wohlgemerkt nicht als Opfer von kriegerischen Auseinandersetzungen, sondern als Opfer von wahllosem Terror gegen die Zivilbevölkerung.

Die FAZ bringt heute einige gute, sehr lesenswerte Artikel über dieses Thema der “gespaltenen Erinnerung”.

Bin gespannt, was derAbend mit Lena Kornyeyeva morgen bringt. Ihr Buch “Putins Reich” liegt vor mir auf dem Schreibtisch.

Vorfahrt für Sicherheit

30082009004.jpg Toller Ausflug am Sonntag nach Wendisch-Rietz am Scharmützelsee! Unser Auto haben  wir abgeschafft, wir leben nunmehr als junge aufstrebende Berliner Familie autofrei! Gut so! Der Sonntagsausflug brachte uns per Rad und Bahn ins herrliche märkische Umland! Ich schloss die Augen, sog die Luft mit vollen Nüstern ein: es war ein perfekter Urlaubstag. Kleiner Nebeneffekt des Zugfahrens: Man führt viele kleinere und auch größere Gespräche. Auf der Heimfahrt saß ich neben einer teilgelähmten Frau, die mir erzählte, wie sie durch viel Willen, durch Glauben an ihre Kräfte, durch Fleiß und Physiotherapie  die Prognose der Ärzte “Sie haben noch etwa 17 Tage zu leben und werden sich nie mehr bewegne können” überwand. Mittlerweile fährt sie selbständig Zug, bewegt sich sicher mithilfe des Rollators durch Bahnhöfe und durch die Straßen.

Wieder wurde mir bewusst, wie herrlich es ist “zehn gesunde Zehen und zehn gesunde Finger zu haben.” Und einen Kopf, der Impulse aussendet, die über eine Tastatur eingegeben werden, so dass Tag um Tag in allen Ländern der Welt diese mehr oder minder bedeutungsschwangeren Betrachtungen nachvollzogen werden können.

Gute Argumentesammlung im heutigen Tagesspiegel zum Helmtragen! Die meisten Verkehrsexperten, die Unfallärzte und die Polizei raten seit Jahren dazu, nur mit Helm Rad zu fahren. Ich stimme ihnen zu. Ich habe in meiner Familie Helme eingeführt und habe  meinen zweiten Sohn Wanja zum Aufpasser, Hilfspolizisten und Mahner erzogen: Er weist mich bestimmt und fast immer höflich darauf hin, wenn  ich das innerfamiliäre Helmgebot verletze oder wenn ich mich nicht millimetergenau an die Verkehrsregeln halte. “HIER ist die Haltelinie, Papa!” Tja, und dann muss ich eben 3 cm zurück. Gut so, lieber Sohn! Lass dich nicht beirren durch Krethi und Plethi auf unseren Straßen und Fußwegen, die sich einen Deibel um die Benimmregeln scheren!

Bloß nicht oben ohne!
„Verantwortungsbewusste Eltern sollten ihre Kinder nicht ohne Helm fahren lassen“, sagte der Polizeipräsident jetzt zum Schulbeginn dem Tagesspiegel. Und setzte hinzu: „Dazu sollte man Eltern nicht durch eine gesetzliche Verpflichtung zwingen müssen.“ Soll heißen: Glietsch fordert – noch – keine Fahrradhelmpflicht. Zumindest nicht, solange die Hoffnung besteht, dass Appelle gehört werden. Schließlich rät die Polizei seit längerem allen Radfahrern zum Helm.

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