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Archive für 30.9.2009
Bildungsmonitor 2009 spiegelt Bildungsrealität wider
30.9.2009 von admin.
Bildungsmonitor 2009 - Downloads
Ein genaueres Hinsehen verlangt der Bildungsmonitor 2009. Für uns erstaunlich: Berlin belegt im Gesamtranking der 16 Bundesländer weiterhin den schlechtesten Platz, während das Ausbildungsniveau des Personals der Kitas, Schulen und Universitäten das beste unter allen Bundesländern ist (Berlin: 79,44 Punkte, Bayern: 26,31 Punkte). Das Personal in Berlin wäre also wesentlich besser ausgebildet als in Bayern.
Was Bildungsarmut angeht, liegt Berlin auf dem zweitschlechtesten Platz, während die Förderinfrastruktur der Stadt die beste bundesweit ist. Wir haben inBerlin sehr gute ganztägige Bildungsangebote und ein hohes Ausbildungsniveau beim Personal der Kinderbetreuung. Dennoch gibt es sehr viel Bildungsarmut, sehr viele Schulabbrecher, sehr viele Menschen ohne Bildungsabschluss.
Diese Mess-Ergebnisse decken sich mit meinen Beobachtungen in verschiedenen Bundesländern. Ich kann das Reden über die mangelnde Unterrichtsqualität in Berliner Schulen nicht mehr hören. Während ich noch bis vor wenigen Monaten die Lehrer über den Schellenkönig lobte, denen ich zufällig begegnete, neige ich nunmehr der Auffassung zu, dass die Berliner Lehrer insgesamt überdurchschnittlich gut ausgebildet sind. Sie sind wirklich gut, aber nicht nur dank eigenen Fleißes, sondern auch dank guter Ausbildung. Das besagt ja auch dieser Bildunsgmonitor, der recht seriös daherkommt.
Worin liegen die schlechten Ergebnisse des gesamten Berliner Bildungswesens begründet? Ich meine: nicht im Bildungswesen selbst, sondern im außerschulischen Bereich. Davon bin ich mittlerweile überzeugt. Das Berliner Schulwesen ist viel besser, als die Ergebnisse vermuten lassen.
Es fehlt aber in vielen Familien, bei vielen Eltern und Kindern an der richtigen Einstellung zum Lernen. Viele Eltern meinen, die Kinder würden schon irgendwie mitgezogen. Die Ansprüche an das Gefördert-Werden sind grenzenlos! Berlin bemüht sich, diesen unersättlichen Hunger nach Gefördertwerden bestmöglich zu stillen. Der Staat muss alles richten. Der Staat ist an allem schuld, so denken viele. Ein verheerender Irrtum, der unzählige verpasste Bildungschancen mit sich bringt!
Hier gilt es umzudenken!
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Warum kein Radweg am Gröbenufer? (2)
30.9.2009 von admin.
Das Gröbenufer hatten wir schon einmal in diesem Blog erwähnt, und zwar am 14.05.2008. Dort, wo es keinen Fahrradweg gibt und geben wird, startete eine Fahrradtour durch unseren Bezirk. Das damalige Foto (hier noch einmal zu sehen) zeigte einige Litauer, die dort eine Entmüllungsaktion fröhlich zupackend veranstalteten. Die wunderschöne Litauerin werde ich wohl nie mehr wiedersehen, und das stimmt mich wehmütig.
Und da zeigt sich auch ein unterschiedliches Verhältnis zum öffentlichen Raum: Während unsere wackeren deutschen Grünen symbolisch den einen oder anderen uralten Namen ändern (so etwa das Gröbenufer) und sozusagen semantische Müllprobleme auftürmen, an denen sie sich dann unter beträchtlichem Einsatz von Hirnschmalz und Zeit abarbeiten können, packen die jungen Immigranten aus den jungen Demokratien selbst an, um etwas für die Umwelt zu tun. Diesen Gegensatz sehe ich immer wieder: Unsere östlichen Nachbarn tun etwas, wir reden und reden. Und manchmal wird demonstriert. Und dann heißt es: Das muss die BSR machen. Die BSR soll den Müll der Bürger wegschaffen. Wir rühren keinen Finger.
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Berliner Konferenz der Religionen - jetzt!
30.9.2009 von admin.
Muslime dürfen auch in der Schule beten - Berliner Zeitung
Schulleiterin Brigitte Burchardt sagte am Dienstag, sie fühle sich mit den gesellschaftlichen Problemen an ihrer Schule allein gelassen.
Das ist der beste Satz berlinweit, den ich zu der ganzen Chose gehört und gelesen habe!
Diesen Satz entnehme ich der umfänglichen Berichterstattung über das Urteil des Berliner Verwaltungsgerichts, das dem Schüler Yunus M. erlaubt, sein Mittagsgebet an der Schule zu verrichten. Viel Falsches, viel Schiefes ist gesagt worden, sowohl über den Islam wie auch das Christentum. So schreibt etwa Innensenator Körting heute im Tagesspiegel: “Das Kopftuch ist zugleich Symbol der fehlenden Gleichberechtigung der Frau.” Falsch, Herr Körting. Wie kommen Sie zu so einem Urteil? Es gibt viele emanzipierte, akademisch gebildete muslimische Frauen, die das Kopftuch auch als Zeichen ihrer Unabhängigkeit von Bevormundung tragen. Es gibt viele russisch-orthodoxe Frauen, die beim Kirchgang das Kopftuch als Zeichen der Befreiung von der totalitären Ideologie des Kommunismus tragen. Auch in Berlin, soweit es Sie interessiert.
Aber hören wir Herrn Körting weiter: “So sind wir alle empört, wenn Papst Benedikt sich zur Verhütung und Abtreibung aus katholischer Sicht äußert.” Alle - außer einem, nämlich mir, Herr Körting! Ich bin nicht empört. Empörung ist keine angemessene Reaktion auf das, was der Chef der mit 1,2 Mrd. Mitgliedern weltweit größten und weltweit ältesten heute bestehenden Organisation sagt.
Es herrscht eine große Blindheit im Umgang mit dem Islam und dem Christentum vor. Die Äußerungen des Herrn Körting sind mir ein weiterer Beleg dafür.
Meine Meinung zu diesem Streit: Jede Schule kann oder besser: soll einen Raum der Stille und der Besinnung einrichten. Dort können Schüler sich sammeln, sie können zu sich kommen, sie können beten. Der Raum soll religiös und weltanschaulich nicht gebunden sein. Es herrschen darin folgende Gebote: Keine Mediennutzung, keine Gespräche, kein Internet, kein Gameboy, kein MP3-Player. Keine Spiele, keine Provokationen und keine Empörungen. Nur dies: Stille - und Besinnung. Manche nennen dies Gebet. Andere sagen: Ein stummes Gespräch mit einem Abwesenden. Mit einem, den es nicht gibt. Nun, so sei es! Das täte allen Schülern gut. In einem solchen Raum könnte Yunus M. sein Gebet verrichten. In Anwesenheit anderer, in Anwesenheit eines verkannt-unbekannten Anderen - oder auch allein.
Zur Besprechung all dieser ungelöster Fragen fordere ich dringend eine Berliner Konferenz der Religionen - jetzt oder möglichst bald. Es soll nicht nur um den Islam gehen, sondern auch um eine mögliche Zusammenarbeit der Religionen im öffentlichen Raum. Das Vorbild dafür sollte die von Innenminister Schäuble einberufene Islamkonferenz sein - nur alles eine Nummer kleiner, nämlich auf Bezirks- oder auf Landesebene angesiedelt. Den drei großen orientalischen Offenbarungsreligionen - also Judentum, Christentum und Islam - kommt dabei eine gewichtige Rolle zu. Man wird diese Religionen sicherlich nicht so schnell los, wie manche sich das wünschen.
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