Jul 292010
 

Die Muslime in den USA gelten als besser integriert, als wohlhabender denn etwa die eingebürgerten Hispanics oder die Schwarzen, deren Vorfahren vor Jahrhunderten als Sklaven nach USA verschleppt oder verkauft wurden. Woran liegt dies?

Drei einfache Kriterien für gelingende Integration in den USA nennt Lamya Kaddor:

„Man ist dann integriert, wenn man erstens für die grundlegenden Werte der Freiheit, der Gleichheit und des Eigentums einsteht, wenn man zweitens seinen eigenen Lebensunterhalt verdient und wenn man drittens wenigstens soviel Englisch beherrscht, dass man sich verständigen kann“ (Muslimisch – weiblich – deutsch, S. 106).

Wann ist man als Zuwandrerin Deutschland erfolgreich integriert? Ich würde sagen: Man ist in Deutschland integriert, wenn man erstens nach acht Jahren Aufenthalt einen unbefristeten Aufenthaltstitel erlangt hat und damit unabhängig von der Staatsangehörigkeit alle gesetzlichen Ansprüche eines Bürgers gegenüber dem deutschen Sozialstaat geltend machen kann, wenn man zweitens ein Netz aus verwandtschaftlichen Beziehungen und staatlichen Fürsorgeleistungen geknüpft hat, das einem das Verharren in der Herkunftskultur ermöglicht, und drittens, wenn man durch Heirat mit einem Partner derselben ethnischen Herkunft die Ansprüche auf Versorgung und materielle Sicherheit generationenübergreifend verstetigt hat.

Ich übertreibe geringfügig, dennoch läuft es heute in den meisten Fällen bei uns in Berlin-Kreuzberg  so ab. Es war vor zwanzig Jahren noch nicht so, aber heute ist es überwiegend so. Besserung ist nicht in Sicht, solange man nicht grundsätzlich am Sozialstaat etwas ändert. Ich vertrete – übrigens weitgehend allein auf weiter Flur – folgende Ansicht: Mit der jetzigen Sozialgesetzgebung ist die Integrationsproblematik nie und nimmer zu bewältigen. Im Gegenteil: Es werden ständig neue überflüssige, ideologisch belastete Nebenkriegsschauplätze aufgemacht, so etwa jetzt das Burka-Verbot. Ein Zeichen der Hilflosigkeit, dass darüber in Frankreich und Holland so ausführlich diskutiert wird!

Sobald die einzelnen Familien, vor allem aber die jungen Männer gezwungen sind, ihren Lebensunterhalt durch legale Beschäftigung selbst zu erarbeiten, werden die meisten Probleme der Integration „der Muslime“ sich innerhalb weniger Jahrzehnte wie in den USA in Luft auflösen. Die meisten – nicht alle.

Den Nikab, also die Ganzkörperverhüllung, bei der ausschließlich ein kleiner Augenschlitz freigelassen wird, den kenne ich aus der Schule und dem Supermarkt bei mir um die Ecke. Es sind Frauen aus nach außen extrem abgeschlossenen Familien, die neuerdings in Kreuzberg den Nikab tragen und die ich nach den deutschen Kriterien (nicht nach denen der USA) als hervorragend integriert bezeichnen würde. Schulnote 1.

Ich meine: Wir sollten schon erklären, ob wir eine „weiche“ Integration nach US-amerikanischen Vorbild oder eine hervorragend gelungene, systemisch verankerte Integration so wie bisher in Deutschland haben wollen.

Es hat sich doch überall herumgesprochen, mit welchen Kniffen und Angaben man – unabhängig von der Staatsangehörigkeit – die Integration ins deutsche Sozialhilfewesen erreichen kann.

Ich meine ferner: Was die Deutsche Lamya Kaddor sagt, etwa auch in einem aktuellen Interview zum Thema Freiheit, zum Thema Burka-Verbot, sollte man mindestens diskutieren:

Deutschlandfunk – Interview – „Ich würde nie so weit gehen, ein ganzes Verbot auszusprechen“
Darüber hinaus hat übrigens gestern das Pew-Forum in Amerika eine Umfrage veröffentlicht, aus der hervorgeht, dass die meisten Europäer diesem Verbot zustimmen, aber die meisten Amerikaner interessanterweise eben nicht, und man muss sich fragen: Woran liegt das. Leider wird die Begründung nicht aufgeführt, da werden also nur die Zahlen, die Statistiken benannt. Ich glaube, das hat sicherlich auch damit was zu tun, dass dem Begriff der Freiheit, der persönlichen Freiheit in Amerika einfach eine viel größere Bedeutung zugemessen wird, als man das hier in Europa tut – leider.

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Jul 282010
 

Sie steigt und steigt in meiner Hochschätzung. Wer? Lamya Kaddor. Wie das? Neben vielen anderen richtigen Einsichten, die sie in ihrem Buch ausbreitet, hat sie es gewagt, den Film „Fitna“ von Geert Wilders im islamisch-christlich gemischten Religionsunterricht einer zehnten Klasse vorzuführen – als „problemorientierten Einstieg in das Thema religiöse Vorurteile“. Wohlgemerkt ohne einen Vorab-Kommentar zu liefern!

Als der Abspann lief, hatte die ganze Klasse Fragezeichen in den Augen“ (S. 124).

Eine Journalistin einer namhaften deutschen Tageszeitung war anwesend, spitzte die Ohren.

Aber so sind wir doch gar nicht“ – so die einhellige Reaktion der Klasse, die zu 80% aus muslimischen Jugendlichen bestand. Dennoch entspann sich ein lebhafter, im Streit geführter Dialog.  Ein Dialog zwischen rassistischen Vorurteilen, verletztem Stolz und – allmählichem Umdenken auf seiten des „Rassisten“.

Ich halte das Vorgehen Kaddors für vorbildlich. Den Gegner auf seinem Feld stellen, Vertrauen in das offene Wort setzen, vorhandene negative Empfindungen anerkennen, ernstnehmen – und im Gespräch und mit viel Geduld eine Wandlung, eine Läuterung im Gegenüber herbeiführen. Diese Wandlung durch Umdenken ist ein zutiefst jüdisch-christlich-muslimischer Gedanke!

Andreas, der Schüler, der offen rassistisches Gedankengut geäußert hatte, meldete sich zu Wort: „Also, ich wollte euch und Ihnen, Frau Kaddor, noch etwas sagen. Was ich da gesagt habe, mit den Ausländern und den Arbeitsplätzen und so, das tut mir leid.“

Staunen in der Klasse, dann brandete Applaus auf!

Ich empfehle allen, die in Berlin mühsam um ein Zusammenkommen der drei abrahamitischen Religionen ringen, die Seiten 124-128 in dem Buch „Muslimisch – weiblich – deutsch“ zu lesen.

Lamya Kaddor: Muslimisch – weiblich – deutsch. Mein Weg zu einem zeitgemäßen Islam. Verlag C. H. Beck. München 2010

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Jul 282010
 

14052010004.jpg Ein äußerst verlässliches, leistungsstarkes Ross ist in alten Darstellungen der Burâq: halb Pegasus, halb Kentaur, vereint er ein Menschenantlitz mit dem Körper eines Pferdes, das mit Flügeln begabt ist. Die antike griechische Vasenmalerei bringt zahlreiche Darstellungen dieser fabelhaften Mischwesen, Goethe lässt den Kentauren namens Chiron im zweiten Akt des Faust II wertvolle Dienste als Leichtflugzeug und enzyklopädisch gebildeten Berater erbringen.

In nur einer Nacht konnte ein solcher Burâq genannter Kentaur seinen Reiter von Mekka nach Jerusalem und wieder zurück bringen.

Wir haben beschlossen, unser himmelblau und nachtschwarz geschecktes Stahlross mit dem Namen Burâq zu benennen. Bergab läuft Burâq so schnell und sicher, dass man in der Tat abzuheben meint. Auch bei Geschwindigkeiten weit jenseits der 50 km/h hält er den Geradeauslauf trefflich, schluckt Unebenheiten gutmütig weg. Wittert er den Stall, so legt er noch ein Quentchen zu. Dies stellte er am vergangenen Sonntag beim Zieleinlauf in der Brühlschen Gasse am Terassenufer in Dresden unter Beweis:

dresr10ost00571.jpg

Unsere Darstellung ganz oben zeigt den Burâq unserer Wahl auf dem Flugfeld Tempelhof, bereit zum Abheben.

Wer an älteren Darstellungen des Burâq interessiert ist, der sei auf zwei persische Darstellungen aus dem 15. Jahrhundert verwiesen, die bequem in folgendem Fundort nachzuschlagen sind:

Der Koran für Kinder und Erwachsene. Übersetzt und erläutert von Lamya Kaddor und Rabeya Müller. C.H. Beck Verlag, München 2008, S.  87 und S. 221

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Jul 272010
 

kaddor32cda952-a1ac-443f-9daf-9c773554bf52g300.jpg Jeder, der das neue, heute bereits vergriffene Buch von Kirsten Heisig nicht erhalten hat, sollte zunächst einmal das Buch „Muslimisch – weiblich – deutsch“ von Lamya Kaddor lesen. Ich sage mit dem Kirchenvater Augustinus: Tolle lege! Oder, wie es Koran zu Beginn sagt: Iqrâ! Was für eine begeisternde Geschichte! Glauben im Hier und Jetzt – das vollzieht sich als das ganz persönliche Ringen, Prüfen, Erzählen, Beten der einzelnen Gläubigen. Darin sind Islam und Christentum einander sehr verwandt. Lamya Kaddor findet einen kräftigen, lebensbejahenden, mutigen Ich-Ton. Sie erzählt ihre Geschichte – und damit erzählt sie zugleich die Geschichte ihrer Religion in ihrem Heimatland, also in … nein, nicht „Nordrhein-Westfalen“, sondern „Deutschland“.

Ein Satz wie „Ich glaube – mit Wenn und Aber“ stößt genau jene Tür zu einem in der Zeit stehenden, modernen Islam auf, wie ich ihn mir so sehr wünsche von meinen vielen muslimischen Nachbarn und Bekannten und Mit-Eltern.

Ich halte dieses Buch für das derzeit beste Werk zum Thema „europäischer Islam“, ein echter Meilenstein auf dem Weg der „Vermittlung“. Islam als Religion der „Vermittlung“, warum denn nicht? Das ist doch eine großartige Vision!

Von der persönlichen Erzählung  über die historische Belehrung hin zur politischen Forderung geht das Buch. Architektonisch klar gegliedert wie eine Moschee. Ein geistiger Genuss, der mir heute den Nachmittag verschönte, den ich mit meiner Familie im heimatlichen Prinzenbad abschloss, wo einige Arabisch sprechende Jugendliche unschuldig herumtollten und planschten.

Lamya Kaddor: Muslimisch – weiblich – deutsch. Mein Weg zu einem zeitgemäßen Islam. Verlag C. H. Beck. München 2010

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Kreuzberger Michelin-Männchen springt Besenwagen von der Schippe

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Jul 262010
 

dresr10ost0020.jpgNo child left behind – Niemand darf zurückbleiben – niemand soll abgehängt werden!“ So hört man es immer wieder. Und diese Worte klangen mir im Ohr, als ich beim Dresdner Jedermannrennen „Race Day Dresden“ gestern einige Kilometer hinter dem Feld herfuhr. Denn nach etwa 10 Kilometern konnte ich den Anschluss an das Peloton nicht halten: Ich musste den Helm lockern, die Kapuze von über dem Helm abnehmen, Kapuze wieder aufziehen, Helm wieder aufsetzen. „Das sind die Letzten …“ riefen Zuschauer einander zu, als wir hinter Pirna einen 700 m langen Berg hochstrampelten.  Hinter mir tuckerte im ersten Gang ein bulliger Diesel. Er ließ sich nicht abschütteln.  „POLIZEI – Schlusswagen“ stand bedrohlich auf ihm. Ich bin sonst immer polizeifreundlich gesonnen, aber gestern war sie mir UNSYMPATHISCH. „Jetzt durchhalten! Jetzt weißt du also, wie sich die Benachteiligten in unserer Gesellschaft fühlen! Du bist das hintere Drittel, du bist der Letzte! Du bist der Schulabgänger ohne Abschluss.“

Ich schnappte am Verpflegungspunkt eine Banane und versuchte, die herrlichen Ausblicke in die Sächsische Schweiz zu genießen. Der POLIZEI-Schlusswagen fuhr weiter! Der BESENWAGEN hattte mich überholt! Ich war draußen! Ich trat in die Pedale, kämpfte mich heran. Ich überwand den Schlusswagen. Überholte die vorletzte Rennfahrerin, sprach ihr Mut zu: „Wir schaffen das!“ „Irgendwie werden wir es schaffen!“, lächelte sie zurück.

Nach und nach trocknete die füllige blaue Regenjacke, die ich am Start übergestreift hatte. Denn es hatte zu Beginn des Rennens eine Stunde lang ohne Unterlass geregnet. Die Regenjacke wölbte sich, blähte sich im Wind, ein Abbremsen auf den langen Schussfahrten wurde überflüssig. Und sie sorgte dafür, dass der Anstieg nicht zu leicht wurde. Die Rennschuhe waren vollkommen durchnäßt, statt zweier Füße spürte ich das ganze Rennen über zwei bewegliche Eisbeutel kreisen.

So fuhr ich gestern zwei Drittel des Dresdener Jedermann-Rennens im festen Bewusstsein, der Letzte im Feld zu sein. Mein einziges Ziel war es, innerhalb der geforderten Zeit (Durchschnitt 25 km/h) anzukommen und nicht disqualifiziert, nicht vom Besenwagen eingesammelt zu werden.

Ich erreichte die Zieleinfahrt vor der Semper-Oper nach dreieinhalb Stunden mit weichen Knien und unter dem herzlichen Beifall der Zuschauer.

Ich plauderte mit einigen Mitstreitern. Alle fanden das Rennen ungewöhnlich schwer. Angeblich hatte ein ehemaliger Weltmeister das Rennen gewonnen. Die Jedermann-Rennen sind, wie man vernimmt, für Ex-Profis lukrativ geworden.

Zu meiner Überraschung muss ich heute im Internet feststellen, dass ich keineswegs der Letzte war, sondern unter den 170 männlichen Teilnehmern des 88-km-Rennens Rang 129 herausgefahren habe. Ich kann mir das nur so erklären, dass sich verschiedene Felder gebildet hatten – bei einem hatte ich abreißen lassen müssen, und das nächste Feld hatte mich offenbar nicht eingeholt.

Mein selbstgestecktes Ziel, nämlich unter die besten 70% der 182 Teilnehmer zu fahren, habe ich also um 1-2 Plätze verfehlt. Aber unter den schlechtesten 30% war ich (fast) der Schnellste.

Merke, oh Unqualifizierter, Benachteiligter, Letzter dieser Welt: Du bist nicht so schnell der Letzte, wie du denkst. Besser ist es, zu kämpfen als aufzugeben. Aufgeben, nur weil man der Letzte ist? Niemals! Denn: So mancher, der sich für den Letzten hielt, wird der Erste unter den Letzten sein.

Ein spannendes, lehrreiches Rennen! Ich schließe dieses herrliche Rennen in mein Gedächtnis ein im Bewusstsein, der Erste unter den Letzten gewesen zu sein.

UND: Nächstes Jahr fahre ich ohne Michelin-Regenjacke – da mag es schneien und graupeln so viel es will.

Ein paar Impressionen findet ihr auf Youtube:

Start Race Day Dresden 122 km 

Startvorbereitung Race Day Dresden 88 km

Mitschwimmen im Hauptfeld Race Day Dresden

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„Niemand opfert sein Kind für die Integration“

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Jul 262010
 

Derartige Vorwürfe musste ich armer Kreuzberger Vater mir immer wieder anhören – von anderen deutschen Eltern, von Sozialarbeitern … dafür, dass wir unseren Sohn in eine ganz normale staatliche Schöneberger Kita und staatliche Kreuzberger Grundschule geschickt haben. Dort wo teils türkische, teils arabische Schüler mit ihren allgemeinen Lernbedürfnissen die absolute Mehrheit stellen und die wenigen deutschen oder nichtmuslimischen Kinder mit ihren besonderen Lernbedürfnissen eher nebenher laufen. Wobei die Politiker des linken Parteienspektrums mit ihrem leidenschaftlichen Faible für das „gemeinsame Lernen“ sich bemerkenswerterweise stets vornehm zurückhalten.

„Das Wertvollste, was du hast, den eigenen Sohn, das kannst du doch nicht DIESER Welt opfern …!“ DIESE Welt? Darüber schreiben Güner Balci, Kirsten Heisig, Kazim Erdogan, Heinz Buschkowsky und einige andere.

Kein Zweifel:

Hier in Berlin, vor allem Kreuzberg und Neukölln, droht die deutsche Gesellschaft
der Zukunft komplett auseinanderzubrechen – und wir sind mittendrin!

Knackpunkt, an dem alles bricht und fast zerbricht, ist die Schule. Von einer gemeinsamen Grundschule kann schon lange keine Rede mehr sein. Obwohl wir hier im Bezirk die Grünen als größte Partei genießen dürfen, ist wahrscheinlich nirgendwo sonst – außer in Neukölln und Wedding – die Absetzbewegung aus dem öffentlichen Grundschulwesen so stark wie hier.

Die Eltern, die für ihre kleinen Kinder etwas vorhaben, ziehen weg in das ehemalige Ost-Berlin, oder sie melden sich um, oder sie melden die Kinder in privaten Grundschulen an.

So wie etwa Güner Balci, die ebenfalls aus Kreuzberg weggezogen ist in den Bezirk Mitte – es ist anzunehmen: den Teil von Mitte, der im ehemaligen Osten liegt.

Und das titelgebende Zitat entnehmen wir nicht nur Gesprächen mit verschiedenen Kennerinnen, sondern es wurde auch von Güner Balci exakt so geäußert:

Neukölln-Roman von Güner Balci: Ein Fluchtweg für die Arabqueen – SPIEGEL ONLINE – Nachrichten – Kultur

Die 35-Jährige ist von Kreuzberg ins schicke Berlin-Mitte gezogen. Sie ist gerade Mutter geworden. „Niemand opfert sein Kind für die Integration“, sagt sie.

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Race Day Dresden 2010 ruft!

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Jul 242010
 

 Letzte Vorbereitungen zur Abfahrt nach Dresden. Kaum Hektik, kaum Nervosität. Wir sind gemeldet zum Race Dresden 2010. Habe diesmal als erwartete Durchschnittsgeschwindigkeit 32 km/h angegeben. Rechne mir im Ziele eine Platzierung im Mittelfeld aus (=besser als die langsamsten 30%). Das ist mein Ziel. Es ist mein erstes Radrennen in und durch das Bundesland Sachsen. Werde versuchen Ehre für meinen Heimatbezirk Friedrichshain-Kreuzberg einzulegen.

Hier ’n paar Takte aus dem Grußwort der Oberbürgermeisterin Helma Orosz:

Race Day Dresden 2010
Für die engagierte Vorbereitung danke ich besonders dem Verein Internationale Sachsen-Tour e. V., der für einen erneuten Höhepunkt im Sportkalender der Landeshauptstadt Dresden gesorgt hat. Ich bin überzeugt, die Dresdnerinnen und Dresdner werden die Fahrerinnen und Fahrer wieder gebührend an der Strecke empfangen. Zahlreiche Fans säumen dann die Straßen in und um Dresden, wo die Sportler unter den Anfeuerungsrufen ihre Höchstleistungen zeigen können.

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Jul 232010
 

Einige Male habe ich schon muslimische Bekannte gefragt: „Bist du bereit, über den Islam öffentlich zu diskutieren?“ Ich bekam bisher nie Zusagen. Fast alle öffentlichen Debatten über den Islam finden deshalb ohne Beteiligung von Muslimen statt. Das macht dieses Geschäft so unendlich mühsam.

Der Islam ist mittlerweile eine deutlich sichtbare Macht hier in Kreuzberg-West: Nikab und Burka habe ich hier schon des öfteren gesehen, – sofern die Frauen ausnahmsweise die Erlaubnis zum Verlassen der Wohnung erhalten haben. Ich habe auch einige Male versucht, mit diesen Müttern ein Gespräch zu führen. Na, was glaubt ihr, wie solche Versuche ausgehen, ausgehen müssen?

Die streng observante Form des Islam, der wahabitische, saudisch geprägte, den es vor zwanzig Jahren bei uns noch nicht gab, ist deutlich spürbar. Kitas und Schulen haben sich auf die muslimische Kindermehrheit eingestellt, während die nichtmuslimischen Kinder allzu leicht in die Minderheitenposition gedrängt werden.

Die Behauptungen des Geert Wilders über Wesen und Erscheinungsformen des Islam sind zweifellos überspitzt. Aber sie verdienen es, öffentlich diskutiert zu werden. Sie sind keineswegs als billige Polemik abzutun.

Bei einem öffentlichen Auftritt in Berlin sollte Wilders  jedenfalls einen kompetenten Gesprächspartner von muslimischer Seite vorfinden, der ihm widerspricht.

Die populistische Etikettierung als „Rechstpopulist“ ist ganz sicher verfehlt. Sie nimmt die Aussagen des Geert Wilders schlicht nicht zur Kenntnis.

Die gewaltigen Schwierigkeiten, die unsere Gesellschaft mit den türkischen und arabischen Zuwanderern hat, sind – so meine ich – nicht durch die Religion bedingt, sondern durch ein komplexes Gefüge aus Schwäche, Unkenntnis, Vermeidungs- und Ausnutzungsverhalten auf beiden Seiten, wobei das größte Problem die durch unser Sozialsystem geförderte, alle Begriffe sprengende Trägheit ist.

Einige Thesen, die Geert Wilders in seinem durchaus lesenswerten Blog äußert, sind zweifellos richtig, andere hingegen verdienen es, durch Muslime und Christen erörtert, korrigiert und auch zurückgewiesen zu werden.

Die ersten beiden Aussagen, die hier nachstehend zitiert werden, halte ich übrigens für zutreffend:

Auch ich meine:

1) Der Begriff der persönlichen, der individuellen Freiheit ist im Islam – so wie er sich heute präsentiert – unterentwickelt.

2) Die meisten Muslime, die ich kenne, neigen zum Fatalismus. Sie begreifen ihr Leben als „schicksalsgegeben“, sie arbeiten nicht an der Umgestaltung ihres Lebens, sie arbeiten nicht an der Umgestaltung der Welt, in der wir leben.

Es gibt von Wilders viele andere Aussagen, die ich bestreiten würde, aber diese beiden, die zunächst kommen, kann ich nur unterstreichen – und zwar aufgrund meiner langjährigen Erfahrungen, Begegnungen und Interaktionen mit Berliner Muslimen.

Weblog Geertwilders – Wilders: my message to Muslims
Without individual freedom, it is not surprising that the notion of man as a responsible agent is not much developed in Islam. Muslims tend to be very fatalistic. Perhaps – let us certainly hope so – only a few radicals take the Koranic admonition to wage jihad on the unbelievers seriously. Nevertheless, most Muslims never raise their voice against the radicals. This is the “fearful fatalistic apathy” Churchill referred to.

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25 qm/Person – ein drastischer Anschlag auf die Gurgel der Menschenwürde

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Jul 232010
 

23072010003.jpg Bei meinen Reisen durch Russland, Polen, Italien, Tschechien, Türkei und USA habe ich immer wieder Wohnungen von Freunden und Bekannten aufgesucht, habe geschaut, wie sie leben. Auffallend: Nirgendwo haben die Menschen so viel Wohnraum wie bei uns zur Verfügung. Dies gilt quer durch alle Einkommensschichten. In der Sowjetunion gab es die Komunalnajas, da konnte es vorkommen, dass ein Universitätsprofessor sich zwei Zimmer mit seiner 5-köpfigen Familie teilte. Nobelpreisträger im Ostblock hatten weniger Wohnraum als Hartz-IV-Empfänger bei uns. Lebten sie deswegen unter unwürdigen Verhältnissen?

Guter Zug des Arbeitsministeriums: Die Wohnkosten der Sozialhilfeempfänger sollen regional pauschaliert werden, das umständliche Hickhack mit den Bedarfsprüfungen soll beendet werden. Und sogleich erhebt der Chor der Protestierenden seine Stimme! Wie könnte es anders sein! Die Berliner Zeitung berichtet:

Für Grünen-Chef Cem Özdemir entzieht sich der Bund mit der Übertragung der Mietkosten-Bestimmung auf die Kommunen «seiner Verantwortung und setzt den Kommunen die Pistole auf die Brust: Entweder sie werden ihrer sozialen Verantwortung wirklich gerecht und kommen damit in große Haushaltsnöte oder sie gehen den sozial Schwächsten drastisch an die Gurgel».

Ei der Daus. „An die Gurgel“, das ist starker Tobak!  Da empfehle ich doch einmal Reisen durch die USA, durch Libanon oder Türkei, durch Russland oder Syrien, oder durch Neukölln …:-)

Wie dem auch sei: Ich weiß, dass ein großer Teil der Steuern, die ich Monat für Monat abführe, dazu dient, anderen Menschen ein „menschenwürdiges Dasein“, wie es die wohlbestallten Klagemänner und Klageweiber nennen, zu ermöglichen. Und zwar auf weltweit höchstem Niveau.

Ich bin sicher: Das wird auch so bleiben. Es ist nicht unwürdig, wenn ein einzelner Alleinstehender sich mit 25 qm Wohnraum, die er auf Gemeinschaftskosten erhält, begnügen muss. Er braucht keinen Finger dafür krumm zu machen, und es steht ihm jederzeit frei, das unwürdige Gefängnis zu einem Spaziergang oder auf ein Zigarettchen zu verlassen.

Berliner Zeitung – Aktuelles Politik – Wirbel um Wohnkosten von Hartz-IV-Empfängern
Der Sprecher des Bundesarbeitsministeriums, Jens Flosdorff, bestätigte am Freitag in Berlin einen Bericht der «Financial Times Deutschland» grundsätzlich. Eine interministerielle Arbeitsgruppe habe vorgeschlagen, die individuelle Berechnung der erstattungsfähigen Mietkosten durch regional einheitliche Kriterien zu ersetzen. Die Kommunen könnten dies dann in Satzungen regeln.

Bild: Johannesthal in Berlin-Rudow

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Sind Stadtautobahnen böse?

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Jul 232010
 

23072010001.jpgWas meinen Sie? Vorgefertigte Meinungen helfen uns nicht weiter. Das Gutachten, welches das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg über die Auswirkungen des Weiterbaus der A 100 vorlegte, war leider getürkt, es musste geschreddert werden, und das beauftragte Büro hat das Honorar zurückgezahlt (die taz und dieses Blog berichteten). Besonders umstritten: die Troglösung. Staub, Lärm, Gestank, Abgase … alles Böse wird angeblich durch die Stadtautobahn angesogen, vervielfältigt, und als prasselndes Unglück auf die Anwohner herabgeregnet.

Ich halte es mit Goethes herrlichem Gedicht Vermächtnis:

Den Sinnen hast du dann zu trauen
Nichts Falsches lassen sie dich schauen

Deshalb postete ich soeben zwei sinnlich-anschauliche Lehrvideos über den herrlichen Berliner Mauerradweg in Youtube. Ihnen könnt ihr mehr trauen als allen geschredderten Gutachten.

Wenn die A 100 weitergebaut werden sollte, dann wünsche ich mir auch so herrliche, breite, vorbildliche Radwege längs dem Smogtrog!

Ich seh das ähnlich wie bei ICE-Neubaustrecken: Für jeden Eingriff in die Natur müssen Ausgleichsflächen geschaffen werden – auf dass die Rohrdommel und die Lumme neben neugepflanzten Birkenhainen ihren Ruf erschallen lasse!

YouTube – Troglösung Autobahn A 113 23072010001

http://www.youtube.com/watch?v=KTtlgAovf9s

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Kreuzberg: Wildgewordene Stadtentwicklung

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Jul 222010
 

21072010008.jpg Kaum jemand wird heute noch etwas mit dem Namen Günther Abendroth anfangen können. Dieser Politiker, dem Berlin ein Ehrengrab gewidmet hat, war von 1963-1975 Bezirksbürgermeister in Kreuzberg. In den 70er Jahren hat Kreuzberg sein Gesicht nachhaltig verändert. Damals begann die Wohnungswirtschaft in großem Stil, heruntergekommene Wohnquartiere mit zugezogenen Ausländern überzubelegen, überhöhte Mieten zu kassieren und die völlig heruntergewirtschafteten Immobilien dann mithilfe des öffentlich geförderten Wohnungsbaus abzureißen und neu aufzubauen. Viele verdienten prächtig daran. Ein schamfreies Selbstbedienungssystem kam in Gang, das sich bis zum Jahr 2001 und weit darüber hinaus hielt. So entstand nach und nach der heutige Mix an Problemen und Aporien. Ein gut abgehangener Spiegel-Artikel aus dem Jahr 1973 schildert die Dynamik treffend, wobei offen ausländerfeindliche O-Töne dem heutigen, korrektheitsgeschulten, empfindsamen Ohr weh tun. Der gigantische Schuldenberg Berlins, der tiefe Sumpf aus Staatsausplünderung und breiiger Bestandssicherung, in dem wir heute immer noch stecken, er wurde damals angelegt.

Es stimmt schon, was Ludwig Erhard und Konrad Adenauer wieder und wieder behaupteten: Staatliches Wirtschaften gegen den Markt, Verquickung von Politik und Privatwirtschaft führt zu Korruption und Verfall.

Für Lokalhistoriker jedenfalls stellt der Artikel eine gute Quelle dar!

 DER SPIEGEL 31/1973 – Die Türken kommen – rette sich, wer kann
* Der Eigentümer eines Abbruchhauses an Kreuzbergs Skalitzerstraße parzelliert eine Zweieinhalb-Zimmerwohnung (gebundene Höchstmiete: 54 Mark) für sechs Ausländer, kassiert Kopfmieten bis zu 100 Mark und verzehnfacht den Ertrag. Die inhumane Herausforderung, daß marktwirtschaftelnde Althausgewinnler die Gesellschaftsprobleme von Wohnwertverschleiß und Ausländer-Invasion nutzbringend zu addieren wissen, ist zugleich ein städtebauliches Malheur. Denn der Türken-Run auf die Städte und seine ungesteuerte Vermarktung setzen einen Mechanismus in Gang, der in wildgewordene Stadtentwicklung zu münden droht.

Bild: Straßenszene in Kreuzberg-West heute.

 Posted by at 21:00
Jul 222010
 

19072010005.jpg Als Kreuzberger Vater zweier Söhne, der öffentliche Schwimmbäder, staatliche Schulen von innen kennt, der sich für sein Umfeld interessiert und auch ehrenamtlich tätig ist, gerate ich selbstverständlich immer wieder in Kontakt mit Kindern und Jugendlichen, die es mit dem Gesetz nicht so genau nehmen. Ich kenne privat die eine oder andere Familie von Intensivtätern, denn keineswegs beschränkt sich deren Wirkungsfeld auf das medial überbelichtete Neukölln. Unvergesslich ist mir der Dialog mit einem etwa 5-jährigen Kind, mit dem mein Sohn im Sandkasten spielte: „Was baust du da aus Sand?“ „Ich baue ein Gefängnis.“ Und später sah ich dann die Brüder des Jungen im schicken BMW vorfahren.

Wenn ich mir die Altersstufen vom Schulanfänger bis zum voll strafmündigen Erwachsenen anschaue, so kann ich geradezu eine Skala der Verfehlungen und der entsprechenden Rechtfertigungslegenden aufbauen: Es fängt an mit Zäuneüberklettern, Türaufreißen, Schabernack à la Max& Moritz im Alter von 6 Jahren, Spucken ins Gesicht, Schlagen in die Weichteile des Gegners im Alter von 7-8 Jahren, ersten Diebstählen, Verkehrsverstößen, In-den-Schrank-Einsperren, Faustschlägen ins Gesicht  … bis hin zu den größeren Geschichten, über die dann die Presse berichtet.

Was mir im direkten Gespräch mit den jungen Menschen auffällt: Die Kinder haben gelernt, dass es für sie keine unübersteigbare Grenze gibt. Sie erlauben sich alles. Stellt man sie zur Rede, so sagen sie oft: „Das war ich nicht. Das war DER da.“ Hier darf man nicht locker lassen. Man muss die Kinder einbinden, sich „zur Brust nehmen“: „Aber ich habe dich gesehen! Du warst es.“

Besonders gut funktioniert die Zielvereinbarung: „Ich will, dass du das nicht mehr machst. Versprichst du mir das?“ Meistens weichen sie dann noch aus. Sie versprechen es nicht. Dann darf man nicht locker lassen!

Man muss zu einer Vereinbarung von Mann zu Mann kommen – und zwar besiegelt durch einen Handschlag und mit Nennung des Namens beider Kontrahenten.

Auf diese Weise ist es uns fast wider Erwarten gelungen, so manchen Konflikt mit arabischstämmigen Kindern beizulegen. Für wie lange? Das weiß ich nicht. Es ist „ein weites Feld“, wie der alte Briest in Fontanes Effi Briest zu sagen pflegte. Das Allerbeste ist: Die Missetäter in die eigene Familie einladen, gemeinsam einen Nachmittag verbringen.

Wenn die Familien, also die deutschen und die türkischen, die deutschen und die arabischen sich gegenseitig kennenlernen, einander erst einmal für eine Stunde, dann länger die Kinder anvertrauen, dann ist damit mehr zur Prävention geleistet als durch 100 Stunden Sozialarbeit. Dann lässt sich auch die Unterbringung in geschlossenen Heimen vielleicht noch vermeiden.

Und noch einmal: Die feste männliche Autorität ist unendlich wichtig für die jungen Max&Moritze, die sonst nach und nach zu Intensivtätern werden.

Ich empfehle nachdrücklich das Morgenpost-Interview mit Jugendrichter Räcke zum Nachlesen, dessen Aussagen ich aus Kreuzberger/Neuköllner Sicht teilweise leider bestätigen muss, ferner auch die Vorabauszüge aus dem Buch von Kirsten Heisig, die der aktuelle SPIEGEL bringt.

Titelzitat: Angst ist ein schlechter Ratgeber. Einblicke in die Parallelgesellschaft Neuköllns. Von Kirsten Heisig. Der SPIEGEL 29/19.07.2010, S. 126-129, hier S. 128

Bild: Idyllischer Blick über das Tempelhofer Feld gen Neukölln.

Kinder als Drogendealer – Jugendrichter will Dealer-Kinder nicht bestrafen – Berlin Aktuell – Berliner Morgenpost
Aber was mir wirklich Sorgen macht, ist, dass in Berlin eine ganze Generation von Kindern aufwächst, die es zu nichts bringen wird. Die haben nichts gelernt. Gar nichts. Die werden ihr ganzes Leben lang auf staatliche Transferleistungen angewiesen sein, weil sie kaum lesen und schreiben können. Die wissen gar nicht, wie sich das anfühlt, sich für etwas anzustrengen, richtig reinzuhängen, und darauf dann stolz zu sein.

Morgenpost Online: Klingt hoffnungslos.

Räcke: Ja. Das ist es auch. Den Jugendlichen ist einfach langweilig. Irgendwann fangen die dann an zu saufen, Drogen zu nehmen und werden zu kriminell.

 Posted by at 14:39
Jul 212010
 

21072010006.jpg Na na na, ob da wohl mal wieder die Phantasie durchdreht!? Interessante Sendung jedenfalls am kommenden Freitag. Aber dass die deutschen Eltern und die nichtmuslimischen Schüler sich „nicht so anstellen“ sollten und „endlich in die türkisch-arabische Mehrheit integrieren“ müssten, das hören wir immer wieder mal.

Mal kucken, was sie uns da wieder an Horrormärchen auftischen. Aus den Fingern werden sie sich das ja nicht gesaugt haben. Und einige dieser Beobachtungen kann ich durchaus bestätigen.

Bild: U-Bahnhof Möckernbrücke.

Das Erste
Freitag, 23.07.10
03:40 – 04:25 (45 Min.)
Kampf im Klassenzimmer
Deutsche Schüler in der Minderheit

Kampf im Klassenzimmer – Das Erste | programm.ARD.de
Manchmal werden sie verhöhnt, manchmal sogar geschlagen. Mit ihnen wird in der Klasse kaum geredet, sie ziehen sich zurück, sagen kaum noch ihre Meinung – kurz, sie sind nicht integriert: Deutsche Kinder an einer Hauptschule in Essen.

„Sie werden nicht jeden Tag mit dem Messer bedroht, … aber die Kinder mit Migrationshintergrund haben hier eindeutig das Sagen“, so die Direktorin der Schule. „Red nicht mit der, das ist bloß eine deutsche Schlampe“, so hören es auch die Lehrerinnen. „Wenn Ramadan ist, ist Ausnahmezustand. Beim letzten Mal ging es soweit, dass sie uns ins Essen gespuckt haben“, berichtet die Hauswirtschaftslehrerin.“

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Kriminalität als Ausweg aus der Armut?

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Jul 212010
 

21072010005.jpg Immer wieder lassen die Leute sich ins Bockshorn jagen: „Es ist ein Armutsproblem„, berichtet heute wieder einmal die Berliner Zeitung auf S. 2.

Da die Familien so arm seien, müssten die Kinder auf anderen Wegen Geld verdienen. Ein grotesker Unfug! Ich kenne viele Familien aus dem Kiez, spreche mit ihnen, wir laden auch immer wieder Kinder ein. ARM sind die Familien nicht. Für die berühmte und beliebte Capri-Sonne, das kariesverursachende Getränk der Wahl, ist schließlich immer noch Geld da. Jeder weiß doch oder sollte wissen, dass ein Professor an der amerikanischen Universität in Beirut weniger Geld zur Verfügung hat als die Familien in der Düttmann-Siedlung.

Und das, liebe Leserinnen und Leser, ist durchaus ein erlaubtes Pauschalurteil: Jeder Familie, die von Hartz IV lebt, geht es materiell besser als den allermeisten Erwerbstätigen in Ländern wie Libanon, Syrien oder Türkei. Das ist auch der Grund, weshalb praktisch keine Familie nach Beendigung des Bürgerkriegs in das Herkunftsland zurückgekehrt ist.

Als eine Hauptursache für das staatlich geförderte Entstehen krimineller Milieus in Berlin erblicke ich das Zusammenwirken folgender Faktoren:

a) Starkes Überangebot an Wohnungen im geförderten Sozialwohnungsbau in den 80er Jahren, jahrzehntelange Verquickung krimineller, scheinlegaler  und legaler Tätigkeiten im Bau- und Wohnungswesen. Dieser Sumpf ist bis heute nicht annähernd geklärt.

b) Korruption in der Vergabe  der Wohnungen durch Mitarbeiter der großen Berliner Wohnungsbauunternehmen. Es gab weithin bekannte Sätze, zu denen die Wohnungen vergeben wurden, 5.000 D-Mark waren üblich, zu zahlen in bar. Und es wurde gezahlt.

c) Deshalb Vergabe von ganzen Wohnblocks an besonders finanzstarke Zuwanderer aus Libanon, Syrien, Türkei, die alle sorgfältig mit der passenden „Legende“ ausgestattet wurden: „Bürgerkriegsflüchtlinge“, „schwer traumatisiert“, „betreuungsbedürftig“ und was dergleichen Schnurrpfeifereien mehr sind. Teils mochten sie stimmen, teils stimmten sie sicher nicht. Ziel der Legende ist es stets, sich als Opfer der Umstände zu präsentieren.

d) Intensive Debatte über den Umgang mit Bürgerkriegsflüchtlingen. Die Ausgabe von Gutscheinen anstelle von Bargeld wurde mehrheitlich abgelehnt: „Entwürdigend!“

e) Heutiger Zustand: Extrem abgeschlossene Milieus, hervorragende materielle Lage dank zuverlässiger Existenzsicherung durch den Staat. Der Berliner Senat und das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg agieren in großer Hilflosigkeit weiterhin so, als seien ihnen diese Zustände unbekannt. Aber sowohl Senat als auch Bezirksamt müssten eigentlich wissen, was hier gespielt wird.

Was tun?

Jahrzehntelange Misswirtschaft, jahrzehntelange Korruption und Fehler der Bau-, Sozial-, Schul- und Zuwanderungspolitik lassen sich nicht über Nacht beseitigen.

Wichtig: a) Augen nicht weiter verschließen. Ursachen erkennen und benennen! Legenden entmystifizieren!

b) Mieterumzug fordern oder erzwingen! Arbeitsaufnahme fordern oder erzwingen! Keine zusätzlichen Zahlungen über das gesetzlich vorgeschriebene Maß hinaus. Geschlossene Milieus auflösen. Viele Milliarden Euro sind zur Schaffung dieser Milieus bereits ausgegeben worden. Es wird Jahre oder Jahrzehnte dauern, ehe diese massiven politischen Fehler ausgeglichen sind.

c) Fordern statt fördern!  Immer wieder wird verlangt, mehr Lehrer, mehr Sozialhelfer, mehr Psychologen müssten den „schwer Traumatisierten“ beistehen. Ein Irrweg. Wenn etwas traumatisierend und entwürdigend wirkt, dann ist es gerade das Bombardement mit öffentlichem Geld und Förderung.

d) Soweit echte Identität überhaupt bekannt ist und keine deutsche Staatsbürgerschaft angenommen worden ist: Rückkehr in das Land der Staatsangehörigkeit bewirken, da jetzt kein Bürgerkrieg mehr herrscht.

Es wird ja häufig so getan, als könnte man unter allen Ländern des Erdkreises nur in Deutschland glücklich werden. Das ist ein großer Irrtum. Richtig ist freilich, dass kaum ein anderes Sozialsystem es Inländern und Ausländern derart leicht macht, über Generationen hinweg eine sichere, von allen Risiken abgeschottete Existenz zu führen.

Kriminalität als Ausweg aus der Armut : Textarchiv : Berliner Zeitung Archiv
Mangelnde Bildung gepaart mit einer Unfähigkeit zur Erziehung führt dazu, dass die Eltern oft die Kontrolle über die Kinder verlieren. „Es ist ein Armutsproblem“, sagt Angelika Greis. Je weniger Zukunftschancen es gebe, umso mehr kriminelle Strukturen entstünden. Auf diesem Markt würden einige Jugendliche schließlich ihre Chance sehen.

Bild: Ein Blick aus dem U-Bahnhof Möckernbrücke auf den Landwehrkanal, aufgenommen vor 2 Stunden.

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Jul 212010
 

21072010004.jpg Jeder Gang durch die Straßen Kreuzbergs bietet neue Gespräche, nette Plaudereien. Gerade in dieser übergroßen Hitze hält man sich am liebsten im Freien auf. Man erledigt Einkäufe und Besorgungen. So auch heute!

„Möchtest du diese Puppe verkaufen? Nur 5 Euro!“, sprachen mich soeben bei mir um die Ecke vier Mädchen im Alter von etwa 5-8 Jahren an. Da erwachte mein väterliches Herz: „Ah, ihr meint wohl kaufen?“, entgegnete ich. „Ihr könnt doch diese Puppe nicht verkaufen. Überlegt doch mal, wie die sich fühlt. Ihr habt für sie gesorgt. Ihr solltet sie behüten!“ „Nur 50 Cent!“, fingen die Kinder zu handeln an. Ich zauderte, tat so, als überlegte ich. Dann sprach ich: „Ich biete euch an, diese Puppe nachhause zu nehmen und für sie zu sorgen. Ihr bekommt sie später zurück“, beendete ich die durch die Kinder angebahnten Verkaufsverhandlungen. „Dann nicht!“, sagten die Kinder.

Ich wollte mehr bewirken: „Darf man denn als Puppenmutti Puppen so verkaufen? Man darf doch auch keine Kinder verkaufen, oder?“ Die vier Mädchen antworten unterschiedlich. “ Zwei Mädchen sagten: „Nein, darf man nicht!“, ein Mädchen sagte mit leichtem Lächeln: „Doch darf man!“, und ein Mädchen sagte sehr ernst: „Doch, man kann Kinder verkaufen.“ Ihr Gesicht war traurig. Oder bildete ich mir das nur ein? Wie gesagt: Keines der Mädchen war älter als acht Jahre.

„Ich finde, ihr solltet diese Puppe behüten und auf sie aufpassen!“ ermahnte ich die Kinder. „Aber darf ich sie fotografieren?“ Ja, das durfte ich.  Und oben seht ihr sie.

Die Puppe war die einzige Ware, die die Mädchen mir „zum Verkauf“ anboten. Sie meinten – so nehme ich an –  „zum Kauf“. Die Puppe war die einzige Ware, die mir angeboten wurde. Die Mädchen sprachen mit mir akzentfrei Deutsch, untereinander teils Deutsch, teils eine andere Sprache. Ort, wie gesagt: in meiner Wohngegend, Kreuzberg-West.

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Jul 202010
 

18072010.jpg Moderne Pädogik lehnt das Nachsitzen als Bestrafung oft ab. Darüber wird manchmal diskutiert. Ich habe nichts gegen das Nachsitzen.

Ein RIE-SEN-PRO-BLEM für meine radelnden Mitstreiterinnen: die Frisur. Sie wird oft zerzaust bei Wind und Wetter. Und für die Herren: das peinliche Nachschwitzen. Darüber wird viel zu wenig diskutiert! Darüber sollte man mal reden! Oft kommt man gut gelaunt bei einem Meeting an, stellt sich artig vor, und dann hört man Dinge wie: „Von zwei, drei Treppen geraten Sie schon so ins Schwitzen?“

Kein Zweifel: Schwitzen ist uncool. Es wird auch nicht besser, je mehr man trainiert. Im Gegenteil!

Was tun? Ich plane 10 Minuten mehr ein, lege vor dem Meeting ein Ausrollen, ein Cool-down ein, und nur an dem stets mitgeführten Helm („Helm stets am Mann!“) vermag die Kennerin zu erraten, dass ich nicht standesgemäß mit dem großen Fahrzeug (= BVG), sondern mit dem kleinen Dienstfahrzeug (=Fahrrad) gekommen bin.

So läuft’s. Immer schön cool bleiben.

Das Bild zeigt den Blogger mit den 7-8 oder den ungezählten ABC-, Zusatz- und Fahrradkarten, mit denen er am Wochenende einen Familienausflug per S-Bahn und Fahrrad bestritt. Praktischer Tipp: Die vielen Fahrkarten lassen sich bequem in eine Hand nehmen und dann als kühlender Gesichtsfächer verwenden.

Hübsch ist auch der folgende kleine Ausschnitt:

Berlin INTERN: Guttenberg gratuliert BILD-Reportern zu ihrem „streitbaren Buch“ – News – Bild.de
Der CSU-Politiker war vielmehr bei 35 Grad auf dem Fahrrad ins Berliner „Café Einstein“ gekommen und litt unter dem, was Sportler „Nach-Schwitzen“ nennen

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Vorbild Türkei?

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Jul 202010
 

Zucht und Ordnung, Respekt vor den Älteren, ein klares, täglich wiederholtes Bekenntnis zur überragenden, alleinigen Autorität des Staates und zum mythisch überhöhten Staatsgründer: mit diesen Rezepten hat die Türkei ihre Alltagskriminalität erstaunlich gut im Griff. Es wird fast nicht gestohlen, fast nicht geflucht, fast nicht gedealt – jedenfalls außerhalb Istanbuls. So erlebte ich das bei meinen Reisen durch die Türkei, und so berichten es mir türkische Lehrer, mit denen ich über die hoffnungslose Verwahrlosung mancher unserer türkischen Kinder spreche.

Die herausragende Stellung der Polizei und des Militärs in der Türkei führt zu einer sehr niedrigen Kriminalitätsrate. Andererseits genießen die Türken nicht dasselbe Maß an Meinungsfreiheit wie wir. Und viele ethnische Gruppen sind weiterhin der Zwangstürkisierung unterworfen. In den Kurdengebieten begehen Ordnungskräfte Verbrechen.

Ein echter Offenbarungseid ist es, wenn die deutsche Polizei nunmehr um Hilfe von den Türken ersucht:

Nordrhein-Westfalen – Türkische Polizei soll in Problemvierteln aushelfen – Politik – Berliner Morgenpost
Die Deutsche Polizeigewerkschaft will türkische Polizisten in sogenannte Problemviertel in Nordrhein-Westfalen schicken. Sie sollten sich um türkischstämmige Jugendliche kümmern.

„So geht es nicht weiter“, sagte der Landesvorsitzende der Gewerkschaft, Erich Rettinghaus, in Duisburg. „Vielleicht ist das ein probates Mittel. Man sollte es ausprobieren.“ Die Türken sollten in ihrer eigenen Uniformen gemeinsam mit NRW-Kollegen auf Streife gehen.

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Staatliche Bewirtschaftung von Wohnraum?

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Jul 202010
 

Die staatliche Bewirtschaftung von Gütern des allgemeinen Bedarfs ist immer dann sinnvoll, wenn Ausnahmesituationen wie etwa Krieg, Vertreibung, Erdbeben oder Vulkanausbrüche zu einer extremen Verknappung des Überlebensnotwendigen führen. So erzählten mir meine väterlichen Vorfahren immer wieder, wie froh sie waren, als sie nach Vertreibung und Flucht zwangsweise bei den Niederbayern einquartiert wurden, denn anders hätten die Eingesessenen nur schwerlich Platz gemacht.

Ist diese Notsituation vorüber, muss die staatliche Zwangsbewirtschaftung aufhören. Denn sie gebiert fast naturgesetzlich Korruption, also die „Vorteilsannahme im Amt“. Sie gebiert Verquickung von Privatinteresse und Amtsinteresse, sie gebiert Kriminalität und Elendskieze. Konrad Adenauer und Ludwig Erhard beseitigten handstreichartig am 19. Juni 1948 über Nacht die staatliche Bewirtschaftung der Waren des Alltagsbedarfs. Die Folge: Der Markt kam in Schwung, fast über Nacht wich der Mangel dem ausreichenden Angebot.

Wir lernen: Ein Gut, das nicht plötzlich oder dauerhaft extrem knapp ist, sollte nie durch den Staat bewirtschaftet werden. Denn die Folgen der dauerhaften staatlichen Bewirtschaftung sind verheerend.

Ein Lehrbuchbeispiel ist die unselige staatliche Wohnungspolitik im Berlin der 70er und 80er Jahre. Ganze Stadtviertel wurden zugrundegerichtet, eilig hereingeschleuste Migrantenfamilien wurden auf Staatskosten in überteuerten, kaputtsanierten Wohnraum untergebracht, die Sozialämter zahlten ohne mit der Wimper zu zucken die weit überteuerten Mieten. Prestigeprojekte wurden als Sozialwohnungen mit Renditegarantie aufgelegt, die Investoren und die Wohnungswirtschaft schneiden seither Schnitte um Schnitte vom Landeshaushalt heraus: eine legale Form der Ausplünderung der Staatsfinanzen.

Die dauerhafte staatliche Bewirtschaftung von Wohnraum ist eine der größten Sünden gegen die Freiheit, eine der schwersten Hypotheken, an denen der Landeshaushalt Berlins noch Jahrzehnte leiden wird.

Das Bundesland Berlin muss nunmehr schnellstmöglich aus allen Formen der direkten staatlichen Einflußnahme auf die Wohnungswirtschaft oder der Beteiligung an der Wohnungswirtschaft aussteigen. Die mehrern hunderttausend landeseigenen Wohnungen sind mitnichten ein Pfund, mit dem es zu wuchern gilt, mitnichten ein sozialer Stoßdämpfer. Das wäre nur dann vielleicht der Fall, wenn das Gut Wohnraum in ganz Berlin extrem knapp wäre. Davon sind wir aber sehr weit entfernt.

Im Gegenteil: Die Ballung der staatlich alimentierten Sozialmieter an einigen wenigen sozialen Brennpunkten hat zu einer verheerenden Verdichtung von Arbeitslosigkeit, Kriminalität und individuellen Krankheiten geführt. Das kann ich Tag um Tag in Kreuzberg oder Neukölln besichtigen.

Alle traditionsgebundenen Berliner Parteien sind und waren beteiligt – SPD, CDU, FDP, die Grünen, sie alle profitierten von der ungehemmten Umverteilung staatlicher Gelder, ja sogar die von ferne steuernde SED saß im Boot, denn sie hatte natürlich ein Interesse an einer Destabilisierung der ungeliebten „politischen Einheit Westberlin“.

Es nimmt kaum Wunder, dass viele der heutigen Entscheider in der Berliner Landespolitik, im Berliner Abgeordnetenhaus bereits in den 80er Jahren in der Bau- und Bezirksverwaltung tätig waren. Sie müssen Kenntnis von der massiven Korruption, von dem massiven Einsickern krimineller Gruppen haben, die etwa bei der Vergabe und Weitergabe landeseigener Mietwohnungen um sich gegriffen hatten. Ein Teil der immergleichen Machtelite Berlins entstammt der Bauverwaltung des alten Westberlin. Von diesen Persönlichkeiten war aber bisher öffentlich kaum ein Sterbenswörtchen über die eigenen Verfehlungen, über die Verfehlungen der eigenen Partei, über die eigene Verquickung in den Sumpf der 80er Jahre zu hören. Gut für sie alle! Gut für Berlins Parteien! Verheerend für Berlin.

Und jetzt wird mühselig weiter an den Spätsymptomen herumgedoktert, statt den chirurgisch präzisen, den heilenden Schnitt zu setzen. So wird Berlin nie und nimmer auf die Beine kommen.

Berlin braucht endlich den Schnitt mit dem Sumpf der korrupten Vergangenheit, in dem so manche bewährten Kräfte bis zum Halse stecken. Weg mit dem alten Umverteilungsdenken der alten Eliten! Weg mit dem scheinsozialen breiigen Bestandskonservatismus!

Wo sind sie, die Ludwig Erhards, die Konrad Adenauers unserer Zeit? Helft!

Preisbremse für Sozialmieten – Berliner Zeitung
Dass viele Sozialwohnungen zu teuer sind, geht auf das Fördersystem des Sozialen Wohnungsbaues zurück, das in den 1970er-Jahren im damaligen West-Berlin ersonnen wurde. Es sah vor, dass die finanzielle Unterstützung jedes Jahr um rund 13 Cent je Quadratmeter sinkt und die Mieten um den gleichen Betrag erhöht werden können. Seitdem sind die jährlichen Mieterhöhungen garantiert.

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Jüdisch-christlich-islamisches Europa?

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Jul 202010
 

18072010001.jpgEin harter Brocken, was hier in der Überschrift steht! Dennoch gefällt mir dieser philosophisch-theologische Brocken. Immer wenn ich, der sehr schwach praktizierende, der sehr schlechte Knecht des Christentums mit Muslimen spreche oder mit ihnen bildhaft gesprochen zusammenrumple, wird mir das sofort klar, ebenso auch beim Studium der Hadithe, des Talmud oder der paulinischen Briefe.

Mehr oder minder zufällig finde ich daneben immer wieder Bundesgenossen in dieser Sicht, so etwa seit Jahren in Jacques Attali, oder neuerdings (?) auch in Angelika Neuwirth.

Angelika Neuwirth (FU Berlin) hat sich nämlich aufsehenerregend bei der Tagung „Beyond tradition“ in Münster hervorgetan.  Thema „Aufgeklärte islamische Theologie möglich in Deutschland?“ (FAZ, 16.07.2010, S. 34). Sie sagt,

der Koran sei sowohl in seiner überlieferten Textform als auch in seiner mündlichen Vorform vor allem als „europäisches Vermächtnis, als Auslegung und Neuformulierung bereits bekannter biblischer und nachbiblischer Traditionen zu betrachten. Inhaltlich handle es sich um eine ergebnisoffene Mitschrift von Diskussionen zwischen dem Propheten Mohammed und seinen Hörern. Es gelte demnach, den Koran als europäischen Grundtext in die (westliche) Spätantike-Vorstellung aufzunehmen.

Wow! Das entspricht genau meinem Empfinden, das entspricht genau meinem bildungspolitischen Programm für Berlins Grundschüler. Koran ist also Bestandteil der europäischen Überlieferung ebenso wie frühchristliche Literatur, da sowohl Christentum wie später Islam aus der
Verschmelzung von „Jerusalem“ und „Athen“ hervorgehen.

Welch ungeheure Chance böte sich den Berliner Grundschulen, wenn sie altgriechische, jüdische, islamische und christliche Geschichten in ihren Lesestoff aufnähmen! Ulysses meets Mohammed. THAT is IT. Sie, die Berliner Stadtgesellschaft, erwürbe sich nahezu ewigen Ruhm, wenn sie die unselige Spaltung zwischen muslimischen und nichtmuslimischen („christlichen“) Kindern überwände.

Aber sie tut es nicht. Sie scheut die Grundtexte der europäischen Überlieferung wie der Teufel das Weihwasser.

Koran kann gelesen werden wie die Vorlesungsmitschriften etwa des Aristoteles. Und in der Tat gab es im 11. bis 12. Jahrhundert eine Hochblüte arabischer Gelehrsamkeit, die genau das versuchte – die Synthese koranischen und aristotelischen Wissens.

Spannend, spannend … aber noch nicht Allgemeingut.

Bild: Sowjetisches Ehrenmal für den „Ewigen Ruhm“ in russischer Sprache, Ort: Erkner, Neu-Zittauer Straße.

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Jul 192010
 

18072010002.jpg Recht ernüchternd ist die Lage nach dem Hamburger Volksentscheid über die Schulreform des Senats. Die Befürworter und die Gegner der Reform haben wirklich hervorragend gekämpft, erstklassige Broschüren in die Materialschlacht geworfen. Ich selbst wohnte damals auf dem taz-Kongress einer Diskussion mit Christa Goetsch bei und fand, sie machte ihre Sache gut – vielleicht zu gut.

Viele Gespräche mit Berliner Eltern und Lehrern, vor allem aber meine gerüttelten eigenen Erfahrungen an Berlins staatlichen Schulen haben mich skeptischer werden lassen, was die verbindende Kraft der Grundschulen angeht. Ich war bis zuletzt ein Anhänger des gemeinsamen Lernens – mindestens in den vier Jahren gemeinsamer Grundschule!

Wenn es denn ein echtes gemeinsames Lernen wäre. Wenn es Hand und Fuß hätte. Wie demütigend waren für uns die häufigen Erfahrungen, dass wir die Hausaufgaben unseres Sohnes in der dritten Grundschulklasse nicht mehr verstanden – dabei besitzen wir beide akademische Studienabschlüsse.

Oft wird festgestellt: „Das System Schule und das System Elternhaus passen nicht zusammen. Sie sprechen keine gemeinsame Sprache.“ Das erzeugt Misstrauen auf beiden Seiten. Das Übermaß an nicht bedachten Reformen hat in Berlin zu Verdruss und Verzweiflung an allen Fronten geführt.

Spricht man offen mit anderen Eltern, so wird man sich recht bald das ganze Ausmaß der Verzweiflung eingestehen.

Ole von Beust hat es auch zutreffend bemerkt, dass der Hauptgrund für die Ablehnung der Schulreform darin lag, dass die wahlberechtigten deutschen Eltern ihre Kinder nicht mit den deutlich zurückhängenden Migrantenkindern  zusammensitzen lassen wollen. Früher habe ich diese Haltung versucht zu überwinden, etwa indem ich rief: „Was habt ihr gegen uns migrantische Familien? Kommt zu uns! Wir beißen nicht!“

Heute verstehe ich diese Eltern. Noch bis vor wenigen Monaten hätte ich für die Reform der Hamburger gestimmt – aus wohlerwogenen Gründen. Aber gestern hätte ich wahrscheinlich gegen sie gestimmt. Aufgrund von Erfahrungen.

Not tut jetzt erst einmal Systemkonstanz. Die neue Lernkultur, wie ich sie wünsche, kann sich in jedem System entfalten. Privatschulen und Gymnasien bleiben notwendig als Horte des Aufstiegs für alle, als Horte des Rückzugs vor einer zunehmend bildungsabgewandten Bevölkerungsmehrheit. Kreuzberg, Neukölln und Wedding werden vermutlich ohne Privatschulen in einen noch stärkeren Abwärtsstrudel gerissen, die bildungsnahen Familien werden ohne die Möglichkeit solcher Refugien weiterhin die türkisch-arabisch dominierten Kieze verlassen. Und die türkischen und arabischen Familien müssen aus dem behaglichen Nest der Sozialhilfe herausgedrängt werden. Sobald die Notwendigkeit der Arbeit erkannt wird, werden sie sich selber aus dem Sumpf herausziehen.

Wer dies leugnet und weiterhin nur auf Förderung setzt, lügt sich in die Tasche.

Wir brauchen vor allem eine neue Kultur des Lernens. Mehr Vertrauen in die einzelnen sollten wir setzen. Mehr Vertrauen in die jahrhundertealten Methoden des rhythmischen, des straff aufbereiteten, des übersichtlichen und relativ streng geführten Lernens und Lehrens.

Die neue Lernkultur  braucht nicht einmal mehr Geld oder mehr Ausstattung. Sondern mehr Aufmerksamkeit füreinander. Mehr Liebe, mehr Strenge. Mehr Klarheit.

Bild:  das ehemalige Schulungszentrum der DDR-Staatssicherheit für Auslandsagenten in Gosen. Hier plante im Jahr 2005 ein Investor eine Privatschule samt Internat für hochbegabte Kinder. Unser Bild zeigt den Zustand der Anlage am gestrigen Tag.

Schulreform in Hamburg: Klassenkampf – Ausgang ungewiss – Inland – Politik – FAZ.NET

 Posted by at 23:28