Sep 302010
 

Mobbing gegen die bekannten winzigen Minderheiten an Kreuzbergs Grundschulen ist leider ein heißes Thema. Ich kenne viele derartige Geschichten, die mir Schüler und Lehrer glaubwürdig und direkt erzählt haben, werde aber aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes in diesem Blog keine Einzelheiten nennen.

Aber es ist unserer Erfahrung nach ein chronisches, ein riesiges Problem, das allerhöchste Aufmerksamkeit verdient.

Schule: Lehrer beklagen Mobbing gegen deutsche Kinder – Schule – Berlin – Tagesspiegel

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Sep 302010
 

Oft wird zur Behebung sprachlicher Defizite eine Kita-Pflicht für Vorschulkinder gefordert. (Ich selbst forderte sie sogar einmal für Politiker – zur Erlernung einer gepflegten Streitkultur.)

Dabei besuchen Berlins Kinder bereits jetzt zu etwa 93% die Kita mindestens 1 Jahr vor der Grundschule. Soeben wies auch in der BVV Friedrichshain-Kreuzberg die Bildungsstadträtin Monika Herrmann darauf hin, dass die Kinder vor der Einschulung in aller Regel sehr viele Stunden in der Kita verbingen.

Eventuelle sprachliche oder sonstige Benachteiligungen lassen sich also nicht durch die Einführung der Kitapflicht beheben. Da müsste man schon genauer schauen und fragen: Warum schaffen wir es in den Kitas nicht, alle Kinder zur echten Schulreife zu bringen? Was läuft falsch?

Ich selbst wagte mich mutig heute zum allerersten Mal ans Friedrichshain-Kreuzberger BVV-Mikrophon! Ich lauschte einigen Experten bei einer Veranstaltung zum Thema „Eltern als Teil der Schulgemeinschaft„. Ich hob in einer kurzen Wortmeldung hervor, dass die Kommunikation zwischen Familie und Schule vielfach gestört oder unterbrochen sei und fuhr fort:

„Die Familien sind das erste, das bestimmende Umfeld der Erfahrung der Kinder. Die Familie legt das Fundament für den gesamten Bildungsgang des Kindes. Die Schule tritt später hinzu. Weit entfernt davon, ein schwaches Subsystem der Gesellschaft zu sein, prägt die Familie das gesamte Erfahrungsfeld der Kinder in den ersten Lebensjahren.

Viele Lehrer berichten mir, sie müssten die Defizite ausbügeln, mit denen die Kinder in die Schule kämen. Das sei weitgehend eine Überforderung.

Das System Schule und das System Familie sprechen oft nicht zueinander. Sie passen irgendwie nicht zusammen. Selbst ich als Vater habe oft Mühe zu begreifen, was in der Schule geschieht. (Zustimmendes Gelächter der Anwesenden).

Wir sollten nicht die kulturellen Unterschiede zwischen Kindern zu sehr betonen. Im Grunde werden alle Kinder mit sehr ähnlichen Grundbedürfnissen geboren: Sie brauchen Liebe. Sie müssen sich angenommen fühlen, wollen Wertschätzung und Aufmerksamkeit.

Ebenso wichtig für das Wachsen ist das Regelsetzen. Kinder müssen sich freikämpfen, müssen Freiheit erlernen, müssen sich ändern können, aber sie brauchen auch feste Grenzen.

Für diese Grunderfahrungen sind die Familien verantwortlich. Wenn sie dieses Aus- und Abwägen der unbedingten Liebe und der festen Grenzsetzung nicht hinbekommen, werden es die Schulen sehr schwer haben, dies auszugleichen.

Deshalb sollten wir Familien stärken, aber auch stärker in die Pflicht nehmen. Insbesondere die Väter sollten sich nicht so einfach aus dem Staub machen. Hier haben wir das Recht, die stärkere Beteiligung vor allem der Väter einzufordern.“

In der Diskussion der Flüstergruppen wandte ein Lehrer  mir ein: „Das stimmt zwar, was Sie sagen, aber wir dürfen als Schule nicht belehrend von oben herab wirken. Da müssen wir aufpassen.“

Nun, ich meine allerdings: Die Schule wirkt in jedem Falle belehrend. So lehrt sie etwa die Rechtschreibung von oben herab. Schule soll und muss sogar normensetzend auf Kinder einwirken! So verlangt die Schule die vielbeschworene Toleranz gegenüber anderen Religionen und Nationen von den Kindern – von oben herab. Sie verlangt, dass man Regeln einhält, dass man etwa kein Altöl ins Grundwasser schütten darf.

Ich meine, dass die Schule oder die Gesellschaft überhaupt sehr wohl fordernd und belehrend auf die Schüler und die Eltern einwirken soll. Gerade dann, wenn es entscheidend um das Gedeihen der Kinder geht. Man verlangt, dass die Kinder die Zähne putzen. So kann man auch verlangen, dass die Kinder nicht zu viel Süßes essen und nicht so viel vor dem Fernseher hocken, sondern stattdessen wandern, schwimmen, kochen, singen und radfahren.

Vor allem kann und darf die Gesellschaft und die Schule von den Vätern verlangen, dass sie ihren Pflichten gegenüber den Kindern nachkommen und sich nicht aus dem Staub machen.

Ich bin überzeugt, dass die Kinder vom ersten Tag an die liebende Zuwendung, die Anwesenheit der Eltern brauchen, und dass die Gesellschaft dies auch von den Eltern einfordern darf.

Die heutige Veranstaltung „Eltern als Teil der Schulgemeinschaft“ brachte viele wertvolle Anregungen. Sie sollte als Auftakt, als Ansporn zu Taten dienen!

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Kreuzberger Kindermund erweitert deinen Wortschatz

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Sep 292010
 

Die Radwege sind manchmal so humpelig„, so wird ein Kreuzberger Grundschüler mit russischem Migrationshintergrund auf Seite 14 in der aktuellen RadZeit des Berliner ADFC zitiert.

Das Wort humpelig kannte ich nicht wirklich, obgleich ich es verstand. Eine kurze Internetrecherche  ergab soeben: Das Wort humpelig existiert. Es ist gut bezeugt. Es bedeutet uneben, schleppend, rüttelnd. Gut, dass ich weiterhin neue Wörter kennenlerne, sogar aus Kindermund!

Quelle:
Ivan und Johannes Hampel: „Was sich die Radfahrer von morgen wünschen.“ In: RadZeit. Zeitschrift für Alltags- und Freizeitradfahrer. Heft 5/2010, S. 14

Suchwort :“humpelig“ hat folgende Bedeutung in deutschen Nachschlagewerk

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Ist der Staat oder die Familie die Keimzelle der Gesellschaft?

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Sep 282010
 

Lauscht man den Zänkereien und dem Gezeter um die Neuberechnung der Hartz-IV-Sätze, so fragt man sich, ob der Staat letztlich allein dafür verantwortlich sein soll, jedem Menschen ein größtmögliches Lebensglück zu verschaffen. Es wird der Anschein erweckt, der Staat stünde in der Pflicht, jedem Menschen durch finanzielle Zuwendung das Klima der Geborgenheit, der Liebe, der Wärme und der Fürsorge zu gewähren.

Zahlt der Staat nicht soviel, wie die Polit-Schickeria sich das vorstellt, wird sofort der Peitschenknall der „Sozialen Kälte“ losgelassen.

Dieser Eindruck entsteht bei zahlreichen Diskussionen und bei der Lektüre von Zeitungsartikeln.

Etwa 1 Million Kinder, also die Hälfte aller Kinder, die in Hartz-IV-Haushalten leben, wachsen bei Alleinerziehenden auf. Ministerin von der Leyen hat gestern bei Anne Will noch einmal auf diesen vielfach belegten Zusammmenhang zwischen Ein-Eltern-Familien und dauerhafter Arbeitslosigkeit hingewiesen.

Ich hege keinen Zweifel: Der Staat steht selbstverständlich in der Pflicht, allen Kindern bestmögliche Entwicklungschancen zu sichern, und muss vor allem den Alleinerziehenden unter die Arme greifen, wenn sie Hilfe brauchen.

Dennoch erschreckt mich so eine Zahl. Dass so viele Kinder mit nur einem Elternteil aufwachsen, halte ich für höchst beunruhigend.

Ich habe hunderte von Kindheitsgeschichten gehört und gelesen.

KEIN ERWACHSENER IN MEINEM BEKANNTENKREIS HAT JEMALS SEINEN ELTERN VORGEWORFEN, SIE SEIEN  ZU ARM GEWESEN.

Mir selbst fehlte es in der Kindheit manchmal an Verständnis, dass unsere Eltern uns nie die herrlich gezuckerte Capri-Sonne kauften, sondern immer irgendwelche selbstgemachten Früchtetees hinstellten. Wir hatten keinen Fernseher, keine Mickey-Mouse-Hefte, und ich musste in früher Kindheit oft die Sachen meines älteren Bruders übernehmen.

Heute weiß ich: Die Eltern mussten sparen. Die Hartz-IV-Kinder heute bekommen die süße Capri-Sonne, sie haben Fernsehen satt, aber es geht ihnen nicht besser als mir damals.

SEHR VIELE ERWACHSENE BEKLAGEN, DASS IHRE ELTERN ODER EIN ELTERNTEIL ZUWENIG ODER ÜBERHAUPT NICHT GREIFBAR WAREN.

Fast alle Vorwürfe, fast alle Bitterkeit gegenüber Eltern kommen heute daher, dass die Eltern zu wenig oder gar keine Zeit mit den Kindern verbrachten.

Der nicht vorhandene Vater, die abwesende Mutter sind die größten seelischen Belastungen für unsere heute aufwachsenden Kinder.

Stabile, feste Familien mit Vater und Mutter, in denen die Kinder sich geliebt und angenommen fühlen, sind hingegen nahezu unverwundbar. Diese Kinder sind lebenslang gefeit gegen Rückschläge, gegen die meisten seelischen Krankheiten, gegen Arbeitslosigkeit und Armut.

Wir müssen ein Interesse daran haben, dass Kinder in dauerhaften, stabilen Familien mit Vater und Mutter aufwachsen.  Diese emotionale Stabilität ist für die Kinder unendlich viel wichtiger als der Schutz vor materiellen Entbehrungen.

Das Sozialsystem sollte die sich davonstehlenden Väter viel stärker in die Pflicht nehmen.

Die Schulen müssen viel stärker auf das Eingehen starker, langjähriger Paarbeziehungen hinerziehen. Nicht nur Sexualerziehung sollte auf dem Stundenplan stehen, sondern ebenso sehr auch Familienerziehung, einschließlich der Teilfächer Kochen, Kleinkinderpflege und Hauswirtschaft. Sowohl Jungen als auch Mädchen  sollten von der Grundschule an auf haltbare Paarbeziehungen und lebenslange Verantwortungsgemeinschaften hin erzogen werden.

Gerade die türkischen Väter in Berlin, deren Ehen zerbrechen, stehen meist vollkommen hilflos da, wenn sie ein Leben mit Kindern, aber ohne Frau allein meistern müssen.

Da das deutsche Sozialsystem jedem Einzelnen unmittelbar einen Rechtsanspruch auf Unterstützung zuspricht, hat es fast naturgesetzlich eine auflösende, zersetzende Wirkung auf die Bindung zwischen den Generationen, auf  die Bindung zwischen den Ehegatten.

Jahrtausendelang waren es die Ehe und die Familie als Schicksals- und Notgemeinschaft, die dem Einzelnen soziale Sicherheit verschafften. In Familien wurde Vermögen angesammelt, geteilt und weitergegeben.

In der oftmals streitigen, oftmals heftigen Absetzung von den Eltern erlernten die Kinder, eigene Kräfte zu entfalten.

Die Familie ist auch heute noch die beste rahmensetzende Gewissheit, die es für das Aufwachsen von kleinen Kindern geben kann. Familien setzen Kinder in die Welt und sichern so die Versorgung der Alten.

Die meisten sozialen Probleme – etwa Sucht, Gewalt, Kriminalität, psychische Krankheit – haben ihren Ursprung in Störungen der Familie, nicht in der Gesellschaft überhaupt, nicht im Arbeitsplatz, nicht in der Arbeitslosigkeit.

Das deutsche Sozialsystem bedarf des Umbaus. Es muss so umgestaltet werden, dass Familien eher gestärkt, eher aneinander gebunden und nicht zersetzt werden.

Im jetzigen Zustand ist das System der sozialen Sicherheit mittelbar für zerbrechende Familien, für bedrohlich sinkende Geburtenraten und für die heute bereits absehbare Sprengung der Sozialkassen verantwortlich.

Ich bin der festen Überzeugung:

Nicht der Staat, sondern die Familie ist die Keimzelle der Gesellschaft. Das werden euch alle Sozialarbeiter, Lehrer, Psychiater, Jugendrichter, Psychologen und Polizisten sofort bestätigen!

Leider sehe ich in Deutschland keine politische Partei, die diese Überzeugung mit der nötigen Gewissheit und Überzeugung verträte. Schade, schade!

Ich werde aber weiter Rabatz schlagen und das Thema Familie auf die politische Agenda zu hieven versuchen – sowohl in diesem Blog wie auch in Gesprächen und Veranstaltungen.

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Sep 272010
 

Mulmige Gefühle beschleichen den Blogger im sozialen Brennpunkt, wenn er das Geklapper und Geschrei, das Zeter und Mordio der trutzig-ernsthaften Ritter von der lächerlichen Gestalt wegen 5 Euro Hartz-IV-Erhöhung hört.

„Sie lassen die Ärmsten der Armen am ausgestreckten Arm verhungern“, „eine Verhöhnung ist das!“, „die Woge der Empörung schwillt an“, „so ist menschenwürdiges Dasein nicht möglich!“

Eine Komödie der Empörung. Soll man lachen oder weinen?

Dazu bemüht man sich habituell, Bilder des Elends einzufangen – allein, die Bilder des Elends gibt es nicht. Das Elend wird hinzukommentiert von Menschen, die ein Zehnfaches des Hartz-IV-Satzes in der Tasche haben.

Ideal wäre es, man könnte in die Osttürkei, in die Palästinensergebiete, in den Libanon fahren, die Kamera draufhalten und sagen: „DAS ist Elend! DAS ist Armut! Das ist Hartz IV!“ Aber der Zuschauer würde den Trick merken.

Meine Kurden, meine Palästinenser, meine Libanesen um die Ecke hier in Kreuzberg leben prima und lachen uns Deutsche aus. „Diese dummen Deutschen – immer schön schuldbewusst.“

Der Deutsche ist halt schuldbewusst und liebt alte Bäume.

Mit diesen 5 Euro wird die Attraktivität des deutschen Sozialsystems noch einmal geringfügig erhöht. Es gibt noch einmal etwas weniger Anlass, sich daraus emporzuarbeiten.

 Posted by at 11:24
Sep 272010
 

Der Deutsche (inklusive des hier schreibenden Bloggers) liebt alte Bäume. Siehe die Verehrung für Wotans-Eichen in Niedersachsen, Tassilo-Linden in Wessobrunn, 150 uralte Bäume in Stuttgart und 30 uralte Bäume am Landwehrkanal in Kreuzberg.

Junge Kinder liebt der Deutsche schon weniger, siehe die ständigen Klagen wegen Kinder-„Lärms“ vor den deutschen Amtsgerichten.

So gibt es viele Baumschutziniativen, aber merkwürdigerweise keine Initiativen, die mehr Kinder in der Stadt und auf dem Land sehen wollen.

Und es gibt fast keine Klagen vor Amtsgerichten gegen alte Bäume und deren mitunter unerträglichen Schattenwurf und Pollenauswurf, gegen deren Brausen und Wehen, deren Ästeklappern und Laubrascheln.

Marsbewohner würden nach kurzem Aufenthalt auf der Erde denken:

Der Baum, also die Natur steht im Mittelpunkt der Politik.

Ohne die Verehrung für Schönheit und Reinheit der Natur ist weder der altgermanische Baumkult, weder die deutsche Jugendbewegung, weder der Wandervogel, die bündische Jugend noch all das sonstige Jungvolk des 20. Jahrhunderts erklärbar – bis hin zu den heutigen konfessionellen Atomkraftgegnern, denen die Reinheit und Unversehrtheit der Natur ebenfalls über vieles geht.

„Offenheit und Haltung“ – so der Spruch einer Kandidatin in Wien – die selbstverständlich an einen alten Baum gelehnt abgelichtet wird. Sympathisch, nett, offen, gewinnend.

Wer Bäume liebt, kann kein böser Mensch sein! Auch ich – mag alte Bäume.

Ein alter Baum auf einem Plakat – da lacht das Herz des Deutschen und des Österreichers auch. Und das Herz der Österreicherin auch.

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Sep 232010
 

Vor zwei Tagen blieb ich spätabends im Hotelzimmer bei Markus Lanz im ZDF hängen. Und siehe da – es war eine Sendung, die erstaunlich wenig auf Effekt und Polemik setzte. Zwischentöne herrschten vor. Diese Gesprächsrunde hat mir sehr gut gefallen!

Mit Rita Schlegel, der Schulleiterin aus Neukölln, kam eine Frau zu Wort, die vieles aussprach, was meine oder unsere eigenen Kreuzberger Grundschulerfahrungen widergab.

Wie funktioniert Integration? Hier empfehle ich, besonders auf die Erzählungen von Melda Akbas, Özlem Nas und Cem Özdemir zu lauschen. Wie haben sie es geschafft, sich in diesem ihrem Heimatland Deutschland umfassend zu „beheimaten“? Ihre Antworten kommen in einem überein: es waren die helfenden Hände der anderen, der Nachbarn, der Eltern, es war die Sorge anderer Menschen – und es war die eigene Anstrengung: die eigene Freude am Lernen, am Lesen und Entdecken. Es war in keinem Fall irgendeine professionelle Integrationshilfe oder eine staatliche geförderte Integrationsmaßnahme.

Diese drei fabelhaften Integrationsgeschichten von Özlem Nas, Melda Akbas und Cem Özdemir bestätigen mich in meinem Skeptizismus gegenüber staatlich finanzierten Integrationsprogrammen und professionellen Helfersystemen.  Diese drei Geschichten spiegeln letztlich das sanfte Gesetz Adalbert Stifters wider, aus dem ich vor wenigen Tagen zitierte: die Fürsorge der Menschen füreinander, die kleinen und großen helfenden Gesten sind es, das Vertrauen der Menschen zueinander, das wechselseitige Sich-Öffnen – dies sind die Kräfte, die Integration ermöglichen.

Integration ist ähnlich wie die Betreuung und Erziehung des Kleinkindes eine Leistung der einzelnen Menschen  – nicht eine Leistung des Staates. Integration steht und fällt ebenso wie die Erziehung des Kleinkindes mit einer bestimmten Qualität der Beziehung zwischen den Menschen.

Selbst die Rede von der „Integration als gesamtgesellschaftlicher Aufgabe“ ist mir zu vage, zu unvollständig. Nicht „die Gesellschaft“ ist es, sondern es sind „die Menschen“ im Für- und im Miteinander, im oftmals harten Ringen um Kenntnisse, um Fähigkeiten, ja auch um den Broterwerb, die einen Weg in eine neue Gesellschaft ebnen.

Das größte Hindernis für Integration der Ausländer ist das Sich-Abschließen der Neusiedler und der Altsiedler, die Hartherzigkeit der Eingesessenen, die Gleichgültigkeit und Verstocktheit beider Gruppen gegenüber dem Nächsten, das stoische Nebeneinanderherleben. Es ist nicht das, was man fälschlich „strukturelle Diskriminierung“ oder „Alltagsrassismus“ nennt.

Eins der größten Hindernisse der Integration ist auch das Vertrauen in die Allheilkräfte des Staates, das blinde Vertrauen in die Sozialhilfe und das Sozialsystem, in Systeme überhaupt. In Wien wird jetzt wieder einmal das „Umkrempeln des Bildungssystems“ als Remedur gefordert. Siehe das Plakat mit der Kandidatin Maria Vassilakou. Maria, hilf durch Systemwandel!

Das heutige Sozialsystem der Bundesrepublik Deutschland ist – ebenso übrigens wie eine besonders strenge Form des Islam – eher geeignet, echte Integration zu verhindern. Es verwöhnt, passiviert und lähmt die Eigenverantwortung. Es fordert zum Missbrauch auf.

Die große Kraft der Herkunftsreligionen Judentum, Christentum und Islam mag diese freudigen Geschichten, wie sie Melda Akbas, Özlem Nas und Cem Özdemir erzählten, im Einzelfall zusätzlich stützen und fördern.

Diese drei Religionen predigen die tätige Zuwendung zum Nächsten, sie fordern stets erneut, das enge Herkunftsdenken aufzugeben und sein Vertrauen in den anderen zu setzen.

Sie fordern das weiche Herz, das hörende Herz.

Markus Lanz vom 21. September 2010 – Markus Lanz – ZDFmediathek – ZDF Mediathek

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„Dieses Land ist meine Heimat“

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Sep 232010
 

Als Gastbeitrag bringen wir heute eine Rede, die Ertan Taskiran am 01.09.2010 beim Iftar-Empfang der Berliner CDU gehalten hat. Ich danke meinem Parteifreund Ertan, dass er mir die Erlaubnis gegeben hat, diese Rede unverändert in mein Blog zu stellen. Sie gefällt mir. Lest sie selbst, lasst sie euch durch den Kopf gehen:

Sehr geehrter Herr Bundesminister, Exzellenzen,

Sehr geehrte Damen und Herren, 

liebe Freunde,

ich freue mich, Sie heute Abend zum traditionellen Iftar-Empfang der CDU-Fraktion begrüßen zu dürfen!

Ganz besonders möchte ich den Bundesminister für Inneres, Herrn Dr. Thomas de Maiziere begrüßen.

Ich möchte der CDU Fraktion, insbesondere Herrn Frank Henkel und Kurt Wansner danken, dass Sie es uns seit Jahren ermöglichen, im Rahmen des Fastenmonats Ramadan zusammenzukommen!

Ich freue mich besonders diese für uns Muslime so wichtige Zeit des Jahres dazu nutzen, zusammenzukommen.

Wir alle gemeinsam stehen vor der Aufgabe, muslimisches Leben in unserem Land als Teil des deutschen Alltags zu gestalten. Das zeigt sich unter anderem daran, welche Feste Menschen in Deutschland feiern. Für viele muslimische Familien hierzulande ist der Fastenmonat Ramadan ein Höhepunkt des Jahres. Dazu gehört die schöne Tradition der gemeinsamen Mahlzeiten in den Abendstunden, zu denen auch ihre nichtmuslimischen Freunde und Nachbarn einladen.

Meine Damen und Herren, wenn wir uns die Frage stellen: Was sind die großen Themen Deutschlands in den nächsten Jahren?  Wo liegen die dringlichsten Herausforderungen? Welche Veränderungen stehen uns bevor? Dann bin ich mir sicher, dass viele der hier Anwesenden die kulturelle Zusammensetzung unserer Gesellschaft als großen Herausforderung ansehen. Aufgrund der demografischen Entwicklung steigt der Anteil der Menschen mit Migrationshintergrund stetig an.

Diese Entwicklung ist offensichtlich in den Geburtenstationen von Krankenhäusern, in Kindergärten und Schulen, in den Betrieben sowie auf dem Fußballplatz, insbesondere auch bei der deutschen Nationalmannschaft. Überall spüren wir immer deutlicher die kulturelle Diversität unseres Landes.

Deutschland steht vor einem grundlegenden Perspektivwechsel bei der Integration der Zuwanderer. Continue reading »

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Sep 232010
 

Wolf und Lamm sollen weiden zugleich“, dieser Vers Jesaias in der Übersetzung Martin Luthers kommt mir manchmal in den Sinn, wenn ich nahezu täglich die Streitereien zwischen Autofahrern und Radfahrern miterlebe. 

Wölfe und Lämmer, Fahrräder und Autos sollen sich einen gemeinsamen Raum teilen. Sie wollen weiden zugleich. Bosheiten werden gar nicht erst zugelassen. Wenn alle sich an die  Verkehrsregeln hielten, wozu insbesondere ständige Rücksicht, stete Vorsicht, witternde Achtsamkeit und sorgfältige Einhaltung der Straßenverkehrsordnung (StVO) und der Straßenverkehrszulassungsordnung (StVZO) gehören, gäbe es nicht all das Zanken und Zerren, das Zoffen und Zurren, das Geplärre und Getrommle. 

Das Murren und Grummeln in den Kommentarspalten des folgenden Artikels ist höchst lehrreich:

Verkehr: Gericht schützt Kampfradler – Welt – Tagesspiegel

 Posted by at 15:54