Sep 302010
 

Mobbing gegen die bekannten winzigen Minderheiten an Kreuzbergs Grundschulen ist leider ein heißes Thema. Ich kenne viele derartige Geschichten, die mir Schüler und Lehrer glaubwürdig und direkt erzählt haben, werde aber aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes in diesem Blog keine Einzelheiten nennen.

Aber es ist unserer Erfahrung nach ein chronisches, ein riesiges Problem, das allerhöchste Aufmerksamkeit verdient.

Schule: Lehrer beklagen Mobbing gegen deutsche Kinder – Schule – Berlin – Tagesspiegel

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Sep 302010
 

Oft wird zur Behebung sprachlicher Defizite eine Kita-Pflicht für Vorschulkinder gefordert. (Ich selbst forderte sie sogar einmal für Politiker – zur Erlernung einer gepflegten Streitkultur.)

Dabei besuchen Berlins Kinder bereits jetzt zu etwa 93% die Kita mindestens 1 Jahr vor der Grundschule. Soeben wies auch in der BVV Friedrichshain-Kreuzberg die Bildungsstadträtin Monika Herrmann darauf hin, dass die Kinder vor der Einschulung in aller Regel sehr viele Stunden in der Kita verbingen.

Eventuelle sprachliche oder sonstige Benachteiligungen lassen sich also nicht durch die Einführung der Kitapflicht beheben. Da müsste man schon genauer schauen und fragen: Warum schaffen wir es in den Kitas nicht, alle Kinder zur echten Schulreife zu bringen? Was läuft falsch?

Ich selbst wagte mich mutig heute zum allerersten Mal ans Friedrichshain-Kreuzberger BVV-Mikrophon! Ich lauschte einigen Experten bei einer Veranstaltung zum Thema „Eltern als Teil der Schulgemeinschaft„. Ich hob in einer kurzen Wortmeldung hervor, dass die Kommunikation zwischen Familie und Schule vielfach gestört oder unterbrochen sei und fuhr fort:

„Die Familien sind das erste, das bestimmende Umfeld der Erfahrung der Kinder. Die Familie legt das Fundament für den gesamten Bildungsgang des Kindes. Die Schule tritt später hinzu. Weit entfernt davon, ein schwaches Subsystem der Gesellschaft zu sein, prägt die Familie das gesamte Erfahrungsfeld der Kinder in den ersten Lebensjahren.

Viele Lehrer berichten mir, sie müssten die Defizite ausbügeln, mit denen die Kinder in die Schule kämen. Das sei weitgehend eine Überforderung.

Das System Schule und das System Familie sprechen oft nicht zueinander. Sie passen irgendwie nicht zusammen. Selbst ich als Vater habe oft Mühe zu begreifen, was in der Schule geschieht. (Zustimmendes Gelächter der Anwesenden).

Wir sollten nicht die kulturellen Unterschiede zwischen Kindern zu sehr betonen. Im Grunde werden alle Kinder mit sehr ähnlichen Grundbedürfnissen geboren: Sie brauchen Liebe. Sie müssen sich angenommen fühlen, wollen Wertschätzung und Aufmerksamkeit.

Ebenso wichtig für das Wachsen ist das Regelsetzen. Kinder müssen sich freikämpfen, müssen Freiheit erlernen, müssen sich ändern können, aber sie brauchen auch feste Grenzen.

Für diese Grunderfahrungen sind die Familien verantwortlich. Wenn sie dieses Aus- und Abwägen der unbedingten Liebe und der festen Grenzsetzung nicht hinbekommen, werden es die Schulen sehr schwer haben, dies auszugleichen.

Deshalb sollten wir Familien stärken, aber auch stärker in die Pflicht nehmen. Insbesondere die Väter sollten sich nicht so einfach aus dem Staub machen. Hier haben wir das Recht, die stärkere Beteiligung vor allem der Väter einzufordern.“

In der Diskussion der Flüstergruppen wandte ein Lehrer  mir ein: „Das stimmt zwar, was Sie sagen, aber wir dürfen als Schule nicht belehrend von oben herab wirken. Da müssen wir aufpassen.“

Nun, ich meine allerdings: Die Schule wirkt in jedem Falle belehrend. So lehrt sie etwa die Rechtschreibung von oben herab. Schule soll und muss sogar normensetzend auf Kinder einwirken! So verlangt die Schule die vielbeschworene Toleranz gegenüber anderen Religionen und Nationen von den Kindern – von oben herab. Sie verlangt, dass man Regeln einhält, dass man etwa kein Altöl ins Grundwasser schütten darf.

Ich meine, dass die Schule oder die Gesellschaft überhaupt sehr wohl fordernd und belehrend auf die Schüler und die Eltern einwirken soll. Gerade dann, wenn es entscheidend um das Gedeihen der Kinder geht. Man verlangt, dass die Kinder die Zähne putzen. So kann man auch verlangen, dass die Kinder nicht zu viel Süßes essen und nicht so viel vor dem Fernseher hocken, sondern stattdessen wandern, schwimmen, kochen, singen und radfahren.

Vor allem kann und darf die Gesellschaft und die Schule von den Vätern verlangen, dass sie ihren Pflichten gegenüber den Kindern nachkommen und sich nicht aus dem Staub machen.

Ich bin überzeugt, dass die Kinder vom ersten Tag an die liebende Zuwendung, die Anwesenheit der Eltern brauchen, und dass die Gesellschaft dies auch von den Eltern einfordern darf.

Die heutige Veranstaltung „Eltern als Teil der Schulgemeinschaft“ brachte viele wertvolle Anregungen. Sie sollte als Auftakt, als Ansporn zu Taten dienen!

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Kreuzberger Kindermund erweitert deinen Wortschatz

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Sep 292010
 

Die Radwege sind manchmal so humpelig„, so wird ein Kreuzberger Grundschüler mit russischem Migrationshintergrund auf Seite 14 in der aktuellen RadZeit des Berliner ADFC zitiert.

Das Wort humpelig kannte ich nicht wirklich, obgleich ich es verstand. Eine kurze Internetrecherche  ergab soeben: Das Wort humpelig existiert. Es ist gut bezeugt. Es bedeutet uneben, schleppend, rüttelnd. Gut, dass ich weiterhin neue Wörter kennenlerne, sogar aus Kindermund!

Quelle:
Ivan und Johannes Hampel: „Was sich die Radfahrer von morgen wünschen.“ In: RadZeit. Zeitschrift für Alltags- und Freizeitradfahrer. Heft 5/2010, S. 14

Suchwort :“humpelig“ hat folgende Bedeutung in deutschen Nachschlagewerk

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Ist der Staat oder die Familie die Keimzelle der Gesellschaft?

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Sep 282010
 

Lauscht man den Zänkereien und dem Gezeter um die Neuberechnung der Hartz-IV-Sätze, so fragt man sich, ob der Staat letztlich allein dafür verantwortlich sein soll, jedem Menschen ein größtmögliches Lebensglück zu verschaffen. Es wird der Anschein erweckt, der Staat stünde in der Pflicht, jedem Menschen durch finanzielle Zuwendung das Klima der Geborgenheit, der Liebe, der Wärme und der Fürsorge zu gewähren.

Zahlt der Staat nicht soviel, wie die Polit-Schickeria sich das vorstellt, wird sofort der Peitschenknall der „Sozialen Kälte“ losgelassen.

Dieser Eindruck entsteht bei zahlreichen Diskussionen und bei der Lektüre von Zeitungsartikeln.

Etwa 1 Million Kinder, also die Hälfte aller Kinder, die in Hartz-IV-Haushalten leben, wachsen bei Alleinerziehenden auf. Ministerin von der Leyen hat gestern bei Anne Will noch einmal auf diesen vielfach belegten Zusammmenhang zwischen Ein-Eltern-Familien und dauerhafter Arbeitslosigkeit hingewiesen.

Ich hege keinen Zweifel: Der Staat steht selbstverständlich in der Pflicht, allen Kindern bestmögliche Entwicklungschancen zu sichern, und muss vor allem den Alleinerziehenden unter die Arme greifen, wenn sie Hilfe brauchen.

Dennoch erschreckt mich so eine Zahl. Dass so viele Kinder mit nur einem Elternteil aufwachsen, halte ich für höchst beunruhigend.

Ich habe hunderte von Kindheitsgeschichten gehört und gelesen.

KEIN ERWACHSENER IN MEINEM BEKANNTENKREIS HAT JEMALS SEINEN ELTERN VORGEWORFEN, SIE SEIEN  ZU ARM GEWESEN.

Mir selbst fehlte es in der Kindheit manchmal an Verständnis, dass unsere Eltern uns nie die herrlich gezuckerte Capri-Sonne kauften, sondern immer irgendwelche selbstgemachten Früchtetees hinstellten. Wir hatten keinen Fernseher, keine Mickey-Mouse-Hefte, und ich musste in früher Kindheit oft die Sachen meines älteren Bruders übernehmen.

Heute weiß ich: Die Eltern mussten sparen. Die Hartz-IV-Kinder heute bekommen die süße Capri-Sonne, sie haben Fernsehen satt, aber es geht ihnen nicht besser als mir damals.

SEHR VIELE ERWACHSENE BEKLAGEN, DASS IHRE ELTERN ODER EIN ELTERNTEIL ZUWENIG ODER ÜBERHAUPT NICHT GREIFBAR WAREN.

Fast alle Vorwürfe, fast alle Bitterkeit gegenüber Eltern kommen heute daher, dass die Eltern zu wenig oder gar keine Zeit mit den Kindern verbrachten.

Der nicht vorhandene Vater, die abwesende Mutter sind die größten seelischen Belastungen für unsere heute aufwachsenden Kinder.

Stabile, feste Familien mit Vater und Mutter, in denen die Kinder sich geliebt und angenommen fühlen, sind hingegen nahezu unverwundbar. Diese Kinder sind lebenslang gefeit gegen Rückschläge, gegen die meisten seelischen Krankheiten, gegen Arbeitslosigkeit und Armut.

Wir müssen ein Interesse daran haben, dass Kinder in dauerhaften, stabilen Familien mit Vater und Mutter aufwachsen.  Diese emotionale Stabilität ist für die Kinder unendlich viel wichtiger als der Schutz vor materiellen Entbehrungen.

Das Sozialsystem sollte die sich davonstehlenden Väter viel stärker in die Pflicht nehmen.

Die Schulen müssen viel stärker auf das Eingehen starker, langjähriger Paarbeziehungen hinerziehen. Nicht nur Sexualerziehung sollte auf dem Stundenplan stehen, sondern ebenso sehr auch Familienerziehung, einschließlich der Teilfächer Kochen, Kleinkinderpflege und Hauswirtschaft. Sowohl Jungen als auch Mädchen  sollten von der Grundschule an auf haltbare Paarbeziehungen und lebenslange Verantwortungsgemeinschaften hin erzogen werden.

Gerade die türkischen Väter in Berlin, deren Ehen zerbrechen, stehen meist vollkommen hilflos da, wenn sie ein Leben mit Kindern, aber ohne Frau allein meistern müssen.

Da das deutsche Sozialsystem jedem Einzelnen unmittelbar einen Rechtsanspruch auf Unterstützung zuspricht, hat es fast naturgesetzlich eine auflösende, zersetzende Wirkung auf die Bindung zwischen den Generationen, auf  die Bindung zwischen den Ehegatten.

Jahrtausendelang waren es die Ehe und die Familie als Schicksals- und Notgemeinschaft, die dem Einzelnen soziale Sicherheit verschafften. In Familien wurde Vermögen angesammelt, geteilt und weitergegeben.

In der oftmals streitigen, oftmals heftigen Absetzung von den Eltern erlernten die Kinder, eigene Kräfte zu entfalten.

Die Familie ist auch heute noch die beste rahmensetzende Gewissheit, die es für das Aufwachsen von kleinen Kindern geben kann. Familien setzen Kinder in die Welt und sichern so die Versorgung der Alten.

Die meisten sozialen Probleme – etwa Sucht, Gewalt, Kriminalität, psychische Krankheit – haben ihren Ursprung in Störungen der Familie, nicht in der Gesellschaft überhaupt, nicht im Arbeitsplatz, nicht in der Arbeitslosigkeit.

Das deutsche Sozialsystem bedarf des Umbaus. Es muss so umgestaltet werden, dass Familien eher gestärkt, eher aneinander gebunden und nicht zersetzt werden.

Im jetzigen Zustand ist das System der sozialen Sicherheit mittelbar für zerbrechende Familien, für bedrohlich sinkende Geburtenraten und für die heute bereits absehbare Sprengung der Sozialkassen verantwortlich.

Ich bin der festen Überzeugung:

Nicht der Staat, sondern die Familie ist die Keimzelle der Gesellschaft. Das werden euch alle Sozialarbeiter, Lehrer, Psychiater, Jugendrichter, Psychologen und Polizisten sofort bestätigen!

Leider sehe ich in Deutschland keine politische Partei, die diese Überzeugung mit der nötigen Gewissheit und Überzeugung verträte. Schade, schade!

Ich werde aber weiter Rabatz schlagen und das Thema Familie auf die politische Agenda zu hieven versuchen – sowohl in diesem Blog wie auch in Gesprächen und Veranstaltungen.

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Sep 272010
 

Mulmige Gefühle beschleichen den Blogger im sozialen Brennpunkt, wenn er das Geklapper und Geschrei, das Zeter und Mordio der trutzig-ernsthaften Ritter von der lächerlichen Gestalt wegen 5 Euro Hartz-IV-Erhöhung hört.

„Sie lassen die Ärmsten der Armen am ausgestreckten Arm verhungern“, „eine Verhöhnung ist das!“, „die Woge der Empörung schwillt an“, „so ist menschenwürdiges Dasein nicht möglich!“

Eine Komödie der Empörung. Soll man lachen oder weinen?

Dazu bemüht man sich habituell, Bilder des Elends einzufangen – allein, die Bilder des Elends gibt es nicht. Das Elend wird hinzukommentiert von Menschen, die ein Zehnfaches des Hartz-IV-Satzes in der Tasche haben.

Ideal wäre es, man könnte in die Osttürkei, in die Palästinensergebiete, in den Libanon fahren, die Kamera draufhalten und sagen: „DAS ist Elend! DAS ist Armut! Das ist Hartz IV!“ Aber der Zuschauer würde den Trick merken.

Meine Kurden, meine Palästinenser, meine Libanesen um die Ecke hier in Kreuzberg leben prima und lachen uns Deutsche aus. „Diese dummen Deutschen – immer schön schuldbewusst.“

Der Deutsche ist halt schuldbewusst und liebt alte Bäume.

Mit diesen 5 Euro wird die Attraktivität des deutschen Sozialsystems noch einmal geringfügig erhöht. Es gibt noch einmal etwas weniger Anlass, sich daraus emporzuarbeiten.

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Sep 272010
 

Der Deutsche (inklusive des hier schreibenden Bloggers) liebt alte Bäume. Siehe die Verehrung für Wotans-Eichen in Niedersachsen, Tassilo-Linden in Wessobrunn, 150 uralte Bäume in Stuttgart und 30 uralte Bäume am Landwehrkanal in Kreuzberg.

Junge Kinder liebt der Deutsche schon weniger, siehe die ständigen Klagen wegen Kinder-„Lärms“ vor den deutschen Amtsgerichten.

So gibt es viele Baumschutziniativen, aber merkwürdigerweise keine Initiativen, die mehr Kinder in der Stadt und auf dem Land sehen wollen.

Und es gibt fast keine Klagen vor Amtsgerichten gegen alte Bäume und deren mitunter unerträglichen Schattenwurf und Pollenauswurf, gegen deren Brausen und Wehen, deren Ästeklappern und Laubrascheln.

Marsbewohner würden nach kurzem Aufenthalt auf der Erde denken:

Der Baum, also die Natur steht im Mittelpunkt der Politik.

Ohne die Verehrung für Schönheit und Reinheit der Natur ist weder der altgermanische Baumkult, weder die deutsche Jugendbewegung, weder der Wandervogel, die bündische Jugend noch all das sonstige Jungvolk des 20. Jahrhunderts erklärbar – bis hin zu den heutigen konfessionellen Atomkraftgegnern, denen die Reinheit und Unversehrtheit der Natur ebenfalls über vieles geht.

„Offenheit und Haltung“ – so der Spruch einer Kandidatin in Wien – die selbstverständlich an einen alten Baum gelehnt abgelichtet wird. Sympathisch, nett, offen, gewinnend.

Wer Bäume liebt, kann kein böser Mensch sein! Auch ich – mag alte Bäume.

Ein alter Baum auf einem Plakat – da lacht das Herz des Deutschen und des Österreichers auch. Und das Herz der Österreicherin auch.

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Sep 232010
 

Vor zwei Tagen blieb ich spätabends im Hotelzimmer bei Markus Lanz im ZDF hängen. Und siehe da – es war eine Sendung, die erstaunlich wenig auf Effekt und Polemik setzte. Zwischentöne herrschten vor. Diese Gesprächsrunde hat mir sehr gut gefallen!

Mit Rita Schlegel, der Schulleiterin aus Neukölln, kam eine Frau zu Wort, die vieles aussprach, was meine oder unsere eigenen Kreuzberger Grundschulerfahrungen widergab.

Wie funktioniert Integration? Hier empfehle ich, besonders auf die Erzählungen von Melda Akbas, Özlem Nas und Cem Özdemir zu lauschen. Wie haben sie es geschafft, sich in diesem ihrem Heimatland Deutschland umfassend zu „beheimaten“? Ihre Antworten kommen in einem überein: es waren die helfenden Hände der anderen, der Nachbarn, der Eltern, es war die Sorge anderer Menschen – und es war die eigene Anstrengung: die eigene Freude am Lernen, am Lesen und Entdecken. Es war in keinem Fall irgendeine professionelle Integrationshilfe oder eine staatliche geförderte Integrationsmaßnahme.

Diese drei fabelhaften Integrationsgeschichten von Özlem Nas, Melda Akbas und Cem Özdemir bestätigen mich in meinem Skeptizismus gegenüber staatlich finanzierten Integrationsprogrammen und professionellen Helfersystemen.  Diese drei Geschichten spiegeln letztlich das sanfte Gesetz Adalbert Stifters wider, aus dem ich vor wenigen Tagen zitierte: die Fürsorge der Menschen füreinander, die kleinen und großen helfenden Gesten sind es, das Vertrauen der Menschen zueinander, das wechselseitige Sich-Öffnen – dies sind die Kräfte, die Integration ermöglichen.

Integration ist ähnlich wie die Betreuung und Erziehung des Kleinkindes eine Leistung der einzelnen Menschen  – nicht eine Leistung des Staates. Integration steht und fällt ebenso wie die Erziehung des Kleinkindes mit einer bestimmten Qualität der Beziehung zwischen den Menschen.

Selbst die Rede von der „Integration als gesamtgesellschaftlicher Aufgabe“ ist mir zu vage, zu unvollständig. Nicht „die Gesellschaft“ ist es, sondern es sind „die Menschen“ im Für- und im Miteinander, im oftmals harten Ringen um Kenntnisse, um Fähigkeiten, ja auch um den Broterwerb, die einen Weg in eine neue Gesellschaft ebnen.

Das größte Hindernis für Integration der Ausländer ist das Sich-Abschließen der Neusiedler und der Altsiedler, die Hartherzigkeit der Eingesessenen, die Gleichgültigkeit und Verstocktheit beider Gruppen gegenüber dem Nächsten, das stoische Nebeneinanderherleben. Es ist nicht das, was man fälschlich „strukturelle Diskriminierung“ oder „Alltagsrassismus“ nennt.

Eins der größten Hindernisse der Integration ist auch das Vertrauen in die Allheilkräfte des Staates, das blinde Vertrauen in die Sozialhilfe und das Sozialsystem, in Systeme überhaupt. In Wien wird jetzt wieder einmal das „Umkrempeln des Bildungssystems“ als Remedur gefordert. Siehe das Plakat mit der Kandidatin Maria Vassilakou. Maria, hilf durch Systemwandel!

Das heutige Sozialsystem der Bundesrepublik Deutschland ist – ebenso übrigens wie eine besonders strenge Form des Islam – eher geeignet, echte Integration zu verhindern. Es verwöhnt, passiviert und lähmt die Eigenverantwortung. Es fordert zum Missbrauch auf.

Die große Kraft der Herkunftsreligionen Judentum, Christentum und Islam mag diese freudigen Geschichten, wie sie Melda Akbas, Özlem Nas und Cem Özdemir erzählten, im Einzelfall zusätzlich stützen und fördern.

Diese drei Religionen predigen die tätige Zuwendung zum Nächsten, sie fordern stets erneut, das enge Herkunftsdenken aufzugeben und sein Vertrauen in den anderen zu setzen.

Sie fordern das weiche Herz, das hörende Herz.

Markus Lanz vom 21. September 2010 – Markus Lanz – ZDFmediathek – ZDF Mediathek

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„Dieses Land ist meine Heimat“

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Sep 232010
 

Als Gastbeitrag bringen wir heute eine Rede, die Ertan Taskiran am 01.09.2010 beim Iftar-Empfang der Berliner CDU gehalten hat. Ich danke meinem Parteifreund Ertan, dass er mir die Erlaubnis gegeben hat, diese Rede unverändert in mein Blog zu stellen. Sie gefällt mir. Lest sie selbst, lasst sie euch durch den Kopf gehen:

Sehr geehrter Herr Bundesminister, Exzellenzen,

Sehr geehrte Damen und Herren, 

liebe Freunde,

ich freue mich, Sie heute Abend zum traditionellen Iftar-Empfang der CDU-Fraktion begrüßen zu dürfen!

Ganz besonders möchte ich den Bundesminister für Inneres, Herrn Dr. Thomas de Maiziere begrüßen.

Ich möchte der CDU Fraktion, insbesondere Herrn Frank Henkel und Kurt Wansner danken, dass Sie es uns seit Jahren ermöglichen, im Rahmen des Fastenmonats Ramadan zusammenzukommen!

Ich freue mich besonders diese für uns Muslime so wichtige Zeit des Jahres dazu nutzen, zusammenzukommen.

Wir alle gemeinsam stehen vor der Aufgabe, muslimisches Leben in unserem Land als Teil des deutschen Alltags zu gestalten. Das zeigt sich unter anderem daran, welche Feste Menschen in Deutschland feiern. Für viele muslimische Familien hierzulande ist der Fastenmonat Ramadan ein Höhepunkt des Jahres. Dazu gehört die schöne Tradition der gemeinsamen Mahlzeiten in den Abendstunden, zu denen auch ihre nichtmuslimischen Freunde und Nachbarn einladen.

Meine Damen und Herren, wenn wir uns die Frage stellen: Was sind die großen Themen Deutschlands in den nächsten Jahren?  Wo liegen die dringlichsten Herausforderungen? Welche Veränderungen stehen uns bevor? Dann bin ich mir sicher, dass viele der hier Anwesenden die kulturelle Zusammensetzung unserer Gesellschaft als großen Herausforderung ansehen. Aufgrund der demografischen Entwicklung steigt der Anteil der Menschen mit Migrationshintergrund stetig an.

Diese Entwicklung ist offensichtlich in den Geburtenstationen von Krankenhäusern, in Kindergärten und Schulen, in den Betrieben sowie auf dem Fußballplatz, insbesondere auch bei der deutschen Nationalmannschaft. Überall spüren wir immer deutlicher die kulturelle Diversität unseres Landes.

Deutschland steht vor einem grundlegenden Perspektivwechsel bei der Integration der Zuwanderer. Continue reading »

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Sep 232010
 

Wolf und Lamm sollen weiden zugleich“, dieser Vers Jesaias in der Übersetzung Martin Luthers kommt mir manchmal in den Sinn, wenn ich nahezu täglich die Streitereien zwischen Autofahrern und Radfahrern miterlebe. 

Wölfe und Lämmer, Fahrräder und Autos sollen sich einen gemeinsamen Raum teilen. Sie wollen weiden zugleich. Bosheiten werden gar nicht erst zugelassen. Wenn alle sich an die  Verkehrsregeln hielten, wozu insbesondere ständige Rücksicht, stete Vorsicht, witternde Achtsamkeit und sorgfältige Einhaltung der Straßenverkehrsordnung (StVO) und der Straßenverkehrszulassungsordnung (StVZO) gehören, gäbe es nicht all das Zanken und Zerren, das Zoffen und Zurren, das Geplärre und Getrommle. 

Das Murren und Grummeln in den Kommentarspalten des folgenden Artikels ist höchst lehrreich:

Verkehr: Gericht schützt Kampfradler – Welt – Tagesspiegel

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Sep 212010
 

Das “Andere” will niemand hören, weil gähnend langweilig.“ Man lässt sich wohlige Unterweltsschauer über den Rücken rieseln.

So schrieb es vor wenigen Tagen, am 16.09., Monika Herrmann in einem Kommentar dieses Blogs. Leider muss ich diesem Befund zustimmen. Es herrscht in Öffentlichkeit, Medien und Politik ein opportunistischer Empörungsreflex vor: Alles, was Empörung, Abgrenzung, Ausgrenzung fördert, kann auf hohe Aufmerksamkeit rechen. Die Wogen der Erregung schwappen für ein paar Tage hoch, dann ebben sie ab.

Von diesem „Sich-Hochschaukeln“ leben das Fernsehen, die Massenmedien überhaupt und auch die Politiker, die ja auf kaum etwas so sehr angewiesen sind wie auf Beachtung.

Das sanfte Gesetz der kleinen Gesten, die helfende Hand, das Leuchten in den Augen auch nur eines Kindes … verweht, vergeht, bleibt eine unbeachtliche Randnote.

Wir werden jedoch weiterhin auf genau diese kleinen, diese unmerkbaren Ereignisse achten. Ein Wassertropfen  kann ebenso bedeutend sein wie eine Sturzflut. Ein einziges Lied, das ein Kind in Kreuzberg singt und summt, ist wichtiger, erhebender, weltbewegender als ein multimedial ausgefochtener Eurovisionswettbewerb.

Wir wollen auf das Andere hören. Dieses sanfte Gesetz hat eine verwandelnde Kraft.

Dieses sanfte Gesetz wirkt überall, wo Migranten neben Migranten wohnen, „es liegt in der Liebe der Ehegatten zueinander, in der Liebe der Eltern zu den Kindern, in der Liebe der Geschwister, der Freunde zueinander, in der süßen Neigung der Geschlechter, in der Arbeitsamkeit, wodurch wir erhalten werden, in der Tätigkeit, wodurch man für seinen Kreis, für die Ferne, für die Menschheit wirkt“.

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Behindern fehlende Gelder Chancen für Kinder an deutschen Schulen?

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Sep 182010
 

Na, Donnerwetter – unsere Enzyklopädie der Integrations-Missverständnisse (oder des plus grosses bêtises) wächst und wächst! Oftmals herrscht der Glaube vor, man müsse nur genug Geld für Projekte in die Hand nehmen, man müsse Pöstchen und Posten schaffen, damit die Integration ins Rollen komme. Wie sagt es Gretchen im Faust:

Am Gelde hängt, zum Gelde drängt doch alles!

Hier nur einer der zahlreichen Belege dafür:

ARD Mediathek: Kontraste – Integration ungewollt – fehlende Gelder behindern Chancen für Kinder an deutschen Schulen – Donnerstag, 16.09.2010 | Das Erste

Schaut man sich den Film an, wird dieser Titel durch nichts, aber auch gar nichts bestätigt. Man sieht und hört eine Lehrerin, die von den „leuchtenden Augen“ ihrer Kinder spricht, von der fragenden Verblüffung ihrer Kinder. Von Geld ist nicht die Rede.

Die Rede ist von den Herkunftssprachen der Kinder, von dem, was sie ausmacht.

Die Kinder erfahren: Ich kann etwas, ich habe eine Geschichte, ich werde ernst genommen. Von Geld ist nicht die Rede.

Die Lehrerin bringt den Kindern höchste Achtung, höchste Wertschätzung entgegen.  Von Geld ist nicht die Rede. Sehr viel aber von Beziehungsqualitäten. Und die scheinen zu stimmen. Von Geld ist nicht die Rede.

Mit Geld ist nicht alles machbar. Mit der Kraft des Herzens aber sehr viel.

Damit soll nicht geleugnet werden, dass es auch viele strukturelle Probleme, die Integration erschweren, gibt. Darunter an erster Stelle das deutsche zu Trägheit und Betrug einladende Sozialrecht, dann kulturelle Barrieren, und die Natur des Menschen, welcher zur Trägheit neigt.

Aber diese strukturellen Probleme sind nicht finanzieller Art. Ich halte dies für einen der größten Irrtümer, den die Debatte begehen kann. Es liegt nicht am Geld. Und wenn es am Geld liegt, dann daran, dass zu viel Geld in die Hand genommen wird.

Es gilt vor allem an den Beziehungen zu arbeiten. Man muss das Leuchten entdecken wollen.

Ich habe dieses Leuchten oft gesehen. Zum Beispiel bei den Kindern in der Schule, wenn wir Mozarts Zauberflöte hörten und spielten.

Zum Beispiel vorgestern, als ich zusammen mit einem Azubi – nennen wir ihn Ahmed – den Radweg in der Obentrautstraße fegte. Wir waren der Meinung, dass wir das jetzt gemeinsam machen mussten.

Die Glasscherben lagen schon einige Tage da. Einer der vielen Auto-Unfälle. Wir haben nicht auf die BSR gewartet, sondern wir haben die Glasscherben gemeinsam zur Seite gekehrt. Unbezahlte Tätigkeit, Dauer: 3 Minuten.

Damit unsere Stadt zu leuchten anfange!

Ich bekenne mich gerne dazu: Ich wär so gern ein Straßenfeger.

 Posted by at 21:35

Lesen lernen!

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Sep 182010
 

Einige gute Beiträge heute in der FAZ! Herta Müller empfindet Scham, Schmerz und Mitgefühl für Oskar Pastior, mit dem sie die Atemschaukel schrieb und der jahrelang als Spitzel der Securitate geführt wurde. Ein Buchautor wirft seinen Kritikern vor, ihn nicht gelesen zu haben (S. 31). Jemand gibt unumwunden zu, das Buch nicht gelesen zu haben, über das sich die Nation aufregt (S. 3).

„Die Spitze kann nicht lesen“ – Die Debatte – Feuilleton – FAZ.NET

 Posted by at 17:24
Sep 162010
 

In all der Integrationsdebatte drohen wir zu ertrinken! Da lohnt es sich doch, ab und zu Luft zu schnappen und der Stimme einer Dichterin, Hannelies Taschau, zu lauschen.

Die Frage lautet hier: Wie lernt der Mensch? Wie erwirbt er neue Fertigkeiten? Durch behutsames Heranführen über Jahrzehnte hinweg, durch staatliche Programme? Drängender noch: Warum lernt der Mensch?  Weil er es will? Aufgrund von Erfahrungen, durch eine Art Praxis-Schock? Lest selbst, entscheidet selbst!

HANNELIES TASCHAU

Ich vermisse mich mehr

Im März 1945 – ich war sieben – entkam ich der
Obhut meiner Großmutter
Ich sprang in die Donau an einer Stelle von
der ich glaubte sie sei grundlos
Ich begann zu  ertrinken
und wehrte mich
Man zog mich heraus und prügelte Wasser
und Schlamm aus mir
Drei Wochen hütete ich voll Sanftmut das Bett
ohne Anzeichen irgendeiner Krankheit
dann lernte ich schwimmen an derselben
Stelle

zitiert nach:
Das deutsche Gedicht. Vom Mittelalter bis zur Gegenwart. Herausgegeben von Wulf Segebrecht unter Mitarbeit von Christian Rößner. S. Fischer Verlag, 2005, hier S. 542

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„Bloß nicht auffallen – bloß nicht Vorbild sein!“

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Sep 162010
 

Wir haben Erfolg. 30 muslimische Frauen in Deutschland“, „Das Wunder von Kreuzberg“, „Zwischen Moschee und Minirock„, „Weiblich – muslimisch – deutsch„: Überall glänzen unter derartigen Lobpreisungen die Vorbilder der Integration.

Es sind leuchtende Einzelfälle. Es verlangt Mut, sich als leuchtendes Vorbild abstempeln zu lassen. Dennoch müssen wir all diesen Vorbildern, die natürlich nur einen winzigen Bruchteil ihrer Landsmenschenschaften widerspiegeln, in höchstem Maße dankbar sein: Sie haben es geschafft. Sie sind der wandelnde Beweis, dass Integration jederzeit möglich ist – sofern man sie will.

Umgekehrt verstehe ich auch diejenigen, die es satt haben, innerhalb ihrer Community als „braver Türke“ oder „Streber“ verspottet zu werden. Ich bedaure, dass sie aus Deutschland weggehen. Der negative Druck aus der Community ist offenbar zu groß.

In der Türkei selbst hat man nichts dagegen, wenn Türken sich ins Zeug legen, hart arbeiten und den wirtschaftlichen Erfolg suchen.

Rückkehrende Migranten: Nie mehr braver Türke – SPIEGEL ONLINE – Nachrichten – Panorama
Ibrahim Karaman kommt gerade aus Berlin zurück und hat dort die Sarrazin-Debatte miterlebt, „noch ein Grund mehr, warum es gut war, dass ich gegangen bin“. Er wolle nicht der „brave Türke“ sein, wie man es in Berlin von ihm erwarte – „bloß nicht auffallen“, ein Vorbild sein für die anderen. „Doch zum Glück muss ich das nicht mehr persönlich nehmen.“

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Integration von oben herab?

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Sep 162010
 

Etwa 31.000 Euro je Bezirk würde das neue Integrationsgesetz des Berliner Senats kosten. Der Staat würde also wieder einmal in Vorleistung gehen und die Integration der Zugewanderten erst einmal mit staatlichem Geld befördern. Neue Posten, neue Stellen werden eingerichtet, insbesondere das Amt des bezirklichen Integrationsbeauftragten.

Etwa 1,1 Millionen Euro stellen der Staat (Universitäten FU, HU) und Stiftungen (Zeit- und Hertie-Stiftung) zusätzlich bereit, um das entstehende Netzwerk migrantischer Lehramtsstudenten zu fördern. Eine Arbeitsstelle wird geschaffen, die unermüdlichen Befürworter der „Integration von oben“ haben für sich weitere Posten, Pöstchen und Pfründe geschaffen. So berichtet es heute die FAZ auf S. 2 unter dem Titel „Vorbilder dringend gesucht“.

Ein gigantischer Irrweg?

Posten, Pöstchen, Pfründe, die mit viel staatlichem Geld hochgezogen werden: das ist das Webmuster der staatlich beförderten Integration seit etwa 2 Jahrzehnten.

All die Inhaber der Posten, Pöstchen und Pfründen können kein Interesse daran haben, sich überflüssig zu machen.

Ich hege Zweifel, ob das Ganze funktioniert.

Ich wünsche mir die Anstrengung der Zuwanderer. Wollen sie sich integrieren oder wollen sie es nicht? Wollen sie arbeiten oder wollen sie es nicht?

Ich habe keine Lust mehr, meine Steuergelder bereitzustellen für etwas, was erkennbar von den zu Integrierenden nicht gewollt ist.

Ich sehe fast keinen Willen zur Integration bei den zu Integrierenden. Wieso sollen wir ihnen etwas aufdrängen? Sie haben es doch so gut.

Soll man ihnen noch das Geld hinterherwerfen?

Ich meine: Alles Integrationsdienliche ist gut, sofern es kein staatliches oder öffentliches Geld kostet.

Integration ist eine Leistung der Menschen.

 Posted by at 10:54
Sep 162010
 

Sollen wir Deutsche uns integrieren oder wegziehen? Gute Frage! Kreuzberg-West steht auf der Kippe. In manche Nebenstraßen gehen die deutsch aussehenden Kinder nach den üblichen Gewaltvorfällen nicht mehr allein hinein.

Sie gelten auch tagsüber als No-go-areas für anders aussehende, für deutsch aussehende Kinder.

Die dort lebenden Menschen wollen erkennbar nichts mit uns  zu tun haben. Sie schotten sich komplett ab.
Der Spielpatz am anderen Ende der Straße wird hingegen mitunter wieder von blond oder hell aussehenden Müttern genutzt, nachdem sie sich jahrelang nicht ohne männlichen Schutz hineingetraut hatten. Seit einigen Monaten hat sich der Drogenhandel, der in den Händen junger Männer liegt, von diesem Spielplatz wieder wegverlagert.

„Hart aber fair“ – Was tun, wenn Türkengangs die Garage zuparken? – Vermischtes – Berliner Morgenpost – Berlin

Özlem Nas hört so etwas nicht gerne. Die Islamwissenschaftlerin und Kopftuchträgerin sieht eher Politik und Gesellschaft in der Verantwortung: „Integration ist wechselseitig und nicht einseitig“, betonte sie. Gebetsmühlenartig kanzelte sie die Erfahrungsberichte der Anwesenden als Einzelfälle ab. Das bestritt auch niemand, aber der Zuschauer gewann den Eindruck, dass es sehr viele Einzelfälle sind.

 Posted by at 10:38

Schnäppchen beim Fahrradkauf?

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Sep 162010
 

Am Berliner Mauerpark bekommt man gebrauchte Fahrräder für einen zweistelligen Euro-Betrag. Den Herkunftsnachweis der Handelsware können die Anbieter in aller Regel nicht schlüssig erbringen. Jedem Käufer steht es frei, zu eigenen Schlussfolgerungen hinsichtlich der Herkunft des erstandenen Gutes zu gelangen.

Ich bin gegen „Schnäppchen“ beim Fahrradkauf. Ich bin für das voll verkehrstaugliche, bequeme, schnelle Fahrrad gemäß StVZO (Straßenverkehrszulassungsordnung) in Verbindung mit einem hochwertigen Bügelschloss.

In Hochburgen der Fahrraddiebstahlskriminalität wie etwa Berlin sollte man eine Diebstahlversicherung überlegen.

Das alles kostet Erkleckliches – im Durchschnitt und auf Zeiträume umgelegt nicht weniger als etwa ein Dreißigstel der Kosten eines PKW und nicht weniger als etwa die Hälfte eines BVG-Abos. Hierunter fallen Kosten für Anschaffung, Diebstahlschutz, Wartung und Instandhaltung des Fahrrades.

Die uneingeschränkte innerstädtische Mobilität durch ein verkehrstüchtiges Fahrrad und das Zu-Fuß-Gehen hat ihren Preis!

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Was ist konservativ? oder: Rückblick auf die altenTugenden

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Sep 152010
 

Ohne verbindliche Grundhaltungen, ohne gemeinsame Werte fliegt uns dieser Laden genannt Bundesrepublik Deutschland bald um die Ohren.

Solche guten, erwünschten Grundhaltungen nenne ich gerne zum blanken Entsetzen aller Zuhörer Tugenden. Beispiele für Tugenden sind Hingabe, Fürsorge, Fleiß, Ausdauer, Klugheit, innere Gesammeltheit, Mut, Tatkraft, Gemeinsinn.

Alles Dinge, an denen es uns in Berlin gebricht.

Ich meine, die Besinnung und die Pflege der bewährten Tugenden ist Zeichen einer konservativen Grundhaltung. Konservativ bedeutet meines Erachtens, zunächst einmal von sich selbst und in seinem familiären Umfeld die gute, die tugendhafte Haltung, die Bewährung zu verlangen und erst danach den versorgenden Staat in Haftung zu nehmen.

Wenn ich dieses Unwort Tugend in den Mund nehme, schalten jedoch viele Diskutanten in den Debatten auf Durchzug. „Wie? Ein Mangel an Tugenden ist mitursächlich für unsere Übel?“

Sollte nicht der böse rot-rote Senat oder der böse präfaschistische Staat oder die muslimischen Migranten oder Thilo Sarrazin oder die schwarz-gelbe Bundesregierung oder das Hartz- IV-macht-arm-Syndrom oder die Bankenkrise oder die Gentrifizierung oder JüL an allem Schlamassel schuld sein?

„JüL ist Käse!“ So erzählen es viele Eltern und viele Lehrer. Wie schaut es damit aus?

JüL wurde in Berlin gegen den Willen der allermeisten Lehrer und der Eltern an fast allen staatlichen Schulen durchgesetzt.

Wir sind jetzt an der privaten russisch-deutschen Grundschule: herrlich! Kein Mobbing, kein Prügeln, kein Fluchen. Alle Kinder wollen und müssen lernen, es gibt Leistungsdruck, Schulbücher, Noten, Prüfungen, Schuluniform ist vorgeschrieben, es herrscht Disziplin, gute, ermunternde Grundhaltung bei allen Eltern, Lehrern und Kindern. UND KEIN JÜL, stattdessen gemeinsame Feiern und gemeinsame Konzerte.

Meine Berliner Russen sind eigentlich alle sehr bedacht auf  konservative Tugenden wie Fleiß, Disziplin, Ehrgeiz, Gemeinsinn. Dasselbe beobachte ich bei den meisten muslimischen Eltern. Die allermeisten muslimischen Eltern sind konservativ. Sie wollen mehr Leistungsanreize, mehr Druck, mehr Strafen, mehr Regeln für ihre Kinder, die sie dem deutschen Staat zur Rundum-Erziehung und Rundum-Bildung überreichen. Den deutschen Staat erleben die allermeisten zugewanderten Eltern als viel zu lasch und schwach.

Ich meine: Von den herrlich-konservativen Russen können wir labbrigen, progressiven Wischi-Waschi-Deutschen viel lernen. Unter anderem leben sie uns bestimmte Tugenden vor, die bei uns mehr und mehr in Vergessenheit geraten sind.

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Sep 152010
 

Aufsuchende Hilfe, Betreuung und Einführung in die elementaren Fertigkeiten der Kindererziehung und der Hauswirtschaft, persönliche Ansprache für jedes Kind, Sachhilfe statt direkter Zahlungen an die Eltern – das sind die Forderungen des Kinderschutzpräsidenten Heinz Hilgers. Bravo, Heinz Hilgers!

Das sind ebenfalls exakt die Forderungen, die Thilo Sarrazin im lesenswerten Bildungskapitel seines Buches erhebt. Bravo, Thilo Sarrazin! Heinz Hilgers und Thilo Sarrazin hauen in dieselbe Kerbe. Also vertragt euch und haut euch nicht. Seid brav.

Übrigens: Die Kinder sind nicht materiell arm, das ist blanker Unsinn. Es fehlt ihnen nicht an Geld, sondern an Erziehung, Zuwendung, Liebe. Ich weiß das, denn ich lebe mitten im sozialen Brennpunkt. Ich kenne doch meine Familien.

„Ich war noch nie am Kreuzberg.“ So klingt es bei uns. So erzählte es uns ein Kind, das wir einmal zu einem Spaziergang auf diesen zweithöchsten Berg der herrlichen Berliner Bergwelt einluden. Der Kreuzberg ist zu Fuß 1 km entfernt. Dafür braucht man weder Geld noch Bergsteigerausrüstung, um den Kreuzberg zu besteigen.

Wir haben amtlich eine der höchsten „Armutsquoten“ in Kreuzberg, selbst hier in Berlin. Und dennoch ist es nie und nimmer der Mangel an Geld, der diesen Kindern zusetzt! Die Eltern haben alle eine herausragend gute elektronische Ausstattung. Kinder brauchen keine Handys, sie brauchen Zahnbürsten.

Auch in der Zurückweisung des ewigen Geredes von „materieller Armut“  stimme ich Sarrazin zu. Wer von Kinderarmut redet, der sollte einmal nach Rumänien, Russland oder Elfenbeinküste fahren.

Es gibt keine nennenswerte Kinderarmut in Deutschland. Das Wort Kinderarmut ist irreführend und zweideutig. Wir haben zu wenige Kinder. In diesem Sinne herrscht Kinderarmut in Deutschland.

Bericht des Kinderschutzbunds: Fast jedes zweite Berliner Kind ist arm – Berlin – Tagesspiegel
„Jedes Kind braucht eine Chance und deshalb finde ich das Krisenszenario des Herrn Sarrazin verwerflich“, sagt der Kinderschutzbund-Präsident Heinz Hilgers. Als Bürgermeister von Dormagen zeigte er, dass man „die Eigenkräfte der Menschen wecken kann“, wie er es ausdrückt. Das „Dormagener Modell“ ist heute Inbegriff für eine erfolgreiche vorbeugende Betreuung oder besser gesagt: einer Begrüßung und Begleitung von Familien in Brennpunkten. Es funktioniert so: Jedes Kind wird nach der Geburt vom Bezirkssozialdienst besucht, ein „wertschätzenden“ Brief des Bürgermeisters wird überreicht und kleine Werbegeschenken mit Hintersinn: eine Babyzahnbürste etwa.

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