Solidarität mit den verletzten Polizisten, dem Bürgermeister Schulz und dem Innensenator Körting!

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Jan 312011
 

Spät, zu spät scheint sich die Einsicht durchzusetzen, dass der Staat (der wir alle sind) klare Grenzen setzen muss.

40 Polizisten wurden durch Steinwürfe, Leuchtkörper, Blendungsversuche  am Wochenende in Friedrichshain-Kreuzberg verletzt.

„Wir – der Staat – lassen uns nicht erpressen“, „wir haben den Menschen vier Ersatzobjekte angeboten, die alle abgelehnt wurden“ –  in diesem Sinn äußern sich Berlins Innensenator Körting und Friedrichshain-Kreuzbergs Bürgermeister Schulz. Berlins Bürgermeister Wowereit – sagt nichts, wie eigentlich immer, wenn es drauf ankommt.

Na, ich glaube, Körting und Schulz haben diesmal recht. Und genau deswegen werden sie durch Hetze bedroht: Drohvideos, Drohbriefe, Verleumdungen, die man nicht unterbewerten sollte.

Wir schlichten Bürger sollten uns mit den verletzten Polizisten, mit dem Innensenator Körting und dem Bürgermeister Schulz solidarisch erklären. Ich tue dies hiermit aus voller Überzeugung. Wer meine Mitbürger angreift, bekommt es mit mir zu tun!

FASS MEINEN MITBÜRGER NICHT AN!

Eskalation vor der Räumung – Berliner Zeitung
Empört ist man auch über Bezirksbürgermeister Franz Schulz (Grüne), der verbreitet, dass den Bewohnern der Liebig 14 vier Alternativ-Objekte angeboten worden seien und diese alle abgelehnt hätten.

 Posted by at 12:54
Jan 312011
 

Militante Gewalt in den großen europäischen Städten scheint sich eine Art Einheitskluft zurechtgelegt zu haben. Schaut man Bilder der „schwarzen Blöcke“ an, so kann man nicht erkennen, ob es rechte oder linke Säuberungstrupps sind, ob sie gegen Gentrifizierung oder Überfremdung kämpfen – oder beides zugleich.

Die Staaten des realen Sozialismus waren Nährböden eines recht erbitterten Nationalismus. In allen postsozialistischen Staaten ist diese Saat des nationalen Sozialismus, des „Sozialismus in einem Lande“, wie dies Lenin und seine Genossen nannten, aufgegangen.  Im Gebiet der früheren DDR, in der Slowakei, in Ungarn gab oder gibt es chronische Feindseligkeiten gegen alle, die nicht als der eigenen Nation oder der eigenen Klasse, der eigenen Rasse zugehörig empfunden werden. Am stärksten wurden jedoch nationale Gefühligkeiten in der russisch geführten, russisch dominierten UdSSR gepflegt und aufgebaut.

Hierfür ein zufälliger Beleg:

Rassenhass: Russlands Nationalisten hetzen erbittert gegen Ausländer – SPIEGEL ONLINE – Nachrichten – Politik

Die Sowjetunion hatte sich die Völkerfreundschaft auf die Fahnen geschrieben und ging maßgeblich an den Nationalitätenkonflikten zugrunde.

 Posted by at 11:16
Jan 302011
 

Wie so viele anderen sozialen Probleme, so deute ich auch die Gewalttaten, die Sachbeschädigungen und Körperverletzungen der Autonomen als Ausfluss einer verhängnisvollen Bündelung von materieller Überversorgung und ideellem Peilungsverlust in unserer ökonomisch übersättigten, moralisch ausgehungerten bürgerlichen Jugend.

Schaut euch das Video an:

YouTube – Liebig14 verteidigen

Ihr seht und hört einen sympathischen jungen Mann, der ein recht beachtliches Bratschensolo hinlegt, dazu mannhaft-markige Sprüche von sich gibt, die in dem Schlusswort gipfeln: „Stürzen wir Berlin ins Chaos!“

Wer so gut und mit sehr guter Bogentechnik – bei gewissen Schwankungen in der Intonation – Viola spielt, muss aus reichem Hause stammen! Das Erlernen eines Streichinstruments bis zu dem hier gezeigten Grad der Spielfertigkeit setzt einen finanziellen Hintergrund voraus, der nur in gut abgesicherten Elternhäusern vorstellbar ist. Das Instrument klingt gut – es ist keine Billigbratsche!

Auch die gepflegte Sprache und der leicht rebellische Gestus des jungen Chaoten verweisen eindeutig auf die Herkunft aus der bürgerlichen Mittelschicht – der nette junge Mann könnte etwa Sohn eines Gymnasiallehrers oder Arztes in Süddeutschland sein.

Die meisten Autonomen scheinen vor allem an ihrer eigenen Herkunft aus dem wohlsituierten Bürgertum zu leiden – wie Rosa Luxemburg, Che Guevara oder Friedrich Engels auch. Sie scheinen verstecken zu wollen, dass sie nie materielle Not gelitten haben, dass sie nie für ihren Lebensunterhalt zu arbeiten brauchten.

Wie können sie diese Herkunft aus den reichen, übersättigten Wohlstandsfamilien  am besten vergessen lassen? Einfach: Indem sie sich mit den hypothetischen Opfern einer hypothetisch unterstellten Verarmung solidarisieren. Da es keine echten Armen mehr gibt, bildet man sich den Popanz einer neuen, prospektiv gefühlten Armut heran: der Popanz der Gentrifizierung ist geboren!

Dadurch, dass die verlorenen Söhne des Bürgertums sich bewusst als arme Proletarier ausgeben – was sie objektiv nicht sind und niemals waren – überwinden sie den Makel ihrer privilegierten Abkunft. Mit den wirklich Armen dieser Erde haben sie nichts, gar nichts gemeinsam. An den wirklich Benachteiligten unserer Gesellschaft – etwa den migrantischen Kindern, den Beamten im unteren Polizeidienst, deren Gesundheit die Autonomen bedenkenlos gefährden – zeigen sie keinerlei Interesse.

Es sind letztlich verlorene Söhne wie die Kiffer, die halbwüchsigen Drogenkuriere, wie die Intensivtäter mit ihren tiefergelegten BMWs, wie die RAF auch. „Wir waren alle verrückt, wir waren nicht zurechnungsfähig“, diesen Satz des Autors Peter Schneider über sich und die 68er-Bewegung habe ich mir gemerkt. Peter Schneider hat recht.

Es geht ihnen, den verrückten Autonomen, letztlich darum, die Aufmerksamkeit der Gesellschaft zu erringen, sich abzusetzen von  ihren bürgerlichen Elternhäusern, ihren Erlebnishunger zu stillen und durch den bewusst herbeigeführten Gesetzesbruch die Auseinandersetzung mit der nie erlebten und schmerzlich vermissten elterlichen Autorität zu beginnen. Der in Kauf genommene Schädelbruch eines Polizisten, die verletzte Kniescheibe eines Journalisten sind ihnen dabei egal.

Wie sollte der Staat reagieren? Das Falscheste, was überhaupt möglich ist, hat sicherlich jahrelang die Bezirksregierung Friedrichshain-Kreuzberg unter grüner Führung getan: Sie meinte, ein politisches Anliegen fördern zu müssen, das die Autonomen mit großem Geschick und unter Täuschung der Öffentlichkeit auf ihre Fahnen schrieben. Unsere Bezirksgrünen haben immer wieder die Hand hingereicht, haben das Bethanien geöffnet, nur damit die nimmersatten Hausbesetzer eine Bleibe finden konnten.

Die gütige, quasi-elterliche Autorität des Bezirksamtes ließ sich auf die eskalierenden Wünsche der verlorenen Söhne ein, statt ihnen eine Grenze zu setzen. Die feste Grenzsetzung wäre das einzig Richtige gewesen: „Bis hierher – und keinen Zentimeter weiter!“ „Räumung? Ja, aber sofort!“ Stattdessen lässt der Staat, hier mehr schlecht als recht gespielt durch das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg, mit sich Schlitten fahren. Ein Schaupiel, wie es gerade aus vaterlosen Familien mit tyrannischen Kindern bestens bekannt ist.

Genau so reagierte der Staat zunächst auch auf die Pöbeleien eines Andreas Baader mit beschwichtigenden Therapieversuchen.

Das mütterlich-fürsorgliche Entgegenkommen gegenüber den aufsässigen, verwöhnten Jungmännern ist der Kardinalfehler. Ein verheerender Fehler! Der weiche, der entgegenkommende Staat wird verachtet, wird – wie stets voraussagbar – selbst zum Gegenstand der Angriffe – etwa in Gestalt der Polizisten, etwa in Gestalt des Friedrichshain-Kreuzberger Bezirksbürgermeisters. Mit beiden, sowohl mit den Polizisten wie auch mit dem Bezirksbürgermeister erklärt sich dieser Blogger hiermit solidarisch!

Die Geister, die sie – die Entgegenkommer und Kümmerer – riefen und heranpäppelten, werden sie nun nicht los!

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Jan 302011
 

29012011301.jpg Dieser wohlgemeinte Ratschlag Friedrich Nietzsches schoss mir heute in den Sinn, als ich an Potsdams Neuem Markt erstmals das neu hergerichtete Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte mit seinem sprechend-fragmentübersäten Innenhof besah. Was für ein herrlicher Sonnenschein! Kalte, klare, frostige, gleichsam nachgemeißelte Formen sind dort angeordnet, als wären es aufgebahrte Säulen. Über den Stolz hatte ich so manches im Einstein Forum erfahren. Und jetzt lagen die einst so stolzen, geriffelten Säulen da, fast niedergebeugt, und doch irgendwie noch durchleuchtet von einstiger Wucht. Zu wuchtig, zu stolz, um stehen zu bleiben?

Der Neue Markt in Potsdam hinterließ heute in mir einen der stärksten bildnerischen Eindrücke seit langem.  In der Regionalbahn zurück nach Berlin las ich in der Süddeutschen Zeitung Gustav Seibts Rezension der Arbeit von Katharina Mommsen über die Beziehung zwischen Schiller und Goethe. „War es Männerliebe?“

Mommsen hat sich wohl verstiegen mit ihrem Ansatz, Goethe und Schiller hätten eine im Kern homosexuelle Beziehung vertuscht und verdeckt.

Die Liebes-Diskurse des 18. Jahrhunderts kannten keine scharfe Scheidung zwischen Freundschaft und Liebe, standen nicht unter dem Bann der Prüderie, die später kam. Gerade so strotzend dem Weib zuneigende Männer wie Goethe und Schiller brauchten sich gar nicht dagegen zu wehren, einem Mann Zuneigung und wohl auch gar Liebe zu gestehen. Schön das Wort Goethes: „Gegen große Vorzüge eines anderen gibt es kein Rettungsmittel als die Liebe“. Dem entspricht Schillers Spruch:

„Dem Vortrefflichen gegenüber gibt es keine Freiheit als die Liebe.“

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Wir bleiben Alle! Arbeit für Alle! Ist das richtig?

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Jan 292011
 

 Merkwürdig – kaum jemand scheint noch mit der deutschen rechtschreibung bescheid zu wissen! Das ist das ergebnis der heillosen reformversuche der letzten jahrzehnte, die insgesamt eine zersetzende wirkung auf das regelbewusstsein ausgeübt haben und weiter ausüben.

„Wir bleiben Alle!“ Sollen sie doch. Aber seit vielen jahrzehnten, und zwar spätestens seit der ortografischen neuregelung des jahres 1901, schreibt man alle stets klein. Hier ein beliebiger Beleg – wir zitieren aus der versammlung einiger frührentner aus Fredrikshain-Kreuzberg, die es ablehnen, die angebotenen ersatz-ruhesitze in einem außenbezirk zu besiedeln.

„Junge bäume versetzt man nicht“, sagen die jungrentner. Störrische junge!

Wir bleiben Alle! « Wir bleiben Alle!

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Kochkurse statt Mensae für Übergewichtige!

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Jan 282011
 

Das Kochen ist für Mann&Weib eine fundamentale Kulturtechnik wie Essen, Schlafen, Reden, Singen, Tanzen.

Sehr sehr gut, Frau Aigner! Das brauchen unsere Kinder! Sie treffen da den Deckel auf den Topf!

Im Lesebuch meines Sohnes (3. Klasse, Diesterweg Verlag, „Bausteine“) gibt’s ein Kapitel: „So kochen Indianer.“ Sonst – KEIN WORT ZUM KOCHEN! Scha(n)de!

Übrigens: auch Eltern können kochen lehren und kochen lernen.

Kochkurs für Übergewichtige: Kinder können sich nicht mal ein Brot schmieren – Nachrichten Politik – Deutschland – WELT ONLINE
Die Kochstunden für den Ernährungsführerschein ließen sich „problemlos in die bestehenden Unterrichtsfächer einbauen“, sagt Aigner. In der Deutschstunde etwa können Kinder lernen, Rezepte zu lesen. Der Mathematiklehrer zeigt dann, wie sich Rezepte für drei Personen auf fünf Personen umrechnen lassen. So lässt sich lebensnah das Dreisatzprinzip vermitteln.

 Posted by at 09:18
Jan 272011
 

31shyh9atnl_sl500_sl160_gif.jpg Gerade heute, am 27. Januar, stelle ich mir zum wiederholten Male diese Frage: „Warum Auschwitz?“ Ein rotes rororo-Bändchen genau dieses Titels liegt vor mir. Untertitel: „Hitlers Plan und die Ratlosigkeit der Nachwelt.“ 42 unterschiedliche Theorien zählt der Verfasser auf, von den neomarxistischen zu den theologischen, von den „Modernisierungstheorien“ bis zu den „Verschwörungstheorien“.

Gunnar Heinsohn selbst sieht „Auschwitz“ als bewusst geplanten, systematischen Generalangriff auf die Heiligkeit des Lebens. Die Unverletzlichkeit, die unvergängliche Würde und Heiligkeit des Menschenlebens sei in Auschwitz angegriffen worden. Das allgemeine Tötungsverbot, das aus dem Judentum in die Weltgeschichte gekommen sei, sei letztlich der zentrale Angriffspunkt gewesen. Hitler habe die Uhr zurückdrehen wollen und ein universales Recht auf Tötung wiedereinführen wollen:

„Mit der Ausschaltung der jüdischen Ethik wollte Hitler die „nordischen“ Völker vom Gewissens- und Gesetzeskonflikt fürs Töten beim Erobern und Ausmorden von Lebensraum befreien, ihnen also einen entscheidenden strategischen Vorteil verschaffen.“

Dies ist die Kernthese des Buches. Eines hat diese 43. Theorie für sich: Das Recht des Menschen auf Leben kam tatsächlich erst durch das jüdische oder besser jüdisch-christliche Erbe in die europäische Geschichte hinein.

Man kann dies an der Einstellung zur Kindstötung und zur Feindestötung sehen. Kindesausetzung, Kindestötung waren in der Tat in der griechisch-römischen Antike gang und gäbe. Es gab kein allgemeines Tötungsverbot. Tötung von eigenen kleinen Kindern, insbesondere von behinderten oder kranken Kindern durch den Vater, Versklavung oder Tötung von besiegten Feinden galten ebenso wie Abtreibung als sittlich in Ordnung. Heute erregt Kindsmord unseren besonderen Abscheu, in der vorchristlichen Antike war dies anders!

Der besondere Schutz alles menschlichen Lebens ist in der europäischen Geschichte zweifellos eine Errungenschaft der jüdischen Ethik. Unübertroffen ausgedrückt im 5. Gebot: Du sollst nicht morden!

Nicht zufällig war es der römische Kaiser, der zum Christentum übertrat, Konstantin I., der im Jahr 318 die Kindstötung verbot. Im Jahr 318 nach Christus trat der Grundgedanke, dass jeder Mensch von Anfang an ein unveräußerliches Lebensrecht habe, seinen Siegeszug in der europäischen Rechtsgeschichte an – bis hin zur UN-Charta der Menschenrechte, die heute weltweit anerkannt werden.

Auschwitz stellt in diesem Siegeszug des Menschenrechts auf Leben einen bestürzenden Tiefstpunkt dar.  Daran denke ich in Trauer – jetzt.

Möge der Gedanke von der Heiligkeit des menschlichen Lebens gestärkt aus diesem Gedenktag hervorgehen!

Zitat: Gunnar Heinsohn: Warum Auschwitz? Hitlers Plan und die Ratlosigkeit der Nachwelt. Rowohlt Taschenbuch Verlag, Hamburg 1995, hier: S. 18

 Posted by at 14:51

Darf man stolz darauf sein, ein US-Amerikaner zu sein?

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Jan 272011
 

Merkwürdig: genau derselbe Mann, der sich 1946 in Köln zu Gefühlen tiefster Scham bekannte, spricht wenige Sätze weiter davon, jetzt wieder stolz zu sein:

„Aber jetzt, jetzt bin ich wieder stolz darauf, ein Deutscher zu sein. Ich bin so stolz darauf, wie ich es nie zuvor, auch nicht vor 1933 und nicht vor 1914 gewesen bin. Ich bin stolz auf den Starkmut, mit dem das deutsche Volk sein Schicksal erträgt, stolz darauf, wie jeder einzelne duldet und nicht verzweifelt, wie er versucht, nicht unterzugehen, sich und die Seinigen aus diesem Elend hinüberzuretten in eine bessere Zukunft.“

Die Scham des Mannes in Köln bezog sich auf das Vergangene. Scham befällt den Menschen angesichts des Bösen, dessen Zeuge er wird, angesichts des Bösen, das er nicht verhindern kann oder des Bösen, das er selbst getan hat.

Stolz ist demgegenüber das Bewusstsein der eigenen Fähigkeiten. Stolz kann sich aus der Erinnerung an das Gute nähren, das auch gewesen ist. Stolz in diesem guten Sinne kann eine enorm beflügelnde, zum Guten anstiftende Macht sein.  Stolz im guten Sinne kann sich aus Scham speisen, kann Zeichen der Einsicht in Verfehlungen, kann Zeichen der Umkehr sein. Bewusstsein des Guten, das in der Geschichte auch gewesen ist, halte ich für unverzichtbar. Wenn man die eigene Vorgeschichte nur unter dem Vorzeichen des Bösen sieht, wird man keine Kraft zur Bewältigung der Zukunft haben.

Die Vorfahren der heutigen US-Amerikaner haben Millionen Menschen der ersten Nationen vertrieben, bekämpft, umgebracht. Im Deutschen nennen wir diese Millionen Vertriebenen, Bekämpften, Umgebrachten, diese Menschen der ersten Nationen weiterhin Indianer.

Kein US-Amerikaner, der bei Sinnen ist, leugnet das Böse, das geschehen ist, leugnet das blutige Morden. Aber das Volk der Vereinigten Staaten von Amerika als ganzes ist nicht verstrickt und befangen in diesen Gefühlen der Scham ob all des Unrechts, das den Indianern, den Sklaven, den Schwarzen angetan worden ist. Die USA haben sich ihre Zuversicht, ihren Willen die Zukunft zu gestalten, bewahrt. Deshalb sind sie so erfolgreich.

Die allermeisten US-Amerikaner sind stolz darauf,  Amerikaner zu sein. Ich habe dies immer wieder verspürt bei meinen Reisen. Dieser Nationalstolz ist weit entfernt davon, die Schrecken der Vergangenheit zu leugnen. Er bezieht seine Kraft aus dem Zutrauen in die eigene Gestaltungsmacht. Dieser Stolz ist nichts anderes als das Bekenntnis zur eigenen Verantwortung – in exakt dem Sinne, den Konrad Adenauer 1946 ausdrückte.

Der Präsident der USA hat es gestern im Rückblick auf seine Ansprache zur Lage der Nation unvergleichlich knapp und treffend so ausgedrückt:

„Tonight I addressed the American people on the future we face together. Though at times it may seem uncertain, it is a future that is ours to decide, ours to define, and ours to win.
 Posted by at 13:23
Jan 272011
 

Zitat 1: „Nie – nie – nie wieder Deutschland!“

Zitat 2: „Diese Schande wird in Jahrhunderten nicht mehr von unserem guten deutschen Namen abzuwaschen sein!“

Zitat 3: „Ich habe mich seit 1933 oft geschämt, ein Deutscher zu sein, in tiefster Seele geschämt: vielleicht wusste ich mehr als manche andere von den Schandtaten, die von Deutschen an Deutschen begangen wurden, von den Verbrechen, die an der Menschheit geplant wurden.“

Aus welchen Jahren stammen diese Zitate? Antwort: Eines vom 12.01.2011 (Quelle: Spiegel online, Video vom 12.01.2011), ein anderes von 1939 (Quelle: mündliche Erzählungen eines Zeitzeugen an den Blogger), ein drittes vom 24.03.1946.

Was ist den Aussagen  gemeinsam? Ein Bezug auf schwere und schwerste Verbrechen, die im deutschen Namen und von Deutschen begangen worden sind.

Zitat 1  stammt aus dem Jahr 2011. Man sollte den Video-Bericht „Rechtspopulisten gestoppt“ vom 12.01.2011 auf Spiegel online noch einmal betrachten. Der Ruf „Nie wieder Deutschland“ ist Teil der antideutschen Ideologie, die unter einigen jungen Deutschen (und nur unter diesen)  verbreitet ist. Es handelt sich offenbar um eine Art Auto-Immun-Reaktion. Die Logik dahinter scheint zu sein: „Alles Böse ist in der Vergangenheit von Deutschland ausgegangen. Wenn Deutschland beseitigt ist, ist auch das Böse in der Welt beseitigt. Die Deutschen sind alle des Teufels. Hat man den Deutschen das Deutsch-Sein ausgetrieben, so sind sie alle lieb und brav wie wir selbst es ja bereits sind. Das Böse wird aus der Welt verschwunden sein. Es wird allenfalls in Gestalt des personifizierten Teufels, der passenderweise wie der Teufel im Mittelalter als „Ziegenf…“ tituliert wird, weiterhin auftreten. Diesen letzten Teufel in mancherlei Gestalt, der weiterhin stets ein Deutscher ist, gilt es zu stoppen.“

Zitat 2 hat mir ein deutscher ehemaliger Bewohner der Stadt Troppau in Schlesien aus dem Oktober oder November 1938 berichtet, also wenige Wochen, nachdem die Wehrmacht ins Sudetenland eingerückt war.  Es ist der Ausspruch eines katholischen Priesters, nachdem sowohl mein Gewährsmann als auch der Priester Zeugen von Leichenschändungen an jüdischen Grabstätten geworden waren. Der katholische deutsche Priester wurde die Woche darauf in ein deutsches Konzentrationslager geschickt und mutmaßlich ermordet.

Zitat 3 zeichnet sich dadurch aus, dass der Sprechende in Ich-Form sich zur Zugehörigkeit zu diesem Volk bekennt. „Ich habe mich oft geschämt ein Deutscher zu sein.“ Er leugnet nichts, er spricht von seinen eigenen Gefühlen, „er stiehlt sich nicht davon“, er redet sich nicht heraus. Ich halte diese Einstellung für vorbildhaft, zumal zu vermuten ist, dass der Sprechende an diesen Verbrechen nicht persönlich beteiligt war.

Der Name des Sprechenden in Zitat 3? … Wer könnte das gesagt haben?

 Posted by at 12:34
Jan 262011
 

Jetzt lachen sie natürlich in der Türkei über Bülent Anrinc, der vor allzu viel Alkohol und Sex warnt:

Moraldebatte in der Türkei: Zellteilung ist auch keine Lösung – Welt – Tagesspiegel
Im Leben gebe es neben Schnaps und Sex ja auch noch Dinge wie Glaube, Moral, Familie, Aufrichtigkeit und Menschlichkeit, sagte er.

Ich lache nicht über Bülent Arinc.  Was ist daran lächerlich, wenn man an derartige Werte erinnert? Ich finde, Arinc hat recht. Wer würde ihm widersprechen, wenn er sagt, dass Werte wie Menschlichkeit, Moral, Familie, Aufrichtigkeit in den Millionenstädten wie etwa Istanbul oder Berlin vielfach eine zu geringe Rolle spielen? Ich widerspreche ihm nicht.

 Posted by at 20:40
Jan 262011
 

„Kinderarmut“ wegen Hartz IV, spielsüchtige Väter in Neuköllner Spielhallen, „staatliche Jungenförderung“ … was brauchen Jungen, die armen Jungen wirklich? Was brauchen Kinder?

Ich meine: Die größte seelische Verarmung erleiden – insgesamt gesehen und statistisch gewertet – die Berliner Kinder, vor allem die Berliner Jungen, durch die abwesenden Väter.

Nicht materielle Armut benachteiligt die Kinder, sondern das Fehlen des guten Vaters. Die geradezu schrankenlosen Glückserwartungen, die in Berlin und in Deutschland überhaupt auf den versorgenden, den pervers-mütterlichen Staat gerichtet werden, entspringen meist dem Fehlen einer tatkräftigen Vorbildgestalt, wie sie üblicherweise der Vater ist.

Die Bestätigung liefert in aller Deutlichkeit Walter Kohl in seinem neuen Buch:

Altkanzler: Der Kampf um Helmut Kohl – SPIEGEL ONLINE – Nachrichten – Politik
Jeder Junge wünscht sich einen Vater, mit dem er gemeinsam die Welt erkunden kann, der mit ihm zelten geht oder Fußball spielen. Jeder Junge wünscht sich einen Vater, der auch für ihn da ist.“

 Posted by at 20:19
Jan 262011
 

Meldung 1:

Rückzug von einer allzu engen Bühne – Nachrichten Print – WELT AM SONNTAG – Politik – WELT ONLINE
Laut “Leipziger Volkszeitung” kritisierte Rentsch Müller schriftlich dafür, “das öffentliche Vertrauen in das Bundesverfassungsgericht als selbstständiges Verfassungsorgan in erheblichem Maße zu beschädigen”.

Meldung 2 aus der Süddeutschen Zeitung, Seite 1:

Darin heißt es, die “große Akzeptanz” des Bundesverfassungsgerichts entspringe auch der Tatsache, dass die Richter dort “grundsätzlich nicht aus der ersten Reihe der aktiven Politik stammen”. Werde diese Praxis nun geändert, könne dies dazu führen, das öffentliche Vertrauen in das Karlsruher Gericht “als selbstständigem Verfassungsgericht erheblich zu beschädigen”.

Meldung 1 verwendet den Akkusativ, Meldung 2 den Dativ. Was ist richtig?

Antwort: Meldung 1 ist grammatisch richtig, Meldung 2 ist grammatisch falsch. Warum? Als selbständiges Verfassungsgericht ist Apposition, eine  erläuternde Beifügung, die sich im Kasus in aller Regel nach dem Bezugswort richten muss. Die Nominalgruppe Vertrauen in das Karlsruher Gericht verwendet den Akkusativ, folglich muss auch die Apposition „als selbständiges Verfassungsgericht“ im Akkusativ stehen.

Auffällig bleibt gleichwohl, dass viele Sprechende und Schreibende bei Appositionen oft den Dativ statt eines anderen Kasus verwenden. Sie weichen auf den Dativ aus, obwohl Genitiv oder Akkusativ grammatisch richtig wären. Hierfür ein weiteres beliebiges Beispiel aus der jüngsten Lektüre. Über die Stadt Domažlice (dt. Taus) lasen wir am Sonntag in einem Buch über die Geschichte Tschechiens:

„Das im 13. Jahrhundert gegründete Domažlice an der Straße von Prag nach Regensburg war einst die westlichste Stadt im Königreich Böhmen. Jahrhundertelang war es zudem das Zentrum der Choden, einem slawischen Volksstamm mit eigener Mundart und eigenen Bräuchen.“

Was sagen die Schulmeister zu dem Phänomen? Die in meiner Handbibliothek befindliche sechste Auflage der Duden-Grammatik äußert sich so: „Nicht selten wird die Apposition – vor allem nach Präpositionalgruppen – fälschlich in den Dativ gesetzt, obwohl das Bezugswort in einem anderen Kasus steht.“ Die neueste Duden-Grammatik (8. Auflage), welche ich bei einem kurzen Besuch der Buchhandlung am Potsdamer Platz zu Rate zog, hält sich etwas vornehmer zurück. Sie nennt diese ausweichende Dativ-Verwendung bei Appositionen nicht mehr falsch, sondern ungrammatisch.

Ich persönlich bin – wie so oft – ein Anhänger der alten Schule. Ich halte die genannten Beispiele des Ausweichens in der Süddeutschen Zeitung und dem Buch über Tschechien für „grammatisch falsch“ und meine, es wäre für uns alle besser, die Apposition hier im Kasus an das Bezugswort anzugleichen.

Ich vertrete die Auffassung, dass nur folgende Fassungen richtig sind:

 „Jahrhundertelang war es zudem das Zentrum der Choden, eines slawischen Volksstamms mit eigener Mundart und eigenen Bräuchen.“

„Das Vertrauen in das Bundesverfassungsgericht als selbständiges Gericht wird beschädigt.“

Aber der Mensch ist frei, wie gerade das Bundesverfassungsgericht immer wieder bekräftigt hat. Keiner kann gezwungen werden, richtiges Deutsch zu schreiben!

Ob sie nun von den Choden, den Schlesiern, den Kurden, den Tscherkessen oder den Sueben abstammen: Der Blogger setzt volles Vertrauen in die deutsche Sprache als kraftvoll sich weiterentwickelndes Leitmedium der Verständigung zwischen allen in Deutschland lebenden Menschen gleich welchen ethnischen Hintergrundes.

Belege:

DUDEN. Grammatik der deutschen Gegenwartssprache. 6. Auflage, Dudenverlag Mannheim, 1998, S. 744

Markus Mauritz: Tschechien. Verlag Friedrich Pustet Regensburg, Südosteuropa-Gesellschaft München 2002, S. 249

 Posted by at 19:24

Est-ce que la Tunisie est la solution? Et après?

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Jan 262011
 

Journée de révolte contre la torture, la pauvreté, la corruption et le chômage.“ Bien. C’est ce que je viens de lire dans Le Monde.  „La Tunisie est la solution.“ Et après?

Il faut demander: Quelle Tunisie? Celle d’hier? Celle d’aujourd’hui?

Je dis: Il faut être positiv. Chaque révolution a besoin d’un but précis: la démocratie, l’Êtat du droit, la solidarité, la liberté du culte. Le travail, l’éducation.

Il faut garder en avant. Il faut faire des projets pour l’après, d’ores et déjà.

Egypte : plusieurs morts à l’issue d’une journée de protestation sans précédent – LeMonde.fr
Avec d’autres organisations proches, le mouvement appelait à descendre dans la rue pour faire de mardi une „journée de révolte contre la torture, la pauvreté, la corruption et le chômage“.

„Moubarak, dégage „, „la Tunisie est la solution „, ont scandé les manifestants au Caire comme à Alexandrie Nord, la deuxième ville du pays, face à un dispositif policier massif.

 Posted by at 17:39
Jan 252011
 

Extreme Staatsabhängigkeit, Verharren in Unmündigkeit, eine grenzenlose Anspruchshaltung gegenüber dem mütterlichen Staat, der alle Geselligkeitswünsche unterstützen muss: das ist die Haltung, die sich die butterweichen, gluckenhaften Regierungen unseres Bezirks Friedrichshain-Kreuzberg, unserer Stadt Berlin über die Jahrzehnte herangezüchtet haben. Bezeichnend für diese Anspruchshaltung: Wenn eine Wohnmöglichkeit ausläuft, weil der Hauseigentümer gekündigt hat, wird sofort vom Staat, in diesem Fall vom Berliner Senat, eine wärmende Mutterhöhle verlangt. „Fein sein – beinander bleibn!“, heißt es im Bayrischen Volkslied.

Die Bewohner der Liebig 14 hinterlassen den Eindruck von kleinen Kindern, die von ihren Eltern verlangen, sie sollten ihnen eine wärmende Höhle – also eine „Wohnalternative“ – auf Lebenszeit bereitstellen. Und wenn Mutti und Papi nicht wollen, wie es die Kiddies verlangen, wird Rabatz geschlagen. Wenn Mami und Papi vom SPD/Linke-Senat sagen: „Dafür sind wir nicht zuständig, ihr seid erwachsene Menschen, sucht euch einen Platz, arbeitet dafür!“, wird losgeplärrt: „Wie könnt ihr so böse, so gleichgültig sein, uaah! uaghh!“ Und dann werden die Buben und Mädchen richtig, richtig BÖSE! Lest:

Hausprojekt Liebig 14: Politik zofft sich vor der Räumung – taz.de
„Der Senat hat keine einzige Wohnalternative für das Projekt im Friedrichshain angeboten“, kritisierte die Grünen-Abgeordnete Canan Bayram. Auch habe sich die SPD an keinem runden Tisch beteiligt. „Da herrscht Gleichgültigkeit.“

Was hätte Alexander Mitscherlich dazu gesagt? Wahrscheinlich dies:

Alexander Mitscherlich – Auf dem Weg zur vaterlosen Gesellschaft
»In der unübersichtlichen Massengesellschaft«, schrieb Mitscherlich 1963, »hat diese autoritäre Form der Eingewöhnung in das soziale Feld aber eine unerwartete Antwort gefunden, nämlich eine Stärkung der Abhängigkeitsbestrebungen und eine Bejahung der Unmündigkeit. Das faktische Gegenbild zu den für unsere Zeitläufte charakteristischen Helden der Massen sind die ‘initiativarmen” Frühpensionäre, die in ihren Wohlfahrtsstaaten nie flügge werden wollen.«

 Posted by at 10:24

Turnhalle oder Mensa? Fordern oder verwöhnen?

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Jan 242011
 

Eine Turnhalle dient der körperlichen Ertüchtigung. Dort lernen Kinder und Jugendliche springen, laufen, heben, sie üben das Zusammenwirken in Mannschaften, sie tun etwas für die Fitness, sie bauen motorische Defizite ab, wie sie etwa Kapitän Schatz von der Gorch Fock so bitter beklagt hat: „Die Jungs schaffen heute keine 10 Klimmzüge mehr.“ Die Turnhalle fordert den körperlichen Einsatz, sie stärkt die leiblich-seelischen Kräfte. Sie ist symbolisch der „strenge Vater“, der Anstrengung von den Kindern verlangt.

Eine Mensa dagegen bietet wie eine symbolische gute Mutter gesundes, warmes Essen an. Dort bekommen Kinder und Jugendliche ohne eigene Mühe hochwertige Kost, hochwertiges Essen zu niedrigem Preis oder ganz auf Kosten des Staates. Die Väter und Mütter, die Kinder und Jugendlichen  brauchen nicht mehr selbst einzukaufen und zu kochen, der Staat versorgt die Kinder mit Essen und Trinken. Die Mensa ist ganz lieb und ganz mütterlich zu den Kindern, versorgt die Bürger gütig mit dem Lebensnotwendigen.

Eindeutig zugunsten des verwöhnenden Versorgungsstaates spricht sich SPD-Fraktionschef Müller aus.

Klausur der SPD-Fraktion: Wahlkampf mit Familie – taz.de
„Wenn man vor der Entscheidung steht, ob eine Mensa oder eine Turnhalle gebaut werden soll, kann die Entscheidung nur heißen: Mensa“, sagte Müller.

Ich halte das für ein verheerendes Signal. Umgekehrt ist es richtig! Eine neue Turnhalle ist wichtiger als eine neue Mensa! Mehr Sport, mehr körperliche Anforderungen, mehr Selberkochen, mehr Eigenverantwortung für die Ernährung – das tut den Berliner Kindern not! Viele Familien kochen nicht mehr warm, obwohl sie Zeit und Geld dafür haben.

Die Mütter und Väter sollen mehr selber kochen, die Kinder und Jugendlichen sollen lernen, wie man sich gesund, hochwertig und auf eigene Kosten ernähren kann!

Ich zum Beispiel schwöre im Winter auf Kohl in allen Variationen: Weißkohl, Wirsing, Rosenkohl, Chinakohl, Rotkohl, das schleppe ich aus dem Niedrigpreis (NP) an – dazu die passende Sättigungsbeilage (Kartoffeln, Nudeln) und ein bisschen Eiweiß-Zufuhr (etwa Fisch oder Schichtkäse oder Tofu) – das ist nicht teuer. Das kann jeder. Und es schmeckt.

Wir brauchen keine Mensen flächendeckend. Wir brauchen keinen huldvoll und gnädig zudeckenden, lähmenden Versorgungsstaat.

Bürgerinnen! Bürger! ErMANNT euch! Rebellion! In die Wanten!

Anpacken ist angesagt.

 Posted by at 15:00

Auf dem Weg zur vaterlosen Gesellschaft

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Jan 242011
 

Die vaterlose Gesellschaft ist in gewisser Weise die „überaus mütterliche Gesellschaft“, also die Gesellschaft, die sich ganz auf die Versorgungsleistungen herum gruppiert. Das Bundesland Berlin ist – wie ich meine – unter allen 16 Bundesländern das „vaterloseste“, das „mütterlichste“ Bundesland.

Nirgendwo werden so sehr wie hier alle Probleme des einzelnen sofort auf staatliche Hilfsangebote hin umgedeutet.

Was die Berliner SPD-Fraktion jetzt wieder auf ihrer Dresdener Klausur zur Familienpolitik hervorgezaubert hat, bestätigt meine Analyse in schonungsloser Offenheit! Von mehr, von beser ausgebauten Hilfsangeboten ist die Rede. Mehr Essen vom Staat, mehr Hilfe vom Staat, mehr Betreuung vom Staat, mehr Beratung vom Staat! Berlin ist Spitze darin und soll es laut SPD auch bleiben, mögen Mappus‘ böse Buben aus Bayern, Baden-Württemberg und Hessen noch so poltern und toben ob der knapp 3 Milliarden Euro, die sie aus dem Länderfinanzausgleich berappen!

Herrlich ist das Bild in der taz, welches Wowereit – den Bürgermeister und symbolischen „Vater“ der Stadt – geradezu erdrückt von weiblich-wolkigen Glücksversprechungen in Gestalt der sozialen Engel-Frauen zeigt. DAS ist eine Welt, DAS ist die wolkig-duftig-lockere Welt des fürsorglichen Übermutterstaates, genannt Bundesland Berlin! Die Hauptstadt der Verwöhnung!

Lest jetzt die hellsichtig-prophetische Psycho-Analyse des heutigen taz-Bildes aus der Feder von Alexander Mitscherlich (verfasst 1963):

Alexander Mitscherlich – Auf dem Weg zur vaterlosen Gesellschaft
»In der unübersichtlichen Massengesellschaft«, schrieb Mitscherlich 1963, »hat diese autoritäre Form der Eingewöhnung in das soziale Feld aber eine unerwartete Antwort gefunden, nämlich eine Stärkung der Abhängigkeitsbestrebungen und eine Bejahung der Unmündigkeit. Das faktische Gegenbild zu den für unsere Zeitläufte charakteristischen Helden der Massen sind die ‚initiativarmen“ Frühpensionäre, die in ihren Wohlfahrtsstaaten nie flügge werden wollen.«

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Jan 242011
 

04082010015.jpg Söhne berühmter Männer haben es schwer. Der Ruhm des Vaters entrückt den Vater. So muss es August von Goethe, der Sohn Goethes (sic!), erfahren haben, der mit 40 Jahren auf einer Italienreise starb. Die lateinische Grabinschrift auf dem protestantischen Friedhof in Rom lautet:

GOETHE FILIVS / PATRI / ANTEVERTENS / OBIIT / ANNOR XL / MDCCCXXX

Goethes Sohn / dem Vater / voranschreitend / starb / im 40sten Jahre / 1830

Die Arbeit am eigenen Ruhm nimmt den Vater und meist auch nebenherlaufend den Sohn gefangen – ob er nun Politiker oder Künstler ist, das Muster vom fernen Vater bleibt meist dasselbe.

Darüber berichtet der Sohn eines berühmten Politikers im aktuellen Focus mit ergreifenden Worten.

„Die Familie meines Vaters“ – Berliner Zeitung

Darüber hinausgehend erinnert mich diese Klage über den fernen Vater auch an das seit langem in diesem Blog verfolgte Thema der innerlich vaterlosen Söhne. Das ist eine der größten Nöte unserer Gesellschaft. Auf dem Weg zur vaterlosen Gesellschaft, so sprach Alexander Mitscherlich das Thema bereits im Jahr 1963 an! Er erkannte damals bereits die innere Vaterlosigkeit als eine der belastendsten Hypotheken für die nachwachsende Generation.

Seine Diagnose – Wir sind auf dem Weg zur vaterlosen Gesellschaft – hat sich heute, im Jahr 2011, mehr als er damals wohl ahnen konnte bewahrheitet.

So bin ich der festen Überzeugung, dass sehr viele soziale Probleme wie sie etwa der neueste Berliner Sozialatlas auflistet, also beispielsweise Sucht, Arbeitslosigkeit, Scheidungsnöte, Kriminalität junger Männer, Depressionen und Bildungsversagen junger Männer, mit dem Mangel einer guten, spannungsreichen, anspornenden Vaterbeziehung zu tun haben, mit dem Mangel an konkret erfahrenen männlichen Vorbildern.

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Fragen mit gelben Haaren, Lederkutte und mit Dativ

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Jan 242011
 

16082010011.jpg „Doktor, ich muss dir was fragen!“ Eine typische Frage, so berichtet es Jeannette Klemmt, die Tierärztin, die sich in Friedrichshain um die Hunde von Wohnungslosen kümmert. Löblich – ein Herz für Tiere UND Menschen! Und genauso gut finde ich, dass Jeannette Klemmt sich Verdienste um gepflegte deutsche Sprache erwirbt, wie der tip  am 28.12.2010 berichtet:

 Als ein junger Hundehalter mit gelben Haaren und Lederkutte ungelenk zu einer Frage ansetzt, unterbricht ihn die Ärztin: „Ich will DICH etwas fragen, nicht DIR. AKKUSATIV!“

Warum Akkusativ?  Nun, die deutschen Verben (etwa fragen, unterbrechen, antworten) fordern bestimmte Satzbaupläne, fragen beispielsweise verlangt oder „regiert“ den Akkusativ, antworten verlangt den Dativ. Beispiele:

Der junge Hundehalter mit gelben Haaren und Lederkutte fragt die Ärztin.
Die Ärztin fragt den jungen Hundehalter mit gelben Haaren und Lederkutte. AKKUSATIV!

ABER:
Der junge Hundehalter mit gelben Haaren und Lederkutte antwortet der Ärztin.
Die Ärztin antwortet dem jungen Hundehalter mit gelben Haaren und Lederkutte.
DATIV!

Alles ganz einfach, oder?

Hier kommt aber eine schwere Nuss für alle Freunde der deutschen Grammatik. Erneut geht es um das haarige Problem: Dativ oder Akkusativ?

Frage: Sind die folgenden beiden Pressemeldungen in richtigem, in gutem Deutsch abgefasst? Sie unterscheiden sich im Gebrauch von Akkusativ und Dativ! Welche Zeitung schreibt besseres Deutsch?

Meldung 1 aus der heutigen WELT:

Rückzug von einer allzu engen Bühne – Nachrichten Print – WELT AM SONNTAG – Politik – WELT ONLINE
Laut „Leipziger Volkszeitung“ kritisierte Rentsch Müller schriftlich dafür, „das öffentliche Vertrauen in das Bundesverfassungsgericht als selbstständiges Verfassungsorgan in erheblichem Maße zu beschädigen“.

Meldung 2 aus der heutigen Süddeutschen Zeitung, Seite 1:

Darin heißt es, die „große Akzeptanz“ des Bundesverfassungsgerichts entspringe auch der Tatsache, dass die Richter dort „grundsätzlich nicht aus der ersten Reihe der aktiven Politik stammen“. Werde diese Praxis nun geändert, könne dies dazu führen, das öffentliche Vertrauen in das Karlsruher Gericht „als selbstständigem Verfassungsgericht erheblich zu beschädigen“.

Meldung 1 verwendet den Akkusativ, Meldung 2 den Dativ. Was ist richtig? Beide? Keine? Die WELT? Die Süddeutsche Zeitung?

Auflösung des grammatischen Rätsels folgt übermorgen in diesem Blog!

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Jan 232011
 

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Beim Spaziergang durch die kalte sonntägliche Großbeerenstraße fiel mir heute wieder das folgende tschechische Volksliedchen ein, das ich vor langen Jahren während des Tschechisch-Selbstunterichts gelernt habe – und das ich nicht versäumte vor mich hin zu trällern – sehr zum Erstaunen meiner Begleiterin – und wobei ich sicher war, seit langer Zeit der erste Mensch zu sein, der je vor dem HAU dieses Liedchen sang:

Žádnyj neví, co jsou Domažlice,
žádnyj neví, co je to Taus.
Taus je to německy, Domažlice česky,
žádnyj neví, co je to Taus
2.
Žadnyj neví, co je to železo,
žádnyj neví, co je kroužek.
Kroužek je železo, má zlatá Terezo,
žádnyj neví, co je kroužek.

„Tschechien“ – so lautet ein vorzügliches Bändchen, das Markus Mauritz über die Geschichte unseres neben Polen zweiten großen slawischen Nachbarn herausgebracht hat und das ich heute las.

Erstaunlich!  Dieser Staat, die Tschechische Republik, ist das Endergebnis eines jahrhundertelangen Zusammenlebens unterschiedlicher ethnischer Gruppen in einem eng umgrenzten Raum – Böhmen und Mähren. Tschechen, Deutsche, Slowaken, Ungarn, Juden, Ruthenen, – das waren die Völker, die ab 28.10.1918 zum ersten Mal in Mitteleuropa in einem wahrhaft demokratischen, multiethnischen, multikulturellen Gemeinwesen zusammenleben sollten. Ein gewaltiges, letztlich gescheitertes Experiment, das intensives Studium verdient!

Am 17.07.1992 erklärte sich der slowakische Landesteil zum souveränen Staat. Dies war das Ende des Experiments eines multethnischen demokratischen Staates.

Nicht einmal die Tschechen und die Slowaken, die angeblich nahverwandten slawischen Brudervölker haben es also miteinander ausgehalten! Damit ist der mich immer wieder verblüffende Zustand eingetreten, dass fast alle europäischen Demokratien nunmehr Nationalstaaten geworden sind. Die beiden Ausnahmen sind Belgien und Schweiz.

Die Bundesrepublik Deutschland meint immer noch, ohne den Begriff der „Volksgruppen“ auskommen zu können, obwohl wir mit den Türken eine annähernd 3 Millionen Menschen umfassende, klar umrissene ethnische Minderheit bei uns haben. Nicht umsonst spricht etwa der einflussreiche Türkische Bund in seiner Satzung eindeutig davon, dass er „Minderheitenrechte„, also echte Gruppenrechte für die türkische Volksgruppe einfordert.

Besonders nachdenklich stimmt mich die Tatsache, dass die Tschechen und die Deutschen über Jahrhunderte hin in wechselnden staatlichen Gebilden miteinander und nebeneinander herlebten, aber sich nirgendwo tiefgreifend vermischten. Es war über die Jahrhunderte meist für jeden Bürger sofort klar, ob er Deutscher oder Tscheche war.

Weder unter den Fürsten noch in der Demokratie bildete sich eine übergreifende, multiethnische, multikulturelle neue Identität heraus.

Wird es also auch mit unseren Türken so sein, dass sie noch in Hunderten von Jahren sich als „Türken in Deutschland“ und nicht als „Deutsche mit türkischem Hintergrund“ sehen? Ich halte dies für höchst wahrscheinlich.

Das faktenreiche, klug abwägende Buch von Markus Mauritz sollte jeder lesen, der zum Thema Integration und Mulitkulturalismus mitreden will.

Hier die Angaben:

Markus Mauritz: Tschechien. Verlag Friedrich Pustet Regensburg. Südosteuropa-Gesellschaft München 2002.

Amazon.com: Tschechien. (9783791717692): Markus Mauritz, Horst Glassl, Ekkehard Völkl: Books

 Posted by at 23:32
Jan 222011
 

 Die Antwort, wie sie der neue Soziatlas Berlins vorlegt, lautet: Ja! Kinder, die in Hartz-IV-Haushalten aufwachsen, gelten definitorisch als arm. Armut von Kindern gilt als Skandal, als unerwünscht. Man muss etwas tun, um Kinderarmut zu beseitigen! Was? Nun, man muss Geld so einsetzen, dass die Kinder nicht mehr arm sind. Die große Geld-Verteilungsmaschinerie kommt in Gang. Ziel der Transferzahlungen soll es sein, Kinderarmut zu beseitigen. Dann wird zum Beispiel ein Projekt aufgelegt, in dem eine Ausstellung über Satellitenschüsseln mit Geldern bezuschusst wird, so dass etwas Geld zur Linderung der Armut in die Armutsquartiere fließt. Dies ist KEIN WITZ, sondern es geschieht in Berlin tatsächlich.

Allein – das hehre Ziel wird nicht erreicht. Denn weiterhin gelten Kinder, die in Hartz-IV-Haushalten aufwachsen, als arm.

Stimmt das? Sind diese Kinder arm? Nein. Diese Kinder sind nicht materiell arm. Sie haben materiell und finanziell alles, was ein Kind zum Gedeihen gebraucht.  Bitte glaubt es mir. Ich kenne doch Dutzende von Hartz-IV-Familien. Ich lebe in einem der sozialschwächsten Gebiete von ganz Berlin. Nicht die materielle Armut bedrückt die Menschen. Es bedrückt sie überhaupt recht wenig. Sie sind nicht unglücklich. Warum sollten sie unglücklich sein? Aus der Perspektive des einzelnen spricht nichts dagegen, das ganze Leben von staatlichen Versorgungsleistungen zu leben. Die Hartz-IV-Existenz ist weder menschenunwürdig, noch ist sie ein gesellschaftlicher Makel, noch ist sie im entferntesten als Armut zu bezeichnen. Im Gegenteil, sie sichert ein bescheidenes, beschauliches Auskommen für alle Familien, und häufig kann man sogar noch Geld an arme Verwandte schicken.

Allein die Gesellschaft insgesamt, allein die Volkswirtschaft insgesamt muss ein Interesse daran haben, die Familien aus der Arbeitslosigkeit, die Jugendlichen aus der Abhängigkeit von Transferzahlungen herauszubringen. Denn wir – also die Gesellschaft – wissen: Beim jetzigen Wachstum des Anteils der Sozialleistungen am Staatshaushalt wird – bei der jetzigen demographischen Entwicklung – die gesamte Volkswirtschaft in vielleicht 20 oder 25 Jahren zusammenbrechen. Bereits heute sind es vor allem die unverdienten Gratifikationen des Staates, die einzelne Länder wie etwa Griechenland oder Portugal an den Rand des Bankrotts bringen: Frühpensionierungen, aufgeblähte Beamtenschaften, Steuerhinterziehung, Versorgungsleistungen, Subventionen des Staates.

Die Verschuldenspolitik der Staaten stellt die große ernsthafte Bedrohung für die Stabilität der Sozialsysteme dar.  Es sind nicht so sehr die Fehler, die Selbstbereicherung der Manager, die „Umverteilung von unten nach oben“. Diese Selbstbereicherung der Oberschicht auf Kosten der Allgemeinheit gibt es, aber sie ist das kleinere Problem. Das Problem der Ausplünderung der Staatsfinanzen durch die Reichen existiert zwar – siehe Bankenskandale, siehe Bürgschaften – , aber es ist lösbar durch kluge, effiziente, harte Maßnahmen der Finanzpolitik.

Das Problem der Überbelastung der Staatsfinanzen durch die anteilmäßig wachsenden Sozialleistungen ist das größere Problem.

Bereits heute sind viele deutsche Kommunen vor allem durch die Sozialausgaben an den Rand der Handlungsfähigkeit gedrängt.

Mehr Ehrlichkeit ist angesagt! Zunächst einmal sollte man das Reden von Kinderarmut ganz schnell einstellen. Die Kinder sind nicht im materiellen Sinne arm, sondern arm an Vorbildern, denn ihnen fehlt die Grunderfahrung, dass die Eltern für den Lebensunterhalt arbeiten gehen. Die Kinder sind arm an Sinnhorizonten, da der Staat ihnen absolute Versorgungssicherheit verspricht.  Wenn die Eltern oder ein Elternteil arbeiten ginge, stünden die Kinder – bei gleicher finanzieller Ausstattung – sofort besser da: Sie hätten Orientierung in einem verlässlich gegliederten Alltag. Sie erführen, dass man sich im Leben anstrengen muss. Jetzt erfahren sie die Botschaft: Wozu sich anstrengen? Das Geld kommt sowieso.

Die Kinder brauchen vor allem Sinnhorizonte!

 Posted by at 22:41