Archive for Januar 24th, 2011

Turnhalle oder Mensa? Fordern oder verwöhnen?

Montag, Januar 24th, 2011

Eine Turnhalle dient der körperlichen Ertüchtigung. Dort lernen Kinder und Jugendliche springen, laufen, heben, sie üben das Zusammenwirken in Mannschaften, sie tun etwas für die Fitness, sie bauen motorische Defizite ab, wie sie etwa Kapitän Schatz von der Gorch Fock so bitter beklagt hat: “Die Jungs schaffen heute keine 10 Klimmzüge mehr.” Die Turnhalle fordert den körperlichen Einsatz, sie stärkt die leiblich-seelischen Kräfte. Sie ist symbolisch der “strenge Vater”, der Anstrengung von den Kindern verlangt.

Eine Mensa dagegen bietet wie eine symbolische gute Mutter gesundes, warmes Essen an. Dort bekommen Kinder und Jugendliche ohne eigene Mühe hochwertige Kost, hochwertiges Essen zu niedrigem Preis oder ganz auf Kosten des Staates. Die Väter und Mütter, die Kinder und Jugendlichen  brauchen nicht mehr selbst einzukaufen und zu kochen, der Staat versorgt die Kinder mit Essen und Trinken. Die Mensa ist ganz lieb und ganz mütterlich zu den Kindern, versorgt die Bürger gütig mit dem Lebensnotwendigen.

Eindeutig zugunsten des verwöhnenden Versorgungsstaates spricht sich SPD-Fraktionschef Müller aus.

Klausur der SPD-Fraktion: Wahlkampf mit Familie – taz.de
“Wenn man vor der Entscheidung steht, ob eine Mensa oder eine Turnhalle gebaut werden soll, kann die Entscheidung nur heißen: Mensa”, sagte Müller.

Ich halte das für ein verheerendes Signal. Umgekehrt ist es richtig! Eine neue Turnhalle ist wichtiger als eine neue Mensa! Mehr Sport, mehr körperliche Anforderungen, mehr Selberkochen, mehr Eigenverantwortung für die Ernährung – das tut den Berliner Kindern not! Viele Familien kochen nicht mehr warm, obwohl sie Zeit und Geld dafür haben.

Die Mütter und Väter sollen mehr selber kochen, die Kinder und Jugendlichen sollen lernen, wie man sich gesund, hochwertig und auf eigene Kosten ernähren kann!

Ich zum Beispiel schwöre im Winter auf Kohl in allen Variationen: Weißkohl, Wirsing, Rosenkohl, Chinakohl, Rotkohl, das schleppe ich aus dem Niedrigpreis (NP) an – dazu die passende Sättigungsbeilage (Kartoffeln, Nudeln) und ein bisschen Eiweiß-Zufuhr (etwa Fisch oder Schichtkäse oder Tofu) – das ist nicht teuer. Das kann jeder. Und es schmeckt.

Wir brauchen keine Mensen flächendeckend. Wir brauchen keinen huldvoll und gnädig zudeckenden, lähmenden Versorgungsstaat.

Bürgerinnen! Bürger! ErMANNT euch! Rebellion! In die Wanten!

Anpacken ist angesagt.

Auf dem Weg zur vaterlosen Gesellschaft

Montag, Januar 24th, 2011

Die vaterlose Gesellschaft ist in gewisser Weise die “überaus mütterliche Gesellschaft”, also die Gesellschaft, die sich ganz auf die Versorgungsleistungen herum gruppiert. Das Bundesland Berlin ist – wie ich meine – unter allen 16 Bundesländern das “vaterloseste”, das “mütterlichste” Bundesland.

Nirgendwo werden so sehr wie hier alle Probleme des einzelnen sofort auf staatliche Hilfsangebote hin umgedeutet.

Was die Berliner SPD-Fraktion jetzt wieder auf ihrer Dresdener Klausur zur Familienpolitik hervorgezaubert hat, bestätigt meine Analyse in schonungsloser Offenheit! Von mehr, von beser ausgebauten Hilfsangeboten ist die Rede. Mehr Essen vom Staat, mehr Hilfe vom Staat, mehr Betreuung vom Staat, mehr Beratung vom Staat! Berlin ist Spitze darin und soll es laut SPD auch bleiben, mögen Mappus’ böse Buben aus Bayern, Baden-Württemberg und Hessen noch so poltern und toben ob der knapp 3 Milliarden Euro, die sie aus dem Länderfinanzausgleich berappen!

Herrlich ist das Bild in der taz, welches Wowereit – den Bürgermeister und symbolischen “Vater” der Stadt – geradezu erdrückt von weiblich-wolkigen Glücksversprechungen in Gestalt der sozialen Engel-Frauen zeigt. DAS ist eine Welt, DAS ist die wolkig-duftig-lockere Welt des fürsorglichen Übermutterstaates, genannt Bundesland Berlin! Die Hauptstadt der Verwöhnung!

Lest jetzt die hellsichtig-prophetische Psycho-Analyse des heutigen taz-Bildes aus der Feder von Alexander Mitscherlich (verfasst 1963):

Alexander Mitscherlich – Auf dem Weg zur vaterlosen Gesellschaft
»In der unübersichtlichen Massengesellschaft«, schrieb Mitscherlich 1963, »hat diese autoritäre Form der Eingewöhnung in das soziale Feld aber eine unerwartete Antwort gefunden, nämlich eine Stärkung der Abhängigkeitsbestrebungen und eine Bejahung der Unmündigkeit. Das faktische Gegenbild zu den für unsere Zeitläufte charakteristischen Helden der Massen sind die ‘initiativarmen” Frühpensionäre, die in ihren Wohlfahrtsstaaten nie flügge werden wollen.«

“Er bleibt mein Vater, aber er ist weit weg”

Montag, Januar 24th, 2011

04082010015.jpg Söhne berühmter Männer haben es schwer. Der Ruhm des Vaters entrückt den Vater. So muss es August von Goethe, der Sohn Goethes (sic!), erfahren haben, der mit 40 Jahren auf einer Italienreise starb. Die lateinische Grabinschrift auf dem protestantischen Friedhof in Rom lautet:

GOETHE FILIVS / PATRI / ANTEVERTENS / OBIIT / ANNOR XL / MDCCCXXX

Goethes Sohn / dem Vater / voranschreitend / starb / im 40sten Jahre / 1830

Die Arbeit am eigenen Ruhm nimmt den Vater und meist auch nebenherlaufend den Sohn gefangen – ob er nun Politiker oder Künstler ist, das Muster vom fernen Vater bleibt meist dasselbe.

Darüber berichtet der Sohn eines berühmten Politikers im aktuellen Focus mit ergreifenden Worten.

“Die Familie meines Vaters” – Berliner Zeitung

Darüber hinausgehend erinnert mich diese Klage über den fernen Vater auch an das seit langem in diesem Blog verfolgte Thema der innerlich vaterlosen Söhne. Das ist eine der größten Nöte unserer Gesellschaft. Auf dem Weg zur vaterlosen Gesellschaft, so sprach Alexander Mitscherlich das Thema bereits im Jahr 1963 an! Er erkannte damals bereits die innere Vaterlosigkeit als eine der belastendsten Hypotheken für die nachwachsende Generation.

Seine Diagnose - Wir sind auf dem Weg zur vaterlosen Gesellschaft – hat sich heute, im Jahr 2011, mehr als er damals wohl ahnen konnte bewahrheitet.

So bin ich der festen Überzeugung, dass sehr viele soziale Probleme wie sie etwa der neueste Berliner Sozialatlas auflistet, also beispielsweise Sucht, Arbeitslosigkeit, Scheidungsnöte, Kriminalität junger Männer, Depressionen und Bildungsversagen junger Männer, mit dem Mangel einer guten, spannungsreichen, anspornenden Vaterbeziehung zu tun haben, mit dem Mangel an konkret erfahrenen männlichen Vorbildern.

Fragen mit gelben Haaren, Lederkutte und mit Dativ

Montag, Januar 24th, 2011

16082010011.jpg “Doktor, ich muss dir was fragen!” Eine typische Frage, so berichtet es Jeannette Klemmt, die Tierärztin, die sich in Friedrichshain um die Hunde von Wohnungslosen kümmert. Löblich – ein Herz für Tiere UND Menschen! Und genauso gut finde ich, dass Jeannette Klemmt sich Verdienste um gepflegte deutsche Sprache erwirbt, wie der tip  am 28.12.2010 berichtet:

 Als ein junger Hundehalter mit gelben Haaren und Lederkutte ungelenk zu einer Frage ansetzt, unterbricht ihn die Ärztin: “Ich will DICH etwas fragen, nicht DIR. AKKUSATIV!”

Warum Akkusativ?  Nun, die deutschen Verben (etwa fragen, unterbrechen, antworten) fordern bestimmte Satzbaupläne, fragen beispielsweise verlangt oder “regiert” den Akkusativ, antworten verlangt den Dativ. Beispiele:

Der junge Hundehalter mit gelben Haaren und Lederkutte fragt die Ärztin.
Die Ärztin fragt den jungen Hundehalter mit gelben Haaren und Lederkutte. AKKUSATIV!

ABER:
Der junge Hundehalter mit gelben Haaren und Lederkutte antwortet der Ärztin.
Die Ärztin antwortet dem jungen Hundehalter mit gelben Haaren und Lederkutte.
DATIV!

Alles ganz einfach, oder?

Hier kommt aber eine schwere Nuss für alle Freunde der deutschen Grammatik. Erneut geht es um das haarige Problem: Dativ oder Akkusativ?

Frage: Sind die folgenden beiden Pressemeldungen in richtigem, in gutem Deutsch abgefasst? Sie unterscheiden sich im Gebrauch von Akkusativ und Dativ! Welche Zeitung schreibt besseres Deutsch?

Meldung 1 aus der heutigen WELT:

Rückzug von einer allzu engen Bühne – Nachrichten Print – WELT AM SONNTAG – Politik – WELT ONLINE
Laut “Leipziger Volkszeitung” kritisierte Rentsch Müller schriftlich dafür, “das öffentliche Vertrauen in das Bundesverfassungsgericht als selbstständiges Verfassungsorgan in erheblichem Maße zu beschädigen”.

Meldung 2 aus der heutigen Süddeutschen Zeitung, Seite 1:

Darin heißt es, die “große Akzeptanz” des Bundesverfassungsgerichts entspringe auch der Tatsache, dass die Richter dort “grundsätzlich nicht aus der ersten Reihe der aktiven Politik stammen”. Werde diese Praxis nun geändert, könne dies dazu führen, das öffentliche Vertrauen in das Karlsruher Gericht “als selbstständigem Verfassungsgericht erheblich zu beschädigen”.

Meldung 1 verwendet den Akkusativ, Meldung 2 den Dativ. Was ist richtig? Beide? Keine? Die WELT? Die Süddeutsche Zeitung?

Auflösung des grammatischen Rätsels folgt übermorgen in diesem Blog!