Mrz 312011
 

Na, wie üblich knallte ich wieder mal eine “Tischvorlage” auf den Tisch des Wirtshauses in der Stresemannstraße. Dann erhub ich mich zu kühnem gedanklichen Flug!

Die Tischvorlage wurde wieder ein winzig klein bisschen zerpflückt oder zurechtgerückt, sagen wir’s wir mal so. OK. Dafür sind ja diese Stammtische da. Auch Rom ist nicht an einem Tag erbaut worden.

Danke, Freunde! Es hat Spaß gemacht. Bis nächsten Donnerstag, 18 Uhr.

Und ein neues Blog gibt es auch:

Politikselbermachen

 Posted by at 21:54
Mrz 312011
 

Aufm Kika verfolgten wir kürzlich den “Songkontest” – begleitet vom üblichen elektronischen Gedaddel, sollten Kinder ein Lied ihrer Wahl singen. Spannend war, dass kein einziges Kind die in der EU am meisten gesprochene Muttersprache, also Deutsch verwendete, sondern alle Songlyrics – Englisch waren.

Deutsch wird also öffentlich von Kindern nicht mehr gesungen. Alles muss so cool sein. Marketingsprech hat die Kinderkanäle und Kinderherzen erobert. Das Rhythmusgefühl bei den Kindern wird nicht entwickelt, da die Beat-Maschinen alles vorgeben. Sowenig wie Kinder noch rückwärts gehen oder balancieren lernen, lernen sie auch den Ton zu treffen. “Hänschen klein” – dieses Lied ist ein Lied von einem anderen Stern, es wird nicht mehr gelehrt. Stattdessen leistet man sich wahnsinnig teure Sprachförderprogramme, stellt Sozialarbeiter und Logopäden sonder Zahl ein.

Unfassbar.

Die Kinder werden zunehmend ins kulturelle Nirwana des Internationalismus gestoßen.  Da alles gleich und gleichgültig ist, setzt sich letztlich die am besten vermarktungsfähige Sprache durch, also das Englische. Nur in den Koranschulen wird weiterhin Hocharabisch gepflegt, die Jungs lernen Sure um Sure auswendig, und zwar nicht auf Englisch, sondern auf Arabisch! In den russischen Familien wird Russisch gepflegt, in den türkischen Familien wird türkisch gesprochen. Die Deutschen sprechen untereinander noch Deutsch oder auch Englisch.

Ansonsten bildet sich nach und nach eine multinationale Patchwork-Gesellschaft heraus. “Berlin wird immer internationaler”, so stellt es Günter Piening, der Integrationsbeauftragte des Senats fest. Alle Nationalitäten sind gleichberechtigt, als gemeinsame Sprache der nachwachsenden Elite scheinen viele Englisch zu bevorzugen. Ansonsten plappert jeder drauflos, wie ihm der Schnabel wächst. Der Türke spricht Türkisch, der Kurde spricht Türkisch oder Kurdisch, der Araber spricht Arabisch, der Vietnamese spricht Vietnamesisch. Alle zusammen sprechen wir – gar nicht miteinander. Das ist die “Internationale der Stummen”.

Die Anträge auf Sozialhilfe liegen in zahlreichen Sprachen aus. Selbst zum Ausfüllen des Antrags auf Sozialhilfe bedarf es keiner Deutschkenntnisse. Great! We draw the crowds from everywhere!

Wird Berlin also immer internationaler? Ich meine, dass Berlin nicht “immer internationaler wird”, wie der gute Herr Piening meint bemerken zu dürfen, sondern sich zunehmend in Volksgruppen (Russen, Araber, Deutsche, Türken usw.) gliedert oder spaltet. Kuckt doch der Wahrheit ins Auge. So ist es doch.

31.03.2011: Die Mehrheit wird international (Tageszeitung Neues Deutschland)

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