Aug 312011
 

strobele-130220090131.jpg Mein Heimatbezirk Friedrichshain-Kreuzberg gilt weithin als „fest in der Hand der Linken„. CDU und FDP als die beiden einzigen nicht-linken Parteien im Bezirk sammelten 2006 zusammen nicht mehr 12,6 Prozent aller WählerInnenstimmen ein. Linksextreme Übergriffe zu bestimmten Tagen, also etwa Steinwürfe auf Polizisten, oder auch auch Aufschriften wie „Deutschland verrecke“ oder „Yuppies raus“ sind nichts Ungewöhnliches, sondern fester Teil des Alltags.

Ein durch und durch links-alternativer Bezirk, möchte man meinen. Wirklich? Ein zweiter Blick lehrt mehr: In keinem anderen Bezirk Berlins gab es auch im Jahr 2010 wieder so viele rechtsextremistische Straftaten wie gerade in Friedrichshain-Kreuzberg! Das berichtet die grüne BVV-Fraktion selbst in ihrem neuen Rechenschaftsbericht „Das haben wir erreicht“ auf S. 26. Ja, das habt ihr erreicht: eine Rekordzahl an rechtsextremen Übergriffen! Erstaunlich, aber wahr! Und es war immerhin auch in Friedrichshain, dass Silvio Meier von Rechtsextremen ermordet wurde. „Ströbele raus aus Deutschland“ konnte ich mit eigenen Augen als Graffito im besetzten – jetzt notdürftig legalisierten – Südflügel des Bethanien lesen. Das bedeutet nichts anderes, als dass Friedrichshain-Kreuzberg eine Heimstätte für extreme Ansichten auf der Linken wie der Rechten ist.

Die Vorstellung, dass Friedrichshain-Kreuzberg eine nazi-freie Zone sei oder je gewesen sei, lässt sich nicht halten. Der Bezirk ist vielmehr ein Tummelplatz für Linksextreme UND Rechtsextreme, für gewaltbereite Revolutionäre UND für gewaltbereite Rassisten und Nationalisten. Es ist der Bezirk, der mit Abstand die meisten politisch motivierten Gewalttaten für sich beanspruchen darf.

Rassistische UND antirassistische Diskurse werden deshalb hier im Bezirk gleichermaßen gepflegt. Faschistische und antifaschistische Initiativen leben voneinander, sind vital darauf angewiesen, dass die andere Seite existiert. Wenn es keinen Rassismus gäbe, könnte man antirassistische Initiativen nicht mit Steuergeldern fördern. Wenn man eine bestimmte Kleidungsmarke, bestimmte Läden oder Kneipen  nicht als rassistisch brandmarken könnte, gäbe es für die linken Machthaber des Bezirks keine Berechtigung, einer antirassistischen Gruppierung Förderung zukommen zu lassen. Durch die Tatsache, dass Kleidungsmarken oder Kneipen als rassistisch oder faschistisch bezeichnet werden, wird der unwiderlegliche Beweis erbracht, dass Rassismus und Faschismus überall lauern.

Mit viel Geld und gutem Willen wird der vorhandene Rassismus gepflegt, gezeigt und durch antirassistische Diskurse verstetigt – siehe etwa die Umwidmung des May-Ayim-Ufers, mit denen die „Afro-Deutschen“ als besondere, rein genetisch definierte Subspezies der Deutschen anerkannt werden! Ich meine es endgültig begriffen zu haben: Afro-Deutsche sind Deutsche, bei denen wie bei May Ayim mindestens ein Elternteil anhand der Hautfarbe als afrikanisch anzusehen ist. Ob der Afro-Deutsche je den schwarzen Elter gesehen hat oder je den Fuß in den heißen afrikanischen Sand gesetzt hat, ist unerheblich. Entscheidend ist allein die biologische Abstammung. Nur Genetik entscheidet, ob man als Afro-Deutscher gilt oder nicht. Bizarr.

Reinrassiger Rassismus ist das, was da als postkolonialer Antirassismus zelebriert wird.

Stichwort reinrassig (ein Lieblingswort rassistischer Diskurse)! Viele Weiße ziehen aus Kreuzberg nach Friedrichshain oder in andere vorwiegend weiße Quartiere des ehemaligen Ost-Berlin, sobald ihre weißen Kinder das Schulalter erreichen. Wir haben also schon eine recht deutliche Trennung nach Hautfarbe in unserem so herrlich linken, so herrlich antirassistischen Stadtteil! Die Segregation der Grundschüler nach Herkunft ist in Kreuzberg praktisch vollendet. Ein fast reinrassig weißer Stadtteil ist – im Gegensatz zu unserem sehr bunten Kreuzberg – das schöne Friedrichshain.

Als erklärter Mann der Mitte stand ich am vergangenen Samstag für die Partei des deutsch-angolanischen Thüringers Zeca Schall, eines Schwarzen, auf dem berühmten Boxhagener Platz in Friedrichshain. Alle Besucher des Platzes waren Weiße, sie sprachen Deutsch, Englisch und Französisch. Es waren also neben den vielen weißen Bewohnern auch viele weiße Touristen da. Viele Besucher des Platzes reagierten desinteressiert, einige ließen sich auf ein Gespräch ein, nur wenige schimpften: „Geht doch zum Teufel!“ Aha! Der Teufel ist schwarz! Ein Vater schärfte seinem kleinen Sohn ein: „Pass auf, Junge, von diesen Männern, diesen Schwarzen, darfst du NICHTS annehmen!“

Na prima! Als Schwarzer wird man am Boxhagener Platz sofort wieder mit rassistischen Vorurteilen konfrontiert. Da habt ihr’s! DAS ist der Beweis! Rassismus überall. Jetzt schnell ’ne weitere Schippe Geld für antirassistische Initiativen!

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Wer tötete euch, May, Cengaver, Siegfried, Giuseppe und Çetin?

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Aug 312011
 

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Das wird immer spannender! Am May-Ayim-Ufer starben noch vor wenigen Jahren Menschen wegen des grausamen DDR-Grenzregimes. Auch diese Vorfälle wurden bei der Einweihung der Gedenktafel mit keiner Silbe erwähnt! Was sind schon ein paar Mauertote angesichts der Millionen Opfer von Kolonialismus und Rassismus!

O ihr Bezirksgrünen! Mir wühlt das Schicksal der von den eigenen Eltern so grausam verlassenen May Ayim die Seele auf, das Schicksal der hier an der DDR-Grenze ertrunkenen Kinder erschreckt mich, ihr trauert symbolisch über Millionen und Abermillionen weit entfernte Opfer! Na, fühlt ihr euch gut damit?

Afro-Deutsche? Ich halte den Begriff für rassistisch und biologistisch. May Ayim wuchs in Deutschland auf. Ihr ghanaischer biologischer Vater hat sich nicht um sie gekümmert. Ihre deutsche biologische Mutter hat sie ins Heim gegeben. Das ist die Tragödie. Anderthalb Jahre nach der Geburt ohne Vater und ohne Mutter, also ohne feste Bindung an einen Menschen.

Der ghanaische Vater hat sie gezeugt. Mehr nicht. May Ayim war eine Deutsche wie Millionen andere auch.

May-Ayim-Ufer – Wikipedia
Während der Zeit der Teilung Berlins verlief am Gröbenufer die Sektorengrenze, wobei die Spree in voller Breite zu Ost-Berlin gehörte. Diese Situation war Grund für eine Reihe von tragischen Unglücksfällen in den 1960er Jahren und den 1970er Jahren. Andreas Senk ertrank 1966 nachdem er ins Wasser gestoßen wurde. West-Berliner trauten sich nicht den Sechsjährigen zu retten, während Grenztruppen der DDR den Vorfall nicht bemerkten. Mindestens vier West-Berliner Kinder ertranken in der Spree, weil den Rettungskräften am West-Berliner Ufer durch die Grenztruppen der DDR jedes Eingreifen untersagt war: Cengaver Katrancı (9), Siegfried Kroboth (5), Giuseppe Savoca (6) und Çetin Mert (5). Sie konnten durch die breiten Öffnungen der gusseisernen Brüstung klettern – erst dann kam man auf die Idee, durchgehend engmaschiges Drahtgeflecht anzubringen.

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Fernstenliebe oder Nächstenliebe – wofür entscheidet ihr euch?

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Aug 302011
 

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Lieber noch rate ich euch zur Nächstenflucht und zur Fernstenliebe„, so der selbsternannte große Antichrist des 19. Jahrhunderts, Friedrich Nietzsche, in seinem Also sprach Zarathustra. Fernstenliebe statt Nächstenliebe – ein schönes Wort! Gemeint ist: zur Erreichung des Ideals, des richtigen Menschen, des Übermenschen, müssen Opfer im Hier und Jetzt gebracht werden.

„Wir Grünen sind die Partei des Rocks, nicht des Hemdes“ – so einmal treffend der frischgebackene Ministerpräsident des Ländle in Anspielung auf das Sprichwort: „Das Hemd sitzt näher als der Rock.“ Ein klares Bekenntnis zum Ideal der Fernstenliebe!

Daran musste ich gestern bei der feierlichen Einweihung der May-Ayim-Gedenktafel wieder denken: Ich erlebte eine grandiose Solidarität mit den Opfern von Kolonialismus und Rassismus, begonnen bei der schändlichen Berliner Afrika-Konferenz 1884. 1884 hieß konsequenterweise auch die Band, die aufspielte. Der Fixpunkt des Gedenkens ist die Opfer-Erfahrung, die Solidarität gilt den Fernsten. Die heute lebenden Schwarzen in Deutschland werden in die endlose Opfer-Erfahrung eingereiht. Kolonialismus und Rassismus werden als definierendes Moment für das Schwarzsein in alle Ewigkeit festgeschrieben.   Genau das tun auch viele Schwarze in den USA – über Jahrhunderte hinweg: „Wir sind alle Opfer der Weißen, denn wir wurden gewaltsam nach Amerika verschleppt!“ Die Black Panther etwa reden so. Der Opferstatus hat sich verfestigt. Rassistisches Denken wird als identitätsstiftend für Opfer übernommen.

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Dass May Ayim von eigenem Vater und eigener Mutter verraten und verlassen wurde, spielte gestern überhaupt keine Rolle. Dabei ist es offenkundig: Wenn sie eine liebende Mutter, einen liebenden Vater statt prügelnder Ersatzeltern gehabt hätte, wäre sie niemals so unglücklich geworden. Sie wäre kein OPFER des RASSISMUS geworden.

Hätten alle Kinder liebende Eltern, gäbe es die meisten sozialen Probleme nicht.

Identität in der Fernstenliebe entsteht also aus der Identifikation mit weit entfernten Opfererfahrungen. Das Fernste prägt das politische Handeln entscheidend mit. Früher waren es die Sandinistas in Nicaragua oder die Vietkong, die Opfer des „US-amerikanischen Imperialismus“, mit denen man sich identifizierte. Heute sind es die durch Otto Friedrich von der Gröben ab 1683 aus dem heutigen Ghana verschleppten und verkauften Negersklaven und deren Nachkommen.

Ebenso tun die Anhänger der Fernstenliebe alles für das fernste Ziel, für den Klimaschutz etwa – sie retten das Weltklima für die Fernsten. Dass allein durch die Klimaschutzmaßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz die objektiven Wohnkosten um 45% steigen werden – geschenkt!  Irgendwer wird schon zahlen – entweder die Mieter selbst, oder die steuerzahlende Allgemeinheit. Wir erinnern uns: Zur Erreichung des Fernzieles müssen Opfer im Hier und Jetzt gebracht werden!

Ich war gespannt – hatte sich bei all der grünen Fernstenliebe auch etwas für den Bereich des Nächsten getan? Hatte sich zum Beispiel die Situation des Fuß- und Radverkehrs am May-Ayim-Ufer gebessert? Gibt es nun endlich ausreichend Abstellmöglichkeiten für Fahrräder? Ist die Dominanz des Autoverkehrs am May-Ayim-Ufer mittlerweile zurückgedrängt? Gibt es nun endlich einen durchgängigen Radweg? Endlich einen durchgängigen Uferweg für Fuß- und Radwanderer?

Urteilt selbst! Schaut euch die Bilder an! Diese Bilder geben die tatsächliche Lage des May-Ayim-Ufers am gestrigen Tag wider. Ihr werdet sehen:

Nein, die Dominanz des nahweltschädlichen PKW-Verkehrs ist in Friedrichshain-Kreuzberg nicht gebrochen.

Es gibt weiterhin in Friedrichshain-Kreuzberg nicht genug Abstellmöglichkeiten für Fahrräder.

Es gibt weiterhin in Friedrichshain-Kreuzberg weder für Fuß- noch für Radwanderer einen durchgehenden Weg an den Ufern der Spree.

Nicht einmal das ist also geschafft worden. FreundInnen, MitstreiterInnen! DA müssen wir ran!

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Gesegnetes Ramadan-Ende allerseits!

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Aug 302011
 
 190820111111.jpgDanke, ihr habt es geschafft! Gesegnetes Ramadan-Ende! Im heutigen Bayram-Fest feiern die Muslime, dass es keiner Menschenopfer bedarf. Der Gott der Muslime will keine Menschenopfer. All den Opferdiskurs-AnhängerInnen, die stets neue Opferkategorien finden, sei’s ins Facebook geschrieben …
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Aug 292011
 

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Mein Vater kennt mich nicht, die Mutter liebt mich nicht.“ So heißt es im Popsong Waldeslust, 2. Strophe.

Ein furchtbares Schicksal erlebte May Ayim, zu deren Andenken heute eine Gedenktafel enthüllt wurde: Ihr Vater, ein Ghanaer, verließ die Mutter bei der Geburt, die Mutter gab das Kind ins Heim. Es gibt kaum etwas Schrecklicheres für ein Kind, als wenn es beide Eltern verliert. Ein Leben lang wird das Kind dann fragen: Wo gehöre ich hin? Wer bin ich eigentlich?

Die Väter, die die Mütter verlassen – das ist ein riesiges Problem, auf das gerade Präsident Obama immer wieder mahnend hingewiesen hat. Was hierzulande niemand weiß: Gerade in den USA verlassen 50% der Väter in manchen Communities die Mütter. Ein sozialer Sprengsatz des Elends!

May Ayims Gedichte, wie sie etwa heute vorgetragen wurden, sind für mich Zeugnis einer unrettbaren Traurigkeit, aber auch eines unbändigen Lebenswillens. Immer wieder versank sie in abgründige Schwermut.

In dem Gedanken, dass sie Opfer des Rassismus geworden war, mochte May Ayim  vor ihrem Selbstmord so etwas wie Trost finden. Im Grunde eine reine Schutzbehauptung, denn das riesige, das nicht wiedergutzumachende Trauma ist die massive Gewalt, die Verlassenheitserfahrung, denen May im Heim und in der Pflegefamilie ausgesetzt war. Man lese doch einmal ihre Gedichte durch – immer und immer wieder kehrt der Gedanke, schuldig-unschuldiges Opfer ihrer Eltern, ihrer Umwelt geworden zu sein.

Die Gedenkgemeinde spann heute eifrig an dieser trügerischen Schutzbehauptung weiter: „Überall gibt es Rassismus in Deutschland. Wir alle können Opfer werden. Nie wieder Rassismus!“ So der Tenor. Ich sehe da ritualisierte Opferdiskurse am Werk. Das große Risiko liegt darin, dass Menschen eingeteilt werden nach Opferkategorien. „Du bist schwarz in Deutschland – also begreife dich als Opfer jahrhundertelanger Unterdrückung!“ Das halte ich für gefährlichen Unsinn, dem ich aber immer wieder begegne. Er ist nichts anderes als Rassismus mit umgekehrtem Vorzeichen.

Fast jährlich tauchen unter dem Vorzeichen des umgekehrten Rassismus, also des perpetuierten Opferdiskurses, neue Opferkategorien auf: DIE Homosexuellen, DIE Transgender-Menschen, DIE Menschen mit Migrationshintergrund, DIE letzten Deutschen in Wedding usw. usw.

Leider fehlte mir auch nur der geringste Hinweis darauf, dass wir heute eben nicht mehr im Kolonialismus leben. Wir haben heute zum Glück in Deutschland eine diskriminierungsfreie Rechtsordnung.

Gerade die herrlich selbstbewussten Reden über Selbstermächtigung belegen, dass wir in Freiheit von staatlichem Zwang und rassistischer Unterdrückung leben. Rassismus ist keine Konstante der deutschen Geschichte.

Nie wieder Rassismus? Ich würde eher sagen: Nie wieder darf es vorkommen, dass Kinder solcher Herzenskälte, solch verheerender, solch liebloser Behandlung ausgesetzt werden. Was May Ayim angetan wurde, darf sich nicht wiederholen. Wir alle sind aufgerufen, den Kindern ein wärmendes, hegendes Nest zu bieten.

Allerdings muss ich das hohe Reflexionsniveau der Veranstaltung loben! Geschichte aus der Sicht der Opfer – ein sehr guter Ansatz. Die vielen Straßen in Kreuzberg, die nach Militärs und Generälen benannt sind, gehen auch mir schon lange auf den Senkel. Wo bleiben die Komponisten, die Dichterinnen, die Heiligen und die reuigen Sünder?  Aber soll man jetzt alle Straßen umbenennen?

Ich denke, ein historischer Lernpfad zu bestimmten Themen wie etwa Kolonialismus oder Rassismus täte es auch. Straßenumbenennungen sind sehr teuer, ziehen Geld von Schulen, Kitas, historischen Lehrpfaden und Radwegen ab. Dabei leugne ich nichts: Selbstverständlich gibt es auch heute rassistische Haltungen in Deutschland, gegen die wir angehen müssen wie etwa gegen Alkoholismus, Kindesvernachlässigung, Magersucht und Faulheit auch.

Aber Rassismus ist nicht endemisch, wie er dies früher im 19. Jahrhundert war. Ich erlebe eine ungute Inflation der Rassismus-Diagnosen, die den Begriff fast sinnlos gemacht haben. Es gilt jeden Menschen in seiner unvergleichlichen Einzigartigkeit, in seiner unzerstörbaren Würde anzunehmen und zu lieben. Ihn in Opferkategorien und Opferdiskurse  zu stecken, ist das Gegenteil davon.

Bild:  Joshua Kwesi Aikins, Initiative Schwarze Menschen in Deutschland. Er hielt eine brillante, sehr gut formulierte, sehr gut vorgetragene Rede.

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Merzedes Benz & Friends fahren vor

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Aug 282011
 

280820111174.jpg Schöner Ausflug mit unseren Rennrädern heute zum Flughafen Tempelhof. Merzedes Benz  zeigt, was es hat: röhrende Silberpfeile, standfeste Unimogs, die steile Rampen emporklettern ohne umzufallen!

Die Faszination des Autos wirkt weiterhin auf mich! Die 11.000 U/min eines Rennmotors sind Musik in meinen Ohren! So ein Bekenntnis muss erlaubt sein. DAS muss man doch noch sagen dürfen.

Die Faszination der Geschwindigkeit lebe ich weiterhin mit dem FELT-Rennrad aus.

Besondes gefreut hat mich, dass Daimler auf dem Flugfeld einen vorbildlichen, großen Fahrradabstellplatz hingezaubert hat.  Weder der ganze Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg noch der Berliner Hauptbahnhof noch – meines Wissens – die Stadt Berlin insgesamt haben das geschafft, was ich heute gesehen habe: einen großen Fahrradabstellplatz mit den berühmten Friedrichshain-Kreuzberger Bügeln, diebstahlsicher, massenweise Fahrräder sind abstellbar, eingezäunt. So muss er sein! Warum ist dies so schwer? Ich mag mich täuschen, aber die Fahrradabstellplätze, die in den letzten Monaten in Berlin gesehen habe, konnten mich alle nicht überzeugen.

Ostkreuz und Ostbahnhof sind bisher ebenfalls ein Desaster und stehen dem Hauptbahnhof in nichts nach.

Selbst der Abstellplatz vor der Heinrich-Böll-Stiftung in der Schumannstraße, den ich immer wieder gern ansteuere, kommt nicht im entferntesten an die Ausmaße und die Qualität des heutigen Tempelhofer Abstellplatzes von Daimler-Benz heran. Das ist doch absurd!

Ein Automobilkonzern schafft etwas, was die selbsternannten Fahrradförderer und auch der „Umweltverbund“ offenkundig bisher nicht geschafft haben!

http://www.youtube.com/watch?v=pC1T6BKWNg4  

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Aug 272011
 

Toller Katalog der Gesichter der Renaissance-Ausstellung! Ich werde mir alle Bilder erst einmal im Katalog erschließen und erlesen, ehe ich dann den großen Gang in all die Herrlichkeiten unternehme! Eines macht mich stutzig, nämlich folgende Behauptung:

Wenn man ein Hermelin fangen will, braucht man nur den Weg zum Nest zu beschmutzen. Es wird sich lieber fangen lassen als das weiße Fell zu beschmutzen. Malo mori quam foedari, schön und gut, aber: Ob Leonardo da Vinci das glaubte?

Katalog:
Gesichter der Renaissance. Meisterwerke italienischer Porträt-Kunst. Für die Gemäldegalerie – Staatliche Museen zu Berlin und das Metropolitan Museum of Art, New York. Hg. von Keith Christiansen und Stefan Weppelmann. Hirmer Verlag, München 2011, 420 Seiten, hier: S. 73-74

Museum Berlin | Homepage zur Ausstellung Gesichter der Renaissance im Bode-Museum – Home

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Beethoven oder Schubert?, oder: Welche Musik spielt Europa?

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Aug 272011
 

Als Liebhaber der Musik aus deutschen Landen präsentiert sich heute in Rimini Giulio Tremonti. „Die offizielle Hymne an die Freude läuft Gefahr, durch Schuberts „Unvollendete“ ersetzt zu werden.“

Ue: Tremonti, rischia di passare da ‚Inno alla Gioia‘ a ‚Incompiuta‘ | Parma la Repubblica.it
Ue: Tremonti, rischia di passare da ‚Inno alla Gioia‘ a ‚Incompiuta‘
Rimini, 27 ago. (Adnkronos) – „L’inno ufficiale dell’Unione europea rischia di passare da ‚L’Inno alla Gioia‘ di Beethoven a ‚L’Incompiuta‘ di Schubert…“. Con questa battuta, pronunciata nel corso del suo intervento al Meeting di Rimini, il ministro dell’Economia Giulio Tremonti ammonisce a „non andare avanti su un crinale pericoloso, come qualcuno pare voglia fare. Altrimenti -avverte- forse nella Ue bisogna cambiare musica“.

(27 agosto 2011 ore 14.16)

Ein anderer Online-Dienst berichtet soeben von der klaren Ansage Tremontis zugunsten der Eurobonds, die er als Instrumente für die steuerliche Konsolidierung, für die Einheitswährung und für zukünftige, wachstumsorientierte  Entwicklung sieht. Klare, eindeutige Kritik an Deutschland! Ich lese aus den in der Presse zitierten Worten Tremontis heraus: Deutschland darf sich nicht verweigern, es muss den Eurobonds zustimmen.

Il ministro nell’intervento ha ribadito che la crisi non è finita, il „game over“ non è ancora arrivato. Per Tremonti dunque la soluzione deve e può essere negli Eurobond, strumento per gestire il futuro fatto di rigore e disciplina. Di qui il monito alla Germania a non arroccarsi su una posizione nazionalista. „Se si va avanti su un clinale pericoloso – ha detto il ministro – il rischio è che bisognerà cambiare musica e passare dall’Inno alla gioia all’Incompiuta di Schubert“. Gli Eurobond, ha detto il ministro, non sono „un’idea che non può andare perchè conviene solo alla Spagna e all’Italia. E‘ un commento non appropriato. Gli Eurobond sono strumenti per il consolidamento fiscale, per la moneta comune e per i finanziamenti futuri nella prospettiva di crescita“.

Freunde, amici miei, hier stoßen vollkommen unterschiedliche Staatsaufassungen aufeinander! Der Italiener Tremonti denkt sozusagen von oben herab: Die europäische Ebene ist vorgelagert, das Gelingen des europäischen Einigungswerkes ist ein übergeordnetes Ziel, dem sich nationale oder „nationalistische“ Interessen (hier Deutschlands) unterzuordnen haben. Deutschland darf sich nicht in einer „nationalistischen“ Position verschanzen, es muss um des europäischen Aufbauwerks willen den verschuldeten Partnern grundsätzlich beispringen. So deute ich Tremontis Bezugnahme auf Ludwig van Beethoven und Franz Schubert in Rimini.

Die Deutschen (und auch die Slowaken, die Polen, die Schweizer, die US-Amerikaner) spielen eine andere Melodie: Für uns (mindestens für diesen armen Kreuzberger Blogger) gilt der Vorrang der unteren Ebene: Staatliches Leben vollzieht sich zunächst in der Gemeinde, dann im Bundesland, dann im Nationalstaat, der sich in den Europäischen Staatenverbund einfügt. Eine Gemeinde allein kann nicht überleben. Um stark zu sein, muss sich die untere Einheit verbünden, zusammenschließen und gewisse Rechte an die höhere Ebene abtreten. Die höhere Ebene existiert „von Gnaden“ der unteren Ebene. Die untere Ebene ist vorrangig. Kommt die höhere Ebene in eine finanzielle Schieflage, kann sie von der unteren Ebene Hilfe verlangen. Wenn der EU, der oberen Ebene, das Geld ausgehen sollte, könnte sie von den Mitgliedsstaaten Hilfe verlangen. Aber die EU, die obere Ebene muss wissen, dass sie auf Gedeih und Verderb vom Wohlergehen aller unteren Ebenen abhängt!

Kann aber ein Land von einem anderen Land Hilfe verlangen, wie es jetzt durch Griechenland und Italien verlangt wird – wo von Deutschland, den Niederlanden, der Slowakei  und einigen wenigen kleinere Ländern verlangt wird, anderen Ländern beizuspringen? Ich würde sagen: nein. Dies widerspricht der Architektur der Europäischen Verträge! Dies widerspricht auch dem Grundsatz der Subsidiarität.  Die Länder – also die unteren Ebenen – müssen nach dem Grundsatz der Subsidiarität ihre Wirtschaft selbständig verantworten und in Ordnung halten, solange wir trotz des Euro noch europäische Volkswirtschaften mit eigener Steuer-, Geld- und Finanzpolitik haben.

Ich bin felsenfest überzeugt: Haushaltspolitische Subsidiarität und europäische Solidarität bedingen einander.  Worauf Tremonti hinauswill, ist aber offenkundig ein europäischer Zentralstaat, hierarchisch verfasst wie etwa Frankreich, Italien, Griechenland oder Spanien. Die Eurobonds sind zum jetzigen Zeitpunkt ohne eiserne, geharnischte Klauen und Zähne, ohne verfassungsmäßig aufgezwungene Sparsamkeitsvorschriften das Einfallstor des Zentralstaates. Ist Italien, ist Griechenland, ist Spanien dazu bereit?  Waren sie je in den letzten Jahrzehnten dazu bereit?

Was eine deutsche Ministerin ausgerechnet heute – am selben Tag! – gefordert hat, nämlich Ursula von der Leyen, ist offenkundig etwas anderes als ein europäischer Zentralstaat: ein europäischer Bundesstaat, subsidiär verfasst nach dem Vorbild der USA, Deutschlands oder Schweiz.

In gegensätzlichen, ja geradezu unvereinbaren Staatsauffassungen begründet ist meines Erachtens die zur Zeit fast ausweglos scheinende Debatte über die europäische Finanzkrise, also etwa über die berühmten Eurobonds.

Es geht hier nicht um Demokratie oder Nicht-Demokratie. Selbstverständlich können auch Zentralstaaten durch und durch demokratisch sein, auch Bundesstaaten können diktatorische Züge annehmen.

Entscheidend ist jedoch die Frage: WER GIBT DIE TONART VOR? Die höhere, die zentrale Instanz, also BEETHOVEN, der Gran Maestro, der stabführende Dirigent wie etwa Arturo Toscanini, oder die untergeordnete, die subsidiäre Ebene, der Kammermusiker und Liedersänger Franz Schubert?

Auffällig für mich als ehemaligen Gastarbeiter in Italien: Ausgerechnet jetzt besinnt sich Italien auf den erstrebten europäischen Zentralstaat als Quell aller überschäumenden finanzpolitischen Freuden, nachdem über 2 Jahrzehnte lang der bundesdeutsche finanzpolitische Föderalismus als vorbildlich für eine Reform der eigenen Finanzverfassung hingestellt wurde! Che ironia! Hier schnürt sich gerade vor unseren Augen ein Knäuel an ungelösten Fragen!

Amici, Freunde: Dobbiamo stare attenti, molto attenti!

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Na, alles in BUTTER. GmbH?

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Aug 272011
 

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Ein kräftiges Gegenwindchen bekam ein bekannter Bürgermeisterkandidat gestern am Mehringplatz. Für mich war es trotzdem ein sehr unterhaltsamer Nachmittag. Ich plauderte mit vielen Gegnern und Unterstützern des amtierenden Bürgermeisterkandidaten und schloss angenehme Bekanntschaft mit einer netten jungen Musikwissenschaftlerin aus Kreuzberg, die dann sogar vom Podium sprach.

Ich liebe es, mich unters Volk zu mischen und Gemeinsamkeiten aufzuspüren! Ich lernte auch einen Lehrer aus Bayern kennen, wir verglichen bayerische und Berliner Schulen. Es stellte sich heraus: Sowohl der rot gewandete Unterstützer wie auch ich, wir sind beide tief geprägt durch die bayerische Volksschule – eine Schule für alle. Dort wurde zu Unterrichtsbeginn gesungen und gebetet, alle Kinder standen zu Unterrichtsbeginn auf, die Klassenstärken waren weit höher als heute, das Kreuz hing in jedem Klassenzimmer, aus allen Kindern „wurde etwas“, egal ob sie nun die Hauptschule, die Realschule oder das Gymnasium besuchten.

Und heute in Kreuzberg? Wir kommen überein: Die Berliner Schüler an Oberstufen können zu Ende der 9. Klasse in manchen Fällen fast genau so viel wie die heutigen gleichaltrigen bayerischen Haupt- oder Realschüler, aber in sehr vielen Fällen auch weniger.  Was sagt der Vertreter der BUTTER. GmbH dazu? Folgendes: „Ich würde meine Kinder auch nicht in Kreuzberger Schulen schicken.“ Punkt. Alles in Butter. Keine Schule für niemanden, das ist das Motto in Kreuzberg.

Solange Bayern pünktlich jedes Jahr die Milliarden für Berlin abliefert, wird Berlin sich nicht die Butter vom Brot stehlen lassen.

Hervorzuheben noch: die Broschüre der Firma BUTTER. Alles in Butter! Gut gemacht, Butter! Ein Tag in Berlin. Berlin verstehen. Die Broschüre mutet hochwertig-arm an, erzählt mit vielen Bildern und kargem, sorgsam gedrechseltem Text vom schönen Leben der jungen, stets tüchtig zupackenden, stets feiernden, stets bei Nacht ohne Licht radfahrenden Menschen in Berlin. Gut gemacht, BUTTER. GmbH!

Wie gut die BUTTER. GmbH arbeitet, kann man heute an den Umfragewerten im Tagesspiegel ablesen. Es läuft gewissermaßen wie geschmiert.

Probleme werden weggelächelt.

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Spannender Wahlkampf, spannende Themen!

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Aug 262011
 

Wahlkampf HEUTE, Freitag, 26.08.2011, Treffpunkt 15 Uhr an der Kreisgeschäftsstelle, dann gemeinsam zum Mehringplatz. Wahlkampf MORGEN, Samstag, Treffpunkt 10 Uhr an der Kreisgeschäftsstelle, dann gemeinsam zum Boxhagener Platz. Kommt in MASSEN! Unterstützt alle unsere hervorragenden Kandidaten, insbesondere den Spitzenkandidaten und Direktkandidaten im Wahlkreis Kreuzberg 1 Kurt Wansner!

Gestern am Stammtisch spannendes Thema: Die Auseinandersetzung Russlands mit dem Islam von 1800 bis heute. Dr. Christian Dettmering, Historiker und Friedrichshainer CDU-Mitglied, stellte seine Dissertation über die Integration der Tschetschenen und Inguschen ins Russische Reich vor. Wie konnten staatenlose islamische Gesellschaften erfolgreich integriert werden? Welche Bedingungen führten zur Gewalteskalation? Dettmering vermochte mit nahezu kriminalistischer Feinheit eine schlüssige Antwort zu geben.

Dem schloss sich eine äußerst lebhafte Debatte über die Rolle des Islam in Deutschland an, bei der auch neuere Forschungsergebnisse aus der Geschichte der Diplomatie, insbesondere die Rolle der USA bei der Anwerbung der ersten türkischen Gastarbeiter 1961 besprochen wurden.

Leseempfehlung:

Christian W. Dettmering: Russlands Kampf gegen Sufis. Die Integration der Tschetschenen und Inguschen in das Russische Reich 1810-1880. Dryas Verlag, Oldenburg 2011, 383 Seiten, € 31,90

 Posted by at 14:20
Aug 262011
 

Größter Unbeliebtheit bei Freund und Freund und Freund (also bei Grünen, SPD und Türken) erfreut sich spätestens seit ihrem Parteiwechsel von den Grünen weg die Integrationsministerin des Landes Baden-Württemberg Bilkay Öney (SPD).

Je mehr Türken wir im Land haben, desto mehr Unruhe haben wir„, sagt sie, und das ist falsch. Das passt einfach nicht zum wahren Wesen des Türken. Denn richtig ist vielmehr folgendes: „Die türkische Gemeinschaft und der türkische Mensch, wohin sie auch immer gehen mögen, bringen nur Liebe, Freundschaft, Ruhe und Geborgenheit mit sich.“ So völlig zutreffend Ministerpräsident Erdogan 2008 in Köln.

Die Türken gucken fünf Mal mehr Fernsehen als die Deutschen.“ Wieder so ein Hammer. Frau Öney hätte sagen müssen, woher sie das weiß – aus ihrem Bekanntenkreis, aus Untersuchungen, aus ihren eigenen Erfahrungen?

Serkan Tören (integrationspolitischer Sprecher der FDP) ergänzt aus eigenem Antrieb etwas, was Frau Öney nie und nimmer gesagt hat und auch nie zu denken gewagt hätte. Tören sagt: „Die Türken sind dumm, die interessieren sich nicht für Kultur, fürs Lesen, die Eltern erziehen ihre Kinder nicht richtig, sondern hängen nur vor dem Fernseher.

Hat Tören recht, wenn er sagt, dass die Türken dumm sind? Ist dies eine rassistische Behauptung, die Serkan Tören da vom Stapel lässt?

Was ist dran? Nun, ich meine, beide Behauptungen – sowohl die von Öney wie die von Tören – sind pauschal und  furchtbar falsch.

Ich selbst kenne türkische (und auch arabische) Eltern, die sich für Kultur interessieren, die ihren Kindern das Fernsehen stark einschränken, die ihre Kinder anhalten, Bücher zu lesen, Eltern, die nicht nur vor dem Fernseher hängen, sondern die ihre Kinder zum Lernen anhalten. Diese Eltern ziehen übrigens fast alle aus Kreuzberg weg, sobald sie können.

Es ist unleugbar, dass schrankenloser Medienkonsum, Vernachlässigung der Kinder, Gesprächsverweigerung, Desinteresse und Abwesenheit der Väter den Kindern Schaden zufügt.

Richtig wäre es, in ermutigendem und aufmunterndem Tone zu sagen: „Eltern, Väter, macht etwas Sinnvolles mit euren Kindern! Lernt mit ihnen die Landessprache Deutsch, spielt mit ihnen Fußball, fahrt Fahrrad mit ihnen, geht ins Bode-Museum. Singt und spielt mit den Kindern, ladet Kinder aus der Nachbarschaft ein, habt nicht so viel Angst vor Schweinefleisch, geht kostenlos wandern auf den Kreuzberg und ins Wuhletal, kuckt nicht stundenlang türkisches und arabisches Satellitenfernsehen, sondern kuckt mal die Sendung mit der Maus in deutscher Sprache. Lasst eure Frauen Deutsch lernen, lasst eure Frauen auch mal allein aus dem Haus gehen.“

Es ist ein unhaltbarer Zustand, wenn türkische und arabische Frauen nach 40 Jahren in Deutschland immer noch kein Wort Deutsch können und dann nur mit Dolmetschern, mit ausdrücklicher Erlaubnis des Ehemannes und in männlicher Begleitung zum Arzt oder zur Familienhilfe gehen dürfen.

Die türkischen und arabischen Eltern brauchen meiner eigenen langjährigen Erfahrung nach von den deutschen  LEHRERN und von der deutschen POLITIK eine derartige klare Ansage! Sie kommen alle aus Ländern, in denen den Ratschlägen und Anweisungen der geistlichen und weltlichen Autoritäten Folge geleistet wird, und brauchen deshalb auch in Deutschland – dem Land ihrer Wahl, in dem sie nicht gezwungenermaßen leben – klare Leitplanken. Deutschland muss Forderungen stellen.

Natürlich – wenn Türken Deutschland nur als einen Parkhafen oder temporären Unterstand betrachten sollten, in dem man sich aufhält und seine extraterritoriale Türkei ausbreitet und sich nicht um die Landessprache Deutsch oder gar um den Staat Deutschland schert, dann sollten wir klar sagen: „Das wollen wir nicht. Wir wollen keine extraterritoriale Klein-Türkei in Deutschland. Wir wollen in einzelnen Stadt- oder Landesteilen, in einzelnen Schulen nicht de facto von der Türkei übernommen werden.“

So etwa äußert sich gelegentlich der Bundesvorsitzende der Grünen, Özdemir, der ja seit seiner Übersiedlung nach Kreuzberg in allen seinen Äußerungen zur Integrationspolitik einen erstaunlichen Realitätssinn beweist.

Bitte nicht so viel Geschwurbel und Geschwafel wegen „interkultureller Kompetenzen“ und „multikultureller Gesellschaft“!

Zurück zu Bilkay Öney (früher Grüne, jetzt SPD)! Ist sie eine Rassistin? Nein. Ist sie ministrabel? Auch nein. Als Integrationsministerin kann sie nicht so reden, wie sie redet. Es ist inhaltlich dünn, wie Memet Kilic (Grüne/CHP) heute in der WELT auf S. 8 zu recht hervorhebt. Öney wäre eine hervorragende Bloggerin oder Karikaturistin. Sie ficht mit dem Hammer, nicht dem Florett! Lehrreich aber ist es zu sehen, mit welchen Qualifikationen in der Politik Karriere gemacht wird!

Öneys unsterbliches Verdienst ist jedoch: Sie bringt die ganze Geschwurbel- und Geschwafel-Blase zum Platzen, die die deutsche Integrationspolitik zu einer fetten Domäne der Soziologen und Politologen gemacht hat, die Millionen und Abermillionen für Forschungsprojekte und Pläne lockergemacht haben, nur um wieder und wieder nachzuweisen, dass die Türken so furchtbar, so, wie soll man sagen  —  so STRUKTURELL benachteiligt sind, benachteiligt waren und benachteiligt bleiben. Öney redet Tacheles. Ihre Aussagen treffen aber in dieser Absolutheit sicher nicht zu.

Dennoch tiefempfundener Dank an Bilkay Öney, Serkan Tören, Memet Kilic und meinen Mit-Kreuzberger Cem Özdemir! Es ist alles in allem ein erfrischender Schlagabtausch, wie wir ihn sonst nur aus der türkischen Innenpolitik kennen. Bitte nicht alles so bierernst nehmen! Die Türken in der Türkei  kommen innenpolitisch so recht heftig zur Sache. Dagegen sind wir in Deutschland alles Waisenknaben, Türken wie Deutsche gleichermaßen.

Rassisten seid ihr alle nicht, dafür lege ich meine Hand ins Feuer. In diesem Sinne: Hepimiz insaniz und tschüß.

Frau Öney passt nicht ins Konzept – Nachrichten Print – DIE WELT – Politik – WELT ONLINE

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Die erstaunliche politische Karriere des Karl Valentin

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Aug 262011
 

Eine erstaunliche Karriere bei Politikern mit mehr oder minder ausgeprägtem Migrationshintergrund legt derzeit Karl Valentin hin, den viele für einen Bayern halten, obwohl seine Mutter aus Sachsen stammt. Oha, ein MIGRANT der zweiten Generation!

Fremd ist der Fremde nur in der Fremde“ (Zitat 1), zitierte ihn CDU-Kandidat Ertan Taskiran kürzlich beim Fastenbrechen mit Bundesinnenminister Friedrich in Friedrichshain-Kreuzberg, einem Stadteil, in dem zu wohnen ich den ausgeprägten Stolz habe. Erstaunlich: Genau dieses Zitat habe ich öfters aus dem Munde meines Vaters gehört, eines gebürtigen Schlesiers, den es dann nach Bayern verschlug. Auch ein MIGRANT!

Die Zukunft war früher auch besser“ (Zitat 2). So Bundesverteidigungsminister de Maizière im Tagesspiegel heute. Dem Namen nach zu urteilen ist der Minister auch ein Migranten-Sohn.

Mein Valentin-Zitat des Tages ist übrigens das folgende: „Der erste Mensch, den ich nach meiner Geburt erblickte, war die Hebamme.  Ich staunte sehr, denn ich hatte diese Frau nie zuvor gesehen“ (Zitat 3).

Logischer Schluss aus Zitat 1, 2 und 3: Es kommt im Leben von Geburt an immer wieder zu Unvorhersehbarem. Doch manchmal hört oder liest man auch etwas, was man schon einmal gehört oder gelesen hat. Solche Zitate, ja Wiederholungen überhaupt, stiften Vertrautheit. Sie ordnen das unübersichtliche Ding, dieses Leben.

Mag es Zufall sein, dass ausgerechnet das lallende Kinderwort für Mutter in den meisten Sprachen eine Wiederholung aus zwei Silben ist? Ma-ma.

 Thomas de Mazière: „Es gibt keinen Sonderweg mehr“ – Politik – Tagesspiegel
Jede Generation trägt in ihrer Zeit Verantwortung. Karl Valentin hat einmal gesagt: „Die Zukunft war früher auch besser.“

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Aug 252011
 

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Es ist eine merkwürdige Tatsache, dass es im verschlafenen Berlin noch kein Fahrradparkhaus gibt, wie ich es beispielsweise in Dießen/Ammersee, Wolfsburg und Hannover sah! Der Bedarf an Abstellmöglichkeiten für die treuen Rösser wächst stark an!  Im übrigen steht die Großwetterlage pro Fahrrad, wie ein recht netter Artikel von Peter Neumann heute auf S. 20 in der Berliner Zeitung belegte.

Wir Fahrradfahrer sind keine kleine, verachtete Minderheit mehr. Vielmehr ruhen die Augen der Öffentlichkeit wohlwollend auf uns. Nun müssen wir aber auch recht artig Platz machen, wenn Fußgänger aus dem Bus aussteigen, müssen höflich und ordentlich fahren, brav Handzeichen geben! Sonst ist es mit der Sympathie und Schönwetterlage bald vorbei. Der klirrende Frost des Autowahns könnte wieder über uns herfallen.

Schnellwege, breitere Spuren und ein Parkhaus : Textarchiv : Berliner Zeitung Archiv
Auch die zusätzlichen Fahrradstellflächen, für die ein „Masterplan Fahrradparken“ entwickelt werden soll, könnten Autos Platz wegnehmen. Von der „Umnutzung von Kfz-Stellplätzen“ ist die Rede. Es sollen auch neue Lösungen erprobt werden – zum Beispiel mehrstöckige Abstellanlagen. Vorgesehen ist ein Modellprojekt für eine Fahrradstation mit Serviceangeboten und Platz für mindestens 500 Zweiräder.

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Aug 252011
 

Wichtiger Termin: kommender Montag, 13 Uhr, Eröffnung des sanierten May-Ayim-Ufers. Na, dann werden wir mal sehen, ob jetzt die Belange des Fuß- und Radverkehrs angemessen berücksichtigt sind!

Programm:
13.00 – 13.05 Uhr
Das May-Ayim-Ufer als postkolonialer Aufklärungs- und Erinnerungsort
Elvira Pichler, Vorsitzende Kulturausschuss der BVV
Joshua Kwesi Aikins, Initiative Schwarze Menschen in Deutschland
13.05 – 13.15 Uhr
May Ayim – Person und Werk
ManuEla Ritz, Antirassismustrainerin, Autorin

BEZIRKS-NACHRICHTEN : Textarchiv : Berliner Zeitung Archiv
Sanierte Doppelkaianlage wird übergeben

Nach vierjähriger Bauzeit ist die Sanierung des May-Ayim-Ufers neben der Oberbaumbrücke in Kreuzberg beendet. Am Montag wird das 300Meter lange Uferstück offiziell übergeben. Der Traditionsanleger wurde nach historischen Plänen wieder hergestellt. Neben einem Restaurant mit Terrasse gibt es einen Ausstellungsraum sowie einen Leuchtturm. Die Sanierung wurde aus dem Programm Stadtumbau West bezahlt. (sk.)

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Aug 252011
 

Sie haben unsere Identität und Kultur verraten„, diesen Vorwurf gegen die türkischstämmigen Kandidaten der Grünen und der SPD erhebt Ismet Misirlioglu, ein Kandidat für die Berliner Landtagswahlen. Früher hat er links gewählt, SPD, Grüne, doch er fühlt sich nicht mehr von ihnen vertreten.  Das berichtet der Berliner Zeitung heute auf S. 22. Mit dem „Bündnis für Innovation und Gerechtigkeit“ stellt sich in Berlin eine vor allem islamisch und türkisch geprägte Partei zur Wahl, die eindeutig die Werte Identität, Kultur, Religion, Herkunft und Ethnizität in den Vordergrund stellt.

Der Artikel ist lehrreich! Denn ein Slogan der Partei wird von der Berliner Zeitung sofort als schwulenfeindlich gebrandmarkt. Was steckt dahinter? Nun, die Partei BIG warnt vor dem „Schulfach schwul“. Er habe nichts gegen Schwule, sagt Misirlioglu. Er sei nur gegen die Bevorzugung einer Minderheit, er, der Angehörige einer anderen Minderheit.

Ist BIG schwulenfeindlich? Sicher nicht! Was BIG will, ist vermutlich, dass die Berliner Schulen zunächst einmal zur traditionellen Familie hin erziehen, also zum üblichen  „Vater, Mutter und Kinder lebenslang verbunden“, wie es sich in den letzten 10.000 Jahren weltweit und kulturunabhängig als erfolgreichstes Modell erwiesen hat. Das wäre dann ein absolutes BIG-Alleinstellungsmerkmal, denn keine andere Partei tritt mit dieser Forderung im laufenden Wahlkampf an!

Superspannend! Da taucht mit BIG eine ganz neue Formation auf, die sich in den bestehenden Parteien nicht abgebildet sieht: die konservativen, muslimisch geprägten Zuwanderer, die ihre Identität in Deutschland „konservieren“ wollen. Natürlich darf da der Vergleich zwischen Hitlers „Mein Kampf“ und Thilo Sarrazins „Deutschland schafft sich ab“ nicht fehlen – zwischen zwei Büchern, die Misirlioglu – wie er selbst eingesteht – nicht gelesen hat.

Ich meine: Mit der schroffen Ablehnung der Homosexualität, mit dem Vorwurf des Verrats gegen migrantische SPD- und Grünen-Politiker, mit dem Pochen auf islamische Identität und Herkunftskultur fängt BIG sicherlich eine Grundhaltung ein, die weit verbreitet ist: „Wir dürfen unsere Identität als Muslime, unsere Identität als Türken, …“ nicht verlieren. Gerade hier in  Kreuzberg beobachte ich eine massive Stärkung der türkischen, der arabischen, der muslimischen Identität, die ganz bewusst in schroffer Absetzung von der deutschen Identität gepflegt wird. „Die Deutschen sind leider nicht so, wie wir eigentlich sein wollen, wir dürfen auf keinen Fall so wie die Deutschen werden, wir sollten auf keinen Fall Deutsche werden“, so könnte man diese Grundstimmung beschreiben, die sich allerdings erst in den letzten 10-15 Jahren herausgebildet hat. Deshalb haben die Zentausende von Pfiffen gegen den „Verräter“ Mesut Özil mehr ausgesagt als alle wohlgemeinten Integrationsminister es je verlauten lassen können.

Dies mag auch der Hauptgrund dafür sein, dass so wahnsinnig viele Menschen, die hier in Kreuzberg geboren und aufgewachsen sind, nur gebrochenes, ungrammatisches Deutsch sprechen und schreiben:  „Ja zu ein respektvolles Miteinander!“ – falls sie das Erlernen der deutschen Sprache nicht ohnehin ganz ablehnen, wie ich es ebenfalls immer wieder erleben durfte.

„Die Deutschen sind leider nicht so, wie wir eigentlich sein wollen, wir dürfen auf keinen Fall so wie die Deutschen werden, wir sollten auf keinen Fall Deutsche werden.“  Hallo Meinungsforschungsinstitute! Legt diesen Satz mal euren migrantischen Umfrageteilnehmern vor! Ihr werdet satte Zustimmungswerte einfahren.

Meinungsforschungsinstitute! Ihr traut euch nicht? Traut euch doch, wovor habt ihr Angst? Natürlich müsst ihr die Umfragen auf Türkisch und Arabisch durchführen!

Symptomatisch für diesen konservativen Roll-back in den migrantischen Gemeinden ist auch das Leben und Wirken der May Ayim, nach der eine Straße in Kreuzberg benannt worden ist: Auch bei ihr findet man die massive Stärkung der Identität als „Afro-Deutsche“, in ihren Gedichten und Reflexionen findet man als Hauptthema wieder und wieder die bewusste Pflege und das Ringen um Identität als „Andersartige“, etwa im Sinne von: „Eigentlich bin ich Afrikanerin, keine normale Deutsche.“

Lest diese spannende Dissertation:

MaggieC.MacCarrollThesis2Sp05.pdf (application/pdf-Objekt)

Ich sehe den Trend zur Hervorhebung eines Merkmals – „eigentlich bin ich keine normale Deutsche, sondern Schwarze,  Afro-Deutsche“, „eigentlich bin ich kein normaler Deutscher, sondern eigentlich Moslem, eigentlich Türke, Palästinenser“ usw. mit kritischen Augen! Natürlich kann in einem freien Land niemand gedrängt werden, sich als vor allem im Grunde seines Herzens Türke, als Deutscher, als Russe, als Moslem, als Schwarze oder als Palästinenser zu sehen. Aber ich persönlich habe ein Interesse daran, dass alle, die hier dauerhaft wohnen und leben, sich als ganz normale Menschen in Deutschland sehen – und folglich als ganz normale Deutsche, als typisch deutsche Staatsbürger.

May Ayim, Ismet Misirlioglu (BIG), Thilo Sarrazin (SPD), Ertan Taskiran (CDU), – das sind für mich – trotz all ihrer fremdartig klingenden Namen – alles ganz normale Menschen in Deutschland. Ganz normale Deutsche. Sie sind auch nichts anderes als ich. Menschen.

Selbstverständlich: Für all die linkskemalistischen, nationalistischen Türken war traditionell die SPD die erste Wahl. Wer in der Türkei CHP wählte, wählte halt, schon um nicht nachdenken zu müssen, in Deutschland SPD.

Und wenn man als konservativer Türke nicht mehr SPD oder Grüne wählen will, weil sie die „Identität und Kultur verraten“ haben? Dann sollte man überlegen, CDU zu wählen. Die CDU wäre eigentlich die gefundene neue Heimat für genau die Wähler, die auch die BIG anspricht.

In diesem Sinne sage ich „Ja zu ein respektvolles Miteinander“. Hepimiz insaniz!

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Weiß Kreuzberg, was es hat?

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Aug 242011
 

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Eine phantastische Sängerin, die ich immer wieder gerne höre, ist die russische Altistin Irina Potapenko.

Das Beste: Sie wohnt in Kreuzberg. Jetzt kann man die Lieder von Fauré und Mendelssohn im Internet kaufen. Gute Sache! Ob wohl viele wissen, wer oder was sich hinter dem U-Bahnhof Mendelssohn-Bartholdy-Park verbirgt?

Fauré: Romances – Mendelssohn: Songs by Irina Potapenko & Evgenia Artemova – Download Fauré: Romances – Mendelssohn: Songs on iTunes

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Bezahlter Vollrausch, oder: Ist Solidarität gleichbedeutend mit Zahlungsbereitschaft?

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Aug 242011
 

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„Berlin wird auf Jahrzehnte hinaus noch auf die Solidarität der anderen Bundesländer angewiesen sein!“, das ist so ein typischer Berliner-Landespolitik-Satz, im Jammerton vorgetragen von wohlgenährten Polit-Profis, bei dem ich mir – auch auf Parteitagen – gerne die Freiheit herausnehme versonnen in mich hineinzulächeln. Ja, ja, ich lächle, versonnen. Ich bin so frei. Bezahlter Vollrausch! Gemeint ist: Zahlt mal hübsch weiter, ihr reichen Bundesländer!

„Solidarität“ wird heute meist als Zahlungsbereitschaft des Gemeinwesens für staatlich anerzogene Opferhaltung missverstanden.  So entstehen dann die typischen generationenübergreifenden Hilfekarrieren.

Ich meine: Solidarität kann nur von unten aufwachsen: Solidarität mit dem Menschen, für den man oder frau Verantwortung trägt. Zum Beispiel der Vater für die Kinder. Vater hat sich für den Alkohol und gegen die Familie entschieden“,  lest Berliner Morgenpost heute, S. 13! Der saufende Vater handelt gegen die Solidarität – mit verheerenden Folgen für die Tochter, die ebenfalls alkoholgefährdet ist.

Die Kosten der zunehmenden Trunksucht bei Jugendlichen trägt der Staat: Bildungsversagen, Berufsversagen, teure Reha-Maßnahmen. Hätte der Vater sich für die Familie und gegen den Alkohol entschieden, blieben diese Kosten uns allen erspart. Man könnte sagen: Der saufende Vater, der sich nicht um die Tochter kümmert, handelt unmoralisch.

Ein Mangel an Solidarität innnerhalb der Familie ist meistens die Ursache für schulisches Scheitern, Kriminalität und Drogensucht.

Wie im Kleinen, so im Großen!

Guter Punkt, den der Bundespräsident da aufgreift!

EZB-Politik: Wulff greift Euro-Retter an – SPIEGEL ONLINE – Nachrichten – Politik
Zudem könne sich „auch der Bürger unmoralisch verhalten, wenn er die Insolvenz nur herauszögert.“ Es sei „ein Missverständnis, Solidarität allein an der Bereitschaft zu bemessen, andere finanziell zu unterstützen“.

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Soll man 10 oder 20 Jahre zurückdenken?

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Aug 242011
 

Wenig erstaunlich finde ich es, dass in den deutschen Medien fast nie der Berliner Anschlag auf die Berliner Diskothek LaBelle, hinter dem Gaddhafi und die Stasi steckten, erwähnt wird. 1986 starben dabei 3 Menschen, hunderte wurden verletzt.

Man möchte einwerfen: Wozu unbequeme Erinnerungen wecken? Lasst den Schnee von gestern ruhen!

Gadhafi, ein erfolgreicher linker Revolutionär, wurde in deutschen linken Kreisen wegen seines amerikafeindlichen Kurses ebenso wie die „RAF-Leute“ hofiert, die Stasi saß in West- und Ost-Berlin und bei den „RAF-Leuten“ sowieso immer dabei.

Erstaunen über Enthüllungen ist unangebracht. 

Wenig erstaunlich ist es auch, dass die deutschen Medien fast nichts mehr über die Zusammenarbeit zwischen Horst Mahler und Hans-Christian Ströbele berichten. Es steht also weiterhin unwiderlegt im Raum, dass Ströbeles Anwaltsgenosse Horst Mahler ein Stasi-Spitzel gewesen sein soll. Ob es stimmt oder nicht stimmt? War Ströbele eingebettet in ein Umfeld, das durch und durch von der Stasi unterwandert war? Ich meine: Es ist zweitrangig, ob Horst Mahler oder wer auch immer von seinen Genossen im Dienste der Stasi stand.

Entscheidend bleibt: Die Stasi der DDR gehörte von Anfang an zum Förder- und Unterstützerkreis der RAF.

Die RAF ist ohne die Stasi der DDR nicht denkbar. Das muss Ströbele, der famose Spitzenmann der Kreuzberger Grünen, gewusst haben. Ein Erstaunen darüber ist unangebracht.

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Aug 242011
 

„Mehr Mut, Politiker!“ „Mehr Mut, Bürger!“ Sehr gute Slogans, wie ich finde!

Den Mut, für unbequeme Forderungen einzutreten, begrüße ich. Etwa bei Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU). Sie forderte gestern  Studiengebühren an den Universitäten. Eine äußerst unpopuläre, aber sinnvoll begründbare Forderung, die den Universitäten etwa 2 Milliarden Euro pro Jahr bringen würde. Wieso sollte ein Geselle alle Ausgaben für den Meisterbrief selber zahlen (etwa 50.000 Euro), während der etwas ältere Student allein auf Kosten der Allgemeinheit dem besser bezahlten Akademikerberuf entgegensegelt und nebenbei noch Zeit für politische Aktivitäten findet?

Mehr Mut Bürger!“ Wer sagt das? Einerlei, wer dies sagt, dieser Politiker trifft den richtigen Slogan. Wir brauchen wirklich die Ermutigung des Bürgers: „Du KANNST das, BürgerIn, auch ohne die Politik.“ Die meisten Politiker haben jahrzehntelang den Bürger überzuckert mit ihren ständigen Versprechungen: „WIR (der Staat) machen das für DICH, Bürger, sei unbesorgt.“ Gerade im Bundesland Berlin ist ein überbordendes Überangebot an Politik zu beklagen, bei gleichzeitiger Schwächung der öffentlichen Verwaltung – und Passivierung der BürgerInnen, die mit trügerischen Verheißungen stillgelegt werden. Das Gemisch aus trügerischen Verheißungen und unweigerlichen Enttäuschungen entlädt sich dann in tektonischen Eruptionen: siehe Proteste gegen Kastanienallee-Umbau, Stuttgart 21, Mediaspree, Flugrouten über Wann- und Müggelsee, unterirdische Methan-Lagerstätten im Fläming … Ich beobachte eine schlimme Infantilisierung beider Seiten, von der Politik und den Bürgern in einem unbewussten Wechselspiel erzeugt!

Mehr Mut, Bürger! Für eine Politik des Gehörtwerdens.

 Posted by at 10:27