Sollte Deutschland weiterhin die Scharia so stark anerkennen wie bisher?

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Sep 302012
 

„Was würden Sie denn beim Thema Integration ändern, Herr Hampel, wenn Sie im Bundestag säßen?“ So wurde ich bis gestern bei meinen Bewerbungsreden um die Direktkandidatur in Friedrichshain-Kreuzberg-Prenzlauer Berg Ost immer wieder gefragt.

Antworten darauf, was ich ändern würde, lassen sich diesem Blog leicht entnehmen! Ich würde beispielsweise die Mehrfach-Ehen nach der islamischen Scharia nicht anerkennen, die bei uns in Kreuzberg in der Tat ein gewisses, oder auch ein erhebliches Problem darstellen.

Bekanntlich erkennt der deutsche Staat im Sozialrecht seit langem die Polygamie eines Mannes mit mehreren Frauen nach dem islamischen Recht (Scharia) an, was eine wichtige Rolle im Sozialhaushalt der Städte spielt. Es sind Fälle bekannt, wo nicht nur die im Ausland, sondern auch die im Inland geschlossene Ehe mit Zweit- oder Drittfrauen von den Sozialgerichten anerkannt worden ist.

Wenn ein Mann mehrere legitime Ehefrauen gleichzeitig vom deutschen Staat unterhalten lassen kann, wächst sein patriarchalischer Einfluss exponentiell mit der Kinderzahl. ER, der Mann, verfügt meist über das Geld, IHM, dem Mann, schulden die Frauen, die oft zuhause eingeschlossen sind und kein Deutsch können, Dank, Anerkennung und Dienstbereitschaft.

Der deutsche Sozialstaat fördert also in den migrantischen Communities das traditionelle Patriarchat der alten orientalischen Stammesgesellschaften. Der deutsche Staat wird in diesen Fällen als eine Art Ressource zur Machtsteigerung des Patriarchen gesehen, die es auszubeuten gilt. Und diese Ausbeutung klappt ja auch sehr gut.

Ich glaube, dass die mir direkt von betroffenen Frauen berichteten recht häufigen, sozialstaatlich finanzierten Ehen eines Mannes mit mehreren Frauen gleichzeitig und mit vielen Kindern in Deutschland nicht funktionieren und deshalb von vorneherein gar nicht anerkannt werden sollten. Denn die Frauen werden früher oder später entdecken, dass sie ihrem Gebieter nicht schutzlos ausgeliefert sind, sondern dass die deutsche Rechtsordnung Mann und Frau als gleichberechtigt anerkennt – was unter anderem bedeutet, dass der Mann keine Vorrechte gegenüber der Frau mehr hat. Das bedeutet in letzter Konsequenz, dass ein Mann nicht mit mehreren Frauen gleichzeitig gesetzlich verheiratet sein kann.

Ich vertrete die Auffassung, dass die Bundesrepublik Deutschland weiterhin als gesetzlich und steuerlich privilegierte Partnerschaft nur diejenige zwischen einem und zwar nur einem  Mann und einer und nur einer Frau anerkennen sollte.

Ich finde, dass die Bundesrepublik Deutschland dem Vorbild der Türkei folgen und die polygame Ehe nach dem Recht der Scharia nicht anerkennen sollte. Die Türkei erkennt ausschließlich ihr eigenes staatliches Zivilrecht an und billigt der Scharia nicht wie Deutschland den Rang einer eigenständigen Rechtsquelle zu. Sie, die Türkei, ist also in dieser Hinsicht weiter in ihrer Frauenrechtsentwicklung als wir in Deutschland.

Es ist schon erstaunlich zu sehen, dass die innenpolitische Debatte – aus Feigheit? – dieses in unseren Städten so wichtige Thema bisher nicht aufgegriffen hat. Denn oft wurde mir vorgehalten: „Sie singen das hohe Lied der Familie, Sie betonen immer wieder den Rang der Familie als der Keimzelle der Gesellschaft, werter Herr Hampel, dann müssten ja die Türken und Araber von Ihnen begeistert sein?“

Darauf erwidere ich: „Ja, die Araber und Türken mögen mich und ich mag sie auch. Denn ich halte wie die Araber und die Türken und wie auch einige (allerdings immer weniger) Deutsche die Familie in der Tat für grundlegend für den Fortbestand der Gesellschaft – aber eben als dauerhaftes Bündnis zwischen zwei und nur zwei erwachsenen Menschen, das auf die Verantwortung füreinander und für Kinder angelegt ist. Der VATER soll für Gedeihen und Erziehung der Kinder genauso viel Verantwortung übernehmen wie die MUTTER. Der Vater sollte im Leben der Kinder anwesend sein, das bedeutet, dass er sich nicht auf mehrere Familien mit mehreren Frauen in mehreren Ländern verteilen soll.“

Die Nichtanerkennung der bisher in Deutschland gesetzlich anerkannten Polygamie  wäre ein kleiner, aber wirksamer Schritt zur Stärkung der Frauenrechte in Deutschland, ein kleiner, aber wirksamer Schritt zur besseren Integration der muslimischen Frauen in Deutschland, ein kleiner, aber wirksamer Schritt zur im Grundgesetz verlangten Gleichstellung von Mann und Frau – weit wichtiger als die vielbeschrieene Flexiquote oder die starre Quote in den Führungsgremien der Wirtschaft.

http://www.welt.de/politik/deutschland/article109544417/Polygamie-in-der-Parallelgesellschaft-von-Migranten.html

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Sep 282012
 

Viel Sinniges und viel Unsinniges verbreitet wieder einmal die bundesweit und vom SPIEGEL anerkannte Bildungsexpertin Jutta Allmendinger in diesem Interview:

http://www.spiegel.de/schulspiegel/ungerechtigkeit-in-der-schule-allmendinger-kritisiert-bildungssystem-a-857156-2.html

Ein Beispiel: Sie beschwert sich, dass Erkan trotz besserer Leistungen nur eine Realschulempfehlung erhielt, während Jungens und Flegel aus gutem Hause trotz schlechterer Leistungen eine Gymnasialempfehlung erhalten.

Vorwurf des auf den Leim gehenden Journalisten, der darauf folgt: Der Leistungsgedanke sei falsch! Er führe zur „Selektion“ der Schüler nach gut und schlecht, er sei ein Schritt vor der Rampe vor dem Abgrund der deutschen Geschichte! (Haben die guten Leute eigentlich keine Holocaust-Education genossen?)

Holla, Frau Allmendinger! Falsch ist nicht der Leistungsgedanke, sondern der Nepotismus der „guten Elternhäuser“ im Bildungswesen, falsch ist die Verfälschung des Leistungsgedankens.

Ich meine: Wer so gute Leistungsbereitschaft und so gute Leistungen zeigt wie Erkan, dass er das Abitur schaffen wird, der soll Abitur machen.  Und der soll und muss studieren und danach Arzt, Pilot, Professor oder Mitternachtsnotar werden.

DAS HÄTTEN DIE LEHRER ANHAND DER NOTEN ERKANS ERKENNEN MÜSSEN!

Individuelles Fehlverhalten der Lehrerpersönlichkeit kann schlimme Auswirkungen haben. Das liegt dann aber weder am System noch am Leistungsgedanken.

Weg mit der Verfälschung des Leistungsgedankems!

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Sep 252012
 

Gute, tiefgreifende, erhellende Einblicke gestern bei einer Veranstaltung der Senioren Union und der CDA im Seniorenzentrum des Union Hilfswerkes in Friedrichshain mit der Bundestagsabgeordneten Stefanie Vogelsang! Was konnte ich als gesicherten Konsens aus der Versammlung mitnehmen?

1. Das deutsche Gesundheitssystem stellt allen Kritteleien zum Trotz anerkanntermaßen weltweit die beste medizinische Rundumversorgung für alle Menschen bereit.

2. Das System hat im Augenblick genug Geld, wenngleich die Begehrlichkeiten ständig neu geweckt werden.

3. Es ist besser, wenn sich das System auf etwas schlechtere Zeiten einstellt, als die gegenwärtig vorhandenen Überschüsse zu verschenken.

4. Die Menschen können weiterhin volles Vertrauen in das System haben.

In der Aussprache kamen in der sehr gut besuchten Veranstaltung viele gute, weiterführende Fragen zur Sprache, die Stefanie Vogelsang souverän und kenntnisreich beantwortete.

Ich selbst hake nur kurz nach, frage nach dem Aspekt der eigenverantwortlichen Gesundheitsvorsorge, also der Prävention, und nach der wachsenden Bedeutung der Geriatrie als eines immer wichtigeren eigenständigen Fachgebietes. Die Versorgung, sagte ich, sei zwar hervorragend, die deutsche Medizinbranche sei ein bedeutender Faktor der Volkswirtschaft, was sich ja auch im Anteil der Gesundheitsleistungen an der wirtschaftlichen Gesamtleistung niederschlage, der konstant bei etwa 10-12% liege.  Aber es drohe auch medizinische Überversorgung. Wir müssten den Aspekt der eigenverantwortlichen Vorsorge stärker betonen.

So ließen sich durch ausreichende tägliche Bewegung an frischer Luft, durch sinnvolle, nicht zu üppige Ernährung und durch Vermeidung von Suchtmitteln wie Nikotin, Alkohol und illegalen Drogen, also durch besonnene Lebensführung des einzelnen Menschen etwa 50% der Krankheitskosten bis zum Eintritt des Rentenalters einsparen! Viele vormarschierende Krankheiten wie etwa diabetes iuvenilis, adipositas iuvenilis, attention deficit syndrome (ADS) sind in Deutschland wohlstandsverursacht. Dies haben mir Ärzte, Pfleger und Apotheker übereinstimmend erzählt. Ich glaube: Es wird oft zu viel Geld für medizinische Versorgung, zu wenig Geld für medizinische Vorsorge  ausgegeben. Zu viel Überflüssiges geht über den Apothekertisch!

Ich bin auch sehr gespannt, wie der Gesundheitsausschuss des Bundestages sich zur geplanten Änderung der Richtlinie 2011/20/EG stellen wird. Wird er morgen die Kraft haben, sich eindeutig und unverrückbar zu den Werten der 1964 vom Weltärztebund verabschiedeten „Erklärung von Helsinki“ zu bekennen? Wird er die Forschung am Menschen weiterhin recht engen Zulässigkeitskriterien unterwerfen – oder wird er, eingedenk der überragenden volkswirtschaftlichen Bedeutung der Medizinbranche, die Pflicht zur Einschaltung der Ethikkommission abschaffen? Spannende Fragen!

Quelle:
Stephan Sahm:   Rückfall in mittelalterliche Forschungsethik. EU plant Verzicht auf Ethikprüfung bei Tests am Menschen. FAZ, 24.09.2012, S. 28

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Von anmutigen Gegenden und blühenden Landschaften oder: achten Sie auf das Fettgedruckte!

 Helmut Kohl  Kommentare deaktiviert für Von anmutigen Gegenden und blühenden Landschaften oder: achten Sie auf das Fettgedruckte!
Sep 242012
 

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Säume nicht dich zu erdreisten
Wenn die Menge zaudernd schweift;
Alles kann der Edle leisten,
Der versteht und rasch ergreift.

Goethe, Faust II, Anmutige Gegend

Heute vor ziemlich genau 30 Jahren, am 1. Oktober 1982, trat Helmut Kohl das Amt des Bundeskanzlers an. Zeit, ihm ein klein wenig Respekt zu bezeugen!

Innerhalb von 329 Tagen, beginnend beim Tag des Mauerfalls, dem 9. November 1989, endend am 2. Oktober 1990, schaffte Kohl es zusammen mit einigen anderen, die Hand in Hand kräftig mithalfen, etwas zu erreichen, woran sich Generationen vor ihm vergeblich abgemüht hatten: die Zusammenführung der beiden deutschen Staaten ohne Waffen und in Freiheit. Horst Teltschik, der damalige Leiter der Außen- und Sicherheitspolitik im Kanzleramt, hat in dem Buch dieses Titels – „329 Tage“ – diesen mutig, zuversichtlich, mit großer Kraft beschrittenen Weg nachgezeichnet.

Es lohnt sich, heute Teltschiks Anmerkungen zum 1. Juli 1990 nachzulesen. Er hebt ausdrücklich hervor, wie Kohl bereits damals die Deutschen auf gemeinsame Arbeit, auf Anstrengungen und Mühsal eingestellt habe. Von selber würden die blühenden Landschaften nicht kommen. Das wurde leider allzu leicht vergessen, wurde regelmäßig vergessen, wenn man die blühenden Landschaften Kohls später bespöttelte.

Hier der entsprechende Abschnitt aus der Fernsehansprache, die Bundeskanzler Helmut Kohl am 1. Juli 1990 anlässlich des Inkrafttretens der Währungs-, Wirtschafts- und Sozialunion hielt (Fettdruck einzelner Wörter durch dieses Blog eigenmächtig vorgenommen):

Nur die Währungs-, Wirtschafts- und Sozialunion bietet die Chance und die Gewähr dafür, dass sich die Lebensbedingungen rasch und durchgreifend bessern. Durch eine gemeinsame Anstrengung wird es uns gelingen, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt, Brandenburg, Sachsen und Thüringen schon bald wieder in blühende Landschaften zu verwandeln, in denen es sich zu leben und zu arbeiten lohnt.

Natürlich fragen sich viele, was dieser beispiellose Vorgang für sie ganz persönlich bedeutet – für ihren Arbeitsplatz, ihre soziale Sicherheit, für ihre Familien. Ich nehme diese Sorgen sehr ernst. Ich bitte darum die Landsleute in der DDR: Ergreifen Sie die Chance, lassen Sie sich nicht durch die Schwierigkeiten des Übergangs, die niemand leugnen kann, beirren. Wenn Sie mit Zuversicht nach vorn blicken, wenn alle mit anpacken, werden Sie und wir es gemeinsam schaffen.

Quellen:
Johann Wolfgang Goethe: Faust. Texte. Herausgegeben von Albrecht Schöne. Deutscher Klassiker Verlag, Frankfurt a.M. 1999, S. 204 (Vv. 4662-4665)
Horst Teltschik: 329 Tage. Innenansichten der Einigung.  Siedler Verlag, Berlin 1991, S. 292
www.helmut-kohl.de:
1. Juli 1990
Fernsehansprache von Bundeskanzler Kohl anlässlich des Inkrafttretens der Währungs-, Wirtschafts- und Sozialunion
Bild: Landschaft in Mecklenburg-Vorpommern bei Wustrow, Juli 2012

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„Freiheit ist wie Radfahren ohne Stützrad“

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Sep 242012
 

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„Radfahren ist etwas Schönes. Es kommt aber der Moment, da müssen die Eltern den Sattel loslassen oder das Stützrad abschrauben.“ Es ist schon erstaunlich, zu wievielen Gedanken das Fahrradfahren die Menschen bringen kann. Verteidigungsminister Thomas de Maizière erzählt in dichten, sehr persönlich gehaltenen Erinnerungen im zentralen Sinnbild des Fahrradfahrens seinen Begriff der Freiheit, nachzulesen heute in der FAZ-Beilage unter dem Titel „Wie wollen wir leben?“.

Beachtlich auch: Die für zwei oder drei Jahrzehnte in der politischen Arena eher belächelten Werte wie Familie, Ehe, Treue, Verlässlichkeit, Freundschaft nimmt de Maizière völlig angstfrei in den Mund. Sollten diese personalen Werte irgendwann wiederkommen?

Warum auch nicht? Ich finde das gar nicht so schlimm, wenn ein aktiver Politiker sich dazu bekennt, dass nicht Gender equality, Ressourcenmanagment, equal access oder Nachhaltigkeit die Leitwerte der Politik sind, sondern dass die Politik aufruht auf diesen unvorgreiflichen Werten, die jeder Mensch, jede Gesellschaft vor oder neben der Politik spürt, empfindet oder eben vor-findet.

Die vor-findlichen Werte, die sind es. Das ist die Nabe, um die das Rad der Freiheit sich dreht. Gender equality, Ressourcenmanagment, equal access oder Nachhaltigkeit sind ja gar nicht so schlecht, aber sie sind nichts Erstes, sie können geleistet werden, sofern die Verankerung in den Nabenwerten der Freiheit stimmt. Gut! Selbstbegrenzung des Machtanspruches der Politik – die Politik muss loslassen können, so wie Eltern irgendwann ihre Kinder auch allein Rad fahren lassen müssen. Danke, Herr Minister.

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Mann o Mann: Entdecke auch DU deine Benachteiligung!

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Sep 212012
 

Durch eine gesetzliche Frauenquote möchte der Bundesrat die Benachteiligung der Frau im Berufsleben beseitigen. Gern amüsiere ich mich im Gespräch mit beruflich erfolgreichen Frauen, mit denen ich befreundet oder bekannt bin, über die Politikerinnen und Politiker, die derartiges anstellen, „damit die Zeit auch irgendwie vergeht„. Als ob wir nicht andere Probleme hätten!

Obwohl – diese Frauenquote hat was! Denn in der Tat, in den Führungspositionen sitzen in der Tat weniger Frauen als Männer. Sie sind BENACHTEILIGT. Und der Grundansatz der Förderung durch die Quote ist ausbaufähig. Motto muss sein: „Entdecke auch DU deine Benachteiligung. Jede und jeder hat das Zeug dazu, sich zu recht benachteiligt und dauerbeleidigt zu fühlen.“

Gerade heute erleben wir ja, wie 1,5 Milliarden Menschen vom pakistanischen Premier ihr Dauergefühl der Benachteiligung eingebläut und eingehämmert bekommen. „Ihr seid alle beleidigt worden – also wehrt euch!“

Nehmen wir etwa die kleinen Menschen. Es ist nachgewiesen, dass Erwachsene, die wesentlich kleiner als der Durchschnitt sind, bei Bewerbungen benachteiligt werden. „Ich musste viel stärker gegenüber Vorurteilen wegen meiner Kleinheit kämpfen als wegen meines Frau-Seins!“, berichtete mir vor einiger Zeit eine mittlerweile beruflich sehr erfolgreiche Bekannte.  Umgekehrt wird Körpergröße sofort als Vorteil vermerkt. Schaut euch nur die Riege der Top-Aufsichtsräte an!

Also: Wir brauchen eine Kleinen-Quote! Denn kleine Menschen werden empirisch nachweisbar bei gleicher Qualifikation stark benachteiligt: zum Beispiel im Polizeidienst, im Flugbegleiterdienst, in der Mode und und und. Davon spricht niemand!

Das gleiche gilt für hässliche Menschen. Schlecht aussehende Menschen werden ebenfalls benachteiligt. Dies ist vielfach nachgewiesen.

Man könnte also durchaus fragen: Brauchen wir nicht auch eine Hässlichenquote und eine Kleinenquote?
Ich würde sagen: Es hat seinen Grund, wenn Frauen nicht bis in die obersten Etagen vordringen. Vielleicht wollen sie nicht, obwohl sie das Zeug dazu hätten? Was ist so schlimm daran?

Manchmal frage ich beruflich erfolgreiche Frauen: „War es schwer, so weit nach oben zu kommen?“ Sie antworten mir wie ein Mann: „Ja, es war schwer, und zwar genauso schwer wie für einen Mann auch. Unser Frau-Sein hat aber nie und nirgendwo als Karrierebremse gewirkt. Im Gegenteil!

Entscheidend ist in meinen Augen: Die Frauen sollen selbstbestimmt und frei leben. Und das können sie auch ohne Frauenquote. Besser als wir Männer. Der Mann will immer nach oben, will besser sein als die anderen Männer. Daran leiden wir. Jedenfalls die meisten. Ich auch.

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Sep 202012
 

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„Mein Name ist Burak und ich bin neun Jahre alt. Ich besuche die Regenbogen-Schule und gehe in die vierte Klasse. Durch einen Schulfreund habe ich erfahren, dass es eine Schülerhilfe gibt. Sofort habe ich meinem Papa davon erzählt. Er hat mich angemeldet. Seit 2011 habe ich nun eine Schülerhelferin, Frau Bezzazi. Jeden Montag treffen wir uns zur Nachhilfe, die eine Stunde dauert …“

So beginnt der neunjährige Burak seine kleine Geschichte im Morus 14-Info, Ausgabe 2/2012. In diesen kleinen Geschichten, wie sie rings um den Verein Morus 14 erzählt und geschrieben werden, entfaltet sich der Goldstaub einer guten Zukunft.

„Wir haben hier bei Morus 14 den Schlüssel zur Zukunft in der Hand. Während in Sudan, Libyen und Pakistan Menschen sinnlos ermordet und Geschäfte geplündert werden, geben wir im Netzwerk Schülerhilfe die sanfte, bezwingende, bessere Antwort. Wir schaffen den Frieden durch Dienst am Menschen. Wir pflegen den Garten des Menschlichen!“

So ungefähr sprach ich bei der Außerordentlichen Mitgliederversammlung des Vereins Morus 14 am vergangenen Montag im Gemeinschaftshaus.

Die Zukunft des Vereins ist leider ungewiss, es fehlt an der nötigen soliden Grundausstattung. Es fehlt an einer Grundsicherung des Bestandes für einen oder zwei hauptamtliche Mitarbeiter, für das Vereinsheim, für die Ausstattung. Das schneidet ins Herz. Denn wofür ist sonst alles Geld da? Brauchen wir viele Milliarden für einen glitzernden, dennoch nicht funktionierenden BER-Flughafen, für waffenstarrende Panzer am Hindukusch, die keine dauernde Sicherheit gebracht haben, während gleichzeitig einige lumpige Zehntausend  für den Erhalt, die Pflege und die Koordination des Neuköllner Netzwerks Schülerhilfe fehlen? Die Kinder verdienen jede Zuwendung, sie brauchen so schlichte, aber wirksame Dinge wie Hausaufgabenhilfe, sie müssen Disziplin, Vertrauen, Verbindlichkeit erlernen, denn in den Elternhäusern lernen sie es nicht. Sie brauchen  den Zebrastreifen hinüber in ein gutes, verantwortliches, gelingendes Leben.

Ist uns der „Goldstaub der Zukunft“, von dem Neuköllns Bürgermeister so gern spricht und neuerdings auch wieder schreibt, unsere Kinder – egal ob in Neukölln im Rollbergviertel oder in Kreuzberg am Kotti – so wenig wert?

Bild: ein Neuköllner Kind malt einen Zebrastreifen im Vivantes Klinikum Neukölln

 Posted by at 21:48
Sep 202012
 

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Unendlich viele kleine Geschichten spielen sich auf Neuköllns Straßen und Höfen ab. Beim Aktionstag für Kindersicherheit, an dem ich im Dienste des ADFC teilnahm, sprach uns am Stand ein vielleicht elfjähriger Junge an, ein Patient der Neuköllner Kinderklinik.  Nennen wir ihn doch – Burak! Burak – wie das geflügelte Pferd des Propheten.

Erst diskutierten wir mit einigen Umstehenden über den Unterschied zwischen Radfahrstreifen und Schutzstreifen. Hand aufs Herz zur Diagnose: Wer weiß denn immer genau, was ein Schutzstreifen und was ein Radfahrstreifen ist? Dann besprachen wir, wie man sich an Zebrastreifen verhält. Befund: Als guter Radfahrer fährt man vorsichtig heran, und wenn Fußgänger die Straße überqueren wollen, lässt man ihnen mit einem freundlichen Lächeln den Vortritt. Darüber herrschte Einigkeit! Dann hatte der Junge genug der Belehrungen.

„Darf ich mal dein Fahrrad leihen? Ich möchte einmal damit fahren!“, fragte mich Burak. „Ja, aber Du darfst das Gelände des Krankenhauses nicht verlassen!“, schärfte ich ihm ein und schaute ihm in die Augen. Dann händigte ich ihm mein Fahrrad aus. „Na, ob Sie das wiederkriegen? Das kostet doch sicher mehrere Hundert Euro!“, zweifelten einige der umstehenden Erwachsenen. „Mir ist gerade heute ein Fahrrad gestohlen worden!“, warf eine Frau ein.

„Ich werde das Fahrrad wiederbekommen“, erwiderte ich zuversichtlich. Vertraut dem Menschen – und so wird euch vertraut werden, das ist ein Wahlspruch von mir.

15 Minuten später stellte der Junge das Fahrrad stolz zurück an  den Stand. Burak war zurückgekommen!

„Na, alles paletti, sind Sie glücklich?“, fragte mich ein Vertreter der Vivantes-Klinik zwischendurch. „Ja, ich bin glücklich, es ist ein sehr schöner Tag“, erwiderte ich strahlend.

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Das läuft schon: der Klimawandel und der Mentalitätswandel im europäischen Geschichtsbild

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Sep 192012
 

Geschenkter Nachsommer! Heute las ich bei herrlichem Sonnenschein im Prinzenbad die FAZ, vor allem die Wissenschaftsbeilage, Seite N 1, das Interview zum Klimawandel mit Acatech-Präsident Reinhard Hüttl, sowie Seite N4, Gespräch zum Mentalitätswandel des historischen Bewusstseins mit Sir Ian Kershaw und Timothy Snyder.

Eine Botschaft Timothy Snyders darin: Lerne fleißig die Sprachen der östlichen Hälfte Europas, dann kannst auch du bei den staatlich organisierten Hungersnöten in der Ukraine, beim Nationalitätenterror der Kommunisten und beim Holocaust mitreden! Das ist richtig. Wer die originalen, schriftlich dokumentierten Tötungsbefehle der Kommunisten lesen und interpretieren will, muss Russisch können. 

Sowohl Snyder als Kershaw tun etwas, was ich in diesem Blog immer wieder eingefordert habe: Sie brechen die einseitige Deutschlandfixierung der neueren Geschichte auf. Sie haben das ganze Bild im Blick, und da zeigt sich, dass nicht nur Deutschland, sondern zahlreiche andere Mächte, insbesondere die Sowjetunion das Antlitz Europas umgewandelt haben. Und vor allem legen sie dar, dass es ab etwa 1930, beginnend im Westen der damaligen Sowjetunion, zu einer Abfolge von staatlich organisierten Pogromen, Vertreibungen und Massenmorden kam, die insgesamt etwa 14 Millionen Opfer forderten – wohlgemerkt außerhalb der Toten, die die zahlreichen zwischenstaatlichen Kriege forderten.

Die Klimadebatte – so scheint mir – wird weiterhin mit gläubiger Inbrunst geführt, zerfällt im Augenblick in gewisse bekenntnishaft organisierte Gemeinden – die Orthodoxen, die Revisionisten, die Leugner, die Fundamentalisten, die Indifferenten, die Ketzer.

Reinhard Hüttl, Fritz Vahrenholt, Hans von Stoch, Wolfgang Cramer, Paul Becker – das sind maßgebliche Namen in der deutschen, teilweise in der weltweit geführten Klimadebatte. Derzeit wird mal wieder heftig gestritten. Wie schlimm ist der Klimawandel, wie unvermeidlich, wie unumkehrbar?

Einigkeit scheint zu herrschen, dass Deutschland kaum unmittelbar vom Klimawandel bedroht ist. Deutschland, die nordischen Länder, Grönland, Kanada, die nördliche Russische Föderation dürften im Gegenteil eher profitieren. Insgesamt dürften mehr Menschen vom Süden in den Norden ziehen als vom Norden in den Süden.

Reinhard Hüttl sagt etwas sehr Tiefschürfendes: „Meine Sorge ist, dass wir den Menschen sagen, wir hätten die Probleme im Griff und bekämen eine heile Welt. Das wird aber auch zu meinem Bedauern nicht geschehen. Es gibt die Hitzeperioden, wir haben die Arten, die einwandern oder aussterben, wir haben neue Krankheiten, wir müssen nachdenken, wie wir uns bestmöglich an die Veränderungen anpassen.“

Das ist die gesamte Klimadebatte in nuce!  Ich würde diese Sätze so verstehen:

„Es gibt die Hitzeperioden, wir haben die Arten, die einwandern oder aussterben, wir haben neue Krankheiten, wir müssen nachdenken, wie wir uns bestmöglich an die Veränderungen anpassen.“ Das ist zweifellos richtig. Aber es ist keine alles überragende Bedrohung, sondern eine Herausforderung neben anderen Herausforderungen wie etwa Analphabetismus, Aids, Schulabbrechern, 6000 Verkehrstoten pro Jahr in Deutschland und etwa 800 Mordfällen pro Jahr.

Meine Sorge ist, dass wir den Menschen sagen, wir hätten die Probleme im Griff und bekämen eine heile Welt.“ Und meine  Sorge ist, dass immer wieder Wissenschaftler und Politiker auftreten und behaupten, sie hätten die eine, die riesige, die alles überragende Themenstellung erkannt – wahlweise etwa den Klimawandel, den islamischen Fundamentalismus, le waldsterben, die Staatsverschuldung, den Zerfall der Euro-Zone, die Umweltverschmutzung,  die hohe Schulabbrecherquote und und und. Das Herausstreichen einer und nur einer Themenstellung bedeutet allzu oft, dass Ressourcen und Kräfte diesem einen großen überragenden Ziel untergeordnet werden – auf dass eine geheilte Welt errichtet werde.

Ich halte das für gefährliche Hybris, für Machbarkeitswahn, der in Unfreiheit umschlagen kann.

 Posted by at 13:50
Sep 182012
 

Ungeschickt zum Löschen ist
Wer da Öl gießt, wo es brennt;
Noch ist drum kein guter Christ,
Der zu Mahom sich bekennt.
Scheut die Eule gleich das Licht,
Fährt sich’s doch vorm Winde gut,
Besser noch mit Wind und Flut
Aber gegen beide nicht.

Soweit die Stimme des Dichters Adalbert von Chamisso. Ein klarer, mutiger, wegweisender Reisender, ein Migrant reinsten Wassers! Es macht Freude, bei diesem Namensgeber unseres Kreuzberger Chamissoplatzes nachzulesen, was er über das Verhältnis zwischen Christen und Muslimen sagt.

Wenig Freude habe ich an den Reaktionen des Westens auf den ganzen Schmäh (wie der Wiener sagt), auf die Morde, auf die Plünderungen und Ausschreitungen in muslimischen Ländern, wenig Freude habe ich an den Reaktionen einiger Muslime auf den üblen Schmäh und den üblen Spott. Ich vermisse bei den Verlautbarungen der Politiker das Mitgefühl für all die vom Mob Ermordeten, für die Ausgeplünderten und Verprügelten!

Das Schlimmste, was jetzt in diesem Zusammenhang geschieht, sind zweifellos die Morde und Plünderungen, die Brandstiftungen, die Straßenschlachten in einigen Ländern der muslimischen Welt.

Die Reaktion der deutschen Politik erinnert in mancherlei Hinsicht an die Reaktion nach dem Tsunami-Unglück in Japan. Statt der 20.000 Toten zu gedenken und den 100.000 Obdachlosen zu helfen, die durch die Flutwelle in Japan ins Leid gestürzt worden waren, wurde ohne zwingende Not in Deutschland eine Kernenergiedebatte losgetreten. Und so wird auch jetzt in Deutschland ohne zwingende Not eine Verbotsdebatte losgetreten, statt der Ermordeten und Geprügelten zu gedenken.

Islambeleidigende Filme und Machwerke gibt es leider seit Jahren zuhauf, christentumsbeleidigende Filme und Machwerke  gibt es leider seit Jahren zuhauf,  judentumsbeleidigende Filme und Machwerke gibt es leider seit Jahren zuhauf. Dazu empfehle ich nachdrücklich, die bunte Welt der Videos und Filme der islamischen Länder nicht zu vernachlässigen. Das müssen wir Abendländer schon aushalten, als blutrünstige Monster dargestellt zu werden.

Keine Beleidigung rechtfertigt aber, dass man Leben und körperliche Unversehrtheit anderer Menschen angreift. Ich vermisse bei den deutschen Politikern eine klare Verurteilung der Ausschreitungen, der Plünderungen, der Morde, für die der Film nur der absichtlich gesuchte Auslöser, nicht der Grund war. Es kann doch keinem Zweifel unterliegen, dass dieser Film nicht ursächlich war für das gehäufte Auftreten von Randalierern und Hetzern, von Mördern und Terroristen in einigen islamischen Ländern. Der Konflikt, der Hass ist bewusst geschürt worden, er hätte auch anhand anderer Werke geschürt werden können. Die Randale werden gezielt gesteuert. Verbietet man diesen einen Film, wird sicherlich binnen kurzem der nächste Anlass gefunden werden, um gezielt loszuschlagen.

Es stimmt zweifellos: Mehr Respekt vor den Religionen stünde uns allen gut an. Entscheidend ist bei dieser Selbstprüfung: Kann man es verantworten, Menschen in ihren religiösen Gefühlen so mutwillig zu beleidigen? Nein. Man sollte Menschen wegen ihres Glaubens nicht beleidigen oder verletzen.

Aber kein verletztes Gefühl, keine Kränkung rechtfertigt Mord, Totschlag, Plünderung, maßlose Hetze in Sudan, Libyen, Pakistan – oder in der Europäischen Union!

Eine klare Distanzierung vom Terror, von Mord und Totschlag tut not. Ich wünsche mir eine klare Aussage der EU: „Wir schützen die Freiheit des religiösen Bekenntnisses. Wir achten die Religionen. Jeder EU-Bürger darf seinen Glauben leben, solange er nicht die Gesetze unserer Staaten verletzt. Aber Terror, Mord, Totschlag, Plünderungen und Prügeleien werden wir in der Europäischen Union als Reaktion auf Gotteslästerung keinesfalls hinnehmen. Wir lassen uns nicht erpressen und bedrohen. Da sind wir felsenfest.“

Und eine klare Distanzierung von diesem und anderen  Filmen – den ich allerdings nicht gesehen habe – kann und sollte man ruhig wiederholen, das haben die Politiker ja auch brav gemacht. Gut gemacht.

Ich wünsche mir folgende Ansage: Nein zu Terror und Gewalt! Nein zu mutwilliger Beleidigung der Menschen und Religionen! Ja zum Grundrecht auf Leben und körperliche Unversehrtheit, ja zum Grundrecht der Meinungsäußerung!

Diese Doppelbotschaft muss jetzt von der europäischen Politik kommen.

 Posted by at 14:03