Herr Meister und Frau Meisterin – oder: European „Master“ meets German „meister“

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Apr 302013
 

2013-04-25 20.56.29

„Herr Meister und Frau Meisterin
Laßt mich in Frieden weiterziehn
und wandern und wandern und wandern.“

Dies verschollene Liedlein aus uralten Zeiten summte ich vor einigen Tagen in meinem Kopf, als ich mit einem Regionalzug durch das herrliche Tal der Fulda glitt. Ich saß beschwingten Mutes in der CANTUS-Bahn Nr. 24217 von Kassel nach Fulda. Cantus heißt ja wohl Gesang, offenbar wird einem tatsächlich in diesen Cantus-Zügen gesanglich oder märchenhaft zumute! Buschige Höhen, sanft geschlängelte Bächlein begleiteten den Zug.  Hier durchzogen Jacob und Wilhelm Grimm die Dörfer, um Sagen und Märchen zu sammeln!

Auch ich nutze weiterhin alle meine Zugfahrten und Fußwanderungen, um von Mitreisenden Geschichten und Stoffe zum weiteren Nachdenken und Nacherzählen zu sammeln. So knüpfte ich gleich ein artiges Gespräch mit einer jungen Mitreisenden an, die neben mir saß. Nach den üblichen Fragen nach dem Woher und Wohin fragte ich sie nach der jetzigen beruflichen Situation.

Was haben Sie im Leben vor?, fragte ich.

„Ich mache jetzt meinen Master in Marburg, nachdem ich schon den Bachelor, den ich in Kassel gemacht habe, in der Tasche habe!“
In welchem Fach?
„In VWL!“

Ich frage weiter: Prima! Und wie finden Sie das neue europäische System mit Bachelor, Master, CreditPoints und pi pa po? Ist das nicht prima, dass jetzt die gesamte höhere Bildung in der EU einheitlich geregelt wird? Ist ein europäischer Mastertitel nicht viel wertvoller als ein deutscher Meistertitel?

„Es ist nicht prima. Diese Titel Bachelor oder Master bedeuten für meine potentiellen Arbeitgeber fast nichts. Sie lassen sich mit einem deutschen Meister oder einem deutschen Dipl.-Ing. in keiner Weise vergleichen und sind auf dem Arbeitsmarkt viel weniger wert als diese überall bekannten und anerkannten Abschlüsse Meister, Dipl.-Kfm. oder Dipl.-Ing.“

So weit das Zeugnis der hessischen VWL-Studentin aus dem Regionalzug. Anlass für unsere heutige Besinnung!

Die nichtdeutsche Presse berichtet es gern: Die Tatsache, dass ausgerechnet Deutschland Ausbildungsplätze in Fülle anzubieten hat, während Spanien oder Italien ihre Schulabsolventen in hellen Scharen an die Uni oder gleich auf die Straße schicken, zieht lernwillige Blicke aus Ländern an, die unter einer exorbitanten Jugendarbeitslosigkeit leiden. Südkorea und Spanien und einige andere Länder versuchen mittlerweile das über Jahrhunderte hin gewachsene duale System der deutschen Berufsbildung nachzuahmen.

Wie ein Echo dieses Befundes klingt die Analyse des aktuellen Economist mit seinem Titelthema zum drängenden Thema Jugendarbeitslosigkeit in vielen Industrieländern.
Lest einen Auszug aus dem Economist-Leitartikel „Generation jobless“:

Across the OECD, people who left school at the earliest opportunity are twice as likely to be unemployed as university graduates. But it is unwise to conclude that governments should simply continue with the established policy of boosting the number of people who graduate from university. In both Britain and the United States many people with expensive liberal-arts degrees are finding it impossible to get decent jobs. In north Africa university graduates are twice as likely to be unemployed as non-graduates.

What matters is not just number of years of education people get, but its content. This means expanding the study of science and technology and closing the gap between the world of education and the world of work—for example by upgrading vocational and technical education and by forging closer relations between companies and schools. Germany’s long-established system of vocational schooling and apprenticeships does just that. Other countries are following suit: South Korea has introduced “meister” schools, Singapore has boosted technical colleges, and Britain is expanding apprenticeships and trying to improve technical education.

Was ist also besser: der European „master“ oder der German „meister“? Die Welt hat vorerst  entschieden: Ein klarer Sieg für das ausgefeilte deutsche berufliche Bildungswesen ist zu vermelden! Das duale System der beruflichen Ausbildung ist ein nachahmenswertes Trumpf-As für den Standort Deutschland. Man braucht in Deutschland und anderswo nicht unbedingt zur Universität zu gehen, um ein glückliches, erfülltes und auch ökonomisch höchst einträgliches Berufsleben zu führen.

Die faktische Gleichwertigkeit einerseits der handwerklich gestützten Ausbildungsberufe, die zum Meister führen,  und andererseits der akademischen Abschlüsse, die zum Master führen,  beweist erneut: Eines schickt sich nicht für alle.

Die bloße Erhöhung der Abiturienten- oder Akademikerquote, wie sie etwa als Zahlenwert in den Lissabon-Zielen zwischen den EU-Partnern vereinbart ist (mindestens 40%!), stellt als solche noch kein sinnvolles Ziel dar.

Einmal mehr zeigt sich, dass die von oben herab steuernde, zentrale Quotenvorgabe der EU eher schadet als nutzt. Oder, wie mein katholischer Vater und mein katholischer Großvater (und wohl auch mein Urgroßvater) schon sagten:

„Prüfet alles, das Beste behaltet!“

Quellen:
Das Wandern
. In: Der junge Musikant. Liederbuch für die Bayerischen Volksschulen. Oberstufe. Bearbeitet von Rudolf Kirmeyer. Bayerischer Schulbuch-Verlag. München 1951, Seite 228-230

Generation jobless. The global rise of youth unemployment. In: The Economist, 27th April 2013. Kindle edition (Lead article).
http://www.economist.com/news/leaders/21576663-number-young-people-out-work-globally-nearly-big-population-united

Foto: Im hessischen Fuldatal. Gegend bei Altmorschen. April 2013

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Sie nehmen es vom Lebenden!, oder: „Mehr Bürgergeld in Politikerhand!“

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Apr 292013
 

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„Winfried Kretschmann lobt Steuererhöhungspläne.“ Eine klare Absage an das frühere, ganz von Aristoteles und der griechischen Polis herrührende Mantra des guten christlichen Demokraten Winfried Kretschmann von „Maß und Mitte“, wie er das selber so hübsch sagt.

Lug amol, den eigensinnigen Konservativen, Herrn Kretschmann haben sie aber schön weichgekocht, auf Linie getrimmt und den widerborstigen Boris Palmer aus Hölderlins Tübingen glatt abgebügelt! Und ehrlich sind die Grünen nach eigener Aussage auch: „Wir sagen den Leuten bereits vor der Wahl, dass der Staat mehr Geld für seine Aufgaben benötigt.“

Die Grünen setzen also mit ihren hochfliegenden Steuererhöhungsplänen weiterhin auf den Vorrang der Politik vor der Gesellschaft, auf den Vorrang der hochgebildeten, die taz und den Hölderlin lesenden geistigen Elite vor der unförmigen Menge des einfachen, BILD-lesenden und SAT.1 guckenden Volkes. Ist ja klar: Wer wie die Grünen an den Staat glaubt, wer wie die Grünen der Politik gesellschaftstransformierende Heilkräfte zutraut, auf dass sie dieses „Deutschland rocke“, wie das der Kreuzberger Grüne Cem Özdemir so hübsch sagte, muss auch endlich dafür sorgen, dass der Staat und die Politik mehr Geld im Säckel haben und nicht weiter mit lumpigen ca. 620 Mrd. Euro oder auch 620.000 Millionen Euro (so viel an Steuereinnahmen hat die öffentliche Hand 2013 etwa in Deutschland zur Verfügung) am Bettelstab gehen.

Bestes Beispiel: bei uns dahoam, im Bundesland Berlin! Wir haben in Berlin eine  traumhaft hohe Staatsquote, eine nahezu sozialistische Staatsquote von über 60%, eine traumhafte Förderkulisse, wie das die Friedrichshain-Kreuzberger Bezirksstadträtin Herrmann (Grüne) einmal so hübsch sagte. Für alles ist eigentlich Geld da, wenn man sich in der Berliner Mittelverwaltung auskennt. Eigentlich müsste in Berlin schon längst das Paradies ausgebrochen sein, denn ein riesiger Anteil vom Kuchen befindet sich bereits seit Jahrzehnten in der Hand der demokratisch gewählten Politikerinnen und Politiker.

Überall hört man bei den Grünen, bei der Linken, der SPD, bei den Piraten und endlich vereinzelt bereits auch aus der CDU den gleichen Singsang heraus: „Bitte, liebe Mutti Politik,  lieber Papi Staat, mach, dass wir alle glücklich sind oder werden. Suum cuique, sagt der Lateiner doch, jedem das ihm Zustehende! Liebe Politikerinnen, lieber Politiker, macht, dass es endlich einmal gerecht zugeht in diesem Land: Bitte nimm den Reichen und dem Mittelstand das ganze überflüssige  Geld, und mach, dass wir alle alle endlich eine glückliche Gemeinschaft werden!“

Ach, wie schön klingt das! Alles prima, alles bestens! Wer kann denn dagegen etwas sagen?

Die linke, staatsgläubige Mitte herrsche uneingeschränkt! Na dann rockt mal Deutschland schön!

http://www.spiegel.de/politik/deutschland/gruenen-parteitag-winfried-kretschmann-lobt-steuerplaene-a-897011.html

http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/steuerkonzept-der-gruenen-trifft-mittelschicht-a-897074.html

http://www.jungewelt.de/2013/04-29/042.php?sstr=kretschmann

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„Dürfen wir mitspielen?“ JA! „Leihst du uns mal dein Skateboard?“ JA!

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Apr 282013
 

2013-04-28 16.22.03

Wunderbare, herzerwärmende Begegnungen zuhauf im neuen Park am Gleisdreieck! Heute zogen wir mit einer befreundeten Familien und deren Kindern und Opa los. Wir fanden eine schmalen, streifenbreiten Platz neben den Halfpipes, um einen Kick mit dem Fußball auszutragen. Da fragten zwei Kinder aus einer anderen Familie: „Dürfen wir mitspielen?“ Aber ja doch! Es entspann sich eine ganze Reihe von kleinen Partien in wechselnder Besetzung! Jedes Spiel war im Ausgang offen, überhaupt schlossen sich uns immer wieder Kinder an – und andere sprangen ab. Ich steuere den eigenen Einsatz  meist so, dass die Mannschaften mit Erwachsenenbeteiligung  etwa 40-50% aller Spiele gegen Kinder gewinnen. Es klappt. Eine herrliche Erfahrung!

Einmal bekam einer unserer Jungen Lust auf die Halfpipe. Ich suchte einen erwachsenen Skateboard-Fahrer aus, den ich so einschätzte, dass er uns wohl sein Board leihen würde. Und in der Tat. „Ja! Nehmt es einfach! Aber passt auf!“ Nicht nur reichte er uns sein Gerät sofort her, sondern er erklärte auch die Basics dieses Sports, und wir zwei Erwachsenen leisteten dem Jungen gemeinsam Hilfestellung, als er sich die ersten Male in den Abgrund stürzte.

Diesem Kreuzberger und nunmehr auch Schöneberger Park verdanke ich wirklich schon zahlreiche Begegnungen mit völlig unbekannten Menschen aus vielen Ländern. Er ist das Muster einer gesprächsfördernden, menschenfreundlichhen Umgebung. Wie die Planer und Finanzierer aus der Politik und der Wirtschaft das genau geschafft haben, weiß ich nicht.

Es ist der Garten des JA!

Wir loben das alles und sagen schon mal DANKE! Ich habt uns etwas Großartiges geschenkt.

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Jetzt aber auch Straßenumbenennungen für weibliche Mordopfer!

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Apr 272013
 

Das Label Silvio Meier hat kaum noch etwas mit meinem ermordeten Freund zu tun.

So schreibt Dirk Moldt, ein Freund des Erstochenen, in der taz. In der Tat, Moldt hat recht. Silvio Meier, der kämpferische Unerschrockene,  hätte dergleichen ersatzreligiösen Opferkult vermutlich empört zurückgewiesen, wie er ihm nun wider Willen widerfährt. Die Umbennung der Gabelsbergerstraße in Silvio-Meier-Straße ist wirklich autozelebratorische Symbolpolitik vom Allerfeinsten. Man könnte auch sagen: Sie ist ein klarer Triumph der Anti-Hitler-Koalition, ein Sieg des ritualisierten Opfergedenkens im grünroten Friedrichshain-Kreuzberg, einer bundesweit bestens ausgewiesenen Hochburg der politisch maskierten, politisch grundierten Gewalt. Friedrichshain-Kreuzberg ist wirklich ein Saatbeet der zum Rechtsbruch geneigten politischen Extremismen. 

Zugleich ist die Straßenumbenennung eine Legitimation für die Fortsetzung des – mitunter gewaltsamen – nachgeholten antifaschistischen Kampfes gegen Mussolini, Hitler, Franco und Metaxas. Was die Deutschen in Deutschland – im Gegensatz etwa zu den Polen – zu Lebzeiten Mussolinis, Lenins, Hitlers, Lenins, Stalins, Maos, Metaxas‘, Francos, also zu Lebzeiten der „großen“ Diktatoren  nicht zustande brachten, nämlich eine breit aufgestellte, organisierte Widerstandsbewegung gegen die italienischen Faschisten, deutschen und österreichischen Nationalsozialisten, Rassisten, Hitleristen, Stalinisten, Nationalkommunisten, Bolschewisten … e tutti quanti im eigenen Lande, das holen die Antifaschisten der neuesten Stunde nunmehr nach. Sie alle, die Hitlergegner, die ein paar Jahrzehnte nach Hitler kommen, setzen sich mit der Silvio-Meier-Straße ein Denkmal der eigenen Großartigkeit.

Man darf darauf warten, wann in Kreuzberg auch einer der zahlreichen in den letzten Jahren praktisch vor unseren Augen ermordeten türkischen Kreuzberger Frauen erstmals durch Straßenumbenennungen gedacht wird. Der von der BVV geforderten Frauenquote im Friedrichshain-Kreuzberger Straßenland täte es gut!

Der von mehreren Zeugen eindeutig identifizierte Mörder der Klientin von Seyran Ateş lebt oder lebte nach seinem Freispruch angeblich unbehelligt im schnuckeligen Kreuzberg. Der Mord geschah in Kreuzberg, hier um die Ecke am U-Bahnhof Möckernstraße.  Und einige andere Morde an türkischen Frauen, von denen niemand etwas wissen will, ebenfalls.

via Straße für Silvio Meier: Das Leben toter Helden – taz.de.

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Der Euro untergäbt das Vertrauen der Bürger in die EU

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Apr 262013
 

Die Bürger laufen der EU in Scharen davon. Das finde ich niederschmetternd, wenn auch erklärlich.

Schön, dass ausgerechnet das größte EU-Land, das den Euro nicht eingeführt hat, nämlich Polen, der EU noch am meisten Vertrauen entgegenbringt!  Eine neue Umfrage des Eurobarometers, eines Organs der Europäischen Kommission, zeigt: An der Gemeinschaftswährung Euro haftet kein Vertrauen. Ausgerechnet der Euro gilt bei den EU-Bürgern als entscheidender Quell des Misstrauens.

Ich meine: Man muss den Euro als pragmatische Frage sehen. Am Sinn der EU insgesamt werden kaum Zweifel geäußert – ganz im Gegenteil! Die Euro-Politik sät diese Zweifel an der EU insgesamt doch mehr als alles andere. Gerade diejenigen, die die Einheitswährung als sekundär, als prinzipiell verzichtbar betrachten, könnten schon in wenigen Monaten, etwa bei der Bundestagswahl, als die klügsten Befürworter und Stützer der Europäischen Union dastehen!

 

Einziger Lichtblick für EU-Anhänger dürfte Polen darstellen, da es hier mehr Menschen gibt, die der EU vertrauen, als solche, die ihr misstrauen. Und es geben immer noch 48 Prozent der polnischen Befragten an, der EU zu vertrauen. Allerdings waren das vor fünf Jahren noch 68 Prozent.

via Schuldenkrise : Die Europäer verlieren das Vertrauen in die EU – Nachrichten Politik – Ausland – DIE WELT.

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Die Ehe zwischen Weib und Mann: die perfekte 50%-Quote!

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Apr 252013
 

Leidet Ihr sehr unter der geringen Frauenquote in Kreuzbergs Straßennamen, oh ihr Kreuzberger Frauen?“, so frage ich gelegentlich süffisant lächelnd meine Kreuzberger Bekanntschaften und Verwandtschaften.

„I wo! O ihr schwatzhaften Männer und Frauen!“, antworten die ausländischen, die migrantischen, die multikulturellen   Frauen. „Kümmert euch um eure Familien statt um die läppischen Zauseleien der BVV und der Kreuzberger Lokalpolitik!“

„Männer, erzieht eure Söhne und Töchter zusammen mit den Frauen! Haut nicht ab in die Politik! Verhindert Gewalt und Unterdrückung der Kreuzberger Frauen, pflegt eure greisen Eltern, o ihr Multi-Kulti-Männer, zeugt Kinder, ihr Männer,  und zieht diese groß zu anständigen, tüchtigen, liebevollen Männern und Frauen!“

„Das Entscheidende ist doch, dass die Institution mit der perfekten 50%-Frauen-Quote gehegt und gepflegt wird: die Ehe zwischen Weib und Mann, zwischen Mann und Weib! Die reicht an die Gottheit an!“

Brauchen wir die 50%-Quote in der Ehe? Ich denke ja. Herrlicher Kompromiss pro matrimonio, pro egalitate mulieris ac viri in der BVV meines Heimatbezirks, während ich mal wieder im fernen Ausland weile. Gut gemacht, Mädels und Jungs, lasst Euch bloss nicht vom SPIEGEL der WELT auslachen!

Der Fromet-und-Moses-Mendelssohn-Platz-BVV-Benennungsbeschluss ist ein überragendes Monument pro matrimonio und pro familia, für die Ehe zwischen Mann und Weib, für die Familie als Keimzelle der Gesellschaft, wie sie das Judentum (und auch das Christentum und der Islam) lehrt. Ein klarer Hinweis auf den überragenden Rang, den das gesamte Judentum ohne echte Ausnahmen  über 3 Jahrtausende hinweg der Ehe zwischen Mann und Weib und daraus entspringend  der Mischpocha, der Familie einräumt.

Das Judentum – egal ob orthodox, säkular, atheistisch oder aufklärerisch -,  hat stets die jungen Männer und Frauen ermuntert, ja dringend aufgefordert zu heiraten, Kinder zu zeugen und sich der Pflege der greisen, pflegebedürftigen  Eltern und Erziehung der unmündigen, hegebedürftigen Kinder zu widmen.

Genau dasselbe fällt mir ein, wenn ich mal wieder den schwarzen Block der jungen Männer sehe, die da mit verhüllten Gesichtern, Steine wurfbereit in Händen haltend gegen  Vater Staat  kämpfen.

BVV Fri-Kre, tov me’od! Gut so!

Danke, danke liebe BBV, toda rabah!

Jüdisches Museum: Grüne akzeptieren Namenskompromiss für Platz – SPIEGEL ONLINE.

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Darf man in Deutschland noch die Nationalflagge zeigen?

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Apr 232013
 

Jetzt nehmen Sie doch bitte die Deutschlandfahne weg!“ So oder so ähnlich hört man es immer wieder in Deutschlands Straßen, ja selbst in Deutschlands neugegründeten Parteien. Kein Zweifel: Ein Bekenntnis zur deutschen Nation, zum deutschen Grundgesetz (nichts anderes ist ja das Bekenntnis zur deutschen Fahne), wie es beispielsweise viele Russlanddeutsche, viele Neue Deutsche wie etwa Cem Özdemir oder Fatih Cevikkollu oder meine lieben Neuköllner Araber und Libanesen ablegten, ist in Deutschland nicht erwünscht.

Merke: Ein Bekenntnis zur Bundesrepublik Deutschland oder auch zur deutschen Sprache gilt in Deutschland als unverzeihlicher  Tabubruch. Aber: Schön von den Bündnisgrünen, dass sie unseren Kreuzberger Mitschwaben Cem Özdemir an hervorgehobener Position noch (hüstel hüstel!) grummelnd tolerieren, auch wenn Özdemir leider bei den Kreuzberger Grünen als Kandidat für den nun frei werdenden Bezirksbürgermeisterposten keinerlei Chance hätte, zumal er bisher kein flammendes Bekenntnis gegen übermannshoch geflieste Wannenbäder in der Oranienstraße abgelegt hat und den Drogensüchtigen in seinem privaten Wohnhaus keinen Freiraum einräumen wollte.

Merke: Die Fahne der Bundesrepublik Deutschland, die Fahne des Grundgesetzes  ist out, ist NICHT angesagt in Deutschland! ABER: Die türkische Fahne ist vermehrt angesagt in Deutschland. Noch weit stärker als der deutsche Antinationalismus ist seit einigen Jahren der türkische Nationalismus in Deutschland. So war es noch vor 10 oder 20 Jahren undenkbar (oder ich habe es nicht gesehen), dass die fröhlich hupenden Hochzeitskorsos all der Kreuzberger BMWs und Neuköllner Merzedesse mit türkischen Nationalflaggen geschmückt wären. Heute ist es bei uns in Kreuzberg schon fast die Regel! Türkische Hochzeiten in Deutschland werden selbstverständlich im Zeichen der türkischen Nationalflagge gefeiert.

Ergebnis: Man soll und darf in Deutschland – außer bei WM- und Europameisterschaftsspielen der Nationalmannschaft – kein Bekenntnis zur Bundesrepublik Deutschland (in Gestalt ihrer Fahne) ablegen, man soll und darf in Deutschland aber sehr wohl ein Bekenntnis zur türkischen Flagge ablegen.

Es lebe die türkische Republik! Das ist die Devise, unter der sehr viele jungen Türken, die in Deutschland leben, in Deutschland heiraten.

Auch der gebührenfinanzierte staatliche Fernsehsender rbb zeigt heute stolz und triumphal die türkische Nationalflagge vor der Berliner Gedächtniskirche und verkündet stolz die Verurteilung Deutschlands (nicht Sarrazins!) als rassistischen Staates durch die UNO! Kuckstu ma hier auf den Link unten:

Türkische Fahnen vor Berliner Gedächtniskirche (dpa-Archivbild)

Die Aussagen Sarrazins zu Türken in Deutschland wurden als rassistisch bewertet

Die Entscheidung des UN-Ausschusses geht auf eine Beschwerde des Türkischen Bundes Berlin-Brandenburg (TBB) zurück. Dieser und mehrere Einzelpersonen hatten nach Erscheinen des Interviews Strafanzeige gegen Volksverhetzung und Beleidigung gestellt. Das Ermittlungsverfahren gegen Sarrazin wurde eingestellt, zu einer strafrechtlichen Anklage kam es daher nicht. Daraufhin hatte der TBB eine Beschwerde beim UN-Antirassismus-Ausschuss eingereicht.

via UN: Deutschland soll sich zu Sarrazin-Urteil äußern | rbb Rundfunk Berlin-Brandenburg.

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„Ergreift endlich Verantwortung – gestaltet den Wandel“ … genau das ist der ominöse Wertkonservatismus!

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Apr 222013
 

Speriamo che ognuno faccia il suo dovere – wir hoffen, dass jeder seine Pflicht erfüllen möge.

Baff erstaunt kann man über die neuesten Reden von Giorgio Napolitano sein – etwa die vom heutigen Tage!  Und doch sind sie nur ein weiterer Beleg für den tiefgreifenden Wertewandel, den ganz Italien unter unseren Augen in den letzten Jahrzehnten seit etwa 1990 durchlebt hat. Ich erinnere mich noch an Napolitano, als er noch Kommunist innerhalb der KPI war. Beim Einmarsch der Sowjets 1956 in Ungarn verteidigte er die Panzer noch als Wahrer des Friedens. Später kämpfte er für Solidarität mit der Arbeiterklasse, für den Wandel des Kommunismus hin zum „Eurokommunismus“, einer menschenfreundlichen Spielart des Kommunismus, an die damals vor allem Intellektuelle in den kapitalistischen Ländern Süd-Europas und Westberlins glaubten.

http://it.wikipedia.org/wiki/Giorgio_Napolitano

Heute vertritt er  im Grund einen Wertekonservatismus reinsten Wassers, wie ihn bei uns in Deutschland selbst keine CDU-Politikerin mehr zu äußern wagen würde! Von „gesellschaftlicher Ungerechtigkeit“, vom einfühlsamen Sozialstaat, von der Benachteiligung der Arbeiterklasse, von Frauenquoten und derlei phantastischen Gebilden ist nicht mehr die Rede.

Statt dessen geht es heute in Italien um Ehrlichkeit, Anstand, Verlässlichkeit, Fähigkeit des Zuhörens, des Miteinander-Redens, es geht um Gemeinsinn, Bürgersinn, Rechtstreue, Rechtsstaatlichkeit, Pflichterfüllung, Liebe und Treue zum Vaterland Italien, Einheit der Nation, Familie, Stärkung der Institutionen, Mitgefühl mit dem Menschen, denen es weniger gut geht. Es geht nicht um den Kampf gegen die Ausbeutung des Menschen, es geht nicht um strukturelle Transformation der Gesellschaft oder der Wirtschaft.

 

Gut gefällt mir auch, dass in Italien kaum mehr alle Schuld auf den mehrfach gewählten früheren Ministerpräsidenten Berlusconi geschoben wird, wie das einige unverbesserliche deutsche Politiker leider bis in jüngste Zeit getan haben. Das Schwarze-Peter-Spiel verfängt nicht mehr. Es zählen nunmehr in Italien auch und gerade für die ehemals linken oder kommunistischen Politiker wie Napolitano die Werte, die es schon gab, als wir alle noch nicht geboren waren. Es sind die zeitüberdauernden Werte der Menschheit, die man weder mit Panzern noch mit viel viel Geld durchsetzen kann. Diese Werte sind von den einzelnen Menschen, den einzelnen Parteien und Unternehmen vorzuleben. Es sind die Werte des individualethischen Denkens.

 Posted by at 22:22

Verantwortung ergreifen – den Wandel wollen und gestalten!

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Apr 222013
 

Am Radio verfolge ich Ereignisse in Rom:

Kraftvolle,  von gesammelter Leidenschaft geprägte Antrittsrede des wiedergewählten italienischen Staatspräsidenten Giorgio Napolitano!  Worte, die nichts offen lassen, die nichts und niemanden verschonen!

Napolitano geißelt unumwunden Korruption, Schlendrian, Selbstbezüglichkeit der italienischen Politiker.

Die anwesenden italienischen Politiker klatschen ihm einmütig Beifall.

An Versäumnissen zählt er auf: Wahlrechtsreform, Verfassungsreform, Kampf gegen die Korruption, Senkung der Politikkosten. Überall beklagt er – Fehlanzeige!

Einen fundamentalen Mangel an Tatkraft, an bürgerschaftlichen Tugenden, die Italien einst zusammengeführt hätten, beklagt er. Dieser Mangel an Tugenden des Gemeinsinns führe zu einer Unterhöhlung der Institutionen, zu einer Lähmung der Reformfähigkeit, zur gegenseitigen Blockade.

Der überschwängliche Beifall der Versammlung – spontan mehr als 30 Mal gespendet – trägt ihn!

Jetzt kommt er zur Wirtschafts- und Finanzkrise, zu Europa! Auch hier stellt er seinem Vaterland kein gutes Zeugnis aus.

Dinamismo e solidarietà! Entfaltung der Kräfte im Geiste der Solidarität! Darin sieht er die Sendung Europas, der auch Italien genügen müsse.

Seine Forderungen: Ungenutzte Ressourcen – Jugendliche, Frauen – nicht zur Untätigkeit, zur Rückständigkeit verdammen! Institutionen des Staates handlungsfähig machen!

Volere il cambio – den Wandel wollen!

Den Süden aus der Rückständigkeit und der Verarmung herausziehen!

Das Internet bietet zahlreich Anknüpfungs- und Beteiligungsmöglichkeiten, aber nur politische Parteien, die endlich auch fähig zur Selbsterneuerung sind, können diese Einflüsse bündeln und artikulieren.

Dem neugewählten Parlament empfiehlt er, sich ein konkretes Programm mit klaren Zielen und Fristen zu setzen.

Napolitano geißelt jetzt die Scheu vor Koalitionen als Rückfall, als Regression in im Grunde politikfremde Radikallösungen, die das Denken in Alternativen unmöglich machen. Ein klares Votum für die Kunst der Vermittlung.

Ergreift die Verantwortung, werdet endlich verantwortlich – das ist letztlich der Dreh- und Angelpunkt seiner gesamten Rede.

Napolitano ist sichtlich getragen, auch mitgenommen von eigenen Emotionen.

Viva il Parlamento, viva la Repubblica, viva l’Italia!
Es lebe das Parlament, es lebe die Republik, es lebe Italien! So die letzten Worte.

Begeisterter Applaus der Versammlung.

Zweifellos eine packende, eine große Rede!

 

 

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Ježíš pro ateisty, oder: Was geht hier eigentlich ab?

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Apr 202013
 

2013-03-24 10.54.58

„Ježíš pro moderního člověka“ (původní název Ježíš pro ateisty), Jesus für den modernen Menschen (ursprünglicher Titel Jesus für Atheisten), das ist ein Buch, das ich gern geschrieben hätte, das allerdings bereits geschrieben worden ist, und zwar durch den tschechischen Philosophen Milan Machovec. Das Buch kenne ich nicht, habe es folglich auch nicht gelesen, kenne aber einige Christen, die Machovec kannten und mir von ihm  berichtet haben. Was könnte darin stehen? Machen wir doch ein kleines Experiment anhand einer beliebigen Streitfrage!

via Milan Machovec – Wikipedie.

Die kleine beliebige Frage laute für uns heute: Würde Jesus den von ihm erzählten barmherzigen Samariter als einen seiner Nachfolger annehmen?

Zweifellos würde Jesus den Samariter als seinen Nächsten annehmen und sich um ihn  kümmern, da die Nächstenliebe ja unterschiedslos und voraussetzungslos jedem Nächsten gilt.

Aber würde Jesus den barmherzigen Samariter auch als seinen Nachfolger – als „Christen“, wie wir heute aus Bequemlichkeit sagen – annehmen oder anerkennen? Keine leichte Frage! Die Samariter waren ja verrufen als religiös unsichere Kantonisten, zwar galten sie ethnisch („dem Blute nach“) als zum Volk Israel gehörig, aber sie hingen kulturell (also dem Kultritus nach) teilweise anderen Göttern an, ließen Götter der umliegenden und der zugewanderten ethnischen Gruppen meist gelten. Sie waren theologisch höchst unzuverlässig, sie waren dem Einen wahren Gott manchmal abtrünnig, sie standen mit dem wahren Volk Israel auf gespanntem Fuße, was Jesus allerdings nicht daran hinderte, von einer Samariterin einen Trunk aus dem Brunnen anzunehmen.

Kein Zweifel kann daran bestehen, dass die Samariter nach den Maßstäben der heutigen christlichen Kirchen keine Christen werden können, sofern sie nicht ihrem Fremdgötterglauben bzw. ihrem Atheismus abschwören und sich zurückbesinnen auf den Einen Gott des Abraham, Isaak und Jakob. Sie müssten sich erst einmal von einem Priester buchstäblich die Leviten lesen lassen. Sie müssten sich erst einmal taufen lassen und die Lehren der von ihnen erwählten christlichen Kirche bekennen. Ein 6 Monate dauernder Kurs dürfte in etwa ausreichen. Danach gölten sie dann in den Augen der Welt als „Christen“.

Anders würde wohl Jesus urteilen. Besser gesagt: Er würde gar nicht urteilen. Er hat nicht geurteilt. Er hat nur Nachfolge verlangt. Er hat konkrete Schritte statt eines ausgefeilten Bekenntnisses verlangt. Dem Schriftgelehrten, der ein Handlungsrezept zum ewigen Leben verlangte, hat er gar nichts versprochen. Er hat nur gesagt: „Mach das und du wirst leben.“ Er hat nicht gesagt: „Glaube das, was ich dich lehre, und du wirst ewig leben!“ Er verheißt dem Schriftgelehrten keinerlei Vergütung im Jenseits. Sondern er hat gesagt: „Mach das, was dich der Samariter lehrt, – und du wirst leben.“ Übersetzt: „Verlange nicht das ewige Leben, sondern fange an in der Wahrheit zu leben.“

Jesus sagt: Der Samariter ist näher dran am Liebesgebot als der viel frömmere Priester und der theologisch viel sattelfestere Levit.

Ich meine: Sofern der Samariter oder irgendein Mensch glauben sollte, über Jesus und über Jesus ganz entscheidend zur Wahrheit des Lebens zu gelangen, steht er in der Nachfolge Jesu Christi. Er wird somit im eigentlich Sinn zum Nachfolger und Stellvertreter Christi auf Erden. Die frei erwählte persönliche Nachfolge Christi, um „in Wahrheit zu leben“  – das ist das entscheidende Kriterium des Christseins, nicht das Bekenntnis zu Altar und Kirche, nicht ein „system of beliefs“, ein Gebäude von Lehren und Überzeugungen, wie es heute gerne – etwa von Edward Dawkins – als Definition von Religion in die Runde geworfen wird. Recht unerheblich, mindestens nachrangig  für die Nachfolge Christi ist auch die administrative Zugehörigkeit zu einer öffentlich anerkannten Institution.

Jesus verlangt: „Fange an in der Wahrheit zu leben, indem du mir nachfolgst.“ Es ist eine plötzlich aufscheinende Evidenz der Wahrheit, die den Menschen zum Christen macht, sofern er dies will und annimmt.

„Holla, was sagen Sie da? Also kann auch ein Atheist Christ sein oder werden?

Wer vermag dies zu beurteilen? Ein Mensch sicher nicht. Eines ergibt sich aber aus dem Zeugnis des Neuen Testaments meines Erachtens ohne jeden Zweifel: Diese Liebe Jesu wird voraussetzungslos und ohne jede Vorbedingung gelebt. Sie erstreckt sich auf Verbrecher und nicht straffällige Menschen, auf Gläubige, Lauwarme und Ungläubige gleichermaßen.

Paulus hat diese Erkenntnis  bei Damaskus erlebt. Der Norweger Karl Ove Knausgård, der hartgesottene Sohn des Jahres 1968, beschreibt es in seinem Buch „Lieben“ so:

Ich, der ich mich seit meiner frühen Jugend leidenschaftlich gegen das Christentum gewandt hatte und von ganzem Herzen Materialist war, hatte mich binnen einer Sekunde, ohne wirklich nachzudenken, erhoben, war den Mittelgang hinaufgegangen und hatte vor dem Altar gekniet. Es war eine spontane Eingebung gewesen. Und als ich diesen Blicken begegnete, konnte ich mein Verhalten nicht verteidigen, konnte ich nicht sagen, dass ich gläubig war, und senkte, leicht beschämt, die Augen.

Und kurz darauf berichtet der Autor aus einem Gespräch mir seiner Mutter über den fernen, abwesenden, schwierigen Vater, der sich von der Familie losgesagt hatte:

„Ich habe ihn wirklich gern gehabt, Karl Ove. Ich habe ihn geliebt.“

Das hatte sie noch nie gesagt. Nicht einmal ansatzweise. Ja, ich konnte mich nicht einmal erinnern, dass sie je zuvor ein Wort wie „lieben“ in den Mund genommen hatte. Es war erschütternd. Was passiert hier, dachte ich. Was passiert hier? Denn um mich herum veränderte sich etwas. Geschah es in mir, so dass ich nun etwas sah, was ich vorher nicht gesehn hatte, oder ging es darum, dass ich etwas in Gang gesetzt hatte?

In ihm geschah etwas, was er vorher nicht gesehen hatte, und was ihn erschütterte!

Ihr seid näher dran als wir, Milan und Karl Ove!

Milan Machovec: Ježíš pro moderního člověka. Orbis, Praha 1990. Akropolis, Praha 2003

Karl Ove Knausgård: Lieben. Roman. Aus dem Norwegischen von Paul Berf. Luchterhand Verlag, München 2012, S. 582 und S. 762

Richard Dawkins: The God Delusion. Black Swan edition, London 2007

 Posted by at 21:14

„Dass alles so bleibt, wie es ist.“ – Aber ist dies möglich?

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Apr 202013
 

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Dass alles so bleibt wie es ist“ – mit diesem Wunsch für den von ihm regierten Bezirk  wird der scheidende Bürgermeister Franz Schulz in einem großen Porträt in der gestrigen WELT auf S. 31 zitiert.

Ein wahres Wort! Verhinderung des Wandels, Bewahren des Status quo, Einhegen und Einhausen der Gegenwart, Vertreibung der bösen Außenwelt – genau dies meinte ich als Grundzug der grün-roten Bezirkspolitik zu erkennen.

Mein Grundgefühl nach langjähriger Abwesenheit aus Kreuzberg war 2002 bei der Rückkehr aus südlichen Ländern: Seit 20 oder 30 Jahren sind hier in Friedrichshain-Kreuzberg  dieselben Ideen am Herrschen. Es hat sich eine Art große Kita für Erwachsene gebildet, die sich selbst am Leben erhält. Und so sieht es auch in vielen Straßen aus: Kinderhände von Erwachsenen bemalen Wände und Dächer (z.B. mit „Deutschland verrecke“) mit bunter Farbe, – und die grünrote Politik findet es gut. Kinderfüße von Erwachsenen betreten ein ehemaliges Krankenhaus (Bethanien), eine leerstehende Schule und sagen: „Wir wohnen  hier, das ist jetzt unseres!“ Und die grünrote Politik unter Bürgermeister Schulz findet es gut.

Große Magistralen wie die Skalitzer Straße oder das Tempelhofer Ufer bleiben weiterhin für den Radverkehr eine lebensgefährliche Zone – damit sich nichts ändert!

Alles, was Änderung bedeuten könnte, wird misstrauisch beäugt und bei Bedarf verboten: Einbauküchen, Doppelwaschbecken, übermannshoch geflieste Bäder, scheingoldene Wasserhähne. Und deswegen ändert sich nichts. Denn alles soll so bleiben, wie es ist.

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Aber ist dies so? Lässt sich die Zeit zum Stillstand zwingen? Nein!   Ein kurzer Gang über den Görlitzer Platz bestätigt dies (siehe Bild). Dort hat sich über die Jahre hin ein offener Drogenmarkt entwickelt. Noch vor einem Jahr standen dort tagsüber stets etwa 20-30 Drogenhändler herum und boten mir, ob ich wollte oder nicht, ihre Ware an. Vor zwei Wochen, an einem der letzten wirklich kalten Tage dieses Winters, war ich wieder mal dort – na, und was soll ich Euch sagen:  Jetzt sind es schon 80-100 Drogenhändler, die dort ihre Ware offen anbieten. Lauter junge, kräftige, kerngesunde Männer auf der Suche nach Arbeit. Es gibt also durchaus Wachstum und Wandel in Friedrichshain-Kreuzberg!

Der SPIEGEL brachte vor 2 Wochen unter dem Titel „Endstation Görli“ einen mehrseitigen Bericht über den offenen Drogenhandel auf dem Görlitzer Platz: „Hier verschwinden jede Woche Menschen.“ Erste Morde sind hier auf dem liebevoll Görli genannten Fleckchen Erde auch schon passiert, denn der Markt wird enger. Revierkämpfe brechen aus, das Territorium wird abgesteckt.

In Süditalien habe ich dies genau so beobachtet, Roberto Saviano hat dies in seinen Büchern beschrieben: In Neapel und der Campagna existiert ein derartiges  fest verwurzeltes Drogenhandelsnetz schon seit Jahrzehnten, wie es gerade hier in Kreuzberg unter unseren Augen und mit Billigung der Politik kräftig wächst und gedeiht. Und das Geld, das die jungen kräftigen Männer erwirtschaften? Treibt die vielen aufsprießenden Spielsalons in Kreuzberg an!

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Nur 200  Meter vom offenen Drogenumschlagsplatz entfernt liegt die stillgelegte Schule, von der mit Billigung von Bürgermeister Schulz die Flüchtlingsinitiativen Besitz ergriffen haben (siehe Bild). Zwischen dem Görli und der Schule herrscht ein reges Kommen und Gehen.

Klar, Familien mit kleinen Kindern verlassen die Gegend um den Görli. Welches artige Kreuzberger Kid würde denn schon Tag um Tag den gutgemeinten Angeboten der freundlichen jungen Männer am Görli widerstehen können?

Kein Wunder, dass so viele Familien die Flucht aus Kreuzberg ergriffen haben.

Mein Ergebnis: Der Wandel lässt sich nicht durch Verbote von renovierten Toiletten, Wannenbädern oder übermannshoch gekachelten Bädern aufhalten. Er kommt sowieso – und zwar oft zum Schlechteren hin. Die Mieten steigen unter Grün-Rot in Friedrichshain-Kreuzberg genau so stark oder stärker als in anderen Innenstadtbezirken, die Zahl politisch motivierter Straftaten ist unter Grün-Rot sogar am allerhöchsten unter den 12 Berliner Bezirken. Viele Plätze gleichen Müllkippen, die Umwelt leidet sehr unter Grün-Rot.

Die Dauerherrschaft von Grün-Rot hat den Bezirk in eine Sackgasse geführt – wobei den Politikerinnen als Einzelmenschen durchaus edle Absichten zu unterstellen sind.

Sinnvoll wäre es, den Bezirk neu zu erfinden: Warum nicht mal ernsthafte Schritte zum Umweltschutz, etwa zur Förderung des Radverkehrs unternehmen, statt Heizpilze zu verbieten – und dann doch den eigenen Privat-PKW zu nutzen?

Warum nicht leerstehende Schulen für eine kirchliche Schule oder eine Privatschule öffnen? Warum nicht Schulen zu Schulen machen, warum nicht die Straßen für den Radverkehr und die Fußgänger umgestalten? Warum nicht ein sinnvolles Tourismus-Konzept entwickeln, statt Ferienwohnungen zu verbieten? Verbieten, verhindern, verweigern – und ansonsten ausschließlich jungen, kräftigen Männern das Feld zu überlassen, die ihren eigenen kriminellen Mikrokosmos schaffen  – das kann doch keine Politik sein?

Warum nicht einen für Kinder, Frauen, Ausländer, Schwaben, Touristen, Alte, Benachteiligte, Demente, Behinderte lebenswerten  städtischen Raum schaffen, statt leerstehende Schulen und vermüllende Plätze für junge, starke, alleinstehende Drogenhändler zu reservieren?

Bürgermeister Franz Schulz gibt Amt ab – Nachrichten Print – WELT KOMPAKT – Berlin – DIE WELT.

Maximilian Popp: Endstation Görli. Der SPIEGEL 14/2013, S. 38-41

http://magazin.spiegel.de/reader/index_SP.html#j=2013&h=14&a=91768486
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Vorurteile bekämpfen, rassistische Behauptungen verbieten!

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Apr 192013
 

Nach einer Umfrage der türkischen Universität Kirikkale bei 3500 Türken befürworten 62% der türkischen Männer Gewalt und Schläge gegenüber Ehefrauen.

Dazu würde passen, dass wir hier in Kreuzberg in meinem unmittelbaren räumlichen Umfeld in letzter Zeit mehrere Morde von türkischen Ehemännern an ihren Ehefrauen zu beklagen hatten. Der Anschlag auf Seyran Ates und ihre Klientin und der tödliche Anschlag auf Semanur S. geschahen in einem Umkreis von 1 km. Kein Stolperstein erinnert daran, die Presse nahm kaum Notiz davon, es gibt keine Demos gegen frauenfeindliche Gewalt, diese angekündigten Morde an türkischen Frauen haben wenig Aufmerksamkeit gefunden. Der deutsche Staat kann oder mag die türkischen Frauen offenbar nicht umfassend vor Gewalt und Unterdrückung durch die Männer der Familien schützen.

Herrscht bei Türken ein anderes Verhältnis zur Gewalt, wie dies etwa auch der Kreuzberger Cem Özdemir behauptet? Sind türkische Männer wirklich gewalttätiger gegenüber Frauen als deutsche Männer?

Ich mag es nicht annehmen!

Was sagen die Umfragen, was sagen die Kriminalstatistiken zur Gewalt türkischer Männer, vor allem: was sagen die türkischen Frauen?

Kann man sagen: „Die türkische Universität Kirikkale ist aber so was von RASSISTISCH, denn sie fördert Vorurteile und Ausgrenzung gegenüber türkischen Männern. So als ob die Mehrheit der türkischen Männer Gewalt gegenüber den Ehefrauen befürwortete! DAGEGEN sollte der TBB mal klagen!“
Türkischer Bund Berlin Brandenburg: Klagt nach Sarrazin bitte die Universität Kirikkale bei der UNO an!

http://www.welt.de/vermischtes/article115427763/Tuerken-halten-Gewalt-gegen-Frauen-fuer-notwendig.html

 

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„Erwidere eine üble Tat mit etwas Besserem!“

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Apr 182013
 
Ich finde die vom TBB erwirkte Rüge der UN-Stelle gegen Deutschland sehr ärgerlich. Die Vorstellung des TBB, dass der Staat seine Bürger gerichtlich  vor seiner Meinung nach gefährlichen Meinungen schützen müsse, führt zur Gesinnungssschnüffelei, zu Duckmäusertum, zur Schere im Kopf. Sie ist einer freiheitlichen Demokratie unwürdig. Der TBB fährt eine sehr gefährliche Strategie, nämlich die, die Türkei selbst und das Ausland zunehmend gegen Deutschland in Stellung zu bringen.  Das Ganze scheint darauf hinauszulaufen, dem deutschen Staat seine Unfähigkeit nachweisen zu wollen, die türkische Volksgruppe zu schützen, so dass dann irgendwann  die Türkei, also die Schutzmacht der türkischen und der muslimischen Volksgruppe, sich einmischen müsse. Dem sollten alle besonnene Menschen entgegenwirken!
Diese nationalistische Strategie des TBB kann nur Zwietracht und Unfrieden säen, statt endlich einmal etwas Positives dagegen zu stellen, wie es der Prophet in Sure 41, Vers 34 ausdrücklich anempfiehlt. „Erwidere eine üble Tat mit etwas Besserem!“ Warum nicht mal statt über Sarrazin zu hetzen und petzen mit Sarrazin friedlich und freundlich diskutieren – ? Wie wär’s mit einem nachgeholten Geplauder im Hasir? Man isst sehr gut dort!

 

Rassismus-Vorwürfe: SPD, Grüne und Linke loben UN-Rüge im Fall Sarrazin – Berlin – Tagesspiegel.

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Hat „eigentlich“ Italien den „2. Weltkrieg“ in Europa begonnen?

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Apr 182013
 

Wenn ich mit russischen Kindern spreche,  belehren sie mich gern, dass der 2. Weltkrieg im August 1941 mit dem Angriff Deutschlands auf Russland begonnen habe. Dass die Sowjetunion („Russland“) am 17. September 1939 Polen angegriffen und überrannt hat, ist im Westen Europas und in Russland noch nicht überall durchgesickert. Der britische Historiker Norman Davies räumte bereits 1996 der These, dass Italien am Karfreitag, 2. April des Jahres 1939, mit seinem Überfall auf Albanien den eigentlichen Auslöser für den europäischen Teil des Weltkriegs geliefert habe, eine gewisse Plausibilität ein. In jedem Fall steht fest, dass bereits seit 1931 in Ostasien eine Kette militärischer Konflikte ausgetragen wurde, die erst im Spätsommer 1945 zu Ende kamen.

Beleg:
Norman Davies, Europe. A history, London 1997, S. 991-998

Eine dritte These über den Auslöser oder den Beginn des 2. Weltkrieges wird bei Historikern diskutiert, die die germanozentrische, ja vor allem die eurozentrische Sichtweise auf den Weltkrieg durchbrechen. Demnach habe der 1935 ins Werk gesetzte Überfall Italiens auf  das damalige Abessinien den 2. Weltkrieg entscheidend ausgelöst. Darüber schreibt Heinrich Oehmsen in der Welt vom 17.04.2013:

„Wir Europäer haben gelernt, dass der Zweite Weltkrieg am 1. September 1939 mit dem Überfall der Nazi-Truppen auf Polen begann und am 8. Mai 1945 mit der Kapitulation Deutschlands endete. Es gibt jedoch eine ganze Reihe von Sozialwissenschaftlern und Historikern, die dieser eurozentrischen Sicht widersprechen.

Für sie hat der Weltkrieg bereits 1935 in Afrika begonnen, als Italien das heutige Äthiopien angriff und 1936 annektierte. In Asien startete Japan im Juli 1937 eine Invasion in China, die bis zum September 1945 andauerte und in deren Folge 14 Millionen Chinesen den Tod fanden.“

via Erschreckende Fakten : Die „weiße Sicht“ auf den Zweiten Weltkrieg – Nachrichten Regionales – Hamburg – DIE WELT.

Eines scheint klar: Bei keinem dieser Angriffe – ob nun den italienischen Angriffen auf Äthiopien und Albanien, den deutschen Angriffen auf Polen oder die Sowjetunion, dem polnischen Angriff auf die Sowjetunion von 1920, den sowjetrussischen Angriffen auf Polen oder die baltischen Staaten von 1939/40 taten die Führer dies im Bewusstsein: „Und jetzt beginnt der 2. Weltkrieg.“ Kriege zwischen den Staaten waren in Europa nach 1919 eine sehr alltägliche Erscheinung, es gab zwischen 1918 und 1939 kein einziges Jahr, in dem nicht irgendwo in Europa ein regional begrenzter Krieg geführt wurde. Etwa ab 1935, spätestens ab 1939 jedoch erweiterten sich die regional begrenzten Kriege zu einem einzigen ineinander verflochtenen Weltkrieg.

Erst nach dem 8. Mai 1945 setzte sich die Meinung durch, dass der 2. Weltkrieg vom 1.9.1939 bis zum 8.5.1945 gedauert habe und dass Deutschland der einzige Schuldige für den „Ausbruch“ des 2. Weltkriegs sei. Dies ist bis heute überall die allgemein anerkannte Deutung, von den Historikern abgesehen.

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„Rassismus ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen!“ Eine TBB – Presseerklärung im Original

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Apr 182013
 

TBB – Presseerklärung

18.04.2013

 

 

„Rassismus ist keine Meinungsäußerung, Rassismus ist ein Verbrechen.“
Catherine Trautmann, ehemalige Bürgermeisterin von Strasbourg und Pressesprecherin und Kulturministerin der Regierung Mitterand

 

18.04.2013 – Presseerklärung
UN – ANTIRASSISMUS AUSSCHUSS (CERD) RÜGT DIE BUNDESREPUBLIK IM „FALLE SARRAZIN“

Die Beschwerde des TBB wurde positiv entschieden: Einstellung des Ermittlungsverfahrens gegen Thilo Sarrazin verletzt UN-Antirassismus-Konvention

 

Der TBB-Sprecher Hilmi Kaya TURAN erklärte:

 

„Dies ist eine historische Entscheidung. Der CERD-Ausschuss hat festgestellt, dass die Äußerungen Herrn Sarrazins auf einem Gefühl rassischer Überlegenheit oder Rassenhass beruhen und Elemente der Aufstachelung zur Rassendiskriminierung enthalten.
Der CERD-Ausschuss hat festgestellt, dass trotz vorhandener gesetzlicher Bestimmungen Umsetzung der Bestimmungen des Übereinkommens in der Bundesrepublik in der Praxis unzureichend ist. Der Ausschuss hat die Bundesrepublik aufgefordert, entsprechend zu handeln. Außerdem hat der Ausschuss implizit eine entsprechende Schulung der Staatsanwält_innen und Richter_innen empfohlen.  Wir erwarten von der Bundesregierung, dem Bundestag und den Landesregierungen, dass die CERD-Empfehlungen ohne Verzögerung umgesetzt werden.“

 

Vorgeschichte:


Nach dem Interview des Bundesbankers Theo Sarrazin in der Zeitschrift „Lettre International“ im Herbst 2009 hatte der TBB Strafantrag wegen Volksverhetzung und Beleidung bei der Berliner Staatsanwaltschaft gestellt. Das Verfahren wurde aber eingestellt, der Widerspruch blieb erfolglos. Daraufhin wandte sich der TBB an CERD (UN-Antirassismus-Ausschuss). Die Entscheidung des Ausschusses ist am 4.4.2013 erfolgt:
„Der Ausschuss kommt daher zu dem Schluss, dass das Versäumnis einer effektiven Untersuchung …. durch den Vertragsstaat .. eine Verletzung der Konvention (über die Beseitigung jeder Form von Rassendiskriminierung) darstellt.“


Zusammenfassung der Entscheidung des UN-Anti-Rassismus-Ausschusses (CERD) vom 4.4.2013 aufgrund des Internationalen Übereinkommens vom 21. Dezember 1965/7. März 1966 zur Beseitigung jeder Form von Rassendiskriminierung, veröffentlicht im Bundesgesetzblatt 1969 II 961

 

a. Feststellungen der CERD
– Der TBB ist antragsberechtigt
– Das Sarrazin-Interview verletzt CERD-Bestimmungen
– Der Ausschuss urteilt, dass Herrn Sarrazins Äußerungen eine Verbreitung von Auffassungen, die auf einem Gefühl rassischer Überlegenheit oder Rassenhass beruhen, darstellen und Elemente der Aufstachelung zur Rassendiskriminierung entsprechend der Konvention enthalten.

– Im Sinne der Konvention ist nicht ausreichend, Akte der Rassendiskriminierung lediglich auf dem Papier als strafbar zu erklären. Vielmehr müssen Strafgesetze und andere gesetzliche Bestimmungen, die Rassendiskriminierung verbieten, effektiv von zuständigen nationalen Gerichten und anderen Staatsinstitutionen umgesetzt werden.

– Der Ausschuss kommt zu dem Schluss, dass das Versäumnis einer effektiven Untersuchung der Äußerungen Herrn Sarrazins durch den Vertragsstaat (Bundesrepublik Deutschland) eine Verletzung der Konvention dargestellt hat.

– Die fehlende strafrechtliche Verfolgung von Herrn Sarrazin entspricht einer Verletzung der Konvention, da die nationale Rechtsprechung zu eng ausgelegt wurde.

– Die Bundesrepublik Deutschland hat nicht alle CERD-Bestimmungen in innerstaatliches Recht umgesetzt (§§ 130 Volksverhetzung & 185 Beleidigung StGB werden nicht entsprechend der Konvention angewandt)
– Die staatlichen/judikativen Instanzen setzen die Gesetze nicht gemäß den CERD-Bestimmungen um

b. Empfehlungen der CERD
– Der Vertragsstaat ist angehalten, die Entscheidung des Ausschusses breit bekannt zu geben, auch unter Staatsanwälten und Justizorganen.

– Der Ausschuss empfiehlt, dass der Vertragsstaat im Sinne seiner Verpflichtungen seine Richtlinien und Verfahren im Zusammenhang mit der strafrechtlichen Verfolgung in Fällen angeblicher Rassendiskriminierung überprüft, die in der Verbreitung von Auffassungen besteht, die auf einem Gefühl der rassischen Überlegenheit oder Rassenhass beruhen sowie in der darauf basierenden Aufstachelung zur Diskriminierung.
– Die Bundesrepublik soll ihre Richter_innen und Staatsanwält_innen im Sinne der CERD-Bestimmungen schulen

c. Der Ausschuss verlangt, innerhalb von 90 Tagen vom Vertragsstaat über die Maßnahmen informiert zu werden, die er unternimmt, um die Entscheidung des Ausschusses umzusetzen.


Doch Intoleranz und Rassismus äußern sich keineswegs erst in Gewalt. Gefährlich sind nicht nur Extremisten. Gefährlich sind auch diejenigen, die Vorurteile schüren, die ein Klima der Verachtung erzeugen. Wie wichtig sind daher Sensibilität und ein waches Bewusstsein dafür, wann Ausgrenzung, wann Abwertung beginnt. Gleichgültigkeit und Unachtsamkeit stehen oft am Anfang eines Prozesses der schleichenden Verrohung des Geistes. Aus Worten können Taten werden.“
Aus der Rede von Bundeskanzlerin Angela Merkel bei der Gedenkveranstaltung für die Opfer rechtsextremistischer Gewalt, 23. Februar 2012 in Berlin

 

StGB

§ 130 Volksverhetzung
(1) Wer in einer Weise, die geeignet ist, den öffentlichen Frieden zu stören,
1. gegen eine nationale, rassische, religiöse oder durch ihre ethnische Herkunft bestimmte Gruppe, gegen Teile der Bevölkerung oder gegen einen Einzelnen wegen seiner Zugehörigkeit zu einer vorbezeichneten Gruppe oder zu einem Teil der Bevölkerung zum Hass aufstachelt, zu Gewalt- oder Willkürmaßnahmen auffordert oder
2. die Menschenwürde anderer dadurch angreift, dass er eine vorbezeichnete Gruppe, Teile der Bevölkerung oder einen Einzelnen wegen seiner Zugehörigkeit zu einer vorbezeichneten Gruppe oder zu einem Teil der Bevölkerung beschimpft, böswillig verächtlich macht oder verleumdet,
wird mit Freiheitsstrafe von drei Monaten bis zu fünf Jahren bestraft.
(2) Mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe wird bestraft, wer
1. Schriften (§ 11 Absatz 3), die zum Hass gegen eine vorbezeichnete Gruppe, Teile der Bevölkerung oder gegen einen Einzelnen wegen seiner Zugehörigkeit zu einer vorbezeichneten Gruppe oder zu einem Teil der Bevölkerung aufstacheln, zu Gewalt- oder Willkürmaßnahmen gegen sie auffordern oder ihre Menschenwürde dadurch angreifen, dass sie beschimpft, böswillig verächtlich gemacht oder verleumdet werden,
a) verbreitet,
b) öffentlich ausstellt, anschlägt, vorführt oder sonst zugänglich macht,
c) einer Person unter achtzehn Jahren anbietet, überlässt oder zugänglich macht oder
d) herstellt, bezieht, liefert, vorrätig hält, anbietet, ankündigt, anpreist, einzuführen oder auszuführen unternimmt, um sie oder aus ihnen gewonnene Stücke im Sinne der Buchstaben a bis c zu verwenden oder einem anderen eine solche Verwendung zu ermöglichen, oder
2. eine Darbietung des in Nummer 1 bezeichneten Inhalts durch Rundfunk, Medien- oder Teledienste verbreitet.
(3) Mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe wird bestraft, wer eine unter der Herrschaft des Nationalsozialismus begangene Handlung der in § 6 Abs. 1 des Völkerstrafgesetzbuches bezeichneten Art in einer Weise, die geeignet ist, den öffentlichen Frieden zu stören, öffentlich oder in einer Versammlung billigt, leugnet oder verharmlost.
(4) Mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe wird bestraft, wer öffentlich oder in einer Versammlung den öffentlichen Frieden in einer die Würde der Opfer verletzenden Weise dadurch stört, dass er die nationalsozialistische Gewalt- und Willkürherrschaft billigt, verherrlicht oder rechtfertigt.
(5) Absatz 2 gilt auch für Schriften (§ 11 Abs. 3) des in den Absätzen 3 und 4 bezeichneten Inhalts.
(6) In den Fällen des Absatzes 2, auch in Verbindung mit Absatz 5, und in den Fällen der Absätze 3 und 4 gilt § 86 Abs. 3 entsprechend.

§ 185 Beleidigung
Die Beleidigung wird mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe und, wenn die Beleidigung mittels einer Tätlichkeit begangen wird, mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.


LINKS

Entscheidung des CERD (UN-Antirassismus-Ausschuss) vom 4.4.2013 im englischen Original

Durch den TBB vorgenommenen Übersetzung der Entscheidung (Nummern 11.1 bis 15./Ende)

Internationales Übereinkommens vom 21. Dezember 1965/7. März 1966 zur Beseitigung jeder Form von Rassendiskriminierung

Erklärung des Deutschen Instituts für Menschenrechte  

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Nicht die „traditionellen Familienmodelle“ leiden, die Kleinstkinder leiden, wenn Mama fehlt!

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Apr 182013
 

Interessant! Niemand spricht von dem, was den kleinsten und kleinen Kindern fehlt, wenn Frauen bewusst in die Karriereschiene, in die Vollzeitberufstätigkeit und in die Spitzenpositionen gedrängt werden.

Niemand spricht von dem, was Kinder brauchen, um eine glückliche Kleinstkindheit zu verleben.

Ich bin überzeugt: Die Nähe der leiblichen Mutter ist in den ersten Lebensmonaten für das neugeborene Kind unendlich wichtig.

Aufgabe und Verantwortung des Vaters – oder ersatzweise des Umfeldes, der Gesellschaft – ist es, den Müttern und Kindern in den ersten Lebensmonaten ein gesichertes Umfeld zu schaffen, in dem die Mutter für das Kind jederzeit in Ruf- oder Fühlbereitschaft ist. Das Kind braucht in den ersten Lebensmonaten die möglichst umfassende Nähe der leiblichen Mutter – mehr als die Nähe des Vaters.

Frauen, die nicht Mütter werden oder werden können oder werden wollen, erfahren heute bereits keine echte Diskriminierung, wenn sie sich um Spitzenpositionen bewerben. Das ist sogar statistisch nachweisbar.

DARÜBER sollte man mal reden. Es wird aber stets unterschlagen.

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Frauenquote im Bundestag: Was spricht dafür, was dagegen? – SPIEGEL ONLINE – KarriereSPIEGEL.

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Es zählt letztlich … der Mensch und seine Liebe zur Wahrheit

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Apr 182013
 
Den aus dem tiefkatholischen bayerischen Aschaffenburg stammenden Bürgermeister Franz  Schulz, den ich des öfteren erlebt habe, halte ich für einen im Grunde seines Herzens absolut redlichen Menschen. Sehr oft habe ich bemerken können, dass er sich – im Zweifel hin- und hergerissen – dafür entschied, die – oft unbequeme – Wahrheit zu sagen, statt anderen (etwa seiner eigenen Partei) nach dem Munde zu reden.  So hatte er die Lauterkeit, in bestem Französisch zu sagen, dass das von seiner Partei geforderte System der Mietpreisbegrenzungen nicht funktionieren kann. Er hatte vor wenigen Wochen – ausweislich des offiziellen Protokolls – mitten in der BVV den Mut, zustimmend aus dem Neuen Testament zu zitieren und gewissermaßen der CDU als im Grunde christlich geprägter  Demokrat die Leviten zu lesen: „Was ihr im Kleinen tut, das habt ihr mir getan.“ Er änderte damit sogar den überlieferten Wortlaut dieser Botschaft Jesu eigenständig ab. Unvergesslich ist mir auch der Werbespot aus dem letzten Wahlkampf, in dem er sich auf den Weg machte zu einem jungen Mann, der aus meiner Kreuzberger Nachbarschaft stammen könnte – oder auch stammte – und ihn herzlich begrüßte. All das bringt mich zu meiner Überzeugung: Er wollte und will im Grunde seines Herzens das Gute für alle Menschen in seinem Bezirk! Dass es bei uns so viele Missstände gibt wie in anderen Bezirken Berlins auch, ist ihm persönlich nicht anzulasten, im Gegenteil! Und so wünsche ich ihm sehr viel Gutes, vor allem auch eine bessere Gesundheit.

Bezirksbürgermeister Franz Schulz: Im August ist Schluss in Friedrichshain-Kreuzberg | Berlin – Berliner Zeitung.

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Der Mann aus den Brennnesseln der 68er Generation: Kai Ove Knausgård

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Apr 172013
 

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Karl Ove Knausgård erweist sich in seinem Buch „Lieben“ als ein typischer Vertreter meiner Generation:

Wir sind so cool, wir sind so belesen, es hat uns von frühester Kindheit an nichts Materiellem gefehlt, wir haben immer reichlich Zeit gehabt, unsere Liebschaften und Hobbies zu pflegen. Wir sind gegen Hitler, wir sind gegen die Diktatur, wir sind gegen das Unrecht dieser Welt, wir wollen das Gute – wir halten uns für grundsätzlich gute Menschen. Wir halten uns für grundsätzlich bessere Menschen als unsere Eltern es je waren und unsere Kinder je sein werden. Wir sind fest überzeugt, dass kein Mensch illegal ist. Wir sonnen uns im Lichte unserer moralischen Überlegenheit, da wir nie an Massenmorden beteiligt waren. Die Kirche haben wir im Alter von 16 oder höchstens 24 Jahren verlassen. Wir führen die Mülltrennung durch und lernen Türkisch, damit die armen Migranten sich bei uns endlich endlich angenommen fühlen. Wir sind für Klimaschutz und für Umweltschutz, wir sind für Meinungsfreiheit und Menschenrechte, wir sind gegen Krieg und gegen Hunger, gegen Klimawandel, gegen Zwangsräumungen und für Chancengerechtigkeit.  Wir fahren Rad statt Auto.

Und doch? Stimmt etwas nicht?

Ja. Etwas stimmt in unserer moralischen Buchhaltung nicht. Unsere Generation hat kein einziges großes Projekt gestemmt.  Wir haben die Häuser von unseren Eltern schlüsselfertig übernommen, aber uns fehlen die Kinder, denen wir sie weitergeben könnten. Unsere Gesellschaften schrumpfen, die Städte in den flachen Landschaften verfallen. Ganze Wohnviertel werden in Zwickau und Gera abgerissen, während wir in Berlin die urbane Nachverdichtung mit staatlichen Zuschüssen fordern. Die Provinz stirbt. Wir haben keinen Krieg miterleben müssen, aber wir rümpfen die Nase über unsere Eltern, die im Muff der Adenauer-Jahre befangen waren. Wir sind stolz auf die Errungenschaften der 68er, aber etwas Besseres als das Grundgesetz hat keine nachfolgende Politikergeneration hervorgebracht. Wir lehren unsere Kinder keine Lieder mehr. Wir rümpfen die Nase über die klerikal geprägten Südstaaten, aber wir lassen die südlichen Bundesländer alle Kosten unseres Schulversagens und des Umweltschutzes fast allein tragen. Das Schwierigste und Lohnendste, das zwei Erwachsene zustandebringen können, nämlich lebensfrohe, verantwortliche, dem Guten verpflichtete Kinder zu erwachsenen Menschen heranzubilden, gelingt uns immer weniger. Rein demographisch und rein statistisch gesehen sind wir als Generation große Versager. Wir sind Meister darin, die Hand hinzuhalten. Wir sind schlecht darin, selber Hand an den Spaten anzulegen, bleibende Projekte zu schaffen, statt nur neue Handys in Empfang zu nehmen.

Unsere eigenen Kinder wachsen ohne Leitbild auf. Wir sind ihnen kein Vorbild. Ungefähr 2000 Jahre Kultur werfen wir zu den Brennnesseln. Alles, was vor 1980 geschaffen worden ist, durchforsten wir eifrigst auf untrügliche Beweise des Rassismus, des Kolonialismus, des unaufgeklärten Bewusstseins, des Ewiggestrigen, des Sexismus. Sigmund Freud – ist ein Rassist. Heinrich Heine – ist uns ein unerträglicher Schwulenfeind. Günter Grass – ein verkappter Nazi und Werwolf. Heinrich Böll ist uns ein unverbesserlicher Evangelikaler, der immer noch an Gott und an Jesus und Maria glaubte und in der Rückbesinnung auf die Bibel das Menschliche in der Trümmerlandschaft Kölns wieder einzurenken versuchte. Über den amtierenden Bundespräsidenten brachen wir alle Stäbe. Vor unserem untrüglichen Strafgerichtshof hat niemand Bestand, der 1945 älter als 5 war. Die Älteren und die Eltern, das sind die Würdelosen, die es nicht so weit gebracht haben wie wir.

Wir sind die Würdelosen, die nichts anerkennen und nichts gelten lassen. Wir sind die Lieblosen.

Das ist ungefähr der Ausgangspunkt in der großen Gewissenserforschung des 1968 geborenen norwegischen Autors.

Karl Ove Knausgård: Lieben. Roman. Aus dem Norwegischen von Paul Berf. Luchterhand Verlag, München 2012

Bild: Das Idyll unserer Werte auf dem Kreuzberger Oranienplatz, aufgenommen vor einer Woche

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Mann, kapier es doch endlich: „Die Hälfte des Kuchens den Frauen!“ UND: „Die Wirtschaft braucht mehr Frauen im Arbeitsmarkt!“

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Apr 162013
 

2013-04-12 18.49.27

Die Häfte des Kuchens den Frauen! Symbolisch verteilten VertreterInnen des Kreisverbandes und der Fraktion im Bezirk Bio-Kuchen und Infomaterial zum Thema. „Auch zu Beginn des 21. Jahrhunderts sind Frauen in Deutschland immer noch strukturell benachteiligt“, sagt Annika Gerold, Mitglied des Geschäftsführenden Ausschusses. „Sie sind deutlich häufiger Opfer häuslicher und sexueller Gewalt, sie haben ein erhöhtes Armutsrisiko, sie machen seltener Karriere und verdienen – trotz besserer Ausbildung –weniger als Männer.“  Ganze 22 Prozent liegt ihr Gehalt im Durchschnitt  unter dem ihrer männlichen Kollegen. Deutschland ist damit im EU-Vergleich trauriges Schlusslicht. In diesem Jahr war der 21. März Equal Pay Day: Der Tag, an dem Frauen das durchschnittliche Jahreseinkommen der Männer im Jahr 2012 erreicht haben.“ Fraktion und Kreisverband informierten an einem mobilen Info-Stand zum Thema Geschlechtergerechtigkeit.“

Wir zitierten aus dem Grünen Newsletter Xhain vom März 2013.  Spannend!

Eine Rückkehr zu den uralten Einsichten eines Platon (4. Jahrhundert vor Christus) verzeichnen wir in diesen Jahren bei vielen unserer politisch aktiven Frauen und Männer. Bereits Platon kam bekanntlich nach beharrlichem Nachdenken im 5. Buch seiner Politeia zu dem Schluss, dass der Unterschied zwischen Männern und Frauen schlicht auf Setzung und Satzung (wie das die Sophisten nannten), also auf der Konstruktion der Genderpolitik (wie wir heute sagen würden) beruhe. Rein philosophisch betrachtet, rein rational betrachtet konnte Platon aus der Sicht der vollkommenen Gerechtigkeit keinen Wesensunterschied zwischen Männern und Frauen anerkennen. Allerdings leugnete Platon nicht, dass Frauen im sportlichen Wettkampf grundsätzlich von Natur aus benachteiligt seien. Er hätte also sicherlich nichts dagegen einzuwenden gehabt, wenn Männer und Frauen in getrennten Fußball-Ligen auflaufen, wie es ja auch heute noch der Fall ist.

Folglich fordert Platon bereits im 4. Jahrhundert vor Christus  die absolute Quotierung aller Ämter für Männer und Frauen. Der Staat, die Wirtschaft und das Heer brauchen bei Platon Männer UND Frauen gleichermaßen. Frauen und Männer haben Anspruch auf den gleichen Rang, die gleichen Ämter, die gleichen Stellungen in Politik, Heer, Wirtschaft und Staat.

Das Problem der Geburt und der Kindererziehung löst Platon durch völlige Auflösung der Ehe und der Familie. An ihre Stelle treten staatlich beauftragte Leihmütter und staatlich beaufsichtigte Ammen. Der platonische Staat übernimmt im Vorgriff auf die großen staatlichen Menschenzucht-Experimente des 20. Jahrhunderts (Leninismus, Stalinismus, Hitlerismus, Maoismus) Zuchtwahl, Zeugung und Babypflege.

Warum konnte Platon sich nicht durchsetzen? Hier dürfte ein geschichtlicher Umstand bedeutsam sein: Sowohl das Imperium Romanum als auch die drei ehedem Europa prägenden Religionen – also Judentum, Christentum und Islam – sind und waren unerschütterlich in ihrem Glauben, dass Männer und Frauen nicht nur biologisch, sondern auch der „Bestimmung“ nach unterschiedlich seien. Die Römer erkannten recht bald, dass der Haushalt (also die familia, wie das lateinisch genannt wurde), dass die Familia als kleinste wirtschaftliche Einheit den ganzen komplizierten Mechanismus des öffentlichen Lebens und des Imperiums am besten stützt: insbesondere durch die Zeugung und Erziehung der Kinder, die nach fester Überzeugung der Römer in den ersten 3 oder4 Lebensjahren unbedingt im häuslichen Wirkungskreis (in der familia) betreut werden sollten, ehe sie dann zum Schulmeister geschickt werden sollten.

Jeder Staat, jede Volkswirtschaft braucht eine ausreichende Anzahl an nachwachsenden Arbeitskräften, an Kindern also, sofern man den Bedarf nicht mindestens teilweise durch importierte Sklaven befriedigt, wie das in der Antike gang und gäbe war.  Für Schwangerschaft, Geburt, Stillen und Erziehung der allerkleinsten Kinder muss also stets ein erheblicher Anteil der Lebenszeit der Frauen aus dem allgemeinen Arbeitsmarkt herausgehalten werden, sofern man nicht alle Kinder von Anfang in zentralen Kinderbetreuungseinrichtungen aufziehen lässt.  Jedes einzelne Kind beansprucht dann die Mutter für mindestens 1 Jahr, und da statistisch zum Erhalt der Bevölkerung jede Frau 2,1 überlebende Kinder zur Welt bringen muss, steht aus natürlichen Gründen die Mutter dem Arbeitsmarkt nicht uneingeschränkt zur Verfügung. Sie steht übrigens auch ihrer eigenen Karriere nicht uneingeschränkt zur Verfügung.

Ganz im Gegenteil ist es immer wieder zu beklagen, dass gut ausgebildete, beruflich erfolgreiche Frauen, sobald sie Mütter geworden sind, bekennen: „Mir ist das gemeinsame Glück mit meinen Kindern und meinem Mann viel wichtiger als die eigene Karriere. Ich verzichte gern auf eine Fortsetzung meiner Karriere. Kleine Kinder habe ich nur wenige Jahre, diese 5 oder 10 Jahre will ich aber auch genießen! Mir ist es wichtiger, dass es den Kindern gut geht, als dass wir uns ein Auto oder einen Urlaub leisten können. Es ist mir auch komplett egal, ob 10% oder 50% aller Straßennamen in Friedrichshain-Kreuzberg nach Frauen oder nach männlichen Generälen benannt sind. Keine Stunde des Glücks meiner Kinder würde ich für die Straßenumbenennungs-Ausschuss-Aktivitäten opfern.“

Schwangerschaft, Geburt und Kindererziehung führen also genderpolitisch häufig bei Frauen zu ungeahnten Störfällen! Diese armen Frauen halten das Glück der Kinder für wichtiger als das Glück, in einer gendergerechten Gesellschaft mit angemessenen Partizipationsmöglichkeiten für alle zu leben.  Diese Mütter und diese Väter  opfern also das Ideal der perfekt durchquotierten Gesellschaft auf dem Altar der Kinder in Fleisch und Blut. Das Glück ihrer eigenen, bereits geborenen Kinder steht diesen Müttern und Vätern über dem Glück der vollkommenen Gerechtigkeit, der vollkommenen Gender-Gleichheit, welches später einmal ihren noch zu gebärenden Kindeskindern zugute kommen würde! Sie räumen dem Glück der Familie Vorrang vor der absoluten Gerechtigkeit ein! Mit solchen Männern und Frauen  ist aber der Idealstaat, wie er Platon und auch Marx, Lenin,  Stalin und Mao vorschwebte, nicht zu erringen!

Verheerend war und ist auch der Einfluss der großen Religionen! Judentum, Christentum und Islam  denken in ihren Forderungen an ein sittlich gutes, gelingendes  Leben ja bekanntlich nicht von den Bedürfnissen des Staates her, sondern von den Bedürfnissen des einzelnen Kindes, letztlich des einzelnen Menschen. Die Glückseligkeit des einzelnen Menschen setzen sie höher als das Glück des perfekten Staates, das Glück der perfekten Volkswirtschaft! Jedes kleine Kind sollte – so sagen es diese Religionen – eine tiefe, unzerstörbare  Mutter- und Vatererfahrung haben. So ist es die tiefe Überzeugung der genannten drei gesellschaftsprägenden Religionen. Diese Sichtweise vom Vorrang der Familie vor dem Staat, vom Vorrang des Menschen vor der Wirtschaft setzte sich über die Jahrtausende hinweg stets durch.

Erst in unseren Tagen – beginnend von den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts – kippt das – wie schon damals zu Platos Zeiten! Selbst in der CDU und neuerdings auch in der EU-Fraktion der Liberalen beginnt sich endlich – 2500 Jahre nach Platon! – die Einsicht durchzusetzen, dass die Politik den Unternehmen und den Familien vorzuschreiben habe, wie sie das Ideal der Gender-Gerechtigkeit umzusetzen haben – und zwar spätestens ab 2020. Wir hatten jetzt nur 2% Zuwachs der Frauenquote pro Jahr in den Aufsichtsräten DAX-notierter Unternehmen! Skandal.  Wenn die Familien und die Unternehmen so dumm sind, den Idealvorschriften  der Politik nicht bzw. viel zu langsam zu folgen, dann muss man den Familien und den Unternehmen eben auf die Finger hauen!

http://www.tagesspiegel.de/politik/kompromiss-bei-der-union-cdu-verstaendigt-sich-auf-frauenquote-nach-2020/8067888.html

Die Häfte des Kuchens den Frauen!“ Gleicher wirtschaftlicher Erfolg jeder einzelnen erwachsenen, voll arbeitsfähigen Person, perfekt quotierte Anteile für Männer und Frauen gelten nun wie schon bei Platon im 4. Jahrhundert vor Christus als der absolute Maßstab. Eine Gesellschaft, in der die Frauen nicht die Hälfte des Anteils an gesellschaftlicher Macht, an finanzieller Kraft und wirtschaftlichem Einfluss haben, gilt per se als ungerecht.

Hieraus ergibt sich: Solange die schreiende Ungerechtigkeit der ungleichen Machtverteilung zwischen Männern und Frauen nicht beseitigt ist, werden die Frauen keine Kinder in die Welt setzen können, sondern lieber demonstrieren, politisieren und für einen 50%-Anteil an den Straßennamen in Friedrichshain-Kreuzberg kämpfen.

Sehr schön auch die Herausarbeitung des demographischen Arguments bei Silvana Koch-Mehrin (FDP): Da Deutschland seit Jahren viel zu wenig Kinder hat, um den eigenen Lehrstellenmarkt zu befriedigen oder die eigenen Alten und Dementen zu pflegen, werden nicht etwa die Familien ermuntert, mehr Kinder in die Welt zu setzen, nein, es wird gerade das Gegenteil gefordert und gefördert: Noch mehr Frauen sollen möglichst unterbrechungslos in Vollzeit arbeiten, noch mehr Frauen müssen vorrangig der Wirtschaft zur Verfügung stehen! Frauen, die keine qualifizierte Arbeit haben, finden ausreichend politische Mandate, um in Aktionen, Demonstrationen und Ausschüssen für die Hälfte des Kuchens zu kämpfen.

Am Wochenende protestiert man und frau zusätzlich gegen den längst eingetretenen Tod einer möglicherweise von allen Verwandten und Freunden nicht hinreichend betreuten alten Frau, deren Tod dann in unverantwortlicher Weise den herzlosen Behörden oder gar der Gentrifizierung angelastet wird. Hier ist zu sagen: Alte, verwirrte, behinderte, schwerkranke Menschen werden nie durch Behörden oder staatliche Stellen alleine zu retten sein, sondern nur durch geduldige, liebevolle Zuwendung einzelner Menschen.

„Die Wirtschaft braucht in einer älter werdenden Gesellschaft mehr qualifizierte Frauen im Arbeitsmarkt.“

via FDP-Europapolitikerin Koch-Mehrin fordert Zustimmung zur Frauenquote – SPIEGEL ONLINE.

Für Kinder, unbesetzte Lehrstellen in Deutschland und pflegebedürftige Alte in Deutschland werden bereits jetzt ausländische Arbeitskräfte händeringend angeworben, sofern nicht die Verschickung unserer Alten in ein Rentnerparadies (Thailand, Indonesien) erwogen wird.

Alles Illusionen, wie ich meine! Die völlige Angleichung der Männer- und Frauenrollen hat schon im antiken Sparta und bei Pippi Langstrumpf – und auch in Wagners Ring des Nibelungen – nicht funktioniert, sie wird auch bei uns ins Elend und zur weiteren Aushöhlung der Familien führen, vor allem dann, wenn sie durch die Politik von oben herab durchgedrückt wird.

Was würde der oben auf dem Bild zu sehende, kürzlich vom Volk der Franzosen zum beliebtesten Franzosen gewählte Omar Sy wohl zu der ganzen heillosen genderpolitischen Verwirrung von uns Deutschen sagen?

Zitieren wir doch seine merkwürdige, seine unerhört kühne Aussage zum Sinn des Lebens: „Ich möchte vor allem ein guter Ehemann und Vater sein.“

Omar Sy erwartet also nicht, dass die Politik ihn glücklich macht, wie es neuerdings ganz offen unsere Marina Weisband fordert, sondern er verlangt von sich, dass er zunächst seine Familie glücklich macht, so wie sie ihn glücklich gemacht hat.

Omar Sy, der gläubige Mensch – ein hoffnungsloser Fall?

Nein! Ich stimme ihm zu. Er ist vorbildlich für die sittliche Grundausrichtung der Menschen. Die deutschen Politiker, wir alle können sehr viel von Menschen wie Omar Sy lernen.

http://www.tagesspiegel.de/kultur/marina-weisband-im-interview-bild-leser-koennen-auch-lesen/7948230.html

 

 

 Posted by at 10:36
Apr 152013
 

Im Anschluss an den gestrigen Beitrag entspann sich folgendes Gespräch mit einem Leser:

„Also können Sie, wenn ich Sie recht verstanden habe,  mit dem menschheitsumgreifenden Pathos eines Beethoven, eines Friedrich Schiller nichts anfangen?“

„In der Tat bleibt ein gewisser Grundverdacht bestehen, sobald ich den Schlusschor aus Beethovens 9. Symphonie höre. Nicht umsonst hat ja die Europäische Union genau diese Melodie als ihre Hymne gewählt. Eine Hymne ohne Text! Etwas Herrisches, Hochfahrendes haftet der ganzen 9. Symphonie in d-moll an, insofern vergleichbar der von oben herab verfügten Einführung der Gemeinschaftswährung. Wer alle liebt, liebt im Grunde keinen, vor allem dann, wenn er diesen Glauben an die Liebe zu allen mit größtem Aufwand bekennt.  Niemand kann heute in Worten angeben, was der Sinn der Europäischen Union ist.“

„Sind Sie ein Euro-Skeptiker? Also verwerfen Sie Beethoven?“

„Nein, ganz im Gegenteil! Ich liebe ihn sehr, so wie vielleicht nur 5 oder 6 andere Komponisten. Ich empfinde großes Mitleiden mit ihm, wenn ich die 9. Symphonie höre. Allerdings ziehe ich derzeit bei weitem einige seiner Streichquartette den Symphonien vor…“

„Welche Streichquartette meinen Sie?“

„Ich meine insbesondere die Streichquartette op. 18, hier wiederum das 1. Quartett in F-dur, und in diesem wiederum den 2. Satz, das Adagio affettuoso ed appassionato.“

Wir hören eine Klangprobe in der Darbietung durch das Artemis Quartett, dem wir damals bereits in Fleisch und Blut im Kammermusiksaal der Philharmonie lauschen durften, worüber wir am 28.01.2009 berichteten:

Ludwig van Beethoven: Sämtliche Streichquartette (Artemis Quartett) (7 CDs) – jpc.

http://johanneshampel.online.de/2009/01/28/vierklang-artemis-anfang-eine-suche/

„Hören Sie nicht den ruhig und unablässig pulsierenden, den gleichschwebenden d-moll-Herzschlag in den Begleitstimmen? Hören Sie, wie sich hier in Violine I ab Takt 2 aus dem pianissimo heraus ein Gesang an die Eine erhebt, das Beschwören der einzigen und Einen, der das „edelste Herz“ sich verschreibt? Alle vier Stimmen treten frei zusammen, alle Stimmen sind durchhörbar, hier wird niemand überwältigt und erschlagen!“

„Also hören Sie in diesem Quartettsatz die Stimme des freien Menschen, der in voller Freiheit liebt und zugrunde geht?“

„So ist es. Hier gelangt der Einzelne zu sich und zu seinem Anrennen gegen die Begrenztheit. Hier findet er zu dem einen, zu der anderen im — Tode. Man könnte an die Zeilen Romeos für die gestorbene Julia denken:

O my love! my wife!
Death, that hath suck’d the honey of thy breath;
Hath no power yet upon thy beauty:
Thou art not conquer’d; beauty’s ensign yet
Is crimson in thy lips and in thy cheeks,
And death’s pale flag is not advanced there.

„Shakespeares Gruftszene frei zitiert! Sie beeindrucken mich! Was würde wohl Beethoven zu Ihrer Deutung sagen?“

„Ich bin zuversichtlich, dass er ihr zustimmen würde. Er würde sich möglicherweise verstanden fühlen – sowohl in meinem tiefen Grundvorbehalt gegenüber der eigentlich menschen-unmöglichen 9. Symphonie wie auch im Lobpreis seiner frühen Streichquartette opus 18.“

„Was raten Sie angesichts der Krise?“

„Hören wir die freien Stimmen! Mehr Streichquartette opus 18 – weniger 9. Symphonie!“

 Posted by at 22:35