„Wir sind beim Lied von der Glocke fast von den Stühlen gefallen vor Lachen“

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Mai 292013
 

2013-04-07 10.56.52

 Caroline Schlegel schreibt am 21. Oktober 1799  von Berlin nach Jena zu Tochter Auguste. «Über ein Gedicht von Schiller, das Lied von der Glocke, sind wir gestern Mittag fast von den Stühlen gefallen vor Lachen, es ist à la Voss, à la Tieck, à la Teufel, wenigstens um des Teufels zu werden.»

Nette Reaktion! Die Berliner Romantiker (Caroline Schlegel, Tieck u.a.) warfen sich zu Ende des 18. Jahrhunderts fast auf den Boden vor Lachen, als sie Schillers Lied von der Glocke lasen! Vor allem die Zeilen

Und drinnen waltet
Die züchtige Hausfrau,
Die Mutter der Kinder,
Und herrschet weise
Im häuslichen Kreise

waren damals und sind noch heute eine unerschöpfliche Quelle der Volksbelustigung. Für die Romantiker wie Caroline und Friedrich Schlegel bestand Glück im Gegensatz zum großen Erzieher und längst aus dem Dienst geschubsten Nationaldichter Schiller darin, das eigene Ich auf eine endlose Reise zu sich selbst zu schicken. Seine Majestät das ICH, nannte Sigmund Freud dies hundert Jahre später.

Und heute gilt eben mancherorts  ein Kult des Ich und ein Kult des Geldes, siehe Euro-Krise, siehe Pflegenotstand, siehe von den ich-suchenden Vätern alleingelassene Mütter! Jedes zeitenübergreifende Eintreten für Ehe und Familie, für einen naturgegebenen, kulturgeprägten  Wesensunterschied zwischen Frau und Mann wird bei uns im romantisch-aufgeklärten Berlin auch heute noch sofort mit Gelächter als ewiggestrig und altbacken abgekanzelt. Nur noch 40% der Berliner leben in Familien, die anderen 60% sind schon von den ewiggestrigen Stühlen der Familie gefallen. Durch behördliche Zusammenlegungsverbote von getrennten Wohnungen wird in Milieuschutzgebieten der Trend zum Single- oder Double-Haushalt befördert.

Ich würde freilich sagen: Es ist nicht unbedingt ewiggestrig, es ist das, was mir von den Männern enttäuschte Frauen, alleinerziehende Mütter, alleingelassene Söhne und Töchter alleinerziehender Mütter, Sozialwaisen aus vielen Kulturkreisen, Kreuzberger Sozialarbeiterinnen, Lehrerinnen  und Kinderärzte aus vielen Ländern immer wieder erzählen.

Ich bleibe dabei: Die Menschheit hat es zu allen Zeiten so empfunden, dass Frauen „anders“ als Männer sind. Es ist eine die Menschen prägende Einsicht, dass es „den Menschen“ nicht gibt, sondern eben „weiblich“ und „männlich“, wobei die Frauen stärker durch „das Weibliche“, Männer stärker durch das „Männliche“ geprägt sind und auch sein sollen. 

Wir haben in Deutschland gerade eine zu starke Anpassung der Frauen an das Männliche, ja fast eine Unterwerfung der Frauen unter das Leitbild des männlichen Machtstrebens zu besichtigen. Ich beklage das. Der gesellschaftliche Wert der Frau wird nach ihrer Teilhabe an politischer Macht und finanziellem Reichtum bemessen. Wenn die Frauen nicht die Hälfte vom Kuchen (also von Geld, Macht, Straßennamen und DAX-Aufsichtsratsmandaten ) abbekommen, gelten sie als – wie nennen sie’s doch? – benachteiligt.

Aber das wird in wenigen Jahrzehnten wieder vorübergehen, die Wertschätzung des spezifisch Weiblichen und des Mütterlichen wird in wenigen Jahren auch nach Deutschland zurückkehren. Keine Frau möchte sich doch dem Rollenbild des Mannes anpassen. Im Übrigen meine ich wie der gute Friedrich Schiller auch: Jede Frau steht  „auf einer Ebene“ mit und neben dem Mann. Sie ist ihm nicht „gleich“, aber sehr wohl gleichberechtigt und  „ebenbürtig“, sie ist ebenso viel „wert“ wie der Mann.

Aber Frauen zur völligen  Wesensgleichheit mit dem Mann umerziehen zu wollen, wie dies Platon vor 2400 Jahren forderte, wie dies die unwiderstehliche  Pippi Langstrumpf nach dem Willen ihrer Mutter Astrid Lindgren vor 60 Jahren im Scherz zur Tröstung eines kranken Kindes von Astrid Lindgren vorlebte, und wie dies auch auf Biegen und Brechen in den ehemals kommunistischen Staaten des Sowjetblocks versucht wurde, führt meines Erachtens in die Irre.

Ich halte es für falsch, die Frauen gewaltsam zur 50%-Beteiligung an politischer und wirtschaftlicher Macht umerziehen zu wollen.

Für richtig halte ich es, die Jungs, all die Oles, Tareks, Cems und Lasses zur Fürsorge und schaffenden Erwerbstätigkeit für ihre späteren Ehefrauen, ihre späteren Kinder und ihre später pflegebedürftigen greisen Eltern zu ermuntern und zu erziehen – und die Mädels, all die Mias, Fannys und Yasemins, die Meldas und Pippilottas und Astrids zur Fürsorge für ihre späteren Kinder und ihre später pflegebedürftigen greisen Eltern zu erziehen. Ich meine in der Tat: Der erwachsene, der reife, der an eine Frau gebundene  Mann soll vorrangig nicht dem eigenen Ich, sondern der Frau, dem Kind und der Familie dienen. Der Mann soll sich dem Wohle der Frau, des Kindes und der Familie unterordnen und nicht sein eigenes Ich vorne dran stellen. Daran fehlt es bei uns Männern – mich selbst eingeschlossen – allzu oft.

Die erwachsene, die reife Frau wiederum soll sich im Gegenzug dem Wohl der schwachen Menschen, also der Kinder und der Familie unterordnen.

So empfahlen es auch schon nahezu einstimmig all die guten alten Pragmatiker und nüchtern denkenden Sozialberater Moses, Jesus und Mohammed, all die Johann Peter Hebels, die Friedrich Schillers und die Gebrüder Grimm. Sie haben sich umgekuckt und gefragt: Wie halten menschliche Gesellschaften zusammen? Durch die Leistung eines Machtverbandes, also durch den geldumverteilenden Staat, oder durch das innige Band der Menschen untereinander, durch Ehe,  Familie, Freundschaft und Nächstenliebe? Antwort der genannten Männer: Der Staat kann es nicht leisten. Die Menschen leisten es!

Diese uralten Einsichten werden schon nicht völlig falsch gewesen sein. Es ist jahrtausendealtes Menschheitswissen, das nicht schon deswegen falsch ist, weil es seit Jahrtausenden immer wieder neu entdeckt wird.  Das spezifisch Weibliche, das spezifisch Mütterliche – das übrigens auch Männer in sich und an sich pflegen und hegen sollten – droht derzeit im öffentlichen Diskurs Westeuropas und der USA völlig unter die Räder der Gender-Debatte (siehe Judith Butler, Luce Irigaray, Jean Baudrillard  e tutte quante) zu geraten. Alles droht unter das Diktat des Wirtschaftlichen, unter den Vorrang der Macht eines anonymen Diskurses und des Geldes zu geraten.

Ich meine: Wir sollten das Weibliche und das Mütterliche, das Hegend-Pflegende in den Frauen und auch in uns Männern retten.

Zum Nachlesen: Friedrich Schiller: Das Lied von der Glocke. In: Friedrich Schiller, Sämtliche Werke. Erster Band. Gedichte. Dramen, Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt 1987 [=Lizenzausgabe der Werkausgabe des Hanser Verlags], S. 429-442 , hier S. 433

Kreuzberg Berlin Das Lied von der Glocke Park am Gleisdreieck Morgen des 20 Februar 2013 – YouTube.

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Ist es gerecht, dass Ingas Baby die Mutter nur kurz am Abend bewusst erlebt?

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Mai 282013
 

2013-05-23 15.42.29

„Ist es gerecht, dass Inga schlechtere Karrierechancen hat, weil sie Mutter ist? Nein“

So die nachdenklich stimmende Mahnung der INS – Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft -, die mich vor drei Tagen im Berliner Hauptbahnhof zum Innehalten aufforderte.

„Von dem Kind in Ingas Kinderwagen sprechen wir nicht?“, frug ich fragenden Blicks eine zufällige Passantin, die ebenfalls staunend stehenblieb.

Wir fragen tiefer: Ist es gerecht, dass Frauen Mütter werden? Ist es gerecht, dass Frauen schlechtere Karrierechancen haben, weil sie Mütter werden bzw. bis zum Alter von etwa 45 Jahren stets die Gefahr droht, dass sie Mütter werden könnten?

Es gibt höchst erfolgreiche weibliche Politiker, allerdings weniger als  männliche. Wir haben in der paganen Antike Cleopatra, in der Bibel die Königin von Saba, in der Neuzeit Margret Thatcher und Indira Gandhi gehabt.

Frauen sind in der Politik und in der Machtausübung und auch in Straßennamen sogar in Friedrichshain-Kreuzberg (und weltweit) deutlich unterrepräsentiert. Woran liegt das? Ich meine, es liegt daran, dass Frauen in allen Kulturen und allen Gesellschaften, auch in der unsrigen, eben doch anders sind als wir Männer. Vor allem liegt es am unleugbaren naturgegebenen Grundbestand des Mensch-Seins: Wir werden alle von Müttern geboren, nur Frauen – nicht Männer – können Mütter werden, mit all den unleugbaren und unvermeidbaren Einschränkungen, die das für Karriere und Beruf mit sich bringt.

Die allermeisten Frauen streben folglich auch nicht so sehr nach Glanz und Gloria, nach Scheinen und Gelten wie wir Männer. Für die meisten Frauen ist es eben doch das Schönste, Leben, Glück und Freude zu verspüren dadurch, dass sie Leben, Glück und Freude weitergeben, etwa als Mütter. Für die meisten Frauen ist von Anfang an – im Gegensatz zu den meisten Männern – eindeutig ein glückliches Familienleben wichtiger als eine Karriere.

Wenn hingegen den Frauen das Mutterwerden und überhaupt Mütterlichkeit als eine Art Unfall, als schreiende Ungerechtigkeit  auf dem Weg zum vollkommenen Glück, also zur völligen hälftigen Machtteilung und Gleichheit mit den Männern ausgemalt wird, dann löst sich eine Gesellschaft auf und verspielt die eigene Zukunft. In genau dieser Gefahr stehen wir in Deutschland.

Wir Männer hingegen streben von unserer biologischen Natur aus und durch kulturell verankerte  Tiefenprägungen eher hinaus ins feindliche Leben, wir raffen und schaffen, wie es Friedrich Schiller in seinem Lied von der Glocke völlig zutreffend erkannt hat.

Schauen wir uns doch uns Männer an: Macht, Machtsicherung und Machterweiterung im Außenbereich sind wichtige Themen im Leben fast jedes Mannes, und zwar auf andere Art als für die Frauen.  Unsere vornehmste Aufgabe als Männer ist es meiner Überzeugung nach grundsätzlich, den Frauen und Kindern einen gesicherten Raum zu schaffen, in dem sie friedlich blühen und gedeihen können.  Der gesicherte Raum ist grundsätzlich die Familie. Für den Staatsmann ist es die Gesellschaft als ganze.

Das ist weltweit zu allen Zeiten in allen erfolgreichen Gesellschaften so, nur in Teilen Westeuropas und insbesondere Deutschlands versucht man zur Zeit davor die Augen zu verschließen, etwa indem man Frauen den Wahn einredet, sie müssten unbedingt ebenso erfolgreich im Beruf, ebenso mächtig in der Politik werden, ebenso viele Straßennamen erhalten wie wir Männer.  Alles andere sei doch furchtbar ungerecht. Ein verhängnisvoller Irrtum, der zur Aushöhlung der Familie beiträgt und einer der Auslöser für den demographischen Niedergang unserer Gesellschaften  ist. Bereits heute haben wir viel zu wenige Familien mit Kindern, in denen die Kinder gehegt und in denen die Alten und Kranken gepflegt werden.  Der Pflegenotstand, also der akute Mangel an Pflegepersonal in allen Altenheimen und in der Altenbetreuung ist in Deutschland ist bereits heute Realität. Zu glauben, dass man mit aus dem Ausland geholten professionellen Pflegekräften oder durch die Versendung der Alten von Europa nach Indonesien dem Mangel an Pflegekräften Abhilfe schaffen könnte, geht völlig an den Wünschen und Bedürfnissen unserer Alten vorbei.

Zu glauben, dass der Staat oder das staatliche Sozialsystem das Mutterwerden, die Kindererziehung, die Krankenfürsorge  und die Altenpflege nach und nach immer stärker oder gar vollständig direkt in eine eigene Regie übernehmen können, ist ein törichter Wahn, dem bereits die antike Kriegergesellschaft Spartas und der Philosoph Platon im 4. Jahrhundert vor Chr. erlegen ist.

Kindererziehung, Pflege der Kranken und Pflege der Alten war immer und wird immer in allen erfolgreichen Gesellschaften eine vorrangige Aufgabe der Familien bleiben. Gelingendes Muttersein ist und bleibt eine Aufgabe der Frauen, Vaterwerden und Vatersein eine lebenslang zu erlernende Aufgabe der Männer.

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αὐτὸς θυμῷ βουλεύειν/mit dem Herzen selber entscheiden – das erst ist Freiheit!

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Mai 282013
 

2013-05-20 14.06.09

Eine der ergreifendsten Stellen aus Homers Odyssee ist mir immer die Stelle im zwölften Gesange gewesen, an der Kirke in rosenfingriger Frühe einen schmerzhaften Abschied von Odysseus nimmt. Scharfe, eindringliche, keinen Widerspruch duldende Warnungen gibt sie ihm mit auf den Weg vor den tückischen, bezaubernden Sirenen, die die Menschen einlullen und einlallen mit trügerischem Sang. Hier hilft nichts als sich taub stellen! Den Gefährten muss Odysseus deshalb die Ohren mit Wachs verstopfen, während er selbst sich in den Mast knoten lässt. Die Gefährten dürfen nicht hören – und behalten ihre Handlungsfähigkeit, denn sie müssen und sollen Odysseus an den Sirenen vorbeirudern.  Odysseus darf hören, freilich um den Preis der äußersten Unfreiheit!

Wie geht es nach bestandener Gefahr weiter? Jetzt kommt es! Welchen Weg zeichnet Kirke dem Liebling Odysseus vor? Keinen! Sie benennt ihm die Alternativen, doch entscheiden soll er nach reiflicher Überlegung selber. Kirke entlässt – in ihrer Muttersprache Griechisch – den Odysseus in den Raum seiner eigenen Entscheidungsfindung mit folgenden Worten:

αὐτὰρ ἐπὴν δὴ τάς γε παρὲξ ἐλάσωσιν ἑταῖροι,
ἔνθα τοι οὐκέτ᾽ ἔπειτα διηνεκέως ἀγορεύσω,
ὁπποτέρη δή τοι ὁδὸς ἔσσεται, ἀλλὰ καὶ αὐτὸς
θυμῷ βουλεύειν: ἐρέω δέ τοι ἀμφοτέρωθεν.

Johann Heinrich Voß übersetzt in unsere Muttersprache Deutsch:

Sind nun deine Gefährten bei diesen vorüber gerudert,
Dann bestimm‘ ich den Weg nicht weiter, ob du zur Rechten
Oder zur Linken dein Schiff hinsteuren müssest; erwäg‘ es
Selber in deinem Geist. Ich will dir beide bezeichnen.

Im Klartext: Ich kann dir da nicht raten, ich kann dir nur die beiden Wege aufzeigen. Du musst selber entscheiden. Überleg es dir gut. Es wird auf dich ankommen, Odysseus!

Genau das ist Freiheit! Kirke entlässt ihre Schützling Odysseus in den Raum der eigenen Entscheidungsfindung! Odysseus wird durch den Rat Kirkes vor Gefahren bewahrt, die seine menschliche Widerstandskraft übersteigen würden. Er „braucht das Rad nicht neu zu erfinden“. Es hatte sich in der Welt Homers genugsam herumgesprochen, dass die Sirenen allem Anschein zum Trotz letztlich nur Unheil bringen, dass sie die Familien – diese Keimzellen der Gesellschaft – zerstören, dass sie den Seeleuten die Heimkehr versperren und zerschmettern. Odysseus hörenden Ohrs und sehenden Auges ins Unglück zu schicken, wäre verantwortungslos von Kirke. Sie kennt ihre Pappenheimer, sie weiß um die Grenzen, an denen Menschen ihren Verstand verlieren und sich willenlos der Sucht ergeben. Die Warnung Kirkes vor den Sirenen ist alternativlos. Scheitert die Vorbeifahrt, so scheitert die Heimfahrt!

Zugleich aber entlässt die wohlwollende Wegweiserin Kirke Odysseus in den Raum seiner eigenen Entscheidungsfindung.

„Meide die Suchtfaktoren. Meide den Rausch, der deine Widerstandskraft mit Sicherheit übersteigen wird. Vor den Sirenen musst du dich hüten! Es wird danach aber der Punkt kommen, an dem ich dir nicht raten kann. Dann überlege es gut in deinem Sinn – und triff dann deine Entscheidung. Es gibt zwei Alternativen. Welche die bessere ist – das musst du selber im Herzen bedenken. Wähle selbst!“

Einsicht in das dem Menschen Mögliche, Freigabe des innerhalb des dem Menschen möglichen Wählbaren – genau das ist Freiheit! Diesen Raum der Freiheit gilt es Tag um Tag, Stunde um Stunde neu zu eröffnen, zu hegen und zu betreten. Tue das und du wirst leben.

Quellen:

Odyssee deutsch in der Übersetzung von Johann Heinrich Voß nachlesbar unter:
via Projekt Gutenberg-DE – SPIEGEL ONLINE.

Odyssee Griechisch nachlesbar unter:
http://www.perseus.tufts.edu/hopper/text?doc=Perseus%3Atext%3A1999.01.0135%3Abook%3D12%3Acard%3D36
[entnommen aus: Homer. The Odyssey with an English Translation by A.T. Murray, PH.D. in two volumes. Cambridge, MA., Harvard University Press; London, William Heinemann, Ltd. 1919]

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„Konditionalität der Hilfe“ – das Samariterdilemma

 bitte!, Europäische Union, Novum Testamentum graece, Samariter  Kommentare deaktiviert für „Konditionalität der Hilfe“ – das Samariterdilemma
Mai 222013
 

2013-03-24 10.54.58

 

Der Wirtschafts-Nobelpreisträger James M. Buchanan prägte den Begriff „Samariter-Dilemma“. Er meinte damit, dass ein Akt selbstloser Hilfe für den Beschenkten, dem aus einer Notlage geholfen wird, langfristig eher schadet als nützen kann, da der Empfänger dazu verführt wird, sich auf gewährte Hilfen mehr und mehr auszuruhen, statt auf eigenen Beinen zu stehen.

Insbesondere die derzeit den Banken und den hochverschuldeten Staaten gewährten Finanzhilfen (ESM, EFSM, SMP, SKAS-Vertrag) werden häufig als sittlich gebotener Akt der Nächstenliebe unter befreundeten Staaten, als aus dem Gebot der Solidarität erwachsende Verpflichtung der reichen Staaten gedeutet. Wer es daran fehlen lasse, handle unsolidarisch und kaltherzig.

„Ihnen ist das Schicksal der hungernden Arbeitslosen in Griechenland EGAL!“ So sinngemäß eine empörte Katrin Göring-Eckardt gegen Bernd Lucke bei Frank Plasberg in der Kombattanten-Show Hart aber fair.

Was meint Jesus mit seinem Gleichnis vom Samariter? Lies dazu noch einmal das Lukas-Evangelium 10,25-37!

Die Erzählung ist glasklar:
1) Der Samariter folgt aus freien Stücken einer Regung des Herzens und nicht aufgrund einer vertraglichen Beziehung.
2) Der Mann, der unter die Räuber fiel, ist zufällig und ohne eigenes Verschulden in die Not geraten.
3) Die Hilfe des Samariters wird ohne Auflagen gewährt. Die Samariterhilfe ist ohne „Konditionalität“.
4) Die Hilfe des Samariters erfolgt ohne die Erwartung einer Gegenleistung.
5) Sie ist einmalig und beschränkt sich auf die besondere Notlage.
6) Sie wird nicht zum Dauerzustand.
7) Es herrschte vor der Nothilfe  keine persönliche Beziehung zwischen dem Samariter und dem Opfer.

Keines der 7 Merkmale trifft auf den Euro-Rettungsfonds zu.

Für ESM, EFSM, SMP und SKS gilt:

1) Die Geberländer zahlen aus Nützlichkeitserwägungen in die verschiedenen Fonds ein.
2) Die Empfängerbanken und -Länder sind nicht zufällig, sondern vor allem durch eigenes Verschulden in die Not geraten.
3) Die Hilfe der Euro-Rettungsfonds wird mit Auflagen gewährt. Die Euro-Hilfe wird mit „Konditionalität“ gewährt.
4) Die Hilfe der Euroretter erfolgt in Erwartung einer Gegenleistung, also einer Rückzahlung.
5) Sie ist nicht einmalig und beschränkt sich nicht auf die besondere Notlage.
6) Sie wird zum jahrelang anhaltenden Dauerzustand.
7) Es herrschte bereits vor der Nothilfe eine institutionelle Beziehung zwischen dem Helferland und dem Opferland.

Ergebnis:

Die Eurorettungspolitik, die eine Bankenrettungspolitik und eine Staatenfinanzierungspolitik ist, erfüllt kein einziges der Merkmale, die auf den barmherzigen Samariter zutreffen. Sie ist rein pragmatisch zu sehen, sie hat keinerlei tiefere sittliche Bedeutung.

Jede Bezugnahme auf sittliche oder gar religiöse Gebote bei der aktuellen Finanzmarktstabilisierungspolitik ist fehl am Platze. Die Vorwürfe der unsolidarischen Kaltherzigkeit greifen ins Leere. Es geht für alle Beteiligten ausschließlich um Nutzenmaximierung.

 

Bild:

Ev. Johannesstift, Spandau, Samariterbrunnen.

 

 

 

Samaritan’s dilemma – Wikipedia, the free encyclopedia.

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„Staat, führe uns auf gute Weide!“

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Mai 222013
 

2013-05-20 13.57.00

 

Die Erwartung an den Staat bedeutet, daß man von allen anderen ( = Staat) erwartet, statt von sich selber. Jeder hängt am anderen in einem falschen Gefühl von Sicherheit, denn man hängt nicht weniger in der Luft, wenn man mit zehntausend anderen hängt. Nur merkt man seine Unsicherheit nicht mehr. Die zunehmende Erwartung an den Staat ist kein gutes Symptom, es will nämlich bedeuten, daß das Volk auf dem besten Weg ist, zur Schafherde zu werden, welche immer von den Schäfern erwartet, auf gute Weide getrieben zu werden. Bald wird der Schäferstab zur eisernen Rute, und die Schäfer verwandeln sich in Wölfe.

So schrieb es der große Schweizer Carl Gustav Jung 1945 über uns Deutsche in seinem hellsichtigen Aufsatz „Nach der Katastrophe“.

Die Abgabe der Verantwortung für das eigene Leben an die Politik und an den Staat, das kindliche Vertrauen der Massen in die politische Führung erkennt er als eine der Hauptursachen für die Katastrophen des 20. Jahrhunderts.

Zitiert nach:

Das C. G. Jung Lesebuch. Ausgewählt von Franz Alt. Walter Verlag, Solothurn und Düsseldorf, 7. Auflage 1994, S. 221-250, hier S. 229-230

Jung, C. G. Gesammelte Werke und andere Schriften – www.cgjung.de.

Bild: Saftiges Weideland, gesehen auf einer Fahrradtour durch die Mark Brandenburg zwischen Müncheberg und Trebnitz auf dem Europaradweg R1. Aus eigener Kraft erreicht!

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Türkei neu erzählen! Deutschland neu erzählen! Familie neu erzählen!

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Mai 212013
 

2013-05-05 13.47.06

So liebe Landsleute/Vatandaşlar, heute abend kucken wir um 20.15 Uhr aber SAT.1! Ausgestrahlt wird der Film: Almanya – Willkommen in Deutschland.

Türkei neu erzählen! Deutschland neu erzählen! Familie neu erzählen!

Schaut euch diesen großartigen Film an! Da findet ihr noch ein glasklares Bekenntnis zur eigenen Herkunft, zur eigenen Familie, zum  eigenen Heimatland! „Der deutsche Pass ist doch nur ein Stück Papier.“

Noch vor wenigen Jahrzehnten, etwa bis 1968, galt die Familie in Deutschland genau so viel sie wie unseren Almanya-Türken noch heute gilt, sofern sie nicht bereits durch das deutsche Sozialversicherungssystem verwöhnt und verdorben sind.

Die Familie, begründet in der Ehe zwischen Mann und Frau und im Mutter-Kind-Verhältnis, galt bis 1968 auch den Deutschen als die entscheidende soziale Sicherung, während heute die Mehrheit der Deutschen offenkundig dem STAAT und dem staatlichen SOZIALSYSTEM oder schlimmer noch der SOZIALPOLITIK  diese Funktion zuschreibt.

Die Familie, also das Zusammenleben von mindestens zwei durch Abstammung verbundenen Generationen in einem Haushalt wird durch die Gesellschaft und die Sozialpolitik nach und nach planmäßig ersetzt und durch die utopischen Verheißungen der Sozialpolitik nach und nach abgeschafft. Baupolitik, Stadtplanung und Finanzpolitik werden auf die Bedürfnisse der jungen, allein oder zu zweit lebenden Berufstätigen zugeschnitten. Die Hochschätzung des unterscheidend Weiblichen, also des Mütterlichen, jahrtausendelang in fast allen Kulturen und Religionen gehegt und gepflegt, wird beseitigt, die „Nur-Mutter“ wird nicht ernst genommen.

Folge: Die Versingelung der Bundesrepublik, die Abschottung der Generationen voneinander schreitet nachweisbar  voran. Bereits heute leben laut dem neuesten, dem achten Familienbericht der Bundesregierung nur noch 40% aller Berliner in Familien, während in den arg rückständigen Bundesländern Bayern und Baden-Württemberg immerhin noch etwa 60% in Familien leben.

Der Staat soll durch geeignete Betreuungseinrichtungen die Fürsorge für die Alten jenseits der 65 und für die Kinder ab dem Alter von 2 Jahren möglichst weitgehend übernehmen, so dass möglichst alle arbeitsfähigen Frauen und alle arbeitsfähigen Männer der Wirtschaft möglichst bruchlos zur Verfügung stehen.  Sollte eine Frau oder ein Mann bewusst zugunsten der Fürsorge für die Älteren oder für die Kinder auf Berufstätigkeit verzichten, werden sie belächelt und verspottet. Denn eine Sprechblase lautet: „Gerade angesichts des demographischen Wandels kann  es sich die Volkswirtschaft nicht leisten, auf den Arbeitseinsatz aller arbeitsfähigen Frauen und aller Männer zu verzichten.“

Dieses kindliche, fast schon religiös zu nennende Vertrauen der Deutschen in den Homo oeconomicus, in den STAAT, in die POLITIK und in das vom STAAT verteilte GELD  halte ich für ein Grundübel.

Der Film Almanya lehrt demgegenüber die zeitüberdauernde, überragende Bedeutung der Familie als der Keimzelle der Gesellschaft. Übrigens habe ich mit etlichen Männern gesprochen, die ganz offen sagen: „Erst dadurch, dass ich heiratete und Vater wurde, habe ich den Ausstieg aus der geradezu schicksalhaft vorgezeichneten Kriminalität geschafft.“ Heirat und Vaterschaft sind also für sehr viele Männer ein wesentlicher, ja DER entscheidende Schritt zum Erwachsenwerden.

Die Familie, also das dauerhafte Zusammenleben von mindestens zwei durch Eltern-Kind-Abstammung verbundenen Generationen unter einem Dach, die unlösbare Eltern-Kind-Beziehung ist das große, das unverzichtbare Tragwerk jeder Gesellschaft, die noch ein Interesse an Selbsterhaltung hat. Die Schule lehrt ja derzeit ausschließlich die selbstbewusste frühe Einübung und das frühzeitige Ausüben von Sexualität als Selbstzweck. Familiengründung, Kindererziehung, Kochen, Hauswirtschaft und ähnliche olle Kamellen werden praktisch nicht mehr unterrichtet, stattdessen lernen die Mädchen und Jungen ab Klasse 6  Sex – pur und möglichst früh – sowie den sachgerechten Umgang mit Verhütungsmitteln – Motto: „Ich will’s romantisch – Mach’s mit!“

Ich meine dagegen, wir Eltern sollten die Kinder und Jugendlichen ermuntern und darauf hinerziehen, dass sie wieder vermehrt und eher, also in früheren Jahren heiraten, dann vermehrt Kinder zeugen und wieder in den Kindern einen Segen des Erwachsenenlebens sehen.

Nicht zuletzt im eigenen, übrigens auch im  materiellen, auch im finanziellen Interesse sollten wir das tun.

Denn wie sagt Goethe:

Am Ende hängen wir doch ab
Von denen, die wir machten.

 

Almanya – Willkommen in Deutschland – Film.

http://www.bmfsfj.de/RedaktionBMFSFJ/Abteilung2/Pdf-Anlagen/Achter-familienbericht,property=pdf,bereich=bmfsfj,sprache=de,rwb=true.pdf

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Mai 182013
 

2013-05-11 09.48.54Holpriges Rattern auf Blocksteinen, Achten auf Straßenbahnschienen: die Straße legt spürbar für jedes Rad bei der Einfahrt nach Gorzów Wielkopolski/Landsberg an der Warthe Schichten frei. Dieser Asphalt mag wohl 12 Jahre alt sein. Diese Straßenbahnschiene mag wohl, sagen wir, 20 Jahre alt sein. Darunter kommt eine Bitumenschicht, wie du sie in den 90er Jahren auch bereits in Schwedt an der Oder sahst: hart, schrundig, aufgeplatzt, zerfurcht, verwittert, rissig. Ein Felgenkiller.  Und darunter … darunter? Kommt wieder eine Schicht. Manche Schichten wird der Reifen deines Fahrrades nicht spüren. Ab einem Schichtalter von 60 Jahren ist alles glatt und ruhig. Was vorher war und lebte, ist endgültig vergangen.

Erster Beweis dessen, dass dies so ist: ein Beweis aus dem Augenschein.

Am Teren dawnego cmentarza niemieckiego/Ort des früheren deutschen Friedhofes halten wir an.

Staunen. Beraten: Wurden in dieser Stadt früher die Menschen getrennt nach Nationen beerdigt: Hier die Deutschen, da die Polen, da die Tschechen, dort die Russen? Die Ruthenen, wo? Die Slowaken, wo?

Eine Nachfrage bei Ortskundigen ergibt später: Dies war der evangelische, heute aufgelöste Friedhof. Da die übergroße Mehrheit der Landsberger vor den Vertreibungen der Jahre 1945-1949 evangelischer Konfesssion war, blieb der Friedhof als Friedhof der früheren Bewohner, also der evangelischen Christen, also der Deutschen in Erinnerung.

Die Legende des Ortes will es bis zum heutigen Tage, dass alle Landsberger Deutschen damals evangelisch waren und dass alle Gorzówer Polen Katholiken sind.

Und wir? Wir leben heute, jetzt. Jeden Augenblick. Wir sind eigentlich die des ewigen Weder-Noch. Wir dürfen uns nicht unterkriegen lassen. Denn wir sind stärker, wir haben recht, denn wir leben.

Zweiter Beweis dessen, dass dies so ist: Ein Beweis aus der Schrift. Ein Stück aus einem Buch:

   H. glaubt, daß ihr leben müßt mit euren Traumschichten aus den verschiedenen Zeiten. Daß ihr euch hüten müßt, in Träumen zu leben: Dann hätten diese Zeiten euch untergekriegt. Er, der für alles ein Zitat hat, zitiert den Meister Eckhart: Die entscheidende Stunde ist immer die gegenwärtige. Du, sagt er, lebst auf Zukunft hin. Ich nicht. Ich lebe heute, jetzt. Jeden Augenblick.
Die schwersten Schäden, die man euch zugefügt hat, werden nicht zur Sprache kommen. Die lebenslangen Folgen des Kindheitsglaubens, einmal werde die Welt vollkommen sein.

Quelle des Schriftbeweises:
Christa Wolf: Betroffene und Nichtbetroffene. Endlösung. In: Christa Wolf: Kindheitsmuster.  Aufbau Verlag, Berlin und Weimar, 3. Auflage 1978, S. 306-329, hier: S. 322

Foto: Der Ort des ehemaligen evangelischen Friedhofs in Landsberg an der Warthe/Gorzów Wielkopolski, Aufnahme vom 11.05.2013

 

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Braucht die EU „le gouvernement économique“ = „die zentrale Steuerung der Wirtschaft“?

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Mai 172013
 

2013-05-04 11.55.24

Le „gouvernement économique“ de la zone euro, „autour d’un véritable président nommé pour une durée longue“ – „eine zentral gelenkte Steuerung der Wirtschaft der Euro-Zone rings um einen langfristig ernannten Präsidenten“ forderte der französische Präsident gestern.

 

Und weiter geht’s in die nächste Runde – der alte Gegensatz von eher zentralstaatlicher Steuerung der Wirtschaft, wie sie seit dem Merkantilismus, seit dem 17. Jahrhundert in Frankreich gang und gäbe ist, und dem eher marktwirtschaftlichen Ansatz, wie ihn die Bundesrepublik Deutschland seit 1949 grundsätzlich gepflegt hat!

Selbstverständlich gibt es auch in Deutschland Elemente zentralstaatlicher Steuerung: die Förderung der Atomkraft, der Atomeinstieg also, war zentralstaatlich durch die Politik gesteuert und ebenso sind auch der Atomausstieg sowie die von der CDU/FDP-Bundesregierung geplante „Energiewende“ deutlich ausgeprägte Musterfälle nationalstaalicher Steuerung und Lenkung der Volkswirtschaft von oben herab. Aber das sind Verstöße, Ausnahmen vom Grundsatz der Marktwirtschaft.

Somit gilt es, diesen wirklich fundamentalen Gegensatz im Grundverständnis staatlichen Handelns zu erkennen: Die Marktwirtschaft, wie sie etwa Ludwig Erhard oder Konrad Adenauer vertraten, vertraute im wesentlichen auf die Steuerung der Wirtschaft durch die Akteure selbst, also die Arbeitnehmer und Arbeitgeber, die Tarifpartner, die Verbände, die Unternehmer, die Gewerkschaften, während in Frankreich (so wie auch früher in der DDR und in der UdSSR) die letzte Verantwortung eher bei der zentralen Instanz angesiedelt wird: beim Staate.

Die EU ist in ihrer gesamten Verfasstheit, in ihrem funktionalen Gefüge, aber auch in ihrem gesamten Vokabular, ihrer Titulatur stärker durch die administrativen Ideen Frankreichs, weniger durch Italien, die Benelux-Länder oder Deutschland geprägt. Die Idee eines langfristig ernannten „Wirtschaftslenkungsbeauftragten“, der nicht gewählt, sondern bestellt wird, konnte aus diesem Grunde nur in Frankreich entstehen. Sie wird auch von dort immer wieder vorgetragen, wenn sie den französischen Politikern  innenpolitisch opportun erscheint.

Wer hat recht? Oder besser gefragt: Welche der Alternativen sollen wir wählen? Das müssen letztlich die Träger der Souveränität entscheiden, also die Völker, die sich zur EU zusammengeschlossen haben. Wenn die Deutschen und die Franzosen und alle anderen Euro-Gesellschaften mehrheitlich die Lenkung der Wirtschaft einem ernannten zentralen Euro-Wirtschaftslenkungskommissar übertragen wollen, dann sei es so. Das wäre jedoch ein umfassender Eingriff in die grundgesetzlich garantierten Hoheitsrechte, der ohne Volksabstimmung kaum zu haben ist.

Hier das Zitat aus der Monde:

Reste que derrière les mots, ambitieux, se cachent des idées anciennes, et souvent difficiles à mettre en œuvre. Pour le chef de l’Etat, il est ainsi grand temps de muscler le „gouvernement économique“ de la zone euro, „autour d’un véritable président nommé pour une durée longue“. En réalité, François Hollande ne fait que reprendre à son compte l’un des chevaux de bataille des gouvernements français depuis la création de l’union monétaire : doter l’Eurogroupe, qui réunit déjà une fois par mois les ministres des finances de la zone euro, d’une présidence permanente, et dédiée, afin de conforter cette instance

via L’offre calibrée de François Hollande à Angela Merkel.

Bild: die Karl-Marx-Straße in Berlin-Neukölln, Mai 2013

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„MEHR STAAT!“ – „HILF UNS, OH STARKER STAAT!“

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Mai 172013
 

2013-05-05 13.44.47

„Mit viel weniger Geld im Bildungssektor, mit schlechterer Ausstattung und in größeren Klassen haben wir in der Sowjetunion weit bessere Ergebnisse in der Grundschule erzielt! Alle Kinder lernten in der Sowjetunion  in ein bis zwei Jahren lesen und schreiben – sie konnten einfach mehr als die Grundschulkinder in Berlin.“ So höre ich es sinngleich und wortähnlich von vielen Miteltern, die selbst noch in der Sowjetunion eingeschult wurden.

„Mit viel weniger Geld und in größeren Klassen haben wir in der Türkei bessere Ergebnisse in der Grundschule! Alle Kinder lernen in der Türkei in ein bis zwei Jahren lesen und schreiben – sie können einfach mehr als die Grundschulkinder in Berlin.“ So berichten es mir Berlinerinnen. Der Kreuzberger Bürger Cem Özdemir wiederum, der selbst in Baden-Württemberg beschult wurde, vergleicht türkische und deutsche Grundschulen und schreibt in seinem Türkei-Buch (S. 187) lapidar und politisch höchst inkorrekt über die türkischen Grundschulen: „Über die Unterrichtsform allgemein kann gesagt werden, dass sie größtenteils als Frontalunterricht angelegt ist. Die Schüler lernen wesentlich schneller lesen und schreiben als in Deutschland und müssen in den Folgejahren in allen Fächern viel auswendig lernen.“ (Hervorhebung durch dieses arme Kreuzberger Blog).

Das Staunen und der Ärger der Eltern mit Migrationserfahrung über die bundesdeutsche Grundschulerziehung kennt keine Grenzen – er ist kulturen- und grenzenüberschreitend, er ist ein multikulturelles Faktum, das offenbar kein bundesdeutscher Bildungsforscher zur Kenntnis nimmt. Riesige Summen werden stattdessen für die Bildungsforschung, für Bildungsreformen, für Bildungsforscher und für Bildungsforscherkongresse ausgegeben, um endlich den Stein der Weisen oder den Nürnberger Trichter zu finden, damit irgendwann auch in der Bundesrepublik Deutschland die Grundschulkinder wieder in 3 oder 4 Jahren lesen und schreiben lernen.

Mit viel weniger Geld und in größeren Klassen hatten wir in der DDR bessere Ergebnisse in der Grundschule als nach der Wende! Alle Kinder lernten in der DDR in ein bis zwei Jahren lesen und schreiben – wir in der DDR  konnten und lernten  einfach mehr als die Grundschulkinder in der Nachwendezeit.“ So vernehme ich es nahezu wortgleich von zahlreichen Miteltern, die in der DDR eingeschult wurden.

Sind das alles nur rückwärtsgewandte Nostalgiker? Hört euch um, fragt selber!

Und was verlangen meine lieben Mit-Deutschen angesichts der Bildungsmisere an den Grundschulen, wo sehr viele Kinder auch nach 8 Jahren nicht richtig lesen und schreiben lernen? Na klar: Noch mehr Geld, noch mehr Staat, noch mehr Betüttelung! Lest DAS hier:

Umfrage: Deutsche wollen höhere Steuern für Reiche und mehr Staat – SPIEGEL ONLINE.

Vielsagende Umfrage!

Was meist unterschlagen wird: Der Anteil der Sozialausgaben und der Anteil der Bildungsausgaben am Gesamthaushalt und auch am BIP steigt ohnehin seit Jahren und wird auch fast automatisch in den nächsten Jahren weiter steigen. Ebenso steigt auch das kindliche Vertrauen der deutschen Bürgerinnen und Bürger in die Heilkräfte der Politik, von den deutschen und europäischen Politikern kräftig genährt, können die europäischen Politiker doch absahnen, die eigene Macht stärken und mehr vom schuldenfinanzierten Kuchen verteilen. Die Bürger flehen: HILF UNS AUS ALLER NOT, oh STARKER, LIEBER, GUTER STAAT!

Passt doch alles gut zusammen. Am besten bei uns im herrlichen, bis zur Halskrause verschuldeten  Bundesland Berlin.

Bild: So schön blühen jetzt gerade die Blumen im herrlichen Tiergarten-Park in Berlin!

Zitat: C. Özdemir, Die Türkei, Weinheim 2008, S. 187

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W Rzeczpospolitej Ptasiej/In der Vogelrepublik, oder: Das Leben kommt aus dem Wasser/Życie pochodzi z wody

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Mai 152013
 

2013-05-10 11.52.59

So schön ist es jetzt in der Neumark – das Warthetal, das wir vier Tage lang mit dem Rad erkundeten, ist ein überwältigend artenreicher Lebensraum für seltene Amphibien, für seltene Vögel, für Störche und Blindschleichen! Ein uraltes, kilometerbreit sich erstreckendes Urstromtal! Hier befahren wir gerade den Damm in der Nähe von Sonnenburg/Słońsk. Auf der linken Seite (siehe Foto) wird nunmehr erneut der periodischen Überschwemmung Raum gewährt, eine zeitweilig eintretende Versumpfung und Überflutung ist gewollt.

Auf der rechten Seite des Dammes erkannten wir das von vielen Menschengenerationen mühselig trockengelegte Bruch. Hier, in der Nähe des ab dem 13. Jahrhundert bezeugten alten Sonnenburg  wurde über Jahrhunderte, insbesondere unter Brandenburg-Preussens Friedrich II. systematisch Entwässerung, Landgewinnung, Urbarmachung betrieben. Der Mensch rang der Natur seinen Platz zum Arbeiten, Wohnen, Siedeln ab!

Störche sind in der „Vogelrepublik Warthemündung“ ein häufiger Anblick. Das Quaken der Frösche und auch der geliebte rauschende Regen  begleiteten uns kilometerlang! Überall Singen, überall Wasser, überall Schleichen, Flattern, Huschen! Überall regt sich’s und strebt empor! Der Tisch ist gedeckt.

Du hörst, siehst, staunst und erkennst: Das Leben kommt aus dem Wasser.

Oder wie meine schlesische Urgroßmutter gesagt hätte: Życie pochodzi z wody.

2013-05-10 09.54.35

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