Sep 262013
 

Reiterhof 2013-05-11 08.22.10

Litwo! Ojczyzno moja! ty jesteś jak zdrowie.
Ile cię trzeba cenić, ten tylko się dowie,
Kto cię stracił. Dziś piękność twą w całej ozdobie
Widzę i opisuję, bo tęsknię po tobie…

Was hält den Kontinent Europa zusammen? „Die Europäische Union – selbstverständlich!“, werden mir viele zurufen. „Der Euro – unsere geliebte Währung ist die entscheidende Klammer Europas!“, „Die Erinnerung an die unnennbaren Verbrechen, die die Deutschen überall in Europa begangen haben, nie mehr dürfen die Deutschen so viele Verbrechen begehen, wie sie sie von 1914 bis 1945 überall in Europa begangen haben!“, schallt es aus allen anderen 27 Ländern der EU uns Deutschen entgegen.

So sind auch die sieben Kreise der europäischen Erinnerung aufzufassen, die Claus Leggewie – ähnlich den Höllenkreisen des Danteschen Inferno – an den Anfang seines Buches über die europäische Erinnerung stellt. Und im Zentrum steht der Holocaust – er ist das Factum absolutum der europäischen Identität, an dem jeder Zweifel, jede Relativierung mittlerweile gesetzlich verboten und untersagt ist. Vergleichbar dem summum bonum der mittelalterlichen Theologie, hat sich mittlerweile unumstößlich eine negative Geschichtstheologie in Europa etabliert, an deren Wurzel die deutschen Verbrechen stehen.

Polens Außenminister Radosław Sikorski scheint allerdings laut neuestem ZEIT-Interview nicht ganz mit dieser allgemein akzeptierten Absolutsetzung des deutschen Massenmordes an den europäischen Juden  einverstanden zu sein: er fordert von uns Deutschen, wir sollten uns nicht immer nur für den Holocaust schämen, sondern ebenso sehr (oder fast so sehr?) dafür, wie unsere Väter und Großväter sich in Polen aufgeführt haben. Sikorski sagt, nachdem er die Erinnerung von uns Deutschen an Holocaust und Stalingrad gewürdigt hat, wörtlich: „Aber Sie [= Sie Deutsche] geben sich wenig Mühe zu erfahren, wie Ihre Väter oder Großväter sich bei uns aufgeführt haben.“

Kurz: Nicht nur der Holocaust, sondern auch die Zerstörung Polens, die Ermordung von vielen Millionen Polen soll konstitutiv für das deutsche und europäische Geschichtsbewusstsein werden. Geschichtstheologisch hat Sikorski sicher recht: die Ermordung von etwa drei Millionen nichtjüdischen Polen ist sicherlich genauso schlimm wie die Ermordung der etwa 3 Millionen polnischen Juden.

Sofern dies keine Relativierung oder schlimmer noch strafbare Verharmlosung („Kontextualisierung“)  des Holocaust darstellt, worüber man aber bei den deutschen Richtern nie sicher sein kann, hat Sikorski vor europäischen Gerichten nichts zu befürchten. Entscheidend ist: Leggewie und Sikorski begründen das einigende Band ausschließlich negativ: „Europa soll zusammenwachsen, damit es nie wieder so schlimm wird, wie die Deutschen es einmal getrieben haben.“

Die EU, namentlich der Euro,  ist also im Grunde ein metaphysisches Projekt zur Abschaffung des in Deutschland verkörperten Bösen in der europäischen Geschichte. Es ist, als würde landauf, landab verkündet: Solange der Euro hält und solange die von den Deutschen begangenen Verbrechen, insbesondere der von den Deutschen begangene Holocaust nicht als absolutes Böses der Weltgeschichte angezweifelt wird, sondern durch eifriges Gedenken und eifriges Feiern wachgehalten wird, geht es Europa gut.

Wie hängt beides zusammen? Nun, der Holocaust spielt mittlerweile eine ähnlich absolut gesetzte dogmatische Rolle in der Vergangenheitstheologie, wie sie der Euro in der dogmatisch überhöhten Gegenwartspolitik spielt. Die leidenschaftliche Verteidigung des Euro, klar zu besichtigen im letzten Bundestagswahlkampf,  ist nur als eine Art pseudoreligiöse Erregung, eine Art dumpfe Massenhysterie zu begreifen, an deren Wurzel der Wunsch nach Selbsterlösung „von allem Bösen“ zu stehen scheint.  So wie die Erinnerung an die unauslöschliche Schuld der Deutschen der absolute Gründungsmythos der heutigen europäischen Geschichtsmythen ist, so ist der Euro der absolute Zukunftsmythos der Europäischen Union, an dem ebenfalls Zweifel nicht erlaubt sind.

Spannend! Die Deutschen sollen also im Grunde durch den Euro von ihren unnennbaren Verbrechen befreit werden. Das ist die Tiefenpsychologie der Euro-Debatte, rationale Erwägungen dringen in diesen quasireligiös verhärteten Kern nicht mehr ein. Das Interview mit Radosław Sikorski bringt auf genialische Weise die Verschränkung der beiden zentralen Grundmotive der heutigen politischen Theologie auf den Nenner: a) Die Deutschen sollen sich endlich in vollem Umfang  ihrer Schuld an ihren unnennbaren Verbrechen stellen. b) Sie sollen mehr Solidarität mit Europa zeigen und mehr für die Rettung des Euros tun. Damit können sie „das Vertrauen in die Unzerstörbarkeit der Europäischen Union wiederherstellen.“

Ist dies alles so eindeutig? Gibt es denn wirklich nichts Positives, das Europa zusammenhält? Überzeitliche Werte? Was würde Marcel Reich-Ranicki dazu sagen, der Goethe und Schiller aus dem Kopf nacherzählte?

Eine kleine Urlaubsbegebenheit fällt mir dazu ein: Wir selbst haben bei unserem jüngsten Besuch in Polen auf einem Reiterhof in der früher deutschen, seit 1945 polnischen Neumark die ersten Verse des Pan Tadeusz in deutscher und polnischer Sprache in den Abendhimmel hinaus rezitiert, allerdings nicht aus dem Kopf, sondern nur von einem mitgebrachten Blatt Papier, das ich tief unten am Boden in meiner Radtasche mitführte:

Litwo! Ojczyzno moja! ty jesteś jak zdrowie.
Ile cię trzeba cenić, ten tylko się dowie,
Kto cię stracił. Dziś piękność twą w całej ozdobie
Widzę i opisuję, bo tęsknię po tobie.

Der heimkehrende Dichter besingt hier die verlorene Heimat, deren er erst im Verlust gewahr wurde!

Hier sind andere Worte zu hören: Heimat, Wiederkehr, Mutterland, Schönheit, Sehnsucht, Muttersprache. Die zählen mehr als Mord, Totschlag, Verbrechen. Für mich sind solche Erfahrungen mit verschiedenen europäischen Sprachen, mit Menschen in Polen und Deutschland, aber auch mit der Natur, etwa mit Pferden unendlich wichtig.

Marcel Reich-Ranicki, der mitten im geschundenen Polen aus dem Kopf Schiller und Goethe nacherzählt, ich selbst, der auf einer Radtour in einem polnischen Reiterhof vor einigen Zuhörern den Pan Tadeusz in polnischer und deutscher Sprache zu Gehör bringen durfte … das sind für mich Kristallisationskerne des Zusammenhaltes in Europa. Jawohl, diese Gemeinschaft im Wort halte ich für sogar wichtiger als den Euro, wichtiger als das ritualisierte Bekenntnis zu den unnennbaren deutschen Verbrechen, der Aufdeckung, Analyse, Durcharbeitung, kultischen Verehrung und Pflege der Erinnerung an die deutschen Verbrechen.

Ich bin überzeugt: Die fast schon wahnsinnig zu nennende, unter dem Bann des Geldes stehende  Euro- und Politikgläubigkeit der EU-Politiker, das fast schon wahnsinnige Starren auf deutsche Schuld und nur auf deutsche Euro-Schuldigkeit kann nie und nimmer den Kontinent zusammenhalten.

Mein Bekenntnis lautet: Europa kann ohne die Pflege der reichen, üppigen  Gedächtnislandschaft, ohne die Pflege des Schönen und Guten, ohne die Pflege der Sprachen und das Zusammenfinden der Herzen  nicht zusammenwachsen. Für sie heute beispielhaft mögen heute stehen die Namen Goethe, Mickiewicz und Marcel Reich-Ranicki.

Quellen:
„Wir wollen keinen kalten Krieg!“. Interview mit Polens Außenminister Radosław Sikorski. DIE ZEIT, 26.09.2013, S. 12
Claus Leggewie: Der Kampf um die europäische Erinnerung. Ein Schlachtfeld wird besichtigt. Verlag C.H. Beck, München 2011, S. 14
http://pl.wikisource.org/wiki/Pan_Tadeusz/Ksi%C4%99ga_pierwsza:_Gospodarstwo

Foto: Der polnische Reiterhof, wo sich das oben beschriebene Ereignis zutrug

 

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Das Geld oder die Freiheit – welche Idee treibt dich an?

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Sep 212013
 

2013-09-17 12.44.12

„Da idolatria del denaro nascono tutti i mali della società“ / „Vom Götzendienst am Gelde werden alle Übel der Gesellschaft geboren.“

Ich glaube, damit trifft der aus Argentinien gebürtige, heute auf dem italienischen Stiefel lebende Francesco Bergoglio in italienischer Sprache exakt den Sachverhalt, zu dem auch morgen die deutschen Wähler sich erklären können, indem sie ihr Kreuz auf sich nehmen und es dann an die richtige Stelle absetzen. In einem Brief an Timotheos hatte der aus Tarsos in der Türkei stammende Paulus ja bereits vor 2000 Jahren in griechischer Sprache etwas Ähnliches gesagt, wie es Francesco oder Franziskus – wie er auf deutsch genannt wird – heute laut der Zeitung La Repubblica sagt.

Ich stimme Franziskus zu: Europa steht und fällt nicht mit dem Euro, um den derzeit von seinen leidenschaftlichen Befürwortern in der Europäischen Union ein wahrer Götzenkult betrieben wird, so als würde die Europäische Union oder gar Europa mit dem Euro stehen oder fallen. Idolatria del denaro!

Es ist anders: Europa steht und fällt von alters her und auch morgen bei der Bundestagswahl mit der Idee der Freiheit, mit der Absage an alle Ersatzgötter (und sei der Götze auch eine Währung), mit der Freiheit des Wortes, die allein Frieden bringt, mit der Gemeinschaft im Wort, die allein Aussöhnung der Freien und Gleichen verbürgt!

Das alle Menschen unabhängig von ihrer Religion oder Nicht-Religion gleichermaßen umschließende, einladende und erfassende, das inklusive Kreuz ist es, nicht das spaltende Geld ist es, in dem Europa zusammen kommt. Im Zeichen des Kreuzes, das morgen am Sonntag  jeder an der richtigen Stelle setzen möge, nicht im Zeichen des Geldes kommt Europa zusammen.

Beispiel aus der Repubblica von gestern (20.09.2013, S. 10):

„Siamo un paese sovrano/ wir sind ein souveränes Land …“, sagt der italienische Infrastruktur- und Verkehrsminister Maurizio Lupi, und er fährt fort:  „Wir sind ein souveränes, nicht unter der Fuchtel der Kommission stehendes Land, übrigens auch eins der Gründerländer Europas, und wie es die 3%-Defizitgrenze einhält, entscheidet Italien und nicht ein Kommissar.“ Im Klartext: Wir Italiener brauchen uns von der EU-Kommission nicht dreinreden zu lassen.

Der EU-Kommissar Olli Rehn wird laut Repubblica vom 20.09.2013 (S. 10) in Italien von Maurizio Gasparri, dem amtierenden Vizepräsidenten des italienischen Senats  (einer Kammer des italienischen Parlaments) als „persona sgradita“, als „unerwünschte Person“ – ohne nachfolgendes Dementi oder gar Entschuldigung – bezeichnet.

Und jetzt stellt euch mal etwas Derartiges bei uns vor: der amtierende Bundesratsvizepräsident würde einen EU-Kommissar öffentlich zur unerwünschten Person erklären. Was verrät uns das über die Europafreudigkeit des Landes, der drittgrößten Wirtschaftsmacht Europas? Überlegt selbst!

Nachdem ich viele Jahre lang die innenpolitischen Debatten der großen EU-Länder – überwiegend in den originalsprachlichen  Quellen – verfolgt habe, komme ich am Vortag der Bundestagswahlen  zu folgenden Schlüssen:

1. Die EU-Länder Frankreich, UK, Italien, Griechenland, Irland, Spanien, Polen denken nicht im Traum daran, ihre staatliche Souveränität  im Zeichen des Euro, also im Zeichen des Geldes zugunsten einer übergeordneten staatlichen EU-Souveränität aufzugeben.

2. Nur in Deutschland geben sich die führenden Spitzenpolitiker der Täuschung hin, die Völker wollten jetzt bereits oder auch in naher Zukunft den europäischen Staat, erzwungen und verklammert durch den Euro.

3. Die EU-Völker – widergespiegelt durch die gewählten Politiker – wollen ganz offenkundig auf absehbare Zeit den Nationalstaat und nur den Nationalstaat (z.B. Polen, Italien, Frankreich usw.) als Träger und Hüter  der Souveränität des Volkes beibehalten.

4. Weit entfernt, auf einen neuen EU-Staat als Souverän hinzuarbeiten, streben im  Gegenteil einige Regionen unterhalb der Nationalstaaten (Baskenland, Katalonien, Padanien, Schottland) zu stärkerer Autonomie, freilich zumeist ohne den Nationalstaat infragezustellen.

5. Als überaus erfolgreiches Modell eines stärkeren, gesunden Regionalbewusstseins innerhalb der Nationalstaaten empfiehlt sich der Freistaat Bayern. Der Freistaat Bayern ist – wie sich in den jüngsten Landtagswahlen bestätigt hat – das Modell für einen gangbaren Weg der EU insgesamt: maximale Durchsetzung des Subsidiaritätsprinzips, eine starke, wertkonservative Regionalpartei, klares Bekenntnis zur Freiheit der Person, Nein zum Nationalismus, Ja zum Patriotismus, Loyalität gegenüber den vertraglichen Pflichten, Bekenntnis zu überzeitlichen Werten wie Menschenrechten, Familie, Heimat, Religionen, Liebe zur Natur, bayerisches Nein zur Planwirtschaft, bayerisches Nein zur staatlich geförderten Auflösung des Mutter-Kind-Bandes,  bayerisches Nein zum Sozialismus – mit deutlicher Aufmüpfigkeit der Regionalpartei gegenüber der Zentralmacht (also gegenüber der Bundesregierung, der CDU, neuerdings auch gegenüber der EU).

6.  Folge daraus: Alle Werte Bayerns sind vorbildlich: hohe Wirtschaftskraft, niedrige Kriminalität, niedrige Arbeitslosigkeit, hohe Quote der Kleinstkindbetreuung durch die Familie, bestes Bildungssystem bundesweit, niedrige Versingelungsrate der Gesellschaft  usw. usw.

7. Das bayerische Volk sieht sich als Träger der staatlichen Souveränität, hat seine eigene Landesverfassung und hat das Grundgesetz nie förmlich als Verfassung anerkannt. Dies bedeutet selbstverständlich, dass Bayern, das als Staat die in Zeiten der Globalisierung ideale Größe aufweist,  verfassungsrechtlich auch ein Austrittsrecht aus der Bundesrepublik hätte.

8. Die EU selbst bietet zwar nach dem Lissabon-Vetrag die Austrittsmöglichkeit für ein Mitgliedsland, nicht aber das EURO-Regime.  Die EURO-Teilnehmerländer sind sozusagen „gefangen“ in den unauflöslichen Banden des Währungskorsetts.  Und das ist einer der zahlreichen, nur schwer heilbaren juristischen Fehler, der in der ganzen  EU-Konstruktion steckt – neben vielen anderen.

 

 „Da idolatria del denaro nascono tutti i mali della società“

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Sep 152013
 

Sür Yildiz 2013-07-16 10.55.25

„Ich habe noch eine richtige türkische Mutter!“, erzählte mir stolz ein T-Shirt-Händler, mit dem wir im Urlaub in Turgutreis zu Füßen der Moschee bei einem Gläschen Apfeltee den Kauf von 5 echten Lacoste-Hemden zum Sonderpreis von 30 Euro begossen. „Ich habe 10 Geschwister in Urfa, wir halten zusammen wie Pech und Schwefel, aber die Mutter ist der ruhende Pol.“

Wie sagt doch das islamische Sprichwort ?  „Das Paradies ruht zu Füßen der Mütter“. Ein Beweis für die Hochschätzung des Mütterlichen, die leider in Deutschland völlig verlorengegangen ist. Heute zählt ja bei uns eine Frau nur dann, wenn sie buchstäblich ihren Mann steht – als Berufstätige, ewig Mädchenhafte, Erfolgreiche, Reiche, dem Manne Gleichende, Hübsche, Attraktive, Fitness- und Figurbewusste! Die Frau wird zum Objekt der Frauenverplanung, der Gleichstellungspolitik, der Gender-Equality-Bemutterung. Mann oh Mann: Die Frau wird selber vom Staate, von der Politik bemuttert und zum Objekt von Kommerz und Politik herabgewürdigt: Sexualobjekt vom Alter von 13 oder 14 Jahren an, Politikobjekt, Gender-Mainstreaming-Objekt.

Das Mütterliche wird in die Rumpelkammer verbannt. Gestern fiel mir das Sprichwort wieder ein, als ich sah, wie die beiden Hündchen vom Lilli-Henoch-Sportplatz zu Füßen meiner Mutter so glücklich herumtollten.

„Das Paradies liegt zu Füßen der Mütter“ – so hörte ich das vor 2 Jahren auch hier in Kreuzberg. Eine deutsch-türkische Mutter vertraute es mir im taz-Café in der Rudi-Dutschke-Straße an. „Das kennen Sie sicher, oder?“ Ja, ich kannte das Wort – es dürfte aus den Hadithen stammen,  aber ich wollte mich vergewissern, dass auch andere es kennen!

Heute gab ich dies türkische Sprichwort ebenfalls zum besten – im Kreuzberger Himmel – nach dem Fest der Kreuzerhöhung in St. Bonifatius, wo ich eifrig zusammen mit Jung und Alt, mit Frau und Mann mitgefiedelt hatte.

Neben die Kreuzerhöhung, die Hochschätzung des Gedemütigten, des Geschlagenen, des Gescheiterten, des Allerschwächsten, also des Gekreuzigten tritt im Christentum ebenfalls eine deutliche „Muttererhöhung“ in Gestalt Marias. Zu Füßen des Kreuzes! Kreuzerhöhung – Muttererhöhung!  Beide scheinen ineinander zu fließen.

Bild:
Inbild der mütterlichen Frau – eine Retrospektive für Yildiz Sür – Plakat in Turgutreis, gesehen am 23.07.2013

Lesehinweis:
Annemarie Schimmel: Meine Seele ist eine Frau. Das Weibliche im Islam. Kösel Verlag, München 1995, hier insonderheit: „Die Mütter“, S. 88-96, bsd. S. 88

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Die Dame Emma

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Sep 142013
 

Emma

Herrlicher, durchsonnter Tag, goldfadendurchwirktes Kreuzberg! Wir statten dem Gingko biloba im Mendelssohn-Bartholdy-Park einen Besuch ab, Goethes Gedicht „Dieses Baums Blatt …“ lese ich meiner Mutter aus diesem Blog vom Bildschirm des mitgeführten Handys vor: „Das ist mein Tagebuch, das ich immer bei mir trage, und in das ich unverhoffte Begegnungen von Straßen, Plätzen, Orten, Menschen eintrage!“

Unverhoffte, gute Begegnung am Lilli-Henoch-Sportplatz vor dem Anhalter Bahnhof! Ein Zwerg-Chihuahua-Hündchen, kaum über ein Jahr alt, tobt, tollt und spielt mit einer etwas größeren Hundedame, dass es eine Wonne anzusehen ist. Dabei sehen die beiden sich zum ersten Mal! Ich rufe die beiden, die sofort heranspringen, zuversichtlich und zutraulich aufmerken, Worte oder auch etwa Essbares erwarten. Die Herrin der Chihuahua-Dame, die Emma heißt, ist nur eine Leihmutter, berichtet aber sehr schön aus dem Leben mit dem Pflegehund. Den „Fressnapf“, das Tierfutter-Paradies in der Stresemannstraße, kennt Emma schon. Und an der Kasse holt sie sich stets ihr Leckerli ab. „Sie weiß, was ihr zusteht!“

Einsicht: Das Leben ohne Haustiere ist möglich, aber ärmer.

Mir selbst lief in den italienischen Bergen einmal ein herrenloses Chihuahua-Weibchen zu, das ich dann bei italienischen Freunden in Pflege gab. Sie hieß Chicca und machte alle Wege rings um das Bergnest unsicher.

Im Bild: links unbekannte Hundedame, dann die Chihuahua-Dame Emma, dann der Fuß und  der Rollstuhl meiner Mutter

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„Du sollst deines Glaubens leben!“

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Sep 122013
 

Ein frisches gelbes Büchlein eines Stuttgarter Verlages aus dem Jahr 2012 schlug soeben der Kreuzberger Hausfreund zum Schall der Glocken von St. Bonifatius (r.-kath. = e‘) – oder war es der Schall der Glocken der ev. Christuskirche in der Hornstraße, die auf a‘ steht? – auf.

Die Bekehrung„, so lautet die herrliche Schnurrpfeiferei des Erzählers aus dem Jahr 2012. Ein Katholik bekehrt über Fernwirkung einen Lutheraner – und gleichzeitig bekehrt der Lutheraner über Fernwirkung den Katholiken zum Lutheraner.  Die beiden sind Brüder aus dem Westfälinger Land.

Der Kreuzberger ist hin- und hergerissen, staunt und fragt: Ja, wat denn nu?

Der schalkhafte Erzähler zieht den Schluss: „Du sollst deines Glaubens leben, und was gerade ist, nicht krumm machen. Es sei denn, dass dich dein Gewissen selber treibt zu schanschieren.“

Quelle:
Johann Peter Hebel: Schatzkästlein. Ausgewählt von Richard Müller-Schmitt. Philipp Reclam jun. Stuttgart 2012, S. 47-49, hier insonderheit S. 49

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„Tous ruinés dans dix ans?“ „Sind die Euro-Staaten in 10 Jahren alle bankrott?“

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Sep 042013
 
2013-09-01 14.41.22
Der leicht zum Schmollen aufgelegte Kreuzberger (siehe Bild!) schmökert noch einmal genüsslich in Jacques Attalis spannendem Buch „Tous ruinés dans dix ans?“, erschienen im Jahr 2010, das ihn damals stark in seinen volkswirtschaftlichen Analysen mitprägte.  Zahlreiche Entwicklungen hat Attali zutreffend vorausgesagt; er erwartete damals, im Jahr 2010, stark ansteigende Spannungen innerhalb des Euro-Währungsverbundes; er entwarf auch ein mögliches düsteres Szenario, das etwa 2020 zum Auseinanderbrechen des Euro-Verbundes führen werde, und zwar wegen der auf Dauer nicht beherrschbaren Staatsverschuldung, die von den starken EU-Volkswirtschaften allein (bsd. Deutschland) nicht mehr geschultert werden könne (Le scénario du pire, Kapitel 6).
Staaten, so führt Attali aus,  verschulden sich seit Menschengedenken namens ihrer Souveränität im Bewusstsein ihrer „Ewigkeit“; sie glauben nicht daran, dass sie je scheitern könnten. Und doch gab es in Europa viele Staatsbankrotte, ausgelöst durch Überschuldung, Verschwendung, Misswirtschaft, Kriege und Eroberungen. Ein Beispiel: „Le 10 décembre 1893, le Premier ministre grec annonce, après cinquante ans de surendettement, le défaut de son pays“ – Staatsbankrott Griechenlands am 10.12.1893 (S. 82).
Die Staatsverschuldung ist in der Tat seit 2001  im Großen und Ganzen in den Industrieländern weiter angestiegen, sogar in Deutschland, das mehr Steuern einnimmt als je zuvor.
Super spannend find ich folgendes: Attali nimmt das Modell der sozialen Marktwirtschaft eines Ludwig Erhard/Konrad Adenauer in dessen Eigenart nicht zur Kenntnis – und Attali gleicht darin fast aufs Haar der heutigen Jakob-Kaiser-Angela-Merkel-CDU! Die ordoliberale Freiburger  Schule ist ihm offensichtlich unbekannt, er zitiert keinen einzigen deutschen Volkswirtschaftler. Sein Literaturverzeichnis bringt nur französische und englischsprachige Autoren! Ludwig Erhard wird nirgends erwähnt.
Die Frage drängt sich auf: War denn die alte Bundesrepublik Deutschland vor 2001 so schlecht, dass sie nun im Zeichen des Euro ihr ganzes Erfolgsmodell, das von 1948 bis 2001 höchst belastbar war, sang- und klanglos dem Euro opfert? Dazu findet im Bundestagswahlkampf keine richtige Debatte statt. Warum eigentlich?
Attali schlägt als Lösung – wie etwa die deutschen Grünen – die Vergemeinschaftung aller Staatschulden und die Ausgabe von Eurobonds vor, kombiniert mit einer starken zentralen Bankenaufsicht. Gerade heute verlangt in eben diesem Sinne EZB-Direktor Asmussen die zentrale Oberaufsicht der EU über alle Banken.
Das würde bedeuten, dass eine zentralistische europäische Instanz über Wohl und Wehe, über Sein oder Nichtsein jeder einzelnen Bank entscheiden darf – nicht der Markt, nicht die Eigner und schon gar nicht die einzelnen Staaten! Das ist Über-Staatswirtschaft, das ist ein weiterer Schritt zur EU-Planwirtschaft! Jeder kann sich ausmalen, was das etwa für die deutschen Sparkassen und Raiffeisenbanken bedeuten würde!
Von finanzpolitischer Subsidiarität, von Föderalismus ist in Europa kaum mehr die Rede. Wundern sollte uns das nicht. Weil halt leider niemand mehr Deutsch lernt. Das Deutsche hat furchtbar schlechte Karten in der EU – obwohl es die am häufigsten gesprochene Muttersprache der EU ist. Selbst  Bundespräsident Gauck hat ja in seiner Europa-Rede am 22. Februar 2013 vorgeschlagen, das Deutsche zugunsten des Englischen ganz aus dem zwischenstaatlichen Verkehr der europäischen Länder zu ziehen.
Das völlige Verleugnen der guten deutschen Traditionen, die Selbstaufgabe der Mutter- und Wissenschaftssprache  eines Goethe, Albert Einstein, Franz Kafka, Hannah Arendt, Heinrich Heine, Rainer Maria Rilke, Karl Marx, Ludwig Erhard, Sigmund Freud, Ursula Goetze (ehem. Kreuzberg, Hornstraße 3) oder Immanuel Kant zugunsten des Englischen und allenfalls noch des Französischen, die Selbstaufgabe der sozialen Marktwirtschaft und der ordoliberalen Schule der Volkswirtschaft durch uns Deutsche selbst, diese Preisgabe der guten deutschen Traditionen sogar durch die aktuelle Bundesregierung unter Bundeskanzlerin Merkel und sogar durch den Bundespräsidenten Gauck finde ich unendlich traurig, ja niederschmetternd. Traurig finde ich den unnötigen Verzicht auf die deutsche Sprache, traurig das hinterrücks durchgesetzte Aufgeben der staatlichen Souveränität der Bundesrepublik Deutschland zugunsten eines Währungs- und Machtverbundes, der selber bisher keinerlei legitime Staatlichkeit für sich beanspruchen darf. Wir Bürger sind dazu nicht gefragt worden! Das ist nicht die Freiheit, die wir meinen!
Traurig ist auch, dass die volkswirtschaftliche Debatte in den Euro-Ländern, ja sogar in den eigentlich benachbarten Ländern  Deutschland und Frankreich so komplett unterschiedlich verläuft. Das kluge, profunde Buch von Attali ist ebenso ein Beleg dafür wie die durchweg national – nicht europäisch – gesonnenen Verlautbarungen des Spitzenpersonals in Ländern wie Frankreich oder Italien. Es lohnt sich, die volkswirtschaftliche Literatur in den anderen Sprachen der EU zu lesen! Damit die Länder der EU nicht so komplett aneinander vorbeireden wie bisher, hélas!
Buchtipp:
Jacques Attali: Tous ruinés dans dix ans? Dette publique: la dernière chance. Paris, Fayard 2010
Bild: ein schmollender Kreuzberger, Aufnahme vom Park am Gleisdreieck, bei der Halfpipe, 01. September 2013
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Wider die allgegenwärtige Bemutterungspolitik, wider die Bemutterungspolitikerinnen und Bemutterungspolitiker dieses unseres Bezirks, Landes, Kontinents!

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Sep 032013
 

Langgraswiese 2013-08-11 17.35.24

Der arme Kreuzberger, der im Kiez zwischen dem zweithöchsten Berg Berlins, dem Kreuzberg und dem Landwehrkanal wohnt,  stimmt dem Ex-Bürgermeister Franz Schulz (Grüne) zu: Uns Kreuzberger „prägt ein tiefes Grundmisstrauen gegen das, was von oben kommt“ (Kreuzberger Horn Nr. 20, S. 15). Und deswegen sind wir widerständigen Kreuzberger auch gegen alle staatliche oder obrigkeitliche Lenkungs- und Planungswirtschaft, ob das nun das berühmte grüne „Heizpilzverbot“, der berühmte „Mietspiegel“, die sofortige Mietenkappung bei 4 Euro kalt, das Kreuzberger Verbot vollverkachelter Badezimmer,  oder der „Milieuschutz“, oder die vorgeschriebene mietensteigernde energetische Fassadenversiegelung,  oder die „Eurorettung“ oder das „Umwandlungsverbot“ oder die „Energiewende“ ist.  Jetzt haben sie in Friedrichshain-Kreuzberg noch ein Verbot verhängt, religiös veranlasste Feste wie etwa das Ende des Ramadans (das Zuckerfest) oder den Weihnachtsmarkt auf öffentlichem Grund oder in öffentlichen Gebäuden zu feiern! Lest selbst:

http://www.berliner-kurier.de/kiez-stadt/ramadan-tamtam-kreuzberg-verhaengt-feier-verbot-fuer-christen-und-muslime,7169128,24156170.html

O teure Bemutterungspolitikerinnen und Bemutterungspolitiker aller Parteien! Wollt ihr denn überall nur noch kulturelle tabula rasa machen – und wollt ihr dann eure Klimaschutz-Ersatzreligion oder eure Euro-Ersatzreligion oder eure Gender-equality-Ersatzreligion oder die antirassistische Pippi-Langstrumpf-Ersatzreligion einführen? Wollt ihr wahrhaftig die gender equality oder den Euro oder den Klimaschutz oder das Verbot des öffentlichen Feierns religiöser Feste oder das Heizpilzverbot zum unerschütterlichen Fundament des Wohlergehens erklären? Das wäre doch obrigkeitlicher Zwang!

Glück, Wohlergehen, Freiheit muss von unten wachsen. Wir nennen es Subsidiarität. Wir brauchen ein tiefes Grundvertrauen in das, was von unten kommt – also in die Freiheit und Würde des Menschen, in den Einzelnen, in die Familien, in das, was da ist, also in die Natur, in die Väter und Mütter! Die niedrigere, die Graswurzelebene muss gestärkt und vor den allgegenwärtigen Eingriffen der Politik geschützt werden.

Wir brauchen keine Von-oben-Transformation und auch keine Von-oben-Konservierung der Gesellschaft durch Euch Politiker! Lasst ma schön die Hände von! Liebe Bemutterungspolitiker aller Couleur: Lasst uns Widerborstige  und mündige Menschen ma machen! Wir brauchen eure Bemutterung nicht! Wir brauchen eure Planwirtschaft nicht. Teure PolitikerInnen! Nehmt euch nicht so wichtig! Bemuttert uns Völker doch nicht mit Heizpilzverboten, Euro-Weltbeglückungs-Religion, Ramadanfeierverboten, Zweckentfremdungsverboten für Mietwohnungen usw. usw.

Lasst es ma gut sein. Ihr quält uns mit euren Lenkungs- und Planungswirtschaften! Lasst uns selber wirtschaften! Lasst uns die Marktwirtschaft!

Quelle:
„Lasst euch nicht auseinanderdividieren“. Interview mit dem bisherigen Bürgermeister Franz Schulz. In: Kreuzberger Horn. Zeitschrift für den Kiez zwischen Kreuzberg und Landwehrkanal. Nr. 20, Sommer / Herbst 2013, S. 14-27

Foto: Ein Blick über die naturnahen Langgraswiesen, Park am Gleisdreieck, 11.08.2013

 

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Brava bravissima!

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Sep 022013
 
Merkelianer 2013-08-23 10.45.41
Brava, bravissima, verehrte Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel! Alle sind Merkelianer. Grandiose, großartige Merkel gestern im Kanzlerduell auf den vier wichtigsten Kanälen. Sie steckt sie alle in die Tasche. Sie schlägt auch den Raab, aber so was von locker. Man muss es ihr glauben: „Der Euro sichert unseren (=den deutschen) Wohlstand.“ Zentrales, erneuertes, gleichsam religiöses  Glaubensbekenntnis Angela Merkels zum Euro im Kanzler-Duell! Und das nach 6 Quartalen Wirtschaftsrückgang in der EU unter dem Euro, deutlich verschlechterter Gesamtlage der EU seit der Euro-Einführung, massiver Arbeits- und  Jugendarbeitslosigkeit in GR, IT, ES unter dem Euro, weiter bestehender  Rezession in den Schuldnerstaaten des Südens, durch die Decke schießender Staatsverschuldung der Euro-Staaten einschließlich Deutschlands.  Erkennt es, oh Merkelianerinnen aller Parteien. Believe me:  Der planmäßig gelenkte und lenkende Euro (nicht die Freiheit, nicht die Marktwirtschaft) ist das unerschütterliche Fundament von Merkels Europa-Politik. In aller Klarheit hat sie es erneut im Kanzler-Duell bekräftigt.  Merkel toppt sie alle, steckt sie alle in die Tasche! Eurofromme Merkel, merkelfromme Medien! Winzige Einschränkung: Schwache, allerschwächste Vorstellung der vier  merkelfrommen Journalisten. Sie hätten unbedingt bei Merkels quasi-religiösem Glaubensbekenntnis zum Euro als der „Sicherung unseres Wohlstandes“ einhaken müssen. So aber – sind sie halt alle durch die Bank einfach nur euro- und merkelfromm. Auch Stefan Raab. Schade, Stefan. Mensch, Stefan, alter Komiker, alter Schwede,  was ist mit dir los!? Grandios auch Merkels Bekenntnis zur Agenda 2010 und zu den nötigen Sozialreformen! Schröder (SPD) beschritt den bitteren Weg der nötigen Reformen, er bezahlte bitter dafür. Mein persönliches Fazit: Brava, bravissima, Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel!
Bild: … und noch 2 weitere überzeugte Euroretter, die Direktkandidaten im Bundestagswahlkreis Friedrichshain-Kreuzberg / Prenzlauer Berg Ost:
Götz Müller, CDU
Hans-Christian Ströbele, Die Grünen/Bündnis 90
Aufnahme von der Stresemannstraße, 23.08.2013
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