Feb 282014
 

Kinder brauchen

– Gemeinschaften, in denen sie sich geborgen fühlen

– Aufgaben, an denen sie wachsen, und

– Vorbilder, an denen sie sich orientieren können.

So hat das Gerald Hüther formuliert; diesen Satz habe ich mehrfach schon von Sozialarbeitern und Psychologen mit einhelliger Zustimmung als Zitat vernommen. Die Psychologen und Sozialarbeiter, mit denen ich sprach, beklagen umgekehrt, dass den ihnen anvertrauten Kindern und Jugendlichen eben genau dieses schmerzhaft fehle. Ich fasse die Gespräche so zusammen:

Nicht Normensetzung als solche, nicht abstraktes Regelwissen über das Richtige und Falsche – etwa vermittelt im Ethik-Unterricht – brauchen die Kinder. Sie brauchen über einen längeren Zeitraum hin das gelebte Vorbild mindestens einer älteren Person, die verlässliches Leitbild wird. Sie brauchen über einen längeren Zeitraum die Geborgenheit: Da gehöre ich hin. Diesen Rahmen nimmt mir niemand weg. Und sie brauchen das Zutrauen durch Ältere, etwa durch die Eltern, dass die Kinder im Laufe der Jahre immer schwierigere Aufgaben bewältigen werden. Sie brauchen den Zuspruch: Du schaffst das. Ich vertraue dir.

Ich unterstütze diese Einsichten. Sie treffen den Nagel auf den Kopf.

Jetzt bleibt die große Frage: Woher kommen grundsätzlich diese hegenden, fordernden und stützenden Erfahrungen? Welche Institutionen schaffen diese Grunderfahrungen: Krabbelgruppe, Schule, Kindergarten, Sozialarbeiter, Psychologe, Vereine, Jugendzentren?

Meine persönliche Antwort: Keine dieser Institutionen kann im Regelfall genug an diesen Erfahrungen schaffen. Nein, in aller Regel und grundsätzlich soll und wird es die Familie und zunächst einmal  die Familie sein, die dem Kind diese Erfahrungen vermittelt. Und für die Familie ist grundlegend die Eltern-Kind-Beziehung. Was Vater und Mutter angeht, so dürfte die Mutter-Kind-Beziehung der Vater-Kind-Beziehung vorausliegen. Der Vater kommt als notwendiger Dritter zur Mutter-Kind-Beziehung hinzu.

Die Familie, begründet auf dem Eltern-Kind-Verhältnis, legt in aller Regel den Keim des gelingenden Lebens.

Eine Gesellschaft wie unsere hingegen, die so offenkundig das „Ich will’s-so-und-so“-Prinzip verkündet, wird sich nicht halten können.

Politik, Industrie, Schule und Massenmedien lehren heute meist etwas anderes: Als vordringliches Ziel des Wirtschaftens wird größtmöglicher Erfolg des einzelnen im Berufsleben sowie  Wohlstandsmaximierung  angesehen. Als vordringliches Ziel der Politik wird die Herstellung der „idealen Gesellschaft“ angesehen. So wird es als schreiender Miss-Stand herausposaunt, dass Frauen weniger verdienen als Männer, dass Frauen weniger DAX-Führungspositionen innehaben als Männer, dass Sorge für Kinder und Haushalt immer noch meistens von den Frauen geschultert wird, dass die Einkommensunterschiede in Deutschland so groß sind usw. usw.

Aus der Sicht der Kinder ist das alles nicht so schlimm! Es ist ihnen sogar völlig schnuppe. Sie brauchen keine Mutti im DAX-Vorstand, sie brauchen die Mutter oder den Vater verlässlich zuhause. Schlimm ist es aus Sicht der kleinen Kinder, wenn ihnen Geborgenheit fehlt, wenn ihnen das gelebte Vorbild beider Eltern fehlt, wenn der tragende Rahmen der Familie nicht hält. Aus der Sicht des kleinen Kindes spielen materielles Wohlergehen, Handys, Spielkonsolen usw. keine prägende Rolle.

Viel wichtiger sind für Kinder die tagtäglich erlebte Liebe und Fürsorge durch eine bestimmte oder einige wenige bestimmte Personen.  Der Staat, die Politik, die Pädagogik sollten sich nie im mindesten erdreisten oder auch nur den Anschein zu erwecken versuchen, sie könnten den überragenden Rang der Familie für Glück und Wachstum der Kinder ersetzen.

 Posted by at 10:46
Feb 242014
 

„Jedes Lebensjahr mehr bringt für die Frau einen Punkteabzug!“ So beredt klagte einmal Bascha Mika, die bekannte taz-Chefin, die jetzt zur FR wechselt, wozu wir armen Kreuzbergerinnen ihr von Herzen alles Gute wünschen.

In der Tat, die alte oder auch alternde Frau hat es schwerer, sich auf dem Markt zu behaupten, als der alte oder alternde Mann. Dies zu leugnen wäre sexistisch verblendet.

Freundinnen, dennoch gibt es ein Kriterium, das bei Frauen noch verheerender auf die Karrierechancen wirkt als das Lebensalter: starkes Übergewicht. Eine Frau mit starkem Übergewicht schafft es heute nicht mehr in die Öffentlichkeit; sie kann notfalls Rüschenblusen tragen, sie darf ruhig mehrfache Mutter oder (schlimmer noch) eine jener übel beleumundeten  Nur-Hausfrauen-und-Mütter sein, aber sie wird sich mit 10 oder 20 kg sogenanntem „Übergewicht“ gegen die Phalanx der ewig knabenhaften, nahezu alterslosen, kein Gramm zuviel aufweisenden Top-und-Gala-Frauen nie durchsetzen. Das herrliche Gala-Interview mit Julia K. (41), die sich erfolgreich vom weiblich-mütterlichen Erscheinungsbild zum mädchenhaft-knabenhaften Erscheinungsbild herunterfastete, spricht Bände.

Leserinnen, Freundinnen, ich kenne keine übergewichtige Frau in Deutschland, die nicht an diesem Stigma litte. Ich kenne sogar einige Mädchen oder Frauen, die durch diesen öffentlichen Gleichschaltungsdruck schwer krank, ja lebensbedrohlich krank geworden sind.

Beliebiger Tatsachenbeweis dieses, wie ich meine, pathologischen Befundes: SCHROT&KORN, unsere bei Weib&Mann beliebte Öko-Zeitschrift, Ausgabe März 2014! Ich nahm sie vorgestern  beim Einkauf für WEIB&KIND beim Kreuzberger Bio-Markt in der Obentrautstraße mit. Man sollte annehmen, dass im Öko- und Naturkost-Bereich doch auch einmal eine normalgewichtige Frau abgedruckt würde …? Oder ein dicker backender Vati oder eine dicke backende Mutti mit mehreren Kindern? Pustekuchen! Im gesamten Heft gibt es nur schlanke und ranke, nur – nach barocken Kriterien – leicht untergewichtige Frauen. Sicher, es gibt auch mal alternde oder alte Frauen mit Fältchen. Das wäre ja noch schöner, wenn sogar bei uns Ökotussis nur glattgesichtige faltenlose Hungerharken abgebildet würden.

Aber es gibt keine einzige Frau mit Übergewicht, keine dicke, keine nach barocken Kriterien „normalgewichtige“ Frau mit weiblichen Rundungen im redaktionellen und auch nicht im werblichen Teil des Heftes.

Wirklich keine einzige? Haben alle Frauen in den Zeitschriften das Idealgewicht? NEIN! Es gibt eine dicke, mütterliche Frau in diesem Heft: Eine namenlose, nach quasi-amtlichen Kriterien stark übergewichtige, glücklich am Herd kochende Schwarzafrikanerin lächelt uns auf S. 111 von SCHROT&KORN mütterlich&fürsorglich zu. Sie wirbt für „Faires Bio-Palmöl“ von RAPUNZEL.  „Wir machen Bio aus Liebe“. Und SIE kocht offensichtlich mit Wonne aus Liebe zu ihren Kindern und Enkelkindern! Was wohl die BVV-Friedrichshain-Kreuzberg zu so einer sexistischen Werbung sagen würde, wenn jemand sich erdreistete, sie auf einer der vier bezirklichen Werbeflächen anzubringen? Eine Werbung für Bio-Palmöl, die sich dem rassistischen und sexistischen Gleichschaltungsdruck, der heute auf den dicken Frauen in der Öffentlichkeit lastet, widersetzt?

HERRLICH! Die schwarze Afrikanerin oder die Afro-Europäerin oder die Negerin oder die Afro-Deutsche oder die Mohrin (sind doch eh alles rassistische Ausdrücke)  darf das alles noch. Sie darf noch lächelnd kochen, sie darf noch ein paar Pfunde zuviel haben.

Nicht eine Bascha Mika, nicht eine Julia Klöckner und … und … und … alle … tutte quante!

Es gilt für Frauen im Lichte der Öffentlichkeit (nicht für Männer) das eherne Gesetz der medialen Gleichschaltung: DU DARFST NICHT ZUVIEL WIEGEN! Du darfst nicht mütterlich sein. Du darfst nicht einmal mütterlich erscheinen! Sonst wirst du nicht gewählt. Du schaffst es nicht in die GALA, nicht in die BUNTE, nicht in die SCHROT&KORN.

Ist doch eh alles eine Soße – oder eine mediale Pampe, was heute den armen europäischen Frauen abverlangt wird. O Afrikanerinnen, ihr habt es da besser!

 

 Posted by at 12:13
Feb 212014
 

Einen echten Gala-Auftritt legt eine Top-Politikerin hin: Innerhalb weniger Monate verlor Julia (41 J.) 17 kg! Vortrefflich! Alle jubeln, sie selbst am meisten. Endlich keine überflüssigen Pfunde mehr. Julia (41) sieht jetzt aus wie 31! Wow! Julia hat es geschafft, wo viele hunderttausende Frauen vergeblich hinstreben. Julia ist ein klasse VORBILD! Ab sofort gibt es für die Hunderttausenden, die es nicht schaffen, keine Entschuldigung mehr.

http://www.gala.de/lifestyle/trend/julia-leichtes-schwergewicht_1053205.html

Spitzenfrau Julia, im vorigen Leben auch mal Weinkönigin,  wirkt zehn Jahre jünger. Sie verkörpert jetzt in ihrer neuen markanten, jungenhaften Silhouette das Gala-Ideal der medientauglichen, rundum vorzeigbaren Frau: Kein Gramm zuviel, alles, was von fern an spezifisch Weibliches, oder schlimmer noch an Mütterliches erinnern könnte, ist sorgsam wegtrainiert, weggefastet. So muss es sein. So wollen es die Medien, von der GALA angefangen über die TV-Talkshows bis hin zur WELT.

http://www.welt.de/vermischtes/article125038375/Der-wundersame-Gewichtsverlust-der-Ex-Weinkoenigin.html

In Kleidung, Gewicht, Anmutung verkörpert Julia jetzt wundersam die moderne Spitzenfrau: klare Kanten, enge Jeans, die schmale, knabenhafte Silhouette, ein sorgsam geplanter, verführerischer Mix aus Männlich-Weiblich in der Garderobe sind heute gefragt. Nur so kann frau sich halten. Das Ideal ist in Werbung, Medien und Karriere die androgyne, mit Gender-Stereotypen souverän spielende, Gender-Erwartungen durcheinanderwürfelnde Frau.

Völlig ausgemustert, mega-out ist die mütterlich-barocke Frau. All die üppigen schwellenden Formen, die ein Rubens etwa hinmalte, sind ein absolutes No-Go geworden.   Die „mütterlichen“ Formen, eine „mütterliche“ Art, oder schlimmer noch das „Bemutternde“, das „Fürsorgliche“ sind das Schlimmste, was man einer modernen Frau heute nachsagen kann.

Für das „Fürsorgliche“ ist bekanntlich heute Mutter Staat zuständig. Deswegen (weil ja das Sozialsystem alle so spitzenmäßig auf Jahrzehnte hinaus versorgt) schenkte uns die neue Bundesregierung höchst vorsorglich auch die Absenkung des Rentenalters auf 63 Jahre.  Das „Mütterliche“ und das „Väterliche“ sind durch die Politik kulturell ersetzbar geworden. Das Kindererziehen und die Altenpflege wird ebenfalls weitgehend dem Staat anvertraut, der Beruf steht für die moderne europäische Frau selbstverständlich  an der Spitze der Top-Prioritäten. Kinder werden nach der nahezu kompletten Ausmusterung der mütterlichen Frau der vergangenen Jahrtausende durch Zuwanderung hochqualifizierter Frauen und Männer ins Land geholt. Alles prima, alles paletti.

 

 Posted by at 10:45
Feb 202014
 

Machs mit! 2013-07-09 20.05.03Machs mit! 2013-07-09 20.05.03 Machs mit! 2013-07-09 20.05.03Machs mit! klein 2013-07-09 20.05.03

„Ich will’s soft.“

Wie alt mochte das Mädchen sein, das damals im Juli 2013  offen, herausfordernd gegenüber der Hölderlin-Apotheke in der Kreuzberger Wilhelmstraße seine Lust auf Sex ausdrückt? 14, 16, 19? Es ist schwer zu sagen! Entscheidend bleibt, wie auf diesem Plakat der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung das Thema sexuelle Lust vorgeführt wird:
„Ich will‘s.“ So lesen wir alle es – ob Kind, ob Greis, ob Mann, ob Frau. Sex ist Teil des öffentlichen Lebens. Das Mädchen verkündet Tag und Nacht seine jederzeitige Einsatzfähigkeit und Einsatzwilligkeit.
„Ich will’s.“ Das Ich mit seinem Wollen steht unumschränkt im Mittelpunkt. Das Jetzt steht im Mittelpunkt.
Ich will’s.“ Ein Du ist im Sex nicht nötig.

„Ich will’s …!“

Wichtig ist – so wird es uns gegenüber der Hölderlin-Apotheke eingeschärft – die Verwendung des Kondoms, alles andere ergibt sich schon. „Mach’s – aber mach’s mit!“

Spannend auch: Das blonde, viellleicht 14 Jahre alte Mädchen, oder die junge Frau – wie wir korrekterweise zur Vermeidung von Buh-Rufen sagen müssen – ist Boxerin. Sie fordert den Kampf, sie fordert das unsichtbare Du zum Kampf auf. Sex ist also wie Boxen. Sex ist gewissermaßen eine körperliche Auseinandersetzung in Fairneß und Achtung vor dem Gegner. Einen Unterschied zwischen Mann und Frau darf es dabei nicht geben. Die Frau kann genauso zum Kampf herausfordern wie der Mann. Dies ist die unterschwellig verkündete Botschaft der heutigen Sexualaufklärung, wie sie in Plakaten, in Broschüren und Handreichungen durch Schule und Öffentlichkeit den Kindern und Jugendlichen eingepflanzt wird.

Was kommt heraus? Tja, Freunde, ich stelle fest: In den Köpfen und Herzen der Kinder ist alles schon klar, ehe sie überhaupt ein gewisses Alter, also die Pubertät erreicht haben. „Unsere Jungs und Mädchen wissen hier in Deutschland mit 10 schon vor der Pubertät mehr darüber, wie es gemacht wird, als wir Mütter in unserem reifen Alter von 40!“, lachten einmal zwei migrantische Mütter miteinander, denen ich in der U-Bahn zwischen Wittenbergplatz und Gleisdreieck in ihrer Muttersprache lauschen durfte.

Kein Zweifel: Sex ist in der Welt unserer 10-12 Jährigen etwas Alltägliches geworden. Ein Element des Alltags, wenn auch mit dem dreifachen Risiko AIDS, Schwangerschaft und sexuell übertragener Krankheit behaftet.

Das langsame Hinführen zu allmählich reifender, tastender, erwachender Sexualität kommt in der Bilder- und Erfahrungswelt der Jugendlichen fast nicht mehr vor. Die Bindung ans Du wird nicht mehr bewusst vermittelt. Das Mutter- oder Vater-Werden wird gegenüber den Kindern bereits öffentlich als horrende Gefahr an die Wand gemalt. Die endlos langen Phasen des Wartens, des Schmachtens, des Werbens, des langsamen Annäherns, des Pirschens und Schmeichelns verschwinden aus der Erfahrungswelt der Jugendlichen.

Die Unterschiede zwischen Mann und Frau werden abgeschliffen. Sex ist wie Boxen. Boxen ist wie Sex. In beidem gibt es keine Unterschiede zwischen Mann und Frau. So wird das zunehmend  gelehrt. Dafür gibt es jetzt auch Lehrstühle.

Ein herausragendes Dokument dieser Umerziehung einer ganzen Gesellschaft durch Industrie und Kommerz, durch staatliche Einrichtungen, aber auch durch die Verkünder einer neuartigen Geschlechtergleichstellungs-Ideologie  sind die Plakate der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung mit der zentralen Aufforderung: „Mach’s. Aber mach’s mit.“

 Posted by at 22:56
Feb 202014
 

Es zerreißt mir schier das Herz. Ein Todesopfer polizeilicher Gewalt hatten wir schon vor Wochen zu beklagen in unserem ukrainischen Bekanntenkreis. Allerdings erfolgte der mörderische Übergriff nicht in Kiew, folglich wird davon auch nichts berichtet in den westlichen Medien.

Es ist selbst für die in Deutschland lebenden Ukrainer und Russen, mit denen ich spreche, fast unmöglich, im ukrainischen Pulverdampf die Orientierung zu bewahren. Die meisten westlichen Beobachter (Journalisten, Politiker, „Experten“) flattern nur wirr durcheinander. Von den EU-Staaten, ja von der EU selbst kommt wenig Zielführendes. Sie kennen sich schlechterdings nicht aus. Sie stochern im Nebel. Falsch wäre es vom „Westen“, hier in diesen bürgerkriegsähnlichen Zuständen eine „Partei“ zu ergreifen und die amtierende Regierung ersetzen zu wollen. WAS KÄME DENN DANACH? Dieselbe Frage warfen wir bereits beim Thema Libyen, beim Thema Syrien auf. Sie stellte sich in 80er Jahren in Afghanistan, später in Iran, später in Irak.

Da passt  uns gut die Stimme Marina Weisbands in den Kreuzberger Kram: eine der wenigen ernstzunehmenden Stimmen aus Deutschland, die in vielerlei Hinsicht den Nagel auf den Kopf trifft. Marina Weisband muss man in Deutschland unbedingt ernstnehmen:

http://jetzt.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/585084/Es-tut-mir-weh-nicht-dort-zu-sein

Die EU-Staaten müssen sich in Ermangelung echter Einsichten in die tatsächliche Lage meines Erachtens für folgendes aussprechen:

1) Für das Rechtsstaatsprinzip. Staatlichkeit bedeutet Rechtlichkeit. An einem Zerfall staatlicher Zustände in Ukraine kann niemand ein Interesse haben.
2) Für die Legitimität der jeweils amtierenden, gewählten Regierung. Dies fällt schwer, aber es ist so. Staaten müssen einander als souveräne Gebilde anerkennen.
3) Gegen Gewalt. Verzicht der Demonstrierenden auf Waffen und auf Gewalt.
4) Für die Freiheit des Wortes. Gewaltfreie Dialogforen schaffen.
5) Recht und Ordnung als Grundlagen des Zusammenlebens anerkennen.
6) Demokratie beruht auf Spielregeln (Gesetzen). Diese Spielregeln müssen für alle gelten. Der Staat hat das Recht, sie durchzusetzen. Politiker müssen sich in Wahlen um ein Mandat bewerben.
7) Frieden für alle, Recht für alle, Freiheit für alle – das sind die obersten Zielpunkte politischen Handelns, nicht Macht, Einfluss, Wohlstand.

 Posted by at 11:41
Feb 152014
 

Ein anderes Licht auf Gram, Schmerz und Verzweiflung als unser Zeitgenosse Guy La Rosse wirft der am 2. Oktober 1614 in Glogau geborene Popsänger Andreas Gryphius. Auch er sieht wie Kanzler Guy den Menschen als ein Wesen, das in der Hand, also in der Macht eines anderen steht. Doch ist es eine Hand, die unsere Seelen-Mäuse nicht furchtsam ersterben und erstarren lässt. In dieser Hand friert der Mensch nicht. Noch im Schmerz über Krankheit, Plünderung, maßlose Zerstörung empfindet Andreas Greiff, wie er auch hieß, dass es ein hegendes, hütendes Gegenüber gibt – etwas Lebensspendendes, Lebenserhaltendes.

Zum heutigen Valentinstag sollen beide Stimmen laut und deutlich vernehmbar sein – die zur abgrundtiefen Verzweiflung erstarrende Stimme des russischen Kanzlers Guy – und die in aller Verzweiflung an das Wiederaufstehen glaubende Stimme des schlesischen Magisters Gryphius.  Beide Stimmen haben ihre Berechtigung. Beide Stimmen sollen gehört werden.

Auff den dritten Ostertag. Luc. 24.

Wie offt/ mein Licht/ wie offt vmbringt mich Angst vnd Weh!
Wie offtmals wil mir Trost/ vnd Glaub/ vnd Muth zerrinnen?
Wie offtmals kan ich mich vor Schmertzen kaum besinnen.
Wie offtmals ruff ich schon: mein Leben nun Ade.
Doch wenn mich dünckt/ daß ich im Elend itzt vergeh/
Vnd meine daß vor mich kein Mittel zu gewinnen/
So werd ich deiner Hülff vnd gegenwart recht innen/
Vnd daß in deine Hand ich eingeschriben steh:
Denn sagstu wie der Zorn deß Höchsten abgelehnet
Wie Gott mit mir zu fried’/ vnd wie du mich versöhnet.
Denn lern ich/ daß ich Fleisch/ gleich deinem Fleische sey.
Laß/ wenn ich nichts mehr schau/ mich deine Wunden schauen
Vnd wenn dem blöden Geist wird vor dem Tode grauen/
So steh! O höchster Trost der schwachen Seelen bey.

Zum Nachlesen:

http://gedichte.xbib.de/Gryphius,+Andreas_gedicht_13.+Auff+den+dritten+Ostertag.htm

 Posted by at 00:10
Feb 142014
 

Твоя душа в моих руках
Замрет, как мышь в кошачьих лапах,

„Deine Seele erstarrt in meinen Händen wie eine Maus in Katzenpfoten.“

Dieses Lied des russischen Popsängers Kanzler Guy, der auch unter den Namen Рыжий Канцлер, Канцлер Гийом де Ногаре, Guy la Rosse auftritt, fand ich bei meinen endlos langen, einsamen Steppenwanderungen durch die Weiten der russischen Blogosphäre.

Titel des Songs „Schatten an der Wand“.

Verzweifelt besingt der  am Johannistag 1979 in Swerdlowsk geborene Sänger und Dichter die Unmöglichkeit echter, erfüllter Liebe. Kanzler Guy, der Schattenfotograph der Gefühle, lässt den Klagegesang so enden:

Ich habe nie das Wahrsagen geliebt
Ich habe nie das Auferstehen geliebt
ich liebte nie mich zu grämen
Ich habe nie geliebt
Aber ich konnte nicht anders

 

Ein starkes, bannendes Manifest der Sehnsucht, das lange in meinen Ohren weiterklang!

Zum Nachlesen:

http://www.pobedish.ru/forum/viewtopic.php?f=49&t=1627&start=130

„Тень на стене“ (гр. Канцлер Ги)

Когда из яви сочатся сны,
Когда меняется фаза луны,
Я выхожу из тени стены,
Весёлый и злой.
Когда зеленым глаза горят,
И зеркала источают яд,
Я десять улиц составлю в ряд,
Идя за тобой.

Твоя душа в моих руках
Замрет, как мышь в кошачьих лапах,
Среди тумана не узнает меня,
И ты на годы и века
Забудешь вкус, и цвет, и запах
Того, что есть в переплетениях дня.

Ты спишь и видишь меня во сне:
Я для тебя лишь тень на стене.
Сколь неразумно тебе и мне
Не верить в силу дорог.
Когда я умер, ты был так рад:
Ты думал, я не вернусь назад,
Но я пробрался однажды в щель между строк
Я взломал этот мир, как ржавый замок,
Я никогда не любил ворожить, но иначе не мог.

Когда я в камень скатаю шерсть,
Тогда в крови загустеет месть,
И ты получишь дурную весть
От ветра и птиц.
Но ты хозяин воды и травы,
Ты не коснёшься моей головы,
А я взлечу в оперенье совы,
Не видя границ.

Тебя оставив вспоминать,
Как ты меня сжигал и вешал:
Дитя Анэма умирало, смеясь.
А я вернусь к тебе сказать:
Ты предо мной изрядно грешен,
Так искупи хотя бы малую часть.

Ты спишь и видишь меня во сне:
Я для тебя лишь тень на стене.
Я прячусь в воздухе и в луне,
Лечу, как тонкий листок.
И мне нисколько тебя не жаль:
В моей крови закипает сталь,
В моей душе скалят зубы страсть и порок,
А боль танцует стаей пёстрых сорок.
Я никогда не любил воскресать, но иначе не мог.

Когда останемся мы вдвоём,
В меня не верить – спасенье твоё,
Но на два голоса мы пропоём
Отходную тебе.
Узнай меня по сиянью глаз,
Ведь ты меня убивал не раз,
Но только время вновь сводит нас
В моей ворожбе.

Опавших листьев карнавал,
Улыбка шпаги так небрежна.
Дитя Анэма не прощает обид.
Ты в западню мою попал,
Твоя расплата неизбежна.
Ты знаешь это – значит, будешь убит.

Ты спишь и видишь меня во сне:
Я для тебя лишь тень на стене.
Настало время выйти вовне,
Так выходи на порог.
Убив меня много сотен раз,
От смерти ты не уйдёшь сейчас,
Но ты от злобы устал и от страха продрог,
Я тебе преподам твой последний урок.
Я никогда не любил убивать, но иначе не мог.

Я никогда не любил ворожить,
Я никогда не любил воскресать,
Я никогда не любил убивать,
Я никогда не любил,
Но иначе не мог…

 Posted by at 23:59
Feb 112014
 

Brocken_2014-02-04 11.24.36

„Wo wohnst du? Wo kommst du her? Wie lange spielst du schon Bratsche?“ So fragen mich meine neuen Mitspieler im Kirchenkreisorchester Alt-Schöneberg.

„Ich wohne ein gemächliches 5-Minuten-Moderato vom Dreifaltigkeitsfriedhof entfernt,“, antworte ich,  „wo Felix  neben seiner Schwester Fanny begraben liegt. 7 Minuten sind es von unserer Wohnung an der Fanny-Hensel-Grundschule vorbei bis zum Mendelssohn-Bartholdy-Park mit seinem Ginko Biloba, an dem ich gern das Gedicht Goethes aus dem West-Östlichen Divan rezitiere. Besucht  uns – 10 Minuten lauft ihr  bis zur Leipziger Straße 3, dem heutigen Bundesratsgebäude, wo die Mendelssohns ab 1825 ihr offenes, gastfreudliches Haus führten. Jetzt wisst ihr, wo ich wohne.“

Nach solchen munteren Gesprächen und Rätseln kehrte ich gestern wohlbehalten von einer Orchesterprobe aus Schöneberg nach Kreuzberg radelnd zurück.

Die Aufführung von Mendelssohns Lobgesang am 15. Juni 2014 wird die Wiedereröffnung der alten Dorfkirche Schöneberg preisen. Fast flossen uns Streichern gestern schon die Tränen.

Mendelssohn Bartholdy trifft in seinem „Lobgesang“ op. 52 einen innigen Ton, neu, unverwandt vertrauend wie die sich öffnenden Augen eines erwachenden, staunenden Kindes! Mendelssohn Bartholdy und auch seine Schwester Fanny Hensel sind sozusagen „Christen der ersten Morgenröte“, also Getaufte, deren jüdische Vorfahren noch keine Christen waren. In den Kompositionen der Geschwister, in den Zeichnungen, den Gedichten und Briefen tritt etwas Tastendes, Vorsichtig-Bittendes hervor, also das genaue Gegenteil von dogmatischer Gewissheit!

Dies wurde mir gestern am Beispiel  des mir aus dem Kreuzberger Osten anvertrauten hervorragend klingenden Instrumentes des Mittenwalder Meisters Michael Bitterer wieder klar. Ich finde mich – von der Geige herkommend – tastend, hinhörend in die deutlich größere Mensur der Bratsche hinein. Seit wenigen Wochen erst erschließe ich mir diese gegenüber der Geige doch soviel wärmere, abgründigere Schwester. Bratsche und Geige sind wie Judentum und Christentum, sind eines Stammes, verwandt und doch ganz anders. Die Dimensionen sind andere. Das Wesen ist dasselbe, verschwistert, mindestens ähnlich.

Mendelssohn selbst hat die jüdischen Psalmen und christlichen Schriftworte ausgewählt, kunstvoll ineinandergefügt und durch Musik verflochten.

Hört hier eine besonders herrlich aufstrahlende Stelle:

Wir riefen in der Finsternis:
Hüter, ist die Nacht bald hin?

Tempo I, moderato
Der Hüter aber sprach:
Wenn der Morgen schon kommt,
So wird es doch Nacht sein;
Wenn ihr schon fraget,
So werdet ihr doch wiederkommen
Und wieder fragen:
Hüter, ist die Nacht bald hin?

Hüter, ist die Nacht bald hin? Eine offene Frage!

Aufführung:
Sinfonie Nr.2 „Lobgesang“, F. Mendelssohn-Bartholdy, Sonntag, 15.06.2014, 19:00 Uhr, Dorfkirche Schöneberg

Ausführende:
Neuer Chor Alt-Schöneberg
Kirchenkreisorchester
Solisten
Leitung: Sebastian Brendel

Ort:
Paul-Gerhardt-Kirche

Musik anlässlich der Wiedereinweihung der Dorfkirche.

 Posted by at 23:26

Wandle dich und werde leicht

 Blogroll  Kommentare deaktiviert für Wandle dich und werde leicht
Feb 102014
 
Goethe sagt im „Gesang der Geister über den Wassern“:
Des Menschen Seele
Gleicht dem Wasser:
Vom Himmel kommt es,
Zum Himmel steigt es,
Und wieder wieder nieder
Zur Erde muß es,
Ewig wechselnd.
Ständige Wandlung, Nicht-Verharren, das ist das Geheimnis des Lebens.
In dieser Wandlung der Seelen hin zueinander ereignet sich Gemeinschaft.
 Posted by at 16:45

„Zwei Streifen. Schwanger. Panik.“

 Blogroll  Kommentare deaktiviert für „Zwei Streifen. Schwanger. Panik.“
Feb 082014
 

Machs mit! 2013-07-09 20.05.03Machs mit! 2013-07-09 20.05.03„Mach’s. Aber mach’s mit.“ „Gib AIDS keine Chance.“

So der aufmunternde, zupackende Slogan einer großen Präservativwerbungs-Plakataktion der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung.

AIDS.
Schwangerschaft.
STD  [=Sexually Transmitted Diseases, d.h.Geschlechtskrankheiten].

Geschlechtskrankheiten, Schwangerschaft, HIV – das sind die drei apokalyptischen Reiter der modernen  Sexualität, vor denen auf unseren Straßen klein und groß von Kindesbeinen an gewarnt werden. Die Botschaft, die die staatlichen Stellen verbreiten,  ist klar: Sex ist selbstverständlich und sollte in allen Variationen bedenkenlos zupackend ausgeübt werden, solange und soweit die drei großen Gefahren für das Glück und die Gesundheit der den Sex Ausübenden zuverlässig vermieden werden: Geschlechtskrankheiten, Schwangerschaft und AIDS.

Sex ist gut, soweit und sofern die drei großen Gefahren Schwangerschaft, AIDS und sexuell übertragene Krankheiten zuverlässig vermieden werden. Diese Lehre ist heute zentral verankert  im schulischen Sexualkundeunterricht, auf den Plakaten,  in den Ratgebern und den Broschüren, die reichlich an Kinder und Jugendliche ausgereicht werden.

Neuerdings rückt neben HIV, dem Kindesmissbrauch und den sexuell übertragbaren Krankheiten  die Schwangerschaft wieder als besondere gesundheitliche und soziale Gefährdung der Frau in den Blickpunkt. Lara Fritzsche hat dazu vor wenigen Tagen einen sehr profunden Artikel veröffentlicht. Er fängt so an:

An ihren ersten Gedanken erinnert sich Louisa Bartel noch genau. Sie schämt sich dafür, und doch – das weiß sie – wäre es heute wieder das Erste, was ihr in dem Moment einfiele. Sie hatte den Schwangerschaftstest neben der Toilette auf dem Badewannenrand liegen gelassen und war mit langsamen Schritten einmal die ganze Wohnung abgegangen. Als sie wieder ins Bad zurückkam, waren sicher drei Minuten verstrichen. Das Ergebnis: zwei Streifen, schwanger. Und ihr erstes Gefühl: Panik. Weil sie die vielen alten Ängste alle auf einmal wieder einholen.

Schwangerschaft wird heute in den Medien als etwa Krankmachendes, Angsteinflößendes, die Frau Entstellendes dargestellt. Etwa 10% der Frauen reagieren laut eine Studie der Universität London heutzutage  mit Essstörungen, mit Magersucht, Hungerperioden, Abführmitteln und Darmspülungen auf das medial grundsätzlich abgelehnte  Zustandsbild der Schwangerschaft. Gefragt ist heute die Kaschierung, Verleugnung, Unterbrechung oder ggf. Verkürzung der Schwangerschaft mittels planvollen Kaiserschnitts.

Schwangerschaft – ein unerwünschtes Ereignis. Zwei Streifen=Schwanger=Panik. Eine sehr schöne Erzählung hat zu genau diesem Thema vor wenigen Tagen der junge, in Russland lebende, folglich auf Russisch schreibende Autor Changeant Trapier mit seiner Erzählung Две полоски /Zwei Streifen vorgelegt. Er leuchtet hinein in all die Vorgänge des Erschreckens, des Nicht-Wahrhabenwollens, des Verleugnens, die mit diesem grundsätzlich unerwünschten Zustand der Schwangerschaft einhergehen.  Eine Frau, die ungewollt schwanger geworden ist, sendet dem Erzeuger des Kindes einen Umschlag mit dem Pappträger, auf dem die zwei verhängnisvollen  Streifen zu sehen sind. Wie reagiert nun der Mann? Es lohnt sich, diese sanft und unaufdringlich  auf mehreren Ebenen zugleich spielende Erzählung des französischen Schriftstellers  zu lesen, der für einen Mann eine erstaunliche Einfühlungsgabe in die Psyche einer schwangeren Frau, mehr noch in die Psyche eines ungewollt zum Vater werdenden Mannes  beweist.

Zwei enge Freunde – Reinhard und Gottfried – unterhalten sich von Mann zu Mann über die verräterische Botschaft der zwei Streifen.  Ein Zitat:

Готфрид улыбнулся и вдруг его взгляд упал на картонную полоску, лежащую поверх черновиков статьи, исчирканных пометками Рейнхарда и Вебера. Его рука дрогнула и кофе выплеснулся, обжигая ему пальцы. Готфрид аккуратно поставил чашку между бумагами и ладонь стиснула край стола, так сильно, что костяшки пальцев побелели. Рейнхард знал, что Готфрид не произнесет ни слова, но он прекрасно понимал, что надо спросить, и возможно он сам получит объяснения.

—Марике прислала, ничего не понимаю. Знаешь, что это?

—Да, —через силу трудно проговорил Готфрид, —Знаю.

—И что же? —Рейнхард сделал еще глоток горячего кофе, он знал, что Готфрид не скажет, если не спросить.

Но друг молчал. Рейнхард удивленно поднял глаза, и увидел, что Готфрид бел, как бумажный лист. Не глядя на него, Готфрид отпустил край стола, за который держался так крепко, словно не мог стоять без поддержки, закинул руки за шею и начал наощупь развязывать узел шнура. Развязал.

—Это ребенок, Рейнхард.

Dieser kleine Abschnitt aus der längeren Erzählung zeigt zugleich auch, was hinter der Ablehnung der Schwangerschaft stehen dürfte: die Angst davor, ein Kind in die Welt zu setzen. Ein KIND also! So ein Unfall! Ein vermeidbarer Unfall obendrein. Hinter der Ablehnung der Schwangerschaft dürfte in unseren Gesellschaften  häufig auch die Ablehnung des Kindes stecken. Ein Kind, das bedeutet letztlich das Gefühl, dass etwas ins Leben der Erwachsenen eintreten könnte, das Karriereplanungen, Vorzeigbarkeit und Fitnessprogramme durcheinanderbringt. Hinter dem großen, zu vermeidenden Unfall Schwangerschaft lauert also der größere zu vermeidende Unfall Kind.

Tja, Freunde, so ist das heute. Schwangerschaft ist ein krankheitsähnlicher Zustand, das Kind ein vermeidbarer Zufall oder Unfall. So wird das heute landläufig dargestellt.  So wird es den Kindern und Jugendlichen heute beigebracht.

Ich empfehle den profund schürfenden Essay von Klara Fritzsche über das tausendfach verfestigte Negativ-Image der Schwangerschaft und die subtil fesselnde Erzählung des auf Russisch schreibenden französischen Blog-Autors Changeant Trapier nachdrücklich der Lektüre der unermüdlichen Aufklärer, Warner, Mediziner, Psychologen und Lehrer.

Quellenangaben:

Lara Fritzsche:
Unguter Hoffnung. Süddeutsche Zeitung Magazin, Nummer 5, 31. Januar 2014, S. 8-13

nachzulesen hier:
http://sz-magazin.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/41477

Changeant Trapier:
Две полоски  [„Zwei Streifen“]. Post in trapier.livejournal vom 30. Januar 2014

nachzulesen hier:
http://trapier.livejournal.com/263523.html

 

 Posted by at 18:01
Feb 042014
 

2014-02-04 11.24.44Brocken_2014-02-04 11.24.36Brocken_2014-02-04 11.24.36

Erneut zog es uns heute den Brocken hinan. Kahl, windumtost liegt er vor unseren Augen. Über Omas Schlittenbahn und die Alte Bobbahn, schließlich den Neuen Goethesteig  führt der Weg den Vater und den Sohn hinauf. Der Schnee ist tagsüber geschmolzen und hat sich nachts zu einer Eisschicht verdichtet. Fragen verkürzen die Zeit. Die Beine laufen von alleine.

Das sind wichtige Fragen:

„Kannst du aus 2 km Entfernung hören, ob die Dampflokomotive durch einen Fichtenwald oder durch eine Lichtung im Bergfichtenwald fährt, die Kyrill vor Jahren geworfen hat?“

„Und kannst Du über das Bodetal hinweg hören, wenn der Zug in einen Tunnel einfährt?“

„Kannst du durch dicke Mauern hindurch hören, ob das Wetter umschlägt, während wir im Brockenwirt unsere Erbsensuppe mit Bockwurst essen?“

„Kannst du das Geräusch fallenden Schnees hören?“

„Kannst du das Geräusch schmelzenden Schnees hören?“

 

 Posted by at 22:47