Mrz 292014
 
2014-03-29 14.10.40
Der Tag war insgesamt sehr gut. Die Sonne strahlte! Kreuzberg leuchtete.
Im Pflegeheim in der Wilhelmstraße versammelten sich die Altersweisen, die Kranken, die Schwerkranken und die Gesunden und zwei jüngere Musiker, eine Sängerin mit Gitarre – nennen wir sie die Ursel –  und ein junger spannenlanger Hansel mit der Geige. Wir spielten und sangen im hellen Sonnenschein Volkslieder für die Alten und Kranken: Im Märzen der Bauer die Rösslein einspannt, Komm lieber Mai und mache die Bäume wieder grün, Der Kuckuck und der Esel, aber in einem zweiten, gewagteren Teil auch Lieder, wie sie der von vielen, von leider  allzu vielen Fauen angehimmelte Max Raabe zum besten bieten mag, etwa Veronika, der Lenz ist da, Ich hab ’nen grünen Kaktus, und zu guter letzt die Capri-Fischer: Wenn bei Capri die Sonne im Meer versinkt. Schlicht, nicht frei von Sentiment, tastend in den Akkorden und Harmonien, in den improvisierten Glissandi und hingehauchten Smorzandi der Fiedel! Potz! Einem Max Raabe möcht‘ der spannenlange Hansel gern Paroli bieten!
Mannigfache Dialoge zwischen Alt und Jung umspannen die Lieder:
„Und woher kommen Sie eigentlich?“, fragt die Ursel eine der Altersweisen.
„Aus Berchtesgaden.“
„Und spielen Sie auch ein Instrument?“
„Ja!“
„Welches?“
“ Warten Sie … warten Sie … mmmhh …“, zögerte die Altersweise.
„Man braucht zehn Finger und zwei Hände dazu. Es ist groß. Wer weiß es?“, schaltete der Hansel sich ein.
„KLAVIER! Richtig, ein Klavier ein Klavier!“
Große Freude, dass wir alle diese Aufgabe gemeinschaftlich gelöst haben.
Der Kreuzberger Hansel hatte heute noch einen Erfolg mit seinem Gemüseauflauf, den er völlig in eigener Regie gekocht hatte: Kartoffeln, 2 große Stangen Lauch, Gewürze, geriebenen Käse, zwei Scheiben gehackte Salami, eine Ei-Sahne-Sauce darunter gehoben – siehe Foto. Dann ab, 40 Minuten in der Röhre überbacken, bis eine leichte goldbraune Färbung sich einstellte … Per-fekt.
„DAS schmeckt LECKER“, sagten die beiden 11-jährigen Jungs, die der Hansel heute  zu bekochen hatte. Ein großer Erfolg für den kochenden Kreuzberger Vater, denn es war völlig richtig, dass es gut schmeckte. Der Gemüseauflauf  ist auch noch gesund. Dazu gab es ungezuckerten frischgekochten Kräutertee. Alles bestens. Alles in Butter.
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Mrz 272014
 

„Для нас всегда Бах Бах / Für uns bleibt Bach immer Bach.“ So vertraute es uns vor wenigen Tagen eine Musiklehrerin aus der Stadt Керч oder auch aus der Stadt Керчь oder auch aus der Stadt Keriç an. Im Hintergrund spielten die Schüler gerade den Sommer von Vivaldi.

Leider brechen jetzt zwischen den Ukrainern und den Russen die jahrzehntelang schwelenden Feindseligkeiten eruptiv wieder auf. Leider stelle ich immer wieder fest, dass die nicht bewältigte Vergangenheit vor allem der Jahre 1917 bis 1951 sich wie Mehltau auf die Beziehungen zwischen den Völkern und den Staaten im einstigen Ostblock legt. Die meisten Ukrainer kämpften von 1941 bis 1945  mehrheitlich auf einer anderen Seite als die meisten Russen. Sie kämpften mit den Deutschen für die Befreiung vom russisch-sowjetischen Joch. Sie zogen das Bündnis mit Deutschland der Unterdrückung durch Stalin vor. Nach 1945 brannte der verheerende Bürgerkrieg noch 5 Jahre weiter. In der Sowjetunion war es nicht möglich, eine echte Aussöhnung zwischen den Ukrainern und den Russen herbeizuführen. Die brutalen Vertreibungen der Krimvölker, das unvergessene totalitäre Terrorregime, die berüchtigten репрессии  während der sowjetischen Herrschaft hat der russische Präsident erstaunlicherweise bei seiner Rede zur Annexion der Krim ungeschminkt beim Namen genannt.  Diese Passagen der Rede werden bei der Diskussion in westlichen Ländern stets geflissentlich unterschlagen.

In den Ohren klingt mir noch die herrliche Musik Bachs, die Suite Nr. 3 in C-dur für Violoncello solo, hier wiederum vor allem die unfassbar tröstliche Allemande, die Мстисла́в Ростропо́вич oder auch  Мстислав Ростропо́вич oder auch Mstislav Leopoldoviç Rostropoviç kurz nach der Öffnung der Berliner Mauer am ehemaligen Todesstreifen spielte.

Ich glaube: Der Todesstreifen des Hasses darf nicht breiter werden. Ich hoffe, dass das russisch-ukrainisch-tatarische  Jugendorchester der Musikschule in Керч/Керчь/Keriç schon bald den Winter des Ungemachs mit Vivaldis Sommer vertreiben wird.

 

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Mrz 222014
 

Im Gespräch mit Russinnen und Russen, Ukrainerinnen und Ukrainern, aber auch mit einigen „westeuropäischen“, insbesondere deutschen Russlandkennern außerhalb der Politik ergab sich unseren Blicken mit erstaunlicher Eindeutigkeit folgendes Gesamtbild:

Die gegenwärtige Krise in den Beziehungen Russlands mit einem Teil der Staatenwelt  ist im Kern eine Krise scheiternder Kommunikation. „Wir Russen fühlen uns unverstanden wie eh und je.“ Ja, sie fühlen sich unverstanden wie damals in den Jahren 1813 und folgenden, 1913 und folgenden. Und sie haben recht damit.

Wir schätzen diese Krise als ernst, aber nicht als ausweglos ein. Wie so oft, hat nicht nur eine Seite recht. Wie so oft, fehlt es an Menschen, die „treuesten Sinns hinübergehen und wiederkehren“, wie dies Hölderlin sagte.

Die westeuropäische und schlimmer noch die US-amerikanische Presse berichtet nur ausschnitthaft, hat sich in unerträglicher Weise auf einige wenige Schlagworte mit geringer Streubreite und geringer Tiefenschärfe eingeschossen; es fehlt den Journalisten an Rückgrat, sie schaffen es fast nie, beide Seiten – oder die mehreren Seiten der Konflikte – darzustellen. Die Redaktionen setzen die vorgegebene Linie beinhart durch. Fehlende Kenntnisse des Russischen lassen wir nicht als Entschuldigung gelten, obwohl sie ein Problem darstellen.  Auch ohne Kenntnisse des Russischen kann man sich durch direkte Gespräche mit Menschen aller beteiligten Länder sehr wohl ein einigermaßen vollständiges Bild machen. Das geschieht aber nicht! Die westlichen Medien liefern keine Rundumsicht. Sie liefern keine Tiefensicht.

Es herrscht bei uns eine viel zu starke Personalisierung auf die Gestalt des russischen Präsidenten vor. Es geht hier nicht um Putin, es geht um ganz Russland. Der russische Präsident kann sich gerade jetzt auf einen wachsenden Rückhalt in der Bevölkerung stützen, selbst unter denen, die ihm grundsätzlich sehr kritisch gegenüberstehen oder ihn ansonsten ablehnen. Die entscheidende Karte, die er ausspielt, ist die Karte der großen nationalen Erzählung Russlands. Diese Großerzählung über das russische Reich, das gestützt ist durch die Person des Herrschers, die verbindende christliche Religion, das Band der Menschen untereinander und das Band zum eigenen Boden, zieht sich – ganz im Gegensatz zum hochgradig zersplitterten Deutschland – durch alle Schichten des russischen Volkes – vom Akademiker bis zum Müllwerker.

„Unser ist durch tausendjährigen Besitz
Der Boden – und der fremde Herrenknecht
Soll kommen dürfen und uns Ketten schmieden,
Und Schmach antun auf unsrer eigenen Erde?“

Lest Friedrich Schiller, Wilhelm Tell, des zweiten Aufzugs zweite Szene! Diese Worte geben das Grundgefühl der überwältigenden Mehrheit der Russen bezüglich der Krim zutreffend wieder. – Schiller, ein Autor, der in Russland – erneut im Gegensatz zu Deutschland – weiterhin geschätzt und geehrt wird. Den könnte man auch in Deutschland wieder mal lesen, um die Russen besser zu verstehen. Was ist so schlimm an Friedrich Schiller, was ist so schlimm an Goethe, an Kant, an Sigmund Freud, an Franz Kafka, an Rudolf Virchow, an Hölderlin?

Wichtig bei der Krim-Debatte ist zu wissen: Sezession von Teilgebieten eines Staates ist häufig und ist auch erlaubt. Es gibt im Völkerrecht durchaus ein Sezessionsrecht. Staaten, die durch Sezession entstanden sind, im  „Abfall der Niederlande“ etwa, im „Rütlischwur der Schweiz“ etwa, sind jahrhundertelang erfolgreicher als solche, die durch zwischenstaatliche Verträge geschaffen worden sind: Belgien, Tschechoslowakei, Jugoslawien sind abschreckende Beispiele,  von den durch die europäische Diplomatie zusammengeschusterten heutigen afrikanischen Staaten ganz zu schweigen.

Für die Russ*innen ist es schrecklich zu sehen, dass man sich hier in Deutschland über den bösen bösen Taka-Tuka-Rassismus der bösen bösen Pippi Langstrumpf-Autorin Astrid Lindgren die Köppe zusammenschlägt, aber die wirklich wichtigen Autor*innen beiseite drückt.

Es herrscht – trotz all der Drohungen und Kränkungen, die hin- und herfliegen – ein großes politisches Schweigen, ein großes politisches Aneinandervorbeireden zwischen Russland und dem Westen. Not tut das gute, freie, das gelöste und lösende Wort.

Aber sprich nur ein Wort, so wird meine Seele gesund. Wer mag diesen halblaut gemurmelten Spruch noch kennen?

Wer murmelt diesen Wunsch noch?

 

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Mrz 212014
 

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Doch an Blumen fehlt’s im Revier
Sie nimmt geputzte Menschen dafür …

… diese Verse murmelte ich vor mich hin, als ich heute mit meiner Mutter den „Flaschenhals“ erkundete, also den neuen Teil des Parks am Gleisdreieck, der heute seiner Bestimmung übergeben ward. Hart, lärmend, tosend strömt der Verkehr auf der Yorckstraße dahin. Wir querten die Straße abseits der Ampeln, über hohe Bordsteine schob und hob ich den Rollstuhl.

Der Wind wehte heftig und blies den Hut meiner Mutter immer wieder weg. Die Leute lachten, ich hetzte dem Hut hinterher, der neugierig zwischen Grauwacke, zwischen verkrauteten, im Unbegehbaren endenden Gleisen und sorgsam plan verlegten neuen Bahnen kullerte.

Wir waren begeistert von den frisch hingegossenen Pfaden ins Uralt-Verschollene, jäh aufschießende Birken brachen die verschorfte Altasche der Erinnerung auf.  Ein Tässchen Kaffee mit Sandkuchen, genommen am Kiosk bei der Hornstraße, beendete den ausführlichen Rundgang; vor uns spielten und lachten kleine Kinder, ein Mädchen schrie aus Leibeskräften, als es von einem Fußball getroffen wurde.

 

 Posted by at 23:31
Mrz 192014
 

Die Politik und die Industrie verlangen immer stärker die Rundum-Verfügbarkeit aller erwerbsfähigen Menschen. Alle namhaften Parteien wollen die Erwerbstätigkeit von Frauen und Männern steigern, alle wollen vor allem, dass die Wirtschaftsdaten stimmen. Alle wollen vor allem, dass alle Frauen ab 18 und alle Männer ab 18 ein gesundes, zufriedenes Leben führen. Alle Erwachsenen sollen vor allem glücklich und zufrieden sein.

Keine Bundestagspartei traut sich hingegen, für die nicht wahlberechtigten kleinen Kinder und für die nicht mehr wählenden Uralten die Stimme zu erheben. Was wollen die nicht wahlberechtigten kleinen Kinder, was wollen die Uralten, all die Hunderttausenden von Pflegebedürftigen, die Dementen, die Inkontinenten, die „Altersweisen“ (wie ich sie nenne)? Antwort: Sie wollen und brauchen die Familie, das Nest, das Vater und Mutter bauen und sichern. Sie wollen und brauchen quirliges, nachwachsendes Leben, Geschwisterkinder, Enkelkinder, Zärtlichkeit, Fürsorge, wie sie eben auf lange Sicht nicht die Pflegedienste, nicht der Staat, nicht die Pflegeheime, die Kitas und Waisenhäuser, sondern nur die Verwandten leisten können. Die Geschlechterquote in den DAX-Vorständen ist ihnen egal. Equal Pay und  Girls Day  geht ihnen  so was am Allerwertesten vorbei. Die finanzielle Ausstattung der Pflegeversicherung schert sie nicht.

Die Sehnsucht aller Menschen richtet sich von Natur aus in den ganz frühen und den ganz späten Jahren auf Fürsorge, Verantwortung, Schutz, Geborgenheit, wie sie am besten die durch Vater und Mutter gebildete, durch Mutter und Vater getragene  Familie bieten kann.

Es gibt in Deutschland keine einzige namhafte politische Partei, die der vollständigen Familie, die dem Glück der ganz Kleinen und der ganz Alten  den Vorrang vor der Erfüllung von „Planzielen“, „Erwerbsquoten“, der „Sicherung des Sozialstaates“ einräumen würde. Keine traut sich das zu sagen. Dabei täte es dringend not. Der Kreuzberger Blogger selber trug dieses Ansinnen bei passenden Gelegenheiten übrigens mehrfach in der CDU vor und erhielt eine Abfuhr nach der anderen: „Wenn wir das sagen, was Sie Kreuzberger da vertreten und was ja auch richtig ist, dann wählen uns die Leute nicht.“ Feige nenne ich das.

Es ist also ein Überbietungs- und Feigheitswettbewerb der Parteien gegenüber dem Wahlvolk in Gang gesetzt. Welche Partei überbietet die andere im Glücksversprechen? Das ist die Gretchenfrage.

Im Mittelpunkt der heutigen Politik steht die femina oeconomica und der homo öconomicus. „Mütterlichkeit“ und „Väterlichkeit“ haben fast völlig ausgedient, der bundesdeutsche Sozialstaat hat sich zum fürsorglichen Leviathan gewandelt, der die Menschen trägt, nährt, sichert, zeugt, gebiert und beerdigt oder dies doch zumindest fälschlich zu leisten behauptet.

Über den überragenden, unersetzlichen  Rang der vollständigen, aus Mutter und Vater gebildeten Familie schreibt der Soziologe Walter Hollstein am 18.03.2014 in der Zeitung:

„Wir wissen empirisch sogar mehr. Wir kennen inzwischen die folgende Gesetzlichkeit: Es gibt einen klaren Zusammenhang von Vater-Präsenz und gesunder Entwicklung des Sohnes auf der einen Seite und von Vater-Absenz und der Gefahr des Scheiterns auf der anderen. Zum Spektrum dieses Scheiterns gehören innere Verwahrlosung, Sucht, Kriminalität, Gewalt, Depression und Suizid der allein gelassenen Söhne. Selbstverständlich brauchen auch die Töchter ihre Väter, etwa für den Erwerb eines realistischen Männerbildes – aber eben – belegterweise – doch weniger.“

via Väter sind wichtig – Nachrichten Print – DIE WELT – Debatte – DIE WELT.

 Posted by at 11:58
Mrz 162014
 

Ik gihorta dat seggen – „Ich hörte das sagen“. Die besten Dialoge hört man oft im Vorübergehen, zwischen Unbekannten, ungeplant, im Zug, im Restaurant, an der Theke.

So etwa diesen hier. Macht euch selber einen Reim drauf!

„Setzen Sie sich doch zu uns an den Tisch!“

„Nein, ich sitze lieber an meinem Katzentisch! Ich habe meine Gründe dafür!“

„Genießen Sie Ihren Katzentisch! Wir respektieren das! Der Katzentisch hält Sie jung und frisch.“

 Posted by at 22:16
Mrz 142014
 

2014-03-02 13.02.56

 

 

 

 

 

 

Schlimme Nachrichten höre ich von den Russen und den Ukrainern, mit denen ich privat spreche. Die Zeichen stehen in diesen Tagen auf Krieg zwischen Russland und Ukraine, wobei Russland meinen Eindrücken nach eindeutig die Rolle des Kriegstreibers ausführt. Die Ukrainer rechnen mit dem Schlimmsten. Moskau setzt offenbar alles daran, durch haltlose Greuel-Propaganda und verdecktes Einschleusen von eigenen Soldaten ins Staatsgebiet der Ukraine Fakten zu schaffen. Moskau wärmt dabei die uralte russische Reichsidee wieder auf: Russland als Herrscher, der Zar als „Friedensfürst“ über die umgebenden Völker.  Die ukrainischen Männer melden sich bereits scharenweise freiwillig zur Armee. Das lässt nur einen Schluss zu: Moskau versucht in diesen Tagen die Ukraine zu demütigen und dann durch militärische Aktionen die eigene Macht zu stärken. Ich meine: Klare Stopp-Signale an Moskau, an Putin, wie sie der Westen und insbesondere die Bundesrepubik Deutschland – Bundestag und Bundesregierung – senden, sind richtig. Ein Krieg dient den Menschen nicht. Die Menschen wollen den Krieg nicht, weder die Russen noch die Ukrainer wollen den Krieg.

Die Ukraine ist ein souveräner Staat. Staaten haben ein Recht darauf, die eigenen Probleme selbständig, ohne Gewaltanwendung von außen zu lösen.

Einer meiner russischen  Gesprächspartner fasste seine Einsichten in russischer Sprache so zusammen: „Украина может и должна самостоятельно разобраться со своими внутренними проблемами. Максимум, который может сделать Россия – принять беженцев, переселенцев, … Все! Ни армии, ни вмешательства, ни вторжения.“

Ukraine kann und muss mit seinen internen Problemen selbständig zurechtkommen. Das Maximum, was Russland leisten kann, ist die Aufnahme von Flüchtlingen und Übersiedlern. Mehr nicht! Weder Armee noch Einmischung noch Invasion sind angesagt.

Bild: vor der Russischen Botschaft Unter den Linden, Berlin, 02.03.2104

 Posted by at 15:12
Mrz 112014
 

 

 

2014-03-11 16.42.26

 

 

 

 

 

 

Gleich nach seiner Rückkehr aus dem Süden Kareliens unterhielt sich der Kreuzberger heute an Ort und Stelle mit einem engagierten  Kreuzberger Bürger über die gefährlichen, für Radler*innen schwer wahrnehmbaren Poller im Park am Gleisdreieck. Da gab es schon mindestens einen schweren Unfall mit einem Schwerverletzten. Die müssten kenntlich gemacht werden – durch Markierungen und Reflexstreifen, die auch im Dunklen zu sehen sind.

 Posted by at 22:18
Mrz 112014
 

Weit ab von den Diktaten des heutigen Jugend- und Schlankheitswahns verbrachte der Kreuzberger Blogger seine Kindheit im Kreise der Geschwister und Nachbarskinder. In Grundschule und Kindergarten wurde damals fleißig von unvollkommenen, gleichwohl liebenswerten Menschen gesungen, etwa vom spannenlangen Hansel, von der nudeldicken Dirn. Vom dummen Ivan und von der faulen Liese. Vom hässlichen Aschenputtel und vom unwirschen Rumpelstilzchen, vom dummen Hans im Glück und vom fleißigen Katerlieschen.

Das war gelebte Inklusion!

Wir alle waren „spannenlange Hanseln“, wir alle waren „nudeldicke Dirnen“. Was war so schlimm daran? Dick und rund, na und? WAS ist SCHLIMM daran?

Nebenbei: Wir lernten mit derartigen lustigen, auch wohl lächerlichen Liedern die Willkommenskultur von Vielfalt (ACCEPTING DIVERSITY, wie man heute hochtrabend auf Denglisch sagt), wir lernten, dass nicht alle gleich sind und auch nicht gleich sein müssen. Wir lernten uns bewegen. Wir lernten singen. Wir lernten Rhythmus nicht über die zugestöpselten Ohren eines I-pod-Anhängsels, sondern durch Singen, Zählen, Tanzen, Spielen.

Wir lernten einwandfreies Deutsch, wir lernten Lachen, wir lernten Schütteln, Rütteln, Hupfen.

Verdient hat an uns singenden, lachenden, tanzenden Kindern niemand. Im Gegenteil, das Singen von Liedern, das Tanzen von Tänzen war kostenlos. Es gab keine Konferenzen und Kongresse zum Thema ACCEPTING DIVERSITY. Das Thema wurde gelebt, gesungen, erzählt und vorgetanzt.

WAS WAR SCHLIMM DARAN?

Spannenlanger Hansel – Kinderlieder und Singspiele | Labbé Verlag.

 Posted by at 13:20
Mrz 112014
 

Soeben erst wieder aus den beschneiten Fichtenwäldern von der finnischen Seite Kareliens in die frühlingshaft erwärmte, märkische Metropole im Sand eingeflogen, nimmt der Kreuzberger Blogger in der gewohnten U6 vom Kurt-Schumacher-Platz zum Mehringdamm gleich wieder den harten, großstädtischen, scharfen Beat der kategorischen Imperative wahr, die heute buchstäblich aus allen Rohren auf unsere Jugendlichen einprasseln:

Sei smart, sei geil, sei dünn!“

Das ist es, was heute ausschließlich von den jungen Mädchen oder besser den jungen Frauen ab dem Alter von 13 Jahren verlangt und erwartet wird. Und genau dieses Ideal wird in der Moderatorinnenszene verlangt und Tag um Tag vor Millionen von jungen Frauen verkündet.  Es beginnt im Kinderfernsehen, etwa im KiKa,  und zieht sich durch bis in die Zielgruppe ab 65. Von früh in der U-Bahn bis spät in die Late-Night-Shows ist dies die Botschaft.

Die beliebte und erfolgreiche Moderatorin Katrin Bauerfeind bringt dieses durch Kommerz, Reklame und Industrie verfügte neue Weiblichkeitsideal in der U-Bahn-Werbung der U6 völlig eindeutig auf den Punkt. Im Alter von nun doch immerhin schon 31 Jahren spricht sie von ihren nagenden Ängsten, diesen kategorischen Imperativen nicht mehr genügen zu können:

„Man könnte ja immer geiler, smarter, dünner und besser sein.“

via Moderatorin: Katrin Bauerfeind: Angst vor dem Scheitern – B.Z. Berlin.

 Posted by at 12:20