Aus ἐν ἀνθρώποις εὐδοκία wird в человеках благоволение. Zu Lk 2,14

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Aug 312014
 

Erlöserkirche 2014-08-10 09.17.55

слава в вышних Богу, и на земле мир, в человеках благоволение

„Ehre in den Höhen Gott, und  auf der Erde Frieden, in Menschen Wohlwollen“

So übersetzt die russisch-orthodoxe Kirche in ihren maßgeblichen Ausgaben Lukas 2,14.

Verblüffend ist, dass die östlich-orthodoxe Übersetzung von einer etwas anderen, durch die ältesten Textzeugen gut gestützten griechischen Urfassung ausgeht als die römisch-katholischen und die lutherischen Fassungen! In einer Ausgabe des Novum Testamentum Graece, ed. Nestle / Aland, 27. Aufl. 1999, lässt sich ohne Mühe aus den Varianten des  textkritischen Apparates der vollkommen hieb- und stichfeste griechische Text erstellen, von dem die Kirche des Kyrill und Method ausging:

Δόξα ἐν ὑψίστοις θεῷ, καὶ ἐπὶ γῆς εἰρήνη, ἐν ἀνθρώποις εὐδοκία

Die beiden  entscheidenden Unterschiede zu den westlichen Kirchen liegen hier darin, dass благоволение/εὐδοκία (eudokia) im Nominativ steht und dass die Präposition ἐν räumlich inklusiv als в als „in“ übersetzt ist. Nicht die Menschen des „Wohlwollens“ Gottes werden genannt; vielmehr äußern die himmlischen Heerscharen einen dreigliedrigen Wunsch, eine dreigliedrige Beschreibung:

Strahlender Glanz/Leuchten/Schein/Ehre/Ruhm [wird, ist oder sei] in den Höhen dem Gott
und auf Erde [wird, sei oder ist] Friede,
in Menschen [ist, sei oder werde] Wohlwollen/Wohlgefallen/gutes Genügen/Zufriedenheit

Hier haben wir als Notbehelf in eckigen Klammern mehrere Verben eingefügt, die in diesem verblosen Stil hinzugedacht werden können.

Die eudokia, der Zustand des innigen Behagens und Wohlgefühles, ist also nicht etwas, was von außen auf die Menschen herabregnet; vielmehr quillt sie von innen hervor; sie ist gewissermaßen ein Widerschein des Geschehens dort droben.

„In den Herzen wird’s warm
still schweigt Kummer und Harm“

– diese treuherzig-einfältigen Zeilen des Kinderliedes geben das in den Ostkirchen Gemeinte sehr gut wider. Noch weniger ist dieses innere Wohlbehagen eine Gnade, die die Menschen sich mühselig erarbeiten müssten. Die eudokia, das holde Bescheiden, wie Mörike einmal sagte, ist ein unverdientes Geschenk, das von innen in Menschen aufscheint und zum Zustand des Friedens mit den anderen und mit der Schöpfung führt.

Das Weihnachtsgeschehen kommt unvermittelt, plötzlich (exaiphnes, Lk 2,13) zugleich in der Höhe wie auch „in Menschen“ zum Vorschein. Die griechische Wortwurzel ist hier eindeutig – doxa und eudokia kommen von derselben etymologischen Wurzel doke her. Sie besagt „scheinend“, „leuchtend“.

Was folgt daraus? Viel. Bei einem meiner letzten Russland-Aufenthalte feierte ich einen strahlenden, von Klang und Gesang erfüllten Gottesdienst in der Moskauer Christus-Erlöserkirche über die volle Länge von mehr als 2 Stunden mit. Es war am 10. August 2014. Dort trat ich in eine stumme  Zwiesprache mit der ausgestellten Reliquie Johannes des Täufers. Dort vollführte ich mit anderen zusammen die rituelle Prostration des byzantinischen Ritus. Ich warf mich also zusammen mit anderen Feiernden vor dem Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs, wie er sich in Jesus Christus gezeigt hat, ganzkörperlich und öffentlich auf den Boden nieder. Dort lauschte ich dem Evangelium in russischer Sprache und den Predigten des Patriarchen über die Angst als ständige Begleiterin im Schiffchen des Lebens. „Wir werden die Angst nicht los. Sie gehört dazu“, sagte er. Er sprach auch über den Wert des Betens. „Beten ist in unserer Gesellschaft aus der Mode gekommen. Wenige beten noch. Beten heißt durch Bitten etwas Herbei-Wünschen, was ohne dieses Wünschen vielleicht nicht eintreten würde.“

Mitten im August erblickte ich in dieser riesigen Hauptkathedrale der russisch-orthodoxen Kirche eine Weihnachtskrippe aufgebaut. Weihnachten wird also in der russisch-orthodoxen Kirche über das ganze Kirchenjahr hinweg in Erinnerung gehalten.

Die Christus-Erlöserkirche ist – dies sei nur nebenbei gesagt –  die Kirche, in der auch die russische Staatsmacht  neuerdings  so gern sich zum christlichen Glauben bekennt. Auch Präsident Putin lässt sich hier demonstrativ zu Weihnachten filmen, wie er in bescheidener, kindlicher Frömmigkeit ein Weihnachts-Kerzlein entzündet. Er bekennt sich damit öffentlich zum Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs, wie er sich zu Weihnachten in der Person Jesu Christi ankündigt.

Der Weihnachtshymnus der himmlischen Heerscharen, wie ihn Lukas gestaltet, ist ein kraftvolles Alternativprogramm zum Einsatz der Waffen und Panzer, zur Überwachung und Beherrschung der Menschen, wie sie die Politiker, die Staatsmächte,  derzeit diskutieren und einzudämmen versuchen. Denn christlich angeleitete Politik möchte weg von dem Mehr-Haben-Wollen. Sie traut den niedrigen Menschen mehr als den Mächtigen, sie findet ihren Weg eher zu den Katen der Hirten als zu den Palästen und riesigen Datschen der Mächtigen. Die Geschichte  von Weihnachten spricht alle an – im Osten wie im Westen, die Christen wie die Nichtchristen, zu Weihnachten ebenso wie in den Hundstagen dieses Augusts, der in diesen Minuten so ungewiss zu Ende geht.

Aber sie macht auch klar, dass der Friede kein Automatismus ist. Er ist ein plötzliches Aufscheinen mehr als eine Verhandlungsmasse, er ist ein Sich-Bescheiden in das strahlend Beschiedene, in das, was da gerade in den Menschen geschieht.

via Russian Bible: Luk-2.

Bild: So bot sich uns die Christus-Erlöser-Kathedrale in Moskau dar, als wir gemeinsam zu Fuß  am 10.08.2014 zur Liturgie wanderten.

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Oh gioia: Freude, der Götterfunke, das Weltenlächeln

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Aug 302014
 

Aus dem fernen New Hampshire, einem der 13 Gründerstaaten der USA, erreichte uns vor einigen TagenHl. Katharina 2014-01-03 10.28.03 hier in Kreuzberg eine Leserzuschrift zum Lächeln des Bamberger Engels. Dort in den USA wird offenbar das alte, das lächelnde, das glaubende Europa geschätzt, gewürdigt und geliebt!

 

 

 

 

 

 

 

 

Lest selbst:

Ciò ch’io vedeva mi sembiava un riso
de l’universo; per che mia ebbrezza
intrava per l’udire e per lo viso. 6

Oh gioia! oh ineffabile allegrezza!
oh vita intègra d’amore e di pace!
oh sanza brama sicura ricchezza! 9

Dante, aus dessen Paradiso unser Leser mitten im amerikanischen New Hampshire zitiert, schildert eine strahlende, von innen herausbrechende Freude. Der Leser schreibt:

„Das Lächeln des Bamberger Engels ist von unglaublicher Kraft, Ausdruck überbordender Freude.“

Der Bamberger lachende Engel entstand wohl etwa zur selben Zeit wie die Divina Commedia Dantes, und auch zur selben Zeit wie die Statue der Hl. Katharina von Alexandrien im Magdeburger Dom. Doch ist der Gesichtsausdruck Katharinas verhaltener, ruhiger, gefasster, dennoch nicht weniger sprechend als das selige Aufscheinen des Weltenlachens im Bamberger Engel.

Carl Streckfuß übersetzte diese Stelle (La Divina Commedia, Paradiso, Canto XXVII, Verse 4-9) mit folgenden Worten:

Ein Lächeln schien zu sein des Weltenalles,
Das, was ich sah, drum zog die Trunkenheit
Durch Aug’ und Ohr im Reiz des Blicks und Schalles.

O Lust! O unnennbare Seligkeit!
O friedenreiches, lieberfülltes Leben!
O sichrer Reichtum sonder Wunsch und Neid!

Wir danken Dante, danken dem einsamen Leser in New Hampshire für die Zuschrift, danken den unbekannten Bildhauern des 13. oder 14. Jahrhunderts von Bamberg und Magdeburg, danken dem vorzüglichen Übersetzer Carl Streckfuß – und wir beschließen diesen durchsonnten Nachsommertag mit einem überbordenden Lächeln ins Weltall hinein.

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Wieviel Bauchspeck braucht der gesunde Mensch? Das Vabanquespiel der europäischen Wirtschaftspolitiken

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Aug 302014
 

Dem Befund des damals amtierenden französischen Wirtschaftsministers Arnaud Montebourg, zitiert in der Monde vom 25. August 2014, dass das gegenwärtige Kabinett Merkel – gerade noch im Zaum gehalten vom Sozialisten Gabriel – eine „rechtsextremistische“ Finanz- und Wirtschaftspolitik betreibe, mussten wir unsere Zustimmung versagen.

Immerhin mag es das Bundeskabinett lehren, wie es sich anfühlt, aus berufenem Munde eines Freundes bei tiefgreifenden Meinungsunterschieden in der Finanzpolitik nicht bloß als „rechtspopulistisch“, „neofaschistisch“  oder als „Europafeind“, sondern so locker vom Hocker als „rechtsextremistisch“ bezeichnet zu werden. Die CDU soll also rechtsextremistisch sein! Ein Kommentar hierzu verbietet sich. Jeder möge seine Worte wägen.

Richtig ist zweifellos, dass die Wirtschaftspolitiken der wichtigsten Eurozonenländer Deutschland, Frankreich und Italien, die zu dritt bereits zwei Drittel der Wirtschaftsleistung der Eurozone erbringen,  einander seit vielen vielen Jahren konträr entgegenlaufen; das „quantitative easing“, also das „quantitative Lockern“, wie es der führende und mächtigste Wirtschaftspolitiker der Eurozone, der italienische EZB-Chef Draghi, derzeit im Frankfurter Tower vorbereitet, ist ja das genaue Gegenteil des soliden Wirtschaftens der berühmten schwäbischen Hausfrau, die wieder und wieder sagt: Wir können auf Dauer nicht mehr ausgeben als wir einnehmen.

Quantitative easing heißt: Wir müssen wachsen. Dazu wir müssen den Gürtel erheblich weiter schnallen. Denn der Bauchspeck der Wirtschaft, des  staatlichen Geldsegens wächst und muss wachsen, damit die gesamte Wirtschaft – gezogen von den Ausgaben des Staates – wächst. Dies ist die Grundhaltung der beiden staatszentrierten, politikfokussierten Volkwirtschaften Italien und Frankreich. In Frankreich gilt der Grundsatz: Der Staat, die Politik rettet alle. Der Staat zieht alle mit. Es hat so lange funktioniert, es wird auch weiter funktionieren. Denn Frankreich gibt’s schon sehr lange und wird es auch – ob mit oder ohne den Euro der Deutschen – weiter geben, Italien gibt es schon lange, mindestens 1000 Jahre, und wird es auch weiter geben – ob mit oder ohne Euro, „la moneta tedesca“, con il suo „maledetto tasso di cambio“, wie das Enrico Letta in seiner Amtszeit als Ministerpräsident an die Presse gab.

Solides Wirtschaften im Sinne der schwäbischen Hausfrau sagt: Wir haben aufgeblähte üppige Staatshaushalte, die Eurozone-Staaten sind insgesamt zu hoch verschuldet – wir müssen den Gürtel enger schnallen. Denn der Bauchspeck des staatlichen Geldsegens ist zu üppig. Wir – die Eurozone – haben Beweglichkeit auf dem Weltmarkt verloren. Mehr staatliche Ausgaben – etwa durch das 350-Mrd.-Programm des frisch installierten christdemokratischen Kommissionspäsidenten Juncker – werden den aufgeblähten Bauchspeck nicht schrumpfen lassen, im Gegenteil.  Nur durch mehr Produktivität der Unternehmen, durch mehr Erfolg der Unternehmen auf dem Markt werden wir wachsen. Die Unternehmen treiben durch ihren Erfolg auf dem Weltmarkt den Erfolg der Eurozone.

Welche der Alternativen ist besser? Leben Dicke länger? Die Medizin sagt: Ein bisschen Übergewicht schadet nicht. Aber: Die Staatsverschuldung liegt prozentual in  der Eurozone mittlerweile höher als in den Nicht-Euro-Ländern der EU. Sie sind ein bisschen verfettet, unsere lieben Musterschüler, die Eurozonenländer, ein bisschen unbeweglich auf dem Weltmarkt. Die Euro-Zonen-Länder kommen nicht aus der Negativentwicklung heraus, im Gegensatz zu USA und Großbritannien. Deflation droht der Eurozone. Wir haben in einigen Eurozonen-Ländern Rezession, also mindestens zwei aufeinander folgende Quartale schrumpfender Wirtschaftsleistung. Wollen wir das? Das ist die Frage. Letztlich müssen diese Frage die Völker der EU, nicht die Fürsten der EU entscheiden.

Ich denke, diese Fragen sollte man in aller Freundschaft aussprechen und einer Lösung entgegenführen. Die EU beruht schließlich nicht auf dem Euro oder einer Wirtschafts- und Währungsunion, die notfalls auch gegen geltendes Recht durchzusetzen wäre. Sie beruht auf dem Gedanken der Gemeinschaft des Rechts und der Freiheit im Dienste des Friedens. Freiheit, Recht, Frieden, Wohlstand für alle, soziale Marktwirtschaft (nicht gelenkte Staatswirtschaft) – das sind die Grundpfeiler, das ist erklärtermaßen das Wurzelwerk einer gesunden, lebendigen, starken Europäischen Gemeinschaft.

Wenn die Wirtschafts- und Währungsunion jedoch als Selbstzweck um den Preis des ständigen Unfriedens und Haders zwischen den Staaten, um den Preis der andauernden, schleichenden Rechtsbeugung und des langfristigen Wohlstandsverlustes durchgesetzt wird, dann gehen darüber letztlich Recht und Freiheit der europäischen Völker zugrunde. Wollen wir das?

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Ein endloses Wagen in der Endlichkeit

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Aug 272014
 

Hl. Katharina 2014-01-03 10.28.03

Nur zu!

 

Schön prangt im Silbertau die junge Rose,
Den ihr der Morgen in den Busen rollte;
Sie blüht, als ob sie nie verblühen wollte,
Und ahnet nichts vom letzten Blumenlose.

Der Adler schwebt hinan ins Grenzenlose,
Sein Auge trinkt sich voll von sprühndem Golde;
Er ist der Tor nicht, daß er fragen sollte,
Ob er das Haupt nicht an die Wölbung stoße.

Mag denn der Jugend Blume uns verbleichen,
Noch glänzet sie und reizt unwiderstehlich;
Wer will zu früh so süßem Trug entsagen?

Und Liebe, darf sie nicht dem Adler gleichen?
Doch fürchtet sie; auch fürchten ist ihr selig,
Denn all ihr Glück, was ist’s? ein endlos Wagen!

 

So weit ein Gedicht eines heute in Deutschland völlig vergessenen deutschen Dichters, den der Russe Iwan Turgenjew – im Gegensatz zu den heutigen Deutschen – sehr schätzte, mit dem er auch gelegentlich in deutscher Sprache korrespondierte.

Ich kaufte gestern recht wohlfeil für 7 Euro die 1262 Seiten seiner Werke in einem Antiquariat am Marheinekeplatz. Die gesamte sonstige Barschaft hatten wir Eltern ja nahezu komplett bereits bei einer Einschulungsfeier für einen unserer Söhne, den Ivan,  im sündhaft leckeren Café Barcomi’s auf den Tischen gelassen.  So blieben nur spärliche 7 Euro für den Deutschen Eduard Mörike und 2 Euro für den Russen Ivan Turgenjew mit seinen „Vätern und Söhnen“ übrig.

Spannend ist hier der kühne grammatische Gebrauch des Verbums „fürchten“. Die Liebe „fürchtet“. Sie handelt in Unkenntnis ihres Satzgegenstandes. Sie hat kein Akkusativobjekt. Die Liebe „hat“ nicht sich selbst, sie „hat“ auch nicht den anderen. Sie, die Liebe hat vielleicht Angst. Angst, diese Ur-Reaktion auf das Neue, das da kommen mag. So schreibt es Eduard Mörike hier. Er schreibt nicht: „Sie fürchtet sich.“ Die Liebe richtet gewissermaßen eine Furcht nicht auf sich selbst. Die Liebe öffnet den Blick auf das reine Gegenüber, mag da kommen was kommen mag. Sie „hat“ nicht, sie handelt. Sie „springt“ gewissermaßen in den Freiraum des Unbekannten. Darin erfüllt sie ein Ideal der Freiheit. Sie, die Liebe wirft sich aus freien Stücken an ein Du weg, das vorderhand noch nahezu unbekannt ist.

Allein für diese Erkenntnis lohnen sich die 7 Euro. Die sieben Euro, die ich gestern für Mörikes Werke verausgabte, haben sich schon rentiert. Sie fahren jedem, der dies verstehen will, 7 mal 7 mal 7 Euro an Gewinn ein.

Diese Zuversicht der Furcht, dieses Vertrauen in den Freiraum, den die Liebe eröffnet – all das kannst du, wenn du daran glaubst, in dem bezaubernd schönen Bildnis einer Nordafrikanerin erblicken, das hier oben eingefügt ist.

Quelle:
Eduard Mörike. Werke. Herausgegeben von Hannsludwig Geiger. Deutsche Buchgemeinschaft, Berlin, Darmstadt, Wien 1961, S. 110

Bild:
Statue einer jungen Afrikanerin aus dem 4. Jahrhundert im Dom von Magdeburg, genannt Katharina von Alexandrien, Aufnahme vom 3. Januar 2014

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Sind Sprachlosigkeit und bodenlose wechselseitige Ignoranz das eigentliche Fundament der Europäischen Union?

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Aug 262014
 

Tiefe Besorgnis erfasst mich, wenn ich die neuesten, erdbebenartigen  Erschütterungen der französischen und italienischen Politik verfolge.

Es ist gewissermaßen ein Abgrund an Sprachlosigkeit, der sich zwischen Frankreich, Italien und Deutschland derzeit auftzutun scheint.  Wenn man die meinungsbildende Presse Frankreichs, Italiens und Deutschlands und insbesondere die Wirtschafts- und Finanzseiten liest, schüttelt man nur noch den Kopf. Ich habe in der EU schon seit vielen Jahren und jetzt mehr denn je den Eindruck, dass ein französischer  TGV,  ein deutscher ICE und ein italienischer TAV an entgegengesetzten Enden vor ein und denselben Zug gespannt sind. Der Zug heißt Europäische Union, heißt Eurozone. Die Lokomotiven von ICE, TGV und TAV fahren in unterschiedliche Richtungen. Sie drohen den Zug mit den 28 Waggons auseinanderzureißen. Ein Kursbuch gibt es nicht. Das Stellwerk ist verwaist. Die eingebaute InDuSi, die Induktive Zugsicherung, die Automatismen greifen nicht.

Dass freilich der amtierende italienische Ministerpräsident sagt, „Europa gehört doch nicht den Deutschen“, dass der amtierende Wirtschaftsminister Italiens einen Steuernachlass von 80 Euro trockenen Auges als „strukturelle“ Reform verkauft (beides in La Repubblica, 18. Juli 2014), wird mühelos unter den Scheffel gestellt durch die Äußerungen des vor wenigen Tagen noch amtierenden Wirtschaftsministers Frankreichs.

Es lohnt sich, das ganze Interview auf S. 5 in der Monde vom 24./25. August 2014 zu studieren. Der vor drei Tagen noch amtierende Wirtschaftsminister lässt darin eine Breitseite gegen Deutschland nach der anderen los! Montebourg schildert die ganze EU im alternativlosen Würgegriff der „extremistischen Rechten“ in Deutschland. Wörtlich sagt er:

Si nous devions nous aligner sur l’orthodoxie la plus extrémiste de la droite allemande, cela voudrait dire que le vote des Francais n’a aucune légitimité et que les alternances ne comptent plus. Cela signifierait que, même quand les Français votent pour la gauche française, en vérité ils voteraient pour l’application du programme de la droite allemande.“

Steht Angela Merkel wirklich einer „rechtsextremistisch“ gestimmten Regierung vor, in der allein noch der „homologue socialiste“, der „sozialistische“ Amtskollege Sigmar Gabriel das Schlimmste verhütet, wie Montebourg behauptet? Jeder mag diese Äußerungen des französischen Spitzenpolitikers bewerten, wie er will. Als extremes Warnsignal werte ich jedoch den subjektiven Eindruck, der hier bei dieser Äußerung wieder einmal entsteht, dass nämlich die Franzosen, wie etwa die Griechen oder die Italiener auch, das Gefühl bekunden, „nicht mehr Herr im eigenen Land“ zu sein und wieder einmal wie in schlimmsten Zeiten von den Deutschen unterjocht zu werden. Hier offenbart sich eine abgrundtiefe Krise der Souveränität der europäischen Staaten, welche von der EU aus auf Staaten wie Frankreich oder Italien niederbricht. Noch tiefer reicht aber die Krise der Legitimität der Europäischen Union, insbesondere der Wirtschafts- und Währungsunion. Die Europäische Union steht wirklich auf dem Spiel, sie ist aufs Äußerste gefährdet.

Nie war der Abgrund an Ignoranz, nie war die Sprachlosigkeit der Finanz- und Wirtschaftspolitik, aber auch der Politik insgesamt zwischen den drei größten Volkswirtschaften der Europäischen Union größer als gerade jetzt! Es fehlt den EU-Politikern in einem niederschmetternd fundamentalen Sinn an Sprechfähigkeit, es fehlt sogar an Sprachkenntnissen, insbesondere in den Fremdsprachen Deutsch, Französisch, Italienisch, es fehlt an Basiwissen zur Volkswirtschaft, es fehlt teilweise auch an gutem Willen. Wenn jetzt nicht ein Ruck der Selbsterkenntnis, der Besinnung und der Verständigung durch die selbstgefällige Fürstenriege der EU-Staaten geht, dann dürfte uns der ganze EU-Laden in nicht allzuferner Zukunft „um die Ohren fliegen“, wie das Angela Merkel hellsichtig bereits vor Jahren einmal formulierte – und zwar ausgelöst durch die nicht endenwollende Innovations-, Beschäftigungs- und Wirtschaftskrise, durch die wachsende Wettbewerbsschwäche der Eurozone auf dem Weltmarkt, deren Tragweite und strukturelle Ursachen offensichtlich zu den Hohen Behörden und den Hohen Herrschaften noch nicht durchgedrungen ist.

Quelle: „Nous devons apporter des solutions alternatives“. Le ministre de l’économie, Arnaud Montebourg, dénonce des choix politiques qui mènent à l’impasse.  Le Monde, Dimanche 24-Lundi 25 août 2014, Seite 5

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Turgenjews Liebe zur Wahrheit, zur Freiheit, zum Guten

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Aug 242014
 

Turgenjew 2014-08-10 09.08.38

 

 

 

 

 

 

 

Die Literatur ist kein Echo, sie spricht auf ihre Art über das Leben und das Lebensdrama. Turgenjew hat vielfach die Liebe der russischen Menschen zur Wahrheit, zur Freiheit und zum Guten beschrieben.“ So schrieb der Chemiker, Rotarmist, Journalist, Frontkämpfer, Kommunist Wassili Grossman, 1905 in Berditschew in der Ukraine geboren, im Jahr 1962 in seinem Brief an den Ersten Sekretär des ZK der KPdSU, Nikita S. Chruschtschow.

Grossman – seiner  Herkunft nach ein Russe, ein Jude, ein Ukrainer – war wie die allermeisten anderen Ukrainer, die allermeisten anderen Juden, die allermeisten anderen Russen vom tiefen Glauben an die Wahrheit, die Freiheit, an das Gute beseelt. In den Schrecken der Geschichte des 20. Jahrhunderts versuchte er, Fingerzeige eines Gottes zu erkunden, an den er keineswegs mehr glaubte. Er sprach deshalb lieber als von dem nichtexistenten Gott des Judentums von „Schicksal“, und „Leben und Schicksal“ ist denn auch der Titel seines großen, riesenhaften Romans, in dem er den deutsch-sowjetischen Krieg einfing. Der Roman wurde 1961 beschlagnahmt, 1962 versuchte der Autor vergeblich, für das beschlagnahmte Manuskript ein gutes Wort bei Chruschtschow einzulegen. 1964 starb Grossman, 1980 konnte das Buch erstmals auf Russisch in der Schweiz erscheinen.

Es ist ein Epos, das Zeugnis von der tiefen Liebe Grossmans zur Wahrheit, der Liebe zur Freiheit des Wortes, der Liebe zum Menschen ablegt. Es sind jene Vorzüge, die Grossman auch an Iwan Turgenjew rühmte.

Gerade in schwierigen Zeiten wie den unsrigen kann uns die Rückbesinnung auf die überragenden Leuchttürme der russischen, ukrainischen und jüdischen Geisteswelt ein Anlass sein, um Atem zu schöpfen und uns zeiten- und völkerüberspannende Werte ins Gedächtnis zu rufen.

Quelle:

Wassili Grossman: Leben und Schicksal. Roman. Aus dem Russischen von Madeleine von Ballestrem, Arkadi Dorfman, Elisabeth Markstein und Annelore Nitschke. Mit je einem Nachwort versehen von Jochen Hellbeck und Wladimir Woinowitsch. List Taschenbuch, Berlin 2008, hier bsd. das Zitat aus dem Brief an N. Chruschtschow, siehe S. 1056

Bild:

Das Haus, in dem Iwan Turgenjew Kindheit und Jugend verbrachte, gelegen in der Ostoschenka-Straße 37, Moskau. Aufnahme des hier schreibenden Kreuzberger Bloggers vom 10.08.2014

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Original, Plagiat, Fälschung, Kopie?

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Aug 232014
 

Liebesfest 2014-08-22 15.25.00

 

 

 

 

 

 

 

 

Unter einem Bündel neben der gelben Recycling-Wertstoff-Tonne achtlos daliegenden Zeitungspapiers, das offenkundig aus Süddeutschland stammte, fand ich gestern auch dieses Bild, das ihr hier oben sehen könnt. Original, Plagiat oder Fälschung? Reproduktion oder Variante aus Künstlerhand? Manches kam mir bekannt vor: ich erkannte sofort, dass es sich um eine Art Liebesfest handeln musste, wie sie Antoine Watteau gerade um das Jahr 1718 herum so gern malte.  Allerdings stimmen die Farben des Fundstückes nicht ganz.

Das Original in der Dresdener Gemäldegalerie misst 61 mal 75 Zentimer, ist also deutlich größer als das gestern gefundene Exemplar. Die Farben hatte ich pastoser in Erinnerung. Die Brauntöne schienen mir bei Watteaus Werk kräftiger, dunkler, gefährlicher.  Hier dagegen verschwimmt alles mehr oder minder, zart und unbedrohlich wirkt die Liebe, eine Konvention mehr denn eine Naturgewalt.

Wie dem auch sei, Watteau löste im Sachsen des 18. Jahrhunderts eine regelrechte Watteau-Mode aus, die Meißener Porzellanmanufaktur konnte eigene Maler anstellen, die sich reichlich bei Watteau bedienten – Orginal, Kopie, Recycling, Fälschung, Plagiat, Übersetzung? Wer vermag das zu beurteilen?

 

 

 Posted by at 17:53

Widerspiegelungen: Sonne der Schlummerlosen

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Aug 202014
 
2014-08-10 23.22.44












Otto Gildemeister schrieb einmal:

Sonne der Schlummerlosen, bleicher Stern!
Wie Tränen zittern, schimmerst du von fern;
Du zeigst die Nacht, doch scheuchst sie nicht zurück,
Wie ähnlich bist du dem entschwundnen Glück,
Dem Licht vergangner Tage, das fortan nur leuchten,
Aber nimmer wärmen kann!
Die Trauer wacht, wie es durchs Dunkel wallt,
Deutlich doch fern, hell, aber o wie kalt!

Einen ganz ähnlichen Text verfasste auch einmal George Gordon Byron:

Sun of the sleepless! melancholy star!
Whose tearful beam glows tremulously far,
That show’st the darkness thou canst not dispel,
How like art thou to joy remember’d well!

So gleams the past, the light of other days,
Which shines, but warms not with its powerless rays;
A night-beam Sorrow watcheth to behold,
Distinct but distant — clear — but, oh how cold!

Was ist Original, was ist Übersetzung?
Wer weiß das immer zu sagen.
Wir neigen dazu, dem Original größere Überzeugung,
größere Echtheit zuzuschreiben.
Das kann jeder in sich selbst nachprüfen.
Nehmen wir doch nur zwei Gedichte,
die dasselbe besagen.
Man mag beide Texte vor sich hinmurmeln.
In ihrer Art sind sie zweifellos
vollkommen schöne Kunstwerke,
die „aus sich selber scheinen“.
Und doch ist einer der Texte
die Übersetzung des anderen.
Der eine spiegelt sozusagen
das erborgte Licht des anderen wider,
wie der Mond das erborgte Licht
der Sonne widerspiegelt.

Vieles spricht dafür, dass wir Texte
in der eigenen Muttersprache als
„Original“ empfinden, Texte in Fremdsprachen
als nicht ganz so echt.
Nur in der Muttersprache erreichen uns
die Worte ganz tief,
ganz tief drinnen.
Subjektiv gilt:
Für den deutschen Leser schrieb
Gildemeister auf Deutsch
ein echtes originales Gedicht,
Byron schrieb
eine englische Übersetzung.
Für den englischen Leser
ist es umgekehrt.

Wer hat recht?
Hier schrieb – objektiv gesehen – Byron
das Original genial in Englisch,
Gildemeister übersetzte nachschaffend,
kon-genial ins Deutsche.

 

 Posted by at 10:09

Wie entsteht Frieden?

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Aug 192014
 

2014-08-07 18.46.07

Was bedeutet eigentlich: „Pacem in terris! Friede in der Welt!“

Es ist ein berühmter Wunsch, die Verkündung oder der Jubelruf der „himmlischen Heerscharen“, überliefert im Lukasevangelium 2, 14. Vor wenigen Tagen heftete sich mein Blick auf dieses große Plakat an der Kreuzberger St. Johannes-Basilika. Irgendetwas passste mir nicht ganz an dieser plakativen Aussage. Ich kratzte mir den Kopf. Ich dachte an Luhansk, dachte an Donezk. Was sollte diese Aussage? Kann man mit Menschen vom Frieden sprechen, die frech und dreist das Maschinengewehr oder eine GRAD-Rakete auf dich richten?

„Das wird nicht reichen – es muss heißen: pax hominibus bonae voluntatis – Friede den Menschen, aber nur, wenn und sofern sie guten Willens sind“,  wandte ich meinem Zufalls-Gesprächspartner gegenüber ein, einem Berlintouristen aus dem im hessischen Waldeck gelegenen Handwerkerstädtchen Korbach, dem ich das schöne Kreuzberg zeigte, wie es friedlich im Abendsonnenschein dalag. „Der Friede muss schon auch aktiv gesucht und bewirkt werden. Von allein kommt er nicht. Der fromme Wunsch allein reicht nicht!“, beharrte ich.

„Bist du dir sicher?“, fragte der Korbacher, der auch vier Semester Theologie studiert, dann allerdings auf Kunstgeschichte umgesattelt hatte. Wir hatten die Straßenbiegung der Lilienthalstraße erreicht, von der es dann hinüber zum Tempelhofer Feld geht. Ein viel zu schnell fahrender Radfahrer kam uns auf dem Bürgersteig entgegen, hätte uns fast umgerissen.“Mann Mann Mann, diese Radfahrer“, schimpfte ich. „Pass bloß auf, wo du fährst!“, fuhr ich den Radfahrer an. Ich bin in der Tat der Meinung, dass diese Radfahrer nichts, aber rein gar nichts auf dem Bürgersteig verloren haben!! Wozu gibt es die Straßenverkehrsordnung!? „Wann werden die das kapieren?“ Ich war zornig.

„Wie lautet denn der Vers im Original, auf Griechisch?“, fragte ich den Touristen, nachdem ich mich wieder beruhigt hatte.

„Δόξα ἐν ὑψίστοις θεῷ καὶ ἐπὶ γῆς εἰρήνη ἐν ἀνθρώποις εὐδοκίας“, zitierte der Korbacher in einem eigentümlichen Singsang. „Das wird heute von den Katholiken so wiedergegeben: Verherrlicht ist Gott in der Höhe, und auf Erden ist Friede bei den Menschen seiner Gnade.“

Oha! Ich staunte. Da war einer, der das Neue Testament auf Griechisch aus dem Kopf zitieren konnte! Die alles entscheidende Frage war nun: Meinten die Engel hier, dass die Menschen sich den Frieden verdienen, ihn sich erarbeiten mussten? Oder kam und kommt er unvermutet, als unverdientes Geschenk von oben?

Ich war neugierig und lud den Korbacher Touristen auf ein alkoholfreies Getränk in eine Kneipe ein. Was würde er mir noch alles erzählen?

 

 

 Posted by at 23:53

Was heißt eigentlich „Quantitative easing“?

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Aug 192014
 

In der Fachpresse taucht immer wieder der Begriff „Quantitative Easing“ auf. Es ist gewissermaßen der vorletzte Pfeil im  Köcher der geldpolitischen Maßnahmen der EZB.  Mario Draghi verwendet gern den Begriff, selbst wenn er Interviews in seiner Muttersprache Italienisch gibt.  Hier eine gute, lesenswerte  Begriffserklärung aus dem Handelsblatt vom heutigen Tage:

Im Köcher haben die Währungshüter noch den Kauf von Kreditpaketen (Asset Backed Securities/ABS), um so Geschäftsbanken Freiräume für neue Kredite zu verschaffen. Möglich wären zudem breit angelegte Wertpapierkäufe (Quantitative Easing/QE). Ökonomen sind überzeugt, dass sich Draghi ein solches Kaufprogramm ausdrücklich offenhalten wird, diese Option aber frühestens dann ziehen wird, wenn die Kreditvergabe nicht wie gewünscht in Schwung kommen und/oder die Inflation unter die Nulllinie rutschen sollte.

via Ratssitzung: EZB belässt den Leitzins bei 0,15 Prozent – Konjunktur – Politik – Handelsblatt.

 Posted by at 16:13

„Was hat denn Russland damit zu schaffen?“

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Aug 182014
 

2014-08-16 09.30.01

 

 

 

 

 

 

 

Wie ist die aktuelle Lage in der Ukraine einzuschätzen?

Recht offen sprechen zwei Führer der in der Ostukraine operierenden Milizen, Alexander Kostin und Wladimir Stepanow, zwei ehemalige Offiziere der Sowjetarmee, über ihre politischen Ziele und ihre Unterstützer in der aufschlussreichen, auf Deutsch erscheinenden „Moskauer Deutschen Zeitung“.

Zusammenfassung:

1) Die Führer wollen einen von Russland unabhängigen neuen Staat Donbass.
2) Sie erklären, von der russischen Regierung unabhängig zu kämpfen. „Sind wir etwa nach Moskau gefahren, um uns den Segen von Putin zu holen?“
3) Sie stellen fest, dass die ukrainische Regierung gar nicht das Geld habe, um den Feldzug gegen sie, die unabhängigen Milizen, lange aufrechtzuerhalten.
4) Die Vorhaltung des Journalisten, die Milizen würden von Russland mit schweren Waffen ausgerüstet, weisen sie weder zurück, noch bestätigen sie sie. Vielmehr sagen sie: „Woher die Waffen kommen, wird Ihnen bis ins Detail keiner beantworten.“

Es lohnt sich, dieses spannende Interview zu lesen! Mir scheint, die völkerrechtswidrige Annexion der Krim durch Russland war generalstabsmäßig durchgeplant; die Kämpfe in der Ostukraine sind jedoch offensichtlich von der Moskauer Regierung nicht mehr zu steuern. Ein neuer unabhängiger Staat, der finanziell auf eigenen Füßen stehen möchte, Milizen, die es nach eigenem Bekunden an Finanzstärke mit einem Staat von 44 Millionen Einwohnern aufnehmen können … das klingt abenteuerlich, klingt verwegen! Werden die Führer dazu aber auch das nötige Fachwissen mitbringen?

Die Äußerungen der Führer  scheinen mir ferner ein weiterer Beleg dafür, dass der russische und auch der ukrainische Staat keineswegs nach Art einer Diktatur straff von oben nach unten durchorganisiert sind, sondern im Gegenteil vielmehr geprägt sind durch eine Vielzahl an begrenzt autonom operierenden Kräften, die häufig konflikthaft miteinander um Anteile an der wirtschaftlichen, politischen und militärischen Macht kämpfen. Dies gilt insbesondere für ehemalige Soldaten der sowjetischen Armee, aber mehr noch für Angehörige der zahlreichen bewaffneten „anderen Kräfte“. Diese suchen offensichtlich Betätigungsfelder außerhalb des bisherigen Territoriums der Russischen Föderation, zumal bei einer russischen Truppenstärke von etwa 1 Million Mann (!) und geplanten Kürzungen ein unerschöpfliches Reservoir an Ehemaligen nach neuen Aufgaben sucht.

Der Osteuropaforscher Hannes Adomeit schrieb dazu im Jahr 2010:   „Die Umstrukturierung der „anderen“ Truppen, insbesondere der Truppen des Innenministeriums ist nicht vorangekommen. Der Widerstand dieser militärischen Formationen gegen Kürzungen und organisatorische Veränderungen konnte nicht gebrochen werden. Der Wirrwarr von Streitkräften und Sondertruppen mit ihren vielfältigen Aufgabenüberschneidungen besteht weiter.“

Fazit: Die aktuellen kriegerischen Zusammenstöße im Osten der Ukraine sind ein Bruderkrieg zwischen verwandten, versippten und verschwisterten Formationen, eine Art hybrider, „simmernder“ Krieg zwischen regulären und irregulären Truppen mit unklarer Legitimität, unklaren Kriegszielen, mit gemischter Provenienz  und unklarem Kombattantenstatus. Eine klare Strategie Moskaus ist nicht zu erkennen. Viele Kombattanten haben keinerlei politische oder administrative Erfahrung im Hintergrund.

Für die deutsche Außenpolitik und die EU-Außenpolitik sollte dies meines Erachtens ebenso wie für die NATO bedeuten: Ein Eingreifen in den Konflikt, ganz zu schweigen von einer militärischen Hilfe für die Ukraine,  ist höchst inopportun, zumal es dabei nicht nur zwei, sondern 2+x Seiten gibt. EU und NATO sollten erkennen, dass eigene vitale Interessen derzeit nicht berührt sind. Weder NATO noch EU sollten einseitig Partei in diesem Bruder- und Bürgerkrieg ergreifen. Die NATO soll und muss Verteidigungsbereitschaft für die eigenen Mitgliedsländer zeigen, mehr nicht.

Das zentrale, jahrhundertealte  Grundproblem in der russischen und der ukrainischen Politik, nämlich die Frage der Legitimität der Herrschenden, ist nicht eindeutig beantwortet! Es ist neben den eklatanten Mängeln der ukrainischen Wirtschaft der Dreh- und Angelpunkt der  Auseinandersetzung.

Die Botschaft an die kämpfenden Parteien müsste sein: „Männer! Soldaten! Kämpfer! Ihr seid alt genug, um für Euch Verantwortung zu übernehmen. Ihr seid doch erwachsene Männer. Einigt Euch untereinander. Wenn ihr Vermittlerhilfe und ein paar gute Worte braucht, könnt Ihr Euch an uns wenden. Das liegt bei euch. Schafft Sicherheit, schafft Strom, Wasser, Nahrung für die Zivilbevölkerung heran. Wir im Westen werden euch weder Waffen noch Geld zur Verfügung stellen. Wir wünschen euch Frieden – auf gut Ukrainisch: Мир вам. Oder, um es auf gut Russisch zu sagen:  Мир вам. Denkt auch an die Worte Jesu Christi: Wer das Schwert zückt, wird durch das Schwert umkommen.“

Diese meine Schlussfolgerung  mag resignativ klingen. Sie ist es nicht. Im Gegenteil! Sie entspringt der Einsicht, dass hier über die Jahre hinweg vom Westen unbeachtet und kaum verstanden eine höchst verworrene Gemengelage entstanden ist, die von außen auf keinen Fall direkt mehr geordnet werden kann. In der EU-Außenpolitik scheint mir offen gestanden auch kaum die Fachkunde, die Sprach- und Landeskenntnis vorhanden zu sein, um hier – im Osten der Ukraine – auch nur das sprichwörtliche „Bein auf den Boden zu kriegen“.

Zitate:

Kiew kann diesen Krieg nicht gewinnen.“ Milizenführer aus der Ostukraine über sich, ihre Unterstützer, ihre Waffen und ihre Ziele, in: Moskauer Deutsche Zeitung. Unabhängige Zeitung für Politik, Wirtschaft und Kultur. Gegründet 1870. Nr. 15 (382), August 2014, hier besonders Seite 2
www.mdz-moskau.eu

Hannes Adomeit: Russische Militär- und Sicherheitspolitik, in: Heiko Pleines / Hans-Henning Schröder (Hrsg.): Länderbericht Russland. Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn 2010, S. 263-285, hier besonders S. 276

Bild:

Ein Blick in ein russisches Technikmuseum in der Nähe von Moskau am 16.08.2014. Merke: Die Einstellung gegenüber Waffen und schwerem Kriegsgerät ist in Russland deutlich unverkrampfter als bei uns in Deutschland.

 

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Erbarme dich, Sonne der Schlummerlosen

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Aug 182014
 

2014-08-10 23.22.44

 

 

 

 

 

 

 

 

Vielfache Hinführung zu den Herrlichkeiten der deutschen Kultur, zur Schönheit der deutschen Sprache verdanke ich der russischen, aus Moskau stammenden Altistin Irina Potapenko, die mittlerweile hier bei uns in Berlin-Kreuzberg lebt, singt und schafft. Ob nun die Einsamkeits-Gedichte Eichendorffs, die Mondscheinbilder Caspar David Friedrichs, die „Erbarme-dich“-Arie Johann Sebastian Bachs, all das, was bei uns smarten, smartphonegetriebenen Deutschen in Vergessenheit geraten ist, bringt sie mir immer wieder überzeugt und überzeugend zu Gehör und zu Gesicht. Freuen wir uns darüber.

„Sonne der Schlummerlosen“, das Lied von Hugo Wolf auf ein Gedicht von dem Briten Lord Byron, ist einer dieser Schätze der deutschen Kultur, zu denen mir Irina Potapenko durch ihren Gesang vor einigen Jahren den Zugang eröffnete. Es fiel uns wieder ein, als wir uns vor wenigen Tagen mehrere Nächte lang mit einem Teleskop auf den Weg in die russische Feldeinsamkeit, die russische Welteinsamkeit machten, um die Schönheit des Mondes zu bewundern, der am sternklaren Himmel seine Vollmondphase durchmaß.  Er war ja in jenen Nächten wenig mehr als 360.000 km entfernt, nach astronomischen Maßstäben also nur einen Katzensprung. Schönheit des Vollmondes bewundern? Ja, Schönheit, und zugleich schrundige, fast hässlich zu nennende Kahlheit trat in der 90-fachen Vergrößerung unseres guten französischen Teleskops hervor. Etwas jäh Zerrissenes, Angefressenes, Erbarmungswürdiges schien mir von dem bleichen Gesellen, dem Mond auszugehen. Wir sahen deutlich die schnurgeraden, wie mit dem Lineal geritzten Linien, die „Mondkanäle“, die Blasen, die aufgequollenen Krater, die jahrmillionenlang von Kometen und Asteroiden zerpflügten Felder.

Am dritten Tag, als der Mond schon deutlich im Abnehmen begriffen war, trat an der im spiegelverkehrten Sichtfeld des Teleskops linken, real also der rechten Seite des Mondes eine unglaublich schroffe Eindellung, etwas Eingefressenes hervor, ein riesiger, sicherlich mehr als 30 km runder Krater, wodurch der Mond tatsächlich wie ein angebissener Apfel aussah, vergleichbar dem Logo des US-amerikanischen Smartphone-Herstellers Apple.

Mich durchfuhr der Gedanke: „Aber … das ist ja alles unglaublich schön, schrecklich, mitleiderregend, ehrfurchteinflößend!“

Und doch – es war nur der Mond. Ein einsamer Gesteinsbrocken, ein Geröllklumpen, mitleidlos gekettet seit wohl 4,5 Milliarden Jahren an unsere Erde, der er nicht entkommen kann, und dem wir nicht entkommen können und nicht entkommen wollen.

Ich setze hier eines der Fotos hinein, die ich zusammen mit Ivan, einem meiner Söhne, am Ufer des Moskau-Flusses aufnahm, entstanden am 10. August 2014 um 23:22:44 Uhr.

Hört das Lied hier:

Hugo Wolf – „Sonne der Schlummerlosen“ Byron – Fischer-Dieskau, Moore – YouTube.

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Spring, wenn du dich traust!

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Aug 162014
 

2014-08-13 17.06.24

Bezaubernde Augenblicke, herrliche Gespräche zwischen Jung und Alt, zwischen Russen, Ukrainern und Deutschen konnte ich wieder bei meinem letzten Aufenthalt am Fluss Moskwa in Russland erleben, der soeben zu Ende gegangen ist! Als unerschöpfliche Quelle von Kontakten und Überraschungen erweist sich wieder einmal die Tarzanka am Fluß  bei uns in Nikolina Gora. Die Kinder springen voller Wonne, voller Selbstvertrauen in den Fluss, einige klettern mit unfassbarer Behendigkeit die Stämme hoch, um das Seil mal höher, mal tiefer zu legen, je nachdem, wer gerade springt, schaukelt oder schwingt!

„Können Sie eigentlich auch springen?“, fragt mich die achtjährige Natascha. Und ihr Blick sagt: „Spring, wenn du dich traust!“  „Ja!“, erwidere ich. Aber meine Springversuche sind viel zu zaghaft, sie rufen eher Belustigung als Bewunderung hervor. Sei’s drum. Für eine Ausbildung zum echten Tarzan bin ich etwas zu alt.

Die Zukunft an der Tarzanka und an allen anderen Orten gehört  den Kindern aus Russland, Ukraine, Deutschland – aus allen europäischen Ländern, ja aus allen Ländern der Welt überhaupt. Vielleicht ist dies eine Botschaft, die ich mit nachhause bringe: Wir Erwachsenen haben kaum eine wichtigere, kaum eine schönere Aufgabe, als den Kindern ein sicheres, geborgenes Hineinwachsen in die Freiheit des Springens zu ermöglichen.

Umgekehrt versuche ich in der Datscha zu punkten beim kleinen Tima, der im Alter von 6 Jahren bereits erste Fremdsprachenkenntnisse erworben hat. Unsere Konversation läuft schon ganz gut, doch bei den Abschiedsgrüßen, die wir auf Russisch, Deutsch und Polnisch austauschen, sieht er mich plötzlich forschend, unverwandten Blicks an und stellt auf Russisch die Frage: „Können Sie eigentlich auch Englisch?!“

Ich war in der Zwickmühle. Was sollte ich antworten? Würden meine Englischkenntnisse ausreichen, um ihm das Wasser zu reichen? Ich gehe das Wagnis ein und sage: да! Und jetzt kommt der ultimative Test für mich!

Tima sagt in hellem, klarstem Englisch zu mir:  „Goodbye!“

Und stellt euch vor: Ich wusste die Antwort darauf. Ich war nicht überfordert! Das also wenigstens konnte ich.

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„Sieh die Gänse, die Fänge …“

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Aug 082014
 

Müncheberg 2014-07-20 08.59.39

Am 20. Juli des genannten Jahrs unternahm Gottfried Benner, der am Mehringdamm 38 – also hier in Kreuzberg – seine Hautarztpraxis hat, eine Radtour durch das Märkische Land. Benner, der eine Aversion gegen den Klassizismus Schinkels hat, wählte dennoch Müncheberg als Ausgangspunkt der Fahrt: „Hat man die Müncheberger Marienkirche mit dem wuchtigen, viel zu großen, nach Entwürfen von Schinkel gebauten  Turm einmal hinter sich, fühlt man sich endlich frei von Schinkel“, erklärte der Hautarzt, dessen Spezialgebiet die Psoriase ist. „Drehst du dich um, erkennst du, dass Schinkel im Grunde gar nicht an der Funktion der Gebäude interessiert war – er wollte nur richtig groß, richtig wichtig in die Landschaft hinein zeichnen. Er war ein mittelprächtiger Zeichner, deshalb hat er so viele Zeichnungen hinterlassen“, führte Benner aus, während wir hinter ihm herkeuchten. Benner, der 55 Jahre alte Arzt, der ein Leben lang stets dem Rotwein und den Zigarren zugesprochen hatte, erwies sich zu unserer Überraschung als unbezwinglicher Tourenradler. Wir, die wir doch im Schnitt 10 bis 15 Jahre jünger waren, hatten Mühe, ihm hinterherzustrampeln.

Hart an einem wogenden Sonnenblumenfeld – wir hatten 5 km von Müncheberg schon hinter uns gebracht – hielten wir an, um zu verschnaufen und die Richtigkeit der Analyse Dr. Benners zu prüfen. Als wir uns gerade umgewandt hatten, um den wie eine Landmarke in den Himmel ragenden Turm der Marienkirche zu suchen, da hörten wir plötzlich ein Pfeifen und Rufen über unseren Köpfen: eine Schar wilder Gänse hielt auf uns zu. Die Gänse flogen in Formation in weitem Bogen, drehten dann bei, schienen eine Zeitlang über uns zu schweben und verschwanden dann Richtung Neuhardenberg. Benner war sichtlich angerührt vom Flug der Vögel: „Das ist ein Zeichen, das ist eine Himmelsmarke!“, rief er sibyllinisch aus.  Wider alle Erwartung unterließ er für den gesamten restlichen Tag seine polemischen Spitzen gegen den – wie er zu sagen pflegte – „grotesk überbewerteten Karl Friedrich Schinkel, der einem Watteau nie und nimmer das Wasser reichen konnte“.

Gänse 2014-07-20 09.06.48

Wir merkten: es brütete etwas in Gottfried Benner. Benner war in sich gekehrt. Er heckte etwas aus. Und nach der Mittagspause, die wir unter einer Buche im Schlosspark Neuhardenberg verbrachten – eine Wassermelone konnte unseren Durst nicht stillen – kam Benner mit einem Blatt, vollgekritzelt mit Versen zu uns, und ehe wir uns wieder auf die Sättel schwangen, trug er uns das folgende Gedicht ohne jedes Stocken und fehlerfrei vor:

Sieh die Gänse, die Fänge
Lichts und Ahnung vom Meer,
Welche lauten Gesänge
Treiben sie kreischend her!

Du auch, die lautlos berufen
Und spät ins Gesicht mir gelacht,
Folg mit Augen den Rufen
Meerwärts ans Ende der Nacht.

Wenn S-Bahn-Ringe und Pforten
Durchschritten du hast ohne Scheu
Siehst neue Götterkohorten
Du und bleibst dir doch treu.

Am Fuß der Fürstenthrone
Entziffre die Schrift und die Wand,
Schüttle dein Haar mit der Krone
Gieße den Wein in die Hand

Der Nonnen, wie immer sie hießen,
Die Lehm und Tränen gemischt,
Alles rinnt im Verfließen,
Die Spuren im Kalk sind verwischt.

Stotternd besingst du die Mühlen,
Vom rautigen Wege ein Stück,
Gib weiten Raum den Gefühlen,
Vom Meer ruf die Gänse zurück.

Bild 1: Landschaft bei Müncheberg. Am linken Bildrand: die Marienkirche. Aufnahme vom 20. Juli 2014, 08.59 Uhr
Bild 2: Eine Schar Wildgänse bei Müncheberg. Aufnahme vom 20. Juli 2014, 09.06 Uhr

Das hier zitierte Gedicht Gottfried Benns Sieh die Sterne, die Fänge findet sich in abgewandelter, auf die Hälfte gekürzter Form in folgendem Buch: Karl Otto Conrady (Hrsg.): Das große deutsche Gedichtbuch, Athenäum Verlag, Kronberg/Ts. 1977, S. 757

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Der befremdliche Eichendorff in der Fremde

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Aug 072014
 

Verteidigung 2014-07-12 12.41.00

 

„Von wem stammt der Text zu dem Lied von Felix Mendelssohn Bartholdy, das Du am Sonntag vormittag zur Klavierbegleitung sangst? In diesen Worten steckt so viel Verqueres, Befremdliches, Schweres und wunderbares Erleichterndes!“

Antwort, o Schwester: Das Gedicht von Eichendorff hat mich ebenfalls befremdet und rührt mich weiterhin befremdlich an. Besonders stark befremdend fiel es mich an, als ich kürzlich, mitten in den hundertjährigen Kiefernwäldern von Nikolina Gora, mit lauter Russen und Ukrainern Fußball spielte. Die russisch-ukrainisch-deutsch-europäischen Amateur-Fußballmanschaften spielten achtsam, fair, ohne den verbissenen Ernst der Politiker auf dem kleinen Kunstrasenfeld. Wir verstanden uns prächtig – die Russen, die Ukrainer, der eine Holländer, der eine hier schreibende Deutsche.

Da draußen aber, stets betrogen, rauschte erbarmungslos die geschäftige Welt, Ost und West überziehen einander wieder einmal gegenseitig mit Sanktionen und mit dem Vorwurf der Lüge, man versucht den jeweils anderen in die Ecke des Foul-Spielers zu stellen. Und draußen rauschte unaufhörlich die Rubljowka. Die Stimme Eichendorffs verhallt ungehört.

Die Musik ist von Felix Mendelssohn Bartholdy.

Das ist es, das Gedicht von Eichendorff, das ich in Nikolina Gora summte und sang:

Abschied.

O Thäler weit, o Höhen,
O schöner, grüner Wald,
Du meiner Lust und Wehen
Andächt´ger Aufenthalt!
Da draußen, stets betrogen,
Saust die geschäft´ge Welt,
Schlag‘ noch einmal die Bogen,
Um mich, du grünes Zelt!

Wenn es beginnt zu tagen,
Die Erde dampft und blinkt,
Die Vögel lustig schlagen,
Daß dir dein Herz erklingt:
Da mag vergehn, verwehen
Das trübe Erdenleid,
Da sollst du auferstehen
In junger Herrlichkeit!

Da steht im Wald geschrieben,
Ein stilles, ernstes Wort
Von rechtem Thun und Lieben
Und was der Menschen Hort.
Ich habe treu gelesen
Die Worte schlicht und wahr,
Und durch mein ganzes Wesen
Ward´s unaussprechlich klar.

Bald werd‘ ich dich verlassen,
Fremd in der Fremde gehn,
Auf buntbewegten Gassen
Des Lebens Schauspiel sehn;
Und mitten in dem Leben
Wird deines Ernst’s Gewalt
Mich Einsamen erheben,
So wird mein Herz nicht alt.

Jospeh von Eichendorff: Abschied. Zitiert nach: Das deutsche Gedicht. Vom Mittelalter bis zur Gegenwart. Herausgegeben von Wulf Segebrecht unter Mitarbeit von Christian Rößner. S. Fischer Verlag, o.O. 2005, S. 224-225

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„Der Kinderwunsch darf keine Kostenfrage sein“

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Aug 062014
 

2014-05-01 08.43.28

 

 

 

 

 

 

 

Familienpolitik beginnt bereits vor der Geburt eines Kindes. Die Reproduktionsmedizin leistet viel. Aber sie ist teuer. Die Erfüllung des Kinderwunsches darf keine Kostenfrage sein.“ Diese Aussage stammt von Manuela Schwesig, der amtierenden Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, zitiert hier nach der Süddeutschen Zeitung, Magazin, Nummer 10, 7. März 2014, S. 40.

Wir dürfen das so verstehen: am Geld darf der Kinderwunsch nicht scheitern. Moderne Familienpolitik erfüllt den Frauen den Kinderwunsch, koste es, was es wolle, denn die moderne Politik wird den Frauen genug Geld geben, damit sie sich ihren Wunsch nach einem Kind erfüllen können.

Ein zentrales Heils- und Glücksversprechen der heutigen Fachpolitiker (hier beispielhaft der Bundesfamilienministerin) ist es, dass jeder Wunsch, auch der sehnlichste Wunsch so manchen Paares – der nach einem Kind – erfüllt werden kann.  Die wohltätige Politik durchdringt von vor der Zeugung an alle Lebensbereiche, der Bürger braucht gewissermaßen nur seine Ansprüche anzumelden und die Hand hinzuhalten. „Ach, wenn wir nur ein Kind hätten“, seufzte die Königin bei den Gebrüdern Grimm noch. Heute dagegen ist dieser Märchenwunsch Wahrheit geworden, denn wir haben ja die Familienpolitik und die Reproduktionsmedizin – und Geld in Hülle und Fülle.

„Sicherheit und ein stabiler Euro. So will ich Europa.“ Mit diesen und verwandten Wahlsprüchen errang die derzeit am erfolgreichsten beworbene Partei, die CDU, einen großartigen Wahlsieg. Betrachte das Bild genau: Du siehst eine junge, selbständige Frau, die voller Tatkraft aus dem Innenraum der Wohnung hinaus ins Berufsleben tritt. Das  Kind hockt wie ein Attribut auf der Hüfte der Frau, hindert sie nicht, erringt aber auch nicht die Aufmerksamkeit der Frau. Die Frau und das Kind wissen sich in Sicherheit. Der stabile Euro sichert den Rahmen. Europa ist sicher, denn der Euro ist stabil. Statt der veralteten Familie früheren Typs, bestehend aus Vater, Mutter, Kindern,  spannt die moderne Politik das zentrale Heils- und Sicherheitsversprechen auf: Europa und der Euro sorgen für euch alle. Der Euro, Europa, die Politik sichern Frieden, Wohlstand, Sorglosigkeit.

Auch hier, bei der äußerst erfolgreichen CDU, trifft die Politik sehr weitreichende, bis ins Privateste hineinreichende Versprechungen. Der Mensch braucht sich kaum mehr anzustrengen, die Politik sichert durch das Geld, durch den Euro, Stabilität und Sicherheit im Leben von Frau und Kind. Das männliche Element der früheren Ikonographie, der Mann, der Familienvater wurde ersetzt durch den Euro. Der Euro ist das Wichtigste, die Währung sichert Einheit und Geborgenheit.

Die Politik – ob nun Familienpolitik oder Finanzpolitik im Zeichen des Euro – hat die interpersonellen Bezüge, das tägliche mühselige Ringen um Einkommen, um Zusammenhalt der Familie, das harte Arbeiten von Weib und Mann für den Lebensunterhalt und die Erziehung der Kinder, wie es jahrtausendelang den Alltag der Familien prägte, ersetzt. Man muss nur das Kreuzchen an der richtigen Stelle machen.

Die Politik und ihre Reklame verspricht die Erfüllung jedes Kinderwunsches, jedes kindlichen Wunsches. Der Euro sichert im Zeichen  des „Ich will es so“ Stabilität, Frieden und Geborgenheit für alle. Ohne Sorge – sei ohne Sorge, wie es in Ingeborg Bachmanns Gedicht „Reklame“ so schön heißt.

Merke auf: Zwei subtile Botschaften, die die Politik Tag um Tag auf uns unmündige Bürger niedergehen lässt. Wir brauchen diesen Botschaften nur zu vertrauen. Ohne Sorge – sei ohne Sorge.

Bild: “Sicherheit und ein stabiler Euro. So will ich Europa.” Wahlplakat in Eisenach am Fuße der Wartburg, aufgenommen am 1. Mai 2014.

 

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Kann es nach Art. 20 (2) u. (4) GG ein Widerstandsrecht gegen EU-Recht geben?

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Aug 052014
 

Das Gezerre um die vom Bundesverkehrsministerium geplante PKW-Maut, die laut dem wissenschaftlichen Dienst des Bundestages gegen  EU-Recht verstieße, wirft erneut ein drängendes Problem auf – nämlich die nach dem Verhältnis von EU-Recht und Bundesrecht.

Schnell wird man mit dem Vorwurf des „Populismus“ oder der „Europa-Feindschaft“ überzogen, sobald man auch nur im mindesten den institutionellen Aufbau und die juristische Legitimität der EU-Konstruktion in Zweifel zieht. Bundespräsident Roman Herzog hat aber genau dies getan.  Er forderte „Abwehrrechte“ des Bundestages gegenüber der EU.

Gibt es ein echtes Abwehrrecht des Bundes gegenüber dem EU-Recht?

Nein! Grundsätzlich ist jeder EU-Staat zur „Umsetzung“ der EU-Rechtsakte, z.B. der berühmten „Richtlinien“ verpflichtet. Nur dann, wenn EU-Recht gegen EU-Normen verstößt, also etwa die vertraglich vereinbarten Zuständigkeiten der Mitgliedsstaaten gemäß dem Subsidiaritätsprinzip in unzulässiger Weise berührt, kann es vor europäischen Gerichten auf dem Wege der Normenkontrollklage angefochten werden. Der Mitgliedstaat kann sagen: „Diesen oder jenen europäischen Rechtsakt kann ich nicht umsetzen, da er nach meiner Auffassung gegen europäisches Recht verstößt.“  Dem Staat steht dann das Klagerecht vor dem Europäischen Gerichtshof offen (vgl. GG Art. 23, 1a). Er hat aber kein echtes „Abwehrrecht“ gegen das EU-Recht. In diesem Sinn muss man wohl  sagen: EU-Recht bricht Bundesrecht, so wie Bundesrecht Landesrecht bricht (Art. 31 GG).

Eine heikle Lage, die Bundespräsident Roman Herzog kürzlich in seinem Brief an Bundeskanzlerin Merkel zu recht als kritikwürdig  dargestellt hat.

Denn der EU kommt – so meine ich – nicht derselbe legislative Rang wie der Bundesrepublik Deutschland zu.

So schreibt Art. 20 (2) GG beispielsweise die Trennung der staatlichen Gewalten in Gesetzgebung, vollziehende Gewalt und Rechtsprechung vor. Diese Gewaltenteilung der klassischen Verfassungslehre kann sogar besonders hohen Geltungsrang beanspruchen, da Art. 20 (4)  GG sie ausdrücklich mit einem „Widerstandsrecht“ aller Deutschen bewehrt.

Nun ist aber im Regelwerk der EU dieser Kernbestand der Gewaltenteilung nicht vollkommen durchgeführt. Vielmehr gilt die Kommission der EU – also eine von der Exekutive der Mitgliedsstaaten benannte EU-Behörde – als der eigentliche legislative Apparat. Selbst die Fachleute sind sich nicht einig, ob die EU-Kommission, also die Hauptquelle der Setzung europäischen Rechts, eher der Exekutive oder der Legislative zuzurechnen ist.

Widerspricht also die Verfahrensweise der EU, wie sie im Vertrag von Lissabon vereinbart ist,  den Staatsstrukturprinzipen  des Verfassungsrechtes, wie sie in Art. 20 GG niedergelegt und mit einer „Ewigkeitsgarantie“ versehen sind? Ich persönlich würde darauf mit einem eingeschränkten Ja antworten.

Das EU-Recht steht meines Erachtens nicht in vollem Einklang mit den Grundsätzen des Verfassungsrechtes der Bundesrepublik Deutschland, da es die vorgeschriebene Gewaltentrennung nur unvollständig durchführt. Unvollständige Gewaltentrennung ist wiederum gemäß der heute weitgehend anerkannten Verfassungslehre – etwa eines Montesquieu – das Ende der Freiheit oder Hauptquelle von Unfreiheit.

Das EU-Recht ist also in diesem Punkt nicht so sehr mit einem Demokratiedefizit als vielmehr mit einem Legitimitätsdefizit behaftet.

Die Frage, ob „allen Deutschen“, also nicht nur den staatlichen Organen der Bundesrepublik, im Extremfall ein Widerstandsrecht gem. Art 20 (4) gegenüber der EU zustünde, ist keineswegs einfach zu beantworten. Dabei kommt dieser Frage mehr als nur theoretische Bedeutung zu. Man denke nur an militärische Aggressionen gegenüber Drittstaaten, also etwa an die Bombardements in Libyen und anderen afrikanischen Staaten durch die EU-Mitgliedsstaaten Großbritannien und Frankreich.

Sollte etwa die EU in der Zukunft im Rahmen der gemeinsamen Sicherheits- und Außenpolitik (GASP) derartige präventive oder unterstützende Schläge gegen amtierende Regierungen in Drittstaaten anordnen, würde sich die Frage der verfassungsrechtlichen Legitimität der EU sofort viel brennender stellen als etwa jetzt bei der relativ unwichtigen Frage der EU-Kompatibilität der PKW-Maut.

 

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Der Lichtgesang des lachenden Engels

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Aug 042014
 

Beim Betrachten mir zugesandter Post fällt mir heute der Lachende Engel aus dem Ostchor des Bamberger Doms in die Hände. Mir ist, als wollte hier der Engel in ein Zwiegespräch mit einem unbestimmten Gegenüber eintreten.

Wer mochte dieses Gegenüber des Engels sein – ein noch zu findendes Du, ein anderes Ich, ein anderes Dich – ein Dichter?

Am ehesten hat wohl Eduard Mörike den unvergleichlichen Schmelz, den bannenden Reiz solcher Begegnungen mit einem engelartigen Wesen eingefangen:

Wenn ich, von deinem Anschaun tief gestillt,
Mich stumm an deinem heilgen Wert vergnüge,
Dann hör‘ ich recht die leisen Atemzüge
Des Engels, welcher sich in dir verhüllt,

Und ein erstaunt, ein fragend Lächeln quillt
Auf meinem Mund, ob mich kein Traum betrüge,
Daß nun in dir, zu ewiger Genüge,
Mein kühnster Wunsch, mein einziger, sich erfüllt?

Von Tiefe dann zu Tiefen stürzt mein Sinn,
Ich höre aus der Gottheit nächt’ger Ferne
Die Quellen des Geschicks melodisch rauschen.

Betäubt kehr ich den Blick nach oben hin,
Zum Himmel auf – da lächeln alle Sterne;
Ich kniee, ihrem Lichtgesang zu lauschen.

Quelle:
Eduard Mörike: An die Geliebte. In: Eduard Mörike. Werke. Herausgegeben von Hannsludwig Geiger. Deutsche Buch-Gemeinschaft. Berlin, Darmstadt, Wien 1961, S. 110-111

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Микола Васильович Гоголь oder Николай Васильевич Гоголь?

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Aug 042014
 

Meine lieben Russen sagen dies, meine lieben Ukrainer sagen das. Dies oder das – wer weiß da noch, wer recht hat? Vielleicht beide, oder? Ich würde sagen: Versöhnt euch lächelnd und lachend, o ihr Russen, und o ihr Ukrainer.

War Mikola Gogol bzw. Nikolai Gogol eigentlich Russe oder Ukrainer? Eine endlos zu diskutierende Frage! Ich selber halte mich bedeckt dazu. Wer bin ich, dass ich darüber urteilen könnte? Ein bayerisches Nichts, ein schwäbischer Niemand!

Der große ukrainisch-russische Schriftsteller schrieb seine Werke auf Russisch und zollte nichtsdestotrotz lebenslang seiner ukrainischen Herkunft dankbar lächelnd oder auch laut lachend Tribut. Und über die Missstände im russischen Riesenreich schrieb er – Bände. Der Revisor ist eine einzige lachhafte Anklageschrift gegen Duckmäusertum, Passivität, Spiegelfechterei und blinde Unterwerfung gegenüber den Autoritäten des riesigen Reiches.

Ukrainer oder Russe? S’ist unerfindlich, wie es Nathan der Weise  in Lessings Nathan dem Weisen sagt. In jedem Fall – ich erinnere mich einer sehr unterhaltsamen Puppentheater-Aufführung seiner „Schuhe der Zarin oder die Nacht vor Weihnachten“ – die wir vor einigen Jahren zur Weihnachtszeit in Moskau belachten.

Bullernde Wärme herrschte drinnen in der guten Stube im tiefverschneiten knackig-frostigen russisch-ukrainischen Winter. Deutlich hörte ich den strengen deutschen Akzent heraus, mit dem die Zarin Katharina die Große sich zum Thema Schuhe äußerte. Die FRAU und die Welt der SCHUHE – ein endloses, für Männer kaum eindeutig zu entwirrendes Drama. Hat Gogol das ganze Drama je durchschaut? Ich bezweifle dies sehr. Den ukrainischen Akzent des Schmieds hörte ich damals noch nicht heraus, meine bayrisch-schwäbischen (oder deutschen?) Ohren waren vollauf beschäftigt, der verworrenen Handlung in dem ukrainischen Dorf mehr oder minder vollständig zu folgen. Eher minder. Aber es war verteufelt, der Teufel steckte noch im kleinsten Detail.

Ich denke – niemand hindert die Russen und die Ukrainer daran, sich gemeinsam lachend über ihr gemeinsames kulturelles Erbe zu freuen. Große Schriftsteller können Brücken schlagen.

 

 

 

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Bardierter Wildfasan – nur etwas für kalte Tage?

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Aug 032014
 

2014-08-02 18.34.50

„Il est clair que sur un sujet ou sur un autre, ça va barder“ – so zitierte am 31. Juli 2014 auf S. 9 die Zeitung Le Monde den VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh in perfektem Französisch. „Es ist klar, dass es beim einen oder anderen Thema krachen wird“. „Barder„, ein umgangssprachlicher Ausdruck, den nicht jeder Nichtfranzose kennt. Irgendwas Unangenehmes ist da im Busch! Wenn es gleich bardiert, sollte man auf dem Quivive sein! 

Was aber bedeutet bardieren auf Deutsch? Was bedeutet: „Bardieren Sie den Fasan mit einigen Streifen Speck“? Das wollte ich wissen. Und genau das, dieses „Bardieren“ hab ich gestern gemacht. Ich wusch den schottischen wilden Fasan innen und außen, würzte ihn mit Salz und Pfeffer, bardierte bzw. umwickelte seine Brust mit Tiroler Speck und Bindfaden, erhitzte Öl und Butter in einem Bräter, briet den Fasan scharf an und ließ ihn dann bei 220 °C zu Ende braten.

In der Zwischenzeit halbierte ich schwarze Trauben, erhitzte Butter in einer Kasserolle, dünstete die Trauben kurz an, bestäubte sie mit Puderzucker und löschte sie mit etwas Rotwein ab. Den Bratensatz löschte ich dann mit Brühe ab.

Abschließend tranchierte ich den Fasan und reichte ihn zusammen mit der Sauce und den glasierten Trauben. Dazu reichte ich warmes Rotkohlgemüse und Gnocchi. Wir tranken einen lieblichen 2012er Erben Spätburgunder dazu. Mir wurde ganz warm ums Herz. Aller Zank und Hader der geschäftgen Welt da draußen war vergessen.

Triumph! Trotz einiger vorher zu hörender Unkenrufe, Fasan sei eigentlich ein Winteressen, konnte dieses Gericht uns auch an einem der schwülsten und heißesten Kreuzberger Tage glücklich machen.

Bild: das Endergebnis meiner Bemühungen um den bardierten Fasan. Es hat uns  vortrefflich gemundet.

 

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