Historische Tiefenprägungen: Griechenland als Teil des europäischen Ostens

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Jan 282015
 

Bezeichnend für den europäischen Osten, wie er sich etwa ab dem 8. Jahrhundert deutlicher und deutlicher vom Westen absetzt, ist das klare Bekenntnis der weltlichen Obrigkeit zu einer geistlich-kulturellen Obrigkeit. Als Beleg dafür mag gelten, dass der neue griechische Ministerpräsident Tsipras noch vor der Vereidigung seine Loyalität gegenüber dem Patriarchen der griechisch-orthodoxen Kirche bezeugt hat.  Der Osten pflegt seit mehr als 1000 Jahren – im Gegensatz zum europäischen Westen – bis zum heutigen Tage die Einheit von Thron und Altar, und zwar sowohl in den weiterhin christlichen Ländern, die eine echte Staatskirche, eine Staatsreligion haben, wie auch in der Türkei, dem mittlerweile komplett islamisierten Mutterland des Christentums, in dem das junge Bekenntnis nominell  im ersten Jahrhundert die erste Christengemeinde gründete. Auch die Türkei hat – wie Griechenland – bekanntlich eine Staatsreligion, den an allen staatlichen Schulen für alle Schüler  als Pflichtfach gelehrten sunnitischen Islam.  Griechenland hat – ebenso wie Russland wieder – eine Staatsreligion: die griechisch-orthodoxe bzw. russisch-orthodoxe Kirche.

Völlig konsequent ist es auch, dass Griechenland den engeren politisch-ökonomischen Schulterschluss mit dem orthodoxen Bruderland, mit Russland, sucht und findet.

Es ist ein Jammer, dass die EU sich eigentlich derzeit nur noch um das Geld dreht. Am Gelde hängt doch alles, zum Gelde drängt doch alles. Jammerschade, denn die EU böte eigentlich ein Dach, um die seit 1054 n. Chr. bestehende Spaltung in Westen und Osten durch die zeitüberdauernden echten Werte, die Werte der Demokratie, der Freiheit, durch den Dialog der der drei abramitischen Religionen im Geist der Solidarität zu überwinden.

Aber im Zeichen des Euro, unter dem Bann der philargyria (der schrankenlosen Liebe zum Geld, wie dies der griechischsprachige Apostel Paulus aus Tarsos nannte), befestigt sich die historische Tiefenspaltung Europas derzeit. Die europäische metanoia ist ausgeblieben.

Unerlässlich ist jetzt die Rückbesinnung, die Metanoia, auf die gemeinsamen – in griechischer Sprache verfassten – Grundpfeiler und Grundtexte Europas (die Philosophen Plato und Aristoteles, namentlich die Apologie des Sokrates, die griechische Übersetzung der hebräischen Bibel, also die Septuaginta, und das griechisch verfasste Neue Testament).

Die gegenwärtige EU-Politik hingegen mit der absoluten, pseudoreligiösen Anbetung des Geldes schadet der Einheit Europas in höchstem Maße, weil ihr jeder geistige und kulturelle Kompass fehlt. Es fehlt die Verankerung im griechischen Mutterboden. Es ist ein Offenbarungseid der Extraklasse.

Η εικόνα του ηγέτη του ΣΥΡΙΖΑ Αλέξης Τσίπρας απελευθερώνοντας ένα περιστέρι έχει γίνει με τον οικονομολόγο.

Σε μια κάπως ειρωνικό άρθρο με τίτλο «φτερά του», το βρετανικό περιοδικό αναφέρει ότι το στιγμιότυπο θα κάνει εκλογική τύχη του τίποτα, αλλά καλό.

 

via Economist: Ο Αλέξης Τσίπρας, ο Θεοφανείων και το περιστέρι … | Ορθόδοξοι περιοδικό Ορθόδοξη Περιοδικό.

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Weinende Männer sind gut. Tränen beleben den Staub

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Jan 272015
 

Ein heute vor allem in Deutschland komplett vergeßner morgenländischer Dichter deutscher Sprache – sein Name sei hier unerwähnt – schenkte uns beim Auspacken von Umzugs-Bücherkisten folgende Botschaft:

Laßt mich weinen! umschränkt von Nacht,
In unendlicher Wüste,
Kameele ruhn, die Treiber desgleichen,
Rechnend still wacht der Armenier ;
Ich aber neben ihm berechne die Meilen,
Die mich von Suleika trennen, wiederhole
Die wegverlängernden ärgerlichen Krümmungen.

Lasst mich weinen! das ist keine Schande.
Weinende Männer sind gut.
Weinte doch Achill um seine Briseis;
Xerxes beweinte das unerschlagene Heer,
Über den selbstgemordeten Liebling
Alexander weinte.

Lasst mich weinen !  Tränen beleben den Staub.
Schon grunelts.

Quelle:
Lyrik des Abendlands. Gemeinsam mit Hans Hennecke, Curt Hohoff und Karl Vossler ausgewählt von Georg Britting. Carl Hanser Verlag, München 1963, S. 356

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Jan 272015
 

Was meint eigentlich der vielstrapazierte Begriff  „Abendland“, der „Westen“, the „West“, „l’Occident“?

In alten Holzschnitten und Landkarten steht oft „Abend“ gleichbedeutend mit Westen, „Morgen“ mit Osten,“ Mittag“ mit Süden, „Mitternacht“ mit Norden.

Ich schlage vor, die Wörter Abendland, Okzident und Westen für die Zwecke dieser Betrachtung weitgehend synonym zu verwenden – zumal in den „westlichen“ Sprachen Englisch, Französisch und Italienisch ohnehin keine Scheidung der beiden Begriffe „Westen“ und „Abendland“ möglich ist.

„Der lange Weg nach Westen“, so fasst Heinrich August Winkler seine magistrale zweibändige Gesamtschau der deutschen Geschichte von 1806 bis 1990 zusammen. Der „Westen“, die „westliche Wertegemeinschaft“ steht bei H. A. Winkler und bei unzähligen anderen, meinungsprägenden Gelehrten, Intellektuellen und Politikern für „Rechtsstaat, Verfassungsstaat, Bundesstaat, Sozialstaat, allgemeines Wahlrecht und Parlamentskultur“ (Bd. I., S.2). Aufklärung, Sittlichkeit, Rechtsstaat, Demokratie kommen von „Westen“ her nach Deutschland, das gewissermaßen hin- und herschwankend zwischen dem fortschrittlichen, aufgeklärten Westen (dem Abendland) und dem rückständigen, autoritären, autokratischen Osten mühsam und unter unsäglichen Opfern seinen Weg gefunden habe.

Erst mit der deutschen Wiedervereinigung von 1990 habe Deutschland unverrückbar seinen Platz im Westen, im „Abendland“ also erhalten. Winkler schreibt: „Deutschlands Weg nach Westen war lang und auf weiten Strecken ein Sonderweg“ (Bd. II. S. 657). Wir dürfen das so verstehen, dass der Begriff des deutschen Sonderweges endgültig widerlegt sei: er sei gewissermaßen in sich erloschen.

Hochschätzung des europäischen Westens, Herabsetzung bzw. Unkenntnis des europäischen und asiatischen Ostens, das ist in der Tat eine fundamentale Grundkonstante unter den tonangebenden Intellektuellen der Bundesrepublik Deutschland. Das deutsche Vernichtungslager Auschwitz, dessen Befreiung durch die östlich-sowjetische Armee wir heute mit Tränen gedenken, wird so mitunter als Absage an die „westliche“, die „europäische“ Wertegemeinschaft gedeutet, als Verleugnung all dessen, was die „westliche Wertegemeinschaft“ ausmache, ja sogar als „asiatische Tat“ (Ernst Nolte). Ein absoluter Tiefpunkt! Darauf möchte man erwidern: Laßt uns weinen, umschränkt von Nacht; den Westen für gut und friedfertig zu halten, den Osten für gewaltgeneigt und rückständig – das ist eine allzu einfache, allzu holzschnittartige Darstellung. Könnte sie auch falsch sein?

Wie kam es aber zu diesem Spaltungsbewusstsein, zu dieser Dichotomie von Morgenland und Abendland, von Ost und West?

Eine entscheidende symbolische Wegmarke der Trennung Europas in „Abendland“ und „Morgenland“, in Westen und Osten, ist zweifellos das Morgenländische Schisma vom 16. Juli 1054: Papst Leo IX. lässt die Bannbulle auf dem Altar der Hagia Sophia in Konstantinopel niederlegen, daraufhin beruft Patriarch Michael Kerullarios eine Synode ein und erklärt dem Papst seinerseits den Kirchenbann. Ostkirche und Westkirche hatten damit einander für ungültig, für minderwertig erklärt.

Seither herrscht eine scharfe, aber bis zum heutigen Tag wirksame Scheidelinie zwischen Ost und West in Europa. Der Westen, das Abendland, ist lateinisch geprägt, er übersetzt die Bibel aus dem Lateinischen in die Volkssprachen, der Osten ist griechisch-slawisch und zunehmend arabisch-türkisch geprägt, er übersetzt die Bibel aus dem Griechischen in die Volkssprachen.

Ein großer Teil des christlichen Morgenlandes wird in der unmittelbaren Folge des Morgenländischen Schismas islamisch erobert. In weiten Teilen des Ostens  gilt der Koran als Wort Gottes. Der seldschukische Sieg von Mantzikert/Malazgirt im Jahr 1071 und die Eroberung Konstantinopels durch Mehmed den Eroberer im Jahr 1453 schaffen die Grundlage für das, was man früher gern als islamisch geprägtes „Morgenland“ bezeichnete.

Aus der europäischen, der weltgeschichtlichen Gesamtschau gehören  – so meine ich entgegen der Geschichtskonstruktion H.A. Winklers – die deutschen Territorien in politischer wie auch kultureller Hinsicht seit Otto I. stets unverrückbar zum europäischen Westen; zwischen Westen und Osten hin und her schwanken, einen west-östlichen Sonderweg beschreiten insbesondere die östlich von Deutschland gelegenen Gebiete, namentlich die Polnisch-Litauische Union unter den Jagiellonen und die Gebiete der heutigen Ukraine.

Die in der historischen Tiefenprägung wirksame Spaltung Europas in Osten und Westen wird auch heute noch bis in die tagespolitischen Verwerfungen hinein verhandelt, meist nur mit Worten und mit Schweigen; oft dreht sich der Streit um Schuld und Schulden;  aber leider wird derzeit auch mit Waffen gefochten.

Lese-Empfehlungen und Belege:
Heinrich August Winkler: Der lange Weg nach Westen. Deutsche Geschichte 1806-1933. München 2000 [Bd. I], hier vor allem S. 1-13; Der lange Weg nach Westen II. Deutsche Geschichte 1933-1990.München 2000 [Bd. II], hier vor allem S. 640-657
Der große Ploetz. Die Enzyklopädie der Weltgeschichte. 35., völlig neu bearbeitete Auflage, Freiburg im Breisgau 2008, hier vor allem S. 609-619, S. 644

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Von der Wichtigkeit des „Teufels vom Dienst“ in einer Gesellschaft ohne Gottesbezug

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Jan 212015
 

Aus dem Kopfschütteln komme ich nicht mehr heraus, wenn ich das Tollhaus betrachte, das mittlerweile in der deutschen Politik, in den deutschen Feuilletons ausgebrochen ist. Meine Gespräche mit afrikanischen Zuwanderern und Flüchtlingen aus den teilweise noch multireligiösen Staaten Westafrikas, meine Gespräche mit Muslimen in Kreuzberg und anderen Berliner Bezirken zeigen eine massive Bedrohungslage auf. Die westlichen, die „abendländischen“ Moslems fühlen sich durch die Islamisten bedroht. Sie sind durch die machtvolle Islamisierung  stärker bedroht als die Nicht-Muslime!

Wie das denn? Wieso fliehen so viele Muslime und Christen und Nichtglaubende aus den Staaten des vorderasiatischen und asatischen Ostens, aus den Staaten Nordafrikas und Westafrikas zu uns? Wieso fliehen so viele Juden aus Frankreich, das doch eigentlich ein Teil des „Abendlandes“ ist, nach Israel? Sie alle – Juden, Christen, Muslime, Religionslose – fliehen vor einer beispiellosen Welle der Gewalt, vor einem expansiven, raumgreifenden islamistischen Terror.

Gefürchtet wird vor allem von den säkularen und aufgeklärten Muslimen (den „Ramadan-Muslimen“, wie sie SPD-nahe Türken gern nennen), von den säkularen und aufgeklärten Türken die schleichende oder auch bedrohlich-massive Re-Islamisierung der Muslime, die schleichende oder auch bedrohlich-massive Re-Nationalisierung, die Re-Türkisierung der Türken. „Muslime! Ihr seid doch alle Muslime! Lasst euch nicht durch die Gottlosen verderben!“ So lautet die Melodie heute.

Das Gespenst der neo-fundamentalistischen Islamisierung der Moslems geht um in Westeuropa!

Die abendländischen Muslime der Mehrheit wollen aber nicht in einen Topf mit den Islamisten geworfen werden.

Und doch geschieht genau das. Bei jedem Protest gegen das zunehmend massive Auftreten der teils gewaltfreien und der teils gewaltbereiten Islamisten im europäischen Westen tun sich namhafte deutsche Politiker als Pro-Islam-Aktivisten hervor. Sie tun so, als stellte nicht der Islamismus, sondern ausgerechnet der Protest gegen das massive Vordringen des Islamismus eine Gefahr dar. Und dass der Islamismus massiv vordringt, werden auch die gutwilligsten deutschen Politiker hoffentlich nicht mehr leugnen.

„A bas la France – A bas Charlie Hebdo!“.  Unter diesen und schlimmeren Parolen wird in Niger, in Pakistan, in den Kaukasus-Republiken, im Iran der Hass auf Frankreich, der Hass auf den europäischen Westen (das sogenannte Abendland) geschürt (siehe etwa Le Figaro, 19. Januar 2015, Seite 7). Was tun die deutschen Spitzenpolitiker angesichts der anti-westlichen Massenproteste der aufgehetzten Massen in den islamischen Staaten? Sie schließen fest die Reihen gegen die Islamisierungswarner!

Der „Westen“, das ist das „Abendland“, „the West“, „l’Occident“. Und der heutige europäische „Westen“, das sogenannte „Abendland“ hat sich ganz entscheidend herausgebildet in der Zurückweisung jedes Absolutheitsanspruches, wie ihn etwa die römischen Kaiser, später der oströmische christliche Kaiser erhoben oder die verschiedensten muslimischen Machthaber erhoben und erheben.

Den deutschen Politikern, die sich zur Sache äußern, muss ich zugute halten, dass sie es ja eigentlich gut meinen. Aber sie haben offensichtlich keinen direkten Kontakt zu den Millionen und Abermillionen unpolitischen Muslimen, zu den Menschen von der Straße. Alle Botschaften, die auf die Funktionäre und Spitzenpolitiker treffen, sind vielfach interessengeleitet, sind gesteuert, bezwecken etwas.

Und dadurch, dass Pegida verteufelt wird, dadurch, dass man „Hass“ und „Herzenskälte“ hinter den Ängsten der Pegida-Unterstützer vermutet, stellt man sie per kardiologischer Fern-Diagnose in die Ecke des Teufels.  Man sieht: Auch wenn eine Gesellschaft als ganzes den Gottesbezug verloren hat, braucht sie doch den Teufel, den personifizierten Feind, geradezu lebensnotwendig.

In den Berliner Grundschulen, in den Berliner Sozialämtern, in den Ausländerbehörden wird allerdings ganz anders gedacht als es in den Verlautbarungen der Spitzen aus Gesellschaft und Staat durchklingt.

Der aus Ägypten stammende Deutsche Hamed Abdel-Samad schrieb gestern auf Facebook dazu:

„Frau Fahimi von der SPD lehnt einen Dialog mit Pegida ab. Wie steht sie denn zu jungen Muslimen, die die Demokratie ablehnen und die Salafisten nicht nur toll finden, sondern auch den Dschihad in Syrien? Sie würde sagen, wir müssen um die Herzen dieser Menschen kämpfen, denn sie sind marginalisiert und entwurzelt; wir müssen sie nicht ausschließen, sonst sind sie den Islamisten ausgeliefert! Sie würde sagen: unsere Jungs werden radikalisiert und wir müssen etwas dagegen tun. Sie würde sagen: versöhnen statt spalten!
Hat die SPD es abgelehnt, mit der Hamas Dialog zu führen? Nein. Mit den Muslimbrüdern? Nein. Oder mit dem Iran? Nein. Der außenpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion Niels Annen hat sogar mit Ali Akbar Velayati im Iran vor wenigen Wochen Dialog geführt: Velayati ist übrigens der Drahtzieher des Mykonos-Mordanschlags gegen kurdisch-iranische Oppositionelle in Berlin im Jahre 1992
Was ist los mit der SPD?“

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Die Angst der Muslime vor der Zwangsunterwerfung und der Re-Islamisierung

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Jan 212015
 

Ball grotesk – so muss man das wohl sehen, was derzeit in den deutschen Feuilletons und Kommentarspalten abgeht.

Libanon, Syrien und die Länder Westafrikas wie etwa Mali, Niger, Côte d’Ivoire, Nigeria, ja selbst Indien sind derzeit noch multikulturelle, derzeit noch multireligiöse Staaten im Afrika südlich der Sahara, im Nahen Osten (also im „Morgenland“)  und in Asien. Sie zittern  vor den erbarmungslosen Unterwerfungsfeldzügen des „Islamischen Staates“, „Boko Haram“ und anderer Milizen.

Zugleich finden sich hier in wenigen deutschen Städten Protestierende zusammen, die vor einer angeblich drohenden, schleichenden angeblichen partiellen „Islamisierung des Abendlandes“, einer „Landnahme“  warnen, wie dies vor Jahren bereits die Zeitung taz gemacht hatte, die Zeitschrift DER SPIEGEL in ihrer Titelgeschichte (Nr. 13/2007) gemacht hatte,  – und diese „Islamisierungskritiker“ (der SPIEGEL, die Pegida, die taz … und die ganze Mischpocha)  werden flugs als „islamfeindlich“ etikettiert.

Ihnen, diesen „Islamisierungs-Warnern“ von taz, Pegida und SPIEGEL und der ganzen Mischpocha stellt sich eine dicht geschlossene Phalanx der selbsternannten Anständigen in verschiedenen Pro-Bewegungen entgegen: bedingungslos Pro-Zuwanderung, bedingungslos Pro-„Weltöffnung“ (auch gegenüber allen Tschetschenen, auch gegenüber allen Serben, auch gegenüber allen Tunesiern), bedingungslos Pro-„Weltoffenheit“, bedingungslos Pro-Immigration. Augen zu – und durch – und immer fest Draufschlagen auf die Unanständigen, auf die „Islamfeinde“, so scheint das Motto zu lauten.

Ich finde, hier tut mehr Differenzierung not.

Das Hauptargument der Pro-Islam-Contra-Pegida-Bewegungungen lautet, es gebe keinerlei Gefahr einer „Islamisierung des Westens“, da rein statistisch die fundamentalistischen Islamisten innerhalb der Gesellschaft und auch innerhalb der Muslime eine Minderheit darstellten. Es gebe keinerlei Aussicht einer flächendeckenden oder begrenzten Islamisierung des „Abendlandes“. Manche schaut tief als gelernte Kardiologin hinein in die Herzen der Mitmenschen, entdeckt „Hass und Kälte“ im Herzen der Islamisierungskritiker, mancher entdeckt, wie warm und liebevoll sein Herz doch für die Muslime schlägt, von denen er freilich meist – wenn der Augenschein nicht trügt – im Alltag keine kennt.

Aus Kreuzberger Sicht stellt sich der Frontverlauf übrigens ganz anders dar als eben skizziert. Das riesige Privileg von uns Kreuzbergern in einigen Wohnvierteln wie dem meinen ist ja, dass wir bereits inmitten einer mehrheitlich durch weitgehend islamisch geprägte Zuwanderung geprägten Wohn-Umgebung siedeln.

Wie schätzen nun die hier in Deutschland ansässigen Muslime und Nichtmuslime, die aus den Staaten des Nahen Ostens und Afrikas zu uns kamen, die Lage ein? Sehen sie die Gefahr einer schleichenden Re-Islamisierung, einer expansiven „Landnahme“ oder Re-Islamisierung oder Neu-Islamisierung der aufgeklärten, der ehemals zum Teil multikulturell geprägten Länder des europäischen Westens, der westlich-säkularen und multikulturellen Staaten wie etwa Syriens oder Libanons?

Die Antwort darauf lautet: ja. Ganz offensichtlich ist dies so. Sie haben Angst.

Und das Argument der geringen Zahl? Gilt nicht. Gewaltsame, revolutionäre Bewegungen haben sich stets aus einer Minderheitenposition durchgesetzt.

Die russischen Bolschewiki etwa waren zunächst einmal eine Minderheit – sowohl in der Bevölkerung wie auch nicht zuletzt in der russischen SDAPR  selbst. Dann schlugen sie zu, als die Stunde günstig war; sie zertraten und vernichteten aus einer absoluten Minderheitenposition heraus ihre Feinde im Innern des eigenen Staates.

Und bis 1989 beherrschten sie, die Bolschewiki und ihre Nachfolger, dann die Hälfte Europas einschließlich Prags, Warschaus, Brodys, Czernowitz‘  und Budapests. Dann erst, in den Jahren 1989/1990 fiel der eiserne Vorhang.

Genaueres Hinsehen tut not. Ein Blick in die Seiten des für Flüchtlinge und Migration zuständigen Bundesamtes der letzten Jahre lehrt: Tschetschenien, Serbien, Tunesien waren je nach Jahr und je nach Bundesland mit die wichtigsten Herkunftsländer für Asylbewerber, obwohl diese Länder nachweislich damals bereits befriedet waren. Immer nur draufschlagen auf Kritiker und Warner wie SPIEGEL, Pegida und taz, und alle Türen für alle zuwandernden jungen Männer aus allen Ländern öffnen, wie dies nachweislich in den letzten Jahren geschah, kann nicht die Lösung für die Probleme von Tschetschenien, Serbien und Tunesien sein.

Wer aber in Not ist, soll unsere Hilfe bekommen. Er hat Anspruch darauf.

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La mar bella!

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Jan 202015
 

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Ich atme Weite, Seeluft, Meer, Ahnung von neuen Ufern! Begeisternd. Die Stadt Barcelona ist ein gebautes Rästel.

La mar bella! Nur Dichter und Fischer verwenden die See, das Meer mit diesem weiblichen Artikel, sie ist das Wandelbare, das Immer-Rauschende, das Ewig-Hinanziehende, sie ist LA MAR. Für andere, für uns Normalbeschuhte, für Segellose ist es nur el mar, das Meer.

Siehst du hier den Agbar-Turm? Er scheint beschuppt, wie ein Fisch, fließend wie das Wasser erhebt er sich aus der Ödnis der ihn umgebenden Gewerbebrache. O Agbar! Du bist wie Leviathan! In dir spiegelt sich die glitzernde Gesellschaft der Jetztzeit. Du erhebst dein Haupt weit über uns. Leviathan, Herrscher der Meere, Herrscher über uns! Zu deinen  Füßen schäumt die Gischt auf, dich rührt es nicht einmal zu einem Lächeln. Endlos beschuppter, strahlend gleißender Bau!

Und wie klein wirkt daneben die Sagrada Família, die heilige Familie, die unvollendet ist, über der sich die Kräne drehen im endlosen Reigen. Sagrada Família, Du wirkst wie ein Streiholzschächtelchen neben den Türmen dieser Welt. Immer unfertig, immer im Werden, gleichst du eher einem inwendigen Bild als einem im Außen wirksamen Bau.

Salzwasser leckte mir Füße und Schuhe heute, La Mar bella! Die Jogger liefen und rannten, das Meer schwappte und rollte, die Dünung wogte.

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Unité nationale? 3 Sprachen, 4 Sichtweisen!

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Jan 152015
 

Spannendes Überfliegen der heutigen Süddeutschen (München), der heutigen Monde (Paris), der heutigen New York Times über die Ereignisse der letzten Woche!

Die New York Times geht hinein in die Stadtränder, die Massenquartiere, z.B. Vaulx-en-Velin bei Lyon. Die Mehrheit dort fühlt sich nicht einbezogen, nicht angesprochen, nicht gemeint vom offiziellen Frankreich. Die Sympathien der jungen Französinnen und Franzosen, die im Artikel auf S. 4 zitiert werden, liegen teils auf Seiten der Ermordeten, teils aber auch auf Seiten der Täter.

In der Süddeutschen erkennt Joschka Fischer auf S. 2, welch tiefer Riss sich zwischen den drei größten Volkswirtschaften der Euro-Zone auftut. Er erkennt, dass der Unmut etwa der Italiener sich nicht nur gegen die „Austerity“ (also die Einhaltung der EU-Verträge) richtet, sondern zunehmend gegen das ganze Währungssystem und folglich auch gegen die gesamte EU. Fischer wiederholt das endlose Mantra der Regierenden, die bisher nirgendwo bewiesene Behauptung, kein einziges Problem, vor dem Europa stehe, sei allein und national besser zu lösen als innerhalb der EU. Warum sollen wir das glauben, Herr Fischer? Bedenken Sie: Die EU, namentlich die Eurozone steht doch insgesamt derzeit schlechter da als einzelne Staaten, die salopp gesagt ihr eigenes Ding machen wie etwa das clevere Luxemburg (der absolute Einkommens-Überflieger in der EU – wie machen die das?), die clevere Schweiz, Singapur, die stolzen USA oder das reiche Norwegen.

L’union nationale, jusqu’à quand?“ In der Monde fällt auf, wie stark das offizielle Frankreich auf der Einheit der Nation pocht, wie sehr die republikanischen Werte beschworen werden. „Wir sind doch alle Franzosen, der französische Staat schützt jeden einzelnen seiner Bürger – unabhängig von Rasse, Religion, Hautfarbe und Herkunft“, so lassen sich die Äußerungen zusammenfassen. Aber auf S. 5 erwähnt das Blatt auch, dass die Zeitschrift Charlie Hebdo seit 1992 48 Mal vor Gericht verklagt und neun Mal verurteilt worden ist, hauptsächlich wegen „Verleumdung“. Vor französischen Gerichten!  Auffallend, dass fast nirgendwo in der französischen Debatte ein Bezug auf andere EU-Länder genommen wird!

Kurz: Die drei genannten Zeitungen bieten heute wie so oft einen Beleg für das ganz unterschiedliche Meinungsbild in Frankreich, Deutschland und den USA. Diese Vielfalt ist spannend, sie lässt die Eigenarten der Nationen schroff und unverbrämt hervortreten: zunächst einmal das pathetische, typisch deutsche Bekenntnis eines Joschka Fischer zu europäischen Werten, die unrealistische, nur in Deutschland verbreitete Einschätzung, dass die Nationen eine Sache der Vergangenheit seien und dass die Zukunft den großen überstaatlichen Machtverbünden gehöre – dann das gespaltene gesellschaftliche Bewusstsein der französischen Nation, die immer wieder den Zusammenhalt beschwört – und schließlich der realistische, ernüchterte Blick der USA auf tatsächliche Verwerfungen in den heterogenen, multikulturellen und multireligiösen Gesellschaften der heutigen Einwanderungsländer.

 

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Trouvaille des Tages auf dem Titel der Rechtschreibbibel

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Jan 152015
 

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Rechtschreibfehler bei der Sprach-Instanz: Der Duden als Naschlagewerk – Welt – Tagesspiegel.

Der Duden als Naschlagewerk? Herrliche Trouvaille, die uns der Tagesspiegel auftischt! Darüber sich lustig zu machen, ist jedoch unweise und kurzsichtig. Wenn man nämlich etwa seinen deutschen Luther im Original aus den Quellen liest, wird man erkennen, dass alle unsere heute gedruckten deutschen Texte gegenüber damals eine unvergleichlich größere Einheitlichkeit bieten als alles, was damals auch nur ein einzelner Deutschschreibender – etwa Martin Luther oder Albrecht Dürer – zu Papier gab.

Es fehlte schlechterdings jahrhundertelang eine in allen deutschen Gebieten anerkannte Rechtschreibnorm. Noch Goethe rang fast täglich im Verein mit dem damals führenden Wörterbuch, dem „Adelung“, mit seinen Sekretären und Verlegern um die jeweils beste, möglichst einheitliche Schreibung.

Nebenbei: Eine köstliche Nascherei bot damals im Jahr 1996 die 21. Auflage des Rechtschreibdudens; mancher hatte sich redlich abgemüht, die Feinheiten der „neuen Rechtschreibung“, der berühmten „Rechtschreibreform“ zu erlernen – eines elitären Unterfangens wohlbestallter Akademiker, das der ehemalige Bundespräsident Herzog „überflüssig wie einen Kropf“ nannte.

Roman Herzog: ein echter Populist der Mitte im besten Sinne, der kein Blatt vor den Mund nimmt und sich kein X für ein U vormachen lässt, damals wie heute – auch wenn es nicht bloß die deutsche Rechtschreibung, sondern den weit gravierenderen, sich zusehends verschärfenden Normenkonflikt  zwischen dem Verfassungsrecht der Bundesrepublik Deutschland und dem durch ein fast unübersehbar kompliziertes Vertragswerk gesetzten Recht der Europäischen Union betrifft!

Wie überrascht sind manche, dass selbst die vertragsschließenden Parteien der EU-Verträge namentlich im Zusammenhang mit der Wirtschafts- und Währungsunion immer wieder gegen die selbstverkündeten Regeln verstießen und weiterhin verstoßen – ein „Schandstück“, wie es recht undiplomatisch der Altkanzler Kohl (CDU) zu Protokoll gab.

Wie überrascht waren manche zu erkennen, dass selbst der Rechtschreibduden immer wieder gegen die selbstverkündeten Regeln verstieß und verstößt!

Seit jeher weist ja die deutsche Rechtschreibung – sowohl alt wie neu –  allerlei glitschige Klippen und Fallstricke auf. Unvergesslich bleibt mir da beispielsweise die genannte 21., 1996 erschienene Auflage des Mannheimer Rechtschreibdudens. Sie brachte neben den unvermeidlichen Flüchtigkeitsfehlern gleich mehrere dicke Zeichensetzungsfehler auf dem Umschlag des Buches (wie oben abgebildet).

Der Fehler bestand darin, dass mehrere Male freistehende Zeilen des Titels – also Überschriften – mit einem Punkt abgeschlossen wurden. Ja, wie denn das: Abschluss einer freistehenden, vom übrigen Text abgehobenen  Zeile mit einem Punkt? Dies gilt seit 1900 als falsch, obwohl es bis etwa 1900 gang und gäbe war. Auch die amtliche Neuregelung blieb bei diesem Prinzip; siehe § 68 der amtlichen Regelung der deutschen Rechtschreibung in der letzten Fassung von 2010: „Nach freistehenden Zeilen setzt man keinen Punkt.“

Lies das corpus delicti selbst:

Die deutsche Rechtschreibung

Das Standwerk zu allen Fragen der
Rechtschreibung

Auf der Grundlage der amtlichen Rechtschreibregeln.

Mehr als 115 000 Stichwörter […]

Schau genau hin! Siehst du den Fehler? Der Punkt hinter „Rechtschreibregeln“ ist strenggenommen fehl am Platze. Sei’s drum. Wir wollen nicht päpstlicher als der Papst sein. Die tüchtigen Frauen und Männer in der DUDEN-Redaktion sind sicher Manns genug, dieses kleine Interpunktions-Malheur, das auf dem Titel der 21. Auflage des Rechtschreibdudens von 1996 prangt, in ihr Kuriositätenkabinett aufzunehmen! Seien wir nachsichtig! Wer weiß, vielleicht steckt auch dieses Blog voll unbemerkter Rechtschreibfehler? Es wäre keine Schande und auch kein Schandstück!

 Posted by at 11:33