Wer begann am 30.11.1939 den sowjetisch-finnischen Krieg?

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Apr 272015
 

„Mein finnischer Großvater schloss sich 1940 freiwillig der SS an, wie ich kürzlich mit Entsetzen feststellen musste“, so erzählte es mir kürzlich ein finnischer Bekannter.

„Und mein bayerischer Großvater weigerte sich am 9. März 1933 trotz körperlicher Bedrohungen durch die SA, einen Befehl der NSDAP auszuführen und die Hakenkreuzflagge an dem Rathaus auszuhängen, dem er damals als Bürgermeister vorstand. Er wurde kurz darauf – nach 2-wöchiger Inhaftierung – abgesetzt und durch einen NSDAP-genehmen Mann ersetzt“, erwiderte ich.

2 europäische Großväter, 2 europäische Geschichten! Lang ist’s her, dennoch entdeckt man immer wieder Überraschungen!

Von sowjetischem Boden ging im 20. Jahrhundert immer wieder Krieg aus. Der sowjetische Überfall auf Finnland ist nur ein Beispiel dafür. Wieso schlossen sich so viele Finnen und Balten 1939 und danach der SS an? Antwort: Die Sowjetunion betrieb damals eine aggressive Außenpolitik und plante – wie man heute nachweisen kann – die Annexion des gesamten finnischen Territoriums.

Die Sowjetunion hatte Finnland, nachdem dieses den verlangten Gebietsabtretungen nicht zugestimmt hatte, am 30.11.1939 angegriffen, zivile Ziele bombardiert und in diesem letztlich gewonnenen „Winterkrieg“ sich tatsächlich einen Teil des finnischen Territoriums einverleibt (12.03.1940).

Wer griff wen an? Wer war schuld an der Entfesselung des finnisch-sowjetischen „Winterkriegs?“ Die Antwort der sowjetischen Kommunisten auf diese Frage war klar! Wie es die russische Wikipedia schreibt, wusste die Sowjetunion sich als Opfer finnischer Aggression darzustellen. Nach sowjetischer Darstellung war der Überfall auf Finnland ein Präventivkrieg:

Ответственность за начало военных действий была полностью возложена на Финляндию.

„Die Verwantwortung für den Beginn der kriegerischen Ereignisse wurde ausschließlich Finnland angelastet.“

Nach dieser Teilannexion Finnlands wurden auch die drei baltischen Staten Estland, Lettland, Litauen durch die Sowjetunion annektiert (21.07.1940) und verloren ihre staatliche Eigenständigkeit.

Ähnlich wie Italien ab 1935 und das Deutsche Reich ab 1938 betrieb also die Sowjetunion damals eine aggressive, kriegerische Annexionspolitik. Sie wurde deshalb am 14.12.1939 aus dem Völkerbund ausgeschlossen.

Diese drei Mächte – Italien, Deutschland, Sowjetunion – schienen damals miteinander zu wetteifern, wer mehr Gebiete der Nachbarn gewissermaßen auffraß.

In dieser Situation sahen viele Finnen nur noch im Waffenbündnis mit Deutschland eine Möglichkeit, den Fortbestand Finnlands zu sichern, und schlossen sich den Freiwilligenverbänden der SS an. Sie wurden Teil eines (wie wir heute urteilen) verbrecherischen Systems, um sich vor einem anderen verbrecherischen System zu schützen, das sie existenziell bedrohte.

Wir dürfen sagen: Die Sowjetunion ab 1917, Deutschland ab 1933 und Italien ab 1924 wiesen zahlreiche Gemeinsamkeiten auf: alle drei betrieben Konzentrationslager, sie schalteten innere „Feinde“ gewaltsam aus, sie unterdrückten die Minderheiten, sie errichteten einen totalitären Staat, und sie waren bestrebt, ihr Staatsgebiet durch kriegerische Handlungen zu erweitern.

So bereiteten Italien, Spanien, Deutschland und Russland etwa ab 1935 die Bühne für den nächsten großen Europäischen Krieg, der dann ab 22.06.1941 in den 2. Weltkrieg umschlug. Ab Sommer 1941 war der 2. Weltkrieg kein 2. Europäischer Großer Krieg mehr, sondern der europäische und der asiatische Kriegsschauplatz gehörten zusammen.

So begann der 2. Weltkrieg.

Советско-финская война (1939—1940) — Википедия.

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Am Thore des Orients

 Karl May  Kommentare deaktiviert für Am Thore des Orients
Apr 242015
 

Einer der meistunterschätzten deutschen Schriftsteller ist der Radebeuler Karl May. Ich schreibe diese Worte nur einen Büchsenschuss entfernt von der Villa Bärenfett, hier am geöffneten Fenster der Villa Elisabeth in der Nizzastraße. Der Pfeil der Gedanken schießt hinunter, an der Martin-Luther-Kirche vorbei, und bleibt stecken an folgendem Satze:

„Meinst du nicht, daß unser Gott und Allah ganz derselbe sei?“

Zweierlei Texte liegen aufgeschlagen vor mir: Das Kapitel „Am Thore des Orients“ aus der 1901 erschienenen Reiseerzählung „Et in terra pax“. Hier beschreibt der christliche Weltenbürger Karl May eine in Kairo spielende Szene, in der ein amerikanischer christlicher Missionar einen betenden Moslem, den Eseltreiber Sejjid Omar, aus seinem Gebet aufzuschrecken versucht und nur durch seinen sprachkundigen Dolmetscher und seine leibliche Tochter daran gehindert wird, schweres Unrecht und schwere Beleidigung zu begehen. In Omar entflammt Jähzorn wegen der törichten Worte des Missionars, den der betende Moslem nur mühsam beherrscht und eindämmt. Diese kleine Szene enthält in nuce bereits die gesamte Debatte um die Karikaturen von Carlie Hebdo!

Der entscheidende Satz, den die Tochter des Missionars ausspricht, ist:

„Meinst du nicht, daß unser Gott und Allah ganz derselbe sei?“

Karl Mays „Am Thore des Orients“ ist ein bedeutendes, bis heute nicht ausgeschöpftes Dokument der Politik-Analyse! Theologen, Politologen, Journalisten, Politiker, Kulturwissenschaftler könnten ihn einmal aufschlagen. Man sollte den oft belächelten „Westmann“ Karl May der heutigen deutschen Schuljugend nahebringen ebenso wie Friedrich Schiller ja auch, dessen Namen hier im Ort eine Grundschule trägt.

Nicht minder bedeutend, wenngleich jüngeren Datums, ist der andere aufgeschlagene Text, die Gründungserklärung des „Muslimischen Forums Deutschland“, abgedruckt auf S. 2 in der heutigen Zeitung DIE WELT. Hier melden sich Menschen zu Wort, die sich als Bürgerinnen und Bürger Deutschlands und zugleich als Muslime sehen. Ihr mich sehr überzeugendes Manifest endet mit der folgenden zentralen Aussage:

„Angesichts der aktuellen und in ganz Europa zunehmenden Polarisierung sowie der kulturellen und religiösen Spannungen ist es gerade heute so wichtig wie nie zuvor, die Würde und Freiheit des Individuums als unser Fundament zu bekräftigen.“

Nun, auch damals wäre es wichtig gewesen, dies Fundament zu bekräftigen, damals im Jahre 1901, und im Jahre 1914, und am 24.04.1915 in Istanbul und Eriwan, und im Oktober 1917 in St. Petersburg, und 1921 in Rom, und 1933 in Berlin, und am 1.9.1939 in Gleiwitz/Gliwice und… und … !

Sowohl die Tochter des Missionars als auch die Menschen des Muslimischen Forums Deutschland verdienen weithin Gehör, – weiter als ein Büchsenschuss trägt!

Karl May: Et in terra pax. Reiseerzählung. Weltbild Verlag, Augsburg 2004, S. 29-33. Das Buch wurde mir vorgestern im Karl-May-Museum Radebeul verkauft.

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Ein Volk, eine Einzigartigkeit, kein Gott: Deutschland

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Apr 222015
 

Der Mönch Adso von Melk berichtet in dem Namen der Rose von dem einzigen Ereignis, das unbestreitbar und unleugbar sei – die unumkehrbare Wahrheit, la verità incontrovertibile, von dem das süße Psalmodieren der Mönche im Kloster summt und singt. Welches ist nun dieses Ereignis, die einzige ereignete Wahrheit, auf der der Glaube dieser Mönche in der Erzählung Umberto Ecos gründet?

Wir vermuten: Es ist die Botschaft von Gottes eingeborenem Sohn, der filius unigenitus, Jesus Christus, dieses für die Christen aller Zeiten so einzigartige Ereignis, die Geschichte von Leben, Leiden, Sterben und Auferstehung Jesu Christi, welche nach den Worten des Geschichtsphilosophen Hegel die Weltgeschichte in ein Vorher und ein Nachher trennt.

Für die gläubigen Christen aller Zeiten (sie sind stets eine Minderheit gewesen und sind es in Deutschland heute mehr denn je) gibt es dieses eine, einzigartige große Ereignis – die Menschwerdung Gottes in Jesus Christus, die Menschwerdung Gottes in jedem einzelnen Menschen, der heute und morgen geboren wird: Weihnachten.

Die Kreuzigung Jesu ist für die Christen das exemplarische Menschheitsverbrechen schlechthin: schuldlos und grundlos hingerichtet wegen seines So-Seins, wegen seines Anders-Seins: Karfreitag.

Christus ist auferstanden: Die Auferstehung Jesu Christi ist das einzige einzigartige Ereignis für den Adso von Melk, für Johannes den Evangelisten, ja sogar für den Apostel Petrus: Ostern.

Alle anderen Ereignisse erscheinen im Spiegel dieses Heilsgeschehens wie ein Reflex, wie eine Steigerung, Wiederholung, Abwandlung oder Anverwandlung dieser einzigartigen biblischen Geschichte. Abwendung von Jesus Christus bedeutet Leugnung der Einzigartigkeit dieses Ereignisses. Die Einzigartigkeit Jesu Christi wurde im Christentum hunderttausendfach besungen, bebildert, verankert, seine Botschaft der Einheit und Einzigartigkeit von Gottes- und Menschenliebe wurde von früh bis spät gesungen, gepredigt, vorgelebt und nachgeahmt. Das ganzkörperliche Opfer Christi (im Judengriechisch also der Holokaust Jesu Christi) wird gedeutet als Vorspiel und Nachspiel jeder anderen Hinmetzelung von Menschen.

Genau diese Einzigartigkeit eines Ereignisse wollen nun die Fraktionen von CDU und SPD vereinnahmen für ein Ereignis des 20. Jahrhunderts: den Holokaust, besser die vielen, vielleicht 6 Millionen Holokausts der europäischen Juden in den Jahren 1942-1945. Diese 6 Millionen Holokausts werden durch diese neuartige pseudopolitische Ersatztheologie des Bundestages zum Substitut des früheren Glaubens der Christen an die Einzigartigkeit von Kreuzestod und Auferstehung!

Die Holokausts (der Holokaust) werden zum begründungslosen, nicht befragbaren, unhintergehbaren Kristallisationspunkt deutscher Identität. Der Holokaust wird in Deutschland immer stärker zum übergeschichtlichen Ereignis verklärt, wird tausend- und abertausendfach beschworen, bebildert, wiederholt und rituell verteidigt, durch strafrechtliche Leugnungsverbote eingehegt.

Wir zitieren beispielhaft aus dem neuesten Beschlussentwurf des Bundestages (Hervorhebung durch uns):

In dem neuen Text von Union und SPD im Bundestag steht nun, 1915 habe das damalige türkische Regime mit der planmäßigen Vernichtung von mehr als einer Million Armenier begonnen. Wörtlich heißt es: „Ihr Schicksal steht beispielhaft für die Geschichte der Massenvernichtungen, der ethnischen Säuberungen, der Vertreibungen und der Völkermorde, von denen das 20. Jahrhundert auf so schreckliche Weise gezeichnet ist. Dabei wissen wir um die Einzigartigkeit des Holocaust, für den Deutschland Schuld und Verantwortung trägt.“

Auffallend: Nicht Nazi-Deutschland, nicht die deutschen oder besser europäischen Mörder von damals trugen nach Meinung des Bundestags individuelle Schuld, sondern ganz Deutschland trug damals und trägt auch heute und fürderhin weiterhin Schuld. So sehen das die Fraktionen von CDU und SPD im Deutschen Bundestag. Also tragen alle Deutschen Schuld am Holokaust – auch Thomas Mann, auch Paul Gerhardt, auch Albert Einstein, auch die deutschen Juden von damals und heute, auch Margot Käßmann, alle alle alle Deutschen sind schuldig in alle Ewigkeit.

Es ist eine reizvolle Aufgabe nachzuvollziehen, wie der ehemals verstandene Gottesbezug in der Präambel des Grundgesetzes nunmehr in der deutschen Gesellschaft und im Deutschen Bundestag durch einen universal durchgesetzten, nicht mehr bezweifelbaren Holokaust-Bezug ersetzt werden soll.

Eine Gesellschaft wie die unsrige, die mit dem Gedanken der Einzigartigkeit der Menschwerdung Gottes nichts mehr anfangen kann, hat sich eine felsenfeste Ersatzgewissheit gesucht und gefunden und schickt sich an, an diesem Freitag durch den deutschen Bundestag die Einzigartigkeit deutscher Schuld, die Unvergänglichkeit der Schuld Deutschlands auf alle Zeiten in Stein zu meißeln.

Während das Judentum und das Christentum Religionen des Lebens sind, möchte der Deutsche Bundestag offenbar eine absolute Religion des Bösen, eine dauerhafte Fixierung an die Gewissheit kollektiver, völkischer Schuld verkünden: die Holokaustbindung der Bundesrepublik Deutschland wird so zur leibhaftigen Religion des Todes.

Es ist reizvoll zu erkennen, dass der Bundestag ein zutiefst reliöses Wort aus dem alexandrinischen Judengriechisch übernimmt, um dem Holokaust eine abgründige, sakrale Würde zu verleihen. Diese Sakralisierung des abgrundtief Bösen ist spiegelbildlich verkehrt zur Banalität des Bösen, von der Hannah Arendt sprach.

Für den Deutschen Bundestag tritt wohl am Freitag der Holokaust des europäischen Judentums als Ersatzmythos an die Stelle des weithin verdrängten und vergessenen früheren Glaubens an den Menschen Jesus Christus. Statt an den auferstandenen Menschen Jesus Christus glauben sie an den immer zu besiegenden Teufel, sie glauben, dass Deutschland die Inkarnation des Bösen darstellt.

via Genozid: Merkel nennt Massaker an Armeniern nun doch Völkermord – DIE WELT.

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In der Migrantenfrage gibt es kein Alibi mehr. Der Tod ist unerbittlich

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Apr 202015
 

Furchtbare Schicksale ereignen sich Tag um Tag im Mittelmeer. Hinter jedem dieser Schicksale steckt eine Geschichte, ein Gesicht, ein Mensch, eine Entscheidung! Es sind einzelne Menschen, ganz überwiegend junge Männer, die den Entschluss fassen, aus ihren Herkunftsländern aufzubrechen, um irgendwo, meist in Deutschland, ein besseres Leben zu finden.

Ville Tietäväinen, der großartige finnische Comiczeichner und Illustrator, hat sich die Geschichten in Nordafrika angehört, er sprach und lebte mit Migranten in Nordafrika und hat seine Erfahrungen einfühlsam in den großartigen Comic-Band „Unsichtbare Hände“ (Näkymättomät kädet) gegossen. Unbedingt lesenswert, hier kommen endlich die Migranten selbst zu Wort!

Eine weitere dieser zahlreichen einzelnen Geschichten brachte soeben BBC World im Radio: Omar, 17 Jahre alt, ältester von 5 Geschwistern, aus dem Senegal stammend, beschloss eines Tages zusammen mit der Familie, dass er als ältester der Brüder ausziehen sollte, um ein besseres Leben zu finden. „It was my family situation. And one day we decided that I should go to Europe.“ Lange saß Omar in Libyen fest. Endlich klappte es, er zahlte den Schleppern eine hohe Summe. Omar war einer der Migranten, die den Schiffbruch des heutigen Tages, bei dem über 900 eng zusammengepferchte Menschen in einem umkippenden Boot dem Ertrinkungstod entgegensehen mussten, überlebten. Die übergroße Mehrheit der knapp 1000 afrikanischen Migranten auf dem schwimmenden Sarg waren und sind wie üblich junge Männer, aber auch 40 Kinder und 200 Frauen sollen sich auf dem Schiff befunden haben. Eine ungeheuerliche kriminelle Energie steckt hinter dem florierenden Business der Schlepper und Schleuser, und leider auch große Unwissenheit und Ratlosigkeit bei den Opfern.

Wie all die anderen Migranten musste der Senegalese Omar eine hohe Geldzahlung leisten, um auf den Seelenverkäufer gelassen zu werden. Was ihn erwartet, darüber wurde er nicht aufgeklärt.

Nebenbei: Im Vergleich zur deutschen Debatte, wo stets von „Flüchtlingen“ oder „Asylbewerbern“ (refugees/réfugiés) gesprochen wird, werden eben diese selben jungen Männer aus den afrikanischen Ländern, die viel Geld für die Überfahrt bezahlt haben, in den anderen EU-Ländern und auch in den USA stets als „Migranten“ (migrants) bezeichnet. Dies scheint mir in der Tat zutreffender zu sein. Denn die Schwächeren, also die Kinder, die Mütter, die Alten bleiben in aller Regel in den Herkunftsländern. Wer aus Nordafrika zu uns aufbricht, das sind offenbar überwiegend die Stärkeren, die Jüngeren, die Männer, kaum je die Frauen, die Kinder, die um so hilfloser zurückbleiben. Auch bei uns in Kreuzberg kommen ganz überwiegend junge Männer als Asylantragsteller an.

Was bei uns als Flüchtlings- und Asyldebatte firmiert, das segelt also bei den anderen EU-Ländern als Immigrationsdebatte. Die südlichen EU-Länder haben erkannt, dass es hier um systematische Zuwanderung mehr als um Flucht und Vertreibung geht.

Migration, Immigration ist das große Thema für die EU! Hilfe, Nothilfe, die ausgestreckte Hand für die gestrandeten Menschen ist Menschenpflicht, Erkenntnis der Ursachen und der Erscheinungsformen der Migrationsbewegung vor allem nach Deutschland, also der berühmten „Pull-Faktoren“ der Migration, ist ebenfalls dringend geboten.

« Les tragédies de ces derniers jours, de ces derniers mois, de ces dernières années, cen est trop !, a martelé lundi la chef de la diplomatie européenne, Federica Mogherini, à son arrivée à Luxembourg. Nous navons plus dalibi. LUnion européenne na plus dalibi, les Etats membres nont plus dalibi. » Une nouvelle « stratégie » concernant limmigration doit être présentée à la mi-mai par le commissaire européen chargé du dossier, Dimitris Avramopoulos

.

via Naufrage en Méditerranée : « LUnion européenne na plus dalibi ».

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Brauchen wir ein staatliches oder amtliches Geschichtsbild?

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Apr 172015
 

Die Benennung und Bewertung geschichtlicher Ereignisse wird immer wieder zum Gegenstand offizieller Sprachregelungen, ja mitunter werden falsche – oder als falsch deklarierte – Meinungen sogar strafrechtlich verboten.

Plato hat deswegen Dichter völlig aus seinem Idealstaat verbannt, weil sie ja soviel Lügen auftischten und lauter Trugbilder erzählten.

Soll man Lügen und Leugnen, Dichten und Phantasieren strafrechtlich verbieten? Die französische Nationalversammlung hat dies mit Bezug auf Armenien getan – wobei bezeichnenderweise nicht die Leugnung von im französischen Namen begangenen einzigartigen Massakern (Indochina und Algerien im 20. Jahrhundert, Afrika und Europa in Napoleonischer Zeit) unter Strafe gestellt wird, sondern die Leugnung des armenischen Genozids.

Belgien hat das Leugnen der auch von Belgiern begangenen, ungeheuer grausamen Kolonialgreuel in Belgisch-Kongo nicht unter Strafe gestellt, wohl aber das Leugnen der ungeheuer grausamen von den Deutschen begangenen Greuel usw. usw. Jeder Staat scheint diejenige Lüge unter Strafe zu stellen, die ihm aus Opportunitätsgründen gerade in den Kram passt.

Ich persönlich bin freilich gegen derartige Wahrheitsfeststellungen durch die Politik. Beispielsweise wird immer wieder gesagt: „Alle Rassisten sind Verbrecher. Denn Rassismus ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen.“ Dann müsste man aber auch Sigmund Freud als Verbrecher bezeichnen, denn wie zahlreiche frühere andere bedeutende Wissenschaftler und bedeutende Philosophen Europas (Kant und Voltaire etwa) hat er sich klar rassistisch geäußert, in dem Sinne nämlich, dass er von höher und niedriger entwickelten Menschenrassen sprach (z.B. in „Das Unbehagen in der Kultur“).

„Wir Deutschen haben zwei Mal – im Ersten und im Zweiten Weltkrieg – die ganze Welt in den Abgrund gezogen. Und wir Deutschen tragen eine erhebliche Mitschuld auch an dem Armenien-Genozid, wir Deutschen müssen endlich unsere Verantwortung und unsere Schuld auch am Genozid an den Armeniern öffentlich eingestehen.“

Diese Bereitschaft, auch für weit zurückliegende Verbrechen anderer die ganz persönliche Schuld zu übernehmen und glaubwürdige Reuegefühle zu manifestieren, finden wir besonders gut bei dem Dichter Paul Gerhardt ausgeprägt, dem in Lübben ein Standbild gewidmet ist. Er dichtet:

„Ich bin’s, ich sollte büßen
an Händen und an Füßen.“
„Ich, ich hab es verschuldet,
Was du getragen hast.“

„Deutschland trägt, wir Deutschen alle tragen unermessliche Schuld.“ Derartige Sätze kann man immer wieder von hochrangigen Vertretern der Bundesrepublik Deutschland und des Deutschen Bundestages hören.

Man kann das so sehen. Man darf durchaus die These vertreten, das „wir Deutschen“ die Alleinschuld am Ersten und am Zweiten Weltkrieg und auch die Schuld oder mindetens Teilschuld am Armenien-Genozid trügen. Der ehemalige Außenminister Joschka Fischer hat sich während seiner Amtszeit etwa in diesem Sinne immer wieder hervorgetan.

Man kann es aber auch anders sehen – wie etwa Historiker, die von „Beiträgen aller Großmächte zur Kriegsauslösung“, von „Kausalketten“, von „Interessenkollisionen der Großmächte“ usw. sprechen.

Und es ist wichtig, dass den Politiker-Meinungen über Vergangenes auch widersprochen werden darf. Historiker haben sehr oft eine andere Meinung zur Geschichte als Politiker, Zeitzeugen vertreten sehr oft andere Ansichten als Schriftsteller, Politiker und Historiker. Und das ist auch gut so.

Um es kurz zu machen: Geschichtspolitik, Erinnerungspolitik ist Teil des politischen Kräftespiels, unterliegt dem Machtkalkül und dem Machtbegehr. Ihr oberstes Ziel ist nicht die Erkenntnis der Wahrheit.

Wir brauchen gerade deshalb kein normiertes, kein einheitliches staatliches Geschichtsbild. Jede Gesellschaft soll und wird unaufhörlich im freien Gegeneinander der Meinungen neue Zugänge zur eigenen Vergangenheit finden. Was z.B. früher – in Polen, der Ukraine oder der Sowjetunion – unter Strafe gestellt wurde – z.B. das Aussprechen der Wahrheit über die Massaker von Katyn, das Aussprechen der Wahrheit über die Lager in Kolyma oder Magadan – kann morgen schon erlaubt sein.

Ich meine: Die politische Macht, das Parlament, die Regierung dürfen und sollen nicht festlegen, was eine gesetzlich erlaubte oder eine gesetzlich verbotene Meinung über geschichtliche Ereignisse ist. Ich gehe sogar noch einen Schritt weiter: Nicht einmal das bewusste oder unbewusste Lügen über geschichtliche Wahrheiten als solches darf verboten werden.

Wir brauchen kein „Ministerium für Wahrheit“, wie das in George Orwells Roman „1984“ an die Wand gemalt wird.

Wohlgemerkt: Völkermorde, Shoaim, wie man auf Hebräisch sagt, auch der armenische Völkermord sollen durchaus einen Platz im Gedächtnis der Welt haben, wie dies Reinhard Veser heute ja sehr schön, sehr abgewogen auf S. 2 der FAZ formuliert. Der Toten soll gedacht werden, über Tote soll getrauert werden. Aber es kann in einer echten Demokratie nicht Aufgabe der Regierung oder des Parlamentes sein, der Bevölkerung oder gar einer anderen Regierung ein endgültiges Geschichtsbild vorzuschreiben.

Völkermord an Armeniern: Die Bundesregierung muss klare Worte sprechen – Politik – Tagesspiegel.

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It was a cold day in April …

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Apr 172015
 

Kirche Moskwa2014-08-14 13.22.42

Was bringt uns denn dieser kalte Apriltag, dieser kaum sonnige kalte 17. April des Jahres 2015? Nun, er begann mit einer Niederlage. Aus einem Frankfurter Pub Quiz wurde ich gestern als Telephonjoker angerufen, wie ich heute morgen beim Frühstück entdeckte. Es war kein Joke!

Aufgabe: Aus welchem Roman stammt folgender Anfang:

„It was a bright cold day in April, and the clocks were striking thirteen.“

Bozhe moj, da bekam ich aber kalte Füße! Dass mir das passieren musste! Na, hättet ihr es gewusst? Ich hätte es wissen müssen, denn das Buch gehörte zur Schullektüre im Fach Englisch an dem Gymnasium, das ich besucht habe. Ich hätte es also wissen können!

Mehr oder minder zufällig griff ich am heutigen kühlen 17. April in meine kleine Bibliothek, die ich mir am letzten Sonntag durch zwei Zukäufe auf dem wie immer gut sortierten Flohmarkt vor dem Schöneberger Rathaus erweitert habe. Der russische Schriftsteller Wladimir Solowjow ist ein guter Weggefährte, wenn es darum geht, den geistig-politischen Weg des heutigen Russland besser zu verstehen. Ich empfehle diesen Autor, insbesondere die 5 Seiten seines Vorworts zur 2. Auflage des Werks „Die nationale Frage in Rußland“, allen „Transatlantikern“ und „Russlandverstehern“ gleichermaßen, knüpft doch das heutige Russland und auch die derzeit stärkste Partei ganz ausdrücklich immer wieder an bedeutende russische Denker wie Solowjow, Aksakow, Iwan Iljin und einige andere an.

Was schrieb Solowjow beispielsweise in Moskau am 17. April 1888? Nun, er stellt sich die Frage nach dem politischen Auftrag und der kulturellen Bestimmung Russlands. Soll Russland durch Macht das Recht setzen? Oder soll es der Macht des Rechts folgen? Solowjew – der die politische Großwetterlage seiner Zeit erstaunlich hellsichtig analysiert – ist auch darin glasklar: Er erteilt jedem nationalen Egoismus eine scharfe Absage. Recht -sagt Solowjow – geht vor Macht. Macht muss sich an die Herrschaft des Rechts und an moralische Pflichten binden, die ihrerseits der Verfügung der politischen Macht entzogen sind. Wir zitieren:

Wenn Rußland seine moralische Pflicht nicht erfüllt, und auf seinen nationalen Egoismus nicht verzichtet, wenn es dem Recht durch Macht nicht absagen und an die Macht des Rechtes nicht glauben will, wenn es nicht aufrichtig und stark nach geistiger Freiheit und Wahrheit Verlangen tragen wird, dann kann es auch niemals einen sicheren Erfolg haben, weder in irgendeiner äußeren noch einer inneren Angelegenheit. […]

Moskau 17.4. 1888.

Zitat:
Wladimir Solovjeff: „Vorwort zur zweiten Auflage“, in: Die nationale Frage in Rußland. I. Teil., in: Wladimir Solovjeff: Nationale und politische Betrachtungen, Der Kommende Tag A.G. Verlag, Stuttgart 1922 [=W. Solovjeff, Ausgewählte Werke. Aus dem Russischen von Harry Köhler, Vierter Band] S.3-7, hier S. 7

Bidl: Eine christliche Kirche am Ufer des Flusses Moskwa, gesehen im August 2014

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Fleiß und Redlichkeit: ein Poster Slam an der Komischen Oper

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Apr 162015
 

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Recht erstaunt war ich, als ich am vergangenen Samstag meinen Weg zum Hotel Maritim Pro arte in der Friedrichstraße radelte. Hart hinter der Russischen Botschaft zwang mich eine rote Ampel zum Innehalten. Ich erhob meinen Blick:

Überlebensgroß baute sich ein Mahner und Warner vor uns Rotlicht-Wartenden auf. Aus dem Bürogebäude erhob er seine Stimme von einem riesigen Plakat an der Kasse der Komischen Oper! Wollte er uns Radfahrern allen ins Gewissen reden? War dies sein Beitrag zur tagesaktuellen Lage? Schauen wir’s uns an!

Verkündet wurde am vergangenen Samstag:

Das Deutschland-Prinzip. Was uns stark macht.

EIGENVERANTWORTUNG fördern und mehr EIGENLEISTUNG von jedem fordern.“

Ich stutzte: Das sind höchst ungewohnte Töne! Gerade in der heutigen Zeit, gerade bei uns in Berlin, wo wir Bürger immer mehr und mehr von der Politik fordern und wir im Grunde von den meisten Parteien darin trainiert werden, uns als Benachteiligte, als förderbedürftige Objekte der Obrigkeit auszugeben! Wir Bürger wissen es doch: Die Obrigkeit in Deutschland und mehr noch in der Europäischen Union sorgt für uns, sie kümmert sich und schaut auf Stabilität des Geldes, sie sichert Wohlstand und europäische Einigkeit. Sie hält den Laden am Laufen.

Wozu bedarf es also noch persönlicher, individueller Tugenden?

Denken wir darüber nach! Übersetzen wir den Grundsatz der EIGENLEISTUNG ins überzeitliche Deutsch! Gemeint ist offenbar FLEISZ. Eigenleistung bedeutet schließlich nichts anderes als dass jeder sich selber anstrengen soll, statt immer nur die Hand aufzuhalten.

Und Eigenverantwortung lässt sich ins überzeitliche Deutsch zurückübersetzen als REDLICHKEIT. Eigenverantwortung bedeutet schließlich nichts anderes als dass jeder Rede und Antwort stehen kann für all das, was er tut und lässt, sagt und verschweigt.

Die Aufforderung des übergroßen Posters lässt sich in knackigem Markplatz-Deutsch also so wiedergeben:

Üb immer Fleiß und Redlichkeit
bis an dein kühles Grab.

Oder auch:
Verantwortung und Leistung sind von dir gefordert.

Wen oder was mag der Mann meinen? An Fleiß und Redlichkeit mangelt es also laut Aussage des überlebensgroßen Postermannes – nennen wir ihn mit einem deutschen Allerweltsnamen einfach Gerhard Schröder – uns Europäern oder uns Deutschen in der jetzigen Lage.

Wir sollten uns darüber unterhalten. Der Postermann hat vielleicht recht. Er hat einen Dunk versenkt, würde man im Basketball sagen, einen vortrefflichen Poster-Slam Slam-Dunk.

Bild: Aufnahme vom 11.04.2015, Berlin, Unter den Linden, Ecke Glinkastraße

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Schöneberger Kirschblüte

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Apr 142015
 

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Kirschblüte bei der Nacht
Ich sahe mit betrachtendem Gemüte
jüngst einen Kirschbaum, welcher blühte,
in kühler Nacht beim Mondenschein;
ich glaubt, es könne nichts von größerer Weiße sein.
Es schien, als wär ein Schnee gefallen;
ein jeder, auch der kleinste Ast,
trug gleichsam eine rechte Last
von zierlich weißen runden Ballen.
Es ist kein Schwan so weiß, da nämlich jedes Blatt,
– indem daselbst des Mondes sanftes Licht
selbst durch die zarten Blätter bricht –
sogar den Schatten weiß und sonder Schwärze hat.
Unmöglich, dacht ich, kann auf Erden
was Weißres aufgefunden werden.
Indem ich nun bald hin, bald her
im Schatten dieses Baumes gehe,
sah ich von ungefähr
durch alle Blumen in die Höhe
und ward noch einen weißern Schein,
der tausendmal so weiß, der tausendmal so klar,
fast halb darob erstaunt, gewahr.
Der Blüte Schnee schien schwarz zu sein
bei diesem weißen Glanz. Es fiel mir ins Gesicht
von einem hellen Stern ein weißes Licht,
das mir recht in die Seele strahlte.
Wie sehr ich mich an Gott im Irdischen ergötze,
dacht ich, hat er dennoch weit größre Schätze.
Die größte Schönheit dieser Erden
kann mit der himmlischen doch nicht verglichen werden.

Gedicht von Barthold Heinrich Brockes
Bild: Ein blühender Kirschbaum vor dem Gasometer in Schöneberg, Ebersstraße, Aufnahme vom 12.04.2015

 Posted by at 19:38
Apr 092015
 

Die Antwort auf diese Frage wird Hinz und Kunz leichtfallen! Selbstverständlich Deutschland!
Das abrufbare Schulwissen im Fach Geschichte dürfen wir zwanglos so wiedergeben:

„Das Deutsche Reich begann am 1. September 1939 mit dem Angriff auf Polen den 2. Weltkrieg. Der Zweite Weltkrieg endete am 8. Mai 1945 mit der Unterzeichnung der deutschen Kapitulation.“

So wird es heute wohl in den allermeisten Ländern überall in der Welt (außer in Russland) gelehrt.

Deutschland hat den Zweiten Weltkrieg entfesselt; das ist in der Rückschau unumstritten; siehe hierzu etwa:

„Von den größeren Staaten Europas war keiner den USA ebenbürtig. Deutschland, das den Zweiten Weltkrieg entfesselt hatte, war besiegt und wurde von den Siegermächten geteilt. Großbritannien war eine Siegermacht, aber durch den Krieg materiell so geschwächt, dass es 1945 fraglich war, wie lange es sein überseeisches Kolonialreich noch würde behaupten können.“

Heinrich August Winkler, Geschichte des Westens. Vom Kalten Krieg zum Mauerfall, C.H.Beck, München 2014, digitale Ausgabe, Pos. 183, Fettdruck durch dieses Blog

Abweichend äußert sich hingegen der heute an der Universität Trier lehrende Neuzeithistoriker Christan Jansen. Er bezeichnet Deutschland und Italien als „die beiden Verursacher“ des Zweiten Weltkriegs:

Von den beiden Verursachern des Zweiten Weltkriegs erhielt Italien bereits im Februar 1947 – von geringen Einschränkungen abgesehen – die Souveränität zurück, die Bundesrepublik erst 1990. Allerdings empfanden die Italiener den Friedensvertrag überwiegend als >>Diktat<< und >>Schmach<<„.

Christian Jansen, Italien seit 1945, Vandenhoeck&Ruprecht, Göttingen 2007, S. 24, Hervorhebung durch dieses Blog

Wiederum abweichend äußert sich der britische, zuletzt an der University of London lehrende Neuzeithistoriker Norman Davies; er weist darauf hin, dass ein wesentlicher Bestandteil des Zweiten Weltkriegs, nämlich der japanisch-chinesische Kriegsschauplatz, bereits 1931 eröffnet worden sei:

„In any number of European history books, 1939 is the year when ‚the world went again to war‘, or words to that effect. In all chronologies except those once published in the USSR, it marks the ‚outbreak of the Second World War‘. This only proves how self-centered Europeans can be. War had been on the march in the world for eight years past. The Japanese had invaded Manchuria in 1931, and had been warring in central China since 1937.“

Norman Davies, Europe. A History. Pimlico, reprinted with corrections London 1997, S. 991, Hervorhebung durch dieses Blog

Und wiederum ein neues Licht auf die Verursachungskette, die zum Zweiten Weltkrieg führte, wirft der bereits mehrfach zitierte Heinrich August Winkler; er behauptet nämlich, die Sowjetunion habe einen Beitrag zur Entfesselung des Zweiten Weltkriegs geleistet:

Im Hitler-Stalin-Pakt hatten die beiden Diktatoren die Aufteilung Mitteleuropas in ihre Einflussbereiche besiegelt. Winkler, der aus seiner Kritik der russischen Politik gegenüber der Ukraine nie einen Hehl gemacht hat, wirft Putin vor, er rechtfertige indirekt die Annektion des damaligen Ostpolens und des Baltikums als „Gebot der sowjetischen Realpolitik“ – damit aber auch „den sowjetischen Beitrag zur Entfesselung des Zweiten Weltkrieges“

Quelle: Süddeutsche Zeitung, Internet-Ausgabe vom 04.04.2015

Was oder wem sollen wir historischen Laien nun glauben, gerade wir Deutschen, wir „Nachkommen der Täter“, wie es so schön immer heißt, wir hier in Deutschland! Wir wissen doch, von wo die Zerstörung der ganzen Welt ausging! Wir sind doch am Zweiten Weltkrieg mit all seinen Schrecknissen und überhaupt an dem allen schuld, das wird man doch nicht ernsthaft bestreiten können! Das eint doch auch alle anderen Länder wie etwa Griechenland und Russland, dass wir Deutschen und nur wir Deutschen alle anderen Länder ins Verderben gezogen haben. Das haben Präsident Putin und Präsident Tsipras doch erst gestern wieder hervorgehoben: „Griechenland und Russland haben mehr als alle anderen mit ihrem Blut für den Kampf gegen den Faschismus bezahlt … Unsere Völker haben brüderliche Beziehungen geschmiedet, weil sie in kritischen Zeiten einen gemeinsamen Kampf geführt haben“, so wird Tsipras heute in der FAZ auf S. 2 zitiert.

Der heroische, letztlich siegreiche Kampf gegen den deutschen Faschismus und gegen Deutschland hält seit dem 8. Mai 1945 bis zum heutigen Tage – und heute mehr denn je – die europäischen Völker zusammen. Der Antifaschismus ist mehr denn je ein starkes Band!

Oder ist es etwa nicht so? Diesen Konsens darf man doch nicht in Frage stellen! Was machen denn die Historiker da?

Wir enthalten uns des letzten Urteils! Ich meine jedoch: eine gehörige Portion Skepsis gegenüber den heutigen Antifaschisten ist angebracht, insbesondere dann, wenn man immer wieder sieht, wie schnell in den Jahren 1943-1949 ein und dieselbe Person erst jahrelang fascista war und dann über Nacht antifascista wurde. Erst unterstützten sie – bis 1943 – Mussolini und Hitler, dann unterstützten dieselben Leute Stalin, Ho Tschi Minh und Chruschtschow.

Und die Sowjetunion unterstützte ab August 1939 bis zum 21. Juni 1941 das nationalsozialistische Deutschland militärisch und wirtschaftlich. Bis zum 21.06.1941 waren das nationalsozialistische Deutschland und die kommunistische Sowjetunion darüber hinaus enge militärische Bündnispartner, dafür gibt es viele Zeugnisse in Wort, Bild und Ton. Das wird leider sehr oft unterschlagen.

Und das alles zu Zeiten, als der GULAG längst bekannt war, als die grauenhaften „Säuberungen“ der Tschekisten auch im Westen öffentlich genannt wurden.

Es bleibt erstaunlich: Drei anerkannte, habilitierte, an Universitäten lehrende Professoren für Neuzeitgeschichte setzen vier einander widersprechende Meinungen zur Auslösung des Zweiten Weltkrieges in die Welt. Nur eine Sicht kann doch die richtige sein, oder? Irgendwann muss doch die Wahrheit endgültig ermittelt sein, oder täuschen wir uns?

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Appuntamento con la vita: stets nach vorne geht der Weg

 Ostern  Kommentare deaktiviert für Appuntamento con la vita: stets nach vorne geht der Weg
Apr 052015
 

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Nach dem dumpfen Grabchorale
tönt das Auferstehungslied —
Stricke des Todes hielten mich einige Tage gefangen. Der heutige Tag befreite mich davon, von diesem starren Blick zurück. Nach vorne richtet sich die Erwartung! „Christus ist auferstanden“, mit diesem altrussischen Gruß begrüße ich in russischer Sprache zwei Freunde, die zu Besuch in Kreuzberg sind.
Rendezvous mit dem Leben: Die güldene Sonne schien uns direkt ins Gesicht. Gutes, freundliches Musizieren und Feiern, diesmal in St. Clemens.
Ostern ist kein Fest der Erinnerung, sondern ein Fest der Freude und der Erwartung, der Zuversicht und der Vorfreude auf all das Gute, das kommt und noch kommen mag. Dem alten Gevatter Tod wird gehörig der Zahn gezogen.

Die erste längere Radtour des Jahres führte mich von Zeesen nach Lübben. Der Spreewald, die Landschaft um die Dahme glänzten unbeschreiblich klar. Noch hat der Frühling zu seinem Sprung nicht angesetzt.

Träge hoben einige Wollrinder die Schnauze, als ich sie anschaute, ein Habicht erprobte seinen Schwung.

Wollrinder 20150405_190010
Die Luft ruhte glasklar, kein Stäubchen trübte sie. Stets nach vorne geht der Weg. Das Rad schnurrte und summte dahin.

Staubfrei 20150405_191113

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