Mrz 292019
 
Sitzende weibliche Gewandstatue. Umgebung des Altars. Gesehen am 03.02.2019 in der Ausstellung: PERGAMON. Meisterwerke der antiken Metropole und 360°-Panorama von Yadegar Asisi. Berlin

Ist Sappho aus Eresos auf Lesbos die größte Dichterin aller Zeiten? Einen hinreißend-hingerissenen Hymnus in diesem Sinne schreibt der aus Kujawien stammende Ulrich von Wilamowitz-Möllendorf in seiner Schrift „Die griechische Literatur des Altertums“ uns mit folgenden Worten hier hinein:

„Der Wohllaut der Verse, die reiche Skala der Töne, vom burlesken Spott auf die großen Füße eines Brautführers und der Schalkhaftigkeit eines Backfischchens bis zum Erzittern der seelischen Leidenschaft und dem verhaltenen Schluchzen der Verlassenheit, von dem Orgiasmus der Adonisklage bis zum stillen Frieden der Mondnacht und der Siestastimmung des südlichen Sommermittags: all diese wahrhaft goethische Lyrik hebt Sappho über all ihre männlichen Genossen; nur Archilochos mag in seiner Art gleichgroß gewesen sein.“

Wir fühlen uns bestätigt darin, dass es sich zu jeder Tages- und Nachtzeit lohnt, Sappho zu bewundern, sie zu zitieren, ihrer zu gedenken, sich ihr nachahmend anzunähern.

O wärst du da!

Zitat von Wilamowitz hier wiedergegeben nach: Griechische Lyrik. Auswahl von Hans Schnabel. Text. Verlag Aschendorff, 5. Auflage, Münster 1970, S. 75-76

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Mrz 282019
 


ἔλθε μοι καὶ νῦν, χαλέπαν δὲ λῦσον

ἐκ μερίμναν, ὄσσα δέ μοι τέλεσσαι

θῦμος ἰμέρρει, τέλεσον, σὺ δ’ αὔτα

σύμμαχος ἔσσο.

Sappho

Tröstliche Kraft des Uralten! Am Welttag der Poesie, dem 21. März, hielt ich Rückschau auf den letzten Tag, auch wohl auf die letzten 3000 Jahre; Leopardis „Sempre mi fu caro“ wurde in Italien als das schönste, das bedeutendste italienische Gedicht aller Zeiten gepriesen. Eine gute Wahl.

Ich selbst wählte mir an dem Tag die Dichterin Sappho als die in meinen Ohren wohl bedeutendste dichterische Stimme Europas aus. Und ich ehrte sie, indem ich eine ihr zugeschriebene Strophenform – eben die sapphische Strophe, bestehend aus drei sapphischen Elfsilblern und dem Adoneion – wählte und ein Erlebnis des Tages in diese Form goss. Heraus kam das Gedicht „Bei einer Rose“, hier am 23. März veröffentlicht.

Zerbrechliches Erlebnis, Erlebnis des Zerbrechlichen, gegossen in eine zeitüberdauernde Form!

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Mrz 262019
 

Der EUREF-Campus in Schöneberg, nach eigener Aussage die „kreativste Energiewende-Werkstatt Deutschlands“. Aufnahme vom 10. März 2019

„Ziel der Bundesregierung ist es, bis 2020 eine Million Elektrofahrzeuge auf die Straße zu bringen. Bis 2030 sechs Millionen. Diese Ziele schreibt das Regierungsprogramm Elektromobilität von 2011 fest. Denn Elektrofahrzeuge verringern nicht nur die Abhängigkeit vom Öl. Lädt man die Batterien mit Strom aus erneuerbaren Energien, fahren Elektrofahrzeuge praktisch ohne Schadstoffausstoß.“

So schrieb es die CDU-SPD-Bundesregierung wörtlich im Jahr 2011 fest. Am 1. Januar 2019, also gut 7 Jahre später, waren bereits 83.175 Elektroautos in Deutschland zugelassen. In einem Jahr müssen nun also in Deutschland noch etwa 900.000 E-Autos zugelassen werden, also pro Tag etwa 2.400 neue E-Autos zusätzlich. Wird dies zu schaffen sein? Hoffen wir, dass der Plan erfüllt werde und Deutschland oder vielmehr die CDU-SPD-Bundesregierung wenigstens ein einziges ihrer selbstgesteckten, in Mehrjahres- und in Mehrjahrzent-Plänen festgeschriebenen Ziele erreichen möge!

2012 wiederum hat der SPD-Linke-Senat stolz und selbstbewusst unsere Heimatstadt Berlin zum „Schaufenster der Elektromobilität“ ernannt. Schützenhilfe wollte dem damaligen rot-roten Senat offenkundig Politiker Burkard Dregger leisten, indem er ein Elektroauto als Dienstwagen anforderte. Doch aus der gutgemeinten Schützenhilfe für das rot-rote Schaufenster der Elektromobilität wurde nichts. Aber lest selbst:

„Als der Fraktionsvorsitzende der CDU im Abgeordnetenhaus, Burkard Dregger, einen BMW i3 mit Elektromotor als Dienstwagen bestellen wollte, bekam er eine Absage des zuständigen Innensenators Andreas Geisel (SPD). Zur Begründung gab die Fachaufsicht des Innensenators an, dem Elektro-BMW fehle eine Standheizung. Den Chauffeuren sei es nicht zuzumuten, in der kalten Jahreszeit in einem ungeheizten Wagen zu sitzen, wenn sie auf ihren Fahrgast warten“ (Quelle: BZ, 10.01.2019). Berlins Regierender Müller in der SPD-Grüne-Links-Koalition fährt übrigens weiterhin einen gepanzerten Mercedes der S-Klasse mit über 400g CO2-Ausstoß/km.

Was schließen wir daraus? Erstens: Wir müssen uns deutlich mehr abstrampeln, wenn wir unseren Regierenden aller Parteien Planerfüllung melden wollen! Zweitens: Weder auf der Makroebene noch auf der Mikroebene klappt die Planwirtschaft mit der Elektromobilität. Drittens: SPD, Grüne, CDU und Linke nehmen sich da gegenseitig nichts. Denn alle regierenden Parteien im Bund und im Heimatland Berlin setzen im Bereich der Elektromobilität und der Energiewende ganz auf nationale (nicht europäische) Planwirtschaft. Das ganze Denken in hochfliegenden „Plänen“, reklameartig aufgeblasenen „Schaufenstern“, ist aber offenkundig auf Sand gebaut. Die Ziele werden nicht erreicht, selbst zarteste Versuche der Planerfüllung-Stachanowisten verlaufen sich im Sande.

Was tun? Ich meine, vorerst bleibt dem klimabewussten Bürger nur übrig, sich aufs Fahrrad oder in die öffentlichen Verkehrsmittel zu setzen, – wie dies etwa die regierende Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo vormacht. Sie fährt auch im Dienst Fahrrad und hat einen finanziellen Anreiz für alle 52 000 städtischen Angestellten ausgelobt, die das Fahrrad auf dem Weg zur Arbeit nutzen und das Auto stehen lassen. Le Parisien schreibt am 27.09.2018: „A partir de janvier 2019, la mairie proposera une gratification financière à ses agents qui choisiront le vélo pour leurs trajets domicile-travail.“ 

Anne Hidalgo nimmt gleich auch den ganzen heißen Dampf aus all den aufgeblasenen Schaufenstern und hohlklingenden Welterlösungsplänen heraus: Die Donna moderna zitiert sie am 6. März 2019 mit folgenden Worten: „Inutile aspettare che il mondo si metta d’accordo – cambiamolo noi!“

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Bei einer Rose

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Mrz 232019
 

ungeheuerlich ist die kraft die diese
rose scheintot noch gestern heute antreibt
zart zu entrollen ein blättchen ums andre
himmelwärts wieder

ringsum herrscht weiter metallene Glätte
rauheit erzogen durch eisernes rosten
dieser Strauch ungebärdig und ungestüm
wagt sich nach draußen

ich seh’s und versinke staunend hinein als
wäre dies der erste Frühling den ich er
lebe als wäre dies der letzte Frühling
den ich erahne



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Wunder der Photosynthese, Wunder des Lebens

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Mrz 222019
 
Die ersten Blättchen entrollen sich an einem Rosenstrauch. Schöneberg, Natur-Park Südgelände, 21.03.2019

Woher das Leben? Woher diese ungeheuerliche Kraft, mit der diese Strauchrose genau gestern, am 21. März 2019 ihre Blätter nach dem Scheintod des Winters austreibt? Ich kam nicht umhin, ins Staunen zu versinken, als wäre dies der erste Frühling, den ich erlebte, als wäre dies der letzte Frühling, den ich erlebte.

Ringsum herrscht noch metallene Glätte, Rauhheit – dieser Strauch wagt sich hervor!

Dahinter steckt nicht zuletzt auch das Wunder der Photosynthese. Kohlenstoffdioxid, dieses derzeit so viel gescholtene, so übel beleumundete Molekül, das völlig zu unrecht als „klimaschädlich„, als „Klimakiller“ oder gar als „Klimagift“ oder gar als „Gift“ angeschwärzt und verteufelt wird, ist der Ausgangsstoff dieses Prozesses, der weltweit das gesamte Leben der Tierwelt einschließlich des Menschen trägt und buchstäblich nährt. Durch Photosynthese stieg im Laufe der letzten beiden Milliarden Jahre der Sauerstoffgehalt auf die heutigen 21%, die uns Säugetieren ein ruhiges Ein- und Ausatmen ermöglichen.

Nur etwa 0,038 Volumenprozent der heutigen Erdatmosphäre sind Kohlenstoffdioxid, also Kohlendioxid, das als der entscheidende Feind gilt, den die gesamte Klimapolitik mit wilder Entschlossenheit niederringen will. Denn Messungen haben ergeben, dass der Kohlenstoffgehalt der Luft etwa ebenso schnell steigt wie die mittlere Lufttemperatur. Daraus leiten die meisten ernstzunehmenden Wissenschaftler eine Ursache-Wirkungs-Beziehung ab und erklären den Anstieg des Kohlenstoffgehaltes zum Haupttreiber des derzeit zu beobachtenden Klimawandels. Alle zwischenstaatlichen Klimaschutzabkommen, die gesamte Klimapolitik drehen sich um die Vermeidung des Anstieges des Kohlenstoffgehaltes in der Atmosphäre.

Das überragende Ziel der klimapolitischen Maßnahmen ist die Verhinderung der Zunahme des CO2-Gehaltes in der Luft und damit die erhoffte Begrenzung des Anstiegs der mittleren Lufttemperatur auf 2,0 bzw. besser 1,5 Grad Celsius.

Als einer von zahllosen Belegen dafür sei die Stellungnahme der 18.000 deutschsprachigen Scientists for Future angeführt, wo als die eindeutige, ja einzige operative Richtschnur jeder Klimapolitik zum tausendsten oder auch abertausendsten Male die möglichst radikale Absenkung der Kohlendioxidemissionen (und anderer Treibhausgasemissionen) angegeben wird:

Es kommt nun darauf an, die Netto-Emissionen von CO2 und anderen Treibhausgasen schnell abzusenken und welt­weit spätestens zwischen 2040 und 2050 auf null zu reduzieren. Eine schnellere Absenkung erhöht hierbei die Wahrscheinlichkeit, 1,5 °C zu erreichen. Die Verbrennung von Kohle sollte bereits 2030 fast vollständig beendet sein, die Verbrennung von Erdöl und Erdgas gleichzeitig reduziert werden, bis alle fossilen Energieträger durch klima­neutrale Energiequellen ersetzt worden sind. Unter Berücksichtigung von globaler Kli­magerechtigkeit müsste in Europa dieser Wandel sogar noch deutlich schneller ablau­fen.

https://www.scientists4future.org/stellungnahme/

Hierzu ist freilich zu sagen, dass CO2 weder giftig noch ein Klimakiller ist. Es gibt selbstverständlich die wandelbare Erdatmosphäre, also Klimawandel der einen oder anderen Art auch ohne Kohlendioxid. Mehr noch: Kohlendioxid ist ein notwendiger Ausgangsstoff für das gesamte heterotrophe Leben, also für alle Lebewesen, die ihre Nahrung nicht durch Photosynthese selbst erzeugen können, darunter wir Menschen.

Doch diese Überlegungen sollten uns nicht daran hindern, mit ungeheurer Freude das Erwachen des Frühlings zu preisen!

Sei mir willkommen, Frühling, du lang ersehnter Gast! Dank an den Strauch im Schöneberger Süd-Park, danke an die 0,038 Volumenprozent Kohlenstoffdioxid, danke an die 21 Volumenprozent Sauerstoff, Dank an den Sauerstoff, der in meinen Adern rinnt, während ich hier dies schreibe!

Freude!

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„Ripulire prima le case, poi interi quartieri!“

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Mrz 212019
 
Soham El Wardini, Bürgermeisterin von Dakar (Senegal) sendet Zeichen der Ermutigung und der Zuversicht beim Dakar Triathlon 2018

Die Frauen, die Städte sind gefordert und übernehmen die Führung! Botschaft der Bürgermeisterin beim Klimagipfel Paris 2018

Tiefen Eindruck hinterlässt in mir beim Lesen heute die Bürgermeisterin von Dakar, Soham El Wardini. In der italienischen Zeitschrift Donna moderna spricht sie über das Thema Umweltverschmutzung und Klimawandel in der von ihr regierten Stadt. Doch klagt sie nicht, nein, sie packt sofort an, sie lässt es nicht beim Reden bewenden!

Eine der ersten Aktionen ihrer Amtszeit nach der gewonnenen Wahl 2018 war es, einen Millionenbetrag für Besen und Putzmittel auszugeben, diese Besen und Putzmittel an die Bürgerinnen und Bürger zu verteilen und sie zu einer Gemeinschaftsaktion zu überzeugen: „Bisogna ripulire le case, poi interi quartieri“ – „Ein jeder kehre erst vor seiner Tür, und rein wird dann das ganze Stadtquartier!“ In einer ersten Phase geht es erst einmal darum, den ganzen Dreck und Müll vor der Haustür wegzuschaffen. Dazu muss man wissen, dass Dakar nach Mexiko City als die zweitschmutzigste Stadt der Welt gilt. Wild abgelagerter, häufig auch angezündeter Müll ist die Hauptursache der Umweltbelastung in Dakar.

In einer zweiten Phase geht es um Aufklärung, Bildung und Erziehung der Jugendlichen und der Frauen hin zu ökologisch verantwortlichem Handeln. Das Motto lautet: „Pulire è bene, ma non sporcare è meglio.“ „Gut ist es zu putzen, besser ist’s, nichts zu verschmutzen.“

Umweltschutz, Klimaschutz fängt in den Städten an! Soham El Wardini (Dakar), Anne Hidalgo (Paris), Yvonne Aki-Sawyerr (Freetown, Sierra Leone), diese drei mutigen Bürgermeisterinnen, von denen die Donna moderna berichtet, zeigen auf ihre Weise in ihren Städten, dass frau und man etwas tun muss und tun kann! Solche Bürgermeister, solche Politiker, die Zeichen der Hoffnung, des tätigen Gemeinsinns setzen, brauchen wir in der Europäischen Union mehr und mehr! Auch uns in Berlin täte dieser vorbildliche Gemeinsinn gut.

Quelle: Luisa Nannipieri: 3 Sindache paladine dell’ambiente. In: Donna moderna. 6 marzo 2019, p. 40

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Atemzüge eines Riesen – vom Wandel der Natur

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Mrz 192019
 
Blick von der Kipphornaussicht elbeaufwärts Richtung Gelobtbachmühle und Großer Zschirnstein, 17.03.2019

Wir wanderten gerade erst am Wochenende mit offenem Aug, mit weit geblähten Nüstern durch die Wälder des Nationalparks Sächsische Schweiz. Was für eine herrliche Erfrischung, was für eine Labsal für Körper und Seele, welche Wonne brachte uns das Elbsandsteingebirge zu beiden Seiten der Elbe!

Besonders gefreut hat mich, dass man auf Schritt und Tritt mit den Sachsen so gut ins Gespräch kommt und dass das Elbsandsteingebirge mittlerweile Wanderer und Erholungssuchende aus aller Welt anzieht. Insbesondere Israelis und Amerikaner haben das Bundesland Sachsen für sich entdeckt. Oft fliegen sie über den Flughafen Prag nach Europa und steigen dann in den Zug von Böhmen nach Sachsen. Sie genießen hier am Ufer der Elbe in hellen Scharen die sächsische Gastlichkeit und die überwältigenden Eindrücke der wild zerklüfteten Bergwelt. Es muss nicht immer Georgien oder der Yellowstone-Nationalpark sein!

Blick vom Fremdenweg auf die Winterbergspitzen, 17.03.2019


Und wieder haben wir herrliche Beobachtungen zum unfassbar klugen Anpassungsgeschehen des Waldes in Zeiten des Klimawandels anstellen können. Unsere Wälder entwickeln sich – teils aus eigenem, naturhaftem Wirken, durch Selektion und Adaptation also, teils durch gezielte forstliche Eingriffe – hin zu widerstandsfähigeren, an die gerade ablaufenden und die bevorstehenden Klimaänderungen besser angepasste Systeme.

Alte Fichte im Lattengrund, ca. 90 Jahre alt, vor wenigen Tagen durch Starkwind gestürzt, 16.03.2019

Unter anderem wird klar, welche Baumarten wo hingehören! Der Wind wirft viele Flachwurzler wie etwa die Fichte erbarmungslos um, während eng zueinander stehende, schlanke Buchen ohne breitausladende Krone offenbar ausgezeichnet an starke Stürme und an vorübergehenden Wassermangel in besonders heißen Dürreperioden angepasst sind. Sehr gut zu beobachten auf dem Großen und Kleinen Winterberg im Nationalpark Sächsische Schweiz bei Schmilka!

Bestand jüngerer Buchen am Großen Winterberg bei Schmilka, 16.03.2019

Während die zunehmenden Starkwindereignisse an einigen Stellen gerade die ältesten, mächtigsten Fichten umgeworfen haben, zeigen die jüngeren und mittelgroßen Laubbäume, insbesondere die zarten Birken und die schlanken Buchen keinerlei Schäden; im Gegenteil, sie scheinen für ihre Art Lebensraum zu gewinnen, den bisher die oftmals vom Menschen eingebrachten, schnellwüchsigen und zu Nutzungszwecken geförderten Nadelhölzer monokulturell in Beschlag genommen hatten.

Die Natur, und wir sind ja ein Teil von ihr!, spielt ihr Millionen Jahre altes Spiel immer weiter, sie steckt vieles weg, was unsere Fassungskraft übersteigt! Entstehen, Werden, Vergehen, Wandel, Anpassen, Aktion und Reaktion, das sind einige der Grundmechanismen, denen wir hier im Nationalpark Sächsische Schweiz zusehen konnten, wie man den Atemzügen eines schlafenden Riesen lauscht!

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Von der Beerdigung des Gedankens der Pflicht

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Mrz 132019
 

PFLICHT! Dieses Wort hat keinen guten Klang bei uns in Deutschland, ja manche würden den Gedanken der Pflicht am liebsten beerdigen.  Dafür sei ein zufälliges Beispiel angeführt: 

Immer wieder berichten uns Polizisten, Schulhelfer und Sozialarbeiter, dass Schulversäumnisse oft der Einstieg in kriminelle Karrieren sind. Schüler mit mehr als 40 Fehltagen, also Tagen unentschuldigten Fernbleibens vom Unterricht, sind keine Seltenheit bei den Intensivtätern.

https://www.lr-online.de/lausitz/guben/junge-intensivtaeter-im-justizvisier_aid-3361583

Daneben habe ich sehr oft miterlebt, wie Eltern ihre Kinder einen Tag oder mehrere Tage vor dem Ferienbeginn von der Schule nehmen, um noch einen günstigeren Flug zum Ferienziel zu ergattern. 

„Und warum besuchst du nicht die Schule?“ – „Keine Lust!“, „In den letzten Tagen vor den Ferien wird nichts mehr gelernt!“, schallt es mir dann entgegen. 

Fazit: Die staatliche Schulpflicht wird von vielen Kindern und Eltern nicht anerkannt, sondern nach Gutdünken ausgesetzt.  Auch die „Schulstreiks für das Klima“, von der Bundeskanzlerin und dem Bundespräsidenten erst vor wenigen Tagen einhellig gelobt und ermuntert, hauen in diese Kerbe. Denn selbstverständlich ist es unerheblich, aus welchen Gründen schulpflichtige Kinder beschließen, der Schule fernzubleiben – ob es nun um den Kampf für den Beginn einer Politik gegen den Klimawandel oder das Ergattern eines billigeren Ferienfluges geht, in allen diesen Fällen trifft das Kind eine Entscheidung, die gegen die gesetzliche Pflicht des Schulbesuches verstößt.  

https://www.zdf.de/nachrichten/heute/fridays-for-future-steinmeier-lobt-schuelerdemos-100.html

Ich selber meine übrigens, dass die Schulpflicht grundsätzlich immer gilt, von Fällen ernsthafter Erkrankung und dringender persönlicher Angelegenheiten wie etwa der Beerdigung eines Familienangehörigen abgesehen. Die überwiegende Mehrheit der Eltern und Lehrer dürfte diesen Strandpunkt teilen.

Wir müssen jedoch anerkennen, dass viele Kinder und auch einige Politiker wie etwa die Bundeskanzlerin und der Bundespräsident diese Meinung vom überragenden Rang der Schulpflicht nicht teilen. Viele Kinder und auch einige Politiker halten den Kampf dafür, dass die Politik endlich etwas gegen den Klimawandel zu tun beginnt, offenbar für ein so hohes Rechtsgut, dass er die Verletzung der Schulpflicht rechtfertigt.

https://www.sueddeutsche.de/politik/merkel-schueler-streiks-klima-fridays-for-future-1.4352065

Und wenn selbst die Bundeskanzlerin und der deutsche Bundespräsident die schulstreikenden, den Unterricht versäumenden Kinder unterstützen und loben, dann hat selbst der Kaiser sein Recht verloren.  „Ich gebe es auf! Es hat ja doch keinen Sinn, auf die Schulpflicht zu drängen“, werden sich jetzt viele Polizisten, Sozialarbeiter, Lehrer und Bewährungshelfer denken, wenn  sie das Lob des Bundespräsidenten und der Bundeskanzlerin für streikende Schüler hören. 

Der Beweis ist hiermit erbracht: Das Wort Pflicht hat keinen guten Klang bei uns in Deutschland! 

Dafür sei noch ein weiterer Beleg angeführt:

Immer wieder berichten mir Flüchtlingshelfer*innen und gastfreundliche Wohnungsgeber*innen, dass die bei ihnen wohnenden Geflüchteten keinerlei Pflichten anerkennen wollten, weder die Pflicht, Deutsch- und Integrationskurse zu besuchen, noch die Pflicht, sich um die Integration zu kümmern, oder die Pflicht, sich zu einer und nur einer Identität zu bekennen. Viele Geflüchtete scheinen nach diesen, meiner Meinung nach glaubwürdigen Berichten in der Tat virtuos mehrere Identitäten zu bespielen, tauchen mal hier, mal dort auf, besetzen mehrere Schlafplätze zugleich und streichen auch die gesamten Sozialleistungen für mehrere Identitäten ein. Überragende, virtuose Beispiele für dieses offenbar weitverbreitete Verhalten sind der europaweit berühmte, mittlerweile verstorbene Geflüchtete Anis Amri, der Mann vom Breitscheidplatz. Aber auch der geflüchtete Bilal Ben Ammar, ein Berliner Weggefährte Anis Amris scheint ein Meister in diesem Jonglieren mit zahlreichen, bis zu 14  Identitäten gewesen zu sein.

https://www.faz.net/aktuell/politik/inland/aufenthaltsort-amri-freund-ben-ammar-ist-in-tunesien-unbekannt-16085829.html

Der Staat lässt dies sehenden Auges zu, die Unterkunftgeber*innen oder auch Heimbetreiber*innen bemerken dies Mehrfachspiel zwar häufig, doch sehen sie keinen Anlass dies zu melden, könnte die Meldung doch zur Streichung der dringend benötigten Zahlungen des Staates für die Quartiergeber der Geflüchteten nach sich ziehen.

Es ist das große Verdienst der Journalistin Silvia Perdoni und des Berliner Tagesspiegels, am 11.03.2019 diese offenbar weitverbreitete virtuose Praxis der Fehlbelegungszahlungen am Beispiel der Schmidt-Knobelsdorff-Kaserne deutlich angesprochen zu haben: 

https://www.tagesspiegel.de/berlin/schmidt-knobelsdorf-kaserne-in-berlin-spandau-vorwurf-gegen-heimbetreiber-fluechtlinge-als-karteileichen-gefuehrt/24085696.html?

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τίς μείζων, Μαντέγνα ή Μπελίνι;

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Mrz 022019
 


ἐπηρώτα αὐτούς· τί ἐν τῇ ὁδῷ διελογίζεσθε; πρὸς ἀλλήλους γὰρ διελέχθησαν ἐν τῇ ὁδῷ τίς μείζων

„Er fragte sie: worüber habt ihr euch unterwegs auseinandergesetzt? Sie hatten sich nämlich auseindergesetzt, wer größer ist.“

Nun, an einem Stehtisch lauschte ich kürzlich, genüßlich eine Focaccia kauend, einer gelehrten Unterhaltung zweier Kunstfreunde. Das Thema lautete: Wer ist größer, Mantegna oder Bellini?

Diese Frage – „Wer ist größer?“ ist wohl alt, sehr alt. Der Evangelist Marcus, aus dem wir eingangs zitierten, hat uns ein hübsches kleines Gespräch mehrerer Wanderer überliefert. Er rahmt dieses Gespräch sehr passend ein in eine Rahmenhandlung. Framing, also Rahmung, nennt sich das heute bekanntlich, obwohl die Sache alt ist und schon einen Bart hat. Ich selber weiß die Antwort auf die Frage nicht, wer von den beiden der größere ist, Mantegna oder Bellini. Sehr wohl aber haben wir Hinweise darauf, was die Menschen meinen, wenn sie sagen: Dieser oder jener war ein großer Mann.

Was ist das eigentlich, ein großer Maler, ein großer Mann, ein großer Mensch? Die soeben glanzvoll eröffnete Ausstellung „Mantegna und Bellini“ bietet reichlich Gelegenheit, über diese Frage nachzudenken.

Wer ist ein großer Mann? Gaius Julius Caesar? Ja! Nach allem, was wir wissen, galt Gaius Julius Caesar als der größte Mann unter allen Lebenden seiner Zeit. Nicht zufällig wurde er als einer der wenigen Menschen zu Lebzeiten bereits durch Senatsbeschluss zum Gott erklärt. Wir haben steinerne Belege dafür spätestens seit seinem Sieg bei Thapsus im Jahr 46 vor Christus. Inschriften nennen ihn MP·C·IVLIVS·CAESAR·DIVVS: Imperator Gaius Iulius Caesar Divus.

So haben wir eine erste eindeutige Antwort auf die Frage, wer ein großer Mann ist: Gaius Julius Caesar ist in mancherlei Hinsicht der größte Mensch seiner Zeit gewesen. Dafür haben wir zahlreiche Zeugnisse.
Dass an der Größe Caesars keine Zweifel bestehen konnten und können, kann als ausgemacht gelten. Darüber braucht man nicht zu diskutieren. Eine andere Frage ist, ob der Evangelist Marcus dem so zustimmen würde. Gewusst hat er es sicher, dass die Menschen weltweit so denken.

Und so sahen ihn, so hörten, sie verehrten die Römer mit Trompeten diesen großen, den größten Mann seiner Zeit: mit pausbäckigen Musikanten, dickbauchigen Krügen, schmetterndem Schall, wogendem Gedränge:

„Divo Julio Caesari“. Holzschnitt von Andrea Andreani nach der Bilderserie von Mantegna: „Der Triumphzug Caesars“. Kupferstichkabinett Berlin. Derzeit zu sehen in der Gemäldegalerie Berlin in der Ausstellung „Mantegna und Bellini“.

Das griechische Zitat zu Beginn dieser Betrachtung haben wir dem Evangelium des Markus entnommen (Mk 9,34).

https://www.smb.museum/ausstellungen/detail/mantegna-und-bellini.html

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