Dez 162017
 

Adventskonzert_Rufina[1]

Eine einhüllende Dunkelheit wird zerspalten durch den Ruf den Ruf: „Veni Emmanuel!“ Es wird Licht. Der dämmrige Kirchenraum wird bespielt, er erwacht zum Leben. Hirtenfeuer flackern auf! Empfindungen der Einkehr und der Heimkehr erwarten uns morgen bei dem gemeinsam gestalteten Adventskonzert, zu dem ich als Musikant eingeladen worden bin und zu dem ich euch einlade. Kommt, denn alles ist bereitet!

Sonntag, 17. Dezember 2017, 18.00 Uhr, St.-Bonifatius-Kirche, 10965 Berlin-Kreuzberg, Yorckstr. 88C
Rufina Kalschnee: Sopran
Klara-Maria Kalschnee: Mezzosopran
Instrumentalensemble der St. Bonifatius-Kirche
Stefano Barberino: Orgel

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Nov 182017
 

Parole da salvare – rettungsbedürftige Wörter, so hebt mein neuestes großes Zingarelli-Wörterbuch 2017 diejenigen Wörter hervor, die nach und nach verschwinden, nicht mehr gebraucht und endlich nicht mehr verstanden werden.

Боговоплощение (griechisch ενανθρώπηση, lateinisch incarnatio), zweifellos ein Wort, das im Herannahen des Weihnachtsfestes eine Betrachtung und wohl Rettung verdient! Ich entnehme es dem folgenden schmalen Bändchen:

Internationale Weihnachtslieder. Texte und Melodien. Herausgegeben von Sigrun Jantzen. Philipp Reclam jun. Stuttgart 2011, S. 80-81

Das feine gelbe Büchlein enthält Weihnachtslieder in rund 20 europäischen Sprachen, darunter auch eines in der meistgesprochenen europäischen Muttersprache, nämlich dem Russischen:

Эта ночь святая, эта ночь спасенья
Возвестила всему миру
Тайну Боговоплощенья.

Es wird ja immer wieder gefragt, welche Erzählung Europa zusammenhalten könnte, was also die europäische Leitkultur, wie dies Bassam Tibi nannte, ausmachen könnte. Der Euro, das Gold, die EZB, die Macht der Großreiche, der Krieg, also das Schwert, haben es ja wieder und wieder auseinandergetrieben. Ein gemeinsames europäisches Geschichtsbild, eine europäische gemeinsame Geschichtserzählung existiert nicht; sie wird wohl auch nie existieren, nicht einmal in den derzeit genau darüber so zerstrittenen Staaten der EU.

So möge es das Wort sein, das gesprochene, das gesungene Wort, welches die 47 Staaten Europas zusammenführt!  In allen europäischen Ländern wurde und wird Weihnachten gefeiert, in allen Ländern liegt dieser Weihnachtserzählung im wesentlichen dieselbe Geschichte zugrunde. Entnommen ist sie dem Lukusevangelium.   Die mehr als 40 europäischen Weihnachtslieder des Reclam-Bändchens in mehr als 20 europäischen  Sprachen lassen sich mühelos ineinander übersetzen. Sie weichen inhaltlich nicht voneinander ab.

Von der überwältigenden Schönheit des orthodoxen liturgischen Gesanges konnte ich immer wieder einen Eindruck bei meinen Reisen nach Russland gewinnen. Die altkirchliche Liturgie kennt nur den unbegleiteten Gesang ohne alle Instrumente. Denn nur in der menschlichen singenden Stimme meinte die Alte Kirche in das Klingen des Göttlichen hinaufzulangen.

Боговоплощение – das bedeutet die Einkörperung Gottes im Menschen, die Vermenschlichung Gottes. Gott greift Platz im Menschen. площадь heißt ja Platz! Gott nimmt Platz im Menschen, wird sterblich, wird schwach und hilfsbedürftig. Nicht die Macht, sondern die Ohnmacht ist es, in der Gott erscheint. Ein packender, zugleich niederschmetternder  Gedanke, höchst ungewohnt für antike Ohren, höchst ungewohnt für moderne Ohren.

Wo kann man dieses russische Lied hören?

Es genügt folgende drei Wörter in eine Internet-Suchmaschine einzugeben

Эта ночь святая

und man erhält als Video eine reiche Auswahl an Fassungen, aus der man die am meisten gefallende auswählen möge!

Hinweis:

Nicola Zingarelli
lo Zingarelli 2017
Vocabolario della lingua italiana
A cura di Mario Cannella, Beata Lazzarini
2016
Isbn: 9788808601476
Collana: I grandi dizionari
Note: 145 000 voci, oltre 380 000 significati, 115 definizioni d’autore

 

 

 Posted by at 20:25
Dez 232016
 

Aus meiner winzig kleinen fränkisch-schwäbischen Wandergruppe erreichte als Geschenk mich am ersten Dezember ein guter treuer Gefährte für diesen Monat: der Europa-Besinnungs-Adventskalender. Er steht im Bunde mit europäischen Heiligen und Verbrechern, mit europäischen Künstlern, mit Europas Städten und Europas Ländern, er schweift von Nord nach Süd  alles ab, er spürt den feinsten Verästelungen des Lebens nach, er bietet Schokolade und Poesie, Reiseführer für Polen, er kennt Kyrill und Method, Rätselkrimis und Johannes vom Kreuze. Jeden Tag erfreute er mich mit einem in Knittelversen gereimten Merk- und Denkspruch und einem kleinen, aufmerksam gewählten Geschenk.

Ein Beispiel? Das brachte uns der Adventskalender am 9. Dezember:

Denkspruch am 9. Dezember:

Der 9. Dezember ist der Gedenktag des Abel.
Als Kain den Erfolg Abels nicht mehr ertragen,
hat er seinen Bruder erschlagen –
oder ihn gar mit einem Pfeil niedergestreckt?
Das wird ein Rätsel bleiben für uns –
nur Gott hat die Wahrheit entdeckt.

Geschenk am 9. Dezember:
Andreas Venzke: Ötzi. Die Verfolgungsjagd in der Steinzeit. Ein Rätselkrimi. Bilder von Alexander von Knorre. Arena Verlag Würzburg, 3. Auflage 2015

Morgen wird der gute Kalender sein letztes Geschenk hergeben. Zeit, kurz Rückschau auf all das Geschenkte und Gelehrt zu halten!

Versuchen wir es ebenfalls in Knittelversen!

O Kalender, dreiundzwanzig Tage lang
Hast Du mir jeden Morgen eine Freude gemacht,
Und wenn ich traurig war, hast du mich angelacht.
Nie war dir bang,
Du gabst mir alles, was du hast,
Du lagst auf Lauer ohne Hast.
Wenn ich in trüber Morgensupp zum Tag hinüberschwamm,
Erzähltest du Geschichten, die du aufgesogen wie ein Schwamm,
Und vergaukeltest mir manchen Tag,
Wenn ich dankbar dir zu Füßen lag.

Europas Heilige verehrst du wie kein zweiter,
Sie sind Sprossen dir auf deiner Himmelsleiter,
Nicht Geld und Zinsen, Bank und Konvergenzen,
Sind Kerneuropa, überschreiten Grenzen –

Nein, die Wandrer sind’s, die Lehrer, die Gestalter,
Unsichtbarer Schätze Mehrer und Verwalter,
An sie hast du uns stets herangeführt,
Behutsam horchend ihnen nachgespürt;

Mit kluger Hand gewiesen und gelehrt;
Die Herzen auf den rechten Weg gekehrt,
Durst, Kälte, Hitze, Hunger abgewehrt,
Und dann zum Schluss noch meinen Klagen zugehört.

Europa-Besinnungs-Adventskalender
morgen, am 24. Dezember, endet unser gemeinsamer Weg:

Ich danke Dir!   

 

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Zwingt die Saiten in Cythara

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Dez 022016
 

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Zwingt die Saiten in Cythara
Und lasst die süße Musica
Ganz freudenreich erschallen

Wer dächte nicht an diese schönen Verse aus Bachs Kantate „Schwingt freudig euch empor“, wenn er eine so nette Einladung wie die folgende erhält? Ich jedenfalls zögere nicht, die mir zugesandte Einladung zu veröffentlichen!

Die Sänger, Musiker, Schauspieler  laden euch herzlich zu ihrem Adventskonzert am Samstag, den 10. Dezember 2016 um 19:30 Uhr in der Kirche St. Bonifatius, Yorckstr. 88/89, 10965 Berlin, ein.

Zusammen mit dem Konzertorganisten Stefano Barberino am Piano, der Sopranistin Sandra Barenthin, der Altistin Irina Potapenko, dem Tenor Claudio Stirpe, dem Schauspieler Sebastian Zett, mit Ivan Hampel (Violine) u.a. wollen sie euch mit (vor-)weihnachtlichen Melodien auf die (Vor-)Weihnachtszeit einstimmen.

Der Eintritt ist frei, Spenden sind herzlich willkommen.

Kommet zuhauf, denn:

Auch mit gedämpften, schwachen Stimmen
Wird Gottes Majestät verehrt.
Denn schallet nur der Geist darbei,
So ist ihm solches ein Geschrei,
Das er im Himmel selber hört.

 Posted by at 09:05
Nov 272016
 

„Schwingt freudig euch empor“, so tönt es aus dem fernen Japan zu uns herüber. Bayern 4 Klassik brachte es soeben in mein digitales dümpelndes Kombüsenradio, fast unhörbar leise gestellt, weil ja der Schiffsjunge an Bord noch schlief.

Name der Botschaft, vorgetragen in nahezu akzentfreiem Deutsch:  Kantate am ersten Advent, BWV 36

Träger der Sendung:
Hana Blaziková, Sopran
Robin Blaze, Countertenor
Satoshi Mizukoshi, Tenor
Peter Kooij, Bass
Bach Collegium Japan: Masaaki Suzuki

Erfrischende Erkenntnis, dass zumindest in Japan die überragende Schönheit der Bachkantaten und auch die Klangfülle und Ausdruckskraft der deutschen Sprache noch erkannt und gepflegt wird! Ja, ich lüge nicht, stellt euch vor, dort in Japan, aber auch in England, in den USA, in Tschechien lernen sie – sehr im Gegensatz zu Deutschlands Kindern – noch richtig schönes, klingendes, klangvolles Deutsch, und sei es auch, um eine Bachkantate aufführen zu können.

Motto der Japaner ist: Schwingt freudig euch empor.

 Posted by at 12:00
Dez 242015
 

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Der gute alte San Nicola di Bari, der seine letzte Ruh in Apulien fand, also der gute alte Nikolaus aus dem asiatischen Myra, hat mir – in schlichtes, ökologisch verantwortbares Packpapier verpackt – über die vergangenen 24 Tage 24 Gschenkla aus dankbar Hand einer fränkischen Botin zukommen lassen. Heute – als hätt‘ er’s geahnt – lässt er mir nun das letzte Gschenkla, sein Bändchen „Inmitten der Nacht“, zukommen. In aller Frühe schon lese, summe und singe ich mich darin fest, während mein eigener Sohn noch im Nebenzimmer wie ein Murmeltier schläft. Besonders gefällt mir folgende Zwiesprache zwischen einer Frau und einem Mann:

Ufm Berga, da giht dar Wind,
da wiegt de Maria ihr Kind
mit ihrer schlohengelweißen Hand,
se hatt och derzu keen Wiegenband.

Maria: Ach Joseph, liebster Joseph mein,
ach hilf mer wiegen mei Knabelein!

Joseph: Wie kann ich dr denn dei Knabla wiegn!
ich kann ja kaum salber de Fingerla biegn.

Maria: Schum schei, schum schei.

Rätselhaft! Was mag das Ganze bedeuten? Warum sagt und singt Joseph das? Ist es ihm zu kalt? Hat er rauhe rissige Hände von all der männlichen Hobelei und groben Zimmermannsarbeit? Oder sind ihm die Finger durchgefroren und klamm? Oder hält er die Erstversorgung des neugeborenen Kindes für reine Frauensache? Erklärt sich Joseph hier außerstande, den erbetenen Dienst zu leisten? Und was ist das überhaupt für eine Sprache? Etwa Hochdeutsch?

Wir können es nicht wissen! Denn das Lied ist uns schriftlich aus dem fernen Jahr 1841 bezeugt, die Verfasser, die ersten Sänger sind schon längst nicht mehr unter uns. Sie haben uns dieses geheimnisvolle Lied hinterlassen. Um die Wahrheit des Liedes zu erfahren, müsste man es singen, gleich heute abend!

Anyway, be it as it may be, wie soll ich’s dir sagen, come te hi a ddisce? Ti ringrazio tanto, Marie, tu si benedette mmenze a le femmene, e benedette ié u frutte de u vendre tu!

Quellen:
„Auf dem Berge, da wehet der Wind“ – Schlesien. In: Erk-Irmer, Die deutschen Volkslieder mit ihren Singweisen, Heft 6, Krefeld und Wesel 1841. Zitiert nach: Inmitten der Nacht. Die Weihnachtsgeschichte im Volkslied. Herausgegeben von Gottfried Wolters mit Holzschnitten von Alfred Zacharias. Möseler Verlag, Wolfenbüttel 1957, Seite 55, sowie Originaltext ibidem auf Seite 78

https://it.wikipedia.org/wiki/Dialetto_apulo-barese

 Posted by at 11:43
Dez 172015
 

Advent, das ist die Zeit der Dürre, der Versteppung. Advent, da zweifeln die Menschen an sich selbst. Auch die höhere, die gerühmte höchste Kultur findet heute keine Worte mehr, um die Größe und das Leuchten des Menschen, das Leuchten der Kinderaugen zu beschreiben.

Es bleiben Töne, es bleiben Kinderaugen!

Herzlich lade ich Sie und Euch deshalb zu dem folgenden Konzert am kommenden Samstag ein, bei dem ich selbst auch als Geiger mitwirke:

Adventskonzert in der St.-Bonifatius-Kirche

Am 19.12.2015 ab 16:00 Uhr in der St.-Bonifatius-Kirche, Yorckstraße 88, Kreuzberg, Berlin

Der Eintritt ist frei; Spenden erbeten.

Mitwirkende:
•Kirchenchor St. Bonifatius
•Charlottenburger Vokalensemble
•Mitglieder des St. Bonifatius-Orchesters,
•Solisten: Sandra Barenthin und Irina Potapenko

Leitung: Stefano Barberino

Werke von Bach, Vivaldi, Telemann, Mendelssohn
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 Posted by at 19:32
Dez 172015
 

Advent, das ist Versteppung.
Die Zeit der Auskippung.
Fast-Verlöschung. Ankunft,
Schubkarren hochgestellt,
rauskippt’s den Dichter aus Prag:
Vor dem deutschen Institut
vermag er nicht zu bestehen: streng!
„Hau raus den Mist!“
Wenzelsplatz, saumselig,
endlich statuenentleert.

GASAG liefert Energie
schrittweis, engellos,
zum neunarmigen Leuchter.
Wipfellos, lichtlos,
Bäume, Drähte, Lämpchen.
Vorm Tore Touristen kucken.

Und sonst? Du, so fernher?
So weit weg? Was sagtest du?
„… Nicht durch Macht,
und nicht durch Kraft,
sondern durch Meinen
Geistbraus …“

Bild:
Der Eingang zum GASAG-Wintermarkt, Berlin, Unter den Linden, Aufnahme vom 05.12.2015, 16:35 Uhr

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 Posted by at 19:28
Dez 072015
 

Beim Warten auf den Einsatz mit Vivaldis jubelndem Gloria hörte ich gestern in der Canisius-Kirche eine äußerst bewegende Predigt. Grundgedanke war: Advent, das ist die Zeit der Dürre, der Versteppung. Advent, da zweifeln die Menschen an sich selbst. Auch die „philosophische Anthropologie“ findet heute keine Worte mehr, um die Größe und das Leuchten des Menschen, das Leuchten der Kinderaugen zu beschreiben.

Advent, da wissen sie nicht ein noch aus.

Irgendwie wanderten meine Gedanken beim Nachhauseradeln zu dem „Traum der Wüste“, zu dem großen, gewaltigen Gedicht Clemens Brentanos ab. Neben Adalbert Stifter, neben den Beschreibungen der endlosen kalmückischen Steppe, wie sie der Rotarmist Wassili Grossman geliefert hat, ist Brentano derjenige, der wohl am ehesten den abgrundtiefen Verzweiflungston der Psalmen, die wehe Zerrissenheit der Jahre 1914-1945 getroffen hat.

Aus diesem Grunde gebe ich das Gedicht unverändert wieder:

Der Traum der Wüste

O Traum der Wüste, Liebe, endlos Sehnen,
Blau überspannt vom Zelte, Stern an Stern;
O Wüstenglut voll Tau, o Lieb voll Tränen,
Weil sich unendlich Nahes ewig fern.

O Wüstentraum, wo Lieb auf Herzschlag lauschet,
Wenn flüchtgen Wildes Huf die Wüste drischt,
O Traum, wo der Geliebten Schleier rauschet,
Wenn Geierflug im Sandmeer Schlangen fischt.

O Wüstentraum, wo Liebe träumt zu fassen
Jetzt Josephs Mantelsaum mit durstger Hand,
Da geißelt wach, verhöhnt halb, ganz verlassen
Ihr Herz, der Wüste Geißel, glüher Sand.

O Liebe, Wüstentraum der Sehnsuchtspalme,
Die blütenlos Gezweig zum Himmel streckt,
Bis segnend in des höchsten Liedes Psalme
Der Engel sie mit heilgem Fruchtstaub weckt.

O Wüste, Traum der Liebe, die verachtet
Vom Haus verstoßen mit der Hagar irrt,
Wo schläft der Quell? da Ismael verschmachtet,
Bis deine Brust ihm eine Amme wird.

O Wüstentraum der Liebe, die sich sehnet,
Steigt nie ein Weiherauch aus dir empor?
Geht duftend, auf den Bräutigam gelehnet,
Nie meine Seele heil aus dir hervor?

O Wüste, wo das Wort der ewgen Liebe
Im unversehrten Dorn vor Moses flammt,
Ein Zeugnis, daß die Mutter Jungfrau bliebe,
Aus deren Schoß der Sohn der Gottheit stammt.

Lieb‘, Wüstentraum, so laut des Rufers Stimme,
»Bereit‘ den Weg des Herrn!« dir mahnend schallt,
Summt in des Löwen Schlund dir doch die Imme,
Die Süßes baut im Rachen der Gewalt.

O Durst der Liebe, Wüstentraum, wann spaltet
Der Herr den Fels, daß Wasser gibt der Stein,
Wann deckt in dir den Tisch, der gütig waltet,
Wann sammle ich das Himmelbrot mir ein?

Durst, Liebe, Wüstentraum, dort scheint am Hügel
Der Morgenstrahl, ein Hirtenfeuer weiß,
Wo Durst gewähnt des Wasserfalles Spiegel
Fand Liebe ein Geschiebe Fraueneis.

O Liebe, Wüstentraum des Heimatkranken,
Ihr Paradiese, schimmernd in der Luft,
Ihr Sehnsuchtsströme, die durch Wiesen ranken,
Ihr Palmenhaine, lockend in dem Duft.

O Liebe, Wüstentraumquell, beim Erwachen
Rauscht dir kein Quell, es wirbelt glüher Sand,
Es saust das Haus der Schlangen und der Drachen
Und prasselt nieder an der Felsenwand.

O Wüstentraum, wo Sehnsucht Feuer trinket,
Und Liebe angehaucht vom giftgen Smum,
Ohn Trost und Hoffnung tot zur Erde sinket;
O Tod ohn Liebe, Hoffnung, Ehr und Ruhm!

O Wüstentraum der Lieb! in der Oase
Labt dich am Quell, der zwischen Palmen glänzt,
Ein schlankes Kind – die Schlange ist’s im Grase,
Der Räuber Kundschaft’rin, ein Truggespenst.

O Liebe, Wüstentraum, nach kurzem Gasten
Sprengt dich der Räuber gastfrei an mit Hohn:
»Mein Brüderchen! entlaste dich zum Fasten,
Wo denkest du hinaus, mein lieber Sohn?«

O Liebe, Wüstentraum, du mußt verbluten,
Beraubt, verwundet, trifft der Sonne Stich,
Der Wüste Speer dich, und in Sandesgluten
Begräbt der Wind dich, und Gott findet dich!

Clemens Brentano: Der Traum der Wüste. In: Clemens Brentano. Eine Auswahl. Ausgewählt und mit einem Nachwort versehen von Curt Hohoff. Veröffentlicht unter der Zulassungs-Nr. US. E-119 der Nachrichtenkontrolle der Militärregierung. Carl Hanser Verlag, München o.J., Erster Band, S. 135-137

 Posted by at 20:00
Dez 042015
 

Advent heißt Vorfreue, Erwartung, Ankunft. So werde ich übermorgen am Sonntag wieder einmal die Geige einpacken und mich fiedelnd beim Adventskonzert unter das singende, musizierende Volk mischen.

Ihr könnt alle kommen, mitsingen, euch mitfreuen!

Sonntag, 06. Dezember 2015, 19.00 Uhr

Adventskonzert in der Kirche Sankt Canisius, Berlin-Charlottenburg, Witzlebenstraße 30

Leitung: Stefano Barberino

Vivaldi: Gloria Nr. 1
Händel: „Tochter Zion“ mit Gemeinde
„Conditor alme siderum“
Telemann: Adventskantate „Hosianna dem Sohne David“
Transeamus
Es kommt ein Schiff geladen mit Gemeinde
Arcadelt „Ave Maria“
Saint-Saens: „Tollite Hostias“
Macht hoch die Tür Gemeinde
Ecce Dominus veniet Gemeinde

 Posted by at 20:09