Sie befinden sich in den Archiven der Kategorie Antike Welt.
- 60 Jahre Bundesrepublik Deutschland (9)
- Antike Welt (26)
- Aufsteigerrepublik (12)
- Berlin (64)
- Berliner Volksentscheide (15)
- Blogroll (26)
- Bundestag (19)
- CDU umdenken (92)
- Deutschland (58)
- Die neuen Deutschen (9)
- Die verlorenen Söhne (15)
- Die zusammenwachsende Stadt (22)
- Eine neue Lernkultur (3)
- Europa (61)
- Europawahlen 2009 (6)
- Fahrrad (103)
- Finanzmaus (26)
- Frauen und Männer in der Politik (12)
- Freiheit (22)
- Friedrichshain-Kreuzberg (58)
- Gröbenufer (4)
- Integration (67)
- JüL - Jahrgangsübergreifendes Lernen (2)
- Jugendgewalt (5)
- Kandidatenwacht 084 (53)
- Kleine italiänische Reise. (2)
- Leitbild Lernende Volkspartei (25)
- Meine innige Freude (22)
- Modellbezirk Radverkehr (2)
- Musik (33)
- Opel retten? (15)
- Persönliches (42)
- Politik im Internet (11)
- Politikmaus (3)
- Politische Kommunikation (36)
- Positive Kommunikation (13)
- Religionen (24)
- Rosa Luxemburg (10)
- Russland (14)
- Schwarz-grünes Bündnis? (4)
- Shared Space - der Gemeinsame Raum (8)
- Sprachen (13)
- Systemfrage (19)
- Verantwortung (18)
- Welt (24)
- Wie wir Kinder erziehen wollen (97)
- 20.3.2010: "Teiche auf den Tauwind harren ..."
- 18.3.2010: Ein Bezirk steigt auf: Modellbezirk Radverkehr
- 17.3.2010: "Nicht-deutscher Herkunft" oder "neue Deutsche"?
- 16.3.2010: Friedrichshain-Kreuzberg steigt auf: Modellbezirk Radverkehr
- 16.3.2010: Verdrängung sozial Schwacher verhindern!
- 16.3.2010: Fürsorgliche Radfahrer
- 16.3.2010: Fürsorgliche Schildkröten - die Republik der Aufsteiger
- 16.3.2010: Verheerende Symbolik
- 16.3.2010: Gymnasialklassen nach Herkunft sortiert
- 16.3.2010: Ethnische Trennung an Gymnasien ist schockierend: Integrationsverweigerer sind deutsch - taz.de
Blogroll
- ADFC Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club Berlin
- Als Autor bei Freie Welt.net
- Artemis Quartett
- Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg
- Chamisso Akademie
- Die neuen Deutschen
- Fanny-Hensel-Grundschule
- Johannes Hampel und die Geige
- Johannes Hampel's Blog bei Barack Obama
- Rad-Spannerei. Fahrradblog aus der Heimat
- Sängerin Irina Potapenko
- Youtube
- März 2010
- Februar 2010
- Januar 2010
- Dezember 2009
- November 2009
- Oktober 2009
- September 2009
- August 2009
- Juli 2009
- Juni 2009
- Mai 2009
- April 2009
- März 2009
- Februar 2009
- Januar 2009
- Dezember 2008
- November 2008
- Oktober 2008
- September 2008
- August 2008
- Juli 2008
- Juni 2008
- Mai 2008
- April 2008
- März 2008
- Februar 2008
- Januar 2008
- Dezember 2007
- November 2007
- Oktober 2007
- September 2007
Archiv der Kategorie Antike Welt
Salus civium - das Heil der Bürger kommt zuerst
16.2.2010 von admin.
Für die “Guten” steht das Wohl, das Heil der Bürger (salus civium) - aber auch die Nachhaltigkeit der Politik (felicitas posterorum, sustainability) höher als die Befriedigung von militärischen und materiellen Machtinteressen. Das war eine selten gelebte, aber immer wieder ins Gedächtnis gerufene Grundüberzeugung vieler, ja der meisten römischen Geschichtsdenker. Einen mehr oder minder zufälligen Beleg führe ich hier nachfolgend an. Wir lesen etwa in den Historiae abbreviatae, cap. 34, des spätrömischen Historikers Sextus Aurelius Victor (* um 320; † um 390) die folgenden Sätze (Fettdruck durch diesen Blogger). Alles Einsichten, die den deutschen Außenminister zu seiner berüchtigten Invektive bewogen haben mögen … ob er an Sextus Aurelius Victor, diesen bekannten spätrömischen Autor dachte, als er “spätrömische Dekadenz” beklagte?
Sed Claudii imperium milites, quos fere contra ingenium perditae res subigunt recta consulere, ubi afflicta omnia perspexere, avide approbant extolluntque, viri laborum patientis aequique ac prorsus dediti reipublicae, 2 quippe ut longo intervallo Deciorum morem renovaverit. 3 Nam cum pellere Gothos cuperet, quos diuturnitas nimis validos ac prope incolas effecerat, proditum ex libris Sibyllinis est primum ordinis amplissimi victoriae vovendum. 4 Cumque is, qui esse videbatur, semet obtulisset, sibi potius id muneris competere ostendit, qui revera senatus atque omnium princeps erat. 5 Ita nullo exercitus detrimento fusi barbari summotique, postquam imperator vita reipublicae dono dedit. 6 Adeo bonis salus civium ac longa sui memoria cariora sunt; quae non gloriae modo, verum etiam ratione quadam posterorum felicitati proficiunt. 7 Hoc siquidem Conatantius et Constantinus atque imperatores nostri orisque acceptior militibus praemiorum spe seu lasciviae. 8 Quo aegra asperiorque victoria fuit, dum, uti mos subditis est, studio impune peccandi remissa imperia promptius quam utilia defendant.
Geschrieben in Antike Welt | Keine Kommentare »
Wer schreibt bei wem ab?
11.2.2010 von admin.
Habt ihr gemerkt? Ich widersprach im vorigen Eintrag Rifkins Selbstdeutung. Er scheint nämlich der Meinung zu sein, seine empathy sei dem Wesen nach eine Neuentdeckung. Alle Vorläufer hätten das nicht zu fassen vermocht, was er fasst:
Jeremy Rifkin: Die empathische Zivilisation: Mir ist so ganz empathisch wohl - Sachbuch - Feuilleton - FAZ.NET
So wichtig alle diese Vordenker seiner zentralen Aussage auch seien, ist die Menschheit doch erst mit dem Erscheinen des Wortes “Empathie” auf den richtigen Weg gebracht. So wird von Rifkin mehrmals bemängelt, dass Autoren, die vor dem zwanzigsten Jahrhundert über Mitgefühl nachgedacht haben, gar nicht den passenden Terminus dazu hatten. Bei ihm ist das anders. Rifkin verfügt über das Konzept einer “empathischen Zivilisation”, wie der Titel seines neuen Buches lautet, und natürlich ist Empathie mehr als Moral und Ethik: “Empathisches Handeln erweitert den Geltungsbereich der Moral.” Wie, das behält Rifkin für sich. “Empathie ist etwas, was wir gleichzeitig spüren und mit dem Verstand erfassen können.”
Ich vermag Rifkin hier in seinem Anspruch auf Urheberschaft nicht zu folgen. Die Werte des Erbarmens, des Mitfühlens, des Mitgehens, Mitleidens usw., die ziehen sich doch durch die gesamte europäische Geschichte als eine Art Leuchtspur. Nietzsche spricht immer wieder abschätzig und verächtlich von einer Kultur des Mitleidens, einer christlichen Kultur der Schwäche, die es zu überwinden gelte.
Aber genau diese Kultur des Mitleidens und der Schwäche ist ein Merkmal eines wesentlichen Teils der europäischen Kultur! Einsicht in die Schwäche, in das Leiden des anderen, öffnet den Blick für die eigene Schwäche. Es ist eine Grundlage für die Entstehung von Moral.
Das zeigt sich am Wort empathy selbst. Es ist griechischen Ursprungs. Rifkin verwendet es ungefähr so, wie Aristoteles von eleos spricht. Eleos ist das zugleich rationale und emotionale Mitgehen mit einem exemplarisch vorgeführten Leiden.
Geschrieben in Antike Welt | Keine Kommentare »
Vertraue deinem Namen
15.1.2010 von admin.
Ich lese die große Patmos-Hymne von Friedrich Hölderlin, die mich seit meiner Jugend begleitet. Es sind im Grunde Meditationen über Johannes den Täufer.
“Im Finstern wohnen die Adler”, heißt es da, “und furchtlos gehn die Söhne der Alpen über den Abgrund weg.”
Dies sei eins meiner Leitworte!
Geschrieben in Antike Welt | Keine Kommentare »
War Platon gegen Videospiele?
10.1.2010 von admin.
Kaum ein Autor ist mir so nahe vertraut wie - Platon. Bereits als 16-jähriger ließ ich mir zu Weihnachten die von Burnet trefflich besorgte Oxforder Gesamtausgabe schenken. Seither lese ich immer wieder darin und so ward mir der Autor ebenso vertraut wie dem Harley-Fahrer seine Maschine und dem Bauern seine Kuh im Stall.
Heute las ich im zweiten Buch der Politeia das, was Platon über den modernen Wohlfahrtsstaat schreibt, Verzeihung: über die antike “üppig aufgeschwemmte Stadt” (372 eff.) Sie ist gekennzeichnet durch einen Überschuss an nicht lebensnotwendigen Dingen, durch hochgradige Aufsplitterung der Berufs- und Arbeitswelt und durch ein hohes Maß an Müßiggang.
In 373a7 nennt Sokrates “bewegte Bilder” als Merkmal einer derartigen Luxuswelt. An unsere Flachbildschirme konnte er nicht denken. Aber das Überhandnehmen der Medienwelt, der “bewegten Bildnissse”, das ständige Schielen auf Schminke, Gold und Elfenbein scheint auch damals bereits absehbar gewesen zu sein. Hier eine Gratifikation, da eine Prämie, da eine Zulage.
Wie gesagt: Wir haben Flachbildschirme in vielen Familien, in denen die Kinder keine Lesebücher haben. Das ist - wie sagt Plato? - “nicht gesund”.
Quelle: Platonis opera. ed. Ioannes Burnet, t. iV, 372e-373b
Geschrieben in Antike Welt | Keine Kommentare »
“Die Römer haben alles vorgemacht” - die Einsichten des Robert Harris
28.12.2009 von admin.
“It was late December and from a dark grey sky blew a wind that was quick enough and sharp enough to steal your breath …” Mit diesen Sätzen tauche ich ein in den neuen Roman von Robert Harris, “Lustrum”. Ich teile mit Harris die Faszination durch die antike Politik. Alles, was wir heute noch durchfechten, wurde keimhaft dort schon angelegt: Das Setzen auf die Kraft des Wortes, das Ringen um den Sieg in Rede und Gegenrede, die Einsicht in die Machtgebundenheit alles politischen Handelns. Aber in einem scheint mir das folgende Interview mit dem Autor besonders bemerkenswert:
Deutschlandradio Kultur - Thema - “Die Römer haben alles vorgemacht”
Die Römer - so Harris - fühlten sich zu Zeiten Ciceros noch einigermaßen sicher. Die Republik, die Jahrhunderte lang bestanden hatte, würde doch wohl weitergehen, oder? Sie täuschten sich. Das Gefüge aus Machtbegrenzungsmechanismen und Gegengewichten war auseinandergeraten. Wir zitieren aus dem Interview:
Die Römer waren damals überzeugt, dass ihre Demokratie, die schon seit Jahrhunderten bestand, auch noch Jahrhunderte weiter bestehen würde. Es kam aber nicht so. Die römische Geschichte lehrt uns, wie schnell scheinbar stabile politische Systeme zerfallen können, wie schnell sie in den Abgrund geraten. Cicero stemmte sich dagegen, er versuchte alles zu tun, um die Integrität der römischen Republik aufrechtzuerhalten. Es ist ihm nicht gelungen, weil um ihn herum das ganze Gefüge zusammenbrach und er als Einzelner das nicht aufhalten konnte.
Nun, ich würde die römische Republik nicht als “Demokratie” im heutigen Sinne bezeichnen. Aber sie war eine res publica in dem Sinne, dass das Gemeinwesen als Sache aller vollberechtigten Bürger galt, nicht als Privateigentum oder Lehen eines Einzelnen oder einiger weniger.
Aus der Lektüre des Buches erwächst mir eine Bestätigung meiner schon früher geäußerten Vermutung: Das Gemeinwesen, die Demokratie ist nie endgültig gesichert. Sie muss jederzeit bekräftigt werden. Die wenigen einfachen Grundsätze, auf denen die Bundesrepublik Deutschland aufruht, müssen immer wieder neu formuliert werden, sie müssen auf den jeweiligen Anlass bezogen neu benannt, ausgesprochen und in Taten umgesetzt werden.
Einer dieser Leitsätze ist: Das Parlament kontrolliert die Regierung. Es ist kein Abnick- und Akklamationsorgan.
Bundestagspräsident Norbert Lammert hat mit seiner deutlichen Kritik am Wachstumsbeschleunigungsgesetz der Bundesregierung diese Pflicht in, wie ich meine, vorbildlicher Weise erfüllt. Lest selbst, was die WELT schrieb:
Lammert bemängelte, dass das Wachstumsbeschleunigungsgesetz „mit einem vielleicht aus der Euphorie des Wahlergebnisses entstandenen Energieüberschuss ein bisschen sehr schnell zusammengebastelt und auf den Weg gebracht worden ist“. Das Gesetz enthalte neben manchen sinnvollen auch einige zweifelhafte, „schlicht misslungene, auch nicht vertretbare Regelungen“, sagte er unter Verweis auf die Mehrwertsteuerabsenkung für Hotels.
Bene dixisti! Robert Harris, aber auch Marcus Tullius Cicero hätten sich über diesen mutigen Schritt sicherlich gefreut.
Nachweis: Robert Harris: Lustrum. Hutchinson, London 2009, hier: S. 4
Geschrieben in Antike Welt | Keine Kommentare »
Neues Museum - der helle schwirrende Pfeil der Äonen
15.10.2009 von admin.
“Hier sitz ich, forme Menschen nach meinem Bilde …” Unser Foto zeigt einen eiszeitlichen Menschen, wie er gerade eine Venus von Willendorf mit seiner Hände Arbeit erschafft. Dies ist eine Rekonstruktion aus dem Neuen Museum, das morgen feierlich eröffnet wird.
Einen überwältigenden Eindruck verschaffte mir heute dieses fertigrenovierte Neue Museum auf Berlins Museumsinsel. Etwa 10.000 Jahre der Menschheitsgeschichte werden umspannt. Artefakte, Bilder, Statuen, Gebrauchsgegenstände, Meisterwerke - alles erscheint wunderbar klar, zugänglich, sinnlich erfahrbar. Die Jahrtausende werden nicht als Last erfahrbar, sondern als überraschende, stets in sich gespannte Abfolge von Stationen. Als ein Zeitpfeil, der schwirrend durch die Räume der Äonen geschleudert wird. Großartige, lichtdurchflutete Räume, die jedem Artefakt seine Würde, seine Ferne, seien Nah-Erfahrung, aber auch seine Aura verleihen. Begeistert war ich besonders von den verwendeten Materialien. Hier mein Kommentar dazu auf Video:
http://www.youtube.com/watch?v=pYyQIgUyUFM
Ich verweilte des läangeren in Ägypten. Der Ägyptische Hof dient jetzt auch als Anschluss der Archäologischen Promenade an das Neue Museum. Vom Pergamonmuseum oder dem Bode-Museum heranschreitend, tritt der Besucher in diesen durch David Chipperfield neu geschaffenen Teil ein.
Das Neue Museum ermöglicht also eine mehrfache Zugänglichkeit, die starre Frotalität des früheren Haupteingangs wird ermäßigt zugunsten einer Einpassung des Alten in das Neue. Genial gelungen! Hier ein Blick auf die Wand des ägyptischen Hofes:
http://www.youtube.com/watch?v=PIAwhZPaFyE
Menschenbilder der Jahrtausende werden hier sichtbar. Den Wandel der Porträts über die gesamte Geschichte der alten ägyptischen Kultur vermittelt das folgende Video:
http://www.youtube.com/user/JohannesHampel#p/a/u/0/P8Ogg37TfWo
Das neue Museum lädt ein zum Staunen, zum ständigen Dialog und zum Verstummen. Es überwältigt durch Lichtfülle und fängt doch durch klare Markierungen auf. Es ist ein Prunkstück der Versöhnung von alt und neu. Es ist eine Wonne, ein Lichtbad, ein Hymnus an die Kraft des Lebens auch im Angesicht der Vergänglichkeit. Ein Anstreifen an Ewigkeit. Ein Zipfel vom Hauch des Göttlichen.
Geschrieben in Antike Welt | 1 Kommentar »
Bürgerrechte großzügig verteilen!
13.9.2009 von admin.
Eine der besten Reden, die ich in den letzten Wochen lesen konnte, ist die Rede des Kaisers Claudius. Ihm wurde eines Tages im Senat vorgeworfen, er spreche zu vielen Menschen das Bürgerrecht zu. Aber er weist das zurück: seit jeher habe Roms Größe darin bestanden, ehemalige Nachbarn, ja ehemalige Feinde zu Staatsbürgern zu machen. Dazu gehörten nicht zuletzt seine eigenen Vorfahren und die der meisten Anwesenden!Absolut richtig! Das Imperium romanum hat immerhin mehr als 1000 Jahre gehalten. Stabilität eines staatlichen Gebildes hängt nicht zuletzt davon ab, ob es einen einbeziehenden, für Außenstehende zugänglichen Begriff der Staatsbürgerschaft hat. Die Römer haben das geschafft. Anders die Griechen, deren staatliche Gebilde aus heutiger Sicht sehr empfindlich waren - zu stark eine Bürgerschaft aus verschiedenen Klassen hatten. Die einheitliche Staatsbürgerschaft durch Geburt auf römischem Boden - das war die zukunftsweisende Großtat des 1. Jahhrunderts. Einer der ersten, die davon profitierten, war Saulus aus Tarsos, der spätere Apostel Paulus.
Aber lest selbst. Tacitus berichtet in Annales, 11.24:
Tacitus: Annales XI
His atque talibus haud permotus princeps et statim contra disseruit et vocato senatu ita exorsus est: ‘maiores mei, quorum antiquissimus Clausus origine Sabina simul in civitatem Romanam et in familias patriciorum adscitus est, hortantur uti paribus consiliis in re publica capessenda, transferendo huc quod usquam egregium fuerit. neque enim ignoro Iulios Alba, Coruncanios Camerio, Porcios Tusculo, et ne vetera scrutemur, Etruria Lucaniaque et omni Italia in senatum accitos, postremo ipsam ad Alpis promotam ut non modo singuli viritim, sed terrae, gentes in nomen nostrum coalescerent. tunc solida domi quies et adversos externa floruimus, cum Transpadani in civitatem recepti, cum specie deductarum per orbem terrae legionum additis provincialium validissimis fesso imperio subventum est. num paenitet Balbos ex Hispania nec rninus insignis viros e Gallia Narbonensi transivisse? manent posteri eorum nec amore in hanc patriam nobis concedunt. quid aliud exitio Lacedaemoniis et Atheniensibus fuit, quamquam armis pollerent, nisi quod victos pro alienigenis arcebant? at conditor nostri Romulus tantum sapientia valuit ut plerosque populos eodem die hostis, dein civis habuerit. advenae in nos regnaverunt: libertinorum filiis magistratus mandare non, ut plerique falluntur, repens, sed priori populo factitatum est. at cum Senonibus pugnavimus: scilicet Vulcsi et Aequi numquam adversam nobis aciem instruxere. capti a Gallis sumus: sed et Tuscis obsides dedimus et Samnitium iugum subiimus. ac tamen, si cuncta bella recenseas nullum breviore spatio quam adversus Gallos confectum: continua inde ac fida pax. iam moribus artibus adfinitatibus nostris mixti aurum et opes suas inferant potius quam separati habeant. omnia, patres conscripti, quae nunc vetustissima creduntur, nova fuere: plebeii magistratus post patricios, Latini post plebeios, ceterarum Italiae gentium post Latinos. inveterascet hoc quoque, et quod hodie exemplis tuemur, inter exempla erit.’
Geschrieben in Antike Welt | Keine Kommentare »
“Dann wird er wieder sehen können”: Von Joseph zu Yussuf
18.5.2009 von admin.
Yussuf - so heißt ein Mitschüler meines Sohnes. In Yussuf benannte sich auch Cat Stevens nach seinem Übertritt zum Islam um. Würdet ihr glauben, dass dieser Yussuf kein anderer ist als der Joseph aus dem 1. Buch Mose, das Juden wie Christen gemein ist?
Diesem Joseph oder Yussuf begegnete ich gestern beim Spazierengehen in Würzburg. Ihr seht ihn dort oben. Es war ein herrlich leichter, hingezauberter Abend. Die alte Mainbrücke zu überschreiten, den Blick der ruhig vertäuten Kähne zu genießen und ein paar Worte unter Freunden zu wechseln, das war für mich gestern ein schöner Augenblick.
So wie Navid Kermani oder Necla Kelek uns einen neuen Blick auf das Kreuz lehren können, so vermag es Goethe, die Eigenart des Islam genauso hervortreten zu lassen wie auch sein Strenges und Hartes. Ähnlich wie Kermani gelingt es ihm, in Anziehung und Abstoßung des Eigene und das Fremde geradezu sinnlich spürbar werden zulassen.
Goethe schreibt in seinen Noten und Abhandlungen zu besserem Verständnis des West-östlichen Divans in dem Mahomet benannten Kapitel:
Nähere Bestimmung des Gebotenen und Verbotenen, fabelhafte Geschichten jüdischer und christlicher Religion, Amplificationen aller Art, gränzenlose Tautologien und Wiederholungen bilden den Körper dieses heiligen Buches, das uns, so oft wir auch daran gehen, immer von Neuem anwidert, dann aber anzieht, in Erstaunen setzt und am Ende Verehrung abnöthigt.
Eine der wenigen im echten Sinne erzählenden Suren ist die Sure 12. Sie ist ganz dem Josef (ungarisch: Joschka, arabisch: Yusuf, bairisch: Sepp) gewidmet. Goethe rühmt an der koranischen Umarbeitung der biblischen Josefsgeschichte, sie sei bewundernswürdig. Die Überlieferungen des Alten Testaments beruhen - so Goethe - “auf einem unbedingten Glauben an Gott, einem unwandelbaren Gehorsam und also gleichfalls auf einem Islam”.
So wie Kermanis Bildmeditationen das beste sind, was ich seit einigen Monaten über das Christentum gelesen habe, so stellen Goethes Meditationen über Mahomet das beste dar, was ich seit vielen Wochen aus der Feder eines Nicht-Muslims über den Islam gelesen habe. Ohne flache Multi-Kulti-Versöhnlichkeit gelingt es Goethe, sich in Lebenswelt und Schriftsinn des Koran hineinzuversetzen, sich in ihn einzufühlen, ohne die eigene, abendländische Denkart preiszugeben.
Der Goethe des West-östlichen Divans ist DER große Anreger für uns in der Bundesrepublik Deutschland am Beginn des 21. Jahrhunderts. Er muss gleichberechtigt an die Seite des bekannteren Goethe gestellt werden, der den Faust geschrieben hat!
Schließen wir diese kurze Abendandacht mit einem Zitat aus der 12. Sure, Vers 92-93. Sie kann uns zeigen, wie innig verschwistert Judentum, Christentum und Islam sind und bleiben. Denn alle drei Religionen erzählen in immer neuen Abwandlungen das spannungsreiche Thema der Entfremdung zwischen Vätern und Söhnen, zwischen Bruder und Bruder. Ob Cat “Yussuf” Stevens, ob Josef “Joschka” Fischer sich immer bewusst waren, welche Kraft in ihrem Namen lag? Ihrem hebräischen Namen, der bedeutet: ER fügt hinzu? Denn nachdem Josef von seinen Brüdern verraten und verkauft worden war und der Vater aus Gram und Kummer das Augenlicht verloren hat, führt er zuletzt die große Versöhnung herbei, indem er sein Hemd weggibt und hinzufügt und dabei seinen Brüdern sagt:
“Keine Schelte soll heute über euch kommen. Gott vergibt euch, Er ist ja der Barmherzigste der Barmherzigen. Nehmt dieses mein Hemd mit und legt es auf das Gesicht meines Vaters, dann wird er wieder sehen können.”
Das heißt: Die Versöhnung geht vom Sohn aus, nicht vom Vater. Heißt sie deshalb Ver-söhnung, also Wiederherstellung des Sohn-Seins? Etymologisch nicht, denn das Wort stammt von Sühne ab. Aber in einem tieferen Sinne stimmt dieses Brückenbild. Joseph oder Yussuf - sie stehen im Bilde gesprochen “auf der Brücke”, sie sind die großen Hinzufüger, die großen Schenkenden.
Versöhnung geht in der Josefsgeschichte von dem aus, dem Unrecht angetan wurde, nicht von den Tätern des Unrechts. Und die Versöhnung macht im vollen Umfang “sehend”.
Quellen:
Goethes Sämmtliche Werke. Vollständige Ausgabe in zehn Bänden. Mit Einleitungen von Karl Goedeke. Erster Band. Stuttgart. Verlag der J. G. Cotta’schen Buchhandlung. 1885, S. 555-557
Der Koran. Übersetzung von Adel Theodor Khoury. Unter Mitwirkung von Muhammad Salim Abdullah. Mit einem Geleitwort von Inamullah Khan. Gütersloher Verlagshaus, 4. Auflage, Gütersloh 2007, S. 185
Geschrieben in Antike Welt | Keine Kommentare »
Christlich-morgenländische Betrachtungen
15.5.2009 von admin.
Allzu leicht fließt vielen Mahnern die Floskel “christlich-abendländische Werte” über die Lippen. Dabei hätte der äußerst beachtliche Besuch des Papstes Benedikt in Israel und den palästinensischen Gebieten Anlass sein können, dem nachzusinnen, was der Papst selbst immer wieder hervorgehoben hat: dem gemeinsamen Ursprung der drei Weltreligionen aus der Wurzel des alten Israel. Das Judentum und die beiden aus ihm entsprungenen Nachfolgereligionen Christentum und Islam sind morgenländische Religionen. Bereits am Ende des 4. Jahrhunderts dachten, glaubten und beteten die Christen im wesentlichen so, wie sie das heute noch tun. Das Christentum hat sich im Orient ausgebildet, in Palästina, in Kleinasien (also dem Gebiet der heutigen Türkei), recht bald auch in der westlichen Reichshälfte, in Rom. Von da aus trat es seinen beispiellosen Siegeszug durch Europa an, ja es hat eigentlich das Europa, wie wie wir es heute kennen, erst entstehen lassen. Den Reden des Papstes ist das Bewusstsein dieses Kulturtransfers von Ost nach West, vom Morgenland in das Abendland deutlich anzumerken. Wir sind alle Schuldner Asiens.
Das Spannendste, was ich derzeit über das Christentum lesen und hören kann, fließt aus der Feder von Muslimen. So etwa derjenigen Necla Keleks. In ihrem Buch “Die verlorenen Söhne” (München 2007) beschreibt sie eindringlich, wie die Gestalt Jesu ihr in einer ausweglos scheinenden Situation half, die Trennung von ihrer Familie und ihrem Mann zu bewältigen. Sie schreibt auf S. 227: Jesus fordert die Menschen auf, an sich zu glauben, er ermutigt sie, keine Angst zu haben, er lehrt nicht nur den Nächsten, sondern auch den Feind anzunehmen. “Glaubt an mich und an euch selbst, dann wird selbst das Unmögliche möglich.” In den Betrachtungen Keleks wird für einen Augenblick das Befreiende, das Ungeheuerliche der christlichen Botschaft spürbar.
Aber auch Navid Kermanis in der Neuen Zürcher Zeitung erschienene Kreuzesmeditationen vor einem Bild Guido Renis bergen etwas von der Glutfülle der morgenländischen Religionen. Sie führen direkt ins Mysterium der Botschaft Jesu hinein. Sie stellen eine bewundernswerte Rede und Gegenrede dar, eine beispielhafte Versenkung in das Andersartige der anderen morgenländischen Religion. Kermani nimmt zunächst Anstoß an der Kreuzestheologie - einen Anstoß, ein Ärgernis, welches auch in den neutestamentlichen Schriften wieder und wieder behandelt wird. Die Briefe des Paulus sind eine einzige Auseinandersetzung mit dem Anstoßerregenden der Kreuzesbotschaft. Und Joseph Ratzinger fasst den Nachhall dieses Ärgernisses, wenn er schreibt: “Der Skandal des Kreuzes ist vielen unerträglicher als einst der Donner des Sinai den Israeliten” (Joseph Ratzinger, Jesus von Nazareth, Freiburg 2007, S. 97). Doch Kermani geht einen Schritt weiter, er verharrt nicht in der Ablehnung dieses Ärgernisses. Wir zitieren aus der FAZ:
Guido Reni führt „das Leiden aus dem Körperlichen ins Metaphysische über. Sein Jesus hat keine Wunden. Er blickt in den Himmel, die Iris aus dem Weiß des Auges beinah verschwunden: Schau her, scheint er zu rufen. Nicht nur: Schau auf mich, sondern: Schau auf die Erde, schau auf uns. Jesus leidet nicht, wie es die christliche Ideologie will, um Gott zu entlasten, Jesus klagt an: Nicht, warum hast du mich, nein, warum hast du uns verlassen?“ Vor dem Altarbild, schrieb Kermani weiter, fand er den „Anblick so berückend, so voller Segen, dass ich am liebsten nicht mehr aufgestanden wäre. Erstmals dachte ich: Ich - nicht nur: man -, ich könnte an ein Kreuz glauben.“
Navid Kermanis Meditationen über das Kreuzigungsbild Guido Renis, Necla Keleks Betrachtungen zum Gleichnis vom verlorenen Sohn, aber auch das Jesus-Buch von Joseph Ratzinger halte ich für höchst beachtliche, unbedingt lesenswerte Anstrengungen, dem Kern des christlichen Mysteriums nachzuspüren. Von ihnen, von diesen drei zeitgemäßen Unzeitgemäßen, geht befreiende Kraft aus.
Doch die Welt hat es nicht erkannt! Der Hessische Kulturpreis konnte nicht an Navid Kermani überreicht werden, weil Peter Steinacker und Karl Kardinal Lehmann es ablehnten, zusammen mit Navid Kermani den Preis entgegenzunehmen. Der Jude Salomon Korn zeigte mehr Weisheit, mehr Toleranz, mehr Einsicht in die unentwirrbar vielstimmige Gestalt der morgenländischen Religionen.
Eklat um Kulturpreis: Ein deutsches Trauerspiel - Debatten - Feuilleton - FAZ.NET
Guido Reni führe „das Leiden aus dem Körperlichen ins Metaphysische über. Sein Jesus hat keine Wunden.
Geschrieben in Antike Welt | Keine Kommentare »
“Jud’ und Christ und Muselmann”
23.4.2009 von admin.
Lächelt nicht! - Wer weiß?
Laßt lächelnd wenigstens ihr einen Wahn,
In dem sich Jud’ und Christ und Muselmann
Vereinigen; - so einen süßen Wahn!
So heißt es im ersten Aufzug bei G.E. Lessing. Auch heute spricht man immer wieder von den “drei abrahamitischen Religionen”, die mehr oder minder miteinander verwandt seien und sich eben deswegen häufig so erbittert bekämpften. Adam, Abraham, Isaak, Gabriel, Zacharias - der Namen sind viele, die die drei Religionen gemeinsam haben. Der Koran etwa mutet über weite Strecken wie ein Blog an, in dem ein eifriger Nacherzähler in einer Art beständigem Abschreiben, Überschreiben, Umschreiben ein kontinuierliches Textband aus den Vorgängerreligionen Judentum und Christentum erzeugt. Lest ihn doch im Wechsel mit der Torah der Juden und dem Neuen Testament der Christen!
Mit Spannung besuchte ich Nathan Messias von Feridun Zaimoglu und Günter Senkel am vergangenen Samstag im Ballhaus Naunynstraße. Hier taucht man hinein in eine hitzige, von Erlösungshoffnungen erregte Stadt - das heutige Jerusalem. Psychiater erzählen mir, dass der Wahn, selber der Messias zu sein, am häufigsten überhaupt auftrete. Nicht nur in Jerusalem, sondern weltweit.
In seiner Umarbeitung spinnt Zaimoglu den Grundansatz Lessings fort: Die drei Religionen als im Grunde strukturähnliche, austauschbare Ausprägungen desselben Grundgedankens. Gleichermaßen gegen die Schandpriester aller Religionen wendet sich der selbsternannte Messias. Es wird in dem neuen Text geflucht, verflucht und geschimpft als wäre man im Prinzenbad. Insofern sehr lebensecht!
Die Reden des Nathan Messias erinnern stark an die Erweckungspredigten der Al-Qaida-Führer, soweit sie mir aus Transkriptionen bekannt geworden sind. Beklemmend.
Meine Sympathie galt dem säkularen Bürgermeister der Stadt Jersualem, der sich redlich bemüht, den Laden so weit zusammenzuhalten, dass er nicht in die Luft fliegt. Und seiner Tochter Rebekka, deren Liebe zu einem Muslim leider scheitert.
Den großen Bogen eines Lessing, das weit ausholende Entfalten eines Gedankens vermag die Umarbeitung allerdings nicht zu halten. Der Spannungsbogen wird vielfach gebrochen. Lessing im Zeitalter des Bloggens!
Und die Religionen erscheinen überwiegend als Geistesstörungen, als Zwangsphänomene, bei denen die eine gefährlicher als die andere ist. Der befriedende Charakter der drei abramitischen Religionen wird nicht gesehen. Und erneut wird die Lessingsche Fabelei von den austauschbaren Ringen aufgetischt. Dem steht - so meine ich - entgegen: Das Judentum war zuerst da. Christentum und Islam kommen danach. Sie stehen unter Begründungszwang, weshalb sie sich für vollkommener als das Judentum halten, nicht umgekehrt. Wir hatten am vergangenen Ostertag an der Johanneischen Thomasgeschichte das Moment der Entscheidung hervorgehoben. Der Grundgedanke des Bundes, des Glaubens besagt ja, dass niemand sich unterwerfen muss, dass jeder Gläubige zu jedem Zeitpunkt die Freiheit der Wahl hat. Diese Tatsache, dass nämlich sowohl im Judentum wie im Christentum die Entscheidung zum Bund ganz zentral ist, wird bei Lessing wie bei Zaimoglu einfach unterschlagen.
Insgesamt aber: nachdenklich stimmend, sehenswert!
Projekt Gutenberg-DE - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Kultur
Geschrieben in Antike Welt | Keine Kommentare »