Archive for the ‘Aufsteigerrepublik’ Category

Her household Korean was supplanted by English …

Mittwoch, September 14th, 2011
 Her household Korean was supplanted by English …

Der arme Kreuzberger Blogger liest gerade Super Sad True Love Story von Gary Shteyngart. Der Autor kam mit 7 Jahren aus Russland nach USA. Typischer Zuwanderer aus Ex-Sowjetunion: Fleißig, strebsam, kreativ, leistungsbewusst. Innerhalb weniger Jahre lernte er so gut Englisch, dass er heute Bücher schreibt und Schreibkurse gibt. Bezeichnend: Der Held verliebt sich in eine andere Zuwandrerin der ersten Generation, deren katholische Eltern aus Korea stammen. Das passt! Denn die deutschen Zuwanderer aus Russland, die Koreaner, Chinesen, Katholiken, Juden – das sind alles Gruppen, bei denen ich einen unbändigen Lernwillen bemerke. Davon können wir verwöhnten Kinder der reichen und satten Bundesrepublik Deutschland ein Scheibchen abschneiden.

Zuwanderer aus Russland, aus Korea, aus China, aus Polen sind fast alle aufstiegsorientiert. “Meine Kinder sollen akzentfrei die Landessprache lernen und später Arzt, Anwalt, Unternehmer werden.” Mehr Aussiedler und Zuwanderer aus Russland leben in heute in den USA als Türken mit türkischer Staatsangehörigkeit.

Und das bringt mich zur morgendlichen Betrachtung: Die staatlichen Schulen unseres Bundeslandes haben sich noch nicht im mindesten darauf eingestellt, dass es neben den sogenannten “benachteiligten” Bildungsfernen, die über mehrere Generationen hinweg keine Standardsprache und auch kein beruflich verwertbares Deutsch lernen wollen, auch Menschen gibt, die hierher kommen und nichts dringender wünschen als die Integration durch eigene Anstrengung, aus eigener Kraft.

Das staatliche Berliner Schulwesen mit seiner starken Belohnung für gemütliche Lässigkeit, Schlendrian, Leistungsverweigerung, Unverbindlichkeit, Disziplinlosigkeit und mit seinen endlosen bürokratischen Kapriolen muss allen Zuwanderern als Buch mit sieben Siegeln erscheinen. Ein Monstrum, vor dem sie mit Grausen und Schock stehen.

Die USA bieten allen die Gelegenheit, mit eigener Mühe etwas aufzubauen. Zuwanderer, die sich nicht anstrengen wollen, werden grundsätzlich in den USA nicht hereingelassen. Es wird ihnen gesagt: Ihr könnt hier leben und arbeiten, wenn ihr Amerikaner werden wollt. Ihr könnt euer Little Italy haben. Aber ihr müsst euch anstrengen.

Und nun weiter im Text! I wanted my parents near me … Dieses Buch ist ein unermüdlich sprudelnder Quell der Heiterkeit, des bitter-süßen, traurigen Humors. Großartig.

Quelle: Gary Shteyngart, Super Sad True Love Story. Random House Trade Paperbacks, New York 2010, Zitate hier: Seite 36 und Seite 41

Wer integriert besser – USA oder Deutschland?

Samstag, April 2nd, 2011

Ein klares, eindeutiges Bekenntnis zu den Vorteilen der Immigration legt der Washingtoner Politologe Parag Khanna ab. In dieser Fassung stimme ich Parag Khanna aus ganzem Herzen zu:

Interview: lch bin für Tyrannenmord – Berliner Zeitung
Immigranten bringen das Land, in das sie einwandern, voran. Weil sie sich voranbringen möchten. Sie wollen weiterkommen. Sie wollen, dass ihre Kinder es besser haben, als sie es hatten. In Amerika sind es die Eingewanderten, die den amerikanischen Traum realisieren. Sie schaffen es von ganz unten nach ganz oben. Sie führen den Einheimischen vor, was alles in ihrem Lande möglich ist.

Wie schaut es dagegen bei uns in Berlin aus? Die Zahlen sind niederschmetternd – rein äußerlich betrachtet. Deutschland ist Absteigerrepublik für Einwanderer. Es gibt Einwanderergruppen, die laut den amtlichen Zahlen über Jahre und Jahrzehnte hinaus mehrheitlich oder fast ausschließlich von Zuwendungen des Staates und von Schattenwirtschaft leben. Dies bringt einen massiven Kostendruck in die Sozialsysteme, insbesondere in die Kommunalfinanzen hinein.

Fürsprecher dieses Systems des sozialen Abstiegs – die linken Parteien, welche nicht müde werden, die Benachteiligung dieser ausländischen Staatsabhängigen herauszustreichen! “Ja, hätten die Ausländer das Wahlrecht! Ja hätten sie nur die doppelte Staatsbürgerschaft! Dann könnte alles gut werden!” So erst gestern wieder der Kreuzberger Finanzstadtrat Jan Stöß in der gedruckten taz gestern:

 “In manchen Teilen meines Bezirks ist die Hälfte der Erwachsenen von den Wahlen ausgeschlossen”, sagt Jan Stöß. Stöß, Stadtrat für Finanzen, Kultur, Bildung und Sport in Friedrichshain-Kreuzberg, SPD-Vorsitzender des Bezirks und Mitglied im Landesvorstand der Partei.

Ich halte die Argumentkette des Kreuzberger Finanz-Stadtrates für grundfalsch. Nicht das fehlende Wahlrecht für Ausländer, nicht das Verbot doppelter Staatsbürgerschaft für manche Nationalitäten, sondern die langjährige Abhängigkeit von staatlicher Unterstützung ist die eigentliche Benachteiligung der Ausländer! Würde die langjährige oder jahrzehntelange staatliche Unterstützung unserer Mitbürger gestrichen, würden sofort neue, willkommene Wanderungsbewegungen einsetzen – hin zu besserer Bildung, hin zum beruflichen Aufstieg, hin zu den Gegenden und Ländern mit Arbeitsmöglichkeiten, hin zu den Ländern mit niedrigeren Lebenshaltungskosten.

Wir brauchen wie jede Gesellschaft ein gewisses Maß an Wanderung. Wanderung hin zu den Chancen, auch über Landesgrenzen hinweg! Das Sich-Festsetzen in zunehmend zementierten Strukturen der Sozialhilfe ist wanderungsfeindlich. Ich würde so weit gehen zu sagen: Nur über Arbeit und Bildung, über selbst erarbeiteten Aufstieg ist echte Integration in das Land der Einwanderung möglich. Das jahre- und jahrzehntelange Verharren der Ausländer in der deutschen Sozialhilfe ist das große Integrationshemmnis und Grundübel, welches es zu beheben gilt. Wahlrecht her oder hin, doppelte Staatsbürgerschaft her oder hin – darüber sich den Mund fusslig zu reden ist doch alles törichter Zeitvertreib und übliche Förderkulissenhinundherschiebepolitik der linken Parteien. An der Situation der Menschen ändert sich dadurch fast nichts, sie wird allenfalls noch etwas schlimmer, weil sie noch tiefer in ihren Mündel-Status hineingetrieben werden.

Du willst Erfolg? Wie hinderst du dich daran?

Dienstag, Dezember 14th, 2010

Zu den Psychologen, die mein Denken nachhaltig beeinflusst haben, gehört der aus Berlin stammende Fritz Perls. Ihn beschäftigten bei den Neurosen und den psychischen Störungen weniger die tiefsitzenden, infantilen Reste einer unbewältigten Vergangenheit, wie dies etwa Sigmund Freud tat. Viel stärker richtete er die Aufmerksamkeit auf das, was den Patienten hier und heute gefangen hielt: welche inneren Hemmungen und Bedenken ihn davon abhielten, so zu werden, wie er sein wollte. Perls entdeckte, dass es nicht der Vater, nicht die Mutter oder die Kindheit waren, die seine Patienten gefangen hielten – sondern feste Muster, eingeschliffene Selbstwahrnehmungen und zum Zwang geronnene Gewohnheiten.

Solche festgelegten, immer wiederkehrenden Erlebnismuster nannte er GESTALT.  Therapie besteht darin, diese Gestalten zu erkennen, mit ihnen zu arbeiten und sie schließlich zu überwinden, indem sie durch bewusstes Gegen-Denken, durch bewusstes Gegen-Fühlen und Gegen-Handeln überwunden werden.

So mag ein Hauptschüler einmal gehört haben: “Mit dem Hauptschulabschluss können Sie nichts anfangen!” Ich hörte erst vor wenigen Monaten im Abgeordnetenhaus einem Berliner  Bildungspolitiker zu, der genau diesen Satz verwendete.

“Damit kannst du nichts anfangen!” Diese Voraussage des Scheiterns prägt sich als verhindernde Gestalt in die Psyche ein. Nicht die objektive Unmöglichkeit wird dann zur Selbstbehinderung des Hauptschülers führen, sondern die gestalthaft geronnene, von der Umwelt wieder und wieder bekräftigte Versagenserwartung.

Ich protestierte damals – ich protestierte namens der Freiheit gegen diesen Satz “Damit können Sie nichts anfangen.” Gegen die Misslingensvorhersage, wie sie leider auf viel zu viele unserer jungen Menschen einströmt, setze ich die Gelingenserwartung: “Du hast den Hauptschulabschluss. Schön! Was willst du jetzt? Du willst mehr Erfolg?”

In der Berliner Grundstimmung lautet die Ansage dann meist: “Ich werde durch die Umstände gehindert. Ich habe zu wenig Zeit. Ich habe zu wenig Geld. Ich bin zu alt. Meine Familie lässt es nicht zu.” Ich habe viele Gespräche mit Menschen geführt, die die Schuld am Scheitern irgendwelchen anderen, irgendwelchen Umständen gaben.

“Ich verlor in der 8. Klasse das Interesse an Chemie, weil ich mit dem Lehrer nicht klarkam.” Der Lehrer ist schuld. So schreibt es ein Vater in der Informationsbroschüre des Senats zur Schulreform. Wer weiß, wenn es den schlechten Lehrer nicht gegeben hätte, vielleicht wäre aus dem Schüler ein Chemiker geowrden?

Perls hätte hier angesetzt und gesagt: Du interessierst dich für Chemie? Du willst Chemiker werden? Du willst Erfolg? Wie hinderst du dich daran?

Im Laufe der Gespräche und Übungen wäre er darauf gekommen, dass es nicht der andere ist, der einen behindert, sondern die eigene Erwartung des Nicht-Könnens.

Die Erwartung des Scheiterns frisst sich in die Psyche als Bewusstsein der Benachteiligung ein. Die Pläne und Maßnahmen zugunsten der Benachteiligten verstärken diesen Mangel an Selbstvertrauen. Der Mensch gerät in den Strudel aus negativen Zuschreibungen, Übernahme des entmutigenden Selbstbildes, Einschleifen der Scheiternserfahrungen. Das Selbst verkriecht sich, wird mehr und mehr abhängig von den stützenden Maßnahmen. Der Mensch gerät in Abhängigkeit von dieser GESTALT. “Ich kann nichts. Andere müssen für mich sorgen.”

So entsteht Anhängigkeit von der Versorgung durch andere, die schließlich in lähmende Überversorgung kippt.  Überversorgung manifestiert sich bei Individuen etwa als jahre- oder jahrzehntelange Abhängigkeit von Therapien, von Medikamenten. Sie kann in eine Sucht umschlagen.

Bei Familien oder ganzen Klassen manifestiert sich Überversorgung als generationenübergreifende Abhängigkeit von Fürsorge, Familien- oder Sozialhilfe.  Hier wäre nun nichts falscher, als die Fürsorge noch einmal zu verstärken. Ein therapeutischer Schock ist vielmehr dringend gefordert!

So rate ich etwa dazu, jungen Menschen, die sich an Abhängigkeit gewöhnt haben, nach Verlassen der Schule oder Ausbildung keinerlei Hilfen zum Lebensunterhalt zu gewähren. Sie müssen sich selbst Lohn und Brot erarbeiten – und sei es durch Fortziehen.

Den negativen Zirkel aus Scheiternsvorhersage, Abhängigkeit und Überversorgung gilt es zu durchbrechen. Kein Mensch ist gefangen in den Umständen, aus denen er hervorgeht.

Die Ansprache muss lauten: Du willst Erfolg? Dann tu etwas dafür! NIMM dein BETT und GEH! Die Besinnung auf die große, befreiende Botschaft des Fritz Perls kann in der heutigen Debatte über die Umgestaltung der Sozialsysteme wertvolle Anstöße liefern.

Schafft günstige Umfelder!

Mittwoch, Dezember 8th, 2010

Eher ermutigende Nachrichten bringt der neueste PISA-Bericht. “Sozial benachteiligte” Kinder hängen weit weniger zurück als vor zehn  Jahren.

Aber: Das Umfeld entscheidet weiterhin.

Migrantenkinder im Pisa-Test: Aufholjagd der Abgehängten – SPIEGEL ONLINE – Nachrichten – SchulSPIEGEL
Die Leistungen zweier Schüler, die aus ähnlichen sozialen Verhältnissen kommen, unterscheiden sich um bis zu 100 Pisa-Punkte, wenn der eine auf eine Schule in einem günstigen Umfeld geht, der andere aber eine Problemschule besucht. Das entspricht einem Vorsprung von mehr als zwei Schuljahren.

Das bedeutet: Man muss Umfelder schaffen, die begünstigend wirken. Die riesigen migrantischen Sozialkieze, welche beispielsweise in Kreuzberg mit großem Getöse der BVV als “gewachsenes Umfeld” weiterhin mit viel Steuergeld gehätschelt, gepflegt und gehalten werden, sollten aufgelöst werden. Neue Mieter müssen rein, Mieter, die ihre Miete selber erarbeiten und die ersehnte Durchmischung der ethnisch geprägten Monokultur befördern.

“Bloß nicht auffallen – bloß nicht Vorbild sein!”

Donnerstag, September 16th, 2010

Wir haben Erfolg. 30 muslimische Frauen in Deutschland”, “Das Wunder von Kreuzberg”, “Zwischen Moschee und Minirock“, “Weiblich – muslimisch – deutsch“: Überall glänzen unter derartigen Lobpreisungen die Vorbilder der Integration.

Es sind leuchtende Einzelfälle. Es verlangt Mut, sich als leuchtendes Vorbild abstempeln zu lassen. Dennoch müssen wir all diesen Vorbildern, die natürlich nur einen winzigen Bruchteil ihrer Landsmenschenschaften widerspiegeln, in höchstem Maße dankbar sein: Sie haben es geschafft. Sie sind der wandelnde Beweis, dass Integration jederzeit möglich ist – sofern man sie will.

Umgekehrt verstehe ich auch diejenigen, die es satt haben, innerhalb ihrer Community als “braver Türke” oder “Streber” verspottet zu werden. Ich bedaure, dass sie aus Deutschland weggehen. Der negative Druck aus der Community ist offenbar zu groß.

In der Türkei selbst hat man nichts dagegen, wenn Türken sich ins Zeug legen, hart arbeiten und den wirtschaftlichen Erfolg suchen.

Rückkehrende Migranten: Nie mehr braver Türke – SPIEGEL ONLINE – Nachrichten – Panorama
Ibrahim Karaman kommt gerade aus Berlin zurück und hat dort die Sarrazin-Debatte miterlebt, “noch ein Grund mehr, warum es gut war, dass ich gegangen bin”. Er wolle nicht der “brave Türke” sein, wie man es in Berlin von ihm erwarte – “bloß nicht auffallen”, ein Vorbild sein für die anderen. “Doch zum Glück muss ich das nicht mehr persönlich nehmen.”

Geisterstädte besiedeln – Menschen über den Arbeitsmarkt holen

Mittwoch, September 8th, 2010

Immer wieder fahre ich mit beklommenem Gefühl durch unsere sauber und adrett mit viel Geld hergerichteten Städte in den östlichen Bundesländern. Bad Doberan, Görlitz, Köthen, Frankfurt/Oder – die Bilder gleichen sich: die Stadtkerne sind hübsch und sauber wiederhergerichtet, die Außenbezirke verfallen, Plattenbauten werden abgerissen, denn die Einwohnerzahlen schrumpfen in rasantem Tempo. Wohnraum wird vernichtet. Schulen werden geschlossen. Es fehlen die Menschen. Es fehlen die Kinder im Land!

Brauchen wir ein Neuansiedlungsprogramm für junge Familien, für gut ausgebildete, arbeitslose Facharbeiter aus anderen Ländern, für arbeitslose Ingenieure, Facharbeiter und Hausärzte aus Kasachstan, Uzbekistan, Russland, Georgien? Ja, ja, ja.

Ich will Kinder, ich will Leistung, ich will Aufstieg für all die gutausgebildeten fleißigen Familien aus der ehemaligen Sowjetunion, die hier gebraucht werden. Diese Menschen sind alle von einem individuellen Leistungsethos beseelt. Sie wollen anpacken, sie wollen arbeiten, und sie wären sofort bereit, sich hier zu integrieren.

Voraussetzung: Ihre Qualifikationen müssen anerkannt werden. Und wir brauchen ein sechsmonatiges Einsteigerprogramm ähnlich dem israelischen Ulpan-Wesen: Sprache, Landeskunde satt, und dann: “Geh deinen Weg!”

 Streit über Integration: Wirtschaftsforscher fordert 500.000 Zuwanderer pro Jahr – SPIEGEL ONLINE – Nachrichten – Wirtschaft
Für Zimmermann ist indes das Hauptproblem, dass die Zuwanderung bisher “nicht über den Arbeitsmarkt gelenkt” wurde. Dazu komme, dass die Integration von Migranten “nicht ideal geglückt” sei, sagte er der Zeitung. “Insbesondere die zweite und dritte Generation der Migranten sucht in ähnlichen Bereichen Arbeit wie ihre Eltern, doch diese Berufe sind heute nicht mehr gleichermaßen gefragt.”

Aufstieg oder Selbstabschaffung, Laschet oder …?

Dienstag, September 7th, 2010

Laschet oder … Rüttgers? Falsch geraten, Freunde!

Nein, die Frage muss lauten: Laschet oder Sarrazin? Viel zu wenig beachtet wurde ja das Buch “Die Aufsteigerrepublik. Zuwanderung als Chance”. Verfasser: Armin Laschet. Als Grund dafür meine ich zu erkennen:

Das Buch ist durchweg vernünftig. Es ist getragen von einem hohen Ethos der Zuwendung zum Du, zum Mitmenschen. Nur ein Katholik, nur ein Christdemokrat konnte wahrscheinlich ein solches Buch schreiben. Gleichzeitig wird überzeugend nachgewiesen, dass gute Integration auch in unserem eigenen Interesse liegt: eine Verbindung von politischem Eigennutz und christlicher Nächstenliebe.

Man kann diesem Buch schwerlich widersprechen. Es ist anspruchsvoll. Es klopft zunächst einmal an die eigene Brust: “Wir haben uns an den Menschen versündigt.” Das Buch Armin Laschets nimmt uns alle in die Pflicht.

Laschet oder Sarrazin? Ich meine: Man sollte Laschet lesen und Sarrazin auch. Zuerst Sarrazins “Deutschland schafft sich ab” und dann Laschets “Aufsteigerrepublik”. Da ich Kreuzberger bin und die freudvolle Anwesenheit ganz vieler migrantischer Mitmenschen hautnah genießen darf, muss ich selbstverständlich meine Stimme zum Persönlichkeitsschutz Thilo Sarrazins erheben. Ich habe mir – wie Thilo Sarrazin ja auch – reichlich Geschichten von den Berliner Lehrern und Erziehern, von Sozialarbeitern und Berliner Kindern erzählen lassen. An Sarrazin wurde und wird von einem Teil der Presse und der Medien, von einem Teil der deutschen Politik Rufmord begangen. Das habe ich von Anfang gesagt. Ich werde den Menschen Thilo Sarrazin, der sich als verantwortlicher Staatsbürger seine Gedanken gemacht hat, stets verteidigen.

Aber ich empfehle allen, die den Feststellungen Sarrazins zustimmen, auch die helle und klare, die überzeugendere Stimme des Armin Laschet zu hören.

Und dann würde ich mir eines wünschen: irgendwann einmal das Bekenntnis einer einzigen Migrantenorganisation, etwa von DITIB, von Milli Görüs, von TBB, eines einzigen türkischen oder muslimischen Verbandsvertreters: “Wir haben etwas falsch gemacht. Wir haben gelernt.” Da kommt nämlich nichts. Ich vernehme kein Eingeständnis eigener Fehler von meinen Türken, meinen Arabern, meinen Muslimen. Sie sind großartig darin, uns Steuerzahlern ein schlechtes Gewissen einzuflößen, und nutzen die vielen willkommenen Gelegenheiten, die ihnen Sarrazins Buch dazu bietet, weidlich und wonnig aus.

Ich höre von den Organisationen und Migrantenvertretern fast nur Forderungen, Beschwerden, Reklamationen gegenüber der Service-Firma “Hotel Deutschland”. Man spricht so gern von den großen Leistungen all der kräftig zupackenden Männer und Frauen in den früheren Jahrzehnten. All der Stahlkocher, Müllmänner, Reinigungskräfte. Gut. Sie haben unseren Wohlstand mit aufgebaut. Aber diese Menschen haben auch ihren Lohn erhalten. Die Anerkennung dieser Arbeitsleistung wurde in Gestalt von Geld erbracht.

Ich würde mich freuen, wenn ich nur einmal so etwas hörte wie “Danke, Hotel Deutschland, danke, deutscher Steuerbürger, dass du mit deinen Steuern diese herrlichen Chancen zum Aufstieg bezahlst, die wir liebend gerne annehmen.”

Wir haben mit schlechtem Gewissen eine Schule besucht, in denen praktisch alle Familien von der Lehrmittelpflicht befreit waren. Das heißt, fast alle lebten vom Staat. Sie waren fast alle “mit arabischem oder türkischem Migrationshintergrund”. Und so wurde uns bald das Gefühl vermittelt, nicht so recht dahin zu passen. “Sie sind aber kein Deutscher, oder?” Das habe ich mir angehört.

Wir hatten das lebhafte Gefühl, die Menschen in ihrem dauernden Benachteiligtenstatus zu stören. Bald wurde mir klar, dass ich mit meinen Steuern in etwa eine halbe dieser vielköpfigen Familien finanziere. Die anderen 50 oder 70 Familien an dieser Schule werden eben durch jeweils andere Steuerzahler finanziert, ebenso die Schule selbst.

Wir haben die staatliche Schule, an der wir uns fremd fühlten, verlassen, und bezahlen nunmehr zusätzlich zu unseren Steuern monatliches privates Schulgeld in der zu erahnenden Höhe. Die Politiker im Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg und in der Stadt Berlin scheinen nichts davon mitzukriegen. Sie erfassen die Gemütslage des Volkes nicht.

Und so entstehen nach und nach in meiner Seele giftige, gefährliche Ressentiments, vor allem, wenn man als deutscher Steuerzahler dann sich ausgegrenzt und ausgenutzt fühlt. Das Böse lauert stets an der Türschwelle. Man driftet fast wider Willen “nach rechtsaußen”. Man fühlt sich überfremdet. Es hat keinen Sinn, Gefühle des Grolls zu leugnen. Gefühle der Überfremdung sind da. Man fühlt sich fremd im eigenen Kreuzberg, das sich so wahnsinnig schnell verändert hat.

Ich versuche diese bösen Gefühle zu überwinden, indem ich bewusst auf diejenigen zugehe, die von meinen Steuern leben, und mich mit ihnen anzufreunden suche. Und indem ich brav Laschets Aufsteigerrepublik wiederlese. Ich versuche die Zuwanderer zu überreden, selbst etwas für ihren wirtschaftlichen Erfolg zu tun. Ich rede mit ihnen, ich ermahne sie offen. “Tut was. Euch stehen alle Türen offen. Lernt. Ackert. Hockt nicht so viel rum. Arbeitet an euch.” Das ist ein mühseliges Geschäft.

Es sollte heißen: Sarrazin UND Laschet. Das wär’s.

Aufstieg durch Bildung – auch in Kreuzberg?

Donnerstag, September 2nd, 2010

Hey, das kommt ja wie gerufen! Diese Veranstaltung werde ich mir mal vormerken:

Chamisso Akademie » Aufstieg durch Bildung – auch in Kreuzberg?
Samstag, 11. September, 16:00 – 18:00 Uhr, St. Lukas-Kirche,
Bernburger Str. 3-5, 10963 Berlin (direkt am SBHF Anhalter Bahnhof)
Podiumsdiskussion

Deutschland diskutiert über mehr Chancengleichheit durch mehr Bildung, Berlin erlebt mit der Einführung der viel diskutierten Sekundarschule eine bildungspolitische Zäsur. Die Schulsituation in Kreuzberg ist nicht unproblematisch: Viele Eltern sind verzweifelt, ziehen weg, sobald ihre Kinder ins schulpflichtige Alter kommen, oder tricksen bei der Wohnungsanmeldung, um ihren Kindern ein besseres Schulumfeld zu ermöglichen.

Kreuzberger Michelin-Männchen springt Besenwagen von der Schippe

Montag, Juli 26th, 2010

dresr10ost0020.jpgNo child left behind – Niemand darf zurückbleiben – niemand soll abgehängt werden!” So hört man es immer wieder. Und diese Worte klangen mir im Ohr, als ich beim Dresdner Jedermannrennen “Race Day Dresden” gestern einige Kilometer hinter dem Feld herfuhr. Denn nach etwa 10 Kilometern konnte ich den Anschluss an das Peloton nicht halten: Ich musste den Helm lockern, die Kapuze von über dem Helm abnehmen, Kapuze wieder aufziehen, Helm wieder aufsetzen. “Das sind die Letzten …” riefen Zuschauer einander zu, als wir hinter Pirna einen 700 m langen Berg hochstrampelten.  Hinter mir tuckerte im ersten Gang ein bulliger Diesel. Er ließ sich nicht abschütteln.  “POLIZEI – Schlusswagen” stand bedrohlich auf ihm. Ich bin sonst immer polizeifreundlich gesonnen, aber gestern war sie mir UNSYMPATHISCH. “Jetzt durchhalten! Jetzt weißt du also, wie sich die Benachteiligten in unserer Gesellschaft fühlen! Du bist das hintere Drittel, du bist der Letzte! Du bist der Schulabgänger ohne Abschluss.”

Ich schnappte am Verpflegungspunkt eine Banane und versuchte, die herrlichen Ausblicke in die Sächsische Schweiz zu genießen. Der POLIZEI-Schlusswagen fuhr weiter! Der BESENWAGEN hattte mich überholt! Ich war draußen! Ich trat in die Pedale, kämpfte mich heran. Ich überwand den Schlusswagen. Überholte die vorletzte Rennfahrerin, sprach ihr Mut zu: “Wir schaffen das!” “Irgendwie werden wir es schaffen!”, lächelte sie zurück.

Nach und nach trocknete die füllige blaue Regenjacke, die ich am Start übergestreift hatte. Denn es hatte zu Beginn des Rennens eine Stunde lang ohne Unterlass geregnet. Die Regenjacke wölbte sich, blähte sich im Wind, ein Abbremsen auf den langen Schussfahrten wurde überflüssig. Und sie sorgte dafür, dass der Anstieg nicht zu leicht wurde. Die Rennschuhe waren vollkommen durchnäßt, statt zweier Füße spürte ich das ganze Rennen über zwei bewegliche Eisbeutel kreisen.

So fuhr ich gestern zwei Drittel des Dresdener Jedermann-Rennens im festen Bewusstsein, der Letzte im Feld zu sein. Mein einziges Ziel war es, innerhalb der geforderten Zeit (Durchschnitt 25 km/h) anzukommen und nicht disqualifiziert, nicht vom Besenwagen eingesammelt zu werden.

Ich erreichte die Zieleinfahrt vor der Semper-Oper nach dreieinhalb Stunden mit weichen Knien und unter dem herzlichen Beifall der Zuschauer.

Ich plauderte mit einigen Mitstreitern. Alle fanden das Rennen ungewöhnlich schwer. Angeblich hatte ein ehemaliger Weltmeister das Rennen gewonnen. Die Jedermann-Rennen sind, wie man vernimmt, für Ex-Profis lukrativ geworden.

Zu meiner Überraschung muss ich heute im Internet feststellen, dass ich keineswegs der Letzte war, sondern unter den 170 männlichen Teilnehmern des 88-km-Rennens Rang 129 herausgefahren habe. Ich kann mir das nur so erklären, dass sich verschiedene Felder gebildet hatten – bei einem hatte ich abreißen lassen müssen, und das nächste Feld hatte mich offenbar nicht eingeholt.

Mein selbstgestecktes Ziel, nämlich unter die besten 70% der 182 Teilnehmer zu fahren, habe ich also um 1-2 Plätze verfehlt. Aber unter den schlechtesten 30% war ich (fast) der Schnellste.

Merke, oh Unqualifizierter, Benachteiligter, Letzter dieser Welt: Du bist nicht so schnell der Letzte, wie du denkst. Besser ist es, zu kämpfen als aufzugeben. Aufgeben, nur weil man der Letzte ist? Niemals! Denn: So mancher, der sich für den Letzten hielt, wird der Erste unter den Letzten sein.

Ein spannendes, lehrreiches Rennen! Ich schließe dieses herrliche Rennen in mein Gedächtnis ein im Bewusstsein, der Erste unter den Letzten gewesen zu sein.

UND: Nächstes Jahr fahre ich ohne Michelin-Regenjacke – da mag es schneien und graupeln so viel es will.

Ein paar Impressionen findet ihr auf Youtube:

Start Race Day Dresden 122 km 

Startvorbereitung Race Day Dresden 88 km

Mitschwimmen im Hauptfeld Race Day Dresden

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Race Day Dresden 2010 ruft!

Samstag, Juli 24th, 2010

 Letzte Vorbereitungen zur Abfahrt nach Dresden. Kaum Hektik, kaum Nervosität. Wir sind gemeldet zum Race Dresden 2010. Habe diesmal als erwartete Durchschnittsgeschwindigkeit 32 km/h angegeben. Rechne mir im Ziele eine Platzierung im Mittelfeld aus (=besser als die langsamsten 30%). Das ist mein Ziel. Es ist mein erstes Radrennen in und durch das Bundesland Sachsen. Werde versuchen Ehre für meinen Heimatbezirk Friedrichshain-Kreuzberg einzulegen.

Hier ‘n paar Takte aus dem Grußwort der Oberbürgermeisterin Helma Orosz:

Race Day Dresden 2010
Für die engagierte Vorbereitung danke ich besonders dem Verein Internationale Sachsen-Tour e. V., der für einen erneuten Höhepunkt im Sportkalender der Landeshauptstadt Dresden gesorgt hat. Ich bin überzeugt, die Dresdnerinnen und Dresdner werden die Fahrerinnen und Fahrer wieder gebührend an der Strecke empfangen. Zahlreiche Fans säumen dann die Straßen in und um Dresden, wo die Sportler unter den Anfeuerungsrufen ihre Höchstleistungen zeigen können.