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Kreuzberg: Neue Grundschule am Marheinekeplatz

Dienstag, August 23rd, 2011

Eine klare Zweckbindung des denkmalgeschützten Gebäudes am Marheinekeplatz hat der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg festgelegt: Eine Grundschule soll hinein.  Nicht eine türkische private Musikschule soll hinein, sondern eine Grundschule. Darüber berichtet der Tagesspiegel am 16. Juli 2008:

 Kreuzberg: Neue Grundschule am Marheinekeplatz – Stadtleben – Berlin – Tagesspiegel
In der Bergmannstraße eröffnet voraussichtlich 2009 eine Evangelische Grundschule. Von dem Vorhaben erhofft sich die Bezirksverwaltung bildungsnahe Familien im Stadtteil zu halten. Diese ziehen nämlich häufig um, sobald die Kinder ins schulpflichtige Alter kommen.

Hochschulprojekt von türkischem Bildungsinstitut wird abgelehnt

Für den Standort an der Bergmannstraße 28 hatten sich auch das türkische Bildungsinstitut „Tüdesb“ und die Hochschule für Weltmusik beworben, Tüdesb wollte eine Gymnasial- und Realschule eröffnen. Doch beide sind nun mit der Bindung an eine Grundschulnutzung aus dem Rennen. Das Bezirksamt sprach sich dafür aus, weil der Bedarf hier bis 2011 wachsen soll. Schon jetzt sind Kreuzbergs Grundschulen überfüllt. In der Mittel- und Oberstufe sinkt dagegen bereits die Nachfrage wegen des Geburtenrückgangs nach der Wende. Dennoch war das Projekt einer evangelischen Grundschule stark umstritten. Vor allem die staatlichen Grundschulen fürchten, ihre wenigen deutschen Kinder an die neue Schule zu verlieren. Inzwischen geht es aber offenbar nur noch darum, diese begehrten Familien wenigstens im Bezirk zu halten – egal auf welcher Schule. (CS/mj)

Das herrliche, riesige denkmalgeschützte Gebäude harrt noch seiner offiziell festgelegten Bestimmung! Es liegt ungenutzt da. Was mag wohl aus dem Projekt der evangelischen Privatschule geworden sein? Die müsste doch längst den Betrieb aufgenommen haben. Hmmm!

“Shared Space” oder “Begegnungszone” oder “Fahrradstraße” oder “Tempo 30 = Status quo”?

Donnerstag, Juli 21st, 2011

22062011766.jpg Die Bergmannstraße bleibt im Fokus der Aufmerksamkeit. Was ich bei meinen Umfragen unter Anwohnern und Geschäftsleuten im Bergmannkiez feststellte: “Shared Space” ist ein Fremdwort, niemand weiß damit etwas anzufangen. Mehr Chancen räume ich dem Wort und der Sache der “Begegnungszone” ein. Sie klingt deutsch und stammt aus der Schweiz. Lest selbst im Tagesspiegel vom 20.07.2011:

Senat plant: Mehr Sicherheit für Fußgänger – Verkehr – Berlin – Tagesspiegel
In den geplanten „Begegnungszonen“ sollen Fußgänger auch auf der Straße Vorrang haben. Für Autos und Radler gilt Tempo 20. Als erste Testreviere wurden der Checkpoint Charlie und die westliche Bergmannstraße in Kreuzberg erkoren, wo die Fußgänger ohnehin in der Mehrheit sind. Als weitere Kandidaten gelten die nördliche Wilmersdorfer Straße in Charlottenburg und die Stargarder Straße in Prenzlauer Berg.

Für die Kommunalpolitik in Friedrichshain-Kreuzberg tun sich interessante Gemengelagen auf: Einerseits ein BVV-Beschluss aus dem Juni 2010, der die Verlängerung der Fahrradstraße in die westliche Bergmannstraße fordert. In der Tat: Die wichtige Fahrrad-Senatsroute TR 4 führt geradenwegs durch die Bergmannstraße! Die sogenannte Fahrradstraße im östlichen Teil der Bergmannstraße hat freilich kaum etwas verändert. Sie hat aber auch niemandem geschadet oder wehgetan. Die Autos fahren munter weiterhin rein und raus, parken im modischen Querparken einen großen Teil der Fläche zu. Schaut selbst in die Fahrradstraße hinein:

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Andererseits ein Vorschlag des Senats, hier eine “Begegnungszone” einzurichten. “Fahrradstraße” und “Begegnungszone” widersprechen einander. Denn Fahrradstraßen beanspruchen einen eindeutigen Vorrang des Radverkehrs gegenüber dem Fußverkehr und dem Autoverkehr. Sie können dort eingerichtet werden, wo der Fahrradverkehr bereits jetzt die vorherrschende Verkehrsart ist, oder wo zu erwarten ist, dass er alsbald die “vorherrschende Verkehrsart” sein wird.

Die “Begegnungszone” nach Schweizer Vorbild beansprucht hingegen Vorrang nicht für den Radverkehr, sondern für den Fußverkehr.

Meine persönliche Meinung? Nun, der Bergmannkiez ist mit etwa 7000 Einwohnern/Quadratkilometer eins der dichtestbesiedelten Wohngebiete Deutschlands! Dennoch prägen derzeit parkende und fahrende Autos sowie auch der zunehmende Fahrradverkehr das Straßenbild in der Bergmannstraße. Die Fußgänger müssen halt schauen, wo und wie sie ihren Weg durch Autos, Autos, Tische, Stühle und Fahrräder hindurch finden.

Verkehrskonzepte erfüllen in der Stadtplanung eine nur dienende Funktion. Der Verkehr dient dem Menschen bloß. Ich persönlich schlage deshalb vor, die Bergmannstraße in einem umfassend durchdachten, kulturell anspruchsvollen Ansatz in eine “Straße der Mitmenschlichkeit” umzugestalten.

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Die Fotos in diesem Eintrag stammen alle aus dem Juni 2011 und zeigen den jetzigen Zustand der Bergmannstraße.

Die Kunst des Protokolls

Mittwoch, Juli 13th, 2011

Gute Sache, die Veranstaltung des Stadtteilausschusses Kreuzberg! Protokolle schreiben sie auch.

Protokoll_VerkehrBergmannkiez_28_6_2011.pdf (application/pdf-Objekt)

Diaologorientiertes Verfahren für die Bergmannstraße

Mittwoch, Juni 29th, 2011

Nahm gestern an der guten, offenen Podiumsdiskussion zur Bergmannstraße mit Bezirks-Baustadtrat Panhoff, Tiefbauamtsleiter Schulz-Herrmann, Verkehrsplaner Rafael Steiner und vielen engagierten Anwohnern aus dem Bergmann- und Chamissokiez teil. Kundig moderierte Henning Zimmermann. Die einzige, große, großartige Lösung, die alle glücklich macht, scheint es nicht zu geben. Das ist ja auch sehr selten im Leben der Fall. Im Grunde beruhigend. Konsens schien gestern jedenfalls zu sein, dass der PKW-Verkehr in der Bergmannstraße verringert werden sollte. Besonders beeindruckt hat mich die sorgfältig vorgetragene, mit Karten und Tabellen untermauerte Analyse des im Chamissokiez wohnenden Verkehrsplaners Rafael Steiner, die auch im Internet abrufbar ist. 

So muss es laufen: kooperative Grundhaltung auch bei streitig diskutierten Themen! Gute Sache, Fortsetzung erwünscht!

Am Abend genossen wir noch den herrlichen Sommer im Restaurant Brachvogel. Über uns rauschten zwei Mal die Habichte des Prinzenbades vorbei, der bestirnte Himmel zeigte sich unbewölkt. Schön!

Spielsalons statt Musikalienhandel

Sonntag, Juni 26th, 2011

Das tut weh: Noch vor einigen Tagen kaufte ich rechtzeitig zu meinem Auftritt auf dem Umweltfestival  am Brandenburger Tor einen Satz neue Violinsaiten bei Noten in Kreuzberg in der Friesenstraße! Dominant von Thomastik Infeld. Und jetzt macht dieser Laden auch dicht! Direkt an der Bergmannstraße.

Umgekehrt beobachte ich weiterhin ein Anwachsen der Spielsalons in Berlin. Schlimm schlimm.

Schade: Noten in Kreuzberg macht dicht | die bergmannstrasse

“Es gab mehr Disziplin”

Samstag, Juni 25th, 2011

24062011774.jpg“Die Lehrer waren streng. Es gab mehr Disziplin”, lese ich auf einem Hängeblatt auf der Langen Tafel in der Bergmannstraße. Diese Straße setzt mich stets von neuem in Erstaunen!

Prinzenbad-Blog – Lange Tafel in der Bergmannstrasse – tazblogs

Bild: Federn im Prinzenbad am Fuße des Habichthorstes.

Was wird aus dem shared space Bergmannstraße | die bergmannstrasse

Freitag, Juni 24th, 2011

24062011772.jpgHeute verteilte ich, während andere eifrig Buden und Tische aufbauten, in der Bergmannstraße Einladungen für die Veranstaltung am 28.06. Ich fragte systematisch in den Geschäften der Bergmannstraße ab: Was braucht ihr? Was wollt ihr? Spät abends finde ich noch diesen Blog-Eintrag:

Was wird aus dem shared space Bergmannstraße | die bergmannstrasse
Ich frage mich, was ist aus der Shared Space-Initiative geworden, die alle paar Monate mal durch unsere Zeitungen geistern, ohne dass wirklich etwas passiert? Warum wird nicht auch hier eine Parkraumbewirtschaftung und eine Verknappung des Durchflusses erreicht – im Sinner der Anwohner, der Durchfahrenden, der Touristen?

Weil es dem Bezirk ganz egal ist – sind ja nur Altkiezler und Nervensägen, die nichts von Politik verstehen?

Ich gehe jede Wette ein, wenn zwanzig Wohnungs-Wirtschafts-Investoren das alles auch sagen, dass die Landespolitik ganz plötzlich, ganz aktionistisch handelt?

“Straßen, redet ein Wort!” Hä? Können Straßen reden?

Freitag, Juni 24th, 2011

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“Saget, Steine, mir an, o sprecht, ihr hohen Paläste!
Straßen, redet ein Wort! Genius, regst du dich nicht?”

So schrieb einmal ein Dichter aus Italien nach Deutschland. Welcher? Das tut hier nichts zur Sache. Uns kommt es auf das Bild an: “Straßen, redet ein Wort!”

Die Bergmannstraße redet noch keine deutlich vernehmbare Sprache. So unser Befund vom 22.06. Schau das Bild hier oben an oder schlendere die Bergmannstraße entlang! Dich umgibt eine verwirrende Fülle an einzelnen gebauten und beweglichen stummen Dingen: Autos, Häuser, fahrende Autos, Bordsteine, Lieferfahrzeuge, Schilder, parkende Autos, Fassaden, Fahrradbügel, Tischchen und Stühlchen, Aufgänge, Radler, parkende LKW, Pflastersteine, usw. usw.  Zersplitterte Aufmerksamkeit!

Ich habe vor wenigen Tagen mit dem Fahrrad die gesamte Bergmannstraße abgefahren, habe ein Video gedreht, einige Eindrücke aufgesprochen und das Ganze auf Youtube gepostet. Ihr werdet sehen: Ruckelnde Bilder, zersplitterte Aufmerksamkeit, Störungen, Interferenzen, Gefahr der Kollision allenthalben!

Anders klingt es bei den Fußgängern! “Wenn man in der Bergmannstraße wohnt, braucht man nicht in die Toskana zu fahren”, sagt Olaf Dähmlow vom Verein “Kiez und Kultur” laut Tagesspiegel heute (S. 14). Wozu nach Italien fahren? Nein, nein, man setzt sich einfach ins Parlamento degli Angeli und hört ringsum die bunteste Mischung! Der Antiquitätenhändler neben dem Parlamento degli Angeli spricht mindestens Deutsch und Arabisch, verkaufte uns aber gleich danach die gesammelten Lieder Franz Schuberts auf 7 CD im Schuber für 15 Euro! Wir versuchten ihn auf 10 Euro runterzufeilschen – es gelang nicht. “Es sind 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7 CDs, also muss es  15 Euros kosten!” Das sahen wir ein. Denn so kostet jede CD nur 2,1428571 Euro. Das scheint also der Fixpreis für CDs zu sein.

Können Straßen reden? Die meisten sicher nicht. Aber seit Jahrtausenden haben es die Menschen immer wieder versucht, Straßen so umzugestalten, dass ein gemeinsamer Menschenwille darin sichtbar wird. Beginnend von der löwengeschmückten Prozessionsstraße aus dem Hügel von El-Kasr, die zum Ischtar-Tor führte, über die Via sacra des antiken Rom bis hin zur Allee “Unter den Linden”: Städte brauchen Plätze und Straßen, in denen Bürgerwille ein einigendes Band findet!

Solche besonderen herausgehobenen Straßen und Plätze sind Aufmerksamkeitssammler: Prismen, in denen sich der atomisierte Gemeinsinn bündelt und reflektiert:  The shared space of “joint attention“, wie wir es wohl mit dem Evolutionsbiologen Michael Tomasello sagen dürfen, der am Leipziger Max-Planck-Institut für evolutionäre Antropologie lehrt und forscht.

In solchen umfassend städtebaulich gestalteten Stadt-Räumen und Stadt-Straßen fängt und bildet sich die unablässig wandelbare Identität einer Stadtgemeinde.

Ich meine: Die Bergmannstraße verlangt geradezu nach einer solchen gemeinsamen städtebaulichen Sprache, in denen diese Gemeinde zu ihrer Sprache findet.

Ja, Goethe hat recht: Straßen können reden! Wenn man es will, wenn man sie zum Sprechen bringt.

Und hinter tausend Autos … was?

Mittwoch, Juni 22nd, 2011

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Kurzer Besuch in der Bergmannstraße! Wir sitzen im “Parlament der Engel” und nehmen ein leichtes Mittagsmahl zu uns. Dann fahren wir die Straße entlang. Ansätze städtebaulicher Gestaltung sind erkennbar.

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Aber die Straße spricht noch nicht. Es fehlen noch echte Zeichen des gestalteten Raumes. Typisch dafür: Wenn man mit dem Fahrrad entlangfährt, wird der Raum völlig durch die beherrschende Klobigkeit der PKW dominiert.

Alle Fotos der Bergmannstraße in diesem Eintrag sind am 22.06.2011 in der Zeit von 12 bis 14 Uhr entstanden.

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Der Service macht’s

Donnerstag, Februar 25th, 2010

“Geprüft wurden: Schaltung, Lager, Bremsen, Speichenspannung, Schrauben (ggf. nachziehen), Beleuchtung, Rahmen (Sichtprüfung), Luftdruck, Funktionsprüfung Federelemente”.

Das war der Prüfumfang. Gestern holte ich mein 2 Monate altes Kraft-Fahrzeug VSF T300 8 Gg SH FL  von der kostenlosen “Erstinspektion” ab. Es ist doch immer schön, wenn man sein Fahrzeug aus der Werkstatt zurückerhält. Und siehe da – ich traute meinen Augen nicht: Es war sogar geputzt worden. Ein kleiner Plausch am Annahmeschalter, o nein: das heißt heute: “Dialogannahme”, schloss diese angenehme Erfahrung in Kreuzbergs Bergmannstraße ab.

Dazu passt auch die taz-Meldung, dass Läden, “die ihre Kundschaft beraten”, den Umsatz um 10% steigern konnten. Andere offenbar nicht. Wir lernen: Die Beratungsqualität macht’s. Gerade in einer so reichen Gesellschaft wie der unseren erwarten die Kunden auch menschliche Zuwendung und fachliche Unterstützung, wenn’s um das eigene Kraft-Fahrzeug geht. Immerhin steckt man jede Menge Kraft hinein. Eigene Muskelkraft, die beste und teuerste!

Wenn die Zahlen stimmen, müsste jedes neue Fahrrad im Durchschnitt 1250.- Euro kosten. So teuer also?

Radfahren in Deutschland: Auf dem Weg zur Fahrradnation – taz.de
Fahrradgeschäfte haben Hochkonjunktur: Läden, die ihre Kundschaft intensiv beraten, konnten ihren Umsatz 2009 um 10 Prozent steigern. Über 4 Millionen neue Drahtesel für insgesamt 5 Milliarden Euro rollten auf die Straßen.