„Konditionalität der Hilfe“ – das Samariterdilemma

 bitte!, Europäische Union, Novum Testamentum graece, Samariter  Kommentare deaktiviert für „Konditionalität der Hilfe“ – das Samariterdilemma
Mai 222013
 

2013-03-24 10.54.58

 

Der Wirtschafts-Nobelpreisträger James M. Buchanan prägte den Begriff „Samariter-Dilemma“. Er meinte damit, dass ein Akt selbstloser Hilfe für den Beschenkten, dem aus einer Notlage geholfen wird, langfristig eher schadet als nützen kann, da der Empfänger dazu verführt wird, sich auf gewährte Hilfen mehr und mehr auszuruhen, statt auf eigenen Beinen zu stehen.

Insbesondere die derzeit den Banken und den hochverschuldeten Staaten gewährten Finanzhilfen (ESM, EFSM, SMP, SKAS-Vertrag) werden häufig als sittlich gebotener Akt der Nächstenliebe unter befreundeten Staaten, als aus dem Gebot der Solidarität erwachsende Verpflichtung der reichen Staaten gedeutet. Wer es daran fehlen lasse, handle unsolidarisch und kaltherzig.

„Ihnen ist das Schicksal der hungernden Arbeitslosen in Griechenland EGAL!“ So sinngemäß eine empörte Katrin Göring-Eckardt gegen Bernd Lucke bei Frank Plasberg in der Kombattanten-Show Hart aber fair.

Was meint Jesus mit seinem Gleichnis vom Samariter? Lies dazu noch einmal das Lukas-Evangelium 10,25-37!

Die Erzählung ist glasklar:
1) Der Samariter folgt aus freien Stücken einer Regung des Herzens und nicht aufgrund einer vertraglichen Beziehung.
2) Der Mann, der unter die Räuber fiel, ist zufällig und ohne eigenes Verschulden in die Not geraten.
3) Die Hilfe des Samariters wird ohne Auflagen gewährt. Die Samariterhilfe ist ohne „Konditionalität“.
4) Die Hilfe des Samariters erfolgt ohne die Erwartung einer Gegenleistung.
5) Sie ist einmalig und beschränkt sich auf die besondere Notlage.
6) Sie wird nicht zum Dauerzustand.
7) Es herrschte vor der Nothilfe  keine persönliche Beziehung zwischen dem Samariter und dem Opfer.

Keines der 7 Merkmale trifft auf den Euro-Rettungsfonds zu.

Für ESM, EFSM, SMP und SKS gilt:

1) Die Geberländer zahlen aus Nützlichkeitserwägungen in die verschiedenen Fonds ein.
2) Die Empfängerbanken und -Länder sind nicht zufällig, sondern vor allem durch eigenes Verschulden in die Not geraten.
3) Die Hilfe der Euro-Rettungsfonds wird mit Auflagen gewährt. Die Euro-Hilfe wird mit „Konditionalität“ gewährt.
4) Die Hilfe der Euroretter erfolgt in Erwartung einer Gegenleistung, also einer Rückzahlung.
5) Sie ist nicht einmalig und beschränkt sich nicht auf die besondere Notlage.
6) Sie wird zum jahrelang anhaltenden Dauerzustand.
7) Es herrschte bereits vor der Nothilfe eine institutionelle Beziehung zwischen dem Helferland und dem Opferland.

Ergebnis:

Die Eurorettungspolitik, die eine Bankenrettungspolitik und eine Staatenfinanzierungspolitik ist, erfüllt kein einziges der Merkmale, die auf den barmherzigen Samariter zutreffen. Sie ist rein pragmatisch zu sehen, sie hat keinerlei tiefere sittliche Bedeutung.

Jede Bezugnahme auf sittliche oder gar religiöse Gebote bei der aktuellen Finanzmarktstabilisierungspolitik ist fehl am Platze. Die Vorwürfe der unsolidarischen Kaltherzigkeit greifen ins Leere. Es geht für alle Beteiligten ausschließlich um Nutzenmaximierung.

 

Bild:

Ev. Johannesstift, Spandau, Samariterbrunnen.

 

 

 

Samaritan’s dilemma – Wikipedia, the free encyclopedia.

 Posted by at 22:57
Dez 112011
 
Ich warne vor oberflächlichen, vorschnellen Urteilen! „Robert Harris ist doch nur ein oberflächlicher Krimi-Autor. Ihm fehlt Tiefgang“, hielt mir bei einem Gläschen Trollinger jemand vor, als ich empfahl, Robert Harris‘ Buch The Fear Index unter den Weihnachtsbaum zu legen. Ich erwiderte trocken: „Er ist auch ein bestechender Krimi-Autor, aber er kann wie kein zweiter erzählen, wie die Finanzmärkte heute arbeiten! Große Klasse! Und bedenkt“, fuhr ich fort, während ich dem Abgang des Trollingers nachspürte, „die EU-Staatshaushalte und die EU-Staaten werden dank selbstverschuldeter Staats-Schulden an den Börsen weiterhin ausgenommen wie eine Weihnachtsgans. Also verschenkt und lest zu Weihnachten The FEAR INDEX von Robert Harris. Bitte habt Mut zur Oberflächlichkeit!“

Unter einer schillernden Oberfläche lauern so manche lachenden Ungeheuer. Das Meer ist tiefer als so mancher Tiefsinnige gedacht!

Robert Harris: The Fear Index. Hutchinson, London 2011, 323 Seiten, 15.00 Euro

 Posted by at 23:32
Aug 212011
 

Mit einigen politischen Freunden diskutierte ich kürzlich den Umgang mit dem Thema „Steigende Mieten in Berlin“. Wir lasen einander ohne Nennung von Namen und Parteien verschiedene tagesaktuelle Stellungnahmen der 5 großen Parteien vor und versuchten diese dann den Parteien zuzuordnen.

Befund: Keine Partei bringt den Mut auf zu sagen: „Wir haben jahrzehntelang die Mieten in Berlin künstlich niedrig gehalten. Sie werden ansteigen. Wir werden dies nicht verhindern können. Ihr werdet mehr Geld für Mieten zahlen oder ihr werdet umziehen oder ihr werdet enger zusammenrücken. Wir können das nicht verhindern. Aber ihr schafft das schon. Entschuldigt bitte, wir haben euch was vorgemacht.“

Die Zumutung der Freiheit, das ist es, was die Politik nicht mehr übers Herz bringt. Neben dem Finanzführerschein für Politiker wünsche ich mir in der Berliner Landespolitik vor allem mehr Mut, den Bürgern unbequeme Wahrheiten ins Gesicht zu sagen.

Was die 17 Wirtschafts-Nobelpreisträger in Lindau sagen, scheint mir in dieselbe Kerbe zu hauen.

Nobelpreisträger – Versagen der Politik ruiniert das westliche System – Wirtschaft – Berliner Morgenpost – Berlin

 Posted by at 22:32

Wenn das General Obentraut sähe!

 bitte!  Kommentare deaktiviert für Wenn das General Obentraut sähe!
Nov 292010
 

29112010100.jpg

Es bewegt sich was in der Obentrautstraße! Hier einige Fotos vom heutigen Vormittag. Alle Fotos sind innerhalb von 10 Minuten aufgenommen worden.

Das Sofa, das einige Mitbürger auf dem Radweg verloren hatten und das dort einige Tage lang jeden Radfahrer zum Ausweichen zwang, steht nun einladend auf dem Fußweg, sodass Autofahrer bequem Platz nehmen können, während die benachbarte Reifenwerkstatt die Autos wintertauglich umrüstet. Sehr gut!

29112010101.jpg

Etwa 100 Meter weiter hat ein fürsorglicher Mitbürger erneut eine Straßenmöblierung vorgenommen. Diesmal nicht auf dem Radweg, sondern auf dem Hundekotstreifen. Sehr passend!

29112010102.jpg

Direkt und recht unfromm vor der Moschee der Ditib parkt ein Mitbürger sein Fahrzeug. Für Radfahrer leider ein allzu gewohntes Bild!

29112010105.jpg

Vor schwierige Entscheidungen stellt die Radfahrerampel seit heute Nacht die Radler: Sie wurde um 90 Grad gedreht, sie zeigt jetzt auf Grün, während die Autos in der querenden Straße gleichzeitig Grün haben. Schlimme Unfälle sind vorprogrammiert. Richtig eingestellt ist weiterhin die Fußgängerampel! Gut für die Fußgänger!

29112010106.jpg

Kaum Neuigkeitswert hat dieses Bild: Fast immer parken Autos an der Kreuzung widerrechtlich bis an den Haltestreifen der Kreuzung und behindern so die Sichtbeziehung zwischen Radfahrern und Autofahrern.

Vermüllung durch alte Möbel, Behinderung des Radverkehrs, Vandalismus an Ampeln, widerrechtliches Parken der Kraftfahrer, Fahrraddiebstähle, Raubüberfälle, offener Drogenhandel – das alles sind leider Erscheinungen, an die wir uns in unserer Straße zunehmend gewöhnen müssen. Die Verwahrlosung unserer Straße hat in den letzten Monaten sichtbar stark zugenommen.

Die Polizei und die Politik sind machtlos, da der Bezirk und der Senat finanziell keine zusätzlichen Lasten schultern können. Der Senat ist über beide Ohren verschuldet. Allein die Reparatur der Ampel dürfte einen hohen Betrag kosten. Die mittlerweile 2 Sofas und die Sitzecke werden den Winter wohl überdauern.

 Posted by at 11:41