Mai 042010
 

So rief ich aus, als ich eben die Pläne des Berliner Senats zur Förderung der ach so dauerbenachteiligten Migranten las. Das Blog „Die neuen Deutschen“ berichtet soeben darüber.

Ich selbst gehöre mindestens 12 verschiedenen Benachteiligtengruppen an. Jeden Tag denke ich mir neue Benachteiligtengruppen aus, denen wir angehören. Z.B. gehörte ich zu den benachteiligten altdeutschen Kindern, die in eine Klasse mit weniger als 80% Migrantenanteil gehen mussten. Uns fehlte in der Kindheit die Gelegenheit zu spüren, wie es sich anfühlt, einer kleinen ethnischen Minderheit anzugehören. Ein klarer Qualifikationsrückstand!

Na, immerhin ist mein eigener leiblicher Sohn auf Lebenszeit ein Migrant. D.h., er würde in den Genuß der neuen Migrantenförderung kommen.

Das Blog „Die neuen Deutschen“ bringt heute dankenswerterweise auch die 4 Kriterien der Definition eines Migranten – lesenswerter Beitrag!

Die neuen Deutschen
“Hurra, du bist Migrant, denn dein Vater ist Ausländer! Er ist ein Migrant!” – so mag manche deutsche Mutter ihrem deutschen 17-jährigen Sohn verkünden, wenn der Vater, ein aus Iran stammender Chefchirurg, der 1981 nach Deutschland übersiedelte, zum Abendessen in das eichengetäfelte Esszimmer tritt.

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Von oben herab oder von unten?

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Mai 022010
 

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„Berlin bleibt rot.“ So die Devise, die man immer wieder von anerkannten Experten hören kann. Das obige aussagefähige Plakat fand ich soeben gegenüber dem Rathaus Kreuzberg in der Yorckstraße. Wie wird dieser Anspruch durchgesetzt? Von unten nach oben? Oder von oben nach unten? Das Plakat gibt die eine Antwort: Ein mächtiger Affe schleudert von oben herab alles zu Klumpen, was sich ihm in den Weg stellt. Rot siegt machtvoll – von oben nach unten. Es genügt, den Gegner als Nazi oder Rechten kenntlich zu machen. Allein schon die Bezeichnung einer Kneipe als „Nazi-Treff“ genügt, um den linken Mob loszuhetzen. Argumente oder Beweise werden nicht verlangt.

Das ist die erste Antwort: Roter Machtanspruch wird von oben herab durchgesetzt. Das war immer so und wird auch so bleiben. So verkündet es das Plakat.

Die zweite Antwort gibt der Kreuzberger Halis Sönmez. Er  sagt: „Es wird von oben nach unten  organisiert“.  Lest hier:

 Von oben herab – Berliner Zeitung 30.04.2010
„Wir wurden nicht eingeladen, sondern rausgekickt und ausgeschlossen“ beschwerten sich am Donnerstag einstige Mitorganisatoren des Myfestes. Der Streit läuft schon eine Weile, doch bekannt wurde er erst jetzt. „Das Fest wird nicht mehr von den Anwohnern getragen. Es wird von oben nach unten organisiert“, sagt Halis Sönmez, der schon beim ersten Myfest im Jahr 2003 mit dabei war.

Aber nicht nur von oben, sondern auch von hinten siegt revolutionäre Gewalt. Vornehmstes Einsatzziel: Polizisten. Ein Beamter wurde gestern von hinten schwerst verletzt. Aus dem schwarzen Block heraus wurden wieder einmal Polizisten, Notärzte und Helfer aufs Schwerste bepöbelt, angegriffen, mit Steinen, Flaschen und Feuerwerkskörpern angegriffen. So berichtet es der Berliner Kurier heute auf S. 3. Das finde ich das Schlimmste, dass erneut Hunderte Polizisten und Helfer aus einer genehmigten Demonstration heraus angegriffen und verletzt wurden. Motto der Demonstration: „Gegen soziale Spaltung.“ Das ist unerträglich.

Da hilft es nichts, sich brav auf die Straße zu setzen, um seine rechte, pardon richtige Gesinnung zu beweisen und andere genehmigte Demonstrationen zu verhindern.

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Arbeit am Selbstwertgefühl. Tag der Arbeit!

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Mai 012010
 

 01052010002.jpgAls kreuzbrav-kleinbürgerlicher Kreuzberger mied ich heute sinnleere Katz-und-Maus-Spiele in meinem von auswärtigen Truppen eroberten Heimatbezirk  und begab mich stracks in den Nachbarbezirk Tiergarten. Dort verfolgte ich ein sehr ansprechendes Sprechstück über den Kampf um Arbeitsplätze: „RAUS BIST DU NOCH LANGE NICHT“. Das Weber-Herzog-Musiktheater spielt, trommelt und musiziert das Hin und Her zwischen Kündigungsdrohung, gnadenloser Effizienzmaximierung und dem Aufbegehren der Arbeiterinnen und Arbeiter in einer italienischen Fabrik. Die Fabrikbesetzungen waren eine Zeit lang in Italien sehr im Schwange. Gut gemacht, überzeugend dargeboten.

Ich gerate ins Gespräch mit  Zuschauern und Darstellern: „Wer von euch ist oder war Arbeiter?“, frage ich. Keine Hand regt sich. Das Stück, von dem ihr einen Teil hier auf Youtube sehen könnt, steht windschief zur Realität des heutigen Arbeitsprozesses in Berlin.

Bewegend ist auch der Rap einiger türkischer junger Männer vor dem Brandenburger Tor: harte, stoßartig hervorquellende Anklagen: das Leben im Knast ist hart. Überall Gitterstäbe. Das Leben ist verbarrikadiert. Dieser Gangsta-Rap, den ich hier auf Youtube hochgeladen habe, ist die Kehrseite des Raps, den ich gestern in der Fanny-Hensel-Grundschule hörte. Im Musiksaal der Schule hatten die Kinder versucht, den Sinn der Goetheschen Gedichte in ihren eigenen Worten für heutige Ohren zu formulieren. Sie traten auf Hochdeutsch in einen Dialog mit der scheinbar vergangenen Welt der Goetheschen Poesie, die doch unglaublich aktuelle Themen behandelte: Der Erlkönig das Thema des Kindesmissbrauchs, Der Fischer die Verführung durch Ausbeutung der Natur, der Zauberlehrling die Macht einer nicht mehr beherrschbaren Technik. Die Botschaft lautete: ich bin frei durch die Bindung an die Dichtung.“Wenn ich reim, werd ich frei …“ Durch die Auseinandersetzung mit der großen Tradition gewinnen die Kinder der Fanny-Hensel-Schule ihren eigenen Freiheitsraum.

Der Gangsta-Rap der 17-20-jährigen Jungs hingegen erzählt mir von Einsamkeit, von Knechtschaft, von Isolation, von Gewalt. Das ist die Welt der Straßen. In dieser Welt wachsen unsere muslimischen Jugendlichen in Berlin-Innenstadt auf. Dieser Rap kommt in jenem besonders gefärbten Türkdeutsch daher, das sich hier in Kreuzberg, Wedding und Neukölln als lingua franca der jungen Männer herausgebildet hat. Eine abgerundete, stärker zischende, weiter vorne gebildete Artikulation kennzeichnet unsere Jugendlichen als eindeutiges Produkt einer typischen Berliner Jugend. Das sind unsere Jugendlichen, das ist die nächste Generation, die hier in Berlin heranwächst.

Ich mache mir Sorgen. Hinten am Heinrichplatz toben sich unsere maßlos verwöhnten  Wohlstandskinder aus. Dort vor dem Brandenburger Tor äußerten sich andere Kinder, die Kinder der Schattenwelt. Meine stärkste Sympathie gilt an diesem Tag den arabischen und türkischen Rappern. Sie haben ihr Herz in die Hand genommen. Sie machen Kunst. Sie erzählen und halten uns den Spiegel vor.

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„Wir können die Hügel ja nicht tiefer legen“

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Mai 012010
 

Kürzlich sprach ich mit einem Römer über die Situation des Radverkehrs in der Caput-Mundi-Stadt. „Ihr in Berlin habt es gut: alles schön flach. Die Luft ist gut. Denn ihr habt so viel Grün hier. Ihr Radfahrer habt viel Platz. Bei uns in Rom sind die Straßen ständig verstopft. Und ständig geht es bergab und bergauf auf den famosen sieben Hügeln.“

Tja. Die Römer können ebensowenig wie die Stuttgarter die Hügel tieferlegen. Ich kann den Römern wenig Trost spenden. Vielleicht sollten die Römer so wie die Stuttgarter die famosen Pedelecs, die Elektro-Fahrräder ausprobieren?

Die Voraussetzungen, Friedrichshain-Kreuzberg zum Modellbezirk des Radverkehrs zu machen, sind ungleich besser als am Monte Gianicolo oder im Testaccio in Rom einen Radverkehrsanteil von 20% zu erreichen!

Aber nicht nur Städte, auch ganze Länder lassen sich durch den Radverkehr zusammenführen. Das berichtet SPIEGEL online heute. Auch hier jedoch das uralte Problem der Menschheit: Man muss sich ein bisschen anstrengen. Die Frisur gerät in Unordnung. Man schwitzt. Am schlimmsten ist: Es könnte regnen. Man könnte nass werden.

Hilfe! Der Mensch schwitzt am Berg! Sollen denn Menschen ab und zu schwitzen? Ist denn nicht Bequemlichkeit das erste Gebot, die oberste Maxime  des modernen Menschen? Was würden denn die Ärzte dazu sagen, wenn der Puls von 70 auf weit über flatternde 90 hochgejagt wird? Kann so etwas denn gesund sein? Oder bedarf es nicht doch des schöpfungsfreundlichen Verbrennungsmotors? Mindestens am Berg? Damit alles schön ruhig bleibt! Mindestens in Rom und Stuttgart?

Aachen: Drei Länder – ein Rad – Merian – Reiseziele
Fast die Hälfte der Einwohner sind Deutsche, die Häuser sind billiger als jenseits der Grenze, und mancher zieht hierher, weil das Leben etwas lockerer, leichtgängiger sein soll als in Deutschland.

Das Radfahren allerdings nicht. Wieder liegt ein Berg vor mir. „Wir können die Hügel ja nicht tieferlegen„, meint ein Spaziergänger am Wegrand.

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Griechenland deutsch: „Sauerei: Ersatzwohnung liegt zu weit weg“

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Apr 292010
 

Die taz berichtet das neueste aus dem üppig sprießenden Förderdschungel auf S. 7: 755 Millionen Euro stellt die Bundesregierung für „Berufslotsen“ bereit, die Hauptschülern zu einem Ausbildungsplatz helfen sollen. Toll: Bei uns in den Kreuzberger Grundschulen gibt es nicht einmal professionelle Sekretärinnen mehr, viele Stunden fallen aus, viele Lehrer sind dauerkrank – und in vielen Fächern fehlt das Geld für richtige Schulbücher. Aber für Berufslotsen ist reichlich Geld da.

Das ganze gerühmte staatlich aufgepäppelte Lotsenwesen halte ich für eine weitere Schippe Kohle auf das undurchdringliche Dickicht von staatlichen Wohltaten und Begünstigungen. Geld ist offenbar reichlich vorhanden und fleißt stetig nach! Woher? „Geld fließt den Athenern aus einer Goldquelle aus dem Boden“, wie es der Bote in des Aischylos Persern an Königin Atossa berichtet.

Herrliche Beispiele dafür, wie der Staat sich eine stetig wachsende Schar an Hilfeheischenden, Hilfebedürftigen, Hilfesuchenden heranzüchtet und weiter verhätschelt, liefern die heutigen Zeitungen!

Der Friedrichshain-Kreuzberger Bürgermeister bezeichnet es laut Morgenpost S. 17 als „Sauerei“, dass Sozialmietern Wohnungen angeboten werden, die „entweder zu teuer, zu klein, oder zu weit entfernt sind.“ Die Frage muss erlaubt sein: Zu weit weg – wovon? Vom Ort der jetzigen Arbeitslosigkeit? Was ist denn so schlimm  daran, wenn man vom Ort der jetzigen Arbeitslosigkeit weiter nach Osten ziehen muss, nach Marzahn oder ins Märkische Viertel?

Die staatlichen Mittel für  Gemeindedolmetscher werden gekürzt. Russisch und Serbisch werden nicht mehr angeboten. Türkisch bleibt allerdings erhalten. So berichtet die Morgenpost auf S. 14. Das heißt, der Staat wird zwar weiterhin dafür zahlen, dass die Türken einen staatlich bezahlten Dolmetscher gestellt erhalten, wenn sie mit den Behörden zu tun haben, aber die Russen und Serben müssen Deutsch lernen oder auf eigene Kosten einen Dolmetscher stellen. Sehr ungerecht und diskriminierend gegenüber den Türken, die wieder mal für dumm verkauft werden, zu dumm, als dass sie nach einigen Jahrzehnten Wohnen und Aufenthalt in Deutschland Deutsch lernen könnten!

Uns braucht nicht bange zu sein: Solange jede und jeder Ansprüche satt an den Staat stellt, werden wir keine politische Unruhe haben, ein politischer Wandel in der Bundeshauptstadt steht nicht zu befürchten. Keine Partei wird es sich leisten können, diesem grassierenden, erstickenden Anspruchsdenken gegenüber aufzumucken.

Bei den für 1. Mai erwarteten Gewalttaten werden wieder reichlich Anlässe für die eine oder andere Antifa-Initiative geschaffen werden. Auch hierfür wird wieder reichlich Geld aus dem Boden sprießen. Je mehr Steine und Flaschen aus den Reihen der Linksextremisten auf Polizisten fliegen, desto mehr Geld wird für die Bekämpfung von Rechtsextremisten und Faschisten bereitgestellt werden.

Denn hätten die Rechten keine legale Demonstration angemeldet, wären die Linksextremisten nicht gezwungen, Steine und Flaschen an der vorgesehenen Route vorab zu deponieren, um sich gegen die unerhörte Provokation einer angemeldeten Demonstration zur Wehr zu setzen.  Allein die Tatsache, dass die NPD eine Demonstration anzumelden sich erdreistet, beweist, dass im Kampf gegen Rechtsxtremismus und Intoleranz noch nicht genug getan worden ist. Solange auch nur ein Stein aus linker Hand geschleudert auf Polizisten fliegt, müssen die Initiativen gegen rechts noch mehr staatliche Förderung erhalten.

Deshalb: Noch ne Schippe Kohle für Antifa-Initiativen!

Wir Steuerzahler werden es weiterhin mit einer Schafsgeduld hinnehmen.

Und gestern berichtete uns ein Nachbarskind, wie es Zeugin des x-ten Überfalls auf den Schlecker-Markt bei uns in der Obentrautstraße wurde. Drei mit Messern bewaffnete junge Männer erbeuteten die Kasse. Am hellichten Tag während der Geschäftszeit. Wieder einmal.

Mieten-Explosion – Kreuzberger Sozialwohnungen bald unbezahlbar – Berlin – Berliner Morgenpost

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Apr 292010
 

Alte Bausünden in Milliardenhöhe trägt das Bundesland Berlin weiterhin ab. Riesige Mengen öffentlichen Geldes landeten bis vor wenigen Jahren in den Taschen der Bauträger.

Der Staat sorgt weiterhin für seine Schäfchen. Ein Umzug nach Marzahn oder Hellersdorf wird für Kreuzberger Hartz-IV-Mieter als unzumutbar angesehen. Grotesk. Ersatzwohnungen in der Nähe müssen her! Auf Staatskosten. Alles soll weiterhin der Staat bezahlen. So berichtet die taz heute auf S. 22.

Alles soll hübsch zusammenbleiben. Das ist die alte Versorgungsmentalität. Wir werden alle oder sind alle Griechenland!

Aber es gibt auch vereinzelt Stimmen der Vernunft.

Sozialwohnungen: Kreuzberg probt den Mieteraufstand – taz.de
„Wenn wir jetzt in großem Maße die Mietdifferenz zahlen, sind wir bald wieder beim alten Fördersystem“, gab der baupolitische Sprecher der Grünen, Andreas Otto, zu bedenken.

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Abgekupfert: Nach „Modellbezirk Radverkehr“ jetzt auch: Modellstadt für E-Autos

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Apr 282010
 

Guter Vorschlag von Bürgermeister Wowereit! Die Einführung neuer Mobilitätsformen durch die Ausrufung einer „Modellstadt“ – so etwas kommt immer gut an beim Publikum.

Genau dasselbe hatten wir vor 6 Wochen mit unserem „Modellbezirk Radverkehr“ angeregt. Richtig gelesen, Herr Bürgermeister.

Das Fahrrad bietet bereits heute den flexiblen, emissionsfreien, effizienten und raschen Individualverkehr, den manche Auguren fälschlich auch vom Elektro-Auto erwarten.

Der SPIEGEL hat den Apologeten des Elektroautos in dieser Woche (S. 79) bereits den Zahn gezogen – was wir ebenfalls vor 10 Tagen bereits recht schnöde gemacht hatten: Der Elektro-Smart erzeugt immerhin 107 Gramm CO2 auf den Kilometer gegenüber 86 Gramm, die der Diesel-Smart auspustet. Trotzdem – es hört sich besser an. An der Entwicklung alternativer Antriebe führt in den nächsten Jahrzehnten kein Weg vorbei.

Aber zunächst einmal gilt es, das Fahrrad massiv nach vorne zu bringen. Durch den Modellbezirk Radverkehr.

Umweltschutz – Berlin will Modellstadt für E-Autos werden – Berlin – Berliner Morgenpost

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Was dient dem Menschen? Der Modellbezirk Radverkehr

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Apr 222010
 

18042010004.jpg „Ein Fahradbeauftragter allein kann noch keinen Mentalitätswandel herbeiführen.“ So der Kommentar der taz zum Interview mit dem neuen Fahrradbeauftragten der Stadt Berlin, Arvid Krenz, dem ich auch von dieser Stelle viel Erfolg in seinem Amt wünsche! Ich gehe sogar noch zwei Schritte weiter: Den nötigen Mentalitätswandel kann die Radverkehrsförderung nicht allein herbeiführen.  Radverkehrsförderung muss den ganzen Menschen sehen. Was dient dem Menschen? Das ist die Frage, um die es geht.

„Modellversuche und Leuchtturmprojekte täuschen darüber hinweg, dass Radfahrer längst noch keine gleichwertigen Verkehrsteilnehmer sind. Es fehlt an einem Routennetz, auf dem Radler hürdenlos und sicher von A nach B kommen …“

Dies ist nur einer von Hunderten anderen Kommentaren zum Radverkehr, die alle in einem zusammenkommen: Es fehlt meist an einer gesamthaften Betrachtungsweise. Und darüber wird geklagt. Es gibt tausend Gründe, die die Leute vom Radfahren abhalten. „Immer und überall werden Radfahrer benachteiligt.“ Man nistet sich ein in einer Benachteiligten-Mentalität. Und deshalb werden Forderungen aufgestellt: „Macht das und das! Macht bessere Angebote! Dann werden mehr Leute Rad fahren.“

Radverkehrsförderung geschieht meist an Punkten, statt in ganzen Flächen, statt in ganzen Bezirken, statt in ganzen Städten. Die Verkehrsplaner versuchen ehrlich und redlich, ein Tiefbau-Problem „in den Griff zu bekommen.“ Damit die Radfahrer ein bisschen weniger benachteiligt werden. Das ist löblich und aller Ehren wert. Diese Arbeit soll und muss weitergehen. Aber das reicht nicht, solange nicht wesentlich mehr Menschen auf das Rad umsteigen.

Der Modellbezirk Radverkehr versucht deshalb darüber hinaus, möglichst viele Akteure des Bezirks Friedrichshain-Kreuzberg – nicht nur den Tiefbau – in eine gemeinsame Strategie einzubinden. Das Konzept setzt auf Mitnahme-Effekte. Das Konzept setzt auf massive Nachfrageverstärkung, etwas weniger auf Angebotsverstärkung. Denn die verstärkte Nachfrage nach Radverkehr wird auch zu einem besseren Angebot für den Radverkehr führen. Die Parteien würden aufwachen. Sie würden um die Gunst nicht der Autofahrer, wie es namentlich die Grünen derzeit tun, sondern der Radfahrer buhlen. Radfahrer sind auch Wähler. Je mehr Wähler Rad fahren, desto besser.

Wenn 80% der Berliner beschlössen, mit dem Pferd statt mit dem PKW oder der BVG zu fahren, würden sofort, in wenigen Monaten, überall Reitwege, Wasserstellen, Ställe und Futterkrippen eingerichtet werden. Die Pferdeverkehr-Infrastruktur schösse aus dem Boden, dass dem Reitersmann und der Reitersfrau das Herz im Leib entbrennte vor Freude.

So gilt: Je mehr Leute Rad fahren, je mehr Radfahrer wir auf den Straßen sehen, desto besser für die Gesamtsituation des Radverkehrs!

Die Steigerung des emissionsfreien, individuellen, effizienten, sozialverträglichen Individualverkehrs, also des Radverkehrs, ist etwas Gutes an sich. Davon bin ich überzeugt. Warum ist das gut? Es gibt sehr viele Günde dafür.

Beispiel: Seit Jahren nimmt Fettleibigkeit und Bewegungsarmut unter Kindern in Friedrichshain-Kreuzberg nachweislich zu, mit nachteiligen Wirkungen für das gesamte spätere Leben. Diabetes, Konzentrationsstörungen, spätere Gelenkserkrankungen  sind oft die Folge von Bewegungsarmut und Fettleibigkeit. Kinder, Jugendliche und Eltern fahren zu viele Wege mit der BVG und dem Auto, sie gehen zu wenig zu Fuß und fahren zu wenig Rad.

„Bewegungsmangel in der Kindheit kann zu körperlichen Fehlentwicklungen und chronischen Krankheiten führen, die auch im Erwachsenenalter noch belasten: Übergewicht, Herz- und Kreislaufschwächen, Rückenprobleme durch Haltungsschäden.“

Das Grundschulkind. Ein Praxisbuch für Eltern. Hgg. von Prof. Dr. Klaus Fröhlich-Gildhoff. Gütersloh/München, 2009, S. 147

Hier sehe ich uns alle in der Pflicht. Alle sollten darauf hinarbeiten, dass Kinder sich täglich zwei bis drei Stunden körperlich bewegen, möglichst an der frischen Luft, bei jedem Wetter (nicht nur mit dem Daumen an der Fernbedienung). Der neue Spielplatz am Kreuzberg, wie er oben zu sehen ist, ermuntert die Kinder zu vielfältigen Raum- und Körpererfahrungen. Sehr gut! Nutzt ihn!

Der Modellbezirk Radverkehr ist ein neuartiger Ansatz, wie er bisher in keinem Berliner Bezirk versucht wurde.  Die Arbeit an Problemstellen, das Entschärfen von kritischen Punkten, der mühselige Aufbau einer guten Infrastruktur geht selbstverständlich kleinschrittig weiter!

Aber daneben und darüber hinaus sollen alle Menschen durch systematisch gesetzte Anreize ermuntert und bestärkt werden, mehr mit dem Rad zu fahren und sich weniger durch das Verbrennen von kostbaren Ressourcen wie Erdöl oder Kohle im Auto oder Bus fahren zu lassen.

Mehr Lebensfreude, bessere Gesundheit, kindgerechtere Umwelt durch mehr Radverkehr. Je mehr Radverkehr wir auf die Straßen und Wege bekommen, desto besser. Das ist keine Vision. Das ist ein Weg. Diesen Weg kann jede und jeder bereits jetzt, ab heute, gehen und fahren.

Ein Radbeauftragter allein kann keinen Mentalitätswandel herbeiführen.: Noch lange keine Fahrradstadt – 03.04.2010 taz.de
Modellversuche und Leuchtturmprojekte täuschen darüber hinweg, dass Radfahrer längst noch keine gleichwertigen Verkehrsteilnehmer sind. Es fehlt an einem Routennetz, auf dem Radler hürdenlos und sicher von A nach B kommen.

 Posted by at 10:38
Apr 202010
 

18042010006.jpg 500 Euro kostet derzeit etwa eine schwarze Meldeadresse, mit der man seine Kinder auf einer genehmen Schule unterbringen kann. „Alle machen das!“, wurde mir entgegnet, als ich einmal empört diese Praxis der falschen Adressen als „verwerflich“ bezeichnete. Ich werde überwiegend belächelt, wenn ich für Steuerehrlichkeit, für Melde-Ehrlichkeit eintrete. So wird unser Gemeinwesen übers Ohr gehauen. Man plündert diese Republik aus, holt sich, was man kriegen kann. „Bitte nur das Beste für MICH und für MEINE Kinder!“

Wie würden diese Eltern staunen, wenn sie erführen, dass die Eltern weit stärker für den Bildungsweg des Kindes verantwortlich sind als die Schule?

Wir haben somit ab Klasse 1 keine Einheits-Grundschule mehr, wie sie das Grundgesetz wollte. Die soziale Sonderung setzt bereits sehr früh ein. Darauf wiesen jetzt etwa 1000 Grundschullehrer hin:

Dokumentiert: Offener Brief an Senator Zöllner – Schule – Berlin – Tagesspiegel
Eine Entmischung findet statt: Die Mittelschichtskinder bleiben in gut ausgestatteten Schulen unter sich und die Risikokinder bleiben in weit schlechter ausgestatteten öffentlichen Schulen ebenfalls unter sich.

Der erste Pawlowsche Reflex ist es stets, mehr Geld zu fordern, bessere Ausstattung, kleinere Klassen. Ein großer Trugschluss! Wieder einmal schiebt man alle Schuld auf den Staat. Auf die Verhältnisse. Das ist sehr bequem.

Aber: Das Geld ist nicht da, mehr Lehrer sind nicht da, und die Schulen in sozialen Brennpunkten sind heute besser ausgestattet als der Durchschnitt.

Es gibt keinen Beleg dafür, dass das Lernen in kleineren Klassen zu besseren Ergebnissen führt. Es scheint aber Studien zu geben, die beweisen, dass die Klassengröße ohne Einfluss auf den Lern-Erfolg ist. „Kleinere Klassen bringen nichts„, meldete der SPIEGEL am 19.04.2010.

Die Entmischung setzt von seiten der Eltern ein. Die Mittelschicht- und die Oberschicht-Eltern sind verantwortlich, wenn wir Migranten und wir  Unterschichtler unter uns bleiben. Ganz unten.

Übrigens: Wer ganz unten ist, hat keine Abstiegsangst mehr. Also: Kommt zu uns!

Ich schlage erstens vor: Alle Eltern melden sich und ihre Kinder mit ihrer richtigen Adresse an. Das wäre schon mal ein erster Schritt zu mehr Gemeinsinn.

Zweiter Schritt: Einstellen der Elterntaxis. Dass Kinder mit den Autos jeden Morgen quer durch die Stadt in die Grundschule gebracht werden, ist ein Unding.

Drittens: Die Mittelschichtler kümmern sich um die Unterschichtler, laden sie zu sich nachhause ein, machen zusammen Hausaufgaben, gehen zusammen auf Spielplätze. „Ich war noch nie auf dem Kreuzberg“, erzählte uns kürzlich ein Schulfreund, dem wir den Kreuzberg zeigten. Er wohnt 1 km vom Kreuzberg entfernt. Das Bild zeigt den neuen Spielplatz am Kreuzberg.

Mit diesen drei einfachen Schritten kommen wir schon weiter. Der Staat braucht nichts dazuzuzahlen.

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Kultur des Lernens schaffen!

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Apr 122010
 

Volltreffer! Dieser Grundgedanke der Elternbildung, eine Kultur des Lernens zu schaffen, ist Gold wert! Warum? Er richtet sich auf den zentralen Faktor der Bildung, eben das Lernen. Wenn gut und richtig gelernt wird, ist der Bildungserfolg schon fast gesichert – völlig unabhängig von Schulformen, von Ausstattung, von Klassenzusammensetzung – und auch unabhängig von Vorkenntnissen.

Das Lernen lernen! Und der Rest kommt fast von alleine.

Bildung – Berliner Eltern machen den Elternführerschein – Familie – Berliner Morgenpost
GdS – „Gesetz des Schulerfolgs“ heißt der Kurs, zu dem sie sich in der evangelischen Schule Charlottenburg versammelt haben und für den die Eltern 40 Euro für zwei Kurstermine mit jeweils vier Stunden zahlen. Am Ende bekommen sie ein Zertifikat.

Die Elterntrainer Ingrid (62) und Ulrich Krenz (67) stehen vor der Klasse mit den Eltern. Sie vermitteln das von Adolf Timm entwickelte GdS Konzept. Das Ziel ist es, „eine Kultur des Lernens“ in den Familien zu schaffen. Denn: Nur wenn Kinder zu Hause auf die Schule vorbereitet werden, können sie dort erfolgreich sein.

 Posted by at 15:08