Archive for the ‘Die zusammenwachsende Stadt’ Category

Im Garten des Menschlichen

Donnerstag, September 20th, 2012

 2012-09-08-171840.jpg

Unendlich viele kleine Geschichten spielen sich auf Neuköllns Straßen und Höfen ab. Beim Aktionstag für Kindersicherheit, an dem ich im Dienste des ADFC teilnahm, sprach uns am Stand ein vielleicht elfjähriger Junge an, ein Patient der Neuköllner Kinderklinik.  Nennen wir ihn doch – Burak! Burak – wie das geflügelte Pferd des Propheten.

Erst diskutierten wir mit einigen Umstehenden über den Unterschied zwischen Radfahrstreifen und Schutzstreifen. Hand aufs Herz zur Diagnose: Wer weiß denn immer genau, was ein Schutzstreifen und was ein Radfahrstreifen ist? Dann besprachen wir, wie man sich an Zebrastreifen verhält. Befund: Als guter Radfahrer fährt man vorsichtig heran, und wenn Fußgänger die Straße überqueren wollen, lässt man ihnen mit einem freundlichen Lächeln den Vortritt. Darüber herrschte Einigkeit! Dann hatte der Junge genug der Belehrungen.

“Darf ich mal dein Fahrrad leihen? Ich möchte einmal damit fahren!”, fragte mich Burak. “Ja, aber Du darfst das Gelände des Krankenhauses nicht verlassen!”, schärfte ich ihm ein und schaute ihm in die Augen. Dann händigte ich ihm mein Fahrrad aus. “Na, ob Sie das wiederkriegen? Das kostet doch sicher mehrere Hundert Euro!”, zweifelten einige der umstehenden Erwachsenen. “Mir ist gerade heute ein Fahrrad gestohlen worden!”, warf eine Frau ein.

“Ich werde das Fahrrad wiederbekommen”, erwiderte ich zuversichtlich. Vertraut dem Menschen – und so wird euch vertraut werden, das ist ein Wahlspruch von mir.

15 Minuten später stellte der Junge das Fahrrad stolz zurück an  den Stand. Burak war zurückgekommen!

“Na, alles paletti, sind Sie glücklich?”, fragte mich ein Vertreter der Vivantes-Klinik zwischendurch. “Ja, ich bin glücklich, es ist ein sehr schöner Tag”, erwiderte ich strahlend.

At Home in der Mitte: “Heute ist ein guter Tag”

Mittwoch, September 14th, 2011

Polizistin rechts, Polizistin links, Weltkind in der Mitten!

Dieser – leicht veränderte – Spruch von Goethe kam mir soeben murmelnd über die Lippen bei der Betrachtung des Fotos eines Politikers der bürgerlichen Mitte “von echtem Schrot und Korn”. Der Mann in der Mitte heißt Wolfgang Wieland MdB.

Welcher Partei mag der freundlich lächelnde Herr zwischen den jungen Polizistinnen angehören? Unerheblich, dieses Blog schaut bekanntermaßen nicht auf die Partei, sondern “in der Mitte steht der Mensch”.  Welchem Wahlkreis gehört er an? Mitte!

Entscheidend bleibt für mich der geniale Kunstgriff, mit welchem Herr Wieland das Konzept “Zuhause in Mitte – Zuhause in der bürgerlichen Mitte” in Bild und Spruch auf die Internet-Bühne bringt. Die Semiotik spricht gelahrt-tiefsinnig von “mehrfacher Überdeterminiertheit des symbolisch aufgeladenen Zeichens”!

Chapeau, Herr Wieland!  Möge jeder Berliner Bürger durch zwei Polizisten beschützt sein! Heute sei ein guter Tag!

Homepage von Wolfgang Wieland: Aus meinem Wahlkreis

Ne mutlu Kreuzbergüm diyene!

Mittwoch, August 10th, 2011

1008201111001.jpg

Ne mutlu Kreuzbergüm diyene! Alles toll, Tiergarten in Reichweite, gute Menschen, Politik sollte man mal außer acht lassen! Hepimiz insaniz, arkadaslar!

Städtische Räume gemeinsam neu aneignen!

Samstag, Juni 25th, 2011

 24062011773.jpg

Von 1984 bis 1988 lebte ich bereits ein erstes Mal in Kreuzberg, in das ich mit habichtsgleich geschärftem Blick nach langer Odyssee 2002 als migrantischer Rückwanderer zurückgekehrt bin. Damals verfolgte ich die IBA als neugieriger Zaungast, besuchte das eine oder andere Objekt, hatte Freunde am Fränkelufer, die in die “Wohnhäuser entlang der Brandmauer” eingezogen waren. Es herrschten üppige Verhältnisse, Reichtum für alle – also staatlich ausgereichte Gelder – gab es in Hülle und Fülle. Heute erweisen sich gerade die Kreuzberger IBA-Bauten als arge Kostenfalle für Mieter und Stadt.

Braucht Berlin heute erneut eine Internationale Bauausstellung? Wie schaffen es Städte, sich so zu verändern, dass ihre äußere Gestalt den Werthaltungen, den Lebensentwürfen und den Bedürfnissen der Menschen entspricht? Diesen Fragen widmet sich heute auf S. 12 des Tagesspiegels der Architekturtheoretiker Werner Durth von der TU Darmstadt. Gut zu lesender Artikel!

Unabhängig von der Beantwortung der gestellten Frage greifen wir einige allgemeine Überlegungen heraus. Denn es geht nicht nur um die IBA, sondern um eine neue Art von Gestaltung des gemeinsamen Raumes.

Durth schreibt:

“Eine IBA ist mehr als eine Bauausstellung. Sie stellt Lebensentwürfe und Wertorientierungen der Stadtgesellschaft zur Diskussion, sie gibt Antwort auf soziale Fragen nicht nur durch die Gestaltung von Gebäuden, sondern auch durch Ermöglichung neuer Formen der Aneignung öffentlicher Räume in Stadt und Landschaft. Zur Definition der Themen sind vorbereitende Diskurse und vorgeschaltete Werkstätten im Abwägen von Alternativen wichtig. So wird die Aufmerksamkeit aller Beteiligten nicht allein auf das Bauen, sondern auch auf die Wahrnehmung der Entstehungsbedingungen und die Qualität von Prozessen gerichtet.”

Gemeinsame Aufmerksamkeit aller Beteiligten (joint attention, wie es Michael Tomasello nennt) – das ist doch genau das Thema, das wir seit einigen Tagen auf diesem Blog verfolgen.

Städtische Räume bedürfen der Sammlung von Aufmerksamkeit, damit eine echte Bürgergesellschaft entstehen kann. Brunnen, gestaltete Plätze, Märkte, Kunstwerke, Friedhöfe, Kirchen, Spielplätze, Moscheen, Tempel, Denkmäler sind derartige Aufmerksamkeits-Vereiniger.

Was zersplittert und trennt hingegen die Aufmerksamkeit? Was verhindert das Zusammenwachsen der Menschen im städtischen Raum?

Nun, ich meine, ein Übermaß an Aufmerksamkeit wird heute vielerorts in den Städten durch den motorisierten und auch nichtmotorisierten (!) Straßenverkehr gebunden, abgelenkt und zersplittert. Der Straßenverkehr in seiner jetzigen Form zerschneidet an zu vielen Stellen jeden Versuch der Bürger, den städtischen Raum als ihren “gemeinsamen Raum” zu erfahren. Die Verkehrssituation ist an vielen Stellen zu unübersichtlich, zu kompliziert, zu verworren, zu gefährlich, zu laut, zu schmutzig. Dies gilt insbesondere aus der Sicht der Alten, der Kinder, der Behinderten und Kranken.

Not tut vielfach eine Neuaneignung städtischen Raumes durch neue Widmung der Flächen, durch Schaffung vernünftig gestalteter Verhältnisse, die sich den Werthaltungen der Menschen anpassen müssen, statt dass Menschen sich den Verhältnissen unterwerfen müssen.

Die Überlegungen Werner Durths verdienen ihrerseits gemeinsame Aufmerksamkeit!

Bild: ein Habicht über dem Prinzenbad, aufgenommen gestern. Findet ihr ihn? Schärft eure Aufmerksamkeit!

THEMA: Blaupause statt Baupause Neue Bauten braucht Berlin – Berlin – Tagesspiegel

Zusammenwachsen – zusammen wachsen!

Freitag, Mai 20th, 2011

180520116211.jpg  Jeder, der sich innerhalb der Berliner Parteien ein bisschen bewegt, weiß, wie tief die politische Landschaft noch geteilt ist. Es gibt praktisch kein stadtpolitisches Thema, bei dem die 30-jährige Ost-West-Mauerspaltung (1961-1989) keine Rolle spielte! Mein Heimatbezirk Friedrichshain-Kreuzberg ist das lebende Symbol dafür! Kommt alle nach Friedrichshain-Kreuzberg, schaut euch das an – diese Vielfalt, diesen Zwiespalt!

Auch die Parteien werden teils als Ostpartei, teils als Westpartei wahrgenommen!

In meinem ehrenamtlichen Engagement auf kommunalpolitischer Ebene in Friedrichshain-Kreuzberg habe ich über mehrere Monate hin wieder und wieder  das zentrale Thema “Die zusammenwachsende Stadt” gespielt.
Zwei der wenigen Berliner Landespolitiker, die in der Tat redlich versuchen, beide Hälften der Stadt zu bespielen, sind der von mir unterstützte Frank Henkel und sogar – man höre und staune – Klaus Wowereit. Wie kann man es machen? Nun, man muss Themen setzen, die beiden Hälften der Stadt auf den Nägeln brennen – wie etwa den Berliner Hauptbahnhof, der abgesehen von den noch fehlenden Fahrradabstellmöglichkeiten ganz gelungen ist, wie ich finde.

Die zusammenwachsende Stadt – das ist das Motto!  Der Aufsatz von Klaus Wowereit ist sehr gelungen. Ein guter Aufsatz! Nun sollte auch die Politik folgen. Ab September 2011.

Gastbeitrag des Regierenden Bürgermeisters: Klaus Wowereit über das Tor zur Stadt – Berlin – Tagesspiegel
Allen ist nun klar, wie wichtig das Infrastrukturprojekt Hauptbahnhof war. Er ist ein Symbol für die Veränderungen einer noch immer zusammenwachsenden Stadt.

“Wer räumt auf?” “Heyder räumt auf”

Mittwoch, Februar 16th, 2011

13022011333.jpg “Wer räumt auf?” Eine ungeliebte Frage, die uns vier Geschwistern in der Kindheit immer wieder entgegenschallte, wenn wir unser Kinderzimmer als lustiges Schlachtfeld hinterlassen hatten. Oft wurde dann von Mutti gesagt: “Heute räumst DU auf!” “Wieso immer ICH?” Klare Ansage, der wir uns (meist) murrend fügten. Kleine Kinder brauchen derartige klare Ansagen!

Heyder räumt auf!” Mit dieser klaren Ansage zieht ein NPD-Kandidat in den Bürgermeisterwahlkampf. “Unser Kandidat räumt auf!” Eine typische NPD-Wahlaussage, mit der auch tatsächlich die Rechtsextremen in der ehemaligen DDR hohe Stimmenanteile erzielen. Auch gestern in frontal 21 war diese Ansage in der Berichterstattung über rechte Gewalt in der ehemaligen DDR zu sehen: “Der NPD-Kandidat xy räumt auf!”

de.indymedia.org | Sachsen-Anhalts NPD im Wahlkampf

Bildwechsel! Auf dem Tahrir-Platz in Ägypten ziehen Bürgerinnen und Bürger, Kinder, Jugendliche, Erwachsene und Greise mit Schaufel und Besen auf und fegen buchstäblich die Hinterlassenschaften des tagelangen Ausharrens hinweg. Sie haben die ersten Früchte des politischen Kampfes eingefahren, die Revolution in Gang gebracht. Und jetzt räumen die Bürger auf!

Was gefällt euch besser? Der Tahrir-Platz in Ägypten oder die rechtsextreme Propaganda in Sachsen?

Bei aller Liebe zu Sachsen: Bei der Ansage “Unser Mann räumt hier auf!” schaudert mich.

Umgekehrt halte ich das bürgerschaftliche Engagement auf dem Tahrir-Platz in Kairo für vorbildlich. Tugenden wie Gemeinsinn, Freiheitsliebe, Verantwortung, Leistung, Geschwisterlichkeit, Fleiß, Umweltpflege – die brauchen wir! Die Ansage lautet: “Bürger, es ist eure Stadt! HOLT EUCH DIE STADT ZURÜCK! Bürgerinnen, holt euch das LAND zurück!”

Wir brauchen nicht den starken Mann, der in der Stadt aufräumt. Wir brauchen Gemeinsinn und Fleiß. Wir sind keine Kinder!

Ein jeder kehre vor seiner Tür,
und rein ist bald das Stadtquartier.

So liebe Kinder, das war … deutsch. Von Goethe. Goethe, kennt ihr den? Das war einmal  großer Dichter.

Das stumme Bild zeigt einen Blumenladen in Kreuzberg am Mehringdamm, aufgenommen vorgestern.

Ist die Schulqualität für die Zukunft des Kindes entscheidend?

Sonntag, Januar 16th, 2011

Immer wieder wird behauptet, die bildungsehrgeizigen Eltern schickten ihre Kinder auf die “guten Schulen” und ließen die “schlechten Schulen” links liegen. Denn von der Schulqualität hänge der Bildungserfolg der Kinder im Wesentlichen ab. Man brauche also nur die Qualität aller Schulen auf ein gleich hohes Niveau zu verbessern und alle Schüler hätten gleiche Bildungschancen und annähernd gleichen Bildungserfolg – unabhängig von der Herkunft der Eltern.

Typischer Beleg dieser Auffassung: der heutige Kommentar von Gerd Nowakowski.

Schulreform: Berlin braucht gute Schulen in allen Bezirken – Meinung – Tagesspiegel
Die meisten Eltern aber wissen, dass Schulqualität entscheidend für die Zukunft ihres Kindes ist und drängen auf gute Schulen. Deswegen müssen Lehranstalten in sozial schwächeren Bezirken befürchten, ganz abgehängt zu werden.

Ich widerspreche diesen Behauptungen. Vielmehr scheint – nach der Mehrzahl der Untersuchungen – der Bildungserfolg eines Kindes in Deutschland ganz entscheidend vom Elternhaus abzuhängen. Ein Akademikerkind auf einer “schlechten Schule” wird mit großer Wahrscheinlichkeit ebenfalls Akademiker werden – und umgekehrt.

Nicht die Qualität der Schulen führt zur Entmischung in bestimmten Wohnlagen, sondern die Entmischung des Wohnens mit der berlintypischen Ballung von Transferempfängern und Familien mit türkischem oder arabischem Migrationshintergrund führt zur Entmischung der Schülerschaften.

Leider prägt nicht die pädagogische Arbeit, sondern die Zusammensetzung der Schülerschaft den Ruf einer Schule. Es gibt pädagogisch und materiell erstklassig ausgestattete Schulen, die bei den bildungsehrgeizigen Eltern dennoch als schlechte Schulen gelten, die man meiden sollte.

Auseinanderklaffen der Schülerschaften erkennen und benennen!

Donnerstag, November 25th, 2010

25112010080.jpg Das exakte Gegenbild zur modischen Dauer-Prügelei auf die staatlichen Schulen liefern die zahlreichen Privatschulen, von denen die Süddeutsche Zeitung heute auf S. 13 berichtet.

Da die staatlichen Grundschulen Berlins keine klar erkennbaren Ziele mehr erreichen, da sie zunehmend als Besserungs- und Verwahranstalten für schwierige Sozialcharaktere meist ausländischer Herkunft geführt werden, weichen immer mehr bildungsbewusste Eltern auf Privatschulen aus.

Ich verstehe diese Eltern. Ich gehöre nach jahrelangem Kampf für die staatlichen Bildungseinrichtungen Berlins, also Kita und Schule, selber zu diesen Eltern, die mit dem Kind auf eine Privatschule gewechselt sind. Alle haben mir ihr Verständnis dafür ausgedrückt. Wir erziehen ja unser Kind nicht als Träger oder Opfer der Integration, sondern so, dass er immer stärker sein Leben selbstverantwortet führen und gestalten kann.

Dennoch sehe ich in diesem wachsenden Auseinanderklaffen der Schülerschaften eine große Gefahr für das weitere Auseinanderklaffen der Berliner Stadtgesellschaft insgesamt.

Einerseits die Mehrheit der Kinder in den Innenstadtbezirken, die von allen verwöhnt und gehätschelt und verachtet werden: “Ihr SEID ja so was von benachteiligt! Ihr BRAUCHT ja soviel Hilfe! Ihr braucht kein DEUTSCH zu können! Ihr WERDET ja sowieso lebenslang von Hartz IV leben.”

Andererseits die Minderheit von Kindern in den Innenstadtbezirken: “Strengt euch an! Lernt! Strampelt euch ab! Der Weltmarkt wartet! Ihr kriegt keinen Bonus, nur weil ihr aus Berlins staatlichen Grundschulen stammt!”

Die staatliche Überversorgung weiter Bevölkerungsgruppen mit Sozialhilfe und Stütze hat zur fast kompletten Spaltung  der Schülerschaft geführt.

Ich meine: Wir – die deutsche Gesellschaft – sollten klar sagen, dass wir von allen, die hier leben und Deutsche werden wollen, Fleiß, Anstrengung, Respekt, Sorge um den eigenen Lebensunterhalt erwarten. Wir wollen keine staatlich geförderten Sozialhilfekarrieren über mehrere Generationen, wie wir sie in Berlin zu Hunderttausenden erleben. Schon gar nicht von Angehörigen anderer Staaten, die keine Anstrengung unternehmen, ihren Lebensunterhalt selbst zu erarbeiten.

Bild: Schulweg heute.

Elite-Grundschule – Wettlauf der Sechsjährigen – Job & Karriere – sueddeutsche.de
Aber die BIP-Schöpfer, das Pädagogenpaar Gerlinde und Hans-Georg Mehlhorn, schreiben auch solche Sätze: “Die meisten Menschen scheitern nicht am Können, sondern am Fleiß.” Oder: “Der erste Tag des ersten Schuljahres und auch der Schulzeit beginnt mit Unterricht und nicht mit Aufarbeitung der Kindergartenzeit.”

Das sanfte Gesetz: Das Andere hören wollen

Dienstag, September 21st, 2010

Das “Andere” will niemand hören, weil gähnend langweilig.” Man lässt sich wohlige Unterweltsschauer über den Rücken rieseln.

So schrieb es vor wenigen Tagen, am 16.09., Monika Herrmann in einem Kommentar dieses Blogs. Leider muss ich diesem Befund zustimmen. Es herrscht in Öffentlichkeit, Medien und Politik ein opportunistischer Empörungsreflex vor: Alles, was Empörung, Abgrenzung, Ausgrenzung fördert, kann auf hohe Aufmerksamkeit rechen. Die Wogen der Erregung schwappen für ein paar Tage hoch, dann ebben sie ab.

Von diesem “Sich-Hochschaukeln” leben das Fernsehen, die Massenmedien überhaupt und auch die Politiker, die ja auf kaum etwas so sehr angewiesen sind wie auf Beachtung.

Das sanfte Gesetz der kleinen Gesten, die helfende Hand, das Leuchten in den Augen auch nur eines Kindes … verweht, vergeht, bleibt eine unbeachtliche Randnote.

Wir werden jedoch weiterhin auf genau diese kleinen, diese unmerkbaren Ereignisse achten. Ein Wassertropfen  kann ebenso bedeutend sein wie eine Sturzflut. Ein einziges Lied, das ein Kind in Kreuzberg singt und summt, ist wichtiger, erhebender, weltbewegender als ein multimedial ausgefochtener Eurovisionswettbewerb.

Wir wollen auf das Andere hören. Dieses sanfte Gesetz hat eine verwandelnde Kraft.

Dieses sanfte Gesetz wirkt überall, wo Migranten neben Migranten wohnen, “es liegt in der Liebe der Ehegatten zueinander, in der Liebe der Eltern zu den Kindern, in der Liebe der Geschwister, der Freunde zueinander, in der süßen Neigung der Geschlechter, in der Arbeitsamkeit, wodurch wir erhalten werden, in der Tätigkeit, wodurch man für seinen Kreis, für die Ferne, für die Menschheit wirkt”.

“Ich schick mein Kind zu denen! KLAR!”

Freitag, August 27th, 2010

Unter diesem Motto fordere ich hiermit alle bildungsnahen deutschen Eltern in den West-Berliner Bezirken Neukölln, Wedding, Kreuzberg, Schöneberg, Steglitz, Charlottenburg  auf, ihre Kinder in die nächstgelegene staatliche Grundschule mit dem jeweils höchsten Anteil an Kindern mit Migrationshintergrund nichtdeutscher Muttersprache zu schicken.

Bitte stets einen Anteil kurdischer, arabischer und türkischer Kinder von “zusammen nicht unter 50%  verlangen” – sonst bringt es nichts und hat nur Feigenblattfunktion.

Bitte nicht in die ehemaligen Ost-Bezirke umziehen, damit die eigenen Kinder nicht mit DENEN zusammentreffen! Das ist RASSISTISCH!

Es ist besser für die Umwelt, wenn man die  Kinder nicht mit dem PKW Tag um Tag quer durch die Stadt karrt, nur damit sie nicht mit DENEN zusammentreffen. Besser für Deutschland! Besser für die Integration!

Nur auf diese Weise kann man Herrn Sarrazin die rote Karte zeigen. Auf diese Weise kann man beweisen, dass Herr Sarrazin mit seinen rassistischen Äußerungen, für die eine große Mehrheit der SPD-Obrigkeit ihn aus der SPD weghaben möchte, unrecht hat.

Gemeinsam gelingt die zusammenwachsende Stadt!