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Türkei neu erzählen! Deutschland neu erzählen! Familie neu erzählen!

Dienstag, Mai 21st, 2013

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So liebe Landsleute/Vatandaşlar, heute abend kucken wir um 20.15 Uhr aber SAT.1! Ausgestrahlt wird der Film: Almanya – Willkommen in Deutschland.

Türkei neu erzählen! Deutschland neu erzählen! Familie neu erzählen!

Schaut euch diesen großartigen Film an! Da findet ihr noch ein glasklares Bekenntnis zur eigenen Herkunft, zur eigenen Familie, zum  eigenen Heimatland! “Der deutsche Pass ist doch nur ein Stück Papier.”

Noch vor wenigen Jahrzehnten, etwa bis 1968, galt die Familie in Deutschland genau so viel sie wie unseren Almanya-Türken noch heute gilt, sofern sie nicht bereits durch das deutsche Sozialversicherungssystem verwöhnt und verdorben sind.

Die Familie, begründet in der Ehe zwischen Mann und Frau und im Mutter-Kind-Verhältnis, galt bis 1968 auch den Deutschen als die entscheidende soziale Sicherung, während heute die Mehrheit der Deutschen offenkundig dem STAAT und dem staatlichen SOZIALSYSTEM oder schlimmer noch der SOZIALPOLITIK  diese Funktion zuschreibt.

Die Familie, also das Zusammenleben von mindestens zwei durch Abstammung verbundenen Generationen in einem Haushalt wird durch die Gesellschaft und die Sozialpolitik nach und nach planmäßig ersetzt und durch die utopischen Verheißungen der Sozialpolitik nach und nach abgeschafft. Baupolitik, Stadtplanung und Finanzpolitik werden auf die Bedürfnisse der jungen, allein oder zu zweit lebenden Berufstätigen zugeschnitten. Die Hochschätzung des unterscheidend Weiblichen, also des Mütterlichen, jahrtausendelang in fast allen Kulturen und Religionen gehegt und gepflegt, wird beseitigt, die “Nur-Mutter” wird nicht ernst genommen.

Folge: Die Versingelung der Bundesrepublik, die Abschottung der Generationen voneinander schreitet nachweisbar  voran. Bereits heute leben laut dem neuesten, dem achten Familienbericht der Bundesregierung nur noch 40% aller Berliner in Familien, während in den arg rückständigen Bundesländern Bayern und Baden-Württemberg immerhin noch etwa 60% in Familien leben.

Der Staat soll durch geeignete Betreuungseinrichtungen die Fürsorge für die Alten jenseits der 65 und für die Kinder ab dem Alter von 2 Jahren möglichst weitgehend übernehmen, so dass möglichst alle arbeitsfähigen Frauen und alle arbeitsfähigen Männer der Wirtschaft möglichst bruchlos zur Verfügung stehen.  Sollte eine Frau oder ein Mann bewusst zugunsten der Fürsorge für die Älteren oder für die Kinder auf Berufstätigkeit verzichten, werden sie belächelt und verspottet. Denn eine Sprechblase lautet: “Gerade angesichts des demographischen Wandels kann  es sich die Volkswirtschaft nicht leisten, auf den Arbeitseinsatz aller arbeitsfähigen Frauen und aller Männer zu verzichten.”

Dieses kindliche, fast schon religiös zu nennende Vertrauen der Deutschen in den Homo oeconomicus, in den STAAT, in die POLITIK und in das vom STAAT verteilte GELD  halte ich für ein Grundübel.

Der Film Almanya lehrt demgegenüber die zeitüberdauernde, überragende Bedeutung der Familie als der Keimzelle der Gesellschaft. Übrigens habe ich mit etlichen Männern gesprochen, die ganz offen sagen: “Erst dadurch, dass ich heiratete und Vater wurde, habe ich den Ausstieg aus der geradezu schicksalhaft vorgezeichneten Kriminalität geschafft.” Heirat und Vaterschaft sind also für sehr viele Männer ein wesentlicher, ja DER entscheidende Schritt zum Erwachsenwerden.

Die Familie, also das dauerhafte Zusammenleben von mindestens zwei durch Eltern-Kind-Abstammung verbundenen Generationen unter einem Dach, die unlösbare Eltern-Kind-Beziehung ist das große, das unverzichtbare Tragwerk jeder Gesellschaft, die noch ein Interesse an Selbsterhaltung hat. Die Schule lehrt ja derzeit ausschließlich die selbstbewusste frühe Einübung und das frühzeitige Ausüben von Sexualität als Selbstzweck. Familiengründung, Kindererziehung, Kochen, Hauswirtschaft und ähnliche olle Kamellen werden praktisch nicht mehr unterrichtet, stattdessen lernen die Mädchen und Jungen ab Klasse 6  Sex – pur und möglichst früh – sowie den sachgerechten Umgang mit Verhütungsmitteln – Motto: “Ich will’s romantisch – Mach’s mit!”

Ich meine dagegen, wir Eltern sollten die Kinder und Jugendlichen ermuntern und darauf hinerziehen, dass sie wieder vermehrt und eher, also in früheren Jahren heiraten, dann vermehrt Kinder zeugen und wieder in den Kindern einen Segen des Erwachsenenlebens sehen.

Nicht zuletzt im eigenen, übrigens auch im  materiellen, auch im finanziellen Interesse sollten wir das tun.

Denn wie sagt Goethe:

Am Ende hängen wir doch ab
Von denen, die wir machten.

 

Almanya – Willkommen in Deutschland – Film.

http://www.bmfsfj.de/RedaktionBMFSFJ/Abteilung2/Pdf-Anlagen/Achter-familienbericht,property=pdf,bereich=bmfsfj,sprache=de,rwb=true.pdf

“Heiligkeit des Lebens”? Oder: Wer gibt und wer nimmt Leben?

Samstag, März 9th, 2013

Ein heikles Thema zum Welttag der Frauen – das allerdings zum vorigen Thema “Platos perfekte Quotierung des Staates” passt.

ZDF heute brachte einen Beitrag über die zahlreichen durch den Staat erzwungenen oder freiwilligen Abtreibungen in China. Etwa 13 Millionen sollen es pro Jahr sein, bei etwa 18 Millionen Lebendgeburten. Vor allem werden Mädchen abgetrieben, da sie nicht ins Konzept der Familien hineinpassten, wonach die Familie vor allem einen männlichen Stammhalter brauche, und da der Staat die Ein-Kind-Politik durchsetze, komme es zu sehr vielen selektiven Abtreibungen von Mädchen. Die hohe Zahl der in China vorgenommenen Abtreibungen wird im ZDF-Kommentar ausschließlich als schlimmer Eingriff in das Selbstbestimmungsrecht der Frau gewertet.

Allerdings ist jede Überheblichkeit des Westens wegen einer derartigen selektiven Abtreibungspraxis unangebracht. Gestern wurden vom Statistischen Bundesamt die Zahlen zu den Abtreibungen in Deutschland vorgelegt. 106800 Schwangerschaften wurden 2012 in Deutschland abgebrochen. Knapp drei Viertel der Frauen waren zwischen 18 und 34 Jahre alt. 2012 entfielen auf Tausend Geburten in Deutschland 159 Abbrüche (=15,9%). In drei Prozent der Fälle kam es zum Abbruch aus medizinischen Gründen oder weil die Schwangerschaft auf eine Vergewaltigung zurückzuführen war.

Als Gründe für den Schwangerschaftsabbruch hören und lesen wir immer wieder:

1) “Ich will selbst entscheiden, was mit meinem Körper geschieht. Da hat mir niemand dreinzureden.”
2) “Ein Kind passt überhaupt nicht in meine Lebensplanung. Ich muss erst einmal beruflich auf eigenen Beinen stehen.”
3) “Keine Frau entscheidet sich leichten Herzens für einen Abbruch. Also hat auch niemand dreinzureden, vor allem kein Mann. Das muss jede Frau letztlich ganz allein entscheiden.”
4) “Ein ungeborener Embryo ist kein Mensch, zumal ihm das Bewusstsein und die subjektive Erlebnisdimension fehlt, die wir als Voraussetzung für Menschenwürde anzusehen haben. Er ist nur eine Art Vormensch. Er ist eine Art vorübergehender Körperteil der Frau.”

Das Recht der Frauen auf Abtreibung wird sehr oft als Grundrecht der Frauen auf einen selbstbestimmten Körper und eine selbstbestimmte Sexualität gesehen. Ich habe mir einige aktuelle Ratgeber – sogenannte Aufklärungsbücher – für Jugendliche durchgesehen. In keinem wird Abtreibung als moralisches oder ethisches Problem gesehen. Es wird als ein Problem gesehen, bei dem jede Frau letztlich nur auf sich selbst gestellt ist und die Verantwortung ganz alleine übernehmen muss.

Auch im umfänglichen Integrations-Ratgeber der deutschen Bundesregierung aus dem Jahr 2008 wird Abtreibung ausschließlich als administrativ-finanztechnisches Problem dargestellt. Jeder Hinweis im Sinne von “Jedes Kind ist in Deutschland willkommen!” wird strengstens vermieden.

[Beleg: Presse- und Informationsamt der Bundesregierung: Chancen durch Integration. Ratgeber für Familien. Information, Beratung, Hilfe für Zuwanderinnen und Zuwanderer. forum integration. Wir machen mit. Stand: 2007. (unveränderter Nachdruck der 1. Auflage 2008)]

Dementsprechend wäre die geschlechts-selektive Abtreibungspraxis in China nur ethisch verwerflich, sofern sie durch den Staat erzwungen wird, nicht aber sofern die Frauen selbst nach Geschlecht für oder gegen Abtreibung optieren. Die Selbstbestimmung der Frau ist das A und O in der westlichen Darstellung.

Dies entspräche etwa der selektiven Annahme oder Ablehnung bzw. Tötung von neugeborenen Kindern, wie sie dem römischen Familienvater – aber nicht der Mutter – als selbstverständliches Recht bis etwa 319 n. Chr. zustand.

Das “Sanctity-of-Life”-Argument, wie es beispielsweise der australische Philosoph Peter Singer darstellt, taucht freilich in keinem aktuellen Sex-Ratgeber für Jugendliche auf. Verkürzt lautet es so:

1) Menschliches Leben ist prinzipiell unverletzlich oder unverfügbar. Das Leben ist etwas “Heiliges”. Der Mensch soll nicht aktiv entscheiden, welches menschliche Leben weitergeht und welches beendet wird.
2) Wir “haben” unseren Körper nicht wie eine Sache, sondern wir “sind” der Körper und müssen insofern die Normen einhalten, die wir für den Umgang mit lebendigen Körpern grundsätzlich anerkennen. Genau so argumentiert übrigens Immanuel Kant in der Grundlegung zur Metaphysik der Sitten, wenn er sagt, wir sollten in der Sexualität den anderen Menschen nicht als Mittel zum Zweck missbrauchen, nicht als Objekt zur Erreichung der eigenen Befriedigung nutzen.
3) So wie eine Gesellschaft mit dem allerschwächsten und allerwehrlosesten menschlichsten Leben umgeht, so geht sie mit dem menschlichen Leben überhaupt um.

Peter Singer lehnt übrigens dieses Sanctity-of-life-Argument neuerdings entschlossen ab. Es sei rational und philosophisch nicht begründbar, sondern sei aus der jüdisch-christlich-muslimischen, religiös fundierten Mitleidsethik in die europäische Diskussion eingeschleppt worden. Der Trick der Propheten (Mose, Jesus, Mohammed usw.) dabei sei, dass man das Leben als “gottgegeben” hingestellt habe. Und gegen das Gottesargument sei argumentativ nichts auszurichten. Die Berufung auf einen Gott sei nichts anderes als das Gegenteil eines rationalen Arguments. Die völlig irrationale Annahme, das Leben sei eine Gabe Gottes, sei ebenso sinnvoll oder sinnlos wie alle anderen Aussagen, denen kein sinnvoller Bedeutungsgehalt zugeschrieben werden könne.

Auffallend an der gegenwärtigen Gerechtigkeits- und Familiendebatte in Deutschland ist, dass stets das Leben der einzelnen Erwachsenen, das Leben der “richtigen Menschen” also, zum Dreh- und Angelpunkt gemacht wird. Ob eine Gesellschaft gerecht oder ungerecht zu den Frauen ist, wird bei uns danach bemessen, ob sie eine angemessene Quote an gesellschaftlicher und finanzieller Macht erringen können oder nicht. Individuelles Verhalten und politische Maßnahmen werden danach beurteilt, ob sie den erstrebten Zweck – etwa Verringerung der Ungleichheit in der Vermögensverteilung – erreichen.

Keine Partei bringt laut, vernehmlich und überzeugt folgendes Argument, das ich gern mindestens einmal gehört hätte:

“Es ist wichtiger, dass wir als Gesellschaft uns vor allem dem kleinsten und wehrlosesten Leben als barmherzig und hilfreich erweisen. Gerade der unerwünschte Mensch, der kleinste Mensch, der zur falschen Zeit kommt, ist ein Prüfstein für unsere Mitleidsfähigkeit und Barmherzigkeit.  Hierfür bedürfen gerade die allerkleinsten Kinder unseres besonderen Schutzes. Denn sie können ja nicht schreien. Es ist wichtiger, dass wir als Gesellschaft das unvollkommene Menschliche achten, hegen und pflegen, als Frauen mit dem Muster einer starren Quotierung in staatliche Erwartungsmuster hineinzupressen. Jedes menschliche Leben ist willkommen. Leben weiterzugeben, Leben zu hegen und zu pflegen ist schöner und besser als der wirtschaftliche Erfolg und der Reichtum. Und dafür – vor allem dafür – ist nach allem, was wir wissen, die Ehe zwischen Mann und Frau, die sich zu Kindern hin erweitern kann und erweitern soll,  der seit Jahrtausenden unübertroffene Rahmen. Er hat deswegen – und nur deswegen – die Sonderstellung verdient, die ihm vom Grundgesetz zugesprochen worden ist.”

Als Mann und Weib schuf er sie, oder: Subtilen Alltags-Sexismus erkennen und benennen!

Mittwoch, Januar 30th, 2013

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VND SCHUFF SIE EIN MENLIN VND FREWLIN. So übersetzt Martin Luther. “Männlich und weiblich schuf er sie”, würden wir heute mit Rita Maria Steurer wohl übersetzen. Ein Kernsatz der naturgegebenen Unterschiedlichkeit von Mann und Frau, an der die moderne Geschlechterforschung – “Gender studies” – seit etwa 1970 und nicht ohne Erfolg rüttelt!

Ein Beispiel für den subtilen, jahrtausendealten Alltags-Sexismus der herkömmlichen Rollenaufteilung, der letztlich nach der Lehre des strengen Gender Mainstreaming zur Unterdrückung der Frau und des Mannes führen muss, liefert heute wieder einmal die Süddeutsche Zeitung auf Seite 10.

Ich durfte die drei Kinder nicht allein lassen“, erzählt die Ehefrau, hier Gerlinde genannt. Und deshalb spielte  die Politik nur die zweite Geige im Leben der Ehefrau, während der Ehemann, hier Winfried genannt,  groß herauskommen durfte. Typisch Mann, typisch Frau! “Ich kann gut backen und kochen“, “ich bin nur die Mutter meiner drei Kinder“. Wir sehen:  Erkennbar ordnet die Ehefrau die Politik und überhaupt die Außenwirkung, das ganze “Groß-Herauskommen” dem Wohl der Kinder und der Familie insgesamt unter. Die Frau ist stolz auf ihre Rolle als Mutter. Die ganze Politik spielt im Leben der Frau nur die zweite Geige. Die Familie spielt die erste Geige. Man geht wohl nicht fehl in der Annahme, wenn man ihr unterstellt: Solange es der Familie insgesamt gut gut, geht es auch der Ehefrau und Mutter gut. Den Kindern geht es schlecht, wenn sie alleingelassen werden.

Und umgekehrt haben auch uns alle Mütter, denen wir lauschten, immer wieder erzählt: “Wenn es meiner Familie oder einem meiner Kinder schlecht geht, kann ich nicht ruhig sein. Immer muss ich mir dann Sorgen machen. Und die Kinder MERKEN das gar nicht.”

Sehr aussagefähig auch das Foto: Die Frau steht mit beiden Beinen fest auf dem Boden, sie hält und stützt den Mann. Der Mann darf ausgreifen, er darf “ins Leben schreiten”. Sie bewahrt ihn mit festem Griff vor alten Fehltritten, etwa vor seinen  alten Schwärmereien für einen der drei großen, überragenden Diktatoren des 20. Jahrhunderts: Stalin, Mao, Hitler.

Die Schwärmerei für jedweden der drei großen Gewaltherrscher des 20. Jahrhunderts – wie gesagt: Hitler, Mao, Stalin – ist die Verlockung, von der die Frau den Mann zurückholt. Die Frau und Mutter hegt also “die ewigen Güter der Menschheit”, wie dies der Erzkatholik Konrad Adenauer im Jahr 1946 ausdrückte.  Der Mann soll der Frau gehorchen, und er soll nach dem Willen der Frau dem Kult der Gewalt und der Macht, dem Stalin, Mao und Hitler huldigten, widersagen. Die Frau und Mutter soll dem Mann seine Anbetung des falschen Ersatz-Götzen Mao “persönlich ausgetrieben” haben. Die Frau, das “Ewig-Weibliche” gewissermaßen, wie es ein heute weithin belächelter hessischer Heimatdichter sagte, wirkt lehrend, bessernd, begütigend, sittigend, erziehend auf den Mann ein:

Das Ewig-Weibliche
Zieht uns hinan.

Der Mann darf hinaus ins feindliche Leben, darf wirken und streben nach Macht und Einfluss, wie es bei einem heute deutschlandweit belächelten schwäbischen Heimatdichter heißt.  Und siehe da – er schafft es auch. Das Volk liebt diese jahrtausendealte Rollenaufteilung.

Der Mann muß hinaus
in’s feindliche Leben,
Muß wirken und streben
Und pflanzen und schaffen,
Erlisten, erraffen,
Muß wetten und wagen
Das Glück zu erjagen.

Denn das Volk weiß es zuinnerst:  So soll es sein, so war es ja auch jahrtausendelang. Etwas Besseres ist bisher nicht gefunden. Gleichberechtigung der Frau – ja! Völlige Rollenangleichung von Mann und Frau, völlige Vermischung und Verwischung der Rolle von Mutter und Vater – nein! Das will das Volk nicht. Das Volk ist nicht bereit, den Lehrerinnen des Gender-Mainstreaming – etwa in Gestalt einer Judith Butler – zu folgen.

“Des is abr a a runterg’rissener Katholik”, sagt man bei uns im Bairischen, wenn man meint: “Dieser ist aber auch ein Erzkatholik, er ist aber auch ein Katholik bis in die Knochen.”

Die Süddeutsche Zeitung liefert heute auf S. 10 das “runterg’rissene Bild”  der frommen katholischen Ehe, der konservativen christlichen Familie in Schrift und Abbild. Das Volk liebt das. Das Volk will das. So ist es recht. So ist es in der Ordnung. So kann man das ohne jede Änderung als Denkanstoß für die Kinder in den katholischen und evangelischen und islamischen und jüdischen Religionsunterricht und in den Ethik-Unterricht der frommen Atheisten übernehmen. Man muss nicht daran glauben. Aber man sollte es einmal überlegen.

Ich meine, frau sollte diesen gutartigen, gleichwohl höchst kunstvoll gestalteten, diesen subtilen Alltags-Sexismus nicht in Bausch und Bogen verdammen und verbannen, selbst wenn frau nur eine einfache Friedrichshain-Kreuzberger Bürgerin ist.

Konrad Adenauer: Rede in der Aula der Universität Köln am 24. März 1946. http://www.konrad-adenauer.de/index.php?msg=4501
Judith Butler: Gender Trouble. Feminism and the Subversion of Identity. With an introduction by the author. Second edition. Routledge Classics, New York and London, 2007
Roman Deininger: “Ich seh’ mich nicht als Dame”, Süddeutsche Zeituung, 30.01.2013, S. 10
Johann Wolfgang Goethe: Faust. Texte. Herausgegeben von Albrecht Schöne. Deutscher Klassiker Verlag, Frankfurt am Main 1999, S. 464
D. Martin Luther: Die gantze Heilige Schrifft. Deudsch auffs new zugericht. Wittenberg 1545, I. Buch, C. I, 27
Friedrich Schiller: Das Lied von der Glocke. In: Das deutsche Gedicht. Vom Mittelalter bis zur Gegenwart. Herausgegeben von Wulf Segebrecht unter Mitarbeit von Christian Rößner. S. Fischer Verlag, o.O.2005, S. 167-178, hier S. 170
Rita Maria Steurer: Das Alte Testament. Interlinearübersetzung Hebräisch-Deutsch und Transkription des hebräischen Grundtextes nach der Biblia Hebraica Stuttgartensia 1986, Hänssler Verlag Neuhausen-Stuttgart 1989, S. 8

Bild: Die Natur, wie Gott sie schuf. Im Nationalpark Berchtesgadener Alpen.

Mia und Josh

Freitag, Januar 11th, 2013

“In dr Schwyz und au in Dütschland isch de Name Mia 2011 ganz obe uf de Liischte vu de beliebtischte Babyvorname z finde gsi”, berichtete mir gestern ein alemannischsprachiger Bekannter, mit dem ich das Thema der beliebtesten Vornamen anschnitt. Der Eidgenosse hatte vollkommen recht:  Mia, eine verkürzte Koseform des Namens Miriam (hebräisch) oder auch Meryem (arabisch) oder auch Mariam (griechisch), steht seit 3 Jahren unangefochten auf Platz 1 der Liste der in Deutschland beliebtesten Baby-Vornamen.

Dass biblische Vornamen derart stark wiederzulegen, spüre ich hier in Kreuzberg besonders! So lobte ich einmal, während unsere Kurzen im Sandkasten buddelten, beim lockeren Geplauder einen Kreuzberger Mitvater, dass er seinen Sohn Joshua genannt habe: “Das finde ich aber gut, dass ihr euren Sohn durch die hebräisch-englische Form seines Vornamens an den jüdischen Wurzelgrund des Christentums erinnert!” “HÄ?!” Der Mitvater war baff, er wollte als guter Kreuzberger Internationalist einfach einen Namen wählen, mit dem man als schauspielernder Rookie in Hollywood ebenso wie als Hedgefund-Manager an der New Yorker Börse reüssieren kann. Und vor allem wollte er das Kind nicht mit einem deutschen Namen belasten. Joshua oder auch einfach Josh ist einfach so cool! JOSH! Mit Jesus oder dem Christentum hatte er bei der Namengebung gar nichts im Sinn.

Dennoch stimmt es: Jehoshua ist der hebräische Name von Jesus. Es ist schon so: Seine Eltern, – nennen wir sie heute mal auf gut deutsch Mia und auf gut ungarisch Joschka  – die so viel Kummer seinetwegen litten,  als er ihnen im Alter von 12 davonlief, riefen ihn wohl so: “Jehoshua, Jeschukind, wo bist du denn? Melde dich!” Und als sie ihn fanden, hielten sie ihm vor: “Wie KONNTEST du uns DAS antun!” Eine Bitte um Entschuldigung oder auch nur ein Wort des Bedauerns ist von Jesus nicht überliefert, ganz zu schweigen von einem Gelöbnis der Besserung. Er war offenkundig ein nicht steuerbares, nicht immer gehorsames  Kind.

“Ma – è una negra!”, oder: Brauchen wir noch das Bild der guten Mutter?

Dienstag, Dezember 18th, 2012

“Das Bild der guten Mutter verhindert, dass die Menschen in Deutschland mehr Kinder bekommen.” So der Direktor des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung der deutschen Bundesregierung. Wir übersetzen: Wenn wir das Bild der guten Mutter nicht hätten, dann gäbe es mehr Kinder. Die gute Mutter, die für 2 oder 3 Jahre dem Wohl des Kindes Vorrang vor dem eigenen beruflichen Fortkommen einräumt, verhindert es, dass Kinder geboren werden.

In dem 2010 gedrehten Film Basilicata  Coast to Coast wird das Bild einer guten Mutter gezeigt. Auf den Schultern getragen von vier Männern, zu Fuß. Im strahlenden Sonnenschein, hoch droben im jäh zerklüfteten Hochgebirg, abgelegen, bestaunt von fünf abgehalfterten Musikern, die mit Sack und Pack, mit “einem Pferd und vier Eseln” / “con un cavallo e quattro somari”  zu Fuß zu einem Festival tippeln, bei dem sie ihren großen Karriereschritt erwarten.

Wie so oft, treten retardierende Momente in die Handlung ein. Dass hier ein Bild der guten Mutter vorbeigetragen wird, erweist sich erneut als Hindernis im Fortgang der Handlung. Kein Wunder, dass die menschlichen,  allzumenschlichen Esel zu spät bei dem Festival von Scanzano Ionico ankommen. Sie haben sich ablenken lassen und haben sich verirrt. Das Bild der guten Mutter bedeutet gewissermaßen den Karriereknick der guten Musiker!

Kommentar eines Musiker-Esels zu dem Bild: “Ma – è una negra!” Zu deutsch: “Aber – das ist ja eine Negerin!”

Im Film selbst wird gleich die Erklärung nachgeliefert: Dass die gute Mutter häufig als Negerin, also als Schwarz-Afrikanerin (wie man als guter Antirassist heute sagen muss) dargestellt wird, bedeutet, dass die gute Mutter (Miriam wie sie auf Hebräisch, Meryem wie sie auf Arabisch, Maria wie sie auf Italienisch heißt) als universale Mutter zu verstehen ist, als Brücke zwischen den Kontinenten.  Sie ist eine Brücke zwischen Orient und Okzident, aber nicht nur das: Die “Schwarze Madonna”, wie die gelehrten Kunsthistoriker diesen Bildertyp der guten Mutter Miriam/Meryem/Maria  nennen, verbindet auch Afrika, Asien und Europa. Man came out of Africa! Ähnlich wie dies etwa der gute Vater Augustinus von Hippo (heute: Souk Ahras) lehrt, der ebenfalls des öfteren als Neger dargestellt wird.

Den Film Basilicata Coast to Coast von Rocco Papaleo zeigt heute das Kino Babylon in Berlin am Rosa-Luxemburg-Platz um 18.30 Uhr. Man sollte ihn ankucken.

Danach mag jeder sich fragen, ob wir heute noch das Bild der guten Mutter brauchen, oder ob es nicht endlich an der Zeit wäre, das Bild der guten Mutter ersatzlos abzuschaffen. Unsere Gesellschaft ist – kräftig unterstützt durch die Politik – seit etwa 41 Jahren eifrigst damit beschäftigt, dies zu tun.

Sarafine und Naima – eine gute Mutter-Kind-Beziehung ohne Unbehagen an Geschlechterrollen

Montag, November 26th, 2012

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Gutes, vorbildliches Mutterverhalten beobachteten wir gestern im Zoo Leipzig! Das Nashorn-Mädchen Naima (“die Glückliche, die Sorglose” auf Suaheli) weiß seit der Geburt die Mutter stets um sich. Die Mutter kümmerte sich hingebungsvoll, säugte und stillte die Kleine, die bei der Geburt am 10.12.2011 immerhin 37 kg wog, aber jetzt schon das Kleinkindalter hinter sich gelassen hat. Die Mutter erdrückt die Tochter nicht mit Fürsorge, sie lässt ihr nunmehr Freiraum, eigene Wege zu gehen!

Beide Tiere zeigten Wachheit und Interesse an der Umwelt, bewegten sich im Raum, wussten um die Nähe der anderen. Dies gab mir Anlass, über die Wichtigkeit der Mutter-Kind-Bindung bei den Säugetieren nachzudenken.

Etwas weniger als 6000 Säugetierarten (Mammalia) sind weltweit bekannt. Auch unsere eigene Art, der Mensch – homo sapiens sapiens – , gehört zu dieser Klasse. Wir sind in allen biologischen Eigenschaften nichts anderes als eine Art der Säugetiere und teilen mit allen anderen Säugetierarten einige Merkmale, darunter die namengebende Aufzucht der Kinder, eben das “Säugen”. Bei allen Säugern übernehmen die Mütter bald nach der Geburt die Ernährung der Kinder.

Während einige Jahrzehnte lang die Wissenschaft glaubte, die Muttermilch beim Menschen durch eine wissenschaftlich abgesicherte Formel gleichwertig ersetzen zu können, raten heute alle namhaften Ärzte- und Gesundheitsorganisationen nahezu ohne Ausnahmen zum Stillen mit Muttermilch.

Alle Säuger entwickeln durch das Säugen, durch Hegen und Pflegen eine besonders innige Mutter-Kind-Beziehung, nur sehr wenige Säugetierarten ersetzen gelegentlich die leibliche Mutter durch eine Ersatzmutter, die “Amme”. Bei allen Säugern gibt es eine deutlich unterschiedene Profilierung des männlichen und des weiblichen Verhaltens in der Paarung und gegenüber den Jungen – im Gegensatz etwa zu den brütenden Vögeln, bei denen Männchen und Weibchen oft gleiche Aufgaben übernehmen, etwa das Abwechseln beim Brüten, die gemeinsame Futterbeschaffung bei den Geiern.

Im Sozialverhalten gibt es außer der engen Mutter-Kind-Bindung in der ersten Lebensphase des Neugeborenen sonst keine Gemeinsamkeiten unter allen 5000-6000 Arten Säugern! Das Säugen und Stillen, das Hegen und Pflegen des Nachwuchses durch die Mutter sind ein ganz entscheidender Grundzug des natürlichen So-seins aller Säugetierarten. Bei allen Säugern halten sich die Kinder in der ersten Lebenszeit “von Natur aus” ausschließlich im Umfeld der Mutter auf, während der Vater teils anwesend ist, teils als leiblicher Vater überhaupt nicht in den Horizont der Kinder gelangt.

Danach ist nichts mehr so, wie es war. Die Gemeinsamkeiten unter allen Säugerarten verschwimmen und verschwinden. Eine riesige Fülle an Verhaltensweisen stehen etwa nach der frühesten Kindheit den Primaten zu Gebote: Fürsorge, Aggression, Kriege, Gruppenbildung, Versöhnung, Diskrimination und “Rassismus” gegenüber anderen Affenhorden, soziales Lernen, erste Ansätze einer spezifischen Gruppenkultur, einer spezifischen Gruppensprache  – diese vielfachen Ausfächerungen des sozialen Verhaltens von Primaten werden am Primatenzentrum des Zoos Leipzig erforscht.

Entscheidend aber wurde mir die folgende Einsicht gestern überdeutlich klar: Die enge, die nahezu überlebensnotwendige  Mutter-Kind-Bindung ist das entscheidende Merkmal im anfänglichen Erziehungsverhalten aller, wirklich aller Säugetiere.

Wenn behauptet wird, dass in der Erziehung des Säuglings oder des Menschen-Kleinstkindes alles oder fast alles durch kulturelle “Gender”-Konstruktionen bedingt sei, so widerspricht dies allen Befunden, die jeder ökologisch bewusste Naturfreund in Feld und Flur, in Steppe und Busch – aber auch in Zoos gewinnen kann. Dies würde ich gerne einmal im Leipziger Zoo mit Judith Butler besprechen, die kürzlich unter rauschendem Beifall der geistigen Führungsschicht Deutschlands den Adorno-Preis gewonnen hat – und die seit ihrem Buch Gender Trouble genau dies zu unterstellen scheint: Es gibt keine naturgegebenen Geschlechterrollen, alles ist Kultur, alles ist soziale Konstruktion. Judith Butler stellt die Frage nach Mutterschaft nicht. Sie spart diesen entscheidenden Grundtatbestand des Lebenszyklus – das Mutterwerden – höchst vorsorglich aus.

Eine Leugnung des naturhaften Unterschiedes der beiden Geschlechter, wie Judith Butler sie ins Werk setzt, kommt einer Leugnung der Naturgebundenheit des Menschen überhaupt gleich. Es ist eine gewaltige Überhebung, eine Selbstüberschätzung des Menschen, wenn er dies behauptet.

Bild: Vorne Tochter Naima, hinten Mutter Sarafine. Zoo Leipzig, aufgenommen gestern.

Würde ER es mit seinem Lob der Mutter in eine Talkshow schaffen? Jamais!

Dienstag, Oktober 30th, 2012

Die gestrige Betrachtung führte uns zu drei Dichtern – Friedrich Hölderlin, Friedrich Schiller, Heinrich Hoffmann von Fallersleben – die es sicherlich heute nicht mehr in eine Talkshow schaffen würden. Sie wären in höchstem Maße politically incorrect. Mindestens müsste man große Teile ihres Schaffens aussondern und wegsperren. Und das geschieht ja auch mit furiosem Eifer und unerbittlichem Ingrimm. Denn alles, was mit Lob und Hochschätzung von Dingen wie “Mutter”, “Nichtablehnung der früher herrschenden Gender-Zuschreibung”, “Muttersprache” und “Heimatland” zu tun hat oder zu tun haben könnte, unterfällt bei uns in Deutschland seit etwa 1980 offenkundig einem Generalverdacht!

Doch muss und soll die Aussonderung von politisch unerwünschtem Gedankengut nicht an den Landesgrenzen haltmachen! In anderen Sprachen, in unseren Nachbarländern hat sich über 2 Jahrtausende hinweg ebenfalls viel Minderwertiges angesammelt, was dem heutigen Zeitgeist ins Gesicht schlägt! Ein vielgelesener Autor war z.B. in Frankreich Évariste Boulay-Paty. Auch er würde sicherlich sofort weggesperrt, wenn sich jemand unterstünde, das nachfolgende Gedicht über die Mutter der Familie öffentlich zu Gehör zu bringen, geschweige denn es in einer Talkshow zu verteidigen. Lest seinen Lobpreis auf die Mutter. Ich kann was damit anfangen, wenn ich auch den Seitenhieb auf die koketten Frauen, die “Rabenmütter”, die lieber anderweitige Eroberungen suchen, statt sich um die Kinder zu kümmern, etwas übertrieben finde. Ich distanziere mich hiermit  – höchst vorsorglich – von dieser Wortwahl des französischen Dichters.

Dennoch meine ich, dass das französische Gedicht nicht verboten werden sollte. Ich gebe zu bedenken, dass nicht alles, woran die Europäer einhellig bis etwa 1980 glaubten, grundfalsch gewesen sein muss. Und ein solcher Wert, an den alle europäischen Völker einschließlich der europäischen Juden und der muslimischen europäischen Völker (etwa der Bosniaken) glaubten, aber heute nicht mehr glauben, das war der unverzichtbare, der überragende Rang der Mutter und der Mutterliebe. Fragt sie selbst.

La mère de famille.

Elle serre en ses bras les fils qu’elle a nourris ;
Son être maternel se fond dans sa tendresse ;
Son regard est un soin, son geste une caresse ;
Son âme en ses baisers vient sur leurs fronts chéris.

Son chagrin, c’est leurs pleurs, son bonheur leurs souris ;
Elle ne songe point au monde, à son ivresse ;
Hors du cercle adoré qui l’entoure et la presse,
Dans son vaste horizon l’univers est sans prix.

Oh ! qu’elle est au-dessus de ces femmes coquettes,
Oubliant leurs enfants pour chercher des conquêtes !
Je la trouve admirable en sa noble beauté !

Dans l’ombre de la nuit le pur diamant brille ;
Chaste rubis d’amour, ô mère de famille,
C’est ainsi que tu luis dans ton obscurité.

Évariste Boulay-Paty.

“Den deutschen Frauen danket!”, oder: die schönen Seiten des Frauenbildes

Montag, Oktober 29th, 2012

“Den deutschen Frauen danket! sie haben uns
Der Götterbilder freundlichen Geist bewahrt,
Und täglich sühnt der holde klare
Friede das böse Gewirre wieder.”

Wer mag diese deutschnationalen Töne wohl gedichtet haben? So viel sei verraten: es ist ein Dichter, der bei der jüngsten Wahl des Stuttgarter Oberbürgermeisters eine entscheidende Rolle als Wahlhelfer für den obsiegenden Bewerber gespielt hat! Vorname des Dichters wie auch des neuen Oberbürgermeisters: Friedrich, umgangssprachlich auch Fritz. Deutsch von echtem Schrot und Korn!

“Deutsche Frauen, deutsche Treue,
Deutscher Wein und deutscher Sang!”

Wer mag diesen deutschnationalen Ton gedichtet haben? Nun ratet fein! Sein Vorname, Heinrich, umgangssprachlich Heinz.

“Gesang des Deutschen”, “Lied der Deutschen” – in beiden Gedichten werden die deutschen Frauen besonders angerufen. Das hätte nur unter zwei Voraussetzungen Sinn: wenn erstens die deutschen Frauen irgendwie anders als die nichtdeutschen Frauen wären, und wenn zweitens auch die deutschen Frauen irgendwie anders als die deutschen Männer wären.

Sowohl bei Friedrich Hölderlin wie auch bei Heinrich Hoffmann von Fallersleben lässt sich eindeutig erkennen, dass deutsche Frauen anders als deutsche Männer sind oder doch wahrgenommen werden. Ist dies etwas Besonderes? Nein! Über die gesamte Geschichte der Menschheit lässt sich nämlich mit überwältigender Mehrheit eine Unterscheidung der Rolle von Männern und Frauen herausarbeiten, Hölderlin und Hoffmann  sind da keine Ausnahme, sondern sie übernehmen diese uralte Einsicht, dass Männer und Frauen “irgendwie verschieden” sind.

Woher kommt diese Verschiedenheit? Nun, hier scheint oftmals die Erkenntnis eine Rolle zu spielen, dass Frauen Mütter werden können. Es ist ein unleugbarer biologischer Befund, dass der Bestand von Gesellschaften an Mutterschaft geknüpft ist.  Von daher die hohe Wertschätzung, die Mutterschaft und Familie seit unvordenklichen Zeiten weltweit in den meisten Gesellschaften genießen: ob nun als Demeter, als Magna Mater, als Gottesmutter Maria, als Madonna. Der Mutterbilder sind zwar unendlich viele, aber jeder anständige Mensch – so meine auch ich – zollt seiner Mutter wieder und wieder besondere Hochachtung, besonderen Respekt.

Die Mutter ist etwas “Unantastbares”, wer die Mutter eines Mannes beschimpft, beschimpft ihn selbst!

Kaum eine stärkere Beschimpfung ist denkbar als “Hurensohn”, eine Schmähung, wie sie seit einigen Jahren hier in Kreuzberg auf Straßen und Schulhöfen sehr oft zu hören ist. Das weibliche Gegenstück zum “Hurensohn” ist die “Schlampe”, ein Ausruf, der sich seit einigen Jahren ebenfalls größter Beliebtheit erfreut.

“Ach, wenn wir doch nur ein Kind hätten”, seufzt die Frau in Grimms Märchen “Rapunzel”. In alten Märchen werden Frauen geschildert, deren sehnlichster Wunsch es ist, Mutter zu werden.

“Den deutschen Frauen danket!” So Hölderlin!

Wie sehen die deutschen Vorzeigefrauen heute aus? Welches Frauenideal wird heute in Deutschland verkündet?

Die Antwort darauf fällt nicht einfach aus, doch müsste sie in folgende Richtung gehen:  Angestrebt wird heute eine weitgehende Gleichheit der Geschlechter. Der berufliche Erfolg, die gleiche Bezahlung (“equal pay”)  ist der entscheidende Gradmesser der angestrebten Gleichheit.  Wenn Frauen in den Führungspositionen der Wirtschaft und der Politik ebenso stark vertreten sind wie Männer und auch die gleiche Bezahlung bekommen, ist alles in Butter und wir können uns entspannt zurücklehnen! Dann hat die Sozialpolitik alles richtig gemacht!

Mutterwerden gilt gesellschaftlich im heutigen Deutschland nicht als für sich erstrebenswertes Ziel. Ganz im Gegenteil! Jede Frau, die sich etwa unterstünde zu sagen:

“Ich möchte vor allem Mutter werden! Mutter zu sein für meine Kinder, Herrin des Hauses meiner Familie zu sein, wäre ein großer Teil meines Lebenssinnes. Ich möchte gar nicht vorrangig an meinem eigenen beruflichen Erfolg arbeiten. Mir ist der Erfolg und das Glück meiner Familie und meiner Kinder  grundsätzlich wichtiger als mein eigener individueller beruflicher Aufstieg!”

wird in den Medien sofort belächelt oder verachtet. Zwar dürfen Frauen als einzelne Menschen durchaus den Wunsch äußern, Mutter zu werden und eine Familie zu gründen, jedoch wirken sehr starke Kräfte auf sie ein, den Wunsch doch bitte schön zurückzustellen. Wichtiger als Mutterschaft und Familie ist die wirtschaftliche und soziale Selbständigkeit! Mutter werden kann frau später immer noch.

“Die Wirtschaft braucht das Potenzial von Männern und Frauen. Unsere Gesellschaft kann es sich nicht leisten, das wirtschaftliche Potenzial der Frauen ungenutzt zu lassen, gerade in Zeiten des demographischen Wandels! Unsere Volkswirtschaft braucht jede Frau und jeden Mann uneingeschränkt!”

Da Deutschland seit Jahrzenten eine der  niedrigsten Geburtenraten weltweit hat und die Kinder und die zukünftigen Arbeitskräfte bereits jetzt fehlen, müssen die Frauen in die Produktion. Politik und meinungsbildende Presse arbeiten zielstrebig an der Heranbildung oder besser Heranzüchtung eines neuen Frauenbildes.

Welches Frauenbild entsteht daraus? Zunächst einmal: Die Mutterschaft, vor allem die Mehrfach-Mutterschaft ist ein Risikofaktor  für den beruflichen Erfolg und das gesellschaftliche Ansehen der Frau.

Gebraucht wird in den Zeiten des demographischen Wandels die universal einsetzbare Frau bis etwa Mitte 30, bei der all das, was auf Mutterschaft, auf Älterwerden oder das Risiko einer Mutterschaft oder das Risiko des Älterwerdens hindeutet, systematisch weggenommen wird. Nichts Rundes, nichts Überflüssiges, nichts Faltiges, Runzliges oder Fettes darf bleiben bei der marktkonformen Frau!

“Ich weiß genau, dass ich statistisch ein 20-30%-Risiko habe, dass die Frau wegen Mutterschaft auf Teilzeit gehen oder ganz ausscheiden wird. Da kannst du noch so viel Betreuung im Betriebskindergarten oder Flexitime anbieten. Mutterschaft der weiblichen Angestellten ist ein betriebswirtschaftliches Risiko. Dieses bezifferbare Risiko spiegelt sich bei den Gehaltsverhandlungen völlig korrekt wider. Equal-Pay-Forderungen sind unsinnig.” So verriet mir einmal bei einer Tasse Kaffee unter dem Siegel der Vertraulichkeit einE UnternehmerIn.

Gefragt und verlangt ist angesichts des demographischen Wandels die alterslos mädchenhafte oder auch alterslos knabenhafte Frau bis zum Alter von maximal 35, die androgyne Frau, die Frau, bei der man nicht weiß, ob man in des Gesicht eines Jungen oder eines Mädchens blickt. Als wesentliches Knockout-Kriterium für beruflichen Erfolg kann heute “das Mütterliche” gelten, also insbesondere jeder Hauch von Übergewicht.

Die “schönen Seiten”, das bunt bebilderte Magazin der FAZ und der NZZ lieferte an diesem Wochenende eine reich bebilderte Jagd- und Foto-Strecke für die Richtigkeit meiner Analyse: Kati Nescher, Lena Hardt, Luca Gajdus, Corinna Ingenleuf … das sind einige der erfolgreichen deutschen Frauen, deren Ruhm die meinungsbildende Presse weltweit erschallen lässt. Herrlich auch der Name Luca – ein italienischer Männername. Besser kann man das androgyne Ideal der modernen Frau nicht ausdrücken als durch die Wahl eines Männernamens!

Noch einmal: Die Geringschätzung des Mütterlichen, die sportliche, schlanke, rundum fitte Erscheinung ist der hervorstechende Zug des heute vorherrschenden Frauenbildes. Mithilfe von Gender Mainstreaming wird systematisch an dem Verschwinden des Mütterlichen gearbeitet. Ob die Frauen selbst das so wollen, wird nicht gefragt.

Dichter wie Friedrich Hölderlin, Friedrich Schiller oder Heinrich Hoffmann von Fallersleben würden heute keine Minute in der öffentlichen Arena überleben. Sie würden hochkant aus jeder Talkshow geworfen, Männerquote hin, Männerquote her. Hoffmann würde vor allem wegen seines heute weithin verfemten Deutschlandliedes, Hölderlin jedoch vor allem wegen seines allein schon wegen des Titels anstößigen  “Gesangs des Deutschen” rausgeworfen oder zerrissen.

Dass der obsiegende OB-Bewerber Friedrich Kuhn mitten im Wahlkampf allerdings einen von den Franzosen als so typisch deutsch empfundenen Dichter wie Friedrich Hölderlin mit seiner Ode “Stuttgart” zustimmend zitiert, nötigt mir Hochachtung ab. Chapeau, Herr Friedrich! Lassen Sie sich nicht mainstreamen oder gendern!

Den deutschen Dichtern danket!

Quellenangaben:

Jana Drews: “Fräuleins”, in: Z. Die schönen Seiten. Beilage zur Frankfurter Allgemeinen Zeitung und Neuen Zürcher Zeitung. Ausgabe Herbst 2012, 5/12, Seite 27

http://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/mode-design/deutsche-models-auf-dem-vormarsch-fraeuleins-11938891.html

Friedrich Hölderlin: “Gesang des Deutschen”
Heinrich Hoffmann von Fallersleben: “Das Lied der Deutschen.”

Zitiert nach: Das deutsche Gedicht. Vom Mittelalter bis zur Gegenwart. Herausgegeben von Wulf Segebrecht. S. Fischer Verlag, o.O., 2005, S. 189 und S. 252

“Wie ist es, Mutter zu werden?”

Montag, September 17th, 2012

“Geschlechterrollen sind alle nur konstruiert – im Grunde gibt es keine natürlichen Unterschiede zwischen Mann und Frau. GENDER nennt man das heute. Alles nur künstlich konstruiert. Befrei dich von deinem typisch männlichen Spaltungsdenken!” So belehren und versuchen mich zu bekehren immer wieder aufgeklärte Frauen und Männer  aus meinem Umkreis und streuen gern noch ein paar Schnippsel und Streusel aus dem Backwerk der Adorno-Preisträgerin Judith Butler und der unvergessenen Simone de Beauvoir ein.

Ich bleibe störrisch: “Wirklich? Eine Erfahrung, die wir Männer nicht machen können, ist es, ein Kind zu gebären und Mutter zu werden. Wie ist das eigentlich?”, frage ich hinterlistig zurück.

Sofort sprudelt es aus den Müttern hervor: “Davon kannst du als Mann dir einfach keine Vorstellung machen! – Eine unbeschreibliche Erfahrung, die mein Leben in ein Vorher und ein Nachher gespalten hat. – Mutterwerden ist eine Erfahrung, die mich zutiefst verwandelt hat. Ich wurde eine andere! -  Ein Kind gebären ist ein bisschen wie sterben – du glaubst, es geht nicht mehr weiter, … und dann geht es doch weiter. – Als Mutter fühlst du lebenslang eine wahnsinnig innige starke Verbindung zu deinen Kindern … und leider ist das meist einseitig. Die Kinder werden dich in gewisser Weise verlassen, sie müssen lernen, von dir wegzugehen.Aber das könnt ihr Männer nicht verstehen. Das fehlt euch einfach.”

Dies sind einige der häufigen Antworten auf meine unbedarften, unaufgeklärten Fragen – Fragen eines von der Gender-Theorie einer Judith Butler oder Simone de Beauvoir nicht überzeugten Mannes an die Mütter.

Ich würde so sagen: Die Geburt wird mir von den meisten Müttern als unbeschreibliche, zutiefst verwandelnde Erfahrung geschildert, oft als eine todesannähernde Bedrohung, die in die unbeschreibliche Freude mündet, neues Leben hervorgebracht zu haben.

Job, 30% Aufsichtsratsmandate in DAX-Unternehmen, Gender Mainstreaming, Ehegattensplitting, Männerquoten in Kitas, all das verschwindet, wird so klein daneben.

Etwas, was wir Männer so nicht kennen und allenfalls im schöpferischen Akt des Schaffens nachempfinden können.

Von der Freude der Mutterschaft berichtet heute Juli Zeh in der Berliner Morgenpost:

Irgendwann kommt ihr Mann auf den Heuboden gestapft und drückt seiner Frau den kleinen Nelson in den Arm. Blond ist der und flirtig und vergnügt. “Ich hätte nicht gedacht, dass es so viel Spaß macht Mutter zu sein”,sagt Juli Zeh und schwingt das jauchzende Kind ein bisschen durch die Luft. Und wenn heute jemand fragen würde, ob es etwas gebe, das sie bereut, dann dass sie sich nicht schon viel früher getraut habe. “Es wird einem nicht gerade Lust aufKinder gemacht”, sagt sie. Es werde so viel gejammert und”Ein-Kind-ändert-alles-Parolen” neben”Mit-Kind-kannst-du-nicht-einfach-so-weitermachen-Mantras” erzeugten irgendwannden Eindruck, dass Kinder kriegen ein bisschen sei wie sterben. “TotalerQuatsch” sagt Juli Zeh. “Ich hätte mich nie von diesem Ausschließlichkeits-Gerede verunsichern lassen sollen.”

http://www.morgenpost.de/kultur/article109261039/Fuer-die-Autorin-Juli-Zeh-ist-Raushalten-keine-Alternative.html

“Für Kitas statt Betreuungsgeld”, oder: Ist Mutter sein schön?

Montag, Mai 28th, 2012
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Heute zitierte ich bei einem abendlichen Geplauder über die Kindererziehung mit einer Kreuzberger Mutter meine eigene Mutter:

“Ob Mutter sein schön ist, hängt in hohem Maße davon ab, wie der Vater der Kinder ist, aber auch, wie der Vater zur Mutter seiner Kinder ist.”

Zustimmung! Du hattest häufiger recht, als wir 4 Kinder damals erkennen konnten, Mutter – schon damals.

Der Würfel der Debattte um die Alternative zwischen einerseits Betreuungsgeld und andererseits dem forcierten Ausbau der Krippen- oder Kita-Plätze für Kinder von 0 bis 3 Jahren (und nur um diese Kinder von 0-3 Jahren geht es derzeit!) steht auf einer einzigen Ecke – wie gut zu sehen an dem jederzeit zum Fallen geneigten Würfel vor dem Willy-Brandt-Haus!

Jede familienpolitische Debatte, die nicht auch von Ehe und Familie, nicht auch und vor allem von den Bedürfnissen des kleinen Kindes spricht, wird und muss ihr Ziel verfehlen. Sie dreht sich im luftleeren Raum der Zahlen und Budgetvorbehalte.

Die entscheidenden Fragen, wenn wir über das Für und Wider des Betreuungsgeldes sprechen, sind zweifellos – in absteigender Wichtigkeit:

1) Was wollen und brauchen die Kinder im Alter von 0 bis 3 Jahren?

2) Was wollen und brauchen die Frauen, deren Kinder im Alter von 0 bis 3 Jahren stehen?

3) Wie können die Väter diese Mütter unterstützen?

4) Wie können die Gesellschaft und die Politik die Familien unterstützen, deren Kinder im Alter von 0 bis 3 Jahren stehen?

Dies ist das Buch, dem ich derzeit sehr viele Leserinnen und noch mehr Leser wünsche:

Gerda Hampel: Warum ich gerne Frau bin. Ein Buch für Mann und Frau. Rex-Verlag Luzern/Stuttgart, 1981, hier: S. 67