Was blüht uns nach dem Griechenlandpaket III ?

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Aug 182015
 

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Mit größter Eilbedürftigkeit wird der Bundestag morgen aus dem Urlaub zusammengerufen; Rettungspaket Nr. III für Griechenland soll durchgewunken werden. Was verschlägt’s dabei, dass Johannes Singhammer, der Bundestagsvizepräsident, verlangt, dass stets alle EU-Dokumente vor der Abstimmung im Bundestag ins Deutsche übersetzt werden sollen! Johannes Singhammer will offenbar, dass alle Abgeordneten  verstehen, wofür oder wogegen sie stimmen. Ist das ein so unrealistisches Wunschdenken?

Must they understand what they are asked for? Must they realize what they take a vote on? Das ist die Frage! Tja… Ich meine, höchstes Misstrauen ist sicherlich immer dann angebracht, wenn immer wieder besondere „Eilbedürftigkeit“ und besondere „Dringlichkeit“ verkündet wird, wenn keine Zeit für das Verstehen der komplexen, selbst für Muttersprachler kaum verständlichen Dokumente eingeräumt wird, wenn querstehende Kühe im Stall mit der Pike zurechtgerückt werden, um eben mal wieder die Heilige Europäische Währungsunion zu retten.

Erstaunlich querstehend, wenngleich derzeit außerhalb des Stalls weidend: Martin Lindner, der dynamisch-flexible Bundesvorsitzende der FDP: „Ehrlich wäre ein Schuldenschnitt außerhalb des Euro„, sagt er im Tagesspiegel, 16. August 2015, S. 3.

Was blüht uns sonst noch, nach dem Griechenlandrettungspaket Nummer III? Ich meine: Dieses Paket ist als eine Art Generalprobe für weitere Rettungspaketsondereinsätze  anzusehen. Nach und nach spielt sich so eine Rettungsroutine ein, Griechenland mit seinen unerheblichen 2% Anteil am BIP der Eurozone ist eine Art Testlauf für kommende Schwergewichte. Welche anderen Länder stehen auf der Liste?

Was blüht uns sonst noch? Die Prinzessin Leonore von Este, Schwester des Herzogs Alfonso II. von Ferrara, sagt bei Goethe zu Torquato Tasso sinngemäß ungefähr folgendes:

Willst du genau erfahren, was uns blüht,
So frage nur bei klugen Frauen an.
Denn ihnen ist am Meisten dran gelegen,
Daß alles, was uns blüht, bedacht sei.

Richten wir die Frage also an die kluge, moderne europäische Frau von heute, die donna moderna europea, wie der Italiener sagt!

„Dopo la Grecia altri paesi rischiano di fallire?“, fragt ganz unverblümt  die italienische DONNA MODERNA am 28. Juli 2015. „Riskieren nach Griechenland auch andere Länder  den Staatsbankrott?“ Antwort: Ja! An erster Stelle nennt die „Moderne Frau“ Italien, dann der Reihe nach Portugal, Irland, Zypern, Belgien und Spanien. Allerdings nimmt die Donna moderna Belgien und Irland von dem Krisenszenario aus; die Donna moderna meint, Irland und Belgien seien nicht mehr von der Zahlungsunfähigkeit bedroht.

Bleiben derzeit also Italien, Portugal, Zypern und Spanien als mögliche Kandidaten für weitere Rettungspakete. Sie sind nach Einschätzung der DONNA MODERNA weiterhin gefährdet.

Fazit: Griechenlands Rettungspaket III, an dessen Abnicken durch die Parlamente keine Zweifel bestehen, könnte der Auftakt für eine ganze Serie weiterer Rettungspakete werden, in deren Genuss dann neben – erneut – Griechenland auch weitere Länder kommen dürften, an erster Stelle Italien. Nach und nach wird die Rettung zum zeremoniellen Ritus. Es spielt sich ein außervertraglicher Mechanismus ein, auf den sich dann selbstverständlich alle Länder der Eurozone, große wie kleine, berufen dürfen. Warum sollte man Ländern wie Italien, Deutschland, Spanien oder Frankreich das verweigern, was man Griechenland und anderen Ländern bereits mehrfach zugebilligt hat?

Quellenangaben:

Ehrlich wäre ein Schuldenschnitt außerhalb des Euro„. Interview mit FDP-Chef Christian Lindner. In: Der Tagesspiegel. Rerum cognescere causas. 16. August 2015, S. 3

Adriano Lovera: „Dopo la Grecia altri paesi rischiano di fallire?“ In: Donna moderna. Il settimanale che ti facilita la vita. Anno XXVIII, Nr. 31, 28 luglio 2015, S. 46-47

J. W. Goethe: Torquato Tasso. Ein Schauspiel. 2. Aufzug, 1. Auftritt

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Feb 202014
 

Machs mit! 2013-07-09 20.05.03Machs mit! 2013-07-09 20.05.03 Machs mit! 2013-07-09 20.05.03Machs mit! klein 2013-07-09 20.05.03

„Ich will’s soft.“

Wie alt mochte das Mädchen sein, das damals im Juli 2013  offen, herausfordernd gegenüber der Hölderlin-Apotheke in der Kreuzberger Wilhelmstraße seine Lust auf Sex ausdrückt? 14, 16, 19? Es ist schwer zu sagen! Entscheidend bleibt, wie auf diesem Plakat der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung das Thema sexuelle Lust vorgeführt wird:
„Ich will‘s.“ So lesen wir alle es – ob Kind, ob Greis, ob Mann, ob Frau. Sex ist Teil des öffentlichen Lebens. Das Mädchen verkündet Tag und Nacht seine jederzeitige Einsatzfähigkeit und Einsatzwilligkeit.
„Ich will’s.“ Das Ich mit seinem Wollen steht unumschränkt im Mittelpunkt. Das Jetzt steht im Mittelpunkt.
Ich will’s.“ Ein Du ist im Sex nicht nötig.

„Ich will’s …!“

Wichtig ist – so wird es uns gegenüber der Hölderlin-Apotheke eingeschärft – die Verwendung des Kondoms, alles andere ergibt sich schon. „Mach’s – aber mach’s mit!“

Spannend auch: Das blonde, viellleicht 14 Jahre alte Mädchen, oder die junge Frau – wie wir korrekterweise zur Vermeidung von Buh-Rufen sagen müssen – ist Boxerin. Sie fordert den Kampf, sie fordert das unsichtbare Du zum Kampf auf. Sex ist also wie Boxen. Sex ist gewissermaßen eine körperliche Auseinandersetzung in Fairneß und Achtung vor dem Gegner. Einen Unterschied zwischen Mann und Frau darf es dabei nicht geben. Die Frau kann genauso zum Kampf herausfordern wie der Mann. Dies ist die unterschwellig verkündete Botschaft der heutigen Sexualaufklärung, wie sie in Plakaten, in Broschüren und Handreichungen durch Schule und Öffentlichkeit den Kindern und Jugendlichen eingepflanzt wird.

Was kommt heraus? Tja, Freunde, ich stelle fest: In den Köpfen und Herzen der Kinder ist alles schon klar, ehe sie überhaupt ein gewisses Alter, also die Pubertät erreicht haben. „Unsere Jungs und Mädchen wissen hier in Deutschland mit 10 schon vor der Pubertät mehr darüber, wie es gemacht wird, als wir Mütter in unserem reifen Alter von 40!“, lachten einmal zwei migrantische Mütter miteinander, denen ich in der U-Bahn zwischen Wittenbergplatz und Gleisdreieck in ihrer Muttersprache lauschen durfte.

Kein Zweifel: Sex ist in der Welt unserer 10-12 Jährigen etwas Alltägliches geworden. Ein Element des Alltags, wenn auch mit dem dreifachen Risiko AIDS, Schwangerschaft und sexuell übertragener Krankheit behaftet.

Das langsame Hinführen zu allmählich reifender, tastender, erwachender Sexualität kommt in der Bilder- und Erfahrungswelt der Jugendlichen fast nicht mehr vor. Die Bindung ans Du wird nicht mehr bewusst vermittelt. Das Mutter- oder Vater-Werden wird gegenüber den Kindern bereits öffentlich als horrende Gefahr an die Wand gemalt. Die endlos langen Phasen des Wartens, des Schmachtens, des Werbens, des langsamen Annäherns, des Pirschens und Schmeichelns verschwinden aus der Erfahrungswelt der Jugendlichen.

Die Unterschiede zwischen Mann und Frau werden abgeschliffen. Sex ist wie Boxen. Boxen ist wie Sex. In beidem gibt es keine Unterschiede zwischen Mann und Frau. So wird das zunehmend  gelehrt. Dafür gibt es jetzt auch Lehrstühle.

Ein herausragendes Dokument dieser Umerziehung einer ganzen Gesellschaft durch Industrie und Kommerz, durch staatliche Einrichtungen, aber auch durch die Verkünder einer neuartigen Geschlechtergleichstellungs-Ideologie  sind die Plakate der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung mit der zentralen Aufforderung: „Mach’s. Aber mach’s mit.“

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Jetzt aber auch Straßenumbenennungen für weibliche Mordopfer!

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Apr 272013
 

Das Label Silvio Meier hat kaum noch etwas mit meinem ermordeten Freund zu tun.

So schreibt Dirk Moldt, ein Freund des Erstochenen, in der taz. In der Tat, Moldt hat recht. Silvio Meier, der kämpferische Unerschrockene,  hätte dergleichen ersatzreligiösen Opferkult vermutlich empört zurückgewiesen, wie er ihm nun wider Willen widerfährt. Die Umbennung der Gabelsbergerstraße in Silvio-Meier-Straße ist wirklich autozelebratorische Symbolpolitik vom Allerfeinsten. Man könnte auch sagen: Sie ist ein klarer Triumph der Anti-Hitler-Koalition, ein Sieg des ritualisierten Opfergedenkens im grünroten Friedrichshain-Kreuzberg, einer bundesweit bestens ausgewiesenen Hochburg der politisch maskierten, politisch grundierten Gewalt. Friedrichshain-Kreuzberg ist wirklich ein Saatbeet der zum Rechtsbruch geneigten politischen Extremismen. 

Zugleich ist die Straßenumbenennung eine Legitimation für die Fortsetzung des – mitunter gewaltsamen – nachgeholten antifaschistischen Kampfes gegen Mussolini, Hitler, Franco und Metaxas. Was die Deutschen in Deutschland – im Gegensatz etwa zu den Polen – zu Lebzeiten Mussolinis, Lenins, Hitlers, Lenins, Stalins, Maos, Metaxas‘, Francos, also zu Lebzeiten der „großen“ Diktatoren  nicht zustande brachten, nämlich eine breit aufgestellte, organisierte Widerstandsbewegung gegen die italienischen Faschisten, deutschen und österreichischen Nationalsozialisten, Rassisten, Hitleristen, Stalinisten, Nationalkommunisten, Bolschewisten … e tutti quanti im eigenen Lande, das holen die Antifaschisten der neuesten Stunde nunmehr nach. Sie alle, die Hitlergegner, die ein paar Jahrzehnte nach Hitler kommen, setzen sich mit der Silvio-Meier-Straße ein Denkmal der eigenen Großartigkeit.

Man darf darauf warten, wann in Kreuzberg auch einer der zahlreichen in den letzten Jahren praktisch vor unseren Augen ermordeten türkischen Kreuzberger Frauen erstmals durch Straßenumbenennungen gedacht wird. Der von der BVV geforderten Frauenquote im Friedrichshain-Kreuzberger Straßenland täte es gut!

Der von mehreren Zeugen eindeutig identifizierte Mörder der Klientin von Seyran Ateş lebt oder lebte nach seinem Freispruch angeblich unbehelligt im schnuckeligen Kreuzberg. Der Mord geschah in Kreuzberg, hier um die Ecke am U-Bahnhof Möckernstraße.  Und einige andere Morde an türkischen Frauen, von denen niemand etwas wissen will, ebenfalls.

via Straße für Silvio Meier: Das Leben toter Helden – taz.de.

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Zerstörung der Familie durch den völkischen Staat: das vielbeschworene Erziehungsideal Hitlers

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Mrz 062013
 

„Deutschland wird Hitlers Familienbild nicht los.“ So betitelt Antje Rávic Strubel ihre unbewusste Hommage an Hitler in einem flammenden, zornigen Erguss über eines der – wie sie sagt – rückständigsten Länder Europas, nämlich  über – Bayern? Schwaben? Vatikan? – nein: über Deutschland.

http://www.welt.de/kultur/article113632737/Deutschland-wird-Hitlers-Familienbild-nicht-los.html

In der Tatsache, dass so viele Frauen nur in Teilzeit arbeiten, sobald sie Mütter werden, erblicken viele geschworene Frauenrechtlerinnen einen Beweis für die Verhaftung der Deutschen an Hitlers Familienbild – so etwa Karin Bennhold in einem hübschen Artikel für die New York Times. Sie zitiert zustimmend Thomas Sattelberger, den Manager von der Deutschen Telekom:

“There is a very traditional image of women and men that was taken to an extreme in the Third Reich: female mother cult and male fraternity. These mental stereotypes have not yet been culturally processed and purged.”

Was ist dran?

Ich meine: Zu den größten Versäumnissen der deutschen Presselandschaft gehört, dass die Menschen sich zu klug, zu gebildet, zu faul und zu feige sind, um all die Politiker und politischen Denker des 19. und 20. Jahrhunderts, die so viel Schaden angerichtet haben, im Original zu lesen. Selbstverständlich sollte und muss man Karl Marx, Lenin, Mussolini, Stalin, Hitler, Mao, Trotzkij, Che Guevara, Castro und all die anderen in ihren Schriften zur Kenntnis nehmen, ehe man wieder einen so krausgeqirlten  Unsinn über „Hitlers Familienbild“ von sich gibt, wie er regelmäßig die deutschen Feuilletons und die deutschen Plauder- und Plappershows füllt und auch schon die eine oder andere Medienkarriere zerstört hat.

Lohnend ist es, etwa Hitlers Vorstellungen zur Erziehung der Kleinkinder zu lesen. Sie ähneln in ihrer Strenge und auf Höherzüchtung des Menschentums zielenden Grundanlage in mancherlei Hinsicht denen, die Plato für seine Erziehungsdiktatur in Anschlag bringt. Wie Plato unterteilt Hitler den Menschen in drei Schichten: das Körperliche, das Seelische und das Geistige, wobei dem Körperlichen in der Erziehung der Knaben und Mädchen die größte Bedeutung zukommt.

Man lese doch etwa den Abschnitt „Erziehungsgrundsätze des völkischen Staates“ in „Mein Kampf“!  Der Befund beim Lesen Hitlers ist eindeutig: Die Familien werden entmachtet, der völkische Staat regelt die gesamte Kindererziehung von der Geburt an. Der völkische Staat ergreift von der Geburt an in jedem Sinne Besitz von den zukünftigen Kämpferinnen und Kämpfern. „Wenn wir als erste Aufgabe des Staates im Dienste und zum Wohle seines Volkstums die Erhaltung, Pflege und Entwicklung der besten rassischen Elemente erkennen, so ist es natürlich, daß sich diese Sorgfalt nicht nur bis zur Geburt des jeweiligen kleinen jungen Volks- und Rassegenossen zu erstrecken hat, sondern daß sie aus dem jungen Sprößling auch ein wertvolles Glied für eine spätere Weitervermehrung erziehen muß“ usw. usw. Man könnte – wenn man nicht Widerwillen empfände – endlos weiterzitieren.

Die heute in der aufgeklärten Linken so stark beweihräucherte Geschlechterneutralität, also die Gender equality, war ebenfalls bereits ein wichtiges Prinzip der völkischen Erziehungslehre der Nationalsozialisten. Die Grundsätze der körperlichen Fitness (der körperlichen Ertüchtigung, wie Hitler sagt), gelten gleichermaßen für Jungen und Mädchen: „Analog der Erziehung des Knaben kann der völkische Staat auch die Erziehung des Mädchens von den gleichen Gesichtspunkten aus leiten. Auch dort ist das Hauptgewicht vor allem auf die körperliche Ausbildung zu legen, erst dann auf die Förderung der seelischen und zuletzt der geistigen Werte.“

Mütter und Väter sollen sich in den Dienst des ehernen Leitsatzes der völkischen Weltanschauung stellen: „Du Einzelner, du Familie bist nichts, dein Volk ist alles.“ Die Familie fungiert allenfalls als hilfreiche Brutstätte des Völkischen. Die Grundsätze der völkischen, vom Gedanken des Bündischen und des Sozialistischen herstammenden, weitgehend genderneutralen Erziehung im Sinne der NSDAP waren das Gegenteil einer familienzentrierten, mütterzentrierten bürgerlichen Erziehung, wie sie heute gerade von der aufgeklärten Linken immer wieder perhorresziert wird.

Wer heute immer noch dreist und dumm und töricht behauptet, dass Hitlers Familienbild einem Übergewicht des Mütterlichen, einer Überhöhung des Mutterbildes Vorschub geleistet habe, weiß nicht, wovon sie redet.

Nach der deutschen Niederlage, nach dem von Deutschen verschuldeten Holocaust und dem vom völkischen Staat ins Werk gesetzten Massenmord erst besannen sich die Deutschen auf die Eigenständigkeit der Familie. Sie kehrten auf das zurück, was Hitler zerstört hatte: auf den Ewigkeitswert der Familie, der Liebe zwischen Mann und Frau, der Liebe zwischen Eltern und Kindern, die dem Staat vorgelagert ist und sogar ein Bollwerk gegen den totalen Allmachtsanspruch der Politik bildet.

Freundinnen, Freunde, Schwestern, Brüder!  Die deutsche Familiendebatte läuft völlig aus dem Ruder, ist geschlagen von einzigartiger historischer Unwissenheit und Blindheit. Antje Rávic Strubel gebührt unser Dank, dass sie ihre Hommage an Hitler so prominent platziert hat.

Möge sie stellvertretend für alle Deutschen in diesem unserem so rückständigen Land allmählich ihre Verhaftung an Hitlers Familienbild loswerden.

Quellen:

http://www.welt.de/kultur/article113632737/Deutschland-wird-Hitlers-Familienbild-nicht-los.html
Adolf Hitler: Mein Kampf. Verlag Franz Eher Nachfolger, München 1933, S. 451-460, hier bsd. S. 451 und S. 459
Katrin Bennhold: Women Nudged out of German Workforce. In: New York Times, 28.06.2011

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Als Mann und Weib schuf er sie, oder: Subtilen Alltags-Sexismus erkennen und benennen!

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Jan 302013
 

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VND SCHUFF SIE EIN MENLIN VND FREWLIN. So übersetzt Martin Luther. „Männlich und weiblich schuf er sie“, würden wir heute mit Rita Maria Steurer wohl übersetzen. Ein Kernsatz der naturgegebenen Unterschiedlichkeit von Mann und Frau, an der die moderne Geschlechterforschung – „Gender studies“ – seit etwa 1970 und nicht ohne Erfolg rüttelt!

Ein Beispiel für den subtilen, jahrtausendealten Alltags-Sexismus der herkömmlichen Rollenaufteilung, der letztlich nach der Lehre des strengen Gender Mainstreaming zur Unterdrückung der Frau und des Mannes führen muss, liefert heute wieder einmal die Süddeutsche Zeitung auf Seite 10.

Ich durfte die drei Kinder nicht allein lassen„, erzählt die Ehefrau, hier Gerlinde genannt. Und deshalb spielte  die Politik nur die zweite Geige im Leben der Ehefrau, während der Ehemann, hier Winfried genannt,  groß herauskommen durfte. Typisch Mann, typisch Frau! „Ich kann gut backen und kochen„, „ich bin nur die Mutter meiner drei Kinder„. Wir sehen:  Erkennbar ordnet die Ehefrau die Politik und überhaupt die Außenwirkung, das ganze „Groß-Herauskommen“ dem Wohl der Kinder und der Familie insgesamt unter. Die Frau ist stolz auf ihre Rolle als Mutter. Die ganze Politik spielt im Leben der Frau nur die zweite Geige. Die Familie spielt die erste Geige. Man geht wohl nicht fehl in der Annahme, wenn man ihr unterstellt: Solange es der Familie insgesamt gut gut, geht es auch der Ehefrau und Mutter gut. Den Kindern geht es schlecht, wenn sie alleingelassen werden.

Und umgekehrt haben auch uns alle Mütter, denen wir lauschten, immer wieder erzählt: „Wenn es meiner Familie oder einem meiner Kinder schlecht geht, kann ich nicht ruhig sein. Immer muss ich mir dann Sorgen machen. Und die Kinder MERKEN das gar nicht.“

Sehr aussagefähig auch das Foto: Die Frau steht mit beiden Beinen fest auf dem Boden, sie hält und stützt den Mann. Der Mann darf ausgreifen, er darf „ins Leben schreiten“. Sie bewahrt ihn mit festem Griff vor alten Fehltritten, etwa vor seinen  alten Schwärmereien für einen der drei großen, überragenden Diktatoren des 20. Jahrhunderts: Stalin, Mao, Hitler.

Die Schwärmerei für jedweden der drei großen Gewaltherrscher des 20. Jahrhunderts – wie gesagt: Hitler, Mao, Stalin – ist die Verlockung, von der die Frau den Mann zurückholt. Die Frau und Mutter hegt also „die ewigen Güter der Menschheit“, wie dies der Erzkatholik Konrad Adenauer im Jahr 1946 ausdrückte.  Der Mann soll der Frau gehorchen, und er soll nach dem Willen der Frau dem Kult der Gewalt und der Macht, dem Stalin, Mao und Hitler huldigten, widersagen. Die Frau und Mutter soll dem Mann seine Anbetung des falschen Ersatz-Götzen Mao „persönlich ausgetrieben“ haben. Die Frau, das „Ewig-Weibliche“ gewissermaßen, wie es ein heute weithin belächelter hessischer Heimatdichter sagte, wirkt lehrend, bessernd, begütigend, sittigend, erziehend auf den Mann ein:

Das Ewig-Weibliche
Zieht uns hinan.

Der Mann darf hinaus ins feindliche Leben, darf wirken und streben nach Macht und Einfluss, wie es bei einem heute deutschlandweit belächelten schwäbischen Heimatdichter heißt.  Und siehe da – er schafft es auch. Das Volk liebt diese jahrtausendealte Rollenaufteilung.

Der Mann muß hinaus
in’s feindliche Leben,
Muß wirken und streben
Und pflanzen und schaffen,
Erlisten, erraffen,
Muß wetten und wagen
Das Glück zu erjagen.

Denn das Volk weiß es zuinnerst:  So soll es sein, so war es ja auch jahrtausendelang. Etwas Besseres ist bisher nicht gefunden. Gleichberechtigung der Frau – ja! Völlige Rollenangleichung von Mann und Frau, völlige Vermischung und Verwischung der Rolle von Mutter und Vater – nein! Das will das Volk nicht. Das Volk ist nicht bereit, den Lehrerinnen des Gender-Mainstreaming – etwa in Gestalt einer Judith Butler – zu folgen.

„Des is abr a a runterg’rissener Katholik“, sagt man bei uns im Bairischen, wenn man meint: „Dieser ist aber auch ein Erzkatholik, er ist aber auch ein Katholik bis in die Knochen.“

Die Süddeutsche Zeitung liefert heute auf S. 10 das „runterg’rissene Bild“  der frommen katholischen Ehe, der konservativen christlichen Familie in Schrift und Abbild. Das Volk liebt das. Das Volk will das. So ist es recht. So ist es in der Ordnung. So kann man das ohne jede Änderung als Denkanstoß für die Kinder in den katholischen und evangelischen und islamischen und jüdischen Religionsunterricht und in den Ethik-Unterricht der frommen Atheisten übernehmen. Man muss nicht daran glauben. Aber man sollte es einmal überlegen.

Ich meine, frau sollte diesen gutartigen, gleichwohl höchst kunstvoll gestalteten, diesen subtilen Alltags-Sexismus nicht in Bausch und Bogen verdammen und verbannen, selbst wenn frau nur eine einfache Friedrichshain-Kreuzberger Bürgerin ist.

Konrad Adenauer: Rede in der Aula der Universität Köln am 24. März 1946. http://www.konrad-adenauer.de/index.php?msg=4501
Judith Butler: Gender Trouble. Feminism and the Subversion of Identity. With an introduction by the author. Second edition. Routledge Classics, New York and London, 2007
Roman Deininger: „Ich seh‘ mich nicht als Dame“, Süddeutsche Zeituung, 30.01.2013, S. 10
Johann Wolfgang Goethe: Faust. Texte. Herausgegeben von Albrecht Schöne. Deutscher Klassiker Verlag, Frankfurt am Main 1999, S. 464
D. Martin Luther: Die gantze Heilige Schrifft. Deudsch auffs new zugericht. Wittenberg 1545, I. Buch, C. I, 27
Friedrich Schiller: Das Lied von der Glocke. In: Das deutsche Gedicht. Vom Mittelalter bis zur Gegenwart. Herausgegeben von Wulf Segebrecht unter Mitarbeit von Christian Rößner. S. Fischer Verlag, o.O.2005, S. 167-178, hier S. 170
Rita Maria Steurer: Das Alte Testament. Interlinearübersetzung Hebräisch-Deutsch und Transkription des hebräischen Grundtextes nach der Biblia Hebraica Stuttgartensia 1986, Hänssler Verlag Neuhausen-Stuttgart 1989, S. 8

Bild: Die Natur, wie Gott sie schuf. Im Nationalpark Berchtesgadener Alpen.

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„Den deutschen Frauen danket!“, oder: die schönen Seiten des Frauenbildes

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Okt 292012
 

„Den deutschen Frauen danket! sie haben uns
Der Götterbilder freundlichen Geist bewahrt,
Und täglich sühnt der holde klare
Friede das böse Gewirre wieder.“

Wer mag diese deutschnationalen Töne wohl gedichtet haben? So viel sei verraten: es ist ein Dichter, der bei der jüngsten Wahl des Stuttgarter Oberbürgermeisters eine entscheidende Rolle als Wahlhelfer für den obsiegenden Bewerber gespielt hat! Vorname des Dichters wie auch des neuen Oberbürgermeisters: Friedrich, umgangssprachlich auch Fritz. Deutsch von echtem Schrot und Korn!

„Deutsche Frauen, deutsche Treue,
Deutscher Wein und deutscher Sang!“

Wer mag diesen deutschnationalen Ton gedichtet haben? Nun ratet fein! Sein Vorname, Heinrich, umgangssprachlich Heinz.

„Gesang des Deutschen“, „Lied der Deutschen“ – in beiden Gedichten werden die deutschen Frauen besonders angerufen. Das hätte nur unter zwei Voraussetzungen Sinn: wenn erstens die deutschen Frauen irgendwie anders als die nichtdeutschen Frauen wären, und wenn zweitens auch die deutschen Frauen irgendwie anders als die deutschen Männer wären.

Sowohl bei Friedrich Hölderlin wie auch bei Heinrich Hoffmann von Fallersleben lässt sich eindeutig erkennen, dass deutsche Frauen anders als deutsche Männer sind oder doch wahrgenommen werden. Ist dies etwas Besonderes? Nein! Über die gesamte Geschichte der Menschheit lässt sich nämlich mit überwältigender Mehrheit eine Unterscheidung der Rolle von Männern und Frauen herausarbeiten, Hölderlin und Hoffmann  sind da keine Ausnahme, sondern sie übernehmen diese uralte Einsicht, dass Männer und Frauen „irgendwie verschieden“ sind.

Woher kommt diese Verschiedenheit? Nun, hier scheint oftmals die Erkenntnis eine Rolle zu spielen, dass Frauen Mütter werden können. Es ist ein unleugbarer biologischer Befund, dass der Bestand von Gesellschaften an Mutterschaft geknüpft ist.  Von daher die hohe Wertschätzung, die Mutterschaft und Familie seit unvordenklichen Zeiten weltweit in den meisten Gesellschaften genießen: ob nun als Demeter, als Magna Mater, als Gottesmutter Maria, als Madonna. Der Mutterbilder sind zwar unendlich viele, aber jeder anständige Mensch – so meine auch ich – zollt seiner Mutter wieder und wieder besondere Hochachtung, besonderen Respekt.

Die Mutter ist etwas „Unantastbares“, wer die Mutter eines Mannes beschimpft, beschimpft ihn selbst!

Kaum eine stärkere Beschimpfung ist denkbar als „Hurensohn“, eine Schmähung, wie sie seit einigen Jahren hier in Kreuzberg auf Straßen und Schulhöfen sehr oft zu hören ist. Das weibliche Gegenstück zum „Hurensohn“ ist die „Schlampe“, ein Ausruf, der sich seit einigen Jahren ebenfalls größter Beliebtheit erfreut.

„Ach, wenn wir doch nur ein Kind hätten“, seufzt die Frau in Grimms Märchen „Rapunzel“. In alten Märchen werden Frauen geschildert, deren sehnlichster Wunsch es ist, Mutter zu werden.

„Den deutschen Frauen danket!“ So Hölderlin!

Wie sehen die deutschen Vorzeigefrauen heute aus? Welches Frauenideal wird heute in Deutschland verkündet?

Die Antwort darauf fällt nicht einfach aus, doch müsste sie in folgende Richtung gehen:  Angestrebt wird heute eine weitgehende Gleichheit der Geschlechter. Der berufliche Erfolg, die gleiche Bezahlung („equal pay“)  ist der entscheidende Gradmesser der angestrebten Gleichheit.  Wenn Frauen in den Führungspositionen der Wirtschaft und der Politik ebenso stark vertreten sind wie Männer und auch die gleiche Bezahlung bekommen, ist alles in Butter und wir können uns entspannt zurücklehnen! Dann hat die Sozialpolitik alles richtig gemacht!

Mutterwerden gilt gesellschaftlich im heutigen Deutschland nicht als für sich erstrebenswertes Ziel. Ganz im Gegenteil! Jede Frau, die sich etwa unterstünde zu sagen:

„Ich möchte vor allem Mutter werden! Mutter zu sein für meine Kinder, Herrin des Hauses meiner Familie zu sein, wäre ein großer Teil meines Lebenssinnes. Ich möchte gar nicht vorrangig an meinem eigenen beruflichen Erfolg arbeiten. Mir ist der Erfolg und das Glück meiner Familie und meiner Kinder  grundsätzlich wichtiger als mein eigener individueller beruflicher Aufstieg!“

wird in den Medien sofort belächelt oder verachtet. Zwar dürfen Frauen als einzelne Menschen durchaus den Wunsch äußern, Mutter zu werden und eine Familie zu gründen, jedoch wirken sehr starke Kräfte auf sie ein, den Wunsch doch bitte schön zurückzustellen. Wichtiger als Mutterschaft und Familie ist die wirtschaftliche und soziale Selbständigkeit! Mutter werden kann frau später immer noch.

„Die Wirtschaft braucht das Potenzial von Männern und Frauen. Unsere Gesellschaft kann es sich nicht leisten, das wirtschaftliche Potenzial der Frauen ungenutzt zu lassen, gerade in Zeiten des demographischen Wandels! Unsere Volkswirtschaft braucht jede Frau und jeden Mann uneingeschränkt!“

Da Deutschland seit Jahrzenten eine der  niedrigsten Geburtenraten weltweit hat und die Kinder und die zukünftigen Arbeitskräfte bereits jetzt fehlen, müssen die Frauen in die Produktion. Politik und meinungsbildende Presse arbeiten zielstrebig an der Heranbildung oder besser Heranzüchtung eines neuen Frauenbildes.

Welches Frauenbild entsteht daraus? Zunächst einmal: Die Mutterschaft, vor allem die Mehrfach-Mutterschaft ist ein Risikofaktor  für den beruflichen Erfolg und das gesellschaftliche Ansehen der Frau.

Gebraucht wird in den Zeiten des demographischen Wandels die universal einsetzbare Frau bis etwa Mitte 30, bei der all das, was auf Mutterschaft, auf Älterwerden oder das Risiko einer Mutterschaft oder das Risiko des Älterwerdens hindeutet, systematisch weggenommen wird. Nichts Rundes, nichts Überflüssiges, nichts Faltiges, Runzliges oder Fettes darf bleiben bei der marktkonformen Frau!

„Ich weiß genau, dass ich statistisch ein 20-30%-Risiko habe, dass die Frau wegen Mutterschaft auf Teilzeit gehen oder ganz ausscheiden wird. Da kannst du noch so viel Betreuung im Betriebskindergarten oder Flexitime anbieten. Mutterschaft der weiblichen Angestellten ist ein betriebswirtschaftliches Risiko. Dieses bezifferbare Risiko spiegelt sich bei den Gehaltsverhandlungen völlig korrekt wider. Equal-Pay-Forderungen sind unsinnig.“ So verriet mir einmal bei einer Tasse Kaffee unter dem Siegel der Vertraulichkeit einE UnternehmerIn.

Gefragt und verlangt ist angesichts des demographischen Wandels die alterslos mädchenhafte oder auch alterslos knabenhafte Frau bis zum Alter von maximal 35, die androgyne Frau, die Frau, bei der man nicht weiß, ob man in des Gesicht eines Jungen oder eines Mädchens blickt. Als wesentliches Knockout-Kriterium für beruflichen Erfolg kann heute „das Mütterliche“ gelten, also insbesondere jeder Hauch von Übergewicht.

Die „schönen Seiten“, das bunt bebilderte Magazin der FAZ und der NZZ lieferte an diesem Wochenende eine reich bebilderte Jagd- und Foto-Strecke für die Richtigkeit meiner Analyse: Kati Nescher, Lena Hardt, Luca Gajdus, Corinna Ingenleuf … das sind einige der erfolgreichen deutschen Frauen, deren Ruhm die meinungsbildende Presse weltweit erschallen lässt. Herrlich auch der Name Luca – ein italienischer Männername. Besser kann man das androgyne Ideal der modernen Frau nicht ausdrücken als durch die Wahl eines Männernamens!

Noch einmal: Die Geringschätzung des Mütterlichen, die sportliche, schlanke, rundum fitte Erscheinung ist der hervorstechende Zug des heute vorherrschenden Frauenbildes. Mithilfe von Gender Mainstreaming wird systematisch an dem Verschwinden des Mütterlichen gearbeitet. Ob die Frauen selbst das so wollen, wird nicht gefragt.

Dichter wie Friedrich Hölderlin, Friedrich Schiller oder Heinrich Hoffmann von Fallersleben würden heute keine Minute in der öffentlichen Arena überleben. Sie würden hochkant aus jeder Talkshow geworfen, Männerquote hin, Männerquote her. Hoffmann würde vor allem wegen seines heute weithin verfemten Deutschlandliedes, Hölderlin jedoch vor allem wegen seines allein schon wegen des Titels anstößigen  „Gesangs des Deutschen“ rausgeworfen oder zerrissen.

Dass der obsiegende OB-Bewerber Friedrich Kuhn mitten im Wahlkampf allerdings einen von den Franzosen als so typisch deutsch empfundenen Dichter wie Friedrich Hölderlin mit seiner Ode „Stuttgart“ zustimmend zitiert, nötigt mir Hochachtung ab. Chapeau, Herr Friedrich! Lassen Sie sich nicht mainstreamen oder gendern!

Den deutschen Dichtern danket!

Quellenangaben:

Jana Drews: „Fräuleins“, in: Z. Die schönen Seiten. Beilage zur Frankfurter Allgemeinen Zeitung und Neuen Zürcher Zeitung. Ausgabe Herbst 2012, 5/12, Seite 27

http://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/mode-design/deutsche-models-auf-dem-vormarsch-fraeuleins-11938891.html

Friedrich Hölderlin: „Gesang des Deutschen“
Heinrich Hoffmann von Fallersleben: „Das Lied der Deutschen.“

Zitiert nach: Das deutsche Gedicht. Vom Mittelalter bis zur Gegenwart. Herausgegeben von Wulf Segebrecht. S. Fischer Verlag, o.O., 2005, S. 189 und S. 252

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Brauchen Männer Models?

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Dez 012010
 

viadrina-20102010007.jpg Die grünen Männer sprechen sich – wie dieses Blog berichtete – recht unverblümt für Models aus:

„Wir wollen role models aus Sport, Medien, Politik und Kultur, die nicht den Macker spielen müssen, weil sie eben selber stark genug sind, auch schwach sein zu dürfen.

Dies erstaunt. Models sind doch oft so un-grün! Diese Models – derzeit angesagt: Julia Stegner, Doutzen Kroes, Toni Garrn usw. – wirken oft nicht naturwüchsig, sondern auf ein bestimmtes mädchenhaftes Weiblichkeitsbild hinfrisiert. Wie ist das mit dem grünen, dem naturnahen, umweltfreundlichen  Menschenbild vereinbar?

Wie? Ich liege falsch? Ach so … jetzt dämmert es mir! Role models – das heißt ja Vorbilder. Ach so! Männer brauchen also Vorbilder. Das ist richtig.

Jungen brauchen Vorbilder – den guten Vater, den tüchtigen Lehrer, den fleißig schaufelnden Lokomotivführer, den behütend-freundlichen Polizisten, den strengen Fußballtrainer.

Warum sagt ihr das nicht gleich? Wollt ihr denn einfache Bürger ausschließen, die nicht so gut Englisch können wie ihr, o ye‘ faithful green men?

Diese Sucht, alle unbequemen oder unanständigen oder unzeitgemäßen Dinge mit englischen Tarnbezeichnungen zu verhüllen, finde ich ziemlich billig (cheap)! Ist das noch die Sprache Goethes, Schillers, Heinrich Bölls, der Gebrüder Humboldt? Neben dem offenbar unzüchtigen Wort „Vorbild“ (role model), das man offenbar nicht mehr in den Mund nimmt, fallen mir auf: „Gemeinde oder Gemeinschaft“ (heißt jetzt community), „Geschlecht“ (heißt gender), „Forschung“ (studies), „Leben“ (life), „sei!“ (be!) usw.

Übrigens: Nanni Moretti, der italienische begnadete Darsteller, rastet in dem Film Palombella rossa aus, als eine sehr sehr nette Italienerin ihm sagt:

„Il suo ambiente è molto cheap.“ Das ist zu Deutsch: „Ihr Umfeld ist sehr cheap.“

Er kriegt einen Tobsuchtsanfall, weil eine Frau in einem Gespräch über Feminismus ein solches englisches Tarnwort verwendet. Wie cool ist das denn. Die Worte sind wichtig!

Schaut selbst:

YouTube – Le parole sono importanti

Bild: Humboldt Viadrina School of Governance, Berlin, Wilhelmstraße

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Feb 042010
 

Mit besonderer Freude reihte ich mich kürzlich in die Schar der Gratulanten ein, als im CDU-Kreisverband Friedrichshain-Kreuzberg Tanja Woywat zur stellvertretenden Kreisvorsitzenden gewählt wurde. Ein guter, ein mutiger Schritt! Die Frauen-Union war auch die erste CDU-Parteigliederung, die mich als Gast zu einem meiner kommunalpolitischen Kernthemen – der von Männern gern belächelten Fahrradpolitik – eingeladen hat. Dafür gebührt ihr mein fortfahrender Dank.

Sicher muss man einräumen: manchen Frauen und Männern reicht das noch nicht. Sie verlangen eine gleichberechtigte Frauenbeteiligung an allen Parteiämtern. Sie verlangen die völlige Gleichstellung, also z.B. die Quotierung. Das haben die Grünen mit ihrer berühmten „Doppelspitze“ so gehalten. Neben Renate Künast stellen sie nominell gleichberechtigt Jürgen Trittin. Dies erinnert an das Kollegialitätsprinzip der alten römischen Senatsrepublik: 2 Konsuln, 2 Quaestoren usw.  Ein Vorbild für die anderen Parteien?

Das könnte bedeuten: Neben die Bundesvorsitzende müsste ein gleichberechtigter Bundesvorsitzender treten. Denn selbstverständlich gölte der Gleichstellungsgrundsatz auch für Männer. Wir bräuchten dann unter Umständen die „Jungenförderung“. Und dann sollten alle Ämter im „Reißverschlussverfahren“ vergeben werden. So schrieb die bekannte, von einer Frau geführte Einrichtung „BMFSFJ“ bereits im Jahr 2008:

BMFSFJ – Politik für Frauen und Männer
Entscheidungspositionen müssen in gleichem Umfang von Frauen und Männern besetzt werden – in der Wirtschaft und in der Politik. Frauen brauchen die gleichen Chancen und die gleichen Möglichkeiten. Sie dürfen nicht länger schlechter bezahlt werden.

Dies ist nur erreichbar, wenn die ungleiche Verteilung unbezahlter Fürsorge- und Hausarbeit zwischen Männern und Frauen überwunden und tradierte Rollenmuster erweitert werden, die vor allem Mütter und Väter daran hindern so zu leben, wie sie es sich wünschen.

Ich habe die Forderung nach mehr Frauen in der Politik immer unterstützt. Ja, ohne das Vorbild einiger bedeutender CDU-Frauen wäre ich wahrscheinlich nicht zu diesem Zeitpunkt (01.05.2007) in der CDU gelandet. Unter Helmut Kohl bin ich und wäre ich – trotz des geeigneten Alters – nicht in die CDU eingetreten. Das ist nun mal so. Im Bundestagswahlkampf habe ich namentlich, ausdrücklich und mit nicht unbeträchtlichem zeitlichem Einsatz zwei Frauen unterstützt, nämlich die Wahlkreiskandidatin in Friedrichshain-Kreuzberg und die Kanzlerkandidatin der Christlich-Demokratischen Union Deutschlands. Ich war aktives Mitglied des Teams.

Trotzdem muss ich sagen: Ich habe diese und andere Frauen nie deswegen unterstützt, weil sie Frauen sind, sondern weil ich ihre politische Arbeit und ihre Ansichten unterstützenswert finde. Ich hege zwar die Vermutung, dass die deutsche und europäische Politik insgesamt von einem höheren Frauenanteil profitieren würde. Aber eine starre Quote? Bisher konnte mich das starre Quotenmodell in der Politik nicht überzeugen. Die Leistung muss zählen. Und dass Frauen oft Wertvolleres leisten als ihre männlichen  Mitbewerber um dieselben Posten, das habe ich mehrfach in diesem Blog zu belegen versucht.

Ich habe bereits bei meinem ersten CDU-Kreisparteitag am 01.12.2007 Kinderbetreuung  gefordert und erhalten. Und ich war der einzige, der sie dann in Anspruch nahm. Nur dank der Kinderbetreuung konnte ich den Parteitag ohne zusätzliche Kosten besuchen und die von mir zahlreich eingebrachten, oft abgelehnten Anträge verteidigen. Die anderen Männer und Frauen brachten keine Kinder und auch keine Enkelkinder mit. Wer passte auf sie auf?

Oh Leserinnen, wenn ihr mir das nicht abnehmt, blättert zurück in dieser neu angelegten Kategorie  „Frauen und Männer in der Polititk“. Diskutiert mit! Streitet euch mit mir!

Also Frauen – ermannt euch doch bitte! Rein in die Polit-Puschen! Wenn ihr besser seid als die Männer, werde ich euch wählen. Allerdings: Wenn der männliche Kandidat mir besser scheint – dann werde ich den Mann wählen.

Einsatz, Leistung, Fleiß, Klugheit, Ernsthaftigkeit, Demut, Sachlichkeit – das sind die Eigenschaften, die ich mir von Politikerinnen und Politikern wünsche. Wie lange einer das Parteibuch hat, ist nebensächlich. Diese genannten Tugenden stehen beiden Geschlechtern offen.

 Posted by at 13:33
Feb 162009
 

Immer wieder habe ich in diesem Blog meine Schwäche für starke, unabhängige Frauien bekundet: Seyran Ateş, Necla Kelek, Vera Lengsfeld, Gülden Sahin … und noch einige andere: Sie alle haben gemeinsam, dass sie sich in einem männlich dominierten Umfeld behaupten. Sie haben die bequeme Anpassung an patriarchalisches Herrschaftsdenken aufgekündigt.

Doch bei aller Hochschätzung – eines mache ich nicht mit: Wenn nämlich das Altersargument herhalten muss, um männliche Politiker abzustempeln. So berichtet Gerd Langguth, wie Angela Merkel vor dem Sturz Helmut Kohls sich beschwert haben soll, die Herrschaft der alten Männer in der CDU dauere schon viel zu lange. Ich meine: gerade den ganz alten Männern hat die Bundesrepublik einiges zu verdanken – man denke nur an Adenauer, man denke an die immer noch unübertroffen hellsichtigen Einwürfe des Altkanzlers Schmidt. Bitte mehr von solchen alten Männern!

In dieselbe Kerbe haut offenbar auch Halina Wawzyniak. Die Süddeutsche berichtet über Aussagen des Bundesfraktionsvizevorsitzenden Ramelow zur Kandidatenfrage:

Bundespräsidentenwahl – Die Linke streitet weiter – Politik – sueddeutsche.de
„Die Herren über 50“

Die stellvertretende Parteivorsitzende Halina Wawzyniak kritisierte Ramelows Äußerungen scharf. „Es kann nicht sein, dass die Herren über 50 sich einigen, und ich erfahre daraus aus der Zeitung“, sagte sie der FR zufolge.

In einem Brief an ihre Genossen forderte sie, wenigstens darüber informiert zu werden, wenn eine Entscheidung gefallen sei. Das Vorgehen der überwiegend männlichen Parteispitze wolle sie in der kommenden Vorstandssitzung Ende August erörtern. Dann wolle sie auch wissen, ob sie als gewählte Funktionsträgerin eingebunden werde, „oder ob ich mir den ganzen Quatsch sparen kann“.

Was bedeutet dies, wenn eine stellvertretende Bundesvorsitzende erst hinterher erfährt, dass ihre Partei ganz eigene Wege geht, dass die berüchtigten Herren über 50 das Sagen haben? Nun, es legt die Vermutung nahe, die jungen frischen Gesichter, mit denen die Linke ans Wahlvolk tritt, seien nur vorgeschoben, und dahinter zögen die alten Seilschaften der „Herren über 50“ die Strippen. Das wäre nicht gut fürs Ansehen! Denn es gäbe all jenen Oberwasser, die behaupten, letztlich sei die heutige Linke doch nur eine Fortsetzung der SED mit anderen Gesichtern vorne drauf gepappt. Ist das ganze alles nur Quatsch?

Was ist dran richtig, was falsch? Nun, man kann morgen im Café Sybille Frau Wawzyniak direkt fragen.

 Posted by at 13:14
Okt 312008
 

Immer wieder schafft es Berlins CDU-Spitze mit ihrer Dauerführungskrise in die überregionale Presse. FAZ, Spiegel, Focus, Welt – sie alle machen sich weidlich lustig über diese legendär streitsüchtige Führungstruppe einer vormals wichtigen Partei mit immerhin 12500 Mitgliedern, bei deren Führungszirkel nicht klar ist, ob er politisch noch irgendwelche Inhalte vertritt.  Es fällt auf, dass niemand außerhalb der Stadtgrenzen Berlins die hochtrabend „Hauptstadt-CDU“ genannte Vereinigung derzeit noch ernst nimmt. „Klüngelverein“, „Kungelrunden“, „Old Boys Network“ und was dergleichen lustige Spöttereien mehr sind. So schreibt heute Mechthild Küpper in der seriösen Frankfurter Allgemeinen Zeitung:

 Berliner CDU: „Eine verkrustete und verstaubte Partei“ – Länder – Politik – FAZ.NET
Am Mittwochabend rechneten im gut besuchten Plenarsaal des ehemaligen West-Berliner Regierungssitzes Funktionäre, ehemalige Amtsträger und die Basis aus drei Kreisverbänden mit den vermeintlichen Verursachern des „desaströsen Erscheinungsbildes“ der CDU ab. „Hier beginnt etwas ganz Neues“, sagte die Bundestagsabgeordnete Monika Grütters. Zum ersten Mal werde die Basis „ernst genommen“.

Das ist nicht ganz richtig. Denn dass Henkel, der nach der Abwahl von Friedbert Pflüger Fraktionsvorsitzender wurde und gegen seine ursprüngliche Absicht nun auch die Partei führen soll, der neue starke Mann der Union ist, steht schon fest. Über die Neubesetzung hat wie üblich der „stabil gepflegte Freundeskreis“ entschieden, wie sich das Grüppchen der West-Berliner Kreisvorsitzenden gern nennt, das die Geschicke der CDU lenkt. Zu entscheiden hat die Basis bis auf weiteres nichts. Doch zeigen die Aussprachen, wie die Stimmung in der Partei ist.

Was lernen wir daraus? Küpper scheint nicht Schmitt und Pflüger für die echten Auslöser der Krise zu halten, sondern die Truppe um Schmitt, Landowsky, Henkel und Diepgen. Henkel hätte sich demzufolge an die Macht geputscht, indem er Pflüger in den Wahnsinn trieb und anschließend Ingo Schmitt erfolgreich die Hauptschuld am desaströsen Zustand der Berliner Union zuschob. Ein großer Teil der Springer-Presse arbeitete ihm dabei zu, Grütters gibt die Rolle des liberalen Feigenblatts, das für das Haifischbecken der Berliner CDU viel zu zart war.

Dies wäre eine sehr bedenkenswerte Vermutung. Ein genaues Studium der Verlautbarungen Pflügers und Henkels in den Monaten April bis Juli 2008 scheint dafür zu sprechen, dass die Arbeitshypothese von Mechthild Küpper zutrifft. Letzten Aufschlus darüber könnten nur Gespräche mit den Beteiligten liefern.

 Posted by at 18:57

Wie verhalten sich die Frauen?

 Donna moderna  Kommentare deaktiviert für Wie verhalten sich die Frauen?
Okt 312008
 

Was will das Weib?, fragte Freud. Wie verhalten sich die Frauen?, fragen wir.

Ich meine: Frauen sind in Krisenzeiten die besseren Führungsgestalten. Alte Mythen und Märchen beweisen: Wenn das Chaos kocht, muss Gaia, das „Erdhafte“, die Basis, heran. Deshalb, Frauen: schließt euch in Zeiten der Unübersichtlichkeit zusammen, tretet nach vorne. Bildet Teams! Lernt von Merkel!

Politik darf kein bloßes Verschieben und Zuordnen von Posten, Ämtern, Mandaten und Pfründen sein. Sie ist es auch – aber irgendwo muss noch erkennbar sein, dass der Mann auch ein politisches Anliegen hat. Und das ist nicht immer der Fall.

Gefragt ist Demut, Redlichkeit, Ehrlichkeit, sachliche, ruhige Arbeit – nicht Intrigenwirtschaft,  Hauen und Stechen, Einschüchterung der innerparteilichen Gegner.

Allein die Art, wie sich jemand nach vorne putscht, kann ihn schon für das angestrebte Amt disqualifizieren. Egal, ob er bei Ausbruch des Chaos die Nummer 1, 2, oder die Nummer 3 war.

Frauen verhalten sich meist verantwortlicher gegenüber dem Gemeinwesen. Als die CSU in Bayern 20% verlor, trat die Generalsekretärin zurück. Sie übernahm die Verantwortung. Denn der Generalsekretär ist politisch für den Gesamtauftritt der Partei verantwortlich. Niemand hätte im so erfolgreichen Bayern im Traum daran gedacht, den Generalsekretär unmittelbar danach zum Landesvorsitzenden zu machen. Es wäre doch ein Treppenwitz gewesen, wenn man diejenigen, die das Chaos maßgeblich verursacht haben, anschließend noch einmal vorne hingestellt hätte. Niemand hätte das in Bayern verstanden. Niemand hätte das in Brandenburg verstanden. Aber jeder würde so etwas in Berlin verstehen, oder irrt sich der unparteiische Blogger? Es ist das Land der ewigen Wiederkehr, man kann hier einfach nicht sterben.

Postenschieberei hin, Pfründenwirtschaft her.

In der Demokratie gibt es keine Mandate auf Vorrat, jeder muss bereit sein, nach dem Scheitern in der Politik wieder in seinen alten Beruf zurückzukehren.

Ehemaliger CDU-Chef bringt Frank Henkel in Bedrängnis – DIE WELT – WELT ONLIN

 Posted by at 11:25

Mann dreht einsam seine Runden, Frau räumt auf

 Donna moderna  Kommentare deaktiviert für Mann dreht einsam seine Runden, Frau räumt auf
Okt 282008
 

man_und_frau.jpg Liebe Freundinnen und Freunde, Bloggerinnen und Blogger, wir betonten schon: Dies ist ein werbe- und beleidigungsfreies Blog. Eigentlich. Aber gestern konnte ich nicht widerstehen: Ich radelte zum Penny in der Bergmannstraße und kaufte nach Herzenslust Spielzeug. Ich stand vor dem Turm an Herrlichkeiten. Nagende Zweifel überfielen mich: Was sollte ich für meinen Sohn und mich nehmen? Die gigantische Modell-Auto-Rennbahn MONTE CARLO für Euro 39.99 – oder doch lieber den Reinigungstrolley mit batteriebetriebenem Staubsauger u.v.m. für Euro 24.99? Ich stand in der Verantwortung! Ich hätte die Mauer der Geschlechterrollen durchbrechen können, hätte mehrere tausend Jahre Geschlechterungerechtigkeit mit einem einzigen Kauf zuschanden machen können. Die EU hätte mich unterstützt in meinem furchtlosen Kampf gegen die herkömmliche Rollenverteilung in Familie, Politik, Religion und Gesellschaft, als welche da lautet: Die Männer drehen einsam ihre Runden, die Frauen räumen hinterher auf.

Bloggerinnen und Blogger! Ich hab es nicht geschafft. Ich bin schwach geworden. ICH HABE GESÜNDIGT! Ich habe die Rennbahn gekauft! Furchtbar! Frauen, bitte verzeiht! Ich gestehe: Der Reinigungstrolley ist für mich ungefähr so attraktiv wie ein Paar kratzende Filzpantoffeln. Warum soll ich uns Männern das antun? Ich finde es spannender, mit Autos um die Kurven zu flitzen, als mühsam den Dreck zu beseitigen, den andere hinterlassen haben. Ist das so schlimm? Bin ich böse? Nein! Ich habe nichts Böses getan! Als ich die Rennbahn kaufte. Und das ist auch gut.

Zurück zur ernsthaften Politik! Eine Betrachtung jüngster politischer Vorgänge in Staat und Gesellschaft erwies wieder und wieder: Die Männer, diese großen Jungs, drehen einsam ihre Runden in ihren tollen Kisten, BMW, Audi, Daimler. Wir lieben das. Man sagt dann im Volksmunde gerne: „Der dreht frei“, oder: „Man weiß nicht, wo er in den nächsten dreißig Minuten hinfährt!“ Alles typische Aussagen für Politiker, die es nicht gelernt haben zu kommunizieren, Teams zu bilden, berechenbar und verlässlich zu sein. Solche Politiker fahren alles an die Wand, wenn man sie nicht zum Aussteigen anhält. Sie haben die Politik mit einem Sandkasten verwechselt.

Den Frauen wird dann die ehrenvolle Aufgabe zugedacht, hinterher zu räumen. Gerne auch im Doppelpack: Mann steht vorne, Frau soll aufräumen. Das kann man wieder und wieder beobachten.

Im Klartext: Wir Männer allein können es nicht. Und ihr Frauen allein – wollt es nicht. Ich behaupte: Die meisten Frauen wollen nicht ganz vorne stehen. Sie wollen die Macht nicht wirklich. Und die meisten Männer können es allein auch nicht. Sie kämpfen sich – jeder für sich – nach vorne, stoßen Mitbewerber zur Seite, bis kaum einer mehr übrigbleibt. Und vorne angelangt – wissen sie nichts mit der Macht anzufangen.

Jetzt gilt es, aus solchen Geschehnissen die Lehren zu ziehen:

Männliches“ Machtstreben, „weibliche“ Teamfähigkeit müssen vereinigt werden. Teams ohne Führungsanspruch werden nichts bewegen können. Nackter Führungsanspruch ohne Team fährt an die Wand, scheitert blind.

Die jüngste Zeitgeschichte lehrt: Nur zusammen sind wir stark.

 Posted by at 09:43

Gelangen Frauen anders zur Macht?

 Donna moderna, Helmut Kohl  Kommentare deaktiviert für Gelangen Frauen anders zur Macht?
Okt 252008
 

rennbahn.jpg Immer wieder begegne ich Frauen, die kompetenter, sympathischer, klüger und ehrlicher sind als männliche Mitbewerber in ähnlichen oder sogar höheren Positionen. Warum gelangen diese Frauen dann meist nicht nach oben, obwohl sie doch eigentlich die besseren Argumente auf ihrer Seite haben? Denn sie wissen mehr, sie können besser reden, sie können Sachverhalte besser analysieren, sie legen die besseren Vorschläge auf den Tisch.

Hier meine ich aus eigener Erfahrung: Den meisten Frauen fehlt jener Hunger auf Macht, jenes Geltungsbedürfnis, das männliche Mitbewerber mehr oder minder geschickt verbergen, das uns aber doch antreibt! Wir Männer wollen gern „groß herauskommen“, und dafür arbeiten wir von Kindesbeinen an: Wir spielen Rennautobahn, spielen Ritter, wir raufen und streiten im Schulhof, kämpfen um Geld, Macht, Wissen und Sex – und zwar einen großen Teil unseres wachen Lebens.

Den klügeren, kundigeren, freundlicheren Frauen fällt dann bei Zank und Hader der männlichen Rabauken meist die Rolle der Vermittlerinnen, der Friedensstifterinnen, der Moderatorinnen zu. Das gilt für Tausende und Abertausende von Müttern und Schwestern, es gilt für Parteien, es gilt für Verbände. Die Männer machen ihr Ding, die Frauen räumen auf. So ist es meistens.

Ich höre schon die Einwände gegen mich: „Aber es gibt doch so viele erfolgreiche Frauen, die auch Macht ausüben, die Macht besitzen! Ist denn etwa Angela Merkel nicht die beliebteste und einflussreichste Politikerin Deutschlands? Gilt sie nicht als mächtigste Frau der Welt? Wie konnte denn Tsipi Livni sich durchsetzen und designierte Premierministerin Israels werden? Und schauen Sie nach Brandenburg: Dort hat sich Johanna Wanka an die Spitze eines ganzen CDU-Landesverbands hochgekämpft!“

Hierauf erwidere ich: An genau diesen drei Beispielen kann ich verdeutlichen, was ich meine! Ich leugne nicht, dass Frauen auch Macht anstreben, Macht ausüben und erfolgreich verteidigen können. Doch behaupte ich, dass für die allermeisten Frauen in der Politik Macht nicht in dem Sinne obersten Rang einnimmt, wie dies für die meisten männlichen Politiker gilt. Das bedeutet jedoch, dass diese hochbegabten Politikerinnen nur in Ausnahme- und Krisensituationen nach oben gelangen können. Sie putschen sich nicht an die Macht, sondern sie erweisen sich in Zeiten der Krise als die glaubwürdigsten Anwärterinnen auf die freien Plätze. Nur dann, wenn die männlichen Mitbewerber sich gegenseitig lähmen und jeder für sich in seinen Machtstrategien gescheitert sind, kommen diese eigentlich besser qualifizierten Frauen zum Zug. Das ist häufig dann der Fall, wenn Korruption, Ämtermissbrauch und Kriminalität in die Politik hineinwirken. Erst der offenkundige Rechtsbruch Helmut Kohls ebnete Angela Merkel den Weg an die Spitze. Nur dadurch, dass sie den Rechtsbruch klar benannte, konnte Merkel sich aus einer Minderheitenposition gegen die Männerbündnisse in der Partei durchsetzen. Denn sie hatte keine Hausmacht. Erst die harten Anklagen gegen Ehud Olmert ließen Tsipi Livni als beste Alternative dastehen. Und erst nachdem die über viele Jahre hinweg heillos zerstrittene Männerriege in Brandenburg durch eine herbe Wahlniederlage abgestraft worden war, konnte sich Johanna Wanka mit ihrem völlig anders gearteten Politikstil durchsetzen. Die Männer an der Spitze waren untragbar geworden, hatten sich gegenseitig vom Floß gestoßen wie raufende Buben im Schulhof. Sie waren so in ihre Händel verstrickt, dass sie darüber Sinn und Zweck der Politik vergessen hatten. Es ereignet sich dann das, was Christoph Stölzl die „Entpolitisierung einer politischen Partei“ nannte.

Bezeichnend ist, dass diese Frauen sich eigentlich nicht zielstrebig hochboxen. So verzichtete Merkel bei dem berühmten Wolfratshausener Frühstück zugunsten eines Mannes auf die Kanzlerkandidatur. So wurde Wanka bereits früher einmal zum Landesvorsitz aufgefordert – ließ die Chance aber verstreichen. Man muss solche klugen, beredten, beliebten und sympathischen Frauen – einerlei ob sie nun Tsipi Livni, Angela Merkel, Tamara Zieschang, Ursula von der Leyen oder Johanna Wanka heißen – buchstäblich „zum Jagen tragen“. Aber dieses Wort „Jagen“ ist das falsche Wort: Politik besteht für diese Politikerinnen eben gerade nicht im Jagen und Erlegen von Gegnern innerhalb und außerhalb der Partei, sondern im gemeinsamen Erarbeiten und Durchsetzen der besten möglichen Lösungen. Dafür stehen sie ein, mit dieser Konzeption kommen sie unter normalen Umständen nicht zum Zuge, sondern nur dann, wenn die Hütte brennnt, also in Krisen und in unlösbar scheinenden Konfliktsituationen.

Ein typischer Satz, der diese Politikauffassung prägt, ist in meinen Augen das Motto der deutschen EU-Ratspräsidentschaft: „Europa gelingt gemeinsam.“ Ein gutes Beispiel für diesen Politikstil, den ich für vorbildlich halte. Stammt der Satz von Merkel? Es würde mich nicht wundern! Da wir ein freies Land sind, habe ich mir hier in diesem Blog die Freiheit genommen, diesen Satz abzuwandeln: „Sicherer Straßenverkehr gelingt gemeinsam.“ Oder: „Eine gute Partei gelingt gemeinsam.“ Punkt. Verletze ich damit geistige Urheberrechte? Sei’s drum, meldet euch, Autoren und Copywriter!

Ein Satz, der im schlechten Sinne eine typisch männliche Sicht widerspiegelt, ist der folgende: „Wartet nur, wenn ich erst einmal Bürgermeister bin, dann wird alles gut! Erst müssen wir die amtierende Regierung verjagen, dann werde ich Bürgermeister und dann ist alles gut.“

Abschließend empfehle ich noch ein Interview mit Johanna Wanka aus dem heutigen Tagesspiegel. Es entspricht in jeder Hinsicht dem hier als vorbildlich gekennzeichneten Politikverständnis. Der Fall der CDU Brandenburg lehrt: Wenn die Männer über viele Jahre ihre infantil-jungenhafte Konfliktlösungs-Unfähigkeit klar bewiesen haben, wenn sie die politische Bühne in eine Art Kindergarten umgewandelt haben, sollte man sich auch einmal nach Frauen umsehen, die unter den herrschenden Verhältnissen sonst nicht zum Zuge kämen.

Unser Bild zeigt eine tolle gigantische Rennbahn, die ab Montag zum Verkauf steht. Mein Sohn und ich fiebern ihr entgegen. Aber sind derartige geschlechtsstereotypenstützende Werbebotschaften laut EU nicht unstatthaft? Warum spielen dort nur männliche Wesen? Warum spielen dort keine Mädchen, keine Frauen? Gehört so eine Reklame nicht verboten?

„Die Union ist wieder ein ernsthafter Mitbewerber“
Wird die CDU, die lange durch Querelen paralysiert war, unter Ihrer Führung angriffslustiger, selbstbewusster auftreten?

Ich stehe für einen fairen Politikstil und will für unsere erfolgreiche Politik in der Regierung werben, ohne andere zu diffamieren. Wir können das mit selbstbewusster Gelassenheit tun. Mit der SPD arbeiten wir in der Koalition gut zusammen, aber wir sind unterschiedliche Parteien. Es ist gut, wenn man die Union wieder als ernsthaften Mitbewerber wahrnimmt.

Ärgert es Sie, wenn die SPD manchmal auftritt, als gehöre ihr das Land allein?

Klare Antwort: Ja

Sie hätten Wissenschaftssenatorin in Hamburg werden können. Warum sind Sie in Brandenburg geblieben und wollen nun gar die im Vorsitzenden-Mobbing geübte CDU übernehmen?

Es wäre verlockend gewesen, als erste Ostdeutsche einem westdeutschen Kabinett anzugehören. Aber ich bin in Brandenburg zu Hause, ich bin bodenständig. Ich denke, ich passe besser hierher.

Warum soll Ihnen gelingen, woran ihr Vorgänger Junghanns in der CDU scheiterte?

Es ist Einsicht gewachsen, dass von inneren Auseinandersetzungen niemand profitiert, niemand. Es sind alle leid, dass die Union nur noch als zerstrittene Truppe wahrgenommen wurde. Damit ist jetzt Schluss. Sonst wäre schon der geordnete Wechsel an der Spitze nicht möglich gewesen.

 Posted by at 21:13

Am Wildwasser

 Donna moderna  Kommentare deaktiviert für Am Wildwasser
Okt 312007
 

wildwasser.jpg Am Sonntag gehen wir durch die im Nebeldunst verhüllte Obentrautstraße. Junge Frauen haben auf dem Trottoir einen Tisch hingestellt, laden uns ein, Platz zu nehmen. Wir ziehen Lose aus ihrer Lotterie. Ich habe Nummer 71: “ 2 Cappuccinos im Café am Meer in der Bergmannnstraße.“ Die Sonne lacht, das ist ja genau das, was Ira sich so sehnlich wünscht – ins Café zu gehen, Leute anschauen, reden, reden, reden. Das Glück bleibt mir treu. Wir plaudern mit den Mädchen. Ich kannte Wildwasser e.V. bisher nur aus den Erzählungen von Sozialarbeiterinnen und Sozialwissenschaftlerinnen und stellte mir unter den Wildwasser-Mädchen eher verschüchterte Opfer vor. Darf ich denen gegenüber als Mann einfach so das Wort ergreifen? Ich will und darf! Uns treten lebensfrohe, selbstbewusste, charmante Frauen gegenüber, die ihr Leben gemeinschaftlich neu ausrichten. Ich darf sogar ein Foto machen und erhalte die Erlaubnis, dies in mein Blog zu stellen! Wir probieren die richige Pose für die Aufnahme. Das Ergebnis: Frau ist selbstbewusst, frau hat es nicht nötig, in die Kamera zu lächeln, frau ist rundum schön! Zum Abschied bekommen wir noch zwei Stück Kuchen, den wir sorgsam als Wegzehrung für unsere geplante Wanderung im Havelländischen Luch verwahren. Ira tritt mir mit sofortiger Wirkung alle Genussrechte an dem Schokoladenkuchen ab. So bin ich doppelt begünstigt.

 Posted by at 22:36