Bei einer Rose

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Mrz 232019
 

ungeheuerlich ist die kraft die diese
rose scheintot noch gestern heute antreibt
zart zu entrollen ein blättchen ums andre
himmelwärts wieder

ringsum herrscht weiter metallene Glätte
rauheit erzogen durch eisernes rosten
dieser Strauch ungebärdig und ungestüm
wagt sich nach draußen

ich seh’s und versinke staunend hinein als
wäre dies der erste Frühling den ich er
lebe als wäre dies der letzte Frühling
den ich erahne



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… als wäre es sein letzter Tag

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Sep 202018
 

Ich soll euch noch recht festlich grüßen:
Herr Sommer, der den Abschied nimmt,
Winkt uns noch zu, als wäre es sein letzter Tag!
Die Beute legt er sich zu seinen Füßen:
Ein Volleyball, der auf den Wellen schwimmt.
Aus gelbgeflecktem Schnabel noch ein Schrei.
So sehr die Möwe ihr Gefieder spreizen mag,
Herrn Sommer ist es mittlerweile einerlei,
Er hat sich’s überlegt: er geht vorbei.
Zwar war er groß, doch größer ist das Jahr,
Das hinter ihm den dunklen Berg erklimmt.
Die Sonne sinkt, das Licht strahlt hart und klar.
Beim Abschiedsfest erklingt die Melodie: Es war.

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Das bucklicht Männlein

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Sep 112018
 

 

 

 

 

 

Kam ich zu dem Schulhof hin
Wollte pfeilschnell rasen,
Sah ein bucklicht Männlein stehn,
Mit dem war nicht spaßen.

Fuhr ich durch den Schulhof hin,
ohne abzubiegen,
Sprach das bucklicht Männlein da:
Jetzt wird abgestiegen!

Wollt ich meinen Liebsten sehn,
Blieb ich einfach sitzen,
Sah das bucklicht Männlein stehn,
Sagt: Du sollst nicht flitzen.

Rasten wilde Kerls einher,
Mit Lärmen und mit Lachen,
Rief das bucklicht Männlein da:
Achtet auf die Schwachen!

Fuhr heut morgen ich vorbei,
Sah das Männlein liegen,
Beinchen zuckten hin und her,
Schnauft wie in letzten Zügen.

Da klagt mir das bucklicht Männlein:

Die Kinder haben sich beschwert,
Klagten weinend es zu mir.
Die Radler haben nicht gehört,
Stießen mich grob als ein Tier…!

So klagte des bucklicht Männlein.
Und weiter hab ich nichts gehört.

Lieber Radler, ach ich bitt,
Steig  ab fürs bucklicht Männlein mit!

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An Gevatter Prometheus

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Sep 022018
 

 

 

 

 

Hier am Kasbek muss es gewesen sein
Hinter Wolkendunst saßest du
Auf Bergeshöhn spottend und höhnend
Des im Donner grollenden Alten
Den sie Vater nannten
Der dich nie ernst genommen
Der dein Aufbauwerk auftrumpfend wegwischte:
„Das ist keine Welt
Das ist bestenfalls eine Märklin-Modelleisenbahn
Lächerlich, stümperhaft, kw!“, so seine Worte
Das haben alle gehört!

Zank, Hader, Widerworte ohne Ende
Bis es endlich zu spät ward
Ihr verloret beide die Geduld
Die Verhandlung gegen Dich war eine einzige Farce
Die Zeugen wider Dich bestochen
Der Richter war befangen in Liebeshändeln
Das Urteil – 30 000 Jahre – deutlich zu hart

Er schickte dir den Adler
Du schicktest ihm deine Reden, deinen Hohn
„Übe Knabengleich
Der Disteln köpft
An Eichen dich und Bergeshöhn!“

Du warfest grimmige Blicke hinauf
Er schwieg, er verbarg sich in Wolken
Er äffte Karl Marx nach,
Dem er zunehmend glich im Profil
Er zertrümmerte ein paar der Hütten
Die du gebaut
Und kippte danach seinen schäumenden Pokal auf Dich
Rülpste, wurde unflätig, ausfällig
Sobald nur Dein Name fiel

Viele von uns Sterblichen fielen vom Glauben ab
Dies damals miterleben zu müssen
War die härteste Versuchung
Wer jetzt noch an den Wolkensammler glaubte
Der wurde zum Eiferer
Der radikalisierte sich
Fing an die bunte Flockenblume auszurupfen
Centauria triumfettii heißt sie heute
Die Alpen-Distel – cardus defloratus –
Früher eine der zierlichsten Maiden
Verlor damals ihre Unschuld
Beweis: Ihr lateinischer Name heute

Nein es war nicht schön damals
Es war ein Gemetzel der Seelen
Eine Verhackstückung der schönen Welt
Die doch unsere gemeinsame Welt war

Doch liegt das Ganze nun 6000 Jahre zurück
6000 Jahre in denen die Erinnerung
Und das Vergessen vieles beschönigen konnten
Selbst Schüler in der Sekundarstufe II
Werden heut mit diesem schlimmsten Unglück konfrontiert
Das bis dahin  geschehen war
Schlimmeres sollte folgen
Das wissen wir

Von allem dem
Was damals geschah
Schwebt nur noch ein Erinnern um uns
Die Szenerie hat sich gelichtet
Man könnte dieses Bild
Des Kasbek oberhalb von Stepanzminda
Aufgenommen am späten Nachmittag des 20.08.2018
Auf Bergeshöhn sogar schön nennen
Wenn man nicht wüsste
Dass Dir noch 24000 Jahre Buße verbleiben
VIERUNDZWANZIGTAUSEND
Und keines weniger
Für dich!

 

 

 

 

 

 

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Im Vogel mit starken Schwingen fort nach Georgien

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Aug 192018
 

Schwarzes Meer, lächelndes Ungeheuer, wie lieblich und bläulich kräuselst du dich unter den starken Flügeln meiner Embraer 190! Wie harmlos wirken die Gischtkronen aus 12000 Fuß Höhe, wie sauber gezeichnet sind deine Kringel auf unergründlicher Tiefe! Wie geborgen zieht das winzige Schifflein dort drunten stampfend seine Bahn! Wie gastlich empfängst den Fremdling du, wohlwollendes Binnenmeer, so nannten dich schon die Alten! Zielort Tbilisi, Tiflis nennt dich Germaniens Volk auch,  – ein Städtename, der viele Geschichten birgt, vieler Menschen Städte und Sinn erkanntest du! Wie freundlich wirst du den Mann aus Berlin-Brandenburgs sandigem Steppenland empfangen?

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O Sorbus aria!

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Sep 282017
 

Kaum beachtet, meist verwechselt, schwer zu benennen, schwer zu erkennen: die Echte Mehlbeere. Wer achtet ihrer? Wer kann sie von einer Holz-Birne oder einer Echten Mispel sicher unterscheiden? Du, der Du dies liest? Ihr dort draußen? Ich nicht!

Wie dem auch sei – es gibt bei uns in der Schöneberger Heimat nicht nur die Robinie, die Weide, die Esche, die Kastanie, die Buche, sondern eben auch sie: die Echte Mehlbeere. Wie tüchtig ist sie doch! Wie klug schützt sie sich vor dem Klimawandel! Denn ihr Haarfilz auf den Blättern setzt die Verdunstung herab und ermöglicht es dem Baum, auch in sandiger Ödnis zu wachsen. Das ist wichtig, ja vorbildlich in Zeiten der Erderwärmung!

Mein gutes, kenntnisreiches Biologen-Ehepaar schreibt: „Die mehlig-weichen, fad schmeckenden Früchte, sind zwar essbar, eignen sich aber nur als Notnahrung. Getrocknet und vermahlen mischte man sie früher unter das Mehl, um Brot zu backen. Auch für die Gewinnung von Essig lassen sie sich verwenden.“

Mir kam ein Wandersang in den Sinn:

O ihr essigsauren Früchte, ich schätze euch sehr! Mir sollt ihr in Zeiten der Not willkommen sein! Wieviele hungrigen Mägen sättigtet ihr schon? Wie oft stilltet ihr das Geschrei der unmündigen Kindlein? Dein unten silberweiß behaartes Blatt, Aria, nötigt mir Ehrfurcht und Scheu ab wie das spärliche aschene Haar meiner Urgroßmutter Shulamith.  Sei mir gepriesen, Sorbus aria, sei mir gelobt und sei mir gesegnet, du echte, trutzige, nährende Beere! Andere starben, du lebst und wirst leben!

 

Bild: Echte Mehlbeere, Sorbus aria im Schöneberger Natur-Park Südgelände. 28.09.2017
Zitat:
Echte Mehlbeere. Sorbus aria (Rosengewächse), in: Margot und Roland Spohn: Welcher Baum ist das? Kosmos Naturführer, Stuttgart 2014, S. 111

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Das unhörbar leise Rascheln der Nachtkerzen

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Sep 222017
 

Wieder und wieder führt mich der Weg in mein gelobtes Arkadien, den Südpark am Lokschuppen. Gerade in diesen Tagen bietet die Natur unendlich viel: die Guteschafe sind in ein neues Geviert eingewiesen worden, während der zottige Hütehund alles im scharfen Auge behielt.

Zu voller Höhe sind die Gemeinen Nachtkerzen aufgeschossen.  Sie können gut und gern 200 cm erreichen und prangen als unangefochtene Herrscher über ein kleines Stück Wiese. Wenn du willst, sprich mit ihnen! Warum sollte man diese leuchtend gelb blühenden Blumen nicht anreden? Ich versuchte es so:

 

 

 

 

 

Erst in der Abenddämmerung werdet ihr euch entfalten,
Vierfach geblätterte Blüten, die ihr sitzt in den Achseln der
Blätter. Leise knistert und raschelt das zarte Gekeime.
Welches Ohr wird euch hören? Wer wird euch sehen?
Drei Minuten nur dauert es, dann seid ihr völlig entfaltet,
Stotzig und steif steht der ragende Stengel nach oben,
Weiter empor dann strebt noch während des Blühens der Ständer,
Eine Nacht nur leuchtet und glänzt ihr im sanften Mondschein,
Jäh und plötzlich verwelkt ihr im Licht  des folgenden Tages.
Aus und vorbei ist’s für manche der prachtvoll erglänzenden Blüten, doch
Siehe, Geliebte! Gleich morgen, die schwellenden Kapseln drängen sich vorwärts,
lange dauert es nicht, dann blühen die nächsten uns wieder.

Fotos: heute aufgenommen im Naturpark Schöneberger Südgelände

Hinweise und Auskünfte zum besseren Verständnis der hier angesprochenen  Gewöhnlichen Nachtkerze lieferte uns:

Margot und Roland Spohn: Welche Blume — ist das? Über 450 Blumen Europas. Kosmos Naturführer, Franckh-Kosmos Verlag, Stuttgart 2017, hierin: „Gewöhnliche Nachtkerze. Oenothera biennis (Nachtkerzengewächse)“, S. 211

 Posted by at 16:31

Der Kopf der Natter spricht

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Jul 162017
 

Ich: Borstige Blattrosette im ersten Jahr.
Lanzettliche Blätter, wechselständig.
Erst sind rot in der Knospe die Blüten,
Rosa dann und blau erst ganz geöffnet.

Euch Menschen soll ich wohl gefallen? Mitnichten!
Dafür verantwortlich: Änderungen des Zellsäuregehalts,
zelluläre Innenverhältnisse, da staunt ihr, was?
Dennoch: den Bienen besonders, aber auch andren Insekten,

Biete ich mit meinen geöffneten, noch rosafarbenen
Blüten wohlschmeckenden Seim, den klebrigen Nektar.
„Natternkopf“, einen ganz gewöhnlichen nennt ihr mich,
Pah! Fürchtet ihr meine weit herausragenden

Staubblätter, die euch an meine Muhme die Schlange
Gemahnen? S’ist nur mein Fraßschutz vor euch, Menschen!
Das habe ich mir einfallen lassen, ebenso auch
Die steifen Borstenhaare, meinen Stolz!

Ihr nennt mich giftig? Ich bekräftige: Jeder Fraßschutz
Ist recht und richtig vor euch, ihr Menschen!
Ich kenne nichts Gewöhnlicheres als euch, ihr Räuber!
Ihr verbannt mich ins Unkraut, im Ödland tummle ich mich,

Auf Felsen, im Bahngelände, auf Schuttflächen, im Abweg,
Da bin ich zuhaus. Wisst ihr denn, was dies bedeutet?
Was es mir bedeutet? Starrer Hansl, Natterngezücht,
„Echion vulgare“, Stolzer Heinrich, so nennt ihr mich.

Ich nenn euch undankbar, vulgär, gemein! Wegelagerer,
Irrtümler, Unbehauste, „Bipous vulgaris“, bleiche Riesen,
So nenn ich euch, Menschen, ihr allzu Gewöhnlichen!
Ihr begreift mich nicht, werdet mich nicht erfassen, so sei es!

Meine tiefen trichterförmigen Blüten sind euch verschlossen,
Ihr Ungründlichen! Es ist gut so, ihr Menschen.
Ich blühe weiter, unbeachtet von euch. Ich komm schon zurecht.
Ich brauche euch nicht. Geht mir aus dem Schatten!

Ich bleibe sitzen auf meinen Borstenhaaren,
Bin ein Raublattgewächs und bleibe es auch
Und will euch nicht gleichen, EUCH – NIE!

Wertvolle Hinweise und Auskünfte zum besseren Verständnis des hier zitierten Gewöhnlichen Natternkopfes lieferte uns folgendes vortreffliche Werk:
Margot und Roland Spohn: Welche Blume — ist das? Über 450 Blumen Europas. Kosmos Naturführer, Franckh-Kosmos Verlag, Stuttgart 2017, hierin: „Gewöhnlicher Natternkopf. Echium vulgare (Raublattgewächse)“, S. 189

Foto: gewöhnlicher Natternkopf, aufgenommen heute auf einer Radtour in der Nähe von Mögelin/Brandenburg

 Posted by at 19:49

Danke, Europa-Besinnungs-Adventskalender!

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Dez 232016
 

Aus meiner winzig kleinen fränkisch-schwäbischen Wandergruppe erreichte als Geschenk mich am ersten Dezember ein guter treuer Gefährte für diesen Monat: der Europa-Besinnungs-Adventskalender. Er steht im Bunde mit europäischen Heiligen und Verbrechern, mit europäischen Künstlern, mit Europas Städten und Europas Ländern, er schweift von Nord nach Süd  alles ab, er spürt den feinsten Verästelungen des Lebens nach, er bietet Schokolade und Poesie, Reiseführer für Polen, er kennt Kyrill und Method, Rätselkrimis und Johannes vom Kreuze. Jeden Tag erfreute er mich mit einem in Knittelversen gereimten Merk- und Denkspruch und einem kleinen, aufmerksam gewählten Geschenk.

Ein Beispiel? Das brachte uns der Adventskalender am 9. Dezember:

Denkspruch am 9. Dezember:

Der 9. Dezember ist der Gedenktag des Abel.
Als Kain den Erfolg Abels nicht mehr ertragen,
hat er seinen Bruder erschlagen –
oder ihn gar mit einem Pfeil niedergestreckt?
Das wird ein Rätsel bleiben für uns –
nur Gott hat die Wahrheit entdeckt.

Geschenk am 9. Dezember:
Andreas Venzke: Ötzi. Die Verfolgungsjagd in der Steinzeit. Ein Rätselkrimi. Bilder von Alexander von Knorre. Arena Verlag Würzburg, 3. Auflage 2015

Morgen wird der gute Kalender sein letztes Geschenk hergeben. Zeit, kurz Rückschau auf all das Geschenkte und Gelehrt zu halten!

Versuchen wir es ebenfalls in Knittelversen!

O Kalender, dreiundzwanzig Tage lang
Hast Du mir jeden Morgen eine Freude gemacht,
Und wenn ich traurig war, hast du mich angelacht.
Nie war dir bang,
Du gabst mir alles, was du hast,
Du lagst auf Lauer ohne Hast.
Wenn ich in trüber Morgensupp zum Tag hinüberschwamm,
Erzähltest du Geschichten, die du aufgesogen wie ein Schwamm,
Und vergaukeltest mir manchen Tag,
Wenn ich dankbar dir zu Füßen lag.

Europas Heilige verehrst du wie kein zweiter,
Sie sind Sprossen dir auf deiner Himmelsleiter,
Nicht Geld und Zinsen, Bank und Konvergenzen,
Sind Kerneuropa, überschreiten Grenzen –

Nein, die Wandrer sind’s, die Lehrer, die Gestalter,
Unsichtbarer Schätze Mehrer und Verwalter,
An sie hast du uns stets herangeführt,
Behutsam horchend ihnen nachgespürt;

Mit kluger Hand gewiesen und gelehrt;
Die Herzen auf den rechten Weg gekehrt,
Durst, Kälte, Hitze, Hunger abgewehrt,
Und dann zum Schluss noch meinen Klagen zugehört.

Europa-Besinnungs-Adventskalender
morgen, am 24. Dezember, endet unser gemeinsamer Weg:

Ich danke Dir!   

 

 Posted by at 23:50

Weit mehr als ein dekarbonisierter Untersatz: der Stromer Citroen C-zero

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Dez 202015
 

Surrend, nahezu lautlos gleitet der Stadtflitzer dahin. Ein kleiner Umzug nötigte uns heute dazu, einen fahrbaren Untersatz zu mieten. Gesagt, getan! Gleich um die Ecke, auf dem EUREF-Campus, warten 3 schmuck aufgeputzte elektrische Stadtflitzerchen. Mit einigen Klicks auf dem Internet-Auftritt von Flinkster ist der Citroen C-zero reserviert und gebucht.

Wie die allermeisten Stromer weist der C-zero kein Differenzialgetriebe auf; wer also keine Erfahrung mit Automatikgetrieben bei Verbrennungsmotoren gesammelt hat, sollte sich vorher sorgfältig mit den Antriebszuständen Parken, Rückwärts, Leerlauf und Vorwärts vertraut machen.

Die maximal 49 kw Leistung beschleunigen den C-zero im Tempobereich unter 50 km/h in wenigen Sekunden machtvoll wie ein Raubkätzchen bis an die Grenze des Erlaubten.

In den Innen-Rückspiegel ist ein Navigationssystem eingebaut; Bedienung, Informationsverarbeitung und digitale Ausrüstung des C-zero sind durchaus mit einer gut ausgestatteten modernen Mittelklasse zu vergleichen.

Als wir nach 10 Kilometer Fahrt die Rest-Reichweite abriefen, zeigte uns das System bei ausgeschalteter Belüftung 91 km an, bei eingeschalteter Lüftung mit leichter Heizung hingegen nur 51 km. Die eingeschränkte Reichweite ist in der Tat das einzige Hindernis, sollte man eine Überlandfahrt ins Oderbruch oder gar in den Harz planen!

Wirkliches Kopfzerbrechen bereitete mir nur das gesamte Thema Inbetriebnahme und Rückgabe an der EUREF-Ladestation. Ich rätselte 10 Minuten herum, was der erste Schritt sein sollte. Das Display an der Ladesäule diente nur dem Vermietungswesen für Call-a-bike! Das war ich mir nicht vermutend. Ich hatte ja noch nie einen rein elektrischen Leihwagen in Betrieb genommen! Hier sollten die Planer und Ingenieure von EUREF bzw. Flinkster ruhig einmal 10 Testkunden unter Beobachtung auf ihr schnurrendes Raubkätzchen loslassen und dann schauen, welche Fehler und Rätseleien da unterlaufen können. Einfache, unmissverständliche Benutzerführung lautet hier das Zauberwort, das auch beim Abstellen des Fahrzeuges in den Sinn der Marketing-Fachleute kommen sollte. Wo etwa sollte der Schlüssel eingesteckt werden? Eine knifflige Nuss, die zu knacken uns beim Schein zweier Handy-LED’s nicht leicht fiel! Ein Anruf bei der Hotline brachte mehr Klarheit ins Spiel.

Das Fahrerlebnis war rundum positiv: Der Kleinwagen bietet sicherlich auf nicht allzu langen Fahrten ausreichend Platz für Erwachsene, er fährt sich sanft, gleitend, man schwimmt sozusagen mühelos dahin. Die umklappbare Rückbank schafft eine freie Fläche, auf der ein Geigenkasten, ein Desktop-Computer, ein 21-Zoll-Flatscreen und eine Sporttasche mit allem Sonstigem, was ein Jugendlicher über einige Tage braucht, locker Platz findet!

Die 8 Stunden Mietzeit kosteten 40 Euro (Stundenpreis 5 Euro).

Insgesamt unbedingt empfehlenswert! Eine Technik-Erfahrung der besonderen Art, die wir gern wiederholen werden, zumal wir jetzt wissen, wie es gemacht wird.

Der schnelle Tag ist hin,
Das Handy hat jetzt Ruh
Die Nacht schwingt ihre Fahn,
Uns fallen nun die Augen zu,
Der Mond führt schon die Sternen auf,
Am Euref-Campus sind die LEDs herabgedimmt,
Wo Thier und Vögel waren,
Trawrt itzt die Einsamkeit,
Der Port naht mehr und mehr heran,
Gleich wie dieß Licht verfiel,
so wird in wenig Jahren,
Ich, du, und was man hat,
und was man sieht hinfahren.

Citroen C3 20151220_09102620151220_170442

 Posted by at 23:01