Oh! Sonntags locken Blockflöten Trommeln zum Sommerkonzert!

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Jun 292018
 


Dieses Konzert ist wirklich für Kinder und Kindgebliebene aller Altersstufen zu empfehlen:

Sommerkonzert der Musikgruppen der Katholischen Kirchengemeinde St. Bonifatius in Berlin-Kreuzberg

Sonntag, 01. Juli 2018, 18.00 Uhr

Programm: Joseph Haydns lustige „Kindersinfonie“, Blockflötenensemble, einige Kinderlieder, einige Kirchenlieder zum Mitsingen, Triosonaten von Telemann und Vivaldi, Vogelgezwitscher!
Dauer: höchstens 60 Minuten. Eintritt frei.
Ich werde selbst bei dieser Gelegenheit Violine spielen.
Ort: Großstadtkathedrale St. Bonifatius in der Yorckstraße 88, Kreuzberg

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„Veni Emmanuel!“ Adventskonzert am Sonntag in St. Bonifatius

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Dez 162017
 

Adventskonzert_Rufina[1]

Eine einhüllende Dunkelheit wird zerspalten durch den Ruf den Ruf: „Veni Emmanuel!“ Es wird Licht. Der dämmrige Kirchenraum wird bespielt, er erwacht zum Leben. Hirtenfeuer flackern auf! Empfindungen der Einkehr und der Heimkehr erwarten uns morgen bei dem gemeinsam gestalteten Adventskonzert, zu dem ich als Musikant eingeladen worden bin und zu dem ich euch einlade. Kommt, denn alles ist bereitet!

Sonntag, 17. Dezember 2017, 18.00 Uhr, St.-Bonifatius-Kirche, 10965 Berlin-Kreuzberg, Yorckstr. 88C
Rufina Kalschnee: Sopran
Klara-Maria Kalschnee: Mezzosopran
Instrumentalensemble der St. Bonifatius-Kirche
Stefano Barberino: Orgel

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Leuchtet, ihr strahlenden Nachtkerzen des Gesanges!

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Sep 302017
 

Höre! Hannah Arendt, die 1906 im niedersächsischen Linden geborene große deutsche Philosophin sagt:

Im Deutschen gerade liegt das Volkslied aller Dichtung zugrunde, wenn auch in der eigentlich großen Dichtung so transformiert, daß es kaum noch kenntlich ist. So klingt die Stimme der Dienstbotengesänge durch viele der schönsten deutschen Gedichte.“

Höre! Unwillkürlich kommen dir diese Worte dieser großen jüdischen Philosophin in den Sinn! Denn soeben erreicht dich eine Einladung zu einem verheißungsvollen Konzert, das die 1975 in New York verstorbene große US-amerikanische Philosophin Arendt sicherlich besucht hätte, wenn sie denn noch lebte und zufällig gerade in Berlin weilte:

 

Samstag,  30. September 2017 – 19 Uhr
Gemeindesaal der Jesus-Christus-Kirche Berlin-Dahlem, Thielallee 1-3
Freier Eintritt

Deutsche Volkslieder in Melodie und Geschichte

Projekt-Chor Roland Bader
Mitglieder des früheren Chors der St. Hedwigs-Kathedrale, des Karl-Forster-Chores und Gäste
Leitung und Moderation: Roland Bader
Am Flügel Michael Cohen-Weißert

Die Texte der Lieder liegen offen vor mir. Ich nippe kurz an den Worten wie an einem schäumenden Kelche:

Brüder reicht die Hand zum Bunde Ännchen von Tharau ist’s die mir gefällt rede Mädchen allzu liebes das mir in die Brust die kühle hat geschleudert mit dem Blicke diese wilden Glutgefühle wie sanft sich die Quelle durch die Wiese windet nicht wandle mein Licht dort außen im Flurbereich ich wollt meine Lieb ergösse sich all in ein einzig Wort abends wenn ich schlafen geh in einem kühlen Grunde da steht ein Mühlenrad

Das ist ja jene bunte, abendlich strahlende, wilde und betörende Klanglandschaft, welche einst in deutscher Sprache erklang und erscholl, welche einst Hannah Arendt, Heinrich Heine, der Sänger und Schubert-Herausgeber Max Friedlaender, der Zeichner und Komponist Felix Mendelssohn, der Philosoph Walter Benjamin so beredt priesen und rühmten.  Kehrt doch wieder alle alle! Ihr sollt auferstehen und leben!

Wer kennt die Namen dieser Dichterinnen und Dichter heute noch? Kennst du sie wohl? Adelheid Wette, Wilhelm Ganzhorn, Heinrich Heine, Georg Friedrich Daumer, Adalbert von Chamisso, Fanny Hensel, Johann Gottfried Hientzsch, Joseph von Eichendorff?

Nun, nach dem einen ist immerhin noch (noch!) eine Universität in Düsseldorf benannt, nach einem anderen immerhin noch (noch!) eine Gasse am voll durchkommerzialisierten Potsdamer Platz in Berlin, noch nach einer anderen eine Grundschule in Kreuzberg, und nach einem anderen ein voll im Gentrifizierungswahn lebender Kiez in Kreuzberg.

Aber wer kennt diese Lieder noch? Wer singt sie noch? Seid ihr alle verweht, vergessen, verschollen? Nein! Kehrt doch wieder!

 

Bild: Romantisches Abendlicht im Natur-Park Schöneberger Südgelände, 29.09.2017, 18.30 Uhr

Zitat Hannah Arendts hier wiedergegeben nach:
Beatrix Brockman: Scherben im Bachsand. Der Nachlass der Lyrikerin Eva Strittmatter kommt in die Akademie der Künste nach Berlin. In: Ars pro toto. Das Magazin der Kulturstiftung der Länder, 3-2015, S. 25-29, hier S. 26

 

 

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Vogelgrippe, Faulbrut, Ebola, Botulin-Neurotoxine: Leben im Verdachtsgebiet

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Jun 102017
 

Achtung, Achtung! Wir leben in einem VERDACHTSGEBIET! Eine wichtige Warnung erreichte uns gestern von seiten des Bezirksamtes Tempelhof-Schöneberg: Unser Wohnbezirk ist zu einem Verdachtsgebiet erklärt worden.

Die Frage drängt sich auf: Was ist ein Verdachtsgebiet?

Antwort: Verdachtsgebiete werden überall dort erklärt, wo erste Anzeichen auf das Vorhandensein einer Seuche hinweisen: das kann die Vogelgrippe sein, das kann die Maul- und Klauenseuche sein, das kann der  chronische viszerale Botulismus als Tierseuche sein, das kann Ebola sein. Das war noch zu Hegels Zeiten die Cholera in Berlin, zu Boccaccios Zeiten war es die Pest in Florenz. Die Behörden verhängen dann im Verdachtsgebiet Maßnahmen wie etwa Sperrbezirke, Zugangskontrollen, Freilaufverbote, Stallpflicht, Desinfektionsmaßnahmen und ähnliches.

Als derartige Seuchensymptome werden ganz offenkundig in Berlins Bezirken auch Wohnungssanierungen, Modernisierungen, Einbau von Wannenbädern und übermannshoch gefliesten Badezimmern, Einbau von behindertengerechten Aufzügen, ja überhaupt Baumaßnahmen in bestehenden Wohnungen und ähnliches betrachtet.  Treten gehäuft derartige Symptome auf, dann kann die Verwaltung eine Erhaltungsverordnung nach § 172 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 BauGB erlassen, um die Ausbreitung der Seuche zu verhindern.

Folgerichtig werden immer mehr Wohngebiete zu Verdachtsgebieten erklärt. Jetzt hat es auch uns erwischt! Wir Bürger wurden gestern durch ein Anschreiben des Bezirksamtes aufgerufen, verdächtige Symptome auf einem vierseitigen Fragebogen an das Büro TOPOS Stadtforschung zu melden. Wir kommen dieser Aufforderung selbstverständlich nach. Schließlich lebt niemand gern dauerhaft in einem Verdachtsgebiet. Man möchte ja schließlich Gewissheit haben, dass die Seuche der Sanierungs-, Modernisierungs-, Erhaltungs- und Baumaßnahmen in Wohngebieten sich nicht weiter ausbreitet. Man möchte wieder ruhig schlafen können, wie man es tat, als man noch nicht wusste, in einem Verdachtsgebiet zu leben. Die Bezirkspolitik und die Behörden werden uns schon vor der Seuche schützen, das ist immerhin ein Trost.

Gleichwohl fällt nunmehr ein Schatten auf das Wohnen im Verdachtsgebiet. Der seuchenkundige Bürger wird verunsichert und aufgeschreckt, mehr noch: es entsteht ein allgemeines Misstrauen gegenüber dem Wandel, eine allgemeine Kultur des Verdachts durch derartige behördliche Maßnahmen.

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Zwingt die Saiten in Cythara

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Dez 022016
 

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Zwingt die Saiten in Cythara
Und lasst die süße Musica
Ganz freudenreich erschallen

Wer dächte nicht an diese schönen Verse aus Bachs Kantate „Schwingt freudig euch empor“, wenn er eine so nette Einladung wie die folgende erhält? Ich jedenfalls zögere nicht, die mir zugesandte Einladung zu veröffentlichen!

Die Sänger, Musiker, Schauspieler  laden euch herzlich zu ihrem Adventskonzert am Samstag, den 10. Dezember 2016 um 19:30 Uhr in der Kirche St. Bonifatius, Yorckstr. 88/89, 10965 Berlin, ein.

Zusammen mit dem Konzertorganisten Stefano Barberino am Piano, der Sopranistin Sandra Barenthin, der Altistin Irina Potapenko, dem Tenor Claudio Stirpe, dem Schauspieler Sebastian Zett, mit Ivan Hampel (Violine) u.a. wollen sie euch mit (vor-)weihnachtlichen Melodien auf die (Vor-)Weihnachtszeit einstimmen.

Der Eintritt ist frei, Spenden sind herzlich willkommen.

Kommet zuhauf, denn:

Auch mit gedämpften, schwachen Stimmen
Wird Gottes Majestät verehrt.
Denn schallet nur der Geist darbei,
So ist ihm solches ein Geschrei,
Das er im Himmel selber hört.

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Jun 222016
 

Waldhörner 20160618_161840

 

Mancher Wortklauber hat schon die harte Nuss zu knacken versucht, wie man das neue deutsche Modewort Empowerment älteren Mitbürgerinnen und Mitbürgern mit älteren deutschen Worten erklären könne, die schon vor dem Jahr 2000 in Gebrauch waren.

Stets geht es bei Empowerment darum, Menschen, die in einer gewissen Lage sich nicht selbst zu helfen wissen oder nicht mehr weiter wissen, zu befähigen, selbständiger zu werden und mehr für sich in eigener Verantwortung zu bewirken.

Empowerment, das bedeutet die Stärkung der Eigenverantwortung, das heißt Stärken stärken, Selbstbewusstsein verleihen, Eigenkräfte fördern, Perspektiven öffnen, schlummernde Kräfte wecken, Selbstlähmung aufsprengen durch das lösende, befreiende, ermunternde Wort. Selbstfesselungen heilen!

„Hey Alter, nimm dein Bett, steh auf und geh!“ Wer mag, der kann dabei, bei diesem Empowerment, an die Heilung des Gelähmten am Sabbat in Jerusalem denken.

Johannes, dessen höchst eigenwilliges, ja eigenmächtiges Evangelium, das sogenannte „Vierte Evangelium“ wahrscheinlich das wichtigste Meister-Narrativ überhaupt, mutmaßlich die wichtigste Großerzählung, den bedeutendsten Grand récit  der gesamten europäischen Literaturgeschichte darstellt, erzählt die Geschichte in seinem Buch in Kap. 5, 1-18.  Der Evangelist Markus wiederum, der Mann mit dem Löwen, der Meister der Kleinerzählung, erzählt die Geschichte so ähnlich in seinem alltagsnäheren Jesus-Narrativ, dem sogenannten Markusevangelium, in deutlich bescheidenerer Form, nicht so gespannt, nicht so hochfliegend wie dies Johannes, der Mann mit dem Adler, später tun wird.

Markus 2,1-12 und Johannes 5,1-18 sind herrlich tönende Weckrufe. Sie erinnern – bildlich gesprochen – an Weckrufe von edlen Waldhörnern in der Halle der schlafenden Lokomotiven: „Auf auf, ihr schlafenden Lokomotiven, bewegt euch! Ihr habt noch was vor!“  Die Erzählungen von Markus und Johannes sind eine gute Erläuterung dessen, was das neue deutsche Wort Empowerment meint. Und diese Geschichte von der Heilung eines Gelähmten wurde schon vor 2000 Jahren erzählt, und sie wird auch noch in 2000 Jahren erzählt werden, wie ich zuversichtlich hoffe und fest glaube.

Bild: Vier Musiker der Staatskapelle Berlin, vier Waldhörner spielen mit fröhlichem Schall in der „Halle der schlafenden Lokomotiven“. Lokhalle, Natur-Park Südgelände, Schöneberg. Festliche Eröffnung des Langen Tages der Stadtnatur. Berlin, Samstag, 18. Juni 2016, 16 Uhr

 

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Marmorstirn. Cremona. In aller Frühe

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Mrz 152016
 

 

 

 

 

 

 

 

 

„Singst du mir ein Lied zum heutigen Geburtstag?“
Ja, ich singe Dir ein Lied zu deinem heutigen Geburtstag, – ein Reiselied, das ein anderer geschrieben hat!

Hier ist es:

Wasser stürzt, uns zu verschlingen,
Rollt der Fels, uns zu erschlagen,
Kommen schon auf starken Schwingen
Vögel her, uns fortzutragen.

Aber unten liegt ein Land,
Früchte spiegelnd ohne Ende
In den alterslosen Seen.

Marmorstirn und Brunnenrand
Steigt aus blumigem Gelände,
Und die leichten Winde wehn.

Marmorstirn, Marmorstirn? Was steckt hinter diesem Wort? Zweifellos – die Fassade. Marmorstirn ist ein anderes Wort für Fassade. Fassaden sind Stirnseiten von Gebäuden aus Marmor, wie hier diese Fassade des Domes in Cremona.

Marmorstirn und Brunnenrand, in diesen beiden Worten fügte Hugo sein Italien-Erlebnis zusammen. Siehst du es? Der Stein wird so leicht, dass Vögel ihn forttragen könnten.

Wir besuchten ihn am vergangenen Sonntag in aller Frühe in voller Nüchternheit. Die Marmorstirn lächelte uns entgegen. Sie war geöffnet. Die Türen standen offen und wir traten ein.

„Non ricordate più le cose passate,
Non pensate più alle cose antiche!
Ecco, faccio una cosa nuova:
proprio ora germoglia, non ve ne accorgerete?“

scholl die Stimme uns laut und deutlich aus den alten geöffneten, ewig jungen Mauern  entgegen.  Schaut nicht in die Vergangenheit, sondern blickt nach vorne! Diese alte Fassade lädt dazu ein, mutig und froh nach vorne zu schauen.

Ja! Schau hier, ich mach was Neues! Wir dürfen aufschauen, dürfen und sollen nach vorne schauen. Jeder Tag mit dieser Wahrheit ist ein Geburtstag, ein ganz schöner wie der deine heute, hier und jetzt. Das bedeutet kein Vergessen oder Verleugnen dessen, was vergangen ist. Wie könnten wir all das Schöne, all das Schreckliche der Vergangenheit vergessen?

Aber wir lassen das Licht des Kommenden herein, das gerade jetzt aufkeimt, wir erwarten, wir eilen, wir gehen nach vorne!

Bemerkt ihr dies nicht?

 Posted by at 14:58

„aber die Liebe ist die größte unter ihnen…“ – μείζων δὲ τούτων ἡ ἀγάπη.

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Feb 132016
 

„aber die Liebe ist die größte unter ihnen…“
μείζων δὲ τούτων ἡ ἀγάπη.

Der Beethoven-Elternchor ruft, da muss ich hin! Und da werde ich auch hin!

Abendgottesdienst zum Valentinstag
am 14.02.2016 um 18 Uhr

in der Dorfkirche Lankwitz
(Alt-Lankwitz (Dorfaue) 12247 Berlin)

Ein Gottesdienst bei Kerzenschein
mit besonderer Musik für alle,
die mit uns nachdenken möchten
über ihre junge oder alte Liebe,
über das Verliebtsein
und über die Sehnsucht des Menschen
nach Liebe.

Pfn. Miehe-Heger und Team
mit dem Elternchor der Beethovenoberschule
unter der Leitung von Katrin Pinkert

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Sigurdssons Signale, oder: Was sind die Grundnahrungsmittel einer glückenden Gemeinschaft?

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Feb 032016
 

Was liegt an Worten? Ich meine: sehr viel. An richtigen Worten kann Bestand oder Nichtbestand einer Gemeinschaft hängen. Bestand oder Nichtbestand einer Gemeinschaft offenbaren sich untrüglich in den Worten, die gesagt oder nicht gesagt werden.

„Einigkeit und Recht und Freiheit“, so sangen es am Sonntagabend lauthals und ungehemmt in die Fernsehkameras hinein die Spieler, etwa Andreas Wolff, Finn Lemke, Steffen Fäth und all die anderen, der Trainer Dagur Sigurdsson, die Betreuer Axel Kromer und die anderen Männer der deutschen Handballnationalmannnschaft. Sie bezeugten damit singend ihren Glauben an die Gedanken der Einigkeit, des Rechts, der Freiheit.

Freiheit, Einigkeit, Recht – ohne diese Grundgedanken ist kein vernünftiges Handballspiel möglich, geschweige denn das Finale einer Europameisterschaft.

Einigkeit – ein Grundbaustein des Erfolgs! Der Sieg der Handballmanschaft erklärte sich dem Zuschauer auch durch die laute Frage, die Trainer Sigurdsson seinen Spielern während der Auszeiten entgegenrief: „SEID IHR EINVERSTANDEN?“

Er signalisierte den Spielern damit gewissermaßen den Raum für Einwände. Allerdings hatte sich im Laufe des Turniers das ohnehin vorhandene Vertrauen zwischen Spielern und Trainer so gefestigt, dass keine Widersprüche zu erwarten waren. Dennoch: Die Spieler hätten auch widersprechen dürfen!

„Seid ihr einverstanden?“ Der Trainer Dagur Sigurdsson fragte nach dem Einverständnis der Spieler. Er verlangte also weder blinden Gehorsam noch Unterwerfung. Er bat um Zustimmung für seinen strategischen Plan. Die Spieler erklärten ausdrücklich ihre Zustimmung; sie verstärkten durch Rufen, durch Umarmungen, durch anfeuernde Gebärden ihre Einigkeit.

Im Handball werden wie im Basketball sehr viele Spielzüge abgesprochen; es gibt in jeder Mannschaft gewisse Übereinkünfte, die jeder Spieler – egal ob er wie etwa Niclas Pieczkowski im Rückraum, im Tor wie Carsten Lichtlein, als Rechts- oder Linksaußen (wie etwa Tobias Reichmann oder Rune Dahmke) oder als Kreisläufer wie Jannik Kohlbacher spielt – verinnerlicht haben muss.

Innerhalb dieser Verabredungen gibt es einen gewissen Spielraum; die Spieler – etwa Johannes Sellin, Fabian Wiede, Hendrik Pekeler – sind keine Strategie-Ausführungsautomaten, sondern im wahrsten Sinne SPIELER: sie können in jedem Moment im Rahmen der vereinbarten Strategie Entscheidungen treffen. Etwas Zufälliges haftet jedem Ballspiel unweigerlich an.

Das Absingen der Hymne „Einigkeit und Recht und Freiheit“ durch Spieler (Martin Strobel, Kai Häfner, Julius Kühn und die anderen), Betreuer und Trainer bei der Siegerehrung lädt dazu ein, diese drei Pfeiler einer jeden echten, funktionsfähigen Gemeinschaft zu sehen:
a) Streben nach Einigkeit. Die Beteiligten wollen dazugehören. Sie erkennen an, dass sie nach Einigkeit streben. Sie gehören der Mannschaft aus freien Stücken an. Sie wollen zu dieser Gemeinschaft dazugehören und haben sich entschieden mitzumachen. Sie vertrauen dieser Gemeinschaft.
b) Recht. Alle Beteiligten – Spieler, Trainer, Funktionäre – unterwerfen sich der Herrschaft des Rechts, in diesem Fall also dem Reglement des Handballspiels und den Entscheidungen der Unparteiischen. Es gab kein Gezänke und keine Maulereien angesichts der Entscheidungen der Schiedsrichter.
c) Freiheit. Die Spieler verschmelzen nicht zu einem „einzigen Mann“, jeder Spieler, auch Simon Ernst, Steffen Weinhold und Christian Dissinger, behält seine Freiheit, das strategische Konzept, dem er zugestimmt hat, nach besten Kräften, nach eigenem Ermessen, nach bestem Wissen und Gewissen in die Tat umzusetzen.

Nicht Zwang: sondern Freiheit, nicht Herrschaft des Stärkeren: sondern Herrschaft des Rechts, nicht Zwangsverschmelzung zu einer nicht gewollten zentralistischen Einheit: sondern stetes Streben nach freiwilliger Einigkeit sind die Grundnahrungsmittel einer jeden gelingenden Gemeinschaft.

Wo Einigkeit in Freiheit fehlt, wo kein Wille zur Zugehörigkeit da ist, scheitert die Gemeinschaft. Eine sprachlose Gemeinschaft hat keinen Bestand.

Scheitert die Freiheit, scheitert die Europäische Union.

Wenn das Recht missachtet wird, wenn eingegangene Verpflichtungen nicht eingehalten werden, geht die Gemeinschaft zugrunde.

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„Grenzen sind nichts Schlimmes“. Der berechtigte Einwurf des Rafik Schami

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Nov 012015
 

http://www.derwesten.de/kultur/autor-rafik-schami-grenzen-sind-nichts-schlimmes-id11234193.html

Erstaunlich, dass in all dem aufgeregten Durcheinander fast nie diejenigen zu Wort kommen, die mit arabischen Bürgerkriegsflüchtlingen seit vielen Jahren auf engem Raum zu tun hatten und zu tun haben – wie etwa der hier Schreibende, wie vor allem die Lehrerinnen, Sozialarbeiterinnen in den mehrheitlich oder wesentlich arabisch geprägten Schulklassen und Stadtvierteln.

Die ganze Debatte hat in Deutschland in höchstem Maße hysterische Züge angenommen. Am ehesten stimmt das, was immer wieder einmal der aus Syrien stammende Autor Rafik Schami zur Flüchtlingsthematik sagt, mit dem überein, was auch ich seit vielen Jahren und so auch in diesen Tagen mit den aus arabischsprachigen Gesellschaften teils regulär und teils irregulär Zuwandernden erlebe.

Auch fragt niemand die Flüchtlinge: Wollt Ihr hierbleiben, auch wenn wieder Friede in Euren Herkunftsländern einkehrt? Wenn ja, unter welchen Bedingungen? Was seid ihr bereit zu tun? Seid Ihr bereit, Pflichten zu übernehmen?

Im wesentlichen stellt Deutschland tatsächlich eine Art Paradies dar. Hier gibt es den Rechtsstaat, nur hier in Deutschland ist man auf Lebenszeit vor ungerechter Verfolgung, vor Willkür, vor Hunger und Elend geschützt.

Damals, und das ist der Unterschied zu heute, damals in den 90er Jahren wanderten in einem Jahr etwa 200.000 Menschen als arabischsprachige Bürgerkriegsflüchtlinge mit diesen berechtigten Erwartungen eines irdischen Paradieses zu, damals überwiegend aus bzw. über Libanon. Heute ist es ein Vielfaches davon, und zwar aus vielen Ländern.

Man sollte sich sehr genau durchlesen, was Rafik Schami sagt.

 Posted by at 14:00