Archive for the ‘Eltern als Teil der Schulgemeinschaft’ Category

“Schafft endlich saubere Verhältnisse an Berliner Schulen!”

Samstag, Juli 14th, 2012

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http://www.qiez.de/berlin,friedrichshain,kreuzberg,reinickendorf/bildung/schulen/eltern-fordern-mehr-hygiene-an-schulen-in-friedrichshain-kreuzberg-und-reinickendorf/3959453

“Mehr Sauberkeit an Berliner Schulen!” Rührige Eltern schlagen jetzt die Trommel gegen den Feinstaub, der sich unerträglich auf die empfindlichen Schleimhäute der Kinder lege, da der Senat nur drei Mal pro Woche die Klassenräume wischen lasse.

“Schafft endlich mehr Sauberkeit an Berliner Schulen!”

Wer wollte sich einer solchen Forderung entgegensetzen!

“Meine Tochter geht schon gar nicht mehr auf die Toilette, weil es da so unsauber ist! Ihr droht also eine Blasenentzündung!  Bitte, tun Sie etwas! Fordern Sie, dass der Senat mehrmals täglich die Schultoiletten reinigt!” Ich, ungerührten Auges: “Ihre Tochter hat sich beschwert. Dann lassen Sie uns doch mal besprechen, was wir gegen das Problem der verschmutzten Toiletten tun können.”

So oder ähnlich lagen mir Eltern in den Ohren, wenn wieder einmal das Gespenst der drohenden Blasenentzündung umging.  Ich las es damals in den Zeitungen des vorvergangenen Winters, und dann kamen bei mir in meiner damaligen Eigenschaft als Elternsprecher die Eltern an, die sich ebenfalls bitterlich über eine drohende Blasenentzündung der Kinder beschwerten.

Es kam dann durch Gespräche und Besichtigungstouren heraus, dass viele Schulkinder die Grundregeln der hierzulande üblichen  Toilettenbenutzung nicht kannten oder nicht einhalten wollten.

Lösung des Problems in diesem Fall: Den Schulkindern musste beigebracht werden, nach der Toilettenbenutzung das WC-Becken zu spülen, notfalls auch unter Gebrauch einer WC-Bürste, und sich anschließend die Hände zu waschen. Ferner musste ihnen beigebracht werden, benutzte Papierhandtücher in den Abfallbehälter und nicht auf den Boden zu werfen.  Darüber hinaus wurde ihnen eingeschärft, die Toilettenräume nicht als Aufenhaltsräume zu nutzen, sondern nur für das dort zu verrichtende Geschäft.

Die Probleme der unhygienischen Verhältnisse sind mir wahrlich aus meiner langjährigen Tätigkeit als Elternvertreter an den verschiedensten Berliner Schulen bekannt.

Ich halte allerdings diese im obigen Artikel wiedergegebene Darstellung der Eltern für weit übertrieben! Gerade das Feinstaub-Argument grenzt an reinste Hypochondrie. Es ist ein richtiger, ein sauberer “Hygienefimmel”. Was wohl Allergologen dazu sagen, zu diesem Wahn, den Kindern ein klinisch reines Umfeld hinzaubern zu wollen?

Mein persönlicher Eindruck: Mangelnde Sauberkeits-Erziehung der Kinder ist meist die Hauptursache der unhygienischen Verhältnisse in Berliner Schulen.

Man muss allerdings nicht immer nach der Staatsknete von Väterchen und Mütterchen Staat rufen! Eine regelmäßige Schul-Putzaktion der Schüler (und Eltern) könnte da schon kleine Wunder bewirken. Das gleiche gilt für Plätze, Straßen, Hauswände …

Was man selber sauberhalten muss, das behandelt man anders. Und daran, an der pfleglichen, schonenden Einstellung gegenüber unserem unmittelbaren Lebensumfeld fehlt es sehr oft. Bestes Beispiel: der müllübersäte Görlitzer Park in Kreuzberg, die überall beschmierten und verzierten Hauswände in Friedrichshain.

Wir Bürger, auch schon oft die kleinsten, benehmen uns allzuoft in der Wohnung, im öffentlichen Raum, aber auch in der Schule so, als stünde stets ein wischmoppbewaffneter Putzmann (oder – warum nicht? -  eine wischmoppbewaffnete Putzfrau) hinter uns.

Ich würde Themen wie “hygienischer Toilettengang”, “Sauberkeit im Schulgebäude und im Schulhof” zum Thema der Unterweisung im Berliner Grundschulunterricht machen, und zwar ab Schultag 1.

Etwas mehr Selbstzucht, etwas mehr Einhaltung von anerkannten Regeln, und viele Probleme lassen sich mit gutem Willen aller Beteiligten lösen. Ganz ohne Staatsknete.

Unser heutiges Bild zeigt einen Blick auf die Wasser des Königssees, des reinsten Sees in ganz Deutschland.

“Warum will keiner Berlins größtes Problem in die Hand nehmen?”

Samstag, November 26th, 2011

Als Berlins größtes politisches Problem benennt die BILD-Zeitung die  BILDUNG.

Unter dem Motto BILD DIR DEINE MEINUNG besuchte ich gestern und heute Tage der Offenen Tür an Berliner Schulen in freier Trägerschaft. Denn Schulen in freier Trägerschaft sind offensichtlich ein wichtiger Weg, um aus der gegenwärtigen Misere der senatsgeführten Schulen herauszukommen.

Gestern besuchte ich den Tag der Offenen Tür an der privaten deutsch-russischen Lomonossow-Grundschule.

Eine russische Mutter erhob sich in der Aussprache, nahm das Wort und führte aus, weshalb sie ihr Kind nach zwei Jahren von den staatlichen Schulen Berlins weggezogen habe. Mit schneidender Schärfe führte sie in russischer Sprache – unter dem beifälligen Kopfnicken aller Anwesenden – die Hauptargumente gegen die staatlichen Grundschulen Berlins aus. Ich weiß, dass viele Eltern in Gesprächen genau dieselben Beschwerden vorbringen, und gebe deshalb die folgenden Ausführungen mit Zustimmung Irina Potapenkos wider:

1) Es fehlt in Berlins staatlichen Grundschulen ein erkennbares Programm. Es ist für die Eltern nicht ersichtlich, womit sich die Kinder den lieben langen Tag beschäftigen. Den Kindern selbst ist es auch oft nicht ersichtlich.

2) Es fehlt ein inhaltlicher Kanon an Werten, Grundhaltungen und Tugenden. Den Kindern werden keine persönlichen Vorbilder vermittelt, sondern beliebige Angebote gemacht.

3) Einfache Grundfertigkeiten wie Lesen, Schreiben, Rechnen, Singen und Malen werden in den ersten Grundschuljahren nicht ausreichend vermittelt. Die Kinder können beispielsweise am Ende der ersten zwei Grundschuljahre nicht das, was die Kinder in den Herkunftsländern nach zwei Jahren konnten: einfache Texte lesen, einfache Texte schreiben.

4) Die Kinder werden als Experimentierobjekte für pädagogische Neuerungen missbraucht. Dazu gehören das jahrgangsgemischte Lernen, das “Schreiben nach Gehör”, die Ganzwortmethode usw., die Verwischung der Rollendistanz zwischen Schüler und Lehrer, die Testeritis mit VERA usw.

5) Umgekehrt wird alles Bewährte über Bord geworfen. Die Kinder werden in einen kulturell leeren Raum hineinerzogen. Der vorherrschende Kulturrelativismus führt zu einer völligen Entkernung der deutschen Bildung, weshalb die Stärkung der Herkunftsidentität als Ausweg gesucht wird.  “Wenn schon die Deutschen nichts von ihrer klassischen Kultur und von sich erwarten, dann erziehen wir die Kinder eben nach türkischen, russischen, französischen, islamischen … Methoden und Werten.”

6) Je länger die Zuwanderer unter dem Berliner Schulsystem leiden, desto stärker klammern sie sich an der Herkunft fest.

7) Es fehlt an der Autorität des Lehrers. Die Kinder werden zuviel sich selbst überlassen. Die Disziplinprobleme überschreiten das erträgliche Maß.

8) Es fehlt an Leistungsanreizen. Die Abschaffung der Noten in den ersten Grundschuljahren bedeutet Laissez-faire ohne Ende, die Kinder werden nicht gefordert. Ihnen wird nichts zugetraut.

9) Es fehlt an Büchern, die durchgearbeitet werden. Deshalb fehlt es auch an Systematik. Der Lernfortschritt erfolgt zufällig. Kinder und Eltern haben oft das Gefühl, “sich im Kreis zu drehen”.

Die vorstehend angeführten Meinungen scheinen mir bei den allermeisten Eltern der Kinder mit Migrationshintergrund, die Berliner staatliche Grundschulen besucht haben und sich enttäuscht abwenden, vorzuherrschen.

Mangelnde materielle Ausstattung, fehlende Verbeamtung, “marode Turnhallen”, zu große Klassen usw., all die wortreichen Jeremiaden, mit denen die Deutschen und die deutschen Politiker über die staatlichen Schulen ablästern und herfallen, spielen in den Klagen der Eltern mit Migrationshintergrund erstaunlicherweise keine Rolle.

Es befremdet mich immer wieder, dass die Berliner Eltern mit Migrationshintergrund in der bildungspolitischen Debatte nicht erfasst werden.  Wer das große Wort führt, das sind die Deutschen und die wohlbesoldeten Standesvertreter der großen deutschen Lobbyverbände, die im wesentlichen ihre eigenen Klientel-Interessen verfolgen, egal ob sie nun GEW, TBB oder sonst irgendwie heißen.

Meinungsforschungsinstitute! Politiker! Ihr könntet ruhig einmal diese 9 oben aufgestellten Thesen der russischen Mutter einer Umfrage bei Eltern mit Migrationshintergund unterziehen. Die Frage müsste lauten: “Inwieweit stimmen Sie diesen Aussagen zu?” Das Ergebnis wäre sicher überraschend.

Auf die neue Bildungssenatorin wartet jede Menge Arbeit!

Was tun? Zunächst gilt: Schulen in freier Trägerschaft wie etwa die deutsch-russische Lomonossow-Schule, Schulen in kirchlicher Trägerschaft bieten nach Ansicht der Eltern einen echten Ausweg aus dem beschriebenen Dilemma.

Darüber werden wir in den nächsten Beiträgen dieses Blogs berichten.

Koalitionsvertrag unterschrieben: Warum will keiner Berlins größtes Problem in die Hand nehmen? – Berlin – Bild.de

Die elterngetragene Grundschule, oder: Brauchen wir eine neolithische Wende an Kreuzbergs Schulen?

Freitag, Juli 29th, 2011

east-side-gallery-21062008001.jpgJetzt machen wir unsere Schule selbst.“ So das Motto der vom Staate maßlos enttäuschten Kreuzberger Eltern, die sich vor Jahren zusammenfanden, um eine evangelische elterngetragene Schule zu gründen. Sie griffen damit das Motto einer Berliner Parteineugründung einer bunten Schar vom Staate maßlos enttäuschter Kreuzberger Menschen aus dem Jahre 1978 auf: „Jetzt wählen wir uns selbst”.

Aus diesem staatskritischen Grundimpuls der Töchter und Söhne aus gutem Hause: “Wir machen Politik selber – die da droben können es nicht” entstand vor 33 Jahren in Kreuzberg die Alternative Liste (AL), die erfolgreiche Partei-Neugründung der Bundesrepublik.

Aus demselben staatskritischen Grundimpuls der jungen Väter und Mütter “Wir machen Grundschule selbst – die da droben können es nicht” entstanden exakt 30 Jahre später in Kreuzberg und anderswo Elterninitiativen zur elterngetragenen Grundschule.

Es gab Riesenzoff, Riesenärger! Seine hocherfahrene grüne Politmajestät in und zu Kreuzberg war getreu dem damaligen Motto selbstverständlich auch für die Kreuzberger Privatschule. Die linksgrüne Bezirksobrigkeit in Friedrichshain-Kreuzberg hingegen stand in aller Öffentlichkeit wie so oft als verbietend-kontrollierende Verhinderungsinstanz da.

Niederschmetternd: Beide Seiten – die staatsskeptischen Selbermacher von unten und die linksgrüne staatstragende Obrigkeit von oben – sprachen ab einem gewissen Punkt erkennbar nicht mehr miteinander. Die Bildungspolitiker des Bezirks wurden von verbitterten Eltern zu unerwünschten Personen erklärt und nicht mehr eingeladen – etwas, was sich kürzlich im Kreuzberger Hasir wiederholt hat. “Politiker unerwünscht!” So las ich es selbst auf einem Aufruf eines Vaters, eines früheren taz-Redakteurs übrigens. Diesem Aufruf folgten die Eltern zu Hunderten.

Ich selbst war stets ein Verfechter der staatlichen Grundschule als einer Einheitsschule. Ich bin überzeugt: Mindestens 4 Jahre sollen alle Grundschüler gemeinsam lernen! Davon entfernt sich Berlin, insbesondere aber Kreuzberg jedes Jahr mehr und mehr. Die von mir so oft beklagte soziale Entmischung der Schüler schreitet atemberaubend schnell voran, wohl auch deswegen, weil konstruktive Konzepte in der Kommunalpolitik dünn gesät sind.  Linke Senatspolitik und linksgrüne Bezirkspolitik sind – trotz anzuerkennender bester Absichten – gleichermaßen heillos überfordert.  Es herrscht allzu oft Hoffnungslosigkeit, Chaos, Verzweiflung an der staatlichen Grundschule.

Heute, wo die Schülerschaften gerade in Bezirken wie Kreuzberg oder Neukölln nach ethnischen, sozialen und nicht zuletzt religiösen Kriterien zutiefst auseinandergefallen sind und noch weiter auseinanderfallen, meine ich – weiterschreitend von meinem früheren Standpunkt:

Die böse, arge Zauselei zwischen den geschworenen Verfechtern der staatlichen Regelgrundschule wie etwa mir selbst und den privaten Initiativen zur Gründung dieser oder jener elterngetragenen Schule hat sich überholt. Das alte Lagerdenken gilt nicht mehr. Tatsache ist: Die bildungsbeflissenen Eltern aus den Ländern Polen, Palästina, Baden, Italien, Württemberg, Türkei, Russland, Frankreich  usw. verlassen – wie ich sehe -  weiterhin in großen Zahlen die staatlich hochsubventionierten Auffangbiotope für Erwachsene, genannt Kreuzberg, Neukölln, Wedding usw.

Es wäre für Kreuzberg ein Segen, wenn sich die eine oder andere alternative Privatschule in dem Bezirk niederließe, wenn die Privatschulen nach und nach die polnischen, italienischen, russischen, deutschen oder türkischen Familien zurückholten, die jetzt eine nach der anderen sang- und klanglos Kreuzberg verlassen oder längst verlassen haben. Ich denke da vor allem an islamische bzw. kirchliche private Grundschulen sowie an binationale elterngetragene Grundschulen. Zuziehende Familien mit Schulkindern sollten sich hier dauerhaft ansiedeln, sollten Kinderscharen zeugen, sozial benachteiligte Kinder unter ihre Fittiche nehmen, Kinder hier in Kreuzberg großziehen. Sie wüssten: Ich finde für unsere Kinder eine gute Zukunft an der besten möglichen Schule im schönsten aller Berliner Bezirke, in Friedrichshain-Kreuzberg vor!

Ich gestalte die Zukunft mit! WIR MACHEN UNSERE ZUKUNFT SELBER!

Es wäre die epochale Wende zur Sesshaftigkeit in Friedrichshain-Kreuzberg, die neolithische Wende in der Berliner Schulpolitik!

Wichtig: Die elternbestimmten Schulen sollten sich von Anfang als Teil des Umfeldes betrachten, sollten sich einbringen, sich öffnen zu den staatsbestimmten Grundschulen hin. Jedes Kind sollte angemeldet werden können. Warum nicht einen Tag zusammen Unterricht machen, gemeinsam Sportstätten nutzen, gemeinsame Konzerte abhalten? Gute Schüler der oft hervorragend ausgestatteten staatsgetragenen Grundschule könnten jüngeren schlechteren Schülern der elterngetragenen Grundschule Nachhilfe geben! Wettbewerb belebt die Kreativität, den Mut ud die Tatkraft der Schüler.

Gemeinsam&gelassen läuft’s besser. Kooperation ist angesagt.

Kannst du mich tragen?

Sonntag, März 13th, 2011

13032011429.jpgEine erste Wanderung am heutigen  Sonntag führte meine Schulgemeinschaft vom schroffen Machtkult des Olympiastadions über die hingemähten Leidensmale des britischen Soldatenfriedhofs in den Grunewald. “Es grunelt”, so nannte Goethe des öfteren dieses erste flächenhaft hingesprenkelte Grüne, dieses Voratmen des Frühlings. Herrlich! Unser Lachen schallte durch den noch laublosen Wald.

Und sogleich entspring ein Leben,
Schwillt ein heilig heimlich Wirken,
Und es grunelt und es grünet
In den irdischen Bezirken.

Dann, beim letzten steilen Anstieg zum Grunewaldturm, staunte ich baff. Was hörte mein Ohr?  “Kannst du mich tragen?” Ein achtjähriges Kind verlangte dies von mir! SIE VERSUCHEN ES HALT IMMER WIEDER!, dachte ich. Die Kinder sind wie Empfänger staatlicher Hilfe, wenn man nicht aufpasst. Kinder sind schlimmstenfalls wie konkursgefährdete staatsgestützte Betriebe, wie bankrotte halbstaatliche Banken, notleidende EU-Länder, wie lernunwillige Jugendliche mit oder ohne allerlei migrantische Hintergründe. “Kannst du mich tragen!” Die Spatzen kriegen den Hals nicht voll genug! Sie tschilpen und fiepen!

Ich lehnte schroff ab: “Ich denke nicht im Traum daran, dich zu tragen! Geh selber!” Und gut war. Der Knabe schaffte die schroffe Anhöhe spielend und ohne weiteres Jammern.

Gut auch: Die Radfahrer sind wieder los. Es werden immer mehr!

Geht selber und fahrt selber, mit eigener Kraft! Strampelt euch frei!

Der Radverkehr legt zu, die Planer müssen sich drauf einstellen!

Vom Erfolg überrollt – Berliner Zeitung
Die Planer müssen aber nicht nur über neue Wege nachdenken – sondern verstärkt auch darüber, wie bestehende Anlagen, die für den gewachsenen Radverkehr zu klein geworden sind, erweitert werden könnten. Zu diesen „Hot Spots“ gehören die Schönhauser, Prenzlauer und Frankfurter Allee , sagte Arvid Krenz, Fahrradbeauftragter des Senats. „Dort reicht vor allem vor den Ampeln der Platz nicht mehr aus, es gibt regelrechte Fahrradstaus.“ Das Problem ist: „Wenn man Radfahrern mehr Platz gibt, muss man anderen Platz wegnehmen“ – meist den Autofahrern, so Guggenthaler. Neue Radfahrstreifen fallen mit 2,30 Meter meist 50 Zentimeter breiter aus als frühere.

Klagenfreude (2)

Sonntag, Januar 16th, 2011

13102008.jpgDer Tagesspiegel bringt heute auf S. 9 aus der Feder Barbara Kerbels einen insgesamt zutreffenden Frontbericht von der Schule.

Leserdebatte: Worunter leiden Berlins Schulen? – Schule – Berlin – Tagesspiegel
Noch nie standen Lehrer so stark unter Druck und unter Beobachtung. Noch nie haben sich Eltern so entschieden und gründlich in den Schulbetrieb eingemischt. Wie Lehrer sein sollen, wie sie mit unseren Kindern umzugehen haben – das meinen alle beurteilen zu können. „Lehrer ist ja quasi jeder“, sagt Ralf Treptow, Direktor des Rosa-Luxemburg-Gymnasiums in Pankow.

Ich neige der Ansicht zu, dass auch hier – wie an so vielen Stellen – Überversorgung das Problem ist.  Überversorgung erzeugt Anspruchshaltung.  Meine Generation – also die jetzige Elterngeneration -  hat doch nie ernsthaft um etwas kämpfen müssen, z.B. um kostenlose Schulbildung bis zum Abitur für jeden. Wir schätzen all das, was der Staat uns “schenkt”, zu wenig. Im Gegenteil! Die staatlichen Bildungsangebote werden oftmals als unzureichend abqualifiziert – um noch mehr verlangen zu können.

“Du Staat – erziehe uns unsere Kinder in allem: Pünktlichkeit, Sauberkeit, Höflichkeit, Respekt!”

Man vergleiche unsere Luxus- und Lotter-Lage etwa mit der Lage der “illegalen”, vom Schulbesuch ausgeschlossenen Roma-Kinder in Berlin – auch hierüber berichtet der Tagesspiegel heute auf S. 12!

Klagenfreude

Donnerstag, Januar 13th, 2011

Früher waren die Eltern und die erwachsenen Bürger schaffensfroh, sangeslustig, sinnesfroh, lebensfroh, lebenslustig – heute sind sie vor allem klagefreudig und wie Hinz und Kunz “benachteiligt”.

Wie Rechtsanwälte, die ihr Ding gegen das gemeine Gemeinwesen durchziehen!

“Als besonders klagefreudig bezeichnet die Pankower Schulstadträtin Lioba Zürn-Kasztanowicz die Eltern in ihrem Bezirk.”

Herrlicher Satz!

Lustiger Bericht heute in der Morgenpost auf S.  15 über die “Neue Wut der Eltern”.

mobil.morgenpost.de

Inklusion der Eltern, Fortbildung der Eltern? Weiter Fehlanzeige!

Mittwoch, Dezember 1st, 2010

“Ja, Sie wollen die Erziehung der kleinen Kinder privatisieren, Sie wollen alle Eltern damit allein lassen, Sie sehen ja die Hauptursache der Bildungsmisserfolge in den Familien, Herr Hampel! Sie sind ein böser Kapitalist und Advokat der herrschenden Verhältnisse!”

Gemach! Ich will die Erziehung nicht komplett privatisieren. Ich sage nur: Die Eltern stehen vorrangig in der Pflicht, die staatliche Gemeinschaft muss darüber wachen, dass die Eltern ihren Erziehungsaufgaben nachkommen. Und, noch besser: Die staatlichen Institutionen, mehr noch die kleinen Einheiten vor Ort, also die Schulen und die Vereine, müssen aktiv die Eltern aufrufen, fordern, müssen sie einbeziehen. Das geschieht bereits in zaghaften Ansätzen, aber es reicht noch bei weitem nicht.

Ich rege noch einmal an, über verpflichtende Elternbildung nachzudenken. Ein straffes System muss dafür eingeführt werden. Und zugleich rege ich deutliche Reformen im Sozialsystem an: streichen, kürzen, befristen, mit Auflagen versehen, lautet das Zauberwort.

Kaum jemand lernt Deutsch, der dies nicht auch deswegen tut, damit er später seinen Lebensunterhalt für seine Familie erarbeiten kann.

Kaum Überraschungen bietet der neueste PISA-Bericht:

Pisa-Studie: Deutsch für Anfänger – Wissen – Tagesspiegel

Wie gehabt. Der Staat ackert und tut, Geld wird reingeschüttet ohne Ende ins System, die Bildungsforscher messen und testen um die Wette, was das Zeug hält. Da leben Hunderte davon – Hunderte, oder Tausende Menschen, die viel dringender an der Front gebraucht würden.

Ein Lichtblick für die arme geplagte Seele des Kreuzberger Bloggers: Das Konzept “Eltern als Teil der Schulgemeinschaft!” Vorgestellt bei uns in der BVV Friedrichshain-Kreuzberg! DAS sollte man mit Leben erfüllen! Es wird schwer, wahnsinnig schwer. Aber die Früchte werden mannigfaltig sein.

“Wir waren 55 in einer Klasse in Bethlehem …”

Mittwoch, November 10th, 2010

“… die meisten sind ausgewandert, viele in die USA, andere nach Europa. Fast alle sind etwas geworden.  Einige sind Rechtsanwälte, andere Ärzte, andere studierten in Harvard und wurden Firmenchefs.”

So berichtete es mir kürzlich ein Palästinenser, der seit langem in Berlin lebt.

Berlins Bildungspolitiker stochern fleißig im Nebel. Einer der Gründe mag darin liegen, dass sie beruflich und privat keinen Kontakt zu den ganz normalen, nichtorganisierten Arabern und Türken und Russen und Polen haben.

Die organisierten Migranten quatschen unsere deutschbiederen Politiker dumm und dusslig: “Wir sind benachteiligt, fördert uns, ihr müsst uns mehr Geld geben, ihr müsst kleinere Klassen bilden …!”

Resultat: Klassen mit 12 Schülern und zwei Lehrerinnen, etwa an der Rütlischule. Eine horrende Verschwendung!

Wieso ist bloß die palästinensische Grundschule mit 55 Kindern und einem Lehrer vor der ersten Intifada besser gewesen  als die Berliner Grundschule mit 12 Kindern und zwei Lehrerinnen und einer Erzieherin? Warum lernten sie dort Arabisch UND Englisch und Hebräisch bis zur Berufsreife?

Antwort meiner palästinensischen Bekannten: “Wir hatten Persönlichkeiten als Lehrer. Sie glaubten an uns. Sie waren sehr streng. Es wurde viel im Chor gelernt. Es gab auch Strafen. Die materielle Ausstattung war im Vergleich zu Berlin spartanisch.”

“Und die Berliner Grundschule?” “Erleben wir als chaotisches Durcheinander, als unverständlich. Geld wird reingeschüttet ohne Ende. Aber es fehlt an starken Persönlichkeiten. Und  ab und zu hören wir zur Entspannung: “Mit dem Hauptschulabschluss könnt ihr nichts anfangen. Aus euch werden eh Hartz-IV-Empfänger.”

Ich meine: Verheerende Botschaften! Bitte Vorhang zu in diesem Schauspiel! In Berlins staatlichem Schulwesen fehlt es an Vertrauen in die Persönlichkeit. Alle wohlgemeinten Versuche – jetzt werden händeringend arabische Lehrer gesucht – werden scheitern, solange man nicht den direkten Kontakt mit den arabischen und palästinensischen Vätern und Familien sucht, und zwar außerhalb der organisierten, staatlich hochgepäppelten Organisationen.

Berliner Zeitung – Aktuelles Berlin – Berlin sucht arabischstämmige Lehrer
Im Gegensatz zu Lehrern mit türkischem Wurzeln unterrichteten bisher kaum Pädagogen mit arabischem Hintergrund in Berlin, teilte Bildungssenator Jürgen Zöllner. Er erhofft sich von den drei neuen Kräften, dass sie auch einen besseren Zugang zu arabischen Eltern finden. Unterrichtssprache bleibe Deutsch.

“Das besterhaltendste Teilstück der Stadtmauer …”

Montag, November 1st, 2010

 besterhaltendste-31102010024.jpg… fanden wir gestern auf einem herrlichen Radausflug von Schülern, Eltern und Lehrern in Strausberg! Der Ausflug hätte unter dem Leitwort stehen können:  “Eltern als Teil der Schulgemeinschaft”.

In der Tat: Wenn alle Familien einer Schule jeden Sonntag etwas gemeinsam unternähmen, entstünde eine echte Schulgemeinde, die Kinder fänden zusammen, all die vielbeschrieenen Nöte flögen fort, als wären sie ein staatlich subventionierter Dauer-Albtraum misslingender Integration!

Da würden sich aber meine bevorzugten Mitstreiterinnen in der Friedrichshain-Kreuzberger Schulpolitik gefreut haben. Wer mag das wohl sein? Ratet!

Aber ist es richtig gutes Deutsch, was ich auf der Stadtmauer der Stadt Strausberg las: “Das besterhaltendste Teilstück der Stadtmauer …” Was hätte Karl Kraus dazu gesagt?

Vor den Schwierigkeiten der deutschen Sprache sollte man nicht den Kopf in den Sand stecken. Das wäre eine Vogel-Strauß-Politik, die uns nicht weiterhülfe.

Übrigens:

Das besterhaltene Teilstück der Berliner Mauer befindet sich in unserem Doppelbezirk Friedrichshain-Kreuzberg.

Das trotz gelegentlicher Beschmierungen sorgfältig zu erhaltende Teilstück findet man längs der Mühlenstraße.

Möge es weiterhin ein gut erhaltenes, ja wohl das besterhaltene Teilstück der Berliner Mauer bleiben!

Eltern als Teil der Schulgemeinschaft

Mittwoch, Oktober 6th, 2010

In dem üblichen hochgradig angereicherten Wissenschaftssprech liegt er  vor – der Zwischenbericht zur Elternpartizipation. Dieses Blog berichtete über die Veranstaltung im Rathaus Kreuzberg, auf der der Bericht vorgestellt wurde.

So muss das wohl gemacht werden, wenn man vor den Wissenschaftsgemeinde  bestehen will. Bitte lasst euch nicht abschrecken von der sperrigen Sprache! Man kann das alles gut in verständliches Deutsch übersetzen – ein gutes Abitur in Deutsch, Englisch oder Lateinisch reichen aus, und sofort versteht man diese Begriffe! Übliche Deutsch-, Türkisch- oder Arabischkenntnisse allein reichen nicht aus.

Zwischenbericht – Erhebung zur Elternpartizipation FX – 4-10-2010.pdf(application/pdf-Objekt)

Die Daten des Berichts sind zwar kaum valide zu nennen, da die Rücklaufquote niedrig war.

Aber den Grundgedanken des Unternehmens, nämlich die Einbeziehung, die Einbindung der Eltern in die Arbeit der Schule, finde ich herausragend gut!

Wenn dies gelänge, nämlich die Eltern in die “Schulgemeinde” oder die “Schulgemeinschaft” einzubeziehen, dann wäre die Partie “Integration” schon hald gewonnen.

Wichtig wäre es, die Mehrheit der Eltern überhaupt erst einmal zum Erscheinen bei Schulfesten, Elternabenden, Veranstaltungen zu bewegen. Schon an dieser Aufgabe wird man meist scheitern.

Da müssen wir uns noch viele Gedanken machen. Und vor allem handeln. Der Staat allein wird diese Aufgabe nicht meistern können.

Die Verantwortung für ein Miteinander liegt bei den Eltern und den Schulen. Der Staat wird sich überheben, wenn er versucht, die “Schulgemeinde” durch noch mehr Geld oder noch mehr Reformen herbeizuführen.