Vom Ergänzungsverhältnis apologetischer und kategoretischer Erinnerungskulturen in Europa

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Dez 072015
 

„Und warum erfahren wir das erst jetzt?“ So geht es einem wieder und wieder, wenn man sich näher mit der Geschichte der Jahre 1914-1945 befasst. So mag es manchem ergehen, wenn er erfährt, dass gegen Ende des 2. Weltkrieges immerhin mehr als 1 Million sowjetische Kriegsgefangene bereit standen, um als Freiwilligenarmee unter der Führung des Generals Wlassow gegen Stalin in den Krieg zu ziehen. Was zum Teufel ritt sie denn? Wovor hatten die ehemaligen Rotarmisten Angst?

Früher, unmittelbar nach 1945 schob man zur eigenen Entlastung in beiden deutschen Staaten bisweilen alle Schuld von sich: „Das haben alles nur die Nazis gemacht, nicht wir!“

Und in Russland, Italien, Deutschland kann man umgekehrt seit 1956 bis zum heutigen Tage immer wieder hören: „Это была вина сталинизма. Это была не наша вина! Es war alles die Schuld des Stalinismus, nicht unsere!“ Man könnte diese Haltung gegenüber der eigenen Vergangenheit eine apologetische Erinnerungskultur nennen.

In Deutschland herrscht demgegenüber heute eine eindeutig auto-kategoretische, also selbst-anklagende Geschichtsbetrachtung vor. „Wir Deutschen tragen alleine die Schuld und die Verantwortung für die zweimalige Zerstörung Europas in den Jahren 1914-1945. Und wir Deutschen sind außerdem an dem bislang größten Menschheitsverbrechen schuld!“ Deutschland übernimmt tausendfach, stillschweigend oder ausdrücklich, die Alleinschuld oder doch die Hauptverantwortung für zwei Weltkriege und obendrein noch für die Shoah. Die Formulierung vom „größten Menschheitsverbrechen“, der Shoa (auch Holocaust genannt), ist mittlerweile in dieser Absolutsetzung geradezu offiziös geworden, sie findet sich beispielsweise auch bei H.A. Winkler im letzten Band seiner „Geschichte des Westens“ (München 2015, S. 597).

Von dieser autokategoretischen Haltung Deutschlands profitieren insbesondere Italien und Russland in ihrem vorwiegend apologetischen Geschichtsbild. Können sie doch zur eigenen Ehrenrettung stets darauf verweisen, dass die eigenen Verbrechen der Vergangenheit ausnahmslos früher oder später durch die Deutschen übertroffen oder mindestens verursacht worden seien. Weil die Deutschen überall so schlimm gewütet hätten, habe man auch selbst nicht unschuldig bleiben können.

Während sich also in Deutschland mittlerweile in vielen tonangebenden Medien – bis in den Bundestag hinein – diese selbstanklagende Geschichtsschreibung durchgesetzt hat, fördert die historische Forschung seit 1990 sehr viel mehr Zwischentöne heraus.

Die Stichworte dafür lauten: geteilte Verantwortung, Interdependenzen, Kausalketten, reaktive Eskalationsstufen der Verbrechen, „schwache Diktaturen“, Anomie-Prozesse in den Gesellschaften, „europäischer Bürgerkrieg“.

So hat Timothy Snyder etwa darauf hingewiesen, dass bis zum 01.09.1939 das Deutsche Reich unter nationalsozialistischer Herrschaft „nur“ etwa 20.000 Morde an Zivilisten begangen hatte. Deutschland wurde in den Jahren 1935-1939 überall hofiert. Die Tageszeitungen Amerikas, Frankreichs und Englands verfolgten nachweislich die ersten sechs Jahre der Hitlerregierung mit kritischem Wohlwollen oder auch mit Bewunderung.

Demgegenüber hatten die staatlichen Organe der Sowjetunion, also insbesondere die Rote Armee und die Tscheka/der NKWD, ab 1917 bis zum 01.09.1939 sicherlich mindestens das Hundertfache an Morden an Zivilisten begangen, während in der Buchhaltung der Massenmorde an zweiter Stelle das faschistische Italien folgte. Die Sowjetunion nahm also gemessen an der Zahl der Todesopfer bis 01.09.1939 mit großem Vorsprung den ersten Platz der verbrecherischen Regime in Europa ein, Italien den zweiten Platz. Das Deutsche Reich rangierte damals noch weit abgeschlagen auf dem dritten Platz in der europäischen Champions League der Massenverbrechen!

Die Angst vor einem kommunistischen Putsch beherrschte obendrein die Innenpolitik der westeuropäischen Staaten, hatten sich doch die Bolschewiki nicht durch eine Revolution, sondern alleine durch bewaffnete Kader an die Macht in Russland geputscht. Und das Deutsche Reich unter Hitler galt spätestens ab 1935 als eine Art Bollwerk gegen den drohenden kommunistischen Umsturz in den Staaten Westeuropas.

Man braucht nur beliebige Tageszeitungen westeuropäischer Länder jener Jahre aufzuschlagen, und man wird die Wahrheit dieser Thesen aus damaliger Sicht bestätigt finden.

Im großen und ganzen wird man aber sagen können, dass im Nachhinein die tiefe Überzeugung von der alleinigen Schuld der Deutschen erstens an den beiden Weltkriegen und zweitens an der absolut als das Böse an sich gesetzten Shoah eine doppelte Glaubenswahrheit geworden ist, ohne die die Völker Europas nicht friedlich zusammenleben wollen und können.

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De Gaulle ist wieder da!

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Nov 212015
 

Starkes Wiederauftauchen des Generals de Gaulle und des Gaullismus in genau diesen Tagen! Was für eine Gestalt! Der Sozialist Hollande greift in seiner kriegerischen Rhetorik klar auf ihn zurück! Und der Flugzeugträger, der de Gaulles Namen trägt, ist unterwegs ins östliche Mittelmeer.

Oskar Lafontaine bekennt sich heute im Magazin der Süddeutschen Zeitung „in einem Punkt als überzeugter Gaullist„: er setzt wie de Gaulle die sicherheitspolitischen Interessen Europas an die erste Stelle; und die lassen seiner Meinung nach einen Interventionskrieg nicht zu.

Lafontaine ist wehrrechtlich ein waschechter Nationalkonservativer. Er beschränkt das Recht zur Kriegführung wie das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland auf den Verteidigungskrieg. So steht es ja auch wirklich im Grundgesetz! Man sollte es nicht glauben, aber es ist so. Und auch die Völkerrechtler verneinen weltweit überwiegend das Recht auf den Interventionskrieg, während jedem Staat unstrittig das Recht zur bewaffneten Selbstverteidigung zugesprochen wird. Lafontaine sagt: „Für mich ist die Bundeswehr eine Verteidigungsarmee und keine Interventionsarmee.“

Mehr zufällig entdeckte ich dann beim Blättern in einem Buch über die Entstehung der Sowjetunion ein verschwommenes Schwarz-Weiß-Bild de Gaulles aus seinen frühen, den russischen Tagen als Kämpfer der Weißen Armee im Bürgerkrieg, dem sowjetisch-polnischen Krieg zwischen den Roten, den Bolschewiki einerseits, den Polen, Sozialdemokraten, Konservativen und Alliierten verschiedener europäischer Länder andererseits! Dem überragenden militärischen Geschick Trotzkijs, seiner Strategie des Terrors gegen die Zivilbevölkerung, der konsequenten Liquidierung der Gegner, der massenhaften Ermordung der innenpolitischen Feinde, der flächendeckenden Errichtung von Konzentrationslagern, der unerbittlichen Härte der von Trotzkij geschmiedeten Roten Armee hatten die Weißen keine annähernd gleichwertige Kampfkraft entgegenzusetzen. Auch fehlte ihnen eine konsequente Strategie.

Die Roten verjagten schließlich die Interventionsarmee der Weißen und setzten alsbald zu den Angriffskriegen auf das vorübergehend unabhängige Georgien, auf die vorübergehend unabhängige Ukraine, auf die vorübergehend unabhängigen baltischen Länder, auf das wiedererstandene Polen und auf Finnland an. Lenin, Trotzkij, Berija, Dzierzinski, Stalin, Sinowjew, Swerdlow schossen sich 1920/21 in einem gnadenlos geführten Bürgerkrieg ihren welthistorischen, mit Strömen von Feindesblut getränkten Weg frei und betrieben von da an, von den frühen 20er Jahren an konsequent eine militärisch aggressive Expansionspolitik selbst noch über die Grenzen des ehemaligen Russischen Reiches hinaus – mit dem vorläufigen Endpunkt der Besetzung Ostpolens in den Jahren 1939-41.

Die Rote Armee war ursprünglich zusammengeschmiedet als Bürgerkriegsarmee. Nach dem Sieg im Bürgerkrieg wurde sie umgeschmiedet zur Angriffsarmee, in deren Schatten die Tscheka, die GPU, der NKWD ihren Terror gegen die Volksmassen entfalten konnten.

Und De Gaulle? Er hatte seinen frühen militärischen Kampf gegen die Bolschewiki verloren. Hätte es sich aber der Rechtskonservative de Gaulle je träumen lassen, dass er in den 40er Jahren den Schulterschluß mit den früher erbittert bekämpften Bolschewiki, dass er das Bündnis mit der UDSSR suchen würde, um den gemeinsamen Feind, das Deutsche Reich und dessen Verbündete Italien, Finnland, Ungarn, Rumänien niederzuringen?

Im Zug nach Hamburg las ich als Dreingabe einen glänzend formulierten, höchst lesenswerten Aufsatz des Althistorikers Egon Flaig über den Historikerstreit, der eigentlich eher ein erinnerungspolitischer „Bürgerkrieg“ war, in dem es kaum um Fakten, sondern mehr um Meinungen über höchst selektiv erinnerte Fakten ging. Auch heute werden die über die letzten 25 Jahre gesammelten Erkenntnisse der Fachhistoriker zu den Ländern des ehemaligen Sojewtblocks im bundesdeutschen Feuilleton nur spärlich zur Kenntnis genommen. Die Sowjetunion bleibt die große Unbekannte im deutschen Erinnerungsdiskurs. So kann kein „Haus Europa“ gebaut werden.

Lesehinweise:
„Nur tote Fische schwimmen immer mit dem Strom.“ Interview mit Peter Gauweiler und Oskar Lafontaine. Süddeutsche Zeitung Magazin Nr. 47, 20.11.2015

Hugo Portisch: Hört die Signale. Aufstieg und Fall des Sowjetkommunismus. Mit einem Nachwort zur Taschenbuchausgabe. Mit zahlreichen Schwarzweißfotos. Deutscher Taschenbuch Verlag, München 1993, Foto des Majors Charles de Gaulle: Seite 127

Egon Flaig: Die ‚Habermas-Methode“ und die geistige Situation ein Vierteljahrhundert danach. Skizze einer Schadensaufnahme. In: Mathias Brodkorb (Hrsg.): Singuläres Auschwitz? Ernst Nolte, Jürgen Habermas und 25 Jahre „Historikerstreit“. Adebor Verlag, Banzkow 2011

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Darf man heute immer noch straffrei behaupten, die Erde sei keine Kugel?

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Nov 132015
 

„Es ist müßig, mit Leuten zu diskutieren, die keine Fakten akzeptieren“, sagte er demnach. Auf die Behauptung Haverbecks, dass es keine Beweise für den Holocaust gebe, habe der Richter geantwortet: „Ich muss auch nicht beweisen, dass die Erde eine Kugel ist.“

Mit dieser Begründung steckte ein Hamburger Amtsrichter gestern eine 87 Jahre alte Dame für 10 Monate ohne Bewährung ins Gefängnis. Ihre Straftat: Sie leugnete zum wiederholten Male den Holocaust.

Völlig richtig, Herr Richter! Es ist unnötig mit Leuten zu diskutieren, die keine Fakten akzeptieren. Muss man allerdings Leute akzeptieren, die bestreiten, dass die Erde eine Kugel ist? Muss man es hinnehmen, wenn jemand behauptet, dass die Erde keine Kugel sei, sondern ein abgeflachtes Rotationsellipsoid, also ein geometrisch unregelmäßig geformter, leicht abgeplatteter Körper?

Wer hat nun recht: Der Hamburger Amtsrichter, der die Tatsache behauptet, dass die Erde eine Kugel ist, oder der Wissenschaftler, der behauptet, die Erde sei ein abgeflachtes Rotationsellipsoid?

Ich meine: Das Leugnen von Tatsachen, das Lügen lässt sich als solches nicht bestrafen – außer, ja außer bei Tatsachen, die als wesentlich, als unverzichtbar, als im Sinne einer bestimmten Gesellschaft als schlechterdings nicht bezweifelbar gelten.

Unbezweifelbare Tatsachen werden seit Jahrhunderten unter Strafandrohung gestellt.

So galt jahrhundertelang Gotteslästerung oder Gottesleugnung als strafwürdiges Verbrechen; viele hartnäckige Gotteslästerer wurden durch Hinrichtung bestraft, z.B. Jesus, Giordano Bruno, Jan Hus oder Sokrates. Die Existenz Gottes bzw. die Existenz der Götter galten als unumstößliche Tatsache; Zweifel an dieser millionenfach bewiesenen Tatsache wurden bestraft.

In der Bundesrepublik gibt es heute nur ein klassisches Meinungsdelikt, im Grunde wird nur noch eine falsche Meinung, wird eine Lüge unter Strafe gestellt: die Holocaustleugnung. Man darf in Deutschland den ukrainischen Holodomor leugnen, man darf die systematische Ermordung von vielen Millionen sowjetischer Zivilisten während des 2. Weltkrieges schweigend übergehen. Man darf verschweigen oder leugnen, dass Jakow M. Swerdlow die Zarenfamilie erschießen ließ. Man darf verschweigen oder leugnen, dass Leo Trotzkij den systematischen Mord an Zivilisten, die systematische Vernichtung der Klassenfeinde befahl. Man darf die Kolonialgreuel in Belgisch-Kongo ignorieren oder leugnen. Man darf die Massenmorde des Pol Pot und der chinesischen Maoisten übersehen oder leugnen. Nur den Holocaust darf man nicht leugnen. Er ist in der Strafrechtspraxis das Factum absolutum der deutschen Rechtsordnung geworden.

Der israelische Schriftsteller Yitzhak Laor fasst diesen Prozess der Sakralisierung und absoluten Überhöhung des Holocaust im Anschluss an Überlegungen Alain Finkielkrauts so zusammen: „The Holocaust alone can provide the definition of evil.“ „Der Holocaust allein kann die Definition des Bösen liefern.“

Die enormen Vorteile dieser Absolutsetzung, dieser Sakralisierung des Holocausts als des schlechthin Bösen liegen auf der Hand. Es wird im Nu alles so einfach in der Welt!

Erstens, er ist vorbei. Er liegt in der Vergangenheit. Laor schreibt: „The great advantage of this is that the Holocaust took place in the past and is now over; we can congratulate ourselves on having awoken from a nightmare.“ Er ist damit der Nullpunkt der moralischen Argumentation geworden. Das absolute Böse, der Holocaust, ist glücklicherweise vergangen; solange man den Holocaust erinnert und eine Wiederholung des Holocaust verhindert, ist alles andere ja nur halb so schlimm. Das Wichtigste, aber auch das Tolle, das Phantastische, das Herrliche an der Weltgeschichte ist, dass der Holocaust einzigartig ist und sich deshalb nicht wiederholen kann. Es wird also automatisch alles immer besser in der Weltgeschichte, solange man nur verhindert, dass der Holocaust sich wiederholt.

Zweitens, es gibt ein eindeutiges Tätervolk, das dafür „Schuld und Verantwortung trägt“, wie es der Deutsche Bundestag erst kürzlich wieder festgestellt hat: die Deutschen, oder besser gesagt: „wir Deutschen“. Die Vorteile für alle anderen europäischen Staaten, die in den Jahren 1939-1945 vorübergehend oder dauerhaft mit dem Deutschen Reich verbündet waren (Sowjetunion, Finnland, Frankreich, Italien) sind unleugbar: Die Deutschen sind das Tätervolk.

Drittens: Die Holocaustleugnung und die ganze Klasse verwandter Delikte lassen sich problemlos unter Strafe stellen. Holocaustleugnung, aber mittlerweile auch die Historisierung, die historische Einbettung des Holocausts in eine Ereigniskette, die Relativierung, die Vergleichung des Holocausts mit anderen systematischen Ausrottungspolitiken der Weltgeschichte ist ein in der deutschen Öffentlichkeit weithin als solches eingestuftes Meinungsdelikt. Dieses Meinungsdelikt zu begehen erweist sich immer wieder als selbstmörderisch für den eigenen Ruf. Man kann nur davor warnen. Selbst bestens ausgewiesene Historiker wie Ernst Nolte haben wegen dieses Meinungsdelikts ihren früher guten Ruf, Politiker wie Martin Hohmann, Schriftsteller wie Martin Walser haben aufgrund dieses Delikts ihren bis dahin unbescholtenen Leumund eingebüßt. Sie stehen bis heute am Pranger.

Viertens: Unabhängig von Geisteszustand oder Alter des Meinungsverbrechers erreicht die deutsche Justiz und die deutsche Gesellschaft die Gewissheit, auf der Seite des absoluten Guten zu stehen. Denn wer gegen die Leugnung des absoluten Bösen kämpft, muss auf der Seite des Guten stehen.

Fünftens: Das Verbot der Holocaustleugnung hat einen umfassenden, disziplinierenden Effekt auf die öffentliche Meinung. Der gemeine Bürger fängt aus Angst im Unterbewusstsein schon an zu überlegen: „Es gibt also Lügen, die in Deutschland unter staatliche Strafe gestellt werden. Wenn schon eine 87-jährige Frau, eine offenkundig verwirrte oder fanatisch verblendete ältere Dame wegen einer sonnenklaren geschichtlichen Lüge für 10 Monate ins Gefängnis gesteckt wird, hmm, darf ich das oder das dann noch sagen? Darf man noch an unumstößlichen Tatsachen zweifeln, z.B. an der Konstantinischen Schenkung, an der Goldenen Bulle, am Holodomor, an den Stalinschen Säuberungen, an der Sinnhaftigkeit des Euro, an der Legitimität der Rechtsakte der Europäischen Union? Darf man noch am Klimawandel zweifeln, oder wird man dafür irgendwann auch ins Gefängnis gesteckt werden?“

Der Staat bestraft falsche Meinungen, der deutsche Staat bestraft das hartnäckige Lügen, sofern er ihm das Potenzial zur Volksverhetzung beimisst. Das dürfen wir nie vergessen.

Das gestern ergangene Urteil des Hamburger Amtsrichters wirft – trotz aller hier aufgewiesenen strategischen Vorteile, die mit ihm einhergehen – viele Fragen auf.

Belege:
Yitzhak Laor: The Shoah Belongs to Us (Us, the Non-Muslims). In derselbe: The Myths of Liberal Zionism. Verlag Verso, London New York 2009, S. 15-35, hier bsd. S. 32

http://www.stern.de/panorama/stern-crime/nazi-oma–87-jaehrige-ursula-haverbeck-muss-wegen-holocaust-leugnung-in-haft-6551784.html

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Η Επέτειος του Όχι έρχεται πίσω – Der Große Ochi-Tag ist wieder da!

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Jun 282015
 

Große Inszenierung des großen, des allergrößten Volkes des europäischen Theaters! Auch angesichts des heutigen europapolitischen Coup de théâtre dürfen wir nie vergessen, dass wir dem alten, dem uralten Griechenland sehr vieles, letztlich fast alles verdanken, worauf der europäische Weg in Ost und West beruht.

Die Griechen haben das reichste, das älteste Gedächtnis, zumal die griechische Sprache ununterbrochen viel weiter zurückreicht als jede andere heute noch verwendete europäische Sprache. Bei den alten Griechen gab es eine Un- und Überzahl von solchen, die vor sich selber schauspielerten: sie glaubten offenkundig das, was sie auf der großen Bühne vortrugen. Die Schauspieler des Aischylos und des Sophokles, ja Sophokles und Aischylos selbst glaubten das, was sie sangen, sagten, tanzten! Sie glaubten – vermutlich – an ihre Götter!

Aber warum sollen wir das glauben? Woran glauben wir überhaupt?“ Derartige unbequeme Fragen wurde Sokrates nicht müde zu stellen. Er spielte gewissermaßen bei den mannigfachen Theaterinszenierungen, aus denen ein großer Teil des griechischen Politik bestand, nicht mit. Er war der große Unzeitgemäße, der untypischste aller Griechen!

Τσίπρας: Ο λαός θα πει το μεγάλο «όχι»

Das große Nein, das große OCHI! Neuester Beweis des überragenden theatralischen Genius der Griechen: die Rhetorik, mit der der griechische Ministerpräsident das Referendum des 5. Juli 2015 ankündigt. Er greift dazu insgesamt – mit den Leitworten von Würde, Freiheit, Stolz und Volk – und in den Metaphern auf den griechischen Feiertag des 28. Oktober zurück. Der 28. Oktober wird bis heute jedem Schulkind in Griechenland gelehrt, er wird festlich begangen.

Damals, am 28.10.1940 wandte sich das stolze griechische Volk unter Führung des griechischen Diktators Metaxas gegen das erpresserische Ultimatum des stolzen italienischen Volkes unter Führung des italienischen Diktators Mussolini; so begann der italienisch-griechische Krieg, den Italien entfesselte und mit dem das so stolze Italien das nicht minder stolze Griechenland als weiteren Kriegsschauplatz eröffnete und in den 2. Weltkrieg hineinzog.

Das feierliche NEIN der Griechen gegen Italien ist bis heute ein nationaler Feiertag! Außerhalb Griechenlands ist der Festtag unbekannt. Ein weiterer schlagender Beweis dafür, dass die EU-„Partner“ unablässig aneinander vorbeireden. Freunde, amici miei: Wir wissen viel zu wenig voneinander.

War 1940 das erpresserische Italien der Feind, so glaubt der griechische Ministerpräsident heute das erpresserische Deutschland als Hauptgegner auszumachen.

So erleben wir im Jahr 2015 die feierliche Wiederkehr des 28.10.1940. Nil novi sub sole europeo!

Η Επέτειος του ΟΧΙ

Source: Επέτειος του Όχι – Βικιπαίδεια

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Vom Chaos des „entre-deux-guerres“ zum Goldenen Zeitalter des 2. Weltkriegs

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Jun 162015
 

Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser in Berg und Tal, als lectura matutina vere aedificans, als wahrhaft erbauliche Morgenlektüre schlagen wir heute folgenden Abschnitt auf – möge es euch nicht den Atem verschlagen!

Thomas Piketty: „Le chaos de l’entre-deux-guerres“, in: Thomas Piketty: Le capital au XXIe siècle, Editions du Seuil, Paris 2013, Seite 448-552, bsd. Fußnote S. 448 sowie Graphik 8.2 auf S. 431

Von einem „Goldenen Zeitalter“ der französischen Finanzverwaltung während all der Jahre des 2. Weltkrieges spricht Thomas Piketty in seinem großartigen Wurf, seinem Werk über das „Kapital im 21. Jahrhundert“, das ich aus meinem letzten Frankreich-Aufenthalt im bordtauglichen Handköfferchen mitgeführt habe. Das Goldene Zeitalter der Finanzverwaltung, das Frankreich unter der deutschen Besatzung erlebt habe, habe das verworrene Chaos der Zwischenkriegszeit (1919-1940) abgelöst. Zu keiner anderen Zeit – sagt Piketty – sind die statistischen Veröffentlichungen des französischen Finanzministeriums so reichhaltig und ausführlich wie in den Jahren des Zweiten Weltkrieges.

Auch wer keine Zeit oder Lust hat, die reichhaltigen und ausführlichen Überlegungen Pikettys Seite um Seite durchzulesen, sollte doch diese knapp 5 Seiten des voluminösen Wälzers zur Hand nehmen! Die haben es in sich! Denn nicht nur preist Piketty die Sorgfalt der französischen Verwaltung während des 2. Weltkrieges, nein, er konstatiert auch, dass die Vermögens-Ungleichheit zwischen Arm und Reich in Frankreich gerade in den Jahren 1944 und 1945 am geringsten war. Das oberste Dezil der Bevölkerung, also die reichsten 10 Prozent der Franzosen, das 1914 bei über 45% des Einkommens gelegen habe, erreichte 1945 den absoluten Tiefststand von weniger als 30%! Gegen Ende des 2. Weltkrieges hatte also die französische Gesellschaft das höchste Maß an Einkommensgleichheit in der gesamten lückenlos dokumentierten Geschichte (seit 1910 bis zum heutigen Tage) erreicht.

Ausgerechnet im Bündnis an der Seite des Deutschen Reiches, ausgerechnet während des aus heutiger Sicht doch so niederträchtigen „Vichy-Regimes“ kam also die französische Gesellschaft dem Ideal der weitgehend egalitären Einkommensverteilung am nächsten. Das Chaos der Zwischenkriegszeit – so schreibt Piketty – wurde im Kriege durch eine exemplarisch effiziente französische Verwaltung, durch eine zunehmend egalitäre Einkommensverteilung abgelöst, „comme si de rien n’était“ (Piketty), als wäre der 2. Weltkrieg nichts Besonderes gewesen.

Wie kann das sein?

Nun, kaum eine Wendung liegt so fernab der historischen Realität wie die in Deutschland und Frankreich so gerne und geläufig nachgeplapperte Wendung vom „Vichy-Regime“. Man versucht damit, der Regierung Pétain, die Frankreich im Juli 1940 zum Verbündeten des Deutschen Reiches machte, die Legitimität abzusprechen, so als wäre Frankreich gewissermaßen aus dem Widerstand heraus in ein Bündnis mit Hitler gezwungen worden. Und das ist historisch schlechterdings falsch. Es ist eines jener zahlreichen frommen Märchen, mit denen sich Europa nach 1945 einen Reim auf den 2. Weltkrieg zu machen und die gesamte Schuld an allem und für alles auf die Deutschen und die Deutschen allein abzuwälzen versuchte. Was geschah aber wirklich? Die offiziellen Daten und eine Fülle an Zeitzeugenberichten ergeben ein völlig anderes Bild des „Pétain-Regimes“:

Philippe Pétain (1856-1951) wurde durch Abstimmungen der französischen Nationalversammlung am 16. Juni 1940 zum Ministerpräsidenten und dann am 10. Juli 1940 zum Präsidenten des französischen Staates gewählt, nachdem Frankreich sich nach wenigen Wochen Krieg (10. Mai 1940 bis 22. Juni 1940) nahezu kampflos dem Deutschen Reich ergeben hatte. Pétain ist also – so wie ja auch Hitler – vollkommen legitim und demokratisch an die Macht in den höchsten Staatsämtern gelangt und stellte sich willig an die Seite des Deutschen Reiches. Frankreich hat ab dem 10. Juli 1940 ununterbrochen sowohl im besetzten wie im unbesetzten Teil eine voll funktionsfähige Verwaltung gehabt, das Zusammenwirken, die Kooperation zwischen deutscher und französischer Verwaltung (oft zu Unrecht abschätzig „Kollaboration“ genannt), klappte wie am Schnürchen, der organisierte Widerstand gegen den Französischen Staat (also gegen das sogenannte „Vichy-Regime“) und gegen die deutschen Besatzer existierte zunächst gar nicht, umfasste auch später stets nur eine Minderheit der französischen Bevölkerung.

Umgekehrt bezeugen die etwa 200.000 Kinder, die in jenen Jahren aus der Liebe zwischen deutschen Soldaten und französischen Frauen gezeugt wurden, dass auch jenseits der Ämter und Behörden ganz überwiegend ein gutes Einvernehmen zwischen dem Deutschen Reich und dem Französischen Staat, zwischen Deutschen und Franzosen herrschte. Notabene: Die Razzien gegen die französischen Juden und deren Deportation in die Lager in Frankreich und im Osten Europas wurden durch die französische Verwaltung, durch die französischen Ordnungskräfte effizient und eigenverantwortlich durchgeführt.

Statt abschätzig von „Vichy-Regime“ sollten wir Deutschen also besser respektvoll von der legitimen „Regierung“ des „Französischen Staates“ sprechen, die ihren Sitz von Juli 1940 bis August 1944 in Vichy hatte. Die unleugbaren Daten lassen zweifellos einen Schluss zu: Frankreich stand in den Jahren 1940-1944 offenbar mehrheitlich mit Überzeugung auf Seiten des nationalsozialistischen Deutschen Reiches – gegen die UDSSR Stalins. Frankreich war damals wohl in der Mehrheit antibolschewistisch, antikommunistisch und antijüdisch eingestellt, wie übrigens Deutschland auch.

Quellen und historische Daten hier wiedergegeben nach:

Thomas Piketty: Le capital au XXIe siècle, Editions du Seuil, Paris 2013
http://piketty.pse.ens.fr/fr/capital21c
Le Petit Larousse illustré en couleurs, Paris 1996, bsd. S. 1589 und 1743
Der große Ploetz. Die Enzyklopädie der Weltgeschichte, 35. Auflage, Freiburg im Breisgau 2008, Lizenzausgabe für KOMET Verlag Köln, S. 1031-1032

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Entfesselte ein deutsch-sowjetischer Doppelschlag den 2. Weltkrieg?

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Mai 122015
 

Von der „deutsch-sowjetischen Doppelaggression“ im Zuge des Hitler-Stalin-Paktes, deren Opfer „unsere ostmitteleuropäischen Nachbarn“ geworden seien, sprach in seiner bewegenden Rede am 8. Mai 2015 der Historiker Heinrich August Winkler im Deutschen Bundestag. Was ist mit diesem Rätselwort gemeint?

Ist denn nicht das nationalsozialistische Deutsche Reich der Urquell aller politischen Verbrechen, aller militärischen Aggressionen in all den Jahren von 1933-1945? Hat denn die sozialistische Sowjetunion, haben denn die Tscheka und der NKWD, hat denn die Rote Armee in all den Jahren 1918-1945 und dann bis 1989 auch nur einem anderen Staat (heiße er nun Polen, Finnland, Estland, Lettland, Litauen, Rumänien … oder Afghanistan) in einem Angriffskrieg auch nur ein Härchen gekrümmt?

Bei der Beantwortung dieser Rätselfrage sagen zwei Bilder mehr als tausend Worte!
Ein reich bebildertes Buch, ein Versuch, das gesamte Zeitalter der Weltkriege zu umspannen, liegt vor mir. Es enthält zwei Fotos, die allein schon den moderaten Kaufpreis von € 4,50 lohnen:

Ernst Piper (Hrsg.): Das Zeitalter der Weltkriege. Bundeszentrale für politische Bildung, Schriftenreihe Band 1553, Bonn 2015

Das erste Foto (S. 95), aufgenommen am 22. September 1939 in Brest-Litowsk (heutiger Name: Brest), zeigt von links nach rechts
a) den sowjetischen Brigadegeneral Semjon Moissejewitsch Kriwoschein; daneben, ihm freundschaftlich lächelnd zugewandt
b) den deutschen General Heinz Guderian, und rechts daneben
c) den österreichischen General Mauritz von Wiktorin

Das zweite Foto (S. 217) zeigt exemplarisch die freundschaftliche, von guter Zusammenarbeit geprägte Atmosphäre, in der sich deutsche und sowjetische Generäle und Offiziere in all den Jahren von 1926 bis 1941 begegneten. Der sowjetische Kommissar Borowenskij ist soeben aus seinem Panzerauto gestiegen. Ort: ebenfalls Brest-Litowsk, Tag: 20.09.1939. Die Zerschlagung Polens, das Gemeinschaftswerk deutscher und sowjetischer Truppen, ist gelungen, man freut sich des raschen gemeinsamen Sieges über den unterlegenen Nachbarn.

Bei genauem Hinsehen wird der Betrachter den Geist lächelnden Einverständnisses zwischen den deutschen, dem österreichischen und den sowjetischen Offizieren erkennen.

Die enge militärische und wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen der Sowjetunion und dem Deutschen Reich, die ununterbrochen von 1926 bis zum 21. Juni 1941 dauerte, manifestierte sich in zahlreichen Begegnungen auf hoher und höchster Ebene sowie einer ganzen Reihe von Abkommen zur wirtschaftlichen und wehrtechnischen Zusammenarbeit, deren letztes das deutsch-sowjetische Wirtschaftsabkommen vom 10. Januar 1941 darstellt.

Im Sommer 1941 verriet jedoch das nationalsozialistische Deutsche Reich seinen stärksten Bundesgenossen und wichtigsten Waffenbruder im Kriege, nämlich die Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken (UDSSR); hatte sich der neue europäische Krieg bisher als Angriffskrieg des faschistischen Italien, des nationalsozialistischen Deutschen Reiches und der kommunistischen Sowjetunion gegen deutlich schwächere Nachbarstaaten wie etwa Albanien, Polen und Finnland („Winterkrieg“ der kommunistischen Sowjetunion gegen Finnland ab 30.11.1939!) entwickelt, so weitete sich das Geschehen nun, ab 22.06.1941, schlagartig zu einem echten Weltkrieg aus.

Mt seiner Wendung von der deutsch-sowjetischen Doppelaggression, die mancher leicht links (oder gar in der Kommunistischen Plattform) sitzenden Bundestagsabgeordneten ungewohnt aufgestoßen haben mag, traf der Historiker Winkler also durchaus ins Schwarze. Unter Historikern unterliegt es heute keinem Zweifel mehr: Neben dem Königreich Italien – das leider allzu oft links liegen gelassen wird und das derzeit sträflich unterbelichtet ist – leistete 1939 auch die sozialistische Sowjetunion (UDSSR) einen entscheidenden, einen geradezu proaktiven Beitrag zur Entfesselung des Zweiten Weltkrieges.

Auch darin hatte Winkler bei seiner großen Rede im Deutschen Bundestag am 8. Mai 2015 recht.

Ernst Piper (Hrsg.): Das Zeitalter der Weltkriege. Bundeszentrale für politische Bildung, Schriftenreihe Band 1553, Bonn 2015

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Which event ignited WW II – welches Ereignis entzündete den 2. Weltkrieg?

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Mai 062015
 

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Es lebe Franken und seine berühmten Söhne – Dirk Nowitzki, Johann Peter Uz, Adolf Dassler, Jean Paul Friedrich Richter, Rudolf Dassler, um nur einige wenige von vielen zu nennen! Ein bekannter fränkischer Hersteller nennt seinen neuesten Treter IGNITE. „Ignite, das bedeutet auf Englisch Komet, glaub ich“, beriet mich heute ein Verkäufer. „Sie werden laufen wie ein Komet!“ Ich bezweifelte dies, dass IGNITE Komet bedeute. „Jedenfalls wurde uns ein Komet gezeigt!“ Nun wie auch immer. Da kam mir der zündende Gedanke – „Ignition key, das ist der Zündschlüssel!“ Richtig – IGNITE heißt entzünden. Mit IGNITE-Schuhen läuft man also „entzündet“ wie Usain Bolt auf der steilen Bahn des Lebens! So deute ich mir auch die großen Reklameflächen des fränkischen Turnschuhherstellers!

Fragen wir heute zwei Tage vor dem 8. Mai: Welches Ereignis entzündete den 2. Weltkrieg? Entscheidet selbst!
a) „Za datę rozpoczęcia wojny przyjmuje się 1 września 1939 roku – atak Niemiec na Polskę.“ Als Datum für den Beginn des Kriegs gilt der erste September 1939 – der Angriff Deutschlands auf Polen. So würde es wohl die Mehrheit der Europäer heute sehen (hier zitieren wir beispielhaft die polnische Wikipedia).
b) „Although the Second World War began in September 1939 with the joint German-Soviet Invasion of Poland … – Obwohl der 2. Weltkrieg im September 1939 mit dem gemeinsamen deutsch-sowjetischen Einmarsch in Polen begann …“. So schreibt es Timothy Snyder in einem Nebensatz seines 2010 erschienen Buches Bloodlands – Europe between Hitler and Stalin (Epub, The Bodley Head, London, 2010, Pos. 119)
c) What happened in 1939, therefore, was simply the addition of Europe to the existing theatres of war, schreibt Norman Davies in seinem Buch Europe. A history… Der „2. Weltkrieg“ wäre demnach nur eine Ergänzung verschiedener anderer Krieg auf anderen Kriegsschauplätzen durch die Neueröffnung eines europäischen, ergänzenden „Fortsetzungskriegs“ (London 1997, S. 991).

Drei Aussagen – drei einander widersprechende Deutungen! Wer hat recht? Was ist wahr? Gibt es nur eine historische Wahrheit? Oder gibt es mehrere, Dutzende, Tausende, Millionen Wahrheiten über diesen Krieg? Die überwältigende Mehrheit der Menschen spricht sich heute dafür aus, das nationalsozialistische Deutsche Reich allein habe den 2. Weltkrieg entzündet.

Gerade pflicht-, schuld- und nationalbewusste Deutsche weisen empört alle Versuche zurück, diese überragende, gleichsam metaphysische Schuld des nationalsozialistischen Deutschen Reiches auch nur im geringsten zu historisieren, zu de-ethnifizieren, zu europäisieren, zu globalisieren oder gar einzubetten in einen Kontext von Interaktionen: „“War es doch unser Land, von dem aus alles Europäische, alle universellen Werte zunichtegemacht werden sollten“, so hat diese Germania-est-unica-origo-mali-Theorie ein bekannter protestantischer deutscher Theologe 2013 in seiner vielbeachteten Rede über Europa formuliert. Und er traf damit exakt das unterschwellig überall in Deutschland anzutreffende Grundgefühl von Furcht und Zittern, von ewiger Schuld, ewiger Scham und ewiger Schande.

Man lese hierzu, zu diesem unerschütterlichen Glauben an ewige nationale deutsche Urschuld, etwa beispielhaft ein SPIEGEL-Interview mit Timothy Snyder nach:

http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-79408588.html

Nun, den Vorwurf der übertriebenen Deutschenfreundlichkeit musste sich auch der Historiker Christopher Clark hier in Potsdam anhören: „Nur in Deutschland wird mir Deutschenfreundlichkeit vorgeworfen!“, berichtete er einmal verblüfft.

Dennoch – so meine ich – verdient Snyders kühne Hypothese einer wesentlichen Mitschuld der marxistisch-kommunistisch beherrschten Sowjetunion an der Entzündung des 2. Weltkrieges sorgfältige Prüfung. Der Amerikaner Snyder ist immerhin Professor für Geschichte an der renommierten Yale University – seine Bücher werden weithin gelesen, rezipiert und diskutiert, auch wenn sie uns Deutschen, uns „Söhnen und Töchtern des Tätervolkes“ mit all unserem eisenharten, unbeugsamen Sündenstolz an den Karren fahren.

Und auch der Brite Norman Davies sollte nicht gleich mit dem Vorwurf des Revisionismus überzogen werden. Er versucht nur, ein gewaltiges Ereignis wie den 2. Weltkrieg, der ja bruchlos aus einigen Vorläuferkriegen hervorging und nahtlos einige unmittelbare Nachfolgekriege erzeugte, in eine Gesamtschau zu rücken.

Snyder und Davies sind bedeutende Historiker. Aufgabe der Historiker ist es nicht, Metaphysik oder Theologie zu betreiben, sondern Ursache-Wirkungs-Ketten zu ergründen und deutend nachzuerzählen.

Unser Bild zeigt heute die Frucht fränkischer Tüchtigkeit: den Schuh Ignite. Er passt wie angegossen. Es lebe Franken mit all seinen berühmten Söhnen und Töchtern!

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Welches Land verursachte den 2. Weltkrieg?

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Apr 092015
 

Die Antwort auf diese Frage wird Hinz und Kunz leichtfallen! Selbstverständlich Deutschland!
Das abrufbare Schulwissen im Fach Geschichte dürfen wir zwanglos so wiedergeben:

„Das Deutsche Reich begann am 1. September 1939 mit dem Angriff auf Polen den 2. Weltkrieg. Der Zweite Weltkrieg endete am 8. Mai 1945 mit der Unterzeichnung der deutschen Kapitulation.“

So wird es heute wohl in den allermeisten Ländern überall in der Welt (außer in Russland) gelehrt.

Deutschland hat den Zweiten Weltkrieg entfesselt; das ist in der Rückschau unumstritten; siehe hierzu etwa:

„Von den größeren Staaten Europas war keiner den USA ebenbürtig. Deutschland, das den Zweiten Weltkrieg entfesselt hatte, war besiegt und wurde von den Siegermächten geteilt. Großbritannien war eine Siegermacht, aber durch den Krieg materiell so geschwächt, dass es 1945 fraglich war, wie lange es sein überseeisches Kolonialreich noch würde behaupten können.“

Heinrich August Winkler, Geschichte des Westens. Vom Kalten Krieg zum Mauerfall, C.H.Beck, München 2014, digitale Ausgabe, Pos. 183, Fettdruck durch dieses Blog

Abweichend äußert sich hingegen der heute an der Universität Trier lehrende Neuzeithistoriker Christan Jansen. Er bezeichnet Deutschland und Italien als „die beiden Verursacher“ des Zweiten Weltkriegs:

Von den beiden Verursachern des Zweiten Weltkriegs erhielt Italien bereits im Februar 1947 – von geringen Einschränkungen abgesehen – die Souveränität zurück, die Bundesrepublik erst 1990. Allerdings empfanden die Italiener den Friedensvertrag überwiegend als >>Diktat<< und >>Schmach<<„.

Christian Jansen, Italien seit 1945, Vandenhoeck&Ruprecht, Göttingen 2007, S. 24, Hervorhebung durch dieses Blog

Wiederum abweichend äußert sich der britische, zuletzt an der University of London lehrende Neuzeithistoriker Norman Davies; er weist darauf hin, dass ein wesentlicher Bestandteil des Zweiten Weltkriegs, nämlich der japanisch-chinesische Kriegsschauplatz, bereits 1931 eröffnet worden sei:

„In any number of European history books, 1939 is the year when ‚the world went again to war‘, or words to that effect. In all chronologies except those once published in the USSR, it marks the ‚outbreak of the Second World War‘. This only proves how self-centered Europeans can be. War had been on the march in the world for eight years past. The Japanese had invaded Manchuria in 1931, and had been warring in central China since 1937.“

Norman Davies, Europe. A History. Pimlico, reprinted with corrections London 1997, S. 991, Hervorhebung durch dieses Blog

Und wiederum ein neues Licht auf die Verursachungskette, die zum Zweiten Weltkrieg führte, wirft der bereits mehrfach zitierte Heinrich August Winkler; er behauptet nämlich, die Sowjetunion habe einen Beitrag zur Entfesselung des Zweiten Weltkriegs geleistet:

Im Hitler-Stalin-Pakt hatten die beiden Diktatoren die Aufteilung Mitteleuropas in ihre Einflussbereiche besiegelt. Winkler, der aus seiner Kritik der russischen Politik gegenüber der Ukraine nie einen Hehl gemacht hat, wirft Putin vor, er rechtfertige indirekt die Annektion des damaligen Ostpolens und des Baltikums als „Gebot der sowjetischen Realpolitik“ – damit aber auch „den sowjetischen Beitrag zur Entfesselung des Zweiten Weltkrieges“

Quelle: Süddeutsche Zeitung, Internet-Ausgabe vom 04.04.2015

Was oder wem sollen wir historischen Laien nun glauben, gerade wir Deutschen, wir „Nachkommen der Täter“, wie es so schön immer heißt, wir hier in Deutschland! Wir wissen doch, von wo die Zerstörung der ganzen Welt ausging! Wir sind doch am Zweiten Weltkrieg mit all seinen Schrecknissen und überhaupt an dem allen schuld, das wird man doch nicht ernsthaft bestreiten können! Das eint doch auch alle anderen Länder wie etwa Griechenland und Russland, dass wir Deutschen und nur wir Deutschen alle anderen Länder ins Verderben gezogen haben. Das haben Präsident Putin und Präsident Tsipras doch erst gestern wieder hervorgehoben: „Griechenland und Russland haben mehr als alle anderen mit ihrem Blut für den Kampf gegen den Faschismus bezahlt … Unsere Völker haben brüderliche Beziehungen geschmiedet, weil sie in kritischen Zeiten einen gemeinsamen Kampf geführt haben“, so wird Tsipras heute in der FAZ auf S. 2 zitiert.

Der heroische, letztlich siegreiche Kampf gegen den deutschen Faschismus und gegen Deutschland hält seit dem 8. Mai 1945 bis zum heutigen Tage – und heute mehr denn je – die europäischen Völker zusammen. Der Antifaschismus ist mehr denn je ein starkes Band!

Oder ist es etwa nicht so? Diesen Konsens darf man doch nicht in Frage stellen! Was machen denn die Historiker da?

Wir enthalten uns des letzten Urteils! Ich meine jedoch: eine gehörige Portion Skepsis gegenüber den heutigen Antifaschisten ist angebracht, insbesondere dann, wenn man immer wieder sieht, wie schnell in den Jahren 1943-1949 ein und dieselbe Person erst jahrelang fascista war und dann über Nacht antifascista wurde. Erst unterstützten sie – bis 1943 – Mussolini und Hitler, dann unterstützten dieselben Leute Stalin, Ho Tschi Minh und Chruschtschow.

Und die Sowjetunion unterstützte ab August 1939 bis zum 21. Juni 1941 das nationalsozialistische Deutschland militärisch und wirtschaftlich. Bis zum 21.06.1941 waren das nationalsozialistische Deutschland und die kommunistische Sowjetunion darüber hinaus enge militärische Bündnispartner, dafür gibt es viele Zeugnisse in Wort, Bild und Ton. Das wird leider sehr oft unterschlagen.

Und das alles zu Zeiten, als der GULAG längst bekannt war, als die grauenhaften „Säuberungen“ der Tschekisten auch im Westen öffentlich genannt wurden.

Es bleibt erstaunlich: Drei anerkannte, habilitierte, an Universitäten lehrende Professoren für Neuzeitgeschichte setzen vier einander widersprechende Meinungen zur Auslösung des Zweiten Weltkrieges in die Welt. Nur eine Sicht kann doch die richtige sein, oder? Irgendwann muss doch die Wahrheit endgültig ermittelt sein, oder täuschen wir uns?

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Leistete auch die Sowjetunion einen Beitrag zur Entfesselung des Zweiten Weltkrieges?

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Apr 042015
 

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Mit Riesenschritten naht schon die nächste Gedenkfeier heran: der 8. Mai 2015. Dieses Jahr wird also Heinrich August Winkler die zentrale Gedenkrede im Deutschen Bundestag zum Ende des Zweiten Weltkrieges halten. Zum ersten Mal wird ein Historiker und kein Politiker diese Aufgabe übernehmen!

Für den Roten Platz in Moskau dürfen wir auch für diesen 9. Mai getrost wieder eine Zurschaustellung der Macht und Größe der unvergänglichen russischen Nation und einen Aufruf zur weiteren Sammlung der russischen Erde über die bestehenden Grenzen hinaus erwarten.

In der heutigen Süddeutschen Zeitung wirft Winkler schon ein Schlaglicht auf den Tenor seiner Gedanken. Wir zitieren ihn aus der heutigen Ausgabe:

Winkler sagte der Süddeutschen Zeitung, er halte die politische Instrumentalisierung von Geschichte für erschreckend. „Besonders erschreckend ist die Rehabilitierung des Hitler-Stalin-Paktes durch den russischen Präsidenten Putin.

Im Hitler-Stalin-Pakt hatten die beiden Diktatoren die Aufteilung Mitteleuropas in ihre Einflussbereiche besiegelt. Winkler, der aus seiner Kritik der russischen Politik gegenüber der Ukraine nie einen Hehl gemacht hat, wirft Putin vor, er rechtfertige indirekt die Annektion des damaligen Ostpolens und des Baltikums als „Gebot der sowjetischen Realpolitik“ – damit aber auch „den sowjetischen Beitrag zur Entfesselung des Zweiten Weltkrieges“.

via 70. Jahrestag zum Ende des Zweiten Weltkriegs – Politik – Süddeutsche.de.

Eher ungewohnt dürfte es sowohl in den schuldbewussten deutschen als auch den siegesstolzen russischen Ohren klingen, wenn Winkler darlegt, auch die Sowjetunion habe einen Beitrag zur „Entfesselung des Zweiten Weltkrieges geleistet“.

Diese Sicht, wonach die Sowjetunion – mit den Russen als wichtigster Nation des damaligen Vielvölkerstaates – eine Mitschuld an der Auslösung des Zweiten Weltkrieges trage, mag zutreffen oder nicht, jedenfalls wird sie keineswegs von allen westlichen Historikern und nur von wenigen Russen – wenngleich sicherlich von den meisten polnischen Historikern – geteilt; eine echte Kriegsschulddebatte, wie sie unter Historikern seit Jahrzehnten – bisher ohne Abschluss – zum Ersten Weltkrieg geführt worden ist und geführt wird, kommt zum Zweiten Weltkrieg ja gerade erst in Gang.

Im heutigen, stärker denn je nationalistischen Russland wird Winklers krude These, die Sowjetunion habe einen Beitrag zur Entfesselung des Zweiten Weltkrieges beigesteuert, als echter, ja als unerhörter, als unerträglicher Affront empfunden werden.

Man darf gespannt sein, ob Winkler den Mut haben wird, etwas Derartiges im Deutschen Bundestag vorzutragen. Winklers Behauptung einer Mitschuld der Sowjetunion an der Entfesselung des Zweiten Weltkriegs wird vielleicht in Moskau postwendend als schändlicher „Geschichtsrevisionismus“ oder „faschistischer Revanchismus“ verdammt werden.

A propos: Wann begann und endete der Zweite Weltkrieg eigentlich? Ein deutsch-russisches Kind, geboren im Mai 2002, hat den hier Schreibenden schon vor geraumer Zeit belehrt, dass der Zweite Weltkrieg nicht am Karfreitag des Jahres 1939, also mit dem Überfall Italiens auf Albanien, nicht am 1. September 1939, also mit dem Überfall Deutschlands auf Polen, nicht am 17. September 1939, also mit dem Überfall der Sowjetunion auf Polen, sondern selbstverständlich am 22. Juni 1941 mit dem Überfall Deutschlands auf „Russland“ begonnen habe.

Schon über das Datum der „Entfesselung“ des Zweiten Weltkrieges besteht also zwischen den Ländern und den Generationen keine Einigkeit!

Ebenso wenig besteht Einigkeit darüber, wann der Zweite Weltkrieg eigentlich zu Ende ging – am 7. Mai 1945 um 02.41 Uhr, als Generaloberst Jodl in Reims die Gesamtkapitulation unterzeichnete, am 9. Mai 1945 um 0.16 Uhr, als in Berlin-Karlshorst die Kapitulation wiederholt wurde, – oder vielleicht doch am 2. September 1945 um 10.30 Uhr, dem Tag der bedingungslosen Kapitulation durch Außenminister Shigemitsu und Generalstabschef Umezu?

Bild:
„Ja! Woher kommst du denn?
Bei welchen Heiden weiltest du,
zu wissen nicht, daß heute
der allerheiligste Karfreitag ist?“
Natürlich: Russische Birken und deutsche verkrautete Bahngleise im Sonnenschein: Karfreitagszauber auf dem Schöneberger Südpark.
Aufnahme von gestern.
Die Verse stammen aus Richard Wagners Parsifal.

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Appuntamento con la morte, oder: „Italien zog in den Krieg“

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Apr 032015
 

Gute, verheißungsvolle Ansätze zu einer ehrlichen Vergangenheitsbewältigung entdecken wir seit einigen Jahren in Italien. Während die vorherrschende Lesart in der breiten Masse Italiens immer noch ist, Italien sei 1940 von Deutschland wider Willen in einen Krieg hineingezogen worden, den es eigentlich nicht gewollt habe („la guerra non voluta“), wird nunmehr von immer mehr Italienern deutlicher gesehen, dass Italien ab 1921, besonders jedoch ab 1935 durchweg proaktiv eine rassistische, kriegsbefürwortende Haltung eingenommen hat. Ein gewalttätiger, neo-römischer Imperialismus, gepaart mit scharf und deutlich ausgeprägtem Rassismus vor allem gegen die Slawen (weniger stark gegen Juden), führte Italien zu blutigen, verheerenden Angriffskriegen gegen Äthiopien, Albanien, Jugoslawien und Griechenland. „L’Italia andò alla Guerra“, so lautet zutreffend eine Sendereihe der staatlichen Fernsehanstalt RAI 3, die auch am heutigen Karfreitag gesendet wird.

The loser takes it all! Seit etwa 1945 herrscht weitgehend ein stillschweigendes Einverständnis, das Deutsche Reich und nur das Deutsche Reich sei allein verantwortlich für alle seit 1935 bis zum Mai 1945 ausgefochtenen Kriege – also den gesamten 2. Weltkrieg einschließlich des japanisch-chinesischen Konflikts, des japanisch-sowjetischen Kriegs, des japanisch-amerikanischen Kriegs, des sowjetisch-finnischen Winterkriegs (1939), des italienisch-griechischen Krieges ab 1940, des ukrainisch-sowjetisch-russischen Bürgerkriegs schon ab 1931 … The Big Loser takes all the blame! Nazi-Deutschland und nur Nazi-Deutschland war und ist für die Mehrheit der Weltbevölkerung die echte „Inkarnation des Bösen“ in der Weltgeschichte des 20. Jahrhunderts, Differenzierungen dieses Schwarz-Weiß-Befundes galten lange Zeit und gelten auch heute noch – selbst unter manchen ausgewiesenen, habilitierten Hochschul-Historikern – als unerwünscht, wobei wir Deutschen zweifellos unübertroffene Weltmeister (T.G. Ash) darin sind, fast alle Schuld für fast alles Unglück in der fast gesamten Weltgeschichte ab etwa 1871 (oder auch davor?) bis etwa 1945 (oder auch danach?) auf unser Haupt zu laden.

Aber so einfach ist es ja wohl nicht, dass letztlich nur „wir Deutschen“ als Trägervolk des Bösen an allem schuld sind. Ein bisschen mehr Differenzierung tut not. Und ein unendlich wichtiger Schritt zu einer notwendigen Differenzierung ist es, dass ehemalige italienische Unterstützer des Faschismus, also Männer, die in den Jahren 1921-1945 aus freien Stücken den Anschluss an die faschistischen Organisationen suchten und sich freiwillig in aller Öffentlichkeit zugunsten des faschistischen Italien und Hitlers hervortaten, nach vielen Jahrzehnten des Schweigens ihre damalige Parteinahme für den Faschismus und für Deutschland erzählen und zu erklären versuchen.

Giorgio Napolitano, der spätere kommunistische Politiker und Staatspräsident, der sich freiwillig dem GUF, dem Gruppo Universitario Fascista, also dem Faschistischen Studentenverband anschloss, Dario Fo, der spätere Nobelpreisträger, der freiwillig nach dem 8. September 1943 auf Seiten der neuen faschistischen Regierung für Hitler und Deutschland, für Mussolini und für Italien kämpfte, sie und einige andere sind gar nicht hoch genug zu loben für ihre schmerzende Redlichkeit. Sie gestehen und gestanden öffentlich ein, dass sie als junge Männer in diesem gewaltigen gesamteuropäischen Konflikt mindestens eine Zeit lang auf Seiten der Achse Hitler/Mussolini engagiert waren, ehe sie dann ab 1943 und verstärkt natürlich ab 1945 hinüberwechselten auf die Seite der italienischen Linken, des italienischen Antifaschismus, der sich stark an Stalin und die Sowjetunion anlehnte. Von Mussolini/Hitler zu Stalin, vom Faschismus zum Antifaschismus, vom Faschismus zum Kommunismus, von Böse zu Gut ging der verschlungene Weg. Signatur einer Epoche der europäischen Geschichte, – trasformismo europeo!

Als weitere bedeutende freiwillige Mitglieder des Faschistischen Studentenverbandes, also gewissermaßen und cum grano salis als ehemalige Faschisten sind zu nennen Eugenio Scalfari, Giorgio Strehler, Pier Paolo Pasolini … diese und viele andere bekannte prominente Namen der italienischen Zeitgeschichte schlugen sich damals als junge Männer offen und ohne gezwungen zu sein auf die Seite des Faschismus. Und aus diesem Faschismus erwuchs später — die geistige Hochblüte des italienischen Antifaschismus ab etwa 1946.

Giorgio Napolitano fand dafür in seiner höchst lesenswerten Autobiographie treffend die Formulierung, die Faschistische Studentenverbindung Neapels (der GUF) sei eine „richtiggehende Brutstätte antifaschistischer geistiger Energien“ gewesen – „un vero e proprio vivaio di energie intellettuali antifasciste“.

Empfehlenswerter Lesestoff:
Giorgio Napolitano: Dal Pci al socialismo europeo. Un’autobiografia politica. Ed. Laterza, Roma-Bari 2008, hier zitiert nach edizione digitale, marzo 2013, Pos. 398 (7%)
Filippo Focardi: Il cattivo tedesco e il bravo italiano. La rimozione delle colpe della seconda guerra mondiale. Ed. Laterza, Roma-Bari 2013
GUF – Gruppo universitario fascista – Eintrag in der italienischen Wikipedia, Stand vom heutigen Tage

D- Day, questa sera si parla di „quell’estate del ’43“.

 Posted by at 14:33

Wen soll oder muss man wählen?

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Aug 172013
 

καὶ ἄφες ἡμῖν τὰ ὀφειλήματα ἡμῶν, ὡς καὶ ἡμεῖς ἀφήκαμεν τοῖς ὀφειλέταις ἡμῶν.

„und erlasse uns unsere Schulden, wie auch wir unseren Schuldnern [sie] erlassen haben.“

So empfiehlt es Jesus im griechisch verfassten Neuen Testament bei Matthäus 6,12! Jesus fordert: Periodischer einvernehmlicher Schuldenerlass von Schulden, die den Schuldner überfordern! So lebenspraktisch sah das Jesus im Einklang mit der Tradition des Judentums damals. Er meinte: Wenn’s gar nicht mehr anders geht, muss halt der berühmte Schuldenschnitt ran. Wer hoffnungslos überschuldet ist,  der darf wieder bei Null anfangen. Jesus meinte das nicht nur finanziell im Verhältnis zwischen Personen, sondern auch moralisch im Verhältnis zwischen dem Menschen und dem Vater der Menschen.

Adenauers CDU speiste sich damals aus der ausdrücklich formulierten Zielsetzung, dass im Verkehr zwischen den Staaten dieselben Grundsätze des Christentums Anwendung finden sollten wie im Verkehr zwischen Menschen. Dazu gehörte die Beistandspflicht zwischen Staaten in Not, die Pflicht zur Versöhnung zwischen ehemals verfeindeten Staaten, die Pflicht zur Vergebung der Schuld, also auch zum Schuldenerlass zwischen den Staaten. Lang ist’s her, wer erinnert sich heute noch an Adenauer oder an Erhard?

Europa durch Aufgabe des Euro retten, indem ein weitreichender Schuldenerlass durchgeführt und dann die Euro-Währungsgemeinschaft geordnet aufgelöst wird. Das ist es, was der wissenschaftliche Chefberater des Bundesfinanzministeriums, Kai A. Konrad nunmehr fordert. Hier ist das Interview nachzulesen:

http://www.welt.de/politik/deutschland/article119104708/Deutschland-kann-die-Euro-Zone-nicht-retten.html

 

Ärgerlich in mehrfachem Sinne an dem Interview der WELT mit Konrad ist aber die Frage:

Die Welt: Deutschland soll zum dritten Mal Europa in die Luft sprengen? Das wird keine Bundesregierung je tun.“

Diese ungeheuerliche, erpresserische Frage des Reporters  enthält wieder jene vulgärtheologische Schuldtheorie, wonach Deutschland und nur Deutschland an der Katastrophe des Jahres 1914 und an allen nachfolgenden militärischen und humanitären Katastrophen Europas schuld sein soll. Dies ist eine sehr gefährliche, obendrein dumme Schuldtheorie, die die internationalen Historiker längst nicht mehr vertreten, die aber weiterhin eine unselige Rolle in der deutschen und internationalen Politik spielt.  Denn wissenschaftlich lässt sich die These, dass das Deutsche Reich der Alleinschuldige oder Hauptschuldige am Ausbruch der zahlreichen europäischen Kriege ab 1914 sei, nicht halten. Sie ist empirisch falsch. Deutschland ist nicht der alleinige Schuldige am Ausbruch des ersten Weltkrieges. Was  den zweiten Weltkrieg angeht, so kann man durchaus die Meinung vertreten, dass die UdSSR, Japan, Spanien, Griechenland und Italien eine Mitschuld an den zahlreichen verheerenden Feldzügen und Schlachten haben, die ab 1920 bis 1945 den ganzen Kontinent verwüsteten, und von denen viele heute unter „2. Weltkrieg“ zusammengefasst werden.

Weil Deutschland an allem schuld sei, müsse es heute für alle Schulden aller Europäer gerade stehen. Das ist der unterschwellige Unsinn, der einem immer wieder aufgetischt wird. Weg damit. Mut zur Wahrheit ist gefragt.

 

Quelle:

Nestle-Aland: Novum testamentum graece, ed. vicesima septima, Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart 1999, S. 13

 

 Posted by at 14:09

„Deutsch, also böse – wir nicht deutsch, also gut!“ Oder: Ein ruhiges Gewissen ist ein sanftes Ruhekissen

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Jul 112013
 

2013-03-06 07.51.40

Ein wichtiges Buch hat der italienische Historiker Filippo Focardi zu Beginn dieses Jahres vorgelegt:

Il cattivo tedesco e il bravo italiano. La rimozione delle colpe della seconda guerra mondiale. Laterza, Roma-Bari 2013

[Der böse Deutsche und der gute Italiener. Die Verdrängung der schuldhaften Verfehlungen des zweiten Weltkrieges]

Mit großer Entschlossenheit löst Focardi den Anspruch seines Titels ein. Wieder und wieder weist er die Richtigkeit der These nach, die Tony Judt als erster breit ausgeführt hat, dass nämlich alle europäischen Länder, insbesondere die ehemaligen Verbündeten Deutschlands, also namentlich Italien, UdSSR (bis August 1941), Rumänien, Ungarn, Slowakei, Finnland sich in den Jahren 1943-1947 darauf einigten, die alleinige Schuld an der Auslösung des 2. Weltkrieges und die Schuld an allen Verbrechen, die während des 2. Weltkrieges und in den Jahren danach begangen worden waren, ausschließlich den Deutschen und nur den Deutschen  zuzuschreiben. Mittlerweile haben die Deutschen selbst mehrheitlich diese krude These ebenfalls übernommen und wiederholen sie als schiefe, vulgärtheologische Friedensformel bewusst und unbewusst ohne Unterlass in der Meinung, sich dadurch dem Rest der Welt andienen zu können.

Beide Zuschreibungen „Alles Böse war deutsch – alle Deutschen waren böse“ –  hielten schon damals und halten auch heute noch einer Überprüfung nicht stand. Dennoch – so weist Focardi an zahllosen, geradezu schlagenden Beispielen nach – durchziehen diese Grundannahmen „Deutsch also böse – nichtdeutsch also gut“  – bis heute, und heute sogar stärker denn je, die gesamte Darstellung der Jahre 1914-1947 in den Massenmedien wie etwa US-amerikanischen und italienischen Filmen, Dokumentationen, aber auch etwa in der üppig wachsenden Gedenklandschaft hier in Berlin, wo ich dies schreibe.

Die Zunft der europäischen Historiker – der Brite Tony Judt, der Franzose Henry Rousso, der Italiener Filippo Focardi seien nur beispielhaft genannt – hat sich freilich längst von dieser simplen Schwarz-Weiß-Malerei verabschiedet. Heute wird allmählich wieder bekannt, was damals alle wussten, dass Italien ab 1935, also vor den Deutschen, fast ohne Unterbrechung bis 1943 eine extrem aggressive Expansionspolitik betrieb, schwere Kriegsverbrechen in Afrika und auf dem Balkan – insbesondere nach den Überfällen auf Abessinien, Albanien  und auf Griechenland – beging.

Weniger bekannt ist, dass die Sowjetunion ab 1921, ebenfalls lange vor den Deutschen, zahlreiche Angriffskriege vom Zaun brach und schwere Massenverbrechen an Zivilisten mit Millionen und Abermillionen von Todesopfern beging – ein Sachverhalt, auf den Focardi leider nur ganz am Rande eingeht, wie ja überhaupt der östliche Kriegsschauplatz weiterhin in der öffentlichen Darstellung stark unterbelichtet ist.

Die gesamte Darstellung des zweiten Weltkriegs ist aber laut Focardi  weiterhin (wir ergänzen: in ehemals westlichen Ländern, nicht in den ehemaligen Ostblock-Staaten) durch eine extreme, obendrein im platten Sinn moralisierende Einseitigkeit geprägt. Alle im Krieg begangenen Verbrechen würden grundsätzlich zunächst einmal den Deutschen zugeschrieben, während alle anderen Nationen – beginnend beim faschistischen  Italien – grundsätzlich als „Mitläufer“ oder „Opfer“ gesehen würden.

Zustimmend zitiert Focardi den tapferen Vittorio Foa, der die verhängnisvolle Verschränkung von Verteufelung der Deutschen und moralischer Selbstfreisprechung, der die europäischen Nationen einschließlich der Deutschen verfallen sind, unübertroffen formuliert:

I tedeschi sono diventati una grande risorsa per la tranquillità della nostra coscienza. Ma è necessario ricordare il male della nostra parte se non vogliamo abbandonare al caso il nostro domani.

Wir übersetzen: „Die Deutschen sind zu einem vortrefflichen Ruhekissen unseres Gewissens geworden. Doch es ist nötig, sich an das Böse unserer Seite zu erinnern, wenn wir unsere Zukunft nicht aufs Spiel setzen wollen.“

Ein gutes, profundes, klug abwägendes Buch, dem ich breiteste Aufmerksamkeit wünsche und das sicherlich eine Übersetzung ins Englische und Deutsche verdient hätte!

Quelle:
Filippo Focardi: Il cattivo tedesco e il bravo italiano. La rimozione delle colpe della seconda guerra mondiale. Laterza, Roma-Bari 2013

Zitat von Foa: digitale Kindle-Ausgabe des Buches bei Amazon, pos. 3897

 

 Posted by at 00:44

Hat „eigentlich“ Italien den „2. Weltkrieg“ in Europa begonnen?

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Apr 182013
 

Wenn ich mit russischen Kindern spreche,  belehren sie mich gern, dass der 2. Weltkrieg im August 1941 mit dem Angriff Deutschlands auf Russland begonnen habe. Dass die Sowjetunion („Russland“) am 17. September 1939 Polen angegriffen und überrannt hat, ist im Westen Europas und in Russland noch nicht überall durchgesickert. Der britische Historiker Norman Davies räumte bereits 1996 der These, dass Italien am Karfreitag, 2. April des Jahres 1939, mit seinem Überfall auf Albanien den eigentlichen Auslöser für den europäischen Teil des Weltkriegs geliefert habe, eine gewisse Plausibilität ein. In jedem Fall steht fest, dass bereits seit 1931 in Ostasien eine Kette militärischer Konflikte ausgetragen wurde, die erst im Spätsommer 1945 zu Ende kamen.

Beleg:
Norman Davies, Europe. A history, London 1997, S. 991-998

Eine dritte These über den Auslöser oder den Beginn des 2. Weltkrieges wird bei Historikern diskutiert, die die germanozentrische, ja vor allem die eurozentrische Sichtweise auf den Weltkrieg durchbrechen. Demnach habe der 1935 ins Werk gesetzte Überfall Italiens auf  das damalige Abessinien den 2. Weltkrieg entscheidend ausgelöst. Darüber schreibt Heinrich Oehmsen in der Welt vom 17.04.2013:

„Wir Europäer haben gelernt, dass der Zweite Weltkrieg am 1. September 1939 mit dem Überfall der Nazi-Truppen auf Polen begann und am 8. Mai 1945 mit der Kapitulation Deutschlands endete. Es gibt jedoch eine ganze Reihe von Sozialwissenschaftlern und Historikern, die dieser eurozentrischen Sicht widersprechen.

Für sie hat der Weltkrieg bereits 1935 in Afrika begonnen, als Italien das heutige Äthiopien angriff und 1936 annektierte. In Asien startete Japan im Juli 1937 eine Invasion in China, die bis zum September 1945 andauerte und in deren Folge 14 Millionen Chinesen den Tod fanden.“

via Erschreckende Fakten : Die „weiße Sicht“ auf den Zweiten Weltkrieg – Nachrichten Regionales – Hamburg – DIE WELT.

Eines scheint klar: Bei keinem dieser Angriffe – ob nun den italienischen Angriffen auf Äthiopien und Albanien, den deutschen Angriffen auf Polen oder die Sowjetunion, dem polnischen Angriff auf die Sowjetunion von 1920, den sowjetrussischen Angriffen auf Polen oder die baltischen Staaten von 1939/40 taten die Führer dies im Bewusstsein: „Und jetzt beginnt der 2. Weltkrieg.“ Kriege zwischen den Staaten waren in Europa nach 1919 eine sehr alltägliche Erscheinung, es gab zwischen 1918 und 1939 kein einziges Jahr, in dem nicht irgendwo in Europa ein regional begrenzter Krieg geführt wurde. Etwa ab 1935, spätestens ab 1939 jedoch erweiterten sich die regional begrenzten Kriege zu einem einzigen ineinander verflochtenen Weltkrieg.

Erst nach dem 8. Mai 1945 setzte sich die Meinung durch, dass der 2. Weltkrieg vom 1.9.1939 bis zum 8.5.1945 gedauert habe und dass Deutschland der einzige Schuldige für den „Ausbruch“ des 2. Weltkriegs sei. Dies ist bis heute überall die allgemein anerkannte Deutung, von den Historikern abgesehen.

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Lebenslange Sperre wegen des Mussolini-Hitler-Metaxas-Grußes für Athener Fußballer

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Mrz 182013
 

Die Süddeutsche Zeitung berichtet:

„Giorgos Katidis vom griechischen Erstligisten AEK Athen ist vom nationalen Fußball-Verband EPO wegen eines Hitlergrußes lebenslang für die Auswahlmannschaften des Landes gesperrt worden.“

via Lebenslange Sperre für Athener Fußballer – Hitlergruß-Aufreger bei Ewald Lienens Klub – Sport – Süddeutsche.de.

Dass in Fußballstadien in südeuropäischen Ländern immer wieder der Mussolini-, Hitler-, oder Metaxas-Gruß gezeigt wird, dass immer wieder rassistische Ausfälle zu beklagen sind, ist eine leidige Tatsache.

Auffallend ist jedoch, dass der sowohl im faschistischen Italien eines Benito Mussolini als auch im diktatorisch regierten Griechenland eines Ioannis Metaxas gebräuchliche sogenannte „römische Gruß“, der „saluto romano“,  heute außerhalb Italiens und außerhalb Griechenlands fast ausschließlich als „Hitler-Gruß“ bezeichnet wird.

Und doch ist es so: Der  nach oben gestreckte rechte Arm galt in den 20-er Jahren des 20. Jahrhunderts als „saluto romano“, also als ein typisch italienisches Gewächs wie heute etwa Pizza margherita, Spaghetti all’arrabbiata und vino rosso toscano. Die deutsch-österreichischen Nationalsozialisten der NSDAP übernahmen den saluto romano mit gewissen Abwandlungen von den Italienern, und ebenso übernahm ihn die griechische Diktatur des Ioannis Metaxas von den Italienern. Mit genau diesem italienisch-deutsch-österreichisch-griechischen Gruß, diesem  Mussolini-Hitler-Metaxas-Gruß, wie man ihn korrekterweise nennen müsste, wird heute üble Volksverhetzung in Stadien betrieben.

Allerdings wird weiterhin das beliebte Feindbild gepflegt, wonach alles Böse – darunter auch der saluto romano – aus Deutschland und  nur aus Deutschland  kommt. Historisch ist dies falsch. Zuviel der Unehre für Deutschland! Europa will partout bis zum heutigen Tage einfach nicht wahrhaben, dass Russland, Italien, Griechenland, Rumänien auf ihrem Boden eigenständige, verbrecherische Regimes hervorgebracht haben – und zwar ohne Geburtshilfe Deutschlands.  Es gab lange vor dem brutalen Überfall des faschistischen Italien Mussolinis auf das diktatorisch regierte Griechenland die Sitte, sich mit dem saluto romano zu grüßen. Die griechische Metaxas-Diktatur  bediente sich des römischen Grußes genauso wie die Mussolini-Diktatur. Auch in Rumänien wurde damals der saluto romano verwendet.

Erst im Nachhinein, erst nach dem 2. Weltkrieg setzte sich in Italien, Griechenland und Rumänien rasch die stillschweigende Übereinkunft fest, dass alles Böse letztlich aus Deutschland und nur aus Deutschland stamme, während die anderen europäischen Diktaturen – namentlich die Sowjetunion Stalins, das Italien Mussolinis, das Griechenland des Ioannis Metaxas, das Rumänien des Ion Antonescu – als unschuldige Opfer zu werten seien. Dass man heute überall nur vom Hitler-Gruß statt vom saluto romano oder vom Mussolini-Hitler-Metaxas-Gruß spricht, ist ein weiterer augenfälliger Beleg für diese eigentümliche Horizontverschiebung des historischen Bewusstseins.

Alles Böse kam letztlich aus Deutschland. Diese vulgäre Out-of-Germany-Theorie des Bösen wurde schon wenige Jahre nach dem Ende der europäischen Diktaturen durchgesetzt und kann heute mittlerweile als die eigentliche Siegerin des 2. Weltkriegs gelten.

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Der nette, höfliche Herr Lenin … bittet das Rauchen einzustellen :-)

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Feb 182013
 

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Immer wenn ich meine russischen Gesprächspartner so richtig ärgern will, erzähle ich ihnen die neuesten Schmeicheleien über Lenin, Stalin, Trotzki usw., die die westlichen Medien regelmäßig wieder auftischen: „Also, in der BBC-Dokumentation Die Geschichte des Menschen, geschrieben von Andrew Marr, produziert von Kathryn Taylor, präsentiert von Dieter Moor, wird Lenin als höflicher Mann dargestellt, der einen Raucher aus dem Abteil bittet, als er im verplombten Abteil von Zürich nach Petersburg gondelt! Und dann wird die Sowjetunion als erster sozialistischer Staat begrüßt! Euer Lenin, das war offenbar ein netter, lächelnder  Mann! So zeigt ihn die BBC!“

Die Reaktionen der Russen kann man so zusammenfassen: „Es ist hoffnungslos mit euch Europäern! Wann lernt ihr endlich mal die Geschichte der anderen Hälfte Europas kennen? Hättet ihr Deutschen uns Lenin und seine ganze Banditen- und Verbrecherbande nicht auf den Hals gehetzt, wäre Russland das Schlimmste erspart geblieben! Wir waren vor dem Ersten Weltkrieg auf einem guten Weg! Ihr Deutschen habt euch unentwirrbar als Totengräber des alten Russland schuldig gemacht – durch die Begünstigung der Revolution, aber nicht zuletzt auch durch das famose Waffenbündnis zwischen Deutschem Reich und Sowjetunion von 1939, das bis August 1941 hielt.  Toll toll toll! Und ihr wollt jetzt nichts mehr davon wissen!“

Derartige Reaktionen zeigen mir, wie völlig unterschiedlich die Geschichtsbilder der Deutschen, der Russen, der Briten, der Polen, der Letten, der Rumänen seit 1945 waren und auch weiterhin sind. Diesem Thema widmet sich auch Arnd Bauerkämper in folgendem Buch:

Das umstrittene Gedächtnis. Die Erinnerung an Nationalsozialismus, Faschismus und Krieg in Europa seit 1945, Schöningh Verlag, Paderborn 2012

Das Buch kenne ich leider noch nicht, aber aus der Besprechung, die Wolfram Pyta heute auf S. 8 der FAZ bringt, meine ich erkennen zu können, dass Bauerkämper den vielfach beklagten Befund einer zersplitterten europäischen Geschichtserzählung bestätigen kann. Das historische Gedächtnis ist – wie es die FAZ titelt – „Ein politisch umkämpftes Terrain: Europa konnte nach dem Zweiten Weltkrieg keine einheitliche Erinnerungskultur hervorbringen.“

So wie noch bis ins 17. Jahrhundert jeder Zweifel an der Existenz Gottes bei Strafe untersagt war, so hat sich mittlerweile in Deutschland und im westlichen Europa eine gleichsam theologische, mit strafrechtlichen Verboten bewehrte Dogmatik anstelle einer echten Geschichtserzählung herausgebildet. „Daran, an DIESEM EINEN darfst du nicht zweifeln!“, ist das Motto einer derartigen starren Dogmatik. So wie die scholastische  Theologie mit dem Begriff des Summum bonum, des absoluten Guten, des unhintergehbar Einzigartigen operierte, welches sie in der natura naturans dei erblickte, so bedient sich die gegenwärtige vorherrschende Geschichtstheologie des Summum malum, des absoluten Bösen, des Unvergleichlichen und Einzigartigen, welches sie im Massenmord an den europäischen Juden erblickt.

Diese geschichtstheologische, je „eschatologische“  Dogmatik ist stets durch das Datum des 08./09.05.1945  geprägt. Sie versagt aber meist hoffnungslos dabei, die Zeit vom 28.06.1914 bis zum 22.08.1941 einigermaßen vollständig zu erzählen.

Was tun ?

Ich meine erstens: eine gesamteuropäische Geschichtserzählung muss stärker die Quellen in den östlichen Sprachen einbeziehen. Allein deutsche und englische Bücher zur Kenntnis zu nehmen, genügt nicht. Polnische, russische, rumänische, lettische, finnische, jiddische, hebräische Quellen und solche in anderen Sprachen müssen ebenfalls eingearbeitet werden.

Jede gesamteuropäische Geschichtserzählung muss zweitens auch den realen Kommunismus als mentalitätsverändernde Macht miteinbeziehen. Alle Quellen aus jener Zeit – z.B. Tageszeitungen –  belegen, dass die Oktoberrevolution nach und neben dem Kriegsausgang von 1918 eines der wichtigsten, vielleicht das wichtigste Ereignis war, das damals die Geister und Herzen beherrschte.

Die Massenhinrichtungen, die Gräuel, die Hungersnöte, die erbitterten Bürgerkriege, die zahlreichen kleineren zwischenstaatlichen Kriege, die seit der russischen Oktoberrevolution und insbesondere ab 1921 die gesamte kleinteilige Staatenlandschaft der Osthälfte Europas prägten, müssen auch bei uns in Deutschland oder Frankreich endlich zur Kenntnis genommen und ins Geschichtsbild eingefüttert werden!

Drittens: Immer nur an Nationalsozialismus, Faschismus und Weltkrieg zu erinnern, reicht nicht aus. Man muss auch an den Kommunismus, an seinen ab 1918 entfesselten unbändigen Terror, an Bürgerkriege und an Hungersnöte, an Zwangsumsiedlungen und Deportationen, an das Kulakenelend im Osten der Ukraine, an die Zwangssäkularisation der Muslime in den ab 1921 annektierten Gebieten der Sowjetunion, an die Ausplünderung und Zerstörung der Klöster und Kirchen in Russland erinnern. Wenig hilfreich ist es, stets und dogmatisch alle Verbrechen des Kommunismus nur Stalin und dem sogenannten „Stalinismus“ in die Schuhe zu schieben. War etwa Lenin, der höfliche Massenmörder, ein Stalinist? So weit wird und sollte sich niemand versteigen, der sich auch nur oberflächlich mit der russischen Geschichte vertraut gemacht hat!

Hier sollte man viertens auch die zeitliche Abfolge nicht verwischen: Der linke, auf Gewalt, Terror, Massenverbrechen gestützte Kommunismus kam zuerst, er ist das Prius für jede Befassung mit den auf ihn folgenden Massenbewegungen der rechtsnationalistischen, auf Gewalt, Terror, Massenverbrechen gestützten Strömungen in fast allen damals noch nicht kommunistischen Ländern Europas.

Dabei bleibt es selbstverständlich unbenommen, dass es eine nette höfliche Geste ist, wenn man zum Rauchen das Eisenbahnabteil zu verlassen bittet. Nicht alles ist böse, was der höfliche Lenin gesagt und gemacht hat.

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Dez 012012
 

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 „On the morning of Sunday 28 June 1914, Archduke Franz Ferdinand, heir apparent to the Austro-Hungarian throne, and his wife Sophie Chotek von Chotkowa and Wognin arrived by train in the city of Sarajevo and boarded a motorcar for the ride down the Appel Quay to the City Hall. There were six vehicles in the motorcade.“

Einen absoluten Kracher erlebte ich gestern, als ich – mehr tastend, mehr probeweise – die Erzählung großen, des überragenden Analysators und Geschichtserzählers Christopher Clark über den Ausbruch des Ersten Weltkriegs las. Sein fesselnder Bericht über die Ermordung des österreichischen Thronfolgers Franz Ferdinand und seiner Gattin Sophie Chotek, enthalten in dem Buch THE SLEEPWALKERS  ist ein HAMMER. MANN MANN MANN, Christopher Clark, du bist ein Genie, an deiner Wiege stand offensichtlich die Muse Klio Patin, allein schon diese meisterliche Einleitung erinnert an den Mann ohne Eigenschaften von Musil!

The previous day had been coool and rainy, but on the morning of 28 June the city was bathed in sunshine.

In seinem Kapitel „Murder in Sarajevo“ kann man packend und mit unbezähmbarer Dramatik die letzten Stunden vor dem Attentat in Sarajevo nacherleben. Im Kugelhagel der Attentäter ging vieles unter, es war in der Tat das Ende eines großen Versuches, eine multiethnische, multikulterelle staatliche Gemeinschaft noch mühselig am Leben zu erhalten, ehe die Furie des Nationalismus sie zum Schafott führte, ehe „über ganz Europa die Lichter ausgingen“.

Ergreifend die Szene, als Sophie Chotek sich mit den muslimischen Frauenvertreterinnen zum Gespräch zurückzieht, wo dann endlich die Muslimas auch ihren Schleier ablegen dürfen. Damals, 1914,  waren wir also in punkto Multikulti in Europa schon weiter als 1990 – wo serbischer und kroatischer Nationalismus am selben Ort Sarajevo (oder auch in Srebrenica) niemals solche Rücksichten genommen hätte, dass die muslimischen Interessenvertreterinnen in einer eigenen, weiblich bestimmten Islam-Konferenz konsultiert worden wären!

Ansonsten kann ich jetzt schon sagen: Clarks magistrales Buch speist sich aus umfangreicher Kenntnis und Neuauswertung  der Quellen. Im Gegensatz zu vielen europäischen Fachkollegen wertet der Australier Clark  nicht nur Quellen und Sekundärliteratur in westlichen Sprachen, sondern auch solche russischer und serbischer Provenienz aus.

Eines wage ich vorauszusagen: Die berühmte, vor allem in Deutschland unterwürfig nachgeplapperte Fritz-Fischer-These, wonach „Deutschlands Griff zur Weltmacht“ hauptursächlich den Ersten Weltkrieg ausgelöst habe, wird sich nicht halten lassen!  Es tritt vielmehr etwas hervor, wofür ich mich in diesem Blog  immer stark gemacht habe: Europa war damals und ist auch heute ein Schauplatz multipolaren Machtstrebens, Russland und die Hohe Pforte (die spätere Türkei) sind die großen großen Unbekannten in den Augen der westlichen, halbseitig blinden, sprachlich oft unzureichend gebildeten Historikerzunft, die zur Zeit noch die Geschichts-Lehrstühle an den Universitäten besetzen.

Bis zum heutigen Tag wird Deutschland und nur Deutschland offen oder unterschwellig die Schuld oder Hauptschuld an allen großen Katastrophen, allen staatlichen Massenverbrechen des 20. Jahrhunderts, die auf den 28.06.1914 folgten, zugeschoben. Ein großer Fehler, ein Irrtum, der sich wie nach 1918 bitter rächen könnte und der auch die Lösung der gegenwärtigen Krise der Europäischen Union verunmöglicht. Frankreich, Russland und noch einmal Russland, Osmanisches Reich bzw. Türkei, Italien, Großbritannien, USA, Belgien … sowie alle anderen europäischen Staaten kochten damals ihre Süppchen und kochen auch heute ihre Süppchen in einem Kessel, dessen Temperatur mehrere Male den Siedepunkt überschritt. COOL IT DOWN!

Das gilt es zu erkennen, das müssen die europäischen Historiker und auch die Politiker allmählich durchschauen lernen. Allmählich, allmählich. Wenn sie  es denn wollen und sich selbst durch Autopsie der Quellen einen Einblick erarbeiten, wie es eben Christopher Clark in herausragender Weise vorgemacht hat. Das kann natürlich nicht gelingen, wenn man die Quellen der damaligen Zeit nicht oder nur selektiv zur Kenntnis nimmt.

Christopher Clark: Murder in Sarajevo. In: The Sleepwalkers. How Europe went to War in 1914. Penguin Books, London 2012 [hier zitiert nach der Kindle/Amazon-Ausgabe, Pos. 6976=51% ff.]

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Herzlich willkommen bei uns im KZ-Land!

 Deutschstunde, Europäischer Bürgerkrieg  Kommentare deaktiviert für Herzlich willkommen bei uns im KZ-Land!
Okt 252012
 

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Ein Besuch in der brandenburgischen Stadt Hennigsdorf führte mir kürzlich vor Augen, wie Deutschland seine Gegenwart im Spiegel der Vergangenheit sieht: Breit, machtvoll und beherrschend empfängt den unvorbereiteten Touristen sofort beim Verlassen des Bahnhofs die Inschrift KZ.  Ein Blick, der einen trifft wie ein Hammerschlag.

Vor wenigen Tagen führte mich mein Weg durch das Rathaus Schöneberg. Eine Gruppe von etwa 10-jährigen Schülern besichtigte gerade unter gedämpfter Belehrung durch den Lehrer eine Gedenkausstellung über jüdische Mitbürger, die Nachbarn waren und dann von der Gestapo abgeholt worden waren. Eine von tausend Szenen, in denen allen Kindern in Deutschland bereits sehr früh Scham und Schande der deutschen Vergangenheit eingeflößt wird. Die Kinderseelen verbinden mit dem Wort „Gedenken“, mit dem Wort „Deutschland“ von Anfang der Schulkarriere an ein tiefes, nagendes, wühlendes Schuldgefühl, mit dem sie dann allein gelassen werden.

Zehn oder 12 Jahre später sehen wir dann die Ergebnisse dieses Sperrfeuers der Pädagogik des Schreckens: Eine De-Identifikation mit Deutschland, ein verhuschtes, graues Männerbild, eine kollektive Selbstverleugnung und Selbsterniedrigung, die keinerlei Grenzen mehr kennt. Eine hochgefährliche Pädagogik, wie ich finde, die da auf Kinderseelen im Alter von 10 oder 12 Jahren niederbricht, gefährlich, weil sie unvermittelt in brutalen deutschen Nationalismus und brutalen deutschen Antinationalismus umschlagen kann.

„Deutschland verrecke“ – eine klare Ansage in Friedrichshain, breit hingepinselt auf dem Dach, nicht minder kriminelle Volksverhetzung  als das „Juda verrecke“ der bösen 12 Jahre.

Ich bin sogar überzeugt, dass die rituelle Konzentration auf die negative Theologie der ewigen Auschwitz-Schuld der Deutschen den rassistischen Verbrechen von Neonazis Vorschub leistet.

Denn wenn das Kind von früh an erfährt, dass die Deutschen das böseste Volk der gesamten Menschheitsgeschichte sind, kann dies auch zur paradoxen Identifikation mit dem Bösen führen. „Alle sagen, dass wir böse sind. Na – dann seien wir es eben!“

Der deutsche Politiker Cem Özdemir hat einmal von seiner Einbürgerungsfeier erzählt, bei der er fast der einzige gewesen sei, der sich über den endlich erreichten Status eines deutschen Bürgers habe freuen können. Andere Deutsche warnten ihn: „Hast du dir das auch gut überlegt?“

Der Kabarettist Fatih Çevikkollu sagt es so:

“Du wächst hier auf und kommst zu dem Punkt, an dem du “ja” sagst zu dem Land, und dann stellst du fest, du stehst allein da. Deutschland ist gar nicht mehr angesagt. Und wenn du jetzt noch den berühmten Integrationsgedanken zu Ende denkst, merkst du, der funktioniert gar nicht. Du sollst dich an ein Land anpassen, was sich selbst gar nicht will.”

Die Gedenkstättenlandschaft hier in Berlin wächst unaufhaltsam – allerdings wachsen diese Wüsten des Bösen nur in Deutschland. Nirgendwo sonst hat ein Volk eine derart beherrschende Neigung entwickelt, die eigene Geschichte ganz überwiegend als Inbegriff des Bösen zu sehen. Was steckt dahinter? Das Kalkül, dass die anderen Völker dann wieder ganz lieb zu uns sind, wenn wir wieder und wieder den Status als Verbrechervolk hervorkehren? Und Deutschland steht mit seinem Kult der Schuld und der Schande wirklich einzigartig da! Weder erkenne ich irgendwo ein Denkmal für die etwa 20 Millionen verstümmelten und ermordeten, vertriebenen Opfer der belgischen Kolonialherrschaft, noch hat Kuba ein Denkmal für die in KZ eingesperrten Homosexuellen erichtet, noch hat Russland ein Denkmal für die gedemütigten und entrechteteten Nachbarvölker errichtet, die es jahrhundertelang knechtete. „Russland ist ein Siegervolk. Das steckt in unseren Genen.“ Die Türkei hat das İnsanlık Abidesi in Kars, das Denkmal zur Erinnerung an die vertriebenen und ermordeten Armenier, im Jahr 2011 gleich ganz beseitigt, sonnt sich im Gefühl der siegreichen Schlacht von Manzikert (1071), der Eroberung von Konstantinopel (1453), in denen das ewige türkische Volk das ihm zustehende Land in Besitz nahm, mit Blut tränkte, Fremdvölker unterwarf.  Die Italiener besuchen liebend gern das KZ Auschwitz. Dass es in Jugoslawien, etwa in Rab, auch italienische KZs gab, dass die Italiener 1935 massenmörderische Giftgasangriffe in Abessinien niederbrechen ließen, wird den italienischen Kindern und Jugendlichen nicht gesagt. Italiani brava gente! Weiterhin wird geflissentlich verschwiegen, welch bestialischer Bürgerkrieg zwischen den Italienern innerhalb Italiens nach dem Waffenstillstand vom 03.09.1943 ausbrach.

Die Gedenkstättenlandschaft wächst! Weh dem, der noch Gutes sinnt oder ein gutes Haar an der deutschen Geschichte lässt! Weh dem, der noch ein Denkmal für etwas Schönes fordert. Das Nichtzustandekommen des Berliner Freiheitsdenkmals spricht Bände!

Das Denkmal für die ermordeten Sinti und Roma ist eröffnet, endlich, viel zu spät! Sinnvollerweise müssten wir aber dann auch allen Opferkategorien Gerechtigkeit widerfahren lassen: den Polen, den Russen, und vielen vielen anderen Opfergruppen.

Zu recht fordern Polen jetzt ein ähnlich repräsentatives Denkmal für die nichtjüdischen polnischen Opfer der Deutschen, wie es die Juden Europas bereits besichtigen dürfen. Platz in der städtischen Brache Berlins ist genug! Doch damit nicht genug! Wann werden die Russen endlich ihr angemessenes Denkmal in Berlin bekommen? Immerhin verloren etwa 20 Millionen Russen ihr Leben durch den verbrecherischen Angriffskrieg, an dem sich reguläre Armeen aus Deutschland, Österreich, Italien, Ungarn, Rumänien und Slowakei beteiligten, der unterstützt wurde von starken Freiwilligenverbänden aus mehr als einem Dutzend europäischer Länder, darunter auch 200.000 Russen unter Führung des Generals Wlassow.

Wo immer du hinkommst in Deutschland, das Böse empfängt dich. Das ist die Botschaft.

Quellen:

http://www.morgenpost.de/politik/ausland/article110261079/Tusk-Berater-will-Mahnmal-fuer-Polens-Nazi-Opfer.html

Ulrich Schmidt-Denter: Die Nation, die sich nicht mag. Psychologie heute, September 2012, S. 34-37

Bild: Eine typische Stadtlandschaft in Deutschland. Blick auf das KZ-Denkmal in Hennigsdorf.

http://www.psychologie-heute.de/das-heft/aktuelle-ausgabe/detailansicht/news/die_nation_die_sich_nicht_mag

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Mrz 212011
 

Eine sehr bedenkenswerte Stimme im aufgeregten Durcheinanderreden: Volker Kauder. Der CDU-Fraktionschef bezeichnete heute die Ereignisse in  Libyen als „typischen Bürgerkrieg“, der auch zur Spaltung des Landes führen könne. Wenn dem so wäre, würde ich daraus folgern: Durch die Militärintervention sind die westlichen Mächte USA, Frankreich, Italien und Großbritannien zu Parteien im Bürgerkrieg geworden.

Ich meine: Ob man das Ganze Bürgerkrieg oder Verteilungskampf oder Aufstand, Binnenfehde um Ressourcen oder sonstwie nennt, ist zweitrangig. Entscheidend ist: Hier kämpfen verschiedene Gruppierungen des Volkes mit Waffengewalt um die Macht im Lande. Libyen ist immerhin ein vergleichsweise reiches Land, es gibt sehr viel zu verteilen. Beide Seiten – sowohl die Gefolgsleute des Herrschers als auch die Aufständischen – beanspruchen für sich, die Freiheit des libyschen Volkes zu verteidigen. Dafür – so behaupten sie – nehmen sie die Waffen in die Hand.

Erstaunlich kurz ist das Gedächtnis der westlichen Kommentatoren, die der Bundesrepublik Deutschland Feigheit oder Prinzipienlosigkeit vorwerfen. Wenn diese Kommentatoren sich nur kurz darauf besännen, dass alle heute bestehenden arabischen Diktaturen ausdrücklich als „Freiheitskämpfe“ begannen?

Dies gilt auch für Libyen: Gegen die alten Herren, die jahrhundertelang regierenden Osmanen, erhob sich die Senussi-Bruderschaft im 19. Jahrhundert. Gegen die neuen Kolonialherren, die Italiener, erhoben sich die Libyer unter Führung der Bruderschaft ab 1912. Gegen König Idiris erhoben sich Freiheitskämpfer unter Oberst Muammar Al-Gaddafi im Jahr 1969:  Stets wurde „Freiheit von Sklaverei, Fremdherrschaft und Unterdrückung!“ als Ruf verwendet. Und stets wurde daraufhin eine neue despotische Herrschaft errichtet, die manchmal noch willkürlicher, noch grausamer herrschte als die vorige Regierung.

Kauder kritisiert militärisches Vorgehen gegen Libyen | STERN.DE

Die westlichen Mächte USA, Frankreich, Italien und Großbritannien haben sich – angelockt durch den Hilferuf der arabischen Brudervölker Libyens – in ein unbedachtes Wagnis mit nicht absehbarem Ausgang gestürzt. Unbedacht aus mancherlei Gründen: Das Bündnis hat kein echtes strategisches Ziel vorzuweisen. Unverzeihlich finde ich: Die Interventionsmächte haben sich des konkreten Beistandes der arabischen Nachbarstaaten für konkrete Maßnahmen nicht versichert, sie haben ohne echte Ortskenntnis und offensichtlich ohne Kenntnisse der internen Machtverhältnisse losgeschlagen.

Sie haben die Rolle der NATO offensichtlich nicht geklärt, sie haben keine Führungsstrukturen installiert. Wie soll man das nennen? Naiv? Idealistisch? Egoistisch?

Die Äußerungen etwa einer Catherine Ashton, der Außenbeauftragten der Europäischen Union, zeugen von bemerkenswerter Unbekanntheit mit dem gigantischen Reichtum, den die Herrscher der arabischen Staaten, darunter die Libyens, angehäuft haben. Ashton verlangt allen Ernstes mehr finanzielle Leistungen Europas für die Unterstützung der arabischen Volkswirtschaften. Wir zitieren: „I want Europe to contribute billions of Euros to develop the economies of Libya, Egypt and Tunisia“.  So schrieb Ashton gestern im International Herald Tribune, S. 7. Eigentlich kaum fassbar, dass die höchste Vertreterin der europäischen Außenpolitik nicht weiß, dass wir  Tag um Tag Millionen von harten Euro in die ohnehin gutgefüllten Kassen Libyens einzahlen!

Die nüchtern abwägende Stellungnahme Volker Kauders hebt sich wohltuend von den allzu gut gemeinten, in Wahrheit nur naiv zu nennenden, eher erratisch handelnden Interventionen der westlichen Mächte ab. Kauder und seine Fraktion verdienen Unterstützung.

 Posted by at 14:35