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Faschismus – Schöneberger Blog

Die erste faschistische Verfassung der Welt war – welche?

 1917, Faschismus  Kommentare deaktiviert für Die erste faschistische Verfassung der Welt war – welche?
Apr 302018
 


Welche Verfassung führte als erste Verfassung überhaupt das römische Liktorenbündel, die berühmten „fasces“ im Wappen? Welche staatliche Verfassung darf mit Fug und Recht die erste faschistische Verfassung der Welt genannt werden?

Eine rein antiquarische Frage, möchte man meinen. Und doch ist sie weit mehr als das! Denn es geht nicht zuletzt um die Frage nach den Wesensmerkmalen des Faschismus, also jener politischen Bewegungen im Europa des 20. Jahrhunderts, die sich ausdrücklich auf den Kult der Gewalt stützten, wie er im damaligen semiotischen Universum durch das Rutenbündel der römischen Liktoren versinnbildlicht wurde.

Die Antwort mag überraschen: Die erste faschistische Verfassung der Welt war im semiotischen Sinne, wie ihn etwa Umberto Eco ansetzt, die Verfassung des V. Allrussischen Sowjetkongresses, verabschiedet am 5. Juli 1918. Sie zeigt neben Hammer und Sichel auch das Symbol des Faschismus – das Rutenbündel der Liktoren.

War also der sowjetische Kommunismus, der Bolschewismus der Ur-Faschismus? Ich würde diese Frage so stellen! Der Bolschewismus stützte sich explizit auf den Kult der Gewalt; die Schriften von Marx, Trotzkij und Lenin sind gespickt mit affirmativen Aussagen zum Einsatz der nackten Waffengewalt innerhalb der Gesellschaft; und sie offenbaren innige Vertrautheit mit der Geschichte des Imperium Romanum, was sich nicht zuletzt auch in der Titelgraphik der ersten sowjetischen Verfassung widerspiegelt.

Benito Mussolini und alle anderen Faschisten kannten den Weg der Bolschewiki genau, sie orientierten sich am Aufstieg und Triumph Lenins und Trotzkis, sie übernahmen die wesentlichen Elemente dieses „Ur-Faschismus“. Lenin mit seiner sogenannten „Oktoberrevolution“ und dem sogenannten „Sturm auf den Winterpalast“ von 1917 war offenbar ein Vorbild für den Sozialisten und späteren Faschisten Mussolini, der ja immerhin bis ins Alter von 27 Jahren überzeugter, politisch aktiver Sozialist und sogar Chefredakteur des Avanti, des Zentralorgans der Sozialistischen Partei Italiens, war. Der Sozialismus, insbesondere der mit dem Kult der hemmungslosen Gewalt, dem „Roten Terror“ auftretende sojewtische Bolschewismus, kann, so meine ich, durchaus als eine Art Ur-Faschismus im Sinne Umberto Ecos angesehen werden.

Ohne den früheren sowjetischen Sozialismus ist kein Faschismus, ohne den zuerst entstandenen russischen Bolschewismus ist kein Nationalsozialismus denkbar.

Bild:
Das Titelbild der ersten sozialistischen und faschistischen Verfassung der Welt aus dem Jahr 1918
Lesehinweis:
Umberto Eco: Il fascismo eterno, in: Cinque scritti morali (erschienen zuerst 1997, jetzt erneut verfügbar bei La nave di Teseo editore, Milano 2017)

Aug 222016
 

De mortuo nil nisi bene loquamur – von einem Toten möchten wir zunächst einmal nur Gutes reden. Ein wahrhaft europäischer Historiker war Ernst Nolte, der am 18. August verstorben ist.

Sein großartiges Werk „Der Faschismus in seiner Epoche“, das ich aus der Bibliothek meines Vaters in der 2. Auflage von 1965 ererbt habe, hinterließ mir vor Jahren schon einen tiefen Eindruck; zunächst übrigens wegen des außerordentlich eleganten, mit Fakten und tiefen Einsichten gesättigten Stils. Nolte war zuletzt einer der wenigen noch verbleibenden deutschen Wissenschaftler, der eine rhythmisch geordnete, architektonisch klar gegliederte, dem fein artikulierten rhetorischen Gestus nicht abholde Sprache schrieb. Man braucht sich nur einige Seiten aus seiner Feder vorzulesen und wird erkennen, dass er noch einmal das rhetorisch- analytische Erkennen, diesen Schatz  der antiken Historiker aufscheinen lässt. Sein Deutsch liest sich mitunter so, als wäre es aus Sallust oder Thukydides, aus Montaigne oder Montesquieu übersetzt! Mindestens lässt es diesen Goldgrund noch durchschimmern.

Als weiteren Vorzug hebe ich hervor, dass er sich mit den Quellen mehrerer europäischer Sprachräume auseinandergesetzt hat, sehr im Gegensatz zu fast allen, die in häufig unredlicher Art über ihn hergefallen sind. Er las eben noch im Original Mussolini, D’Annunzio, Drumont, Barrès und all die anderen.

Die meisten heutigen Feuilletonisten und akademischen Barone, von Jürgen Habermas angefangen bis zu all den anderen, die ihm seit dem unsäglichen, fälschlich so genannten „Historikerstreit“ unablässig am Zeug flickten, sind oder waren schon wegen mangelnder Sprachkenntnisse gar nicht imstande, die historischen Quellen aus Italien, Frankreich, der Sowjetunion, Polen oder Tschechoslowakei eigenständig auszuwerten. Sie kennen und können nur Vorgekautes wiedergeben, soweit es ihnen  in deutscher oder englischer Sprache aus zweiter Hand vorgesetzt wird. Sie haben keine Quellenforschung betrieben. Ich behaupte: Sie konnten und können den Wahrheitsgehalt von Noltes Schriften nicht beurteilen. Sie haben sich nie der Mühe unterzogen, den gesamteuropäischen Charakter der großen Ideologien des 20. Jahrhunderts nachzuvollziehen, wie dies Nolte auf seine besondere Weise tat.

Habermas und die anderen haben nur versucht, die gesamte Epoche von 1917-1945 mit dem Absolutheitssiegel des Bösen schlechthin, verkörpert in Deutschland, zu entsorgen. Entsorgung der Vergangenheit! Sie haben genau das gemacht, was sie Nolte fälschlich vorwarfen. Sie verkörpern im Grunde die autokategoretische Denkart, wie sie sich geradezu idealtypisch in Deutschland herausbilden konnte. Diese Denkart lässt sich so zusammenraffen: „Es gibt genau eines und nur ein einziges Verbrechen, das alle anderen übersteigt. Dieses ist von uns Deutschen begangen worden.  Es ist das einzige Verbrechen, das nie vergeht, für das auch keinerlei Motivation oder Veranlassung denkbar ist, und das auf ewige Zeiten uns Deutschen anhaften wird. Dafür, für dieses einzigartige Verbrechen trägt Deutschland Schuld und Verantwortung.“ So formulierte es übrigens noch kürzlich der Deutsche Bundestag in seiner Armenien-Resolution vom 02.06.2016.

An keiner Stelle hat Ernst Nolte dagegen so etwas wie eine Apologie des Nationalsozialismus versucht oder gar irgendwelche Verbrechen, die im deutschen Namen begangen oder von Deutschen begangen worden sind, zu verharmlosen, zu entschuldigen oder zu leugnen sich unterfangen, wie es ihm jedoch heute noch einmal auf höchst unredliche Weise im Tagesspiegel auf S. 1 unterstellt wird. Sehr wohl aber hat er versucht, zu verstehen, wie es so weit kommen konnte. Er versuchte das Geschäft des Historikers: Handlungsstränge nachvollziehen, mögliche Motivationen und Triebkräfte freilegen, ohne die historisch Handelnden als den Teufel schlechthin, als den Träger der Schuld schlechthin zu verurteilen –  „mit Abneigung, aber ohne Haß“.

Seine Gegner haben unhistorisch und auf tiefstem Niveau pseudotheologisch mit dem Argument des absoluten Bösen argumentiert, wobei der Rückgriff auf Martin Luthers Schuldbegriff auf krude Weise dem ganzen Volk übergestülpt wurde.

Manet odium sui germanicum! Man lese doch bitte noch einmal Luthers 4. Wittenberger These, und man wird erkennen, wie ein bedeutender Teil der deutschen Gelehrtenschaft ganz im Banne dieses von Luther absolut aufgeladenen kollektiven Schuldbegriffes steht, der letztlich zur Ablehnung der eigenen Identität, zum odium sui, wie dies Luther nannte, führen muss und geführt hat:

4. Manet itaque poena, donec manet odium sui (id est poenitentia vera intus), scilicet usque ad introitum regni caelorum.

 

Ernst Nolte: Der Faschismus in seiner Epoche. Die Action française. Der italienische Faschismus. Der Nationalsozialismus. R. Piper & Co Verlag, 2. Auflage München 1965