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Archiv der Kategorie Frauen und Männer in der Politik
Brauchen wir die Frauenpartei?
8.3.2010 von admin.
Diese Frage muss am heutigen Tag der Frau erlaubt sein! Wir stellten in diesem Blog erste Überlegungen dazu am 23.11.2008 an. Mit einem klaren “Eigentlich - ja” beantwortete eine italienische Politikerin, Anna Maria Carloni, Senatsabgeordnete vom Partito democratico, der Mitte-Links-Demokratischen Union Italiens, diese Frage in der aktuellen Ausgabe der italienischen Zeitschrift Panorama vom 4. März 2010, S. 82. Lest selbst:
“Io stimo le donne, in generale. Bisognerebbe azzerare tutto e ricominciare da loro, da noi. Per costruire una nuova classe politica.”
Also: “Ich schätze die Frauen, ganz allgemein. (Io stimo le donne, in generale.) Man müsste alles auf Null stellen und noch einmal von vorn bei ihnen anfangen, bei uns Frauen. Um eine neue politische Klasse aufzubauen.”
Der gegenwärtigen politischen Klasse Italiens traut Carloni offenbar wenig zu - deshalb fordert sie ja den Neuansatz. Nach ihren historischen politischen Vorbildern befragt, nennt sie, ehemals Politikerin der KPI: Enrico Berlinguer (Kommunist), Aldo Moro (Christdemokrat), Alcide de Gasperi (Christdemokrat), und mit Einschränkung Bettino Craxi (Sozialist). 2 Christdemokraten, 1 Kommunist, 1 Sozialist (mit Einschränkung). Den Frauen scheint das lagerübergreifende Denken in den Genen zu liegen! Überall kann sich persönliche Tüchtigkeit und politische Redlichkeit entfalten. Das sehe ich genauso.
Frauenquote unter ihren Vorbildern? Null. Schade. Aber ein Beweis, dass auch Männer vorbildliches Verhalten zeigen können. Erkannt von einer Frau.
Und somit komme ich am heutigen Frauentag zu einem vorläufigen Wunsch an meine Mitmänner: Lasst uns von den Frauen lernen, Jungs! Es gab und gibt Vorbilder - unter Männern wie unter Frauen. Niemand hindert uns daran, den Frauen achtungsvoll entgegenzukommen, sodass wir ihre Wertschätzung gewinnen.
Den Leserinnen dieses Blogs entbiete ich herzliche Glückwünsche zum heutigen Frauentag. Ihr wisst es ja schon: Io stimo le donne, in generale.
Um zur Ausgangsfrage zurückzukehren: Gegen eine Frauenpartei hätte ich nichts einzuwenden. Allerdings müsste sie auch uns Männern offenstehen. Denn: Gemeinsam sind wir stark.
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Politik für Frauen UND Männer: brauchen wir die Quote?
4.2.2010 von admin.
Mit besonderer Freude reihte ich mich kürzlich in die Schar der Gratulanten ein, als im CDU-Kreisverband Friedrichshain-Kreuzberg Tanja Woywat zur stellvertretenden Kreisvorsitzenden gewählt wurde. Ein guter, ein mutiger Schritt! Die Frauen-Union war auch die erste CDU-Parteigliederung, die mich als Gast zu einem meiner kommunalpolitischen Kernthemen - der von Männern gern belächelten Fahrradpolitik - eingeladen hat. Dafür gebührt ihr mein fortfahrender Dank.
Sicher muss man einräumen: manchen Frauen und Männern reicht das noch nicht. Sie verlangen eine gleichberechtigte Frauenbeteiligung an allen Parteiämtern. Sie verlangen die völlige Gleichstellung, also z.B. die Quotierung. Das haben die Grünen mit ihrer berühmten “Doppelspitze” so gehalten. Neben Renate Künast stellen sie nominell gleichberechtigt Jürgen Trittin. Dies erinnert an das Kollegialitätsprinzip der alten römischen Senatsrepublik: 2 Konsuln, 2 Quaestoren usw. Ein Vorbild für die anderen Parteien?
Das könnte bedeuten: Neben die Bundesvorsitzende müsste ein gleichberechtigter Bundesvorsitzender treten. Denn selbstverständlich gölte der Gleichstellungsgrundsatz auch für Männer. Wir bräuchten dann unter Umständen die “Jungenförderung”. Und dann sollten alle Ämter im “Reißverschlussverfahren” vergeben werden. So schrieb die bekannte, von einer Frau geführte Einrichtung “BMFSFJ” bereits im Jahr 2008:
BMFSFJ - Politik für Frauen und Männer
Entscheidungspositionen müssen in gleichem Umfang von Frauen und Männern besetzt werden - in der Wirtschaft und in der Politik. Frauen brauchen die gleichen Chancen und die gleichen Möglichkeiten. Sie dürfen nicht länger schlechter bezahlt werden.Dies ist nur erreichbar, wenn die ungleiche Verteilung unbezahlter Fürsorge- und Hausarbeit zwischen Männern und Frauen überwunden und tradierte Rollenmuster erweitert werden, die vor allem Mütter und Väter daran hindern so zu leben, wie sie es sich wünschen.
Ich habe die Forderung nach mehr Frauen in der Politik immer unterstützt. Ja, ohne das Vorbild einiger bedeutender CDU-Frauen wäre ich wahrscheinlich nicht zu diesem Zeitpunkt (01.05.2007) in der CDU gelandet. Unter Helmut Kohl bin ich und wäre ich - trotz des geeigneten Alters - nicht in die CDU eingetreten. Das ist nun mal so. Im Bundestagswahlkampf habe ich namentlich, ausdrücklich und mit nicht unbeträchtlichem zeitlichem Einsatz zwei Frauen unterstützt, nämlich die Wahlkreiskandidatin in Friedrichshain-Kreuzberg und die Kanzlerkandidatin der Christlich-Demokratischen Union Deutschlands. Ich war aktives Mitglied des Teams.
Trotzdem muss ich sagen: Ich habe diese und andere Frauen nie deswegen unterstützt, weil sie Frauen sind, sondern weil ich ihre politische Arbeit und ihre Ansichten unterstützenswert finde. Ich hege zwar die Vermutung, dass die deutsche und europäische Politik insgesamt von einem höheren Frauenanteil profitieren würde. Aber eine starre Quote? Bisher konnte mich das starre Quotenmodell in der Politik nicht überzeugen. Die Leistung muss zählen. Und dass Frauen oft Wertvolleres leisten als ihre männlichen Mitbewerber um dieselben Posten, das habe ich mehrfach in diesem Blog zu belegen versucht.
Ich habe bereits bei meinem ersten CDU-Kreisparteitag am 01.12.2007 Kinderbetreuung gefordert und erhalten. Und ich war der einzige, der sie dann in Anspruch nahm. Nur dank der Kinderbetreuung konnte ich den Parteitag ohne zusätzliche Kosten besuchen und die von mir zahlreich eingebrachten, oft abgelehnten Anträge verteidigen. Die anderen Männer und Frauen brachten keine Kinder und auch keine Enkelkinder mit. Wer passte auf sie auf?
Oh Leserinnen, wenn ihr mir das nicht abnehmt, blättert zurück in dieser neu angelegten Kategorie “Frauen und Männer in der Polititk”. Diskutiert mit! Streitet euch mit mir!
Also Frauen - ermannt euch doch bitte! Rein in die Polit-Puschen! Wenn ihr besser seid als die Männer, werde ich euch wählen. Allerdings: Wenn der männliche Kandidat mir besser scheint - dann werde ich den Mann wählen.
Einsatz, Leistung, Fleiß, Klugheit, Ernsthaftigkeit, Demut, Sachlichkeit - das sind die Eigenschaften, die ich mir von Politikerinnen und Politikern wünsche. Wie lange einer das Parteibuch hat, ist nebensächlich. Diese genannten Tugenden stehen beiden Geschlechtern offen.
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Solidarität mit Seyran Ateş!
24.10.2009 von admin.
Kaum überraschend dürften die neuerlichen Morddrohungen für Seyran Ateş kommen. Diese Frau, die wir immer wieder - neben anderen Frauen - in diesem Blog zitiert, erwähnt und unterstützt haben, wird sich erneut keine neuen Freunde in der türkischen Gemeinde machen. Sie stört seit Jahren, indem sie das Kartell des Schweigens durchbricht, das die orientalischen Herren der Schöpfung um ihre hübsche kleine Sondergemeinde gezogen haben. Immer die Männer! Natürlich: Spricht man - wie der hier schreibende Blogger - direkt mit arabischen oder türkischen Frauen - oder besser noch: mit deutschen Frauen, die mit arabischen Ehemännern verheiratet sind oder waren - dann merkt man, das Ateş keineswegs nur einzelne Fälle herausgreift, wo Frauen gegen ihren Willen verheiratet, bedroht und erpresst werden.
Aus diesem Grund müssen wir Demokraten uns solidarisch mit der erneut bedrohten und eingeschüchterten Seyran Ateş erklären! Ich tue dies hiermit ausdrücklich! Männer! Frauen in Deutschland! Kauft ihr neues Buch, lest es und gebt es weiter!
Nach Morddrohungen: Islamkritikerin Ates flieht aus der Öffentlichkeit - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Kultur
Seyran Ates, 46, hat sich nach anonymen Morddrohungen komplett aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. Anlass der Drohungen ist offenbar die Veröffentlichung ihres neuen Buches, das vor wenigen Tagen beim Berliner Ullstein-Verlag erschienen ist. Titel der als “Streitschrift” betitelten Veröffentlichung: “Der Islam braucht eine sexuelle Revolution.” Die Juristin und Schriftstellerin plädiert darin für die Abschaffung der in islamisch geprägten Ländern weit verbreiteten arrangierten Ehe und spricht sich für einen offenen Umgang mit dem Thema Homosexualität aus sowie für mehr Selbstbestimmung für muslimische Frauen.
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Was habt ihr gegen Herren über 50, Frauen?
16.2.2009 von admin.
Immer wieder habe ich in diesem Blog meine Schwäche für starke, unabhängige Frauien bekundet: Seyran Ateş, Necla Kelek, Vera Lengsfeld, Gülden Sahin … und noch einige andere: Sie alle haben gemeinsam, dass sie sich in einem männlich dominierten Umfeld behaupten. Sie haben die bequeme Anpassung an patriarchalisches Herrschaftsdenken aufgekündigt.
Doch bei aller Hochschätzung - eines mache ich nicht mit: Wenn nämlich das Altersargument herhalten muss, um männliche Politiker abzustempeln. So berichtet Gerd Langguth, wie Angela Merkel vor dem Sturz Helmut Kohls sich beschwert haben soll, die Herrschaft der alten Männer in der CDU dauere schon viel zu lange. Ich meine: gerade den ganz alten Männern hat die Bundesrepublik einiges zu verdanken - man denke nur an Adenauer, man denke an die immer noch unübertroffen hellsichtigen Einwürfe des Altkanzlers Schmidt. Bitte mehr von solchen alten Männern!
In dieselbe Kerbe haut offenbar auch Halina Wawzyniak. Die Süddeutsche berichtet über Aussagen des Bundesfraktionsvizevorsitzenden Ramelow zur Kandidatenfrage:
Bundespräsidentenwahl - Die Linke streitet weiter - Politik - sueddeutsche.de
“Die Herren über 50″Die stellvertretende Parteivorsitzende Halina Wawzyniak kritisierte Ramelows Äußerungen scharf. “Es kann nicht sein, dass die Herren über 50 sich einigen, und ich erfahre daraus aus der Zeitung”, sagte sie der FR zufolge.
In einem Brief an ihre Genossen forderte sie, wenigstens darüber informiert zu werden, wenn eine Entscheidung gefallen sei. Das Vorgehen der überwiegend männlichen Parteispitze wolle sie in der kommenden Vorstandssitzung Ende August erörtern. Dann wolle sie auch wissen, ob sie als gewählte Funktionsträgerin eingebunden werde, “oder ob ich mir den ganzen Quatsch sparen kann”.
Was bedeutet dies, wenn eine stellvertretende Bundesvorsitzende erst hinterher erfährt, dass ihre Partei ganz eigene Wege geht, dass die berüchtigten Herren über 50 das Sagen haben? Nun, es legt die Vermutung nahe, die jungen frischen Gesichter, mit denen die Linke ans Wahlvolk tritt, seien nur vorgeschoben, und dahinter zögen die alten Seilschaften der “Herren über 50″ die Strippen. Das wäre nicht gut fürs Ansehen! Denn es gäbe all jenen Oberwasser, die behaupten, letztlich sei die heutige Linke doch nur eine Fortsetzung der SED mit anderen Gesichtern vorne drauf gepappt. Ist das ganze alles nur Quatsch?
Was ist dran richtig, was falsch? Nun, man kann morgen im Café Sybille Frau Wawzyniak direkt fragen.
Geschrieben in Frauen und Männer in der Politik, Kandidatenwacht 084 | 1 Kommentar »
Sind Frauen bessere Politiker?
27.1.2009 von admin.
Mit großer Erleichterung stelle ich fest: Niemand behauptet, dass Frauen grundsätzliche bessere Politiker sind. Aber sie gelangen anders nach vorne, behauptete ich am 25.10.2008 in diesem Blog. Ich stellte damals die Behauptung auf,
dass für die allermeisten Frauen in der Politik Macht nicht in dem Sinne obersten Rang einnimmt, wie dies für die meisten männlichen Politiker gilt. Das bedeutet jedoch, dass diese hochbegabten Politikerinnen nur in Ausnahme- und Krisensituationen nach oben gelangen können. Sie putschen sich nicht an die Macht, sondern sie erweisen sich in Zeiten der Krise als die glaubwürdigsten Anwärterinnen auf die freien Plätze. Nur dann, wenn die männlichen Mitbewerber sich gegenseitig lähmen und jeder für sich in seinen Machtstrategien gescheitert sind, kommen diese eigentlich besser qualifizierten Frauen zum Zug. Das ist häufig dann der Fall, wenn Korruption, Ämtermissbrauch und Kriminalität in die Politik hineinwirken.
Und heute, an dem Tag als vor 90 Jahren Frauen erstmals wählen durften, werden einige Politikerinnen mit ganz ähnlichen Einsichten zitiert. Ich werte dies als Beweis dafür, dass auch wir Männer manchmal ohne weibliche Vorleistung zu belastbaren Einsichten gelangen können. Herzlichen Glückwunsch - an uns Männer, dass wir seit 90 Jahren die Suppe nicht allein einbrocken und auslöffeln müssen!
90 Jahre Frauenwahlrecht - Damenwahl - Seite 2 - Politik - sueddeutsche.de
Die Politikerinnen teilen, wie deutlich wurde, heutzutage vor allem ein Problem: In eine Spitzenposition kommen sie zumeist dann und unverhofft, wenn die männlichen Kollegen den Posten für unattraktiv, aussichtslos oder beides halten.So widerfuhr es der SPD-Bürgermeisterin von Wismar, Rosemarie Wilcken, die 1990 als Spitzenkandidatin bei der Kommunalwahl antrat, weil sich kein anderer Bewerber fand. Als sie den CDU-Kandidaten schlug, meldeten sich plötzlich doch Interessenten, die meinten, als Spitzenkandidatin müsse man ja nicht unbedingt Stadtoberhaupt werden. Wilcken ließ sich nicht abschrecken, wurde Bürgermeisterin und 2002 im Amt bestätigt. “Frauen zu wählen ist nicht das Problem. Die Hürde ist, nominiert zu werden”, sagt sie am Montag im Kanzleramt.
Geschrieben in Frauen und Männer in der Politik, Deutschland | 1 Kommentar »
Die Reinemachefrauen, oder: Soll oder kann es eine Frauenpartei geben?
23.11.2008 von admin.
Sind Frauen in der Politik anders? Kann es eine Frauenpartei geben? Was will das Weib in der Politik? Mehrfach diskutierten wir in diesem Blog solche bewegenden Fragen. Nach Einträgen am 21., 27., und 28.10.2008 gelangten wir zu folgenden Schlüssen: “Mann dreht seine Runden, Frau putzt hinterher”. Frauen fehlt fast immer der Wille zur Macht als Selbstzweck, deshalb gelangen sie nur zur Macht, wenn die Männer sich vor aller Augen als unfähig oder unhaltbar erweisen. Eine Frauenpartei erklärten wir für unwahrscheinlich. Wir haben uns geirrt. Denn Berlins CDU schickt sich an, eine Frauenpartei zu werden! So jedenfalls berichtet der Tagesspiegel heute:
Die Demontage
Vom Hinterzimmer-Herrenclub zur Frauenpartei in nur zweieinhalb Monaten: So lässt sich zusammenfassen, was die Berliner CDU in diesem Herbst mit sich erlebt hat. Frauenpartei? Klar, so viele Frauen wie jetzt haben noch nie auf den besten Plätzen der Landesliste für den Bundestag kandidiert. Monika Grütters auf dem ersten Rang, Stefanie Vogelsang, Stadträtin aus Neukölln, auf dem dritten, die ehemalige DDR-Dissidentin Vera Lengsfeld auf dem sechsten Listenplatz. Deutlich mehr weibliche Gesichter werden im kommenden Sommer von den Wahlplakaten herunterlächeln.
Ihr seht: Der erste Teil meiner Analyse stimmte - nämlich, dass in besonders schweren Krisen oft der Weg für die Frauen frei wird.
Typisch sind folgende Aussagen: “Wenn ich gewusst hätte, dass ich so deutlich verliere, wäre ich gar nicht angetreten” - so äußerte sich ein bekannter männlicher Politiker nach seiner Niederlage. “Ich habe nicht damit gerechnet, gewählt zu werden, aber ich war es der Partei schuldig. Ich musste mindestens ein Zeichen setzen.” - In diesem Sinne äußerte sich eine weibliche Kandidatin nach ihrem Wahlsieg. Typisch Mann, typisch Frau: dem Mann ging es um konkrete Machtperspektiven, der Frau ging es um das Ansehen der Partei, obwohl sie sich keine Macht versprach!
Interessant ist auch, wie Berlins CDU das Thema des Lernens, das Thema des tiefgreifenden Wandels immer wieder elegant vermeidet und umsegelt! “Ja, haben wir denn überhaupt nichts dazugelernt?” - so eine fassungslose Stefanie Vogelsang, als sie erfuhr, dass auch unter dem neuen alten Landesvorsitzenden munter und fröhlich weitergekungelt wird, als wäre nichts gewesen. “Ihr habt ja nichts dazugelernt!” Solche und andere Rufe erschollen, als die hinreichend bekannte Landesvorstands-Herrenriege die Landesvertreterversammlung unterbrechen wollte, da die Delegierten sich nicht an die diktierten Listen halten wollten, sondern sich das Recht auf demokratische Wahl herausnahmen. Was für eine Ungehörigkeit!
Ronald Pofalla wiederum sagte am Dienstag zu seiner Berliner CDU: “Sie brauchen keine Belehrungen!” Ein herrlicher Satz, denn er bedeutet: “Wie Sie aus dem Schlamassel herauskommen wollen, müssen Sie schon selber lernen - niemand kann es Ihnen von außen belehrend vorschreiben.”
Was lernen wir daraus? Ich meine dies: “Lernt selbst - damit ihr euch nicht die Belehrungen anderer anhören müsst!”
Fazit: In besonders schweren, von Männern verursachten Krisen scheinen in der Tat Frauen eher geeignet zu sein, Glaubwürdigkeit zurückzuholen. Leider müssen sie oft, allzuoft gedrängt werden, nach vorne zu treten. Hier scheint mir der Ansatz des gemeinsamen Lernens zum Erfolg zu führen.
Lernen heißt sich wandeln. Gemeinsam lernen heißt, den Wandel mitzugestalten statt ihn über sich hereinbrechen zu lassen. Dazu sollten Männer auf Frauen hören lernen.
Unser Foto zeigt eine glückliche Frau.
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Wie verhalten sich die Frauen?
31.10.2008 von admin.
Was will das Weib?, fragte Freud. Wie verhalten sich die Frauen?, fragen wir.
Ich meine: Frauen sind in Krisenzeiten die besseren Führungsgestalten. Alte Mythen und Märchen beweisen: Wenn das Chaos kocht, muss Gaia, das “Erdhafte”, die Basis, heran. Deshalb, Frauen: schließt euch in Zeiten der Unübersichtlichkeit zusammen, tretet nach vorne. Bildet Teams! Lernt von Merkel!
Politik darf kein bloßes Verschieben und Zuordnen von Posten, Ämtern, Mandaten und Pfründen sein. Sie ist es auch - aber irgendwo muss noch erkennbar sein, dass der Mann auch ein politisches Anliegen hat. Und das ist nicht immer der Fall.
Gefragt ist Demut, Redlichkeit, Ehrlichkeit, sachliche, ruhige Arbeit - nicht Intrigenwirtschaft, Hauen und Stechen, Einschüchterung der innerparteilichen Gegner.
Allein die Art, wie sich jemand nach vorne putscht, kann ihn schon für das angestrebte Amt disqualifizieren. Egal, ob er bei Ausbruch des Chaos die Nummer 1, 2, oder die Nummer 3 war.
Frauen verhalten sich meist verantwortlicher gegenüber dem Gemeinwesen. Als die CSU in Bayern 20% verlor, trat die Generalsekretärin zurück. Sie übernahm die Verantwortung. Denn der Generalsekretär ist politisch für den Gesamtauftritt der Partei verantwortlich. Niemand hätte im so erfolgreichen Bayern im Traum daran gedacht, den Generalsekretär unmittelbar danach zum Landesvorsitzenden zu machen. Es wäre doch ein Treppenwitz gewesen, wenn man diejenigen, die das Chaos maßgeblich verursacht haben, anschließend noch einmal vorne hingestellt hätte. Niemand hätte das in Bayern verstanden. Niemand hätte das in Brandenburg verstanden. Aber jeder würde so etwas in Berlin verstehen, oder irrt sich der unparteiische Blogger? Es ist das Land der ewigen Wiederkehr, man kann hier einfach nicht sterben.
Postenschieberei hin, Pfründenwirtschaft her.
In der Demokratie gibt es keine Mandate auf Vorrat, jeder muss bereit sein, nach dem Scheitern in der Politik wieder in seinen alten Beruf zurückzukehren.
Ehemaliger CDU-Chef bringt Frank Henkel in Bedrängnis - DIE WELT - WELT ONLIN
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Mann dreht einsam seine Runden, Frau räumt auf
28.10.2008 von admin.
Liebe Freundinnen und Freunde, Bloggerinnen und Blogger, wir betonten schon: Dies ist ein werbe- und beleidigungsfreies Blog. Eigentlich. Aber gestern konnte ich nicht widerstehen: Ich radelte zum Penny in der Bergmannstraße und kaufte nach Herzenslust Spielzeug. Ich stand vor dem Turm an Herrlichkeiten. Nagende Zweifel überfielen mich: Was sollte ich für meinen Sohn und mich nehmen? Die gigantische Modell-Auto-Rennbahn MONTE CARLO für Euro 39.99 - oder doch lieber den Reinigungstrolley mit batteriebetriebenem Staubsauger u.v.m. für Euro 24.99? Ich stand in der Verantwortung! Ich hätte die Mauer der Geschlechterrollen durchbrechen können, hätte mehrere tausend Jahre Geschlechterungerechtigkeit mit einem einzigen Kauf zuschanden machen können. Die EU hätte mich unterstützt in meinem furchtlosen Kampf gegen die herkömmliche Rollenverteilung in Familie, Politik, Religion und Gesellschaft, als welche da lautet: Die Männer drehen einsam ihre Runden, die Frauen räumen hinterher auf.
Bloggerinnen und Blogger! Ich hab es nicht geschafft. Ich bin schwach geworden. ICH HABE GESÜNDIGT! Ich habe die Rennbahn gekauft! Furchtbar! Frauen, bitte verzeiht! Ich gestehe: Der Reinigungstrolley ist für mich ungefähr so attraktiv wie ein Paar kratzende Filzpantoffeln. Warum soll ich uns Männern das antun? Ich finde es spannender, mit Autos um die Kurven zu flitzen, als mühsam den Dreck zu beseitigen, den andere hinterlassen haben. Ist das so schlimm? Bin ich böse? Nein! Ich habe nichts Böses getan! Als ich die Rennbahn kaufte. Und das ist auch gut.
Zurück zur ernsthaften Politik! Eine Betrachtung jüngster politischer Vorgänge in Staat und Gesellschaft erwies wieder und wieder: Die Männer, diese großen Jungs, drehen einsam ihre Runden in ihren tollen Kisten, BMW, Audi, Daimler. Wir lieben das. Man sagt dann im Volksmunde gerne: “Der dreht frei”, oder: “Man weiß nicht, wo er in den nächsten dreißig Minuten hinfährt!” Alles typische Aussagen für Politiker, die es nicht gelernt haben zu kommunizieren, Teams zu bilden, berechenbar und verlässlich zu sein. Solche Politiker fahren alles an die Wand, wenn man sie nicht zum Aussteigen anhält. Sie haben die Politik mit einem Sandkasten verwechselt.
Den Frauen wird dann die ehrenvolle Aufgabe zugedacht, hinterher zu räumen. Gerne auch im Doppelpack: Mann steht vorne, Frau soll aufräumen. Das kann man wieder und wieder beobachten.
Im Klartext: Wir Männer allein können es nicht. Und ihr Frauen allein - wollt es nicht. Ich behaupte: Die meisten Frauen wollen nicht ganz vorne stehen. Sie wollen die Macht nicht wirklich. Und die meisten Männer können es allein auch nicht. Sie kämpfen sich - jeder für sich - nach vorne, stoßen Mitbewerber zur Seite, bis kaum einer mehr übrigbleibt. Und vorne angelangt - wissen sie nichts mit der Macht anzufangen.
Jetzt gilt es, aus solchen Geschehnissen die Lehren zu ziehen:
“Männliches” Machtstreben, “weibliche” Teamfähigkeit müssen vereinigt werden. Teams ohne Führungsanspruch werden nichts bewegen können. Nackter Führungsanspruch ohne Team fährt an die Wand, scheitert blind.
Die jüngste Zeitgeschichte lehrt: Nur zusammen sind wir stark.
Geschrieben in Frauen und Männer in der Politik, Leitbild Lernende Volkspartei | 1 Kommentar »
Hampel: Berlins CDU soll im Wahlkampf auf Frauen wie Merkel setzen
27.10.2008 von admin.
Immer wieder führen Angela Merkel und Ursula von der Leyen die Liste der beliebtesten Unionspolitiker an. Das ist schon seit zwei Jahren so, glaube ich. Fähigste und beliebteste politische Kräfte der CDU, erfolgreichste Politiker sind ausgerechnet zwei Frauen!
Das krieg ich nicht in mein Spatzenhirn hinein - was machen wir Männer bloß falsch?
Sollen wir Männer jetzt einpacken? Nein, das wäre das falsche Signal. Ich empfehle: Männer, lasst uns von den Frauen lernen! Was machen sie besser als wir? Erneut sage ich: Sie - also Frauen wie Angela Merkel, Johanna Wanka, Tamara Zieschang, Ursula von der Leyen und wie sie alle heißen - sind besser im Kommunizieren! Sie verstehen es, ihr sachliches Anliegen begreiflich zu machen. Die Sache steht im Mittelpunkt. Die politischen Gegner werden nicht diffamiert, nicht persönlich herabgesetzt und in die Pfanne gehauen, wie das wir Männer meist machen - egal wie wir heißen (unsere Namen sind austauschbar).
Diese Frauen stellen erkenbar das Wohl des Ganzen über die eigenen Machtinteressen. Und das kommt beim Volk gut an. Es kommt weniger gut beim Schmieden einer Parteikarriere an.
Erst kürzlich hörte ich zum Beispiel mal wieder Tamara Zieschang. Irgendwo in einem Berliner Stadtteil, in einem gut gefüllten Raum in einem Hotel. “Wir begrüßen die stellvertretende Ortsvorsitzende aus Berlin-Mitte, Tamara Zieschang. Sie kommt aus Niedersachsen und stammt aber ursprünglich aus dem Saarland.” Sie antwortete etwas schnippisch: “Na, wie Sie das wieder herausgefunden haben …”
Ein Mann hätte an ihrer Stelle natürlich höchst diskret über den ganzen Abend hin verstreut die ganze Latte an kleineren Zusatzqualifikationen einfließen lassen: Die CDU-Politikerin Tamara Zieschang ist nämlich promovierte Juristin, sie hat langjährige Erfahrungen in der Parteiarbeit in zwei CDU-Landesverbänden gesammelt, sie bringt Führungserfahrung als Bundesvorsitzende in einem CDU-nahen Verband, nämlich dem RCDS mit, sie ist im Internet und in der Presse über ihren Ortsverein mit einem klaren Profil vertreten … und pi pa po. So hätte ein Mann das gemacht, Frau Zieschang! Warum machen Sie das nicht auch so?
Den ganzen Abend über legte stattdessen Frau Zieschang sachlich eine klare Bestandsaufnahme zum Thema “Moderne Großstadtpartei” vor, unterbreitete konkrete Vorschläge, hörte zu, klärte auf, antwortete präzise auf Fragen. Uns Männern blieb nichts übrig, als ihr in jedem einzelnen Punkt zuzustimmen: “Da haben Sie recht, Frau Zieschang. Das sehen wir eigentlich auch so.” Ja, so ist es: Wir sehen das eigentlich auch so, aber wir haben es halt so bisher nicht gesagt.
Wie oft sagte Zieschang: “Ich”? Fast nie. Wie oft sagte sie: “Wir im Ortsverband … wir bei uns machen das so …!” Sehr oft, das Denken im Team scheint ihre Sache zu sein!
Ich spitzte natürlich die Ohren: Zu welchem Lager innerhalb von Berlins CDU würde sie sich bekennen? Zu “City-Charlottenburg-Mitte”, zu “Pankow” oder zu “Südwest”? Und, Blogger, Freunde: Ich wurde bitter enttäuscht! Sie nannte keinen einzigen Berliner Lokalpolitiker mit Namen, weder Schmitt noch Diepgen noch Pflüger noch Henkel noch Landowsky - und wie die ganze grandiose Herrenriege heißt. Sie nannte als vorbildlich nur Angela Merkel, Sarkozy und Obama. Tja, das ist ein bisschen arg wenig für die Zuschauer, Frau Zieschang!
Schade, dass Zieschang sich offen zu keinem der einander belauernden Blöcke bekannt hat! Ich hätte mich als guter Waidmann diebisch gefreut! Ich hege aber den schlimmen Verdacht: Sie fühlt sich überhaupt keinem Lager, keinem Block innerhalb der Landespartei zugehörig, sondern einfach der Berliner CDU insgesamt, ja vielleicht schlicht und ergreifend auch der CDU Deutschlands insgesamt. Zieschang leibt und lebt für die Partei CDU, das wurde klar. Mit den ehrpussligen egoistischen Hahnenkämpfen der Berliner CDU-Männer hat sie folglich nichts am Hut. Aber ebenso wichtig wie das Wohl ihrer Partei scheint ihr zu sein, konkrete Anliegen aus der Mitte der Gesellschaft aufzugreifen, etwa die temporäre Kunsthalle, das Zurückdrängen der Dealer aus dem Weinbergspark, der Kampf um eine bessere Schulpolitik in ihrem Bezirk. Dass sie klüger ist, besser spricht, sympathischer wirkt als so manches männliche politische “Schwergewicht” des Berliner Landesverbandes - wen wundert’s?
Übrigens: Ein anderer Jurist, Dr. Thomas de Maizière, hatte ebenfalls einmal, am 08.05.2008, eine vergleichbar brillante Analyse der Berliner CDU geliefert - und er war damals ganz ähnlich vorgegangen: keine Nennung von Namen, sachliche Aufzählung von Strukturschwächen, konkrete Vorschläge zur Besserung der Situation. Jeder behält sein Gesicht, niemand wird persönlich angegriffen. Vorbildlich!
Mein persönliches Fazit: Thomas de Maizière und Tamara Zieschang, diese beiden sympathisch-bescheidenen “Arbeiter im Weinberg”, beide promovierte Juristen, haben mir bisher die klügsten Analysen zur Lage der Berliner CDU geliefert, der eine eher von außen, die andere eher von innen. Man sollte bei beiden nachfragen, welche Vorstellungen sie für die Zukunft der Berliner CDU haben und sie beide um ihren Beitrag zur Lösung der siebenjährigen Führungs- und Kommunikationskrise bitten. Thomas de Maizière scheint allerdings leider derzeit in andere dringende Amtsgeschäfte verwickelt. Er wird kaum Zeit für die Nöte des Landesverbandes erübrigen können.
Die Berliner Union sollte den Ratschlag Lammerts befolgen, indem sie auf Frauen wie Merkel setzt, sachlich überzeugende Konzepte und Programme ausarbeitet und dann unter neuer Führung in die Wahlkämpfe 2009 bzw. 2011 geht.
Lammert: Union soll im Wahlkampf auf Merkel setzen
Geschrieben in Frauen und Männer in der Politik, CDU umdenken, Leitbild Lernende Volkspartei | Keine Kommentare »
Gelangen Frauen anders zur Macht?
25.10.2008 von admin.
Immer wieder begegne ich Frauen, die kompetenter, sympathischer, klüger und ehrlicher sind als männliche Mitbewerber in ähnlichen oder sogar höheren Positionen. Warum gelangen diese Frauen dann meist nicht nach oben, obwohl sie doch eigentlich die besseren Argumente auf ihrer Seite haben? Denn sie wissen mehr, sie können besser reden, sie können Sachverhalte besser analysieren, sie legen die besseren Vorschläge auf den Tisch.
Hier meine ich aus eigener Erfahrung: Den meisten Frauen fehlt jener Hunger auf Macht, jenes Geltungsbedürfnis, das männliche Mitbewerber mehr oder minder geschickt verbergen, das uns aber doch antreibt! Wir Männer wollen gern “groß herauskommen”, und dafür arbeiten wir von Kindesbeinen an: Wir spielen Rennautobahn, spielen Ritter, wir raufen und streiten im Schulhof, kämpfen um Geld, Macht, Wissen und Sex - und zwar einen großen Teil unseres wachen Lebens.
Den klügeren, kundigeren, freundlicheren Frauen fällt dann bei Zank und Hader der männlichen Rabauken meist die Rolle der Vermittlerinnen, der Friedensstifterinnen, der Moderatorinnen zu. Das gilt für Tausende und Abertausende von Müttern und Schwestern, es gilt für Parteien, es gilt für Verbände. Die Männer machen ihr Ding, die Frauen räumen auf. So ist es meistens.
Ich höre schon die Einwände gegen mich: “Aber es gibt doch so viele erfolgreiche Frauen, die auch Macht ausüben, die Macht besitzen! Ist denn etwa Angela Merkel nicht die beliebteste und einflussreichste Politikerin Deutschlands? Gilt sie nicht als mächtigste Frau der Welt? Wie konnte denn Tsipi Livni sich durchsetzen und designierte Premierministerin Israels werden? Und schauen Sie nach Brandenburg: Dort hat sich Johanna Wanka an die Spitze eines ganzen CDU-Landesverbands hochgekämpft!”
Hierauf erwidere ich: An genau diesen drei Beispielen kann ich verdeutlichen, was ich meine! Ich leugne nicht, dass Frauen auch Macht anstreben, Macht ausüben und erfolgreich verteidigen können. Doch behaupte ich, dass für die allermeisten Frauen in der Politik Macht nicht in dem Sinne obersten Rang einnimmt, wie dies für die meisten männlichen Politiker gilt. Das bedeutet jedoch, dass diese hochbegabten Politikerinnen nur in Ausnahme- und Krisensituationen nach oben gelangen können. Sie putschen sich nicht an die Macht, sondern sie erweisen sich in Zeiten der Krise als die glaubwürdigsten Anwärterinnen auf die freien Plätze. Nur dann, wenn die männlichen Mitbewerber sich gegenseitig lähmen und jeder für sich in seinen Machtstrategien gescheitert sind, kommen diese eigentlich besser qualifizierten Frauen zum Zug. Das ist häufig dann der Fall, wenn Korruption, Ämtermissbrauch und Kriminalität in die Politik hineinwirken. Erst der offenkundige Rechtsbruch Helmut Kohls ebnete Angela Merkel den Weg an die Spitze. Nur dadurch, dass sie den Rechtsbruch klar benannte, konnte Merkel sich aus einer Minderheitenposition gegen die Männerbündnisse in der Partei durchsetzen. Denn sie hatte keine Hausmacht. Erst die harten Anklagen gegen Ehud Olmert ließen Tsipi Livni als beste Alternative dastehen. Und erst nachdem die über viele Jahre hinweg heillos zerstrittene Männerriege in Brandenburg durch eine herbe Wahlniederlage abgestraft worden war, konnte sich Johanna Wanka mit ihrem völlig anders gearteten Politikstil durchsetzen. Die Männer an der Spitze waren untragbar geworden, hatten sich gegenseitig vom Floß gestoßen wie raufende Buben im Schulhof. Sie waren so in ihre Händel verstrickt, dass sie darüber Sinn und Zweck der Politik vergessen hatten. Es ereignet sich dann das, was Christoph Stölzl die “Entpolitisierung einer politischen Partei” nannte.
Bezeichnend ist, dass diese Frauen sich eigentlich nicht zielstrebig hochboxen. So verzichtete Merkel bei dem berühmten Wolfratshausener Frühstück zugunsten eines Mannes auf die Kanzlerkandidatur. So wurde Wanka bereits früher einmal zum Landesvorsitz aufgefordert - ließ die Chance aber verstreichen. Man muss solche klugen, beredten, beliebten und sympathischen Frauen - einerlei ob sie nun Tsipi Livni, Angela Merkel, Tamara Zieschang, Ursula von der Leyen oder Johanna Wanka heißen - buchstäblich “zum Jagen tragen”. Aber dieses Wort “Jagen” ist das falsche Wort: Politik besteht für diese Politikerinnen eben gerade nicht im Jagen und Erlegen von Gegnern innerhalb und außerhalb der Partei, sondern im gemeinsamen Erarbeiten und Durchsetzen der besten möglichen Lösungen. Dafür stehen sie ein, mit dieser Konzeption kommen sie unter normalen Umständen nicht zum Zuge, sondern nur dann, wenn die Hütte brennnt, also in Krisen und in unlösbar scheinenden Konfliktsituationen.
Ein typischer Satz, der diese Politikauffassung prägt, ist in meinen Augen das Motto der deutschen EU-Ratspräsidentschaft: “Europa gelingt gemeinsam.” Ein gutes Beispiel für diesen Politikstil, den ich für vorbildlich halte. Stammt der Satz von Merkel? Es würde mich nicht wundern! Da wir ein freies Land sind, habe ich mir hier in diesem Blog die Freiheit genommen, diesen Satz abzuwandeln: “Sicherer Straßenverkehr gelingt gemeinsam.” Oder: “Eine gute Partei gelingt gemeinsam.” Punkt. Verletze ich damit geistige Urheberrechte? Sei’s drum, meldet euch, Autoren und Copywriter!
Ein Satz, der im schlechten Sinne eine typisch männliche Sicht widerspiegelt, ist der folgende: “Wartet nur, wenn ich erst einmal Bürgermeister bin, dann wird alles gut! Erst müssen wir die amtierende Regierung verjagen, dann werde ich Bürgermeister und dann ist alles gut.”
Abschließend empfehle ich noch ein Interview mit Johanna Wanka aus dem heutigen Tagesspiegel. Es entspricht in jeder Hinsicht dem hier als vorbildlich gekennzeichneten Politikverständnis. Der Fall der CDU Brandenburg lehrt: Wenn die Männer über viele Jahre ihre infantil-jungenhafte Konfliktlösungs-Unfähigkeit klar bewiesen haben, wenn sie die politische Bühne in eine Art Kindergarten umgewandelt haben, sollte man sich auch einmal nach Frauen umsehen, die unter den herrschenden Verhältnissen sonst nicht zum Zuge kämen.
Unser Bild zeigt eine tolle gigantische Rennbahn, die ab Montag zum Verkauf steht. Mein Sohn und ich fiebern ihr entgegen. Aber sind derartige geschlechtsstereotypenstützende Werbebotschaften laut EU nicht unstatthaft? Warum spielen dort nur männliche Wesen? Warum spielen dort keine Mädchen, keine Frauen? Gehört so eine Reklame nicht verboten?
“Die Union ist wieder ein ernsthafter Mitbewerber“
Wird die CDU, die lange durch Querelen paralysiert war, unter Ihrer Führung angriffslustiger, selbstbewusster auftreten?Ich stehe für einen fairen Politikstil und will für unsere erfolgreiche Politik in der Regierung werben, ohne andere zu diffamieren. Wir können das mit selbstbewusster Gelassenheit tun. Mit der SPD arbeiten wir in der Koalition gut zusammen, aber wir sind unterschiedliche Parteien. Es ist gut, wenn man die Union wieder als ernsthaften Mitbewerber wahrnimmt.
Ärgert es Sie, wenn die SPD manchmal auftritt, als gehöre ihr das Land allein?
Klare Antwort: Ja
Sie hätten Wissenschaftssenatorin in Hamburg werden können. Warum sind Sie in Brandenburg geblieben und wollen nun gar die im Vorsitzenden-Mobbing geübte CDU übernehmen?
Es wäre verlockend gewesen, als erste Ostdeutsche einem westdeutschen Kabinett anzugehören. Aber ich bin in Brandenburg zu Hause, ich bin bodenständig. Ich denke, ich passe besser hierher.
Warum soll Ihnen gelingen, woran ihr Vorgänger Junghanns in der CDU scheiterte?
Es ist Einsicht gewachsen, dass von inneren Auseinandersetzungen niemand profitiert, niemand. Es sind alle leid, dass die Union nur noch als zerstrittene Truppe wahrgenommen wurde. Damit ist jetzt Schluss. Sonst wäre schon der geordnete Wechsel an der Spitze nicht möglich gewesen.
Geschrieben in Frauen und Männer in der Politik, CDU umdenken, Leitbild Lernende Volkspartei | Keine Kommentare »