Archive for the ‘Frauen und M’ Category

“Was haben sie euch deutschen Männern denn ins Frühstück getan”?

Montag, Januar 28th, 2013

Ehe ich meine spätere russische Ehefrau kennenlernte, schaute ich schon einmal hin und wieder einer anderen Frau in die Augen. Keineswegs beschränkte ich mich damals in der grauen Vorzeit nur auf deutsche Frauen. Nein, jede Gelegenheit, die Kenntnisse fremder, insbesondere mediterraner Kulturen zu erweitern, nutzte ich umfassend!

Oft kam es auch zu freundschaftlichen Gesprächen über die Themen von Biene und Blume, Mann und Weib. “Ihr deutschen Männer seid irgend wie so – sanft, so unselbständig, so feminin – es gibt keine andere Nation, bei denen die Männer so oft verweichlicht und verweiblicht sind! Brrr!”, quoll es in einem heiteren Moment aus einer südländischen Freundin hervor: “Die Softies, das sind die schlimmsten, das sind die unerträglichsten – eine Zumutung für jede Frau aus Fleisch und Blut”, schwor sie mir Stein und Bein.

Ich stotterte: “Ja, weißt du … die deutsche Geschichte …  DAS waren doch auch alles deutsche Männer, deutsche Väter, deutsche Schwiegersöhne …  eigentlich darf man danach kein Mann und auch kein Deutscher mehr sein und auch kein Gedicht mehr schreiben … diese ewige Schuld … ein deutsches Neuter , ja … bla bla ……   bla bla bla … Depotenzierung des Vaters, Delegitimierung des Männlichen … bla bla bla …”

Ist da was dran? Ich denke schon. Siehe nur die neueste Debatte über die Anzüglichkeiten eines Politikers, dessen Annäherungsversuche bei der STERN-Journalistin nicht auf Gegenliebe stießen.

Gleich heulen das deutsche Weib und der deutsche Mann im Unisex-Klagegesang auf! “Was für ein schlimmer Mann!”

Was haben sie euch deutschen Männern ins Frühstück getan? Stimmt etwas nicht mit euch?”

Alexandra Fröhlich, mit deren Buch ich mich kürzlich eine ICE-Fahrt lang unterhielt, bestätigt diese häufige Einschätzung ausländischer Frauen, wonach der deutsche Mann zum Zagen und Zaudern neige.  In “Meine russische Schwiegermutter” springt Alexandra Fröhlich  den Aussagen meiner Freundinnen aus früheren Zeiten bei. Artjom heißt der Mann der Träume, der so ganz anders ist als der deutsche Mann. Er trägt einen cremefarbenen Anzug, ein offenes Hemd und eine goldene Panzerkette. Er ist noch ein richtiger Mann. Wohltuend für eine Frau, die noch Frau sein will.

Recht wohltuend im Empörungsgeschnatter ist auch Erika Steinbach. Sie hat recht. Sie hat Humor: “Mein Mann wurde von einer 70jährigen Jungfrau belästigt!” Er hat es überlebt.  Und damit ist es gut mit dem Thema.

Lies:

http://www.welt.de/politik/deutschland/article113181532/Mein-Mann-wurde-von-70-jaehriger-Jungfrau-belaestigt.html

Mann o Mann: Entdecke auch DU deine Benachteiligung!

Freitag, September 21st, 2012

Durch eine gesetzliche Frauenquote möchte der Bundesrat die Benachteiligung der Frau im Berufsleben beseitigen. Gern amüsiere ich mich im Gespräch mit beruflich erfolgreichen Frauen, mit denen ich befreundet oder bekannt bin, über die Politikerinnen und Politiker, die derartiges anstellen, “damit die Zeit auch irgendwie vergeht“. Als ob wir nicht andere Probleme hätten!

Obwohl – diese Frauenquote hat was! Denn in der Tat, in den Führungspositionen sitzen in der Tat weniger Frauen als Männer. Sie sind BENACHTEILIGT. Und der Grundansatz der Förderung durch die Quote ist ausbaufähig. Motto muss sein: “Entdecke auch DU deine Benachteiligung. Jede und jeder hat das Zeug dazu, sich zu recht benachteiligt und dauerbeleidigt zu fühlen.”

Gerade heute erleben wir ja, wie 1,5 Milliarden Menschen vom pakistanischen Premier ihr Dauergefühl der Benachteiligung eingebläut und eingehämmert bekommen. “Ihr seid alle beleidigt worden – also wehrt euch!”

Nehmen wir etwa die kleinen Menschen. Es ist nachgewiesen, dass Erwachsene, die wesentlich kleiner als der Durchschnitt sind, bei Bewerbungen benachteiligt werden. “Ich musste viel stärker gegenüber Vorurteilen wegen meiner Kleinheit kämpfen als wegen meines Frau-Seins!”, berichtete mir vor einiger Zeit eine mittlerweile beruflich sehr erfolgreiche Bekannte.  Umgekehrt wird Körpergröße sofort als Vorteil vermerkt. Schaut euch nur die Riege der Top-Aufsichtsräte an!

Also: Wir brauchen eine Kleinen-Quote! Denn kleine Menschen werden empirisch nachweisbar bei gleicher Qualifikation stark benachteiligt: zum Beispiel im Polizeidienst, im Flugbegleiterdienst, in der Mode und und und. Davon spricht niemand!

Das gleiche gilt für hässliche Menschen. Schlecht aussehende Menschen werden ebenfalls benachteiligt. Dies ist vielfach nachgewiesen.

Man könnte also durchaus fragen: Brauchen wir nicht auch eine Hässlichenquote und eine Kleinenquote?
Ich würde sagen: Es hat seinen Grund, wenn Frauen nicht bis in die obersten Etagen vordringen. Vielleicht wollen sie nicht, obwohl sie das Zeug dazu hätten? Was ist so schlimm daran?

Manchmal frage ich beruflich erfolgreiche Frauen: “War es schwer, so weit nach oben zu kommen?” Sie antworten mir wie ein Mann: “Ja, es war schwer, und zwar genauso schwer wie für einen Mann auch. Unser Frau-Sein hat aber nie und nirgendwo als Karrierebremse gewirkt. Im Gegenteil!

Entscheidend ist in meinen Augen: Die Frauen sollen selbstbestimmt und frei leben. Und das können sie auch ohne Frauenquote. Besser als wir Männer. Der Mann will immer nach oben, will besser sein als die anderen Männer. Daran leiden wir. Jedenfalls die meisten. Ich auch.

Herrische Stimmen verlangen feste Frauenquote

Montag, März 12th, 2012

Eine klare, kämpferische Ansage von ganz oben erfolgt seit einigen Wochen von einigen Spitzenfrauen in Staat und Politik. Wir einfachen Bürgerinnen vernehmen  kein leises Säuseln, sondern ein herrisches Nu mach ma endlich, störrisches Volk:

“Es ist ja gar kein Geheimnis, dass ich der festen Überzeugung bin, dass wir eine feste Quote brauchen!”

So die Arbeitsministerin von der Leyen am 08.03.2012, zitiert heute im Handelsblatt auf S. 7.

EU-Kommissarin Viviane Reding räumt zwar ein, dass in den nordeuropäischen Ländern eine weit höhere Frauenquote in den Chefetagen erreicht worden sei, verlangt aber trotzdem in gebieterischem Ton eine feste Frauenquote in den EU-Chefetagen. Denn der Anteil steigt ihr zu langsam, zumal es nachgewiesen sei, dass ein höherer Frauenanteil in den Vorständen und Aufsichtsräten den Gewinn der Unternehmen steigere.

Wir halten fest:

1) Namhafte Spitzenpolitikerinnen der Bundesregierung und der EU-Kommission fordern die feste Frauenquote, weil es ihnen in der freien Wirtschaft viel zu langsam vorangeht – und weil sie es einfach so wollen.

2) Der Staat soll den privaten Unternehmen eine feste Frauenquote vorschreiben, da die Gesellschaften zu langsam vorankommen.

3) Die Spitzenpolitikerinnen wissen es besser, was für die privaten Unternehmen und die Gesellschaften insgesamt gut ist.

4) Nach Aussagen der Spitzenpolikerinnen fördern Frauen in Chefetagen den Gewinn des Unternehmens.

5) Die nordischen Länder haben den höheren Frauenanteil ohne gesetzliche Quote erreicht.

Ich meine, in diesen herrischen Forderungen der Politikerinnen zeigt sich ein Staatsverständnis, das größtes Vertrauen in die Lenkungs- und Steuerungskraft der Politik setzt.

Vereinfacht gesagt: Der Staat weiß es – in Gestalt der kämpferischen Spitzenpolitikerinnen – besser, er muss den Bürgern und den Unternehmen vorschreiben, was sie zu besserem wirtschaftlichem Erfolg und zum privaten Glück tun müssen.

Die Politik ergreift sich somit das Recht, maßgeblich in die Lebensplanung der einzelnen Frauen und Männer, in die Verfügung über das Eigentum der privaten Unternehmen einzugreifen.

Frankreich hat ja ebenfalls eine höhere Frauenquote in Chefetagen als Deutschland. Dann müsste die französische Wirtschaft erfolgreicher sein als die deutsche. Sie zeigt in der Tat staatssozialistische oder besser merkantilistische Züge, denn die großen, staatlich dominierten Großunternehmen und Konglomerate prägen das Bild.

Ist die französische Wirtschaft also stärker als die deutsche? Das Gegenteil ist der Fall. Hier zählen Zahlen und Fakten, nicht das Kampfgebrumm.

Nach Produktivität, Ertragslage, Arbeitslosigkeit, Jugendarbeitslosigkeit, Lohnstückkosten, Außenhandelsbilanz steht die deutsche Volkswirtschaft, stehen die deutschen Unternehmen, aber ebenso auch die nordischen Unternehmen seit vielen Jahren besser da als die französischen.

Die Forderung nach einer festen Frauenquote in privaten Unternehmen ist Ausfluss eines gebieterisch-männlichen  Staatsverständnisses.

Staatssozialismus.02

Handelsblatt.com – Nachrichten aus Wirtschaft, Finanzen, Politik, Unternehmen und Märkten

Staatliche Quoten in Erziehung und Wirtschaft par ordre de la Mufta?

Montag, Oktober 17th, 2011

Jedes Kind braucht einen Vater oder eine Art Vaterersatz in der Erziehung. Männer sind wichtig. Allerdings wäre es falsch, den Frauen eine Art Männerquote in der Familienerziehung staatlich vorzuschreiben.

Die Staatsverliebten, die politikversessenen Frauen und Männer glauben an die Reformierbarkeit der Gesellschaft durch die Macht des Staates.

Deshalb wollen sie eine Frauenquote gesetzlich vorschreiben. Ich halte eine staatlich aufgenötigte, verpflichtende Frauenquote in den DAX-Vorständen für gefährlichen, freiheitsberaubenden Unsinn – so wünschenswert ein höherer Frauenanteil aus meiner Sicht auch wäre.

Noch viel wichtiger wäre allerdings ein höherer Männeranteil bei der Kindererziehung. Viel zu vielen Kindern fehlen die Väter.

Gipfeltreffen mit Ministerrunde: Dax-Konzerne blockieren Frauenquote im Top-Management – SPIEGEL ONLINE – Nachrichten – Wirtschaft

Brauchen wir die Frauenpartei?

Montag, März 8th, 2010

Diese Frage muss am heutigen Tag der Frau erlaubt sein! Wir stellten in diesem Blog erste Überlegungen dazu am 23.11.2008 an. Mit einem klaren “Eigentlich – ja” beantwortete eine italienische Politikerin, Anna Maria Carloni, Senatsabgeordnete vom Partito democratico, der Mitte-Links-Demokratischen Union Italiens, diese Frage in der aktuellen Ausgabe der italienischen Zeitschrift Panorama vom 4. März 2010, S. 82. Lest selbst:

“Io stimo le donne, in generale. Bisognerebbe azzerare tutto e ricominciare da loro, da noi. Per costruire una nuova classe politica.”

Also: “Ich schätze die Frauen, ganz allgemein. (Io stimo le donne, in generale.) Man müsste alles auf Null stellen und noch einmal von vorn bei ihnen anfangen, bei uns Frauen. Um eine neue politische Klasse aufzubauen.”

Der gegenwärtigen politischen Klasse Italiens traut Carloni offenbar wenig zu – deshalb fordert sie ja den Neuansatz. Nach ihren historischen politischen Vorbildern befragt, nennt sie, ehemals Politikerin der KPI: Enrico Berlinguer (Kommunist), Aldo Moro (Christdemokrat), Alcide de Gasperi (Christdemokrat), und mit Einschränkung Bettino Craxi (Sozialist). 2 Christdemokraten, 1 Kommunist, 1 Sozialist (mit Einschränkung). Den Frauen scheint das lagerübergreifende Denken in den Genen zu liegen! Überall kann sich persönliche Tüchtigkeit und politische Redlichkeit entfalten. Das sehe ich genauso.

Frauenquote unter ihren Vorbildern? Null. Schade. Aber ein Beweis, dass auch Männer vorbildliches Verhalten zeigen können. Erkannt von einer Frau.

Und somit komme ich am heutigen Frauentag zu einem vorläufigen Wunsch an meine Mitmänner: Lasst uns von den Frauen lernen, Jungs! Es gab und gibt Vorbilder – unter Männern wie unter Frauen. Niemand hindert uns daran, den Frauen achtungsvoll entgegenzukommen, sodass wir ihre Wertschätzung gewinnen.

Den Leserinnen  dieses Blogs entbiete ich herzliche Glückwünsche zum heutigen Frauentag. Ihr wisst es ja schon: Io stimo le donne, in generale. :-)

Um zur Ausgangsfrage zurückzukehren: Gegen eine Frauenpartei hätte ich nichts einzuwenden. Allerdings müsste sie auch uns Männern offenstehen. Denn: Gemeinsam sind wir stark.

Politik für Frauen UND Männer: brauchen wir die Quote?

Donnerstag, Februar 4th, 2010

Mit besonderer Freude reihte ich mich kürzlich in die Schar der Gratulanten ein, als im CDU-Kreisverband Friedrichshain-Kreuzberg Tanja Woywat zur stellvertretenden Kreisvorsitzenden gewählt wurde. Ein guter, ein mutiger Schritt! Die Frauen-Union war auch die erste CDU-Parteigliederung, die mich als Gast zu einem meiner kommunalpolitischen Kernthemen – der von Männern gern belächelten Fahrradpolitik – eingeladen hat. Dafür gebührt ihr mein fortfahrender Dank.

Sicher muss man einräumen: manchen Frauen und Männern reicht das noch nicht. Sie verlangen eine gleichberechtigte Frauenbeteiligung an allen Parteiämtern. Sie verlangen die völlige Gleichstellung, also z.B. die Quotierung. Das haben die Grünen mit ihrer berühmten “Doppelspitze” so gehalten. Neben Renate Künast stellen sie nominell gleichberechtigt Jürgen Trittin. Dies erinnert an das Kollegialitätsprinzip der alten römischen Senatsrepublik: 2 Konsuln, 2 Quaestoren usw.  Ein Vorbild für die anderen Parteien?

Das könnte bedeuten: Neben die Bundesvorsitzende müsste ein gleichberechtigter Bundesvorsitzender treten. Denn selbstverständlich gölte der Gleichstellungsgrundsatz auch für Männer. Wir bräuchten dann unter Umständen die “Jungenförderung”. Und dann sollten alle Ämter im “Reißverschlussverfahren” vergeben werden. So schrieb die bekannte, von einer Frau geführte Einrichtung “BMFSFJ” bereits im Jahr 2008:

BMFSFJ – Politik für Frauen und Männer
Entscheidungspositionen müssen in gleichem Umfang von Frauen und Männern besetzt werden – in der Wirtschaft und in der Politik. Frauen brauchen die gleichen Chancen und die gleichen Möglichkeiten. Sie dürfen nicht länger schlechter bezahlt werden.

Dies ist nur erreichbar, wenn die ungleiche Verteilung unbezahlter Fürsorge- und Hausarbeit zwischen Männern und Frauen überwunden und tradierte Rollenmuster erweitert werden, die vor allem Mütter und Väter daran hindern so zu leben, wie sie es sich wünschen.

Ich habe die Forderung nach mehr Frauen in der Politik immer unterstützt. Ja, ohne das Vorbild einiger bedeutender CDU-Frauen wäre ich wahrscheinlich nicht zu diesem Zeitpunkt (01.05.2007) in der CDU gelandet. Unter Helmut Kohl bin ich und wäre ich – trotz des geeigneten Alters – nicht in die CDU eingetreten. Das ist nun mal so. Im Bundestagswahlkampf habe ich namentlich, ausdrücklich und mit nicht unbeträchtlichem zeitlichem Einsatz zwei Frauen unterstützt, nämlich die Wahlkreiskandidatin in Friedrichshain-Kreuzberg und die Kanzlerkandidatin der Christlich-Demokratischen Union Deutschlands. Ich war aktives Mitglied des Teams.

Trotzdem muss ich sagen: Ich habe diese und andere Frauen nie deswegen unterstützt, weil sie Frauen sind, sondern weil ich ihre politische Arbeit und ihre Ansichten unterstützenswert finde. Ich hege zwar die Vermutung, dass die deutsche und europäische Politik insgesamt von einem höheren Frauenanteil profitieren würde. Aber eine starre Quote? Bisher konnte mich das starre Quotenmodell in der Politik nicht überzeugen. Die Leistung muss zählen. Und dass Frauen oft Wertvolleres leisten als ihre männlichen  Mitbewerber um dieselben Posten, das habe ich mehrfach in diesem Blog zu belegen versucht.

Ich habe bereits bei meinem ersten CDU-Kreisparteitag am 01.12.2007 Kinderbetreuung  gefordert und erhalten. Und ich war der einzige, der sie dann in Anspruch nahm. Nur dank der Kinderbetreuung konnte ich den Parteitag ohne zusätzliche Kosten besuchen und die von mir zahlreich eingebrachten, oft abgelehnten Anträge verteidigen. Die anderen Männer und Frauen brachten keine Kinder und auch keine Enkelkinder mit. Wer passte auf sie auf?

Oh Leserinnen, wenn ihr mir das nicht abnehmt, blättert zurück in dieser neu angelegten Kategorie  “Frauen und Männer in der Polititk”. Diskutiert mit! Streitet euch mit mir!

Also Frauen – ermannt euch doch bitte! Rein in die Polit-Puschen! Wenn ihr besser seid als die Männer, werde ich euch wählen. Allerdings: Wenn der männliche Kandidat mir besser scheint – dann werde ich den Mann wählen.

Einsatz, Leistung, Fleiß, Klugheit, Ernsthaftigkeit, Demut, Sachlichkeit – das sind die Eigenschaften, die ich mir von Politikerinnen und Politikern wünsche. Wie lange einer das Parteibuch hat, ist nebensächlich. Diese genannten Tugenden stehen beiden Geschlechtern offen.

Solidarität mit Seyran Ateş!

Samstag, Oktober 24th, 2009

Kaum überraschend dürften die neuerlichen Morddrohungen für Seyran Ateş kommen. Diese Frau, die wir immer wieder – neben anderen Frauen – in diesem Blog zitiert, erwähnt und unterstützt haben, wird sich erneut keine neuen Freunde in der türkischen Gemeinde machen. Sie stört seit Jahren, indem sie das Kartell des Schweigens durchbricht, das die orientalischen Herren der Schöpfung um ihre hübsche kleine Sondergemeinde gezogen haben. Immer die Männer! Natürlich: Spricht man – wie der hier schreibende Blogger – direkt mit arabischen oder türkischen Frauen – oder besser noch: mit deutschen Frauen, die mit arabischen Ehemännern verheiratet sind oder waren -  dann merkt man, das Ateş keineswegs nur einzelne Fälle herausgreift, wo Frauen gegen ihren Willen verheiratet, bedroht und erpresst werden.

Aus diesem Grund müssen wir Demokraten uns solidarisch mit der erneut bedrohten und eingeschüchterten Seyran Ateş erklären! Ich tue dies hiermit ausdrücklich! Männer! Frauen in Deutschland! Kauft ihr neues Buch, lest es und gebt es weiter!

Nach Morddrohungen: Islamkritikerin Ates flieht aus der Öffentlichkeit – SPIEGEL ONLINE – Nachrichten – Kultur
Seyran Ates, 46, hat sich nach anonymen Morddrohungen komplett aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. Anlass der Drohungen ist offenbar die Veröffentlichung ihres neuen Buches, das vor wenigen Tagen beim Berliner Ullstein-Verlag erschienen ist. Titel der als “Streitschrift” betitelten Veröffentlichung: “Der Islam braucht eine sexuelle Revolution.” Die Juristin und Schriftstellerin plädiert darin für die Abschaffung der in islamisch geprägten Ländern weit verbreiteten arrangierten Ehe und spricht sich für einen offenen Umgang mit dem Thema Homosexualität aus sowie für mehr Selbstbestimmung für muslimische Frauen.

Was habt ihr gegen Herren über 50, Frauen?

Montag, Februar 16th, 2009

Immer wieder habe ich in diesem Blog meine Schwäche für starke, unabhängige Frauien bekundet: Seyran Ateş, Necla Kelek, Vera Lengsfeld, Gülden Sahin … und noch einige andere: Sie alle haben gemeinsam, dass sie sich in einem männlich dominierten Umfeld behaupten. Sie haben die bequeme Anpassung an patriarchalisches Herrschaftsdenken aufgekündigt.

Doch bei aller Hochschätzung – eines mache ich nicht mit: Wenn nämlich das Altersargument herhalten muss, um männliche Politiker abzustempeln. So berichtet Gerd Langguth, wie Angela Merkel vor dem Sturz Helmut Kohls sich beschwert haben soll, die Herrschaft der alten Männer in der CDU dauere schon viel zu lange. Ich meine: gerade den ganz alten Männern hat die Bundesrepublik einiges zu verdanken – man denke nur an Adenauer, man denke an die immer noch unübertroffen hellsichtigen Einwürfe des Altkanzlers Schmidt. Bitte mehr von solchen alten Männern!

In dieselbe Kerbe haut offenbar auch Halina Wawzyniak. Die Süddeutsche berichtet über Aussagen des Bundesfraktionsvizevorsitzenden Ramelow zur Kandidatenfrage:

Bundespräsidentenwahl – Die Linke streitet weiter – Politik – sueddeutsche.de
“Die Herren über 50″

Die stellvertretende Parteivorsitzende Halina Wawzyniak kritisierte Ramelows Äußerungen scharf. “Es kann nicht sein, dass die Herren über 50 sich einigen, und ich erfahre daraus aus der Zeitung”, sagte sie der FR zufolge.

In einem Brief an ihre Genossen forderte sie, wenigstens darüber informiert zu werden, wenn eine Entscheidung gefallen sei. Das Vorgehen der überwiegend männlichen Parteispitze wolle sie in der kommenden Vorstandssitzung Ende August erörtern. Dann wolle sie auch wissen, ob sie als gewählte Funktionsträgerin eingebunden werde, “oder ob ich mir den ganzen Quatsch sparen kann”.

Was bedeutet dies, wenn eine stellvertretende Bundesvorsitzende erst hinterher erfährt, dass ihre Partei ganz eigene Wege geht, dass die berüchtigten Herren über 50 das Sagen haben? Nun, es legt die Vermutung nahe, die jungen frischen Gesichter, mit denen die Linke ans Wahlvolk tritt, seien nur vorgeschoben, und dahinter zögen die alten Seilschaften der “Herren über 50″ die Strippen. Das wäre nicht gut fürs Ansehen! Denn es gäbe all jenen Oberwasser, die behaupten, letztlich sei die heutige Linke doch nur eine Fortsetzung der SED mit anderen Gesichtern vorne drauf gepappt. Ist das ganze alles nur Quatsch?

Was ist dran richtig, was falsch? Nun, man kann morgen im Café Sybille Frau Wawzyniak direkt fragen.

Sind Frauen bessere Politiker?

Dienstag, Januar 27th, 2009

Mit großer Erleichterung stelle ich fest: Niemand behauptet, dass Frauen grundsätzliche bessere Politiker sind. Aber sie gelangen anders nach vorne, behauptete ich am 25.10.2008 in diesem Blog. Ich stellte damals die Behauptung auf,

dass für die allermeisten Frauen in der Politik Macht nicht in dem Sinne obersten Rang einnimmt, wie dies für die meisten männlichen Politiker gilt. Das bedeutet jedoch, dass diese hochbegabten Politikerinnen nur in Ausnahme- und Krisensituationen nach oben gelangen können. Sie putschen sich nicht an die Macht, sondern sie erweisen sich in Zeiten der Krise als die glaubwürdigsten Anwärterinnen auf die freien Plätze. Nur dann, wenn die männlichen Mitbewerber sich gegenseitig lähmen und jeder für sich in seinen Machtstrategien gescheitert sind, kommen diese eigentlich besser qualifizierten Frauen zum Zug. Das ist häufig dann der Fall, wenn Korruption, Ämtermissbrauch und Kriminalität in die Politik hineinwirken.

Und heute, an dem Tag als vor 90 Jahren Frauen erstmals wählen durften, werden einige Politikerinnen mit ganz ähnlichen Einsichten zitiert. Ich werte dies als Beweis dafür, dass auch wir Männer manchmal ohne weibliche Vorleistung zu belastbaren Einsichten gelangen können. Herzlichen Glückwunsch – an uns Männer, dass wir seit 90 Jahren die Suppe nicht allein einbrocken und auslöffeln müssen!

 90 Jahre Frauenwahlrecht – Damenwahl – Seite 2 – Politik – sueddeutsche.de
Die Politikerinnen teilen, wie deutlich wurde, heutzutage vor allem ein Problem: In eine Spitzenposition kommen sie zumeist dann und unverhofft, wenn die männlichen Kollegen den Posten für unattraktiv, aussichtslos oder beides halten.

So widerfuhr es der SPD-Bürgermeisterin von Wismar, Rosemarie Wilcken, die 1990 als Spitzenkandidatin bei der Kommunalwahl antrat, weil sich kein anderer Bewerber fand. Als sie den CDU-Kandidaten schlug, meldeten sich plötzlich doch Interessenten, die meinten, als Spitzenkandidatin müsse man ja nicht unbedingt Stadtoberhaupt werden. Wilcken ließ sich nicht abschrecken, wurde Bürgermeisterin und 2002 im Amt bestätigt. “Frauen zu wählen ist nicht das Problem. Die Hürde ist, nominiert zu werden”, sagt sie am Montag im Kanzleramt.

Die Reinemachefrauen, oder: Soll oder kann es eine Frauenpartei geben?

Sonntag, November 23rd, 2008

man_und_frau.jpg Sind Frauen in der Politik anders? Kann es eine Frauenpartei geben? Was will das Weib in der Politik?  Mehrfach diskutierten wir in diesem Blog solche bewegenden Fragen. Nach Einträgen am 21., 27., und 28.10.2008 gelangten wir zu folgenden Schlüssen: “Mann dreht seine Runden, Frau putzt hinterher”. Frauen fehlt fast immer der Wille zur Macht als Selbstzweck, deshalb gelangen sie nur zur Macht, wenn die Männer sich vor aller Augen als unfähig oder unhaltbar erweisen. Eine Frauenpartei erklärten wir für unwahrscheinlich. Wir haben uns geirrt. Denn Berlins CDU schickt sich an, eine Frauenpartei zu werden! So jedenfalls berichtet der Tagesspiegel heute:

Die Demontage
Vom Hinterzimmer-Herrenclub zur Frauenpartei in nur zweieinhalb Monaten: So lässt sich zusammenfassen, was die Berliner CDU in diesem Herbst mit sich erlebt hat. Frauenpartei? Klar, so viele Frauen wie jetzt haben noch nie auf den besten Plätzen der Landesliste für den Bundestag kandidiert. Monika Grütters auf dem ersten Rang, Stefanie Vogelsang, Stadträtin aus Neukölln, auf dem dritten, die ehemalige DDR-Dissidentin Vera Lengsfeld auf dem sechsten Listenplatz. Deutlich mehr weibliche Gesichter werden im kommenden Sommer von den Wahlplakaten herunterlächeln.

Ihr seht: Der erste Teil meiner Analyse stimmte – nämlich, dass in besonders schweren Krisen oft der Weg für die Frauen frei wird.

Typisch sind folgende Aussagen: “Wenn ich gewusst hätte, dass ich so deutlich verliere, wäre ich gar nicht angetreten” – so äußerte sich ein bekannter männlicher Politiker nach seiner Niederlage. “Ich habe nicht damit gerechnet, gewählt zu werden, aber ich war es der Partei schuldig. Ich musste mindestens ein Zeichen setzen.” – In diesem Sinne äußerte sich eine weibliche Kandidatin nach ihrem Wahlsieg. Typisch Mann, typisch Frau: dem Mann ging es um konkrete Machtperspektiven, der Frau ging es um das Ansehen der Partei, obwohl sie sich keine Macht versprach!

Interessant ist auch, wie Berlins CDU das Thema des Lernens, das Thema des tiefgreifenden Wandels immer wieder elegant vermeidet und umsegelt! “Ja, haben wir denn überhaupt nichts dazugelernt?” – so eine fassungslose Stefanie Vogelsang, als sie erfuhr, dass auch unter dem neuen alten Landesvorsitzenden munter und fröhlich weitergekungelt wird, als wäre nichts gewesen. “Ihr habt ja nichts dazugelernt!” Solche und andere Rufe erschollen, als die hinreichend bekannte Landesvorstands-Herrenriege die Landesvertreterversammlung unterbrechen wollte, da die Delegierten sich nicht an die diktierten Listen halten wollten, sondern sich das Recht auf demokratische Wahl herausnahmen. Was für eine Ungehörigkeit!

Ronald Pofalla wiederum sagte am Dienstag zu seiner Berliner CDU: “Sie brauchen keine Belehrungen!” Ein herrlicher Satz, denn er bedeutet: “Wie Sie aus dem Schlamassel herauskommen wollen, müssen Sie schon selber lernen – niemand kann es Ihnen von außen belehrend vorschreiben.”

Was lernen wir daraus? Ich meine dies: “Lernt selbst – damit ihr euch nicht die Belehrungen anderer anhören müsst!”

Fazit: In besonders schweren, von Männern verursachten Krisen scheinen in der Tat Frauen eher geeignet zu sein, Glaubwürdigkeit zurückzuholen. Leider müssen sie oft, allzuoft gedrängt werden, nach vorne zu treten. Hier scheint mir der Ansatz des gemeinsamen Lernens zum Erfolg zu führen.

Lernen heißt sich wandeln. Gemeinsam lernen heißt, den Wandel mitzugestalten statt ihn über sich hereinbrechen zu lassen. Dazu sollten Männer auf Frauen hören lernen.

Unser Foto zeigt eine glückliche Frau.