Mai 272017
 
In Goethes Leiden des jungen Werthers heißt es unter dem Datum vom 10. Mai 1771: Eine wunderbare Heiterkeit hat meine ganze Seele eingenommen, gleich denen süßen Frühlingsmorgen, die ich mit ganzem Herzen geniesse. Und unter dem heutigen 27. Mai erzählt er, wie er jedem der ihm begegnenden Kinder einen Kreuzer und wohl auch „einen Weck zur Suppe“ gibt.
Der Weck, das ist natürlich a Weggla, wie der Franke sagt, ist natürlich ne Schrippe, wie der Berliner sagt, a Sömmi, wie der Bayer sagt!
Jeden Tag einen Weck zur Suppe, jeden Tag einen Kreuzer in die Hand, so leben wir in den Frühling hinein, als wenn es nie einen Winter gegeben hätte.
Obendrein hast du uns auch die Guteschafe in den Schöneberger Südpark zurück geschickt, lieber Mai, in dieses kleine arkadische Wahlheim, in dem wir immer wieder in Verzückungen, Gleichnisse und Deklamation verfallen.
Zitat:
Die Leiden des jungen Werthers. Erster Theil. Leipzig. In der Weygandschen Buchhandlung, 1774, Seite 8
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Mai 232017
 

Frage: Ja, wie heißt du denn?  Du mit deinen nickenden blauvioletten Blüten, mit deinen fünf Blütenblättern, deinem zierlichen Sporn? Jetzt bist du seit einigen Tagen aufgeblüht im Schöneberger Südpark! Und wartest du schon auf die Bestäuber, die Hummeln und emsigen Bienen? Fürchtest du dich vor den Guteschafen, deren Ankunft wir seit Tagen herbeiwünschen?

Ja, du! Heißest du etwa Narrenkappe, Stanitzelblume, Tauberln, Hüetli, Schlotterhose, Tintenglocke, Truerblüemli?

Antwort: Ich bin all das und vieles mehr, doch kümmert es mich nicht, wie du mich nennst, denn ich bin …

… die Akelei.

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Jesus bleibet meine Freude

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Mai 262015
 

Tewahedo Gemeinde 20150525_114736

Gestern gutes, umfassendes, einbeziehendes Mitfeiern des Gottesdienstes mit der vielsprachigen Gemeinde vor dem Rathaus Schöneberg am John-F.-Kennedy-Platz. Der Koreanische Musikerchor unter Leitung von Youngwook Kim rief mich. Er setzt sich mühelos gegen den unaufhaltsam vorbeirauschenden Autolärm durch. Er übertönt das Brausen der Autos, aus ihm bricht Dank, Gedenken, Freude und Erkenntnis hervor. Die Bürgermeisterin des Bezirks, in den ich zugewandert bin, Angelika Schöttler, trägt in ihre Muttersprache Deutsch übersetzt Genesis 11,1-9 vor: „Allons! Bâtissons-nous une ville et une tour dont le sommet pénètre les cieux!“ Einige Anstöße regen zum Nachdenken über das Fremdsein an – einen dauernden Zustand, der uns von früh bis spät begleitet. „Kommtm anach hie miteu armtor nister!„, wer verstünde heut und hier diesen Münsteranischen Satz? Wir verstanden ihn und wir lachten.

Pastor Kienberger trägt in der Muttersprache John F. Kennedys aus Apostelgeschichte 2,1-11 eine Völkerliste der damaligen und heutigen Welt vor: Parthians, Medes, Elamites, and residents of Mesopotamia, Judea and Cappadocia, Pontus and Asia, Phrygia and Pamphylia, Egypt and the parts of Libya belonging to Cyrene, and visitors from Rome, both Jews and proselytes, Cretans and Arabs.

Aus Äthiopien, das in der Antike zeitweise als Teil Ägyptens galt, trägt uns die Äthiopisch-Orthodoxe Tewahedo-Gemeinde einen fröhlichen Tanz mit Gesang vor. Die Botschaft ist dieselbe.

Ein Kantor der syrisch-orthodoxen Gemeinde Mor Dodo trägt uns singend in der Sprache, in der die Mutter Jesu Christi sprach, also auf Aramäisch, das aus dem Griechischen übersetzte Matthäusevangelium 25,31-40 vor: Ὅταν δὲ ἔλθῃ ὁ υἱὸς τοῦ ἀνθρώπου ἐν τῇ δόξῃ αὐτοῦ καὶ πάντες οἱ ἄγγελοι μετ᾽ αὐτοῦ, τότε καθίσει ἐπὶ θρόνου δόξης αὐτοῦ αὶ συναχθήσονται ἔμπροσθεν αὐτοῦ πάντα τὰ ἔθνη.“

Dies war für mich der erhebendste Augenblick, diesen frei schwebenden, diesen die Töne verschmelzenden, verbindenden, diesen kantillierenden Sprechgesang zu hören. Ja, so ungefähr muss es damals geklungen haben, so ungefähr singen auch heute noch die Kantoren der jüdischen Gemeinden, so hörte ich einst den Berliner Kantor Estrongo Nachama singen, so ungefähr hörte ich einst in Russland auch die Priester in den russisch-orthodoxen Gottesdiensten das Evangelium Jesu Christi verkünden. Und mit eben dieser graziösen Wucht hörte ich den Muezzin in Kadikalesi die Gläubigen zum Gebet rufen.

Jeder hörte die eigene, seine eigene zeitumspannende Botschaft heraus, jeder hörte seine völkerumspannende Botschaft hinein! Koreaner, Syrer, Schöneberger, Kreuzberger, Äthioper, Ägypter, Araber, Münsteraner, Amerikaner – sie alle waren einen Augenblick lang, ein paar Silben lang eine Gemeinde. Sie verstanden einander, mindestens einen Augenblick lang.

Und irgendwann, beim griechisch gesungenen Kyrie Eleison Kyrie eleison Kyrie Eleison, verschmolz auch die singende Stimme des hier Schreibenden in diesen einzigen, einigenden großen Gesang.

Bild: Die äthiopisch-Orthodoxe Tewahedo-Gemeinde beim Ökumenischen Gottesdienst evangelischer, katholischer, freikirchlicher und orthodoxer Kirchen in Schöneberg und Tempelhof, 25. Mai 2015, Rathaus Schöneberg

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Oh gioia: Freude, der Götterfunke, das Weltenlächeln

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Aug 302014
 

Aus dem fernen New Hampshire, einem der 13 Gründerstaaten der USA, erreichte uns vor einigen TagenHl. Katharina 2014-01-03 10.28.03 hier in Kreuzberg eine Leserzuschrift zum Lächeln des Bamberger Engels. Dort in den USA wird offenbar das alte, das lächelnde, das glaubende Europa geschätzt, gewürdigt und geliebt!

 

 

 

 

 

 

 

 

Lest selbst:

Ciò ch’io vedeva mi sembiava un riso
de l’universo; per che mia ebbrezza
intrava per l’udire e per lo viso. 6

Oh gioia! oh ineffabile allegrezza!
oh vita intègra d’amore e di pace!
oh sanza brama sicura ricchezza! 9

Dante, aus dessen Paradiso unser Leser mitten im amerikanischen New Hampshire zitiert, schildert eine strahlende, von innen herausbrechende Freude. Der Leser schreibt:

„Das Lächeln des Bamberger Engels ist von unglaublicher Kraft, Ausdruck überbordender Freude.“

Der Bamberger lachende Engel entstand wohl etwa zur selben Zeit wie die Divina Commedia Dantes, und auch zur selben Zeit wie die Statue der Hl. Katharina von Alexandrien im Magdeburger Dom. Doch ist der Gesichtsausdruck Katharinas verhaltener, ruhiger, gefasster, dennoch nicht weniger sprechend als das selige Aufscheinen des Weltenlachens im Bamberger Engel.

Carl Streckfuß übersetzte diese Stelle (La Divina Commedia, Paradiso, Canto XXVII, Verse 4-9) mit folgenden Worten:

Ein Lächeln schien zu sein des Weltenalles,
Das, was ich sah, drum zog die Trunkenheit
Durch Aug’ und Ohr im Reiz des Blicks und Schalles.

O Lust! O unnennbare Seligkeit!
O friedenreiches, lieberfülltes Leben!
O sichrer Reichtum sonder Wunsch und Neid!

Wir danken Dante, danken dem einsamen Leser in New Hampshire für die Zuschrift, danken den unbekannten Bildhauern des 13. oder 14. Jahrhunderts von Bamberg und Magdeburg, danken dem vorzüglichen Übersetzer Carl Streckfuß – und wir beschließen diesen durchsonnten Nachsommertag mit einem überbordenden Lächeln ins Weltall hinein.

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Freuden eines Frühschwimmers: gute Nachrichten!

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Jul 242014
 

2014-07-07 10.30.49

Eine gute Nachricht zuerst: es gibt jetzt wieder den ermäßigten Eintrittspreis für unerschrockene Frühschwimmer am Kreuzberger Prinzenbad. Eine gute Stunde Aufenthalt im Prinzenbad vor neun Uhr kostet statt € 5,50 nur € 3,50; im Gegenzug atmet der ganze Mensch erfrischt auf, der Tag beginnt mit freudig-zupackender Gelöstheit und Stärke. Das Sportbecken bot der eifrig kraulenden und paddelnden Gemeinde der Frühschwimmer heute doch immerhin 23° C, so schien mir: alles bestens, alles paletti im Prinzenbad zu Kreuzberg! Ihr seht: Kreuzberg liefert heute nur gute Nachrichten – im Gegensatz zum Rest der Welt.

 

 

 

Ich drängte heute meiner Lieblings-Zeitungsverkäuferin vor dem Bad den vollen Kaufpreis für die heute triefend prall mit schlechten Nachrichten gefüllte Tageszeitung auf. Und – es regnete zum ersten Mal seit Tagen! „Aber er ist doch nass … Ihr braucht den Tagesspiegel nicht voll zu bezahlen …!“ Ich ließ mich auf keine Debatten ein und  bezahlte den vollen Kaufpreis für all die schlechten Nachrichten. Wieso sollten den Zeitungsverkäuferinnen daran leiden, was andere verbockt haben? Ich habe mich durchgesetzt. Ein Sieg der Vernunft!

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Mai 022014
 

2014-05-01 17.26.47

Heut bin ich recht froh, sintemalen ich gestern mich in Eisenach bei unserem Martin LUTHER und unserem Johannes BACH gestärkt habe. Wer – Johannes Bach? Warum nicht Johann Sebastian Bach? Nun, ich betrachtete genau das Schülerverzeichnis der Eisenacher Lateinschule, die Johann Sebastian Bach ab dem Alter von 8 Jahren  besuchte. Der schulamtliche Name unseres Meisters aller Gattungen lautet dort – handschriftlich eingetragen-  nicht „Bach Johann Sebastian“ sondern „Bach Johannes“. 

Denkt Euch nur: Ich durfte am 1. Mai 2014 nachmittags um 17 Uhr im Bachhaus am Frauenplan zu Eisenach an diesem vielleicht von Bach selbst einmal traktierten oder vielleicht inspizierten Orgelpositiv des Jahres 1650 als tüchtiger Kalkant musizieren. Der Organist vertraute mir. Er glaubte mir auf mein gutes Wort hin, dass ich ein guter Kalkant sein werde! Das ist Glauben, ist Vertrauen: „Ja, du schaffst das schon! Kalkant – das kannst du!“, sagten die Augen des Organisten. 

Damit fängt alles an.

Ich strahlte: Ich ein Kalkant im Bachhaus am Frauenplan zu Eisenach! Herrlich, überherrlich! „Empfangt den heiligen Hauch!“, sagte es in mir – und das ist akkurat, was im Evangelio des Johannes 20, 22 steht! Es ist eine der Osterbotschaften Jesu. Das lateinische Spiritus bedeutet Hauch, griechisch Pneuma, hebräisch Ruach.

Omnis spiritus laudet te!

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Here come YOUR music makers

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Nov 192013
 

2013 11 16 Te deum

So, jetzt hört uns mal alle genau zu: „We are the music makers, the dreamers of dreams!“

Das war das TE Deum Anton Bruckners im Berliner Dom am 16. November 2013. Und irgendwo gab es IHN doch, auch wenn man IHN nicht immer hörte und den Kopf drehen musste, um IHN zu sehen. Den kleinen Mann an der Orgel, weit droben! Ja, vielleicht ist ER so etwas wie der kleine Mann auf der Orgelempore. ER hört, was wir unten treiben, ER hört uns, und wir drehen den Kopf und fragen: Hörst DU uns überhaupt?

Oder sind wir lärmende Musikmacher, traurige Traumtänzer, Verzichtbare? –

wandering by lone sea-breakers,
And sitting by desolate streams;
World-losers and world-forsakers,
On whom the pale moon gleams.

Den überströmendsten Traurigkeitsgenuss hat Edward Elgar in dieses Gedicht von Arthur O’Shaughnessy hineingewebt. Noch heute, während ich dies schreibe, höre ich die Klänge in mir weiterklingen. Der Chor erfüllte mich mit dem Anhauch des Unnennbaren.

Und DU? Hast DU uns gehört? Hat es Sinn, sich zu DIR nach oben zu wenden? DU – bist DU der Sense-Maker für uns Music-Makers, the great Listener?

Das Bild zeigt vorne: Die Junge Philharmonie Kreuzberg. Mitten drin der Mann mit umgewandtem Kopf, das ist der hier Schreibende, fotografiert von seiner Schwester.

Hinten: Die studiosi cantandi Berlin, alle geleitet von Norbert Ochmann

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Okt 212011
 

Wieder einmal goldrichtig, was die Kanzlerin hier macht: Statt wie die meisten anderen zu lamentieren und mit dem Finger auf das zu zeigen, was nicht klappt, geht sie hin zu den Kleinen, „beugt sich herunter“, ermuntert, zeigt, dass ihr die Bildung unserer Kinder am Herzen liegt. Ich stimme zu: Alles, was gut ist, muss gelobt und gestärkt werden, der Erfolg einer Schule, einer Kita hat eine Vorbildwirkung auf andere, so wie der Erfolg einer Familie Vorbildwirkung auf andere entfaltet.

Das ist richtig, genauso richtig ist es, wenn der amerikanische Präsident Schulkonzerte seiner Töchter besucht und dafür auch einmal Gremientermine sausen lässt, was drüben in den USA schon mal kritisiert wird. Er zeigt damit: Familie ist wichtig, da kann auch die Politik, die sich selbst mit ihren Glücksverheißungen meist viel zu wichtig nimmt, einen Augenblick zurückstehen.  Ich meine:  Die arme Politik soll sich ruhig einmal klein machen und sich von den Kindern symbolisch beschenken lassen. Kinder bereiten Freude!

Zu erwarten war auch, dass der SPIEGEL unserer Anspruchsgesellschaft kein gutes Haar an dem Besuch der Kanzlerin lässt und recht kräftig – wie es seine Art ist – dazwischenfährt. Dieser Bericht des SPIEGELS ist zutiefst geprägt vom quantifizierenden Bildungsverständnis, das es zu kritisieren gilt. Der SPIEGEL behauptet: Weil vieles verbesserungsbedürftig (also „schlecht“) ist, darf es nichts Gutes geben, man soll nichts Gutes sagen, nichts Gutes gelten lassen.  Das Rezept funktioniert wieder und wieder.

Ein Morgenlob aus Kreuzberg erschalle für die Erika-Mann-Schule!

Kanzlerin auf Schulbesuch: Frau Merkel bastelt Rettungsschirme – SPIEGEL ONLINE – Nachrichten – SchulSPIEGEL
Merkel hat sich für das Schaulaufen eine Vorzeigeschule ausgesucht, die zwar in einem Problemviertel liegt, die aber die Probleme des Viertels ganz gut meistert: Acht von zehn Kindern hier haben Eltern, die nicht aus Deutschland stammen. Viele Eltern leben von Hartz IV. Die Schule reagiert mit Betreuungszeiten von 6 bis 18 Uhr, zwei Lehrern pro Klasse, Theater-Unterricht für alle. Sie hat Preise für Gewaltprävention und Integration bekommen, und Dreiviertel der Schüler schaffen eine Realschul- oder Gymnasialempfehlung. Die Schule ist ziemlich erfolgreich, trotz aller Widrigkeiten.

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Meditationen eines Geigers in Thaïs

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Okt 192009
 

Das herausragende Erlebnis war für mich gestern am Sonntag, dass ich die Méditation aus der Oper Thaïs von Jules Massenet spielen durfte, und zwar bei einem Gottesdienst zum goldenen Konfirmandenjubiläum in der Apostel-Paulus-Kirche in Berlin-Schöneberg. Jeder Geiger dürfte davon träumen, dieses herrliche Stück einmal zu einem Fest in einer Kirche zu spielen! Für mich wurde dieser Traum gestern wahr. Organist Harald Berghausen half mir am Klavier dazu, kundig, verlässlich, einfühlsam. Sibylle Benner-Jost von der Deutschen Oper sang einige Biblische Gesänge von Dvorak dazu – Musik, die ich in ihrer gesammelten, schlichten Frömmigkeit ebenfalls sehr mag!

Ausgerechnet drei Tage, nachdem ich eine intensive Wiederbegegnung mit der Weisheit Ägyptens hatte, versetzte mich die Musik zurück in diese ägyptische Oasenstadt am Ufer des Nils! Die Vermählung des jüdisch-christlichen Erbes mit der altägyptischen Grundgestalt des Monotheismus gelang gestern in der Musik! Nur wenige wissen, dass der Ein-Gott-Glaube wohl erstmals in Ägypten gedacht wurde – eine Erfindung, die letztlich die ganze Welt bis zum heutigen Tage revolutioniert hat, bis in die Verästelungen der Politik hinein! Jan Assmann hat diesem Thema einige scharfsinnige Überlegungen gewidmet.

Nie spürte ich stärker, dass gutes Geigen eigentlich Singen heißt! In der Meditation erlebte ich den Kampf der Seele, im Ringen um den Einen Gott. Ein Ringen, das Gesang wird. Das Ringen mit Gott – der so schwer zu fassen ist. Genau das ist die Bedeutung einiger Beinamen aus dem alten Schatz der hebräischen Bibel. Nicht zuletzt deshalb gebe ich der Bedeutung „Der mit dem Gott ringt“ bei allen möglichen Etymologien des Wortes „Isra-El“ den Vorzug.

Einige Piècen von Kreisler und erneut Dvorak ergänzten diesen Gesang. Die waren eher versöhnlich-spielerisch.

Hier nun noch der Link zu einem kleinen Video mit meinem Gang in die Grabkammer des Nefer-Bau-Ptah, aufgenommen im wiedereröffneten Neuen Museum. Erlebt, wie der Mensch im alten Ägypten die Pforten des Todes durchschritt!

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Vorfreude auf das morgende Konzert

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Mai 262009
 

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Felix Mendelssohn Bartholdy (1809 – 1847) war der Bruder Fanny Hensels. Seine Berliner Kindheit verbrachte er mit seinen drei Geschwistern in einem Haus an der Leipziger Straße 3. Mit großem Fleiß lernte er mehrere Sprachen, Musik, Mathematik, Literatur, Sport, Zeichnen und Geschichte. Der Vater ermahnte die Kinder immer wieder, auch wenn er auf Reisen war: „Tut was für eure Bildung, lernt, übt, arbeitet!“ Die Eltern mussten damals noch aus eigener Tasche für den ganzen Unterricht bezahlen. Mehrere Jahre lebte er dann in verschiedenen Ländern, weil er nicht wusste, wo er eigentlich hingehörte. Endlich, am 21. Februar 1832, schrieb er an seinen Vater: „Das Land ist Deutschland; darüber bin ich jetzt in mir ganz sicher geworden.“  

Voller Vorfreude auf das morgige Konzert in der Fanny-Hensel-Schule studiere ich Partituren und Skizzen, Bücher und hochgelahrte Abhandlungen. Denn ich musste soeben noch ein komplettes Programm schreiben, bosseln, häkeln, drucken und falten. Obiges ist der Lebenslauf, wie ich ihn für die Kinder, die uns morgen zuhören werden, geschrieben habe. Die Kinder sind zwischen 6 und 12 Jahren alt. Sie kommen aus ca. 12 Ländern.

Das Foto zeigt Angela Billington und den hier bloggenden Komödianten bei der Aufführung der Mozartischen Zauberflöte, letzte Woche in der Fanny-Hensel-Grundschule in Berlin-Kreuzberg. Den Theatervorhang haben die Kinder der Klasse 1 B selbst gemalt.

Und so habe ich die Künstler-Biographien zurechtgehübscht:

 

Angela Billington (Sopran) kommt aus England und hat in Cambridge studiert. In Berlin hat sie bei diversen Oper- und Kabarettprogrammen mitgewirkt. Sie hat in letzter Zeit Solokonzerte in Kalifornien und England gegeben. Sie interessiert sich besonders für die russische Oper.

 

Irina Potapenko (Alt) stammt aus Moskau. Ausgebildet als Opernsängerin in Moskau und Leipzig an der Hochschule für Musik und Theater Felix Mendelssohn Bartholdy. Sie ist freiberufliche Sängerin und lebt in Berlin. Preisträgerin beim Bach-Wettbewerb in Leipzig. www.musikerportrait.de/irina-potapenko/

 

Ivan Hampel (Violine) geboren am 28.05.2002, besucht die Klasse 1 B der Fanny-Hensel-Grundschule. Er nimmt bei Tamara Prischepenko Geigenunterricht. Seine berufliche Zukunft sieht er gleichermaßen als Lokomotivführer und Geiger. Seine beiden Sprachen sind Deutsch und Russisch.

 

Johannes Hampel (Violine) spielt seit 40 Jahren nach Herzenslust Geige. Er arbeitet als Konferenzdolmetscher für Englisch, Italienisch und Französisch und lebt fünf Tandem-Fahrradminuten von der Fanny-Hensel-Schule entfernt.

 

Natalia Christoph (Klavier) stammt aus Kaliningrad (Königsberg). Sie wirkte als Pianistin an zahlreichen Opernaufführungen in Deutschland, den Niederlanden, der Schweiz mit. Pädagogische Tätigkeiten: Moldauisches Konservatorium Kischinjow, derzeit an der UdK Berlin, Meisterkurse in Frankreich und Belgien. Sie begleitete unter anderem Ute Trekel-Burckhardt und Hanno Müller-Brachmann. www.natalia-christoph.de/

Und das ist unser Programm (Dauer 45 Minuten):

1. Robert Schumann: Marsch

    Ivan Hampel, Geige

    Irina Potapenko, Klavier

 

2. Felix Mendelssohn Bartholdy: 3 Duette

    Ich wollt, meine Lieb ergösse sich (Worte: Heinrich Heine)

    Herbstlied (Karl Klingemann)

    Lied aus Ruy Blas (Victor Hugo)    

Angela Billington, Sopran

Irina Potapenko, Alt

Natalia Christoph, Klavier

 

3. F. Mendelssohn Batholdy

    Andante. 2. Satz aus dem Violinkonzert e-moll

            Johannes Hampel, Violine

            Natalia Christoph, Klavier

 

4. F. Mendelssohn Bartholdy

    Frühlingslied  (Nikolaus Lenau)

    Gondellied (Thomas Moore)

            Irina Potapenko, Natalia Christoph

 

6. F. Mendelssohn Bartholdy

    Rondo capriccioso

   Natalia Christoph, Klavier

 

7. Pjotr Ilijitsch Tschaikowskij: Zwei Duette

    Im Garten

    Duett der Lisa und Polina aus der Oper „Pique Dame“

    Angela Billington, Irina Potapenko, Natalia Christoph

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Vom Wagnis der Freude. Meine Weihnachtsansprache

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Dez 232008
 

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger! Ich wende mich aus Moskau an Sie. Ein ganz feiner Schneehauch liegt hier auf den Straßen. Er hat sich überwiegend aus Rußkörnchen gebildet. Um diese Körnchen herum hat sich Wasserdampf kristallisiert, der dann zu einer Art künstlichem Schnee herangewachsen ist. Zum ersten Mal seit Jahren erlebe ich also die russische Hauptstadt ohne die üblichen Schneemassen. Der Klimawandel hat auch hier bereits in vollem Umfang eingesetzt. Nicht alles, so zeigt sich, ist in bester Ordnung.

Halten wir Rückschau: Hinter uns liegen Zeiten, die für viele nicht leicht waren. Die Zeiten, die vor uns liegen, werden für viele von uns nicht leichter sein. So sagt die eine: „Wir von der Bürgerrechtsbewegung suchten Gerechtigkeit, aber was wir bekommen haben, ist nur der Rechtsstaat.“ Ein zweiter beschwert sich: „Ich habe Arbeit in meinem erlernten Beruf gesucht, aber was ich bekomme habe, ist nur ein Vermittlungsschein vom Jobcenter.“ Eine dritte klagt an: „Ich habe für den Mindestlohn gekämpft, stattdessen wirft der Staat mitten in der Finanzkrise unser hart erarbeitetes Geld den Banken in den Rachen, um fürstliche Vergütungen zu sichern.“

Alle diese Klagen haben ihren Sinn. Sie zeigen die Enttäuschung von Menschen, die sich für ihr Leben einmal mehr vorgestellt haben. Dieses „Mehr“ ist nicht eingetreten. Dann baut sich ein Grundgefühl auf: „Irgendetwas stimmt nicht in unserem Lande!“

Nun, liebe Leserinnen und Leser, diese Enttäuschung werde ich Ihnen nicht ausreden können. Auch ich habe immer wieder Zurücksetzungen, Niederlagen und Demütigungen erfahren müssen. Aber ich habe mir irgendwann vorgenommen: Diese Erfahrungen dürfen nicht in die Sackgasse der Verzagtheit führen. Ich habe es in aller Bitterkeit in der Hand, das Schöne zu stärken. Zu den schönsten Erfahrungen der vergangenen 12 Monate zählte für mich, als ich Bachs Weihnachtsoratorium auf meiner Geige mitspielen durfte. Und zwar in genau jener Kirche in Prenzlauer Berg, in der viele wichtige Treffen der Bürgerrechtsbewegung der DDR stattfanden. Wie viele der Menschen, die dort mitsangen oder wie ich mitgeigten und mitbliesen, glaubten tatsächlich, dass in jenem Stall in Bethlehem wirklich der Erlöser als Kind zur Welt gekommen war? Ich bin sicher, es war und ist in der Bundesrepublik Deutschland nur eine Minderheit, der sich dieser wörtliche Sinn der Weihnachtsbotschaft noch erschließt. Aber wir alle spürten: Dieser überwältigende Ausruf „Jauchzet, frohlocket!“, das ist etwas, was uns alle trägt! Ich konnte das geradezu als Anhauch spüren, als Anwehen und Andrängen.

Es gibt also doch Augenblicke, in denen die Bekümmernis verschwindet. Augenblicke, in denen wir das Zittern und Klagen abschütteln. Solche Anlässe zur Freude gibt es viele. Und wenn es nicht der Glaube an einen Gott hinter den Wolken ist, so liegt ein Anlass zur Freude darin, dass wir diesen Aufruf zur Freude gemeinsam spüren. Und wenn es nicht die Gerechtigkeit auf Erden ist, die jetzt sofort anbricht, so ist es der hart erkämpfte Rechtssaat, in dem wir nunmehr Schritt um Schritt die Wirklichkeit näher an das heranführen können, was wir als menschenwürdig empfinden. Und wenn der Staat mir keine Arbeit verschaffen kann in dem Beruf, den ich mir erwählt habe, so kann diese Freude an meiner Hände Arbeit mich dazu bringen, etwas anderes zu lernen, da anzupacken, wo mein Zutun gerade jetzt gefordert wird. Und wenn riesige Geldströme in die falschen Kanäle versickert sind – wohlan, es steht in unserem Vermögen, die Ordnung der Finanzmärkte so umzubauen, dass so etwas in Zukunft irgendwann seltener geschieht.

Die Freude, die wir heute erleben, flößt uns Zuversicht ein. Dieses Zutrauen tritt an die Stelle der Zukunftsangst. Angst vor dem, was kommt, lähmt. Freude über das, was gelungen ist und gelingen kann, stärkt uns die Herzen und Hände. Wir brauchen starke Herzen, starke Hände, um auch das vor uns liegende Jahr zu gestalten. Ich feiere Weihnachten in diesen Tagen zusammen mit meiner Frau, meinen beiden Söhnen und meinen russischen Verwandten in Moskau. Und auch dies ist für mich ein Grund zu großer Freude. Überall in diesem großen Land, das für sich bereits die Hälfte Europas bildet, sehe ich ein ehrliches Suchen und Ringen um das Neue. Überall wird das Ganze der vergangenen Jahrhunderte in den Blick genommen. Niemand lässt sich bannen vom starren Blick auf die Herrschaft des Schreckens. Denkverbote gibt es nicht mehr. Stattdessen wird gefragt: „Welche Reformen sind nötig, um unser Land für die Zukunft tauglich zu machen?“

Wer so fragt, hegt Zutrauen. Er lässt sich nicht verdrießen und durch Zweifel bekümmern. Er weiß: Wir können Zukunft schaffen. Die Freude, die wir heute erleben, vertreibt die Schatten. Sie macht uns stark. Ich wünsche Ihnen allen, dass Sie diese Freude erleben. Es kann die Musik Johann Sebastian Bachs sein, es kann ein festliches Essen mit Freunden sein oder auch das Glück über ein Weihnachtsgeschenk. Freude kann auch darin liegen, dass man einen einzigen Menschen aus seiner Einsamkeit erlöst. In diesem Sinne bitte ich Sie: Öffnen Sie die Türen. Lassen Sie die Zuversicht ein, verscheuchen Sie den Kummer. Lassen Sie sich anwehen. Gehen Sie das Wagnis der Freude ein. Ich wünsche Ihnen zusammen mit meiner Familie: Frohe Weihnachten!

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Sep 302007
 

Fröhliche lachende glückliche Menschen an der Ecke Kottbusser Tor/Izmir Köftecisi, auf der Strecke und am Rand der Strecke. Es ist ein Sonntag der Seele, ich empfinde Glück. Noch lachen die Läufer – beste Bedingungen: eher kühl, kein Regen, ab und zu Sonnenschein. Musikalische Kulisse: Live-Musik gespielt von Bands und Kapellen und rennenden Musikanten von türkischem Pop über Swing zu Schweizer Kuhglocken.

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