Jan 302018
 

Trübe Gedanken werden weggewischt durch die strahlende Schönheit des Gesanges. Der Gesang im Hochmeistersaal beseligt mich. Das Schubert-Album für eine Singstimme mit Pianofortebegleitung, kritisch revidirt von Max Friedlaender, das brauch ich nur aufzuschlagen und daraus zu singen und ich merke: Ja. Das ist meine Welt. Das ist unsere Welt. Da bin ich in Gesellschaft des Lebens. Und: Immanuel Kant, Werkausgabe Band VI, herausgegeben von Wilhelm Weischedel in der Akademie-Ausgabe. Meine Nachtlektüre. Jede Zeile Kants unterhält mich, erhellt mich, verleiht mir die Zuversicht: Überall sind Leute, mit denen man vernünftig reden kann.

Seitwärts des Überdachs Schatten vor der Rentenversicherung am Fehrbelliner Platz zieht dich an. Ich kehre ein bei der BIO COMPANY: in der Gesellschaft des Lebens.
In den Regalen an den Tischen in der BIO COMPANY liegen Bücher. Ich greife mir einen Band von Ernst Wiechert heraus: Der Totenwald, in einer sorgfältig verarbeiteten Ausgabe des Aufbau-Verlages, erschienen noch zu DDR-Zeiten. Mich berühren die klaren, schmerzhaften Beobachtungen, die er als Häftling im KZ Buchenwald angefertigt hat. Wichtigkeit des Körpers, Unhintergehbarkeit des leiblichen Daseins!

Essen, Trinken, Plaudern, Lauschen. Das ist es! Den Toten schulde ich nichts. Sie sind hinübergegangen. Dem Leben sind wir verpflichtet. Den Lebenden bin ich verpflichtet. „I vivi sono più esigenti“, die Lebenden verlangen mehr von uns. Also bitte. Primo Levi hat recht. Wählt das Leben!

Ich bitte um Leben.

 Posted by at 19:58

Neue Zeiten im Gorki-Park

 Freude, Russisches  Kommentare deaktiviert für Neue Zeiten im Gorki-Park
Jan 192018
 


Moskau verändert sich! Neu angelegte Radwege führen an der Moskwa entlang, bunte Kinder nutzen sie mit ihren Einrädern. Der Gorki-Park lädt zum Flanieren ein. Bei milden 2 Grad plus erschließen wir uns den neugestalteten städtischen Raum. Alles wirkt jetzt offener, einladender, bunter, als ich es in Erinnerung hatte.

Abends drehen wir einige Runden auf unseren Schlittschuhen. Ruhiges Sich-Treibenlassen auf Kufen, es gibt keine Aggressionen, keine Rempler, keine traurigen Gesichter. Alles winkt, alles lächelt. Im Hintergrund ertönt Soulmusik in englischer Sprache. Zuletzt entdecken wir eine Dönerbude, bei der wir Halt machen. Der Chef des Dönerladens stammt aus Berlin und betreibt hier diesen Imbiss. Es schmeckt uns gut.

Bild: Eislaufen im Gorki-Park Moskau, 05.01.2018

 Posted by at 23:08

«Не ведали, где мы есть — на небе или на земле». Von der Überzeugunsgkraft des Schönen

 Freude, Russisches, Weihnacht  Kommentare deaktiviert für «Не ведали, где мы есть — на небе или на земле». Von der Überzeugunsgkraft des Schönen
Jan 072018
 

In der altrussischen Nestorchronik wird erzählt, dass Fürst Wladimir von der Kiewer Rus im Jahr 986 zur Einigung seiner noch ungefestigten Herrschaft für seine slawischen Heiden den passenden Glauben aussuchen ließ. In recht moderner Weise veranstaltete er einen öffentlichen Wettbewerb der Glaubenslehrer; er organisierte Übungen zum „Glauben auf Probe“. Wolgabulgarische Muslime, griechische Philosophen, chasarische Juden, römische und byzantinische Christen wurden zum zweistufigen Bieterverfahren eingeladen.

In der ersten Runde, bei der eine Probepredigt je eines Predigers verlangt wurde, setzte sich kein Bewerber durch. Deshalb war die zweite Runde unerlässlich. Hierzu wurden Fachkommissionen in die jeweiligen Verbreitungsgebiete der Religionen geschickt und um gutachterliche Berichte gebeten. Die Expertise fiel eindeutig aus: Das Alkoholverbot und eine gutachterlich konstatierte Freudlosigkeit brachten das Aus für den Islam. Mangel an Schönheit war das Argument gegen den römisch-katholischen Ritus. Auch das Judentum konnte in der chasarischen Spielart nicht überzeugen. Nur der Gottesdienst in Konstantinopel versetzte die Kommissionmitglieder in Entzücken. Voller Begeisterung erzählten sie:

«Не ведали, где мы есть — на небе или на земле». Wir wissen nicht, waren wir im Himmel oder auf der Erde, denn auf der Erde gibt es so etwas nicht zu sehen und keine solche Schönheit, und wir wissen nicht, wie wir davon erzählen können; wir wissen nur, dass Gott dort beim Menschen verweilt.“

Und so kam es, dass Fürst Wladimir den christlichen Glauben 988 durch die Taufe in byzantinischer Spielart annahm, alle slawischen Götzen in den Fluss werfen ließ und allen Untertanen die Taufe befahl. Bis zum heutigen Tag wird die Gründung der russisch-orthodoxen Kirche auf diese sagenumwobenen Ereignisse zurückgeführt.

In dieser legendenhaften Überlieferung, in der merkwürdigerweise die griechischen Philosophen recht sang- und klanglos ausscheiden, tritt etwas von der ungeheuerlichen Vitalität, aber auch dem kultisch-ekstatischen Grundzug des Christentums ans Tageslicht: die Fähigkeit, alle Sinne anzusprechen und in stärksten, ja berauschend, ja bestechend schönen Erlebnissen das kritische Kommissionsmitglied buchstäblich aus den Angeln zu heben, zu überwältigen und einzunehmen.

Das gilt auch heute. Vor allem die überwältigende Stärke und Schönheit des Gesanges trat ansatzweise beim heutigen Weihnachtsfest der orthodoxen Christenheit erneut hervor. Ich feiere es dieses Jahr in Moskau.

Leider kamen wir in der vergangenen Nacht in die Moskauer Erlöserkathedrale trotz langen Anstehens nicht hinein, da kein Platz mehr in dieser Kirche war. „Die Kirche ist wegen Überfüllung geschlossen.“ So die knappe Ansage der Milizionäre. Man sieht erneut: Der orthodoxe Glaube fasst in Russland Jahr um Jahr stärker Wurzeln, so sehr sich die Kommunisten auch 70 Jahre bemühten, ihn zusammen mit anderen Religionen wie ein Unkraut aus der Erde zu vertilgen.

Und so hörte ich subliminal am heutigen Tag etwas von der rauschhaften, ekstatischen Freude nachklingen, die sicherlich heute Nacht auch in den mehrstündigen Gesängen der Priester, Kantoren und Chöre zu erleben war. Ich ahnte sie nur, diese Gesänge, ich summte sie, ich hörte sie nachschwingen.

Wir schließen mit dem russischen Weihnachtsgruß: С Рождеством!

Bild:
Weihnachtliche Straßenszene in Moskau, Puschkin-Platz, aufgenommen gestern

Lesehinweis:
Zur näheren Bekanntschaft mit den angesprochenen Ereignissen sei hier besonders empfohlen:

Wikipedia-Einträge zur Christianisierung Russlands:
https://ru.wikipedia.org/wiki/Крещение_Руси (russisch)
https://de.wikipedia.org/wiki/Christianisierung_der_Rus

„Испытание веp – Die Christianisierung Russlands“, in: Russland in kleinen Geschichten. Erzählt von Natalija Nossowa. Übersetzt von Gisela und Michael Wachinger. Illustriert von Frieda Wiegand. dtv München, 14. Aufl. 2015, S. 34-37

 Posted by at 21:26

Blüht, ihr Rosen rot und weiß!

 Freude  Kommentare deaktiviert für Blüht, ihr Rosen rot und weiß!
Jan 012018
 

Zwei Rosen fand ich heut am Straßenrand, die eine weiß, die andre rot. Achtlos weggeworfen, lagen sie neben dem ganzen Gemülle aus Böllermüll, Raketensprengköpfen, ausgebrannten Pappkartuschen. Kahle Stümpfe grinsten mich an, den Löchern ausgefallener Zähne ähnelten sie.

Wollt ihr mitkommen?, fragte ich die Rosen rot und weiß. Sie sprachen fein: Sollen wir zum Welken auf die Straße geworfen sein? Nein! Mensch, nimm uns mit!

Ich hob sie auf, trug sie nachhause, schnitt sie an und setzte sie in eine Vase. Damit ging ich auf den Balkon, und siehe: Da waren über Nacht zwei Margeriten frisch aufgeblüht. Die lachten mich an und riefen den Rosen zu: Willkommen bei uns, Schwestern!

Dies war heute mein kleines Neujahrswunder.

Die Rosen rot und weiß schenken länger Freude als die Böller laut und schwarz.

Die Margeriten blühen dann auf, wenn Du es nicht mehr erwartest.

Blühe, du neues Jahr, im Zeichen der Rosen rot und weiß. Lacht uns an, Margeriten, zeigt uns den Weg in ein frohes, zuversichtliches Jahr 2018!

 Posted by at 23:12

Die Welt aus dem Lachen des Kindes

 Freude, Singen, Weihnacht  Kommentare deaktiviert für Die Welt aus dem Lachen des Kindes
Dez 262017
 

Singende, klingende Weihnachtsfreude bringt diesen Tag zum Leuchten. In der Hochmeisterkirche und in Sankt Norbert lasse ich mich vom Gesang der Chöre tragen. Und ich trage den schwebenden Gesang mit. Alles ist wohlbereitet. Die Welt wird an diesem Tag vom Kind her gedacht. Sie wird vom Kind her gemacht. Sie wird vom Kind her gelacht.

 Posted by at 00:00

An Schwager Kronos: Freude, Goethe, Musik, Singen

 Freude, Goethe, Musik, Singen  Kommentare deaktiviert für An Schwager Kronos: Freude, Goethe, Musik, Singen
Okt 082017
 

Schöneberg, d 7 Oktbr 2017. Geselliges, gutes Musizieren im kleinen Kreis guter Menschen! Ich wage mich, auf ausdrückliches Bitten, am Klavier meiner Mutter selig sitzend, gelegentlich aufspringend, erstmals an den Vortrag von Schuberts An Schwager Kronos, freilich nicht im originalen d-moll, sondern in c-moll, wobei ich die Klavierbegleitung eher andeute als getreulich ausführe. Was für ein hochmodernes Gedicht hat Goethe hier geschrieben, hart gefügt, sprunghaft, kraftvoll rasselnd, zwischendrin zärtlich-behutsam innehaltend! Und Schubert drängt das noch einmal deutlich über Goethe hinauslangend ins Tiefste und Höchste hinein. Größte Erschütterung. Glück und Dankbarkeit am Abend.

 

Nachstehend der Text der ältesten überlieferten Fassung aus dem Jahr 1778 in Goethes Handschrift. Schubert hat allerdings den deutlich geglätteten Text der späteren Ausgaben verwendet.

 

AN SCHWAGER KRONOS

In der Postchaise d 10 Oktbr 1774

Spude dich Kronos
Fort den rasselnden Trott!
Bergab gleitet der Weg
Ekles Schwindeln zögert
Mir vor die Stirne dein Haudern
Frisch, den holpernden
Stock, Wurzeln, Steine den Trott
Rasch in’s Leben hinein!

Nun, schon wieder?
Den eratmenden Schritt
Mühsam Berg hinauf.
Auf denn! nicht träge denn!
Strebend und hoffend an.

Weit hoch herrlich der Blick
Rings ins Leben hinein
Vom Gebürg zum Gebürg
Über der ewige Geist
Ewigen Lebens ahndevoll.

Seitwärts des Überdachs Schatten
Zieht dich an
Und der Frischung verheißende Blick
Auf der Schwelle des Mädgens da.
Labe dich – mir auch Mädgen
Diesen schäumenden Trunk
Und den freundlichen Gesundheits Blick.

Ab dann frischer hinab
Sieh die Sonne sinkt!
Eh sie sinkt, eh mich faßt
Greisen im Moore Nebelduft,
Entzahnte Kiefer schnattern
Und das schlockernde Gebein.

Trunknen vom letzten Strahl
Reiß mich, ein Feuermeer
Mir im schäumenden Aug,
Mich Geblendeten, Taumelnden,
In der Hölle nächtliches Tor

Töne Schwager dein Horn
Raßle den schallenden Trab
Daß der Orkus vernehme: ein Fürst kommt,
Drunten von ihren Sitzen
Sich die Gewaltigen lüften.

Die Wiedergabe des Gedichtes erfolgt hier buchstaben-, zeilen- und zeichengetreu in der Fassung der „Ersten Weimarer Gedichtsammlung“, welche Goethe eigenhändig im Jahr 1778 schrieb (Handschrift H2).

Zitiert nach:
Johann Wolfgang Goethe: An Schwager Kronos. In der Postchaise d 10 Oktbr 1774. In: Johann Wolfgang Goethe. Gedichte 1756-1799. Hgg. von Karl Eibl, Deutscher Klassiker Verlag. Sonderausgabe zu Johann Wolfgang Goethes 250. Geburtstag. Frankfurt am Main 1998, S. 201-203

Bild: Goethes Arbeitszimmer, Weimar. Im Spiegel Goethes: der hier Schreibende

 

 Posted by at 22:52

10 Jahre – fast nur mit fröhlichen lachenden glücklichen Menschen!

 Freude  Kommentare deaktiviert für 10 Jahre – fast nur mit fröhlichen lachenden glücklichen Menschen!
Sep 262017
 

Heute ist dieses Blogs 10. Jahrestag.

Es begann bescheiden am 26.09.2007 mit Berichten über eine lebhafte Podiumsdiskussion in der Volksbühne, einer musikalischen Danksagung an Simchas Torah von Ernest Bloch, mit fröhlichen lachenden glücklichen Menschen beim Berlin Marathon, streifte so manches nachdenkliche oder kummervolle Feld, hielt aber doch stets den Kopf aufrecht nach vorne gewandt in Zuversicht.

Über Stock und Stein frisch ins Leben hinein, so ging es immer weiter – über bisher 3652 Tage.

Dies ist ein Tag der Danksagung: Dank an Euch alle, die Ihr dies lest und gelesen habt, Dank für Kritik, Rat und Widerspruch!  Dies ist ein Tag, den ich der Freude am Leben widme, und ein Tag, an dem ich mir weiterhin viele fröhliche, lachende, glückliche Menschen aus allen Ländern der Welt wünsche. Traurige, weinende, unglückliche Menschen sind mir ebenfalls willkommen.

Zu den Zahlen:

In diesen 10 Jahren habe ich mehr als 3200 Beiträge veröffentlicht. Online sind davon weiterhin 3112. Im Durchschnitt erschien also pro Tag ungefähr ein Beitrag.  In jedem einzelnen Monat erschienen mehrere Beiträge. Niedrigster Wert: 3 (Monat April 2017). Höchster Wert: 81 (Monat November 2010)

Aktuelle Statistik für die letzten 30 Tage: 

Besucherzahl in den letzten 30 Tagen insgesamt: 7509
Durchschnittliche Besucherzahl pro Tag: 250
Seitenaufrufe in den letzten 30 Tagen: 36717

Die drei in den letzten 30 Tagen am meisten besuchten Beiträge aus all diesen zehn Jahren insgesamt sind übrigens:

http://johanneshampel.online.de/2008/07/25/mitgliederschwund-parteien-sind-weiterhin-ratlos/

„Wie unterscheidet man eigentlich Türken von Arabern?“

Ist „das Christliche“ zugleich „das Konservative?“

 Posted by at 16:06

„Auffi gehts! Schaugst waida! Gehts aussi!“

 Angst, Freiheit, Freude  Kommentare deaktiviert für „Auffi gehts! Schaugst waida! Gehts aussi!“
Sep 192017
 

23. Mai 2017, Kreuth am Tegernsee, abends.

Gutes, lauschendes, tief einsaugendes Lauschen auf die Landleute beim Viehtrieb in Kreuth! Das ist ja genau die Sprache, die mir in die früheste Kindheit hineinschallte, meiner Mutter Sprache – Bairisch, ein Idiom, dessen ich mich bei meinen gelegentlichen Aufenthalten in meinem Herkunftsland gern auch selbst befleißige.

Vergessen wir nicht, wir sind hier am Tegernsee auf ältestem deutschem Kulturboden. Der älteste erhaltene deutsche Roman überhaupt, der berühmte Ruodlieb – ein lateinisch verfasstes Versepos – stammt aus dem Kloster Tegernsee! Er wurde gut 9 Jahrhunderte vor Thomas Manns Doktor Faustus verfasst, diesem Schicksalsroman, dessen letzte, dramatisch zugespitzte Szenen ebenfalls im oberbayrischen Voralpenland spielen.  Ja, die in Pfeiffering ausgemalten Schlussbilder, der gutmütige Dr. phil. Serenus Zeitblom  hätte sie auch hier ansiedeln können.

Bild: eine Kreuther Ziegenherde am 23. Mai 2017, wenige Momente nach dem Austrieb aus dem Stall. Unsicher taumelnd  tollen die Ziegen umher. Nach der Sicherheit des Stalls, wo ihnen Tag um Tag das Futter gereicht wurde, löst die Freiheit des Graslandes einen rauschartigen Tanz aus. Die Herde bleibt sicherheitshalber vorerst zusammen. Die Herde bietet Schutz angesichts des Neuen, das da kommen mag.

 Posted by at 09:43
Sep 102017
 

Hanadi, Nirit, Essfandiar, Pegah, Sadaf, Banu, Christa, Laura, Jonni, Cem, Marthe, Alexander, Laila, Rose-Anne, Theokleia. Das sind die Namen von 15 Menschen, die vieles gemeinsam haben, vor allem aber eines teilen: Ihre Lebensgeschichte führte sie oder zumindest ihre Eltern aus anderen Ländern nach Berlin, wo sie derzeit wohnen und sich wohl fühlen. Sie bringen den Schatz ihrer Herkünfte mit, leben diesen Schatz weiter aus und verbinden sie auf anrührende Weise mit ihrer neuen Umgebung.  Sie beweisen hier ihre Freiheit, den eigenen Raum zu gestalten und ihre Geschichte mit anderen Menschen zu verbinden.

Sie haben unter ihrem eigenen Namen einen eigenen Raum im Schöneberger Jugend Museum eingerichtet. Wir besuchten sie heute am Tag des offenen Denkmals. Lebende Menschen zeigen sich und ihre Räume. Großartig! Diese Ausstellung lohnt in jedem Fall einen Besuch.

Villa Global. The Next Generation. Jugend Museum. Hauptstr. 40/42, 10827 Berlin-Schöneberg. Öffnungszeiten: Mo-Do, Sa+So 14 bis 18 Uhr, Fr 9-14 Uhr.

www.villaglobal.de

 Posted by at 19:14

Von der Freiheit des Absprungs

 Freiheit, Freude, Südtirol  Kommentare deaktiviert für Von der Freiheit des Absprungs
Aug 182017
 

Auf dem Anstieg zum Speikboden, einem bekannten Berg im Ahrntal, bestaune ich in etwa 2200 Meter Höhe gebannt die Vorbereitungen der Gleitschirmflieger. Wie sie sorgfältig ihre wulstförmigen Schirme ausrollen, wieder und wieder die Leinen überprüfen und richtig legen. Wie sie regelmäßig hinüber schauen zum gleichmäßig im Wind flatternden Fähnchen. Eine junge Frau probt wieder und wieder den Anlauf und bricht dann mehrfach ab. Zur gleichen Zeit erheben sich mehrere Flieger geradezu mühelos in die Luft. Erheben? Nein, sie lassen sich fallen, sie gehen ein paar Schritte und lassen sich dann hineinfallen ins Meer der Luft wie ein Schwan sich ins Wasser eines Teiches gleiten lässt, um dann gelassen, sicher und gleichsam mit einem grüßenden Lächeln seine Kreise zu ziehen.

Acht Gleitschirmflieger schweben schon dahin. Nach wenigen Sekunden erreichen sie eine Thermikzone. Jetzt beginnen sie in immer erneut wiederholten Kreisen den Aufstieg. Höher und höher fliegen sie. Sie umrunden uns, sie schauen schon auf uns herab.

Nun hat auch die junge Frau den Absprung geschafft. Sie findet die Freiheit des Absprungs. Aus dem krächzenden Mikrophon ertönt die Stimme ihres Betreuers oder Lehrers. Und schon ruht sie sicher in der Luft, als hätte sie dieses Fliegen, dieses Gleiten, dieses königliche Schwimmen nie lernen müssen.

Ein grandioses Schauspiel, das die Fliegenden mit ihren bunten Schirmen uns bieten! Vergleichbar dem Mobile in einem Kinderzimmer, wo beim Einschlafen bunte Fische hin und her schwimmen.

Ahrntaler Flieger, ich danke Euch!

 Posted by at 18:55