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Archiv der Kategorie Integration
Verheerende Symbolik
16.3.2010 von admin.
In der Klasse meines Sohnes sind von … Schülern etwa … nichtdeutscher Herkunftssprache - das habe ich oft und oft in diesem Blog geschrieben, so oft, dass es mich schon langweilt. Na und?
Dass jetzt ein Vater seinen Namen in der Zeitung nicht zu nennen wagt, ist ebenso schlecht wie die Tatsache der Trennung an sich. Ich halte das für eine verheerende Symbolik.
Gymnasialklassen nach Herkunft sortiert: Integration ist eine Klasse für sich - taz.de
In der Klasse seines Sohnes seien von etwa 30 SchülerInnen 23 “nichtdeutscher Herkunftssprache”, berichtet ein betroffener Vater der taz. Seinen Namen will er aus Angst vor negativen Folgen für sein Kind lieber nicht in der Zeitung lesen. In den Parallelklassen gebe es dagegen nur zwischen fünf und neun SchülerInnen mit Migrationshintergrund: “Wie sollen die Kinder untereinander in Kontakt kommen, wenn man alle muslimischen Kinder in eine Klasse steckt?” Er fürchte weniger die bildungsbezogenen Folgen solcher Trennung als deren “Symbolik”, sagt der Mann: “Die Kinder sprechen ja alle gut deutsch, viele haben keine andere Muttersprache gelernt. Aber für uns lautet die Botschaft: Ihr gehört nicht dazu.”
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Gymnasialklassen nach Herkunft sortiert
16.3.2010 von admin.
Die taz berichtet heute:
Gymnasialklassen nach Herkunft sortiert: Integration ist eine Klasse für sich - taz.de
Berliner Gymnasien sortieren ihre Schüler nach ethnischer Herkunft und Religionszugehörigkeit in getrennten Klassen. Dies geht aus der Antwort auf eine kleine Anfrage des bildungspolitischen Sprechers der Grünen, Özcan Mutlu, hervor. Begründet wird das Verfahren mit einer leichteren Organisation der Stundenpläne; die Klassen könnten so geschlossen am Religionsunterricht teilnehmen.
Ich halte das für traurig. Noch einmal erweist sich, dass die Sonderung der Schüler nach muslimisch und nicht-muslimisch in vollem Gange ist. Das sehen wir ja auch an Kreuzbergs Grundschulen.
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Ethnische Trennung an Gymnasien ist schockierend: Integrationsverweigerer sind deutsch - taz.de
16.3.2010 von admin.
Ethnische Trennung an Gymnasien ist schockierend: Integrationsverweigerer sind deutsch - taz.de
So schreibt eine Leserin:
“Wenn die TAZ mal einen wirklich neuen und interessanten Artikel zu Thema schreiben möchte, dann kann sie doch mal untersuchen wie viele der Befürworter von integrativen Klassen, das auch bei ihren eigenen Kindern umsetzen. Bei wenigen Themen habe ich in meinem Bekanntenkreis so viele Heuchler erlebt.”
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Wir sind alle Diskriminierungsopfer!
11.3.2010 von admin.
Neben Armin Laschets “Aufsteigerrepublik” halte ich Abdel-Samads “Abschied vom Himmel” für die beiden besten Bücher zum Thema “Integration”, die der deutsche Buchmarkt im Jahr 2009 herausgebracht hat. Sie sind wie Zwillingsbrüder. Sie machen all die hochtrabende, begrifflich hochgerüstete akademische Migrations- und Integrationsforschung … nun … nicht komplett überflüssig, aber sie grundieren sie mit kräftigen, unauslöschlichen Pinselstrichen. Sie sind - Butter bei die Fische!
Was sagt Hamed Abdel-Samad zum Thema “Alltagsrassismus”? Antwort: Er verwendet das Wort nicht. Sehr wohl aber spricht er von Diskriminierung, der harmloseren Vorstufe zum Rassismus. Wir hören:
“Aber eines haben Türken und Araber in Deutschland gemein: Sie beschweren sich leidenschaftlich und fortwährend über ihre Diskriminierung, obwohl es meist gar nicht um Diskriminierung geht. Es handelt sich vielleicht um Gleichgültigkeit, Nichtbeachtung oder höchstens Kränkung, aber Diskriminierung ist eigentlich etwas anderes. Aber der Vorwurf der Diskriminierung dient oft als Ausrede für das Ausbleiben eigenen Erfolgs.”
Gleichgültigkeit, Nichtbeachtung oder Kränkung: Das erfahre ich, das erfahren wir Menschen immer wieder, z.B. wenn die Leute uns nicht kennen, wenn wir schlecht oder dürftig angezogen sind. Gehen Sie mal in abgerissenen Jeans und Turnschuhen in ein Standesamt! Und dann gehen Sie mit Anzug und Krawatte und gewienerten Schuhen in dasselbe Amt - na, bemerken Sie den Unterschied?
Aber: Das ist weder Rassismus noch Diskriminierung. Das ist menschlich. So sind wir Menschen.
Daneben gibt es zweifellos Fälle von Diskriminierung von Zuwanderern in Deutschland, das höre ich selbst immer wieder. Aber - es sind einzelne Fälle, es hat nicht System. “Sie sind aber kein Berliner, oder?” - das höre ich selbst immer wieder hier in Kreuzberg. Warum bloß? Bin ich deswegen schon ein Diskriminierungsopfer? Unsinn!
Sich ständig als diskriminierte Minderheit (oder Mehrheit) auszugeben, hat wenig Sinn. Wir wären dann ja alle Diskriminierungsopfer, weil wir ständig aufgrund von rein äußerlichen Merkmalen wie etwa Kleidung oder Haartracht eingestuft und beurteilt werden!
Alle können sich durch Höflichkeit, durch Leistung, durch Respekt gegenseitig in ihrer Eigenart bestärken. Das brauchen wir. Nicht Jammerarie auf Jammerarie!
Hamed Abdel-Samad: Mein Abschied vom Himmel. Aus dem Leben eines Muslims in Deutschland. Fackelträger Verlag, Köln 2009, 312 Seiten. Zitat: S. 48
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Alltagsrassismus und Islamophobie?
11.3.2010 von admin.
“Iiii - wie eklig - der isst Salami”, diese Reaktionen muslimischer Mitschüler höre ich von Kreuzberger Grundschülern, die der nichtmuslimischen Minderheit angehören, wenn sie ihr Pausenbrot auspacken. Und immer wiede sehe ich junge Männer der Mehrheit, wie sie besonders auffällig und wiederholt auf die Erde spucken. Und Mädchen oder junge Frauen aus der nichtmuslimischen Neuköllner Minderheit berichten von häufigen sexuellen Belästigungen und machohafter Anmache, wenn sie allein auf der Straße gehen.”Ich habe keine Lust mehr, mich dauernd von den Jungs beleidigen zu lassen”, sagen diese Frauen. Viele deutsche Familien sind schon aus Neukölln weggezogen.
“Die Themen, die den Muslimen unter den Nägeln brennen wie Alltagsrassismus oder Islamophobie sind nicht einmal erwähnt worden.” So Aiman Mazyek heute auf S. 5 der Süddeutschen Zeitung.
Angst deutscher Mädchen vor sexueller Anmache durch moslemische junge Männer, Verspottung und Lächerlichmachen von Schweinefleischverzehrern, ostentatives Spucken von Halbstarken auf den Berliner Boden … ist das alles schon Rassismus oder Islamophobie?
I wo! Es ist mangelnde Erziehung, eine Selbstabgrenzung der muslimischen Bevölkerung, eine Mischung aus dumpfen kulturell-religiösen muslimischen Überlegenheitsansprüchen und gefühlter ökonomischer Unterlegenheit. Mit Rassismus hat dies beileibe nichts zu tun.
Als echten Rassismus würde ich allenfalls die in Kreuzberg und Neukölln weitverbreiteten judenfeindlichen Einstellungen bezeichnen. Und dafür - also für die Bekämpfung antisemitischer und homophober Vorurteile unter moslemischen Jugendlichen - stellt die Stadt Berlin ja in diesem Jahr 1,9 Millionen Euro bereit.
“Diese Bank ist nur für Weiße”, so berichtete die letzte Sendung mit der Maus aus Südafrika. Südafrika war bis 1991 ein rassistischer Staat! In ganz Europa herrschte im 19. Jahrhundert bis weit in die dreißiger und vierziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts ein rassistischer Unterton.
“Alltagsrassismus und Islamophobie” - mit diesen allzu häufig, inflationär ausgespielten Karten wollen manche migrantischen Verbände ihren Opferstatus befestigen. Darin sind sie Meister. Grotesk!
Muslime erwägen, den Dialog mit de Maizière zu beenden - Islamkonferenz vor dem Aus - Service - sueddeutsche.de
Mazyek kritisierte auch die inhaltliche Neuorientierung der Konferenz: “Die Themen, die den Muslimen unter den Nägeln brennen wie Alltagsrassismus oder Islamophobie sind nicht einmal erwähnt worden.” Auch die Zusammensetzung des Gremiums ist den Verbänden zuwider.
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Wer “macht” die Eingliederung? Staat, Schule oder Familie?
7.3.2010 von admin.
Die neuen Deutschen
Badr Mohammed sagt:Toleranz beginnt im Elternhaus. Zu Hause müssen die Kinder lernen, dass es um den Respekt vor allen Menschen geht. Da spielen die Eltern eine große Rolle. Eingliederung machen die Eltern. Die Eltern müssen die Kinder integrieren.
Bild: Wartebereich im Rathaus Kreuzberg, 3. Stock
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Zwangsintegration?
5.3.2010 von admin.
Ein wahrer Schwall an Absichtsbekundungen gehört unvermeidlich zu den Begleiterscheinungen jedes großen, jedes überragenden Themas. Und eins dieser großen, vielleicht sogar DAS überragende Thema ist die Frage der Selbstreproduktion einer Gesellschaft. Wie schaffen wir Zukunft? Wie kehren wir das bereits jetzt stattfindende Auseinanderfallen der nachwachsenden Generation in ein Zusammenwachsen um?
Einer der sachkundigsten Soziologen zu diesem Thema ist der 1949 in Beirut geborene, im Libanon aufgewachsene Ralph Ghadban. Am 26.02.2008 hielt er in Essen einen Vortrag zur Frage: “Sind die Libanon-Flüchtlinge noch zu integrieren?” Hier ist er nachzulesen:
die-libanon-fluchtlinge2.pdf (application/pdf-Objekt)
Ghadban zieht nach einer sehr genauen Analyse der Herkunftstraditionen eine schonungslose Bilanz: Enge Stammesverhältnisse und ein sektiererisches Islamverständnis führen nach seiner Einschätzung zu einer “kompakten Solidarität”, die ihrerseits wiederum das Entstehen krimineller Netze begünstigt.
Was ist zu tun?
“Jede Investition in die Sozialarbeit rentiert sich langfristig.” Der Vf. schlägt gezielte Repression der in dieser Gruppe exorbitant hohen Kriminalität, auch durch Abschiebung, enge Kooperation verschiedener Behörden, aber auch “Zwangsintegration” vor.
“Man muss die Gruppe zwingen, arbeiten zu gehen und bei mangelnder Bereitschaft die Sozialhilfe kürzen. Das ist inzwischen möglich, wird aber nicht konsequent umgesetzt.”
Letzte Forderung: Die Ganztagsschule. Eine Stärkung der Schule gegenüber den Familien hält Ghadban für unerlässlich. Zu diesem Zweck empfiehlt er nachdrücklich die Ganztagsschule.
Der Vortrag Ghadbans stimmt mich sehr nachdenklich. Die einzelnen Feststellungen kann ich selbstverständlich nicht nachprüfen. Aber ihre Erklärungskraft ist erheblich. Ich kenne keine Analyse, die ihm widerspräche.
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Erlesene Bilder der Armut
28.2.2010 von admin.
Die neuesten Daten, die die Morgenpost heute bringt, belegen es erneut: ich wohne im ärmsten Bezirk Berlins. Doch echte Armut gibt es hier nicht. Echte Armut beschrieben Dickens, Friedrich Engels, John Galsworthy - und andere. Armut, das sind zerlumpte, hungernde, bettelnde Menschen. Eine typische Armuts-Szene beschreibt John Galsworthy in seinem Roman Beyond:
Beyond, by John Galsworthy
The usual route from the station to Bury Street was “up,” and the cab went by narrow by-streets, town lanes where the misery of the world is on show, where ill-looking men, draggled and over-driven women, and the jaunty ghosts of little children in gutters and on doorsteps proclaim, by every feature of their clay-coloured faces and every movement of their unfed bodies, the post-datement of the millennium; where the lean and smutted houses have a look of dissolution indefinitely put off, and there is no more trace of beauty than in a sewer. Gyp, leaning forward, looked out, as one does after a long sea voyage; Winton felt her hand slip into his and squeeze it hard.
Also: “Krank aussehende Männer, zerlumpte erschöpfte Frauen, gespenstische kleine Kinder im Rinnstein …” Ernst Bloch schreibt in seinem “Prinzip Hoffnung” zu eben dieser Stelle:
“Wenigstens hat der Arme den Vorteil, schmutzig auszusehen. Er bietet keinen schönen Anblick, er wirkt vorwurfsvoll, auch wenn er schweigt. Der Arme darf ans Herz, doch freilich nicht an den Beutel greifen; letzteres tut der Herr, um das Elend, von dem er lebt, zu mildern.”
Bloch, Adorno, Dutschke, Habermas, Gysi - sie alle kannten und kennen Armut als erlesene Armut nur aus den Büchern. All die Aufrufe zur Revolution, zum Systemwechsel wegen angeblicher Verelendung des Volkes waren erborgt aus diesen und anderen Lesefrüchten. Für Marx und Engels hingegen lag Armut noch vor Augen. Wir haben in der Bundesrepublik jeden Begriff davon verloren, deshalb das sinnleere Gerede von Armut.
Gestern fuhr ich mit der BVG vom Märkischen Viertel über den Hermannplatz Neukölln zurück in mein armes Kreuzberg. Besuche auch du, lieber Leser, Neukölln! Betrachte die jungen Männer in ihren weißen Jeans, ihren Markenklamotten, mit ihren i-pods, ihren gegelten Haaren, ihrem kurzrasierten Haar. Ihrem platzgreifenden, selbstbewussten Gebaren. Sie kennen keine Armut. Die Notwendigkeit zu arbeiten kennen sie ebenfalls nicht. Es macht ihnen keine Mühe, irgendeine Frau, irgendein Mädchen in der U-Bahn anzuquatschen und dreist zu behelligen, solange sie keinen Schleier trägt. Diese jungen Männer werden die Prozentrechnung am Ende der 10.Klasse und auch die deutsche Rechtschreibung nicht beherrschen, irgendein Unternehmen in Ludwigsfelde oder Fürstenwalde wird sie nicht einstellen. Dennoch sind sie perfekt integriert. Integriert untereinander, in ihren Sippen, in den sozialen Stützungssystemen.
Sie sind nicht arm. Sie leben in vollkommener Freiheit. Hartz IV sei Dank. Sie können tun und lassen, was sie wollen. Über sie und genau sie schreibt Karl Marx im dritten Band des Kapitals:
Das Reich der Freiheit beginnt in der Tat erst da, wo das Arbeiten, das durch Not und äußere Zweckmäßigkeit bestimmt ist, aufhört; es liegt also der Natur der Sache nach jenseits der Sphäre der eigentlichen materiellen Produktion.
Zitat: Ernst Bloch, “Prinzip Hoffnung”, 2. Band, Suhrkamp Verlag, Frankfurt/M. 1977, S. 1045
Bild: Am U-Bahnhof Möckernbrücke, Abendstimmung vor dem Sturm, heute, 28.02.2010, 18 Uhr
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Ein intakter Sozialstaat ist existenziell
17.2.2010 von admin.
Oft sehe ich Kinder und ihre Mütter, gerade aus der Türkei, hier in Kreuzberg ein Bonbon, ein Gummibärchen nach dem anderen essen. Gerade bei den Hartz-IV-Empfängern gibt es Süßigkeiten, Lakritze, Kuchen und Weißbrot satt. Und zwar freigebigst direkt aus der Tüte gefuttert und an andere Kinder verteilt. Das ist so. Das werden alle Kindergärtnerinnen und Lehrerinnen hier in Kreuzberg bestätigen. Die Fehlernährung der Kinder liegt nicht am Geld, sondern am fehlenden Wissen. Geld für Süßigkeiten ist ja schließlich auch da.
Die Aufklärung über gesunde Ernährung funktioniert nicht. Da ist sehr viel zu tun! Das Geld ist nicht entscheidend. Immer wieder verwechseln Journalisten die 3,11 Euro, die statistisch für Essen veranschlagt werden, mit dem tatsächlichen Ausgabeverhalten. Das kann mir niemand weismachen, dass für frisches Gemüse und frischen Salat kein Geld da ist. Das ist einfach Unsinn.
Ach ihr Journalisten, warum schickt ihr denn eure Kinder nicht zu uns Armen in die armen Bezirke??
Aber lest selbst den Kommentar aus dem Tagesspiegel:
Ein intakter Sozialstaat ist existenziell
Eine Vielzahl von Studien belegt, wie prekäre Lebensläufe beginnen – nur allzu oft bereits am Frühstückstisch: Arme Kinder ernähren sich in der Regel ungesünder als Kinder aus wohlhabenden Familien. Kein Wunder bei den schon erwähnten 3,11 Euro für Lebensmittel pro Tag für ein Kind. Viele Hartz-IV-Empfänger beklagen sich, dass bei diesem niedrigen Tagessatz das Geld für frische Nahrungsmittel nicht ausreicht. Hartz-IV-Kinder leiden infolge dessen häufiger unter Vitaminmangel, Abwehrschwäche, Konzentrationsproblemen und Übergewicht.
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Ihr ‘Migranten’ müsst euch zu Wort melden
12.2.2010 von admin.
Freunde, diese ganze Bloggerei hier muss verblassen vor dem echten menschlichen Miteinander, dem direkten politischen Austausch von Angesicht zu Angesicht. Das habe ich gestern wieder einmal auf dem Stammtisch der CDU Friedrichshain-Kreuzberg im Glashaus erlebt. Politik entfaltet sich zunächst und zumeist in Stimme und Gestalt, in Blick und Wort. Deshalb ziehe ich in der Regel politische Versammlungen dem Forschen und Wühlen im Internet vor. Das Internet ist zwar eine notwendige Ergänzung des eigentlichen politischen Geschäfts. Der lebendige Austausch vor Ort darf und soll aber durch die virtuelle Sphäre nicht ersetzt werden. Wir brauchen die Stammtische, wir brauchen Menschen aus Fleisch und Blut in den Parlamenten und Regierungen. Wir brauchen politische Debatten auch ohne Fernsehen und ohne Internet.
“Die Reform des Steuersystems muss auf einen Bierdeckel passen!”, so sagte ein bunter Hund der Opposition vor Jahren. Gestern bekam ein anderer überall (außer in diesem Blog) eine Tracht Prügel, weil er irgendetwas von spätrömischer Dekadenz ausbreitete, was auf keinen Bierdeckel geschweige denn eine Kuhhaut passte.
“Ihr ‘Migranten’ müsst euch zu Wort melden”, so schrieb ich gestern auf einen BIERDECKEL im schönen Restaurant GLASHAUS. Den Bierdeckel schob ich unauffällig einem Mit-Deutschen zu. Der Bierdeckel war mein gestriger Beitrag zur Reform der Integrationspolitik. “Melde Dich zu Wort”, flüsterte ich einer Mit-Deutschen zu, nachdem schon fünf Ohne-Deutsche lange und ausführlich geredet hatten. Dies waren gestern meine bescheidenen Beiträge zum Stammtisch über Integration, zu dem die CDU Friedrichshain-Kreuzberg geladen hatte.
Ort des Geschehens: das Glashaus, Linden- Ecke Ritterstraße. Referent: Burkard Dregger, den wir in diesem Blog bereits am 31.10.2009 vorgestellt hatten (bitte dort nachlesen). Unter der kundigen Leitung des Kreisvorsitzenden Kurt Wansner entfaltete sich eine sehr anregende, auf hohem Niveau geführte Diskussion.
Ich höre euch grummeln: “Mit-Deutsche“, “Ohne-Deutsche” - was soll denn das? Verzeiht, damit meine ich Deutsche mit und Deutsche ohne Migrationshintergrund. Eine ach so wichtige, ach so folgenträchtige, ach so fundamentale Unterscheidung!
Ich selber bin jedoch der Meinung: Nach 6-12 Monaten in unserem Land ist man kein Migrant mehr. Man gehört dazu, hat Rechte und Pflichten eines Bürgers. Man bedarf dann keines Sonderstatus mehr. Keiner Sozialarbeiter, keiner Fördermaßnahmen. Wie gut gefiel es mir, als eine Mit-Deutsche gestern klagte: “Obwohl ich einen türkischen Namen habe, bin ich Deutsche. Ich bin hier aufgewachsen, studiere an der TU. Es kränkt mich, wenn ich immer mit dem Etikett Migrationshintergrund abgestempelt werde.”
Brauchen wir also überhaupt noch Integrationspolitik? Dregger legte sich und uns diese Frage vor. Manche CDU-Parteifreunde im schönen Wedding (Nähe Soldiner Straße) hätten ihm gegenüber diese Meinung vertreten. “Es hat doch alles nichts gebracht! Weg mit der Integrationspolitik!” Dregger sondierte mit derartigen Ködern sozusagen das Terrain … er nahm uns, seinen Zuhörern, den Puls ab.
Äußerst geschickt stellte Dregger sich als Quereinsteiger, als Neuling dar, der den Vorteil des Unerfahrenen mit sich bringe. Er sei neugierig, habe viel gelesen und zugehört, wolle Meinungen und Erfahrungen in verschiedenen Bezirken auflesen und dann in ein Thesenpapier zusammentragen, das auf einem Sonderparteitag im Frühjahr 2010 vorgelegt werden solle. Na bitte, ein zuhörender, ein lernender Politiker - großartig!
Aber beim Zuhören blieb es nicht. Dregger führte doch recht klar aus, wie er sich gelingende Integration vorstellt. Er tat dies in einprägsamen, positiven, zur Zustimmung einladenden Formulierungen.
Dregger hob immer wieder den Gedanken der Werbung hervor. “Die bloße Einhaltung der Gesetze genügt nicht. Wir sollten alle, die bei uns leben, für unsere Ideale begeistern.” Die Deutschen könnten stolz auf dieses freiheitliche System sein, in dem sie lebten. Es sei der beste denkbare vorläufige Endpunkt einer mehr als 2000 Jahre dauernden Entwicklung von den Hochkulturen der Antike, der Christianisierung Europas hin zu den Werten der Aufklärung, den bürgerlichen Revolutionen, der Erklärung der Menschenrechte, und letztlich zum Grundgesetz mit dem unübertroffenen Spitzensatz: “Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und schützen ist Aufgabe aller staatlichen Gewalt.”
Ein Traum, den ich schon lange hegte, wurde gestern abend auf dem CDU-Stammtisch wahr! Endlich einmal steuerte eine Mit-Deutsche fundiert etwas zu den Herkunftsländern der Zuwanderer bei. Ich meine nämlich, man kann die Zuwanderer nur verstehen und integrieren, wenn man etwas weiß über die Länder, aus denen sie kommen. Dazu bin ich sehr neugierig auf die türkische Verfassung, auf das syrische, das libanesische Schulwesen, das ägyptische Parlament.
Die oben bereits erwähnte mit-deutsche Studentin - neben der ich zufällig saß - kontrastierte die türkische Verfassung mit dem deutschen Grundgesetz: “In der Türkei herrscht ein vollkommen anderes Staatsverständnis”, erklärte sie uns. “Nicht die Würde des Menschen steht an erster Stelle, sondern der Schutz des Staates.”
Zitieren wir doch wörtlich aus der Präambel der türkischen Verfassung:
Diese Verfassung, die die ewige Existenz des türkischen Vaterlandes und der türkischen Nation sowie die unteilbare Einheit des Großen Türkischen Staates zum Ausdruck bringt, wird, um entsprechend der Auffassung vom Nationalismus, wie sie Atatürk, der Gründer der Republik Türkei, der unsterbliche Führer und einzigartige Held, verkündet hat […]
Besonders aufmerksam lauschte ich gestern den türkischen Parteifreunden. (Araber oder Polen waren leider keine da). Sie berichteten vom häufigen Gefühl der Diskriminierung. Einer fragte, ob man nicht statt von Integration besser von Partizipation sprechen sollte. Wir hörten einander alle aufmerksam zu, jeder durfte etwas beisteuern.
Eine Sternstunde der politischen Debatte - klug moderiert und mit umfassendem Detailwissen bereichert von unserem Kreisvorsitzenden Kurt Wansner.
Meine persönliche Bilanz:
1) Der Abend im Glashaus brachte ein sehr gutes, in die Tiefe gehendes Gespräch. Der Grundansatz von Burkard Dregger scheint mir vollkommen richtig: selbstbewusstes Werben für unser Land, keine Vorwürfe gegenüber denen, die noch nicht ganz “angekommen” sind in unserem Land, aber eben auch keine rückgratlose Verbeugung vor dem Wischi-Waschi der Allesversteher und denen, die sich dauerhaft und über Generationen hinweg auf Sozialleistungen verlassen. Die Integrationspolitik sieht sich in Berlin einer außerordentlich schwierigen, fast verfahrenen Situation gegenüber. Die Probleme werden größer, nicht kleiner. Vorbilder gelingenden Lebens sind wichtig, auch wenn sie vielerorts in der Minderzahl sind.
2) Persönlich bin ich mittlerweile zur Ansicht gelangt, dass wir alle - also der deutsche Staat - mehr Klarheit zeigen sollten gegenüber allen, die hierher kommen. Bitte mehr Kante zeigen! Wir müssen klar machen, dass die Menschen hier alle Chancen auf ein selbstbestimmtes Leben haben, sehr viel mehr Freiheit haben, aber auch mehr Verantwortung tragen als in den Ländern, aus denen sie kommen. Der deutsche Sozialstaat kann in Übergangssituationen helfen, aber grundsätzlich sollte jeder Arbeitsfähige seinen Lebensunterhalt selbst erwerben.
3) Der Zugang zum Arbeitsmarkt muss erleichtert, der Zugang ins Sozialsystem muss deutlich erschwert werden! Deutschland kann nicht die sozialen Probleme der arbeitslosen Staatsangehörigen der Türkei, Syriens, Libanons, Rumäniens lösen. Diese Länder müssen selbst Lösungen für ihre Bevölkerung erarbeiten. Insgesamt wird - so meine ich - durch den deutschen Staat zu viel gefördert und zu wenig von den Zuwanderern gefordert.
4) Angst vor Überfremdung? Ja! Habe ich persönlich durchaus! Oder besser gesagt: Angst vor Verlust des kulturellen Zusammenhalts der in Deutschland nachwachsenden Generation. Wir haben in der Schulklasse meines Sohnes hier in Kreuzberg eine deutliche arabische Schülermehrheit, eine türkische Schülerminderheit - und einige ganz wenige nichtmuslimische Kinder. Und dies etwa 2 km vom Deutschen Bundestag entfernt. Ich habe das Gefühl, dass hier in Kreuzberg wirklich vollkommen getrennte Kulturen nebeneinander her existieren. Und mein Sohn - irgendwo dazwischen, zwischen der russischen, der deutschen, der türkischen und der arabischen Kultur.
Besondere Besorgnis erzeugt in mir das Gefühl, dass in ganz Deutschland die große deutsche Musik von Bach bis Brahms, die große deutsche Philosophie von Kant bis Heidegger und Wittgenstein, die große deutsche Literatur mit Goethe und vielen anderen nach und nach verlorengeht, ersetzt wird durch Spielkonsolen und Videogames, elektronische Medien. Die zehnjährigen Kinder gucken heute durchschnittlich 210 Minuten pro Tag fern! Was sehen sie da? Die Zukunft unseres Landes?
Geschrieben in Integration | 2 Kommentare »