Von Kant zum Kind. Ein Auflachen

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Okt 182017
 

Eine ungelöste Frage bleibt die Einhaltung der Verkehrsregeln durch Erwachsene bei der Begegnung mit den schwächsten Menschen, den Kindern. Wird es mir je gelingen, auch nur einen Erwachsenen zum Absteigen im Schulhof der Schöneberger Teltow-Grundschule zu bewegen? Wie, wenn ich die Erwachsenen auf Immanuel Kant verwiese, ihnen einschärfte, dass wir allezeit gemäß diesem wohl bedeutendsten Philosophen deutscher Sprache so handeln sollten, als könnte die Maxime unseres Handelns zugleich Grundlage einer allgemeinen Gesetzgebung sein? Wer kräht denn danach? Wer liest oder kennt heute unter den Deutschen noch Kant? Wer ließe sich durch allgemeine philosophische Überlegungen zu einer Verhaltensänderung bewegen?

Solches Sinnieren befällt mich unwillkürlich manches Mal, doch wische ich diese trüben Gedanken über den kulturell so dürftigen, so armseligen Zustand des deutschen Vaterlandes gern beiseite, wenn mir etwas Schönes begegnet.

So auch heute! Ich schob mein Fahrrad gedankenverloren über den Schulhof der Grundschule, da sprang mir ein Mädchen entgegen, das sich aus einer Gruppe von spielenden Kindern gelöst hatte!

Welche Botschaft brachte es mir? Es reichte mir lächelnd ein handgeschriebenes Zettelchen entgegen und lief sofort ängstlich weg. Was stand auf dem Zettelchen?  „Danke fürs Absteigen!“ las ich. Ich las es und da lachte mir das Herz! O ihr Kinder, ihr bezwingt noch den melancholischsten Philosophen! Selbst ein Immanuel Kant hätte kurz von seinem kategorischen Imperativ oder seinen transzendentalen Bedingungen einer jeglichen Erkenntnis abgesehen, die irgend Anspruch auf den festen Gang einer Wissenschaft würde Anspruch erheben können. Er hätte sich rühren lassen.

So wie ihr mich angerührt habt. Ihr habt mein Herz erobert. Kant hin, Goethe her. Das ist Musik in meinem Herzen, wie sie ein J.S. Bach nicht schöner komponieren könnte.

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„Bäume muss man ziehn, solange sie jung sind“

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Jul 222017
 

Leichtes, gefälliges Hineinplätschern in das Wochenende! Gern packe ich mir bei Schwimmbadbesuchen das eine oder andere Kinder- und Jugendbuch ein, um mich an zeitüberdauernden Werten und Einsichten zu stärken und zu ergötzen! Besonders gefällt mir das fesselnde Jugendbuch über Giovanni Falcone, diesen vorbildlichen, unerschrockenen und mutigen Richter. Hier wird von einem Richter-Kollegen namens Rocco erzählt, der in die Schulen geht, um den jungen Menschen rechtzeitig etwas über Rechtschaffenheit, Aufrichtigkeit und Mut zu erzählen. Früh muss man den Kindern dies beibringen, sagt der Richter Rocco, das sei wie bei einer Pflanze, heißt es:

„Quando la pianta è piccola è più facile raddrizzarla. Più cresce storta, più sarà difficile raddrizzarla. – Wenn die Pflanze noch klein ist, kann man sie leichter geradebiegen. Je mehr sie krumm wächst, desto schwieriger wird es, sie gerade zu richten.“

Dieses Bild der Erziehung des Menschen, der wie eine Pflanze beizeiten in die richtige Richtung gezogen werden muss, kenne ich auch aus einem meiner Lieblingsmärchen der Grimms – dem Meisterdieb. Auch hier wird gezeigt, wie leicht sich die junge Pflanze in die falsche Richtung verknorzt und dann schlechterdings nicht mehr strack, also gerade wachsen kann.

Der Meisterdieb kehrt unerkannt nach langer Zeit in sein Elternhaus zurück und fragt den Vater bei einer Besichtigung des Gartens:

„Aber sagt mir,“ sprach der Herr, „warum bindet ihr den krummen knorrichten Baum, der dort in der Ecke fast bis auf den Boden gebückt liegt, nicht auch an einen Pfahl, wie diesen, damit er strack wächst?“ Der Alte lächelte und sagte „Herr, ihr redet wie ihrs versteht: man sieht wohl daß ihr euch mit der Gärtnerei nicht abgegeben habt. Der Baum dort ist alt und verknorzt, den kann niemand mehr gerad machen: Bäume muß man ziehen, so lange sie jung sind.“

Quellen:

Luigi Garlando: Per questo mi chiamo Giovanni. Con la prefazione di Maria Falcone e un’intervista all’autore. BUR ragazzi, 19a edizione, Milano 2016, S. 56

192. Der Meisterdieb.  In: Brüder Grimm. Kinder- und Hausmärchen. Ausgabe letzter Hand. Mit einem Anhang sämtlicher, nicht in allen Auflagen veröffentlichter Märchen. Herausgegeben von Heinz Rölleke. Philipp Reclam jun. Stuttgart 2009, S. 759-767, hier S. 760

 

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Selbsthaß

 Augustinus, Deutschstunde, Einzigartigkeiten, Gedächtniskultur, Kinder, Selbsthaß  Kommentare deaktiviert für Selbsthaß
Feb 092017
 

Selbsthaß ist auch das Grundgefühl, welches in diesen Jahren die deutsche Nation zu durchziehen scheint; mit unglaublicher Wonne zeigen sie der Welt immer wieder, wie schlimm sie gesündigt haben, wie unübertroffen sie die Meister des Bösen gewesen sind. „Von unserem Land aus [=Deutschland] sind alle europäischen Werte zerstört worden“, „an diesem einzigartigen Verbrechen, diesem schlimmsten Menschheitsverbrechen der gesamten Weltgeschichte trägt Deutschland Schuld und Verantwortung“, „wir Deutsche haben zwei Mal ganz Europa zerstört“, dergleichen superlativische Wendungen tauchen unzählige Male immer wieder in den Schuldbekenntnissen der Spitzen von Staat, Regierung und Parlament auf.

Eine durch und durch negative Sicht auf die deutsche Geschichte wird heute stärker denn je den Kindern schon in den deutschen Schulen beigebracht. So erzählte mir erst kürzlich ein Geschichtslehrer stolz, er wolle die Kinder nicht gleich mit dem von uns verübten Holocaust belasten, sondern sie erst einmal behutsam an das größte Menschheitsverbrechen heranführen, indem er sie erst einmal selbständig  The Kaiser’s Holocaust erarbeiten lasse, also den deutschen Völkermord an den Herero und Nama ab dem Jahr 1904. So könnten die Schülerinnen und Schüler  sich allmählich mit dem Gedanken des deutschen Völkermordes anfreunden. Der Holocaust sei dann als Krönung das große Thema im darauffolgenden Jahr, ein Völkermord wachse in der deutschen Geschichte organisch aus dem vorhergehenden Völkermord hervor. Deutschen Völkermord erkennen, deutschen Völkermord benennen, das sei ein wesentliches Lernziel des kompetenzorientierten Geschichtsunterrichts!

Ich war verblüfft. Ist es wirklich sinnvoll, den Gedanken des Völkermordes als Sinnkern der deutschen Nationalgeschichte darzustellen? Soll wirklich der Holocaust den innersten Kern der Gedächtniskultur ausmachen, wie dies etwa Claus Leggewie vorgeschlagen hat? Ich meine: Man kann dies tun, beginnend vom Tag von Verden an der Aller im Jahr 782.

Ich meine aber auch: Die heutigen Kinder werden überfordert mit diesen ewig lastenden Schuldvorwürfen an alle Deutschen, eine Zugehörigkeit zur deutschen Nation erscheint ihnen zunehmend als moralische Belastung, zumal ja die deutsche Geschichte vorwiegend als Geschichte deutscher Verbrechen dargestellt wird.  Warum sollten sie sich zu einem Land bekennen, das das Land der Täter ist, also im Grunde ein Verbrecherland ist?

Keinen Augenblick darf man die Niedertracht der Deutschen vergessen. Man geht kaum aus dem Haus, schon wird man wieder aufgefordert, sich all der unsäglichen Schrecken zu erinnern, die die Deutschen überall vollbracht haben.  „In mir ist nichts Gutes!“, so sagt derjenige, der sich selbst hasst. Das Böse in dir, Deutscher, das darfst du nie vergessen.

Und damit kommen wir auch schon zum Unterschied zwischen dem Augustinischen Selbsthaß und dem heutigen politisch korrekten deutschen Selbsthaß! Für Augustinus war der Selbsthaß ein notwendiger, schmerzhafter Übergang zu etwas Neuem, etwas Anderem, etwas Schönem. In der deutschen vulgären Geschichtsbetrachtung der Jetztzeit dagegen erscheint die deutsche Geschichte als eine Abfolge von Hassenswertem, also von häßlichen Verbrechen, die wie ein Fluch auf dem ganzen Land lasten.

 

Lesehinweise:
Claus Leggewie: Der Kampf um die europäische Erinnerung. Ein Schlachtfeld wird besichtigt. Verlag C.H. Beck, München 2011, hier bsd. S. 14
David Olusoga und Casper W. Erichsen: The Kaiser’s Holocaust – Germany’s forgotten Genocide. Faber & Faber, London 2010
Frank Brendle: Der Holocaust ist einzigartig. taz online, 19.01.2012
Norman Davies: Categories of people killed in Soviet Russia and the Soviet Union 1917-1953 (excluding war losses, 1939-1945), in: Europe. A History. Pimlico, London, 1997,  S. 1328-1329

Graffito: „Bomber Harris, do it again.“ Aufnahme vom Juli 2016, Schöneberg, S-Bahn-Übergang

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Nov 122015
 

Herrliche, tiefe Gespräche führe ich immer wieder mit Männern aus verschiedenen Ländern in Afrika und Syrien und aus Libanon und aus Jordanien! Zentrale Themen sind in unseren Gesprächen – Familie, Kinder und Religion! Hurra, Kinder, Religion und Familie, drei zentrale Fragen! Und immer wieder höre ich in verschiedenen Variationen folgende zwei Fragen:

„Warum glaubt ihr Deutschen nicht an Gott?“
„Warum habt ihr Deutschen nur so wenige Kinder?“

Ich versuche dann immer, in ganz schlichten, leicht fasslichen Worten zu antworten, so gut ich kann.

Zunächst die zweite Frage, ein Gefährte aus Homs stellte sie mir: „Ich habe sechs Kinder. Und du?“ Ich nannte die Zahl meiner Kinder. Rückfrage: „Warum habt Ihr in Deutschland so wenige Kinder?“

Meine Antwort: „Für uns in Deutschland steht der Einzelne ganz im Mittelpunkt. Das Ich ist der King. Jeder und jede sucht sein größtmögliches Glück, Geld und Gesundheit. Kinder gelten in Deutschland oft als hinderlich. Eins oder zwei kriegt man meist noch mit Müh und Not unter, aber oft fehlt halt einfach in Deutschland das Geld für Kinder. Und der Job geht vor. Für mehr Kinder fehlt uns Deutschen oft das Geld. Und es fehlt oft der sichere Job.“

Meine Antwort stößt auf Zweifel, Staunen, Fassungslosigkeit bei den Menschen aus Homs, aus Lagos, aus Damaskus. Für sie sind Kinder mit das Schönste. „Ohne Kinder ist das Leben nur halb so schön.“ Nicht zuletzt stiften die Blutsbande ein unzerreißbares soziales Netzwerk. Über viele Länder hinweg reicht das Netzwerk. Jeder hilft jedem, das Wohlergehen der gesamten Familie steht im Mittelpunkt, selbst wenn ein Mitglied der Familie oder ein Teil der Familie nach Deutschland ausreist, wird doch stets materiell und auch finanziell die Verbindung in die Heimat gehalten.

Dagegen soll in Deutschland jeder einzelne Mensch ein Höchstmaß an Wohlstand, beruflichem Erfolg, gesellschaftlicher Anerkennung, körperlicher Fitness, politischer Partizipation, politischer Macht und sozialer Gleichstellung und körperlicher Schönheit erzielen. Und Kinder sind dabei in der Tat eher hinderlich. Das gilt insbesondere auch für Frauen. Die deutsche Politik legt sich mächtig in die Ruder, damit keine Frau sich gegen Kinder entscheiden muss, weil das Geld und der sichere Job fehlen. Viele deutsche Kinder wachsen dennoch in Armut auf. Aber der Sozialstaat hilft, so gut er kann. Viele sagen: Deutschland ist nicht kinderfreundlich.

Also Kinderlosigkeit bei den Deutschen aus Geldmangel! Kinderlosigkeit bei den Deutschen wegen des hohen Armutsrisikos in Deutschlands! Staunen, Fassungslosigkeit, Lachen bei den Flüchtlingen.

Was für Länder wie Syrien, Nigeria oder Jordanien das unzerreißbare, grenzüberschreitende Netz der Verwandtschaft, das ist für uns in Deutschland das unzerreißbare Netz des Sozialstaates. Er trägt und hält uns alle. Er ist der gute, der fürsorgliche Leviathan. Er ist der „sterbliche Gott“, wie ihn Thomas Hobbes genannt hat.

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„Ihr seid — SPITZE!“ Konzert der Flüchtlinge in der Notunterkunft

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Mai 172015
 

„Müht euch um das wol der Stad / in die ich euch gefürt / vnd in die ich euch verbannt habe / vnd betet für sie zum Herrn / denn wens jr wol gehet / so gehets euch auch wol.“ Seit 2100 Jahren etwa kennen die Verbannten, die Wanderer, die Schutzflehenden diesen Spruch des Jeremias. Seit 120 Jahren lautet so das Motto der Stadtmission! Das Leitwort empfing uns gestern in der Notunterkunft für Flüchtlinge, die die Stadtmission betreibt. Freunde hatten uns dorthin eingeladen, Freude brachten die Flüchtlinge uns, Freunde fanden wir dort.

Eine Traglufthalle ist aufgespannt. Sie gleicht von außen irgendwie dem Tropical Island bei Brand in der Mark Brandenburg. Eingang und Ausgang werden bewacht. Wir betreten die Halle durch eine Luftdruckschleuse. Alles ist wohlgeordnet, sauber, geregelt.

Es herrscht ein leichter Innendruck, der die sinnreiche Konstruktion, die durch Stahlgurte von außen gehalten wird, aufspannt und sicher trägt. Die Flüchtlinge verbringen in dieser großen Halle gleich nach ihrer Ankunft einige wenige Tage, ehe sie dann weiter geführt werden.

Es herrscht ein stetes Kommen und Gehen. Die Flüchtlinge sitzen, gehen, stehen, spielen Tischtennis oder Kicker, die Kinder der Flüchtlinge rennen umher, staunen uns an.

Wir stellen unser Casio-Keyboard auf, packen unsere beiden Geigen aus. Mascha gibt uns das A, Ira zieht sich das Opernsängerinnenkleid an. Ich begrüße alle in deutscher Sprache, dann geht es auch schon los mit Carl Maria von Webers Jägerchor. Wanja spielt dann den langsamen Satz aus Vivaldis Violinkonzert a-moll, Ira singt Mon cœur s’ouvre à ta voix, und das großartige Почему … Любовь … , dann folgt das Gloria patri et filio et spiritui sancto von Vivaldi. Dann der eine oder andere Tanz.

Die Kinder fangen an zu tanzen und mitzuklatschen. Einige Kinder ahmen unsere Geigenbewegungen mit Stäben und Stöcken nach. Nach und nach fangen die Erwachsenen an mitzuklatschen. Nach jeder Nummer wird der Beifall lauter. Neue Kinder kommen dazu. Der Kickertisch verwaiste, er klackerte nicht mehr, wir zogen die Kickerspieler ab zu uns her, sogar das brummende Gebläse der Traglufthalle hatte sein Brummen eingestellt. Dann spannte der Schwan von Camille Saint-Saëns als Violinsolo seine weiten weißen Flügel aus und flog durch die weite weiße Traglufthalle, als flöge er nachhaus.

„Ihr seid alle — SPITZE, ihr macht uns große FREUDE“, rufe ich zwischen den Stücken in die Traglufthalle hinein und springe dabei dalli dalli mit beiden Beinen hoch in die Luft, als wollte ich an die Decke der Traglufthalle reichen. Und zum Schluss spielen wir als Violinduett das bekannte Wiegenlied von Johannes Brahms, und dann singe ich zwei Mal mit lauter Stimme in die Traglufthalle hinein das Lied „Guten Abend gut Nacht“ in deutscher Sprache, immer in der Hoffnung, dass schon irgendwann irgendjemand dieses Lied irgendwie mitbrummen, mitsummen, mitsingen wird. „Was redest du da? Was singst du da? Sie können doch kein Wort Deutsch!“, belehrt mich ein Kind. Irrtum, Madjida unterrichtet ja schon Deutsch mit großem Erfolg – ehrenamtlich.

Jetzt verstehen sie die Worte noch nicht, aber sie verstehen doch schon den Geist, der in dieser Traglufthalle weht und bläst.

Größten Wert lege ich auf einige Gespräche mit Flüchtlingen. Ich lasse mir ihre Geschichten erzählen, blicke in dunkle, in helle, in strahlende, in traurige, fragende, zuversichtliche Augen. Augen, immer wieder Augen! Die Augen der Flüchtlinge sind tausend Fenster zum Du.

Wir stellen uns vor: der kleine Jahja, der kleine Mahmoud, der kleine Ivan, der Johannes — na, kuckstu ma hier, drei dieser Namen sind dieselben, einmal auf Arabisch, einmal auf Russisch, einmal auf Deutsch. Denk darüber nach: Übersetzbarkeit der Vornamen! [Bedenke: In der polytheistischen Antike wurden die Namen der vielen Götter ineinander übersetzt, in der monotheistischen Moderne lassen sich die Vornamen fast aller Flüchtlingskinder ineinander übersetzen.]

Großes Händeschütteln, großes Lachen, großes Abschiednehmen. So geht das Konzert der Flüchtlinge in der Traglufthalle im Gefühl großer Freude zuende.

Ich bin zuversichtlich, irgendwann werden sie, diese Kinder, diese Menschen beim Wiegenlied „Guten Abend gut Nacht“ von Johannes Brahms mitbrummen, mitsummen, mitsingen, auf Arabisch, Russisch oder Deutsch. Ist ja eh alles übersetzbar. Es ist zu schaffen. Ja, es ist möglich. Wir schaffen das.

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Spring, wenn du dich traust!

 Freude, Gemeinschaft im Wort, Kinder, Russisches, Sprachenvielfalt  Kommentare deaktiviert für Spring, wenn du dich traust!
Aug 162014
 

2014-08-13 17.06.24

Bezaubernde Augenblicke, herrliche Gespräche zwischen Jung und Alt, zwischen Russen, Ukrainern und Deutschen konnte ich wieder bei meinem letzten Aufenthalt am Fluss Moskwa in Russland erleben, der soeben zu Ende gegangen ist! Als unerschöpfliche Quelle von Kontakten und Überraschungen erweist sich wieder einmal die Tarzanka am Fluß  bei uns in Nikolina Gora. Die Kinder springen voller Wonne, voller Selbstvertrauen in den Fluss, einige klettern mit unfassbarer Behendigkeit die Stämme hoch, um das Seil mal höher, mal tiefer zu legen, je nachdem, wer gerade springt, schaukelt oder schwingt!

„Können Sie eigentlich auch springen?“, fragt mich die achtjährige Natascha. Und ihr Blick sagt: „Spring, wenn du dich traust!“  „Ja!“, erwidere ich. Aber meine Springversuche sind viel zu zaghaft, sie rufen eher Belustigung als Bewunderung hervor. Sei’s drum. Für eine Ausbildung zum echten Tarzan bin ich etwas zu alt.

Die Zukunft an der Tarzanka und an allen anderen Orten gehört  den Kindern aus Russland, Ukraine, Deutschland – aus allen europäischen Ländern, ja aus allen Ländern der Welt überhaupt. Vielleicht ist dies eine Botschaft, die ich mit nachhause bringe: Wir Erwachsenen haben kaum eine wichtigere, kaum eine schönere Aufgabe, als den Kindern ein sicheres, geborgenes Hineinwachsen in die Freiheit des Springens zu ermöglichen.

Umgekehrt versuche ich in der Datscha zu punkten beim kleinen Tima, der im Alter von 6 Jahren bereits erste Fremdsprachenkenntnisse erworben hat. Unsere Konversation läuft schon ganz gut, doch bei den Abschiedsgrüßen, die wir auf Russisch, Deutsch und Polnisch austauschen, sieht er mich plötzlich forschend, unverwandten Blicks an und stellt auf Russisch die Frage: „Können Sie eigentlich auch Englisch?!“

Ich war in der Zwickmühle. Was sollte ich antworten? Würden meine Englischkenntnisse ausreichen, um ihm das Wasser zu reichen? Ich gehe das Wagnis ein und sage: да! Und jetzt kommt der ultimative Test für mich!

Tima sagt in hellem, klarstem Englisch zu mir:  „Goodbye!“

Und stellt euch vor: Ich wusste die Antwort darauf. Ich war nicht überfordert! Das also wenigstens konnte ich.

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Mrz 112014
 

Weit ab von den Diktaten des heutigen Jugend- und Schlankheitswahns verbrachte der Kreuzberger Blogger seine Kindheit im Kreise der Geschwister und Nachbarskinder. In Grundschule und Kindergarten wurde damals fleißig von unvollkommenen, gleichwohl liebenswerten Menschen gesungen, etwa vom spannenlangen Hansel, von der nudeldicken Dirn. Vom dummen Ivan und von der faulen Liese. Vom hässlichen Aschenputtel und vom unwirschen Rumpelstilzchen, vom dummen Hans im Glück und vom fleißigen Katerlieschen.

Das war gelebte Inklusion!

Wir alle waren „spannenlange Hanseln“, wir alle waren „nudeldicke Dirnen“. Was war so schlimm daran? Dick und rund, na und? WAS ist SCHLIMM daran?

Nebenbei: Wir lernten mit derartigen lustigen, auch wohl lächerlichen Liedern die Willkommenskultur von Vielfalt (ACCEPTING DIVERSITY, wie man heute hochtrabend auf Denglisch sagt), wir lernten, dass nicht alle gleich sind und auch nicht gleich sein müssen. Wir lernten uns bewegen. Wir lernten singen. Wir lernten Rhythmus nicht über die zugestöpselten Ohren eines I-pod-Anhängsels, sondern durch Singen, Zählen, Tanzen, Spielen.

Wir lernten einwandfreies Deutsch, wir lernten Lachen, wir lernten Schütteln, Rütteln, Hupfen.

Verdient hat an uns singenden, lachenden, tanzenden Kindern niemand. Im Gegenteil, das Singen von Liedern, das Tanzen von Tänzen war kostenlos. Es gab keine Konferenzen und Kongresse zum Thema ACCEPTING DIVERSITY. Das Thema wurde gelebt, gesungen, erzählt und vorgetanzt.

WAS WAR SCHLIMM DARAN?

Spannenlanger Hansel – Kinderlieder und Singspiele | Labbé Verlag.

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Jan 282014
 

Immer wieder musste ich mich in politischen Diskussionen heftiger Angriffe erwehren, es sei mir fast nichts heilig, z.B. weder der Euro noch der Länderfinanzausgleich und auch nicht das Recht auf bezahlbaren Wohnraum usw.usw.

Die Frage „Ist Ihnen denn gar nichts heilig, nicht einmal … der Euro/der Länderfinanzausgleich/das Recht auf bezahlbaren Wohnraum  ..  … ?“ hört man immer wieder.

Was ist heilig, unverletzlich, was ist schützenswert, was ist unverletzlich? Ein beliebiges Beispiel aus der Diskussion in Europa! Am letzten Tag des Jahres 2013 führte die Zeitung Le Monde einen sehr kritischen Kommentar zur neuen Debatte über eine mögliche Änderung des Rechts auf Abtreibung in Spanien mit folgenden Worten ein (Hervorhebung durch dieses Blog):

 Si l’Espagne revendique aujourd’hui un rôle pionnier sur les droits des femmes, c’est dans la régression. Le gouvernement conservateur de Mariano Rajoy est en train d‘opérer un virage à 180 degrés sur l’avortement. L’avant-projet de la loi de protection de la vie de l‘être conçu et des droits de la femme enceinte, présenté en conseil des ministres peu avant Noël, supprime purement et simplement le droit des femmes à décider librement d‘interrompre leur grossesse. Ce droit, consacré par une loi entrée en vigueur en 2010, en autorisant l’avortement sans condition de motif jusqu’à la quatorzième semaine de grossesse, avait considérablement libéralisé la législation postfranquiste de 1985.

 

Interessant ist hier die Wortwahl! Das unbeschränkte Recht der schwangeren spanischen Frauen auf Abtreibung wurde 2010  als etwas „Geheiligtes“ (consacré)  ausdrücklich durch Gesetz bekräftigt. Das Recht auf Abtreibung wird im Leitartikel der Monde als absolut schützenswertes Gut gefeiert und mit einer eindeutig religiösen Wortwahl „umschränkt“, also „geheiligt“ (lateinisch sancire = umschränken).  Versuche, das absolute Recht der Frau auf Abtreibung in der spanischen Rechtsordnung  einzuschränken, werden von der Monde als Zivilsationsbruch, als eine Art Rückfall in die Barbarei gebrandmarkt.

Wir schließen daraus: Das Recht auf Abtreibung ist in dieser Wortwahl etwas Heiliges. Auch in säkularen Rechtsordnungen wie der spanischen oder französischen gibt es also oberste, quasi-religiöse Werte, die als absolut schützenswert erachtet, also geheiligt, oder konsekriert werden. Und dazu gehört nach wohl überwiegendem Konsens in Frankreich oder Spanien und wohl auch Deutschland das Recht der Frau, selbst über Geburt oder Nichtgeburt der Leibesfrucht zu entscheiden.

In Deutschland gehört zu den öffentlich sakralisierten Werten die Währung, früher die DM, heute der Euro, der als absolut schützenswerte Grundlage des Wohlstandes durch die Bundestagswahl 2013 erneut konsekriert wurde.

Wir dürfen sagen: Das Recht der Frauen auf Abtreibung, die Erhaltung des Euro wurden diskursiv sakralisiert. Die Selbstbestimmung der Frau über den eigenen Körper, die Erhaltung des Geldes  werden mit einem Tabu belegt, an dem kein Politiker ungestraft rütteln darf.

Was ist heilig? Der Euro, die Feierabendruhe, das Recht der Frauen auf Abtreibung?

Ich sprach vor wenigen Wochen mit einem Freund über das Thema. Er sagte mir nach einem gemeinsamen Besuch eines katholischen Gottesdienstes, in den wir  ein bisschen reingeschnuppert hatten: „Eigentlich hätte ich abgetrieben werden sollen. Mich sollte es nicht geben. Ich lag nicht richtig. Die Ärzte rieten meiner Mutter zur Abtreibung.“ Die Mutter widersetzte sich.  Sie ging zu einem anderen Arzt, der sagte: „Das kriegen wir in der Klinik schon hin.“ Die Mutter folgte dem Rat des zweiten Arztes, die Geburt verlief fast komplikationslos, der Junge wurde zu einem prachtvollen, wider Erwarten gesunden Menschen und ist mittlerweile selber Vater.

Ich kenne viele solche Geschichten. Die Leichtigkeit, mit der Ärztinnen und Ärzte heute in vielen Ländern zur Abtreibung raten, versetzt viele Frauen in eine extreme psychische Notlage. Eine mit mir bekannte  Mutter widersetzte sich einer der zahllosen Untersuchungen, die heute routinemäßig abgespult werden, sobald auch nur eine einzige Risikokategorie erfüllt wird (z.B. hier: Alter der Frau über 35). Die Frauenärztin war empört: „Sie WOLLEN also keine Amniozentese…? Ja,  Ihnen ist es wohl egal, wenn Sie ein behindertes Kind bekommen!? ICH SAG ES IHNEN NUR. Ich muss mich entlasten. Es ist Ihr Risiko.“

Die Frau erzählte mir dies. Wir waren entsetzt. Denn die Komplikationen für Leib und Leben des Embryos, die sich aus einer Amniozentese, also einer Fruchtwasserentnahme, ergeben können, lagen bei der gegebenen „Risikostufe“ statistisch  höher als das Risiko einer schweren Fehlbildung des Embryos. Die Frauenärztin setzte also die eigene „Entlastung“ über die Aussicht des Kindes, ggf. mit einer leichten oder schweren Behinderung geboren zu werden. Bei Vorliegen von Hinweisen auf eine schwere Behinderung hätte die Ärztin zur Abtreibung geraten. Nichts anderes konnte im gegebenen Fall der Sinn der Untersuchung sein. Die Frau widersetzte sich, das Kind der Risikoschwangerschaft kam mit einem APGAR-Index von 10 zur Welt, gehörte also von Geburt an zu den gesündesten überhaupt.

Von den Kindern redet schon gar niemand niemand. Von dem, was die heute übliche Behandlung des ungeborenen menschlichen Lebens als einer Verfügungsmasse der Frau bzw. schlimmer noch der „evidenzbasierten Medizin“ anrichtet, schweigen wir. Viele Kinder wachsen heute im Bewusstsein auf: „Eigentlich könnte es mich auch nicht geben.“

Tja, Freunde, was ist heilig, schützenswert? Das Geld, der Wohlstand, die uneingeschränkte Selbstbestimmung der erwachsenen Menschen über alles das, was mit und im menschlichen Organismus geschieht?

Oder gibt es da noch etwas anderes, was wir als heilig, als unantastbar, als absolut schützenswert erachten?

 Quellennachweis: Avortement: le régression espagnole. Le Monde, Mardi, 31 décembre 2013, Seite 1

http://www.lemonde.fr/a-la-une/article/2013/12/30/avortement-la-regression-espagnole_4341313_3208.html

 

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Das Labyrinth der Welt und das Lusthaus des Herzens in Böhmisch Rixdorf

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Mai 062013
 

2013-05-04 13.23.05

Labyrint světa a lusthauz srdce – das Labyrinth der Welt und das Lusthaus des Herzens. Dieses Buch des Jan Amos Komenský fiel mir vor zwei Tagen ein, als ich dankbar den Wanderweg zum Comenius-Garten in Böhmisch Rixdorf, dem heutigen Berliner Bezirk Neukölln einschlug.

Dem großen Comenius versuche ich immer wieder die Werbetrommel zu rühren! Er ist für die Tschechen das, was der große Lomonossow für die Russen ist. Ein sich vereinigendes Europa sollte nicht nur an scheppernd klingende Euros, Target-II-Salden, Defizitsünder, Geldhaus-Rettungen denken – sondern auch den Denkern und Lehrern danken! Man denke auch an die golden klingenden Taler des guten, gelingenden Wortes! Man höre sie!

Komenský war wohl einer der ersten, vielleicht sogar der erste große europäische Denker und Erzieher, der die Pädagogik ganz vom Kind her dachte – getreu dem Wort seines Meisters: Wenn ihr nicht werdet wie die Kinder, werdet ihr das Paradies des Herzens nicht erlangen.

Ganzheitliche Erfahrung, Unterweisung und Pflege nicht nur in der lingua franca, dem Lateinischen, sondern auch in der lingua materna, also in seinem Fall dem Tschechischen, sinnlich gestützte Erfahrung, … ich komme gar nicht zu Ende, wenn ich schildern soll, weshalb sich die Befassung mit Iohannes Amos Comenius heute noch für alle überzeugten Europäer in vielerlei Hinsicht lohnt!

Ein Besuch im Comenius-Garten in Böhmisch Rixdorf kann der erste Anlass dafür sein. Gerade im Mai 2013 sollte man das Tor zum Herzensparadies, zum Raj srdce, zum Orbis sensualium pictus freudig und zuversichtlich durchschreiten!

via Labyrint světa a ráj srdce – Wikipedie.

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„Wir rocken Deutschland!“ – Brauchen wir, brauchen die Kinder beliebig viele Eheformen?

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Mrz 052013
 

Wir rocken Deutschland!“ Kaum besser als in diesem Jubelruf des Bundesvorsitzenden einer bekannten Partei drückt sich das überschäumende Politikvertrauen, die nahezu kindliche Gläubigkeit gegenüber den Heilungs- und Lenkungskräften des Staates aus.

Das Kind rocken heißt auf Englisch „hin und her wiegen“. Die Politik soll das Land hin und her wiegen, soll das Land erschüttern und in den Schlaf wiegen. „Wir rocken Deutschland!“  Das ist der klassische Bevormundungsanspruch der Politik und der linken Parteien gegenüber dem rückständigen dumpfen Volk.

In diesem Sinne: Spannende gesellschaftspolitische Debatten laufen über die ehe-, familien- und steuerrechtliche Gleichstellung der Mann-Mann-Ehe und der Frau-Frau-Ehe mit der Frau-Mann-Ehe hier in diesem Lande ab. Es ist eine Auseinandersetzung, die noch einige Jährchen weitergeführt werden muss, ehe man zu Gesetzesänderungen schreitet! Ich bin überzeugt: Zu Gesetzesänderungen besteht jetzt kein dringender Anlass, außer dass das Bundesverfassungsgericht uns in der der ach so rückständigen Restgesellschaft mal wieder an den Karren fährt und das Land rockt.

Aber Vorsicht: Jeder, der sich schwertut mit der völligen Gleichstellung der Homosexuellen-Ehe mit der Mann-Frau-Ehe, muss gewahr sein, als Hinterwäldler und Ewiggestriger abgestempelt und mundtot gemacht zu werden.

Er „lässt sich nicht rocken“ von dem, was jetzt in Deutschland als cool und angesagt gilt. Ich konstatiere: Mit atemberaubender Hast werden derzeit Kernstücke der gesellschaftsprägenden, geschichtlich wirksamen Institutionen ins Unverbindliche hin ausgeweitet. Denn selbstverständlich muss jetzt auch die Frage der höchst aktuellen scharia-gemäßen Polygamie und der dann grundgesetzlich einzufordernden Polyandrie steuerrechtlich und eherechtlich besprochen werden. Davor drücken sich aber diejenigen, die Deutschland rocken. Sie liefern keine klare Definition von Ehe.

Es ist schon auffallend, dass – außer im vorchristlichen antiken Griechenland und in den christlich geprägten modernen Ländern des ehemals  lateinischen Westens – in den allermeisten Kulturkreisen die offen gezeigte und ausgelebte Homosexualität stark verdammt, ja verspottet und verboten wird, z.B. massiv in den islamisch geprägten Ländern, aber auch massivst im heutigen China und massivst gerade in diesen Tagen im heutigen Russland beispielsweise.

Die drei Europa prägenden abrahamitischen Religionen Judentum, Christentum und Islam haben jedenfalls jahrtausendelang nicht ohne Grund der Ehe zwischen Mann und Frau einen deutlichen rechtlichen und ökonomischen Vorrang eingeräumt. Im Großen und Ganzen hat sich nämlich das gesellschaftstragende Modell der Familie, bestehend in unterschiedlichsten Ausprägungen aus Vater und Mutter und Kindern weltweit als überaus tauglich erwiesen, es ist seit Menschengedenken das absolut vorherrschende Ideal der Kinder-Erzeugung und Kinder-Erziehung, auch wenn es beispielsweise in den Gemeinschaftsklöstern der Kirchen durchaus alternative Lebens- und Wirtschaftsformen gab, freilich ohne dass die Klöster auf Kinder-Zeugung und Kleinkind-Erziehung hin angelegt wären.

Was brauchen die Kinder? Auch hier spricht das Zeugnis der Jahrtausende eine eindeutige Sprache. Alle Märchen, alle Religionen, fast alle Gesetzeswerke, fast alle Psychologen, Psychiater, Kriminologen, Soziologen, Psychoanalytiker (wie etwa Sigmund Freud) und ich selbst auch kommen darin überein, dass die kleinsten und kleinen Kinder am dringendsten gute Eltern brauchen, also zumeist und zunächst vor allem eine gute Mutter und dann auch einen guten Vater. Nirgendwo gibt es Belege dafür, dass Kleinstkinder ohne eine gute Mutter leben und gedeihen können. Es gibt umgekehrt tausendfache Belege dafür, dass unvollständige, zerbrechende oder zerbrochene Familien – also insbesondere Mutterlosigkeit und Vaterlosigkeit – eine große Gefahr für das Kindeswohl darstellen können.

Ich bestreite beispielsweise, dass zwei Männer einem Kleinkind auch nur im Ansatz eine Muttergestalt, geschweige denn seine leibliche Mutter ersetzen können. Doch genau dies läge unweigerlich in der Konsequenz einer adoptionsrechtlichen Gleichstellung der Homo-Ehe mit der herkömmlichen Mann-Frau-Ehe!

Ist das schon alles? Nein! Als große, vorwärtsweisende Alternativbewegung erweist sich wieder einmal wie seit 2 Jahrtausenden das Christentum. Das Christentum ist genau die Voraussetzung für jene Umwertung aller Werte, die in diesen Jahren unter Umständen zur völligen Gleichstellung der Homo-Ehe – freilich nur im lateinisch geprägten, ehemals christlichen Westen – führen könnte.

Bei den Kirchenvätern des ersten Jahrtausends finden sich „Vorstellungen von der Kirche als Mutterschoß Christi auf Erden“.

Aus einem geistlichen Lied der unfrei Geborenen in den USA ist uns noch der Vers geläufig:

O-a-rock-a my soul
In the bosom of Abraham

Wiege meine Seele
im Mutterschoß Abrahams

Der Mutterschoß Abrahams – ein klares Ideal der männlich-weiblichen Natur des vollkommenen Menschen, der in sich den Zwiespalt von Mann und Frau überwindet.

Und Jesus selbst? Er predigte  – auch hierin seinen Zeitgenossen um mindestens zwei Jahrtausende voraus – die völlige Gleichberechtigung von Mann und Frau im Eherecht (Markusevangelium 10,12) und verglich sich gerne mit einer Mutter. Der jüdische Mann Jesus und die christlichen Kirchen ebenso vereinigen in sich also klar männliche mit klar weiblichen, ja mütterlichen Zügen.

Quelle zum Zitat „Kirche als Mutterschoß Christi auf Erden“:
Joachim Hake: Loben. Vom Warten, Lesen und Bewundern. EOS Verlag, St. Ottilien 2012, S. 159

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