Nov 122015
 

Herrliche, tiefe Gespräche führe ich immer wieder mit Männern aus verschiedenen Ländern in Afrika und Syrien und aus Libanon und aus Jordanien! Zentrale Themen sind in unseren Gesprächen – Familie, Kinder und Religion! Hurra, Kinder, Religion und Familie, drei zentrale Fragen! Und immer wieder höre ich in verschiedenen Variationen folgende zwei Fragen:

„Warum glaubt ihr Deutschen nicht an Gott?“
„Warum habt ihr Deutschen nur so wenige Kinder?“

Ich versuche dann immer, in ganz schlichten, leicht fasslichen Worten zu antworten, so gut ich kann.

Zunächst die zweite Frage, ein Gefährte aus Homs stellte sie mir: „Ich habe sechs Kinder. Und du?“ Ich nannte die Zahl meiner Kinder. Rückfrage: „Warum habt Ihr in Deutschland so wenige Kinder?“

Meine Antwort: „Für uns in Deutschland steht der Einzelne ganz im Mittelpunkt. Das Ich ist der King. Jeder und jede sucht sein größtmögliches Glück, Geld und Gesundheit. Kinder gelten in Deutschland oft als hinderlich. Eins oder zwei kriegt man meist noch mit Müh und Not unter, aber oft fehlt halt einfach in Deutschland das Geld für Kinder. Und der Job geht vor. Für mehr Kinder fehlt uns Deutschen oft das Geld. Und es fehlt oft der sichere Job.“

Meine Antwort stößt auf Zweifel, Staunen, Fassungslosigkeit bei den Menschen aus Homs, aus Lagos, aus Damaskus. Für sie sind Kinder mit das Schönste. „Ohne Kinder ist das Leben nur halb so schön.“ Nicht zuletzt stiften die Blutsbande ein unzerreißbares soziales Netzwerk. Über viele Länder hinweg reicht das Netzwerk. Jeder hilft jedem, das Wohlergehen der gesamten Familie steht im Mittelpunkt, selbst wenn ein Mitglied der Familie oder ein Teil der Familie nach Deutschland ausreist, wird doch stets materiell und auch finanziell die Verbindung in die Heimat gehalten.

Dagegen soll in Deutschland jeder einzelne Mensch ein Höchstmaß an Wohlstand, beruflichem Erfolg, gesellschaftlicher Anerkennung, körperlicher Fitness, politischer Partizipation, politischer Macht und sozialer Gleichstellung und körperlicher Schönheit erzielen. Und Kinder sind dabei in der Tat eher hinderlich. Das gilt insbesondere auch für Frauen. Die deutsche Politik legt sich mächtig in die Ruder, damit keine Frau sich gegen Kinder entscheiden muss, weil das Geld und der sichere Job fehlen. Viele deutsche Kinder wachsen dennoch in Armut auf. Aber der Sozialstaat hilft, so gut er kann. Viele sagen: Deutschland ist nicht kinderfreundlich.

Also Kinderlosigkeit bei den Deutschen aus Geldmangel! Kinderlosigkeit bei den Deutschen wegen des hohen Armutsrisikos in Deutschlands! Staunen, Fassungslosigkeit, Lachen bei den Flüchtlingen.

Was für Länder wie Syrien, Nigeria oder Jordanien das unzerreißbare, grenzüberschreitende Netz der Verwandtschaft, das ist für uns in Deutschland das unzerreißbare Netz des Sozialstaates. Er trägt und hält uns alle. Er ist der gute, der fürsorgliche Leviathan. Er ist der „sterbliche Gott“, wie ihn Thomas Hobbes genannt hat.

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„Wir rocken Deutschland!“ – Brauchen wir, brauchen die Kinder beliebig viele Eheformen?

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Mrz 052013
 

Wir rocken Deutschland!“ Kaum besser als in diesem Jubelruf des Bundesvorsitzenden einer bekannten Partei drückt sich das überschäumende Politikvertrauen, die nahezu kindliche Gläubigkeit gegenüber den Heilungs- und Lenkungskräften des Staates aus.

Das Kind rocken heißt auf Englisch „hin und her wiegen“. Die Politik soll das Land hin und her wiegen, soll das Land erschüttern und in den Schlaf wiegen. „Wir rocken Deutschland!“  Das ist der klassische Bevormundungsanspruch der Politik und der linken Parteien gegenüber dem rückständigen dumpfen Volk.

In diesem Sinne: Spannende gesellschaftspolitische Debatten laufen über die ehe-, familien- und steuerrechtliche Gleichstellung der Mann-Mann-Ehe und der Frau-Frau-Ehe mit der Frau-Mann-Ehe hier in diesem Lande ab. Es ist eine Auseinandersetzung, die noch einige Jährchen weitergeführt werden muss, ehe man zu Gesetzesänderungen schreitet! Ich bin überzeugt: Zu Gesetzesänderungen besteht jetzt kein dringender Anlass, außer dass das Bundesverfassungsgericht uns in der der ach so rückständigen Restgesellschaft mal wieder an den Karren fährt und das Land rockt.

Aber Vorsicht: Jeder, der sich schwertut mit der völligen Gleichstellung der Homosexuellen-Ehe mit der Mann-Frau-Ehe, muss gewahr sein, als Hinterwäldler und Ewiggestriger abgestempelt und mundtot gemacht zu werden.

Er „lässt sich nicht rocken“ von dem, was jetzt in Deutschland als cool und angesagt gilt. Ich konstatiere: Mit atemberaubender Hast werden derzeit Kernstücke der gesellschaftsprägenden, geschichtlich wirksamen Institutionen ins Unverbindliche hin ausgeweitet. Denn selbstverständlich muss jetzt auch die Frage der höchst aktuellen scharia-gemäßen Polygamie und der dann grundgesetzlich einzufordernden Polyandrie steuerrechtlich und eherechtlich besprochen werden. Davor drücken sich aber diejenigen, die Deutschland rocken. Sie liefern keine klare Definition von Ehe.

Es ist schon auffallend, dass – außer im vorchristlichen antiken Griechenland und in den christlich geprägten modernen Ländern des ehemals  lateinischen Westens – in den allermeisten Kulturkreisen die offen gezeigte und ausgelebte Homosexualität stark verdammt, ja verspottet und verboten wird, z.B. massiv in den islamisch geprägten Ländern, aber auch massivst im heutigen China und massivst gerade in diesen Tagen im heutigen Russland beispielsweise.

Die drei Europa prägenden abrahamitischen Religionen Judentum, Christentum und Islam haben jedenfalls jahrtausendelang nicht ohne Grund der Ehe zwischen Mann und Frau einen deutlichen rechtlichen und ökonomischen Vorrang eingeräumt. Im Großen und Ganzen hat sich nämlich das gesellschaftstragende Modell der Familie, bestehend in unterschiedlichsten Ausprägungen aus Vater und Mutter und Kindern weltweit als überaus tauglich erwiesen, es ist seit Menschengedenken das absolut vorherrschende Ideal der Kinder-Erzeugung und Kinder-Erziehung, auch wenn es beispielsweise in den Gemeinschaftsklöstern der Kirchen durchaus alternative Lebens- und Wirtschaftsformen gab, freilich ohne dass die Klöster auf Kinder-Zeugung und Kleinkind-Erziehung hin angelegt wären.

Was brauchen die Kinder? Auch hier spricht das Zeugnis der Jahrtausende eine eindeutige Sprache. Alle Märchen, alle Religionen, fast alle Gesetzeswerke, fast alle Psychologen, Psychiater, Kriminologen, Soziologen, Psychoanalytiker (wie etwa Sigmund Freud) und ich selbst auch kommen darin überein, dass die kleinsten und kleinen Kinder am dringendsten gute Eltern brauchen, also zumeist und zunächst vor allem eine gute Mutter und dann auch einen guten Vater. Nirgendwo gibt es Belege dafür, dass Kleinstkinder ohne eine gute Mutter leben und gedeihen können. Es gibt umgekehrt tausendfache Belege dafür, dass unvollständige, zerbrechende oder zerbrochene Familien – also insbesondere Mutterlosigkeit und Vaterlosigkeit – eine große Gefahr für das Kindeswohl darstellen können.

Ich bestreite beispielsweise, dass zwei Männer einem Kleinkind auch nur im Ansatz eine Muttergestalt, geschweige denn seine leibliche Mutter ersetzen können. Doch genau dies läge unweigerlich in der Konsequenz einer adoptionsrechtlichen Gleichstellung der Homo-Ehe mit der herkömmlichen Mann-Frau-Ehe!

Ist das schon alles? Nein! Als große, vorwärtsweisende Alternativbewegung erweist sich wieder einmal wie seit 2 Jahrtausenden das Christentum. Das Christentum ist genau die Voraussetzung für jene Umwertung aller Werte, die in diesen Jahren unter Umständen zur völligen Gleichstellung der Homo-Ehe – freilich nur im lateinisch geprägten, ehemals christlichen Westen – führen könnte.

Bei den Kirchenvätern des ersten Jahrtausends finden sich „Vorstellungen von der Kirche als Mutterschoß Christi auf Erden“.

Aus einem geistlichen Lied der unfrei Geborenen in den USA ist uns noch der Vers geläufig:

O-a-rock-a my soul
In the bosom of Abraham

Wiege meine Seele
im Mutterschoß Abrahams

Der Mutterschoß Abrahams – ein klares Ideal der männlich-weiblichen Natur des vollkommenen Menschen, der in sich den Zwiespalt von Mann und Frau überwindet.

Und Jesus selbst? Er predigte  – auch hierin seinen Zeitgenossen um mindestens zwei Jahrtausende voraus – die völlige Gleichberechtigung von Mann und Frau im Eherecht (Markusevangelium 10,12) und verglich sich gerne mit einer Mutter. Der jüdische Mann Jesus und die christlichen Kirchen ebenso vereinigen in sich also klar männliche mit klar weiblichen, ja mütterlichen Zügen.

Quelle zum Zitat „Kirche als Mutterschoß Christi auf Erden“:
Joachim Hake: Loben. Vom Warten, Lesen und Bewundern. EOS Verlag, St. Ottilien 2012, S. 159

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Analı babalı büyüsün (2) – Beste Bildungschancen dank flächendeckender Krippenbetreuung?

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Nov 132012
 

… und wieder ein trauriger, niederschmetternder Beleg für die Einsicht, dass nichts für die ganz kleinen Kinder wichtiger ist als der beständige, verlässliche Kontakt zu Mutter und Vater: einige Daten zur Kindheit einer Angeklagten, über die ganz Deutschland spricht. Ich will damit nichts beschönigen oder verharmlosen. Ich weise nur darauf hin, dass emotionale Verarmung eine schwere Hypothek für das gesamt spätere Leben sein kann. Im Leben fast jedes Straffälligen finden sich derartige brutale Einschnitte, Verluste der Mutter oder völliges Fehlen des Vaters. Besonders häufig ist in den Biographien von Gewaltverbrechern ein Versagen oder Fehlen des Vaters zu bemerken – etwa bei Andreas Baader oder Mohammed Merah! Hier ein Abschnitt aus der FAZ vom 07.11.2012:

http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/rechtsextremismus/beate-zschaepe-die-frau-und-der-terror-11952155.html

[…] Ob ein rumänischer Kommilitone Beate Zschäpes Vater war, wurde nie richtig geklärt; dass später ihre Triebfeder der Hass auf Ausländer wurde, ist eine der vielen bestürzenden Facetten ihrer Biographie.

Der Säugling wurde von der Großmutter in Jena betreut, kam im Alter von zwölf Wochen in die Kinderkrippe. Noch im gleichen Jahr heiratete Annerose A. einen Jugendfreund aus der Nachbarschaft, der schon vor der Hochzeit das Kleinkind zu sich holte und zusammen mit seiner Mutter betreute.

Im Sommer 1976 beendete Annerose A. das Studium in Bukarest und kam nach Jena zurück. Die Ehe zerbrach. Für das Kleinkind setzte sich die familiäre Odyssee fort. Die Mutter heiratete wieder, das Kind erhielt den Namen des neuen Mannes; auch diese Ehe scheiterte. Es war eine Kindheit ohne emotionale Sicherheit, bis auf die Bindung zur Großmutter […]

Was folgt daraus? Der Zusammenbruch der frühkindlichen Bindung, das Fehlen von Mutter- und Vaterliebe, die Trennung der Eltern sind offenbar – für sich genommen – die größten Risikofaktoren für kleine Kinder überhaupt. Das Versagen oder das Fehlen der Väter scheint für sich genommen der häufigste Auslöser für Gewalt und Kriminalität zu sein.  Kaiser Friedrich Barbarossa ließ Säuglinge in einem Experiment den Ammen, den „Müttern“, wegnehmen, um herauszufinden, welche Sprache sie sprechen würden. Das Experiment scheiterte: alle Kinder starben. Ihnen fehlte die mütterliche Liebe. Fehlende Liebe in frühester Kindheit kann zum Tod der Seele führen, kann zum völligen Mangel der Empathie führen.

Sozialpolitisch wäre es das Wichtigste, die grundlegende Erfahrung der frühkindlichen Bindung, die verlässliche Bindung an eine einzige oder einige wenige Personen als Grundbedingung für Glück und gelingendes Wachsen zu würdigen, und zwar offenbar in den Lebensjahren 0-3. Nicht Krippe, nicht Kita, nicht „soziale Gerechtigkeit“ sind das wichtigste Rüstzeug der Kinder, sondern stete, verlässliche Bindung an Mutter (oder Mutterersatz) und Vater (oder Vaterersatz).

Eine Gesellschaft wie die unsrige, eine Schule wie die unsrige, die den Kindern fast gar nichts mehr über Vater und Mutter erzählt, über das Zusammenleben von Mama, Papa und Kindern, versündigt sich an ihren Kindern und verspielt die eigene Zukunft.Es reicht nicht, alle Buben und Mädchen im Geiste Pippi Langstrumpfs zu elternlosen  Mannfrauen oder elternlosen Fraumännern zu erziehen. Kinder brauchen Eltern, und zwar als Frau und Mann.

Mozart, Zauberflöte:

Mann und Weib
Und Weib und Mann
Reichen an die Gottheit an.

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Aug 042011
 

Guten Morgen allerseits. Hier ein paar empirisch nachweisbare, schwer verdauliche Wahrheiten zum Frühstück:

Wahrheit Nummer 1: Weiterhin werden die nachweislich mathematisch falschen Statistiken des DIW weiterverbreitet, wonach jedes 6. Kind in Deutschland armutsgefährdet ist! Dahinter stecken Rechenfehler, die das DIW selbst eingeräumt hat. Weg damit in die Tonne! Selbst nach den offiziellen Kriterien ist bei korrekter Rechnung jedes 12. Kind armutsgefährdet.  In kaum einem anderen Land ist echte Armut so selten wie in Deutschland oder den skandinavischen Ländern.

Wahrheit Nummer 2: Es gibt in Deutschland einen negativ inversen Zusammenhang zwischen staatlicher Kinderbetreuung und Kinderzahl. Je besser die staatliche Kinderbetreuung ausgebaut ist, desto geringer die Kinderzahl.

Wahrheit Nummer 3: Die staatliche Familienförderung der letzten Jahre hat keinen messbaren Effekt auf die Kinderzahl gehabt. Sie hat offenbar viel gekostet und nichts gebracht.

Wahrheit Nummer 4: Größter Risikofaktor für Gesundheit und Wohlergehen der Kinder ist nicht materielle „Armut“, sondern die Trennung der Eltern oder das Fehlen des Vaters. 3 Viertel aller psychotherapeutisch behandlungsbedürftigen Kinder kommen aus Ein-Elter-Familien.

Wahrheit Nummer 5: Wenn sich allmählich als Alternative zur traditionellen IchwillSpaßundSelbstverwirklichungs-Single-Gesellschaft das innovative, moderne Leitbild der Familie (Mama und Papa samt Kindern mit Verwandtennetzwerk drumherum) durchsetzte, würden sich zahlreiche Probleme des Kindermangels, der psychischen Störungen, Probleme der demographischen Schrumpfung  und des Pflegenotstandes viel leichter lösen lassen.

Statistik: Deutschland verliert seine Kinder – Panorama – Aktuelle Nachrichten zum Thema Boulevard, TV, Prominente, Musik. – Augsburger Allgemeine

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2%! Kinder brauchen mehr Armut! Die Kultur des Weniger!

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Mai 192011
 

16052011606.jpg Nur für 2% der berechtigten Kinder wurde bisher das Bildungspaket beantragt.

Wundert das die Damen und Herren Politiker? Mich wundert es nicht.

Ich diskutiere immer wieder mit Eltern, Lehrern und Pädagogen die Probleme der heutigen Armutskinder. Es herrscht weitgehende Einigkeit: Das Hauptproblem heute liegt darin, dass die armen Kinder zu viel Kram, zu viel Geld, zu viel Ablenkendes bekommen. Sie erhalten zu wenig Zuwendung, zu wenig Zumutungen, zu wenig echte Liebe, zu wenig Strenge.

Die Kinder sind überschüttet. Nach einer mit Kindern gemeinsam vorbereiteten Zauberflötenaufführung in einer Grundschule in einem der bundesweit bekannten Armutsbezirke Berlins sahen wir einige Knaben draußen im Schulkorridor sitzen. Sie hatten ein Nokia N 97, das berühmte Slider-Handy und guckten seelenruhig Hardcore-Pornos, die sie kostenlos  aus dem Internet herunterluden.

Ich frage euch: Werden diese armen Kinder mit ihrem Nokia N 97 in der „Hauptstadt der Kinderarmut“ die Angebote kostenlosen Instrumentalunterrichtes annehmen? Pustekuchen!

In Mozarts Zauberflöte geht es für Pamina und Tamino um das Wartenkönnen, um das Bestehen von Prüfungen, für Papageno und Papagena um Kinder, „die der Eltern Segen sind“. Tamino und Pamina werden durch das Wartenmüsssen, durch das Bestehen von Prüfungen zu erwachsenen, beziehungsfähigen Menschen.

Wer überhaupt nicht mehr warten kann, wird auf Dauer beziehungsunfähig und gleitet in die Sucht ab.

Zu viel, zu früh, zu schnell! Daran leiden unsere Kinder.

Die armen Schüler von heute sehen sich einer maßlosen Fülle an Angeboten gegenüber. Sie haben eigentlich alles verfügbar: Essen, Handys, Sex, Satellitenfernsehen in beliebigen Sprachen rund um die Uhr, die berühmte Capri-Sonne (ein beliebtes Zuckergetränk), zur Not auch Alkohol und Zigaretten. Sie lernen es von früh an zu wenig sich zu konzentrieren, sie lernen es zu wenig, sich lange auf eine Aufgabe vorzubereiten.

In dieser Fülle welche Armut!„, möchte man hier ausrufen. Hier droht vor unseren Augen eine Generation an Kindern verlorenzugehen oder ist schon verlorengegangen.

Und jetzt kommt obendrein noch das Bildungspaket für Kinder in Kinderarmut!  Die armen Kinder fragen: „Wozu denn das? Ich habe doch alles!“

Nein nein, mich wundert es nicht, dass das Bildungspaket so wenig abgerufen wird.

Ich schlage stattdessen vor, dass die armen Kinder in Kita und Schule frühzeitig an kleine Entbehrungen, an kleine Prüfungen herangeführt werden. Welche? Nun, z.B. 5 km am Wandertag zu Fuß zu gehen. Von der Schule weg. Auf Schusters Rappen. Ohne Einkehr, ohne Volksbespaßung, ohne Kino, ohne Geld.

Oder: die 5 Strophen eines alten Volksliedes zu singen, etwa folgendes Lied: „Die güldene Sonne“ von Philipp von Zesen.

1. Die güldene Sonne
bringt Leben und Wonne,
die Finsternis weicht.
Der Morgen sich zeiget,
die Röte aufsteiget,
der Monde verbleicht.2. Nun sollen wir loben
den Höchsten dort oben,
daß er uns die Nacht
hat wollen behüten
vor Schrecken und Wüten
der höllischen Macht.
3. Kommt, lasset uns singen,
die Stimmen erschwingen
zu danken dem Herrn.
Ei, bittet und flehet,
daß er uns beistehet
und weiche nicht fern.4. Es sei ihm ergeben
mein Leben und Streben,
mein Gehen und Stehn.
Er gebe mir Gaben
zu meinem Vorhaben,
laß richtig mich gehn.

5. In meinem Studieren
wird er mich wohl führen
und bleiben bei mir,
wird schärfen die Sinnen
zu meinem Beginnen
und öffnen die Tür.

 Posted by at 14:56
Mai 162011
 

16052011608.jpg „… der Eltern Segen werden sein, der Eltern Segen werden sein!“ Wie, ja was? Kinder sind der Segen der Eltern. Ein schönes Wort, das mir aus unserer heutigen Aufführung der Zauberflöte in der Kreuzberger Charlotte-Salomon-Grundschule im Kopf bleibt.

„Abtreibung? Nein, aber das ist doch Sünde!“ So spricht eine Mutter in dem Film „Almanya – Willkommen in Deutschland“ ihrer Tochter ins Gewissen, die ohne Trauschein „zur Unzeit“ schwanger geworden ist – obendrein mit einem Engländer! Mozarts Zauberflöte und die türkische Mama in Almanya kommen darin überein, dass Kinder der Segen der Eltern sind. Die absolute Hochschätzung des Lebens spricht aus Mozarts Zauberflöte ebenso wie aus der kategorischen islamischen Ablehnung der Abtreibung.

Leider wird das Kinderkriegen in der deutschen Gesellschaft fast ausschließlich als pekuniäres Problem gesehen. Es gibt fast keine relevante gesellschaftliche Kraft, die Elternschaft und Familie als Wert preist, die den Mut hätte, junge Erwachsene zum Familiengründen und zur Elternschaft zu ermutigen. Keine deutsche Partei traut sich, eindeutig die Familie als Lebensform zu rühmen.

Kein Wunder, dass alle Versuche, durch sozialtechnische Maßnahmen die deutsche Geburtenrate zu heben, gescheitert sind. Weder mit Geld noch mit besserer Kinderbetreuung lassen sich Menschen bewegen, Kinder in die Welt zu setzen.

Ich halte dies sogar irgendwo für gut. Es zeigt, dass der Staat durch monetäre und sozialpolitische Anreize etwas so Fundamentales wie das Zeugen und Erziehen von Kindern nicht beeinflussen kann.

Umgekehrt ist niemand so von allen guten Geistern des heute üblichen hemmungslosen Opportunismus verlassen, die weit über 120.00 Abtreibungen, die pro Jahr in Deutschland vollzogen werden, als großes Unglück darzustellen. „Nehmen Sie nie das Wort Abtreibung in den Mund, lassen Sie bloß die Finger von dem Thema!“, ist ein Ratschlag, den man jeder Jungpolitikerin ins Stammbuch schreiben muss. „Letztlich muss das Kind in MEINE Lebensplanung hineinpassen, ICH muss letztlich selber entscheiden, ob ICH das Kind haben will oder nicht.“ So in etwa denken viele, mit denen ich gesprochen habe.

Hiermit hat sich die Gesellschaft schon recht weit von jener absoluten Schutzwürdigkeit des menschlichen Lebens entfernt, wie sie etwa der römische Kaiser Konstantin 318 vertrat, der die in der gesamten Antike durchaus übliche Kindstötung durch den Vater verbot. Für Konstatin genoss das neugeborene Kind ein Recht auf Leben, das nicht von Zustimmung oder Ablehnung des Erzeugers abhing. Der römische Kaiser war der Meinung, dass alle Kinder ein Recht auf Leben hatten – unabhängig davon, ob sie in die Lebensplanung des Vaters hineinpassten oder nicht.

 Posted by at 18:36

Kultureller Reichtum für alle Kinder statt „Kinderarmut“!

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Mai 132011
 

affe-in-waldsieversdorf-011.jpg Ein Wort, bei dem ich nur noch laut auflachen kann, ist das Wort „Kinderarmut“. Es wird so getan, als hätten die Kinder in Berlin, „der Hauptstadt der Kinderarmut“, zu wenig Kram, zu wenig Geld, zu wenig Zerstreuung, zu wenig Hab und Gut. Ein leider fest verwurzelter, wirklich nur noch lachhafter Unsinn! Eine jener grandiosen Dummheiten, die unauslöschlich die politische Debatte durchziehen! Oder sagen wir es mal so: Es gibt in der Tat eine große kulturelle Öde, eine geistige Kinderarmut, ausgelöst durch materielle Überversorgung, durch den Versorgungs- und Verschwendungsstaat, genannt Bundesrepublik Deutschland. Die armen Kinder kommen vor lauter Fernsehen, Computer, Wii und Nintendo nicht mehr in Kontakt mit dem „Reichtum“ der Kultur.

Ich meine im Gegensatz dazu:

Alle Berliner Kinder sollen frühzeitig mit großen Leitwerken und Leitwerten der europäischen und orientalischen Kulturen bekannt gemacht werden. An den Berliner Schulen ist leider ein äußerst zaghafter Umgang mit den großen europäischen und den orientalischen Kulturen der vergangenen Jahrhunderte zu beklagen, als hätten die Schulen Angst, den Kindern etwas anzubieten, was nicht vollständig den Wertvorstellungen und mehr oder minder erleuchteten geistigen Moden des Jahres 2011 entspricht. 

Die Kinder, aber vor allem die männlichen Jugendlichen wachsen bei uns in einer Öde, in einem kulturellen Vakuum heran, das dann von elektronischen Medien aufgefüllt wird. Die Kinder sind völlig wehrlos im Griff der kommerziellen Pop-Kultur und der glitzernden Verheißungen der Warenwelt.

Riesige Themenbereiche scheinen mittlerweile völlig ausgeklammert zu werden, so etwa die Fabeln und Märchen, die Gedichte der klassischen Autoren (soweit für Kinder fasslich), die Mythen und Sagen, die Religionen und die Motive der mündlichen Erzählung, des Singens und des Tanzens.

Die Schulen berauben die Kinder in ihrer prägbarsten Phase des Zugangs zu den reichen Quellen unserer europäischen und orientalischen Kulturen. Das muss sich ändern. Deutschland und Europa dürfen in den Berliner Schulen nicht als blinder Fleck erscheinen. Warum sollen Grundschulkinder nicht bereits erfahren, wer Odysseus oder Sindbad der Seefahrer waren? Warum sollten sie nicht wissen, dass der arabische Burâq unserem griechischen Kentauren entspricht? Warum sollten sie nicht Goethes „Ein großer Teich war zugefroren“ oder Schillers „Kraniche des Ibykus“ lesen und auswendig lernen? Warum nicht Heines „Ich weiß nicht, was soll es bedeuten“ singen? Warum nicht Teile aus Mozarts Zauberflöte oder Bachs Matthäuspassion hören und mitsummen?

 Posted by at 11:26

Diagnose: Testeritis frenetica, oder: Sollen Berliner Kinder noch richtig gutes Deutsch lernen?

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Mai 132011
 

affe-in-waldsieversdorf-001.jpg Groß ist das Jammern und Klagen in diesen Tagen über den VERA-Vergleichstest! „Zu schwer“, „die Kinder kennen kaum 700 Wörter und sollen jetzt den Test schreiben?“, stöhnen die Lehrer. Nun, ich kenne die Tests, mein vorwiegend russisch erzogener Mit-Migrationshintergrund-Sohn schreibt ihn dieses Jahr zum zweiten Mal mit.

Mein Gesamteindruck von VERA: der Test für die dritte Jahrgangsstufe orientiert sich an dem, was die Generation der heutigen Lehrer und Kultusbeamten in ihrer eigenen Schulzeit etwa am Ende der ersten Klasse beherrschte. Im Test wird also vorausgesetzt oder erwartet, dass die Berliner Kinder heute in der dritten Jahrgangsstufe etwa so gut Deutsch können wie vor 20 oder 30 Jahren die Lehrer am Ende der ersten Klasse. Eine fromme Hoffnung! Eine wortreich beschwiegene, von den Berliner Parteien nicht einmal ansatzweise erkannte Tatsache der Berliner Schulwelt ist: Große Teile der nachwachsenden Generation lernen bis zum Ende der Schulzeit nicht mehr richtig Deutsch. Wer das nicht anerkennt, kennt Kreuzberg, Wedding, Schöneberg, Spandau, Lichtenberg, Tiergarten, Neukölln nicht. Lest einen beliebigen Abschnitt aus einer beliebigen Jammerarie:

mobil.morgenpost.de
Marion Hein, Deutschlehrerin an der Sonnen-Grundschule, findet den Text zu anspruchsvoll für ihre Schüler. „Sie müssen nicht nur die verschiedenen Vogelarten bis zur Lerche kennen, sondern auch noch verstehen, dass den Tieren in der Fabel menschliche Eigenschaften zugeschrieben werden“, sagt sie. Diese Übertragung schaffen die Kinder noch nicht, meint sie. Zudem sei ihre Erfahrungswelt in der Natur oft sehr begrenzt. Als sie mit ihrer Klasse zum ersten Mal im Zoo war, dachten einige Kinder, die Affen seien große Eichhörnchen, erzählt die Lehrerin. Die meisten Eltern seien arbeitslos. Nur selten kämen die Kinder aus dem Neubaugebiet am Dammweg heraus.

Also, wir halten fest: Die Berliner Kinder kennen am Ende der dritten Klasse keine Fabeln. Sie wissen nicht mehr, worum es in einer der bekannten Tierfabeln geht, wie sie in den europäischen und orientalischen Kulturen seit etwa 2 Jahrtausenden gang und gäbe waren. Obwohl Tiere auch im heutigen Leben der Stadtkinder allgegenwärtig sind – etwa in Gestalt von Hunden und Katzen, aber zunehmend auch in Gestalt von Füchsen, Mardern, Eichhörnchen, Tauben, Ratten, Fischen, Spatzen, ja sogar Wildschweinen, lernen die Kinder nicht mehr, dass wir Menschen uns seit Jahrtausenden in den Tieren widerspiegeln und ihnen menschliche Eigenschaften zuschreiben.

Der „böse“ Wolf, das „sanfte“ Lamm, der „stolze“ Adler. Wolf, Lamm, Adler: unwillkürlich erscheinen uns diese Tiere als böse, sanft, stolz. Die Berliner Kinder heute kennen am Ende der dritten Jahrgangsstufe das Wort böse sicherlich noch, aber „sanft“ und „stolz“ sind ihnen meist schon spanische Dörfer. Redet mit ihnen!

Ich bedaure es sehr, dass die Berliner Parteien nicht zu erkennen geben, dass sie sich des Problems  der mangelhaften Deutschkenntnisse der Mehrheit der Berliner Kinder überhaupt bewusst sind. Außer einer  Testeritis frenetica fällt ihnen wenig ein. Es fehlt in Berlin und Brandenburg an jedem tauglichen Modell zur Unterrichtung in Deutsch als Zweitsprache!

Die Grundschullehrer sind sich selbst überlassen. Der Test VERA – oder vielmehr die Klagen der Lehrer über VERA – decken dies schonungslos auf.

Hier stehen wir deutschkundigen Eltern in der Verantwortung. Wir müssen die Berliner Parteien aufrütteln und kräftig durchschütteln! Ich persönlich habe dies vor einer Woche im Hotel Estrel mit schwachen Kräften versucht. Das Echo war mau, oder sagen wir: sanft.

Bild: ein Affe in Waldsieversdorf

 Posted by at 10:43
Jan 162011
 

13102008.jpgDer Tagesspiegel bringt heute auf S. 9 aus der Feder Barbara Kerbels einen insgesamt zutreffenden Frontbericht von der Schule.

Leserdebatte: Worunter leiden Berlins Schulen? – Schule – Berlin – Tagesspiegel
Noch nie standen Lehrer so stark unter Druck und unter Beobachtung. Noch nie haben sich Eltern so entschieden und gründlich in den Schulbetrieb eingemischt. Wie Lehrer sein sollen, wie sie mit unseren Kindern umzugehen haben – das meinen alle beurteilen zu können. „Lehrer ist ja quasi jeder“, sagt Ralf Treptow, Direktor des Rosa-Luxemburg-Gymnasiums in Pankow.

Ich neige der Ansicht zu, dass auch hier – wie an so vielen Stellen – Überversorgung das Problem ist.  Überversorgung erzeugt Anspruchshaltung.  Meine Generation – also die jetzige Elterngeneration –  hat doch nie ernsthaft um etwas kämpfen müssen, z.B. um kostenlose Schulbildung bis zum Abitur für jeden. Wir schätzen all das, was der Staat uns „schenkt“, zu wenig. Im Gegenteil! Die staatlichen Bildungsangebote werden oftmals als unzureichend abqualifiziert – um noch mehr verlangen zu können.

„Du Staat – erziehe uns unsere Kinder in allem: Pünktlichkeit, Sauberkeit, Höflichkeit, Respekt!“

Man vergleiche unsere Luxus- und Lotter-Lage etwa mit der Lage der „illegalen“, vom Schulbesuch ausgeschlossenen Roma-Kinder in Berlin – auch hierüber berichtet der Tagesspiegel heute auf S. 12!

 Posted by at 16:52
Dez 152010
 

Guter Beitrag von Ahmet Toprak! Das entspricht auch meiner Wahrnehmung. Weder der Staat noch die Schule sind Ursache des Problems, sondern in aller Regel das Fehlen väterlicher Vorbilder.

Wenn  Jungs einen guten, vorbildlichen Vater haben, werden sie meist nicht zuschlagen.

Ahmet Toprak über jugendliche Migranten: „Sie sind fasziniert von dieser Macht“ – taz.de
Was läuft in diesen Familien ab?

Häufig gibt es Arbeitslosigkeit, Alkoholprobleme, fehlende Kommunikation. Die Eltern sind schlechte Vorbilder: Der Vater schlägt die Mutter oder umgekehrt, die Kinder beobachten das. Sie sind fasziniert von dieser Macht.

Ist der Vater das Problem?

Der Vater ist bei häuslicher Gewalt häufig der Täter. Man darf aber auch die Geschwister nicht vergessen: Es kommt auch vor, dass der große Bruder den kleinen schlägt.

Die Väter in solchen Familien haben häufig Probleme, ihr Leben auf die Reihe zu bekommen. Untergräbt das nicht ihre Autorität?

Genau darum geht es. Die Väter versuchen mit Gewalt ihre Autorität durchzusetzen, obwohl sie häufig von den Kindern abhängig sind: Die übersetzen und können sich viel besser in der deutschen Gesellschaft bewegen.

Der Vater vermittelt also ein Männlichkeitsbild, das er gar nicht erfüllt. Warum machen die Söhne das mit?

Die Jugendlichen machen häufig eine Gratwanderung: Sie dulden dieses Bild, bis sie erwachsen sind, und gehen dann aber den eigenen Weg.

 Posted by at 15:59
Nov 182010
 

17112010065.jpg Gestern war ein schöner Tag. Am Nachmittag führten meine Frau, einige Kinder und ich in der Lomonossow-Grundschule die Zauberflöte  von Mozart auf. Ich durfte wie ein echter Theaterdirektor das Schauspiel ankündigen, die Puppe des Tamino und der Pamina führen und zusammen mit meinem braven Weib Irina die Handlung erzählen. Die Kinder lachten unglaublich viel. Wir besprachen gemeinsam Fragen von Gut und Böse. Wir fanden heraus, dass es uns allen freisteht, das Gute zu wählen.

Am Abend radelte ich zu der Sitzung des ADFC-Bezirksrates. Wir besprachen wichtige Themen. Ich habe viel gelernt. Manche eigene Ansichten habe ich überprüft und geändert. Das gemeinsame Ziel, den Radverkehr in Berlin zu fördern, verbindet und eint uns. Das Amt des Sprechers des Bezirksrates gab ich mit Ablauf meiner zweiten Amtszeit im besten Einvernehmen an Annette Schlipphak weiter.

Lomonossow-Grundschule zu Berlin :: Private deutsch-russische Lomonossow-Grundschule zu Berlin

 Posted by at 15:16

„Christian gehört nicht zu uns“, oder: Brauchen Jungen Jungenförderung?

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Nov 102010
 

10112010052.jpg Die Ahnung trog uns nicht: Ministerin Schröder hat in einigen ihrer Äußerungen so sehr ins Schwarze getroffen, dass Frau Schwarzer fast nichts anderes übrigblieb als zu beißen und um sich zu schlagen. Der Blogger hat mittlerweile das Interview im aktuellen SPIEGEL, Seite 54-58 gelesen.

Viele springen jetzt fuchsteufelswild umher, als hätte Kristina Köhler verlangt, der Staat solle Familie und Ehe schützen, oder gar, die staatliche Gemeinschaft solle Familie und Ehe unter ihren besonderen Schutz stellen. Das wäre in der Tat ein radikaler Dissens vom herrschenden Zeitgeist gewesen, das wäre für eine amtierende Familienpolitikerin sehr gefährlich gewesen. Das wäre geradezu tollkühn gewesen. Als hätte sie verlangt, man solle Ehe und Familie als tragende Stützen oder Keimzelle einer Gesellschaft anerkennnen!

Mädchen, Weiber, Frauen: Das tut sie doch gar nicht! Also braucht frau sich eigentlich über diese Meinungsäußerungen nicht so aufzuregen. Statt dessen sagt Kristina Schröder sehr „zustimmungsfähig“ auf die Frage, ob der Feminismus die Frauen unterm Strich glücklicher gemacht habe:

„Ich glaube, dass der frühe Feminismus teilweise übersehen hat, dass Partnerschaft und Kinder Glück spenden.“

Was regt ihr euch auf? Ist das nicht ganz lieb formuliert? Das ist doch genau die herrschende Grundhaltung: Jeder und jede soll vorrangig nach seinem oder ihrem Glück streben. Für manche gehören zum eigenen Lebensglück Partnerschaft und Kinder, für manche eben nicht. Der Staat soll dann die Mittel für jede einzelne, für jeden einzelnen bereitstellen, ein Maximum an privatem eigenen Glück zu erzielen.

Darum geht es. Der Staat dient nach Meinung der großen Mehrheit der Bevölkerung dazu, für privates Glück bei jedem einzelnen Menschen zu sorgen, vorrangig durch Leistungen, durch Geld, durch Ansprüche, die jeder einzelne gegen den Staat geltend machen kann.

Was Kristina Schröder über fehlende männliche Vorbilder sagt, über die Verweiblichung der gesamten Pädagogik, über das unzureichende Männlichkeitsbild, das unseren Jungen angeboten wird, über den nicht nur körperlichen, sondern auch psychischen, nicht nur kulturell erzeugten, sondern vermutlich auch genetisch verankerten Unterschied zwischen Jungen und Mädchen, findet meine volle Zustimmung.

Kristina Schröder hat DAS große Problem der Jungen zutreffend erkannt und benannt. Allerdings unterscheide ich mich von Ministerin Schröder insofern, als ich sage:

Jungen brauchen keine Jungenförderung, sondern sie brauchen Väter – oder mindestens väterliche Vorbilder, an denen sie sich orientieren, an denen sie sich abarbeiten, an denen sie reifen, gegen die sie rebellieren können!

Ich habe daraufhin etwa das schulische Lesebuch meines achtjährigen Sohnes durchgeschaut: Welches Familienbild, welches Männlichkeitsbild wird vermittelt? Die Antwort: Mädchen sind körperlich genauso stark wie Jungen, Mädchen können die Jungen sogar im Raufen besiegen. Jungen interessieren sich genauso sehr für Pferde, rosa Hüpfbänder und Puppen wie Mädchen sich für Kräne und Eisenbahnen interessieren. Eine Mutter mit grünen Haaren ist eine ganz normale Mutter.

Und: „Christian gehört nicht zu uns.“ Christian ist der Name eines Vaters, der sich von seiner Familie getrennt hat. Die Mutter untersagt Annika den vertrauten Umgang mit dem Vater mit genau diesem Satz: „Christian gehört nicht zu uns.“ Annika soll sich nach dem Willen der Mutter kein Bild vom Vater machen! Gefunden im 2007 erschienenen Lesebuch „Bausteine Lesebuch“ für Klasse 3, S. 21.

„Jungenförderung“ entspricht übrigens noch weitgehend dem vorherrschenden Steuerungsmodell der Politik: Die staatlichen Machthaber erkennen ein Defizit und bieten Mittel an, dieses Defizit, diese Benachteiligung  zu beseitigen. So stellen beispielsweise Migranten eine benachteiligte Gruppe dar: der Staat hilft ihnen durch besondere Unterstützung. Die Jungen sind strukturell  benachteiligt – der Staat gleicht aus. Die Frauen sind strukturell benachteiligt – der Staat hilft und gleicht aus. Man könnte auch sagen: Nationale Minderheiten, wie etwa muttersprachliche deutsche Kinder sind in Neuköllner Grundschulen strukturell benachteiligt, denn das gesamte Unterrichtsgeschehen wird auf die Bedürfnisse der migrantischen Kindermehrheit zugeschnitten.

Der Staat muss also etwas für die wenigen verbleibenden deutschen Kinder in Neuköllns Grundschulen tun, etwa durch Integrationsmaßnahmen für deutsche Kinder, Sonderförderung zum Erlernen des türkischen oder arabischen Akzents, kostenlose Besuche in Bräunungsstudios usw.

Ihr seht: Der Benachteiligungen ist kein Ende! Der Staat muss überall fördernd eingreifen!

Das könnte etwa für die Jungenförderung bedeuten: Vermehrte Einstellung von Männern als Lehrer oder Erzieher, Männer-Zuschlag für Männer, Vätergeld, Väterurlaub usw. Die Politik entdeckt eine benachteiligte Gruppe, in diesem Fall also die Jungen und die Männer, und verteilt staatliche Mittel im Sinne eines Lenkungseffektes um, bis 50% aller Lehrer männlichen Geschlechts sind.

Das klingt absurd und ist es auch.

Weit besser ist die Anregung Kristina Schröders, sich schulische Texte durchzusehen und zu fragen: Was wird den Jungen geboten?

Ich habe diese Übung mit einigen Schulbüchern für Deutsch, Sachkunde und Ethik gemacht. Ergebnis: Verheerend! Niederschmetternd! Es gibt keine funktionierende Familie mit Mutter und Vater mehr in Berlins Schulbüchern. Es gibt überhaupt keine männlichen Vorbilder mehr.

Heiße Leseempfehlung zum Interview mit Kristina Schröder: Bausteine Lesebuch 3. Herausgegeben von Siegfried Buck. Bildungshaus Schulbuchverlage Westermann Schroedel Diesterweg Schöning Winklers GmbH, Braunschweig  2007, S. 21

Frauenbewegung: Ministerin Schröder rechnet mit Feminismus ab – SPIEGEL ONLINE – Nachrichten – Politik

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Sep 012010
 

So, damit kommen wir der Sache näher: Fast niemand der Befragten aus dem Goethe-Gymnasium kannte bei der Befragung durch die hartnäckigen Hart-aber-fair-Spürhunde das Gedicht „Wanderers Nachtlied“ von Goethe.

Thilo Sarrazin, der in der Runde saß und höchst achtbar seinen Mann stand, war sichtlich traurig darüber. Ich glaube, nichts hat ihn mehr getroffen und betrübt als diese Befragung der Schüler und Lehrer des Goethe-Gymnasiums, bei der Abiturienten und Lehrer nichts von diesem herrlichen Nachtlied wussten, das Franz Schubert so herzbewegend vertont hat.

Das also ist des Pudels Kern! Die Deutschen vergessen ihre große, ihre überragende Kultur, die weltweit in den Konzertsälen und Bibliotheken gelehrt und verehrt wird. Weltweit: außerhalb Deutschlands. Und deshalb hegen viele Deutsche die Angst, das Land könnte sich abschaffen.

Sie sind das status-unsichere Volk schlechthin! Incertitude allemande! Ich halte diese kulturelle Amnesie der Deutschen für höchst gefährlich. Denn sie kann in politische Instabilität umkippen.

Kaum etwas hat mich in den letzten Monaten stärker bewegt als unsere Elternkonzerte für die Kinder der Fanny-Hensel-Schule in Kreuzberg (Migrantenquote: 98%), als wir uns etwa über den Freischütz von C.M. von Weber unterhielten. Und eins unserer „libanesischen“ Mädchen sang den Jägerchor nach – ohne Scheu, taktsicher, mit herrlichem klaren Trallala. Es geht doch! Die muslimischen Kinder sind hungrig, sind wach, kennen keine Scheu vor der großen europäischen Kultur.

Unsere Kinder wollen und suchen das Schöne, das Wahre, das Gute. Sie haben ein Recht darauf. Sie haben ein Recht darauf, sehr früh, ab Klasse 1 mit Mozarts Zauberflöte bekanntgemacht zu werden. Sie haben ein Recht darauf, fragen zu dürfen, ob die Königin der Nacht gut oder böse ist.

Also muss die Schule ihnen diese Schätze auch bieten.

Ein Jammer, dass unsere Schulen so wenig weitergeben, weiterschenken von dem, was wir Deutsche zu bieten haben.

Nur wer gibt, kann auch nehmen.

Zum unverzichtbaren Kernbestand der deutschen Kultur rechne ich persönlich neben etwa zwei Dutzend Gedichten Goethes seinen Faust, rechne ich Musik Bachs und Mozarts, Kenntnisse über klassische deutsche Literatur, Geschichte ab etwa 1000 (nicht nur 1933-1945), Musik, Geographie. Beethoven! Brahms! Das sind Kontinente des Deutschen. Wenn unsere jungen  Leute diese Kontinente nicht mehr erfahren, dann gute Nacht, Deutschland!

Man sollte wissen, wer Immanuel Kant war und was er ungefähr gewollt hat. Man sollte mit Namen wie Adenauer, Karl der Große, Hitler, Rosa Luxemburg, Freud, Marx etwas anfangen können. Und Goethe, immer wieder Goethe! Goethe mehr denn je, denn er hält uns Deutschen den Schlüssel zum Verständnis des Islams in der Hand!

Weil sie keinen Goethe, keinen Friedrich Schiller mehr  kennen, sind sie taub für die Wortmusik eines Hafis oder Rumi. Und sie sind taub für Shakespeare.

Weil sie keine Bibel kennen, verstehen sie – die Deutschen – die Muslime nicht.

Weil sie Grimms Märchen nicht pflegen, sagt ihnen 1001 Nacht auch nichts mehr.

Gerade lese ich den Kinderkoran Lamya Kaddors mit großem Gewinn und großer Freude. Warum enthalten unsere Schulen den Kindern die großen Menschheitsgeschichten einer Maryam/Maria, eines Josef/Yusuf, eines  Moses/Musa, eines Isa/Jesus, eines Abraham/Ibrahim vor?

Auch dieser Fehl gehört zum kulturellen Gedächtnisverlust!

Weil die Deutschen ihre eigene Herkunft nicht pflegen, interessieren sie sich auch nicht für die Herkunft der Zuwanderer. Wer in Deutschland kennt schon türkische Dichter oder arabische Philosophen?

Es herrscht Ödnis. Wüste.

Weil sie schludrig mit ihrer eigenen Sprache umgehen, wollen auch andere Menschen sie nicht lernen.

Weil die Deutschen sich ihrer eigenen kulturellen Herkunft nicht vergewissern, haben sie Zukunftsangst. Deshalb hat Sarrazins Buch so viel Erfolg. Es rührt an die tiefe kulturelle Unsicherheit der Deutschen.

Das sehe ich in allen Schulen, das bemerke ich auf Schritt und Tritt bei Gesprächen. Sie reden über Mieten in Mallorca, über das neueste i-Phone, über die Bundesliga. Nichts gegen Mieten in Mallorca, i-Phones, Bundesliga – aber das kann nicht alles sein.

Wir können die Zuwanderer nur aufnehmen, wenn wir das Schöne und Große unserer Herkunft mit ihnen teilen lernen.

Sonst ruhen wir allzu balde.

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Von Vorbildern lernen – Schulgelöbnisse einführen – Herkunftskulturen integrieren!

 Europäisches Lesebuch, Integration, Integration durch Kultur?, Kinder, Religionen, Sprachenvielfalt, Vorbildlichkeit  Kommentare deaktiviert für Von Vorbildern lernen – Schulgelöbnisse einführen – Herkunftskulturen integrieren!
Apr 072010
 

Mittlerweile habe ich meine Anregungen für den Integrationskongress der Berliner CDU, der am 13.04.2010 stattfinden wird, schriftlich eingereicht. Zu den Vorschlägen, die ich unterbreite, gehören auch folgende:

 Zeichen der Zugehörigkeit setzen!

Jede Berliner Schule sollte allen Kindern ein äußeres Zeichen der Zugehörigkeit anbieten. Das kann ein Schulpullover sein, das kann und soll ein Schulwimpel sein, das kann und soll eine Schulhymne sein. Auch ein regelmäßiges Schulgelöbnis nach dem Vorbild des türkischen Türküm, doğruyum, çalışkanım  ist empfehlenswert.

Mit solchen Symbolen des Dazugehörens wird laut und deutlich verkündet: “Du gehörst dazu. Jede, die den Schulpullover trägt, ist eine von uns! Jeder, der den Schulwimpel trägt, ist einer von uns!”

Kulturelle Erfahrungsräume an den Schulen schaffen!

Berlins Schülerinnen und Schüler aus Zuwanderungsländern wachsen heute vielfach in einem kulturellen Vakuum auf. Die kommerziellen Medien der Unterhaltungsindustrie (arabisches und türkisches Fernsehen, Internet, Spiele) bestimmen neben oftmals überforderten oder vernachlässigenden Eltern ihre Vorstellungswelt. Da der Staat Angst davor  hat, die Lernenden durch die Zumutungen der großen Werke zu verlieren, verzichtet er – im Gegensatz zu Schulsystemen des Nahen und Mittleren Ostens – fast völlig auf die frühzeitige Vermittlung der großen, zeitüberdauernden Namen. Von herausragender Bedeutung für gelingende Integration ist jedoch die Anerkennung und Pflege des kulturprägenden  Erbes der beteiligten Kulturen. Die herausragenden Leistungen der deutschen und der europäischen Kulturen, etwa die Werke Homers, Platons, Johann Sebastian Bachs, Johann Wolfgang Goethes und Immanuel Kants sollen von der Grundschule an gezeigt, erschlossen, gepflegt  und anempfohlen werden. Dazu sollen Kenntnisse der wichtigen Werke aus den Herkunftsländern treten, etwa die Werke Mevlanas oder die Gedichte Hafis‘.

Die Texte in den Schulbüchern spielen heute vorwiegend in einem neutralen Umfeld. Sie sollten jedoch reiches, wiedererkennbares Material aus den  kulturellen Erfahrungsräumen Deutschlands und der Herkunftsländer anbieten.

Soweit meine Anregungen.

Interessant: Die taz berichtet heute über die erste afrozentrische Schule in Kanada. Selbstverständlich wird dort größter Wert auf Englisch und Französisch gelegt. Aber daneben sollen die Kinder auch ein paar Brocken Suaheli lernen. Dort, an der Kanadischen Schule, machen sie bereits jetzt genau das, was ich für Berlins Schulen vorschlage: Klarer Akzent auf das Vorbild „großer Männer und großer Frauen“, Pflege der Hochkultur der beteiligten Länder – selbstverständlich in den Landessprachen Englisch und Französisch, Schulgelöbnis, klare Selbstverpflichtung zu bestimmten Tugenden wie Fleiß, Leistung, Wettbewerb. Jeden Morgen singen die Kinder die kanadische Nationalhymne. Ich denke, es wäre wichtig, dass auch die Berliner Kinder im Einwanderungsland Deutschland recht häufig die deutsche Nationalhymne sängen. Nicht auf Suaheli, nicht auf Arabisch, sondern auf Deutsch. Es muss nicht jeden Morgen sein wie im vorbildlichen Einwanderungsland Kanada. Und daneben sollten alle Kinder im Unterricht auch etwas über arabische, über armenische, über türkische Kultur erfahren. Bitte kein kulturelles Niemandsland aufkommen lassen – wie es heute besteht.

So läuft es. So kann es auch bei uns in Berlin laufen. Ist das denn alles so schwer?

 Positives Umfeld: Kanadas schwarze Schule – taz.de
Die Kinder sollen von Vorbildern lernen. An den Wänden hängen Bilder von berühmten Zeitgenossen afrikanischer Abstammung – Nelson Mandela etwa oder Michaëlle Jean, der in Haiti geborenen Generalgouverneurin Kanadas. Das Curriculum folgt den Richtlinien der Provinz Ontario, deren Hauptstadt Toronto ist. Doch Rektorin Hyman-Aman und das Lehrerkollegium versuchen, so viel afrikanische Elemente wie möglich in den Schulalltag zu integrieren. Die Kinder lernen afrikanische Tänze, ein paar Brocken Suaheli und können nach der Schule trommeln lernen. Sooft es geht, lesen sie Bücher schwarzer Autoren im Unterricht und studieren afrikanische Geschichte. Traditionelle afrikanische Spiele werden in den Mathematikunterricht integriert.

Nach der kanadischen Nationalhymne singen die Schüler jeden Morgen die von einem Afroamerikaner Anfang des 20. Jahrhunderts geschriebene schwarze Nationalhymne „Erhebt alle Stimmen und singt“. Jeden Tag schwören die Kinder bei der Schulversammlung, stets ihr Bestes zu geben.Wir wollen, dass die Kinder die Führer von morgen werden. Sie sollen nicht nur über ihre Herkunft lernen, sondern Wissen über die ganze Welt erlangen und lernen, wo ihr Platz darin ist, was sie tun können, um Dinge zu ändern„, sagt Hyman-Aman.

 Posted by at 15:18
Jan 252010
 

Liest man unsere Boulevardpresse von taz bis BZ, so stellt sich als ein gesichertes Ergebnis heraus: Es gibt keine faulen Menschen, es gibt keine Faulheit! Es gibt keinen Fleiß, es gibt keine fleißigen Menschen! Immer sind die Verhältnisse an allem schuld: Die Kulturen der Herkunftsländer. Die Kultur oder Unkultur des Ziellandes. Die Großfamilien, die Kleinfamilien. Die Alleinerziehenden. Der Reichtum. Die Armut. Die zerbrechenden Familien. Die zusammengluckenden Familien.  Die Sippen. Die Vereinzelung. Für das Scheitern finden sich immer tausend Gründe.

Rotterdam, Neukölln, Paris, London – überall haben die Stadtväter und Stadtmütter alle Hände voll zu tun, um passende Strukturen für das wachsende und wuselnde niedere Volk zu schaffen, das sich in den berüchtigten Gettos zusammenballt.

Keiner der Stadtväter oder Stadtmütter wagt es auch nur zu sagen: Lernt! Arbeitet! Tut was! Ganz zu schweigen von lateinischen Formulierungen wie etwa: Stude et labora! Lerne und arbeite!

Merkwürdig: Niemand, wirklich fast niemand spricht die einzelnen Menschen direkt an, wie es etwa die antike Tugendlehre tat. Wie es ein Nachfolgerstaat des griechischen Kleinasien, nämlich der heutige türkische Staat mit großem Erfolg in seinen Grundschulen tut.

Der Begriff Tugend, an dem die Dichter und Philosophen einige hundert Jahre – von Homer bis Seneca – herumwerkelten, beruhte auf einem persönlichen Leistungsbegriff: Jede und jeder sollte das Beste aus sich machen. Das war ein Imperativ, der wirklich jedem Jungen (leider nicht den Mädchen) eingeschärft wurde, von Homers Achill angefangen. In Homers Ilias heißt es im sechsten Gesang, Vers 208:

„Versuche stets das Beste aus dir zu machen, stell dich dem Wettbewerb!“

Die ständige Arbeit an den eigenen Anlagen, an den eigenen Fähigkeiten wurde durch eine Batterie an Bildungseinrichtungen eingeschärft: Fitnessplatz (damals Gymnasion genannt), Pädagogen-Sklaven, öffentliche Rezitationen, Volksversammlungen, gemeinsame Feste und Feiern.

Und heute? Wir haben unvergleichbar mehr materiellen Reichtum angehäuft als die alten Griechen und Römer. Ein Schulkind in der ersten Klasse in Neukölln ist reicher, hat mehr Sachen, hat mehr Essen als ein Kind eines normalen Stadtbürgers im Athen des 5. Jahrhunderts. Und trotzdem verlassen die Hälfte dieser Kinder die Schule, ohne sich hinreichend präzise in Deutsch, Türkisch oder Arabisch ausdrücken zu können, während es im alten Athen eine beständig lernende, diskutierende Stadtbürgerschaft gab, die lange Passagen der Dichter auswendig konnte, eine gemeinsame Sprache sprach, Begriffe schuf, um sich miteinander über die gelingende Demokratie auszutauschen.

Grund für unsere Malaise: Der Begriff individuellen Leistens, individueller Anstrengung ist aus dem politischen Diskurs fast völlig verschwunden. Die Politik züchtet durch ihre Kümmerer-Grundhaltung eine erwartungsfrohe Schar an Hilfeempfängern heran. Diese Schar ruft lauter und lauter: „Mach du mal, Staat!“

Für alles werden die Strukturen in Haftung genommen. Dabei kann ein Gemeinwesen ohne individuelle, persönliche Anstrengung nicht gelingen.

Dieses Denken hat uns in die Sackgasse geführt.  Die Politik sieht sich als „bezahlender Dienstleister“ der Bürger. Die Bürger rufen diese Leistungen ab, sie liefern die Ideen, sie lassen den Staat machen und bezahlen. Der Staat ist der Anspruchsgegner, die Bürger haben ein Recht darauf, dass der Staat ihre guten Ideen finanziert und dass er für die guten Ideen bezahlte Stellen schafft.

Ich meine: Koordination, Bündelung, alles schön und gut. Aber das Ganze kann nur funktionieren, wenn der Staat den Kindern und Eltern wieder und wieder, mit großer Strenge, klar macht: „Du, du einzelner Bürger, bist im wesentlichen für dein Leben verantwortlich. Du musst selbst dafür sorgen, dass dein Leben gelingt. Für Faulheit gibt es keine Entschuldigung. Lerne und arbeite!“

Ich vermisse diese Botschaften schmerzlich im politischen Tagesgespräch.

Lest hier im Tagesspiegel einen interessanten Überblick über die wacker mit Windmühlen kämpfenden Großstädte Europas:

Kampf den Ghettos
Umweltsenatorin Anja Hajduk: „Die besten Ideen für einen Stadtteil kommen häufig von Menschen, die selbst in dem Quartier leben. Mit Engagement und Begeisterung setzen sie sich für Verbesserungen ein.“ Unter dieser Prämisse soll die Verwaltung künftig bei Projekten und Maßnahmen als niedrigschwelliger und generationsübergreifender Dienstleister fungieren, der Verbände vor Ort wie Kirchen, Sportvereine und Wohnungsunternehmen in alle Planungs- und Entwicklungsschritte einbindet. Oft wird nur durch vernünftige Absprache untereinander, also Koordination und Vernetzung, Effizienz erzielt, die in haushaltspolitisch schwierigen Zeiten mitunter auch noch volks- und betriebswirtschaftliche Vorteile beschert. Die Koalition will mit „Rise“ der sozialen Spaltung der Stadt entgegentreten und versuchen, dass sich an bestimmten Punkten der Elbmetropole keine Armut verfestigt. Die Praxis sieht trotzdem vielerorts anders aus.

 Posted by at 11:55
Dez 172009
 

1194272589___irinapotapenkoport.jpg Zu den beeindruckendsten Opernregisseuren der Gegenwart zählen für mich Christoph Schlingensief (Deutschland, Österreich, Burkina Faso usw.) und die russische Opernsängerin Irina Potapenko (Schöneberg, Kreuzberg). Was haben die beiden gemeinsam? Sie bringen die Oper als Kunstform an ungewöhnliche Orte. Sie gehen zu den Kindern, den Armen, den Vergessenen. Zu den Unterschichtlern dieser Erde. Sie glauben an die verwandelnde Kraft der Kunst, des Gesanges. Kultur, Musik, Gesang, Oper – nennt es doch wie ihr wollt! – ist etwas für alle. Sie ist so wichtig wie das täglich Brot.

Was ist der Unterschied? Schlingensief findet viele Mitstreiter. Das schreibt die ZEIT über ihn und sein afrikanisches Opernhaus:

»Ich meine das ernst«, sagt Schlingensief. In seinem Opernhaus sollen Künstler aus Afrika und Europa zusammenkommen. Er hat sich die Unterstützung von Außenminister Steinmeier geholt, vom Goethe-Institut, und er hofft auf private Spender – etwas mehr als eine Million Euro wird Schlingensief wohl brauchen. Und nun ist er hier in Burkina Faso mit einem fünfköpfigen Team, um nach einem geeigneten Ort zu suchen.

Irina Potapenko kommt ohne Subventionen, ohne Team, ja sogar ohne Außenminister aus. Die Puppen bastelt sie selbst in ihrer Freizeit. Einige davon hat sie schon verschenkt. Ihre Spielorte sind Kitas und Schulen, sind die berühmten Schimmel- und Asbestkieze Kreuzbergs und Schönebergs. Finanzielle Unterstützung erhält sie keine. Mit ihrem lustigen dreirädrigen Lastenrad fährt sie die Requisiten zur Bühne, werkelt, malt und hämmert selbst. Sie führt Regie, malt mit den arabischen und türkischen Kindern die Bühnenbilder, singt selbst, lässt Kinder als Mitwirkende auftreten, spannt auch ihren willfährigen Ehemann, nämlich den hier schreibenden Blogger, als Helferlein ein. Und das Beste daran ist: Keine einzige Zeitung nimmt Ira Potapenko wahr. Sie macht es um der Kinder willen, um der Kultur willen.

Irina Potapenko ist für mich die Opernregisseurin des Jahres 2009. Wirklich – nur für mich! Bitte, bitte: Nicht weitersagen, dass das Gute so nah liegt! Pssst!

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Schimmelkiez oder Zauberflöte? Was ist unser Leitbild?

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Dez 152009
 

Eine recht besinnliche Weihnachtsfeier besuchte ich gestern bei der CDU Kreuzberg-West im Lokal Diomira in der Stresemannstraße. Allerlei Märchen und Lieder schossen mir auf dem Hinweg durch den Kopf – von reichen Königen und armen Schneidern etwa. Aber dann ließ ich mich einfach ein in den Strom an Gedanken und Gesprächen. Gleich zu Beginn machte ich mich für eine neue innerparteiliche Vielfaltskultur stark: „Abweichende Meinungen müssen nicht nur toleriert werden, sondern jedes neue Mitglied, das klare, eigenständige Ideen vorträgt, muss ausdrücklich begrüßt werden.“ Nur so kann der dringend benötigte politische Nachwuchs entstehen. Ich saß genau diametral dem Abgeordneten Kurt Wansner gegenüber. Zwei Männer an den Ecken, die einander bei allen unterschiedlichen Meinungen respektieren und ausreden lassen. Schön!

Thema der Reden von BVV-Fraktionschef Müller und Kurt Wansner waren verschimmelte Wohnungen im sogenannten Schimmelkiez, brennende Autos, linksradikale Gewalt, nächtliche Ruhestörungen durch loses Volk, drogenbesteckverseuchte Spielplätze. Nachdem einige derartige Reden verklungen waren, ergriff ich selbst das Wort.

„Es reicht nicht aus, immer nur den Finger auf wunde Punkte zu legen! Wir müssen ein positives Leitbild aufzeigen. Bei allen Problemen gilt es Lösungen vorzuschlagen. Probleme, für die es keine Lösungen gibt, sollte man nicht zu Tode reiten. Mir fällt auf, dass in Friedrichshain-Kreuzberg so viele Gruppen nebeneinander herleben. Es herrscht ein beziehungsloses Nebeneinander: Türken, Deutsche, Araber, Familien, Alte, Studenten, Ossis und Wessis, Friedrichshainer, Kreuzberger, türkische Urberliner und deutsche Zugewanderte,  … alle diese Gruppen gilt es zusammenzuführen.

Wir brauchen (ich hielt bedeutungsschwer inne) ein Leitbild. Ich nenne es:

Der zusammenwachsende Bezirk 

Alle werden dieses Leitbild freudig begrüßen. Statt Autos anzuzünden, werden die Menschen lieber bei uns mitmachen. Keiner wird sich der Anziehungskraft dieser guten Idee entziehen. Statt immer nur mehr für sich zu verlangen, werden die Menschen sagen: Da will ich mitmachen!“

„Wie stellen Sie sich das vor?!“ ward ich gefragt.

Ich sagte: „Kommen Sie am Freitag zur Zauberflöte in die Fanny-Hensel-Grundschule, dann werden Sie es sehen!“

Ich meine, dass Kultur einen Kristallisationspunkt dieses neuen Miteinander ausmachen muss: Mozart, Goethe, Chamisso, Homer, der Koran, die christliche Bibel, türkische und deutsche Klassiker, arabische Bildkunst aus dem 13. Jahrhundert, Immanuel Kant, die amerikanische Unabhängigkeitserklärung … das Feld ist weit! Nur darf man sich nicht immer mit kurzlebigen Popsongs oder gar mit der heutigen kulturellen präsentischen Wüste der Werte begnügen.Wir müssen unbedingt zu den Quellen zurück – und zwar zunächst einmal in deutscher Sprache, später dann auch in den Originalsprachen.

Zufällig kommen die Kinder, mit denen und für die wir am Freitag die Zauberflöte aufführen, aus genau diesem „Schimmelkiez“. Na, überlegen Sie mal, wie Sie sich fühlen würden, wenn Sie hörten: „Sie kommen aus dem Schimmelkiez? Wie schön!“

Diese Gedanken vom Vorrang des Guten über das Böse fallen der Berliner CDU noch sehr schwer! Sie krallt sich immer noch in Negativpropaganda fest, entwickelt kaum Impulse für die Zukunft.

Unsere Kinder, die Berliner brauchen nicht das Gefühl, im Schimmelkiez der Nation zu wohnen. Sie brauchen das Gefühl, jederzeit Zugang zur Zauberflöte unserer Werte zu haben! Zur Zauberflöte unserer gemeinsamen Leitkultur in Deutschland, wie das Armin Laschet nennt.

„Die Aufsteigerrepublik“ Armin Laschets, „die soziale Marktwirtschaft“, „die wachsende Stadt“ eines Ole von Beust – das alles sind Beispiele für prägnante, positiv nach vorne weisende Leitbilder. Diese müssen das Fundament der Politik in Bezirk und Bundesland bilden, nicht das hämische Kritteln und Knastern, wie es sich Berlins CDU unter der jetzt noch amtierenden Führung leider immer noch nicht abgewöhnt hat.

In der zweiten Hälfte des Abends setzte ich mich auf den Platz Kurt Wansners, den dieser freigemacht hatte, und plauderte sehr nett mit einer  Delegierten ausgerechnet aus Lichtenrade, die unseren Bezirk im Kreisparteitag vertritt. Ich plauderte mit einfachen Mitgliedern, mit Funktionären. Ich nenne das gerne das „Beichtstuhlverfahren“. Aus der  Vielfalt der von mir individuell erfragten Meinungen ergibt sich nach und nach ein Gesamtbild dessen, wie Berlins CDU insgesamt und der Kreisverband Friedrichshain-Kreuzberg insbesondere funktioniert. Leitfragen sind dabei: Wer hat das Sagen? Wer hält die Fäden in der Hand? Welche Rolle ist dabei den Delegierten zugedacht? Worum geht es? Geht es eigentlich um Politik? Oder um etwas ganz anderes? Wie erklärt man sich die Wahlergebnisse? Wie redet man sich die eigene Lage schön? Wie werden eigene Machtinteressen durchgesetzt? Wie wichtig ist die Satzung?

Zu guter letzt griff ich zur Geige. Denn Weihnachten und Besinnung, Weihnachten und Musik, Weihnachten und Versöhnung, das gehört für mich unauslöschlich zusammen. Aber den Mut, ein christliches Adventslied zu spielen, den brachte ich doch nicht auf im Diomira.

Zur Bekräftigung unseres Programms vom „Zusammenwachsenden Bezirk“ spielte ich zuerst die „hebräische Melodie“ von Joseph Achron, dann die Gavotte aus der E-dur-Partita von Johann Sebastian Bach, und dann die deutsche Nationalhymne, wobei ich mich stark auf die ursprüngliche Streichquartettfassung Joseph Haydns stützte: „Gott erhalte Franz den Kaiser!“, war der erste Text, der darauf stand. Dann kam: „Einigkeit und Recht und Freiheit“. Der Satz steht in G-dur, das jedem Geiger vortrefflich in den Händen liegt.

Übrigens: „Einigkeit und Recht und Freiheit“, das ist ebenfalls ein solches Leitbild. Leitbilder müssen klar sein, müssen einfach sein, und sie müssen oft wiederholt werden. Sie sind keine Selbstverständlichkeit.

Es war für mich ein würdiger Höhepunkt und Abschluss einer denkwürdigen Weihnachtsfeier. Weitere Veranstaltungen  werden folgen.

Am Freitag, 18. Dezember 2009, morgens 8.50 Uhr:

Mozarts Zauberflöte in einer Fassung für Puppentheater und Kinder. Eingerichtet von Irina Potapenko. Mit selbstgebastelten Puppen.

Datum:

Freitag, 18. Dezember 2009

Zeit:

08:50 – 10:00 Uhr morgens

Ort:

Fanny-Hensel-Grundschule, Kreuzberg

Straße:

Schöneberger Straße 23

 Posted by at 16:09
Feb 202008
 

zauberflote_19022008.jpg In aller Frühe brachen wir gestern zur Aufführung der Zauberflöte auf. Eine Freundin hatte uns in eine Berliner Grundschule eingeladen, für die sie arbeitet. Vor 110 Kindern der Klassen 1 und 2 produzieren wir Mozarts Zauberflöte in der Fassung für Marionettentheater. Etwa 20 Kinder spielen begeistert als wilde Tiere mit, die durch die Zauberflöte gezähmt werden und artig tanzen, die anderen sind zahme Katzen, die den Vorhang für die Königin der Nacht öffnen. Dramaturgie, Regie, Textfassung, Sopran, Dompteuse: Ira Potapenko, unsere Prinzipalin in der Kunst wie echten Leben. Was für ein Gefühl, vor einer dichtgedrängten Aula den Kindern das Blaue vom Himmel herunterzuerzählen! Und ich darf mich sogar als Dirigent der von einer CD eingespielten Ouvertüre betätigen. Damit erzielen wir die größten Lacher bei dieser Aufführung. Mozarts Werk bleibt fesselnd, eine Handlung, die bei aller Verworrenheit eben doch einen guten Ausgang verheißt. Danach fühlte ich mich erledigt wie nach jedem anderen öffentlichen Auftreten auch, aber eben auch stolz und froh: „Wir haben es geschafft“!

Anschließend Gespräch über die Lage an den Schulen. „Leider wird unsere Aula nur einmal im Jahr gereinigt. Es ist kein Geld da, um die Aula mehr als einmal im Jahr zu reinigen. Es finden keine Feste statt. Das ist die offizielle Linie in der Berliner Schulpolitik.“ Interessant zu sehen, wie die Spuren der Zeit sich ablagern, all der Staub, die Flusen, die vergessenen Schühchen … Ich denke: Ist das Jahr seit der letzten Reinigung schon wieder um?

Zuhause angelangt, übe ich die Grundrechenarten:

Aufgabe:

Gesetzt, einer jener mehreren Hundert deutschen Steuerhinterzieher, von denen die Welt heute spricht, habe 1 Million Euro pro Jahr hinterzogen, wie oft könnte dann die Aula einer Berliner Grundschule gereinigt werden, so dass dort wieder Feste und Versammlungen in einer sauberen Umgebung stattfinden können? Veranschlagen Sie die Gestehungskosten inkl. Sozialabgaben und Steuern mit 42.-/Euro pro Stunde, und unterstellen Sie, dass die Reinigung der Aula vier Stunden dauert! Runden Sie nach mathematischen Rundungsregeln auf ganze Jahre!

Lösung:

Reinigungskosten pro Woche: 168.-.Reinigungskosten pro Jahr (40 Wochen, da ohne Ferien): 6720.- Zahl der Jahre: 148,809523809

Ergebnis:

Mit der Summe, die ein durchschnittlicher Liechtenstein-Steuerflüchtling pro Jahr im Ausland hinterzieht, lässt sich die Aula einer Berliner Grundschule 149 Jahre lang einmal wöchentlich reinigen, so dass dort wieder Feiern und Versammlungen in einer sauberen Umgebung stattfinden können (Ferien ausgenommen).

 Posted by at 15:43

Pflege für den Vater

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Okt 192007
 

19102007.jpgMein Vater in Augsburg braucht Pflege und Betreuung. Ich kümmere mich zwei Tage um ihn, zusammen mit Karin. Die Wohnung muss umgestaltet werden. Die Pflege muss organisiert werden. Den Garten habe ich schon gemäht. Was für ein schönes Gefühl, eine Sichel in Händen zu halten! Jahrtausendelang stand die Sichel als Zeichen ein für die Ernte und die Pflege des Landes, für die Bewohnbarkeit der Erde, aber auch für jenen unsichtbaren Schnitter, der uns jederzeit holen kann. Der wilde Wein an der Hauswand rankt üppig, feurig-rot empor. Und jetzt dringt die Mittagssonne kräftiger durch den Oktoberdunst hindurch – im Zimmer blühen die Farben auf.

 Posted by at 11:52