Spring, wenn du dich traust!

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Aug 162014
 

2014-08-13 17.06.24

Bezaubernde Augenblicke, herrliche Gespräche zwischen Jung und Alt, zwischen Russen, Ukrainern und Deutschen konnte ich wieder bei meinem letzten Aufenthalt am Fluss Moskwa in Russland erleben, der soeben zu Ende gegangen ist! Als unerschöpfliche Quelle von Kontakten und Überraschungen erweist sich wieder einmal die Tarzanka am Fluß  bei uns in Nikolina Gora. Die Kinder springen voller Wonne, voller Selbstvertrauen in den Fluss, einige klettern mit unfassbarer Behendigkeit die Stämme hoch, um das Seil mal höher, mal tiefer zu legen, je nachdem, wer gerade springt, schaukelt oder schwingt!

„Können Sie eigentlich auch springen?“, fragt mich die achtjährige Natascha. Und ihr Blick sagt: „Spring, wenn du dich traust!“  „Ja!“, erwidere ich. Aber meine Springversuche sind viel zu zaghaft, sie rufen eher Belustigung als Bewunderung hervor. Sei’s drum. Für eine Ausbildung zum echten Tarzan bin ich etwas zu alt.

Die Zukunft an der Tarzanka und an allen anderen Orten gehört  den Kindern aus Russland, Ukraine, Deutschland – aus allen europäischen Ländern, ja aus allen Ländern der Welt überhaupt. Vielleicht ist dies eine Botschaft, die ich mit nachhause bringe: Wir Erwachsenen haben kaum eine wichtigere, kaum eine schönere Aufgabe, als den Kindern ein sicheres, geborgenes Hineinwachsen in die Freiheit des Springens zu ermöglichen.

Umgekehrt versuche ich in der Datscha zu punkten beim kleinen Tima, der im Alter von 6 Jahren bereits erste Fremdsprachenkenntnisse erworben hat. Unsere Konversation läuft schon ganz gut, doch bei den Abschiedsgrüßen, die wir auf Russisch, Deutsch und Polnisch austauschen, sieht er mich plötzlich forschend, unverwandten Blicks an und stellt auf Russisch die Frage: „Können Sie eigentlich auch Englisch?!“

Ich war in der Zwickmühle. Was sollte ich antworten? Würden meine Englischkenntnisse ausreichen, um ihm das Wasser zu reichen? Ich gehe das Wagnis ein und sage: да! Und jetzt kommt der ultimative Test für mich!

Tima sagt in hellem, klarstem Englisch zu mir:  „Goodbye!“

Und stellt euch vor: Ich wusste die Antwort darauf. Ich war nicht überfordert! Das also wenigstens konnte ich.

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„Der Kinderwunsch darf keine Kostenfrage sein“

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Aug 062014
 

2014-05-01 08.43.28

Familienpolitik beginnt bereits vor der Geburt eines Kindes. Die Reproduktionsmedizin leistet viel. Aber sie ist teuer. Die Erfüllung des Kinderwunsches darf keine Kostenfrage sein.“ Diese Aussage stammt von Manuela Schwesig, der amtierenden Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, zitiert hier nach der Süddeutschen Zeitung, Magazin, Nummer 10, 7. März 2014, S. 40.

Wir dürfen das so verstehen: am Geld darf der Kinderwunsch nicht scheitern. Moderne Familienpolitik erfüllt den Frauen den Kinderwunsch, koste es, was es wolle, denn die moderne Politik wird den Frauen genug Geld geben, damit sie sich ihren Wunsch nach einem Kind erfüllen können.

Ein zentrales Heils- und Glücksversprechen der heutigen Fachpolitiker (hier beispielhaft der Bundesfamilienministerin) ist es, dass jeder Wunsch, auch der sehnlichste Wunsch so manchen Paares – der nach einem Kind – erfüllt werden kann.  Die wohltätige Politik durchdringt von vor der Zeugung an alle Lebensbereiche, der Bürger braucht gewissermaßen nur seine Ansprüche anzumelden und die Hand hinzuhalten. „Ach, wenn wir nur ein Kind hätten“, seufzte die Königin bei den Gebrüdern Grimm noch. Heute dagegen ist dieser Märchenwunsch Wahrheit geworden, denn wir haben ja die Familienpolitik und die Reproduktionsmedizin – und Geld in Hülle und Fülle.

„Sicherheit und ein stabiler Euro. So will ich Europa.“ Mit diesen und verwandten Wahlsprüchen errang die derzeit am erfolgreichsten beworbene Partei, die CDU, einen großartigen Wahlsieg. Betrachte das Bild genau: Du siehst eine junge, selbständige Frau, die voller Tatkraft aus dem Innenraum der Wohnung hinaus ins Berufsleben tritt. Das  Kind hockt wie ein Attribut auf der Hüfte der Frau, hindert sie nicht, erringt aber auch nicht die Aufmerksamkeit der Frau. Die Frau und das Kind wissen sich in Sicherheit. Der stabile Euro sichert den Rahmen. Europa ist sicher, denn der Euro ist stabil. Statt der veralteten Familie früheren Typs, bestehend aus Vater, Mutter, Kindern,  spannt die moderne Politik das zentrale Heils- und Sicherheitsversprechen auf: Europa und der Euro sorgen für euch alle. Der Euro, Europa, die Politik sichern Frieden, Wohlstand, Sorglosigkeit.

Auch hier, bei der äußerst erfolgreichen CDU, trifft die Politik sehr weitreichende, bis ins Privateste hineinreichende Versprechungen. Der Mensch braucht sich kaum mehr anzustrengen, die Politik sichert durch das Geld, durch den Euro, Stabilität und Sicherheit im Leben von Frau und Kind. Das männliche Element der früheren Ikonographie, der Mann, der Familienvater wurde ersetzt durch den Euro. Der Euro ist das Wichtigste, die Währung sichert Einheit und Geborgenheit.

Die Politik – ob nun Familienpolitik oder Finanzpolitik im Zeichen des Euro – hat die interpersonellen Bezüge, das tägliche mühselige Ringen um Einkommen, um Zusammenhalt der Familie, das harte Arbeiten von Weib und Mann für den Lebensunterhalt und die Erziehung der Kinder, wie es jahrtausendelang den Alltag der Familien prägte, ersetzt. Man muss nur das Kreuzchen an der richtigen Stelle machen.

Die Politik und ihre Reklame verspricht die Erfüllung jedes Kinderwunsches, jedes kindlichen Wunsches. Der Euro sichert im Zeichen  des „Ich will es so“ Stabilität, Frieden und Geborgenheit für alle. Ohne Sorge – sei ohne Sorge, wie es in Ingeborg Bachmanns Gedicht „Reklame“ so schön heißt.

Merke auf: Zwei subtile Botschaften, die die Politik Tag um Tag auf uns unmündige Bürger niedergehen lässt. Wir brauchen diesen Botschaften nur zu vertrauen. Ohne Sorge – sei ohne Sorge.

Bild: “Sicherheit und ein stabiler Euro. So will ich Europa.” Wahlplakat in Eisenach am Fuße der Wartburg, aufgenommen am 1. Mai 2014.

 

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Mrz 112014
 

Weit ab von den Diktaten des heutigen Jugend- und Schlankheitswahns verbrachte der Kreuzberger Blogger seine Kindheit im Kreise der Geschwister und Nachbarskinder. In Grundschule und Kindergarten wurde damals fleißig von unvollkommenen, gleichwohl liebenswerten Menschen gesungen, etwa vom spannenlangen Hansel, von der nudeldicken Dirn. Vom dummen Ivan und von der faulen Liese. Vom hässlichen Aschenputtel und vom unwirschen Rumpelstilzchen, vom dummen Hans im Glück und vom fleißigen Katerlieschen.

Das war gelebte Inklusion!

Wir alle waren „spannenlange Hanseln“, wir alle waren „nudeldicke Dirnen“. Was war so schlimm daran? Dick und rund, na und? WAS ist SCHLIMM daran?

Nebenbei: Wir lernten mit derartigen lustigen, auch wohl lächerlichen Liedern die Willkommenskultur von Vielfalt (ACCEPTING DIVERSITY, wie man heute hochtrabend auf Denglisch sagt), wir lernten, dass nicht alle gleich sind und auch nicht gleich sein müssen. Wir lernten uns bewegen. Wir lernten singen. Wir lernten Rhythmus nicht über die zugestöpselten Ohren eines I-pod-Anhängsels, sondern durch Singen, Zählen, Tanzen, Spielen.

Wir lernten einwandfreies Deutsch, wir lernten Lachen, wir lernten Schütteln, Rütteln, Hupfen.

Verdient hat an uns singenden, lachenden, tanzenden Kindern niemand. Im Gegenteil, das Singen von Liedern, das Tanzen von Tänzen war kostenlos. Es gab keine Konferenzen und Kongresse zum Thema ACCEPTING DIVERSITY. Das Thema wurde gelebt, gesungen, erzählt und vorgetanzt.

WAS WAR SCHLIMM DARAN?

Spannenlanger Hansel – Kinderlieder und Singspiele | Labbé Verlag.

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Feb 282014
 

Kinder brauchen

– Gemeinschaften, in denen sie sich geborgen fühlen

– Aufgaben, an denen sie wachsen, und

– Vorbilder, an denen sie sich orientieren können.

So hat das Gerald Hüther formuliert; diesen Satz habe ich mehrfach schon von Sozialarbeitern und Psychologen mit einhelliger Zustimmung als Zitat vernommen. Die Psychologen und Sozialarbeiter, mit denen ich sprach, beklagen umgekehrt, dass den ihnen anvertrauten Kindern und Jugendlichen eben genau dieses schmerzhaft fehle. Ich fasse die Gespräche so zusammen:

Nicht Normensetzung als solche, nicht abstraktes Regelwissen über das Richtige und Falsche – etwa vermittelt im Ethik-Unterricht – brauchen die Kinder. Sie brauchen über einen längeren Zeitraum hin das gelebte Vorbild mindestens einer älteren Person, die verlässliches Leitbild wird. Sie brauchen über einen längeren Zeitraum die Geborgenheit: Da gehöre ich hin. Diesen Rahmen nimmt mir niemand weg. Und sie brauchen das Zutrauen durch Ältere, etwa durch die Eltern, dass die Kinder im Laufe der Jahre immer schwierigere Aufgaben bewältigen werden. Sie brauchen den Zuspruch: Du schaffst das. Ich vertraue dir.

Ich unterstütze diese Einsichten. Sie treffen den Nagel auf den Kopf.

Jetzt bleibt die große Frage: Woher kommen grundsätzlich diese hegenden, fordernden und stützenden Erfahrungen? Welche Institutionen schaffen diese Grunderfahrungen: Krabbelgruppe, Schule, Kindergarten, Sozialarbeiter, Psychologe, Vereine, Jugendzentren?

Meine persönliche Antwort: Keine dieser Institutionen kann im Regelfall genug an diesen Erfahrungen schaffen. Nein, in aller Regel und grundsätzlich soll und wird es die Familie und zunächst einmal  die Familie sein, die dem Kind diese Erfahrungen vermittelt. Und für die Familie ist grundlegend die Eltern-Kind-Beziehung. Was Vater und Mutter angeht, so dürfte die Mutter-Kind-Beziehung der Vater-Kind-Beziehung vorausliegen. Der Vater kommt als notwendiger Dritter zur Mutter-Kind-Beziehung hinzu.

Die Familie, begründet auf dem Eltern-Kind-Verhältnis, legt in aller Regel den Keim des gelingenden Lebens.

Eine Gesellschaft wie unsere hingegen, die so offenkundig das „Ich will’s-so-und-so“-Prinzip verkündet, wird sich nicht halten können.

Politik, Industrie, Schule und Massenmedien lehren heute meist etwas anderes: Als vordringliches Ziel des Wirtschaftens wird größtmöglicher Erfolg des einzelnen im Berufsleben sowie  Wohlstandsmaximierung  angesehen. Als vordringliches Ziel der Politik wird die Herstellung der „idealen Gesellschaft“ angesehen. So wird es als schreiender Miss-Stand herausposaunt, dass Frauen weniger verdienen als Männer, dass Frauen weniger DAX-Führungspositionen innehaben als Männer, dass Sorge für Kinder und Haushalt immer noch meistens von den Frauen geschultert wird, dass die Einkommensunterschiede in Deutschland so groß sind usw. usw.

Aus der Sicht der Kinder ist das alles nicht so schlimm! Es ist ihnen sogar völlig schnuppe. Sie brauchen keine Mutti im DAX-Vorstand, sie brauchen die Mutter oder den Vater verlässlich zuhause. Schlimm ist es aus Sicht der kleinen Kinder, wenn ihnen Geborgenheit fehlt, wenn ihnen das gelebte Vorbild beider Eltern fehlt, wenn der tragende Rahmen der Familie nicht hält. Aus der Sicht des kleinen Kindes spielen materielles Wohlergehen, Handys, Spielkonsolen usw. keine prägende Rolle.

Viel wichtiger sind für Kinder die tagtäglich erlebte Liebe und Fürsorge durch eine bestimmte oder einige wenige bestimmte Personen.  Der Staat, die Politik, die Pädagogik sollten sich nie im mindesten erdreisten oder auch nur den Anschein zu erwecken versuchen, sie könnten den überragenden Rang der Familie für Glück und Wachstum der Kinder ersetzen.

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„Ja, ist dir denn gar nichts heilig … nicht einmal …?“ Gegenfrage: „Und was ist DIR heilig?“

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Jan 282014
 

Immer wieder musste ich mich in politischen Diskussionen heftiger Angriffe erwehren, es sei mir fast nichts heilig, z.B. weder der Euro noch der Länderfinanzausgleich und auch nicht das Recht auf bezahlbaren Wohnraum usw.usw.

Die Frage „Ist Ihnen denn gar nichts heilig, nicht einmal … der Euro/der Länderfinanzausgleich/das Recht auf bezahlbaren Wohnraum  ..  … ?“ hört man immer wieder.

Was ist heilig, unverletzlich, was ist schützenswert, was ist unverletzlich? Ein beliebiges Beispiel aus der Diskussion in Europa! Am letzten Tag des Jahres 2013 führte die Zeitung Le Monde einen sehr kritischen Kommentar zur neuen Debatte über eine mögliche Änderung des Rechts auf Abtreibung in Spanien mit folgenden Worten ein (Hervorhebung durch dieses Blog):

 Si l’Espagne revendique aujourd’hui un rôle pionnier sur les droits des femmes, c’est dans la régression. Le gouvernement conservateur de Mariano Rajoy est en train d‘opérer un virage à 180 degrés sur l’avortement. L’avant-projet de la loi de protection de la vie de l‘être conçu et des droits de la femme enceinte, présenté en conseil des ministres peu avant Noël, supprime purement et simplement le droit des femmes à décider librement d‘interrompre leur grossesse. Ce droit, consacré par une loi entrée en vigueur en 2010, en autorisant l’avortement sans condition de motif jusqu’à la quatorzième semaine de grossesse, avait considérablement libéralisé la législation postfranquiste de 1985.

 

Interessant ist hier die Wortwahl! Das unbeschränkte Recht der schwangeren spanischen Frauen auf Abtreibung wurde 2010  als etwas „Geheiligtes“ (consacré)  ausdrücklich durch Gesetz bekräftigt. Das Recht auf Abtreibung wird im Leitartikel der Monde als absolut schützenswertes Gut gefeiert und mit einer eindeutig religiösen Wortwahl „umschränkt“, also „geheiligt“ (lateinisch sancire = umschränken).  Versuche, das absolute Recht der Frau auf Abtreibung in der spanischen Rechtsordnung  einzuschränken, werden von der Monde als Zivilsationsbruch, als eine Art Rückfall in die Barbarei gebrandmarkt.

Wir schließen daraus: Das Recht auf Abtreibung ist in dieser Wortwahl etwas Heiliges. Auch in säkularen Rechtsordnungen wie der spanischen oder französischen gibt es also oberste, quasi-religiöse Werte, die als absolut schützenswert erachtet, also geheiligt, oder konsekriert werden. Und dazu gehört nach wohl überwiegendem Konsens in Frankreich oder Spanien und wohl auch Deutschland das Recht der Frau, selbst über Geburt oder Nichtgeburt der Leibesfrucht zu entscheiden.

In Deutschland gehört zu den öffentlich sakralisierten Werten die Währung, früher die DM, heute der Euro, der als absolut schützenswerte Grundlage des Wohlstandes durch die Bundestagswahl 2013 erneut konsekriert wurde.

Wir dürfen sagen: Das Recht der Frauen auf Abtreibung, die Erhaltung des Euro wurden diskursiv sakralisiert. Die Selbstbestimmung der Frau über den eigenen Körper, die Erhaltung des Geldes  werden mit einem Tabu belegt, an dem kein Politiker ungestraft rütteln darf.

Was ist heilig? Der Euro, die Feierabendruhe, das Recht der Frauen auf Abtreibung?

Ich sprach vor wenigen Wochen mit einem Freund über das Thema. Er sagte mir nach einem gemeinsamen Besuch eines katholischen Gottesdienstes, in den wir  ein bisschen reingeschnuppert hatten: „Eigentlich hätte ich abgetrieben werden sollen. Mich sollte es nicht geben. Ich lag nicht richtig. Die Ärzte rieten meiner Mutter zur Abtreibung.“ Die Mutter widersetzte sich.  Sie ging zu einem anderen Arzt, der sagte: „Das kriegen wir in der Klinik schon hin.“ Die Mutter folgte dem Rat des zweiten Arztes, die Geburt verlief fast komplikationslos, der Junge wurde zu einem prachtvollen, wider Erwarten gesunden Menschen und ist mittlerweile selber Vater.

Ich kenne viele solche Geschichten. Die Leichtigkeit, mit der Ärztinnen und Ärzte heute in vielen Ländern zur Abtreibung raten, versetzt viele Frauen in eine extreme psychische Notlage. Eine mit mir bekannte  Mutter widersetzte sich einer der zahllosen Untersuchungen, die heute routinemäßig abgespult werden, sobald auch nur eine einzige Risikokategorie erfüllt wird (z.B. hier: Alter der Frau über 35). Die Frauenärztin war empört: „Sie WOLLEN also keine Amniozentese…? Ja,  Ihnen ist es wohl egal, wenn Sie ein behindertes Kind bekommen!? ICH SAG ES IHNEN NUR. Ich muss mich entlasten. Es ist Ihr Risiko.“

Die Frau erzählte mir dies. Wir waren entsetzt. Denn die Komplikationen für Leib und Leben des Embryos, die sich aus einer Amniozentese, also einer Fruchtwasserentnahme, ergeben können, lagen bei der gegebenen „Risikostufe“ statistisch  höher als das Risiko einer schweren Fehlbildung des Embryos. Die Frauenärztin setzte also die eigene „Entlastung“ über die Aussicht des Kindes, ggf. mit einer leichten oder schweren Behinderung geboren zu werden. Bei Vorliegen von Hinweisen auf eine schwere Behinderung hätte die Ärztin zur Abtreibung geraten. Nichts anderes konnte im gegebenen Fall der Sinn der Untersuchung sein. Die Frau widersetzte sich, das Kind der Risikoschwangerschaft kam mit einem APGAR-Index von 10 zur Welt, gehörte also von Geburt an zu den gesündesten überhaupt.

Von den Kindern redet schon gar niemand niemand. Von dem, was die heute übliche Behandlung des ungeborenen menschlichen Lebens als einer Verfügungsmasse der Frau bzw. schlimmer noch der „evidenzbasierten Medizin“ anrichtet, schweigen wir. Viele Kinder wachsen heute im Bewusstsein auf: „Eigentlich könnte es mich auch nicht geben.“

Tja, Freunde, was ist heilig, schützenswert? Das Geld, der Wohlstand, die uneingeschränkte Selbstbestimmung der erwachsenen Menschen über alles das, was mit und im menschlichen Organismus geschieht?

Oder gibt es da noch etwas anderes, was wir als heilig, als unantastbar, als absolut schützenswert erachten?

 Quellennachweis: Avortement: le régression espagnole. Le Monde, Mardi, 31 décembre 2013, Seite 1

http://www.lemonde.fr/a-la-une/article/2013/12/30/avortement-la-regression-espagnole_4341313_3208.html

 

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Das zählt vor allem für gute Erziehung: eine gute Mutter – ein guter Vater – und auch gute Lehrer, lebendige Vorbilder

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Aug 122013
 

 

2013-08-11 11.53.32

„Das Kind soll mit Mutter und Vater groß werden.“ So ein altes türkisches Sprichwort, das sich der Kreuzberger Hausfreund immer wieder zu eigen macht. Der Türke und die Türkin weiß es seit Jahrtausenden, der Jude und die Jüdin weiß es seit Jahrtausenden, der Christ und die Christin weiß es seit Jahrtausenden,  und die Familienpsychologen wie etwa Horst-Eberhard Richter werden seit Jahrzehnten nicht müde es zu erzählen:  Nichts ist wichtiger für das Gedeihen und das glückliche Aufwachsen der kleinen Kinder als mit einer guten Mutter und einem guten Vater zusammen aufzuwachsen. Dies gilt sicherlich nahezu uneingeschränkt  in den ersten 6 Lebensjahren. Wie viel Geld die Eltern haben, ob sie Urlaub machen können, ob sie ein Auto haben oder nur Fahrrad fahren, ist für das Glück der Kinder unerheblich. Das Kind wünscht sich und braucht vor allem eine gute Mutter, seine leibliche Mutter, und einen guten Vater, seinen leiblichen Vater.

Der sozioökonomische Status der Familie ist als solcher für das Glück des Kindes absolut unerheblich. „Mein Vater war Schmied, wir waren 11 Kinder, wir mussten uns nach der Decke strecken, und trotzdem war es eine gute Kindheit“, erzählt Jupp Heynckes.

In der Schulzeit treten neue Anforderungen an das Kind  heran. Jetzt zählen nicht nur gute Eltern, sondern immer wichtiger werden gute Lehrer. Auch hier, auch in der schulischen Bildung ist das A und die O nicht das System, sondern die Person, die Qualität der Beziehungen zwischen den Personen. Die Ressourcenausstattung, das Geld, das ganze System hingegen ist – entgegen den meisten Äußerungen in der aktuellen Bildungsdebatte – meist zweitrangig. Das System kann suboptimal sein – und ist selbstverständlich aus Sicht der Eltern immer suboptimal. Entscheidend ist die Person des Lehrers oder der Lehrerin. Das Geld als solches, das System als solches ist zweitrangig.

Die interpersonelle Lehrer-Kind-Beziehung ist nach der Eltern-Kind-Beziehung der wichtigste Dreh- und Angelpunkt in Bildungsverläufen, das bestätigen mindestens mir persönlich die meisten Erzählungen über scheiternde Schulverläufe an Berliner oder überhaupt an deutschen Schulen. Wenn etwas gründlich schiefgeht, dann liegt der Wurm fast immer an einem bösen, kalten, entmutigenden Wort der Eltern oder der Lehrer – „Das schaffst du sowieso nicht!“ ist der Klassiker -,dann liegt der Wurm auch häufig darin, dass persönliche Vorbilder in Familie oder der Schule fehlen.  Der Wurm liegt fast nie im Schulsystem!

Wenn Mütter und Väter ehrlich in ihr Herz blicken, werden sie dem zustimmen, was eine typische Berliner Mutter, Hatice Akyün, so ausdrückt:

Meine Hoffnung ist, dass die Kinder Lehrer finden, die für sie Vorbild werden, den kleinen Menschen und ihren Besonderheiten Wertschätzung entgegenbringen, damit sie sich entwickeln können.“

http://www.tagesspiegel.de/berlin/kolumne-meine-heimat-warten-auf-die-bildungsrevolution/8624790.html

Dieser Hoffnung schließt sich der Kreuzberger Hausfreund an. Die Einsicht in den fundamentalen Rang der Person und der zwischenmenschlichen Liebe ermöglicht endlich jene vielen kleinen Bildungsrevolutionen, jene vielen kleinen Weltrevolutionen, von denen die Menschheit schon seit einigen Jahrtausenden spricht und die ganz sicher nicht dadurch bewirkt werden, dass man bei Bundestagswahlen das Kreuz an der richtigen Stelle macht.

„Das Kind soll mit guten Lehrerinnen und Lehrern größer werden!“

Bild:

Großbeerenstraße Kreuzberg, gestern: So sehen idealtypisch eine gute Mutter und ein guter Vater aus der Sicht des Kindes aus:

Die gute Mutter ist warmherzig, zugewandt, unterstützend, sie lächelt.
Der gute Vater ist ehrlich, fleißig, anständig, zwar freundlich, aber auch streng und seriös.

 

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Jul 222013
 

2013-07-21 10.11.06

Was für eine schöne Überraschung. Mit dem Lied „Wer recht in Freuden wandern will“ auf den Lippen wanderte ich gestern von Kadıkalesi nach Turgutreis. Zwei Dinge erfreuten mich: Ich sah erstmals auf türkischen Straßen mehrere Radfahrer innerhalb weniger Minuten – und seitab der Straße lachte ein nachhaltig bewirtschafteter Öko-Bauernhof mich an. Ich trat durch das Hoftor, begrüßte den Bauern: „Euch gab es aber vor 5 Jahren noch nicht, als ich das letzte Mal hier entlang wanderte …!“, begann ich. „Ja, wir sind erst seit 1 Monat hier. Der Hof ist ganz neu! Du kannst dich ruhig umschauen!“

Ich schaute mich um: Überall sind Obstbäume gepflanzt, Gemüsebeete angelegt, Bäume, Büsche und Beete scheinen klug aufeinander abgestimmt. Nachhaltige, ressourcenschonende Landwirtschaft! Schafe weiden und blöken in einem Gatter, einige Kühe äsen im Schatten der Bäume, Hühner scharren an der Erde. Eine Art Paradies für den Wanderer, der sich bekanntlich dort nicht im Schweiße des Angesichts den Rücken krumm schuften muss!

2013-07-21 10.55.02

„Euer Hauptproblem ist wohl die Bewässerung?“, fragte ich Cem, den Besitzer des Bauernhofes nach einem Blick auf die vielen verlegten Wasserschläuche.  „Nein, im Gegenteil! Es gibt in 25 m Tiefe hier reichlich bestes Grundwasser, zumal es im Winter fast zu viel geregnet hat. Wir pumpen unser eigenes Grundwasser und leiten es über eine Bewässerungsanlage auf die Beete und Felder. Wasser ist da! Aber es gibt noch sehr sehr viel Arbeit zu leisten!“

2013-07-21 10.55.41

Bei einem Glas selbstgemachter Limonade genoss ich den herrrlichen Anblick des Öko-Paradieses, zu dem ich von Herzen Ja sagte.

Da hörte ich ein lautes „Hayir“.  Hayir heißt nein. Was war geschehen? Ein kleines Mädchen, etwa drei Jahre alt, hatte einen Stein aufgenommen und schickte sich an, ihn auf eine Beleuchtungsanlage zu werfen. Die Mutter des Kindes saß wachsamen Auges daneben, der Stein in der wurfbereiten Hand des Mädchens gefiel ihr nicht. Sie verbot dem Kind freundlich, aber bestimmt mit einem Hayir das Werfen des Steines. Hayir heißt nein.

Da fiel mir ein, was ich damals als Jugendlicher aus dem Buch „Eltern, Kind und Neurose“ von Horst-Eberhard Richter mitgenommen hatte: Die Kinder müssen das Nein lernen. Ohne das Nein der Eltern kann das Kind nicht wachsen. Vor der Geburt holt sich das Kind alles, was es braucht, aus dem Körper der Mutter – auch auf Kosten der Mutter.  Es lebt gewissermaßen in einem Paradies nach dem Motto. Hol dir was du brauchst.

Jede Schwangerschaft kostet die Mutter  einen Zahn, sagte man früher.

Anders spielt die Musik nach der Geburt, diesem ersten großen, überwältigenden Erlebnis jedes Menschen. Das Kind kann nicht alles haben, vor allem nicht  sofort haben. Von Anfang an muss das Kind nach der Geburt das aufschiebende, verbietende, grenzensetzende Nein lernen:  „Du darfst nicht Steine auf Lampen werfen. Du darfst nicht ins tiefe Wasser springen, wenn du nicht schwimmen kannst. Du darfst nicht lügen. Du darfst schwächeren Geschwistern nicht das Essen stehlen, du darfst nicht sitzenbleiben, wenn Ältere und Schwächere deinen Sitzplatz benötigen … “ Usw. usw., eine ganze Batterie an Verboten, Mahnungen, Zurechtweisungen!

Das feste Nein lernen. Das müssen wir Eltern den Kindern ermöglichen.

Ich war dankbar. Wieder hatte ich etwas einsehen gelernt, was allzu leicht vergessen wird: es gibt das Paradies nicht. Das Nein, die Mühe, der Fleiß, die Arbeit sind unerlässlich, um zusammenzuleben und gut zu leben.

Ich bot an, die Limonade zu bezahlen, aber Cem lehnte ab: „Du bist mein Gast. Komm wieder, bring deine Familie mit, wir sind immer da.“

„Ich sehe eine große Zukunft für euch. Cem, ihr habt ein riesiges Potenzial. Ich komme gerne wieder!“ So verabschiedete ich mich und wanderte weiter in der heißen Landstraße zwischen Turgutreis und Kadıkalesi, ein deutsches Wanderlied auf den Lippen.

 

 

 

 

 

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Die umjubelten Heldentaten der Frau mit den rosaroten Rennschuhen

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Jul 012013
 

2013-06-15 13.55.46

http://www.latimes.com/local/lanow/la-me-ln-wendy-davis-took-on-texas-bullies-on-abortion-and-won-20130626,0,5588133.story

http://www.spiegel.de/panorama/wendy-davis-aus-texas-laufschuhe-werden-zum-verkaufsschlager-a-908481.html

Großer, riesiger Erfolg für Wendy Davis, eine Abgeordnete der Minderheitenfraktion der Demokratischen Partei im texanischen Senat! Die rosaroten Laufschuhe, die sie bei ihrem Redemarathon, dem berühmten amerikanischen Filibuster trug, sind der Renner bei Amazon! Die Presse ist begeistert, der deutsche SPIEGEL stimmt mit Pauken und Trompeten, mit Bilderstrecken und Lobesergüssen in den Jubel ein. Auch  der amerikanische Präsident beglückwünscht seine Parteifreundin zu ihrem heroischen Akt, durch den sie verhinderte, dass die republikanische Mehrheit der Abgeordneten einige Einschränkungen beim Recht der Frau auf sichere, gesunde und selbstbestimmte Abtreibung durchgesetzt hätten.

Finster dreinblickende Frauen, die Frauen aus der Mehrheitspartei, der republikanischen Partei, die Abtreibungsgegnerinnen, standen hinter dem Gesetzentwurf. So zeigte sie der SPIEGEL. Fröhlich befreit jubelnde Männer, die Abtreibungsbefürworter, erhoben laut ihre Stimme und fuchtelten mit den Armen von der Zuschauertribüne herab, nachdem der Gesetzentwurf gescheitert war.

Schauen wir uns den Triumph der jubelnden Massen genauer an – vergleichen wir die geplante, aber durch Wendy Davis‘ heroischen Filibuster verhinderte  Einengung des Rechts der Frau auf gesunde, sichere und selbstbestimmte Abtreibung mit unserer Lage in Deutschland!  Das versuchte die Mehrheitsfraktion der Republikaner durch die Gesetzesvorlage durchzusetzen:

1) Eine Abtreibung des Fötus nach der 20. Woche (=etwa 5 Monate alter Fötus)  nach der Befruchtung wäre in Texas grundsätzlich verboten worden; nur bei akuter Gefahr für das Leben der werdenden Mutter wäre sie weiterhin erlaubt gewesen. Grundsätzlich gilt laut US-Bundesrecht, dass die Abtreibung bis zur Überlebensfähigkeit des Fötus außerhalb des Uterus („viability“) erlaubt ist. Nach deutschem Sprachgebrauch ging es also in Texas um die sogenannten Spätabtreibungen, wie sie etwa in China millionenfach gang und gäbe sind – es sind die Fälle, bei denen manchmal die Ärzte dann einen lebendigen Fötus auf dem OP-Tisch haben und nicht so recht wissen, wie sie mit ihm umgehen sollen. Er ist ja an der frischen Luft nur wenige Minuten lebensfähig.

Vergleich mit Deutschland: Mit dieser Gesetzesänderung wäre die Rechtslage in Texas etwas strenger als bisher in den meisten US-Staaten, aber noch bei weitem nicht  so streng wie in Deutschland geworden. In Deutschland ist bekanntlich die Abtreibung des Embryos nur bis zur 12. Woche (etwa 3 Monate)  der Schwangerschaft bei Einhaltung gewisser Beratungspflichten  straffrei und danach nur bei akuter Gefahr für das Leben der Frau zulässig. Das deutsche Recht erkennt auch dem ungeborenen menschlichen Leben grundsätzlich eine gewisse Schutzwürdigkeit zu.

2) Der Schwangerschaftsabbruch hätte nur noch in medizinischen Einrichtungen durchgeführt werden dürfen, die als Tagesklinik ausgestattet gewesen wären, nicht hingegen in rein ambulanten Praxen von niedergelassenen Ärzten.

Vergleich mit Deutschland: Der Eingriff gilt in Deutschland innerhalb der ersten drei Monate in medizinischer Sicht als unproblematisch, etwa 100.000 Abbrüche werden pro Jahr ganz überwiegend ambulant durchgeführt. Von diesen sind etwa 3% durch akute medizinische oder durch kriminologische Notlagen, also durch die Schwangerschaft als Ergebnis einer Vergewaltigung, bedingt.

Wie mag ein Fötus in der 20. oder 24. Schwangerschaftswoche die Abtreibung wohl empfinden? Zwar lernen die Winzlinge bereits in diesem Alter den Klang der mütterlichen Stimme kennen, sie erkennen den mütterlichen Herzschlag, sie reagieren auf seelische Erschütterungen der Mutter. Bewegende Zeugnisse dieser vorgeburtlichen Empfindungsfähigkeit haben mir schwangere Mütter immer wieder berichtet. Sie erleben das Kind bereits vor der Geburt als eine Art inneres Gegenüber, als ein menschliches Wesen, das irgendwie das Leben der Mutter sanft oder auch gewaltsam zu verwandeln beginnt. Durch die Abtreibung wird diese menschliche Beziehung jäh unterbrochen.

Ich persönlich habe das Gefühl, dieses zarte beginnende menschliche Leben verdient Schutz und Hege. So hat es – wie ich meine zu Recht – der deutsche Gesetzgeber auch damals bei der bitter umkämpften Neufassung des § 218 ausdrücklich niedergelegt.

In den USA steht dagegen das Recht der Frau auf ein selbstbestimmtes Leben deutlich vorne. Keine Frau soll Mutter werden, ohne dies zu wollen. Der Wille der Frau entscheidet. Das Recht der Frau auf ein selbstbestimmtes Leben, die absolute Herrschaft über den eigenen Körper behält die Oberhand über dem unerwünschten Leben des menschlichen Winzlings, der zur falschen Zeit am falschen Ort kommt. So legen es die Abtreibungsbefürworter immer wieder dar. Sie verneinen, dass dem menschlichen Leben aus sich heraus grundsätzliche Schutzbedürftigkeit zukomme. Niemand soll der Frau dreinreden, was sie mit ihrem Körper macht, schon gar kein Mann!

Aber wir müssen wieder einmal erkennen, dass moralische Vorstellungen von Land zu Land unterschiedlich  sind. Das zeigt sich etwa im Waffenrecht der USA. Es zeigt sich aber auch im Recht der Frau auf Abtreibung.

Vor wenigen Tagen, genau an dem Tag, als ich gerade von den Heldentaten der demokratischen Abgeordneten Wendy Davis mit den rosaroten Sneakern, die der Renner bei Amazon sind,  gelesen hatte,  hupte mich ein wütender Autofahrer an, weil ich beim Überqueren der Fahrbahn  für ihn nicht schnell genug die Straße räumte. Fast hätte ich ihn, der über sicherlich 140 PS verfügte,  gezwungen, sein Fahrzeug abzubremsen. Ich, der radelnde Winzling stand ihm sozusagen im Weg. Vielleicht hatte er ja eine eilige Besorgung? Ich hinderte ihn gewissermaßen daran, seine Pläne und Vorhaben zügig und straff durchzuführen.

Dennoch durfte ich mich darauf verlassen, dass der Autofahrer im Notfall abgebremst hätte. Obwohl ich der deutlich, der unvergleichlich Schwächere war, obwohl ich zur falschen Zeit am falschen Ort war, hätte er mit größter Wahrscheinlichkeit  mein Leben verschont. Er hätte die Schutzbedürftigkeit des trödelnden Radfahrers sicherlich anerkannt, zumal ja so ein Unfall mit einem Fußgänger oder Radfahrer immer mit vielen Scherereien – Schäden am Kotflügel, Polizeiärger, Versicherungen, Gerichtsverhandlung – verbunden ist.

Ich atmete erleichtert auf: Wie froh dürfen wir doch sein, dass unsere Rechtsordnung allen Menschen von Geburt an ein Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit zuerkennt! Ein Unbehagen bleibt dennoch: Was macht das mit einer Gesellschaft, wenn das Erreichen der Geburt so eindeutig an die Zustimmung der Mutter gebunden ist? Erscheint es dann nicht so, als „verdankten“ wir wie alle anderen Kinder letztlich dem Willen der Erwachsenen, dass wir geboren werden durften? Entsteht dann nicht der Eindruck, als lebten wir alle sozusagen von Gnaden unserer Mütter?

Diese Gedanken schossen mir bei dem und kurz nach dem Beinahe-Unfall durch den Kopf. Ich konnte ab da dem Erfolg des heroischen Filibusters keinen Jubel abgewinnen. Im Gegenteil. Der Jubel erstickt einem sozusagen im Halse.

Bild: Hier stand einmal ein Baum. 13.06.2013, Kreuzberg, Großbeerenstraße

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„Tra donne sole – Von lauter Frauen erzogen!“ Prima, oder was? Brauchen Kinder Väter, oder können zwei oder drei Frauen das ebenso gut?

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Jun 182013
 

Männer, Frauen, eine Frau, zwei Frauen, zwei Männer als Kindererzieher? Aber selbstverständlich! So lautet neuerdings die allgemeine Lehre. „Entscheidend ist doch, dass die Kinder geliebt werden, ob das nun Frauen oder Männer sind, ist doch egal!“ Die neue Orientierungshilfe der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) sattelt – völlig abweichend von Martin Luthers Großem Katechismus – ebenfalls auf dieses Pferd um: „Die Vielfalt von Lebensformen ist unvoreingenommen anzuerkennen und zu unterstützen“ – so will es die EKD. Siehe FAZ heute S. 8:

„Kein Lob der Ehe. Die EKD setzt in ihrem neuen Familienpapier auf konsequente Gleichstellung“. Von Reinhard Bingener.

Es stimmt ja: Söhne und Töchter, die ausschließlich von Frauen erzogen werden, sind bei weitem keine Ausnahme. Und doch zieht sich ein schmerzhafter Verlust durch das Leben dieser Männer und Frauen. Ich habe immer wieder mit Menschen gesprochen, die in der Kindheit den Vater oder – schlimmer noch – die Mutter entbehren mussten. Alle hätten in der Kindheit alles, wirklich alles dafür getan, um den Vater oder die Mutter zurückzuholen. Viele dieser Menschen gleiten ab in destruktive Neigungen, also in Selbstzweifel, Depression oder Kriminalität – und zwar meinem Eindruck nach weit stärker als dies Kinder tun, die mit Mutter und mit Vater aufwachsen. Schaut man auch nur oberflächlich in die Biografien von Straffälligen hinein, so wird man mit überragender Häufigkeit eines erkennen: Diesen Menschen fehlte in der Kindheit entweder der Vater oder gar beide Eltern. In den USA ist es erwiesen, dass eine unvorstellbar hohe Zahl an Vätern ihre Frauen mit den Kindern allein lassen – und aus diesen von den Vätern verlassenen Kindern rekrutieren sich vorzugsweise die etwa 1 Mio. Insassen der Gefängnisse. Vaterlosigkeit ist und bleibt nachweisbar einer der größten Risikofaktoren im Leben der Kinder. Das wird vornehm von unseren Soziologen und Pädagogen verschwiegen. Aus afrikanischen Ländern wird mir berichtet, dass in vielen Gegenden die meisten Kinder ohne Vater aufwachsen. Die Väter ziehen durch die Lande und kümmern sich weder um die Frauen noch die Kinder. Promiskuität der Männer ist eine Hauptursache für Elend, Kriminalität und die Ausbreitung von AIDS in vielen afrikanischen Staaten.

Auf Youtube fand ich soeben ein weiteres Zeugnis, einen echten Hymnus auf die unverzichtbare Rolle von Vätern für das gute Aufwachsen der Kinder. Es spricht ein Mann, der seinen Vater nie kennenlernte, sondern nur von der Mutter und einigen anderen Frauen erzogen wurde, ein Mann, der ganz offenkundig ein Leben lang diese Wunde mit sich tragen musste, und der Heilung nur dadurch fand, dass er selber ein guter Vater wurde. Dieser Sohn einer alleinerziehenden Mutter und helfenden Großmutter sagt es deutlich und mit mahnender Stimme: „Für das Glück im Leben der Kinder ist es die wichtigste Aufgabe von uns Männern, ein guter Vater zu werden.“

Man sollte drüber nachdenken, ehe man das herkömmliche Familienmodell (Vater, Mutter, Kinder) wieder einmal in den Kübel tritt, wie es jetzt offenbar auch die EKD zu tun scheint.

https://www.youtube.com/watch?v=Dxsdp3r5Dek

https://www.youtube.com/watch?v=30n8fyUFn6E

 

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Gib, o güt’ger Staat, uns Deinen politischen Segen und schenke uns mehr Geld

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Jun 072013
 

Die steuerliche Gleichstellung der homosexuellen Partnerschaften mit der Mann-Frau-Ehe ist nur konsequent. Sie war überfällig. Sie entspricht dem gesellschaftlichen Megatrend. Das Recht zur assistierten Kindererzeugung, das Recht zur Kindererziehung und das Recht zur Kinderadoption unabhängig von biologischer Elternschaft, also auch ohne Einschränkung für homosexuelle Eltern werden in nicht ferner Zukunft folgen müssen.

Dies ist eine in Teilen wenigstens durchaus neuartige Entwicklung. Denn Homosexualität gab es zwar immer und wird es immer geben. Im alten Griechenland wurde sie sogar kulturell höher geschätzt als die fortpflanzungsgerichtete, kulturell „niedrigere“ Krethi-und-Plethi-Heterosexualität. Auch die Ablösung der Kindererzeugung und Kinderzucht von der späteren, der  gesellschaftlich anerkannten  Elternschaft wurde gelegentlich praktiziert – so etwa im alten Kriegerstaat Sparta, in der Knabenlese der Orientalen, beim Homunculus in Goethes Faust II,  im Lebensborn der Nazis, in Zwangsadoptionen der Kinder australischer Aborigines, bei denen noch im 20. Jahrhundert den biologischen Eltern ihre Kinder im Namen eines übergeordneten Interesses geraubt wurden.

 Jahrtausendelang galt aber  über die gesamte bekannte Menschheitsgeschichte die Ehe zwischen Mann und Frau – funktional gesehen – im wesentlichen als die überragende, die tragende und die grundlegende Einrichtung zum Zeugen, Hegen und Pflegen der später einmal arbeitsfähigen Kinder, zum Pflegen und Versorgen der greisen, nicht mehr arbeitsfähigen Eltern und der Älteren.

Diese als absolut unersetzlich erkannte Grundfunktion der Ehe zwischen Mann und Frau sowie des in die Ehe hineingebetteten, biologisch begründeten Eltern-Kind-Bandes wurde jahrtausendelang in Religionen und Mythen, in Dichtung und Poesie, in Recht und Gesetz besungen, verklärt, ausgeschmückt, gepriesen und geheiligt.

Das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland stellte eingedenk der schlimmen Erfahrungen der berüchtigen 12 nationalsozialistischen Jahre, in denen die Rasse und die Macht der Nation alles, die Familie nichts galt, noch einmal ausdrücklich Ehe und Familie unter seinen besonderen Schutz.

Die Familie, gesehen als biologisch begründete Abstammungsgemeinschaft, war nach allgemeiner Überzeugung die Keimzelle und das Fundament der Gesellschaften. Wenn die Frauen das Austragen, Gebären und Stillen der Neugeborenen in ausreichender Anzahl verweigerten oder wenn aus anderen Gründen nicht mehr genug Kinder geboren und ernährt werden konnten, schrumpften die Gesellschaften oder „Völker“, wie man früher sagte, und starben schließlich weg.

Heute gilt die Ehe dagegen – funktional gesehen – als Band der Gefühle, ferner als Institut gegenseitiger Absicherung zwischen erwachsenen, gleichberechtigten, arbeitsfähigen Menschen. Ihr Zweck und ihr Sinn wird im wesentlichen auf Liebe zwischen Erwachsenen begründet, weshalb sie seit etwa 200 Jahren ja gern auch als „Liebesbund“ bezeichnet wird. Kinder gelten als nicht mehr notwendiges Beiwerk der Partnerschaft der Erwachsenen und des Sozialstaates, ein Beiwerk, das nach eigenem Willen der Erwachsenen, nach eigenen Bedürfnissen der Erwachsenen kommen darf oder auch ohne Umschweife verhindert wird.

Der Zusammenhang zwischen verantwortlicher Sexualität, Ehe, Kindererziehung,  Altenpflege und Fortbestand der Gesellschaft ist somit endgültig entkoppelt.

Jetzt übernimmt der Staat durch seine vermeintlich selbsttragenden Sozial-, Wirtschafts-  und Versorgungssysteme die gesamte Letztverantwortung dafür.  Der Staat sorgt für alle. Die Politik versorgt alle. Staat und Politik, Bundesverfassungsgericht und fast alle Parteien  erteilen nunmehr folgerichtig allen Formen der Sexualität, allen Formen der Partnerschaft zwischen Menschen gleichermaßen und gezwungenermaßen ihren Segen, fördern alle Formen der auf Dauer angelegten Partnerschaft erwachsener Menschen gleichermaßen.  Ein grundlegender Unterschied in der Natur des Mannes und der Frau wird auch rechtlich nicht mehr anerkannt. Geschlechterrollen gelten als ausschließlich kulturell bedingt. Ein echtes Interesse am Fortbestehen der Gesellschaft darf sich nicht mehr artikulieren.

Die deutsche Gesellschaft schrumpft infolge dieses grundlegenden Wertewandels.  Kinder kommen irgendwie nicht mehr so recht zur Welt.  Während in früheren Jahrtausenden die Kinder als Segen der Älteren galten, müssen heute die Kinder regelrecht ihren Eltern dankbar sein, dass sie zur Welt kommen durften, denn etwa 100.000 Abtreibungen finden  in Deutschland bei etwa 600.000-700.000 Lebendgeburten pro Jahr statt.

Es gilt heute als weithin anerkanntes, unumstößliches Gesetz: Kinder kommen  nach den Wünschen und den Bedürfnissen der Erwachsenen zur Welt. Die Erwachsenen entscheiden nach ihrer jeweiligen Interessenlage oder auch nach der volkswirtschaftlichen Gesamtlage, ob ein Kind erwünscht oder unerwünscht ist, ob frau oder man es sich leisten kann oder nicht. Die materielle Interessenlage der erwachsenen, gesunden und arbeitsfähigen Menschen und die Volkswirtschaft stehen eindeutig im Vordergrund. Durch finanzielle Anreize meint der Staat die Kinderzahl erhöhen zu können.

Die Themen Altern, Pflegebedürftigkeit, Demenz, Alterseinsamkeit werden hartnäckig  abgeschoben. Am schlimmsten ist darunter übrigens bereits heute die Vereinsamung der pflegebedürftigen Alten. Gegenüber der Alterseinsamkeit ist die vielbeschworene Altersarmut ein Klacks, ein Kinderspiel sozusagen!

Weg mit diesen trüben Gedanken!  Das gegenwärtige materielle, finanzielle und vor allem das politische Wohlergehen der gesunden, erwachsenen, arbeitsfähigen und wahlberechtigten Bürgerinnen und Bürger, die volkswirtschaftliche Gesamtrechnung des 4-jährigen Planungshorizontes steht ganz vorne! Dem dienen die Politiker. Das verlangen die Wählerinnen und Wähler. An das, was in 20 oder 30 Jahren mit der Gesellschaft geschehen mag, denkt kaum jemand.

Das Motto scheint zu lauten: „Gib, o güt’ger Staat, uns Erwachsenen Deinen Segen zu allem, was wir tun und lassen wollen – und schenke uns dein Geld!“

 

 

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