Wunder der Photosynthese, Wunder des Lebens

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Mrz 222019
 
Die ersten Blättchen entrollen sich an einem Rosenstrauch. Schöneberg, Natur-Park Südgelände, 21.03.2019

Woher das Leben? Woher diese ungeheuerliche Kraft, mit der diese Strauchrose genau gestern, am 21. März 2019 ihre Blätter nach dem Scheintod des Winters austreibt? Ich kam nicht umhin, ins Staunen zu versinken, als wäre dies der erste Frühling, den ich erlebte, als wäre dies der letzte Frühling, den ich erlebte.

Ringsum herrscht noch metallene Glätte, Rauhheit – dieser Strauch wagt sich hervor!

Dahinter steckt nicht zuletzt auch das Wunder der Photosynthese. Kohlenstoffdioxid, dieses derzeit so viel gescholtene, so übel beleumundete Molekül, das völlig zu unrecht als „klimaschädlich„, als „Klimakiller“ oder gar als „Klimagift“ oder gar als „Gift“ angeschwärzt und verteufelt wird, ist der Ausgangsstoff dieses Prozesses, der weltweit das gesamte Leben der Tierwelt einschließlich des Menschen trägt und buchstäblich nährt. Durch Photosynthese stieg im Laufe der letzten beiden Milliarden Jahre der Sauerstoffgehalt auf die heutigen 21%, die uns Säugetieren ein ruhiges Ein- und Ausatmen ermöglichen.

Nur etwa 0,038 Volumenprozent der heutigen Erdatmosphäre sind Kohlenstoffdioxid, also Kohlendioxid, das als der entscheidende Feind gilt, den die gesamte Klimapolitik mit wilder Entschlossenheit niederringen will. Denn Messungen haben ergeben, dass der Kohlenstoffgehalt der Luft etwa ebenso schnell steigt wie die mittlere Lufttemperatur. Daraus leiten die meisten ernstzunehmenden Wissenschaftler eine Ursache-Wirkungs-Beziehung ab und erklären den Anstieg des Kohlenstoffgehaltes zum Haupttreiber des derzeit zu beobachtenden Klimawandels. Alle zwischenstaatlichen Klimaschutzabkommen, die gesamte Klimapolitik drehen sich um die Vermeidung des Anstieges des Kohlenstoffgehaltes in der Atmosphäre.

Das überragende Ziel der klimapolitischen Maßnahmen ist die Verhinderung der Zunahme des CO2-Gehaltes in der Luft und damit die erhoffte Begrenzung des Anstiegs der mittleren Lufttemperatur auf 2,0 bzw. besser 1,5 Grad Celsius.

Als einer von zahllosen Belegen dafür sei die Stellungnahme der 18.000 deutschsprachigen Scientists for Future angeführt, wo als die eindeutige, ja einzige operative Richtschnur jeder Klimapolitik zum tausendsten oder auch abertausendsten Male die möglichst radikale Absenkung der Kohlendioxidemissionen (und anderer Treibhausgasemissionen) angegeben wird:

Es kommt nun darauf an, die Netto-Emissionen von CO2 und anderen Treibhausgasen schnell abzusenken und welt­weit spätestens zwischen 2040 und 2050 auf null zu reduzieren. Eine schnellere Absenkung erhöht hierbei die Wahrscheinlichkeit, 1,5 °C zu erreichen. Die Verbrennung von Kohle sollte bereits 2030 fast vollständig beendet sein, die Verbrennung von Erdöl und Erdgas gleichzeitig reduziert werden, bis alle fossilen Energieträger durch klima­neutrale Energiequellen ersetzt worden sind. Unter Berücksichtigung von globaler Kli­magerechtigkeit müsste in Europa dieser Wandel sogar noch deutlich schneller ablau­fen.

https://www.scientists4future.org/stellungnahme/

Hierzu ist freilich zu sagen, dass CO2 weder giftig noch ein Klimakiller ist. Es gibt selbstverständlich die wandelbare Erdatmosphäre, also Klimawandel der einen oder anderen Art auch ohne Kohlendioxid. Mehr noch: Kohlendioxid ist ein notwendiger Ausgangsstoff für das gesamte heterotrophe Leben, also für alle Lebewesen, die ihre Nahrung nicht durch Photosynthese selbst erzeugen können, darunter wir Menschen.

Doch diese Überlegungen sollten uns nicht daran hindern, mit ungeheurer Freude das Erwachen des Frühlings zu preisen!

Sei mir willkommen, Frühling, du lang ersehnter Gast! Dank an den Strauch im Schöneberger Süd-Park, danke an die 0,038 Volumenprozent Kohlenstoffdioxid, danke an die 21 Volumenprozent Sauerstoff, Dank an den Sauerstoff, der in meinen Adern rinnt, während ich hier dies schreibe!

Freude!

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„Ripulire prima le case, poi interi quartieri!“

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Mrz 212019
 
Soham El Wardini, Bürgermeisterin von Dakar (Senegal) sendet Zeichen der Ermutigung und der Zuversicht beim Dakar Triathlon 2018

Die Frauen, die Städte sind gefordert und übernehmen die Führung! Botschaft der Bürgermeisterin beim Klimagipfel Paris 2018

Tiefen Eindruck hinterlässt in mir beim Lesen heute die Bürgermeisterin von Dakar, Soham El Wardini. In der italienischen Zeitschrift Donna moderna spricht sie über das Thema Umweltverschmutzung und Klimawandel in der von ihr regierten Stadt. Doch klagt sie nicht, nein, sie packt sofort an, sie lässt es nicht beim Reden bewenden!

Eine der ersten Aktionen ihrer Amtszeit nach der gewonnenen Wahl 2018 war es, einen Millionenbetrag für Besen und Putzmittel auszugeben, diese Besen und Putzmittel an die Bürgerinnen und Bürger zu verteilen und sie zu einer Gemeinschaftsaktion zu überzeugen: „Bisogna ripulire le case, poi interi quartieri“ – „Ein jeder kehre erst vor seiner Tür, und rein wird dann das ganze Stadtquartier!“ In einer ersten Phase geht es erst einmal darum, den ganzen Dreck und Müll vor der Haustür wegzuschaffen. Dazu muss man wissen, dass Dakar nach Mexiko City als die zweitschmutzigste Stadt der Welt gilt. Wild abgelagerter, häufig auch angezündeter Müll ist die Hauptursache der Umweltbelastung in Dakar.

In einer zweiten Phase geht es um Aufklärung, Bildung und Erziehung der Jugendlichen und der Frauen hin zu ökologisch verantwortlichem Handeln. Das Motto lautet: „Pulire è bene, ma non sporcare è meglio.“ „Gut ist es zu putzen, besser ist’s, nichts zu verschmutzen.“

Umweltschutz, Klimaschutz fängt in den Städten an! Soham El Wardini (Dakar), Anne Hidalgo (Paris), Yvonne Aki-Sawyerr (Freetown, Sierra Leone), diese drei mutigen Bürgermeisterinnen, von denen die Donna moderna berichtet, zeigen auf ihre Weise in ihren Städten, dass frau und man etwas tun muss und tun kann! Solche Bürgermeister, solche Politiker, die Zeichen der Hoffnung, des tätigen Gemeinsinns setzen, brauchen wir in der Europäischen Union mehr und mehr! Auch uns in Berlin täte dieser vorbildliche Gemeinsinn gut.

Quelle: Luisa Nannipieri: 3 Sindache paladine dell’ambiente. In: Donna moderna. 6 marzo 2019, p. 40

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Atemzüge eines Riesen – vom Wandel der Natur

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Mrz 192019
 
Blick von der Kipphornaussicht elbeaufwärts Richtung Gelobtbachmühle und Großer Zschirnstein, 17.03.2019

Wir wanderten gerade erst am Wochenende mit offenem Aug, mit weit geblähten Nüstern durch die Wälder des Nationalparks Sächsische Schweiz. Was für eine herrliche Erfrischung, was für eine Labsal für Körper und Seele, welche Wonne brachte uns das Elbsandsteingebirge zu beiden Seiten der Elbe!

Besonders gefreut hat mich, dass man auf Schritt und Tritt mit den Sachsen so gut ins Gespräch kommt und dass das Elbsandsteingebirge mittlerweile Wanderer und Erholungssuchende aus aller Welt anzieht. Insbesondere Israelis und Amerikaner haben das Bundesland Sachsen für sich entdeckt. Oft fliegen sie über den Flughafen Prag nach Europa und steigen dann in den Zug von Böhmen nach Sachsen. Sie genießen hier am Ufer der Elbe in hellen Scharen die sächsische Gastlichkeit und die überwältigenden Eindrücke der wild zerklüfteten Bergwelt. Es muss nicht immer Georgien oder der Yellowstone-Nationalpark sein!

Blick vom Fremdenweg auf die Winterbergspitzen, 17.03.2019


Und wieder haben wir herrliche Beobachtungen zum unfassbar klugen Anpassungsgeschehen des Waldes in Zeiten des Klimawandels anstellen können. Unsere Wälder entwickeln sich – teils aus eigenem, naturhaftem Wirken, durch Selektion und Adaptation also, teils durch gezielte forstliche Eingriffe – hin zu widerstandsfähigeren, an die gerade ablaufenden und die bevorstehenden Klimaänderungen besser angepasste Systeme.

Alte Fichte im Lattengrund, ca. 90 Jahre alt, vor wenigen Tagen durch Starkwind gestürzt, 16.03.2019

Unter anderem wird klar, welche Baumarten wo hingehören! Der Wind wirft viele Flachwurzler wie etwa die Fichte erbarmungslos um, während eng zueinander stehende, schlanke Buchen ohne breitausladende Krone offenbar ausgezeichnet an starke Stürme und an vorübergehenden Wassermangel in besonders heißen Dürreperioden angepasst sind. Sehr gut zu beobachten auf dem Großen und Kleinen Winterberg im Nationalpark Sächsische Schweiz bei Schmilka!

Bestand jüngerer Buchen am Großen Winterberg bei Schmilka, 16.03.2019

Während die zunehmenden Starkwindereignisse an einigen Stellen gerade die ältesten, mächtigsten Fichten umgeworfen haben, zeigen die jüngeren und mittelgroßen Laubbäume, insbesondere die zarten Birken und die schlanken Buchen keinerlei Schäden; im Gegenteil, sie scheinen für ihre Art Lebensraum zu gewinnen, den bisher die oftmals vom Menschen eingebrachten, schnellwüchsigen und zu Nutzungszwecken geförderten Nadelhölzer monokulturell in Beschlag genommen hatten.

Die Natur, und wir sind ja ein Teil von ihr!, spielt ihr Millionen Jahre altes Spiel immer weiter, sie steckt vieles weg, was unsere Fassungskraft übersteigt! Entstehen, Werden, Vergehen, Wandel, Anpassen, Aktion und Reaktion, das sind einige der Grundmechanismen, denen wir hier im Nationalpark Sächsische Schweiz zusehen konnten, wie man den Atemzügen eines schlafenden Riesen lauscht!

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Ultra voluntatem nullus civis germanicus obligetur in rebus oecologicis!

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Jan 302019
 

„In der Ökologie werde kein Deutscher über seinen Willen hinaus zu irgend etwas verpflichtet!“ Die Berliner oder auch die Deutschen sind nicht bereit, freiwillig die verhängten Parkverbote einzuhalten und damit einen Beitrag zum Umweltschutz zu leisten. Die Hauptstraße in Schöneberg, die ich gelegentlich entlangradele, weist über einige Kilometer eine Busspur aus. Es geht darum, die verordnete 30-km/h-Höchstgeschwindigkeit in ihrer Wirkung auf die Luftqualität zu überprüfen und zugleich den Busverkehr als weniger luftbelastende Verkehrsform zu beschleunigen. Denkste, Pustekuchen, trotz ständiger Überwachung ist die Busspur ständig zugeparkt! Dieses Foto zeigt drei Fahrspuren der Schöneberger Hauptstraße: ganz rechts die wie üblich dauernd zugeparkte Busspur, in der Mitte die vorübergehend zugeparkte erste Fahrspur, ganz links die zweite Fahrspur, auf der sich wie so oft ein Stau gebildet hat.

Ich meine, es hat überhaupt keinen Sinn, irgendetwas zum Thema Klimaschutz oder Luftreinhaltung von uns deutschen Bürgern zu erwarten. Beweis: Die Starts und Landungen an deutschen Flughäfen nehmen seit 5 Jahren mit wachsenden Wachstumsraten zu.

https://www.tagesschau.de/inland/luftverkehr-107.html

Dabei ist nachgewiesen, dass der Flugverkehr unter allen vermeidbaren CO2-Quellen die größte Last an klimabeeinflussenden Abgasen emittiert! Ein einziger Mittelstreckenflug emittiert pro Passagier so viel CO2 wie ein kleiner PKW, der das ganze Jahr über genutzt wird.

Die Deutschen wollen mehrheitlich einfach keinen Klimaschutz, jedenfalls sind sie nicht bereit einen eigenen Beitrag zu leisten.

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Unbedingt einsatzbereit, völlig selbständig, bei Bedarf auch mit Verbündeten: Frankreichs neue Militärdoktrin

 Klimawandel, Krieg und Frieden, Mären  Kommentare deaktiviert für Unbedingt einsatzbereit, völlig selbständig, bei Bedarf auch mit Verbündeten: Frankreichs neue Militärdoktrin
Okt 142017
 

Ausgezeichnetes, kluges Interview der amtierenden französischen Verteidigungsministerin Florence Parly in der heutigen Monde! Während in Deutschland im Dienste der Klimarettung oder der Weltenerlösung über unerfüllbare Elektro-Quoten hier und mehrfach nicht eingehaltene CO2-Quoten da gezankt und gezauselt wird, hat Frankreich gestern eine sehr griffig und bündig ausgearbeitete Miltärdoktrin veröffentlicht, die – offiziell bestätigt durch Präsident Macron – verbindliche Leitlinie des militärpolitischen Regierungshandelns sein wird: die „Revue stratégique de défense et de sécurité nationale„, also die strategische Militärdoktrin der von Präsident Macron eingesetzten Regierung.

In dem heutigen Monde-Interview fasst die Ministerin die Kernaussagen dieser Doktrin zusammen. Für die Europapolitik, die Verteidigungspolitik und die Sicherheitspolitik der Bundesrepublik Deutschland liegt hier ein Dokument vor, das meines Erachtens unbedingt vertiefte Aufmerksamkeit verlangt.

http://www.lemonde.fr/international/article/2017/10/13/florence-parly-la-france-veut-conserver-une-autonomie-strategique_5200442_3210.html

Unter drei Leitworten sei diese Zusammenfassung hier zusammengefasst:

Unbedingt einsatzbereit über alle Waffengattungen. Die französischen Streitkräfte werden auch weiterhin sowohl in der konventionellen als auch der nuklearen Bewaffnung alle Fähigkeiten aufrechterhalten und stärken und ihre jederzeitige Einsetzbarkeit in allen für Frankreich sicherheitsrelevanten Ländern nach dem alleinigen Ermessen Frankreichs sicherstellen. Die französischen Streitkräfte werden das gesamte Spektrum der modernsten Miltärtechnik in allen Waffengattungen eigenständig vorhalten und weiterentwickeln. Hierzu sind die Verteidigungsausgaben im Staatshaushalt planmäßig auf 2% des BIP zu erhöhen. Eine Verminderung der Militäreinsätze Frankreichs in den verschiedenen Ländern Afrikas und Asiens ist nicht vorgesehen.

Völlig selbständig. Frankreich wird zunächst alle seine Kampfeinsätze ohne vorherige Rücksprache mit anderen und in völliger Selbstständigkeit („autonomie totale“) planen und durchführen. Diese „autonomie stratégique, technologique et opérationelle“, welche die Ministerin ausdrücklich nennt, betrifft strategische Planung, Einsatzführung und taktische Maßnahmen im Kampfgebiet.

Jedoch werden die Kampfeinsätze nicht notwendigerweise stets allein ausgeführt, sondern es gilt der Grundsatz:

Bei Bedarf auch mit Verbündeten. Je nach strategischer Lage und taktischer Zielsetzung wird Frankreich sich mit unterschiedlichen Verbündeten absprechen und Zusatzleistungen anderer Staaten mit einbeziehen. Das können, wenn auch in vermindert zu erwartender Verlässlichkeit,  die USA sein; insbesondere aber kommen hier Deutschland und Großbritannien als hilfeleistende Verbündete und  Truppensteller in Betracht. „Les Allemands ont la capacité de nous soutenir„, sagt die Ministerin wörtlich, zu deutsch: „Die Deutschen haben die Fähigkeit uns zu unterstützen. “

Wie in anderen Politikbereichen auch gilt der Grundsatz: Frankreich zuerst. Frankreich beansprucht also in Sachen Krieg und Frieden die erste Geige zu spielen. Dann kommen die anderen, darunter die USA, Großbritannien und Deutschland.

Was fällt auf? Weder NATO noch EU spielen in den Betrachtungen der Ministerin eine Rolle. Was zählt, das sind zuerst und zuletzt die Staaten, wie natürlich Frankreich zuerst, dann Frankreich noch einmal und dann die anderen mehr oder minder großen Staaten dieser Welt. Von einer gemeinsamen Militärdoktrin oder Grenzsicherungsdoktrin der EU kann weiterhin nicht im entferntesten die Rede sein. Darüber, so meine ich, sollte man sich nicht mehr so vielen trügerischen Illusionen hingeben, wie dies hierzulande bei aller löblichen Frankreich- und EU-Begeisterung (die der hier Schreibende teilt) noch der Fall ist.

Ich empfehle das messerscharf geschliffene Interview der brillanten französischen Verteidigungsministerin, in dem Christophe Ayad, Nathalie Guibert und Marc Semo die Fragen stellten, nachdrücklich der Aufmerksamkeit in den anderen Staaten der EU.

 

 

 

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O Sorbus aria!

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Sep 282017
 

Kaum beachtet, meist verwechselt, schwer zu benennen, schwer zu erkennen: die Echte Mehlbeere. Wer achtet ihrer? Wer kann sie von einer Holz-Birne oder einer Echten Mispel sicher unterscheiden? Du, der Du dies liest? Ihr dort draußen? Ich nicht!

Wie dem auch sei – es gibt bei uns in der Schöneberger Heimat nicht nur die Robinie, die Weide, die Esche, die Kastanie, die Buche, sondern eben auch sie: die Echte Mehlbeere. Wie tüchtig ist sie doch! Wie klug schützt sie sich vor dem Klimawandel! Denn ihr Haarfilz auf den Blättern setzt die Verdunstung herab und ermöglicht es dem Baum, auch in sandiger Ödnis zu wachsen. Das ist wichtig, ja vorbildlich in Zeiten der Erderwärmung!

Mein gutes, kenntnisreiches Biologen-Ehepaar schreibt: „Die mehlig-weichen, fad schmeckenden Früchte, sind zwar essbar, eignen sich aber nur als Notnahrung. Getrocknet und vermahlen mischte man sie früher unter das Mehl, um Brot zu backen. Auch für die Gewinnung von Essig lassen sie sich verwenden.“

Mir kam ein Wandersang in den Sinn:

O ihr essigsauren Früchte, ich schätze euch sehr! Mir sollt ihr in Zeiten der Not willkommen sein! Wieviele hungrigen Mägen sättigtet ihr schon? Wie oft stilltet ihr das Geschrei der unmündigen Kindlein? Dein unten silberweiß behaartes Blatt, Aria, nötigt mir Ehrfurcht und Scheu ab wie das spärliche aschene Haar meiner Urgroßmutter Shulamith.  Sei mir gepriesen, Sorbus aria, sei mir gelobt und sei mir gesegnet, du echte, trutzige, nährende Beere! Andere starben, du lebst und wirst leben!

 

Bild: Echte Mehlbeere, Sorbus aria im Schöneberger Natur-Park Südgelände. 28.09.2017
Zitat:
Echte Mehlbeere. Sorbus aria (Rosengewächse), in: Margot und Roland Spohn: Welcher Baum ist das? Kosmos Naturführer, Stuttgart 2014, S. 111

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Energiewende en Allemagne oder électricité française?

 Elektromobilität, Gouvernance économique, Klimawandel, Zählen  Kommentare deaktiviert für Energiewende en Allemagne oder électricité française?
Jun 132015
 

La transition énergétique allemande est au bord de l’échec – die deutsche Energiewende steht am Rande des Scheiterns“, mit diesem Zitat des Wirtschaftsministers Sigmar Gabriel vom 25.11.2014 fasst der Wirtschaftswissenschaftler Jean de Kervasdoué im Figaro vom 12. Juni 2015 seine Analyse der deutschen Energiewende zusammen.

Er rät den Franzosen und den anderen EU-Staaten mit aller Entschiedenheit davon ab, die deutsche Energiewende nachzuahmen oder auch nur im geringsten als Anregung zu nehmen. Die Zahlen, die Kervasdoué gegen das derzeitige deutsche Modell der Energieversorgung und stärker noch gegen den deutschen Atomausstieg und die deutsche Energiewende ins Feld führt, sind in der Tat beeindruckend:

– Die deutschen Energieerzeuger emittieren 10 Mal mehr Kohlendioxid als die französischen.

– Kohlekraftwerke verursachten pro erzeugter KWh in den letzten 50 Jahren 4200 Mal mehr Todesfälle als Atomkraftwerke. Windkraftwerke haben 10 Mal häufiger als Atomkraftwerke getötet. Solarstromanlagen töten 4 Mal öfter als Atomkraftwerke.

– Weitgehend emissionsfreie Atomkraftwerke und Wasserkraftwerke erzeugen 90% des französischen Strombedarfs und erfordern nur im Winter flankierend den Einsatz von klimaschädlichen Wärmekraftwerken.

– Wenn man im Jahr 2050 den gesamten Energiebedarf in Deutschland aus erneuerbaren Energien beziehen will und zugleich annimmt, dass in dieser Zeit die Windkraftanlagen ihren Leistungsgrad verdoppeln, müssen dafür 43500 Quadratkilometer, also 8% der Fläche Frankreichs (oder ca. 12% der Fläche Deutschlands) mit Windkraftanlagen bedeckt werden.

Ich meine, es lohnt sich, die Argumente Kervasdoués vorurteilslos zu prüfen, zumal auf derselben Seite die deutsche Botschafterin in Frankreich, Susanne Wasum-Rainer, ebenso engagiert für die deutsche Energiewende wirbt und sie ausdrücklich zur Nachahmung empfiehlt.

Zwischen beiden Standpunkten, so meine ich, ist eine Vermittlung nahezu unmöglich. Wichtig ist, dass beide Positionen gehört und rational im Für und Wider abgewogen werden. Dem Figaro gebührt Dank, dass er die gegensätzlichen, prinzipiell unvereinbaren Argumentationsketten ungeschmälert zur Geltung bringt!

Schließlich sollte man auch noch die einzige Gemeinsamkeit beider Autoren anführen, dass sie nämlich beide die Energieversorgung als nationale, nicht als europäische Lenkungsaufgabe ansehen, bei der zentrale nationalstaatliche Planung gefordert ist und ein EU-Konsens nicht erreicht werden kann und auch nicht angestrebt wird.

Quelle:
Susanne Wasum-Rainer: Le tournant énergétique en Allemagne
Jean de Kervasdoué: L’électricité française: un atout
Le Figaro, 12 juin 2015, Seite 14

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Ein ökologisch vorbildliches Leben

 Armut, Klimawandel, Natur, Ökologie, Vorbildlichkeit  Kommentare deaktiviert für Ein ökologisch vorbildliches Leben
Nov 272014
 

Soeben lasen wir gemeinsam ein Kapitel aus dem schön-schaurigen Roman „Die Schwarzen Brüder“ von der großartigen Lisa Tetzner vor. Ja, Kinder, das waren noch tiefe, wühlende Sorgen, das war echte Armut  – als der Vater, um den schieren Lebensunterhalt und die ärztliche Behandlung für die Mutter zu sichern, seinen 12-jährigen Sohn Giorgio als Kaminkehrerbub nach Mailand verkaufen musste!

Giorgio fängt die jungen Käuzchen direkt aus dem Nest des Turmkauzes weg, lebt als Jäger und Sammler im Einklang mit der Natur. Er arbeitet an frischer Luft, Süßigkeiten gibt es nicht, keine Cola, keinen Hamburger. Dafür Vater und Mutter an einem Strang ziehend, mehrere Generationen hausen unter einem Dach. Man zahlt weder Renten- noch Arbeitslosen- noch Krankenversicherung. Wenn die Mutter nicht das Bein gebrochen hätte, hätte der Vater den Bub auch nicht als Kaminkehrersklaven nach Mailand verkaufen müssen.

Ansonsten führt die Bergbauernfamilie aber ein ökologisch vorbildliches Leben: es gibt keine Autos, keine Maschinen, keinen CO2-Ausstoß, keinen Klimawandel, der Bub sichelt von früh bis spat an langem Seil hängend das duftende Gras für das Vieh. Ab und zu zersichelt er eine Viper. Und dann begegnet er einem Dachs.

Naturnahe Ernährung, reichlich Bewegung – so ist es gut! Hei, davon können unsere Kreuzberger Kids und unsere bezirksoberen Politiker hier nur träumen.

Und dieses Buch könnt auch Ihr lesen!
Lisa Tetzner: Die Schwarzen Brüder. Erlebnisse und Abenteuer eines kleinen Tessiners. Mit Illustrationen von Emil Zbinden.  Fischer Sauerländer Verlag, Frankfurt am Main 2014, darin: Kapitel 1: Wir lernen Giorgio und seine Tessiner Bergheimat kennen, aber sofort auch den Mann mit der Narbe und seine böse Prophezeiung, S. 11-30

 

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Die apokalyptischen Reiter der Menschheit kommen aus dem Herzen des Menschen

 Das Böse, Klimawandel, Krieg und Frieden, Natur, Volksverdummung  Kommentare deaktiviert für Die apokalyptischen Reiter der Menschheit kommen aus dem Herzen des Menschen
Jan 152013
 

2012-11-25-142406.jpgReiche, tiefe Einsichten aus den letzten Tagen! „Laut EU und laut Frankreich ist der Klimawandel kurz- und mittelfristig das größte Problem der Menschheit. Wie seht ihr das? Ist Klimawandel eure Hauptsorge?“, so frage ich Freunde aus Syrien. Sie wären fast aus der Haut gefahren! „Bei uns in Aleppo haben sie seit 15 Tagen keinen Strom mehr, die mühsame Wiederaufbauarbeit der GTZ für die uralte Altstadt von Aleppo ist in wenigen Stunden vernichtet worden, hier sind Jahrtausende der Menschheitsgeschichte auf immer verloren worden  – und ihr redet immer nur vom KLIMASCHUTZ und von der ENERGIEWENDE?!“

Nein, nein! Ich meine: Gewalt, Raub, Mord, Krieg, Verlust der Eltern, der Familie, Vertreibung, Gier,  Neid, Hass, Rechtlosigkeit – das sind seit Menschengedenken die apokalyptischen Reiter, das sind auch heute die großen Bedrohungen.

Nicht Weltenrettung durch Klimaschutz ist angesagt, sondern das tägliche Ringen und Kämpfen für das Wohl des Menschen, dem wir begegnen. Eine einzige Bombe in Aleppo zerreißt doch all die wohlgemeinten Anstrengungen zur Rettung der Weltklimas.

Bei meinem Theaterauftritt in „Hör die Stimme der Natur!“ im Ackerstadtpalast sprach ich mich deshalb für den Schutz und die Hege, die Achtung und die Fürsorge für den Menschen aus. Herrlich, wie der Film „Das Leben des PI“ die grausame Unerbittlichkeit der NATUR PUR herausmeißelt!  „Mancher, der glaubte, die NATUR PUR zu schützen, fand sich mit ihr auf einem Rettungsboot und entdeckte, dass sie ein reißender Tiger ist. Bitte fangt mit der Nächstenliebe an! Achtet die Natur im begegnenden Menschen zunächst! Fangen wir doch mal mit dem gesunden, achtsamen, menschenfreundlichen Radfahren an!“ Stolz hielt ich meinen Fahrradhelm ins Publikum. Die Botschaft kam an, die Menschen lachten und lächelten. Die wahre Energiewende ist eine Wende des Herzens!

 Posted by at 23:46
Dez 072012
 

2012-10-28-153522.jpg

„Scheitert die Energiewende in Deutschland, hätte dies fatale Folgen für die weltweiten Bemühungen gegen den Klimawandel.“ So äußern sich das Zentralkomitee der deutschen Katholiken und BÜNDNIS90/DIE GRÜNEN einhellig in einer Erklärung vom 4. Dezember 2012.

Was für eine grandiose Haltung der deutschen Politik spricht aus diesem Satz! Ich finde es merkwürdig, dass das Zentralkomitee der deutschen Katholiken sich in den Dienst eines vorerst eher unkonkreten politischen Maßnahmenbündels stellt, „um die WELT zu retten.“

Was maßen sich die HERRschaften eigentlich an – DEUTSCHLAND soll also der Welt den Weg weisen? Soll denn am deutschen Energiewendewesen das Weltklima genesen? Vorsicht, diese deutsche Überheblichkeit hattten wir schon mal. Diese deutsche Überheblichkeit hat der Welt nicht gut getan. Der Zertifikatehandel hat ja bisher auch keineswegs den ersehnten, hoch und heilig versprochenen Wandel gebracht.

Deutschland erzeugt etwa 2,4% der gesamten weltweit ausgestoßenen  Treibhausgase. Das ist viel, aber es nicht so viel, dass Deutschland es in der Hand hätte, das Weltklima zu retten. Selbst wenn Deutschland von heute auf morgen die gesamte Emission einstellte, würde sich langfristig nichts ändern.

Ich finde es besser, wenn kirchliche Organe sich der allzu offenen, direkten Einflussnahme in die Tagespolitik zugunsten einer politischen Partei (etwa der GRÜNEN) enthalten. Dem HERRN gehört die Erde, der Erdkreis und seine Bewohner: Der Psalmist meint damit: Der Mensch, noch weniger ein einzelnes Volk wie die Deutschen, sollten sich nicht anmaßen, über Wohl und Wehe der Erde zu verfügen. Achtsamkeit, schonender Umgang mit den Mitmenschen und mit den Schätzen der Erde – ja! Rechthaberei, Aufzwingen des eigenen Willens, Steuerung von oben herab – sind schon weniger zielführend.

Etwas mehr Bescheidenheit tut not. Der Klimawandel ist zweifellos ein Problem, wenn auch keineswegs das drängendste Problem der Weltpolitik. Die deutschen Katholiken und die deutschen Bündnisgrünen sollten jetzt nicht so tun, als hätten ausgerechnet die Deutschen das Ei des Kolumbus gefunden. Es werden wahnsinnig viele Treibhausgase unnötig emittiert. Emissionseinsparungen sind neben Änderungen  des Lebensstils ein bisher kaum genutztes Potential.

Kleinere Brötchen backen ist angesagt.

Fahren wir etwas mehr Fahrrad, schaffen wir etwas bessere Bedingungen für den Radverkehr, beginnend im grün regierten Wohnbezirk Friedrichshain-Kreuzberg. Das wäre mal schon etwas. Man muss nicht immer der WELT vorschreiben wollen, wie es geht.

 Posted by at 12:52