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Archiv der Kategorie Meine innige Freude
“Teiche auf den Tauwind harren …”
20.3.2010 von admin.
So dichtete einst Stefan George.
Am zweiten wärmeren Vorfrühlingstag vertiefe ich mich in die herrlichen Meditationen eines Giles Foden über Schnee, Eis, Kälte, fließendes Wasser! Im unberechenbaren Wirbel des Schneesturmes erblickt der Erzähler einen Hinweis auf die unabdingbare Irrsal und Wirrsal des Menschseins. Großartig, was der Meteorologe über die Anstrengungen berichtet, das Unberechenbare - das Wetter - zu berechnen, das Unbeherrschbare auszunutzen! Wir zitieren:
From within as well as without, disorder is always waiting to pounce. Failure is always at the ready. All it takes is a little push at the brick of one’s self-possession and the whole enterprise is threatened. Sometimes memory is the only thing left holding the individual together: the crypt that is also the keystone.
Wie zur Beruhigung warf ich heute einen Blick auf den Scharmützelsee in Bad Saarow. Er ist immer noch großflächig gefroren. Merkwürdiges Bild der Erstarrung angesichts des verhalten anrollenden Frühlings!
Quelle: Giles Foden, Turbulence. A Novel of the Atmosphere. faber and faber, London 2009, S. 37
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Der Märchengeiger kam
8.2.2010 von admin.
Ein schönes Erlebnis war für mich gestern die Märchen-Erzählstunde in der Keramikwerkstatt bei Eva Trenz-Diakité. Noch 1 Stunde vorher wusste ich nicht genau, wie ich das Märchen “Der Kaiser und der Rossknecht” erzählen sollte. Zu Beginn spielten Ira, Wanja und ich unseren alten Dauerbrenner “Der dreiköpfige Drache”. Dann war ich dran! Der Märchengeiger kam!
Das Motiv entnahm ich der alten spanischen Märchensammlung “El Conde Lucanor” von 1335, über das ich aus dem Internet Kunde erhalten hatte. Doch kannte ich nur den Titel und ein Motiv. Eine Inhaltsangabe, geschweige denn ein Text lagen mir nicht vor.
Ich hatte mir also kaum mehr als folgendes zurechtgelegt:
Der Kaiser von Spanien ist krank. Das ganze Land leidet. Keiner kann helfen: kein Weiser, kein Arzt, kein Gaukler oder Spielmann. Ganz zuletzt kommt ein Rossknecht, der die rechten Worte trifft. Der Kaiser wird wieder gesund, der Rossknecht verwandelt sich in einen Prinzen und heiratet die Prinzessin.
Das alles kleidete ich in allerlei Einfälle und Melodien, die ich mit der Geige spielte. Während des Spielens überlegte ich mir schon die nächsten Erzählschritte. Die Kinder warfen immer wieder Fragen, Zwischenrufe und Einfälle ein - ich verflocht alles in ein buntes Ganzes.
Und so entfaltete sich das ganze bunte Märchenland … Nachher saßen wir noch bei guten Plaudereien, Gesprächen und einem Topf Borschtsch zusammen.
Danke an alle - insbesondere an Eva, Ira und Wanja! Und an alle großen und kleinen Zuhörerinnen und Zuhörer! Es war ein schönes Gemeinschaftswerk!
Auf dem Foto von links nach rechts: Eva Trenz-Diakité, der Märchengeiger, Irina Potapenko, Wanja Hampel
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Verhallendes Wort trifft auf gebrannte Keramik
27.1.2010 von admin.
Eva lädt uns ein, am nächsten Sonntag, 7. Februar um 17 Uhr 7 ein paar Märchen zu erzählen. Dazu wird sie - meine Geige nämlich - ihre Stimme erheben.
Das Märchen lebt aus dem Augenblick, ist hingeweht, widersteht jeder bannenden Festlegung. Keramik dagegen brennt etwas für die Ewigkeiten. Älteste Kermikfunde reichen tausende Jahre zurück! Das gesprochene Wort verhallt, klingt fort, verliert sich.
Das Töpfern und Brennen ist eine ebenso alte Kulturtechnik wie das Erzählen von Geschichten.
Kommt alle!
Der Märchengeiger kommt in die Keramikwerkstatt und erzählt: Das Märchen vom dreiköpfigen Drachen & das Märchen vom Rossknecht und dem Kaiser.
Johannes Hampel erzählt Märchen und spielt auf seiner Geige.
Für Erwachsene und Kinder gleichermaßen.
Am 7. Februar um 17:07 Uhr
in 10963 Berlin Kreuzberg, Obentrautstraße, Ecke Großbeerenstraße 78
Eintritt frei. Über eine Spende freuen wir uns.
marchenrot.pdf
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Mutterstadt München
27.1.2010 von admin.
Unreal city
under the white fog of a winter morning …
Diese leicht veränderten Zeilen T.S.Eliots kamen mir in den Sinn, als ich gestern in München meine morgendlichen Schwimmbahnen zog. Ort: eine Herberge im Herzen Münchens. Ein erster Blick hinaus zeigte die Frauenkirche, unwirklich behelmt mit einem Baugerüst, das seinerseits überstäubt war mit unwirklich frisch gepudertem Schnee.
Da wir über die Liebe Frau sprechen: München ist meine Mutterstadt. Da meine Mutter Bayerin ist, höre ich jederzeit die Stimme meiner Mutter, meiner Heimat, wenn ich den Menschen auf den Straßen zuhöre. Sie würden nie merken, dass ich auch eine bayerische Wurzel habe. Ich hüte mich strengstens, irgendwie meine überlegenen Kenntnisse der Sitten&Gebräuche heraushängen zulassen.
Beispiel: Kein echter Bayer wird das Wort “Schweinebraten” auf eine Speisekarte setzen. Wer so etwas tut, hat sich schon aufgegeben. Jeder Bayer weiß: Es heißt Schweinsbraten. Jedoch gilt: Dies den zugewanderten Deutschen predigen zu wollen, wäre sinnlos. Sie müssen sich integrieren können! Deshalb gehe ich stets taktvoll über derartige Stilbrüche, wie ich sie gestern im Schwabinger Türkenhof erleben musste, hinweg. Und bestellte Schwammerl. Ich hätte auch Lüngerl bestellen können. Herrlich!
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Markenkennzeichnungskraftverwässerungsgefahr nebst Rufausbeutungsanfangsverdacht!
22.1.2010 von admin.
Mein kluger Sohn, ein studierender Jurist, stößt mich mit der Nase in Facebook auf das in der Tat gravierende Problem der Markenkennzeichnungskraftverwässerungsgefahr. Aber lest selbst selbst:
Markenrecht: Die lustigste Abmahnung des Jahres - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Netzwelt
Vorwurf: “Es besteht neben der Gefahr der Verwässerung der Markenkennzeichnungskraft ein Verdacht auf Rufausbeutung.”
Auf diese Gefahr sollte man mal unsere 5 großen Volksparteien hinweisen! Aber nervt uns bitte nicht mit Abmahnungen, wenn ihr einen radelnden CDU-Mann oder einen Saab-9000i-fahrenden Grünen seht.
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Camminando va - Leben ist Aufbruch
24.12.2009 von admin.
Camminando va - das ist das Lied, das wir heute zum Abschluss des Krippenspiels in der Kreuzberger Kirche St. Bonifazius singen und spielen werden. Beginn: 15.30 Uhr.
Aber was bedeutet eigentlich “Camminando va”? So fragte ich gestern eine italienische Freundin. Sie gab mir zu Antwort: “Ziehe deines Weges. Schau nicht zu sehr nach rückwärts. Trau deinen Kräften. Kümmere dich um die Menschen am Wegesrand.”
Da hatte ich sie. Die Weihnachtsbotschaft dieses Jahres. Ich schlief über dieser Botschaft eine Nacht. Heute früh setzte ich diese Botschaft auf Youtube. Es ist eine frohe Botschaft im Gehen. Keine ordentliche, keine gesetzte Botschaft, sondern eine wildbewegte aus der Morgenfrühe, aufgenommen mit fahriger Kamera, zwischen winddurchschossenen Bäumen auf den kalten Straßen Kreuzbergs.
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Mein Freund ist Rheinländer
10.12.2009 von admin.
Schaut euch meinen Freund an! Er ist Rheinländer. Er wusste um die Bedeutung von klaren Leitbildern, von Mehrheiten, von Strategie und Taktik im Gewühle des politischen Alltagsgeschäftes. Und ihn zeichnete noch etwas aus: Er konnte zuhören. Sitzungsprotokolle des CDU-Bundesvorstandes belegen, dass er über weite Strecken seiner Gremienarbeit einfach nur zuhörte. Und dann gelang ihm etwas, was besonders schwer ist: Er brachte die richtigen Leute an die richtigen Plätze, er setzte die richtigen Themen, er fuhr auch mal dazwischen, wenn etwas “anbrannte”. Und er gab eigene Versäumnisse und Fehler zu und lernte daraus. Vorbildlich!
Übrigens hat er sich auch getäuscht. Zum Beispiel war er der Überzeugung, dass das Projekt der Europäischen Einigung auf Gedeih und Verderb mit der EVG, der Europäischen Verteidigungsgemeinschaft, verknüpft sei. Es kam anders. Die französische Nationalversammlung lehnte die EVG ab, und die europäischen “Einigungspolitiker” standen vor einem Scherbenhaufen. Ein ähnliches, aber nicht so schlimmes Desaster hat die EU mit ihrem Lissabon-Vertrag erlebt. Auch hier gilt es, aus Fehlern zu lernen und das große gemeinsame Vorhaben unter veränderten Bedingungen voranzutreiben.
Gestern nahm ich an einer Podiumsveranstaltung der Konrad-Adenauer-Stiftung teil. Was für eine Freude! Eine Schöneberger Kita-Leiterin, ein Kreuzberger Grundschulleiter, zwei engagierte Kreuzberger Väter (darunter der hier schreibende Blogger) und eine Pädagogik-Professorin von der Humboldt-Uni diskutierten und stritten unter der kundigen Moderation eines zuhörenden Politikers mit einem achtsamen, neugierig-aufgeschlossenen Publikum über die beste mögliche Bildung für unsere Kinder. Gut & schön!
Eins meiner großen Vorbilder hätte sich gefreut. Er war im Geiste dabei. Als Rheinländer hätte er es gebilligt, wenn ich mich einfach neben ihn gestellt und um ein gemeinsames Foto gebeten hätte. Mein herzlicher Dank geht an Herrn Korneli und seine Mitarbeiterin von der Konrad-Adenauer-Stiftung, die dieses Foto ermöglicht haben.
Bericht folgt an dieser Stelle!
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“Ich möchte auch Geige lernen!”
24.11.2009 von admin.
Das Konzert “Fanny und Felix - das geheimnisvolle Band” hat stattgefunden! Es war sehr sehr schön für mich! Nebenstehend seht ihr ein Foto des jungen Publikums.
Erik, Mischa, Mark, Natalia spielten, dass es eine Freude war. Ira sang Fanny Hensel, ich geigte Mendelssohn.
Zum ersten Mal unternehme ich den Versuch, die tägliche Rückschau als Video einzustellen. Klickt hier drauf!
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Altvergangne Tage wiederauferstanden
29.6.2009 von admin.
Große Rückschau gestern bei der Feier meines 50. Geburtstages. Ein tolles Ambiente zauberten Heike und Angela in der Kerzenwerkstatt in der Kreuzberger Hagelberger Straße 53!
Am Abend erinnerten mich meine Geschwister, dass ich damals, während der Pubertät in den 70er Jahren, ein ziemlich linker, für katholische Verhältnisse geradezu linksradikaler Schüler war. Das stimmt. Im Alter von 13 bis 15 Jahren erkämpfte ich die Öffnung eines zweiten Schultores, gründete mit anderen zusammen die Schülerzeitung Stachelbeere, die dann auch prompt einen Zensureingriff erleiden musste.
Der Spiegel berichtete hierüber 1976:
An den Kragen - Artikel - SPIEGEL WISSEN - Lexikon, Wikipedia und SPIEGEL-Archiv
Die “Stachelbeere” von Augsburgs Stephan-Gymnasium mußte einen Artikel kippen, weil er Forderungen der vom Kultusministerium nicht anerkannten Landesschülervertretung enthielt. Statt dessen imprimierte Schulleiter Peter Johannes Lettner einen Eigenbeitrag über Einwände der Münchner Landesväter gegen die “von außerschulischen Gruppen unterstützte” Schüler-Organisation: “Das Staatsministerium ist besorgt, auf diese Weise könne eine verfehlte Entwicklung Platz greifen. wie sie im Hochschulbereich durch das bayerische Hochschulgesetz überwunden ist.”
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Freies Erzählen am Brandenburger Tor
7.6.2009 von admin.
Gleich am Morgen ging ich zu den Europawahlen in die Nikolaus-Lenau-Grundschule. Ich wurde von den Wahlhelfern freundlichst begrüßt - war ich doch um 9.20 Uhr schon der zwölfte Wähler, der seine Stimme abgab! Den langen Zettel las ich gründlich durch und setzte mein Kreuz bei der Liste eines Mannes, den ich kenne und schätze.
Ich rief aus: “Ich tippe auf 42% Wahlbeteiligung und leiste hiermit meinen Beitrag!” Gelächter: “Sie sind zu optimistisch!” - Das habe ich ja auch in diesem Blog geraten. Und so ist es auch gekommen. Der Wahlausgang bedeutet ein klares Votum für mehr Freiheit, für weniger Staatsgläubigkeit. Die niedrige Wahlbeteiligung und ebenso das Erstarken der Rechten in den anderen Ländern finde ich allerdings bedenklich.
Beim Umweltfestival erzähle ich das Märchen vom Rabenkönig zweimal. Erst auf der großen Bühne vor dem Brandenburger Tor, dann auf der kleinen Bühne vor dem russischen Panzer. Nur mit einer Stimme und einer Geige vor die Menschen zu treten, das ist schon mehr, als sich in einem Ensemble einzureihen. Ich lasse mich tragen und die Worte strömen sozusagen aus mir heraus. Der Sohn, der sich aufmacht, um seine beiden Brüder und den Ochsen zu befreien, besteht alle Prüfungen: Er kann teilen, denn er gibt sein letztes Brot an ein Tier. Er hört zu, er ist mutig - und er geht sparsam mit den Schätzen der Erde um!
Das Tolle war: ich hatte keinen Text auswendig gelernt, sondern merkte auf die Reaktionen der Zuhörer - was kommt an? Wie alt sind sie? Wie gehen sie mit? Also waren die zwei Fassungen des Märchens heute recht unterschiedlich.
Die große ADFC-Sternfahrt endete hier am Brandenburger Tor. Durchnässt, aber zufrieden trudeln Tausende und Abertausende von Radlern ein. Ich spreche mit einigen ADFC-Freunden, darunter auch der ADFC-Landesvorsitzenden Sarah Stark. - Es war ein erfolgreicher Tag, etwa 100.000 Teilnehmer folgten dem Lockruf der freien Straßen.
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