Archive for the ‘Modellbezirk Radverkehr’ Category

Kindlein, streitet euch doch nicht über Radspuren! Schwingt euch aufs Stahlross!

Montag, April 11th, 2011

08042011482.jpg Ein regelrechter Glaubenskrieg ist in New York über Radspuren entbrannt.

ZERO TOLERANCE, no Graffiti, no Schmutz, No littering, no  Handtaschendiebstahl – mit dieser Devise hat sich New York unter dem Law&Order-Man Rudy Giuliani und seinem erzkonservativen Nachfolger Michael Bloomberg zur selbsterklärten grünsten Stadt Amerikas gewandelt.

Der massenhafte Umstieg vom Auto auf das Fahrrad ist integraler Bestandteil  dieser Saubere-Stadt-Initiative.  Vorndran immer die republikanischen Bürgermeister! Es klappt!

Im Grunde ähnlich dem, was ich über den bezirklichen FahrRat der BVV für Friedrichshain-Kreuzberg unter dem Titel “Modellbezirk Radverkehr” vorgeschlagen habe. Der winzige Unterschied: New York hat 8,2 Millionen Einwohner, Friedrichshain-Kreuzberg nur 269.000. Egal. Das Prinzip ist dasselbe: Die Bürger sollen sich ihre Stadt zurückholen, Verantwortung übernehmen, der Vermüllung, dem Lärm und der Umweltverschmutzung den Kampf ansagen.

Friedrichshain-Kreuzberg soll ein sauber herausgeputzter Modellbezirk werden – auf Augenhöhe mit New York dastehen. Wir haben mehr Künstler, mehr Radfahrer, mehr Ethnic Communities als Du, oh Big Apple! Auch wenn wir weit und breit keine erzkonservative Partei wie die US-Republikaner haben, lol.

Na, jetzt kloppen sie sich über dem Großen Teich. Manche haben offenbar was gegen aufreizende Radlerinnen. Lest selbst:

Neben der Spur – Berliner Zeitung

Unser Bild zeigt eine vorbildlich herausgeputzte Radspur neben der Marheinekehalle in Kreuzberg. Wann benutzt DU sie? Schwing dich auf!

Vom “Modellbezirk Radverkehr” zur “Fahrrad-Modellstadt”

Freitag, Juni 25th, 2010

07062010.jpg Freunde, so macht es Spaß. In diesem Blog lancierten wir am 16. März dieses Jahres das Konzept “Modellbezirk Radverkehr” und stellten das Gerüst im bezirklichen FahrRat Friedrichshain-Kreuzberg vor. Grundgedanke war es, alle Erfordernisse für guten Radverkehr in Worten zusammenzutragen, in ein schlüssiges Konzept einzubinden, mit Fristen und Zielen anzureichern und als Forderung an die Politik heranzutragen.

Etwas ganz ähnliches versuchen nunmehr, bereits wenige Monate danach, auch die Grünen im Berliner Abgeordnetenhaus. Vertreter der Grünen haben mir gestern eine sehr gut gemachte neue Broschüre überreicht, die den Titel “Sicher im Sattel – Modellstadt Berlin” trägt.

Unbedingt lesens- und beherzigenswert!

Allen konkurrierenden Parteien, vor allem aber der grünen Partei selbst sei das grüne kleine Heft nachdrücklichst empfohlen! Und: Unser Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg ist mit vielen aussagefähigen Bildern vertreten!

Und bedenkt vor dem Schlafengehen folgenden Satz:

Die uneingeschränkte Radverkehrsförderung ist klimapolitisch alternativlos. 

Steht auf S. 31. Das ist ein Satz, wie ihn viele verstehen. Aber nur wenige könnten das so gut formulieren!

Alternativlos. Das ist DAS neue Wort in der politischen Debatte!

sicher-im-sattel.pdf (application/pdf-Objekt)

Sag Ja zum Nein! Halt das Steuergeld beisammen!

Montag, Mai 3rd, 2010

Im Handaufhalten sind sie alle schnell. Jeder verlangt gerne Geschenke vom Vater. Dafür liefert die Morgenpresse jeden Tag Beispiele. 5000-6000 Euro will Jürgen Trittin (er war einmal Bundesumweltminister) jedem Käufer eines Elektro-Autos schenken (dieses Blog berichtete am 18.04.2010). Und der Berliner Bürgermeister Wowereit bittet ganz lieb bei Bundeskanzlerin Merkel, sie möge Berlin zur Modellstadt für Elektromobilität hochfördern (und nebenbei seine Chancen auf Wiederwahl im Jahr 2011 beflügeln). Das berichtet die Berliner Morgenpost heute auf S. 8. Es ist klar: Die E-PKWs werden zunächst – also mindestens für ein Jahrzehnt – als Zweitautos für Besserverdienende zum Einsatz kommen und eine zweite Stromnetz-Infrastruktur neben der bestehenden erdölgestützten Infrastruktur verlangen. Das alles wird viel kosten. Platz, Raum, Land und Geld. Und das Geld hat immer einer – der Staat! Denn wer Griechenland hilft, kann auch die massive Zweitauto-Kampagne unterstützen, als deren Befürworter sich hochangesehene Politiker wie Jürgen Trittin und Klaus Wowereit darstellen.

Ich kann doch keine Prämie für ein Auto ausloben, das noch gar nicht auf dem Markt ist!“, weist Bundesverkehrsminister Ramsauer solche lieb gemeinten Ansinnen zurück. Ein höfliches Nein. Und dafür gebührt ihm höchstes Lob! Dass ein Politiker den PKW-Förderwünschen der Joschka-Fischer-BMW-Jürgen-Trittin-5000-Euro-Lobby widersteht, hat Seltenheitswert. Das hätten wir gerne auch bei der Abwrackprämie unseligen Angedenkens gesehen.

Wir meinen: Statt des Zweitautos mit Elektroantrieb sollte man das Erst-Fahrrad mit Muskelantrieb werblich fördern. Mindestens mit guten Worten, nicht mit (Steuer-)Geld.

Und eine sinnvolle Fahrrad-Infrastruktur kostet nicht die Welt. Jede Autobatterie eines reinen Elektro-Autos kostet heute etwa 10.000 bis 15.000 Euro. 6 Kreuzberger Bügel, ordnungsgemäß anstelle eines PKW-Stellplatzes auf die Straße platziert, kosten etwa 1000 Euro. Ein sicherer Radstreifen, reserviert für Pedaleure, ist schnell aufgemalt und kostet nicht die Welt.

Ein gutes Fahrrad kostet weniger als 1.000 Euro! Prämien von Vater Staat sind dafür nicht nötig.

Und noch etwas: Wie wäre es damit, statt der Modellstadt für Elektro-Mobilität einen Modellbezirk für den Radverkehr zu schaffen? Mit wenig Geld – und mitten in Berlin. Denn der Verkehr in den Städten muss menschenfreundlicher werden. Die Förderung von privaten Zweit-PKW mit staatlichem Geld ist der falsche Weg. Richtig ist es, den Fuß- und den Radverkehr zu mindestens gleichberechtigten Verkehrsarten zu machen.

“Wir können die Hügel ja nicht tiefer legen”

Samstag, Mai 1st, 2010

Kürzlich sprach ich mit einem Römer über die Situation des Radverkehrs in der Caput-Mundi-Stadt. “Ihr in Berlin habt es gut: alles schön flach. Die Luft ist gut. Denn ihr habt so viel Grün hier. Ihr Radfahrer habt viel Platz. Bei uns in Rom sind die Straßen ständig verstopft. Und ständig geht es bergab und bergauf auf den famosen sieben Hügeln.”

Tja. Die Römer können ebensowenig wie die Stuttgarter die Hügel tieferlegen. Ich kann den Römern wenig Trost spenden. Vielleicht sollten die Römer so wie die Stuttgarter die famosen Pedelecs, die Elektro-Fahrräder ausprobieren?

Die Voraussetzungen, Friedrichshain-Kreuzberg zum Modellbezirk des Radverkehrs zu machen, sind ungleich besser als am Monte Gianicolo oder im Testaccio in Rom einen Radverkehrsanteil von 20% zu erreichen!

Aber nicht nur Städte, auch ganze Länder lassen sich durch den Radverkehr zusammenführen. Das berichtet SPIEGEL online heute. Auch hier jedoch das uralte Problem der Menschheit: Man muss sich ein bisschen anstrengen. Die Frisur gerät in Unordnung. Man schwitzt. Am schlimmsten ist: Es könnte regnen. Man könnte nass werden.

Hilfe! Der Mensch schwitzt am Berg! Sollen denn Menschen ab und zu schwitzen? Ist denn nicht Bequemlichkeit das erste Gebot, die oberste Maxime  des modernen Menschen? Was würden denn die Ärzte dazu sagen, wenn der Puls von 70 auf weit über flatternde 90 hochgejagt wird? Kann so etwas denn gesund sein? Oder bedarf es nicht doch des schöpfungsfreundlichen Verbrennungsmotors? Mindestens am Berg? Damit alles schön ruhig bleibt! Mindestens in Rom und Stuttgart?

Aachen: Drei Länder – ein Rad – Merian – Reiseziele
Fast die Hälfte der Einwohner sind Deutsche, die Häuser sind billiger als jenseits der Grenze, und mancher zieht hierher, weil das Leben etwas lockerer, leichtgängiger sein soll als in Deutschland.

Das Radfahren allerdings nicht. Wieder liegt ein Berg vor mir. “Wir können die Hügel ja nicht tieferlegen“, meint ein Spaziergänger am Wegrand.

Abgekupfert: Nach “Modellbezirk Radverkehr” jetzt auch: Modellstadt für E-Autos

Mittwoch, April 28th, 2010

Guter Vorschlag von Bürgermeister Wowereit! Die Einführung neuer Mobilitätsformen durch die Ausrufung einer “Modellstadt” – so etwas kommt immer gut an beim Publikum.

Genau dasselbe hatten wir vor 6 Wochen mit unserem “Modellbezirk Radverkehr” angeregt. Richtig gelesen, Herr Bürgermeister.

Das Fahrrad bietet bereits heute den flexiblen, emissionsfreien, effizienten und raschen Individualverkehr, den manche Auguren fälschlich auch vom Elektro-Auto erwarten.

Der SPIEGEL hat den Apologeten des Elektroautos in dieser Woche (S. 79) bereits den Zahn gezogen – was wir ebenfalls vor 10 Tagen bereits recht schnöde gemacht hatten: Der Elektro-Smart erzeugt immerhin 107 Gramm CO2 auf den Kilometer gegenüber 86 Gramm, die der Diesel-Smart auspustet. Trotzdem – es hört sich besser an. An der Entwicklung alternativer Antriebe führt in den nächsten Jahrzehnten kein Weg vorbei.

Aber zunächst einmal gilt es, das Fahrrad massiv nach vorne zu bringen. Durch den Modellbezirk Radverkehr.

Umweltschutz – Berlin will Modellstadt für E-Autos werden – Berlin – Berliner Morgenpost

Was dient dem Menschen? Der Modellbezirk Radverkehr

Donnerstag, April 22nd, 2010

18042010004.jpg “Ein Fahradbeauftragter allein kann noch keinen Mentalitätswandel herbeiführen.” So der Kommentar der taz zum Interview mit dem neuen Fahrradbeauftragten der Stadt Berlin, Arvid Krenz, dem ich auch von dieser Stelle viel Erfolg in seinem Amt wünsche! Ich gehe sogar noch zwei Schritte weiter: Den nötigen Mentalitätswandel kann die Radverkehrsförderung nicht allein herbeiführen.  Radverkehrsförderung muss den ganzen Menschen sehen. Was dient dem Menschen? Das ist die Frage, um die es geht.

“Modellversuche und Leuchtturmprojekte täuschen darüber hinweg, dass Radfahrer längst noch keine gleichwertigen Verkehrsteilnehmer sind. Es fehlt an einem Routennetz, auf dem Radler hürdenlos und sicher von A nach B kommen …”

Dies ist nur einer von Hunderten anderen Kommentaren zum Radverkehr, die alle in einem zusammenkommen: Es fehlt meist an einer gesamthaften Betrachtungsweise. Und darüber wird geklagt. Es gibt tausend Gründe, die die Leute vom Radfahren abhalten. “Immer und überall werden Radfahrer benachteiligt.” Man nistet sich ein in einer Benachteiligten-Mentalität. Und deshalb werden Forderungen aufgestellt: “Macht das und das! Macht bessere Angebote! Dann werden mehr Leute Rad fahren.”

Radverkehrsförderung geschieht meist an Punkten, statt in ganzen Flächen, statt in ganzen Bezirken, statt in ganzen Städten. Die Verkehrsplaner versuchen ehrlich und redlich, ein Tiefbau-Problem “in den Griff zu bekommen.” Damit die Radfahrer ein bisschen weniger benachteiligt werden. Das ist löblich und aller Ehren wert. Diese Arbeit soll und muss weitergehen. Aber das reicht nicht, solange nicht wesentlich mehr Menschen auf das Rad umsteigen.

Der Modellbezirk Radverkehr versucht deshalb darüber hinaus, möglichst viele Akteure des Bezirks Friedrichshain-Kreuzberg – nicht nur den Tiefbau – in eine gemeinsame Strategie einzubinden. Das Konzept setzt auf Mitnahme-Effekte. Das Konzept setzt auf massive Nachfrageverstärkung, etwas weniger auf Angebotsverstärkung. Denn die verstärkte Nachfrage nach Radverkehr wird auch zu einem besseren Angebot für den Radverkehr führen. Die Parteien würden aufwachen. Sie würden um die Gunst nicht der Autofahrer, wie es namentlich die Grünen derzeit tun, sondern der Radfahrer buhlen. Radfahrer sind auch Wähler. Je mehr Wähler Rad fahren, desto besser.

Wenn 80% der Berliner beschlössen, mit dem Pferd statt mit dem PKW oder der BVG zu fahren, würden sofort, in wenigen Monaten, überall Reitwege, Wasserstellen, Ställe und Futterkrippen eingerichtet werden. Die Pferdeverkehr-Infrastruktur schösse aus dem Boden, dass dem Reitersmann und der Reitersfrau das Herz im Leib entbrennte vor Freude.

So gilt: Je mehr Leute Rad fahren, je mehr Radfahrer wir auf den Straßen sehen, desto besser für die Gesamtsituation des Radverkehrs!

Die Steigerung des emissionsfreien, individuellen, effizienten, sozialverträglichen Individualverkehrs, also des Radverkehrs, ist etwas Gutes an sich. Davon bin ich überzeugt. Warum ist das gut? Es gibt sehr viele Günde dafür.

Beispiel: Seit Jahren nimmt Fettleibigkeit und Bewegungsarmut unter Kindern in Friedrichshain-Kreuzberg nachweislich zu, mit nachteiligen Wirkungen für das gesamte spätere Leben. Diabetes, Konzentrationsstörungen, spätere Gelenkserkrankungen  sind oft die Folge von Bewegungsarmut und Fettleibigkeit. Kinder, Jugendliche und Eltern fahren zu viele Wege mit der BVG und dem Auto, sie gehen zu wenig zu Fuß und fahren zu wenig Rad.

“Bewegungsmangel in der Kindheit kann zu körperlichen Fehlentwicklungen und chronischen Krankheiten führen, die auch im Erwachsenenalter noch belasten: Übergewicht, Herz- und Kreislaufschwächen, Rückenprobleme durch Haltungsschäden.”

Das Grundschulkind. Ein Praxisbuch für Eltern. Hgg. von Prof. Dr. Klaus Fröhlich-Gildhoff. Gütersloh/München, 2009, S. 147

Hier sehe ich uns alle in der Pflicht. Alle sollten darauf hinarbeiten, dass Kinder sich täglich zwei bis drei Stunden körperlich bewegen, möglichst an der frischen Luft, bei jedem Wetter (nicht nur mit dem Daumen an der Fernbedienung). Der neue Spielplatz am Kreuzberg, wie er oben zu sehen ist, ermuntert die Kinder zu vielfältigen Raum- und Körpererfahrungen. Sehr gut! Nutzt ihn!

Der Modellbezirk Radverkehr ist ein neuartiger Ansatz, wie er bisher in keinem Berliner Bezirk versucht wurde.  Die Arbeit an Problemstellen, das Entschärfen von kritischen Punkten, der mühselige Aufbau einer guten Infrastruktur geht selbstverständlich kleinschrittig weiter!

Aber daneben und darüber hinaus sollen alle Menschen durch systematisch gesetzte Anreize ermuntert und bestärkt werden, mehr mit dem Rad zu fahren und sich weniger durch das Verbrennen von kostbaren Ressourcen wie Erdöl oder Kohle im Auto oder Bus fahren zu lassen.

Mehr Lebensfreude, bessere Gesundheit, kindgerechtere Umwelt durch mehr Radverkehr. Je mehr Radverkehr wir auf die Straßen und Wege bekommen, desto besser. Das ist keine Vision. Das ist ein Weg. Diesen Weg kann jede und jeder bereits jetzt, ab heute, gehen und fahren.

Ein Radbeauftragter allein kann keinen Mentalitätswandel herbeiführen.: Noch lange keine Fahrradstadt – 03.04.2010 taz.de
Modellversuche und Leuchtturmprojekte täuschen darüber hinweg, dass Radfahrer längst noch keine gleichwertigen Verkehrsteilnehmer sind. Es fehlt an einem Routennetz, auf dem Radler hürdenlos und sicher von A nach B kommen.

Warum die Seele Rad fahren will

Freitag, März 26th, 2010

25032010.jpg “Ist Ihnen jemals aufgefallen, dass Sie sich besser fühlen, nachdem Sie wandern oder Fahrrad fahren waren oder sonstigen Sport getrieben haben?”

So fragt die amerikanische Ernährungspsychologin Julia Ross in ihrem vor drei Wochen erschienenen Buch “Was die Seele essen will”.

Meine Antwort: “Ja, es ist mir schon aufgefallen. Ja, es ist mir aufgefallen, dass mein tägliches Radfahren zur Arbeit hin und zurück das Seelchen merklich aufhellt.” Und darauf aß ich gestern – ein Stück Schokoladentorte. Sogar DAS darf Mann sich erlauben, so er denn Rad fährt.

Quelle: Julia Ross: Was die Seele essen will. Die Mood Cure. Klett-Cotta Verlag, Stuttgart 2010, S. 45

Nebenbei:

Bund und Europäische Union stellen aus verschiedenen Töpfen Mittel bereit, die der Entwicklung einer leistungsfähigen Rad-Infrastruktur dienen. Es geht redlich voran mit dem Rad! Griechenland finanziert Tabakanbau über die EU – warum sollte Friedrichshain-Kreuzberg nicht Radverkehr über die EU finanzieren?

Der Tagesspiegel berichtet heute:

Kommt Zeit, kommt Rad
Mit kleinen Schritten beginnt ein weiteres Großprojekt: Für die Fernroute Berlin–Leipzig wird ein Weg vom Landwehrkanal durch das für Radler nur mühsam zu umfahrende Gleisdreieckgelände angelegt. Weiter südlich wird die Sembritzkistraße asphaltiert, die die Route vom Südkreuz über den Insulaner hinaus verlängert. Außerdem stehen eine Reihe von Radwegen und -streifen auf Wagners Liste, die Hauptverkehrsstraßen sicherer machen und Lücken schließen sollen: Die Radspur an der Reichsstraße wird zum Theodor-Heuss-Platz verlängert, die Skalitzer Straße bekommt eine zwischen Kottbusser Tor und Wassertorplatz. Dort darf dann nur noch unter dem U-Bahn-Viadukt geparkt werden. In Friedrichshain gibt’s Radspuren für die Rüdersdorfer, in Kreuzberg für die Lindenstraße. Auch die sehr unangenehm zu radelnde Tiergartenstraße erhält Radspuren. Weitere sind etwa auf der Fischerinsel, der Müllerstraße und der Chausseestraße geplant. Und der Tempelhof-Schöneberger Tiefbaustadtrat Oliver Schworck (SPD) macht Hoffnung, dass das Provisorium am Bülowbogen beseitigt wird. Dort rollen die Radler von einer überbreiten Piste im Nelly-Sachs-Park direkt auf die Gegenfahrbahn einer Hauptverkehrsstraße.

Berlins Problemkieze bekommen 73 Millionen Euro – Berlin Aktuell – Berliner Morgenpost

Dienstag, März 23rd, 2010

 Der Senat plant, Berlins Problemkiezen durch noch stärkere finanzielle Förderung unter die Arme greifen zu wollen. Wird es helfen?

Da könnte man ja zum Beispiel Fahrradschulen einrichten! Nachholende Mobilisierung der deutschen Frauen und Männer mit Zuwanderungsgeschichte! Folge: Die Beweglichkeit nähme zu, die Frauen kämen raus aus den vier Wänden, müssten weniger oft zum Arzt. Bei gemeinsamen Radtouren mit Deutschen ohne Zuwanderungsgeschichte würde man sich besser kennenlernen.

Durch Radstreifen und Radwege würde man Kreuzberg-Nordost, einen der 5 Problemkieze, aufwerten. Es würde attraktiv für neue Zuwanderer aus dem Berliner Südwesten.

Sozialatlas – Berlins Problemkieze bekommen 73 Millionen Euro – Berlin Aktuell – Berliner Morgenpost
Für jedes der fünf Gebiete sollen bis Ende des Jahres Konzepte unter Einbeziehung der Bürger und der Bezirksämter entwickelt werden. Schwerpunkte sollen Bildung und Ausbildung, mehr Arbeitsplätze und Nachbarschaftsprojekte sein. So soll in Wedding/Moabit eine Agentur für Schule und Wirtschaft aufgebaut werden. Die Einrichtung soll benachteiligte Jugendliche besser auf die Berufstätigkeit vorbereiten.

Ein Bezirk steigt auf: Modellbezirk Radverkehr

Donnerstag, März 18th, 2010

28112009.jpg Sehr gute Sitzung des bezirklichen Fahr-Rates gestern im Rathaus Kreuzberg! Besonders freut mich, dass auch eine einfache Bürgerin und die Politik erschienen sind: Fraktionschefin Antje Kapek und BVV-Abgeordnete Paula Riester erweisen dem bezirklichen Radverkehr die Ehre! Gut so, bitte weitersagen, Staffelstab weitertragen!

Nach kurzer Aussprache wählen wir Merja Spott vom BUND einstimmig zur Sprecherin des Fahr-Rates. Eine sehr gute Wahl! Ich kenne Merja seit zwei Jahren, sie bringt sehr viele Erfahrungen in der Gremien- und Öffentlichkeitsarbeit mit und hat für den Radverkehr in unserem Bezirk schon viel bewegt! Gratulation!

Tiefbauamtsleiter Schulz-Hermann erläutert die aktuellen Planungen zur Warschauer Straße. ADFC-Vertreter Wolfram Däumel lobt nach Einsichtnahme die vorgelegten Planunterlagen, macht aber auf mögliche Umsetzungsschwierigkeiten aufmerksam.

Dann darf ich mein Manifest “Modellbezirk Radverkehr” vorstellen. Ich skizziere mit dürren Worten die Grundgedanken, lege aber auch ein bisschen Feuer hinein, zeige gar bunte Fotos von Fahrradbügeln, Stadtlandschaften und Kunstwerken von Kindern. Ich meine: Radverkehr ist eine symbolische Gemeinschaftsaufgabe, der alle Abteilungen zuarbeiten sollen. Es geht um Tugenden wie Fürsorglichkeit, Achtsamkeit, Sparsamkeit. Aber vor allem um Freude am Leben.

Ich entfalte einen Stadtplan des Bezirks auf dem Tisch. Baustadträtin Kalepky, Fraktionschefin Kapek und die Abgeordnete Riester drücken deutliche Unterstützung aus, regen aber Feinabstimmung, Nachbesserung und weitere einzelne Arbeitsschritte an. Bürgerin Annette Ahme, die der Sitzung beiwohnt, schlägt vor, grüne Durchwegungen einzurichten – etwa vom Halleschen Ufer zum Viktoriapark.

Jedenfalls ist ein Stein ins Wasser geworfen. Möge er Wellen schlagen und Kreise ziehen! Wir werden jedenfalls dieses Konzept “Friedrichshain-Kreuzberg – Ein Bezirk steigt auf: Modellbezirk Radverkehr” weiterhin vertreten und möglichst viel Unterstützung zu sammeln versuchen!

Friedrichshain-Kreuzberg steigt auf: Modellbezirk Radverkehr

Dienstag, März 16th, 2010

16032010003.jpg Noch einmal eine Stunde habe ich herumgebosselt an dem Vorschlag “Modellbezirk Radverkehr”. Den werde ich morgen im Fahr-Rat im Rathaus Kreuzberg vortragen dürfen. Ob es die Mitglieder des Rates zu überzeugen vermag? Zweifel sind angebracht! Zuviele Gewohnheiten werden hier durchbrochen. Darf man denn einfach neue Pfade betreten – auch wenn manches auf Ablehnung stößt? Ich glaube: ja! Man soll sogar!

Und so geht es los:


Friedrichshain-Kreuzberg – ein Bezirk steigt auf

Schaffen wir den Modellbezirk Radverkehr!

Vorschlag von Johannes Hampel für die Sitzung des bezirklichen Fahr-Rates Friedrichshain-Kreuzberg am 17.03.2010

1.       Der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg erklärt sich durch Beschluss der BVV für die Zeit vom 01.09.2010 bis 31.08.2011 (Zeiten veränderbar) zum Modellbezirk Radverkehr.

2.       Alle Fachbereiche der Kommunalpolitik (namentlich Stadtplanung, Bildung, Sport, Wirtschaft, Ordnungsamt, Gesundheit, Soziales, Jugend, Familie, Schule, Bauen, Wohnen, Immobilienservice) verpflichten sich für die Laufzeit des Programms auf den Modellbezirk Radverkehr.

3.       Die Verantwortung für die Umsetzung des BVV-Beschlusses und die Koordination der Maßnahmen wird einer hierzu geschaffenen Funktion oder der Sprecherin des Fahr-Rates übertragen.

4.       Die Maßnahmen umfassen kostengünstige, leicht umsetzbare Maßnahmen. Der Bezirkshaushalt wird nicht zusätzlich belastet. Kostspielige zusätzliche Tiefbaumaßnahmen in der Radverkehrsplanung werden vermieden.

5.       Der  von der BVV 2006 in Auftrag gegebene frühere „Vertiefungsplan Radverkehr“ wird durch einen anschlussoffenen, periodisch fortzuschreibenden Radverkehrsentwicklungsplan 2011-2015 ersetzt, der neben dem üblichen topographischen Kartenwerk auch Zielvorgaben in Worten enthält.

6.       Der Modellbezirk Radverkehr wird durch ein Signet öffentlichkeitswirksam kommuniziert. Das Signet soll die charakteristische Umrisslinie des Doppelbezirks mit dem „Vorderrad“ Friedrichshain, dem „Hinterrad“ Kreuzberg und dem vorwärtsstrebenden „Kopf“ Stralauer Halbinsel aufgreifen. An allen Straßeneinfahrten in den Bezirk wird ein Schild angebracht, das auch das Signet zeigt:

Friedrichshain-Kreuzberg
 Modellbezirk Radverkehr [Signet]

Oberstes Ziel des Programmjahres:
Gesamthafte Radverkehrsförderung als fachbereichsverklammernder Teil der Bezirkspolitik – aus einem Guss. Enge zeitliche Planung, terminiert, mit Evaluation am Schluss.

Hier das gesamte Dokument zum Nachlesen:

2010_03_17_fahrrat_modellbezirk_radverkehr_hampel.pdf