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Archiv der Kategorie Musik

“Du, ich habe jetzt auch eine Geige!”

Mit diesem Ausruf kam vor zwei Wochen ein Mädchen in der Kreuzberger Fanny-Hensel-Grundschule auf mich zu. Ich kannte sie noch von einem unserer Schulkonzerte. “Das Lied, das du gespielt hast, hat mir gefallen”, sagte sie. “Das will ich auch spielen!” Freunde, ich sag euch: Für solche Momente lohnt sich alle Mühe! Da gleitet man auch über allerlei bedenkliche Zwischenrufe hinweg, die die Berliner Dirigenten warnend erschallen lassen.

Es mag zwar sein, dass Berlin ein einziger Poblemkiez ist, was die musikalische Bildung angeht. Es wird zuviel gedudelt. Aber es liegt an uns dies zu ändern. Gebt nicht nur einem Kreuzberger Kind eine Geige, gebt jedem Berliner Kind ein Instrument: Geige für die Jungs, Kontrabass für die Mädchen, Baglama für Lichtenberger Jungen, Blockflöte für Neuköllner Jungen!

Jede Wanderung beginnt mit einem Schritt!

Musikalische Bildung - “Berlin ist ein einziger Problemkiez” - Berlin Aktuell - Berliner Morgenpost
Berlins Schülern fehlt es flächendeckend an musikalischer Bildung, dieser Ansicht ist Anne-Kathrin Ostrop Musiktheaterpädagogin der Komischen Oper. Sie erlebt in Workshops die Defizite von Schüler. “Die Situation ist bereits verfahren”, sagte sie Morgenpost Online. Der Zweck von Musikunterrich sei es eigentlich, Sozialkompetenz zu erwerben. “Unsere Kinder sollen nicht grobschlächtig, sondern sensibel werden.” Doch das Wissen um die Kultur und die Fähigkeit, bewusst Musik zu hören, seien “deutlich geschwunden”.
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Ostrop . In anderen Bundesländern gebe es aber zumindest Initiativen wie die Aktion “Jedem Kind ein Instrument” in Nordrhein-Westfalen. Lokale Schwerpunkte gebe es in Berlin nicht mehr, nur noch 20 Prozent der Schulkinder hätten einen qualifizierten Musikunterricht: “Berlin ist ein einziger großer Problemkiez.”

Wellen in München

200x.jpg Man schlägt Wellen. Die DLD-Konferenz war wirklich spannend!

Photo from Getty Images - DLD Conference 2010 News, photos, topics, and quotes
MUNICH, GERMANY - JANUARY 26: Chris Dercon, Christoph Schlingensief and Johannes Hampel of Opera House attend the Digital Life Design (DLD) conference at HVB Forum on January 26, 2010 in Munich, Germany. DLD brings together global leaders and creators from the digital world.

Märkisches Viertel, musikalisch belebt

Gestern besuchten wir das Preisträgerkonzert von Jugend musiziert, Region Nord. Mit S-Bahn und Bus gelangten wir zum Fontanehaus Reinickendorf im bekannten Märkischen Viertel.

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Wuchtige Betonbauten und die kraftvoll  geschwungene Eisenskulptur prägen das Bild. Nachdem das Eis weggeschmolzen ist, bleiben Splitt und Staub liegen. Fauchende Winde treiben immer wieder kleine Fähnchen hoch.

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Im Konzertsaal des Fontanehauses ist reichlich Platz. 10.000 Menschen wohnen im Märkischen Viertel, der Eintritt in das Kulturzentrum ist frei, das Konzert steht allen offen. 50 Menschen haben sich versammelt: Die Künstler selbst, deren Eltern, Lehrer, Geschwister und Freunde.

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Ich lausche mit Freude, gespannt und zunehmend begeistert. Besonders beeindruckt mich der 6 Jahre alte Leo Nasseh Kateb: Er spielt das Violinkonzert A-dur von Anatoli Sergejewitsch Komarowski sicher, mit jener traumwandlerischen Freiheit von Lampenfieber, wie sie nur Kinder haben können. Mein Sohn springt hoch und überreicht ein Sträußchen mit Rosen.

Gegen Schluss reißen mich Marijn Seiffert (Altersgruppe IV) und Mengyin Wang (AG V) mit. Sie bieten Bartóks Rumänische Volkstänze für Violine und Klavier genießerisch, unbeeilt, mit Witz und Grazie. Mir fällt mein eigenes Jugend-musiziert-Erlebnis ein. Ich war damals ebenfalls Altersgruppe IV (15 Jahre), und auch ich durfte im Preisträgerkonzert auftreten - damals mit 2 Sätzen aus Bachs d-moll-Partita.

Nachher spreche ich als dreister Paparazzo die Künstlerinnen an und wir plaudern über Schule, Geige und das Leben.

Was mir gefällt: Alle diese Kinder und Jugendlichen machen etwas aus ihren Leben. Sie “haben etwas vor”  - etwas, das sie zusammenführt, etwas, das sie verbindet. Etwas, dem sie dienen, über hunderte von Stunden jedes Jahr. Dieser Dienst verändert, bildet. Dieser Dienst macht frei.

Jedes Kind, jeder Jugendliche - das möchte ich und wünsche ich mir - soll so eine Erfahrung machen können: im Sport, in der Musik, im Theater, in der Gemeinwesenarbeit, beim Gärtnern, beim Eishacken. “Irgend etwas kann jeder.” Auch die arabischen Jungs aus Neukölln. Ich bin sicher: Wenn man sie anspricht, anleitet und führt, meinetwegen mit harter Hand, werden sie es schaffen.

Mit meinem Sohn unternehme ich dann eine “Bergwanderung” auf den Schlittenhügel im Natur- und Freizeitpark Lübars. Eintritt frei. 10.000 Menschen leben im Märkischen Viertel, aber auch hier sind wir nahezu unter uns. Was machen die 10.000 Menschen im Märkischen Viertel jeden Tag?

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Der Himmel irrlichtert grün, irisierend, ehe dunkle Nacht einfällt.

Wettbewerb - Begegnung - FREUDE bei Jugend musiziert

Tag der Freude gestern! Unser aller Ivan Hampel, genannt Wanja, 7 Jahre alt, spielte mit beim Regionalwettbewerb Jugend musiziert in der Region “Berlin Mitte”. Dazu gehören die folgenden vier Berliner Bezirke: Charlottenburg-Wilmersdorf, Friedrichshain-Kreuzberg, Marzahn-Hellersdorf, Mitte.

Da er schon immer zusammen mit den anderen “Fröschen” bei Schülerkonzerten aufgetreten ist, kennt er kein wirkliches Lampenfieber. Er fiedelte sehr gut das Hirtenlied von Mozart, die Mazurka von Baklanowa und schließlich sogar den ersten Satz des Violinkonzerts in h-moll von Oskar Rieding. Alles auswendig. Da er in seiner Altersgruppe einen Kopf hervorragt, gaben wir ihm den Reisepass mit, den er stracks und unaufgefordert bei der Jury vorlegte! Große Heiterkeit bei der Jury! Viele andere Geigerinnen und Geiger gaben ihr Bestes. Alle Kinder gehen - von uns Erwachsenen angeleitet - sehr brüderlich und freundschaftlich miteinander um. Man unterstützt sich gegenseitig, feuert sich gegenseitig an.

Das Motto von Jugend musiziert lautet:

Wettbewerb - Begegnung - Dialog

Diesem Motto wird dieser Wettbewerb in hervorragender Weise gerecht! Ich habe selbst einmal im Alter von 15 Jahren daran teilgenommen und denke noch gerne daran zurück.

Natürlich haben wir uns alle sehr gefreut, dass Wanja (Kreuzberg) gestern einen ersten Preis im Fach Violine in der Altersguppe Ia errang.

2 Flaschen Rotwein für die Erwachsenen mussten bei der Nachfeier  dran glauben. Und eine selbstgebackene Torte für alle.

Landesmusikrat-Berlin: Startzeiten

Wie geht es weiter? Jetzt folgt erst einmal das öffentliche Preisträgerkonzert am kommenden Sonntag. Da könnt ihr alle hinkommen. Hier sind die Daten:

Das Preisträgerkonzert Berlin-Mitte findet am 21. Februar 2010 (11 Uhr) im Konzertsaal der Universität der Künste in der Bundesallee 1-12 statt.

Das Gute liegt so nah!

1194272589___irinapotapenkoport.jpg Zu den beeindruckendsten Opernregisseuren der Gegenwart zählen für mich Christoph Schlingensief (Deutschland, Österreich, Burkina Faso usw.) und die russische Opernsängerin Irina Potapenko (Schöneberg, Kreuzberg). Was haben die beiden gemeinsam? Sie bringen die Oper als Kunstform an ungewöhnliche Orte. Sie gehen zu den Kindern, den Armen, den Vergessenen. Zu den Unterschichtlern dieser Erde. Sie glauben an die verwandelnde Kraft der Kunst, des Gesanges. Kultur, Musik, Gesang, Oper - nennt es doch wie ihr wollt! - ist etwas für alle. Sie ist so wichtig wie das täglich Brot.

Was ist der Unterschied? Schlingensief findet viele Mitstreiter. Das schreibt die ZEIT über ihn und sein afrikanisches Opernhaus:

»Ich meine das ernst«, sagt Schlingensief. In seinem Opernhaus sollen Künstler aus Afrika und Europa zusammenkommen. Er hat sich die Unterstützung von Außenminister Steinmeier geholt, vom Goethe-Institut, und er hofft auf private Spender – etwas mehr als eine Million Euro wird Schlingensief wohl brauchen. Und nun ist er hier in Burkina Faso mit einem fünfköpfigen Team, um nach einem geeigneten Ort zu suchen.

Irina Potapenko kommt ohne Subventionen, ohne Team, ja sogar ohne Außenminister aus. Die Puppen bastelt sie selbst in ihrer Freizeit. Einige davon hat sie schon verschenkt. Ihre Spielorte sind Kitas und Schulen, sind die berühmten Schimmel- und Asbestkieze Kreuzbergs und Schönebergs. Finanzielle Unterstützung erhält sie keine. Mit ihrem lustigen dreirädrigen Lastenrad fährt sie die Requisiten zur Bühne, werkelt, malt und hämmert selbst. Sie führt Regie, malt mit den arabischen und türkischen Kindern die Bühnenbilder, singt selbst, lässt Kinder als Mitwirkende auftreten, spannt auch ihren willfährigen Ehemann, nämlich den hier schreibenden Blogger, als Helferlein ein. Und das Beste daran ist: Keine einzige Zeitung nimmt Ira Potapenko wahr. Sie macht es um der Kinder willen, um der Kultur willen.

Irina Potapenko ist für mich die Opernregisseurin des Jahres 2009. Wirklich - nur für mich! Bitte, bitte: Nicht weitersagen, dass das Gute so nah liegt! Pssst!

Nur nicht lesen, immer singen! und ein jedes Blatt ist dein


taswir201120091.jpg Mit größter Bewunderung besuchte ich am 17.11. die neue Ausstellung im Martin-Gropius-Bau: taswir. islamische bildwelten und moderne. Es ist eine üppig sprießende, mit Gelehrsamkeit gesättigte, künstlerisch neue Pfade beschreitende Landschaft des Denkens und Fühlens. Auffalllend ist die karge Gegenständlichkeit! Das Ornamentale, Großflächige herrscht vor. Bei einem alten Kodex islamischen Rechts aus dem 13. Jahrhundert fühlte ich mich unwillkürlich an Seiten aus dem jüdischen Talmud erinnert, die ganz ähnlich aufgebaut sind: In der Mitte steht der kanonische Text, darum herum haben verschiedene “Hände”, also verschiedene Schreiber, ihre Deutungsversuche angefügt. So sieht das aus:

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Man könnte auch an die “Worte in Freiheit”, die “parolibere” der italienischen Futuristen denken - großzügig, weiträumig über das ganze Blatt ausgeteilte Worte und Fragmente, deren Gesamtsinn sich erst in der Zusammenschau dem Auge erschließt.

Die Ausstellungsmacher haben nicht versäumt, auch unseren Heros des christlich-islamischen Dialogs, den von mir so sehr verehrten Meister Goethe, mit einem Sinnspruch zu würdigen, und zwar im Saal “Picasso und Qur’an”. Qur’an kommt ja von arabisch lesen, rufen rezitieren, so wie das Wort lehren - nach Meinung der Begleittexte aus der Ausstellung - von altdeutsch “löhren” = “laut Krach machen” kommt.

Zum guten Lehren gehört das Rufen, das Sprechen und Vernehmen.  Erst ganz spät wird Lehre und Lernen zur stummen, einsamen Beschäftigung. Ich selbst lese mir immer wieder Texte in allen Sprachen, die mir zu Gebote stehen, laut vor. So habe ich mir nach und nach über viele Jahre hinweg eine gewisse Kenntnis mindestens meiner deutschen Muttersprache durch Lärmen und Rufen erarbeitet.

Auch Hamed Abdel-Samad, der Sohn des ägyptischen Imams, berichtet, dass er vor allem durch das laute Hören und Rufen nach und nach den ganzen Koran auswendig lernte. Eine Schulung, die es ihm ermöglichte, nach und Englisch, Französisch, Deutsch und Japanisch bis zur Beherrschung zu “erlärmen”.

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Auch Musik ist ein Lärmen und Lehren. Heute stellte ich die vier Lieder zusammen und ließ sie den Lehrern unserer Schule mit folgendem Schreiben zukommen:

 

An das LehrerkollegiumFanny-Hensel-Grundschule 

Kreuzberg, den 20.11.2009 Lieder für das Schulkonzert am 24.11.2009Liebe Lehrerinnen und Lehrer,
 wir freuen uns auf das Konzert am kommenden Dienstag.Zu Vorbereitung habe ich Ihnen die vier von Fanny und Felix vertonten Lieder abgedruckt, die Ira Potapenko in der Lukaskirche singen wird. Da ich selbst „in alten Zeiten“ jahrelang als Lehrer gearbeitet habe, kam ich nicht umhin, Ihnen einige Vorschläge für den Einsatz im Unterricht hinzuzufügen. Diese vier Lieder eignen sich hervorragend, um unsere Kinder mit spannenden Bildern und Rätseln zu fesseln, sie zum Erzählen, Schreiben und Malen anzuregen. Nicht zuletzt bieten sie Ansätze für das so häufig verlangte multikulturelle Arbeiten.Bitte bedenken Sie: Goethe ist wohl derjenige Autor, der am ehesten unseren muslimisch geprägten Kindern und Eltern einen Zutritt zur deutschen Literatur ermöglichen kann. Zögern Sie nicht, aus dem reichen Schatz der Goetheschen Sprüche, Kinder- und Spottgedichte weitere Beispiele für den Deutschunterricht auszuwählen. Für Fanny Hensel wiederum und ihren Bruder Felix war Goethe ein Fixstern. Ich wage zu behaupten: Wer Goethe nicht kennt, wird auch keinen Zugang zu Fanny Hensel und Felix finden. 

Mit herzlichem Gruß 

 

 


PagenliedWenn die Sonne lieblich schieneaus: „Der wandernde Musikant“Worte von Joseph von EichendorffMusik von Felix Mendelssohn Bartholdy Wenn die Sonne lieblich schiene
Wie in Welschland lau und blau,
Ging’ ich mit der Mandoline
Durch die überglänzte Au.
In der Nacht dann Liebchen lauschte
An dem Fenster süß verwacht,
Wünschte mir und ihr, uns beiden,
Heimlich eine schöne Nacht.
Wenn die Sonne lieblich schiene
Wie in Welschland lau und blau,
Ging’ ich mit der Mandoline
Durch die überglänzte Au.
 

 

 

 

 

Aufgaben für die Kinder:  

Was ist ein wandernder Musikant? 

Was ist Welschland?  

Was ist eine Mandoline? Zeichne eine! 

Stell dir vor, Du wärest so ein wandernder Musikant! Du hättest kein Geld. Du müsstest dir dein ganzes Geld durch Musikmachen verdienen. Irgendwo im Ausland. Wie würdest du dich fühlen? Erzähle! Wohin würdest du wandern? 

 


Suleikavon Johann Wolfgang von Goetheaus: West-östlicher DivanMusik von Fanny Hensel

        Ach, um deine feuchten Schwingen,
West, wie sehr ich dich beneide!
Denn du kannst ihm Kunde bringen,
Was ich in der Trennung leide.
Die Bewegung deiner Flügel
Weckt im Busen stilles Sehnen;
Blumen, Augen, Wald und Hügel
Stehn bei deinem Hauch in Tränen.
Doch dein mildes sanftes Wehen
Kühlt die wunden Augenlider;
Ach, für Leid müßt ich vergehen,
Hofft ich nicht zu sehn ihn wieder.
Eile denn zu meinem Lieben,
Spreche sanft zu seinem Herzen,
Doch vermeid, ihn zu betrüben,
Und verbirg ihm meine Schmerzen!
Sag ihm, aber sag’s bescheiden:
Seine Liebe sei mein Leben!
Freudiges Gefühl von beiden
Wird mir seine Nähe geben.

 

Aufgaben für die Kinder:  

Suleika ist ein arabischer Name. Was bedeutet er? Kannst du so gut Arabisch, dass du uns den Namen übersetzen kannst? Kennst du ein Mädchen oder eine Frau, die so heißt? Erzähle uns von ihr!

 

Was glaubst du: Wer singt hier? Ein Mann oder eine Frau?

 

Stell dir vor: Du spürst den Wind wehen. Was erzählt dir der Wind? Schreibe einen kleinen Brief an den Wind!


Hexenlied

von Ludwig Heinrich Christoph Hölty
Musik von Felix Mendelssohn Bartholdy

Die Schwalbe fliegt,
Der Frühling siegt,
Und spendet uns Blumen zum Kranze!
Bald huschen wir
Leis’ aus der Thür,
Und fliegen zum prächtigen Tanze!

Ein schwarzer Bock,
Ein Besenstock,
Die Ofengabel, der Wocken,
Reißt uns geschwind,
Wie Blitz und Wind,
Durch sausende Lüfte zum Brocken!

Um Belzebub
Tanzt unser Trupp,
Und küsst ihm die dampfenden Hände;
Ein Geisterschwarm
Fasst uns beim Arm,
Und schwinget im Tanzen die Brände!

Und Belzebub
Verheißt dem Trupp
Der Tanzenden Gaben auf Gaben;
Sie sollen schön
In Seide gehn,
Und Töpfe voll Goldes sich graben.

Die Schwalbe fliegt,
Der Frühling siegt,
Und Blumen entblühn um die Wette!
Bald huschen wir
Leis’ aus der Thür,
Und lassen die Männer im Bette! 

 

Aufgaben für die Kinder zum Hexenlied:

Was glaubst du: Gibt es Hexen? Wo wohnen sie? Erzähle!
Male ein Bild zu diesem Lied!
Was ist ein Wocken? Zeichne einen!
Wer ist Belzebub? Wie heißt Belzebub im Islam?

 

Schilflied

 

von Nikolaus Lenau 

Musik von Felix Mendelssohn Bartholdy 

Auf dem Teich, dem regungslosen,
Weilt des Mondes holder Glanz,
Flechtend seine bleichen Rosen
In des Schilfes grünen Kranz.

Hirsche wandeln dort am Hügel
Blicken in die Nacht empor;
Manchmal regt sich das Geflügel
Träumerisch im tiefen Rohr.

Weinend muss mein Blick sich senken;
Durch die tiefste Seele geht
Mir ein süßes Deingedenken,
Wie ein stilles Nachtgebet.

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Aufgaben für die Kinder:Zeichne die Tiere aus diesem Gedicht.Zeichne alle Pflanzen aus diesem Gedicht.Wo gibt es Schilf in der Nähe unserer Schule? Zeige uns das Schilf!Stell dir vor, du sollst einem Touristen deine Schilflandschaft zeigen. Was sagst du? Wo gibt es einen Teich?  

Erzähle!

Fanny und Felix bei Lukas aus Syrien


Unser nächstes Konzert findet in der St.-Lukas-Kirche statt. Der heilige Lukas stammt der Überlieferung nach aus Antiochia im damaligen Syrien - also aus dem heutigen Antakya in der heutigen Türkei. Wie gut trifft es sich, dass die meisten Kinder unserer Schule aus der Türkei und aus Libanon stammen - dem antiken Syrien! Wenn sie die Lukaskirche besuchen, ist es also eine Art Heimkehr zu den Wurzeln ihrer kulturellen Überlieferung, die weit hinter den Islam zurückreichen.

Folgende Einladung habe ich soeben gebosselt:

 

Eltern der Fanny-Hensel-Grundschule laden ein:

 

 

Das geheimnisvolle Band

 

Fanny Hensel und ihr Bruder Felix Mendelssohn Bartholdy

 

Konzert mit Werken von Fanny Hensel, Felix Mendelssohn Bartholdy, Mozart und anderen

 

St. Lukas-Kirche

Bernburger Str. 3-5

Berlin-Kreuzberg

 

Dienstag, 24. November 2009, 10.00 Uhr vormittags

 

Es spielen Kinder im Alter ab 4 Jahren

 

sowie:

Irina Potapenko, Alt

Johannes Hampel, Violine

Natalia Christoph, Klavier

Lala Isakowa, Klavier

 

 

Eintritt frei

Meditationen eines Geigers in Thaïs

Das herausragende Erlebnis war für mich gestern am Sonntag, dass ich die Méditation aus der Oper Thaïs von Jules Massenet spielen durfte, und zwar bei einem Gottesdienst zum goldenen Konfirmandenjubiläum in der Apostel-Paulus-Kirche in Berlin-Schöneberg. Jeder Geiger dürfte davon träumen, dieses herrliche Stück einmal zu einem Fest in einer Kirche zu spielen! Für mich wurde dieser Traum gestern wahr. Organist Harald Berghausen half mir am Klavier dazu, kundig, verlässlich, einfühlsam. Sibylle Benner-Jost von der Deutschen Oper sang einige Biblische Gesänge von Dvorak dazu - Musik, die ich in ihrer gesammelten, schlichten Frömmigkeit ebenfalls sehr mag!

Ausgerechnet drei Tage, nachdem ich eine intensive Wiederbegegnung mit der Weisheit Ägyptens hatte, versetzte mich die Musik zurück in diese ägyptische Oasenstadt am Ufer des Nils! Die Vermählung des jüdisch-christlichen Erbes mit der altägyptischen Grundgestalt des Monotheismus gelang gestern in der Musik! Nur wenige wissen, dass der Ein-Gott-Glaube wohl erstmals in Ägypten gedacht wurde - eine Erfindung, die letztlich die ganze Welt bis zum heutigen Tage revolutioniert hat, bis in die Verästelungen der Politik hinein! Jan Assmann hat diesem Thema einige scharfsinnige Überlegungen gewidmet.

Nie spürte ich stärker, dass gutes Geigen eigentlich Singen heißt! In der Meditation erlebte ich den Kampf der Seele, im Ringen um den Einen Gott. Ein Ringen, das Gesang wird. Das Ringen mit Gott - der so schwer zu fassen ist. Genau das ist die Bedeutung einiger Beinamen aus dem alten Schatz der hebräischen Bibel. Nicht zuletzt deshalb gebe ich der Bedeutung “Der mit dem Gott ringt” bei allen möglichen Etymologien des Wortes “Isra-El” den Vorzug.

Einige Piècen von Kreisler und erneut Dvorak ergänzten diesen Gesang. Die waren eher versöhnlich-spielerisch.

Hier nun noch der Link zu einem kleinen Video mit meinem Gang in die Grabkammer des Nefer-Bau-Ptah, aufgenommen im wiedereröffneten Neuen Museum. Erlebt, wie der Mensch im alten Ägypten die Pforten des Todes durchschritt!

Anschwellende Glockentöne

30042009002.jpg Laue, herrliche Frühlingsabende bezaubern Berlin!

Gestern besuchten wir das Konzert des Russisch-belarussichen Jugend-Symphonieorchesters in der Heilig-Kreuz-Kirche. Jugendliche im Alter von 14 bis 19 Jahren spielen auf. Sie beginnen mit Mozarts Ouvertüre zur Hochzeit des Figaro. Hohes technisches Können, Hingabe, Ernst. Die Kirche ist gut gefüllt, es herrscht jene gesammelte Erwartung, wie sie sich nur dann einstellt, wenn Besucher und Musiker sich schon vorher verbunden fühlen.

In den Polowetzer Tänzen von Borodin werden Geschichten erzählt, vor meinem Auge ziehen Bilder auf. Überhaupt zeichnet das Spiele der jungen Musiker aus, dass sie eine Geschichte haben, es wird nicht nur ein Text heruntergespielt, nein, man spürt, wie sie etwas von sich zeigen, wie sie mitgehen. Wie mag das Leben der jungen Leute aussehen? Wahrscheinlich konzentrieren sie sich auf die Musik, sie haben Ziele. Wenn ich dagegen deutsche Jugendorchester oder Orchester von Musikhochschulen höre, drängt sich mir oft der Gedanke auf: Fein - aber die Musiker spielen so, als hätten sie noch was anderes vor. Nicht so gestern abend! Die jungen Russen und Weißrussen spielten mit Leidenschaft, mit Notwendigkeit spann sich ein Ton an den nächsten. Besonders stark bei Pjotr Tschaikowskijs “Festlicher Ouvertüre 1812″: Hier wird die Auseinadersetzung zwischen Russland und Frankreich geschildert. Kanondonner und Märsche ertönen, man hört die Marseillaise. Doch gegen Ende setzt sich sieghaft Russland durch, wir hören die Melodie von “Gott schütze den Zaren”.

Hier spielte das Orchester so, dass eindeutig erkennbar wurde: Mit dieser Musik meldet sich Russland als geistige Macht auf der europäischen Bühne zurück. “Wir sind wieder da - wir sind stärker als der Westen.” Ich hörte dies heraus aus der musikalischen Interpretation. Es war wie ein Sog. In den letzten Takten erklingen hartnäckig, ohrenbetäubend anschwellend die Glocken einer orthodoxen Kirche. Sie schlagen dir etwas ins Gehör hinein. Eine überwältigende Erfahrung der inneren Gewißheit, der wir im Westen nichts entgegenzusetzen haben.

Mich bewegten Gedanken, weshalb unsere westliche Jugend im Gegensatz zu diesen Russen und Weißrussen oft so planlos, so unbeschäftigt, so satt auf mich wirkt. Wahrscheinlich haben sie zu viele Dinge, zu viel Zeit. Sie habe zu wenige Widrigkeiten zu überwinden. Deshalb bleiben viele Talente ungenutzt. Die Musik Tschaikowskijs oder Schtschedrins vermittelt schockartig ein Gefühl für die Kostbarkeit der Zeit: Denn all diese Momente, sie kommen nicht zurück. Auch jetzt, während du dies liest, erlebst du einen Augenblick, der nicht wiederkehren wird.

Der Jäger wird zum Gejagten

kammermusiksaal30032009.jpg  “Here, towards the end, the three players suddenly turn against the cellist. They condemn him, chasing him as a scapegoat. Haven’t you seen and heard that? Here, music is transformed into an archaic ritual. It is no longer a set-piece convention. It is utterly exciting, it goes right into your bone-marrow.” Solcherlei Reden schwang ich am vergangenen Montag, als mich einige Mithörer ratlos befragten. Wir hörten ein weiteres Konzert des Artemis Quartetts. Rechts neben mir saß ein Österreicher, der drei Freunde aus Mauritius in den Kammermusiksaal der Philharmonie eingeladen hatte. Neben mir saß - eine Russin wie so oft.

“Na, mit dem Quartettsatz c-moll D 703 und dem Streichqartett a-moll Rosamunde sind Sie doch gut bedient und wie zuhause obendrein als Österreicher”, schmeichelte ich mich ein. “Freilich”, erwiderte mein netter Nachbar, “aber ich bin West-Österreicher. Mit dem ganzen Osten haben wir immer Schwierigkeiten gehabt. Das Völkergemisch ab Wien war für uns der Vorläufer des Balkans. Und der Schubert Franzl ist einer von denen.” “Ja, was denn, habt auch ihr Österreicher die Ost-West-Spaltung noch nicht überwunden?”, frug ich listig zurück.

Wie auch immer: Alles war bestens vorbereitet. Das 4. Streichquartett und das 3. Streichquartett von Jörg Widmann überraschten die Zuhörer dann aber doch.

Das 4. Quartett beginnt mit Atemgeräuschen, die Bögen streichen über die Zargen, fahle Nicht-Musik gerinnt zu Klang, wird Musik. Großartig! Das Verfeinertste bricht sich selbst unvermittelt im Grob-Stofflichen. “Klang ohne Bezug auf anderes, etwa der bloße Ton einer Violin”, schreibt Kant in seiner Kritik der Urteilskraft, “darf nicht eigentlich schön geheißen werden, da ihm das hinzutretende Empfinden von Maß und Ordnung fehlt, welches ein Geschmacksurteil allererst möglich macht.” So erinnere ich mich bei ihm gelesen zu haben.

Der bloße Ton einer Violin, einer Viola, eines Violoncells, eines Atems, eines Schreis, das ist es, woraus Jörg Widmann die üppig sprießenden Blumen seiner Kunst erwachsen lässt. Ich war hingerissen, die Männer aus Mauritius waren befremdet, die Russin neben mir war entzückt, der Österreicher enthielt sich salomonisch des Urteils und sagte: “Das ist Musik für Kenner”.

Widmann schafft es, in die Ausreiß-Versuche aus den letzten drei Jahrhunderten Musik den Ton des Neuen, des Uralten einzuflechten. Beim Zuhören musste ich an die Felsmalereien in Lascaux denken, steinzeitliche Jäger haben dort ihre Rituale des Versammelns, Hetzens, Stoßens und Tötens eingeritzt. So ist auch Widmanns 3. Streichquartett eine Art Einritzung in die Gehörnerven. Der Komponist sagt:

“Beim Betrachten der Partitur des 4. Streichquartetts ergibt sich der Eindruck eines dicht gedrängten Stückes. Die Informationsdichte einer jeden Stimme ist extrem hoch, da verschiedene Spieltechniken links und rechts gleichzeitig ausgeführt werden müssen und jeder Spieler zugleich noch eine ‘Atem-Partitur’ auszuführen hat.”

Das bedeutet doch wohl: Der letzte Sinn der Musik erschließt sich erst beim Betrachten der Partitur und beim Betrachten der Musiker, wie sie das Ganze in Szene setzen. Es ist Musik auch für die Augen, wie es etwa im 16. Jahrhundert einige Madrigalkomponisten bezweckten. Widmann bettet die reiche Tradition des Streichquartetts in den Ursprung zurück: in Spiel, magisches Ritual, in den körperlich-geistlichen Vollzug.

Natalia Prishepenko und Gregor Sigl an der Violin, Friedemann Weigle an der Viola, Eckart Runge am Violoncell - sie boten uns erneut einen beeindruckenden Abend, wie schon am 28.01.2009,  worüber wir in diesem Blog berichteten.

Es hat sich ein Publikum um dieses Artemis Quartett gebildet, welches jeden Atemzug der vier neugierig, staunend, hingerissen aufsaugt. Die Reihe muss fortgesetzt werden. Die Jagd geht weiter!