„Ich fahre im Auftrag der BSR.“ Eine Korrektur

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Okt 212016
 

Idsc_05261mmer tüchtig, immer mannhaft zupackend, immer freundlich, so erleben wir die Männer der BSR. Ich grüße sie stets zuerst, wenn ich ihnen begegne. Sie leisten Großes. Wer achtet ihrer? Kaum einer. Ich würde sie wählen, wenn sie eine Partei wären!

Soweit jedoch beim letzten Eintrag der Eindruck entstehen konnte, das kleine fleißge Maschinchen – ein Sinnbild der bedingungslos und unverdrossen dem Bürger hinterherputzenden Berliner Stadtpolitik – sei ein Fahrzeug der BSR, versäumen wir nicht hervorzuheben, dass das kleine fleißge Maschinchen uns selbst soeben durch ein Schild mitteilt: „Ich fahre im Auftrag der BSR„, eine Tatsache, die man allein schon daraus hätte erschließen müssen, dass das kleine fleißge Maschinchen nicht in jenen leuchtenden Orange-Tönen lackiert ist, die zu einer so unnachahmlichen Belebung unseres Berliner Straßenbildes führen.

Die BSR vergibt also Aufträge an Drittfirmen, wenn sie selber angesichts der Größe der Aufgabe beim Platzputz, bei der Straßenreinigung und bei der Beseitigung der Hinterlassenschaften der Bürgerinnen und Bürger nicht mehr hinterherkommt. Sunt certi denique fines, wie die Lateinerin sagt.

Um so überraschter war ich, als ich vor wenigen Wochen die Neuköllner Bürgermeisterin Franziska Giffey bei einer Platzputz- und Aufräumaktion in der Zeitung abgebildet sah („Schluss mit dem Neuköllner Schmuddel“, Tagesspiegel online, 24.08.2016). Das imponierte mir sehr!

Dann überlegte ich: Wie, jetzt muss auch noch die Bürgermeisterin aushelfen, wenn die Bürgerinnen und Bürger die  Plätze und Straßen nicht pflegen und hegen? Sind Neuköllns Bürgerinnen und Bürger allezeit so sehr beschäftigt, so fleißig am Schaffen, Machen, Arbeiten, Lernen, Werkeln, Erziehen der Kinder, dass sie ihren Müll nicht selber in die Mülltonne werfen können? Fragen über Fragen!

 

 

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Danke, kleines fleiß’ges Maschinchen in Schöneberg!

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Okt 122016
 

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„Ach, wenn ich nach Dienstschluss so aus meinem Rathaus komme und denke, ja wann haben denn hier diese Stufen zum letzten Mal einen Besen gesehen, und wenn ich dann erfahre: Auch heute war hier drei Mal die BSR zugange, hat gefegt und geräumt, geputzt und gewienert… dann möchte ich doch tatsächlich selbst noch zum Besen greifen, möchte Hand anlegen. Aber ich weiß: auch eine vierte Treppenreinigung wird unser Rathaus nicht in vollkommenem Glanz erstrahlen lassen.“

So die beredte Klage einer Mitarbeiterin des Neuköllner Bezirksamtes, der ich am vergangenen Freitag in einem der angesagtesten Kultur- und Debattiersalons unserer Stadt lauschen durfte.

Die Klage kam mir heute wieder in den Sinn! Denn – denkt euch nur, Kinder! – bei uns in Schöneberg hat sich die Berliner Stadtreinigung etwas Besonderes einfallen lassen: ein fleißges kleines Maschinchen, mit einem Saugrüssel versehen, dem nichts, aber nichts entgeht: nicht die Zigarettenkippen, die täglich freigebig neu aufgestreut werden, nicht die Getränkepackungen, nicht das große Geschäft der vielen promenierenden Hunde und Hündchen.

Mehrmals pro Monat rummelt das fleißge Maschinchen  vorbei an meinem blumenbepflanzten Balkon. Das  Maschinchen hab ich ins Herz geschlossen. Wie gut es ist: Der Achtlosigkeit der Bürgerinnen und Bürger – achtet es nicht. Es verrichtet unverdrossen seinen Dienst. Und, Kinder, denkt euch nur: Ein Dankeschön erwartet es nicht. Es erwartet nicht, dass die Bürgerinnen und Bürger sich ändern. Es ist die Antwort des treusorgenden fürsorglichen Staates an die Bürgerinnen und Bürger, die – weil es das Maschinchen gibt – bleiben dürfen, wie sie immer gewesen sind in unserer Stadt.

Du brauchst das Maschinchen nicht zu belohnen, du kannst die Berliner Stadtreinigung  nicht wählen; du kannst BSR nicht auf dem Stimmzettel ankreuzen. Aber ich, ich wollte hier das kleine fleißige Maschinchen loben. Weil es sonst niemand macht. Wer achtet sein? Kein Hund achtet sein!

Wie rückständig sind doch die Bürger beispielsweise in Ansbach oder Augsburg: Dort räumt nach Silvester immer noch jeder Bürger den eigenen Dreck weg. Und bei uns wissen wir: Das brauchen wir nicht, wir haben ja das kleine fleißge Maschinchen.

Und ich? Ich würde BSR wählen, ich hätte BSR gewählt, wenn es eine Partei wäre. Dem fleißgen Maschinchen zuliebe.

Danke, kleines fleißiges Maschinchen, dass es dich gibt!

Du bist Vorbild; du bist Sinnbild des Bürger-Staat-Verhältnisses in unserem üppigen Bundesland; der Staat, der Bezirk wischt und fegt uns Bürgern hinterher – wie eine gute aufopferungsvolle Mutter, die ihre Kinder über alles liebt, auch wenn sie noch alt und – wie man früher sagte – „erwachsen“ sind und schon selber wischen und fegen könnten.

Siehst Du oben das Bild, lieber Leser? Das ist das kleine fleißge Maschinchen, das Sinnbild der Berliner Politik und Staatlichkeit. O wie gerne würd ich doch das kleine fleißge Maschinchen auch einmal nach Neukölln schicken!

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Der Fuchs – ein Vorbild des Menschen?

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Jun 072016
 

 

 

Betrachte diesen Fuchs genau! Er streift an uns vorbei, sucht sich ein Plätzchen, wittert, prüft, verhält, lugt, lauscht: ein gepacktes Bündel an Aufmerksamkeit, Hinhalten, Hinlauschen. Und doch wieder vollkommen in sich ruhend, auf sich bezogen. Selbsthabe, Selbstwahrnehmung, Wahrnehmung des Umfeldes, spielerisches Erkunden, Selbst-Fürsorge: das Kratzen mit dem eigenen Lauf. Kurz fasste er uns ins Auge, sicherte und witterte zu uns herüber. Er eräugte uns – aber wir waren kein Ereignis für ihn: eine Kommunikation zwischen Mensch und Tier wollte sich diesmal nicht einstellen.

Der Fuchs ist ein Vorbild an Wachheit und Aufmerksamkeit für uns Menschen. Wir Menschen, deren Aufgabe das Wachsein ist!

Bedenke: diese Begegnung ereignete sich vergangenen Sonntag an der Wilhelm-Förster-Sternwarte in Schöneberg, also dort, wo der Mensch sein Eräugen in die Weiten des Weltraumes wirft! Dem Fuchs muss dies unbegreiflich sein. Und dennoch tut er im Kleinen nichts anderes als das, was die Naturforscher im Großen auch bewerkstelligen: er erkundet, erforscht, er sucht Koordinaten, er orientiert sich, er bildet sich eine Vorstellung des Ganzen, das ihn umgibt. Er hat eine Weltsicht; er hat gewissermaßen sogar ein „Menschenbild“, denn offensichtlich misst er dem Menschen, den er vermutlich als Lebewesen, also als seinesgleichen, wahrnimmt,  keine überragende Bedeutung bei. Menschen sind für diesen Fuchs Lebewesen, die es nicht zu fürchten gilt, die allenfalls nur vorübergehende Aufmerksamkeit verdienen. Wir sind für ihn – Vorübergehende. Er ist für uns – ein Vorübergehender, der kurz bei uns verweilte und uns beglückte in all seiner Fremdheit.

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Autofreie Zonen schaffen … aber wie?

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Mai 222014
 

2014-05-08 16.17.51

Gutes Thema, gutes Format, gute Leute auf dem Podium!  Statt immer nur vollverkachelte Bäder zu verhindern, zweite Badezimmer für pflegebedürftige Alte  und private Ferienwohnungen für kinderreiche Familien auf Städtetrip zu verbieten bzw. auf die gefühlten  60 bis 70% Rechtspopulisten in Polen, Italien, Deutschland oder UK zu schimpfen, sollte die Bezirkspolitik Diskussionsprozesse anregen, Veränderungen im Dienste eines mitmenschlichen Zueinanderfindens anregen. Wir brauchen mehr Ruhe, saubere, nicht beschmierte Wände auf Gassen und Straßen, weniger Glasscherben auf Radwegen, weniger Unfälle,  weniger Verletzungen, weniger Platzverbrauch, weniger Lärm und weniger Gestank durch PKW.

Warum nicht auch einmal etwas für den Umweltschutz tun? Der liegt in Friedrichshain-Kreuzberg ja praktisch brach. Bitte mehr davon, liebe Grüne!

 

 

Die Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen im Bezirksparlament Friedrichshain-Kreuzberg sendet uns eine Einladung zu einer Veranstaltung, die zu besuchen sich sicher lohnt. Lest selbst die unveränderte Einladung:

Welche Auswirkungen haben autofreie Zonen auf einen Kiez? Mit welchen baulichen Maßnahmen kann man den Verkehr beruhigen? Welche Formen der Verkehrsberuhigung kann ein Bezirk rechtlich und finanziell stemmen? Diese und weitere Fragen wollen wir bei einem Fachgespräch „Verkehrsberuhigung – Möglichkeiten und Grenzen bezirklicher Maßnahmen“ mit Expert*innen und Interessierten diskutieren.

Wir laden Sie/euch herzlich dazu ein!

Wann? Am Dienstag, 27. Mai 2014 von 17-20 Uhr

Wo? Im BVV-Saal des Kreuzberger Rathauses, Yorckstraße 4-11, 10965 Berlin (U-Bahnhof Mehringdamm)

Programm: 17-18 Uhr Expert*innenpodium 18-19 Uhr Kleingruppendiskussionen zu unterschiedlichen Themenaspekten 19-20 Uhr Vorstellung der Ergebnisse

Auf dem Podium: – Anja Hänel, Verkehrsclub Deutschland (VCD) e.V. – Prof. Dr. Thomas Richter, Fachgebiet Straßenplanung und Straßenbetrieb, TU Berlin – Heribert Guggenthaler, ehem. Leiter des Referats Planung und Gestaltung von Straßen und Plätzen, Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt Wir bitten um Anmeldung bis zum 25. Mai an presse-xhain[at]gruene-berlin.de.

Aktuelle Informationen zur Veranstaltung auch hier: http://gruenlink.de/qj3

Bild: ein Blick auf den Fahrradabstellplatz bei der re:publica, Kreuzberg am 08.05.2014

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Apr 092013
 

2013-03-25 14.01.41

Hassenden läuft der Hass nach, Liebenden kommt die Liebe entgegen. So spricht eine gezettelte Botschaft des Talmud auf der Wilhelmstraße.

Mit einem Lesezirkel hochbetagter, hochweiser Damen und Herren in der nämlichen Wilhelmstraße besprach ich Theodor Fontanes unsterbliches (es wird uns alle überleben!) Gedicht „Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland“. Gemeinsam kramend, suchend stöbernd in den Herzkammern des Gedächtnisses, gelang es uns, einen Großteil des Gedichts wiederherzustellen, das früher jedes Berliner Schulkind kannte.

Merkwürdig, ja fast anstößig  ward mir beim Rezitieren folgende Strophe, und in ihr insbesondere die fettgedruckten Zeile:

So klagten die Kinder. Das war nicht recht –
Ach, sie kannten den alten Ribbeck schlecht;
Der neue freilich, der knausert und spart,
Hält Park und Birnbaum strenge verwahrt.
Aber der alte, vorahnend schon
Und voll Mißtraun gegen den eigenen Sohn,
Der wußte genau, was damals er tat,
Als um eine Birn‘ ins Grab er bat,
Und im dritten Jahr aus dem stillen Haus
Ein Birnbaumsprößling sproßt heraus.

Voll Mißtraun gegen den eigenen Sohn – eine starke, harte, grob treffende Zeile!

Die Literatur, aber mehr noch die gesamte politische Debatte ist ja heute reich, überreich an Vorwurfsdiskursen der Jungen gegen die Alten. Hier bei Fontane erhebt einmal der Alte einen stillen Vorwurf gegen den Sohn. Könnte es sein, dass einmal, ein einziges Mal in der Weltgeschichte, die Väter bessere Menschen als die Söhne, die Mütter bessere Menschen als die Töchter sind? Ich hege diese Vermutung, ich bin davon überzeugt! Es können durchaus die Väter und Mütter mehr geleistet haben, mehr Bleibendes zum Wohl und Gedeihen der Nachkömmlinge hinterlassen als umgekehrt die Söhne und Töchter schaffen!

Insbesondere die 68er Generation brüstet sich in Teilen bis heute damit, erstmals das Versagen, Verdrängen und Vergessen der Vätergeneration in den Jahren 1933-1945 aufgedeckt zu haben.

Voll Mißtraun gegen den eigenen Vater – das könnte das Motto eines Christoph Meckel, eines Günter Seuren, eines Günter Grass, eines Bernward Vesper, einer Gudrun Ensslin, einer Ulrike Meinhof  und tausender anderer Kämpfer der 68er Generation sein! Diese Geisteshaltung prägt heute große Teile der meinungsprägenden Redaktionen und Feuilletons. All diese Söhne und Töchter bezogen ihre unerschütterliche Überzeugung der eigenen moralischen Überlegenheit aus dem wiederholten, ritualisierten, gemeinschaftlich vollzogenen Prozess gegen die eigenen Eltern – einer Art ständig wiederholten symbolischen Hinrichtung der Mörder.

Die ab 1949 vollbrachte Aufbauleistung der Bundesrepublik Deutschland wurde und wird nicht gewürdigt. Sie wird verleugnet. Bis zum heutigen Tag brüsten sich Vertreter der 68er Generation damit, sie hätten den „Muff der Adenauer-Jahre“ beseitigt. Ein großer, ein grotesker  Irrtum, wie ich finde! Die deutsche Literatur der Jahre 1946 bis 1965 bestätigt die satte, selbstverliebte, selbstzufriedene moralische Überlegenheitsgeste der Jüngeren, also der ab 1935 bis 1960 Geborenen, schlechterdings nicht. Die frühen, vielgelesenen  Erzählungen Heinrich Bölls, die 1952 bei der Eröffnung des Mahnmals Bergen-Belsen gehaltene Rede des Bundespräsidenten Theodor Heuss zeigen ebenso wie zahlreiche Reden von Bundeskanzler Adenauer eindeutig, dass – von den Spitzen der Literatur und der Politik ausgehend – ein klares Bewusstsein von deutscher Schuld und Schande zu erwachsen begann.

Die 68er-Generation fiel jäh hinter den schmerzhaften Prozess der Gewissenserforschung der Väter und Kriegsheimkehrer zurück, sie prahlte, drohte, johlte, sie fiel zwar nicht auf Hitler herein, aber sehr wohl auf Mao, Ho Tschi Minh, Lenin, Fidel Castro, Che Guevara, später Ghaddafi  – diese waren aber wie Hitler allesamt Diktatoren, an deren Händen reichlich Blut klebte. Und die 68er – etwa Rudi Dutschke, ebenso Teile der späteren Grünen wie etwa Joschka Fischer oder Hans-Christian Ströbele  – bejahten Gewalt als politisches Druckmittel. Hinhören, Einfühlen, Verzeihen, Gewaltverzicht kannten sie nicht. Sie glaubten nicht an die Liebe, nicht an die Erinnerung, nicht an die Versöhnung.

Mahler, Dutschke, Cohn-Bendit, Günter Grass und viele andere haben damals ein Scherbengericht veranstaltet, mit dessen letzten Hinterlassenschaften wir uns heute herumzuschlagen haben. Die völlige Delegitimation der demokratischen Ordnung der Bundesrepublik Deutschland, die die 68er-Bewegung versuchte, brachte jahrelang, bringt auch heute noch ein erhebliches Potenzial an Gewaltbereitschaft hervor. „Wehrt euch“. Unser Bild zeigt einen gezettelten Anschlag auf der Ohlauer Straße/Reichenberger Straße, Kreuzberg, aufgenommen heute, direkt vor der besetzten Grundschule, einem der neu entstandenen rechtsfreien Räume.

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Städtische Räume gemeinsam neu aneignen!

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Jun 252011
 

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Von 1984 bis 1988 lebte ich bereits ein erstes Mal in Kreuzberg, in das ich mit habichtsgleich geschärftem Blick nach langer Odyssee 2002 als migrantischer Rückwanderer zurückgekehrt bin. Damals verfolgte ich die IBA als neugieriger Zaungast, besuchte das eine oder andere Objekt, hatte Freunde am Fränkelufer, die in die „Wohnhäuser entlang der Brandmauer“ eingezogen waren. Es herrschten üppige Verhältnisse, Reichtum für alle – also staatlich ausgereichte Gelder – gab es in Hülle und Fülle. Heute erweisen sich gerade die Kreuzberger IBA-Bauten als arge Kostenfalle für Mieter und Stadt.

Braucht Berlin heute erneut eine Internationale Bauausstellung? Wie schaffen es Städte, sich so zu verändern, dass ihre äußere Gestalt den Werthaltungen, den Lebensentwürfen und den Bedürfnissen der Menschen entspricht? Diesen Fragen widmet sich heute auf S. 12 des Tagesspiegels der Architekturtheoretiker Werner Durth von der TU Darmstadt. Gut zu lesender Artikel!

Unabhängig von der Beantwortung der gestellten Frage greifen wir einige allgemeine Überlegungen heraus. Denn es geht nicht nur um die IBA, sondern um eine neue Art von Gestaltung des gemeinsamen Raumes.

Durth schreibt:

„Eine IBA ist mehr als eine Bauausstellung. Sie stellt Lebensentwürfe und Wertorientierungen der Stadtgesellschaft zur Diskussion, sie gibt Antwort auf soziale Fragen nicht nur durch die Gestaltung von Gebäuden, sondern auch durch Ermöglichung neuer Formen der Aneignung öffentlicher Räume in Stadt und Landschaft. Zur Definition der Themen sind vorbereitende Diskurse und vorgeschaltete Werkstätten im Abwägen von Alternativen wichtig. So wird die Aufmerksamkeit aller Beteiligten nicht allein auf das Bauen, sondern auch auf die Wahrnehmung der Entstehungsbedingungen und die Qualität von Prozessen gerichtet.“

Gemeinsame Aufmerksamkeit aller Beteiligten (joint attention, wie es Michael Tomasello nennt) – das ist doch genau das Thema, das wir seit einigen Tagen auf diesem Blog verfolgen.

Städtische Räume bedürfen der Sammlung von Aufmerksamkeit, damit eine echte Bürgergesellschaft entstehen kann. Brunnen, gestaltete Plätze, Märkte, Kunstwerke, Friedhöfe, Kirchen, Spielplätze, Moscheen, Tempel, Denkmäler sind derartige Aufmerksamkeits-Vereiniger.

Was zersplittert und trennt hingegen die Aufmerksamkeit? Was verhindert das Zusammenwachsen der Menschen im städtischen Raum?

Nun, ich meine, ein Übermaß an Aufmerksamkeit wird heute vielerorts in den Städten durch den motorisierten und auch nichtmotorisierten (!) Straßenverkehr gebunden, abgelenkt und zersplittert. Der Straßenverkehr in seiner jetzigen Form zerschneidet an zu vielen Stellen jeden Versuch der Bürger, den städtischen Raum als ihren „gemeinsamen Raum“ zu erfahren. Die Verkehrssituation ist an vielen Stellen zu unübersichtlich, zu kompliziert, zu verworren, zu gefährlich, zu laut, zu schmutzig. Dies gilt insbesondere aus der Sicht der Alten, der Kinder, der Behinderten und Kranken.

Not tut vielfach eine Neuaneignung städtischen Raumes durch neue Widmung der Flächen, durch Schaffung vernünftig gestalteter Verhältnisse, die sich den Werthaltungen der Menschen anpassen müssen, statt dass Menschen sich den Verhältnissen unterwerfen müssen.

Die Überlegungen Werner Durths verdienen ihrerseits gemeinsame Aufmerksamkeit!

Bild: ein Habicht über dem Prinzenbad, aufgenommen gestern. Findet ihr ihn? Schärft eure Aufmerksamkeit!

THEMA: Blaupause statt Baupause Neue Bauten braucht Berlin – Berlin – Tagesspiegel

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Okt 232009
 

entspannter-doormanservice-05092009002.jpg Ich bin ein Kreuzberger Unterschichtler. Wer kein eigenes Auto besitzt und seine Kinder nicht auf eine Montessori- oder kirchliche Privatschule, sondern in eine staatliche Grundschule schickt, ist unwiderleglich Unterschichtler. Außerdem lese ich immer wieder kleinformatige Blätter mit wie etwa die BZ und die taz. Ein echter Unterschichtler. So einfach ist das.

Doch gerade als Unterschichtler trete ich für eine bessere Mischung ein! Kreuzberg braucht reiche Zuwanderer, Oberschichtler wie etwa den Bundestagsabgeordneten Özdemir. Sie sollen hier Eigentum erwerben, sie sollen sich hier niederlassen, sie sollen hier ihre Kinder zur Schule schicken! Auf keinen Fall darf man diese Zuwanderer abschrecken, wie es heute wieder berichtet wird. Die Brandanschläge, die rassistische Hetze gegen die sogenannten Yupppies, die Einschüchterung und Bedrohung von Besitzenden muss aufhören!

Unser Bild zeigt entstehende Luxuswohnungen mit „entspanntem Doormanservice“ am Potsdamer Platz. Das Gute daran ist: Diese Luxuswohnungen entstehen in direkter Nachbarschaft zu einem riesigen Sozialwohnungsblock mit Tausenden von Sozialhilfeempfängern, mit sehr vielen migrantischen Familien, Zuwanderern aus Libanon und Syrien. Es sind die Ärmsten der Armen aus dem eigentlich reichen Land Libanon, die hier in Kreuzberg ihr Aus- und ihr Einkommen finden. Dass ihre neuen Nachbarn aus der Oberschicht hierher ihre Luxusappartments bauen, finde ich sehr gut. Die sollen dann auch ihre Kinder zu uns in die Grundschule schicken! Da möchte ich dabei sein.

Die autonome Szene rüstet hingegen auf zu einer Art Pogrom-Stimmung gegen alles, was auch nur entfernt nach Ober- und Mittelschicht riecht. „Yuppie-Schweine-Schüsse in die Beine“ – das ist eiskalt die Methode der Mafia! Das erinnert an die antijüdische Hetze der Nationalsozialisten (Deutschland 20er-30er Jahre) und die antibürgerliche Hetze der RAF-Terroristen (Deutschland, 70er-80er Jahre)! Das Aufkommen einer immer stärkeren linksextremen Mafia in Friedrichshain-Kreuzberg muss mit allen Mitteln des Rechtsstaates bekämpft werden! Mehr noch: Alle rechtstreuen politischen Kräfte müssen einmütig solche verbrecherischen Akte verurteilen! Ich erwarte sehnsüchtig Signale aus der BVV Friedrichshain-Kreuzberg!

Ich sage: Stoppt das feige hinterhältige Treiben der Hetzer!

Brandanschlag – Autonome bedrohen Yuppies in Kreuzberg – Berlin – Berliner Morgenpost
Erneut ist ein Loft-Projekt in Kreuzberg Ziel eines Anschlags geworden. In der Nacht zu Donnerstag hatten Unbekannte einen Brandsatz gegen die Fassade eines neusanierten Gebäudes geworfen. Dieses Mal jedoch wurden erstmals auch Menschen bedroht, die als Käufer dieser Wohnungen betrachtet werden.

Unbekannte haben in der Nacht zu Donnerstag einen Brandanschlag auf ein Gebäude mit Loftwohnungen an der Glogauer Straße in Kreuzberg verübt. Außerdem beschmierten sie die Hausfassade des sanierten Fabrikgebäudes mit dem Spruch „Yuppi-Schweine-Schüsse in die Beine“.

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In Berlin mobil – mehrheitlich ohne Auto

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Mrz 272008
 

Gute Nachrichten vom Berliner Verkehr bringt der Berliner gedruckte Tagesspiegel von heute auf S. 9: Die Studie „Mobilität in der Stadt – Berliner Verkehr in Zahlen“ belegt: „Immer mehr Berliner steigen aufs Rad.“ Pro 1000 Einwohner gibt es in Berlin etwa 320 PKW, in Innenstadtbezirken oft nur etwa 200. Damit hebt sich Berlin deutlich von anderen deutschen Großstädten ab. Auf der nächsten Seite (S.10) finde ich die Anzeige der Kampagne des Bundesverkehrsministers: „Runter vom Gas. Jährlich sterben in Deutschland rund 5000 Menschen bei Verkehrsunfällen.“ Diese Anzeigenkampagne, die in Gestalt von Todesanzeigen daherkommt, erregt den Unwillen mancher Umwelt- und Verkehrsinitiativen, etwa von „Pro Tempolimit„.

Die Kritiker haben in einem Recht: Es kommt nie gut an, wenn sich eine Instanz – hier also das Bundesverkehrsministerium – mit zwei einander widersprechenden Botschaften zugleich präsentiert: Einerseits wirbt das Ministerium für eine Verringerung der Geschwindigkeit, andererseits wehrt sich Verkehrsminister Tiefensee gegen die Einführung eines Tempolimits auf den Autobahnen, obwohl dort etwa 200 Menschen pro Jahr aufgrund überhöhter Geschwindigkeit auf Strecken ohne Geschwindigkeitsbeschränkung sterben und obwohl die Einführung eines 120-km-Limits Jahr für Jahr etwa 3,7 Mio. Tonnen Kohlendioxid einsparen hülfe. Wahrlich keine Kleinigkeit! Die Zeiten vom Mai 1995, als sich die damalige Umweltministerin Merkel mit Tränen in den Augen für die Einführung eines Tempolimits auf deutschen Autobahnen einsetzte, sind offenbar vergessen. Man kann wahrscheinlich bei den Wählern noch keine Mehrheiten für die Geschwindigkeitsbeschränkung auf Autobahnen gewinnen, obzwar die allerneuesten Umfragen bereits anderes besagen.

Ich wäre schon froh, wenn innerorts die bestehenden Tempolimits von der Mehrheit der Autofahrer eingehalten würden. Dies ist derzeit nicht der Fall. Soweit ich weiß, gilt grundsätzlich Tempo 50 als Obergrenze, gebietsweise auch Tempo 30. Derartige „Freiheitsbeschränkungen“ scheinen ebenfalls in Vergessenheit geraten zu sein.

 Posted by at 16:04