„Ich fahre im Auftrag der BSR.“ Eine Korrektur

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Okt 212016
 

Idsc_05261mmer tüchtig, immer mannhaft zupackend, immer freundlich, so erleben wir die Männer der BSR. Ich grüße sie stets zuerst, wenn ich ihnen begegne. Sie leisten Großes. Wer achtet ihrer? Kaum einer. Ich würde sie wählen, wenn sie eine Partei wären!

Soweit jedoch beim letzten Eintrag der Eindruck entstehen konnte, das kleine fleißge Maschinchen – ein Sinnbild der bedingungslos und unverdrossen dem Bürger hinterherputzenden Berliner Stadtpolitik – sei ein Fahrzeug der BSR, versäumen wir nicht hervorzuheben, dass das kleine fleißge Maschinchen uns selbst soeben durch ein Schild mitteilt: „Ich fahre im Auftrag der BSR„, eine Tatsache, die man allein schon daraus hätte erschließen müssen, dass das kleine fleißge Maschinchen nicht in jenen leuchtenden Orange-Tönen lackiert ist, die zu einer so unnachahmlichen Belebung unseres Berliner Straßenbildes führen.

Die BSR vergibt also Aufträge an Drittfirmen, wenn sie selber angesichts der Größe der Aufgabe beim Platzputz, bei der Straßenreinigung und bei der Beseitigung der Hinterlassenschaften der Bürgerinnen und Bürger nicht mehr hinterherkommt. Sunt certi denique fines, wie die Lateinerin sagt.

Um so überraschter war ich, als ich vor wenigen Wochen die Neuköllner Bürgermeisterin Franziska Giffey bei einer Platzputz- und Aufräumaktion in der Zeitung abgebildet sah („Schluss mit dem Neuköllner Schmuddel“, Tagesspiegel online, 24.08.2016). Das imponierte mir sehr!

Dann überlegte ich: Wie, jetzt muss auch noch die Bürgermeisterin aushelfen, wenn die Bürgerinnen und Bürger die  Plätze und Straßen nicht pflegen und hegen? Sind Neuköllns Bürgerinnen und Bürger allezeit so sehr beschäftigt, so fleißig am Schaffen, Machen, Arbeiten, Lernen, Werkeln, Erziehen der Kinder, dass sie ihren Müll nicht selber in die Mülltonne werfen können? Fragen über Fragen!

 

 

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Danke, kleines fleiß’ges Maschinchen in Schöneberg!

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Okt 122016
 

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„Ach, wenn ich nach Dienstschluss so aus meinem Rathaus komme und denke, ja wann haben denn hier diese Stufen zum letzten Mal einen Besen gesehen, und wenn ich dann erfahre: Auch heute war hier drei Mal die BSR zugange, hat gefegt und geräumt, geputzt und gewienert… dann möchte ich doch tatsächlich selbst noch zum Besen greifen, möchte Hand anlegen. Aber ich weiß: auch eine vierte Treppenreinigung wird unser Rathaus nicht in vollkommenem Glanz erstrahlen lassen.“

So die beredte Klage einer Mitarbeiterin des Neuköllner Bezirksamtes, der ich am vergangenen Freitag in einem der angesagtesten Kultur- und Debattiersalons unserer Stadt lauschen durfte.

Die Klage kam mir heute wieder in den Sinn! Denn – denkt euch nur, Kinder! – bei uns in Schöneberg hat sich die Berliner Stadtreinigung etwas Besonderes einfallen lassen: ein fleißges kleines Maschinchen, mit einem Saugrüssel versehen, dem nichts, aber nichts entgeht: nicht die Zigarettenkippen, die täglich freigebig neu aufgestreut werden, nicht die Getränkepackungen, nicht das große Geschäft der vielen promenierenden Hunde und Hündchen.

Mehrmals pro Monat rummelt das fleißge Maschinchen  vorbei an meinem blumenbepflanzten Balkon. Das  Maschinchen hab ich ins Herz geschlossen. Wie gut es ist: Der Achtlosigkeit der Bürgerinnen und Bürger – achtet es nicht. Es verrichtet unverdrossen seinen Dienst. Und, Kinder, denkt euch nur: Ein Dankeschön erwartet es nicht. Es erwartet nicht, dass die Bürgerinnen und Bürger sich ändern. Es ist die Antwort des treusorgenden fürsorglichen Staates an die Bürgerinnen und Bürger, die – weil es das Maschinchen gibt – bleiben dürfen, wie sie immer gewesen sind in unserer Stadt.

Du brauchst das Maschinchen nicht zu belohnen, du kannst die Berliner Stadtreinigung  nicht wählen; du kannst BSR nicht auf dem Stimmzettel ankreuzen. Aber ich, ich wollte hier das kleine fleißige Maschinchen loben. Weil es sonst niemand macht. Wer achtet sein? Kein Hund achtet sein!

Wie rückständig sind doch die Bürger beispielsweise in Ansbach oder Augsburg: Dort räumt nach Silvester immer noch jeder Bürger den eigenen Dreck weg. Und bei uns wissen wir: Das brauchen wir nicht, wir haben ja das kleine fleißge Maschinchen.

Und ich? Ich würde BSR wählen, ich hätte BSR gewählt, wenn es eine Partei wäre. Dem fleißgen Maschinchen zuliebe.

Danke, kleines fleißiges Maschinchen, dass es dich gibt!

Du bist Vorbild; du bist Sinnbild des Bürger-Staat-Verhältnisses in unserem üppigen Bundesland; der Staat, der Bezirk wischt und fegt uns Bürgern hinterher – wie eine gute aufopferungsvolle Mutter, die ihre Kinder über alles liebt, auch wenn sie noch alt und – wie man früher sagte – „erwachsen“ sind und schon selber wischen und fegen könnten.

Siehst Du oben das Bild, lieber Leser? Das ist das kleine fleißge Maschinchen, das Sinnbild der Berliner Politik und Staatlichkeit. O wie gerne würd ich doch das kleine fleißge Maschinchen auch einmal nach Neukölln schicken!

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Der Fuchs – ein Vorbild des Menschen?

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Jun 072016
 

 

 

Betrachte diesen Fuchs genau! Er streift an uns vorbei, sucht sich ein Plätzchen, wittert, prüft, verhält, lugt, lauscht: ein gepacktes Bündel an Aufmerksamkeit, Hinhalten, Hinlauschen. Und doch wieder vollkommen in sich ruhend, auf sich bezogen. Selbsthabe, Selbstwahrnehmung, Wahrnehmung des Umfeldes, spielerisches Erkunden, Selbst-Fürsorge: das Kratzen mit dem eigenen Lauf. Kurz fasste er uns ins Auge, sicherte und witterte zu uns herüber. Er eräugte uns – aber wir waren kein Ereignis für ihn: eine Kommunikation zwischen Mensch und Tier wollte sich diesmal nicht einstellen.

Der Fuchs ist ein Vorbild an Wachheit und Aufmerksamkeit für uns Menschen. Wir Menschen, deren Aufgabe das Wachsein ist!

Bedenke: diese Begegnung ereignete sich vergangenen Sonntag an der Wilhelm-Förster-Sternwarte in Schöneberg, also dort, wo der Mensch sein Eräugen in die Weiten des Weltraumes wirft! Dem Fuchs muss dies unbegreiflich sein. Und dennoch tut er im Kleinen nichts anderes als das, was die Naturforscher im Großen auch bewerkstelligen: er erkundet, erforscht, er sucht Koordinaten, er orientiert sich, er bildet sich eine Vorstellung des Ganzen, das ihn umgibt. Er hat eine Weltsicht; er hat gewissermaßen sogar ein „Menschenbild“, denn offensichtlich misst er dem Menschen, den er vermutlich als Lebewesen, also als seinesgleichen, wahrnimmt,  keine überragende Bedeutung bei. Menschen sind für diesen Fuchs Lebewesen, die es nicht zu fürchten gilt, die allenfalls nur vorübergehende Aufmerksamkeit verdienen. Wir sind für ihn – Vorübergehende. Er ist für uns – ein Vorübergehender, der kurz bei uns verweilte und uns beglückte in all seiner Fremdheit.

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Apr 182016
 

20160416_125453[1]… aus dem von dir vertretenen Reich?“ So fragte Gottfried Benn in seinem Gedicht „Einsamer nie —„, und so fragt mancher Freizeitwerker sich.

Nun, hier kommen meine Siegsbeweise! Vorgestern habe ich unter den Fittichen der SPD Schöneberg und der BSR  an einer BSR-Platzputz-Aktion „Kehrenbürger“ teilgenommen und zwei Müllsäcke in gut einer  Stunde gefüllt. Darauf bin ich stolz! Ich darf mich zusammen mit einem guten Dutzend anderer freiwillig kehrender Bürger Kehrenbürger nennen und weiterhin stolz die zur Verfügung gestellten Handschuhe tragen. So wie hier oben sah die Ebersstraße nach unserer Aktion aus!

Und so sah es vorher aus:

20160416_121640[1]

Kehrenbürger ist eine gute Sache: die BSR stellt Initiativen, Verbänden, Parteien, Firmen gern ihr Wissen und ihre Werkzeuge wie etwa Kehrbesen und Müllsäcke zur Verfügung und transportiert die Jagdbeute auch ab.  Die SPD Schöneberg konnte sich erfolgreich als Ausmisterpartei darstellen, wir kreuzbraven einfachen Bürger sind froh, dass endlich mal jemand unseren Eifer abruft. Also ran, lasst euch doch nicht von der Schöneberger SPD lumpen, werdet ebenfalls Berliner Ausmisterparteien! Ruft die Bürger zum kräftigen Schaffen auf! Der Ausmister-Wahlkampf ruft schon!

http://www.kehrenbürger.de/index.php

Unser Revier war der Park vor dem Gasometer und die Ebersstraße, und zwar von der Freifläche vor der Teltow-Schule an bis zur Herbertstraße. Das Motto Goethes lautet:
„Ein jeder kehre vor seiner eignen Tür
Und rein ist bald das Stadtquartier!“

Hier kommt unser Befund:

  1. Gehwege und Grünstreifen waren vor allem mit folgenden Müllarten übersät: Getränkepackungen aus Kunststoff und Pappe (Spitzenreiter!), sonstige Verpackungen, 1 alter Kühlschrank neben dem Bürgersteig, Bauschutt, benutzte Hygieneartikel.
  2. Statistisch stellen Zigarettenkippen die häufigste Verschmutzungsart dar. Bewohner und Passanten schnippen gleichermaßen überall in Berlin bedenkenlos zu Ende gerauchte Zigaretten auf die Straße.
  3. Hundekot stellt erstaunlicherweise in Schöneberg kein nennenswertes Problem mehr dar. Die vor wenigen Jahren eingeführte Hundekot-Beseitigungspflicht wird durch Hundehalter weitestgehend eingehalten.
  4. Ein Sonderproblem stellte der wilde Autoparkplatz am Ende der Ebersstraße direkt neben dem Hofgelände der Teltow-Schule dar. Hier fand ich immerhin etwa ein Drittel meiner gesamten Müllausbeute, darunter eine blutverschmierte Monatsbinde, Bauschutt,  einen alten Teppich. Man könnte von einer echten Mikro-Müllkippe sprechen!
  5. Besonders stark vermüllt mit Sperrmüll und Verpackungsmüll war und ist auch weiterhin die komplett umzäunte, nicht zugängliche Naturanlage längs der Gleise an der Ebersstraße.
  6. Unüberwindbare Grenzen des kehrenbürgerlichen Einsatzes sind: a) Zigarettenstummel. Die sind nicht mehr zu zählen. Händisch nicht zu schaffen! b) Der alte Kühlschrank. Er ist schlicht zu schwer. c) Bauschutt am Ende der Ebersstraße auf dem wilden Parkplatz d) Sperrmüll in der komplett umzäunten Naturfläche längs der ehemals genutzten Gleise. Hier muss man einfach sagen: Die Kräfte der einzelnen sind beschränkt. Der Bürger kann allein  nicht alles schaffen.
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Diese Fotodokumentation zeigt den Zustand vom vergangenen Samstag:
Ein Blick in das umzäunte Naturareal (unerreichbar für uns)  – die Ausbeute eines einzelnen Kehrenbürgers aus 1 Stunde – benutzte Arbeitshandschuhe – der Kühlschrank in der Ebersstraße, an dem wir uns die Zähne ausgebissen hätten und von dem wir die Hände ließen
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Autofreie Zonen schaffen … aber wie?

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Mai 222014
 

2014-05-08 16.17.51

Gutes Thema, gutes Format, gute Leute auf dem Podium!  Statt immer nur vollverkachelte Bäder zu verhindern, zweite Badezimmer für pflegebedürftige Alte  und private Ferienwohnungen für kinderreiche Familien auf Städtetrip zu verbieten bzw. auf die gefühlten  60 bis 70% Rechtspopulisten in Polen, Italien, Deutschland oder UK zu schimpfen, sollte die Bezirkspolitik Diskussionsprozesse anregen, Veränderungen im Dienste eines mitmenschlichen Zueinanderfindens anregen. Wir brauchen mehr Ruhe, saubere, nicht beschmierte Wände auf Gassen und Straßen, weniger Glasscherben auf Radwegen, weniger Unfälle,  weniger Verletzungen, weniger Platzverbrauch, weniger Lärm und weniger Gestank durch PKW.

Warum nicht auch einmal etwas für den Umweltschutz tun? Der liegt in Friedrichshain-Kreuzberg ja praktisch brach. Bitte mehr davon, liebe Grüne!

 

 

Die Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen im Bezirksparlament Friedrichshain-Kreuzberg sendet uns eine Einladung zu einer Veranstaltung, die zu besuchen sich sicher lohnt. Lest selbst die unveränderte Einladung:

Welche Auswirkungen haben autofreie Zonen auf einen Kiez? Mit welchen baulichen Maßnahmen kann man den Verkehr beruhigen? Welche Formen der Verkehrsberuhigung kann ein Bezirk rechtlich und finanziell stemmen? Diese und weitere Fragen wollen wir bei einem Fachgespräch „Verkehrsberuhigung – Möglichkeiten und Grenzen bezirklicher Maßnahmen“ mit Expert*innen und Interessierten diskutieren.

Wir laden Sie/euch herzlich dazu ein!

Wann? Am Dienstag, 27. Mai 2014 von 17-20 Uhr

Wo? Im BVV-Saal des Kreuzberger Rathauses, Yorckstraße 4-11, 10965 Berlin (U-Bahnhof Mehringdamm)

Programm: 17-18 Uhr Expert*innenpodium 18-19 Uhr Kleingruppendiskussionen zu unterschiedlichen Themenaspekten 19-20 Uhr Vorstellung der Ergebnisse

Auf dem Podium: – Anja Hänel, Verkehrsclub Deutschland (VCD) e.V. – Prof. Dr. Thomas Richter, Fachgebiet Straßenplanung und Straßenbetrieb, TU Berlin – Heribert Guggenthaler, ehem. Leiter des Referats Planung und Gestaltung von Straßen und Plätzen, Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt Wir bitten um Anmeldung bis zum 25. Mai an presse-xhain[at]gruene-berlin.de.

Aktuelle Informationen zur Veranstaltung auch hier: http://gruenlink.de/qj3

Bild: ein Blick auf den Fahrradabstellplatz bei der re:publica, Kreuzberg am 08.05.2014

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Jul 312013
 

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Drogenhandel, Waffenhandel, Frauenhandel, – das sind drei Hauptsäulen des global agierenden Verbrechens, die häufig, wenn auch nicht immer  miteinander verschränkt auftreten. Hier werden Jahr für Jahr hohe 3-stellige Milliardengewinne erzielt. Die exorbitanten Gewinnspannen im Waffenhandel, im Drogenhandel und im Frauenhandel sind mit legalen Geschäften schlechterdings nicht zu erzielen.

Die Hauptvertriebsrouten des globalisierten Drogenhandels haben sich verschoben. Noch bis etwa 1990 konnten wir davon ausgehen, dass die meisten Drogen über die Türkei und Südosteuropa in die Bundesrepublik gelangten. Die Türkei hat allerdings durch abschreckend hohe Strafen nicht nur für den Handel, sondern auch bereits für den Besitz von Drogen den Drogentransit stark erschwert. Die kriminelle Drogenszene wurde in den vergangenen zwei Jahrzehnten aus der Türkei, hier wiederum aus den kurdischen Gebieten  weitgehend in andere Länder abgedrängt. Heute findet sie in Deutschland, hier wiederum besonders in Berlin, Stuttgart und anderen Großstädten hervorragende Existenzbedingungen.

Drogenhandel, Drogenbesitz und Zuhälterei sind – wie ich aus direkten Gesprächen mit Betroffenen weiß – die großen Versuchungen, denen sehr viele junge Männer in Neukölln, Kreuzberg und anderen Berliner Bezirken  erliegen. Die großen Verbrechen, die meisten Morde und Gewaltverbrechen (Johnny K., Semanur S.) usw. geschahen und geschehen in unserer Nachbarschaft unter dem direkten Einfluss von legalen und illegalen Rauschdrogen (Alkohol, Kokain, synthetische Drogen). Die Ermordung Johnny K.s , die Ermordung Semanur S.‘ sollten als warnende Exempel dienen. Ohne Suff, ohne Rausch, ohne Drogensucht wären diese Gewaltorgien, wären diese furchtbaren Verbrechen und viele andere Straftaten höchstwahrscheinlich  nicht passiert. Suff, Rausch, Drogensucht können aus harmlosen Bubis bei einem Ausraster das Unterste zuoberst kommen lassen.

„Wäre ich in Berlin geblieben, wäre ich mit Sicherheit kriminell geworden“, vertraute mir einmal ein deutsch-kurdischer, in Berlin geborener und aufgewachsener Jugendlicher in Ribnitz-Damgarten an. „Ich habe mich entschieden, anständig und ehrlich zu arbeiten und komme heute über die Runden – ohne Drogen, ohne Gewalt, ohne Kriminalität. Aber der Fortzug aus Berlin war absolut die Voraussetzung dafür.“

Einen beispielhaften, wenngleich nicht erschöpfenden Blick in die weitverzweigten, üppig sprießenden Machtgeflechte der nicht mehr so ganz neuen Mafia-Clans in Neukölln und Berlin (auch allbezirklich unterwegs)  kannst du hier werfen:

ZDF | mittagsmagazin | 22.07.2013, 13:19 Uhr:
*Arabisch-kurdische Clans*
VIDEO:
http://www.zdf.de/ZDFmediathek/beitrag/video/1947866/Arabisch-kurdische-Clans
Es sind gradezu mafiöse Strukturen, sagen die Ermittler: die arabisch-
kurdischen Großclans bedrohen mit Erpressung, Raub, Drogen und
Rotlicht-Kriminalität immer stärker die Sicherheit in unserem Land.

Wasser sucht sich seinen Weg, Drogen suchen sich ihren Weg. Die internationalen Drogenkartelle binden heute – von Lateinamerika aus agierend – das Transitland Spanien und die afrikanischen Länder südlich der Sahara viel stärker ein als den Mittleren und Vorderen Orient, zumal die Bürgerkriege und Kriege in Afghanistan, Syrien, Libanon schlecht fürs Business sind.

Doch weg mit diesen finsteren Gedanken! Sieh es doch  mal lockerer! Mach einen Spaziergang durch den Görlitzer Park! Kuck dich um, genieße den herrlichen Sonnenschein, das spielerische lockere Flair! Wichtig ist es, die bewusst niedrig gelegte Eingangs- und Akzeptanzschwelle des Drogenhandels zu erkennen. Dafür lohnt sich ein Rundgang an den entsprechenden Lokalitäten. Meist werden neue User höflich und freundlich angesprochen, ein Nein ist meist ein Nein. Niemandem wird sein erster Joint, seine erste Ceska-Pistole, sein erstes Acid, seine erste ukrainische Prostituierte  aufgedrängt.  Die Kinder und Jugendlichen in Kreuzberg, in Neukölln, in Charlottenburg und anderen Bezirken  gleiten sanft, gewaltfrei hinein in die Illegalität, in das Paralleluniversum des Waffenhandels, des Drogenhandels, der Zuhälterei, der Beschaffungskriminalität.

Das bewusst freundliche, gewinnende und höfliche Auftreten der Dealer – etwa im Görlitzer Park – wird immer wieder lobend und rühmend und mit augenzwinkerndem Behagen erwähnt, so neulich wieder von Tagesspiegel-Autor Sebastian Leber:
http://www.tagesspiegel.de/berlin/stadtleben/auf-kreuzberger-parkett-grosse-probleme-im-kleinen-goerlitzer-park/8570322.html

Mit einem mutigen Vorschlag tritt auch unsere neue Bezirksbürgermeisterin hervor. Sie schlägt vor, den illegalen Drogenhandel gewissermaßen einzuhegen und unter das wachsame Auge des Staates zu stellen:

„Mein Appell ist: Ungewöhnliche Lösungen denken. Geht zum Beispiel ein Coffeeshop so wie in den Niederlanden, den wir zu einem akzeptierten und überschaubaren Platz für Drogenhandel machen?“

http://www.morgenpost.de/berlin-aktuell/article118440104/Neue-Buergermeisterin-prueft-Coffeeshop-am-Goerlitzer-Park.html

Einen akzeptierten und überschaubaren Platz für Drogenhandel, oder auch Frauenhandel, oder auch illegalen Waffenhandel oder auch für Geldwäsche? Das wäre das Grundmuster der vielen  kleinen, überschaubaren Wohnungsbordelle und Spielhallen nach Neuköllner Vorbild, der Coffeeshop nach Amsterdamer Vorbild.

Einen akzeptierten Platz für Drogenhandel? Ich bin dagegen. Es ist ja wie eigentlich sonst auch immer gut gemeint von unseren lieben, aber leider weltfremden Kreuzberger Grünen, zeugt aber auch von einer sozusagen rückwärtsgewandten, furchtbar unglobalisierten Denkungsart.  Der Coffeeshop  könnte funktionieren, wenn man die gesamte Produktions- und Lieferkette überschauen könnte. Aber dem ist nicht so. Das Drogengeschäft ist ein riesiges, interkontinentales, kriminelles Machtgeflecht, bei dem ein Glied ins andere greift, wo zwar nicht vor den Kunden, aber hinter den Kulissen mit allen Mitteln gekämpft wird.  Die Dealer im Görlitzer Park sind sicherlich nur die Letzten, die kleinsten, stets freundlich lächelnden  Händler, die schon den Lieferanten ihres Lieferanten nicht mehr kennen.

Ich bin für eine weitgehende Bekämpfung und Zurückdrängung des Verbrechens, nicht für dessen Anlockung und fördernde Einhegung durch überschaubare Plätze. Wir brauchen Repression des Verbrechens wie etwa in der Türkei vorgemacht,  abschreckende Strafen für Drogenhändler und Frauenhändler, Abschiebung von ausländischen Waffen-, Frauen- und Drogenhändlern in deren Herkunftsländer.  Coffeeshops? Ich bin dagegen. Die Eltern der Kreuzberger Schulkinder und Jugendlichen sind mit Sicherheit auch dagegen. „Ja, dann müsst ihr euch halt überlegen, ob ihr hier noch wohnen könnt.“ Gut, so wird uns das immer wieder gesagt.  Und viele Familien, gerade türkische, polnische, italienische Familien verlassen ja auch in der Tat mit Kind und Kegel den Vorzeige- und Musterbezirk Kreuzberg.

Es drängt sich in der Tat wieder einmal der Eindruck auf: Das Bezirksrecht bricht in Friedrichshain-Kreuzberg sowohl Landesrecht als auch Bundesrecht. Das ist in der Tat eine ungewöhnliche Lösung.

Lesetipps:

Moisés Naím: Das Schwarzbuch des globalisierten Verbrechens – Drogen, Waffen, Menschenhandel, Geldwäsche, Markenpiraterie. Piper Verlag GmbH, München Oktober 2005
Roberto Saviano: Sprich über die Verbrechen. Ein Brief an den italienischen Mafioso Sandokan. In: Die Zeit vom 1. Juli 2010.

 

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Apr 092013
 

2013-03-25 14.01.41

Hassenden läuft der Hass nach, Liebenden kommt die Liebe entgegen. So spricht eine gezettelte Botschaft des Talmud auf der Wilhelmstraße.

Mit einem Lesezirkel hochbetagter, hochweiser Damen und Herren in der nämlichen Wilhelmstraße besprach ich Theodor Fontanes unsterbliches (es wird uns alle überleben!) Gedicht „Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland“. Gemeinsam kramend, suchend stöbernd in den Herzkammern des Gedächtnisses, gelang es uns, einen Großteil des Gedichts wiederherzustellen, das früher jedes Berliner Schulkind kannte.

Merkwürdig, ja fast anstößig  ward mir beim Rezitieren folgende Strophe, und in ihr insbesondere die fettgedruckten Zeile:

So klagten die Kinder. Das war nicht recht –
Ach, sie kannten den alten Ribbeck schlecht;
Der neue freilich, der knausert und spart,
Hält Park und Birnbaum strenge verwahrt.
Aber der alte, vorahnend schon
Und voll Mißtraun gegen den eigenen Sohn,
Der wußte genau, was damals er tat,
Als um eine Birn‘ ins Grab er bat,
Und im dritten Jahr aus dem stillen Haus
Ein Birnbaumsprößling sproßt heraus.

Voll Mißtraun gegen den eigenen Sohn – eine starke, harte, grob treffende Zeile!

Die Literatur, aber mehr noch die gesamte politische Debatte ist ja heute reich, überreich an Vorwurfsdiskursen der Jungen gegen die Alten. Hier bei Fontane erhebt einmal der Alte einen stillen Vorwurf gegen den Sohn. Könnte es sein, dass einmal, ein einziges Mal in der Weltgeschichte, die Väter bessere Menschen als die Söhne, die Mütter bessere Menschen als die Töchter sind? Ich hege diese Vermutung, ich bin davon überzeugt! Es können durchaus die Väter und Mütter mehr geleistet haben, mehr Bleibendes zum Wohl und Gedeihen der Nachkömmlinge hinterlassen als umgekehrt die Söhne und Töchter schaffen!

Insbesondere die 68er Generation brüstet sich in Teilen bis heute damit, erstmals das Versagen, Verdrängen und Vergessen der Vätergeneration in den Jahren 1933-1945 aufgedeckt zu haben.

Voll Mißtraun gegen den eigenen Vater – das könnte das Motto eines Christoph Meckel, eines Günter Seuren, eines Günter Grass, eines Bernward Vesper, einer Gudrun Ensslin, einer Ulrike Meinhof  und tausender anderer Kämpfer der 68er Generation sein! Diese Geisteshaltung prägt heute große Teile der meinungsprägenden Redaktionen und Feuilletons. All diese Söhne und Töchter bezogen ihre unerschütterliche Überzeugung der eigenen moralischen Überlegenheit aus dem wiederholten, ritualisierten, gemeinschaftlich vollzogenen Prozess gegen die eigenen Eltern – einer Art ständig wiederholten symbolischen Hinrichtung der Mörder.

Die ab 1949 vollbrachte Aufbauleistung der Bundesrepublik Deutschland wurde und wird nicht gewürdigt. Sie wird verleugnet. Bis zum heutigen Tag brüsten sich Vertreter der 68er Generation damit, sie hätten den „Muff der Adenauer-Jahre“ beseitigt. Ein großer, ein grotesker  Irrtum, wie ich finde! Die deutsche Literatur der Jahre 1946 bis 1965 bestätigt die satte, selbstverliebte, selbstzufriedene moralische Überlegenheitsgeste der Jüngeren, also der ab 1935 bis 1960 Geborenen, schlechterdings nicht. Die frühen, vielgelesenen  Erzählungen Heinrich Bölls, die 1952 bei der Eröffnung des Mahnmals Bergen-Belsen gehaltene Rede des Bundespräsidenten Theodor Heuss zeigen ebenso wie zahlreiche Reden von Bundeskanzler Adenauer eindeutig, dass – von den Spitzen der Literatur und der Politik ausgehend – ein klares Bewusstsein von deutscher Schuld und Schande zu erwachsen begann.

Die 68er-Generation fiel jäh hinter den schmerzhaften Prozess der Gewissenserforschung der Väter und Kriegsheimkehrer zurück, sie prahlte, drohte, johlte, sie fiel zwar nicht auf Hitler herein, aber sehr wohl auf Mao, Ho Tschi Minh, Lenin, Fidel Castro, Che Guevara, später Ghaddafi  – diese waren aber wie Hitler allesamt Diktatoren, an deren Händen reichlich Blut klebte. Und die 68er – etwa Rudi Dutschke, ebenso Teile der späteren Grünen wie etwa Joschka Fischer oder Hans-Christian Ströbele  – bejahten Gewalt als politisches Druckmittel. Hinhören, Einfühlen, Verzeihen, Gewaltverzicht kannten sie nicht. Sie glaubten nicht an die Liebe, nicht an die Erinnerung, nicht an die Versöhnung.

Mahler, Dutschke, Cohn-Bendit, Günter Grass und viele andere haben damals ein Scherbengericht veranstaltet, mit dessen letzten Hinterlassenschaften wir uns heute herumzuschlagen haben. Die völlige Delegitimation der demokratischen Ordnung der Bundesrepublik Deutschland, die die 68er-Bewegung versuchte, brachte jahrelang, bringt auch heute noch ein erhebliches Potenzial an Gewaltbereitschaft hervor. „Wehrt euch“. Unser Bild zeigt einen gezettelten Anschlag auf der Ohlauer Straße/Reichenberger Straße, Kreuzberg, aufgenommen heute, direkt vor der besetzten Grundschule, einem der neu entstandenen rechtsfreien Räume.

2013-04-09 17.46.13

 Posted by at 21:35

Wohnraum: ein wichtiges Gut zentralstaatlicher Steuerung!

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Apr 042012
 

Interessante Zahlen treffen in diesen Tagen zur Bewirtschaftung des Wohnraums durch den treusorgenden Staat ein!

Der Staat traut es den Menschen nicht zu, mit einem gewissen Geldbetrag eigenverantwortlich umzugehen. Stattdessen wird akribisch der Bedarf für einzelne Ausgabenarten ermittelt und dann nach einem festen Schlüssel zugewiesen. Lest zunächst die neueste Volksbeglückungsnachricht:

Unterkunftskosten: Höhere Warmmieten-Zuschüsse für Berlins Hartz-IV-Empfänger – Aktuelle Nachrichten – Berlin Aktuell – Berliner Morgenpost – Berlin
Nach den neuen Richtwerten steigt der Heizkostenzuschuss für eine Person in einer 50 Quadratmeter Wohnung von 378 Euro auf im Schnitt 394 Euro. Dabei liegt der Zuschuss bei Heizöl bei 398 Euro, für Erdgas bei 389 Euro und bei Fernwärme bei 408 Euro. Ein Zwei-Personen-Haushalt mit maximal 60 Quadratmetern bekommt künftig für die Bruttowarmmiete statt 444 Euro durchschnittlich 472,50 Euro, drei Personen 578 Euro (statt 542), vier Personen 665 Euro (statt 619) und fünf Personen 766 Euro (statt 705). Einer dreiköpfigen Bedarfsgemeinschaft stehen in Berlin 75 Quadratmeter zu, vier Personen dürfen 85 Quadratmeter bewohnen und eine fünfköpfige Familie 97 Quadratmeter. Für jede weitere Person kommen 12 Quadratmeter dazu.

Interessant sind die aktuellen Richtwerte der Wohnungsgrößen für Menschen, die nicht vom selbstverdienten Geld leben:

1 Person: max. 50 Quadratmeter
2 Personen: max. 60 Quadratmeter
3 Personen: max. 75 Quadratmeter
4 Personen: max. 85 Quadratmeter
5 Personen: max. 97 Quadratmeter

Im Vergleich:
Sowjetunion 1928:
Jedem Sowjetbürger durften nicht mehr als 8 qm Wohnfläche zur Verfügung stehen (Quelle: J. Baberowski, Verbrannte Erde, München 2012, S. 148f). Eine 5-Personen-Familie durfte über einige Jahrzehnte hinweg nicht mehr als 40 qm bewohnen.

Das war auch in der Tat so, das haben mir ehemalige Sowjetbürger bestätigt.

Ein deutscher alleinstehender Arbeitsloser, der in einer 1-Zimmer-Wohnung lebt, hat also Anspruch auf mehr Wohnraum als eine sowjetische Durchschnittsfamilie insgesamt bis in die 60er Jahre hinein hatte.

DDR:
Einer 5-Personen-Familie standen durchschnittlich 85 qm zur Verfügung (Quelle: J. Gauck, Winter im Sommer, München 2011, S. 121)

Zugleich stehen derzeit in Berlin 130.000 Wohnungen (7,5% aller Wohnungen) leer – allem Geunke von Verdrängung und Mietsteigerungen zum Trotz. Durch höhere Heizkostenzuschüsse verhindert der Staat, dass Umzüge in billigere leerstehende Wohnungen notwendig werden. Der enorme Leerstand an Wohnungen bleibt bei konstanten Bevölkerungszahlen erhalten, die Mieten steigen also dank staatlicher Zuschüsse stärker an, als dies ohne die Heizkosten-Zuschüsse der Fall wäre.

Die zentral steuernde Politik des Berliner Senats wirkt preissteigernd auf den Mietenmarkt ein. Sie lähmt erneut wie in zahlreichen anderen Fällen die Eigenkräfte der Bedürftigen, entmutigt sie, selbst auf die Suche nach einem gangbaren Weg zu gehen.

Der Berliner Senat verzerrt – wie schon seit Jahrzehnten – das ausgleichende Spiel von Angebot und Nachfrage. Wir leben weiterhin in einem stark staatsgläubigen, auf zentrale Steuerung und abfedernd-erstickende  Fürsorge bedachten Bundesland. Der einzelne Mensch kann wenig – die Politik des  Bundeslandes Berlin kann fast alles – und die Geber-Bundesländer müssen weiterhin für uns zahlen. Das ist die Formel des ungebrochenen Vulgärsozialismus, der die Berliner Landespolitik durchzieht.

Im Durchschnitt steht heute jedem Bundesbürger doppelt so viel Wohnraum zur Verfügung wie 1990. Was bedeutet das für die Klimapolitik? Fast 40% der Klimakiller werden aus den Heizungen in die Luft geblasen. Schon mal drüber nachgedacht, liebe Klimaretter?

Von den 40,5 Millionen Wohnungen in Deutschland stehen 3,5 Millionen leer; Leerstandsquote: 8,6%, Steigerung gegenüber Vorjahr: 0,6% (Quelle: Statistisches Bundesamt).

Trotz aller Abrisse steigt der Wohnungsleerstand in Deutschland an. Nur dank staatlicher Bemutterung und dank staatlicher Eingriffe in den Mietenmarkt können die Mieten in einzelnen begehrten Lagen so stark steigen, wie sie dies ja auch tatsächlich tun.

Gerade Kreuzberg mit seinem exorbitant hohen Hilfe-Empfänger-Anteil verzeichnet besonders starke Mietenanstiege, die nur dadurch zu erklären sind, dass der Staat immer mehr Geld direkt in die Wohnraumversorgung steckt und somit den Mietenanstig stützt.

Der Staat finanziert mit öffentlichem Geld den hohen Standard der Wohnraumversorgung in Kreuzberg. Der Staat ist unbeabsichtigt ein Preistreiber bei den Mieten.  Staatliche Preistreiberei bei den Mieten, weitere Entmündigung der Sozialklientel, Wählerstimmen im Gegenzug für wettbewerbsverzerrende Geschenke der öffentlichen Hand an selbsternannte Mündel der bemutternden Politik – dieses uralte Rezept, das noch aus Mauerzeiten stammt, geht in Berlin weiterhin auf. Wohl bekomm’s!

Eine wirklich intelligente Politik würde wirtschaftliche Anreize schaffen, in weniger gefragte Lagen umzuziehen, in denen das Mietniveau niedriger ist. Der Staat könnte z.B. mehr Verwaltungs-, Kunst- und Bildungseinrichtungen in ländlichen, unterentwickelten Räumen schaffen, wo oft 30 oder 40% der Wohnungen leerstehen. Beschäftigung schafft Zuzug! Zuzug schafft Mieter, Wegzug der Arbeitslosen hin zu neuer Beschäftigung würde den Berliner Mietenmarkt dämpfen.

Aber nein. Besitzstandswahrung ist das überragende Gebot der aktuellen Politik – und wenn jemand etwas anderes verlangt, kann er allenfalls Sonntagspredigten halten.

 Posted by at 17:08

Nach Leipzig! Wir fahren mit dem Rad nach Leipzig!

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Feb 092012
 

Interessante Sache das, heute abend, weiß nicht, ob ich es noch dorthin schaffe! Hier die Einladung des Bezirksamtes Tempelhof-Schöneberg:

Pressemitteilung Nr. 061 vom 01.02.2012

Der so genannte „Flaschenhals“ ist ein Teilstück des Gleisdreiecks. Er befindet sich südlich der Yorckbrücken zwischen Yorckstraße und Monumentenstraße im Bezirk Tempelhof-Schöneberg.

Mit dem 2. Bauabschnitt des Bauvorhabens „Fernradweg Berlin-Leipzig“ wird die aus dem Gleisdreieck kommende überregionale Radwegeverbindung über den Flaschenhals fortgesetzt und ein weiterer wichtiger Schritt zum Lückenschluss für den Nord-Süd-Grünzug unternommen.Informationsveranstaltung zum Baubeginn
am 09.02.2012 um 18.30 Uhr
im Rathaus Schöneberg, Louise-Schroeder-Saal (Raum 195)
John-F.-Kennedy-Platz, 10825 Berlin

http://www.berlin.de/ba-tempelhof-schoeneberg/presse/archiv/20120201.1215.365686.html

Hier ein paar Gedanken:

Monumentenbrücke:

Das Verkehrsaufkommen scheint mir nicht so hoch, dass eine aufwendige, teure gesonderte Ampelschaltung für den Linksverkehr zu rechtfertigen wäre. Lieber alles etwas einfacher, übersichtlicher, als für jede Bedarfslage die richtige Sonderlösung! Ich persönlich bin deshalb nach jetzigem Diskussionsstand für einen vorgezogenen Aufstellstreifen für alle Richtungen des Radverkehrs VOR der Ampel.

Ich bin gegen eine Verschmälerung des Bürgersteiges.

Zufahrten in den Park allgemein:

In jedem Fall würde ich die – mutmaßlichen – Wünsche der Anwohner ernst nehmen. (Ich bin selbst unmittelbarer Anwohner.) Hecken und Büsche, so meine ich, müssen nicht entfernt werden, damit die Zufahrten zum Radfernweg möglichst rasch und zügig befahren werden können. Wir werden auf dem Fernweg selbst genug Platz haben, um uns zu tummeln.

Bei diesem Park am Gleisdreieck versuchen die Planer offenbar tatsächlich, Fuß- und Radverkehr durch großzügige Platzaufteilung zu einem schiedlich-friedlichen Miteinander zu ermuntern, und zwar weitgehend ohne Vorschriften. Es soll jetzt mal beobachtet werden, ob das klappt. Grundgedanke scheint zu sein, durch sinnvolle Aufteilung der Räume eine Überregulierung der Verkehrsströme überflüssig zu machen, die Radfahrer und die Fußgänger zu ständiger Vorsicht und Rücksicht zu ermuntern. Mach’s einfach, klar, unmissverständlich!“ 

Nebenbei: Das Grünanlagengesetz des Landes Berlin vom 24.11.1997 verbietet in § 6, Abs. 2 Satz 1 neben anderen Tätigkeiten ausdrücklich auch das Radfahren in geschützten Grünanlagen. Nur auf gesondert ausgewiesenen Flächen ist das Radfahren zulässig. Der neue Park am Gleisdreieck ist eine solche geschützte Grünanlage. Die Wege sind allerdings breit genug, um Fußgängern, Joggern und Radfahrern ein friedliches Miteinander zu ermöglichen. Streng rechtlich gesehen ist das Radfahren im wunderschönen neuen Park derzeit nicht erlaubt.

Persönlich bin ich ein großer Anhänger dieser Konzeption, würde in jedem Fall die Grundgedanken der Parkplaner unterstützen – es sei denn, es stellte sich in einigen Monaten heraus, dass es so nicht klappen kann.

 Posted by at 13:08
Okt 262011
 

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An dieser Stelle der Wilhelmstraße sah ich vor etwa 10 Tagen mitten auf der Radfahrspur eine schwer verunfallte Radfahrerin bewegungslos auf dem Boden liegen – zusammengeprallt mit einem rechts abbiegenden Fahrzeug. Mehrere Unfallzeugen kümmerten sich bereits vorbildlich um die Verletzte, der ich von dieser Stelle aus rasche und vollständige Genesung wünsche.

Und damit zum Thema des Tages: Sicherheit im Fahrradverkehr.

Die durch Bundesverkehrsminister Ramsauer angeregte Helmpflichtdebatte hat „mit Sicherheit“ erreicht, dass das Thema Sicherheit im Fahrradverkehr wieder nach oben „gespült“ worden ist. Ebenso trat in den Vordergrund, ein wie wichtiger Faktor das Verhalten der Verkehrsteilnehmer ist. Die beste Fahrrad-Infrastruktur ist nutzlos, wenn sie nicht genutzt wird und die Radfahrenden zu wenig zur Eigensicherung und Eigenverantwortung
unternehmen. Empfehlenswerte Maßnahmen der Eigensicherung sind
beispielsweise gute Sichtbarkeit im Dunkeln, das Befahren der Radweganlagen
nur in der vorgeschriebenen Richtung, aber auch die ständige Vorsicht
gegenüber sich öffnenden Autotüren und rechtsabbiegenden Kraftfahrzeugen.

Ich persönlich meine: Der Fahrradhelm ist ein sinnvoller Bestandteil der Eigensicherung. Er
verleiht bei nicht zu hohen Aufprallgeschwindigkeiten des Kopfes einen
gewissen Schutz vor schweren Schädelverletzungen. Dies haben mir mehrere
helmtragende Fahrradfahrer, die einen Sturz auf den Kopf ohne Trauma
überlebt haben, bestätigt. Auch Rettungsmediziner, mit denen ich sprach,
haben mir dies so bestätigt.

Ich empfehle Kindern und Erwachsenen das Tragen des Helms neben
anderen Maßnahmen der Eigensicherung wie etwa heller Kleidung im Dunkeln. Gegenüber meinem minderjährigen Sohn habe ich das Helmgebot kraft elterlicher Verantwortung autoritär durchgesetzt.

Das reflexhafte Abwehren  der Helmdebatte oder der Helmpflichtdebatte, noch
dazu mit ständiger Bezugnahme auf veraltete Untersuchungen und „gut
abgehangene“ Argumente, ist nicht zielführend. Warum?

Ich beobachte bei uns im Bezirk eine stark zunehmende Achtlosigkeit, ja
Verantwortungslosigkeit bei immer mehr Radfahrenden. Diese subjektive
Beobachtung wird gestützt durch die überproportionale Zunahme an verletzten
Radfahrern bei uns im Bezirk: Die Zahl der verunfallten und verletzten
Radfahrer hat in dem radverkehrsstarken Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg im
Jahr 2010 und auch bisher in 2011 stärker zugenommen, als nach dem Anstieg
des Radverkehrs zu erwarten gewesen wäre. Eine erhöhte Zahl an Radfahrenden
bedeutet also nicht automatisch mehr Sicherheit beim Radverkehr. Auch beobachten wir schwere Unfälle an vorbildlich ausgestatteten Radverkehrseinrichtungen (breite Radfahrstreifen, deutlich abmarkierte Radlerfurten usw.).

Ebenso ist beispielsweise die ständige Vorsicht beim Geradeausfahren neben
rechtsabbiegenden Fahrzeugen eine empfehlenswerte Maßnahme des
Eigenschutzes. Ich meine, dass wir ständige Vorsicht beim
Geradeausfahren neben rechtsabbiegenden Fahrzeugen wieder und wieder
empfehlen sollten.

Sicherheit im Radverkehr ist eine Gesamtaufgabe: radverkehrstaugliche
Infrastruktur, Maßnahmen an den Fahrzeugen, verantwortliches Verhalten zur
Eigen- und Fremdsicherung müssen zusammentreten. Das Tragen eines Helms kann
Bestandteil des empfohlenen Verhaltens werden.

 Posted by at 12:01