„Ripulire prima le case, poi interi quartieri!“

 Afrika, Donna moderna, Klimawandel, Ökologie, Vorbildlichkeit  Kommentare deaktiviert für „Ripulire prima le case, poi interi quartieri!“
Mrz 212019
 
Soham El Wardini, Bürgermeisterin von Dakar (Senegal) sendet Zeichen der Ermutigung und der Zuversicht beim Dakar Triathlon 2018

Die Frauen, die Städte sind gefordert und übernehmen die Führung! Botschaft der Bürgermeisterin beim Klimagipfel Paris 2018

Tiefen Eindruck hinterlässt in mir beim Lesen heute die Bürgermeisterin von Dakar, Soham El Wardini. In der italienischen Zeitschrift Donna moderna spricht sie über das Thema Umweltverschmutzung und Klimawandel in der von ihr regierten Stadt. Doch klagt sie nicht, nein, sie packt sofort an, sie lässt es nicht beim Reden bewenden!

Eine der ersten Aktionen ihrer Amtszeit nach der gewonnenen Wahl 2018 war es, einen Millionenbetrag für Besen und Putzmittel auszugeben, diese Besen und Putzmittel an die Bürgerinnen und Bürger zu verteilen und sie zu einer Gemeinschaftsaktion zu überzeugen: „Bisogna ripulire le case, poi interi quartieri“ – „Ein jeder kehre erst vor seiner Tür, und rein wird dann das ganze Stadtquartier!“ In einer ersten Phase geht es erst einmal darum, den ganzen Dreck und Müll vor der Haustür wegzuschaffen. Dazu muss man wissen, dass Dakar nach Mexiko City als die zweitschmutzigste Stadt der Welt gilt. Wild abgelagerter, häufig auch angezündeter Müll ist die Hauptursache der Umweltbelastung in Dakar.

In einer zweiten Phase geht es um Aufklärung, Bildung und Erziehung der Jugendlichen und der Frauen hin zu ökologisch verantwortlichem Handeln. Das Motto lautet: „Pulire è bene, ma non sporcare è meglio.“ „Gut ist es zu putzen, besser ist’s, nichts zu verschmutzen.“

Umweltschutz, Klimaschutz fängt in den Städten an! Soham El Wardini (Dakar), Anne Hidalgo (Paris), Yvonne Aki-Sawyerr (Freetown, Sierra Leone), diese drei mutigen Bürgermeisterinnen, von denen die Donna moderna berichtet, zeigen auf ihre Weise in ihren Städten, dass frau und man etwas tun muss und tun kann! Solche Bürgermeister, solche Politiker, die Zeichen der Hoffnung, des tätigen Gemeinsinns setzen, brauchen wir in der Europäischen Union mehr und mehr! Auch uns in Berlin täte dieser vorbildliche Gemeinsinn gut.

Quelle: Luisa Nannipieri: 3 Sindache paladine dell’ambiente. In: Donna moderna. 6 marzo 2019, p. 40

 Posted by at 21:09

Ultra voluntatem nullus civis germanicus obligetur in rebus oecologicis!

 Klimawandel, Ökologie, Schöneberg  Kommentare deaktiviert für Ultra voluntatem nullus civis germanicus obligetur in rebus oecologicis!
Jan 302019
 

„In der Ökologie werde kein Deutscher über seinen Willen hinaus zu irgend etwas verpflichtet!“ Die Berliner oder auch die Deutschen sind nicht bereit, freiwillig die verhängten Parkverbote einzuhalten und damit einen Beitrag zum Umweltschutz zu leisten. Die Hauptstraße in Schöneberg, die ich gelegentlich entlangradele, weist über einige Kilometer eine Busspur aus. Es geht darum, die verordnete 30-km/h-Höchstgeschwindigkeit in ihrer Wirkung auf die Luftqualität zu überprüfen und zugleich den Busverkehr als weniger luftbelastende Verkehrsform zu beschleunigen. Denkste, Pustekuchen, trotz ständiger Überwachung ist die Busspur ständig zugeparkt! Dieses Foto zeigt drei Fahrspuren der Schöneberger Hauptstraße: ganz rechts die wie üblich dauernd zugeparkte Busspur, in der Mitte die vorübergehend zugeparkte erste Fahrspur, ganz links die zweite Fahrspur, auf der sich wie so oft ein Stau gebildet hat.

Ich meine, es hat überhaupt keinen Sinn, irgendetwas zum Thema Klimaschutz oder Luftreinhaltung von uns deutschen Bürgern zu erwarten. Beweis: Die Starts und Landungen an deutschen Flughäfen nehmen seit 5 Jahren mit wachsenden Wachstumsraten zu.

https://www.tagesschau.de/inland/luftverkehr-107.html

Dabei ist nachgewiesen, dass der Flugverkehr unter allen vermeidbaren CO2-Quellen die größte Last an klimabeeinflussenden Abgasen emittiert! Ein einziger Mittelstreckenflug emittiert pro Passagier so viel CO2 wie ein kleiner PKW, der das ganze Jahr über genutzt wird.

Die Deutschen wollen mehrheitlich einfach keinen Klimaschutz, jedenfalls sind sie nicht bereit einen eigenen Beitrag zu leisten.

 Posted by at 21:38

Ein ökologisch vorbildliches Leben

 Armut, Klimawandel, Natur, Ökologie, Vorbildlichkeit  Kommentare deaktiviert für Ein ökologisch vorbildliches Leben
Nov 272014
 

Soeben lasen wir gemeinsam ein Kapitel aus dem schön-schaurigen Roman „Die Schwarzen Brüder“ von der großartigen Lisa Tetzner vor. Ja, Kinder, das waren noch tiefe, wühlende Sorgen, das war echte Armut  – als der Vater, um den schieren Lebensunterhalt und die ärztliche Behandlung für die Mutter zu sichern, seinen 12-jährigen Sohn Giorgio als Kaminkehrerbub nach Mailand verkaufen musste!

Giorgio fängt die jungen Käuzchen direkt aus dem Nest des Turmkauzes weg, lebt als Jäger und Sammler im Einklang mit der Natur. Er arbeitet an frischer Luft, Süßigkeiten gibt es nicht, keine Cola, keinen Hamburger. Dafür Vater und Mutter an einem Strang ziehend, mehrere Generationen hausen unter einem Dach. Man zahlt weder Renten- noch Arbeitslosen- noch Krankenversicherung. Wenn die Mutter nicht das Bein gebrochen hätte, hätte der Vater den Bub auch nicht als Kaminkehrersklaven nach Mailand verkaufen müssen.

Ansonsten führt die Bergbauernfamilie aber ein ökologisch vorbildliches Leben: es gibt keine Autos, keine Maschinen, keinen CO2-Ausstoß, keinen Klimawandel, der Bub sichelt von früh bis spat an langem Seil hängend das duftende Gras für das Vieh. Ab und zu zersichelt er eine Viper. Und dann begegnet er einem Dachs.

Naturnahe Ernährung, reichlich Bewegung – so ist es gut! Hei, davon können unsere Kreuzberger Kids und unsere bezirksoberen Politiker hier nur träumen.

Und dieses Buch könnt auch Ihr lesen!
Lisa Tetzner: Die Schwarzen Brüder. Erlebnisse und Abenteuer eines kleinen Tessiners. Mit Illustrationen von Emil Zbinden.  Fischer Sauerländer Verlag, Frankfurt am Main 2014, darin: Kapitel 1: Wir lernen Giorgio und seine Tessiner Bergheimat kennen, aber sofort auch den Mann mit der Narbe und seine böse Prophezeiung, S. 11-30

 

 Posted by at 23:54

Duran adam – auf den sollt ihr hören

 Antike, Jesus von Nazareth, Notre-Dame de Paris, Ökologie, Philosophie  Kommentare deaktiviert für Duran adam – auf den sollt ihr hören
Jun 242013
 

2013-06-22 09.32.30

„Auf den sollt ihr hören!“ Mit dieser zeigenden Haltung prägte sich mir von frühester Kindheit an das Bild Johannes des Täufers ein, dessen Tag wir heute begehen und auf dessen Namen ich selbst auch getauft wurde. Theodor W. Adorno und Max Horkheimer dachten in einem Fragment der Dialektik der Aufklärung darüber nach, weshalb nicht Johannes der Täufer, der ältere der beiden Cousins, der ältere der beiden Milchbrüder, sondern der jüngere Jesus von Nazareth zum Urquell einer neuen Religion werden konnte. Horkheimer und Adorno bieten keine wirklich befriedigende Antwort an und gestehen dies auch offen ein. Eine Antwort könnte darin liegen: Johannes und Jesus haben es ausgehandelt, sie haben es in einem gemeinsamen Gespräch herausgefunden, indem sie beide in sich hineinhörten. Und beide wollten einander den Vortritt lassen, bis schließlich Johannes einlenkte. Matthäus schreibt: „Da gab Johannes nach“ und taufte Jesus.

Hier irren also meines Erachtens jene, die in Johannes nur den starrsinnigen Aussteiger, den kompromisslosen Rechthaber, den verrückten Öko-Aktivisten erkennen wollen; diese häufig gezeigte, oft verspottete  Kompromisslosigkeit scheint zwar ein Wesenszug Johannes des Täufers gewesen zu sein. Doch hat er sich immerhin gegenüber Jesus auf diesen einen großen, gewaltfrei ausgehandelten  Kompromiss eingelassen.  Jesus selbst wiederum scheint sich endgültig seiner Berufung erst sehr spät bewusst geworden zu sein, denn wie sonst wäre zu erklären, dass er immer wieder fragte: „Für wen halten mich die Menschen?“ Jesu Taufe am Jordan muss im Rückblick als ein Schlüsselerlebnis gedeutet worden sein.

„Auf den sollt ihr hören!“ Das ist die Zeigehaltung des Johannes, der hinter dem Jüngeren, dem später Geborenen zurücktritt und sagt: „Nach mir kommt ein Mann, der mir voraus ist, weil er vor mir war.“

Beide Milchgeschwister traten mutig, unerschrocken und vollkommen gewaltlos für das ein, woran sie glaubten. Johannes predigte den bescheidenen, von Verzicht und tätiger Hingabe geprägten Lebensstil, während Jesus vielfach den Sinnengenuss – etwa im Wein, im Brot und im Salböl – pries. Johannes, der sich von wildem Honig und Heuschrecken ernährte, kann in vielerlei Hinsicht als fortzeugender Urvater der Ökobewegung  unserer Tage gelten. Er lebte in fair erzeugter Kleidung, lebte in biodynamischer Ernährung und im gesamten Lebensstil den Gedanken der Nachhaltigkeit vor. Er war aber auch ein großer Unzeitgemäßer, denn er verlangte auch von Königen und Königinnen eheliche Treue und widersetzte sich der postmodernen Beliebigkeit seiner Tage. Während der Zeitgeist damals so wehte, dass alle Lebensformen gleichermaßen unterstützenswert und achtenswert seien, vertrat Johannes die Besinnung auf Geist und Wortlaut der zehn Gebote, die damals – vor 2000 Jahren also – offenbar bereits bei der Menge als ebenso hoffnungslos veraltet, als ebenso miefig und verzopft galten wie bei uns auch.

Beide – Johannes wie Jesus – starben eines gewaltsamen Todes, obwohl oder weil sie doch so unerschrocken die Gewaltlosigkeit, den Verzicht auf das Schwert gepredigt und vorgelebt hatten.

Für mich ist der Aufruf zur Gewaltlosigkeit, der Verzicht auf die Waffe zur Durchsetzung eigener Macht- und Besitzansprüche, das Eintreten für gewaltfreie Kommunikation fundamental. Das geht für mich bis ins Politische hinein. Nur diejenigen politischen Bewegungen halte ich für unterstützenswert, die den politischen Wandel im Inneren der Länder durch Gewaltlosigkeit, durch den Verzicht auf körperlichen Zwang und den Verzicht auf entwürdigende sprachliche Hetze bewirken.

Einen späten Reflex dieses mutigen Eintretens für Gewaltfreiheit erblicke ich im Duran Adam, wie der Türke sagt, im unerschrockenen Adam, unerschütterlichen, im gewaltfreien Adam, stummen und doch beredten Eintreten für das, woran man glaubt.

Quellenangaben:

Max Horkheimer und Theodor W. Adorno: „Verwandlung der Idee in Herrschaft“. In: Dialektik der Aufklärung. Philosophische Fragmente. Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main 1969, S.  189-192 et passim, hier bsd. S. 190

Neue Jerusalemer Bibel. Einheitsübersetzung mit dem Kommentar der Jerusalemer Bibel. Verlag Herder, Freiburg im Breisgau 2007, hier bsd. S. 1381 (Mt 3,13-17) et passim

Guillaume Perrier:  Les opposants turcs choisissent l’arme de la non-violence.  Les manifestations d'“hommes immobiles“ se multiplient depuis l’évacuation de la place Taksim. Le Monde, 23-24 juin 2013, S. 3

http://www.lemonde.fr/europe/article/2013/06/22/les-opposants-turcs-choisissent-l-arme-de-la-non-violence_3434812_3214.html?xtmc=taksim&xtcr=2

Bildlegende:
Duran Adam. Stumm dastehende Zeugen der gewaltfreien Kommunikation. Ein Gruppenfoto vom linken Nebenportal der Liebfrauenkathedrale in Paris. Von links nach rechts: Maria, Jesus, Johannes der Täufer, Stefan, Genoveva, Silvester. Schnappschuss vom 23.06.2013

 

 Posted by at 10:27
Dez 072012
 

2012-10-28-153522.jpg

„Scheitert die Energiewende in Deutschland, hätte dies fatale Folgen für die weltweiten Bemühungen gegen den Klimawandel.“ So äußern sich das Zentralkomitee der deutschen Katholiken und BÜNDNIS90/DIE GRÜNEN einhellig in einer Erklärung vom 4. Dezember 2012.

Was für eine grandiose Haltung der deutschen Politik spricht aus diesem Satz! Ich finde es merkwürdig, dass das Zentralkomitee der deutschen Katholiken sich in den Dienst eines vorerst eher unkonkreten politischen Maßnahmenbündels stellt, „um die WELT zu retten.“

Was maßen sich die HERRschaften eigentlich an – DEUTSCHLAND soll also der Welt den Weg weisen? Soll denn am deutschen Energiewendewesen das Weltklima genesen? Vorsicht, diese deutsche Überheblichkeit hattten wir schon mal. Diese deutsche Überheblichkeit hat der Welt nicht gut getan. Der Zertifikatehandel hat ja bisher auch keineswegs den ersehnten, hoch und heilig versprochenen Wandel gebracht.

Deutschland erzeugt etwa 2,4% der gesamten weltweit ausgestoßenen  Treibhausgase. Das ist viel, aber es nicht so viel, dass Deutschland es in der Hand hätte, das Weltklima zu retten. Selbst wenn Deutschland von heute auf morgen die gesamte Emission einstellte, würde sich langfristig nichts ändern.

Ich finde es besser, wenn kirchliche Organe sich der allzu offenen, direkten Einflussnahme in die Tagespolitik zugunsten einer politischen Partei (etwa der GRÜNEN) enthalten. Dem HERRN gehört die Erde, der Erdkreis und seine Bewohner: Der Psalmist meint damit: Der Mensch, noch weniger ein einzelnes Volk wie die Deutschen, sollten sich nicht anmaßen, über Wohl und Wehe der Erde zu verfügen. Achtsamkeit, schonender Umgang mit den Mitmenschen und mit den Schätzen der Erde – ja! Rechthaberei, Aufzwingen des eigenen Willens, Steuerung von oben herab – sind schon weniger zielführend.

Etwas mehr Bescheidenheit tut not. Der Klimawandel ist zweifellos ein Problem, wenn auch keineswegs das drängendste Problem der Weltpolitik. Die deutschen Katholiken und die deutschen Bündnisgrünen sollten jetzt nicht so tun, als hätten ausgerechnet die Deutschen das Ei des Kolumbus gefunden. Es werden wahnsinnig viele Treibhausgase unnötig emittiert. Emissionseinsparungen sind neben Änderungen  des Lebensstils ein bisher kaum genutztes Potential.

Kleinere Brötchen backen ist angesagt.

Fahren wir etwas mehr Fahrrad, schaffen wir etwas bessere Bedingungen für den Radverkehr, beginnend im grün regierten Wohnbezirk Friedrichshain-Kreuzberg. Das wäre mal schon etwas. Man muss nicht immer der WELT vorschreiben wollen, wie es geht.

 Posted by at 12:52
Mrz 082011
 
01032011398.jpg

Nächstes Thema in der Reihe „Politik selber machen!“: Donnerstag, 10. März (2): „Sub-Metropole Kreuzberg. Pfade zu einem ökologischen Tourismus in Kreuzberg“. Wie kann man den Tourismus als wichtigen Wirtschaftsfaktor in Kreuzberg stärken und zugleich die Interessen der Anwohner berücksichtigen? Donnerstag, 10.03., 18 Uhr, Wirtshaus Stresemann, Stresemannstraße 48

Ein wichtiger Pfad zu einem ökologischen Tourismus wäre – ein System an Wegen und Pfaden! Wurde bei der IBA angedacht und ist dann versandet. Leider! Wir brauchen ein Pfade- und Wegsystem für den sanften Tourismus in Kreuzberg! Kreuzberg kann man zu Fuß erwandern und mit dem Rad erfahren!
In Augsburg gibt es so etwas bereits! Ein System an Fuß- und Radwegen für Touristen aus aller Herren Länder! Und diese Stadt ist etwa so groß wie Friedrichshain-Kreuzberg!

Bild: Typischer Radweg in Kreuzberg am Mehringdamm vor der beeindruckenden Kulisse eines schlossartigen Gebäudes, des Finanzamtes

Kreuzberg und die Touristen: „Das ist nicht mehr unser Wrangelkiez“ – Berlin – Tagesspiegel

 Posted by at 11:25

„Wir werden erreichen, woran wir glauben!“

 Ökologie  Kommentare deaktiviert für „Wir werden erreichen, woran wir glauben!“
Okt 132010
 

Älteste germanische Dichtung – noch unbefleckt vom Christentum – preist hymnisch den Wald als Urstätte des Glaubens. Holz lautet ein alter Name für Wald.

Phol ende Uodan fuoran zi holza …

Das ist:

Phol und Wotan fuhren in den Wald…

Da brach sich das Pferd ein Bein! Was tun?  Ein Zauberspruch ist schnell zur Hand:

Ben zi Bena, gelid ze gelida – so entsteht der neu Fug der Natur, Wotans Ross wird durch die magische Beschwörung der Kräfte des Waldes geheilt.

Dieser starke Glaube an die Kraft der Natur, das Kämpfen gegen Baumfrevel und Verletzung der heilgen geweihten Erde, das Hinwallen zu  Walstätten, das grimme Anrennen gegen den Feind und die Übermacht, das trutzige Aufbäumen gegen den Staat – das alles lässt sich trefflich aus den Bildern herauslesen, die der Tagesspiegel veröffentlicht.

Die Kraft germanischen (besser: suebischen) Volkstums gegen  tobt ingrimmig gegen die Macht des Staates! Man glaubt sich in die Zeiten von Cäsars De bello gallico zurückversetzt: Die Germanen (die gefürchteten Sueben) schlugen mit Äxten und Knüppeln die technologisch weit überlegenen Römer in die Flucht.

Der pagane Kult der Natur, die tobende Kraft des Volkes wird gegen die weltliche Macht des Staates in Anschlag gebracht.

Das ist das gleiche Grundmuster, mit dem in den dreißiger Jahren die Wahlen in Italien und Deutschland gewonnen wurden: Das morsche, frevlerische System der Demokratie wurde durch kraftvolle Hiebe des Volkes, das sich einte zu grimmer Wehr, zu Fall gebracht.

Auch die Faschisten trieben einen innigen Kult des Volkes, des Bodens, des Waldes, an dem sich die feigen Demokraten des Weimarer Systems mit ihren gedungenen Richtern vergangen hätten.

Die Faschisten und die Nationalsozialisten begingen bereits in der parlamentarischen Demokratie einen Rechtsbruch nach dem anderen, wobei sie sich stets auf die Kraft der Natur und die Würde des Volkes beriefen – und fast niemand hinderte sie daran. Aber die Faschisten und die Nationalsozialisten waren doch Verbrecher.

Hier ein paar der religiös wabernden Schlachtrufe und Glaubensbekenntnisse von den Transparenten der Bahnhofsgegner:

„Wir werden erreichen, woran wir glauben!“

„Nazi-Methoden!“

„Mörderbande!“

„Erst sägt ihr unsere Bäume ab, dann sägen wir euch ab!“

„Wo Unrecht Recht wird, wird Widerstand zur Pflicht.“

Das sind einige der Urlaute, die sich auf den Transparenten der Bahnhofsgegner Bahn brechen.

Gefährlicher, paganer Un-Fug ist das!

Fotostrecke: Proteste gegen Stuttgart 21 – Fotostrecken – Mediacenter – Tagesspiegel

 Posted by at 14:45
Aug 192010
 

18082010006.jpg18082010005.jpg Ein erster Spielplatzbesuch am Viktoriapark in Kreuzberg zeigte gestern frische, vor der Abreise unbekannte Graffiti: alle Hinweistafeln, in denen der Schutz der Grünflächen gefordert wird, waren durch weiße Farbe, durch Übersprühen und Bekleben unkenntlich gemacht.

18082010001.jpg Was Graffiti und Beschmierungen angeht, plädiere ich für eine Null-Toleranz-Politik.  Jedes Graffito sollte sofort entfernt werden, am besten durch die Verursacher selbst, ersatzweise durch Bürger – z.B. Schulkinder oder Arbeitslose – in Arbeitseinsätzen außerhalb der Unterrichtszeit, ansonsten notfalls eben auf Kosten der Steuerzahler.

18082010.jpg

Dann fehlt halt das Geld – etwa für Bildung und Erziehung –  an anderen Stellen. Wenn Graffiti stehen bleiben, folgt bald die erste eingeschmissene Scheibe, dann bleiben die beeindruckenden Müllberge nach den beliebten Grillfesten unserer beliebten Mitbürger liegen.

Das Grillverbot im Viktoriapark halte ich für goldrichtig.

Hinweisschilder sind wichtig, um den Grünflächenschutz unserer Grünanlagen durchsetzen zu können. Schilder und Gebote sind wichtig für den Umfeldschutz. Wo kein Umfeldschutz möglich ist, kann man den Umweltschutz gleich vergessen, ganz zu schweigen vom Klimaschutz.

18082010007.jpg

 Posted by at 12:39

Nachhaltigkeit von der Person her wachsen lassen!

 Ökologie, Personalismus  Kommentare deaktiviert für Nachhaltigkeit von der Person her wachsen lassen!
Jul 082010
 

Als erklärtem Umweltschützer liegt mir stets an einem guten Verhältnis zur Partei Die Grünen. Denn in der Tat war es die Partei Die Grünen, die dem Natur- und Umweltschutz  größeres Gewicht in der Hierarchie politischer Ziele verschafft hat.

In manchen Zielen, in manchen  Methoden weiß ich mich völlig im Einklang mit den Grünen: Förderung des Fuß- und des Radverkehrs, Schutz seltener Pflanzen- und Tierarten, Förderung der regenerativen Energien.

Aber bei den Diskussionen mit den Grünen zeigt sich immer wieder auch der Unterschied zwischen den Grünen und einem stärker von der Person her denkenden Politikverständnis, wie ich es bevorzuge. Mein Politikverständnis geht von der Person aus. Was bedeutet das? Klimaschutz ist wichtig. Jeder kann etwas beisteuern. Ein Bürgermeister, der auf den Dienstwagen verzichtet und stattdessen Rad fährt, ist vorbildlich.  Aber die Grünen pflegen darüber hinaus ein staatsverquicktes, vom lenkenden Staat ausgehendes Politikideal. Der Staat schreibt also etwa ein übergeordnetes Klimaschutzziel vor: 50% CO2-Einsparung bis 2020, gemessan an 1990. Dieses Einsparungsziel wird dann von „oben nach unten“ durchgereicht. Was der einzelne tut, ist zweitrangig, solange nur das übergeordnete Ziel erreicht wird. Ein solcher lenkender Umweltschutz-Staat muss stark sein, er braucht die Machtmittel, um seine moralisch gebotenen Ziele und Vorschriften durchzusetzen. So kann er etwa anordnen, dass alle Altbauten einem Programm zur energetischen Sanierung zu unterziehen sind, dass also alle älteren Gebäude den „Pullover“ an Wärmedämmung übergestreift bekommen. Dann braucht der Staat aber auch die Machtmittel, also die finanziellen Mittel, um diese Anordnung durchzusetzen – etwa durch Steuervergünstigungen oder Zuschüsse.

Woher nimmt er dieses Geld? Von den Bürgern. Er muss unter Umständen die Steuern erhöhen, um die Klimaschutzziele zu erreichen. Das Einhalten der von oben herab auferlegten Klimaschutzziele wird zu einer Machtsteigerung des Staates führen, da er über mehr Geld, mehr Mittel und mehr Einfluss verfügen muss, um zusätzliche Ziele zu erreichen.

Ich meine hingegen: Was der einzelne, der einzelne Mensch, das einzelne Unternehmen tut, ist von erstrangiger Bedeutung. Der Klimaschutz soll von unten her wachsen, im wesentlichen auf dem Wege der Einsicht in das wirtschaftlich Vorteilhafte und der freiwilligen Selbstverpflichtung. Wenn immer mehr Menschen sich den berühmten wärmenden Pullover anziehen, wird man die Temperatur in beheizten Räumen auf 19 Grad absenken können. Wenn immer mehr Menschen mit dem Rad statt mit dem Auto fahren, werden die verkehrsbedingten Emissionen, die etwa 30% der Treibhausgase verursachen, zurückgehen. Der Mensch wird freier, die Luft wird besser, das gesamte städtische Umfeld wird aufgewertet. Die Stadt der kurzen Wege kann entstehen. Doch sie kann nur von unten her wachsen, weil und wenn die Menschen sie wollen.

Die Menschen übernehmen Verantwortung.  Sie treffen pragmatische und moralische Entscheidungen nicht aufgrund staatlicher Anordnung, sondern aufgrund eigener Einsicht in die wohlverstandenen eigenen Interessen und die Interessen des Ganzen. Gegenüber dem Staat behaupten sie eine Sphäre der Entscheidungsfreiheit, in die der Staat nur ausnahmsweise eingreifen soll.

Die Grundsätze der Nachhaltigkeit sollen von unten her, von der jeweils untersten Ebene, von der Graswurzelebene her aufwachsen.

 Posted by at 15:19
Jun 242010
 

Frage nicht, was DIE POLITIK für den Klimaschutz tun kann, sondern frage, was DU für den Klimaschutz tun kannst.

Heute ist der Johannistag, der 24. Juni. Johannes, der Mann des Umdenkens. „Denket um!“ Das war seine ganze Botschaft. Das gefällt mir. So meine ich auch: Man muss den Klimaschutz vom Himmel runterholen auf die Beine der Menschen.

„Den Himmel überlassen wir
den Pfaffen und den Spatzen!“

So der unverbesserliche Heinrich Heine.

Klimaschutz, der das Denken und den Lebenswandel der Menschen nicht verändert, Klimaschutz, der die Menschen nicht freier, glücklicher, freundlicher macht, wird sich nicht vermitteln lassen.

Die Jungs in Friedrichshain-Kreuzberg werden weiter von tiefergelegten BMWs und VW Touaregs träumen. Die Mädels werden weiter ihren Wodka Absolut in sich reinschlürfen, erst zuhause beim Vorglühen, dann beim Chillen auf der Admiralbrücke bis 2 Uhr nachts.

Die Großen, also die Politik haben es nicht geschafft. Die Kopenhagener Klimakonferenz im Dezember 2009 scheiterte. Die Wende zur Nachhaltigkeit ist noch nicht geschafft. Sie muss von unten kommen.

Gerade der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg hätte alle Chancen, um endlich die Wende zur Nachhaltigkeit einzuleiten. Warum ist es nicht geschehen?

Die Nachhaltigkeitswende im Bereich Familie, Finanzen, Bildung, Verkehr, Klimaschutz. Diese 5 Felder sind es, an denen sich nachhaltige Politik erweisen wird.

Wir haben die schönsten, die besten, die zukunftsfähigsten Schätze, die nachhaltige Politik haben kann: Wir sind der jüngste Bezirk Berlins. Wir haben den höchsten Bildungsstand Berlins. Wir hängen nicht am eigenen, sauer verdienten Geld, sondern leben fast ausschließlich vom Geld, das der Staat uns überweist.

Und dennoch betreibt der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg seit vielen, seit viel zu vielen Jahren eine Politik, die das genaue Gegenteil von nachhaltig ist.

Seit vielen Jahren ziehen die Menschen mit Schulkindern weg.  Warum? Andere bringen die Kinder mit dem Auto in andere Bezirke zur Grundschule. Warum?

Der Görlitzer Park ist übersät mit Müll und Abfall.  „Grausam!“ So Bürgermeister Dr. Schulz. Und die staatliche Müllräumung kommt drei Mal statt zwei Mal wöchentlich. Der Staat muss ran. Die Bürger verschmutzen das Umfeld, der Staat putzt und wischt hinterher wie zu Zeiten, als es noch Büttel und Dienstboten gab.

Wozu über Klimaschutz reden, wenn die Menschen nicht einmal die nächste Umgebung, das eigene Umfeld achten und pflegen?

Immer dann, wenn man das Gefühl hat: „So kann es aber nicht weitergehen!“, liegt eindeutig eine nicht-nachhaltige Politik vor.

Die Konferenz der Berliner Bezirksbürgermeister am 16. Juni 2010 hat den dramatisch-mathematischen Beweis erbracht, dass es so nicht weitergehen kann. Die ganze Politik ist nicht auf Nachhaltigkeit angelegt. Die Verwaltung vergreist, wird ausgedünnt in dem Maße, wie der Tropf der Senatsgelder versiegt. Es wachsen keine Fachkräfte nach. Und wenn sie nachwüchsen, könnte man sie nicht einstellen.

Das Gegenteil von nachhaltiger Politik!

Ist Klimaschutz ein Luxusproblem? Hat es Sinn über Klimaschutz zu reden, wenn jede Woche unsere Grundschule oder das SPD-Bezirksbüro in der Großbeerenstraße mit klimaschädlichen Graffiti besprüht werden? Wenn der Verbrauch an Erdölprodukten zunimmt, weil auf den Radwegen zerbrochene Wodkaflaschen herumliegen?

Hat es Sinn über Umweltschutz zu reden, wenn Umfeldschutz nicht gelingt?

Guter Move von Renate Künast in der Berliner Morgenpost heute auf S. 4! Sie sagt:

Renate Künast – „Es geht im besten Sinne John F. Kennedys darum: Frag nicht, was dein Land für dich tut, sondern was du für dein Land tun kannst.“  – Politik – Printarchiv – Berliner Morgenpost

Das ist genau jenes Umdenken, hin zu Pflicht, Verantwortung, Leistung und Gemeinsinn, zu echter Nachhaltigkeit, das dem Bundesland Berlin, dem Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg gut täte!

Der Staat schafft es nicht. Die Bürger müssen es leisten. Wir.

 Posted by at 12:04