Ein Volk, eine Einzigartigkeit, kein Gott: Deutschland

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Apr 222015
 

Der Mönch Adso von Melk berichtet in dem Namen der Rose von dem einzigen Ereignis, das unbestreitbar und unleugbar sei – die unumkehrbare Wahrheit, la verità incontrovertibile, von dem das süße Psalmodieren der Mönche im Kloster summt und singt. Welches ist nun dieses Ereignis, die einzige ereignete Wahrheit, auf der der Glaube dieser Mönche in der Erzählung Umberto Ecos gründet?

Wir vermuten: Es ist die Botschaft von Gottes eingeborenem Sohn, der filius unigenitus, Jesus Christus, dieses für die Christen aller Zeiten so einzigartige Ereignis, die Geschichte von Leben, Leiden, Sterben und Auferstehung Jesu Christi, welche nach den Worten des Geschichtsphilosophen Hegel die Weltgeschichte in ein Vorher und ein Nachher trennt.

Für die gläubigen Christen aller Zeiten (sie sind stets eine Minderheit gewesen und sind es in Deutschland heute mehr denn je) gibt es dieses eine, einzigartige große Ereignis – die Menschwerdung Gottes in Jesus Christus, die Menschwerdung Gottes in jedem einzelnen Menschen, der heute und morgen geboren wird: Weihnachten.

Die Kreuzigung Jesu ist für die Christen das exemplarische Menschheitsverbrechen schlechthin: schuldlos und grundlos hingerichtet wegen seines So-Seins, wegen seines Anders-Seins: Karfreitag.

Christus ist auferstanden: Die Auferstehung Jesu Christi ist das einzige einzigartige Ereignis für den Adso von Melk, für Johannes den Evangelisten, ja sogar für den Apostel Petrus: Ostern.

Alle anderen Ereignisse erscheinen im Spiegel dieses Heilsgeschehens wie ein Reflex, wie eine Steigerung, Wiederholung, Abwandlung oder Anverwandlung dieser einzigartigen biblischen Geschichte. Abwendung von Jesus Christus bedeutet Leugnung der Einzigartigkeit dieses Ereignisses. Die Einzigartigkeit Jesu Christi wurde im Christentum hunderttausendfach besungen, bebildert, verankert, seine Botschaft der Einheit und Einzigartigkeit von Gottes- und Menschenliebe wurde von früh bis spät gesungen, gepredigt, vorgelebt und nachgeahmt. Das ganzkörperliche Opfer Christi (im Judengriechisch also der Holokaust Jesu Christi) wird gedeutet als Vorspiel und Nachspiel jeder anderen Hinmetzelung von Menschen.

Genau diese Einzigartigkeit eines Ereignisse wollen nun die Fraktionen von CDU und SPD vereinnahmen für ein Ereignis des 20. Jahrhunderts: den Holokaust, besser die vielen, vielleicht 6 Millionen Holokausts der europäischen Juden in den Jahren 1942-1945. Diese 6 Millionen Holokausts werden durch diese neuartige pseudopolitische Ersatztheologie des Bundestages zum Substitut des früheren Glaubens der Christen an die Einzigartigkeit von Kreuzestod und Auferstehung!

Die Holokausts (der Holokaust) werden zum begründungslosen, nicht befragbaren, unhintergehbaren Kristallisationspunkt deutscher Identität. Der Holokaust wird in Deutschland immer stärker zum übergeschichtlichen Ereignis verklärt, wird tausend- und abertausendfach beschworen, bebildert, wiederholt und rituell verteidigt, durch strafrechtliche Leugnungsverbote eingehegt.

Wir zitieren beispielhaft aus dem neuesten Beschlussentwurf des Bundestages (Hervorhebung durch uns):

In dem neuen Text von Union und SPD im Bundestag steht nun, 1915 habe das damalige türkische Regime mit der planmäßigen Vernichtung von mehr als einer Million Armenier begonnen. Wörtlich heißt es: „Ihr Schicksal steht beispielhaft für die Geschichte der Massenvernichtungen, der ethnischen Säuberungen, der Vertreibungen und der Völkermorde, von denen das 20. Jahrhundert auf so schreckliche Weise gezeichnet ist. Dabei wissen wir um die Einzigartigkeit des Holocaust, für den Deutschland Schuld und Verantwortung trägt.“

Auffallend: Nicht Nazi-Deutschland, nicht die deutschen oder besser europäischen Mörder von damals trugen nach Meinung des Bundestags individuelle Schuld, sondern ganz Deutschland trug damals und trägt auch heute und fürderhin weiterhin Schuld. So sehen das die Fraktionen von CDU und SPD im Deutschen Bundestag. Also tragen alle Deutschen Schuld am Holokaust – auch Thomas Mann, auch Paul Gerhardt, auch Albert Einstein, auch die deutschen Juden von damals und heute, auch Margot Käßmann, alle alle alle Deutschen sind schuldig in alle Ewigkeit.

Es ist eine reizvolle Aufgabe nachzuvollziehen, wie der ehemals verstandene Gottesbezug in der Präambel des Grundgesetzes nunmehr in der deutschen Gesellschaft und im Deutschen Bundestag durch einen universal durchgesetzten, nicht mehr bezweifelbaren Holokaust-Bezug ersetzt werden soll.

Eine Gesellschaft wie die unsrige, die mit dem Gedanken der Einzigartigkeit der Menschwerdung Gottes nichts mehr anfangen kann, hat sich eine felsenfeste Ersatzgewissheit gesucht und gefunden und schickt sich an, an diesem Freitag durch den deutschen Bundestag die Einzigartigkeit deutscher Schuld, die Unvergänglichkeit der Schuld Deutschlands auf alle Zeiten in Stein zu meißeln.

Während das Judentum und das Christentum Religionen des Lebens sind, möchte der Deutsche Bundestag offenbar eine absolute Religion des Bösen, eine dauerhafte Fixierung an die Gewissheit kollektiver, völkischer Schuld verkünden: die Holokaustbindung der Bundesrepublik Deutschland wird so zur leibhaftigen Religion des Todes.

Es ist reizvoll zu erkennen, dass der Bundestag ein zutiefst reliöses Wort aus dem alexandrinischen Judengriechisch übernimmt, um dem Holokaust eine abgründige, sakrale Würde zu verleihen. Diese Sakralisierung des abgrundtief Bösen ist spiegelbildlich verkehrt zur Banalität des Bösen, von der Hannah Arendt sprach.

Für den Deutschen Bundestag tritt wohl am Freitag der Holokaust des europäischen Judentums als Ersatzmythos an die Stelle des weithin verdrängten und vergessenen früheren Glaubens an den Menschen Jesus Christus. Statt an den auferstandenen Menschen Jesus Christus glauben sie an den immer zu besiegenden Teufel, sie glauben, dass Deutschland die Inkarnation des Bösen darstellt.

via Genozid: Merkel nennt Massaker an Armeniern nun doch Völkermord – DIE WELT.

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Appuntamento con la vita: stets nach vorne geht der Weg

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Apr 052015
 

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Nach dem dumpfen Grabchorale
tönt das Auferstehungslied —
Stricke des Todes hielten mich einige Tage gefangen. Der heutige Tag befreite mich davon, von diesem starren Blick zurück. Nach vorne richtet sich die Erwartung! „Christus ist auferstanden“, mit diesem altrussischen Gruß begrüße ich in russischer Sprache zwei Freunde, die zu Besuch in Kreuzberg sind.
Rendezvous mit dem Leben: Die güldene Sonne schien uns direkt ins Gesicht. Gutes, freundliches Musizieren und Feiern, diesmal in St. Clemens.
Ostern ist kein Fest der Erinnerung, sondern ein Fest der Freude und der Erwartung, der Zuversicht und der Vorfreude auf all das Gute, das kommt und noch kommen mag. Dem alten Gevatter Tod wird gehörig der Zahn gezogen.

Die erste längere Radtour des Jahres führte mich von Zeesen nach Lübben. Der Spreewald, die Landschaft um die Dahme glänzten unbeschreiblich klar. Noch hat der Frühling zu seinem Sprung nicht angesetzt.

Träge hoben einige Wollrinder die Schnauze, als ich sie anschaute, ein Habicht erprobte seinen Schwung.

Wollrinder 20150405_190010
Die Luft ruhte glasklar, kein Stäubchen trübte sie. Stets nach vorne geht der Weg. Das Rad schnurrte und summte dahin.

Staubfrei 20150405_191113

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Mai 022014
 

2014-05-01 17.26.47

Heut bin ich recht froh, sintemalen ich gestern mich in Eisenach bei unserem Martin LUTHER und unserem Johannes BACH gestärkt habe. Wer – Johannes Bach? Warum nicht Johann Sebastian Bach? Nun, ich betrachtete genau das Schülerverzeichnis der Eisenacher Lateinschule, die Johann Sebastian Bach ab dem Alter von 8 Jahren  besuchte. Der schulamtliche Name unseres Meisters aller Gattungen lautet dort – handschriftlich eingetragen-  nicht „Bach Johann Sebastian“ sondern „Bach Johannes“. 

Denkt Euch nur: Ich durfte am 1. Mai 2014 nachmittags um 17 Uhr im Bachhaus am Frauenplan zu Eisenach an diesem vielleicht von Bach selbst einmal traktierten oder vielleicht inspizierten Orgelpositiv des Jahres 1650 als tüchtiger Kalkant musizieren. Der Organist vertraute mir. Er glaubte mir auf mein gutes Wort hin, dass ich ein guter Kalkant sein werde! Das ist Glauben, ist Vertrauen: „Ja, du schaffst das schon! Kalkant – das kannst du!“, sagten die Augen des Organisten. 

Damit fängt alles an.

Ich strahlte: Ich ein Kalkant im Bachhaus am Frauenplan zu Eisenach! Herrlich, überherrlich! „Empfangt den heiligen Hauch!“, sagte es in mir – und das ist akkurat, was im Evangelio des Johannes 20, 22 steht! Es ist eine der Osterbotschaften Jesu. Das lateinische Spiritus bedeutet Hauch, griechisch Pneuma, hebräisch Ruach.

Omnis spiritus laudet te!

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Apr 192011
 

Am vergangenen Freitag, dem letzten Tag vor dem Ferienbeginn, boten Ira, Lala, Wanja, Mark und ich wieder ein Schulkonzert in der deutsch-russischen Lomonossow-Grundschule. Es stand im Zeichen des Osterfestes. Ostern? Ich höre eure Zwischenfrage: „Also spieltet ihr Musik über Schokoladen-Hasen, über Loriot’sche Hasenbrüter und über bunte bemalte Eier?“ Nein, oh Freunde! Das Konzert stand ganz im Zeichen des christlichen Osterfestes. Hä? Schwierig? Nicht wenn man Johann Sebastian Bach als Bundesgenossen hat.

Nach dem Traurigen Lied von Tschjaikowskij, das Wanja fiedelte, hatten wir die Arie „Erbarme dich mein Gott“ aus Bachs Matthäuspassion aufs Programm gesetzt.

Mit schlichtesten Worten versuche ich den Grundschulkindern den Sinn dieser Passionsmusik zu erzählen: „Es waren Freunde. Einer von ihnen wurde angeklagt und beschuldigt: Jesus. Er bringt uns alles durcheinander!, sagten böse Menschen. Wir wollen ihn nicht. Petrus, der sich vorher so gebrüstet hat, hat seinen besten Freund Jesus drei Mal verraten.“ Dann erzähle ich die Geschichte vom Feuer, von der Magd und vom Krähen des Hahnes. „Petrus ist sehr traurig und weint und weint. Er hofft und bittet, dass es wieder einen Neuanfang gibt. Er bittet um die Versöhnung. Die Osterbotschaft drückt genau das aus: Es gibt kein endgültiges Ende, ist gibt für Menschen immer die Hoffung auf Versöhnung. Die Christen glauben: Das Spiel ist nie endgültig aus. Und ich spiele jetzt auf der Geige die Tränen, Irina singt den Petrus.“

Und dann spielten wir die Erbarme-Dich-Arie. Irina Potapenko sang das Alt-Solo, ich spielte das Violin-Solo, Lala Isakowa spielte Continuo. Wir waren alle ergriffen und getragen. Die Kinder klatschten. Für mich ist diese Musik etwas vom schönsten überhaupt. Darauf folgte von Vivaldi ein „Gloria Patri“.

Zum Schluss spielte unser 6-jähriger Mark mit Bravour den ersten Satz des Violinkonzertes Nr. 1 von Seitz.

Es war ein schönes Konzert, obwohl es weder Hasen noch Schoko-Eier gab!

Und zum Schluss erinnerte ich an den alten russischen Ostergruß:

Христос воскрес! Воистину воскрес!

Übrigens: Die Noten und den Text zu Bachs Musik könnt ihr hier – bei einer älteren Aufnahme mit Maureen Forrester – bequem mitlesen:

YouTube – “ Erbarme dich, mein Gott “ , Bach

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Nov 162010
 

Ich gehe heute ins Kreuzberger Hermann-Hesse-Gymnasium, um einige Antworten abzuholen, und entbiete allen Muslimen Berlins die besten Segenswünsche zum heutigen Opferfest!

Der Gedanke des rituellen, symbolischen Ersatz-Opfers verbindet das Judentum mit seinen beiden Nachfolgereligionen. Arabische Christen nennen zu recht „Ostern“ ihr „Opferfest“. Es entspricht symbolisch dem Pessah-Fest der Juden.

Grundgedanke:  Da Gott auf das Menschenopfer verzichtet, brauchen auch die Menschen kein Menschenopfer mehr zu tätigen. Gott will keine Menschenopfer! Er heißt Abraham, seinen Sohn nicht zu opfern. Das ist der Kern des Opferfestes.

Diese drei Religionen konnten somit die Sorge um den Menschen in dieser Welt – nicht das Opfer des Menschen für Gott – zu ihrem zentralen Anliegen erklären.

In Fatih Akins Film „Auf der anderen Seite“ hörten wir das in dem Satz: „DAS GIBT ES BEI UNS AUCH“. Eine Deutsche spricht ihn aus, als sie in Istambul das Opferfest, das höchste Fest der Muslime, miterlebt.

 Posted by at 12:36

Ohne Vorratstasche, ohne Schuhe. Schlimm?

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Apr 022010
 

Ganz selten fallen orthodoxes und westliches Ostern auf einen Tag. In diesem Jahr aber ist es so. Beide Hälften der Christenheit, die östliche und die westliche, feiern Karfreitag und Ostern am selben Tag. Die orthodoxen Osterfeiern dauern sehr lang – 6 bis acht Stunden! Grund: Sie lesen das gesamte Evangelium Wort für Wort durch. Und für ein ein einziges der vier Evangelien braucht man 2-3 Stunden.

Welchen Menschen predigte Jesus? Die Antwort liegt auf der Hand, wenn man die Evangelien liest: Überwiegend den sozial Schwachen, den Bildungsfernen. Er selbst – war in den Schriften sehr bewandert, kannte wie alle damaligen Gebildeten seines Volkes die Tora in großen Teilen  auswendig. Und er beherrschte neben seiner Muttersprache Aramäisch auch so leidlich die damalige internationale Verständigungssprache des östlichen Reichsteiles der Römer, also Griechisch. Sein Prozess vor Pilatus wurde ohne Dolmetscher geführt.

Aber er hinterließ keine Schriften. Er, der Migrant, redete überwiegend in schlichtesten Bildern und Geschichten. Genau so müssen wir auch heute zu unseren Migranten und Zuwanderern reden: in einfachsten Sätzen, einfachsten Bildern. In Gesten. In Grüßen.

Großartig finde ich seine Fragetechnik – sie nötigt mir höchste Bewunderung ab. Statt den Leuten die Antworten aufs Brot zu schmieren, stellt er ihnen Fragen.

Was sagt er zum Thema Armut und Reichtum? Wie schlimm ist Armut? Wie wichtig ist die soziale Grundsicherung?

Was ist wichtiger – materielle Sicherheit oder spiritueller Wandel? Beharren oder Änderung? Bleiben oder Werden?

„Als ich euch ohne Geldbeutel aussandte, ohne Vorratstasche und ohne Schuhe, habt ihr da etwa Not gelitten?“ So steht es bei Lukas 22,35. Eine Frage an Migranten! Die Antwort lautet: Nein.

Eine klare Absage an die „ewige Grundsicherung“. Eine klare Absage an das Streben nach materieller Sicherheit, sofern es über das spirituelle Wohlergehen gestellt wird.

Das Christentum ist eine echte Migrantenreligion. Es gibt tausende von Bildern, Legenden, Geschichten, in denen der Christ als armer Wanderer, als „peregrinus“ dargestellt wird. „Hinabgestiegen zu der Hölle – auferstanden am dritten Tage“ – auch das sind alles Wanderungs-Erfahrungen.

Wanderung – Wandlung – Werden. Beständiges Umdenken, beständige Richtungsänderung. Das alles gehört zum Kern der Botschaft.

 Posted by at 10:40