Archive for the ‘Politik im Internet’ Category

“Ach – Sie sind das?!”

Montag, März 7th, 2011

“Ach Sie sind  das. Ich kenne Ihren Blog”, mit diesen Worten erwiderte vor einige Zeit eine sehr nette Politikerin meine artige, geradezu schulbuchmäßige Bekanntmachung: “Verzeihung, ist hier noch frei? Mein Name ist  …”

Das kleine Beispiel zeigt, dass die Politikerinnen wirklich angefangen haben, Blogs zu lesen und zu verfolgen. Gut.

Springer berichtet soeben:

Kulturwandel – Deutsche Blogger mischen endlich die Politik auf – Web & Technik – Berliner Morgenpost – Berlin
Es kommt nicht darauf an, wie viele den Beitrag lesen, sondern wer. “Die Fachpolitiker, deren Themen betroffen sind, verfolgen die entsprechenden Blogs sehr genau”, glaubt Meyer-Lucht. Grund: Die Beiträge sind auf ihrem Gebiet sehr speziell und werden “von Leuten geschrieben, die sich auskennen”, sagt Meyer-Lucht. “Sie stoßen in eine Lücke vor, die die Massenmedien nicht füllen können. Ich bin überzeugt, dass das Blog ein maßgebliches Publikationsformat der Zukunft sein wird.”

“Wir fordern Datenschutz für Fahrraddiebe!”

Dienstag, August 24th, 2010

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Hier auf dem Foto einige widerrechtlich parkende, sichtbehindernde Autos an einer Kreuzung in Friedrichshain-Kreuzberg. Ich erlebte vor wenigen Wochen als Zeuge einen Beinaheunfall, als ein LKW-Fahrer an dieser Kreuzung eine völlig korrekt geradeaus fahrende Radlerin nicht sehen konnte und sie beim Rechts-Abbiegen fast erwischt hätte! Das Foto schoss ich sofort nach diesem Beinahe-Unfall. Beachtet: Die widerrechtlich abgestellten Autos sind nicht per Kennzeichen identifizierbar. Sonst stünde mir jetzt sofort ein sattes Bußgeld ins Haus. Zumal es ja sein könnte, dass ein übergesetzlicher Notstand vorlag: Frau im Krankenhaus, Baby schreit, Badezimmer überschwemmt.

Ein Riesenproblem für uns Radler sind …  die Falschparker an Ampeln, an Kreuzungen und auf Radwegen (werdet ihr denken)? Richtig, aber heute geht es um die Fahrraddiebstähle und den Datenschutz. Spannendes Thema: Fahrraddiebstähle. Geeignete Abstellanlagen in den Hinterhöfen fehlen meist, in der Regel muss man sich mit Geländern oder vorsintflutlichen Felgenkillern zufriedengeben. Die Diebesbanden wissen das, nutzen das Fehlen der geeigneten Abstellanlagen weidlich aus. Mit einem Bolzenschneider geht es Ruckzuck. Und das wissen alle, die mit Fahrraddiebstahl ihre Sucht finanzieren oder ihren Lebensunterhalt verdienen.

Ein Lehrvideo dazu steht im Internet:

Fahrraddieb bei der Arbeit gefilmt: Jetzt droht ein Bußgeld von bis zu 300 000 Euro – Ratgeber – Ratgeber Geld + Karriere – Bild.de

Video-Aufnahmen im öffentlichen Raum? Ich selbst habe schon mal von freundlichen Mitstreitern eins auf die Finger bekommen, als ich das Verkehrsverhalten einiger Verkehrsteilnehmer filmte und ins Netz stellte. Denn auf einem Video war für den Bruchteil einer Sekunde eine einzelne Falschfahrerin von hinten erkennbar – Eingriff in die Persönlichkeitsrechte!

Widersprüchliche Urteile der Gerichte wurden mir daraufhin zugespielt. Soweit ich weiß, gilt in der deutschen Rechtssprechung folgendes: Das Aufnehmen und Wiedergeben von zufälligen Passanten in der aktuellen Berichterstattung ist zulässig. So darf etwa das Fernsehen in einer Fußgängerzone drehen – auch wenn einzelne zufällig Vorbeigehende im Gesicht flüchtig erkennbar sind.

Nun zum Fall des Fahrraddiebes! Wer einen Fahrraddiebstahl oder auch einen Raubüberfall so filmt, dass der Täter identifizierbar ist, darf dieses Material meines Wissens nicht in die Blogosphäre stellen. Er kann das Material der Polizei zur Verfügung stellen. Er muss aber in der Öffentlichkeit alle Hinweise auf den Täter unkenntlich machen. Sonst begeht er eine Rechtsverletzung.

Seither achte ich peinlich darauf, dass alle Personen, die in diesem Blog oder auf  Youtube erscheinen, nicht identifizierbar sind – sofern sie mir nicht ihr Einverständnis zur Veröffentlichung gegeben haben.

Das gilt auch für Zitate. Was im öffentlichen Raum, bei öffentlichen Veranstaltungen gesagt oder geschrieben wird, darf beliebig in Blogs zitiert werden. Was jedoch in persönlichen Gesprächen gesagt wird, darf ohne Zustimmung der Beteiligten nicht so wiedergegeben werden, dass eine Zuordnung an einzelne Personen möglich wird.

Vom Stammtisch ins Internet: Politik im 21. Jahrhundert

Freitag, Februar 5th, 2010

Zu den spannendsten und schönsten politischen Erfahrungen, die ich bisher machen durfte, gehörte der gesamte Internet-Wahlkampf bei der vergangenen Bundestagswahl. Zwar vermisste man mich (schmerzlich?) bei den traditionsgesättigten Stammtischen, aber die wöchentlichen Wahlkampfbesprechungen und die virtuellen Beratungen im Netz habe ich fast alle besucht. Insgesamt habe ich im Bundestagswahlkampf 2009 sicherlich 250-300 Stunden ehrenamtliche Parteiarbeit geleistet, davon etwa 50% (!) mit dem Rechner im Internet, etwa 30% auf der Straße und in Veranstaltungen, und etwa 20% bei parteiinternen Besprechungen im kleineren Kreis.

Plakatekleben und Stammtischbesuch – das war noch bis vor wenigen Jahrzehnten das Rezept einer erfolgreichen Parteikarriere. “Und bitte nicht anecken!” Heute hat sich das Bild gewandelt. Plakate werden nicht mehr geklebt, sondern gehängt, getackert, belächelt und nicht ernst genommen. Die politische Auseinandersetzung hat sich verlagert – in mannigfache Medien hinein. Der Straßenwahlkampf mit dem Verteilen von Luftballons und billigem Propagandamaterial verliert noch stärker an Bedeutung, wichtiger wird die direkte Ansprache von Menschen in Kneipen, bei Veranstaltungen, in Schulen, Betrieben und auf Festen.

Professionelle Pressearbeit war immer von überragender Wichtigkeit und bleibt es auch. Neuland betreten die Parteien hingegen noch mit dem Internetwahlkampf.

Ich selber wurde ins Wahlkampfteam der CDU Friedrichshain-Kreuzberg berufen. Meine Aufgabe:  Koordinierung des Internet-Wahlkampfes, verantwortlicher Redakteur im offiziellen Blog der CDU-Bundestagskandidatin Vera Lengsfeld.

Das war er, das ist es, der oder das Blog:

Waehltverablog

Die gesammelten Beiträge, die wir teils ohne Namen, teils auch mit Namensnennung hinterlegt haben, stellen ein einzigartiges Archiv der politischen Debatte dar. Vieles ist haltbar, anderes wird sicher verwehen – es war der Augenblickslage geschuldet. Dieses Archiv ist bis zum heutigen Tag frei zugänglich! Besonders schön war für mich, dass wir Redakteure und schreibende Helfer praktisch freie Hand hatten. Zwar legte ich am Anfang Vera Lengsfeld sicherheitshalber einige Texte “zum Gegenlesen” vor, aber bald stellte sich ein vollkommenes Vertrauensverhältnis zwischen Kandidatin und Team her. Wir verständigten uns “auf Zuruf”.

Im Netz muss man sehr schnell reagieren, es kommt auf Stunden, ja manchmal Minuten an, um Themen zu setzen, Argumente für sich zu reklamieren, dem Gegner einen Zug voraus zu bleiben.

Besondere Sorgfalt verwendete ich auf den finalen Wahlaufruf, einen Tag vor dem Abstimmungstag am 27. September!  Für drei Akteure galt es einen letzten Appell vom Stapel zu lassen: für die Kanzlerkandidatin, für die Wahlkreiskandidatin, für die Partei. Für diese drei reservierte ich ungefähr gleich viel Platz – es sollte klar werden, dass jede Stimme für Merkel, für Lengsfeld, für die CDU gebraucht wurde. Und das kam nach etwa 30 Minuten Nachdenken ans Tageslicht.

Ist es ein guter Text? Ich weiß es nicht. Ihr könnt es selbst entscheiden – à vous la choix!

Die Bilanz der Kanzlerin Angela Merkel ist herausragend: Sie hat in der Finanzkrise Panik vermieden und somit das Schlimmste verhütet. Sie hat stets auf sozialen Ausgleich geachtet, hat mehr Geld für Hochschulen und Forschung ausgegeben. Unter ihrer Kanzlerschaft wurde die Arbeitslosigkeit zunächst massiv gesenkt. Weltweit werden wir Deutschen um unsere Kanzlerin beneidet. Denn obwohl sie bei den Polen mit großem Abstand die beliebteste ausländische Politikerin ist, gibt sie dem französischen Präsidenten Sarkozy das Gefühl, dass er und nur er der Größte ist. Wer schafft so etwas außer ihr?

Wer Merkel will, muss Merkels Partei, die CDU, wählen. Und nicht  Westerwelles FDP. Denn nur eine mit sehr großem Abstand führende CDU kann die Entstehung nicht gewünschter Koalitionen, nicht gewünschter Notgemeinschaften verhindern. Wenn die CDU nur mit bescheidenem Abstand stärkste Partei wird, besteht die Gefahr, dass nur eine Dreierkoalition die Regierungsmehrheit schafft. Dreierkoalitionen sind derzeit nur die zweitbeste Lösung. Besser sind Koalitionen aus Groß + Klein. Deshalb gilt unumstößlich: Nur eine starke CDU kann auch eine starke Kanzlerin wählen.

Gleiches gilt für die Erststimme. Eine Vera Lengsfeld im Deutschen Bundestag stellt sicher, dass der Bundestag seinen grundgesetzlichen Aufgaben besser nachkommt. Eine Vera Lengsfeld im Bundestag hilft verhindern, dass der Bundestag zum Abnick- und Akklamationsorgan wird. Eine Vera Lengsfeld im Bundestag hilft dabei, dass das goßartige Erbe der DDR-Bürgerrechtler nicht völlig aus dem politischen Betrieb verschwindet. Es ist bitter, dass fast niemand von den aktiven Bürgerrechtlern mehr in den Parlamenten sitzt. Vera Lengsfeld muss deshalb in den Bundestag.

Somit gilt:  Morgen Erststimme für Vera Lengsfeld, Zweitstimme für CDU und ihre Angela Merkel!

Tja, ich selbst muss gestehen: Ich kann zu diesem Aufruf stehen. Ich habe keine Mühe, den zu zitieren. Und wir wissen: Das Netz vergisst nichts.

Eines dürfte klar geworden sein: Mit Frauen, die sich in der CDU engagieren, habe ich keine Probleme. Versprochen!

Danke Google!

Donnerstag, Januar 28th, 2010

Wow! Google liebt offenbar dieses kleine, aber feine Blog. Es liest immer minutengenau mit. Und wenn man das Nixon-Zitat

let us not curse the remaining dark. – Google-Suche

eingibt, erscheint als erster Treffer unter 941.000 Websites – dieses Blog. Eben war es jedenfalls so. Sind wir schon so wichtig? Danke, Google!

David Cameron’s Thoughts on Twitter… « Ed Mayes

Mittwoch, Juli 29th, 2009

Ihr erinnert euch an David Cameron, den radfahrenden britischen Politiker, der mehrfach beim Überfahren roter Ampeln erwischt worden war? Wir sprachen uns damals, am 12.05.2008, gegen dieses Verhalten aus. Doch … jeder erhält eine zweite Chance!

Was er hier zum Twittern sagt …

David Cameron’s Thoughts on Twitter… « Ed Mayes

… finde ich gut. Er sagt: Der Zwang, in jedem Moment Twit zu sagen, kann zu einem Twat führen – also einen  zum Hampelmann machen. Nicht gut.

Dennoch: Cameron sagt auch, dass die Fähigkeit, knappe, geschliffene Kernsätze vom Stapel zu lassen, unbedingtes Rüstzeug jedes Politikers sein muss, beginnend von der Bibel. Guter Spruch!

David, du bist kein Twat. Wir verzeihen dir alle Rotlichtsünden. Unter Radfahrkameraden.

Die etwas unheimliche Macht des Facebook …

Freitag, Juli 3rd, 2009

Gestern meldete ich mich bei Facebook an. Und was soll ich sagen? Bereits nach wenigen Minuten hatte ich einige Bekannte wiederentdeckt, die ich schon seit längerem aus den Augen verloren hatte. Darunter ein türkischer Lehrer, den ich vor zwei Jahren im Urlaub kennengelernt hatten. Daneben meldete sich auch eine Persönlichkeit, die ich in diesem Blog vor einigen Monaten, am 6.2.2009, erwähnt hatte – weil mir ihre Aussagen zur Integration und Nicht-Integration gefielen, die sie getroffen hatte – übrigens auch eine Türkin. Ich ziehe daraus den Schluss: Soziale Netzwerke können tatsächlich dazu beitragen, Grenzen zu überwinden.

Das ist alles schön und gut. Aber bedeutet es nicht auch, dass man über die digitale Vernetzung wie auf einem Präsentierteller sichtbar wird? In gewissem Sinne – ja! Das bedeutet, man muss schon gut überlegen, was man in soziale Netzwerke wie etwa Facebook stellt.

Facebook | Startseite

Toll! Wahlkreis 084 nach vorne gebloggt!

Dienstag, Mai 12th, 2009

06052009002.jpg Doller Erfolg für die Anstrengungen des hier bloggenden, höchst dilettantischen Feierabend-und-Amateur-Politikers! Seit Monaten schon setze ich auf die Karte “Wahlkreis 084″, verfolge systematisch die Medienpräsenz unserer 5 vortrefflichen Kandidatinnen und Kandidaten, die auf diesem holprigen Spielfeld direkt auflaufen! Denn ich bin der Meinung, dass unser Wahlkreis Friedrichshain-Kreuzberg/Prenzlauer Berg Ost der bestbesetzte, spannendste und ergebnisoffenste Wahlkreis der ganzen Republik ist! Eine kleine Anerkennung durfte ich soeben zur Kenntnis nehmen: Die unbestechliche, aber mächtige Suchmaschine Google führte dieses Blog heute morgen um 9.40 Uhr auf Rang 1 unter mehr als 2400 Treffern an, wenn man “Wahlkreis 084″eingibt! Und sogar noch vor dem Internet-Auftritt des Bundeswahlleiters! Und sogar noch mit dem hübschen Zitat: “Schaut auf diesen Wahlkreis 084 und erkennt …”

Dabei habe ich nichts gezahlt, keine Werbung geschaltet, keine Suchmaschinenoptimierungsstrategie eingesetzt, sondern mich nur wacker und redlich bemüht, diesen stolzen, unbeugsamen Wahlkreis nach vorne zu bloggen. Ihr seht: Vieles ist im Internet möglich. Ihr müsst nur wollen.

Zum Abschluss ein Rätsel: Kennt ihr die fleißigen Bauarbeiter,  kennt ihr das Bauwerk auf unserem heutigen Siegerfoto? In welcher altgriechischen Stadt wurde das Foto aufgenommen?

Wahlkreis 084 – Google-Suche

Online – offline: die Verlinkung macht’s

Dienstag, April 21st, 2009

Marlene Halser bringt in der tageszeitung vom 19.04.2009 eine schlüssige Zusammenfassung eines Workshops, den ich leider beim taz-Kongress nicht verfolgen konnte:

Politische Mobilisierung im Web 2.0: „Gutes Image für lau“ – taz.de
Seit Obama im Internet Millionen von Unterstützern für seine Politik mobilisierte, spielt das Web 2.0 zunehmend auch für den deutschen Wahlkampf und in der politischen Lobbyarbeit eine wichtige Rolle. Nach dem Vorbild Obamas melden sich auch deutsche PolitikerInnen wie Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier beim Sozialen Netzwerk Facebook an und lassen sich auf Twitter das Zwitschern beibringen.

Guter, sehr lesenswerter Artikel!

Was mich immer besonders fasziniert, ist, wenn Medienwelten zusammentreffen. So konnte ich den taz-Kongress besuchen und am selben Abend noch mich mit anderen Besuchern im Internet darüber austauschen. Man kann in solch einem Blog aus dem Koran, aus Platon zitieren und erhält über Nacht eine Antwort nicht zwar aus aus dem Grabe von den zitierten Geistesgrößen selbst, aber aus der “echten” Welt.

So meine ich grundsätzlich: Wenn das Medium für die angezielte Gruppe wichtig ist, muss man es nutzen. Wenn man jüngere, digital gebildete Wähler ansprechen will, muss man zweifellos das Medium Blog und Homepage nutzen – möglichst interaktiv, also so, dass die Angesprochenen ihrerseits zu “Ansprechenden” werden.

Soziale Netzwerke, wie etwa Facebook, oder auch das neue Twitter sollte man dann nutzen, wenn man Lust darauf hat – für obligatorisch halte ich diese Werkzeuge noch nicht. Sie sind derzeit noch ein nettes Extra.

Aber das Medium ist nicht die Botschaft. Das Medium ist letztlich auch nur ein Mittel, um Fragen zu stellen, Antworten zu geben, Botschaften zu senden und zu empfangen. Im Internet geht es zu wie in der Judenschul: Jeder, der vorbeigeht, hört ein unbegreifliches Rauschen. Wer drin ist und sich konzentrieren kann, wer Lesen und Schreiben gelernt hat, der wird mit großen Gewinn daraus hervorgehen. Es wäre eine Selbsttäuschung zu glauben, durch ein schickes Medium allein könne man den Wahlkampf entscheidend beeinflussen.  Das Internet ist ein Resonanzboden – es ist nicht die Musik selbst.

Politische Freiheit muss von den Menschen kommen

Sonntag, April 5th, 2009

03042009014.jpg Die taz brachte am 3. April ein aufschlussreiches Interview mit Mary C. Joyce, der Leiterin des Neue-Medien-Wahlkampfs von Barack Obama. Sie stellt fest: Das Internet ist im Wahlkampf ein Mittel zum Zweck. Die Inhalte müssen von woanders her kommen, nämlich von den Menschen. Die Menschen nutzen die neuen, billigen Medien, um sich von der Bevormundung durch die alten teuren Medien zu befreien.

Unser Bild zeigt Bäume im badischen Schwarzwald. Noch vorgestern joggte ich zur Entspannung unter ihnen hindurch, Foto-Handy natürlich “immer am Mann”. Ich hielt inne, um zu stretchen. Dann schoss ich das Bild. Dabei kamen mir Verse von Hölderlin in den Sinn, aus seinem Gedicht “Die Eichbäume”: “Aus den Gärten komm ich zu euch, ihr Söhne des Berges!” Oder auch dieser: “Und ihr drängt euch fröhlich und frei, aus der kräftigen Wurzel, unter einander herauf”.

Hölderlin fasst seinen Begriff von Freiheit in Bilder von Bäumen. Und auch Mary C. Joyce greift auf Naturbilder zurück, wenn sie von politischer Freiheit spricht. Friedrich Hölderlin und Mary C. Joyce kommen überein:  Politische Freiheit muss wachsen, muss organisch sein, muss von unten kommen. Freiheit ist die kräftige Wurzel des politischen Engagements in der Demokratie. Sie ist der Fokus, den wir nicht verlieren dürfen.

Lest selber einen Abschnitt aus dem Interview mit der Graswurzel-Aktivistin, oder besser: der Baumwurzel-Aktivistin. Den Fettdruck habe ich selber gesetzt, um wichtige Aussagen hervorzuheben.

Obama-Beraterin über Onlinewahlkampf: “Geld und Macht trennen” – taz.de
Sie schrieben über die Online-Kampagne “The internet is cool, but don´t loose your focus”. Soll heißen…?

Das Internet ist ein Instrument, kein Ziel an sich. Wir mussten uns auf konkrete Ziele konzentrieren: Neue Wähler zu gewinnen, Leute für den Straßenwahlkampf zu mobilisieren, Wahlkampfpartys zu organisieren. Das Internet war ein Mittel, um diese Ziele zu erreichen.

Wenn sie von digitalem politischen Engagement sprechen, wie unterscheidet sich das von “analogem” Engagement?

Bei digitalem politischem Engagement dreht sich alles um große Zahlen bei niedrigen Kosten. Man kann ohne große Ausgaben eine internationale Kampagne führen, mit einem Blog, E-Mails und einer Facebookseite. Es ist die Möglichkeit, Geld und Macht zu trennen, was digitale Technologien so interessant macht.

Sie geben auch Workshops in Schwellenländern über digitales politisches Engagement.

Nach meiner Arbeit im Obama-Wahlkampfteam arbeite ich wieder für DigiActive.org, einer Nichtregierungsorganisation, die Graswurzel-Aktivisten in der ganzen Welt dabei hilft, digitale Technologie zu nutzen. Für DigiActive war ich zum Beispiel in Indien und Marokko, um Workshops zu geben. Unser Ziel ist es, dass Aktivisten in Ländern mit knappen Ressourcen Technologie effektiv für ihre Kampagnen nutzen können. In unseren Trainings vermitteln wir die effektivsten Anwendungen wie Blogs, digitale Videos, Mobiltelefone und soziale Netzwerke.

Öffnen solche digitalen Werkzeuge neue Wege für mehr Demokratisierung?

Das Problem mit dem Begriff “Demokratisierung” ist, dass es sich so anhört, als sei politische Freiheit eine Art industrieller Prozess, dem ein Land unterzogen werden könne. Demokratie muss organisch sein, es muss von den Leuten kommen. Internet und Mobiltelefone sind insofern demokratisch, als dass sie einen breiten Zugang zu Massenkommunikation ermöglichen. Diese Mittel können für Graswurzel-Bewegungen genutzt werden. Außerdem können sie eine alternative Informationsquelle sein, die die Machthaber lieber zum Verstummen bringen würden. Auf diese Weise können Internet und Mobiltelefone ein Mehr an Demokratie bedeuten.

Um online aktiv zu sein, braucht man allerdings auch erstmal einen Computer, einen Internetanschluss und einen gewissen Bildungsstand…

Wer nicht lesen kann, dem nützt das Internet natürlich nichts. Das Internet kann ja nicht alle Probleme lösen. Aber es ist sinnvoll, sobald man lesen kann und genug Geld aufbringen kann, um sich den Besuch in einem Internetcafe zu leisten. Durchs das Internet können sich viele Menschen beteiligen, die vorher nicht politisch aktiv waren. Das Internet macht nicht jeden stärker, nur die, die auch angeschlossen sind und es nutzen.

Verändert das Internet den Wahlkampf?

Donnerstag, Februar 12th, 2009

Am 5.11.2008 fragten wir in diesem Blog: “Verändert das Internet die Politik?” Heute fragen wir noch genauer: Verändert das Internet den Wahlkampf? Und wir drücken uns heute – im Gegensatz zu damals – um eine Antwort. Denn ich antworte: Das wird man sehen in diesem Superwahljahr … Ich meine: Von wenigen besonders aufregenden Wahlkreisen wie Friedrichshain-Kreuzberg/Prenzlauer Berg Ost abgesehen, wird die Hauptmasse des Wahlkampfs weiterhin im herkömmlichen Ein-Weg-Betrieb ablaufen: Politikerin sendet, Bürgerin empfängt oder schaltet lieber gleich auf Durchzug zur besseren Phrasenvermeidung. Muss das so bleiben? Ich denke nein.

Magazin zitty.de
Noch haben vor allem Politiker Angst vor dem Kontrollverlust im Web, wenn jeder Bürger seinen Senf per Videoantwort abgibt. „Die Diskussion zeigt, wie wenig Politiker den Bürgern zutrauen“, sagt Moorstedt.

Guter Artikel zu dem Thema in der neuen zitty!  Wie schlagen sich unsere heimischen Politikerinnen im Netz? Wir können eigentlich nicht klagen! Immerhin hat Vera Lengsfeld z.B. ihr Wahlblog eingerichtet, wo man auch bereits jederzeit posten kann. Mal kucken, ob die Wähler die Chancen ergreifen, die sich dadurch bieten, würd ich sagen! Björn Böhning hat auch postwendend auf meine Anfrage vom 05.02.2009 reagiert. Das gefällt  mir, danke.  Man kann also im Internet einfach an jeden Politiker rantreten und ihn oder sie behelligen? Sieht so aus.

Wer immer nur zuschaut, ohne selbst das Wort zu ergreifen, wird nichts verändern. Was sagt ein Fachmann dazu? Hören wir doch einen aus der zitty:


Der Journalist und Buchautor Tobias Moorstedt hat eine Ahnung davon, wie das Internet den Kampf um die Wählerstimmen verändern wird. Moorstedt  hat den digitalen US-Wahlkampf begleitet. Er hat die Programmierer, Designer und Strategen getroffen, die Obamas iPhone-Application erdacht und seine Webcommunity gebaut haben. „30 Prozent aller Amerikaner wurden direkt von Obama kontaktiert. Die Technologie hat ermöglicht, dass Freiwillige direkt bei ihren Freunden und Bekannten für Obama geworben haben“, erklärt Moorstedt. Er weiß auch, dass ein solcher Aufwand in Deutschland nicht betrieben wird. Fast 100 Mitarbeiter hatte Obama nur im New Media Team. „Es ist unvorstellbar, dass Steinmeier so viele Menschen beschäftigen könnte.“ Moorstedt erzählt vom Besuch der deutschen Volksparteien bei Blue State Digital, dem Unternehmen hinter Obamas Online-Aktivitäten. Trotz beidseitigem Interesse kamen keine Verträge zustande. Sechsstellige Dollarbeträge im Monat geben die Parteikassen nicht her.