„Je les respecte… Ne les sifflez pas!“

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Mai 082017
 

„Ich respektiere sie … Pfeifen Sie sie nicht aus!“ Das ist der Unterschied zwischen einem nur großartigen und einem wahrhaft großen Redner. Die Ansprache des neugewählten französischen Präsidenten ist ein weiterer Beleg für die Tugenden des persönlichen Mutes, der Wahrheitsliebe, des Anstandes, der Zuversicht. Dies zeigt sich in jedem seiner Worte, von denen einige sicherlich zu erwarten waren, es zeigt sich aber vor allem in seiner vermutlich ungeplanten, nicht vorgefertigten Verteidigung derjenigen, die gegen ihn gestimmt und gegen ihn gekämpft haben.

„Ne les sifflez pas!“, sagt er, als seine Anhänger die Gegenkandidatin und deren Wähler ausbuhen.

Er verbittet sich die Beschimpfung und Verhöhnung seiner unterlegenen Gegnerin. Das ist vorbildlich, was Emmanuel Macron hier zeigt, sich gegen die Verteufelung, Kriminalisierung, Beschimpfung der Populisten zu verwahren. So etwas bräuchten wir in Deutschland auch. Es täte uns dringend not.

Ansonsten hervorzuheben – ungewohnt für deutsche Ohren und Augen, so in Deutschland ebenfalls undenkbar:  Erstens, das Fahnenmeer der Trikolore mit den Nationalfarben. Zweitens, der stete Bezug auf die Nation, auf den Nationalstaat Frankreich; der Nationalstaat ist und bleibt weiterhin jenseits des Rheins der entscheidende Bezugsrahmen; nur wer ja sagt zu Frankreich, ja zur Republik, der kann auch ja zu Europa, ja zur Welt sagen. Der Einsatz für die eigene Nation wird eingebettet und überwölbt vom Einsatz für Europa, für die Welt.

https://www.tf1.fr/tf1/elections/videos/discours-d-emmanuel-macron-louvre.html

 

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Feb 282011
 

29122010200.jpgEinige vergnügliche Stunden verbrachte ich heute im ICE mit einem köstlichen Buch der Augsburger Politikerin Eva Leipprand. Da ich weiterhin die Szene in meiner Vaterstadt mitverfolge, entlockte mir die Autorin manches Schmunzeln! Wer hätte gedacht, dass der „Kaiserplatz“ (S. 13) eigentlich Königsplatz heißt? Dass die „berühmte Dichterin“ der Stadt Bert Brecht heißt? Herrlich! Da lacht doch die neue Straßenbahn Linie 6! Hier oben seht ihr einen Blick in diese fabelhafte Neuerung, die Augsburg und Friedberg bequem und umweltfreundlich verbindet und die ich selbst um die Jahreswende herum weidlich nutzte!

Immerhin – Leipprand ist eine veritable Quereinsteigerin, hat sich zuerst als Gymnasiallehrerin und als Bürgerbewegte getummelt, ehe sie ins wohltemperierte Haifischbecken der Kommunalpolitik überwechselte. Was sie auspackt, trifft wohl die Sache recht genau: das beständige Ringen um Unterstützung, um Mehrheiten, das peinliche Achten auf jede Geste, jeden Satz – das sind Merkmale der institutionell gebundenen Demokratie. Bei aller lächelnd vorgetragenden Demaskierung der Sitten und Usancen: An keiner Stelle kündigt Eva Leipprand, die immerhin Kulturreferentin und Bürgermeisterin der Stadt Augsburg war, dem Gefüge der staatlichen Institutionen überhaupt die Gefolgschaft auf. Damit schlägt sie dem wohlfeilen Wutbürgermodell eine gangbare, wenn auch mühsame Alternative vor. Und das finde ich sehr gut. Wenn ihr sauer seid: Geht in die Verbände, geht in die Parteien, tummelt euch als Ehrenamtler!

Leipprand ist das Gegenteil einer Populistin! Es gelingt ihr mit nahezu mathematischer Sicherheit nachzuweisen, dass die demokratische Politik mehr oder minder so ablaufen muss, wie sie eben abläuft.

Im Vergleich zu Berlin mutet Augsburg selbstverständlich traulich-sittlich an. Die ganz großen Korruptionsskandale bleiben aus, die gigantische Verschwendung  von Mitteln, wie sie Berlin auszeichnete, wäre in Augsburg nicht denkbar.

Vom Unterhaltungswert abgesehen, empfehle ich ernsthaft das Buch jedem Zaudernden, jeder Krittlerin, jedem Politikverächter wärmstens! Parteien aller Art können das Buch ihren Nachwuchskräften, etwa BVV-Bewerbern, bedenkenlos in die Schulungsmappe legen. Es wird dort sicherlich mehr Erkenntnisgewinn bringen als die bemühtesten „Argumentationshilfen“, Hochglanzbroschüren oder Gummibären.

Eva Leipprand: Politik zum Selbermachen. Eine Gebrauchsanweisung. Suhrkamp Verlag, Berlin 2011,  164 Seiten, € 11,95

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… und so vergeht wenigstens die Zeit

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Mai 092009
 

09052009.jpg „Wenn man keine Handzettel vor Karstadt verteilt, wird man nichts in dieser Partei“, so wird im aktuellen Spiegel Nr. 19/2009 auf S. 48 die Lebensweisheit der Bundestagsabgeordneten Monika Grütters wiedergegeben. Ein guter Tipp! Ob gleiches für Plakate gilt? Muss man nächtlicherweise bei Wind und Wetter Plakate kleben, um dazuzugehören?

Meine klare Antwort: Nein! Denn Plakate werden heute nicht mehr geklebt, sondern mit Kabelbindern um Laternenmasten gehängt. Das geht schneller, ist allerdings auch keine leichte Übung – wenn man mal 100 Plakate hinereinander weg erst sinnreich verknüpft und dann hochgehängt hat. Diese widerborstigen Kabelbinder! Ich spreche aus Erfahrung.

Aber die böse Presse, die bösen Kommunikationsfachleute erkennen unsere Mühen nicht an! Wie gemein! Aber lest selbst:

„Nur langweilig“, „völlig ineffektiv“: Die Kommunikationswissenschaftlerin Christina Holtz-Bacha geht im SPIEGEL-Interview mit den EU-Wahlplakaten der Parteien hart ins Gericht. Lob hat sie nur für die angriffslustige Kampagne der SPD – die allerdings auch riskant sei.

 Wahlplakate: „Parteien sollten sich etwas besseres einfallen lassen“ – SPIEGEL ONLINE – Nachrichten – Politik
SPIEGEL: Wird die CDU-Werbung Wähler mobilisieren?

Holtz-Bacha: Kaum zu glauben, die Plakate „Wir in Europa“ erinnern an die Zeiten des Helmut Kohl und an Bundestagswahlen, bei denen die CDU ebenso einfallslos mit „Wir in Deutschland“ warb. Das ist nur langweilig.

SPIEGEL: Auch die FDP recycelt offenbar ihre Kampagne. Zieht das?

Sind Plakate sinnlos? Ich glaube, wenn sie provozieren, wenn sie Anlaß zum Streiten und Lachen bilden, dann nicht. Eine wichtige Aufgabe der üblichen Wahlplakate der Parteien scheint mir eine Art Gehorsamsprüfung für die Fußtruppen, fürs einfache Parteivolk wie etwa den hier bloggenden Plakathänger zu sein. Wer drei Stunden Schlaf für das Aufhängen solcher Plakate opfert, in dem setzt sich der Glaube fest: „Aber zu irgendetwas muss es ja gut sein! Denn sonst würde ich das ja nicht machen. Ich wäre ja blöd.“

Das Foto zeigt ein von dem hier bloggenden Fußsoldaten mit aufgehängtes Plakat zur Europawahl in der Kreuzberger Oranienstraße. Da finde ich es aber schon wieder toll, denn es sticht ins Auge … ihr wißt warum, oder?

Bitte bitte nicht vergessen: Am 7. Juni ist Europawahl! Stellt euch vor, keiner geht hin. Das könnt ihr uns nicht antun! Bei so tollen Plakaten!

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Nov 272007
 

O Segnungen der Technik! Was Dieter Althaus kann, kann ich auch – nämlich eine Powerpoint-Präsentation für jedermann abrufbar ins Netz stellen. Hier ist es die Präsentation „Positive Kommunikation“, die ich bei verschiedenen Gelegenheiten vortragen durfte, etwa am 27.10.2007 in der Akademie Schmöckwitz (dieser Blog berichtete).

positive-kommunikation.ppt

Ihr seid alle aufgerufen, ein bisschen herumzuknobeln, die Spiele durchzuspielen und auch die Fragen zu überlegen. Was haltet Ihr davon?

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Positive Kommunikation? Fragen – Antworten – Fragen

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Okt 292007
 

Am Samstag abend fahre ich nach Schmöckwitz. Klausurtagung des CDU-Kreisvorstandes Pankow. Erneut werde ich gebeten, mein Konzept der „Positiven Kommunikation“ darzustellen. Ich bemühe mich, in sieben Wendungen das Wesen dieser Methode zu fassen:

Positive Kommunikation sieht vor allem das Gute, arbeitet mit Fragen und Lob, setzt auf Vertrauen, richtet sich stets auch an Außenstehende, sieht in die Gegenwart und nach vorne, erarbeitet Gemeinsamkeiten, ermöglicht echte Gespräche, fördert gemeinsames Handeln.

Negative Kommunikation sieht vor allem das Schlechte, arbeitet mit Drohungen, Verneinungen und Angst, richtet sich an die eigenen Leute mehr als nach außen, klammert sich an Vergangenes, will vor allem Recht behalten, verhindert Gespräche und gemeinsames Handeln.

Negative Kommunikation – so meine Behauptung – bringt uns nicht weiter. Ich werfe meinen Hut in den Ring und werbe mit vollem Einsatz für Positive Kommunikation.

Besonders spannend ist die Frage, ob eine Partei auch in der Opposition Positive Kommunikation pflegen sollte. Wäre das nicht Wasser auf die Regierungsmühlen? Hierzu meine ich: Die Opposition darf und soll Kritik üben, muss sogar die Mängel der Regierungspolitik schonungslos anprangern. Allerdings muss sie stets auch positive Alternativen aufzeigen. Sonst lähmt sie, macht mutlos und verdrossen. Erfolgreiche Opposition besteht auch darin, den Leuten Zuversicht einzuflößen, das Wagnis des Wandels einzugehen. Jammern und Anklagen kann immer nur ein erster Schritt sein. Wenn die Leute sich offensichtlich wohl fühlen, was hülfe es, ihnen schlechte Laune zu machen? Nur um damit Wechselstimmung zu erzeugen?

Ich steigere mich anschließend in ein Loblied auf unsere deutsche Demokratie und den Rechtsstaat hinein, wie ich es so nur selten gesungen habe.

Ich werde gefragt, ob ich etwas gegen den Spruch habe: „Die Mauer muss weg!“ Antwort: Nein, ich habe nichts dagegen. Gegen echtes Unrecht, gegen schreiende Missstände müssen wir laut und vernehmlich die Stimme erheben. Aber wir dürfen nicht vergessen, Alternativen zu entwerfen.

Noch besser – das fällt mir erst nachher ein – ist somit die Wendung: „Wir sind das Volk!“ Dies ist eine klare, positiv formulierte Ansage, einschließend statt ausgrenzend, offen für Neudeutungen. Das war eine der Jericho-Trompeten, welche die innerdeutsche Grenze zu Fall brachten. Ein Paradebeispiel für positive Kommunikation, für die Kraft des Wortes, an die ich glaube. Mehr davon brauchen wir!

Ausführlich spreche ich über den oft zu hörenden Politiker-Satz: „Es ist eine Schande, dass … !“ Ich halte ihn für untauglich, ein typisches Beispiel für weitverbreitete negative Kommunikation. Am nächsten Abend schleudert ihn Oskar Lafontaine bei Anne Will in der ARD den CDU/CSU-Vertretern entgegen: „Es ist eine Schande, dass eine christliche Partei sich gegen Mindestlöhne ausspricht!“ So wie ich ihn von Unionspolitikern ebenso inbrünstig gegen die PDS habe richten hören. Hier tritt hervor: Politische Beziehungen werden wechselseitig gestaltet.

Wir sind verantwortlich. Wir sind das Volk.

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Tusk gewinnt haushoch in Polen – dank positiver Kommunikation

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Okt 222007
 

Lese eben vor dem Aufbruch noch von Tusks Wahlergebnis. Großartig, ich bin begeistert. Tusk hat gewonnen, weil die Polen kein Freund-Feind-Denken mehr wollen, weil sie des alten Blockdenkens überdrüssig sind. Er ist – nach eigenem Bekunden – – pro-deutsch, pro-russisch, pro-tschechisch … ein echter Patriot eben, der für sein Land gute Beziehungen zu allen Nachbarn will. Jestem bardzo zadowolony! Witam panstwo serdecznie z Kreuzberga!

 Posted by at 09:06