Wir gehen baden! Ab ins Prinzenbad!

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Jul 062014
 

2014-07-07 10.30.49

Ein schöner Sonntag geht zu Ende. Schwalben ziehen sirrend durch den Hinterhof, der Brunnen hat das Plätschern eingestellt. Am Vormittag war wieder eins unsere beliebten Kinderkonzerte. Die 12 Kinder spielten wie die Cherubim im Carl-Flesch-Saal der UdK sehr artig und sehr zu Herzen gehend. Dann sagte einer: „Wir gehen baden! Ab ins Prinzenbad!“ So geschah es. Am Nachmittag lockte es uns zwar nicht alle, aber doch zu sechst (2 Väter und 4 Kinder) in das Prinzenbad. Herrlich! Viele entspannte, lachende, glückliche Menschen sahen wir heute im Kreuzberger Prinzenbad. Das Prinzenbad verdient höchstes Lob.

Sommerstadt Berlin! Bäderstadt Berlin!

Soeben tischte ich zum Abendessen zwei riesige Teller selbstgekochte Spaghetti alla bolognese mt knackigem Salat auf.

Die  Ausstellung „Wir gehen baden“, eine Sommerausstellung im Kupferstichkabinett, verdient ebenfalls höchstes Lob. Reizvoll, entzückend, toll gemacht. Sie verlockt und verführt zu allerlei Streifzügen, manch liebgewordene Erinnerungen an das, was in einigen Jahrzehnten eigener Badeerfahrungen, eigener Badebegegnungen geschehen ist, stiegen in mir auf: von dem ersten Anstaunen des anderen Geschlechtes im Gersthofener Freibad (bei Augsburg) bis hin zu allerlei lockeren Plaudereien mit multikulturellen Bikinimädchen an den sonnenbestrahlten Küsten der Türkei.

Eine Psychogenese der Person im Spiegel des Badens, das bietet bei eingehender Betrachtung und Besinnung diese Ausstellung. Phantastisch!

Folgende Werke habe ich gestern näher ins Auge gefasst:

Auguste Renoir, Baigneuse debout, en pied

Pisanello, Bademädchen

Anders Zorn, Seichtes Wasser

Georg Pencz, Die sieben Planeten: Venus

Lucas van Leyden, Susanna im Bade

Tom Wesselmann, Cut out nude

Herman Saftleven, Die vier Jahreszeiten, darin: Winter. „Frigidus venit hiems glacies cum frenat aquarum cursus et pedibus lubrica praebet iter“

Honoré Daumier, Les baigneurs, darin: „Après trois mois de cette exercice non interrompue, on se trouve réduit à l’état de poissson, et l‘être le plus timide peut se présenter“

Leopold Ludwig Müller (1767-1838), Das Welpersche Badeschiff auf der Spree, um 1802. Erstes städtisches Badeschiff Europas! Bahnbrechend!  

Hans Sebald Beham, Der Jungbrunnen und Badehaus

Albrecht Dürer, Männerbad

Dieter Asmus, Mädchen am Meer

Ich nahm gestern um 14 Uhr an der Führung „Baden in der Renaissance“ teil. Es war für mich als Mann hochinteressant. Das Geschlechtliche, näherhin das Thema Transgender, Homosexualität und Geschlechtsambivalenzen, beginnend bei Dürers Männerbad,  stand im Vordergrund der gestrigen Führung, die implizit spannende Ausblicke auf die Fortschreibung dieses jahrtausendealten Motivstranges bis hin zur heutigen LGBT-Hauptströmungsgleichschaltung bot, wie es sich beispielsweise unsere bundesweit berühmten Kreuzberger Grünen oder die berühmte Kreuzberger taz auf die politischen Fahnen geheftet haben. LGBT-Menschen, also Lesbians, Gays, Bisexuals und Transgenders gab’s immer schon, ein Blick in die reichen Schätze von ein paar Jahrtausend Kunstgeschichte lehrt’s wieder und wieder. Ja mei.

Ansonsten: Ein Zuhörer der Führung machte gestern Wellen, trübte das Wasser, brach bei einer unsicheren Titelbelegung mehr oder minder mutwillig  einen Streit über Titel im Museumswesen an: „Die Hälfte der Titel von euch Museumsleuten sind anfechtbar! Ist doch alles nur Konvention! Ihr bringt euch doch nur selber in die Bredouille!“, sagte der kecke Zuhörer plötzlich. Er fiel aus der Rolle, der Kurator aber nahm’s gelassen: „So ist es! Diese Werke hatten keine Titel. Das Beilegen der Titel kam im großen Umfang erst mit der Sammlerbewegung im 19. Jahrhundert auf.“

Ausgerechnet an der Stelle, wo in der vorhergehenden herrlichen Arkadien-Ausstellung im Kupferstichkabinett Venezianos „Vertreibung aus dem Paradies“ (Kat. Nr. 5) hing, hängt ja jetzt Hans Sebalds Jungbrunnen mit verwandt zweideutiger Gender-Zuschreibung, wie sie etwa auch die beiden Figuren auf der Mauer des rätselhaften Veneziano-Kupferstiches boten!

Super spannend. Die meisten Titel auch von berühmten Gemälden sind bis ins 19. Jahrhundert hinein schlicht Zuschreibungen der Nachwelt. Sie prägen unsere Wahrnehmung auf häufig verengende, unzulässig einengende Weise.

In jedem Fall lohnt die Ausstellung einen lässigen Besuch. Leichte sommerliche Kleidung und Flipflops nicht vergessen. Eine atlantikblaue Frisbee-Scheibe der Berliner Bäder gab’s gestern gratis obendrein. Cool.

Wir gehen baden! Eine Sommerausstellung im Kupferstichkabinett. Kulturforum, Matthäikirchplatz. 4. Juli – 26. Oktober 2014, Di, Mi, Fr 10-18 Uhr. Do 10-20 Uhr. Sa+So 11-18 Uhr

Bild: Ludwig von Hoffmann Knaben am Strand um 1895 vor Helm auf der Liegewiese im Prinzenbad

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Mai 182014
 

Einen deutlichen Dämpfer, einen Stimmungsduscher erlebten wir heute beim Versuch, das Spreewaldbad in der Wiener Straße zu entern: Meine letzte Barschaft hatte ich in die Packtasche gesteckt: „11 Euro 50, das müsste dicke für zwei reichen“, dachte ich.  Dann schwangen wir uns auf das alte Raleigh-Tandem. Denn meinem zweiten Sohn ist vor drei Tagen das Fahrrad gestohlen worden, so dass wir auf unsere alte Familienkutsche zurückgreifen müssen. Wir querten am Kotti die Route des Velothons, den wir dieses Jahr nicht mitbestritten. Schon war es geschafft! Wir schlossen das Tandem vor dem Zirkus Cabuwazi an.

„Bitte einmal den Eintritt für ein Kind und  einen Erwachsenen.“ So sagte ich’s artig und schlicht an der Kasse an.

„Dreizehn Euro!“, scholl es zurück. Ich glaubte mich verhört zu haben und schob gutgläubig wie ein des Rechnens unkundiger Analphabet meine gesamte Barschaft zur freundlichen Kassiererin: 11 Euro 50.

„DREIZEHN EURO!“ sagte die freundliche Kassiererin unverwandten Blickes freundlich. „Aber das  das kann doch nicht sein“, stotterte ich.

„Tja, das ist jetzt ein freizeitorientiertes Schwimmbad und deswegen kostet es mehr!“, klärte mich ein freundlicher Familienvater auf. „Wir haben das letzte Mal auch geschluckt, aber es ist eben freizeitorientiert.“

„Ich habe nicht so viel bei mir!“, seufzte ich. Blickdialog: — ?-! -!! – Schweigen im Spreewalde, Stummheit hinter der Kasse! Wir zogen Leine wie Leichtmatrosen, die für zu leicht, für nicht geldschwer genug, für sozial schwach eben befunden worden worden waren.

Tja, ein letzter Blick auf den Preisaushang bestätigte die Deutung. Freizeitorientierung – die kostet neuerdings extra! Oder war es der Warmwasserzuschlag? Ich war so verwirrt, dass ich es nicht mehr genau weiß. Freizeitorientierungszuschlag –  ist das vielleicht eine Art Gentrifizierungszuschlag, oder muss man extra zahlen, weil man gleich danach allerlei Kräuter und Düfte erwerben kann, so direkt neben dem Görlitzer Park in diesem sozial starken SO-36-Stadtgebiet?  – Oder eine Ferienwohnungszuschlagsabgabe für mutmaßliche gesetzesbrecherische Touristen zur Finanzierung der geplanten neuen Mitarbeiter und der neuen Mitarbeiterwohnungen der Berliner Bezirksverwaltungen für die schlagkräftige Überprüfung der Zweckentfremdungs- und Ferienwohnungsverbotsverordnungseinhaltung? Wir wissen es nicht. Wir werden oder wollen es nicht erfahren. Beim letzten Besuch vor etwa einem oder zwei Jahren zahlten wir (glaube ich) 6,50 Euro für Vater und Kind zusammen.

Also schwangen wir uns wieder aufs Tandem und wählten  – die Alternative für Deutschland,  das bekannte und berühmte Prinzenbad. „Sind Sie jetzt auch ein freizeitorientiertes Bad – oder weiterhin ein arbeitszeitorientiertes Bad?“, fragte ich furchtsam an der Kasse. „Wir sind normal, und das macht für Sie beide zusammen 9 Euro.“

Oha – sieh an! € 5,50 zahlen die Erwachsenen neuerdings am Prinzenbad, € 3,50 die Kinder. Sauber, sauber.  Arbeitszeitorientiertes Frühschwimmen bis 09.00 Uhr und feierabendorientiertes Spätschwimmen ab 17.30 Uhr werden nicht mehr durch einen Preisabschlag belohnt.

Letztes Jahr kostete es für Erwachsene 4 Euro, für Kinder 2,50.

„Auch diese Eintrittspreise sind bei weitem nicht kostendeckend!“, erklärte ich meinem Sohn. Wir zahlten also ohne zu murren den Eintritt in das arbeitszeitorientierte Prinzenbad – und hatten mindestens die herrliche Freifläche und das unbeheizte Sportbecken ganz für uns. Das Wasser im Sportbecken  war etwa so warm wie die Luft, also etwa 16 Grad.

Summa summarum lautet die nüchterne Bilanz des Tages:

Contra Freitzeitorientierung – pro Arbeitszeitorientierung in Berlins öffentlichen Bädern! Pro Prinzenbad!

Cool!

 

Die beiden anderen Becken sandten wallende Dämpfe in die klare, vom Regen reingewaschene Kaltluft. Herrliche Bilder!

 

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Jun 262011
 

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Herrliches Badewetter herrscht seit einigen Tagen: Temperaturen zwischen 20 und 24 Grad, sodass man nicht abschlafft! Ab und zu für 20 Minuten Sonnenschein zum leichten Vorbräunen! Alle drei Becken sind voll benutzbar, eines ist weitgehend menschenleer: das Nichtschwimmerbecken. So können wir Bahn um Bahn ungestört uns tummeln.  Ich verbringe 1-2 Stunden im Prinzenbad, wann immer es geht. Bitte, Leserinnen und Leser: Verbreitet die Kunde nicht weiter, dass es im Prinzenbad riesige Erholungs- und Spielflächen satt gibt!

Gestern beobachtete ich über ca. 30 Minuten aus nächster Nähe die beiden Habichte, die sich mittlerweile im dauerhaft  menschenleeren hinteren Teil ihr Jagdrevier gesichert haben. Die unverwechselbaren, gellenden Rufe der prachtvollen Tiere schallen weithin! Dass Greifvögel in einem innerstädtischen Bad horsten und brüten, ist eine aufregende Erfahrung – die allerdings nur möglich ist, weil das Bad über die allermeiste Zeit des Jahres verwaist ist und sich die herrlichen Raubtiere unbehelligt fühlen.

Der gemeine Kreuzberger ist ja an sich verwöhnt, steckt bei unter 25 Grad oder Gefahr von Bewölkung oder Regentröpfchen nicht einmal den Zeh ins Wasser.

Ab und zu schaue ich bei den SCUBES vorbei, die recht verschwiegen in einem sonst ungenutzten Geländeteil aufgestellt sind. Kleine Kinder können dort  Geburtstage feiern. Besser als in den In-door-Spielplätzen, die Kinder in eine Plastikwelt einsperren!

Die Bezirkspolitik von Friedrichshain-Kreuzberg macht – über die Financial Times – deutschlandweit durch ihre kämpferischen Kapriolen von sich reden. Dabei waren die Grünen doch früher soo pazifistisch. Na, der Jugoslawien-Krieg scheint da einiges geändert zu haben:

Out of Office: Berliner bekriegen Designer-Hütten, Seite 2 | FTD.de

Werden unsere gewählten Bezirkspolitiker es schaffen,  den feindlichen Angriff privatwirtschaftlichen Denkens in den hochsubventionierten VEB „Nationalpark Prinzenbad“ zurückzuschlagen? Wir bleiben als selbsternannte „Kriegsberichterstatter“  dran an dem putzigen Casus belli! Von „Bürgerprotesten“ kann jedenfalls keine REDE sein.

Ich bin doch auch nur ein einfacher Kreuzberger Bürger und Blogger! Und ich protestiere hiermit in aller gebotenen Höflichkeit gegen die Falschmeldungen, wonach es Bürgerproteste gegen die SCUBES gebe. Hier sind durch Park- und Badschützer jede Menge unsinnige Behauptungen in Umlauf gesetzt worden, die keinerlei Nachprüfung standhalten.

Bild: Kampfspuren: das ist die Spur der räuberischen Habichte im Sommerbad Kreuzberg! Ausgerupfte Federn von Beutevögeln.

Also – kommt in Scharen  ins Prinzenbad! Es ist Platz für alle da!

 Posted by at 09:26

Im Prinzenbad beobachtet: Habichte auf Jagd

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Jun 172011
 

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Heute besuchte ich erneut das Prinzenbad und beobachtete dabei mehrfach Raubvögel, vermutlich Habichte. In dem Horst, der durch einen – nunmehr weniger umfänglichen – Bauzaun umhegt ist, konnte ich wie schon an den Vortagen keine Bewegung erkennen. Etwa von 08.30 Uhr bis 09.30 Uhr hörte ich jedoch in mehreren Abschnitten lang anhaltendes, sehr lautes Amselrufen in den Wipfeln entlang dem Zaun am Uferweg des Landwehrkanals. Die Bäume sind dort etwa 15-20 m hoch. Das Geschrei der Amseln und anderer Singvögel ertönte stets von oben.

Zwischendurch erscholl der hohe, charakteristische Ruf des Raubvogels, also des vermuteten Habichts. Mithilfe des zufällig mitgeführten Handys ist es mir gelungen, die Rufe der Amseln und des Habichts bzw. der Habichte aufzunehmen.

Gesehen habe ich heute am Vormittag aus nur 10 bis 20 m Entfernung im Kreuzberger Prinzenbad zwei Raubvögel: drei Mal einen großen, gedrungen wirkenden Raubvogel, offenbar das Habichtweibchen. Alle drei Male flog es von einem Ast ab, einmal versuchte es zwei Kaninchen, die am Boden hoppelten, zu schlagen, was aber misslang, da die Kaninchen rechtzeitig im Gebüsch verschwinden konnten.

Zwei Mal konnte ich für etwa 90 Sekunden  einen wesentlich kleineren Raubvogel beobachten; auch hier war ich durch die Angst- und Warnrufe der Singvögel direkt zum Ansitz des Habichts geführt worden. Der kleinere Habicht wirkte nur etwa halb so groß wie der zuerst gesehene größere Vogel. Von seinem Ansitz aus flog der kleine Habicht von Baum zu Baum.

Nach dem Verlassen des Bades beobachtete ich beim Entlangfahren am Landwehrkanal noch einen weiteren Flug des Raubvogels. Der große Habicht schwang sich von hoch oben auf einem Baum, der auf dem Gelände der Gaststätte Zum Brachvogel steht, und flog Richtung Urbanhafen, ehe er sich auf einem anderen Baum niederließ.

Zwei Mal gelang es mir, die Raubvögel auf einem Foto-Handy schlecht und recht aufzunehmen:

http://www.youtube.com/watch?v=653KdVTrzO8

http://www.youtube.com/watch?v=gD5EVNtMrZM

Ob der kleinere Habicht ein Jungvogel oder das Männchen war, konnte ich nicht entscheiden. Allerdings fehlte die charakteristische Bänderung des adulten Habichts, so dass ich insgesamt der Meinung zuneige, es handele sich um einen Jungvogel, zumal das Tier recht klein wirkte – nur etwa 25 cm Körpergröße in meiner Schätzung.

Als gewiss kann ich nur folgendes festhalten:

Ich beobachtete heute am frühen Vormittag zum ersten Mal in all den vergangenen Tagen im Kreuzberger Prinzenbad sowie in dessen unmittelbarer Nähe zwei oder mehr unterschiedliche Raubvögel, von denen einer mittelgroß wirkte, etwa 60 cm groß, der andere oder die anderen deutlich kleiner, nur etwa 25 cm. Die Vögel schienen dort ihr festes Revier zu haben. Sie waren sehr leicht zu beobachten oder ausfindig zu machen, da die Warnrufe (oder auch die Todesrufe) der Beutevögel den Beobachter zum jeweiligen Aufenthaltsort des Raubvogels führten.

Der Schutz des Horstes im Liegewiesenbereich ist verringert oder aufgegeben.

 Posted by at 14:51

Es waren Habichte nicht in der Luft zu sehen …

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Jun 132011
 

13062011720.jpg… und auch nicht im Horst, als wir uns lautlos im Prinzenbad heranpirschten. Unsere Erkundungsgänge brachten heute keine Sichtung der herrlichen Tiere. Die Nestlinge waren heute wohlverborgen – sie scheinen aber auch noch keine Ästlinge zu sein. Die Habichteltern jagten offenbar in Feld und Flur die übliche Habichtsbeute: Kleinsäuger, Vögel, wohl auch den einen oder anderen Lurch.

Wo hat das Kreuzberger Habichtspaar den Horst gebaut?  Schaut hin: In der Zwiesel der Pappel seht ihr den Horst der Habichte. Nebenbei: Zwieseln – vor allem v-förmige Zwieseln – gelten dem Förster stets als bedenklich, da sie wegen der einwachsenden Rinde eine Bruchgefahr bedingen!

Was aber sind Ästlinge? Ein Blick in die neuesten deutschen Wörterbücher von Duden und Wahrig ergibt, dass „Ästling“ nicht geführt wird. So sei’s euch erklärt: Ästlinge sind junge Raubvögel, die bereits vorsichtig das Nest verlassen, um von den Ästen aus die Umwelt zu erkunden und erste Flügelbewegungen zu unternehmen – stets versorgt und weiterhin gefüttert von den Eltern.

Die Aufzucht der Jungvögel dauert etwa 2 Monate. In genau dieser Zeit genießen die Raubvögel, obwohl die Art im Bestand nicht gefährdet ist, besonders strengen Schutz. Die Pappel wird deshalb weiträumig durch einen Bauzaun abgesperrt.

Vorbildlich badegastfreundlich ist auch das neue Hinweisschild des Prinzenbades, das alle nötigen Angaben auflistet und noch einmal um Verständnis bittet – welches ich hiermit erneut zusichere. Danke Prinzenbad! Wir werden weiter berichten.

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 Posted by at 22:49

Bauordnung muss sein! Auch im Prinzenbad!

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Jun 012011
 

14052011584.jpg„Ordnung muss sein!“ Das ist eines der geflügelten deutschen Worte, das beispielsweise in Russland und Polen immer noch sehr viele Menschen, die sonst mit Deutschland wenig am Hut haben, kennen. Die Ordnungs- und Genehmigungswut der Deutschen ist sprichwörtlich, wird vielfach belächelt – und wurde in finsteren Zeit auch gefürchtet.

Große weitläufige Wiesen erstrecken sich rings um die drei Becken des Kreuzberger Prinzenbades. Sobald die Sonne kräftig vom Himmel lacht und sobald die Temperaturen nachmittags dauerhaft über 28 Grad liegen, strömen die Menschen herzu. An mindestens zwanzig Tagen im Jahr herrscht Hochbetrieb im Prinzenbad! Aber selbst dann findet man stets noch genug Platz um sich zu lagern. Traumhaft schön!

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An allen anderen Tagen kann man das riesige Bad nahezu unbehelligt genießen.

IntegrationspolitikerInnen sollten an heißen Sommertagen unbedingt einmal einen ganzen Nachmittag im Prinzenbad verbringen, denn die Besucherinnen und Besucher spiegeln die bunte multikulturelle Zusammensetzung der Kreuzberger Bevölkerung wider. Das lässt sich in Verhalten und Kleiderordnung für Männer und Frauen, in den gesprochenen Sprachen und in der Gestik deutlich ablesen.

Ich kenne kein anderes innerstädtisches Freibad in Deutschland, das so großzügig  angelegt wäre wie unser heimatliches Prinzenbad. Sport-, Bewegungs- und Ruheflächen sind üppigst vorhanden. Das Ungererbad in München-Schwabing etwa ist sicher nur ein Drittel so groß, und es war an den vielen Tagen, die ich es besuchte, meist gut gefüllt.

Selbst an sonnigen, aber nicht heißen Tagen ist es leer, wie etwa dieses Video über Glück im Prinzenbad beweist.

Danke Bayern, danke Banden-Württemberg, murmele ich immer wieder mal. Denn jede gelöste Eintrittskarte wird laut Auskunft der Berliner Bäderbetriebe mit durchschnittlich 8 Euro bezuschusst. Ein Zeichen der unerschütterlichen Solidarität der Geberländer, die das Armutsland Berlin so großzügig bezuschussen und etwa die Hälfte des laufenden Haushaltes unseres hochverschuldeten Bundeslandes beisteuern. Dank an die edlen Spenderbundesländer! Ihr bezahlt unsere Mieten, unsere U-Bahn, unsere Sommerbäder mit!

Ich bin und bleibe ein leidenschaftlicher Nutzer des Prinzenbades, kann mit einem Blick auf den Himmel voraussagen, ob das Bad leer, fast leer, wenig gefüllt,  oder auch mal voll ist.

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An nicht oder wenig genutzten Flächen entdeckte ich vor kurzem einen Kunsttempel. Kunsttempel? I wo! Es war eine jener Scube-Boxen, die zahlende Gäste nächteweise anmieten können. Eine kleine pfiffige Idee für Touristen, die den Ruhm unseres Bades hätten mehren können – und gleichzeitig Geld eingespielt hätten. Hätten anmieten können. 2008 wurde dieser coole Kunstgriff bereits vom Stapel gelassen. Aber mitterweile ist alles schon wieder vorbei.

Die Bezirksverordnetenversammlung (wieder so ein Wort!) hat sich deutlichst gegen diese kistenartigen Übernachtungsquartiere ausgesprochen. Begründung: Es fehle an Genehmigungen! Es fehlte an Unter- und Einordnung in den übergeordneten Zweck des Grundstückes, das eine Badeanstalt sei und bleibe. Es fehlte an Platz. Ich widerspreche entschieden: Die Boxen sind derzeit an einem Ort angebracht, den die Badegäste nie betreten und nicht nutzen. Ich kenne doch das Areal wie meine Ortlieb-Satteltasche.

Die Berliner Woche – Ausgabe Kreuzberg – berichtet dies aktuell auf S. 4.

Ordnung muss sein. Verhinderungsmanie und Obrigkeitsdenken herrschen weiterhin vor. Typisch deutsch. Das ist die Dagegenhaltung, die so vieles verhindert in Berlin. Schade.

Trotzdem: Das Prinzenbad verdient mehr Besucher! Politikerinnen und Politiker! Bezirksverordnete! Besucht das heimatliche Prinzenbad! Auch an kühlen Tagen! Stellt euch nicht so an!

 Posted by at 15:44